Augenschmerzen: Überblick

Augenschmerzen haben ihren Ursprung meistens im Auge selbst, seltener im Umfeld. Sie sind nicht immer leicht von Kopfschmerzen zu unterscheiden und oft mit Sehstörungen verbunden

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 25.10.2017

Augenschmerzen: Nur eine Lappalie?

Wenn Augen stechen, reiben, jucken, brennen oder schmerzen, tränen sie häufig auch vermehrt und sind gerötet. Als ob dies nicht lästig genug wäre, können auch Sehstörungen, etwa Doppelbilder, oder Lichtscheu (Photophobie) dazukommen.

Es mag gute Gründe dafür geben, dass die Augen manchmal bis zur Toleranzgrenze gereizt sind. Beispielsweise kann Prüfungsstress mit tage- und nächtelangem Lesen die Entfernungseinstellung der Augen (fachsprachlich: Akkomodation) gerade bei empfindlichen Menschen sehr strapazieren. Bei der Akkomodation ändert sich je nach Weite des Blickes die Brechkraft der Augen.

Wenn das Brennen, Jucken und Müdigkeitsgefühl der Augen aber nicht vergeht, nachdem der Stress längst vorbei ist, dann ist das gewiss nicht normal. Sicherheitshalber sollte man in jedem Fall bei Missempfindungen an den Augen – ob Brennen oder Schmerzen – zum Augenarzt gehen, erst recht natürlich, wenn das Sehen in irgendeiner Form leidet.

Augenschmerzen: Akut oder chronisch?

Schmerzende Augen – dazu kann es akut kommen. Die gezielte Behandlung beim Augenarzt wird das Problem meist lösen. Manche Augenschmerzen verlaufen allerdings langwieriger, eventuell chronisch. Möglicherweise gefährdet die zugrunde liegende Erkrankung mitunter sogar das Sehvermögen.

Die Ursachen können hier zwar ebenfalls das Auge selbst betreffen. Manchmal sind jedoch andere Erkrankungen im Spiel. Was jeweils Sache ist, kann nur der Augenarzt beurteilen. Bei Bedarf wird er einen anderen Spezialisten hinzuziehen.

Augenschmerzen oder Kopfschmerzen?

Krankhafte Vorgänge in der Umgebung des Auges – im Kopf, in den Nasennebenhöhlen, mitunter auch am Hals – können sich ebenfalls mit Schmerzen bemerkbar machen, die schwerpunktmäßig in der Augengegend verspürt werden. Mitunter ist es unklar, ob zum Beispiel Kopfschmerzen eher von den Augen herrühren, oder ob es sich um Kopfschmerzen handelt, die auch im Bereich der Augen verspürt werden, wie etwa bei einer Art Migräne.

Starke Schmerzen am oder im Auge oder plötzliche, massive, "vernichtende" Kopfschmerzen sind immer ein Alarmsignal. Rufen Sie den Notarzt (als Teil des Rettungsdienstes, Tel.: 112) oder lassen Sie sich, je nach Krankheitsverdacht und möglichen Begleitsymptomen, in die Notaufnahme einer Augenklinik beziehungsweise einer neurologischen Klinik bringen. Bei einem mutmaßlichen Glaukomanfall zum Beispiel (siehe Kapitel "Ursachen am Auge") gilt es, sich unverzüglich zum behandelnden Augenarzt oder in eine Augenklinik zu begeben.

Welche Anteile des Auges können überhaupt wehtun?

Eine einfache Bindehautentzündung ohne Beteiligung der Hornhaut zum Beispiel macht nicht wirklich Schmerzen. Sie verursacht aber ein rotes, vielleicht auch vermehrt tränendes Auge mit Fremdkörpergefühl oder juckende, angeschwollene Lider.

Dagegen sind Augenabschnitte wie die Hornhaut, Lederhaut und teilweise die Uvea schmerzempfindlich. Die Uvea ist die vielen Menschen kaum bekannte mittlere Augenhaut. Hier können Schmerzen von Teilbereichen wie der Regenbogenhaut (Iris) und dem sogenannten Strahlenkörper (Ziliarkörper; siehe Grafik "Bauplan des Auges" weiter oben) ausgehen. Entzündet sich zum Beispiel die Uvea, was je nach Umstand zu Augenschmerzen führen kann, aber nicht muss, spricht der Arzt von einer Uveitis.

Zu den "Anhängseln" (Adnexen) des Auges, die mitunter ebenfalls Schmerzen verursachen können, gehören die Lider, Tränenwege und in den Augenhöhlen beispielsweise die Muskeln, die für die Augenbewegungen zuständig sind. Mögliche Schmerzquellen am Auge sind auch Nerven, Gefäße und das schützende Bindegewebe namens Tenon-Kapsel, das etwa zwei Drittel des Augapfels umhüllt. Fasern der Kapsel strahlen in die seitlich liegenden Sehnen der Augenmuskeln aus, feinste Ausläufer verlaufen auch zur Bindehaut.

Die wichtigsten Ursachen von Augenschmerzen

Am Auge:

  • Falsche Brille, Kontaktlinsen
  • Entzündungen der mittleren Augenhaut, genannt Uvea (Uveitis beziehungsweise Iritis, Iridozyklitis)
  • Erkrankungen der Lederhaut (Episkleritis, Skleritis)
  • Entzündung des Augeninneren (Endophthalmitis) durch Erreger wie Bakterien, selten Pilze (etwa der Art Candida)

Mehr dazu, ausgenommen Verletzungen, im Kapitel "Ursachen am Auge".

In der Augenhöhle:

  • Sehnervenentzündung (Optikusneuritis, Retrobulbärneuritis)
  • Muskelentzündung (Myositis)
  • Pseudotumor der Augenhöhle; Tolosa-Hunt-Syndrom
  • Endokrine Ophthalmopathie
  • Tumore der Augenhöhle
  • Augenhöhlen-Vereiterung (Orbitaphlegmone)

Das Kapitel "Ursachen in der Augenhöhle" informiert Sie genauer.

In der Umgebung des Auges:

  • Spezielle Kopfschmerz-Erkrankungen: Trigeminoautonome Kopfschmerzen wie Clusterkopfschmerz und episodische / chronische paroxysmale Hemikranie (CPH)
  • Spezielle Schlaganfall-Form: Einriss in der Wand der Halsschlagader (Karotisdissektion)
  • Nasennebenhöhlenerkrankungen: Entzündungen, Geschwülste

Im Kapitel "Ursachen in der Umgebung des Auges" erfahren Sie mehr über diese Krankheitsbilder.

Teilweise informieren die Ursachenkapitel Sie auch über mögliche Therapien. Und: Welche Untersuchungen bei Augenschmerzen anstehen, beschreibt das Kapitel "Diagnose".

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Ausschlaggebend: Das individuelle Krankheitsbild

Ob Blickdiagnose oder Medizintechnik: Wie sich der Weg zur Diagnose gestaltet, hängt vom Krankheitsbild und seiner individuellen Ausprägung ab. Im Notfall muss es immer schnell gehen – gerade auch bei akuten Augenschmerzen oder plötzlichen Sehstörungen.

Ein Glaukomanfall zum Beispiel, bei dem unter anderem diese beiden Symptome auftreten können, erfordert andere Maßnahmen als "nur" leichtes Augenbrennen. Das möchte man zwar auch lieber gestern als heute loswerden und sollte daher den Besuch beim Augenarzt nicht auf die lange Bank schieben. Aber aus medizinischer Sicht besteht hier normalerweise keine notfallmäßige Eile.

Ist genug Zeit, wird der Augenarzt zunächst eingehender nach den Beschwerden des Patienten fragen. Plagen diesen neben Augenschmerzen beispielsweise auch erhöhte Licht- und Blendungsempfindlichkeit, so grenzt das die möglichen Krankheitsursachen bereits etwas ein. Weiteren Aufschluss können die persönliche Krankengeschichte des Betroffenen und Informationen über Krankheiten in seiner Familie (Anamnese) geben.

Die Anamnese ist ein zentraler Punkt im Arzt-Patienten-Gespräch und wichtiger Baustein der Diagnose. Gerade wenn weitere richtungweisende Befunde am Auge fehlen, ist eine genaue Dokumentation der Krankengeschichte häufig hilfreich. Das weitere Vorgehen hängt nicht zuletzt von der Frage ab, ob die Schmerzen tatsächlich vom Auge oder seinen "Anhängseln" (siehe Kapitel "Augenschmerzen: Überblick") ausgehen oder eher eine andere Ursache haben.

Augenschmerzen: Was der Augenarzt untersucht

Bei der Untersuchung der Augen lenkt der Arzt seinen Blick auf den Verdachtsbereich, zugleich untersucht er das Auge systematisch Schritt für Schritt. Dabei geht es etwa um die Sehschärfe (Visus), das Gesichtsfeld, die Augenbeweglichkeit, Weite und Spiel der Pupillen sowie die Entfernungseinstellung (Akkomodation). Um all diese Augenfunktionen zu überprüfen, stehen bestimmte Tests und Techniken zur Verfügung. Welche nötig sind, hängt vom Einzelfall ab.

Was die Beurteilung des Auges selbst angeht, so lässt es sich mit der sogenannten Spaltlampe buchstäblich unter die Lupe nehmen. Mithilfe dieses für den Augenarzt zentralen Gerätes zeigen sich die vorderen und mittleren Augenabschnitte detailgenau wie unter einem Mikroskop (mehr dazu im Beitrag "Spaltlampenuntersuchung"). Um auch die Netzhaut und ihre Gefäße, den Sehnervenkopf und die Stelle des schärfsten Sehens (Makula) am Augenhintergrund anzuschauen, verwendet der Augenarzt meist eine aufgesetzte Kontaktoptik. Mit einem Mittel zur örtlichen Betäubung (Lokalanästhetikum) stellt er vorher das Auge ruhig. Außerdem verabreicht er vor der Untersuchung des Augenhintergrundes (Funduskopie) Augentropfen zur Erweiterung der Pupillen. Bei weiten Pupillen kann er den Augenhintergrund besser einsehen.

Bei erhöhtem Augeninnendruck oder bereits vorhandenem Glaukom (grüner Star, in chronischen Ausprägungen in der Regel schmerzlos!) – und zur Früherkennung dieser Krankheit – wird unter anderem der Augeninnendruck (Tonometrie) gemessen. Über weiterführende Untersuchungen bei diesem Krankheitsbild informiert Sie der Ratgeber "Glaukom (grüner Star)".

