Cholesterinwerte: Die wichtigsten Fakten

Wann sind die Cholesterinwerte zu hoch? Was bedeuten Begriffe wie HDL und LDL? Welche Rolle spielt die Ernährung? Ein Überblick zum Thema Cholesterin

von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 22.12.2014

Nach jedem Frühstücksei kommt das schlechte Gewissen. Und im Urlaub, wenn einem vom Buffet Spiegeleier, gebratener Speck und gegrillte Würstchen entgegenlachen, wird das schlechte Gewissen noch größer. Denn Wurstwaren und Eier enthalten Cholesterin, letztere sogar ziemlich viel.

Doch Cholesterin ist nicht grundsätzlich schlecht. Im Gegenteil: Die Substanz erfüllt im Körper wichtige Aufgaben und ist für ihn unerlässlich.

Wofür benötigt der Körper Cholesterin?

Cholesterin ist eine fettähnliche Substanz, die für den Aufbau und die Funktion der Körperzellen unentbehrlich ist. Ferner benötigt der Körper diesen Stoff als Grundgerüst für Hormone, wie zum Beispiel Sexualhormone, sowie für Gallensäuren oder Vitamin D.

Den Großteil des Cholesterins bildet der Organismus selbst, vor allem in der Leber. In erster Linie wird dieses Cholesterin zu Gallensäuren umgearbeitet, ein kleinerer Teil gelangt in den Blutkreislauf. Besteht ein Überangebot an Nahrungscholesterin (über die empfohlenen 300 Milligramm pro Tag hinaus), wird die körpereigene Produktion gedrosselt.

Der Teil des Cholesterins, der aus der Leber ins Blut abgegeben wird, gelangt in Form sogenannter Fett-Eiweiß-Verbindungen (Lipoproteine) zu den verschiedenen Körperzellen. Dort bindet das Cholesterin an bestimmte Strukturen auf der Zellmembran (Rezeptoren) und wird in die Zellen aufgenommen. Überschüssiges Cholesterin aus dem Blutkreislauf nimmt die Leber wieder auf.

Aufgrund verschiedener, oft auch erblich bedingter Störungen, kann sich die Zahl der Rezeptoren in der Leber verringern. Dann nimmt das Stoffwechselorgan weniger Cholesterin auf. In Folge kreist die Substanz vermehrt im Blut und wird zum Risikofaktor für die Entstehung einer Arteriosklerose (Gefäßverkalkung).

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Das im Blut gemessene Cholesterin ("Gesamtcholesterin") setzt sich aus verschiedenen Fraktionen zusammen. Im Wesentlichen sind dies LDL- und HDL-Cholesterin. Generell nimmt der Gesamtcholesterinspiegel mit dem Alter zu. Junge Frauen haben meist niedrigere Werte als junge Männer. Im Alter gleicht sich dieser Unterschied aus. Ältere Frauen haben im Mittel sogar etwas höhere Werte als ältere Männer.

HDL und LDL

Die Bezeichnungen HDL und LDL leiten sich von der chemischen Bestimmungsmöglichkeit ab: High-Density-Lipoprotein und Low-Density-Lipoprotein sind Fett-Eiweiß-Verbindungen (Lipoproteine), die eine hohe oder niedrige chemische Dichte aufweisen. Diese Verbindungen transportieren das Cholesterin von der Leber zu den verschiedenen Geweben beziehungsweise von dort zur Leber zurück.

Befindet sich zuviel LDL-Cholesterin im Blut, kann sich das negativ auf den Körper auswirken. Denn dieses Cholesterin gilt als das Blutfett, das maßgeblich für die Entwicklung einer Gefäßverkalkung verantwortlich ist. Dem HDL-Cholesterin hat man eine gefäßschützende Wirkung zugeschrieben, da es Cholesterin aus den Geweben – also auch an der Gefäßwand – aufnimmt und zur Leber zurückbringt. Hinsichtlich der Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Krankheiten sehen Mediziner ein hohes LDL-Cholesterin als ungünstig an und bezeichnen es umgangssprachlich als "schlechtes Cholesterin".

