Knieschmerzen: Überblick

Dass das Knie so anfällig für Schmerzen ist, hat viele Gründe. Warum neben Krankheiten auch Überbelastung im Sport und Beruf dazu gehören – mit Symptome-Check Knieschmerz

von Dr. Claudia Osthoff, aktualisiert am 04.09.2017

Knieschmerzen – kurz zusammengefasst

  • Knieschmerzen können plötzlich, bei Belastung oder in Ruhe, auftreten oder wiederholt bis anhaltend (chronisch) bestehen. Die Grenze, ab wann ein Schmerz chronisch ist, wird häufig bei drei oder sechs Monaten Schmerzdauer gezogen. Eine mehr patientenbezogene Sichtweise beinhaltet, dass chronische Schmerzformen länger zur Last fallen, als es im Verhältnis zur ursprünglichen Ursache oder Diagnose plausibel wäre.

  • Führende Schmerzursachen sind Sportverletzungen und Verschleißerkrankungen wie Arthrose, sodann Gelenkrheuma.

  • Die Lokalisation der Schmerzen am Knie –  vorne, hinten, außen oder innen und ob ein oder beide Knie betroffen sind – kann ein Hinweis auf die Ursache sein.

  • Die Diagnose oder Verdachtsdiagnose stellt der Arzt durch manuelle Tests, mit denen er Beschaffenheit, Beweglichkeit und Belastbarkeit der Knie prüft. Häufig kommen bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Röntgen, eventuell auch eine Magnetresonanztomografie (MRT) hinzu, bei Bedarf ein Eingriff wie die Gelenkspiegelung (Arthroskopie). Teilweise dient sie auch als Therapie.

  • Nach Möglichkeit werden Knieschmerzen konservativ behandelt: mit  entzündungshemmenden Schmerzmitteln, physikalischer Therapie und Übungstherapie (Physiotherapie). Gelenkrheuma erfordert zusätzliche Medikamente (Basistherapeutika und Biologika). Bei den Knieoperationen steht der Gelenkersatz (Endoprothetik) im Mittelpunkt.

Das Knie ist immer für Symbolik gut: Der Ausspruch "sich in eine Sache hineinknien" zeichnet ein Bild von Kraft und Entschlossenheit. Aber so stark die Knie auch sein mögen: Beim Sport sind sie oft besonders gefordert – vor allem, wenn viel Laufen und Springen im Spiel ist. Daher gehören Knieverletzungen zum sportlichen Alltag. Ob Bänderriss, Meniskusschaden oder Kniescheibenbruch: Die Möglichkeiten, sich das Knie zu verletzen, sind zahlreich.

Knieschmerzen: Was dahinter stecken kann

Überbelastung kann den Knien schon von Kindesbeinen an zusetzen – ausgerechnet den sportlich aktiven. Manchmal treten dann Wachstumsstörungen mit Schmerzen an bestimmten Stellen im noch ausreifenden Knochen auf. Mit den sogenannten Wachstumsschmerzen hat das aber nichts zu tun. Dazu mehr im Kapitel "Knieschmerzen – Ursachen".

Bei erwachsenen Sportlern ist Überbelastung noch häufiger der Grund für Knieschmerzen. Was sich in dieser Hinsicht bei Kindern mitunter als Sinding-Larsen-Johansson-Syndrom entpuppt, zeigt sich bei Erwachsenen als Springerknie (Patellaspitzensyndrom). Beide Male geht es um strapazierte Sehnenansätze am Knie. Aber das ist längst nicht alles.

Arthrose ist eine der häufigsten Ursachen von Gelenkschmerzen, gerade auch auch am Knie. Bemerkbar macht sich eine Kniearthrose meist ab der Lebensmitte. Überbelastung, etwa auch im Freizeit- und Berufssport, fördern den vorzeitigen Beginn. Was indes kaum bekannt ist: Knieschmerzen können auch von einer Hüftarthrose ausgehen.

Ganz anders Rheuma: Viele rheumatische Krankheiten zielen auf den Körper als Ganzes. Außer Gelenken erkranken häufig auch andere Organe. Es kommt zu einer Entzündung, die nicht selten auch das Allgemeinbefinden spürbar beeinträchtigt – erkennbar etwa an Abgeschlagenheit, leichtem Fieber, Krankheitsgefühl. Je nach miterkrankten Organen treten weitere Beschwerden auf. Besonders belästigend sind aber die schmerzenden, geschwollenen, morgens länger steifen Gelenke, ein Leitsymptom bei Rheuma. Häufig erkranken kleinere Gelenke an Händen und Füßen, aber auch größere wie Knie oder Sprunggelenke. Im Unterschied zu Arthrose kann Rheuma auch Kinder betreffen.

Gelegentlich gerät das Knie in den Sog einer Krankheit, die zunächst gar nichts mit den Gelenken zu tun hat, zum Beispiel ein Darminfekt. Da kommt es durchaus vor, dass sich ein Gelenk wie das Knie im Nachhinein entzündet und Schmerzen bereitet. Reaktive Arthritis nennen Ärzte das. Die ursprünglichen Beschwerden, etwa Bauchschmerzen und Durchfall, sind dann meist schon vergessen.

Stoffwechselerkrankungen oder Blutkrankheiten können das Kniegelenk ebenfalls in Mitleidenschaft ziehen. Beispiele: Gicht, Pseudogicht und Eisenspeicherkrankheit einerseits, die Bluterkrankheit andererseits. Teilweise kann frühzeitige, gezielte Therapie hier Schäden am Knie und damit Verformungen, Schmerzen und Gehbehinderungen begrenzen. Manchmal ist ein Kunstgelenk allerdings unvermeidlich.

Knieschmerzen bei einem Bandscheibenvorfall? Auch das gibt es. Mitunter strahlen Schmerzen nämlich von einer gereizten Nervenwurzel am Rückenmark ins Knie aus (siehe unter "Schmerzen im Gesäß / Kreuz" und unter "Hexenschuss"). Verlagertes Bandscheibengewebe kann hier der Ausgangspunkt sein. Gefühlsempfindliche Nervenfasern, die einen bestimmten Bereich des Beins versorgen, vermitteln hier zwar den Eindruck einer vermeintlichen Schmerzursache am Knie. Es sind aber "nur" fortgeleitete Schmerzen.

Mitunter steckt eine Reizung des Hautnerven im Hüftbereich (sogenannte Meralgia paraesthetica) hinter einem Knieschmerz. Mehr dazu unter "Hüftschmerzen".

Das heißt also: Knieprobleme können viele verschiedene Ursachen haben. Auch betreffen sie keineswegs nur die "Generation Erfahrung".

Das Knie: Wirklich das Gelenk der Superlative?

Keine Frage: Das Knie ist unser größtes Gelenk, es verbindet unsere zwei mächtigsten Knochen miteinander: Oberschenkelknochen und Schienbein. Als Scharniergelenk lässt es sich beugen und strecken. Bei gebeugtem Knie kann man auch hervorragend mit dem Unterschenkel kreiseln. Das Knie ist also ein Drehwinkelgelenk. Mehr zur Knieanatomie? Klicken Sie im Körperatlas auf Bewegungsapparat und dann auf Kniegelenk.

Dank der Knie sind wir enorm flexibel: Sie verhelfen uns im Einklang mit Wirbelsäule, Hüft- und Sprunggelenken zum Stehen und Gehen, Laufen und Springen, Klettern und Tanzen und mehr. In angewinkelter Stellung machen sie gutes Sitzen erst wirklich möglich. Oder Hocken und Knien – so nützlich wie unbequem, ja kniefeindlich diese Haltungen auch sein mögen. Hartnäckige Knieschmerzen dagegen beeinträchtigen mit der Zeit die Lebensqualität nachhaltig, häufig auch die Arbeitsfähigkeit.

Lasche Muskeln – schwache Knie?

Jedes Knie reagiert anders. Aber seine Konstruktion bringt einfach ein gewisses Verletzungs- und Verschleißrisiko mit sich. Das liegt daran, dass die knöchernen Teile – die Gelenkpartner – nicht völlig formschlüssig ineinander greifen. Vielmehr wird das Kniegelenk durch Bänder und Muskeln zusammengehalten und geführt. Nicht jeder hat hier athletische Kraftpakete vorzuweisen. Je nachdem kann der Bewegungsablauf etwas unpräzise sein. Das ist zwar nicht gleichbedeutend mit einem Wackelknie, wie es etwa bei Bindegewebsschwäche oder infolge einer Verletzung vorkommt. Doch über die Jahre hinweg stehen die Zeichen auf Verschleiß. Lasche Muskeln – schwache Knie, da ist also durchaus etwas dran.

Übergewicht, Achsenfehlstellungen, etwa ein X- oder O-Bein, ebenso bestimmte Zwangshaltungen belasten die Knie. Zum Beispiel Arbeiten im Knien und Hocken: Die Kniescheiben drücken hier stark gegen die Gleitflächen, je tiefer die Hocke, desto mehr. Oder viel Gehen und Laufen auf hartem oder unebenem Grund. Kommen ständig Krafteinsätze dazu, steigt der Druck im Knie erheblich. Das Gelenk wird schlechter durchblutet, Verschleiß und Schmerzen sind programmiert.

Wie Knieschmerzen sich äußern

Bei Schmerzen, so auch am Knie, unterscheiden Ärzte im Allgemeinen zwischen akut und chronisch. Akute Schmerzen dauern wenige Stunden bis Tage, klingen also wieder ab: spontan oder dank der passenden Therapie.

Auch chronische Schmerzen beginnen irgendwann mehr oder weniger akut, oder sie entwickeln sich von Anfang an schleichend. Definitionsgemäß dauert ein chronischer Schmerz mehr als sechs Wochen, häufig sind es mehr als drei Monate. Obwohl viele Betroffenen unter der Behandlung zunächst schmerzfrei werden, erleiden sie nicht selten Rückfälle. Bei einer rheumatischen Erkrankung beispielsweise flammen chronische Schmerzen immer wieder auf. In anderen Fällen, zum Beispiel bei Wachstumsschäden im jugendlichen Knochen, wachsen sie sich buchstäblich aus. Das kann mitunter aber bis zu ein Jahr dauern.

Wann zum Arzt?

Kniebeschwerden sollten Sie vom Arzt abklären lassen. Je früher ein schmerzendes Knie untersucht und behandelt wird, desto größer sind die Chancen, dass es wieder ausheilt. Umso wichtiger ist das, wenn noch andere Gelenke schmerzen oder weitere Beschwerden vorliegen, etwa Schwellungen und Steifheitsgefühl, wenn die Beschwerden zunehmen oder wieder auftreten.

Notfälle gibt es auch am Knie

Bei einer maßgeblichen Knieverletzung ist umgehend ein Arzt gefragt. Beispiele: ein knienaher Knochenbruch oder ein Bänderriss, allemal natürlich bei Komplikationen wie einer offenen Infektion des Gelenks oder einer begleitenden Nervenschädigung. Lässt sich der Fuß (Zehenspitzen, seitlicher Fußrand) nicht mehr anheben, deutet das auf eine Schädigung des entsprechenden Nervs hin. Dabei können auch Gefühlsstörungen auftreten.

Bei einer schweren Infektion kann das Gelenk erheblichen Schaden nehmen, oder es droht eine Blutvergiftung (Sepsis).

Ein ebenfalls ernstes, aber seltenes Krankheitsbild ist die Purpura Schoenlein-Henoch. Es kommt in erster Linie bei Kindern und jungen Menschen vor dem 21. Lebensjahr vor. Dahinter steckt eine allergische Entzündung kleinster Gefäße (Fachbegriff: Vaskulitis) nach einem Infekt der oberen Luftwege. Die Haut weist tastbare Knötchen und Rötungen auf, sogenannte Purpura, eigentlich kleinste Blutungen unter der Haut. Sie finden sich vor allem an den Streckseiten der Beine und am Gesäß. Gelenkschmerzen, Bauchschmerzen, Fieber, eventuell Blut im Urin – das sind nur einige der möglichen Symptome, die auf ein ernstes Krankheitsgeschehen hnweisen. 

! Warnzeichen bei Knieschmerzen – Rufen Sie Ihren Arzt oder den Notarzt (Notruf 112):

  • Akute Schmerzen, Schwellung, eingeschränkte Beweglichkeit (eines oder beider Knie, mit oder ohne Verletzung)
  • Zudem: bei Fieber, Schüttelfrost, Rötung der Haut am Knie, eventuell "Schwappen" am Knie beim Tasten

Knie-Diagnosen, Knie-Therapien

Lebensalter, Begleitumstände, Vorgeschichte – solche Faktoren sind auch beim Knie diagnoserelevant. So macht es einen Unterschied, ob ein Junge im Wachstumsalter oder ein Mittfünfziger über Knieschmerzen klagt. Manche Schmerzprobleme sind typisch für das Kindes-, Jugend- und junge Erwachsenenalter (siehe Liste weiter unten), andere treten erst später auf.

Nochmals zur Spurensicherung: Wenn ein Ballsportler sich beim Zusammenprall mit einem Mitspieler das Knie prellt, ist der Verletzungshergang nachvollziehbar. Eine zurückliegende Verletzung kann für vorzeitige Verschleißerscheinungen wie Arthrose und dadurch bedingte Knieschmerzen verantwortlich sein.

Die seitenvergleichende körperliche Untersuchung und Bewegungstests der Knie führen den Orthopäden meist schon zur (vorläufigen) Diagnose. Röntgenaufnahmen und eine Ultraschalluntersuchung können sie stützen oder bestätigen. Wenn es um besondere Therapieentscheidungen geht, plädieren Ärzte wegen der Aussagekraft der Informationen inzwischen für eine frühzeitige Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspintomografie). Bei speziellen Fragen zur Beschaffenheit der Gelenkknochen kann auch eine Computertomografie oder Szintigrafie angezeigt sein. Trotzdem haben Röntgenbilder nach wie vor ihren Platz.

Bei Gelenkentzündungen sind Laboranalysen, mitunter auch die Untersuchung entnommener Gelenkflüssigkeit oder einer Gewebeprobe (Biopsie) notwendig.

Eingreifender noch ist die Gelenkspiegelung (Arthroskopie) – weniger invasiv als eine herkömmliche Operation zwar, insofern minimal invasiv genannt. Aber es gelangen immerhin Instrumente in das Gelenk, es wird geschnitten, gehobelt und genäht. Die Arthroskopie dient sowohl der Diagnose als auch der Therapie von Knieschmerzen.

Stichwort Therapie: Die Behandlung von Knieproblemen hängt von der Ursache ab, ein allgemeines Prinzip. Dennoch sind hier häufig dieselben konservativen Maßnahmen erfolgversprechend: Schonung, Ruhigstellung oder Stützen des Knies mit einer Bandage, Kräftigung der Oberschenkelmuskeln durch gezielte, das Knie nicht belastende Übungen (Physiotherapie), dazu eventuell eine physikalische Therapie und für kurze Zeit ein entzündungshemmendes Schmerzmittel. Es muss also nicht immer gleich operiert werden.