Besteht der Verdacht auf ein trockenes Auge, sind Untersuchungen der Tränenflüssigkeit hinsichtlich Menge und Qualität wie Schirmer-Test und Messung der Aufrisszeit des Tränenfilms angezeigt. Die Tränenwege lassen sich auch röntgen oder endoskopisch untersuchen. Außerdem überprüft der Augenarzt die Empfindlichkeit und Unversehrtheit der Hornhaut.

Bei Infektionen des Auges nimmt er einen Abstrich etwa von der Bindehaut oder Hornhaut, oder er entnimmt eine Sekretprobe zur Erregeraustestung.

Spezielle Untersuchungen gelten unter anderem der Aderhaut, Netzhaut und dem Sehernerv, beispielsweise eine optische Kohärenztomografie (OCT, Laservermessung von Sehnervenfasern). Fehlstellungen der Augäpfel wie Schielen (das entsprechende Fachgebiet der Augenheilkunde nennt sich Strabologie) oder neurologische Störungen mit Bezug zu den Augen (Neuro-Ophthalmologie) untersuchen entsprechende Spezialisten.

Manchmal sind weiterführende Untersuchungen bei anderen Fachärzten notwendig

Ergeben sich keine krankhaften Veränderungen am Auge oder deutet ein Befund auf eine externe Ursache hin, wird der Augenarzt den Patienten je nach Verdachtsdiagnose an einen anderen Fachmediziner weiterleiten, etwa einen Internisten, HNO-, Haut- oder Zahnarzt, einen Neurologen oder Neurochirurgen, eventuell auch einen Psychiater.

Dann können sich beispielsweise Röntgenaufnahmen des Schädels und  Ultraschalluntersuchungen der Nasennebenhöhlen, der Kopfgefäße (in Form einer Farbdoppleruntersuchung) oder der Augenmuskeln anschließen. Möglicherweise wird ergänzend noch eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) der Augenhöhlen, der Nasennebenhöhlen oder des Gehirns, eventuell auch eine Gefäßdarstellung (Angiografie) veranlasst.

Außerdem können Blutuntersuchungen, Blutdruckmessungen und Gewebeentnahmen (Biopsien) zu feingeweblichen Untersuchungen notwendig sein. Letzteres kann zum Beispiel aus der Schläfenarterie bei vermuteter Gefäßentzündung (Riesenzellarteriitis) oder aus anderen Geweben bei Verdacht auf eine spezielle Entzündung oder einen Tumor geschehen. Manchmal wird verdächtiges Gewebe aus den "Anhängseln" des Auges – dazu gehören zum Beispiel die Tränendrüsen und Lider – auch gleich vollständig operativ entfernt und mikroskopisch untersucht.

Es gibt zahlreiche Schmerzursachen am Auge

Überwiegend liegt es am Auge selbst, wenn es schmerzt und der Betroffene sich womöglich mit weiteren Augenbeschwerden herumplagt. In diesem Kapitel geht es um Themen wie:

  • Sehfehler, zum Beispiel Weitsichtigkeit, Alterssichtigkeit, Heterophorie / Asthenopie
  • Falsche Brille; Kontaktlinsen
  • Glaukomanfall, Winkelblockglaukom
  • Liderkrankungen und Tränendrüsenerkrankungen, etwa einwärtsgedrehtes Lid, Lidentzündungen, Tränendrüsenentzündung, Tumore der Tränendrüse
  • Hornhautprobleme wie Hornhautentzündung, Hornhautgeschwür
  • Entzündungen der mittleren Augenhaut (Uvea: Uveitis beziehungsweise Iritis, Iridozyklitis) 
  • Endophthalmitis
  • Entzündungen der Lederhaut und der Augenkapsel (Episkleritis, Skleritis, Tenonitis)

Sehfehler: Überanstrengte Augen können weh tun, Kontaktlinsen auch ...

Sehfehler verschlechtern in unterschiedlicher Weise das Sehen. Manchmal sind die Augen ständig überanstrengt, brennen und schmerzen.

  • Weitsichtigkeit und Alterssichtigkeit machen bekanntlich Probleme beim "Nah-Sehen", also zum Beispiel beim Lesen. Wer als alterssichtiger Mensch zuvor normalsichtig war, kann weiterhin gut in der Ferne sehen, hat aber in der Nähe Schwierigkeiten. Werden Weitsichtige alterssichtig, sehen sie auch in der Ferne nicht mehr scharf. Ohne Korrektur liest es sich nicht nur schlecht, die Augen werden auch oft überanstrengt.
    Symptome: Dann ermüden die Augen schnell und brennen, häufig kommt es auch zu Kopfschmerzen. Alterssichtigkeit macht sich etwa ab Mitte 40 bemerkbar. Bei höhergradiger Weitsichtigkeit ist das Risiko eines Glaukomanfalls beziehungsweise Winkelblockglaukoms (siehe unten) erhöht.
  • Akkomodationskrampf: Wenn der Akkomodationsmuskel (Ziliarmuskel) pausenlos angespannt wird, kann er sich mitunter verkrampfen. Passieren kann das zum Beispiel bei intensiver Naharbeit wie stundenlangem Lesen. Aber auch beim Glaukom (grüner Star), bei überkorrigierter Kurzsichtigkeit, bei Infektionskrankheiten und Vergiftungen, bei seelischen Belastungen oder nach Augenverletzungen kann der Ziliarmuskel sich anhaltend verspannen.
    Symptome: Ein Akkomodationskrampf führt zu Augenschmerzen, engen Pupillen und unscharfem Sehen.
  • Heterophorie bedeutet verdecktes (latentes) "Schielen". Die für die Stellung der Augen zuständigen Augenmuskeln arbeiten nicht völlig im Gleichschritt. Dadurch weichen die Sehachsen beider Augen etwas voneinander ab. Das Gehirn kann die Seheindrücke bis zu einem bestimmten Punkt trotzdem zu einem einheitlichen Bild verschmelzen, sodass noch keine Doppelbilder entstehen. Die leichte Abweichung ist nahezu normal: Sie kommt bei vielen Menschen vor, der Sehvorgang stellt sich ab der Geburt darauf ein, nur wenige Betroffene, meist Kinder, haben Probleme.
    Meistens treten keine Beschwerden auf (Normophorie).
    Symptome: Manchmal müssen sich die Augen übermäßig anstrengen, und es kommt im Laufe des Tages zu Kopfschnmerzen, Augenbrennen oder -schmerzen, geröteten, tränenden Augen, eventuell auch Verschwommensehen oder Doppelbildern (Asthenopie). Kinder können Leseschwierigkeiten haben und in der Schule in Rückstand geraten. Irrtümlicherweise wird mitunter eine Lese- und Schreibschwäche (Legasthenie) als Grund vermutet.
    Ob nur eine Asthenopie dahintersteckt, lässt sich problemlos in einer auf Sehschwäche bei Kindern ausgerichteten Augenarztpraxis feststellen. Mit orthoptischen Übungen (Sehschule), eventuell auch einer vorübergehend getragenen Sehhilfe lässt sich das Problem meist in den Griff bekommen.

    Gelegentlich liegt eine andere Störung der Akkomodation zugrunde, zum Beispiel ein nicht erkannter echter Sehfehler. Selten kann sich hinter einer Heterophorie eine krankhafte Ursache, etwa ein neurologisches Problem, verbergen. Dementsprechend sind dann womöglich weitere Beschwerden vorhanden. Die Ursache sollte ansonsten zunächst vom Augenarzt abgeklärt werden. Bei Bedarf zuieht er einen anderen Facharzt hinzu.
  • Kein Wunder: Auch eine falsch gewählte oder nicht korrekt angepasste Brille kann zu Sehproblemen, Augenbrennen oder -schmerzen führen.
    Ungünstigen Einfluss haben da auch Faktoren wie intensive Bildschirmarbeit, trockene Raumluft und Klimaanlagen. Mitunter reagieren selbst normalsichtige Augen gereizt darauf. Ob wirklich alles stimmt, sollte man bei Beschwerden aber überpüfen lassen.
  • Kontaktlinsen sind nicht nur unsichtbare Sehhilfen, sondern bieten viele weitere Vorteile, etwa freie Sicht und zuverlässigen Sitz – auch beim Sport. Jedoch besteht bei manchen Linsentypen ein gewisses Risiko, dass die Hornhautoberfläche punktuell austrocknet, weil sie nicht genügend benetzt und belüftet wird. Dann kann sich eine Rauigkeit oder ein schmerzhafter Defekt (Erosion) auf der Hornhaut bilden. Eine Infektion dieser Schwachstelle mit Bakterien führt zur Entzündung (Keratitis), eventuell entsteht ein eitriges Geschwür (sogenanntes Ring-Ulkus) – ein Augen-Notfall! Wer Kontaktlinsen trägt und plötzlich massive Schmerzen am stark geröteten Auge bekommt, könnte sich zum Beispiel eine Akanthamöbenkeratitis eingehandelt haben. Akanthamöben sind weit verbreitete Parasiten  – vom Erdreich über das Trinkwasser bis zur Schleimhaut in Nase und Rachen sind sie überall präsent. Schon kleine Nachlässigkeiten bei der Linsenpflege führen schnell zu Verunreinigungen und können die ernste Hornhautinfektion auslösen.
    ! Wichtig: Kontaktlinsen und Behälter gemäß Gebrauchsanleitung unbedingt täglich ausschließlich mit dafür entwickelten Lösungen zur Desinfektion und Reinigung behandeln und in den empfohlenen Zeitabständen auswechseln. 

Empfehlung: Bei Augenproblemen rechtzeitig zum Augenarzt! Gegebenenfalls erweist sich dann zum Beispiel die Korrektur einer vorhandenen Sehhilfe oder Erstverordnung einer solchen als sinnvolle Lösung. Eine Akanthamöbenkeratitis bedarf der intensiven Therapie mit speziellen Augentropfen, eventuell auch eines Eingriffs, bei dem die Hornhaut nebst Akanthamöben entfernt und ersetzt wird (Hornhauttransplantation, hier auch kurative = heilende Keratoplastik genannt). Mehr zur Hornhautentzündung weiter unten. Wer Kontaktlinsen trägt, sollte die Augen im empfohlenen Rhythmus kontrollieren lassen.