Ob das HDL-Cholesterin weiterhin ausnahmslos "gutes Cholesterin" genannt werden kann, wird gegenwärtig unter Experten diskutiert.
 Denn hohe HDL-Werte gehen laut aktuellen großen Studien nicht automatisch mit einem erniedrigten kardiovaskulären Risiko einher – wie früher angenommen. Vielmehr zeigen neuere Untersuchungen, dass Menschen mit genetisch bedingten hohen HDL-Werten auch Herz-Kreislauf-Krankheiten erleiden können. Ein erniedrigtes HDL wird jedoch weiterhin mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko verbunden.

Triglyceride

Weitere wichtige Fette im Blut: die Triglyceride, auch Neutralfette genannt. Sie machen mit über 95 Prozent den Hauptbestandteil der Körper- und Nahrungsfette aus. Triglyceride stammen zum einen aus der Nahrung, zum anderen wandelt der Körper in der Leber und im Fettgewebe über mehrere Schritte Kohlenhydrate in Triglyceride um.

Die Triglyceridwerte im Blut können stark schwanken. Hat zum Beispiel jemand vor der Blutabnahme Alkohol oder eine zuckerhaltige Limonade getrunken, steigen die Werte an. Die Triglyceride können zudem erblich bedingt erhöht sein sowie durch Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes mellitus. Sind die Werte ständig zu hoch und liegen gleichzeitig niedrige HDL-Werte vor, gilt dies als Risikofaktor für eine Arteriosklerose. Sind nur die Triglyceride erhöht (isolierte Hypertriglyceridämie), ist das Risiko für eine Gefäßverkalkung umstritten.

Lipoprotein (a)

Lipoprotein (a) ist ebenfalls ein Eiweißmolekül, das Nahrungsfette im Blut transportiert. Es gehört zu den Low-Density-Lipoproteinen (LDL), ist aber ein unabhängiger Risikofaktor für eine Arteriosklerose. Die Konzentration des Eiweißmoleküls im Blut ist weitgehend genetisch festgelegt. Bestimmte Krankheiten können den Lipoprotein (a)-Wert allerdings beeinflussen. Dazu gehören unter anderem bestimmte Nieren-, Leber- und Schilddrüsenkrankheiten. Lipoprotein (a) sollte zumindest einmal bei der Bestimmung der Blutfettwerte erfasst werden. Oder, wenn jemand Verwandte hat, die schon in jungen Jahren einen Herzinfarkt erlitten haben.

Eines vorneweg: Mediziner müssen die Blutfettwerte sehr individuell beurteilen. Für viele Menschen stellen leicht erhöhte Cholesterinwerte kein Problem dar. Sie müssen auch keine Medikamente einnehmen. Kommen jedoch Risikofaktoren hinzu, kann schon ein leicht erhöhter Cholesterinspiegel eine Therapie nötig machen. Zu diesen zählen zum Beispiel Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen sowie eine koronare Herzkrankheit oder ein Herzinfarkt in der Vergangenheit. Hatte ein nahes Familienmitglied in jüngeren Jahren oder im mittlerem Lebensalter einen Herzinfarkt kann ebenfalls ein erhöhtes Risiko bestehen.

Deshalb entscheidet in den meisten Fällen nicht alleine der Cholesterinwert darüber, ob eine Behandlung mit Medikamenten nötig ist. Dazu muss der Arzt erst sämtliche mögliche Risikofaktoren mit einbeziehen. Je nach Anzahl und Bedeutung der einzelnen Risiken, gelten heute weltweit bestimmte Zielwerte. Sie richten sich vor allem auf das LDL-Cholesterin aus.