Allerdings gibt es auch Situationen, in denen ein Eingriff unvermeidlich ist: sei es bei einer Verletzung, Einklemmungserscheinungen durch einen freien Gelenkkörper, bestimmten Rissen eines Meniskus im Knie oder nicht anders beeinflussbaren Knieschmerzen. Viele operative Maßnahmen lassen sich heute gezielt durch eine Arthroskopie erledigen.

Weiterführende Informationen dazu im Kapitel "Knieschmerzen – Grundsätzliche Behandlungswege" und, mit Bezug auf die beschriebenen Schmerzursachen, im Kapitel "Knieschmerzen-Ursachen".

Welcher Facharzt ist sonst noch zuständig?

Wenn der Verdacht auf eine Rheuma-Erkrankung besteht, ist ein Internist / Rheumatologe oder ein rheumatologischer Orthopäde gefragt. Manchmal ist ein Stoffwechsel- oder Gerinnungsspezialist der richtige Ansprechpartner. Bei Verdacht auf eine Nervenerkrankung wird man sich an einen Neurologen wenden. Er kann auch feststellen, ob die Ursache eines schmerzhaften Gelenkproblems und begleitender Muskelstörungen eventuell an einer neuromuskulären Erkrankung liegt. Neuromuskulär bezieht sich auf das Zusammenspiel von Nerven und Muskeln.

Auf einen Blick: Die häufigsten Ursachen von Knieschmerzen

  • Knieverletzungen: akut und chronisch

- Knochenbruch: Gelenkfortsätze des Oberschenkelknochens (Kondylen, auch Gelenkrollen), Schienbeinkopf, Kniescheibe;
- Verrenkung: Knie, Kniescheibe
- Bänderriss am Knie: Seiten-, Kreuzbänder, Kapsel-Bandverletzungen, Kniescheibensehne, Sehne des Oberschenkelstreckmuskels
- Meniskusschäden: Akuter Meniskusriss; chronischer Meniskusschaden (Meniskopathie)

  • Vorderer Knieschmerz: Kniescheibe & Co.

- Chondromalazie (Knorpelschaden und Schmerzen hinter der Kniescheibe)
- Plica-Syndrom (Schmerzen durch entzündete Gelenkhautfalte im Knie)
- Entzündung / Vernarbung des Hoffa-Fettkörpers im Gelenk
- Veränderungen der Kniescheibe bei erblichen Erkrankungen des Bindegewebes

  • Abnutzung von Sehnen und Bändern

- Springerknie (Patellaspitzensyndrom)
- Läuferknie (Iliotibiales Band-Syndrom)

  • Gereizte Schleimbeutel am Knie

- Schleimbeutelentzündung (Bursitis)
- Sonderfall: Baker-Zyste

  • Knochen-Knorpelschäden (Osteochondrose, Osteonekrose)

- Osgood-Schlatter-Krankheit: Störung am oberen Schienbein, es erkranken Kinder und Jugendliche
- Sinding-Larsen-Johansson-Syndrom: Störung an der Kniescheibenspitze, betrifft Kinder und Jugendliche
- Osteochondrosis dissecans: Knochen- und eventuell Knorpelschaden mit Gelenkmaus, einerseits bei Kindern und Jugendlichen, andererseits bei Erwachsenen (vermutlich in der Kindheit schon vorhanden, aber symptomlos)
- Ahlbäck-Krankheit: Knochen-Knorpel- und damit Gelenkschaden, Frauen erkranken häufiger als Männer, meist im mittleren und höheren Alter

  • Volkskrankheiten: Kniearthrose, Rheuma

- Arthrose des Kniegelenks
- Rheuma, unter anderem rheumatoide Arthritis (auch bei Kindern)

  • Knieschmerzen bei Stoffwechsel- und Blutkrankheiten

- Gicht
- Pseudogicht
- Familiäre Hypercholesterinämie
- Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose)
- Bluterkrankheit (Hämophilie)

  • Knieschmerzen durch Infektionen

- Viruserkrankungen: Etwa bei Röteln, Ringelröteln, Mumps, sodann Virushepatitis und HIV-Infektion
- Gelenkentzündungen durch Bakterien: Beispielsweise Staphylokokken, Streptokokken,  Tuberkelbakterien (Mycobacterium tuberculosis, Erreger der Tuberkulose), Brucellen, Borrelien & Co.
- Pilzinfektionen (selten): Zum Beispiel mit Candida-Hefepilzen

  • Knieschmerzen bei oder nach Infektionen

- Rheumatisches Fieber: Seltene Erkrankung nach einer Infektion zum Beispiel mit Bakterien wie Staphylokokken, Streptokokken
- Reaktive Arthritis: Nach Infektionen mit Erregern von Darminfekten wie Campylobacter jejuni oder Salmonellen und nach sexuell übertragenen Harnwegsinfekten (Chlamydien) oder Gonorrhoe/Tripper (Neisseria gonorrhoeae)
- Purpura Schoenlein-Henoch: Mitunter nach einem Atemwegsinfekt

  • Weitere Ursachen von Knieschmerzen

- Überbewegliches Gelenk, etwa bei sehr laxen Bändern
- Fortgeleiteter Schmerz, zum Beispiel bei einem Bandscheibenvorfall
- Fibromyalgie
- Chronisches Müdigkeitssyndrom
- Gefäßkrankheiten (Arterien- und Venenthrombose)
- Nervenschädigungen
- Eher Selten: Gut- und bösartige Tumoren

Die hier gelisteten Ursachen sind noch einmal genauer im Kapitel "Knieschmerzen – Ursachen" beschrieben, das auch auf die Therapiemöglichkeiten eingeht oder weiterführende Links anbietet.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Liegen die Schmerzen mehr außen oder innen, vorne oder hinten am Knie? Verstärken sie sich bei Bewegungen, und wenn ja, bei welchen? Gibt es Begleitsymptome? Machen Sie sich ein erstes Bild. Hier ein paar Anhaltspunkte (Auswahl) für Sie, hilfreich für den Termin beim Arzt.

Check-up Knieprobleme

  • Schmerzen an der Innenseite des Knies:

Häufig schmerzt das Knie an der Innenseite, etwa bei einem Innenmeniskus-Schaden. Der Meniskus – es gibt zwei (siehe Bild oben) – gleicht die am Knie sehr unebenen Gelenkflächen aus.

Bei einem O-Bein kann sich auf der Innenseite eine Arthrose entwickeln, die sich im Laufe der Zeit schmerzhaft bemerkbar macht.

Eine andere mögliche Ursache ist die Entzündung eines Schleimbeutels (Bursitis, hier der sogenannten Bursa anserina).

Auch Sehnenschäden des Semimembranosus-Muskels, eines Kniebeugers, können an der Innenseite des Knies für Schmerzen verantwortlich sein, typischerweise beim Beugen, Gehen oder Laufen.

Ähnlich verhält es sich bei einer Erkrankung namens Morbus Ahlbäck (Morbus bedeutet Krankheit). Dabei kommt es zu einem Defekt im Knochen aufgrund einer Durchblutungsstörung. Knieschmerzen treten plötzlich bei Belastung, aber auch in Ruhe auf (siehe weiter unten). Druck mit dem Finger auf die Innenseite des Knies kann hier recht unangenehm sein.

  • Schmerzen an der Außenseite des Knies:

Außen am Knie kann sich ein lädierter Außenmeniskus bemerkbar machen. Dabei kann der Gelenkspalt außen am Knie beim Tasten schmerzhaft, eventuell auch geschwollen sein. Ebenfalls schmerzhaft: Innendrehung des Unterschenkels gegenüber dem Oberschenkel, etwa bei plötzlichem Bewegungsstopp im Sport oder passiv bei der ärztlichen Untersuchung.

Typische Ursachen für Schmerzen außen am Knie sind zudem gereizte oder verschlissene Sehnen. Der medizinische Fachbegriff lautet Tendinose.

Auch das sogenannte Läuferknie bei Laufsportlern kommt hier als Schmerzursache infrage. Der Name steht für verschiedene Überlastungsschäden der Knie. Mögliche Symptome sind zunehmende Schmerzen beim Laufen, mit der Zeit auch beim Gehen, Hinabsteigen von Treppen oder Aufstehen aus dem Sitzen. In Ruhe lassen sie nach. Außer an der Seite tut das Knie hier manchmal auch vorne oder hinten weh. Es kann auch anschwellen.

Infolge von Gelenkverschleiß (Arthrose) sind ebenfalls Schmerzen im Außenbereich des Knies möglich, in dem Fall hauptsächlich im Zuge eines X-Beins.

  • Schmerzen vorne am Knie:

Wird der Schmerz hauptsächlich vorne am Knie verspürt, kann zum Beispiel ein Springerknie der Grund sein. Darunter versteht man eine Schädigung der Kniescheibensehne, auch Patellaspitzensyndrom genannt. Teilweise kann aber auch das Läuferknie (siehe oben) mit Beschwerden vorne an der Kniescheibe verbunden sein.

Bei Jugendlichen ist das dem Patellaspitzensyndrom sehr ähnliche Sinding-Larsen-Johansson-Syndrom eine mögliche Knieschmerz-Ursache.

Auch Schäden oder Formvarianten der Kniescheibe, Schleimbeutelentzündungen im Frontbereich des Knies oder eine von selbst wieder heilbare Krankheit wie der Morbus Osgood-Schlatter, der im Kindes- und Jugendalter vorkommt, gehen mit Schmerzen vorne am Knie einher.

  • Schmerzen in der Kniekehle:

Hier kann eine Baker-Zyste mehr oder weniger ausgeprägte Beschwerden oder ein Druckgefühl beim Beugen des Knies zur Folge haben – meistens wegen der damit verbundenen Schwellung. Ab einer bestimmten Größe ist die Zyste in der Kniekehle tastbar. Reißt sie ein, löst das prompt heftige Schmerzen aus.

Weitere Schmerzursachen hier: Verletzungen eines Meniskus, Sehnenverschleiß (hier von Kniebeugermuskeln), Gefäßprobleme wie Einengungen, Verschlüsse (Thrombosen) oder Aussackungen, sodann Erkrankungen des Knochens oder der Nerven. Mehr oder weniger überall schmerzt das Knie bei jedweder Entzündung oder bei Rheuma, das Gelenk kann hier zudem deutlich geschwollen sein.

  • Knieschmerz, Bewegungsdefizit, Geräusche:

Schmerzhaftes Einknicken kann bei einer Kniescheibenverrenkung oder einem Kreuzbandriss vorkommen.

Streck- oder Beugehemmung bis zur Blockierung beziehungsweise aufgehobenen Belastbarkeit mit begleitender Schwellung (Bluterguss) deutet bei entsprechendem Verletzungshergang auf einen knienahen Bruch hin.

Ansonsten kann auch eine Gelenkmaus dahinterstecken. Das ist ein ins Gelenk abgesetztes Knochenstück.

Zu einem Überstreckschmerz und Schnappen kommt es zum Beispiel bei einem Meniskusriss (mehr zum Meniskus siehe weiter oben). 

Schmerzen beim Strecken des Knies sind auchmöglich, wenn das Kniescheibenband gereizt ist.

Fühl- und hörbare, knirschende oder reibende Phänomene, etwa beim Strecken des Knies gegen Widerstand, treten bei Verschleiß an der Kniescheibenrückseite auf.

  • Knieschmerzen beim Treppengehen:

Knieschmerzen treppauf oder treppab können auf eine Entzündung des Schleimbeutels unterhalb des inneren Gelenkspalts, der "Bursa anserina", ein Springerknie oder einen Knorpelschaden der Kniescheibe hindeuten.

Auch bei einem Läuferknie oder bei Kniearthrose ist das Treppengehen, vor allem abwärts, häufig beschwerlich.

Knieschmerzen in Ruhelage:

Schmerzen bei Bewegungen und/oder eingeschränkte Beweglichkeit sind, wie zuvor beschrieben, typisch für viele Knieprobleme. Das ist kein Wunder, schließlich ist das Knie ein Gelenk, mithin unser größtes. Doch es gibt noch andere Konstellationen. Was ist, wenn das Knie (auch) ohne Bewegung, in Ruhelage, wehtut?"

Anlaufschmerzen", das heißt Schmerzen nach Ruhe, nächtliche Schmerzen und Steifigkeit des Knies lassen zum Beispiel an eine Arthrose denken. Anfangs bessern sie sich im Laufe des Tages. Schreitet die Arthrose fort, sind Belastungen ständig und zunehmend schmerzhaft.

Nachts und in Ruhe einsetzende Knieschmerzen, später auch bei Belastung, können im Verlauf der Ahlbäck-Erkrankung (siehe oben) auftreten. Außerdem können sich "Wachstumsschmerzen" im Kindesalter mit nächtlichen Schmerzen bemerkbar machen (mehr dazu im Kapitel "Knieschmerzen – Ursachen" in diesem Beitrag).

Ruheschmerzen und Morgensteifigkeit, die bis zu einer Stunde anhalten kann, sind zusammen mit anderen Beschwerden (siehe unten) für Rheuma (zum Beispiel rheumatoide Arthritis, recht typisch.

Weitaus seltener verbirgt sich hinter Ruheschmerzen am Bein eine Knochengeschwulst.

Im Zuge einer Nervenwurzelreizung am Rücken (genauer: am Rückenmarkskanal), etwa durch einen Bandscheibenvorfall, können unter anderem morgens oder in Ruhelage Schmerzen am Knie auftreten, übrigens mit und ohne Rückenschmerzen! Neben dem Knie treten bei manchen Erkrankungen auch noch Schmerzen an anderen Gelenken auf.

  • Knieschmerzen und Begleitsymptome:

Bei Gelenkschmerzen sind immer auch mal Begleitsymptome wie Schwellung des Gelenks, Rötung der umgebenden Haut, ein Hautausschlag, Fieber, Lymphknotenschwellungen und deutliches Krankheitsgefühl möglich. Je nach Beschwerdebild kann zum Beispiel eine Infektion, ein Gicht-Anfall oder ein Krankheitsbild aus dem rheumatischen Formenkreis dahinter stecken, etwa ein systemischer Lupus erythematodes. Die Bezeichnung systemisch besagt, dass nicht nur ein Gelenk, sondern mehrere Gelenke und sogar andere Organe betroffen sind.

  • Knieschmerzen bei Kindern und Jugendlichen:

Auch im Kindes- und Jugendalter kommen Knieschmerzen relativ häufig vor. Sie beruhen, wie schon erwähnt, nicht selten auf harmlosen "Wachstumsschmerzen" oder Störungen wie Sinding-Larsen-Johansson-Syndrom und Osgood-Schlatter-Krankheit.

Auf einem anderen Blatt stehen Erkrankungen wie das Bluterknie, das schon erwähnte Rheuma (in diesem Fall Formen, die im Kindesalter auftreten) und seltene Komplikationen bei Infektionskrankheiten wie Purpura Schoenlein-Henoch (etwa nach einem Atemwegsinfekt) und rheumatisches Fieber (nach einer Mandelentzündung wie Streptokokken-Angina).

Ebenfalls nur selten entwickelt sich eine Geschwulsterkrankung. Tumoren des Bewegungssystems kommen allerdings nicht häufig vor, gutartige überwiegen.