Akute Augenschmerzen: Glaukomanfall?

Bei zu eng angelegtem oder krankhaft blockiertem Kammerwinkel im Auge kann der Augeninnendruck stark ansteigen, sodass es zu einem akuten Winkelblock kommt. Die Beschwerden sind heftig, das Auge kann erblinden.

Der Begriff "Glaukom" beinhaltet, dass der Sehnerv bereits geschädigt und das Gesichtsfeld beeinträchtigt ist.

  • Akuter Winkelblock: Am Rand der vorderen Augenkammer, zwischen der Hornhautrückseite und der Irisvorderseite, liegt der Kammerwinkel. Wird er akut verlegt (Winkelbock), kann das Kammerwasser nicht mehr abfließen. Der Druck geht dann hoch, die anliegende Hornhaut quillt auf und trübt sich.

    Mögliche Auslöser:

    - Enger Kammerwinkel, zum Beispiel bei Weitsichtigkeit (Kurzbau des Augapfels) und / oder flacher Vorderkammer des Auges (etwa durch eine verdickte Augenlinse bei älteren Menschen), sowie:

      - Bestimmte Medikamente, unter anderem bestimmte trizyklische Antidepressiva
      - Weitstellung der Pupille in einer Schrecksekunde oder im Dämmerlicht
      - Medikamente, die die Pupillen erweitern

    - Bei hoher Kurzsichtigkeit (Langbau des Augapfels): zum Beispiel Kortison als Augentropfen

    - Entzündungen oder andere krankhafte Veränderungen im Kammerwinkel (siehe unten: Uveitis, Iridozyklitis), auch bei ursprünglich nicht engem Kammerwinkel

    Symptome bei akutem Winkelbock
    : Starke Augen- und (Stirn-)Kopfschmerzen, über bestimmte "Schmerzleitungen" manchmal sogar Zahnschmerzen; Übelkeit, Brechreiz, Schwächegefühl, Sehstörungen wie Wahrnehmung bunter Ringe um Lichtquellen und Verschwommensehen. Das Auge ist gerötet, die Hornhaut wirkt leicht getrübt, der Augapfel ist "steinhart", die Pupille weit und starr.


    Therapie:
    Der Augeninnendruck wird zügig durch Medikamente gesenkt. Der Arzt gibt sie in die Blutbahn und in Form von Augentropfen, sofort danach wird eine chirurgische periphere Iridektomie (in bestimmten Fällen auch mittels Laser möglich) vorgenommen. Dabei wird ein direkter Abfluss des Kammerwassers in die Vorderkammer (statt über den verlegten Kammerwinkel) geschaffen. Vorbeugend kann bei engem Kammerwinkel eine sogenannte Iridotomie, eine kleine Irisöffnung, mit dem Laser angelegt werden.

    Zu weiteren Glaukom-Operationen am Kammerwinkel wie Filtrationsoperation oder Laser-Trabekuloplastik siehe unter "Grüner Star (Glaukom)", Kapitel "Therapie".

Liderkrankungen: Schmerzen am Auge, Schwellungen, Knötchen, Bläschen 

Die Augenlider sind die Grenze zwischen Gesichtshaut und Auge. Hautentzündungen im Gesicht können über die Lider auch das Auge erreichen und Schmerzen verursachen. Fehlstellungen der Lider können ebenfalls Augenschmerzen nach sich ziehen.

  • Lidfehlstellung: Nach innen gewendetes Lid (Entropium): Meistens betrifft dieser Lagewechsel das Unterlid. Die Wimpern können dann auf der Hornhaut scheuern und sie schädigen. Der Ablauf ist ähnlich wie zuvor unter dem Stichwort Hornhautentzündung beschrieben: Schmerzen durch Erosion > Infektion und Entzündung > Geschwür). Oft ist das Lidgewebe altersbedingt erschlafft oder die Lidmuskulatur ist verkrampft. In beiden Fällen verzieht sich das Lid. Narben spielen ebenfalls eine Rolle.
  • Lid(rand)entzündung (Blepharitis): Auch diese Liderkrankungen sind schmerzhaft. Das Gerstenkorn (Hordeolum) ist die bekannteste Form der Lidrandentzündung. Auch (eitrige) Entzündungen der Tränendrüse (Dakryoadenitis) oder des Tränensacks am inneren Tränenwinkel (Dakryozystitis) präsentieren sich sich gelegentlich als Lidentzündung.

    Hauterkrankungen im Gesicht, darunter juckende Ekzeme, können leicht auf die Lider übergreifen. Folge: eine Lidentzündung mit all ihren unangenehmen Begleiterscheinungen, wie nachfolgend beschrieben.

    Symptome
    : Ein entzündetes Lid ist geschwollen, eventuell gerötet, die Augen können jucken, brennen, die Lidränder morgens verklebt sein, die Wimpern ausfallen. Bei Übergreifen von Hauterkrankungen auf die Lider zeigen sich dort entsprechende Hautveränderungen und Ausschläge.

    -
    Sonderfall: Zoster ophthalmicus (Gesichtsrose): Herpes Zoster ist eine späte Zweiterkrankung nach einer früheren Windpocken-Infektion. Der Zoster betrifft sowohl die Haut als auch Nerven. Dass er in etwa zehn Prozent der Fälle im Gesicht auftreten kann, ist – anders als die Entsprechung am Rumpf, die Gürtelrose – weniger bekannt. Der Zoster des Auges gilt als komplizierte Zoster-Erkrankung. Denn er kann zum Beispiel auch Augennerven und das Augeninnere – Bindehaut, Hornhaut, Aderhaut – erfassen. Das Gebiet ist hauptsächlich dem ersten sensiblen Ast des sogenannten Trigeminusnervs zugeordnet, dem Nervus opthalmicus. Der Trigeminus ist der fünfte Hirnnerv. Wieder aktiv gewordene Herpes-Viren wandern aus ihrem Versteck, hier dem Nervenzellknoten (Ganglion) des Trigeminus in der Schädelhöhle, am Opthalmicus-Nerv entlang zum Auge.

    Symptome:
    Wenige Tage nach dem Einsetzen von Schmerzen, Kribbeln oder Missempfindungen auf einer Seite im Gesicht brechen in kleinen Gruppen angeordnete klare Bläschen auf inzwischen geröteten und geschwollenen Hautstellen aus: an der Stirn- und angrenzenden Kopfhaut, am Oberlid, an den Augenbrauen und der Nase. Innerhalb von sieben bis zehn Tagen verkrusten sie. Der Zoster kann auf das Augeninnere übergehen, zum Beispiel die Hornhaut oder Regenbogenhaut. Unbehandelt drohen Augenkomplikationen, darunter ein Glaukom oder auch Sehstörungen, etwa durch Befall von Augenmuskelnerven. Wenn das Virus den Nervenzellknoten und betroffene Hautnervenäste geschädigt hat, kann die gefürchtete postzosterische Neuralgie aufreten. Sie führt zu brennenden, anhaltenden Schmerzen, oft gepaart mit unangenehmer Berührungsempfindlichkeit. Das betroffene Hautgebiet kann größer sein als die ursprüngliche Zoster-Zone.


    - Bei einer tief reichenden Herpes-zoster-Entzündung der Hornhaut (meist einseitig, mehr zu Hornhautentzündungen im Abschnitt weiter unten) kann unter anderem die Empfindlichkeit der Hornhaut nachlassen.

    ! Achtung
    :
    Zeigen sich plötzlich an der Nasenspitze zosterartige Bläschen, deutet das auf einen möglichen Befall auch des Auges hin (sogenanntes Hutchinson-Zeichen), da der mutmaßlich betroffene Nase-Wimpern-Nerv (Nervus nasociliaris) nicht nur die Haut in der Nasengegend, sondern auch verschiedene Anteile des Auges ansteuert. Gehen Sie sicherheitshalber bei schmerzhaften Bläschen im Gesicht sofort zum Augenarzt.


    Therapie bei Zoster ophthalmicus:
    Je früher die Behandlung, desto besser. Das heißt: Möglichst innerhalb von drei Tagen nach Einsetzen der ersten Bläschen sollten virushemmende Medikamente über die Blutbahn gegeben werden, außerdem Schmerzmittel. Die virostatische Behandlung verkürzt die Erkrankung und senkt das Risiko einer postzosterischen Neuralgie. Kommt es dennoch dazu, bedarf es einer umfassenden Schmerztherapie. Auf die Bläschen kann im Gesicht ein transparentes Zinkgel mehrmals täglich aufgetragen werden; wenn die Bläschen verkrusten, hilft eine fetthaltige Salbe, die Krusten aufzuweichen.

Hornhauterkrankungen: Fremdkörpergefühl, Schmerzen, Lichtscheu

Schon kleinste Verletzungen der Hornhaut sind auf Anhieb schmerzhaft, ebenso Entzündungen, die relativ häufig vorkommen. Bei einem Geschwür ist Gefahr im Verzug.

  • Die durchsichtige Hornhaut bedeckt das Auge vorne in der Mitte wie ein gewölbtes Uhrglas. Sie ist das am stärksten lichtbrechende Anteil des Auges. Am Rand grenzt sie an die Binde- und Lederhaut. Schon kleinste Verletzungen sind hochschmerzhaft. Zu oberflächlichen Defekten (Erosionen) kann es zum Beispiel kommen, wenn ein Zweig oder Babys Fingernagel das Auge streift. Insgesamt sind die Verletzungsmöglichkeiten schier unbegrenzt, man denke nur an Verätzungen, Verbrennungen, Eindringen von Fremdkörpern, etwa kleinster Partikel bei Schleifarbeiten ohne Schutzbrille.

    Auch unsachgemäßer Gebrauch von Kontaktlinsen (siehe oben) oder starke Lichteinwirkung (UV-Strahlung) können extrem schmerzhafte kleine Erosionen auf der Hornhaut verursachen. Zwar regenerieren sich die Defekte bei angemessener Behandlung meist wieder schnell wieder. Aber sie bergen auch ein Risiko für eine bakterielle Infektion und Entzündung (Keratitis), mit der möglichen Folge einer Geschwürsbildung (Hornhautulkus). Da ein Geschwür durchbrechen kann, ist es prinzipiell eine schwerwiegende Komplikation und ein Augen-Notfall. Durch rechtzeitige Behandlung lässt sich eine solche Zuspitzung jedoch meistens vermeiden.

