Schmerzende Brüste (Mastodynie)

Über kein Symptom seitens der Brüste klagen Frauen so oft wie über Spannungsgefühl und Schmerzen. Und: Fast jedem zweiten Mann macht im Laufe des Lebens ein Busen zu schaffen. Warum das so ist

aktualisiert am 09.03.2017

Schmerzen in den Brüsten – zwei Fachbegriffe

Ziehen, Spannen, Schweregefühl oder Schmerzen in beiden Brüsten. Tastbare Verhärtungen, insbesondere vor der Menstruation (prämenstruell): Solche Beschwerden machen zahllosen Frauen Monat für Monat zu schaffen – für viele jahrelang beinahe eine Normalität. Dass die Symptome auch schon mal ein, zwei Wochen vor der Regelblutung einsetzen können, ist dabei nicht ungewöhnlich. Ab 30 nimmt das Busenweh häufig noch zu, kann manchmal aber auch jüngere Frauen plagen. Nur ein kleiner Trost: Die Aussichten, dass die Unannehmlichkeiten mit den Wechseljahren endlich nachlassen, sind gut.

Bei der im Rhythmus des Monatszyklus auftretenden Schmerzhaftigkeit der Brüste sprechen Ärzte oft von Mastodynie. Für zyklusunabhängige Schmerzen in der Brust wird eher der Fachbegriff Mastalgie verwendet, so auch bei Männern. Letztlich sind die Bezeichnungen aber austauschbar. Mastodynie ist einfach gebräuchlicher, zumindest bei Frauen, die ja ungleich häufiger als Männer damit zu tun haben (dazu mehr weiter unten in der Liste "Die häufigsten Ursachen", "...bei Männern").

Das Brustdrüsengewebe unterliegt im Leben der Frau vielfältigen Veränderungen. Das Auf und Ab des Hormonzyklus, hormonelle Extremlagen wie Pubertät, Schwangerschaft, Stillzeit und die Lebensphase vor und in den Wechseljahren (Prämenopause, Menopause) – dies alles schlägt sich spürbar in den Brüsten nieder und beeinflusst ihre Struktur – Spannungs- und Schwellungsgefühl oder Schmerzen bleiben da oft nicht aus.

Schmerzende Brüste: Am häufigsten liegt es am Zyklus

Was aber genau zu den bei Frauen vom weiblichen Zyklus programmierten Brustbeschwerden führt, ist noch unklar. Sicherlich spielen die Schwankungen der Sexualhormone und damit verbundene Veränderungen eine Rolle.

Während in der ersten Zyklushälfte hormonell die Östrogene dominieren, ist es in der zweiten das körpereigene Gestagen Progesteron, auch Gelbkörperhormon genannt. Im wechselnden Rhythmus der Hormone kommt es vor der Menstruation unter anderem zu vermehrter Wassereinlagerung (Ödem) in den Brüsten. Das Ödem ist einer der Auslöser von Brustbeschwerden.

Viele Frauen empfinden zwar tatsächlich ein vermehrtes Spannungsgefühl, kommen damit aber einigermaßen klar. Manche haben jedoch echte Probleme, da die Brüste Monat für Monat äußerst unangenehm schmerzen. Damit nicht genug, können vorübergehend doch auch die Lider, Hände, Füße und Beine anschwellen. Im Ergebnis zeigt die Waage vorübergehend nach oben. Nicht nur, aber auch deshalb fühlen viele Frauen sich vor der Menstruation regelrecht unwohl.

Dazu kommen mitunter weitere Beschwerden, etwa auf der psychischen Ebene. Der Übergang in ein sogenanntes prämenstruelles Syndrom (PMS) ist oft fließend. Für viele Frauen sind auch die Stimmungsschwankungen mit vermehrter Reizbarkeit, Nervosität oder Antriebslosigkeit "an den Tagen vor den Tagen" bis zu einem gewissen Punkt normal. Bei PMS können sie allerdings ausgeprägter sein und als besonders beeinträchtigend erlebt werden.

Auch das während der zweiten Zyklusphase ansteigende Hormon Prolaktin aus der Hirnanhangsdrüse beeinflusst das Brustgewebe: Schließlich soll es die Drüsenzellen auf die Milchbildung vorbereiten. So wird das Gewebe stärker durchblutet, und die Drüsenzellen beginnen, sich auf eine mögliche Schwangerschaft einzustellen: Sie setzen zum Wachstum an und bilden verstärkt Sekret.

Info: Die weibliche Brust (lateinisch "Mamma") setzt sich aus Drüsen-, Fett- und Bindegewebe zusammen. Das Drüsengewebe enthält etwa zehn bis zwanzig Drüsenlappen, die aus mehreren verzweigten Untereinheiten ("Drüsenläppchen") und einer entsprechenden Anzahl von Milchgängen bestehen (siehe Bild). Die Milchgänge vereinigen sich in den Drüsenlappen zu größeren Gängen, um dann zur Brustwarzenkuppe zu ziehen. Vorher bilden sie kleine Aussackungen, die sich in der Stillzeit mit Milch aus den Drüsenläppchen füllen. Über ihre Lymph-, Blut- und Nervenbahnen ist die Brustdrüse an die jeweiligen Versorgungsnetze des Körpers angeschlossen.

Bei Männern sind die Brustdrüsen im Vergeich zu denen der Frau unterentwickelt, aber von der Anlage her gleich. Daher können sie sich vergrößern, wenn sie beispielsweise vermehrt Hormonen wie Östrogenen oder östrogenähnlichen Substanzen ausgesetzt sind.

Eine besondere Empfindlichkeit des Brustgewebes auf Prolaktin kann möglicherweise zyklische Brustschmerzen verstärken. Prolaktin kommt übrigens auch bei Männern vor. Eine vermehrte Brustbildung bei ihnen (Gynäkomastie) kann auch mit Prolaktin zusammenhängen.

Sehr häufig entwickelt sich bei Frauen in der gebärfähigen Zeit eine sogenannte fibrozystische Mastopathie (siehe dazu Kapitel "Schmerzende Brüste: Vom Zyklus abhängige Ursachen"). Damit einher geht oft eine zyklisch betonte, merkliche Schmerzhaftigkeit der Brüste. Der Arzt kann die entsprechenden Veränderungen zum Beispiel mit einem bildgebenden Verfahren wie einer Ultraschalluntersuchung der Brust (Mamma-Sonografie) gut erkennen (siehe auch Kapitel "Schmerzende Brüste und Gynäkomastie: Diagnose" in diesem Beitrag). Je nach Ausprägung raten Ärzte mitunter zu einer weitergehenden Untersuchung, da einzelne Formen der fibrozystischen Mastopathie das Brustkrebsrisiko geringfügig erhöhen können.

Wenn die Brüste unabhängig vom Zyklus wehtun

  • Nicht schwangere Frauen, vor den Wechseljahren:

Ein häufiger Grund für Brustspannen oder -schmerzen ist die hormonelle Empfängnisverhütung, zum Beispiel mit der Pille. Natürlich sieht die Verträglichkeit einer Verhütungsmethode von Frau zu Frau ganz unterschiedlich aus. Auch die Zusammensetzung und Dosis der enthaltenen Hormone spielen eine Rolle. Brustschmerzen oder -spannen ist eine bekannte Nebenwirkung sogenannter östrogenbetonter Pillen. Brustbeschwerden können aber zum Beispiel auch nach Einlegen des sogenannten Verhütungsstäbchens (Hormonimplantat) unter die Haut auftreten. Es enthält nur Gestagen.

  • Schwangere Frauen:

Erst in der Schwangerschaft und insbesondere Stillzeit reifen die Brustdrüsen vollständig aus. Sie  produzieren dann die Vormilch und nach den ersten Saugerfolgen des Babys bald schon die vollwertige Muttermilch. Brustschmerzen und -schwere sowie insgesamt sich verhärtet anfühlende Brüste sind hier ganz normale Begleiterscheinungen.

Beim Stillen ist es wichtig, einen Milchstau mit der Komplikation einer Brustentzündung (sogenannte puerperale Mastitis) möglicht zu vermeiden. Den meisten Müttern gelingt das sehr gut. Die passende Stilltechnik, sorgfältige Hygiene, richtige Ernährung und soweit möglich Vermeiden von Stress tragen wesentlich dazu bei, dass es klappt. Hebammen und Stillberaterinnen können wertvolle Ratschläge geben und auf individuelle Probleme eingehen. Praktische Tipps unter "Stillen: Das Beste für Ihr Baby" (www.baby-und-familie.de).