Sodann gibt es einige seltene erbliche Fieberkrankheiten, die mit periodisch wiederkehrenden Fieberschüben und Gelenkschmerzen verbunden sind

Fazit: Art und Ort eines Knieschmerzes geben häufig schon wichtige Anhaltspunkte in Richtung Diagnose. Achten Sie selbst auf sicht- oder spürbare Veränderungen. Wie der Arzt weiter vorgehen könnte, steht im Diagnose-Kapitel dieses Beitrags. Über die hier genannten Krankheitsbilder und mehr finden Sie unter "Knieschmerzen – Ursachen" und "Knieschmerzen: Überblick" weitere Informationen.

Bei der Frage, was wohl die Hauptursachen von Knieschmerzen sind, lautet die Antwort meist: Sport und Arthrose. Das ist in der Tat richtig. Das Knie steht bei vielen Sportverletzungen im Mittelpunkt. Arthrose ist eine bekannte Spätfolge, wobei es natürlich noch andere Ursachen gibt. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Sport im richtigen Maß ist gesund und hilft, das Körpergewicht im Griff zu behalten. Überschüssige Pfunde begünstigen wiederum Arthrose.

Zysten betreffen vor allem die Kniekehle. Sie können ebenfalls Folge einer Schädigung am Knie sein, etwa des Meniskus, aber zum Beispiel auch bei Rheuma auftreten. Nachfolgend mehr zu den häufigsten Ursachen von Knieschmerzen.

Knieverletzungen: Akut und chronisch

Da das Kniegelenk nur von Weichteilen gehalten und geführt wird, kann es leicht verletzt werden. Leider ist dann oft eine spätere Arthrose programmiert.

  • Knochenbruch: Ein Bruch kann die Gelenkfortsätze des Oberschenkelknochens (Kondylen, "Oberschenkelrollen"), den Schienbeinkopf oder die Kniescheibe treffen. Eine Verrenkung führt manchmal zu einem Abscherbruch (engl. flake fracture) der Kniescheibe. Auch kombinierte Brüche sind möglich. Alles dies sind akute Ereignisse.

    Symptome:
    Ein Bruch im Kniebereich verursacht starke Schmerzen. Das Knie lässt sich nicht mehr bewegen. Ist der gelenknahe Schaft betroffen, kommt es zur Fehlstellung des Gelenks. Bei gebrochener Kniescheibe kann der Verletzte das Knie nicht mehr strecken. Zwischen den Bruchstücken ist möglicherweise ein Spalt zu tasten. Ein Bluterguss, praktisch immer inbegriffen, führt zu erheblicher Schwellung.

    Therapie: Brüche der Kniescheibe ohne verlagerte Bruchstücke und ohne Streckdefizit des Knies behandeln Ärzte konservativ. Ansonsten operative Stabilisierung mit Metallen wie Platten, Nägel, Schrauben, Drähte, bei der Kniescheibe auch als sogenannte Zuggurtung (Cerclage). Danach häufig jeweils Stützung durch eine Orthese. Physiotherapeutische Nachbehandlung angepasst an die individuelle Therapie.
  • Verrenkung (Luxation): Die seltene Knieverrenkung ist meist Folge eines schweren Unfalls mit Verletzung des Kapselbandgefüges. Dabei können auch Nerven und Blutgefäße mitverletzt werden und Unterschenkelmuskeln indirekt durch eine starke Schwellung Schaden nehmen. Die Kniescheibe verrenkt sich unter anderem durch Anprallverletzungen oder Verdrehen des Knies, etwa beim Sport. Ansonsten werden Verrenkungen begünstigt durch angeborene Formveränderungen der Kniescheibe oder ihres Gleitweges, X-Beine, Muskelschwäche, ungleichen Zug der Haltebänder (innen zu schlaff, außen zu fest), erbliche Bindegewebserkrankungen.

    Symptome:
    Ein verrenktes Knie schmerzt heftig, ist wegen eines Blutergusses durch Einriss der gut durchbluteten Kapsel stark geschwollen und lässt sich nicht mehr bewegen. Eine verrenkte Kniescheibe verursacht gleichfalls, aber nicht vergleichbar starke Schmerzen und Schwellungen. Das Gelenk sieht durch die verlagerte Knieschiebe verformt aus, die seitlich verlagerte Kniescheibe ist sicht- und tastbar. Hat sie sich von selbst wieder eingerenkt, ist das Knie meist noch länger schmerzhaft, besonders bei Druck auf die Kniescheibe oder wenn man sie (bitte sanft!) von Hand hin- und herschiebt. Auch begleitende Knorpel- und Knochenverletzungen sind bei Verrenkungen möglich.

    Therapie:
    Eine Knieverrenkung einschließlich begleitender Verletzungen muss notfallmäßig behandelt werden. Eine verrenkte Kniescheibe versucht der Arzt bei maximal gestrecktem Knie zurückzuschieben: Reposition in "Überstreckung". Im Anschluss Stabilisierung für einige Wochen mit einer Bandage, dazu Muskelaufbau durch Physiotherapie. Bei wiederholter Verrenkung, etwa durch Fehlbildung oder nach Verletzung der Kniescheibe, ist ein korrigierender Eingriff notwendig. Dazu muss das Knochenwachstum abgeschlossen sein (betrifft Jugendliche). Es gibt verschiedene OP-Techniken, auch mittels Gelenkspiegelung (Arthroskopie).
  • Bänderriss: Gefährdet für einen Riss sind vor allem Innen- und Kreuzbänder, seltener das Kniescheibenband und die Sehne des Oberschenkelstreckmuskels (Quadrizeps-Muskel).

    Symptome:
    Das Knie schmerzt akut, Ansätze des Bandes sind beim Betasten druckschmerzhaft, etwa innen bei einer Verletzung des Innenbands. Das Gelenk ist hier auf der Innenseite tendenziell "aufklappbar". Stärkere Aufklappbarkeit deutet auf mitverletzte Kapselanteile hin.
    Bei einem Kreuzbandriss tritt ein heftiger Schmerz auf, der aber auch wieder nachlassen kann, gefolgt einer Schwellung des Knies (Erguss). Das Knie wirkt instabil. Wird es nicht behandelt, kann es unter Schonung zwar abschwellen, aber die Instabilität bleibt. Besonders bei erneuten Belastungen knickt es dann häufig weg. Manch einer geht erst deswegen zum Arzt.

    Ist das Kniescheibenband gerissen, was eher selten vorkommt, lässt sich das Knie nicht mehr aktiv beziehungsweise gegen Widerstand strecken. Die Kniescheibe wandert beim Beugen nach oben. Die durch den Riss entstandene Lücke ist tastbar und druckschmerzhaft.

    Bei einem Riss der Oberschenkelstrecker-Sehne steht die Kniescheibe dagegen tiefer, darüber findet sich eine Delle, im Verbund mit dem Kniescheibenband und weiteren Bändern ist meist noch eine gewisse Streckleistung möglich. Es kommt jeweils zu einem Bluterguss, wodurch das Knie anschwillt.


    Weitere Informationen unter "Bänderriss".
  • Meniskusschäden: Das Kniegelenk enthält auf seiner Innen- und Außenseite je einen c-förmigen Gelenkkörper aus Knorpel, die Menisken. Gemeinsam mit den Kreuzbändern stabilisieren sie die Knie und schützen den Gelenkknorpel. Der größere Innenmeniskus ist mit dem Innenband verwachsen und so weniger beweglich als der kleinere, lockerer befestigte Außenmeniskus. Es kommen akute und chronische Schäden vor.

    Akuter Meniskusriss: Akute Risse, etwa bei jüngeren, sportlich aktiven Menschen, kommen seltener vor als Risse durch Verschleiß (siehe unten). Manchmal kann der Meniskus bei plötzlichen Stopp- und Drehbewegungen des Knies reißen, auch kombinierte Verletzungen, zum Beispiel ein Riss (Korbhenkelriss) des Innenmeniskus plus Riss des vorderen Kreuzbands, dazu eventuell des Innenbands, sind möglich.

    Symptome:
    Das Knie beziehungsweise der Gelenkspalt schmerzt auf der betroffenen Seite – also innen oder außen, und weiter vorne oder hinten, je nach Lage des Risses und betroffenem Meniskus (häufiger der Innenmmeniskus). Gehen ist möglich, sportliche Belastungsintensität nicht. Das Knie kann durch einen Erguss anschwellen, nach ein, zwei Wochen Schonung wieder abschwellen, um bei erneuter Belastung wieder anzuschwellen. Ein Korbhenkelriss (breiter Längsriss) zum Beispiel kann dazu führen, dass sich ein Teil des gerissenen Meniskus einschlägt (hörbares Schnappen) und das Knie blockiert. Es lässt sich dann kaum mehr strecken oder beugen. Die Beschwerden hängen vom Umfang der Verletzung ab.

    Chronischer Meniskusschaden (Meniskopathien):
    Eine angeborene Formstörung des Meniskus können schon im Kindesalter zu Einklemmungen im Knie führen. Bindegewebserkrankungen schwächen den Meniskus generell, ständige Überbeanspruchung dünnt ihn an kritischen Punkten aus. Mit der Zeit bilden sich feinste Risse (Mikrotraumen). Schon bei normalen Bewegungen wie beim In-die-Hocke-Gehen oder raschen Aufstehen reißt der Meniskus dann irgendwann ein. Risse betreffen häufig die schlechter durchbluteten zentralen Bereiche. Meniskusschäden gehören zu den anerkannten Berufskrankheiten. Prädestiniert dafür sind zum Beispiel Profifußballer oder Fliesenleger.

    Gelegentlich bildet sich bei Verschleiß eines Meniskus (ebenfalls häufiger am Innenmeniskus) eine Zyste, teilweise auch Ganglion genannt, eine mit zähflüssigem Inhalt gefüllte Aussackung. Häufig besteht ein Zusammenhang mit einem Meniskusriss.

    Symptome (chronischer Meniskusriss):
    Bei Belastung des Knies treten Schmerzen auf: beim Beugen je nach Ausmaß wandernder Schmerz, beim Drehen oder Hocken zunehmende Schmerzen über dem Gelenkspalt auf der betroffenen Seite, außerdem ist der Gelenkspalt innen oder außen beim Tasten mit dem Finger druckschmerzhaft. Wiederholte Reizungen und Schwellungen gelten als unspezifische Zeichen, da sie bei vielen Knieproblemen vorkommen. Ein Teil des lädierten Meniskus kann sich auch verlagern, einklemmen und das Knie blockieren. Dann können zum Beispiel eine Streckhemmung und ein schnappendes Gelenkgeräusch auftreten.


    Eine Meniskuszyste kann, muss aber nicht, innen oder außen am Knie (am Gelenkspalt) als weiche, druckempfindliche Schwellung wechselnder Größe erkennbar sein.
    Es treten hauptsächlich Schmerzen innen am Knie bei Belastungen auf.

    Zum Nachlesen über Diagnose und Therapie: Ratgeber "Meniskusverletzungen".

Kniescheibe & Co.: Vorderer Knieschmerz

Dank der Kniescheibe überträgt sich die Muskelkraft ergiebig vom Oberschenkel auf den Unterschenkel – und wir strecken das Knie durch. Die Kniescheibe schützt das Knie vorne.

  • Chondromalazie (Knorpelschaden): Chondromalazie bedeutet Erweichung des Knorpels, er fasert auf und wird rissig. Dies kann die Rückseite der Kniescheibe wie auch ihre Gleitbahn am Oberschenkelknochen betreffen und das hier liegende Femoropatellargelenk stören. Bänder- und Muskelschwäche sowie vorausgegangene Verletzungen und Entzündungen des Kniegelenks gehören zu den Ursachen. Dazu kommen jene, die auch Verrenkungen der Kniescheibe begünstigen (siehe oben).

    Symptome: Beim Beugen, Treppauf- oder Treppabgehen, Aufstehen aus der Hocke, längerem Sitzen oder Schlafen mit angewinkelten Beinen schmerzt das Knie. Beugen und Strecken des Knies erzeugt ein Reiben oder Knirschen. Bei ungeschicktem Tritt auf unebenem Boden gibt das Knie plötzlich nach, dabei kann auch ein stechender Schmerz auftreten.

    Therapie: Physikalische Therapie, gegebenenfalls Stabilisierung durch eine Kniebandage, ein Schmerzmittel für kurze Zeit, beispielsweise ein nicht steroidales Antirheumatikum (NSAR), Kräftigung der Oberschenkelstreckmuskeln mittels Physiotherapie. Weicht die Kniescheibe zur Seite ab, kann der Orthopäde das äußere Halteband spalten. Das reguliert den Gleitweg der Kniescheibe, senkt ihren Andruck und verbessert die Ernährung des Knorpels. Kleinere Knorpeldefekte können arthroskopisch mit Bohrtechniken, die auf den Knochen unterhalb des Knorpels zielen, behandelt werden. Dadurch wird die Bildung von Knorpelersatzgewebe angeregt. Alternativ kann eine Knorpelzelltransplantation erfolgen. Ein Beinachsenfehler lässt sich operativ korrigieren.
  • Plica-Syndrom: Schmerzen durch Gelenkhautfalten im Knie / Störungen des Hoffa-Fettkörpers im Kniegelenk: Plica bedeutet Falte. Die gibt es auch im Kniegelenk. An mehreren Stellen legt sich dort die Gelenkinnenhaut in Falten: Ober- und unterhalb der Kniescheibe, seitlich und zur Gelenkmitte hin. Bei einer Entzündung kann eine Falte anschwellen und den Gelenkknorpel reizen. Manchmal ist eine frühere Verletzung der Auslöser, in anderen Fällen Überlastung durch Sport mit hohen Ausschlägen beim Beugen und Strecken, etwa Kraftsport, Radsport, Freestyling auf Buckelpisten, sodann eine Instabilität des Knies.

    Mitunter entzündet sich der in die Gelenkinnenhaut vorne eingelassene Hoffa’sche Fettkörper und kann vernarben (Arthrofibrose). Eine Narbenbildung im Knie kann allerdings noch andere Ursachen haben, zum Beispiel eine Knieoperation oder Infektion.

    Symptome: Typische Beschwerden sind ein Schnappen beim Bewegen, das Gefühl, dass das Knie nachgibt oder blockiert wird. Außerdem kommt es immer wieder zu Schwellungen. Nach sportlichen Aktivitäten treten Schmerzen im vorderen Kniebereich auf. Narben im Kniegelenk können ähnliche Beschwerden bereiten.

    Therapie: Zunächst konservativ mit den bewährten Maßnahmen: Schonung, Physiotherapie, medikamentöse Schmerzbehandlung. Falls keine Besserung eintritt, kann die Falte arthroskopisch entfernt werden. Dabei lassen auch eventuelle Begleitschäden am Knorpel oder auch ein vernarbter Hoffa-Fettkörper angehen.