    Außer Bakterien sind vor allem Viren häufig an Hornhautentzündungen beteiligt, zum Beispiel Herpes zoster-Viren (siehe oben: "Liderkrankungen", Abschnitt "Gesichtsrose"), außerdem Herpes simplex-Viren und Adenoviren. Herpes-Erkrankungen haben die Eigenart, Jahre nach der Erstinfektion erneut in Erscheinung zu treten, wenn die einmal eingefangenen und in Nervenzellansammlungen (Ganglien) schlummernden Erreger plötzlich wieder aktiv werden. Der Auslöser ist nicht immer erkennbar, manchmal kann es Stress, eine Immunschwäche oder eine Allgemeinerkrankung sein.

    Weitere infrage kommenden Erreger sind Pilze oder Parasiten vom Typ Akanthamöben (siehe oben: "Sehfehler", Abschnitt "Kontaktlinsen").

    Zudem ist bei Hornhauterkrankungen ursächlich häufig der Tränenfilm gestört (Trockenes Auge, Keratokonjunktivitis sicca), oder die Augenlider sind erkrankt (siehe weiter unten). Ebenfalls mögliche, allerdings weniger häufige Ursachen eines trockenes Auges und nachfolgender Hornhautentzündung sind Autoimmunkrankheiten wie das Sjögren-Syndrom, eine Gesichtsnervenlähmung oder andere Nervenstörungen.

    Symptome bei Hornhautentzündung allgemein: Fremdkörpergefühl, erhebliche Schmerzen, Lichtscheu, krampfhafter Lidschluss, rotes Auge, Sehstörung. Bei bakterieller Entzündung kann sich Eiter bilden, vorne im Auge als gelblicher Flüssigkeitsspiegel erkennbar.
    Eine bestimmte Form der Herpes-simplex-Entzündung der Hornhaut (Keratitis dendritica, ebenfalls meist einseitig) führt häufig dazu, dass die Hornhaut ihre Sensibilität (Berührungsempfindlichkeit), nicht aber Schmerzempfindlichkeit verliert, das Auge ist zudem deutlich gerötet. Der Augenarzt wird das Auge zum Beispiel bei einer Keratitis dendritica intensiv mit örtlich anzuwendenden virostatischen Medikamenten behandeln. Kortison wäre bei dieser speziellen Entzündungsform kontraindiziert!

Entzündungen der mittleren Augenhaut (Uveitis)

Augenschmerzen, die sich an der Uvea festmachen lassen, sind hauptsächlich entzündungsbedingt (Uveitis).

  • Die mittlere Augenhaut – die Uvea – besteht aus der Regenbogenhaut (Iris), der Aderhaut und dem Strahlenkörper (Ziliarkörper oder Akkomodationsmuskel). Dieser steuert über die Linse das scharfe Sehen in der Nähe und Ferne. Zudem bildet er das Kammerwasser, das den Augeninnendruck aufbaut, den Augäpfeln Form gibt und die Hornhaut, die Augenlinse und den Glaskörper ernährt. Die Aderhaut ist ein wichtges Gefäßsystem des Auges.

    Je nachdem, wo die Entzündung schwerpunktmäßig liegt, unterscheiden Augenärzte eine vordere, mittlere und hintere Uveitis. Die Uveitis ist ein komplexes Augenleiden, das in unterschiedlichen Formen vorkommt. Augenschmerzen treten immer dann auf, wenn die Iris oder die feinen Muskelfasern des Ziliarkörpers beteiligt sind. Dies ist bei der hinteren Uveitis nicht zu erwarten.

    Als reine Augenerkrankung kann die Uveitis an einem (häufigere Variante) oder beiden Augen auftreten. Auslösend können zum Beispiel Infektionen mit dem HIV-, Zytomegalie- oder Herpes-Viren sein. Infrage kommen auch eine Lyme-Borreliose, Tuberkulose und Parasiteninfektionen wie Toxoplasmose oder Histoplasmose. Ebenfalls Kandidaten: Geschlechtskrankheiten wie die Syphilis (Lues).

    Manchmal wird eine Uveitis von einer sogenannten Autoimmunkrankheit begleitet, die den Körper in mehreren Bereichen erfasst (Systemerkrankungen). Bei einer Autoimmunkrankheit geht das Immunsystem gegen körpereigenes Gewebe vor, weil es dieses irrtümlich als "feindlich" einstuft. Infrage kommen hier autoimmune Krankheiten, wie sie auch bei einer Lederhautentzündung eine Rolle spielen (siehe unten).

    Überlappungen mit einer Uveitis ergeben sich mitunter im Zuge einer Bechterew-Erkrankung, einer Sarkoidose (Bindegewebserkrankung mit entzündlicher Knötchenbildung, betrifft vor allem die Lungen, Lymphknoten und mitunter die Augen) oder einer Behcet-Erkrankung (aphthenartige Geschwüre am Mund und im Intimbereich, Augenentzündungen, Hauterscheinungen). Das Reiter-Syndrom tritt gewöhnlich etwa zwei bis sechs Wochen nach einer bakteriellen Infektion des Darmes oder der Harn- und Geschlechtsorgane (wichtiges Symptom: Harnröhrenentzündung) auf. Zusätzlich zur Uveitis (hier: als Iritis, siehe dazu weiter unten) geht das Krankheitsbild mit Geschwüren der Mundschleimhaut, Hauterscheinungen am Körper und Gelenkschmerzen einher. Bei den genannten Erkrankungen spielen unter anderem genetische Faktoren eine Rolle.

    Schließlich können auch eine multiple Sklerose, bestimmte Nierenentzündungen, Hauterkrankungen sowie manche Krebserkrankungen uveitisähnliche Krankheitsbilder auslösen. Auch Augenverletzungen spielen eine Rolle, sodann Probleme mit künstlichen Linsen im Auge (operativ eingesetzte Intraokularlinsen). Kürzlich wurde über Tätowierungen als mutmaßlicher Auslöser berichtet (siehe im Beitrag "Sehstörungen", Abschnitt 5: "Iris, Ziliarkörper (Uvea), Glaukom, Pupille"). Für die Behandlung ist es wichtig, eine Grund- oder Begleiterkrankung zu erkennen, da die entsprechende Therapie auch die Augenbeschwerden bessern kann. Entsprechend umfassend sind meist die Diagnosemaßnahmen, um die sich im Einzelfall verschiedene Fachärzte wie Internist, Hautarzt, Neurologe, Kinderarzt zur Abklärung der Ursache kümmern.

    - Vordere Uveitis:
    Sie ist die häufigste Uveitis-Form, zudem schmerzhaft, und wird daher hier noch kurz erläutert. Bei der Erkrankung ist die für die Augenfarbe zuständige Iris entzündet (Iritis). Wird der nahe gelegene Ziliar- oder Strahlenkörper miterfasst, liegt eine Iridozyklitis vor. Bei einer sogenannten unspezifischen vorderen Uveitis lässt sich keine Ursache erkennen. Ganz allgemein erkranken hauptsächlich Kinder, junge Menschen oder Erwachsene im mittleren Lebensalter. Die Betroffenen können zwar ansonsten gesund sein, haben aber häufig eine bestimmte genetische Veranlagung. Im Blut ist dann zum Beispiel das Merkmal HLA-B27 positiv. Bei manchen Patienten kann, wie zuvor erwähnt, eine Infektions- oder Autoimmunerkrankung vorliegen. Daher ist eine genaue ärztliche Abklärung bei einem Facharzt für innere Erkrankungen (Internist) oder beim Kinderarzt wichtig.

    Symptome:
    Leitsymptom der vorderen Uveitis sind Augenschmerzen, die auch als Stirnkopfschmerz oder Zahnschmerzen empfunden werden können. Dazu kommen Schmerzen bei der Naheinstellung des Auges, also bei Naharbeit, wobei auch die erschwerte Papillenreaktion eine Rolle spielt, eine Rötung des Auges, das auch vermehrt tränen kann, und Lichtscheu. Weitere Beschwerden sind verschwommenes Sehen durch Trübungen des anliegenden Glaskörpers oder störende dunkle Flecken vor dem Auge (Schwebeteilchen, "Floaters") durch Schlieren in der Vorderkammer. Verklebungen im Kammerwinkel des Auges können zudem den Augeninnendruck ansteigen lassen. Eventuell ergeben sich aufgrund einer möglichen Begleiterkrankung weitere Krankheitszeichen.

    Therapie:
    Eine vordere Uveitis wird meist mit kortisonhaltigen Augentropfen behandelt. Dazu kommen vorübergehend Augentropfen, die die Pupille erweitern. Außerdem kann es nötig sein, den Augeninnendruck zu senken (in der Regel ebenfalls mit Augentropfen). Der Druck wird sorgfältig unter der Therapie kontrolliert. Manchmal sind eingehendere Behandlungen nötig. So wird Kortison manchmal auch innerlich angewandt, alternativ kommen andere Entzündungshemmer oder Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, zum Einsatz. Diese Vorgehensweise richtet sich vor allem gegen einen autoimmunen Angriff im Körper beziehungsweise ist eine Option, wenn die örtliche Therapie nicht ausreicht. Wird die Behandlung längere Zeit fortgesetzt, kann dies einen Rückfall verhindern helfen. Ist eine andere Grund- oder Begleiterkrankung erkennbar, richtet sich die Therapie natürlich danach. So sind zum Beispiel bei einer Infektion je nach Erreger etwa Antibiotika oder ein virushemmendes Medikament angezeigt.

Endophthalmitis: Ernste Entzündung des Augeninneren

Endophthalmitis bedeutet, dass Gewebe im Auge durch einen Erreger, vor allem der Kategorie Bakterien oder Pilze, infiziert und entzündet ist (endo-, griech. innen). Die Entzündung ist ein Notfall und muss intensiv in der Klink behandelt werden – medikamentös mit Antibiotika, oft auch operativ.