Symptome bei Milchstau: Erste Hinweise sind örtliche Schmerzen der Brust und eine begrenzte Verhärtung, ein schmerzhafter "Knubbel", meistens in den ersten zwei Stillwochen. Auf eine Brustentzündung (Mastitis) als bakterielle Komplikation weisen deutlichere Brustschmerzen hin, auch im Bereich der Brustwarze. Es entwickeln sich eine stärkere Rötung und Überwärmung im entzündeten Brustbereich, oft auch Krankheitsgefühl, dazu mitunter Muskel- und Gliederschmerzen sowie Fieber. Dieses kann schon recht früh auftreten. Mehr dazu im Kapitel "Schmerzende Brüste: Nicht vom Zyklus abhängige Ursachen".

  • Wechseljahre:

In diesem Lebensabschnitt – dem letzten natürlichen hormonellen Einschnitt bei der Frau – fällt die körpereigene Produktion der Geschlechtshormone auf einen Tiefpunkt. Es reifen keine Eibläschen mehr heran. Zyklusabhängige Brustbeschwerden gehen dann allmählich zurück und treten in dieser Form nicht mehr auf, es sei denn, eine Frau nimmt "ersatzmäßig" Hormone ein. Entwickeln sich dann Brustschmerzen, sollte die Betroffene dies ihrem behandelnden Gynäkologen unbedingt mitteilen. Er kann überprüfen, ob die Hormondosis eventuell zu hoch ist oder eine andere Ursache dahintersteckt. Manchmal empfiehlt er vor einer Umstellung, noch eine Weile abzuwarten, ob die Beschwerden im weiteren Verlauf der Therapie nachlassen.

  • Frauen jeden Alters:

Eine schmerzhafte Brustentzündung kann sich auch unabhängig vom Stillen (Mastitis non puerperalis) entwickeln. Allerdings treten solche Entzündungen eher selten auf. Als Ursachen kommen mitunter wiederum Infektionen mit Bakterien infrage. Gelegentlich beziehen andere Entzündungskrankheiten die Brüste mit ein, etwa eine sogenannte Sarkoidose. Schließlich wird der Arzt noch weitere Brusterkrankungen in Betracht ziehen; überwiegend erweisen sie sich als gutartig.

! Wichtig: Brustschmerzen sind eher kein typisches Symptom für Brustkrebs. Sie treten dabei nur sehr selten auf.

Die häufigsten Ursachen bei Schmerzhaftigkeit einer oder beider Brüste bei Frauen und Männern

(* = weitere Informationen in den einzelnen Kapiteln dieses Beitrags)

Bei Frauen:

Zyklusabhängig

(in der Regel sind beide Brüste schmerzhaft, eventuell Seitenunterschied):

  • Zyklische Mastodynie – Prämenstruelles Syndrom (PMS)*
  • Fibrozystische Mastopathie*

Nicht zyklusabhängig
(eventuell mit Knoten / Schwellung, Hautveränderungen oder Absonderungen aus der Brustwarze; eine oder beide Brüste betroffen):

  • Milchgangserweiterung (-ektasie)*
  • Behandlung mit Sexualhormonen*
  • Brustentzündung (Mastitis)*
  • Schmerzen im Bereich der Brustwarze*
  • Weitere gutartige Brusterkrankungen, zum Beispiel Zyste, Fettgewebsnekrose (siehe entsprechendes Kapitel unter "Knoten in der Brust")
  • Medikamente, etwa Spironolakton

Bei Männern:

Auch Männer können unter Brustschmerzen leiden, allerdings seltener als Frauen, und meistens im Zusammenhang mit einer Brustschwellung (Gynäkomastie). Häufig treten die Beschwerden auf beiden Seiten auf. Angeblich sind inzwischen fast die Hälfte aller Männer in irgendeiner Form von einer Brustentwicklung betroffen. Unter anderem spielt hier wohl die Zunahme von Übergewicht und Fettleibigkeit in der (männlichen) Bevölkerung eine Rolle. Als natürlicher Vorgang kommt eine Gynäkomastie in der Pubertät (meist vorübergehend) und im Alter vor. Krankhaft ist sie zum Beispiel bei hormonellen Störungen. Mehr dazu im Kapitel "Schmerzende Brüste: Ursachen bei Männern".

Eine kurze Übersicht:

  • Physiologische Gynäkomastie*

  • Pseudogynäkomastie bei Adipositas (Brustbildung durch vermehrtes Fettgewebe)*
  • Gynäkomastie bei Geschlechtshormonmangel oder -überschuss (jeweils angeboren oder erworben; Behandlung mit Sexualhormonen, Anwendung von Anabolika)*
  • Brustkrebs (siehe eigenen Beitrag "Brustkrebs", Kapitel "Besondere Situationen")
  • Gynäkomastie unter Einfluss von Medikamenten*, darunter ACE-Hemmer, Spironolakton, Digitalispräparate, bestimmte Kalziumkanalblocker (zum Beispiel mit dem Wirkstoff Diltiazem), Magenmittel wie Cimetidin oder Omeprazol, Medikamente gegen Prostataerkrankungen
  • Alkohol; hormonähnlich wirkende Substanzen in Pflegeprodukten mit Teebaum- oder Lavendelöl bei intensiver Anwendung (besonders empfindlich können Jungen vor der Pubertät* reagieren)

Schließlich können Schmerzen, die in der Brustgegend verspürt werden, bei beiden Geschlechtern auch Gründe haben, die nichts mit den Brustdrüsen zu tun haben.

Andere Brustschmerzen (Frauen, Männer):

  • Mondor-Thrombophlebitis*

In den folgenden Kapiteln finden Sie insbesondere zu den mit * gekennzeichneten Themen weitere Informationen.

Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

 

Erste Beratung beim Arzt

Kommt eine Frau wegen Schmerzen in einer oder beiden Brüsten zum Arzt, macht dieser sich zunächst ein Bild von den konkreten Beschwerden. Er befragt die Frau, was sie genau verspürt, wo sie die Schmerzen empfindet, ob sie weitere Auffälligkeiten an den Brüsten oder noch andere körperliche Veränderungen festgestellt hat. Sodann erkundigt er sich nach dem Monatszyklus, der hormonellen Situation und der persönlichen Krankengeschichte der Betroffenen.

Dabei geht es etwa um den Zeitpunkt der ersten, gegebenenfalls der letzten Periodenblutung, deren Rhythmus, Stärke und gegebenenfalls Schmerzhaftigkeit oder andere Probleme. Dann um die Frage, wie viele Schwangerschaften die Frau durchgemacht hat oder ob ein unerfüllter Kinderwunsch besteht. Über eingenommene Medikamente, insbesondere Hormonpräparate wie die Anti-Baby-Pille beziehungsweise andere hormonelle Verhütungsmaßnahmen oder eine Hormontherapie gegen Wechseljahresbeschwerden muss der Arzt gleichfalls informiert werden. In erster Linie gilt das natürlich dann, wenn der Arzt die Therapie nicht selbst verordnet hat.

Außerdem ist für ihn von Interesse, ob in der Familie Erkrankungen wie Brustkrebs und Eierstockkrebs aufgetreten sind. Brustkrebs kann sehr selten auch einen Mann betreffen.

Männer werden selbstverständlich ebenfalls nach ihren Beschwerden befragt, wobei der Arzt neben einer (schmerzhaften) Brustdrüsenschwellung auch über mögliche Störungen der Sexualität und Fruchtbarkeit informiert werden sollte.
Diese erste Gesprächsdiagnostik heißt zusammenfassend Anamnese.

Abtasten mit System: Die Untersuchung der Brust und weiterer Organe

Im Mittelpunkt stehen ganz klar zunächst die Brüste, ihre Form und Beschaffenheit. Dabei achtet der Arzt auch auf mögliche Seitenunterschiede. Dann untersucht er die Brüste mit seiner speziellen Tasttechnik. Dazu bittet er die Frau, verschiedene Körperhaltungen einzunehmen: Stehen, Sitzen, Arme in die Hüften gestemmt, über den Kopf gehoben. Außerdem wird er die Lymphabflusswege begutachten und abtasten: die Achselhöhlen sowie die Bereiche über und unter dem Schlüsselbein.