Abnutzung von Sehnen und Bändern

Sehnenverschleiß heißt Tendinose und Ansatztendinose, wenn der Ansatz am Knochen betroffen ist. Paradebeispiele: Springerknie und Läuferknie

  • Springerknie (Patellaspitzensyndrom): Das Springerknie ist eines der häufigsten Schmerzprobleme im vorderen Kniebereich bei Leistungssportlern. Das Kniescheibenband ist beim Springen besonders starken, ruckartigen Zugbelastungen ausgesetzt. Bei Verschleiß kommt es am Unterrand der Kniescheibe, an ihrer "Spitze", zu Schmerzen. Im Extremfall kann die Sehne reißen (siehe oben: "Verletzungen").

    Symptome: Es treten Schmerzen im vorderen Bereich des Knies unterhalb der Kniescheibe auf, eventuell auch eine Schwellung. Die Beschwerden bessern sich nach Schonung.

Mehr dazu im Ratgeber "Springerknie".

  • Läuferknie (Iliotibiales Band-Syndrom): Auch hier ist Überbelastung beim Sport im Spiel. Es geht um eine Sehnenhülle – eine Faszien- oder Bandstruktur –, die wichtige Oberschenkel- und Hüftmuskeln führt und stützt. Beim Beugen und Strecken des Knies gleitet sie über einen Höcker oben außen am Knie. Auf Überbelastung reagiert sie gereizt, oft auch der Schleimbeutel darunter. Das kennen vor allem Langstreckenläufer, Tennissportler, Fußballspieler. O-Beine, Fehlstellungen der Füße, geschwächte Hüftmuskeln, Änderung der Beinlänge nach einer Schuhzurichtung oder Operation, viel Bergablaufen oder Laufen auf hartem oder unebenem Boden begünstigen ein Läuferknie.

    Symptome: Nach einer gewissen Zeit treten beim Laufen Schmerzen am Knie vorne und außen auf. Sie können das Gehen, mehr noch das Laufen, behindern. Beim Pausieren lassen die Schmerzen nach, bei Fortsetzung des Laufens kehren sie zurück, vor allem beim Bergablaufen und Treppabgehen. Gelegentlich kann eine leichte Überwärmung und Schwellung fühlbar sein.

    Therapie: Schmerzlinderung durch Kühlung mit Eisbeuteln (cold packs auflegen, Haut aber schützen!), physikalische Therapie und ein Schmerzmittel (NSAR, siehe "Chondromalazie" weiter oben). Unterbrechung des Laufens für gewisse Zeit, Dehnung verkürzter Hüftmuskeln am Oberschenkel, Training geschwächter Bauch-, Rücken- und Fußmuskeln, am besten mit Anleitung durch eine/n Physiotherapeuten/in. Nach Wiederaufnahme des Laufens: Wärme am Knie vor dem Laufen ausprobieren. Für Langläufer eventuell von Interesse: Überprüfen der Lauftechnik anhand einer Videoanalyse. Kontrolle beim Arzt, wenn die Beschwerden anhalten.

Schleimbeutelentzündung (Bursitis) und Baker-Zyste

Schleimbeutel schützen Muskeln und Sehnen. Überbelastung zum Beispiel kann sie reizen. Das führt zu Schwellungen und Schmerzen.

  • Schleimbeutelentzündung: Scheimbeutel sind flüssigkeitsgefüllte Spalten und Hohlräume, die gelenknah – auch kniescheibennah – unter der Haut, über Knochenvorsprüngen, unter Sehnen, Bändern und Muskeln liegen. Auf der Innenseite des Knies, zwischen dem Innenband und Sehnenansätzen von Kniebeugemuskeln am Schienbein, findet sich die Bursa anserina.

    Überbelastung, Verletzungen, aber auch Erkrankungen wie Diabetes, Rheuma, Gicht und Immunstörungen können Schleimbeutelentzündungen begünstigen. Besonders die Schleimbeutel vor (präpatellar) und unterhalb der Kniescheibe (infrapatellar) sind hohen Druckbelastungen ausgesetzt und entzünden sich leicht. Ständiges Arbeiten auf den Knien kann zum Beispiel bei Fliesenlegern eine chronische Entzündung des präpatellaren Schleimbeutels verursachen (Berufskrankheit). Auch Anprallverletzungen bei Kontaktsport, etwa Fußball, führen häufiger zur Bursitis. Die Schleimbeutelentzündung (Bursitis anserina) innen am Knie kann bei Überbelastung durch Laufsport, bei X-Beinen, Übergewicht und Arthrose entstehen.

    Symptome:
    Bei der Bursitis präpatellaris ist die Kniescheibe vorne am Knie aufgetrieben, eventuell überwärmt. Die Schwellung ist bei Druck und Bewegung sehr schmerzhaft, in Ruhe nicht, Knien geht kaum. Falls eine Infektion des Schleimbeutels vorliegt, führt dies dazu, dass der ganze Bereich schmerzhaft geschwollen, gerötet und deutlich überwärmt ist. Fieber ist häufig dabei.
    Schmerzen unterhalb des inneren Kniespalts können mit einer Entzündung der Bursa anserina zusammenhängen.


    Ausführlicher informiert Sie der Ratgeber "Schleimbeutelentzündung (Bursitis)".
  • Kniekehlenzyste (Baker-Zyste): Die Baker-Zyste entspricht einer Aussackung der Gelenkinnenhaut durch die in der Kniebeuge dünne Gelenkkapsel hindurch. Dazu kommt es meistens bei Reizzuständen mit vermehrter Bildung von Gelenkflüssigkeit. Auslösend sind eine Kniearthrose, ein Meniskusschaden oder Entzündungen wie Rheuma und Gicht, selten auch eine Knieverletzung. Solche Zysten kommen überwiegend bei Menschen ab dem mittleren Lebensalter vor.

    Junge Menschen und Kinder mit gesunden Knien entwickeln manchmal eine primäre Baker-Zyste. Dabei geht man von einer Verbindung zwischen dem Kniegelenk und dem Schleimbeutel in der Kniekehle aus, der sich mit Flüssigkeit aus dem Kniegelenk (Synovialflüssigkeit) füllt.

    Symptome: Vielfach beschwerdelos, mitunter wechselnde Schwellungen. Bei gestrecktem Knie oder starker Kniebeugung kann ein leichter, ziehender oder drückender Schmerz an der Kniekehle auftreten. Hinderlich ist das Gebilde selbst, besonders wenn es größer ist. Beugen "bis zum Anschlag" geht dann schlecht. Adern und Nerven können behindert werden, was zu Schwellungen, Taubheitsgefühl und Durchblutungsstörungen am Unterschenkel führen kann, ähnlich einer Venenthrombose. Reißt die Zyste ein, was eher selten vorkommt, entzündet sich die Umgebung, es treten Schmerzen, eine Schwellung, Rötung und Überwärmung auf. Weitere Symptome je nach Grundkrankheit.

    Therapie: Schmerzlose Zysten ohne spezielle Ursache werden nur kontrolliert, da sie sich von selbst zurückbilden können. Sie können aber auch wiederkehren. Schmerzen kann ein entzündungshemmendes Schmerzmittel lindern. Manchmal punktiert der Arzt die Zyste und injiziert Kortison. Grundkrankheiten werden gezielt behandelt. Manchmal ist die operative Entfernung der Zyste eine Option, etwa zusammen mit einer weiteren Maßnahme wie zum Beispiel Naht eines Meniskusrisses. Gegebenenfalls kann der Verbindungsgang einer primären Baker-Zyste bei einer Gelenkspiegelung verschlossen werden.

Knochen- und Knorpelschäden am Knie (Osteochondrosen, Knochennekrosen)

Im Wachstumsalter auftretende Knochen- und Knorpelschäden am Knie heißen Osteochondrosen. Sie regenerieren sich meist. Bei Erwachsenen erhöhen sie das Arthrose-Risiko.

  • Osteochondrosen im Kindes- und Jugendalter: In der Zeit des Wachstums entsteht in "Knochenkernen" an den Knochenenden neuer Knochen aus Knorpelzellen. Überbelastung im Sport kann Entzündungen an diesen Stellen begünstigen, wenn dort zum Beispiel Sehnen ansetzen, die einen starken Zug ausüben. Teilweise spielen auch Mikrodurchblutungsstörungen eine Rolle. Unter den Osteochondrosen werden unterschiedliche Krankheitsbilder zusammengefasst.

    Diagnose:
    Der Orthopäde erkennt meist anhand der Angaben zu den aktuellen Beschwerden und Aktivitäten, der körperlichen Befunde, einer Sonografie und Magnetresonanztomografie (MRT), was vorliegt. Nur bei weiterem Abklärungsbedarf schließen sich Maßnahmen wie Blutuntersuchungen, eine Computertomografie (CT), Szintigrafie oder Gewebeentnahme (Knochen-Biopsie) an.

    Therapie:
    Längere körperliche Schonung einerseits und Muskelkräftigung andererseits unterstützen die Selbstheilung: Reduktion der gewohnten sportlichen Workouts, insbesondere Vermeiden von Streck- und Beugebelastungen der Knie – Laufen, Springen, Klettern, "Kicken", wie überhaupt Kontaktsport. Absolutes Sportverbot gibt es meist nicht. Physiotherapie hilft, geschwächte Oberschenkel-Muskeln zu stärken, zusätzlich kann eine Bandage das Knie stützen. Kälteanwendungen und zeitweise ein Schmerzmittel sind weitere Optionen. Fortdauernde Beeinträchtigungen des Knies sind eher selten, können aber bei im Einzelfall einen Eingriff notwendig machen. Insofern und um keine andere Krankheit zu übersehen, ist es wichtig, "Wachstumsschmerzen" bei Kindern sicherheitshalber vom Kinderorthopäden abklären zu lassen (siehe unten).

    Beispiele am Knie:

    Osgood-Schlatter-Krankheit: Diese Osteochondrose betrifft Kinder und Jugendliche – häufig Jungen – im Alter zwischen acht und höchstens sechzehn Jahren, die viel Lauf- und Sprung-Sport treiben, etwa Fuß- oder Volleyball. Kennzeichnend sind Schmerzen an der Ansatzstelle des Kniescheibenbands am Schienbein. Mitunter setzt sich ein Knochenkörperchen, ein sogenanntes Ossikel, in der Sehne ab. Nach Abschluss des Knochenwachstums und Heilung kann ein "Knubbel" an der ehemals schadhaften Stelle zurückbleiben. Mitunter sind beide Knie betroffen.

    Symptome: Am Schienbein, unterhalb des Knies, treten Schmerzen bei festem Fingerdruck (Druckschmerz) auf, eventuell auch eine Schwellung. Durchstrecken und Beugen des Knies sind oft schmerzhaft, ebenso das Hinknien. In Ruhe lassen die Schmerzen nach. Manche Patienten hinken bei Belastung. Wieder andere spüren praktisch kaum etwas, die Diagnose ergibt sich im Nachhinein.

    Osteochondrosis dissecans: An einem oder beiden Kniegelenken geht Knochengewebe unterhalb des Gelenkknorpels an der Oberschenkelknochenrolle, meist dem auf der Innenseite, zugrunde. Ein Knorpel-Knochenstückchen kann sich ablösen (Gelenkmaus, auch Dissekat). Im Kindesalter sind in erster Linie Kinder und Jugendliche männlichen Geschlechts betroffen. Beschwerden setzen häufig erstmals nach einer Verletzung oder stärkeren Belastung durch intensiven Lauf- oder Sprung-Sport ein. Ärzte beurteilen den Schweregrad nach der Größe des Defekts und ob das Knochenstück sich teilweise oder vollständig abgelöst und eventuell verlagert hat. Damit einher geht auch ein möglicher Knorpelschaden. Ein freies Knochenstückchen kann das Gelenk zudem behindern. Zu den Risikofaktoren gehören auch Veranlagung und Übertreckbarkeit der Knie bei zu laxen Bändern. Für die Prognose spielt auch das Erkrankungsalter eine Rolle.

    Bei Erwachsenen mit diesem Krankheitsbild wird angenommen, dass es eigentlich schon in der Jugend entstanden ist, aber symptomlos blieb. Das Arthroserisiko ist hier erhöht.

    Symptome: Es treten spontan nicht genau lokalisierbare Schmerzen in Ruhe und bei Belastung im Knie auf, außerdem wiederholt Schwellungen durch Ergüsse. . Manche Betroffen fallen durch ein "Entlastungshinken" auf. Liegt die Gelenkmaus frei im Gelenk, kann es zu plötzlichen Blockierungen kommen, das Knie gleitet weg oder lässt sich nicht mehr strecken. Manchmal ergibt sich die Diagnose "zufällig" anhand eines Röntgenbildes.

    Therapie: Konservativ bei leichten, stabilen Formen: Entlastung mit Unterarmgehstützen, Schonung, eventuell Ruhigstellung mit einer Schiene oder Bandage. Ausheilung ist im Jugendalter gut möglich, da der Gelenkknorpel in der Regel intakt bleibt. Eine beginnende Abtrennung, frühzeitig erkennbar in Magnetresonanztomografie-(MRT-)Aufnahmen, versuchen Orthopäden durch Befestigen direkt am Knochen aufzufangen. Eine nicht fixierbare Gelenkmaus entfernt der Operateur. Der Defekt kann mit einem patienteneigenen Knorpel-Knochenstückchen, einem Knorpelzellimplantat oder mit Bohrtechniken zur Anregung der Knorpel-Knochenbildung versorgt werden (alles arthroskopisch).

    Sinding-Larsen-Johansson-Syndrom: Die Gewebestörung am Ansatz des Kniescheibenbands an der Kniescheibe wächst sich nach Schonung und mit zunehmender Skelettreifung meist wieder aus. Die Sinding-Larsen-Johansson-Krankheit ähnelt der Osgood-Schlatter-Krankheit, spielt sie sich doch ganz in der Nähe ab, am unteren Pol der Knieschiebe, der Patellaspitze. Auch hier sind vor allem sportlich aktive Jungen und männliche Heranwachsende betroffen. Zu den Risikofaktoren gehören überdurchschnittliche Körperlänge, Bänderschwäche, Überstreckbarkeit des Knies, dadurch vermehrte Beanspruchung der Sehne, verkürzte, kraftungleiche Oberschenkelmuskeln, ein Hohlkreuz.

    Symptome: Die jungen Patienten verspüren Schmerzen und eine Schwellung im Bereich der Kniescheibe. Es kann zu Bewegungseinschränkungen und Schonhinken kommen.

! Achtung: Sind es nur Wachstumsschmerzen?

Bei bis zu 18 Prozent aller Schulkinder treten sogenannte Wachstumsschmerzen auf (mehr dazu im entsprechenden Beitrag auf unserem Partnerportal www.baby-und-familie.de). Betroffen sind häufiger Mädchen als Jungen, meist um die elf Jahre. Die Spannweite reicht von drei bis 12 Jahren. Wachstumsschmerzen sind harmlos. Warum es zu den Beschwerden kommt, ist unklar. Teilweise gibt es eine familiäre Veranlagung. Mit Wachstumsvorgängen hat das Problem aber wohl wenig zu tun und sollte immer abgeklärt werden.