  • Entzündung des Augeninneren (Endophthalmitis): Das dramatische Krankheitsbild bedroht das Auge als Ganzes. Die bessere Nachricht: Es tritt heute sehr selten auf, mitunter als Komplikation nach einer Augenoperation oder wenn eine Infektion im Auge sich unkontrolliert ausbreitet. Zu den etwas häufigeren Ursachen gehören Verletzungen. Drogenmissbrauch oder generell Immunschwäche begünstigen die schwere Augeninfektion ebenfalls. Auch aus einem anderen Infektionsherd im Körper können Erreger im Prinzip über das Blut ins Auge gelangen und eine Endophthalmitis auslösen. Meistens sind die Patienten durch die Grunderkrankung bereits stark geschwächt, sodass die Keime leichter streuen können.
    Symptome:
    Heftigste Schmerzen; das Sehvermögen verschlechtert sich rapide. Das Auge ist erheblich gerötet; eventuell zeigen sich ein Geschwür der Hornhaut als Ausgangsort der Infektion und mit einem Eitersee in der Vorderkammer des Auges.

Erkrankungen der Lederhaut (Episklera und Sklera)

Die Lederhaut (Sklera) bildet zusammen mit der Tenon-Kapsel, einer straffen Bindegewebshülle, den Schutzmantel des Auges. Die eher gefäßarme Sklera verläuft vom Hornhautrand auf beiden Seiten des Augapfels bis nach hinten zum Sehnerv. Episklera heißt eine blutgefäßreiche Bindegewebsschicht vorne seitlich zwischen Bindehaut und Lederhaut.

  • Entzündungen der Lederhaut: Neben Verletzungen sind auch an der Lederhaut vor allem Entzündungen für Augenschmerzen verantwortlich. Sie kommen in zwei Formen vor: als Episkleritis und Skleritis.

    Die Episkleritis spielt sich an der Oberfläche der Lederhaut, zwischen Leder- und Bindehaut ab (griech. epi- bedeutet darauf, daneben). Das Krankheitsbild kommt in zwei Ausprägungen vor: Bildet sich ein Knötchen im Augenweiß (noduläre Form), begleitet von einer sektorförmigen Rötung, so ist das auch meist mit einem Druckschmerz verbunden. Manchmal wird eine Bindehautentzündung vermutet, doch fehlt hier in der Regel der Druckschmerz.
    Dann gibt es noch eine diffuse, nicht begrenzte Form der Episkleritis.

    Nicht immer lässt sich bei einer Episkleritis eine Ursache finden. Das Krankheitsbild ist meist harmlos. Häufig geht die Entzündung spontan zurück. Betroffen sind eher junge Erwachsene. Manchmal greift eine Bindehautentzündung auf die Episklera über. Dann behandelt der Arzt beides gemäß Auslöser oder symptomatisch, andernfalls eventuell kurzfristig mit kortisonhaltigen Augentropfen oder mit einem entzündungshemmenden Präparat örtlich. Äußerst selten geht die Episkleritis in eine Skleritis über, die den ernsteren Fall darstellt. 

    Die Skleritis ist deutlich schmerzhafter und langwieriger als eine Episkleritis. Das hat mehrere Gründe. Zum einen liegt die Entzündung tiefer im Gewebe. Auch regeneriert die Sklera sich schlechter als die Episklera, weil sie spärlicher durchblutet ist. Zum anderen kann das Geschehen auf andere Augenabschnitte übergreifen, zum Beispiel Hornhaut, Regenbogenhaut (als Teil der Uvea, auch im hinteren Bereich, siehe oben) oder die Tenon-Augenkapsel (deren Entzündung heißt Tenonitis), und sich festsetzen. Eine Skleritis tritt zudem häufiger bei einigen, meist chronisch verlaufenden Autoimmunkrankheiten auf: Rheuma-Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Arteriitis (Gefäßentzündung), Lupus erythematodes und Sklerodermie, sodann bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, außerdem bei Schilddrüsenerkrankungen und Gicht. Sodann bei Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Tuberkulose, Syphilis oder Infektionen mit Herpes-Viren.
    Symptome der Skleritis:
    Die genannten Grund- oder Begleiterkrankungen gehen je nachdem, welche Organe betroffen sind, mit entsprechenden Symptomen einher, etwa Gelenkschmerzen, Darmbeschwerden, Lymphknotenschwellungen, Hauterscheinungen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Fieber, Gewichtsverlust.

    Zudem können ein oder beide Augen erkranken. Wie bei der Episkleritis gibt es auch hier eine knötchenartige und eine diffuse Form. Charakteristisch sind drückende oder bohrende Schmerzen im Auge und in dessen Umgebung, die sogar den Schlaf stören können. Das Auge ist zudem ausgesprochen berührungsempfindlich. Bindehaut und Lider sind geschwollen, die Blutgefäße verdickt und gestaut (Chemosis). Das Augenweiß kann bläulich-rote Verfärbungen aufweisen, das Auge ist lichtscheu, das Sehen häufig verschwommen.
    Eine begleitende Tenonitis führt außerdem zu schmerzhaften, meist auch eingeschränkten Augenbewegungen. Es kann zu einem Glaukom kommen. Zu den sehr schweren Komplikationen gehören Einschmelzungen (Augen-Notfall).


    Diagnose
    und Behandlung ergeben sich aus dem gezielten Untersuchungsgang beim Augenarzt. Um eine Sonderform, die hintere Skleritis festzustellen, wird ein bildgebendes Verfahren wie Ultraschall oder Magnetresonanztomografie (MRT) herangezogen. Vielfach kann die endgültige Diagnose erst in Zusammenrabeit mit dem Internisten, Gastroenterologen oder Rheumatologen gestellt werden. In der Regel sprechen die Augenbeschwerden gut auf die dann eingeleitete Therapie an. Falls die Gefahr eines entzündlichen Durchbruchs (Perforation) droht, wird die Lederhaut durch einen Kunstfaserflicken (Patch) stabilisiert.

Erkrankungen der Augenhöhle können Lage und Beweglichkeit des Auges beeinflussen und Schmerzen in der Augengegend verursachen. Hier die am häufigsten vorkommenden Krankheitsbilder. Sie werden anschließend kurz erläutert:

  • Sehnervenentzündung (Optikusneuritis oder Retrobulbärneuritis, Papillitis)
  • Muskelentzündung am Auge (Okuläre Myositis)
  • Pseudotumor der Augenhöhle, Tolosa-Hunt-Syndrom, endokrine Ophthalmopathie
  • Tumore der Augenhöhle
  • Augenhöhlen-Vereiterung (Orbitaphlegmone)

 

Sehnervenentzündung (Optikusneuritis oder Retrobulbärneuritis, Papillitis)

Die Bezeichnung Optikusneuritis ist gewissermaßen ein Überbegriff. Die beiden anderen Namen besagen, welcher Anteil des Sehnervs betroffen ist. Eine Sehnervenentzündung tritt häufiger im Zusammenhang mit neurologischen Erkrankungen wie multiple Sklerose auf. Aber es gibt auch andere Ursachen. Die Papillitis gehört zu den untypischen Formen der Sehnervenentzündung.

Bei der Augenspiegelung sieht der Augenarzt den Sehnervenkopf, die sogenannte Papille. Der hinter dem Auge (retrobulbär) liegende Anteil des Nervs entzieht sich dem untersuchenden Blick. Das heißt: Der Augenarzt erkennt zwar, ob der Sehnerv im Bereich des Sehnervenkopfes (Papille) entzündet ist (sogenannte Papillitis). Dagegen kann er über den übrigen Anteil des Sehnervs so keine Aussage treffen. Allenfalls kann der Sehnervenkopf leicht geschwollen oder nach einigen Wochen abgeblasst aussehen. Auf eine mögliche Retrobulbärneuritis schließt der Augenarzt dann zunächst nur indirekt – anhand der Symptome des Patienten und einer eventuell veränderten Pupillenreaktion auf der erkrankten Seite. Eine detaillierte neurologische Untersuchung und bei Bedarf weitere Diagnoseverfahren, darunter eine sogenannte OCT (optische Kohärenztomografie der Netzhaut, siehe Kapitel "Diagnose"), eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Gehirns, die Untersuchung des Hirnnervenwassers (Lumbalpunktion), Blutanalysen und weitere Tests führen in der Gesamtschau zur Diagnose.

  • Häufigste Ursache einer einseitigen Retrobulbärneuritis im Erwachsenenalter ist eine multiple Sklerose (MS) – eine durch krankhafte Immunreaktionen ausgelöste chronische Entzündung des zentralen Nervensystems. Die Sehnervenentzündung kann hier ein Frühsymptom sein. Ärzte unterscheiden bei MS einerseits schubartige, andererseits schleichende Verlaufsformen mit langsam zunehmenden Beschwerden wie etwa Gangstörungen. An schubförmiger MS erkranken häufiger Frauen. Das Haupterkrankungsalter liegt um das 30. Lebensjahr, doch wird die Krankheit inzwischen auch häufiger bei Kindern, Jugendlichen und bei Erwachsenen über 45 Jahren festgestellt. Rauchen erhöht das Risiko.

    Eine typische Retrobulbärneuritis behandeln Ärzte im Allgemeinen kurzfristig mit Kortison. Es bessert die akuten Beschwerden meistens schnell, beeinflusst aber nicht den Grad der Ausheilung, also das verbleibende Sehvermögen. Nach Absetzen können Rückfälle auftreten. Ob sich eine Sehnervenentzündung auch spontan zurückbildet, was prinzipiell möglich ist, hängt letztlich von der Ursache ab.

    Neben der MS, für deren Behandlung inzwischen verschiedene neue Medikamente zur Verfügung stehen, sind bei Sehnervenentzündungen weitere Ursachen bekannt: Infektionen mit Hepatitis- und Herpes-Viren, mit Bakterien wie Streptokokken, Salmonellen, Borrelien, Brucellen oder mit dem Syphilis-, Tuberkulose- und Malaria-Erreger. Mitunter liegen Autoimmun- und andere Systemerkrankungen zugrunde, etwa Gefäßentzündungen, die Behcet-Erkrankung oder eine Neuromyelitis optica (Devic'sche Erkrankung, ähnelt der multiplen Sklerose; bei dieser seltenen Erkrankung tritt die Sehnervenentzündung mitunter auf beiden Seiten auf; neben dem Sehnerv entzündet sich auch das Rückenmark). Darüber hinaus können Entzündungen in der Nachbarschaft des Auges auf den Sehnerven übergreifen. Auch Diabetes mellitus spielt eine Rolle. Medikamente und Vergiftungen sind weitere mögliche Auslöser. In all diesen Fällen zeigt das Krankheitsbild, vorbehaltlich gezielter Behandlung oder Abstellen des mutmaßlichen Auslösers, eher einen untypischen Verlauf (siehe unten).