Dieser Ablauf gilt auch für Männer, die sich vom Arzt, zum Beispiel einem Urologen/Andrologen, wegen einer Brustschwellung (Gynäkomastie) untersuchen lassen können.

Falls eine Frau sich gerade in der zweiten Zyklushälfte befindet, ist es häufig sinnvoll, die Brust in der folgenden ersten Hälfte des neuen Zyklus – also während oder kurz nach der nächsten Menstruation – nachkontrollieren zu lassen. Denn das Brustgewebe ist wegen der hormonellen Veränderungen in der ersten Zyklushälfte beim Tasten besser zu beurteilen.

Außerdem überprüft der Frauenarzt/Urologe den Körperbau und Haarwuchs sowie das Hautbild der Patientin oder des Patienten. Die Schilddrüse lässt sich orientierend per Tastbefund beurteilen. Bei mutmaßlicher Unfruchtbarkeit untersucht der Arzt außerdem das Genital.

! Wichtig: Bei Männern mit Gynäkomastie, insbesondere wenn sie jünger sind (Alter von 20 bis 40 Jahren), ist die Untersuchung der Hoden auf jeden Fall unerlässlich, um eine Geschwulsterkrankung nicht zu übersehen.

Die Brust im medizinischen Bild

Manchmal ist zeitnah eine weitere Diagnostik ratsam. Infrage kommen im Hinblick auf die Brüste bildgebende Verfahren wie die Ultraschalluntersuchung (Mamma-Sonografie) und Röntgenuntersuchung (Mammografie) – in diesem Fall eine diagnostische Mammografie. Frauen, die jünger als 40 Jahre sind, haben in der Regel ein sehr dichtes Brustgewebe. Daher steht die Ultraschalluntersuchung bei ihnen an erster Stelle. Dies gilt auch in der Stillzeit und für schwangere Frauen, bei denen Ärzte mit einer Strahlenbelastung verbundene Untersuchungen möglichst vermeiden. Bei Verdacht auf eine Krebserkrankung der Brust wird der Arzt jedoch auch bei einer schwangeren Frau eine Mammografie veranlassen. Zum Mammografie-Screening siehe unten im Abschnitt "Krebsfrüherkrennungs-Check".

Hat ein Mann eine nicht physiologische Gynäkomastie, die auch nicht erkennbar auf ein Medikament zurückzuführen ist, bietet sich zunächst ebenfalls eine Ultraschalluntersuchung an. Bei Verdacht auf Brustkrebs – bei Männern zwar eine Seltenheit, aber ganz gefeit davor sind sie nicht – kann auch eine Mammografie wichtige Informationen liefern. Vor einer operativen Therapie der Brust ist in der Regel ein bildgebendes Verfahren angezeigt. Dazu gehört auch die Magnetresonanztomografie (MRT) der Brüste. Sie ergänzt die Mammografie und Brustsonografie bei bestimmten Fragestellungen (siehe unten: Krebsfrüherkennungs-Check). Selten wird die MRT auch beim Mann zum Einsatz kommen.

Bei Besonderheiten, zum Beispiel Absonderung von Flüssigkeit aus einer Brust außerhalb der Schwangerschaft oder Stillzeit und ohne feststellbare medikamentöse oder hormonelle Einwirkung (siehe weiter unten: Galaktorrhö), können Milchgänge mittels eines eingespritzten Kontrastmittels in Röntgenbildern dargestellt werden (Galaktografie). Der Kontrastmittelverlauf kann weitere Informationen geben. Die Galaktografie ist eine zusätzliche Form der Mammografie. Sie ist unangenehm bis schmerzhaft. Die Maßnahme ist jedoch nur möglich, wenn ein Milchgang aktuell Sekret absondert oder dieses sich herauspressen lässt. Denn nur so ist erkennbar, welcher Gang untersucht werden muss. Zuvor wird die Flüssigkeit selbst auf enthaltene Bestandteile untersucht, und es müssen eine Mammografie-, Sonografie- und MRT-Untersuchung durchgeführt worden sein, bei denen sich kein auf üblichem Wege biopsierbarer Befund (siehe nachfolgend) ergeben hat.

Außerdem kann ein Milchgang bei Verdacht auf eine krankhafte Veränderung noch mit einer speziellen, hochauflösenden Ultraschalltechnik oder mit einem Endoskop, einem dünnen optischen Gerät, dargestellt werden (Milchgangsspiegelung, Duktoskopie). Alles dies sind Spezialuntersuchungen.

Mehr Klarheit durch Gewebeproben aus der Brust

Eine feingewebliche Untersuchung (Biopsie) der Brust ist gelegentlich unumgänglich. Die Gewebeprobe kann zum Beispiel bei tastbaren Veränderungen durch eine ambulant durchführbare, minimalinvasive Stanzbiopsie gewonnen werden. Minimalinvasiv bedeutet hier, dass nur ein sehr kleiner Schnitt notwendig ist. Nur in Ausnahmefällen erfolgt heute die Abklärung über einen kurzen chirurgischen Eingriff als offene Biopsie (diagnostische Exzisionsbiopsie). Dieser Weg kann infrage kommen, wenn ein verdächtiger Sonografie- oder Mammografiebefund vorliegt, die Stanzbiopsie jedoch kein klares Ergebnis bringt. Oder wenn der minimalinvasive Eingriff aus medizinischen oder anderen Gründen nicht möglich und auch keine Milchgangsuntersuchung angezeigt ist (siehe weiter oben).

Eine Feinnadelaspiration wird heute überwiegend nur noch zur Absaugung von Flüssigkeit aus einer Zyste durchgeführt. Die Zyste selbst verschwindet dann meistens.

Mehr zur Diagnostik im Ratgeber "Brustkrebs", Kapitel "Früherkennung, Diagnose".

Was Laborwerte und bildgebende Verfahren verraten

Bei Verdacht auf eine hormonelle Störung bei Brustspannen, etwa wenn gleichzeitig milchartige Absonderungen aus der Brust auftreten (Galaktorrhö), wird der Arzt bestimmte Hormonanalysen durchführen lassen. Dabei werden in erster Linie die Hormone Prolaktin und TSH im Blut bestimmt. Beide stammen aus der Hirnanhangsdrüse. TSH regelt die Tätigkeit der Schilddrüse und ist ein empfindlicher "Sensor" für Funktionsstörungen des Organs.

Die Messung von Prolaktin dient zunächst der Feststellung eines erhöhten Blutspiegels dieses Hormons, also einer Hyperpolaktinämie, je nach Ergebnis und weiteren klinischen Befunden gefolgt von einer Magnetresonanztomografie des Gehirns, um eine mögliche Geschwulst der Hirnanhangsdrüse zu erkennen. Zusätzlich geben Schilddrüsenhormonwerte wie FT3 und FT4 im Blut über die Schilddrüsenfunktion weitere Auskunft. So lässt sich – zum Beispiel bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch – eine Schilddrüsenunterfunktion als mögliche Ursache erkennen; sie kann auch zu einem erhöhten Prolaktinwert führen. Bei Bedarf schließt sich hier noch ein Schilddrüsen-Check mit Ultraschall an.

Falls nötig, werden auch die Blutspiegel der Sexualhormone – Östradiol bei der Frau, Testosteron beim Mann – bestimmt, sodann die Spiegel der übergeordneten Hormone LH und FSH aus der Hirnanhangsdrüse. Eventuell folgen noch Kontrollen weiterer Hormone, gegebenenfalls auch der Nieren- und Leberwerte. Eine Überfunktion der Schilddrüse gehört bei Männern zu den hormonellen Auslösern einer Gynäkomastie. Auch bei dieser Frage erlauben die zuvor genannten Schilddrüsenwerte eine genauere Beurteilung.

Falls bei männlichen Patienten mit Gynäkomastie ein Tastbefund des Hodens den Verdacht auf einen Hodentumor nahelegt, sind entsprechende Ultraschalluntersuchungen und die Bestimmung von Tumormarkern die nächsten Schritte. Weitere bildgebende Verfahren können dazukommen.

Vermutet der Arzt bei einem Patienten eine erblich bedingte Störung der Keimdrüsen, ihrer Funktion oder des Hormonstoffwechsels – auch hier sind vergrößerte Brustdrüsen ein mögliches Symptom – können eine Chromosomen-Untersuchung und bestimmte molekulargenetische Tests Klarheit bringen.