Symptome: Die Schmerzen treten typischerweise nachts, in Ruhe, vorne an beiden Knien oder oberhalb oder unterhalb davon auf. Die Kinder – häufiger betrifft das sportlich aktive – wachen auf und klagen über Beinschmerzen. Diese treten aber nicht regelmäßig auf. Tagsüber sind die Schmerzen verflogen. Andere Beschwerden wie Schwellung oder Rötung der Knie oder Allgemeinsymptome fehlen. Wenn die Beschwerden nicht abklingen, wird der Kinderarzt sich die Knie nochmals genauer anschauen, eventuell auch einen Kinderorthopäden hinzuziehen.

  • Spontane Knochenschäden bei Erwachsenen: Osteonekrosen

    Ein Beispiel am Knie:

    Ahlbäck-Krankheit:
    Eine neue Bezeichnung für das Krankheitsbild lautet "spontane Osteonekrose des Knies", kurz SPONK. Den Knochenschaden (Osteonekrose) erleiden häufiger Frauen ab dem mittleren Lebensalter. Im anfälligen Oberschenkelknochen an der Gelenkrolle (Kondyle) entstehen feinste Brüche, ähnlich wie bei Osteoporose, er wird schlechter durchblutet. Gewebe geht zugrunde, das Gelenk kann sich entzünden (Arthritis) und eine Arthrose an der entsprechenden Stelle entwickeln. Betroffen ist in der Regel ein Knie, und zwar auf der Innenseite. 

    Symptome:
    Wenn die Gelenkfläche die ersten Schädigungen erlitten hat, setzen plötzlich bei Belastung – etwa beim Tragen von Gewichten oder beim Treppensteigen – Schmerzen innen am Kniegelenk ein. Es kann zu einem Steifigkeitsgefühl morgens und zu Anlaufschmerzen kommen, wie sie von der Arthrose bekannt sind. Die Schmerzen nehmen manchmal relativ schnell zu, auch in Ruhe und nachts. Bei den sekundären Formen sind die Schmerzen eher chronisch und weniger gut am Knie lokalisierbar, andere Beschwerden durch das überlagernde Problem können im Vordergrund stehen. 

    Therapie:
    Eine milde SPONK behandeln Orthopäden mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln, physikalischen Therapien wie Kälteanwendung und Physiotherapie. Manchmal ist es sinnvoll, das Knie vorübergehend durch Unterarmgehstützen oder eventuell eine Schuhaußenranderhöhung zu entlasten. Später kann eine Operation notwendig sein. So kann unter Umständen eine Neuausrichtung der gelenkbildenden Knochen (Umstellungsosteotomie) schadhafte Gelenkbereiche entlasten. Oder es kommt eine Teilprothese infrage. Eine Vollprothese lässt sich so häufig hinausschieben. Den anderen, sekundären Osteonekrose-Formen zugrunde liegende Krankheiten werden gezielt behandelt.

    ! Übrigens:
    Knochennekrosen kommen auch unter Einnahme von Kortison, bei Alkoholmissbrauch oder Gefäßerkrankungen vor; teilweise sind die Patienten hier jünger. Hier können beide Kniegelenke in verschiedenen Zonen wie auch andere Gelenke Schaden nehmen.

Kniearthrose: Plagt Millionen

Das Knie liegt in der Arthrose-Statistik ganz vorne. Die genaue Ursache der "Arthrose an sich" ist unbekannt. Ob nur Alterserscheinung oder nicht doch Erkrankung, ist strittig. Jedenfalls gehört Gelenkverschleiß am Knie zu den häufigsten Anlässen für die Versorgung mit einer Knieprothese. 2014 erhielten 153.000 Patienten ein künstliches Kniegelenk (BVMed 2015).

  • Von Arthrose betroffen sind vor allem die großen tragenden Gelenke. Wenn Arthrose an mehreren Gelenken auftritt, was aus statischen Gründen vor allem Hüften, Knie und Füße betrifft, liegt eine Polyarthrose vor. Als Sonderform kann sie die Mittel- und Endgelenke der Finger betreffen, besonders bei Frauen. Auch das Daumengrundgelenk kann arthrotisch werden.
    Arthrose an sich (primäre Form) entsteht, wenn der Gelenkknorpel Schaden nimmt. Meist ist Fehlbelastung die Ursache. Obwohl jeder zweite Westeuropäer über 35 Jahren nachweislich Abnutzungserscheinungen an den Gelenken hat, kommt es nicht wirklich bei jedem, meistens auch erst ab etwa 60 Jahren, zu Beschwerden. Letztlich ist das Wie und Wann eine Frage der Gene und daher nicht beeinflussbar. Ob aber zum Beispiel Faktoren wie Sport und Körpergewicht den Knorpel über Gebühr belasten, hat jeder selbst in der Hand. Natürlich ist Sport zu begrüßen. Klar ist aber auch, dass besonders Verletzungen Arthrose fördern. Gelenkschonende Techniken und sicherheitsorientiertes Verhalten beim Sport zahlen sich also aus.
    Sekundäre Arthrosen
    sind Folge spezieller Gelenkerkrankungen wie Rheuma, Gelenkverletzungen oder Gelenkschädigungen, zum Beispiel infolge einer Gelenkmaus (siehe oben: Osteochondrosis dissecans). Auslösend sind außerdem Verletzungen, Gelenkerkrankungen oder anlagebedingte Formabweichungen, die wiederum zu statischen Fehlbelastungen führen: Schäden und Verrenkungen der Kniescheibe, Verletzungen der Menisken und Bänder, Knochenbrüche, Gelenkentzündungen und -infektionen, Achsabweichungen wie X- oder O-Bein, Knochen- und Knorpelschäden (Osteochondrosen, Gelenkmaus und Osteonekrosen, siehe oben).

    Symptome: Die Beschwerden entwickeln sich schleichend. Am Anfang besteht oft nur eine Art Müdigkeitsgefühl in den Beinen, das in Ruhehaltung wieder nachlässt. Allmählich kommt es jedoch zu Steifheit und "Anlaufschmerzen" morgens oder nach längeren Ruhepausen. Mit der Zeit nehmen die Schmerzen zu und treten bei jeder Belastung auf, dazu auch nachts. Unbehandelt lässt die Gelenkbeweglichkeit immer mehr nach, Muskeln bilden sich zurück. Die Gelenkkapsel schrumpft, das Gelenk verformt sich und versteift.

    Mehr zu Diagnose und Therapie im Beitrag "Arthrose des Kniegelenks".

Rheuma – die chronische Entzündungskrankheit

Ungefähr eineinhalb Millionen leiden daran. Es kommt zu Gelenkentzündungen, Gelenkschmerzen, möglicherweise verformen sich die betroffenen Gelenke.

  • Rheumatische Erkrankungen im engeren Sinn sind chronische Autoimmunerkrankungen. Autoimmunität bedeutet, dass das Immunsystem "irrtümlich" körpereigenes Gewebe attackiert. Im Gelenk entzündet sich zuerst die Innenhaut. Dann werden der Gelenkknorpel und -knochen angegriffen.

    Die häufigste entzündliche Rheumaform ist die rheumatoide Arthritis. Sie betrifft Erwachsene und Kinder. Außerdem gehören Gefäßkrankheiten vom Typ der Immunvaskulitis dazu, ferner Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen) wie der systemische Lupus erythematodes. Da häufig noch andere Organe erkranken und Beschwerden über die Gelenke hinaus auftreten, handelt es sich um Systemerkrankungen.

    Auch bei den Gelenkentzündungen ergeben sich verschiedene Muster. Das reicht von mehreren kleinen, auf beiden Körperseiten erkrankten Gelenken (rheumatoide Arthritis) bis zum Befall von wenigen großen Gelenken (Oligoarthritis) mit seitenungleicher Verteilung. Das Knie beispielsweise erkrankt häufiger bei einer sogenannten juvenilen idiopathischen Arthritis. Sie beginnt vor dem sechsten Lebensjahr und betrifft vorzugsweise bei Mädchen. Es werden dabei auch Augenentzündungen beobachtet, die auf einen schweren Verlauf hinweisen.

    Bei der Bechterew-Erkrankung stehen die Kreuzbein-Darmbein-Gelenke mit dem Leitsymptom Kreuzschmerzen im Vordergrund. Zusätzlich können Schmerzen an Gliedmaßengelenken wie dem Knie auftreten. Eine sogenannte enteropathische Arthritis bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und eine reaktive Arthritis (siehe weiter unten: Abschnitt "Gelenkschmerzen nach Infektionen") nach einem Darm- oder Harnwegsinfekt machen sich ebenfalls öfter am Kniegelenk fest. Ausschlaggebend sind hier bestimmte genetische Konstellationen, die krankhafte Immunreaktionen begünstigen. Letztlich werden auch Erkrankungen wie Gicht und Arthrose, manchmal sogar Rückenschmerzen unter Rheuma gelistet.

    Symptome: Leitsymptome eines rheumatischen Gelenkes sind Morgensteifigkeit und Kraftlosigkeit. Die Steifigkeit geht manchmal erst nach einigen Stunden zurück und hält als solche über mehrere Wochen, etwa sechs Wochen, an. Mindestens so lange Zeit sind die entsprechenden Gelenke schmerzhaft geschwollen. Die Gelenkschmerzen treten auch in Ruhe und nachts auf. Die Beschwerden können sich schubartig wiederholen. Zugleich sind Allgemeinsymptome wie leichtes Fieber, Nachtschweiß, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Müdigkeit, Schmerzen an Sehnensatzstellen, mitunter ein Hautausschlag möglich. In seltenen, schweren Fällen erkranken auch innere Organe. So kann es zum Beispiel zu einer Rippenfellentzündung kommen. Verdächtig darauf: Atemnot, Brustschmerzen, ein schneller Puls, deutliches Fieber.

Knieschmerzen bei Stoffwechsel- und Blutkrankheiten

Stoffwechselstörungen und Blutkrankheiten können unter anderem das Kniegelenk in Mitleidenschaft ziehen: etwa die Gicht, Pseudogicht, zu hohes Cholesterin, die Eisenspeicherkrankheit und die Bluterkrankheit.

  • Gicht – Rheuma und Stoffwechselkrankheit in einem: Bei der Gicht sammelt sich zu viel Harnsäure im Körper an, er reagiert mit Entzündungen. In Gelenken zum Beispiel kann es zu hoch schmerzhaften Gichtanfällen kommen. Betroffen ist vor allem das Großzehengrundgelenk, bei etwa jedem Zehnten das Kniegelenk. Zugrunde liegt häufig eine erbliche Ausscheidungsschwäche der Nieren. Erhöhte Harnsäurespiegel können kann aber auch Folge anderer Krankheiten oder Medikamentenwirkungen sein. Bei Männern ist die Gicht ähnlich häufig wie die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ 2). Sie erkranken meist ab 40, viele sind übergewichtig. Frauen haben seltener und meist erst nach den Wechseljahren damit zu tun. Bei aller Erblichkeit ist die Gicht auch eine Frage des Lebensstils. Als grenzwertig gelten Harnsäure-Spiegel bis zu 6 mg/dl bei Frauen und bis 7 mg/dl bei Männern. Darüber, bis etwa 9 mg/dl (im Blutplasma) nimmt das Anfallsrisiko zu, oberhalb davon steigt es drastisch.

    Symptome - akut: Das erkrankte Gelenk ist extrem schmerzhaft, geschwollen, blaurot verfärbt, überwärmt, stark berührungsempfindlich. Auch die Umgebung des Gelenks schwillt an. Mögliche Begleitsymptome sind Fieber, schneller Herzschlag, Übelkeit. Vorboten: Abgeschlagenheit, Muskelschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden. Anfallsauslöser: Stress, eine Operation oder Reise, Alkoholgenuss und / oder ein üppiges Essen, aber auch das Gegenteil, nämlich Fasten. Der Anfall klingt nach Stunden, Tagen oder Wochen wieder ab. Besser ist es, ihn mit einem entzündungshemmenden Medikament, Kühlung und Entlastung zu durchbrechen.

    Chronisch: Es stellen sich wiederholte, eventuell wandernde Gichtanfälle oder auch Dauerschmerzen betroffener Gelenke ein. Harnsäurekristalle können sich außer in Gelenken auch in Schleimbeuteln, Sehnenscheiden, unter der Haut (sichtbar als "Gichtperle") und in inneren Organen wie den Nieren niederschlagen. Wiederholte Entzündungen schädigen die betroffenen Organe. An Gelenken drohen mit der Zeit Verformungen. Die Depots in den Nieren können zu Nierenkoliken durch Grieß oder Steine, zu Nierenbeckenentzündungen und bei Nierenschäden auch zu Bluthochdruck führen. Alles dies lässt sich vermeiden mit einer purinarmen wie auch das Gewicht regulierenden, ausgewogenen Diät, bei Bedarf außerdem mit Medikamenten zur Senkung der Harnsäure.

    Mehr dazu im Ratgeber "Gicht".
  • Pseudogicht: Ihren medizinischen Namen Chondrokalzinose verdankt die Pseudogicht der Tatsache, dass es hier schwerpunktmäßig zu Kristallablagerungen im Gelenkknorpel kommt. Im Gegensatz zur Gicht erkranken hauptsächlich Menschen über 60 Jahren. Oft haben sie zusätzlich eine andere Stoffwechselstörung wie Diabetes mellitus Typ 2, die Gicht (!), eine Unterfunktion der Schilddrüse oder eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen, vielleicht auch die Kupferspeicherkrankheit. Betroffen sind vor allem die Knie-, Hand- oder Wirbelgelenke. Ursächlich wird ein erblicher Stoffwechselfehler angenommen.

    Symptome: Die Pseudogicht führt zu ähnlichen Beschwerden wie die Gicht (siehe oben). Häufig leidet zuerst das Kniegelenk an den Kristallablagerungen. Es entzündet sich akut, schmerzt,  schwillt an und lässt sich schlechter bewegen. Die Haut im Bereich des Knies ist gerötet und überwärmt. Auch Schulter-, Hand- oder Fußgelenke können sich entzünden. Andere Patienten sind dagegen beschwerdefrei. Manchmal ergeben sich dann eher zufällig Hinweise auf die Krankheit, zum Beispiel in Röntgenbildern aus anderem Anlass.

    Der Ratgeber "Pseudogicht" informiert Sie ausführlich.
  • Familiäre Hypercholesterinämie, Gefäßverschlüsse: Ein erhöhter Blutspiegel des Cholesterins heißt Hypercholesterinämie. Diese ist ein Risikofaktor für Arteriosklerose und damit für Herz und Gefäße. Ein erhöhter Cholesterinspiegel wird durch einen ungesunden Lebensstil begünstigt und tritt häufig zusammen mit anderen Stoffwechselstörungen (Metabolisches Syndrom), bei anderen Erkrankungen sowie im Rahmen erblicher Fettstoffwechselstörungen auf. Selten sind im letzteren Fall bei ausgeprägten erblichen Formen auch die Gelenke involviert.

    Bei den Betroffenen finden sich häufig sogenannte Xanthome, gelbliche cholesterinhaltige Fettknötchen an der Haut und an Sehnen. Ursache der Gelenkschmerzen sind Entzündungen an Gelenken durch Ausfällung kleinster Kristalle aus Fettsäuren und Cholesterin. Die Haut- und Gelenkerscheinungen können manchmal die ersten Anzeichen der Fettstoffwechselstörung sein.