    Im Gegensatz zur Retrobulbärneuritis kommt eine Papillitis häufiger bei Kindern vor. Ursache sind meistens Virusinfekte der oberen Atemwege. Die Entzündung tritt in der Regel auf beiden Seiten auf. Eine Papillitis bei Erwachsenen (meist auf einem Auge) zählt wiederum zu den untypischen Sehnervenentzündungen.

    Symptome (typischer Verlauf):
    Ist der Sehnerv retrobulbär entzündet – je nach Ursache betrifft das ein oder beide Seiten – kommt es zu akuten, dumpfen Schmerzen hinter dem Auge, vor allem bei Augenbewegungen. Manchmal treten auch unangenehme Lichtblitze auf. Innerhalb kurzer Zeit kommen unterschiedlich ausgeprägte Sehstörungen dazu: Abnahme der Sehschärfe, Störungen des Farb- und Kontrastsehens, verschiedene Formen von Gesichtsfeldausfällen bis hin zum vollständigen Sehverlust. Die Sehstörungen verschlechtern sich typischerweise beim heißen Duschen oder Baden oder in heißer Umgebung (Uhthoff-Phänomen; während der Krankheit solche Wärmeeffekte besser vermeiden). Innerhalb von drei Wochen kann sich das Sehvermögen wieder erholen, aber auch beeinträchtigt bleiben, zum Beispiel Farbsehen und Kontrastschärfe.

    Bei einem untypischen Verlauf halten die Hauptsymptome Sehverlust und Augenschmerzen (Letztere können hier auch erst nach dem Sehverlust auftreten), länger an. Meist sind noch andere Augenabschnitte entzündet, etwa die Aderhaut oder Netzhaut. Je nach Grunderkrankung kommen weitere Beschwerden dazu wie Husten, Müdigkeit, Fieber, Hautausschlag und Gelenkschmerzen.


    Bei einer Papillitis treten plötzlich hochgradige Sehstörungen auf,
    häufig entsteht ein Ausfall in der Mitte des Gesichtsfeldes. Das Auge kan schmerzen, vorsichtiger Druck auf die Augen mit der Hand kann dies verstärken.

In den Ratgebern "Sehnervenentzündung", "Multiple Sklerose" und "Sehstörungen" finden Sie weitere Informationen.

Muskelentzündung am Auge (Okuläre Myositis): Kommt nur selten vor

Betroffen sind diejenigen Augenmuskeln, die für die Bewegungen des Auges zuständig sind (äußere Augenmuskeln).

  • Eine Augenmuskelentzündung ist meist mit einer Lederhautentzündung (Skleritis) oder Uveitis (siehe Kapitel "Augenschmerzen: Ursachen am Auge") verbunden. Ansonsten kann sie bei der Basedow-Krankheit (siehe unten) auftreten, selten bei einer Grippe oder anderen Infektionen. Auch ein "Pseudotumor" der Augenhöhle kann eine Augenmyositis beinhalten. Mehr dazu im nachfolgenden Abschnitt. Gefragt ist zunächst der Augenarzt, der bei Verdacht auf eine auslösende innere Erkrankung einen Internisten hinzuzieht.
    Symptome:
    Die Augenbewegungen sind ausgesprochen schmerzhaft. Das Auge kann hervortreten. Häufig ist auch die Bindehaut geschwollen. Liegt eine spezielle Erkrankung zugrunde, können zusätzliche Symptome auftreten, die in diese Richtung weisen, eventuell auch Allgemeinbeschwerden wie Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen.

Therapie: Häufig bessern sich die Beschwerden unter einer innerlichen Kortisonbehandlung. Wie immer gilt aber: genaue Diagnose – gezielte Therapie.

Pseudotumor der Augenhöhle (Orbita): Als ob's ein Tumor wäre

Der Pseudotumor der Orbita entspricht einem entzündlichen Gewebe unbekannter Herkunft in der Augenhöhle. Es führt zum Hauptmerkmal der Erkrankung, nämlich einem vorgewölbten, schmerzhaften Augapfel. Da die Erkrankung eine Geschwulst vortäuscht, wird sie Pseudotumor genannt.

  • Pseudotumoren der Augenhöhle (Orbita) können akut, mäßig akut oder chronisch in Erscheinung treten, in der Regel auf einer Seite. Sie sind gutartig. Meist ist die Ursache unbekannt. Mutmaßlich sind mitunter Immunvorgänge oder Infektionen beteiligt. Mittels gezielter Diagnostik sucht der Arzt bei Anhaltspunkten nach möglichen Begleiterkrankungen wie zum Beispiel Morbus Basedow mit einer sogenannten endokrinen Orbitopathie (siehe unten), im Einzelfall nach anderen Autoimmun- und Systemkrankheiten. Außerdem schließt der Arzt bei Bedarf einen echten Tumor der Augenhöhle aus, wozu auch Geschwülste des Lymphsystems (Lymphome) gehören. Dazu ist neben einer bildgebenden Darstellung der Orbita mittels Ultraschall oder Magnetresonanztomografie (MRT) eine feingewebliche Analyse des krankhaften Gewebes notwendig.
    ! Wichtig: Ein unkomplizierter Pseudotumor der Augenhöhle bildet sich bisweilen auch ohne Therapie zurück. Allerdings wird Ansprechen auf Kortison als wichtiges Zeichen gewertet, um die Diagnose einzugrenzen. Ein echter Tumor oder auch eine endokrine Orbitopathie (siehe weiter unten) zum Beispiel würden üblicherweise nicht auf eine solche Therapie ansprechen, sie bilden sich aber auch nicht von selbst zurück.

    Symptome:
    Neben der kennzeichnenden schmerzhaften Vorwölbung des Augapfels mit eingeschränkter Beweglichkeit kann das Krankheitsbild vielfältige Beschwerden bereiten. Dann stützt dies die Annahme, dass eine spezielle Grunderkrankung vorliegt. Manchmal tritt eine akute schmerzhafte Augenentzündung auf – ein Zeichen dafür, dass etwa auch die Bindehaut, Tränendrüse oder Le
    derhaut entzündet ist. Die Umgebung des Auges kann ebenfalls anschwellen. Falls sich Augenmuskeln (Myositis) oder die Augenkapsel (Tenonitis) entzünden, können die ohnehin schmerzhaften Augenbewegungen zusätzlich erschwert sein, und Doppelbilder können auftreten. Nur selten kommt es zum Sehverlust.

Tolosa-Hunt-Syndrom

Die Erkrankung heißt auch "schmerzhafte Ophthalmoplegie": "Ophthalmo-" steht für Auge, "-plegie" bedeutet (schlagartige) Lähmung. Es kommt demnach zu Augenlähmungen und -schmerzen.

  • Das seltene Tolosa-Hunt-Syndrom entsteht aus unklarer Ursache. Auslösend ist eine knötchenartige (granulomatöse) Entzündung im Bereich von Hirnnerven, die für die Augenmuskeln zuständig sind, und in der Augenhöhle. Die Krankheit tritt in Episoden auf, verursacht dann erhebliche Schmerzen hinter dem Auge und klingt unbehandelt meist nach acht Wochen wieder ab. Die Granulome zeigen sich in mehrfach wiederholten Magnetresonanztomografie-Bildern oder feingeweblich – ein wichtiges Merkmal für die Diagnose, wenngleich kein Beweis. Neben der eigenständigen Form kann das Beschwerdebild auch bei bestimmten Erkrankungen auftreten, etwa bei autoimmunen Gefäßentzündungen, einer Sarkoidose, Diabetes mellitus oder bei einer Hirnhautentzündung an der Hirnbasis. Schließlich kann ein echter Tumor der Augenhöhle vorliegen. Krankheitszeichen, die in diese Richtungen weisen, wird der Arzt jeweils anhand geeigneter Untersuchungen nachgehen. Findet sich keine spezielle Ursache, stützt das die Diagnose eines Tolosa-Hunt-Syndroms (sogenannte Ausschlussdiagnose). Ansprechen auf Kortison ist ein weiteres Merkmal (siehe unten).

    Symptome:
    Auf einer Gesichtsseite treten deutliche Schmerzen im Bereich der Augenhöhle auf, also hinter dem Auge oder in seiner Umgebung ("Augenschmerzen", "Kopfschmerzen") Die Schmerzen können sich wiederholen und so unbehandelt einige Wochen lang anhalten. Zeitgleich oder innerhalb von zwei Wochen nach Einsetzen der Schmerzen kommt es zu Lähmungserscheinungen im Bereich von Hirnnerven, die die Augenbewegungen steuern. Die Betroffenen sehen doppelt, und das Augenlid hängt herab. Selten ist der Gesichtsnerv mitbetroffen (Taubheitsgefühl im Gesicht) oder der Ast des Drillingsnervs, der die Sensibilität am Auge vermittelt (gestörter Lidschlussreflex). Auch die Pupillenreaktion kann beeinträchtigt sein. Das Auge tritt mitunter etwas hervor. Nach Einnahme von Kortison gehen die Beschwerden, insbesondere die Schmerzen, meist schnell, innerhalb von drei Tagen, zurück – ein weiteres Kriterium für die Diagnose. Die Nervenstörungen benötigen mitunter etwas mehr Zeit.

Auge und Schilddrüse: Endokrine Orbitopathie

Störungen der Schilddrüse, häufig eine Überfunktion, können bei bestimmten Änderungen der Immunlage auftreten, wenn das Immunsystem körpereigene Strukturen angreift. In der Folge kann sich die Augenhöhle entzünden, es entsteht eine sogenannte endokrine Orbitopathie.

  • Die endokrine Orbitopathie ist eine Autoimmunkrankheit. Häufig leiden die Betroffenen an der sogenannten Basedow-Krankheit mit Schilddrüsenüberfunktion und zahlreichen Beschwerden, nicht nur am Auge.

    Symptome der
    Augenerkrankung: Die endokrine Orbitopathie tritt ein- oder (überwiegend!) beidseitig auf. Anfangs sind die Lider und die Augenbindehäute geschwollen. Im weiteren Verlauf verhärtet sich das entzündete Gewebe. Dies betrifft auch die äußeren Augenmuskeln, die sich verdicken (siehe auch oben: Augenmuskelentzündung). Die Augen bewegen sich dann schlechter, sind vermehrt lichtempfindlich, es kommt zu Doppelbildern, zum Beispiel beim Blick nach oben. Die Augäpfel treten hervor (Exophthalmus), die Augenlider weichen zurück. Da sich die Lider über dem vorverlagerten Auge nicht mehr vollständig schließen, kann die Augenoberfläche austrocknen. In der Folge droht eine schmerzhafte Hornhautentzündung. Zwar bestehen nicht direkt Augenschmerzen, aber ein Druckgefühl hinter den Augen und Kopfschmerzen treten häufiger auf. In ausgeprägten Fällen kann auch der Sehnerv Schaden nehmen.