Herzkreislauf-Gesamtrisiko

Bei einem niedrigen Herzkreislauf-Gesamtrisiko, wenn also höchstens ein zusätzlicher Risikofaktor vorliegt, sollte das LDL-Cholesterin nicht 160 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) übersteigen. Gibt es mehrere Risikofaktoren, besteht ein moderates Herzkreislauf-Gesamtrisiko. Dann sollte das LDL-Cholesterin nicht höher als 115 mg/dl sein. Wer ein hohes Gesamtrisiko aufweist, zum Beispiel weil er an starkem Bluthochdruck leidet, für den erniedrigen sich die Zielwerte weiter. Experten fordern dann einen LDL-Cholesterinwert von maximal 100 mg/dl.

Besteht ein sehr hohes Risiko, etwa bei einer koronaren Herzkrankheit, bei Typ-2-Diabetes oder wenn der Patient bereits einen Herzinfarkt hatte, gilt ein Wert von unter 70 mg/dl als erstrebenswert.
 Lässt sich dieser Wert nicht erreichen, sollte die LDL-Konzentration zumindest um 50 Prozent im Vergleich zum Ausgangswert gesenkt werden.

Für das Gesamtcholesterin sehen Experten heute Werte bis 200 mg/dl als Obergrenze an. Die Deutschen liegen im Durchschnitt vielfach über diesem Zielwert, ihr Gesamtcholesterin liegt im Mittel bei 231 mg/dl. Bei den Blut-Triglyceridwerten gilt als allgemeine Richtlinie, dass sie möglichst unter 200 mg/dl, besser noch unter 150 mg/dl liegen sollten. Beim HDL sollte der Wert bei Frauen möglichst nicht unter 45 mg/dl liegen und bei Männern nicht unter 40 mg/dl.

Wird die innere Schicht der Gefäßwand, also das Endothel, beschädigt, kann sich das LDL-Cholesterin in der Wand einlagern. Dort wird es durch Sauerstoff chemisch verändert, das heißt oxidiert. Dieses veränderte LDL-Cholesterin lockt bestimmte weiße Blutkörperchen an, die Makrophagen. Das führt letztlich zu einer Entzündung in der Gefäßwand.

Durch das oxidierte LDL-Cholesterin und den Entzündungsprozess in der Gefäßwand entsteht allmählich eine sogenannte arteriosklerotische Plaque. Dabei besteht immer die Gefahr, dass die Oberfläche der Plaque einreißt. Wenn das passiert, setzen sich sofort Blutplättchen aus dem vorbeiströmenden Blut auf den Einriss und bilden einen mehr oder weniger großen Blutpfropf. Der kann das Gefäß akut verschließen und damit zum Beispiel, wenn ein Herzkranzgefäß betroffen ist, einen Herzinfarkt auslösen.

Faktoren, die das Endothel schädigen, sind unter anderem Rauchen, Diabetes und Bluthochdruck.

Prinzipiell kommt in Innereien wie Niere oder Leber viel Cholesterin vor. 100 Gramm Leber enthalten zum Beispiel 370 Milligramm Cholesterin. Das beliebte Frühstücksei (Klasse M) kommt auf etwa 240 Milligramm, 100 Gramm Kaviar auf zirka 300 Milligramm. Etwa 220 Milligramm Cholesterin befinden sich in 100 Gramm Butter, rund 140 Milligramm in der gleichen Menge Garnelen.

Doch der Cholesteringehalt eines Nahrungsmittels beeinflusst den Cholesterinspiegel im Blut weniger als Art und Menge der Nahrungsfette insgesamt. Dabei spielt der Gehalt an gesättigten, einfach ungesättigten und mehrfach ungesättigten Fettsäuren eine wichtige Rolle. Je weniger gesättigte Fettsäuren in einem Lebensmittel vorkommen, desto besser.