    Symptome: Die auftretenden Gelenkschmerzen wechseln und variieren stark: von Gelenk zu Gelenk, von mäßig bis heftig oder anfallsartig wie bei Gicht (siehe oben). Dann können sich auch Schwellungen, Überwärmung und Rötung einstellen. Manchmal halten die Schmerzen länger, durchaus bis zu einen Monat an, schädigen aber die Gelenke offenbar nicht nachhaltig. Offenbar entzündet sich nicht die  Gelenkinnenhaut, sondern der äußere Bereich des Gelenks.

    Weiteres im Ratgeber "Familiäre Hypercholesterinämie".

    Bei einer Arteriosklose können Beinschmerzen auf einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit beruhen.

    Andere Arten von Gefäßverschlüssen, ebenfalls mit möglichen Beinschmerzen, betreffen das Venensystem.
  • Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose): Bei dieser überwiegend erblich bedingten Stoffwechselerkrankung wird der Körper durch Eisenüberladung geschädigt. Das Eisen wird verstärkt aus der Nahrung aufgenommen. Es lagert sich in inneren Organen, in der Haut und in Gelenken ab.

    Ursache sind bestimmte Genveränderungen (Mutationen) im Eisenstoffwechsel, aber auch erblich bedingte Blutkrankheiten, zum Beispiel manche Formen von Blutarmut. Männer sind im Prinzip häufiger von der Hämochromatose betroffen, weil Frauen im gebährfähigen Alter während der Menstruation regelmäßig Eisen verlieren. Es ist wichtig, die Eisenüberladung früh zu erkennen und zu behandeln, um bleibende Schäden zu vermeiden.

    Symptome: Schmerzhafte Schwellungen an den Fingergrundgelenken können ein Frühzeichen sein. Meistens erfassen die Schwellungen auch größere Gelenke, zum Beispiel die Knie. Zahlreiche weitere Symptome sind möglich. So kommt es zu einem dunkleren Teint, vor allem im Bereich der Achselhöhlen, an den Vorderseiten der Arme und Hände, am Hals, im Gesicht und in der Genitalgegend. Es vergrößert sich die Leber – bei unbehandelter Hämochromatose entwickelt sich im Laufe der Zeit eine Leberzirrhose –, und es kann ein Diabetes mellitus auftreten. Auch Herzsymptome und psychische Veränderungen sind möglich.

    Mehr zu dem Krankheitsbild, insbesondere auch zur Therapie, im Ratgeber "Hämochromatose".
  • Bluterkrankheit (Hämophilie): Bei Hämophilie fehlen Gerinnungsfaktoren oder sie sind weniger aktiv. Entsprechend kann die Blutungsneigung unterschiedlich stark erhöht sein. Unter den beiden Formen Hämophilie A und B überwiegt erstere bei weitem. Die vermehrte Blutungsneigung wird geschlechtsgebunden vererbt. Immunologisch bedingt ist die sogenannte Hemmkörperhämophilie. Sie kann unter anderem im Laufe der Behandlung mit Gerinnungsfaktoren (siehe unten) entstehen.

    Symptome: Bei milder Hämophilie sind zum Beispiel bei einer Operation Nachblutungen möglich. Ansonsten kann sie unbemerkt bleiben. Spontane Blutungen, erst Recht unstillbare bei Verletzungen, sind Zeichen einer schweren Hämophilie. Sie zeigen sich meist schon im Kleinkindalter durch auffällige Blutergüsse (Hämatome) an Druck- oder Stoßstellen. Ein Problem sind zum Beispiel spontane Blutungen in großen Gelenken wie den Knien. Das Gelenk schwillt an, schmerzt stark, ist überwärmt, gerötet und eingeschränkt beweglich. Bei wiederholten Gelenkblutungen entzündet sich die Gelenkinnenhaut, Eisen lagert sich ab und schädigt den Gelenkknorpel. Unbehandelt können sich die Gelenke verformen und versteifen, es kommt zu Muskelschwund und Gehbehinderung. Andere Organe sind ebenfalls blutungsgefährdet, Verletzungen gehen mit lebensbedrohlichen Blutungen einher.

    Vorbeugung des Bluterknies, Therapie: Die Ersttherapie und langfristige Kontrolle findet vorzugsweise in einem Hämophilie-Zentrum statt. Die Behandlung besteht in der Gabe des fehlenden Gerinnungsfaktors über die Blutbahn – als Dauerbehandlung bei schwerer und als Bedarfsbehandlung bei leichter Hämophile. Um bleibende Gelenkschäden bestmöglich zu verhindern, soll bei behandlungsbedürftigen Kindern die Langzeittherapie so früh wie möglich beginnen, Sie lernen, sich den Faktor selbst in die Vene zu spritzen (Infusionsbehandlung).

    Bei einer Gelenkblutung sind nur bestimmte Schmerzmittel erlaubt, aber sie sind in der Regel nötig. Das Gelenk wird vorübergehend ruhiggestellt. Die Betroffenen empfinden Kühlung oft als angenehm. Der Bluterguss kann unter Gerinnungsschutz punktiert werden. Die Mobilisierung beginnt behutsam. Das Knie darf anfangs nicht belastet werden. Mitunter wird eine chronisch entzündete Gelenkinnenhaut teilweise entfernt (Synovektomie), um das Knie vor weiteren Schäden zu schützen.

Knieschmerzen infolge von Infektionen

Kommt ein Gelenk mit einem Erreger in Kontakt, entzündet es sich leicht (infektiöse Arthritis). Neben Gelenkschmerzen sind weitere Beschwerden und Folgeschäden möglich. Verantwortlich: in erster Linie Viren und Bakterien, seltener Pilze.

  • Gelenkentzündungen durch Viren: Viren können die Innenhaut eines Gelenkes gezielt oder im Zuge einer Allgemeininfektion befallen. Es können mehrere kleine oder einzelne größere Gelenke betroffen sein. Das Knie ist häufig mit dabei. Mal kommt es nur ganz allgemein zu Gliederschmerzen, wie man das beispielsweise von der Grippe kennt. Mal entwickeln sich Gelenkschmerzen im engeren Sinn bis hin zu Gelenkentzündungen als Komplikation. Weitere Symptome hängen von der Art der Infektion ab.

    Infrage kommen außer Grippe auch Infektionen wie Hepatitis B, Hepatitis C, Mumps, eine Erkrankung durch das Parvovirus B19, Röteln und verschiedene andere Viruserkrankungen bis hin zu einer HIV-Infektion, die Ursache von Aids. Bei manchen "Kinderkrankheiten" sind Komplikationen wie Gelenkentzündungen eher typisch für Erwachsene, die bei zu schwacher Immunabwehr durchaus an diesen Infektionen erkranken können. Auch nach einer Impfung mit einem Lebendimpfstoff wie zum Beispiel gegen Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken können Gelenke manchmal mit vorübergehender Reizung, seltener mit stärkerer Entzündung reagieren.

    Symptome: Die Schmerzen springen mitunter von einem Gelenk zu einem anderen oder konzentrieren sich eher auf ein größeres Gelenk, darunter die Knie, Sprung- gelenke, Ellbogen- und Schultergelenke. Diese Phase kann sich über Wochen hinziehen. Hinzukommen oft Allgemeinbeschwerden wie Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen, erhöhte Körpertemperatur, Fieber. Manchmal kann ein Gelenk auch akut sehr heftig schmerzen.

    Therapie: Eventuell ist für kurze Zeit körperliche Schonung sinnvoll. Weitere Maßnahmen hängen von den Begleitsymptomen und der Art der Infektion ab. Gegen Gelenkschmerzen hilft Einnahme eines entzündungshemmenden Schmerzmittels. Vorsicht: Eine Hepatitis ist hier jedoch wegen möglicher Leberschädigung eine Gegenanzeige. Eine chronisch gewordene Hepatitis B oder Hepatitis C und die HIV-Infektion werden mit speziellen virushemmenden (antiviralen) Medikamenten behandelt.
  • Gelenkentzündungen durch Bakterien: Eine bakterielle Gelenkentzündung muss zügig erkannt und behandelt werden, damit der Gelenkknorpel nicht zerstört wird (Notfall, Klinikaufnahme).
    ! Achtung: Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen und / oder ein Gelenk angegriffen haben, darunter Rheuma, können bakterielle Gelenkentzündungen begünstigen. So können sie zustande kommen:

    - Von außen bei einem Eingriff oder einer Verletzung, zum Beispiel einem offenen Bruch oder Biss. Dabei können verschiedenste Keime eingeschleppt werden, vor allem Staphylokokkus aureus, Mischkeime oder, nach einer Bissverletzung auch Erreger, die auf der Mundschleimhaut leben. In der Regel ist ein einzelnes, größeres Gelenk betroffen (Monoarthritis).
    - Akut auf dem Blutweg bei einer Infektion oder einem Eiterherd im Körper oder ausgehend von einer Infektion in der Nachbarschaft (Knochen, Weichteile). Im letzteren Fall erkrankt meist ein einzelnes Gelenk, am häufigsten das Knie. Bei septischer Ausbreitung können auch mehrere Gelenke betroffen sein (Polyarthritis). Mögliche Keime hier: wiederum Staphylokokken, Streptokokken und andere. Bei jungen Menschen kommt gegebenenfalls auch der Erreger der Gonorrhoe infrage. Im Säuglingsalter können Knochenvereiterungen leicht in ein Gelenk einbrechen, weil die Wachstumsfuge noch keine Barriere zum gelenkbildenden Knochenende darstellt.
    - Chronisch über das Blut, zum Beispiel bei einer Tuberkulose, Borreliose, ferner bei einer Infektion mit Chlamydien oder bei Syphilis.

    Symptome: akut-bakteriell: Im Vorfeld einer septischen Arthritis kann es zu flüchtigen Gelenkschmerzen kommen. Unabhängig, auf welchem Weg die Keime letztlich eingedrungen sind: Das betroffene Gelenk reagiert mit starken Schmerzen, Überwärmung, Schwellung. Es sieht durch den entzündlichen Erguss beziehungsweise Eiter im Gelenk und die entzündlich verdickte Gelenkkapsel stark verformt aus. Die Beweglichkeit ist eingeschränkt. Weitere mögliche Symptome: Fieber, Schüttelfrost, starkes Krankheitsgefühl und Beschwerden durch die Grundkrankheit.

    Chronisch-bakteriell, zum Beispiel Lyme-Arthritis (Borreliose): Vor allem die Kniegelenke, eventuell einzelne andere große Gelenke schmerzen wiederholt aufgrund der schwelenden Entzündung im zweiten Krankheitsstadium. Bei einem Teil der Betroffenen können die Gelenkschmerzen allmählich von alleine abklingen, bei anderen fortschreiten. Dies kann eine Therapie mit einem geeigneten Antibiotikum oder aber einem entzündungshemmenden Medikament eindämmen.
  • Als akute Immun- oder Autoimmunreaktion:

    - Rheumatisches Fieber: Akute, wandernde Entzündungen und Schwellungen großer Gelenke; Ursache ist eine allergische Immunreaktion auf Bakteriengifte aus Streptokokken Typ A; kommt bei uns kaum noch vor.
    - Purpura Schoenlein-Henoch: Ebenfalls selten, die allergische Erkrankung betrifft neben anderen Organen auch verschiedene Gelenke, darunter die Sprunggelenke. Sie tritt meist nach einem Atemwegsinfekt, zum Beispiel Grippe, auf.
    - "Darm-Arthritis" (enteropathische Arthritis): Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Crohn-Krankheit; hier können sich mehrere, auch kleinere, Gliedmaßengelenke entzünden, außerdem die Kreuzbein-Darmbein-Gelenke tief im Kreuz.
    - Reaktive Arthritis: Letztlich genetisch bestimmte Autoimmunreaktion nach einer bakteriellen Infektion.
    Symptome Reaktive Arthritis: Sie tritt wenige Wochen nach einem Darminfekt (zu den Erregern gehören Campylobacter jejuni, Salmonellen und andere sogenannte Enteritiskeime) oder nach einem Harnwegsinfekt (typisches Krankheitsbild: Gonorrhoe oder eine Chlamydien-Infektion) auf. Die Variante Reiter-Syndrom betrifft häufig junge Männer. Gelenkschmerzen gehen dabei meistens vom Knie aus, werden aber eventuell auch an den Fuß- und Sprunggelenken oder im Kreuz verspürt (Mono- oder Oligoarthritis). Verräterische, aber nicht immer vorhandene Begleitsymptome: eine Augen-, Harnröhren- und Mundschleimhautentzündung sowie ein Hautausschlag.
  • Pilzinfektionen: Pilzbefall von Gelenken kommt ausgesprochen selten vor und wird nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Als Erreger sind verschiedene Pilzarten bekannt, darunter Candida (Hefepilze). Infektionsquellen können Verletzungen oder Eingriffe am entsprechenden Gelenk sein, Injektionen in die Blutbahn – Risikogruppen sind unter anderem Drogenabhängige –, oder Streuung über das Blut bei bestehender Pilzinfektion. Für dieses schwere, lebensbedrohliche Krankheitsbild sind mitunter Patienten mit chronisch zehrenden Erkrankungen gefährdet. Das Knie ist hier nur ein Aspekt.

    Auch Behandlungen, die das Immunsystem unterdrücken, Implantate und Gefäßkatheter im Körper sowie Übertritt von Erregern aus infiziertem Knochengewebe in Gelenknähe gehören zu den möglichen Infektionsquellen, insbesondere wenn das Immunsystem schon angeschlagen ist. Sofortige gezielte Behandlung mit pilztötenden Medikamenten ist unerlässlich.

Knieschmerzen: Weitere Ursachen

Bänderschwäche, erbliche Gelenkveränderungen, Geschwülste, chronische Schmerzkrankheiten wie das Fibromyalgiesyndrom: Die Liste von Knieschmerzursachen ist wirklich lang.

  • Überbewegliches Gelenk: Knieschmerzen beruhen nicht selten auf einer Lockerung der Bandkonstruktion. Zum Beispiel entsteht mitunter nach einem vorderen Kreuzbandriss das Gefühl eines "Wackelknies". Neben Verletzungen sind auch Gelenkerkrankungen oder Veranlagung mögliche Ursachen. Anlagebedingte Überweglichkeit führt besonders bei Frauen zu deutlicher Bindegewebsschwäche. Unter dem zu lockeren Bandapparat leiden besonders bandgeführte Gelenke wie das Knie ("Schlotterknie"). Die Neigung zu Verrenkungen, wiederholten Reizzuständen und Arthrose ist deutlich erhöht.

    Leichtere Formen werden oftmals erst bei chronischen Kniebeschwerden festgestellt. Rechtzeitiges Muskeltraining kann die Gelenkfunktion und damit die Beschwerden bessern. Manchmal führt aber erst ein korrigierender Eingriff zu einem zufriedenstellenden Ergebnis.