Tumore der Augenhöhle

Wie überall im Körper, so bilden sich manchmal auch in der Augenhöhle (Orbita) Tumoren – überwiegend allerdings gutartige.

Der Begriff "Tumor" bedeutet ganz allgemein Schwellung. Insofern zeigt sich auch eine entzündliche Gewebeschwellung als Tumor, genauer: Pseudotumor (siehe oben). Die Tumoren entstehen entweder in der Orbita selbst, oder sie wachsen vom Auge aus ein. Mit Schleimhautzysten (Mukozelen) in der Stirnhöhle, mögliche Folge einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung, können die Wand zur Augenhöhle hin vorwölben und so ebenfalls eine Geschwulst nachahmen.
Weitere gutartige Tumoren sind zum Beispiel Hämangiome (Gefäßtumoren) der Augenhöhle bei Erwachsenen oder Neurofibrome. Diese gehen vom Bindegewebe in Nervenhüllen aus.

  • Allerdings kommen mitunter auch bösartige Tumoren am Auge vor. Selten entstehen sie im Auge selbst (siehe unten: Retinoblastom). Manchmal handelt sich um Tumore des Blut- und Lymphsystems. Andernfalls können es Tochtergeschwülste bösartiger Tumoren sein, die in der Augenhöhle wachsen. Sie stammen häufiger von einem Brust-, Lungen-, Prostata- oder Nierenkrebs oder von einem Krebs im Verdauungstrakt ab.
    Symptome allgemein:
    Ein Tumor, der in der Augenhöhle liegt, kann Schmerzen bei Augenbewegungen verursachen, wenn er die Augenmuskeln oder Nerven bedrängt. Letzteres kommt zum Beispiel bei bestimmten Krebsformen der Tränendrüse wie dem adenoid-zystischen Karzinom vor. Durch Schwellungen oder Zunahme des Gewebes tritt das Auge wegen Platzmangels aus seiner Höhle hervor. Die kosmetisch beeinträchtigende Vorwölbung ist ein kennzeichnendes Symptom bei Tumoren der Augenhöhle. Es folgen Sehstörungen wie Gesichtsfeldausfälle oder Abnahme der Sehkraft, wenn der Sehnerv geschädigt ist, Doppelbilder und Schielen, sodann Tränenfluss.

    Um die Diagnose zu stellen, setzt der Arzt neben der sorgfältigen Untersuchung des Auges verschiedene bildgebende Verfahren, teilweise Gefäßdarstellungen mittels Angiografie und häufig Probeentnahmen von Gewebe (Biopsie) ein. Die Therapie richtet sich nach der Tumorart und -ausdehnung und kann in einer Operation oder einer Kombination aus Chemotherapie und Bestrahlung bestehen.

    • Einer der häufigsten Augentumoren ist das Retinoblastom. Es tritt ausschließlich bei Kindern vor dem fünften Lebensjahr auf, und zwar ein- oder beidseitig. Erbliche oder spontane Genveränderungen bringen unreife Netzhautzellen dazu, unkontrolliert zu wachsen. Molekularbiologische Untersuchungen können Aufschluss über das Erkrankungsrisiko in der Familie geben, zum Beispiel bei Geschwistern eines erkrankten Kindes. Früh und intensiv behandelt, ist der Tumor heute heilbar.
      Symptome Retinoblastom:
      Beschwerden treten erst ab einer bestimmten Größe des Tumors auf. Das Auge kann beispielsweise anfangen zu schielen, und das Kind sieht schlechter. Das Auge kann aber auch unauffällig sein, außer dass bei bestimmten Lichtverhältnissen die Pupille merkwürdig weiß leuchtet (Leukokorie). Über den Glaskörper kann ein sich ausbreitendes Retinoblastom das vordere Auge erreichen und dort eine Entzündung mit einem geröteten Auge und Schmerzen vortäuschen. Tumorbedingt kann der Augeninnendruck sich erhöhen und ein Glaukom entstehen. Es kann auch zu einer Entzündung in der Augenhöhle kommen. Beides kann Schmerzen auslösen.

      Lesen Sie mehr im Beitrag "Retinoblastom".

Augenhöhlenvereiterung (Orbitaphlegmone)

Phlegmone bedeutet eine eitrige bakterielle Entzündung von Weichteilgewebe, wozu unter anderem das Bindegewebe gehört. Es findet sich auch in der Augenhöhle. Die selten mögliche Vereiterung geht hier meistens von einer Entzündung in der Nachbarschaft aus und ist ein Notfall.

  • Alle nachfolgend genannten Entstehungswege einer Augenhöhlenphlegmone sind Stoff aus Lehrbüchern; aus dem Alltag ist das Krankheitsbild bei uns nahezu verschwunden. Den Anfang einer Orbitaphlegmone können theoretisch eine akut entzündete Nebenhöhle machen (zum Beispiel bei Säuglingen und Kleinkindern ohne Impfschutz gegen den Keim Hämophilus Influenza b), seltener eine Infektion der Tränendrüse, ein Gesichtsfurunkel (eitrige Haarbalgentzündung) oder eine Infektion im Oberkiefer (Oberkiefer-Osteomyelitis). Verletzungen, etwa ein Bruch des Gesichtsschädels (Orbitafraktur), seltener Operationen am Auge, sind ebenfalls mögliche Ausgangspunkte. Gelegentlich liegt die Quelle in einem bakteriellen Infektionsherd, zum Beispiel eine Nierenbeckentzündung, die zu einer Keimstreuung über das Blut führt (sogenannte Urosepsis). Eine Augenhöhlenvereiterung muss unverzüglich in einer Augenklinik behandelt werden, um eventuelle Komplikationen wie Verlust des Sehvermögens oder eine lebensgefährliche Keimausbreitung ins Schädelinnere nach Möglichkeit zu vermeiden.

    Symptome:
    Es bestehen erhebliche Schmerzen des Auges und seiner Umgebung. Der gesamte Bereich um das Auge ist massiv gerötet und geschwollen,
    einschließlich der Lider. Außerdem tritt das Auge hervor, ist schlechter beweglich und schmerzt beim Bewegen. Die Bindehaut ist aufgequollen und gerötet. Der Betroffene hat Fieber, sieht Doppelbilder. Das Sehen kann auch erheblich beeinträchtigt sein. Bei einer Phlegmone schwellen auch Lymphknoten in der Umgebung an. Der Betroffene wirkt schwer krank.

Die überwiegend akute Beschwerden in der Augengegend auslösenden Krankheitsbilder, um die es hier geht, sind in erster Linie:

  • Spezielle Kopfschmerzarten: sogenannte trigeminoautonome Kopfschmerzen wie Clusterkopfschmerz und episodische / chronische paroxysmale Hemikranie (CPH)
  • Seltene Form des Schlaganfalls: Wandeinriss der Halsschlagader (Karotisdissektion)
  • Nasennebenhöhlenerkrankungen: Entzündungen und Geschwülste

Letztlich sind das alles aber nur seltene Ursachen von Augenschmerzen. Das gilt auch für Komplikationen bei den als solches durchaus häufigen Entzündungen etwa der Nasennebenhöhlen. Dass "Augenschmerzen" hier nicht die einzigen Beschwerden sind, versteht sich eigentlich von selbst.

Trigeminoautonome Kopfschmerzen: Gesichtsschmerzen, Augentränen & Co.

Krankheitsbilder aus dieser speziellen Kopfschmerzgruppe, die zu Schmerzen im Bereich der Augen führen, sind vor allem der Clusterkopfschmerz und die episodische oder chronische paroxysmale Hemikranie (CPH).

  • Clusterkopfschmerz: Cluster, engl. bedeutet Haufen, Gruppe. Daher der Name: Ein Clusterkopfschmerz tritt überwiegend periodisch (episodisch) gehäuft auf. Am stärksten sind die Schmerzattacken hinter dem Auge, manchmal auch im Gesicht, an der Schläfe oder Kieferbereich. Der Clusterkopfschmerz tritt streng einseitig auf.

    Das Krankheitsbild ist selten. Es gibt eine familiäre Veranlagung. Betroffen sind dreimal so viele Männer wie Frauen. Alkohol kann, teilweise jedenfalls, mit auslösend sein. Inwieweit Rauchen eine Rolle spielt, ist unklar. Der Kopfschmerz ist mitunter so unerträglich, dass er Betroffene zur Verzweiflung treibt und sogar an Selbstmord denken lässt. Die Ursache ist unklar. Offenbar bestehen Regulationsstörungen in einem übergeordneten Hirnbereich, dem Hypothalamus. In der Folge werden bestimmte Gebiete im Gehirn überaktiv.

    ! Wichtig zu wissen
    : Es gibt wirksame Therapien (siehe unten).

    Symptome:
    Clusterkopfschmerzen gehören zu den trigeminoautonomen Kopfschmerzen. Das bedeutet: Neben den von sensiblen Ästen des Drillingsnervs (Trigeminus) vermittelten Gesichtsschmerzen kommt es zu typischen Begleitsymptomen des autonomen oder vegetativen Nervensystems wie Augentränen, Augenrötung, Lidschwellung oder herabhängendes Oberlid, verstopfte oder laufende Nase, vermehrtes Schwitzen an Stirn und Gesicht, enge Pupille. Häufig plagt die Betroffenen während der Anfälle außerdem eine auffallende Bewegungsunruhe: Sie laufen rastlos hin und her, wippen mit dem Kopf oder Oberkörper.