Krebsfrüherkennungs-Check nutzen

Alle Frauen, gerade auch jene, die beschwerdefrei sind und nicht ohnehin schon in bestimmten Abständen von ihrem Frauenarzt wegen eines Befundes kontrolliert werden, sollten die gesetzlichen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen nutzen. Der Früherkennungs-Check auf Brustkrebs wird Frauen normalerweise ab 30 Jahren von den Krankenkassen einmal jährlich kostenlos angeboten. Für die 50- bis 69-Jährigen steht zusätzlich alle zwei Jahre die freiwillige Röntgen-Reihenuntersuchung der Brust zur Verfügung, das Mammografie-Screening. Zur Früherkennungsuntersuchung beim Frauenarzt gehört auch die Anleitung zur Selbstuntersuchung der Brüste.

Frauen mit erblich erhöhtem Brustkrebsrisiko wird frühzeitig eine intensivierte Früherkennung empfohlen. Sie umfasst ärztliche Tastuntersuchungen der Brüste, Mammografien, Ultraschall, Magnetresonanztomografien und frauenärztliche Untersuchungen der Unterleibsorgane in regelmäßigen, im Vergleich zur normalen Krebsvorsorge kürzeren Abständen (siehe wiederum im Ratgeber "Brustkrebs", Kapitel "Ursachen, Risikofaktoren").

Für Männer gibt es zwar kein offizielles Brustkrebs-Früherkennungsprogramm – dazu tritt die Erkrankung bei ihnen viel zu selten auf. Unter anderem steht ihnen ab 45 Jahren aber die Früherkennungsuntersuchung der Prostata einmal jährlich offen (wobei Urologen empfehlen, eher schon ab 40, bei familiärer Belastung mit Prostatakrebs schon ab 35 Jahren regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen durchführen zu lassen). Das ist auch eine Gelegenheit, etwaige Gesundheitsprobleme anzusprechen.

Und wenn die Ursache der Brustschmerzen woanders liegt?

Geht der Frauenarzt – oder bei männlichen Patienten der Urologe/Androloge – davon aus, dass Brustschmerzen bei einem Patienten nichts mit der Brustdrüse zu tun haben, wird er den Betroffenen je nach Krankheitsverdacht (und außrhalb eines Notfalls) an einen entsprechenden Facharzt überweisen, zum Beispiel bei mutmaßlicher Herz-Kreislauf-Krankheit an den Kardiologen, zur Untersuchung der Lungen an den Pneumologen, bei Problemen am Bewegungssystem an den Orthopäden.

Dann können sich weitere Untersuchungen ergeben – von der Ableitung einer Herzstromkurve (Elektrokardiogramm, EKG) bis zu Röntgenbildern der Lungen oder der Wirbelsäule und anderes mehr.

Spannungsgefühl und Schmerzen in den Brüsten – das kommt und geht häufig mit dem Monatszyklus. Am stärksten sind die Beschwerden meist kurz vor der Menstruation. Sie können sich jedoch schon Tage vorher anbahnen.

Das kennen nur Frauen: Zyklische Brustbeschwerden und PMS

Als Auslöser zyklusabhängig schmerzender Brüste und weiterer Störungen in der zweiten Zyklushälfte gelten die hormonellen Schwankungen und damit verbundene Wirkungen im Körper.

Bei etwa einem Viertel der Patientinnen steigern sich die Beschwerden zum sogenannten prämenstruellen Syndrom (PMS), bei dem Brustspannen schon Tage vor der Menstruation auftritt und neben anderen körperlichen und psychischen Beschwerden zu den Leitsymptomen gehört. Experten vermuten, dass die hormonellen Schwankungen auch ihren Widerhall bei verschiedenen Botenstoff-Systemen im Gehirn finden. Das kann sich vorübergehend auf Nervenfunktionen auswirken. Auch sind Bezüge zu depressiven Episoden in der Vorgeschichte oder die Neigung zu Depressionen in der Familie möglich.

Zudem kann eine gewisse Hyperprolaktinämie Einfluss nehmen – mit und ohne PMS. Das Hormon Prolaktin (siehe ganz unten) bereitet das Brustgewebe auf die Milchbildung vor. Bei Hyperprolaktinämie ist der Blutspiegel des Hormons erhöht. Möglich ist aber auch, dass das Brustdrüsengewebe manchmal empfindlicher auf normale Blutspiegel von Prolaktin reagiert.

Eine nachgewiesene Hyperprolaktinämie kann sich mitunter also mit Beschwerden wie Brustspannen äußern. Leitsymptome wie Zykusstörungen bis hin zum Ausbleiben der Regel (Amenorrhö), Unfruchtbarkeit, oft auch milchige Absonderungen aus der Brust weisen jedoch in Richtung eines eigenständigen Krankheitsbildes (siehe Kapitel "Schmerzende Brüste – Nicht vom Zyklus abhängige Ursachen").

Symptome bei PMS: Neben Schmerzen und Schwellungen der Brüste kommt es oft auch zu Wassereinlagerungen in anderen Körperbereichen. Das führt zu einem Gefühl des Aufgedunsenseins. Die Waage bestätigt die Gewichtszunahme. Häufig schwellen zum Beispiel die Lider, Hände, Füße und Beine an. Hinzukommen eventuell Kopf- und Gelenkschmerzen, Unterleibsschmerzen, Kreislaufstörungen, vermehrte Neigung zu Migräne, Schlafstörungen, psychische Beeinträchtigungen wie Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, labile oder depressive Verstimmung, verändertes Essverhalten. Die Beschwerden nehmen häufig ab Ende 30, mit Kurs auf die Wechseljahre, zu.

Diagnose: Der Frauenarzt stellt die Diagnose vor allem anhand des Beschwerdebildes, einer körperlichen Untersuchung und gegebenenfalls einer Hormonanalyse. Hilfreich kann darüber hinaus ein Tagebuch sein, ein "Regelkalender", in den die Betroffenen über eine bestimmte Zeit hinweg Angaben zum Verlauf des Monatszyklus und der Regelblutung, zu aufgetretenen Beschwerden und zu den Alltagsaktivitäten eintragen. Mehr dazu inklusive Regelkalender im Ratgeber "Prämenstruelles Syndrom (PMS)" (auf unserem Partnerportal www.baby-und-familie.de).

Therapie: Da die Ursachen im Einzelnen nicht genau bekannt sind, werden bei milden Formen natürliche Behandlungswege empfohlen. Dies beginnt mit einer Umstellung des Lebensstils. Wer dazu übergeht, mehrmals in der Woche mindestens 30 Minuten körperlich aktiv zu sein, wird sich meist bald schon wohler fühlen, auch psychisch. Das Problem besteht manchmal vor allem darin, den entsprechenden Antrieb zu finden. Sprechen Sie dann mit Ihrem Arzt darüber und sagen Sie ihm, wo es hakt. Möglicherweise kann eine medikamentöse Therapie (siehe unten) den Neustart erleichtern. Gezielte sportliche Aktivität ist jedenfalls immer günstig, von Schwimmen bis zu Walken oder Radfahren. Ab 35 gilt allerdings die Empfehlung, vor Beginn der sportlichen Betätigung einen Herz-Kreislauf-Check-up beim Arzt machen zu lassen.

Viele Frauen berichten auch über positive Wirkungen einer veränderten Ernährung. Sie reduzieren den Fett- und Zuckeranteil, tauschen tierische Fette vermehrt gegen bestimmte, hochwertige pflanzliche aus (zum Beispiel Olivenöl aus der ersten Kaltpressung ("natives Öl extra", Leinöl oder Nussöl), verzehren deutlich mehr frisches Gemüse und Obst, vermeiden nicht nur Alkohol, sondern auch Kaffee, Schokolade und tein- beziehungsweise koffeinhaltige Tees. Hintergrund ist, dass die zuletzt genannten Produkte Methylxanthine enthalten, welche Brustschwellungen möglicherweise ungünstig beeinflussen.

Psychologische Entspannungstechniken, Verbesserung der Schlafgewohnheiten, schließlich verschiedene pflanzliche Mittel wie Mönchspfeffer (Agnus castus) oder Johanniskraut (Hypericum) können ebenfalls oft dazu beitragen, das Befinden zu verbessern. Hier sollten Sie sich aber vor einer Anwendung von Ihrem Arzt und Apotheker beraten lassen.