    Bei einigen Erbkrankheiten sind überbewegliche Gelenke nicht das einzige Problem. Es kann auch zu Verformungen des Skeletts und anderen körperlichen Störungen kommen. Ein Beispiel hier: das Ehlers-Danlos-Syndrom, eine erbliche Bindegewebserkrankung mit verminderter Reißfestigkeit der Haut und überbeweglichen Gelenken. Die Tendenz zur Verrenkung der Kniescheibe (siehe weiter oben: "Verletzungen") entwickelt sich im Laufe des Wachstums und betrifft beide Knie.
  • Fortgeleiteter Schmerz am Knie: Bei Hüftproblemen, im Kindesalter etwa bei der Perthes-Krankheit, und bei älteren Menschen zum Beispiel bei einem Bruch oder einer Hüftarthrose, können die Beschwerden von der Hüftgegend oder Leiste ins Knie ausstrahlen oder sich vor allem dort bemerkbar machen. Bei der Perthes-Krankheit, einer Osteochondrose des Hüftgelenks, nimmt Knochengewebe im Hüftkopfbereich Schaden. Das Gewebe wird schlechter durchblutet und kann zugrunde gehen. Der Arzt wird daher bei Knieschmerzen immer auch die Hüftgegend, außerdem die Füße wegen auch dort vorkommender Osteochondrosen mit untersuchen.
  • Gut- und bösartige Geschwülste (Tumoren): Tumoren des Knochen- und Weichteilgewebes, zum Beispiel der Muskeln, Sehnen, Gelenkinnenhaut, treten in der Kniegegend nicht ganz selten auf. Insgesamt kommen sie aber eher selten vor. Sie können gut- oder bösartig sein. Deshalb sollten Knieschmerzen, auch "Wachstumsschmerzen" bei Kindern (siehe oben), mit der gebotenen Aufmerksamkeit kontrolliert werden, ohne jedoch gleich in Panik zu verfallen.

    Knienahe Geschwülste – ob gut- oder bösartig – gehen als primäre, ortständige Tumoren vor allem vom Knorpel- und Knochengewebe sowie von der Gelenkinnenhaut (Membrana synovialis) aus. Es kommen auch Knochentumoren als Tochtergeschwülste (Absiedlungen oder Metastasen) bösartiger Tumoren anderer Organe vor, zum Beispiel bei Lungen- oder Brustkrebs. Knochentumoren bilden sich manchmal auf einer erblichen Grundlage oder im Zusammenhang mit einer anderen Knochenerkrankung wie zum Beispiel dem Morbus Paget.

    Allgemeine Symptome bei gelenknahen Tumoren: Schmerzen am Kniegelenk oder in seiner Umgebung – unabhängig von Bewegung oder Belastung, nachts – können ein Hinweis auf eine Geschwulst sein. Das Knie kann durch einen Reizerguss schwellen. Eventuell ist es stellenweise verdickt, verformt und schlechter beweglich. Allgemeinsymptome wie Fieber und Gewichtsverlust kommen nur bei einer Ewing-Sarkom genannten Sonderform von Knochenkrebs vor. Diese tritt aber nicht typischerweise in Gelenknähe auf, sondern vor allem am Schaft langer Knochen wie zum Beispiel am Oberschenkel.

    !
    Achtung: Die Gefahr, dass es ohne stärkere Gewalteinwirkung zu einem Knochenbruch kommt, ist möglicherweise erhöht. Daher sollten fortbestehende Schmerzen mit oder ohne leichte Verletzung eines Gelenkes oder einer Gliedmaße zügig vom Arzt untersucht werden.

    Therapie:
    Sie richtet sich nach der Art – gut- oder bösartig –, den Gewebemerkmalen und der Ausprägung der Geschwulst sowie nach dem Alter des Patienten. Bei Kindern spielt zum Beispiel das noch zu erwartende Skelettwachstum eine Rolle. Auch die Frage der Gelenkstabilität ist wichtig. Bei manchen gutartigen Tumoren genügen bis auf weiteres ärztliche Kontrollen von Zeit zu Zeit. Operiert werden sie, wenn Beschwerden auftreten oder wenn sie kosmetisch stören.

    Bei bösartigen (primären) Geschwülsten ist die Operation dagegen in aller Regel zwingend. Das kann auch zur Folge haben, dass ein Kunstgelenk eingesetzt werden muss. Häufig wird vor und nach der Operation zusätzlich eine Chemotherapie durchgeführt. Auch die Strahlentherapie hat ihren Platz. Zum Beispiel sind sekundäre bösartige Tumoren, also Metastasen, häufiger strahlenempfindlich.

    Wegen der vielen hier zu beachtenden Aspekte werden bösartige Tumoren des Bewegungssystems interdisziplinär – von Ärzten verschiedener Fachrichtungen – nach speziellen Richtlinien und Protokollen in entsprechenden Tumorzentren behandelt.
  • Fibromyalgiesyndrom (FMS): Der Begriff bedeutet wörtlich übersetzt Faser-Muskel-Schmerz. Die Betroffenen (Erwachsene) haben Schmerzen in vielen Körperbereichen – an Muskeln, Sehnen und Gliedern von den Knien bis zum Nacken. Es kommt jedoch per se nicht zu Gelenkentzündungen. Außerdem leiden die Patienten an vielen anderen körperlichen und psychischen Beschwerden. Als auslösend gelten Störungen bei der Schmerzwahrnehmung (erhöhten Schmerzempfindlichkeit) und -verarbeitung. Nicht selten entwickeln sich auch psychische Symptome wie zum Beispiel Depressionen, Ängste, Arbeitsunfähigkeit und sozialer Rückzug. Diese Aspekte des Krankheitsbildes fasst die Bezeichnung (bio-)neuropsychosozial zusammen.

    Symptome:
    Im Vordergrund stehen chronische Muskel- und Gliederschmerzen, die an vielen Stellen des Körpers auftreten oder von Ort zu Ort wechseln können. Hinzukommen Müdigkeit, Erschöpfbarkeit, Schlafstörungen, Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Herz- und Atembeschwerden, vermehrtes Frieren oder Schwitzen und viele andere (vegetative) Symptome. Die Beschwerden können wechselhaft ausgeprägt sein und zeitweise ganz fehlen.
  • Chronisches Erschöpfungssyndrom: Nicht immer leicht abzugrenzen von der Fibromyalgie ist das chronische Erschöpfungssyndrom (engl. chronic fatigue syndrome, CFS), auch gutartige myalgische Enzephalomyelitis (ME). Über die Ursache wird noch spekuliert. Eine Rolle spielen möglicherweise Infektionen mit Viren oder Bakterien, belastende Lebensereignisse, genetische Faktoren, Depressionen. Die Diagnose beinhaltet, ausgehend von den jeweiligen Beschwerden, den Ausschluss möglicher körperlicher und psychischer Krankheiten.

    Symptome: Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Erschöpfbarkeit stehen im Vordergrund. Begleitsymptome wie Muskel- und Gelenkschmerzen, Fieber, schmerzhafte Lymphknoten am Hals oder im Achselhöhlenbereich, Halsschmerzen, Kopfschmerzen und Bauchschmerzen, Schwindel, Depressionen und andere Beschwerden können wochenlang anhalten und zu erheblicher Leistungsminderung führen. Aktivität verschlechtert die Beschwerden, Schonung bewirkt allerdings keine Besserung

    Therapie: Lebensstiländerung, Schlaf"hygiene", also den Schlaf verbessernde Maßnahmen (Tipps: siehe nachfolgender Info-Box), dosierte Bewegungstherapie, psychologische Therapien wie Verhaltenstherapie, eventuell Antidepressiva.

Ausgangspunkt der Diagnose ist die Krankengeschichte (Anamnese). Der Patient berichtet dabei über die aktuellen Beschwerden, wo genau am Knie es schmerzt (was teilweise Rückschlüsse auf die Ursache zulässt, siehe Kapitel "Knieschmerzen: Überblick"), und über mögliche Verletzungen oder zurückliegende Eingriffe.

Anschließend folgt die eingehende körperliche Untersuchung, die natürlich in erster Linie auf das Bewegungssystem mit den Knien im Vordergrund zielt. Dies gilt insbesondere bei einer Verletzung. Dabei tastet der Arzt das Knie nach Schmerzpunkten und Schwellungen ab. Er prüft, wie gut die Kniescheibe verschiebbar ist – das kann man auch selbst am gestreckten Knie ausprobieren – und ob die Knie- und Hüftgelenke ausreichend beweglich sind.

Der Orthopäde nutzt zudem eine Reihe von Bewegungstests, mit denen er verschiedenste Krankheitsbilder erkennen kann. Nicht zuletzt misst er bei der Erstuntersuchung die Umfänge und Länge der Beine und überprüft die Beinachsen- und Fußstellung, Muskelreflexe und Gefäßpulse an den Beinen – stets im Seitenvergleich, versteht sich.

Bildgebende Verfahren und Gelenkspiegelung des Knies

Wichtige Informationen über das Knie geben bildgebende Verfahren wie Ultraschall (Sonografie), Röntgen, Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspintomografie), in speziellen Fällen auch eine nuklearmedizinische Untersuchung (Szintigrafie). Eingreifender ist da schon eine Gelenkpunktion, mehr noch eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie). Beide dienen auch therapeutischen Zwecken. Bei sehr speziellen Fragestellungen kann eine Röntgenuntersuchung von Gefäßen oder eine Gewebeentnahme (Biopsie) aus dem Knochen notwendig sein. Bei Bedarf schickt der Arzt eine Probe aus dem Blut, Urin oder der Gelenkflüssigkeit des Patienten zur Untersuchung in ein labormedizinisches Institut.

Röntgenaufnahmen können Brüche, abgebrochene Knochen-Knorpelstückchen oder andere krankhafte Veränderungen an den Knochen (Bruch, Verdünnung, Verdichtung, Verformung) sichtbar machen. Außerdem können Röntgenbilder zur Bestimmung von Achsabweichungen wie zum Beispiel X-und O-Bein dienen.

In Ultraschallbildern lassen sich die Menisken sehr gut erkennen, außerdem Veränderungen an der Gelenkkapsel, Sehnenansätzen, Bändern, Muskeln und der Gelenkinnenhaut (Weichteile), sodann Flüssigkeitsansammlungen (Gelenkerguss). Bei einer unklaren Schwellung beispielsweise ist die Sonografie unverzichtbar.

Die Magnetresonanztomografie (MRT) vermittelt detaillierte Einblicke ins Gelenkinnere. Aber auch die gelenkumgebenden Weichteile sind in den MRT-Aufnahmen sehr gut zu sehen. Dies kann auch nützlich sein, um einen Eingriff exakt zu planen.

Bei der Computertomografie (CT) scannt eine um den Körper rotierende Röntgenröhre das im Fokus liegende Organ oder den Körperbereich Schicht für Schicht. Die Bilder werden dann digital aufgebaut. Die Computertomografie hat bei speziellen Fragen in der Kniediagnostik ihren Platz, außerdem bei der Operationsplanung. Beispielsweise kann ein komplizierter, gelenknaher Bruch einschließlich benachbarter Blutgefäße und Nerven dreidimensional rekonstruiert werden. Der Chirurg kann dann sicherer vorgehen.

Bei mutmaßlicher Thrombose am Bein untersucht der Arzt je nach Beschwerdebild die entsprechenden Gefäße. Venen lassen sich heute mittels Dopplersonografie darstellen. Schlagadern lassen sich nach Einspritzen eines Kontrastmittels in Röntgenaufnahmen abbilden (Angiografie). Dabei muss eine Arterie punktiert werden. Die Gefäßdarstellung ist inzwischen ohne direkte Arterienpunktion als Angio-CT oder Angio-MRT möglich. Röntgenuntersuchungen einschließlich CT, insbesondere auch Angiografie und Angio-CT, sind jedoch mit einer nicht unerheblichen Strahlenbelastung verbunden und stehen bei Knieschmerzen meist nicht im Vordergrund.

Eine Szintigrafie kann bei der Suche nach einer Entzündung oder eingehenden Fragen zur Knochenstruktur- und -aktivität weiterhelfen, ist aber am Knie eher selten notwendig.

Gelenkpunktionen führt der Arzt nur bei besonderen Fragestellungen durch. Im Akutfall kann es notwendig sein, ein Knie von einem Erguss zu entlasten. Das ist dann eine therapeutische wie diagnostische Maßnahme, denn die entnommene Flüssigkeit – das Punktat – wird in der Regel im Labor nach Beimengungen wie Blut, bestimmten Zellen, Kristallen oder Erregern untersucht. Finden sich etwa "Fettaugen" und Blut darin, ist das ein Hinweis auf eine Verletzung von Knorpel-Knochengewebe, etwa bei einem knöchernen Bandabriss oder Knochen-Knorpelbruch. Ein Restrisiko für eine Infektion besteht trotz zwingend steriler Arbeitsweise bei einer Gelenkpunktion immer. Eine entzündlich verdickte Gelenkinnenhaut, die von einem Erguss begleitet werden kann, ist primär kein Grund für eine Gelenk-Punktion.

Auch eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) dient der Diagnose und Therapie. Dabei wird der Gelenkinnenraum durch ein Arthroskop beziehungsweise die entsprechende Bildschirmprojektion betrachtet. Es können feinste Instrumente eingeführt werden. Sie dienen dazu, das Gelenkinnere mit Instrumenten abzutasten, Risse zu nähen oder Bänder wieder aufzubauen (Bandplastik). Zielstrukturen sind insofern vor allem die Menisken (Teilmeniskektomie) und die Bänder. Die Arthroskopie  erfolgt in örtlicher Betäubung, Leitungs-Anästhesie (Regionalanästhesie) oder Vollnarkose.

Knieschmerzen: Welcher Facharzt ist der richtige?

Wenn beispielsweise der Verdacht auf eine Rheuma-Erkrankung besteht, ist der Internist / Rheumatologe oder der rheumatologische Orthopäde gefragt. Bei einer mutmaßlichen Nervenerkrankung wird man sich an einen Neurologen wenden. Er kann auch feststellen, ob die Ursache eines schmerzhaften Gelenkproblems und /oder begleitender Störungen der Muskulatur eventuell in einer neuromuskulären Erkrankung begründet ist. Neuromuskulär steht für das Zusammenspiel von Nerv und Muskel.

Bei Hinweisen auf einen akuten Nervenschaden, zum Beispiel Taubheitsgefühl, oder andere, schwere Verletzungen wie ein Knochenbruch, Sehnen- oder Bänderriss, eine Durchblutungsstörung, Blutung oder schwere Infektion wird der Arzt den Betroffenen sofort in eine Klinik einweisen.

Konservative Behandlung des Knies: Bald wieder aktiv werden

Häufig braucht das Knie vorübergehend einfach etwas Ruhe, zum Beispiel bei einem unkomplizierten Bänderriss. Im Anschluss trägt eine Physiotherapie (früher: Krankengymnastik) zur Kräftigung bei. Zu den konservativen Maßnahmen gehören außerdem die physikalische Therapie im Rahmen der Physiotherapie, eine Versorgung mit Hilfsmitteln wie eine Orthese oder Bandage, eine Schuhzurichtung, Sohleneinlagen, Gehstützen oder Stock, und bei Bedarf eine Schmerzbehandlung mit Medikamenten.