    Kennzeichnend für die episodische Form sind ein Tages- und ein Jahresrhythmus: Mindestens eine Attacke jeden zweiten Tag oder bis zu achtmal proTag heftige, stechende Schmerzattacken, vor allem nachts, hinter dem Auge oder um das Auge herum. Die Attacken treten in Perioden von wenigen Wochen bis Monaten auf, um dann für gewisse Zeit – Monate bis Jahre – wieder zu verschwinden. Die einzelne Attacke dauert zwischen 15 Minuten und drei Stunden, im Mittel 90 Minuten. Im Frühjahr und Herbst ist eine gewisse Häufung zu beobachten. Bei einem Teil der Betroffenen wechselt das Krankheitsbild im Laufe der Zeit die Seite. Manchmal hält die Schmerzphase über ein Jahr an. Pausieren die Symptome dabei kürzer als einen Monat oder sind die Beschwerden von Anfang an dauerhaft vorhanden, handelt es sich um einen chronischen Clusterkopfschmerz. Diese Form des insgesamt seltenen Krankheitsbildes ist nochmals deutlich seltener.


    Diagnose:
    Für die Diagnose ist eine sorgfältige Dokumentation der Beschwerden und der Krankengeschichte (nebst gesundheitsbezogener Familiengeschichte) richtungweisend. Die zweite Säule besteht in einer ausführlichen neurologischen Untersuchung. Dabei geht es auch darum, andere Erkrankungen, insbesondere ähnliche (siehe weiter unten: CPH) oder andersartige Kopfschmerzformen auszuschließen. Mitunter greift der Neurologe auch auf technische Untersuchungsverfahren zurück.

    Therapie:
    Mehrheitlich lässt sich ein episodischer Clusterkopfschmerz mit konservativen Maßnahmen in den Griff bekommen. Zur Attackenbehandlung kommt die Inhalation von reinem Sauerstoff über eine Gesichtsmaske (Kassenleistung) infrage. Alternativ bietet sich ein Medikament, ein sogenanntes Triptan (Sumatriptan, Zolmitriptan), an: unter die Haut (subkutan) gespritzt oder als Nasenspray. Zur weiteren Vorbeugung dient der Arzneistoff Verapamil (er kann allerdings den Puls verlangsamen, daher sind von Zeit zu Zeit EKG-Kontrollen wichtig). Eventuell eignen sich zeitlich befristet auch ein Kortisonpräparat, in zweiter Linie Substanzen wie Lithium (Blutspiegel-Kontrollen) oder Topiramat, ein Antiepileptikum und Migränemittel.

    Falls ein episodischer Clusterkopfschmerz nicht auf die Therapie anspricht oder ein chronischer Clusterkopfschmerz sich nicht beeinflussen lässt, gibt es bei sicherer Diagnose und sorgfältiger Abwägung weitere Optionen: ein Eingriff in einem spezialisierten neurologischen Zentrum. Dabei geht es einmal um die unspezifische Nervenblockade des großen Hinterhauptsnervs (Nervus occipitalis major) mit einem Betäubungsmittel. Zum anderen kann die beidseitige elektrische Stimulation desselben Nervs (Okzipitalis-Stimulation, eine Art Schrittmacherverfahren) in Betracht kommen. Das zweite Verfahren beinhaltet, dass Elektroden und ein Impulsgenerator in zwei operativen Eingriffen eingesetzt werden müssen. Schließlich kann im Einzelfall noch ein neurochirurgisches Verfahren namens Tiefenhirnstimulation erwogen werden.
  • Episodische und chronische paroxysmale Hemikranie (CPH): Im Unterschied zum episodischen Clusterkopfschmerz sind die Attacken hier deutlich kürzer (zwei bis 45 Minuten), zugleich aber viel häufiger (fünf bis 40, im Schnitt zehn) täglich. Außerdem sind Frauen hier dreimal so häufig wie Männer betroffen. Tendenziell weniger stark sind die vegetativen Begleitsymptome: Vor allem tränen und röten sich die Augen. Mitunter lassen sich die Attacken durch Drehen des Kopfes oder Druck oben am Hals auslösen. Es kommen auch chronische Verläufe vor.

    Ein wichtiges Merkmal ist hier, dass die Beschwerden meist sehr gut auf das Medikament Indometacin ansprechen. Patienten nehmen unter der Therapie zusätzlich einen sogenannten Protonenpumpenhemmer als Magenschutzpäparat ein. Als zweite Wahl kommen andere nicht steroidale Antirheumatika wie etwa Celecoxib oder ein Medikament namens Gabapentin infrage.

Wandeinriss der Halsschlagader (Karotisdissektion): Schlaganfall unter 50?

Wandeinrisse in der Halsschlagader können plötzliche Schmerzen am Hals, Auge oder Kopf verursachen, vor allem aber Durchblutungsstörungen im Kopfbereich.

Tatsächlich lässt sich ein Schlaganfall gelegentlich auch auf dieses seltene Geschehen zurückführen, tendenziell eher bei Menschen unter 50 Jahren

  • Ein Wandeinriss in der Halsschlagader kann mitunter durch Gewalteinwirkung bei einer Verletzung entstehen oder wenn der Hals abrupt nach hinten gebogen wird, zum Beispiel beim Sport. Meistens gibt die Gefäßwand aber wegen Gewebeschwäche nach, etwa bei einer zugrundeliegenden fibromuskulären Dysplasie oder einer anderen Bindegewebserkrankung. Der Einriss verursacht einen Bluterguss in der Gefäßwand, oder es bildet sich ein Blutpfropf. Dann wird der Blutfluss behindert oder unterbrochen, mit der Folge eines Schlaganfalls.
    Symptome:
    Auf der betroffenen Seite kommt es plötzlich zu einseitigen Schmerzen entlang des Gefäßverlaufes am Hals oder zu Kopfschmerzen. Auch plötzliche isolierte Schmerzen am Auge können ein Hinweis sein. Die Augen- und Zungenbeweglichkeit können gestört, die Lidspalte und Pupille verengt sein, das Oberlid herabhängen. Selten werden plötzliche Geschmacksstörungen in einem bestimmten Bereich der Zunge bemerkt. Manchmal tritt ein pulssynchrones Ohrgeräusch auf.

! Achtung: Schlaganfälle sind Notfälle! "Klassische" Warnzeichen wie etwa Seh- oder Sprachstörungen, Lähmungen, Muskelschwächen oder Taubheitsgefühle auf einer Körperseite oder eher ungewöhnliche akute Symptome wie hier beschrieben sind schnellstmöglich von einem Neurologen zu begutachten, auch dann, wenn sie sich eventuell kurzfristig wieder zurückgebildet haben. Den Betroffenen umgehend in einer neurologischen Klinik, idealerweise mit einer Spezialabteilung ("Stroke Unit"), untersuchen lassen.

Wissenswertes über den Schlaganfall zum Nachlesen im Ratgeber "Schlaganfall (Apoplex)".

Nasennebenhöhlenerkrankungen: Entzündungen, Geschwülste

Eine akute Nebenhöhlenentzündung führt unter anderem zu einem Druckgefühl und Schmerzen im Gesicht. Je nachdem, welche Nebenhöhle betroffen ist, werden die Schmerzen mehr an der Wange, am Oberkiefer oder an der Stirn empfunden, auch direkt oberhalb des Auges (oder aber als Schmerzen am Hinterkopf).

  • Akute Nebenhöhlenentzündung (beispielsweise Entzündung der Siebbeinzellen) mit Komplikationen: Was von HNO-Spezialisten als mögliches Krankheitsgeschehen beschrieben wird, bei Erwachsenen im Allgemeinen jedoch als Rarität gilt (bei Säuglingen früher etwas häufiger beobachtet), ist der Umstand, dass eine durch Bakterien bedingte eitrige Infektion einer Nasennebenhöhle wie den Siebbeinzellen auf das Auge übergreift. Entwickelt sich dann beispielsweise eine Knochenhautentzündung im Bereich der Augenhöhlenwand, führt das neben hohem Fieber zu Schmerzen im inneren Augenwinkel, Lidschwellungen und heftigen Schmerzen im Stirnbereich. Das Kind wirkt sehr krank und apathisch.

    Bildet sich – eine weitere Seltenheit – ein eitriger Abszess zwischen dem Boden der Stirnhöhle und der Augenkapsel, schwillt das Lid massiv an, das Auge schmerzt, der Augapfel ist vorgewölbt und meistens auch schlechter beweglich, und es kommt zu Doppelbildern. In der Regel treten auch auch Fieber und erhebliches Krankheitsgefühl auf – ein Notfall, der der intensiven Behandlung durch einen Chirurgen (HNO- oder Mund-Kiefer-Gesichtschirurg) und einen Augenspezialisten in einer entsprechend ausgestatteten Klinik bedarf.

    Über die Entzündung der Nasennebenhöhlen informiert der Ratgeber "Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)".
  • Polypen oder höchst selten auftretende, gut- wie bösartige Tumoren der Nasennebenhöhlen können ebenfalls zu Kopfschmerzen beziehungsweise Schmerzen im Augenbereich führen. Falls sich eine bösartige Geschwulst in die Augenhöhle ausdehnt (Rarität im Rahmen des Seltenen), sind eine Vorwölbung des Augapfels, Schmerzen und Störungen der Augenbewegungen mit Doppelbildern möglich (siehe Kapitel "Ursachen in der Augenhöhle").

Augenkrankheiten:

Bagheri N, Wajda B N: The Wills Eye Manual, Wolters Kluwer, Philadelphia, 7. Auflage 2017
Grehn F: Augenheilkunde, 31. Auflage 2012, Berlin Heidelberg, Springer Verlag

Tolosa-Hunt Syndrome. Online: https://patient.info/doctor/tolosa-hunt-syndrome (Abgerufen am 25.10.2017)
The Eye Cancer Network: Orbital Pseudotumor. Online: https://eyecancer.com/eye-cancer/conditions/orbital-tumors/orbital-pseudotumor/ (Abgerufen am 25.10.2017)

Innere Medizin:

Herold G und Mitarbeiter: Innere Medizin 2017

Neurologie:

International Headache Society (IHS): Tolosa-Hunt-Syndrom (https://www.ichd-3.org/13-painful-cranial-neuropathies-and-other-facial-pains/; Punkt 13.7
(Abgerufen am 25.10.2017)

Mattle H, Mumenthaler M: Neurologie, 13. Auflage, Stuttgart Thieme Verlag, 2013

Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen. Leitlinie S1, vollständig überarbeitet online seit 14. Mai 2015, AWF-Registernummer: 030/036. Online:

https://www.dgn.org/leitlinien/3051-ll-54-ll-clusterkopfschmerz-und-trigeminoautonome-kopfschmerzen (Abgerufen am 25.10.2017)