Ein gut geführter Regel- oder PMS-Kalender (siehe oben) kann auch deshalb praktisch sein, weil er oft Hinweise gibt, welche Maßnahmen sich günstig auswirken.

Kurzfristig kann bei stärkerem Brustspannen ein Schmerzmittel der Art eines nicht steroidalen Antirheumatikums eingesetzt werden. Es empfiehlt sich wiederum, sich darüber mit dem Frauenarzt abzustimmen. Manchmal wird noch Vitamin B 6 empfohlen – unter der Annahme, dass ein gewisser Mangel an diesem Vitamin vorliegt. Experten konnten aber in einer eingehenden Recherche den Nutzen beim PMS nicht nachvollziehen.

Eventuell kommt für kurze Zeit ein entwässerndes Medikament, ein sogenanntes Diuretikum infrage. Solche Arzneien muss der Arzt verordnen. Die Medikamente können je nach Wirkstoff manchmal eventuell selbst Brustspannen verursachen oder andere Nebenwirkungen haben. Letzteres gilt auch für die zuvor genannten nicht steroidalen Antirheumatika. Daher ist beim Einsatz dieser Stoffe zur Behandlung eines PMS grundsätzlich Vorsicht geboten, während man bei anderen Erkrankungen – bei aller Vorsicht – oftmals nicht um sie herumkommt.

Manchmal kann bei PMS (beziehungsweise beim sogenannten PMDD, dem "premenstrual dysphoric disorder" mit noch stärkeren psychischen Beeinträchtigungen, die häufig nicht auf die Umstellung des Lebensstils, wie oben beschrieben, ansprechen) eine Psychotherapie und / oder nach sorgfältiger Prüfung ein Medikament gegen Depressionen helfen. Der betreuende Frauenarzt kann die Betroffene zur genauen Diagnostik und Behandlung an einen entsprechenden Facharzt überweisen, wenn sie das befürwortet.

Falls aber die körperlichen Symptome, allen voran das Brustspannen, eindeutig im Vordergrund stehen, kann eventuell ein geeignetes hormonelles Verhütungsmittel das Beschwerdebild lindern. Dies bietet sich an, wenn die Frau gleichzeitig verhüten möchte. Hier ist wiederum der Frauenarzt gehalten, für die Patientin das richtige Präparat auszuwählen, denn Brustspannen kann unter einer Hormonbehandlung auch zunehmen, vor allem zu Beginn der Einnahme.

Neuere Anwendungsformen, zum Beispiel bei bestimmten Arten der Anti-Baby-Pille das Langzyklus-Schema, können sich hier bewähren. Manchmal empfiehlt der Frauenarzt auch eine kurzfristige örtliche Behandlung, zum Beispiel mit Progesteron-Gel in der zweiten Zyklushälfte.

Gestörte Balance der weiblichen Sexualhormone: Zykus- und Brustbeschwerden

Ungleichgewichte zwischen Östrogenen und Gestagenen können neben Brustschmerzen auch Symptome wie Zyklus- und Blutungsstörungen verursachen. Zugrunde liegen können zum Beispiel eine Gelbkörperschwäche oder eine sogenannte Follikelpersistenz.

Gelbkörperschwäche: Der Gelbkörper geht nach dem Eisprung aus dem Eibläschen (Follikel) im Eierstock hervor. Er bildet neben Östrogenen das Gelbkörperhormon Progesteron als körpereigenes Gestagen. Bei Gelbkörperschwäche (Lutealinsuffizienz) kann dann die zweite Zyklusphase verkürzt sein. Es kommt zu einem relativen Mangel an Gelbkörperhormon und zu einem relativen Östrogenüberschuss.

Die Veränderungen treten häufiger in der sogenannten Perimenopause auf, in etwa den zehn letzten Jahren vor den Wechseljahren (siehe auch im Beitrag "Blutungen außerhalb der Regel"), sind aber insgesamt eher selten. Hier kann das  bereits erwähnte Hormon Prolaktin aus der Hirnanhangdrüse (mehr dazu wiederum im Kapitel "Schmerzende Brüste – Nicht vom Zyklus abhängige Ursachen") ebenfalls eine Rolle spielen.

Symptome: Bei Gelbkörperschwäche kommt es häufig zum prämenstruellen Syndrom mit entsprechend starken Beschwerden vor der Monatsblutung, die sich auch als Schmierblutung zeigen kann. Gleichzeitig können Zyklusstörungen mit verkürzten Perioden von unter 25 Tagen (Polymenorrhö) vorliegen. Falls im Zuge einer verzögerten Eibläschen- beziehungsweise Follikelreifung die erste Zyklusphase verlängert ist, kann die Gesamtdauer des Zyklus normal sein. Jedoch sind aufgrund des Östrogenüberschusses unter anderem Brustbeschwerden möglich. Gelbkörperschwäche kann auch Ursache ungewollter Kinderlosigkeit sein.

Diagnose: Ausschlaggebend ist für den Frauenarzt zunächst das Beschwerdebild, insbesondere die Frage, ob die Betroffenen auch an Zyklusstörungen oder ungewollter Kinderlosigkeit leiden. Ein klassisches Diagnoseinstrument ist die Basaltemperaturkurve. Sie kann erkennen helfen, wie lange die Zyklusphasen dauern und ob Eisprünge aufgetreten sind. Die Frauen registrieren ihre Körpertemperatur morgens vor dem Aufstehen. Die Werte können in entsprechende Kurvenblätter eingetragen werden. Die Kurve wird gebildet, indem man die einzelnen Messwerte miteinander verbindet. Ein bis zwei Tage nach dem Eisprung steigt die Körpertemperatur um etwa 0,4 Grad Celsius an, ein Effekt des Progesterons. Sie bleibt bis kurz vor der nächsten Regelblutung erhöht. Es gibt auch spezielle digitale "Frauenthermometer", die die Messwerte und andere eingegebene Daten über mehrere Zyklen speichern. Die Daten können auf einen PC übertragen werden.

Bei Bedarf lässt der Frauenarzt Progesteron im Blut nach dem Eisprung, eventuell auch weitere Hormone wie beispielsweise Prolaktin messen. Er wird außerdem die Höhe der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) mittels Ultraschall bestimmen. Bei unerfülltem Kinderwunsch können gezielte Untersuchungen durchgeführt werden, um anschließend eventuell eine Fruchtbarkeitsbehandlung einzuleiten. Auf Fruchtbarkeitsstörungen bei der Frau spezialisierte Gynäkologen nennen sich Fertilitätsmediziner oder Fachärzte für gynäkologische Endokrinologie.

Therapie: Zur Unterstützung der Gelbkörperphase kann der Arzt Gelbkörperhormon, ein Progesteronpräparat, verordnen.

Fortbestehender Eifollikel (Follikelpersistenz): Wenn der Eisprung ausbleibt, kann das Eibläschen, der Follikel, fortbestehen und wochenlang Östrogene bilden. Der Gelbkörper kann sich dann nicht entwickeln. Die eigentliche Regelblutung bleibt aus. Die Gebärmutterschleimhaut wächst heran, wird aber nicht umgebaut, wie es unter normalem Progesteroneinfluss der Fall wäre. Schließlich kommt es zur Dauerblutung. Diese sogenannte "dysfunktionelle Blutung" ist aber gegenüber dem dabei auch möglichen Brustspannen das vorrangige Symptom, sodass diese Zyklusstörung hier nicht weiter vertieft wird.

Hyperprolaktinämie: Zielt auch auf die Brustdrüsen

Ein für die Brustdrüse ebenfalls relevantes Hormon ist das zuvor schon mehrfach genannte Prolaktin. Es wird von der Hirnanhangsdrüse ausgeschüttet – für die Fruchtbarkeit bei Frau und Mann genügen Spuren davon.

Frauen haben in der fruchtbaren Lebensphase etwas höhere Prolaktinwerte als Männer. Ein Zuviel des Hormons heißt Hyperprolaktinämie. Das Prolaktin-System kann über Mechanismen der Hirnanhangsdrüse auch die Keimdrüsen, also Eierstöcke und Hoden, in ihren Funktionen stören.