Vor allem in tierischen Fetten wie Butter, Fleisch, Wurstwaren, Milch und Milchprodukten kommen reichlich gesättigte Fette vor. Aber auch pflanzliche Fette können viel davon enthalten. Hier spielen vor allem sogenannte Transfettsäuren eine Rolle, die bei der industriellen Härtung von Fetten entstehen. Transfette kommen zum Beispiel in Pommes frites, Donuts, Crackern und Plunderstückchen verstärkt vor. Prinzipiell gilt: Je weniger tierische Fette Sie essen, desto weniger Cholesterin und gesättigte Fettsäuren nehmen Sie zu sich. Gar kein Cholesterin enthalten zum Beispiel Obst, Gemüse, Salat, Reis und Kartoffeln.

Ungesättigte Fettsäuren, die unter anderem in Fisch, Nüssen, Samen und pflanzlichen Ölen wie Olivenöl vorkommen, können helfen, den Cholesterinspiegel zu senken. Achten Sie darauf, diese Fette statt der gesättigten zu verwenden.

Obwohl sich eine erhöhte Cholesterinzufuhr mit der Nahrung von Mensch zu Mensch verschieden auswirkt, sollte man nicht mehr als 300 Milligramm Cholesterin pro Tag aufnehmen.

Was ist von cholesterinsenkender Margarine zu halten?

Auch hier sollte jeder darauf achten, wie viel gesättigte, einfach ungesättigte und mehrfach ungesättigte Fettsäuren die jeweilige Margarine enthält. Mit einer cholesterinsenkenden Margarine kann der Cholesterinspiegel im Blut etwas abfallen. Ob dies aber tatsächlich zu einer geringeren Herzinfarktrate führt, lässt sich schwer nachweisen. Auch ein dünner Butteraufstrich auf dem Brot ist daher durchaus vertretbar.

Lebensmittel Cholesteringehalt (mg/100 Gramm)
Leber (Schwein) 370
Hühnerei

400 (ein Ei der Klasse M enthält

ca. 240 mg/100g)

Butter 220
Leberwurst 170
Aal, geräuchert 165
Scampi 140
Gouda (70 % Fett) 87

Schlagsahne

(30 % Fett)

84

Quelle: Die Nährwerttabelle, Deutsche Gesellschaft für Ernährung, 2012

Beratender Experte: Professor Dr. med. Wolfram Delius ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie. Er habilitierte sich an der medizinischen Universitäsklinik Uppsala, Schweden, und hatte anschließend eine außerordentliche Professur für Medizin an der Technischen Universität München inne. Der Herzspezialist war lange Zeit als Chefarzt tätig, zuletzt zwei Jahrzehnte an der Abteilung Kardiologie/Pneumologie am Städtischen Krankenhaus München-Bogenhausen (Akademisches Lehrkrankenhaus). Inzwischen führt er eine eigene Praxis.

Professor Delius wirkt seit Jahren aktiv bei Fortbildungsveranstaltungen der Bayerischen Ärztekammer mit und wurde mit der Ernst von Bergmann Plakette der Bundesärztekammer ausgezeichnet.

Quellen:

American Heart Association (AHA): Cholesterol. Online: http://www.heart.org/HEARTORG/Conditions/Cholesterol/Cholesterol_UCM_001089_SubHomePage.jsp (Abgerufen am 07.10.2013)

European Society of Cardiology (ESC) and the European Atherosclerosis Society (EAS): ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias. Online: http://www.escardio.org/guidelines-surveys/esc-guidelines/guidelinesdocuments/guidelines-dyslipidemias-ft.pdf (Abgerufen am 07.10.2013)

Parhofer K G: Update Fettstoffwechselstörungen. In: Der Internist 2013, 9: 1090-1101

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Die Nährwerttabelle, 2. Auflage, Neustadt/Weinstraße Neuer Umschau Verlag 2012

 

Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen DGFF (Lipid-Liga) e. V.: Lipoprotein (a): ein unabhängiger kardiovaskulärer Risikofaktor. Online: http://www.lipid-liga.de/cms/images/stories/pdf/dgff_11_2012_presseinfo_lpaaerztliche_praxis.pdf

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.