Physiotherapie: Die Übungsbehandlung (Krankengymnastik) ist praktisch die wichtigste konservative Strategie, um ein krankes Gelenk wieder nachhaltig fit zu machen. Bleibt es nämlich längere Zeit inaktiv, verkümmert die zuständige Muskulatur, und das Gelenk wird schlechter durchblutet. Außerdem wird oder bleibt es instabil, Schwellungen und Schmerzen gehen nicht wirklich zurück. Eine Arthrose beispielsweise kann sich verschlechtern.

Die Übungen werden individuell zusammengestellt und sind so ausgelegt, dass das Gelenk, falls möglich, dosiert belastet und vor allem im richtigen Maß bewegt wird. Verschiedene Belastungsstufen können dann über angeschlossene Trainingseinheiten erreicht werden.

Gelenke, die in ihrer Beweglichkeit zwangsweise eingeschränkt sind, weil sich zum Beispiel Muskeln, Sehnen oder Kapselgewebe verkürzt haben (Kontraktur), können manuell oder maschinell passiv bewegt und beweglicher gemacht werden (Mobilisation). Anschließend kann sich die Behandlung aufs Üben verlagern. Falls eine Kontraktur physiotherapeutisch nicht mehr gelöst werden kann oder knöchern ist, muss sie allerdings operativ beseitigt werden.

Der aktiven Übungsbehandlung stellen Physiotherapeuten oft Massagen voran, um zunächst Muskelverspannungen zu lösen. Danach werden die Muskeln gedehnt und schließlich in Übungsfolgen aktiv angespannt und gekräftigt. Dazu erhalten die Betroffenen Informationen und praktische Anleitungen über kniefreundliches Verhalten im Alltag (siehe Kapitel "Knieschmerzen: Aktivprogramm Knie" in diesem Beitrag).

Zur Physiotherapie im weitesten Sinne gehört auch die manuelle Therapie oder Chirotherapie.

Die physikalische Therapie umfasst Anwendungen wie Elektrotherapie, Kälte und Wärme, Balneotherapie wie Schwefel-, Schlamm-, Moorbäder- (Fango) oder Meerwasser-Bäder (Thalassotherapie) und Bewegungsbäder.

Im Rahmen der Elektrotherapie werden Wechsel- und Gleichstrom, Kurz- und Mikrowellen sowie Ultraschall genutzt. Konkrete Anwendungen sind hier die Iontophorese und hydroelektrische Bäder wie das Stangerbad. Alle diese Verfahren haben zum Ziel, die Durchblutung und den Stoffwechsel im erkrankten Bereich zu verbessern, Entzündungsvorgänge zu mildern, verspannte und verhärtete Muskeln zu lockern und gereizte Sehnen- und Bandstrukturen zu beruhigen. Alles in allem lassen sich so auch Schmerzen lindern.

Nicht angewendet werden darf die Strombehandlung bei Patienten mit einem Schrittmacher oder Metallimplantat, ferner bei einer Thrombose oder Hautverletzung.

Orthese: Manchmal ist zunächst nur passives Bewegen durch den Physiotherapeuten erlaubt, sodann geschütztes aktives Bewegen mit einer Orthese, zunächst als Teil-, dann als Vollbelastung. Orthesen werden zur vorübergehenden kompletten oder anteiligen Ruhigstellung oder verordnet. Einsatzgebiete sind unter anderem Band-, Meniskus- und Kniescheibenverletzungen und Training nach überstandener Bandverletzung oder einer Knieoperation aus anderem Anlass.

Es sind Schienen- oder Schienen-Spangenapparate in Form mehrteiliger, leichter Konstruktionen aus festen und flexiblen Materialien, etwa Karbon, Metall oder  elastisches, textiles Material. Verfügbar sind verschiedenste Modelle, reine Rahmenkonstruktionen mit einem Metall-Winkelgelenk und ausgesparter Kniescheibe oder Ausführungen mit Kniekehlenpolster und Kniescheibenführung. Die Schiene lässt sich mit Klettverschlüssen am Ober- und Unterschenkel befestigen. Der Apparat wird mit leicht angewinkelter Beuge-Voreinstellung geliefert, kann jedoch an den individuell einzustellenden Kniewinkel angepasst werden.

Stützbandage: Bei leichteren Knieproblemen genügen meist hochwertige, stützende Bandagen. Das sind Hülsen aus elastischem Strickmaterial mit anatomischer Passform und besonderer Führung der Kniescheibe über ein Polster (Pelotte) oder ähnliches. Sie werden über das Knie gezogen und üben einen dosierten Druck oder Massageeffekt auf das Gewebe aus. Bei Bewegungen wie Gehen, Stehen, Wandern, Treppensteigen entlasten sie das Kniegelenk und können Schmerzen lindern helfen. Anwendungsmöglichkeiten für Kniebandagen sind zum Beispiel Reizzustände bei Arthrose und Arthritis. Bandagen können ebenfalls vom Arzt verordnet werden. Es gibt sie in der individuell passenden Größe.

Schuhzurichtungen, Einlagen: Der Orthopäde entscheidet, ob zum Beispiel Einlagen sinnvoll sind und wenn ja, welcher Art. Darüber hinaus ist immer die Übungsbehandlung wichtig, um die Muskulatur, die das Knie führt, zu kräftigen und das Knie zu stabilisieren (siehe oben).

Medikamente: Häufig werden sogenannte nicht steroidale, kortisonfreie Antirheumatika  (NSAR) eingesetzt. Die Medikamente wirken entzündungshemmend, schmerzlindernd und können innerlich als Tabletten wie auch äußerlich (als Salbe, Gele, Pflaster, Spray) angewandt werden. Spritzen ins Gelenk können Arzneistoffe wie Kortison direkt vor Ort wirken lassen; bei Arthrose zum Beispiel zeigen aktuelle Studien jedoch keinen Nutzen.

Ob ein solcher Weg sinnvoll ist, wird der Arzt nicht zuletzt wegen des Infektionsrisikos individuell sehr sorgfältig abwägen. Hauterkrankungen, Hautschäden oder Infektionen in der Umgebung der Injektionsstelle sind Gegenanzeigen. Als einfaches, jedoch keineswegs nebenwirkungsfreies Schmerzmittel zum Einnehmen kann auch der Arzneistoff Paracetamol infrage kommen. Lassen Sie sich wie bei den oben genanten NSAR genau vom Arzt und Apotheker beraten. Gegen Erkrankungen wie Rheuma werden außerdem sogenannte krankheitsverändernde Medikamente, darunter Arzneistoffe wie Methotrexat, und im zweiten Schritt sogenannte Biologicals eingesetzt. Gegen bakterielle Gelenkinfektionen kommen Antibiotika zum Einsatz.

Knie-Operation: Schlüssellochchirurgie oder klassisch

Die sogenannte Schlüssellochchirurgie ist eine minimal invasive Technik mit nur millimetergroßen Schnitten. Demgegenüber wird bei der klassischen Gelenkeröffnung (Arthrotomie, offene Gelenkoperation) weiträumiger gearbeitet. Allerdings streben Operateure immer möglichst kleine Schnitte an. Wenn zum Beispiel eine Teilprothese (Unikompartmentersatz, unikondyläre Prothese, Schlittenprothese) ausreicht, da der Gelenkschaden begrenzt ist, kann sie minimal-invasiv relativ schonend eingesetzt werden. Der Verletzungsgrad ist bei dieser Technik normalerweise deutlich geringer, sie geht schneller, ist häufig ambulant möglich, und der Heilungsprozess ist kürzer.

Über eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) wiederum sind folgende Maßnahmen am Knie möglich: Naht eines gerissenen Bandes oder dessen Neuaufbau (Bandplastik), Reparatur von Meniskusrissen oder Entfernen von gerissenen, sich einklemmenden Meniskusteilen, Entfernen eines freien Gelenkkörpers, entzündeter Kapselfalten, Anheften eines abgelösten Knorpelstückchens, Knorpelzellverpflanzung, Knorpel-Knochentransplantation.

Im Rahmen klassischer Operationen werden außer dem totalen Gelenkersatz (Vollprothese, TEP) unter anderem Gelenkfehlstellungen korrigiert oder Gelenkversteifungen durchgeführt.

Da sich die Operationstechniken ständig weiterentwickeln, sind Aussagen darüber, was in welcher Form praktikabel ist, schnell veraltet. Schließlich haben längst auch computergestützte Techniken und Roboternavigation Einzug in den OP gehalten.

Seit einiger Zeit gibt es Schulungs-Programme, die speziell auf die Knie zugeschnitten sind. Gedacht sind sie in erster Linie für Knie-Patienten, zum Beispiel bei Arthrose. Aber auch Gesunde, die ihre Knie länger fit halten möchten, können sich hier einiges abschauen. Im Kern geht es um kniefreundliche Verhaltensregeln für den Alltag und leicht machbare Knieübungen.

Es gibt verschiedene, von Orthopäden und Physiotherapeuten entwickelte Knieschul-Konzepte. Wer sich dafür interessiert, kann sich bei seinem Arzt (Orthopäden) oder seiner Krankenkasse erkundigen. Auch Einrichtungen wie zum Beispiel Volkshochschulen bieten Kurse an.

So beugen Sie Knieschmerzen vor

  • Das Körpergewicht regulieren: Dieser Punkt steht ganz oben auf der Empfehlungsliste. Denn die Kniegelenke sind nun mal für normale Gewichtsbelastungen ausgelegt. Zur Orientierung, wo Sie gewichtsmäßig gerade liegen und was Ihr Ziel sein könnte, hier zwei Hilfsmaße. Zum einen der Körper-Massen-Index (Body-Mass-Index, kurz BMI). Der BMI ergibt sich aus folgender Formel: Das Gewicht in Kilogramm wird durch das Quadrat der Körpergröße in Metern geteilt. Nach Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2008 sind Menschen mit einem BMI von 18,5 bis 24,9 normalgewichtig. Auch der Taillenumfang ist ein Anhaltspunkt: Er sollte bei Männern nicht über 102 Zentimeter, bei Frauen nicht über 88 Zentimeter liegen.
  • Zu starkes Beugen und Verdrehen der Knie in X- oder O-Richtung möglichst vermeiden: Alles, was über den rechten Winkel hinausgeht, ist zu viel. Konkretes Beispiel: Schneider- oder Lotussitz und Fersensitz. Dabei kommt es natürlich auf die Häufigkeit an. Wer täglich längere Zeit in dieser Position meditiert, Yoga, Qigong oder ähnliches praktiziert, sollte prüfen, wie er oder sie dabei den Druck von den Knien nehmen kann. Beim Fersensitz hilft zum Beispiel ein zwischen Füße und Knie platziertes, ausreichend großes Sitzkissen. Es gibt sicher auch noch andere Lösungen. Besprechen Sie das am besten mit Ihrem Trainer oder Ihrer Trainerin.
  • Ebenfalls problematisch: ständiges Hocken. Versuchen Sie, wann immer möglich, alternative Körperhaltungen einzunehmen oder Hilfsmittel anzuwenden, die Hocken überflüssig machen.
  • Nichts Schweres tragen: Schon für die Lendenwirbelsäule ist schweres Tragen Gift. Was sollen da erst die Knie sagen? Suchen Sie sich Helfer und gehen Sie alternative Wege. Vermeiden Sie vor allem Dauerbelastungen.
  • Für Frauen: Hohe Absätze nur an ganz besonderen Tagen tragen. High-Heels verlagern den Körperschwerpunkt nach vorne. Sie belasten das Kreuz und die Knie: Das Kreuz wird zum Hohlkreuz, als Ausgleich gehen die Knie zu sehr in Beugestellung. Das bedeutet vermehrten Druck in den Kniegelenken. Außerdem können sie Krampfadern begünstigen.
  • Kniefreundlicher Sport & Co.: Ideal für die Knie sind passende Gymnastikübungen und Wassergymnastik (Aqua-Gym), Rückenschwimmen, Radfahren und Walking. Joggen ist bedingt geeignet, Bergwandern ungünstig, wenn es stramm bergab geht. Reiten, Ski alpin, vor allem auf der Buckelpiste und am Steilhang, Snowboardfahren, Kontaktsport wie Fußball und die meisten Sprungsportarten strapazieren die Knie.
  • Und: Je mehr Ihre Oberschenkelmuskeln in Form sind, desto besser für die Knie.
  • Sonst noch etwas? Vom Knie- zum Rückenprofi: Sitzen ist für die Knie besser als pausenloses Stehen und Gehen. Doch könnte der Rücken darunter leiden. Es kommt, wie immer, auf das richtige Maß und die geeignete Position an. Beim Sitzen auf jeden Fall eine aufrechte Rückenhaltung einnehmen und beide Beine im rechten Winkel vor dem Körper aufstellen. Stützen Sie die Lendenwirbelsäule immer wieder ab: dynamisch mit Übungen zwischendurch, ansonsten mit ergonomischer Rückenlehne oder Extra-Lendenstütze.
    Wenn Sie in sich zusammensinken oder ständig mit den Augen zu nah vor den Bildschirm gehen, werden Kreuz und Nacken überlastet. Das heißt auch: Überprüfen Sie gelegentlich mal Ihre übliche Arbeitshaltung im Büro und Ihre Sehschärfe. Wichtig ist, jede längere Zeit eingenommene Körperhaltung oder -tätigkeit regelmäßig nach gewisser Zeit, etwa nach zwei Stunden, zu unterbrechen, um die Glieder zu entlasten.

Fachliteratur für diesen Ratgeber

Grifka J, Kuster M, Orthopädie und Unfallchirurgie, Springer, 1. Aufl. 2011

Wülker N (Hrsg.): Orthopädie und Unfallchirugie, 3. überarbeitete und aktualisierte Auflage, Stuttgart New York, Georg Thieme Verlag, 2015

Elsen M, Eppinger M, Müller M: Orthopädie und Unfallchirugie, 2. Auflage 2016/17, Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach

Herold G und Mitarbeiter, Gerd Herold Köln, Innere Medizin 2017

S2k-Leitlinie Meniskuserkrankung (033/006) der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Stand: 07/2015, gültig bis 07/2018, Online: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/033-006l_S2k_Meniskuserkrankungen_2015-07.pdf (Abgerufen am 04.09.2017)

Thiem U, Lamsfuß R, Günther S et al.: Prevalence of Self-Reported Pain, Joint Complaints and Knee or Hip Complaints in Adults Aged > 40 Years: A Cross-Sectional Survey in Herne, Germany. PLOS ONE, April 30, 2013. Online: DOI:10.1371/journal.pone.0060753 
(Abgerufen am 04.09.2017)

Grunert D: Ein Jahr nach dem Stopp. Medizinreport: Kniegelenk-Arthroskopie: Dtsch Arztebl 2017; 114(10): A-472 / B-408 / C-398. Online:

https://www.aerzteblatt.de/archiv/186742/Kniegelenk-Arthroskopie-Ein-Jahr-nach-dem-Stopp (Abgerufen am 04.09.2017)