Als eine der möglichen Ursachen von zyklisch auftretendem Brustspannen kommt, wie zuvor schon erläutert, mitunter eine gewisse Hyperprolaktinämie infrage. Denkbar ist aber auch eine erhöhte Empfindlichkeit des Brustdrüsengewebes auf einen normalen Prolaktinspiegel. Wenn eine Frau "nur" unter Mastodynie leidet, ist es in der Regel nicht nötig, Prolaktin zu messen.

Eine vorübergehende (physiologische) Hyperprolaktinämie kann zahlreiche Ursachen haben, darunter körperlicher oder psychischer Stress, Manipulationen an der Brustwarze, Orgasmus. Nicht normale Erhöhungen können bei Schilddrüsenunterfunktion, bestimmten Medikamenten (darunter einige Psychopharmaka, Opiate, Kalziumantagonisten) oder einem Tumor der Hirnanhangsdrüse, zum Beispiel dem Prolaktinom, auftreten. Das sind jedoch jeweils Probleme, die zyklusunabhängig entstehen. Das schon genannte Kapitel "Schmerzende Brüste – nicht vom Zyklus abhängige Ursachen" in diesem Beitrag geht kurz darauf ein.

Gewebeumbau in der Brust auf Zeit: Fibrozystische Mastopathie

Hier vermehrt sich zum einen das Bindegewebe in der Brust (Fibrose). Zum anderen bilden sich Zysten. Das sind flüssigkeitshaltige Bläschen im Gewebe, die erweiterten Endstücken der Milchgänge entsprechen. Die Zysten können manchmal als Knoten tastbar sein.

Der Gewebeumbau betrifft in der Regel beide Brüste. In der zweiten Zyklushälfte, also in der Zeit zwischen dem Eisprung und der Monatsblutung, sind die Veränderungen ausgeprägter und können dann auch mehr Beschwerden bereiten. Dabei spielen wiederum Schwankungen der Sexualhormone mit einem gewissem Östrogenüberhang in der zweiten Zyklushälfte eine Rolle. Nach den Wechseljahren bilden sich leichte Veränderungen überwiegend, ausgeprägte zumindest teilweise zurück. Nur selten schreitet der Umbau fort.

Nimmt eine Frau Hormone gegen Wechseljahresbeschwerden ein, so kann dies bestehende Veränderungen in den Brüsten unterschiedlich beeinflussen. Der Frauenarzt wird dies von Zeit zu Zeit kontrollieren, insbesondere unter der Hormoneinnahme.

Ärzte unterscheiden feingeweblich ("nach Prechtel") drei Schweregrade der fibrozystischen Mastopathie:

  • Mastopathie Grad I entspricht der einfachen fibrozystischen Form. Das Bindegewebe ist nur leicht vermehrt, und es finden sich wenige Zysten.
  • Liegen deutlichere Zellvermehrungen vor, so liegt meist ein Grad II vor: Hier hat sich im Bereich der Milchgänge das normale Gewebe vermehrt. Dadurch kann ein wechselndes Bild aus kleinen Knötchen, Narbenzügen und verengten Milchgängen entstehen.
  • Beim Grad III ist die Tendenz zur Vermehrung von Drüsenzellen im Bereich der Milchgänge noch ausgeprägter (Hyperplasie). Damit kann auch ein Wandel im Zellbild einhergehen: Es entstehen auch Zellen mit sogenannten atypischen Hyperplasien, das heißt, sie haben ihren Charakter etwas verändert und weichen vom normalen Zelltyp mehr oder weniger ab. Rein statistisch kann das Brustkrebsrisiko bei einer Form namens atypische duktale Hyperplasie (ADH) etwa vier- bis fünffach nach zehn Jahren erhöht sein (AGO 2013, s. auch Quellen im Kapitel "Fachliteratur"). Allerdings hängt die Gesundheit bei jeder Frau von individuellen Faktoren ab. Ob aufgrund eines speziellen Befundes wirklich ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs vorliegt, kann am besten der Frauenarzt oder ein Spezialist in einem zertifizierten Brustzentrum beurteilen (siehe auch Hinweis unten).

Allerdings erkranken Frauen in der Altersgruppe, in der die Mastopathie meistens aufritt, eher seltener an Brustkrebs, was diese Berechnungen relativiert. Trotzdem wird der Frauenarzt solche Befunde genauer unter Beobachtung stellen wollen, gegebenenfalls auch intensiver behandeln (siehe unten). Das hängt natürlich auch vom Ausmaß der Veränderungen und den Beschwerden ab.

Symptome: Spannungsgefühl und Brustschmerzen im Rahmen der fibrozystischen Mastopathie sind vor der Periode am stärksten ausgeprägt. Zysten lassen sich häufig als prall-elastische Knoten wechselnder Größe, abhängig vom Zyklus, tasten. Selten kann es zum Austritt von unblutiger Flüssigkeit aus den Brustwarzen (meistens auf beiden Seiten) kommen.

Diagnose: Bei fibrozystischen Veränderungen ist der Tastbefund oftmals schwer zu beurteilen. Daher wird der Arzt bei Auffälligkeiten, etwa einem tastbaren Knoten oder einem verhärteten Bereich in der Brust, eine bildgebende Darstellung wie die Ultraschalluntersuchung (Mamma-Sonografie) veranlassen. Dies gilt vor allem für Frauen unter 30 Jahren, da sie ein dichtes Brustgewebe haben. In Ultraschallbildern sind insbesondere Zysten optimal darstellbar. Nur bei Bedarf wird noch eine diagnostische Mammografie angeschlossen, im Zweifelsfall auch eine Biopsie.

Therapie: Keine Behandlung, aber Kontrolle – in vielen Fällen ist das der geeignete Weg. Zu den natürlichen Maßnahmen siehe oben, PMS. Die Einnahme einer Anti-Baby-Pille unterdrückt den hormonellen Zyklus (je nach Präparat oder Anwendungsform sogar die Blutungen), damit auch die Tendenz zu fibrozystischen Veränderungen. Ob dies der geeignete Behandlungsweg ist, wird der Frauenarzt individuell entscheiden. Dabei wird er sowohl die Anliegen der Patientin, zum Beispiel den Wunsch nach Empfängnisverhütung, das Alter als auch mögliche medizinische Risiken und natürlich den Schweregrad der Mastopathie und der damit verbundenen Beschwerden berücksichtigen.

Liegen größere Zysten vor, so kann der Arzt die Flüssigkeit mit einer feinen Nadel absaugen und untersuchen lassen. Die Zysten und damit verbundene Beschwerden verschwinden dann. Eine solche Punktion lässt sich eventuell auch wiederholen. Liegen viele Zysten vor, so beruht dies auf einer chronischen Form der Mastopathie, die die betroffenen Frauen voraussichtlich bis zu den Wechseljahren begleiten wird.

Eine Operation ausgeprägter, aber sonst nicht weiter auffälliger fibrozystischer Veränderungen ist in der Regel nicht angezeigt. Dabei müsste praktisch der Drüsenkörper insgesamt entfernt werden, da sich der Umbau meistens über größere Teile der Brust erstreckt. Ergibt eine feingewebliche Untersuchung jedoch eine Veränderung wie die oben genannte ADH, so kann der Arzt vorschlagen, das Gewebe in einem kleinen Eingriff vorsorglich herauszunehmen. Ärzte empfehlen betroffenen Frauen heute, sich bei einem solchen Problem in einem zertifizierten Brustzentrum beraten und behandeln zu lassen. Der betreuende Gynäkologe informiert Sie genauer. Weiterführende Infos finden Sie auch bei der Deutschen Krebshilfe (siehe Link unten).

In diesem Kapitel geht es um Schmerzen als Folge von Erkrankungen der Brustdrüsen selbst und von Hormonbehandlungen.

Meist gutartig, eventuell Brustschmerz: Milchgangserweiterung

Erweiterte Milchgänge (Duktektasien) sind in der Regel zwar krankhafte, aber gutartige Veränderungen der Brust. Sie können mit einer zyklusunabhängigen Mastodynie, also Brustspannen ohne Bezug zum Monatszyklus, verbunden sein. Bei vielen Betroffenen macht ein erweiterter Milchgang keine Probleme. Eine Duktektasie kann jedoch auch auf vermehrter Sekretabsonderung und einer Entzündung des Brustgewebes zusammenhängen. In der Nähe der Brustwarze kann zum Beispiel eingedicktes Sekret den Milchsinus (zum Milchsinus siehe Kapitel "Aufbau der Brustdrüse") verstopfen. Durch den entstehenden Rückstau erweitert sich der Gang (Duktektasie). Die damit verbundene Entzündung kann sehr unterschiedlich verlaufen (mehr dazu unter "Mastitis" weiter unten).

Am häufigsten tritt eine Milchgangserweiterung bei Frauen über 40 Jahren auf. Risikofaktoren sind vor allem Rauchen, Hohlwarzen und gutartige Brusterkrankungen wie die fibrozystische Mastopathie, bei der sich im Brustdrüsengewebe bläschenförmige Hohlräume (Zysten) bilden (siehe Kapitel "Schmerzende Brüste: Zyklusabhängige Ursachen"). Außerdem nimmt das Bindegewebe zu. Einzelne Bläschen können sich zum Beispiel entzünden, wenn Bakterien hineingelangen.

Manchmal liegt auch ein erhöhter Spiegel des Hormons Prolaktin aus der Hirnanhangdrüse oder eine erhöhte Empfindlichkeit des Brustgewebes auf dieses Hormon vor (siehe auch "Hyperprolaktinämie", ganz unten). Die Hyperprolaktinämie kann beispielsweise durch Stress oder bestimmte Medikamente, darunter östrogenbetonte Anti-Baby-Pillen, bedingt sein. In der Folge werden die Drüsenläppchen angeregt, mehr Sekret zu bilden. Milchgänge können sich erweitern, ihre Wände sich verdicken. Es kann zu Brustspannen kommen. Wenn Sekret nicht fließen kann, entwickelt sich auch leichter eine Entzündung.

Symptome: Bei entzündlicher Milchgangserweiterung unterhalb der Brustwarze ist dieser Bereich schmerzhaft und gerötet, eventuell auch verhärtet. Die Brustwarze kann nach innen eingezogen sein, was manchmal auch als Teilursache angesehen wird. Aus der Brustwarze kann sich grün oder dunkel verfärbtes, dickflüssiges oder klebriges Sekret entleeren. Narbenzüge um den erweiterten Milchgang herum können auch einen verhärteten Bezirk im Sinne eines tastbaren Knotens entstehen lassen. Manchmal bereiten erweiterte Milchgänge aber auch gar keine Beschwerden und werden dann nur bei einer Routineuntersuchung der Brust entdeckt, etwa im Ultraschallbild (siehe nachfolgend).

Diagnose: Bei Absonderungen aus der Brustwarze sowie sicht- und tastbaren Veränderungen der Brust geht es immer auch darum, den Befund mit den verfügbaren Mitteln von einer bösartigen Veränderung, etwa Brustkrebs, abzugrenzen. Der Arzt untersucht daher die Absonderungen nicht nur auf Bakterien, sondern auch auf enthaltene Zellen. Eventuell muss zu diesem Zweck der Milchgang auch mit einer speziellen Mammografie-Technik, die die normalen Mammografieaufnahmen ergänzt, nämlich mit Kontrastmittel, geröntgt werden (siehe Kapitel "Schmerzende Brüste und Gynäkomastie: Diagnose"). Hinzukommt eine Ultraschalluntersuchung der Brust (Mamma-Sonografie), gegebenenfalls auch eine Gewebeentnahme (Biopsie).

Therapie: Häufig bilden sich die Beschwerden von selbst zurück. Bei einer Entzündung können je nach Ausprägung kühlende oder wärmende Kompressen helfen sowie Antibiotika, falls es sich um eine bakterielle Entzündung handelt. Bei Komplikationen wie einer eitrigen Einschmelzung (Abszess), fortbestehenden Schmerzen oder Vernarbungen um den Milchgang herum wird der Arzt je nach Befund eventuell vorschlagen, den entsprechenden Bereich in einem kleinen Eingriff zu entfernen (siehe auch unten, Brustentzündung).

Brustspannen bei Einnahme von Sexualhormonen

Es gibt verschiedene Arten von Hormonbehandlungen – sowohl für Frauen als auch für Männer. Weibliche Sexualhormone heißen Östrogene (Hauptvertreter: Östradiol) und Gestagene (Hauptvertreter: Progesteron). Das männliche Gegenstück sind die Androgene (Hauptvertreter: Testosteron). Aus Testosteron entsteht im Körper unter anderem Östradiol.

Bei Frauen sind Hormonbehandlungen allgemein bekannter als bei Männern (siehe Kapitel "Schmerzende Brüste bei Männern"). Klassische Beispiele sind die hormonelle Empfängnisverhütung, allen voran die Pille, und die Behandlung gegen Wechseljahresbeschwerden. "Verhütungs-" und "Wechseljahrespillen" sind jedoch untereinander nicht austauschbar. Es gibt wichtige Unterschiede bei der Art und Zusammensetzung der Hormone, ihrer biologischen Wirkung und damit natürlich auch dem angestrebten Ziel.

Beispiel Pille

Ob eine Anti-Baby-Pille – oder eine andere hormonelle Methode zur Empfängnisverhütung – eventuell Brustspannen verursacht oder verstärkt, hängt demnach maßgeblich von der Zusammensetzung und Dosis der enthaltenen Hormone ab. Manche Präparate können aber einer vermehrten Wassereinlagerung, die ja Teil des Problems ist, entgegenwirken. Daher kann ausgeprägtes Brustspannen auch eine Behandlungsindikation für eine "Pille" sein, insbesondere wenn die betroffene Frau ohnehin verhüten möchte.

Bei der Risikoabwägung des Arztes vor der Verordnung spielen vor allem die Neigung zu Venenthrombosen (Venenverschlüssen) und Lungenembolien (Gefäßverschlüsse in der Lunge durch Blutgerinnsel) eine Rolle. Dies insbesondere dann, wenn eine Patientin eine angeborene Gerinnungsstörung hat oder stark raucht und älter als 35 ist. Bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankungen, etwa Bluthochdruck und Lebererkrankungen, sind ebenfalls relevante Risikofaktoren. Weitere Informationen dazu im Spezial "Verhütung".

Mehr noch: Bekanntlich erhöht die Anti-Baby-Pille unter anderem das Risiko für Brustkrebs und für Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) wohl geringfügig. Dagegen senkt sie das Risiko für Eierstockkrebs und Gebärmutterkörperkrebs (Endometriumkarzinom) leicht. Im Übrigen gibt es neben der "Pille" noch andere Verhütungswege, auf die eine Frau bei Unverträglichkeiten ausweichen kann.

! Wichtig: Ab 20 Jahren können Frauen die jährliche kostenlose Krebsfrüherkennung (zunächst von Gebärmutterhalskrebs, normalerweise ab 30 Jahren dann auch von Brustkrebs) beim Frauenarzt in Anspruch nehmen.

Hormone in den Wechseljahren

Auch unter "Wechseljahres-Pillen" kommt es nicht selten zu Brustspannen. Hormontherapien gegen Wechseljahresbeschwerden können zum Beispiel gegen Probleme wie ausgeprägte Hitzewallungen und starke Beschwerden durch Rückbildung der Scheidenschleimhaut (Vaginalatrophie) wirken. Zur Vermeidung der Vaginalatrophie kann auch örtlich (vaginal) niedrig dosiertes Östrogen eingesetzt werden.

Bei Frauen, die noch eine Gebärmutter haben, ist als Wechseljahres-Pille eine Kombination aus Östrogen und Gestagen erforderlich. Sie dient dazu, ein verstärktes Wachstum der Gebärmutterschleimhaut mit der Gefahr des Übergangs in Gebärmutterkrebs, wie es bei alleiniger Östrogengabe passieren kann, zu vermeiden.

Risiken oder Gegenanzeigen wird der Arzt bei der Therapie mit weiblichen Sexualhormonen eingehend überprüfen und Nutzen gegen Gefahren abwägen. Nach neueren Auswertungen großer Studien scheint der Nutzen einer sinnvoll eingesetzten Hormontherapie in den Wechseljahren mögliche Risikern zu überwiegen.

Frauen, die unter einer Hormontherapie, insbesondere bei Einnahme eines Kombinationspräparates gegen Wechseljahresbeschwerden erstmals oder deutlich vermehrt Brustschmerzen bekommen, sollten sich eingehend von ihrem Frauenarzt untersuchen und beraten lassen, inwieweit er es in Abwägung der Beschwerden für sinnvoll hält, die Behandlung fortzusetzen.

Schmerzhafte Brustentzündung (Mastitis)

Bei einer Brustentzündung (Mastitis) entzündet sich das Drüsengewebe der Brust. Betroffen sind in erster Linie Frauen.

Sie erkranken entweder nach der Entbindung, am häufigsten zu Beginn des Stillens (sogenannte puerperale Mastitis), seltener unabhängig davon (nicht puerperale Mastitis).

Bei beiden, hinsichtlich ihrer Begleitumstände völlig unterschiedlichen Entzündungsformen spielen unter anderem gestaute Flüssigkeit – Muttermilch oder Drüsensekret – sowie Bakterien eine Rolle. Bei der nicht-puerperalen Mastitis kommen noch weitere Ursachen infrage.

Insbesondere beim Stillen können Bakterien über Einrisse in der Brustwarze eindringen. Ein Milchstau begünstigt die Keimvermehrung und Entzündung. Brustentzündungen während des Stillens können mitunter heftiger verlaufen als Entzündungen außerhalb der Stillzeit. In beiden Fällen – mit und ohne Stillen – drohen bei fortschreitender Entzündung eitrige Einschmelzungen (Abszesse), die unbehandelt auch nach außen durchbrechen können.

Den Stau von Flüssigkeit begünstigen im Falle der nicht puerperalen Mastitis vorbestehende Milchgangserweiterungen (Duktektasien, siehe oben) oder Zystenbildungen (fibrozystische Mastopathie, siehe wiederum im Kapitel "Schmerzende Brüste: Zyklusabhängige Ursachen"). In der Folge kann es unter Mithilfe von Bakterien dann zu einer Entzündung kommen. Diese kann außerdem durch eine chronische Fremdkörperreaktion des Brustgewebes auf das Drüsensekret, das aus dem erweiterten Milchgang in die Umgebung sickert, entstehen (periduktale Mastitis).

Symptome: Puerperale Mastitis: Der entzündete Bereich schwillt an, ist gerötet, überwärmt, eventuell knotig verhärtet und druckschmerzhaft. Die Betroffenen fühlen sich meist krank, haben Fieber, nicht selten auch Muskel- und Gelenkschmerzen. Lymphkoten in der Achselhöhle können anschwellen. Das Stillen ist schmerzhaft (siehe auch Kapitel "Schmerzende Brüste (Mastodynie): Überblick").

Nicht puerperale Mastitis: Der entzündete Bereich, oft in der Nähe der Brustwarze, ist schmerzhaft geschwollen und verhärtet, die Haut darüber gerötet. Fieber und Lymphknotenschwellungen treten seltener auf. Im einzelnen richten sich die Symptome hier nach der zugrundeliegenden Ursache.

Therapie: Puerperale Mastitis: Im Prinzip kann die Frau weiter stillen. Dies ist wichtig, um die Brust möglichst zu entleeren. Bei nur mäßig ausgeprägten Beschwerden können kühlende Umschläge wie zum Beispiel Quarkwickel und vorsichtige Massagen helfen. Die Hebamme oder Stillberaterin kann genauer sagen, in welcher Reihenfolge die Maßnahmen am besten anzuwenden sind. Sollten sich die Beschwerden nach einem Tag nicht gebessert haben oder besteht deutliches Krankheitsgefühl und Fieber, sollte die Frau zum Arzt gehen. Er wird nach genauer Befundkontrolle bestimmte Medikamente, zum Beispiel ein entzündungshemmendes Mittel, vermutlich auch Antibiotika verschreiben und weitere Ratschläge geben.
Nicht puerperale Mastitis: Die Behandlung kann hier zum Beispiel in der Gabe von Antibiotika nach Art des Erregers oder einem chirurgischen Eingriff bestehen. Zusätzlich können schmerzlindernde Maßnahmen angezeigt sein.

Wenn die Brustwarze wehtut

Infolge ungenügender Hygiene oder nach Verletzungen können sich schmerzhafte Einrisse, Schrunden und Krusten im Bereich des Warzenhofes und / oder der hoch empfindlichen Brustwarze bilden (Thelitis). Möglicherweise steckt aber auch eine spezielle Brust- oder Hauterkrankung dahinter. Manchmal bildet sich ein Talgdrüsenabszess mit schmerzhafter Schwellung und Rötung am Rande der Brustwarze. Einige Grunderkrankungen wie Diabetes können Entzündungen begünstigen.

Diagnose: Die Schilderung der Patientin, wie sich die Veränderungen an der Brustwarze und die damit verbundenen Beschwerden entwickelt haben (Krankengeschichte, Anamnese), steht wie immer am Anfang der Diagnostik. Es folgt die sorgfältige Tastuntersuchung der Brust durch den Arzt, der oft schon eine Blickdiagnose stellen kann. Mitunter ist die Entnahme eines Abstriches zur mikrobiologischen oder einer Gewebeprobe zur feingeweblichen Untersuchung nötig.

Manchmal steckt ein erweiterter Milchgang (Duktektasie, siehe oben) unterhalb der Brustwarze oder eine Mastopathie mit Zystenbildung dahinter, eventuell mit einem Knoten oder knotigen Bereich in der Nähe der Brustwarze. Der Frauenarzt wird die Brust bei Bedarf mit den üblichen diagnostischen Verfahren, insbesondere einer Sonografie und Mammografie, kontrollieren – nicht zuletzt, um einen Abszess oder einen Tumor, der mit Hautveränderungen einhergeht, auszuschließen (siehe Kapitel "Schmerzende Brüste: Diagnose" in diesem Beitrag, ferner Ratgeber "Brustkrebs" und "Knoten in der Brust"). Eventuell überweist er die Patientin aber auch zur Diagnostik und Therapie an einen Hautarzt.

Therapie: Sie richtet sich jeweils nach der Ursache. Bei unkomplizierter Hautschädigung empfiehlt sich eine örtliche Salbenbehandlung und gute Hautpflege. Eine weitere Behandlung ist meistens nicht erforderlich oder folgt den Empfehlungen des Hautarztes. Einen Talgdrüsenabszess wird der Arzt meist eröffnen und drainieren (trockenlegen). Tendiert die Talgdrüse zu wiederholten Entzündungen, kann sie in einem kleinen Eingriff entfernt werden.

Hyperprolaktinämie und Prolaktinom: Krankhafter Brustmilchfluss

Brustspannen oder -schmerzhaftigkeit sind bei nachweislicher Hyperprolaktinämie nicht wirklich Leitsymptome, vielmehr stehen andere Beschwerden im Vordergrund wie Ausbleiben der Monatsblutung und Brustmilchfluss. Das Krankheitsbild wird dennoch kurz erläutert, weil die Mastodynie oft damit in Verbindung gebracht wird. Eine der häufigsten krankhaften Ursachen ist ein sogenanntes Prolaktinom, eine meist gutartige Geschwulst (Adenom) der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Ungefähr ein Drittel sind Prolaktinome. Frauen erkranken etwa fünfmal häufiger als Männer, meist im Alter unter 40 Jahren.

Weitere Ursachen der Hyperprolaktinämie: ein gestörter Stoffwechsel infolge chronischer Leberschädigung, verringerte Ausscheidung bei Nierenschwäche, Verletzungen der Brustwand, einige Medikamente.

Symptome: Bei Frauen, die einen erhöhten Prolaktinspiegel haben, kommt es häufig zu milchigen Absonderungen aus der Brust (Brustmilchfluss, Galaktorrhö), ohne dass die Betroffenen schwanger sind oder stillen. Eine maßgebliche Erhöhung des Prolaktinspiegels, also eine manifeste Hyperprolaktinämie, führt in achtzig Prozent der Fälle zu Galaktorrhö. Vor allem ist sie mit Zyklusstörungen bis hin zum Ausbleiben der Regel (Amenorrhö) und Unfruchtbarkeit, bei einem Prolaktinom eventuell mit weiteren körperlichen Symptomen, zum Beispiel Sehstörungen oder Kopfschmerzen, verbunden. Bei Männern führt eine Hyperprolaktinämie unter Umständen zu Sexualhormonmangel, Unfruchtbarkeit und weiteren Veränderungen (Hypogonadismus, siehe Kapitel "Bei Männern"). Seltener treten bei ihnen Absonderungen aus den eventuell vergrößerten Brüsten auf. 

Diagnose: Bei Verdacht auf eine maßgebliche (krankhafte) Hyperprolaktinämie wird der Blutspiegel von Prolaktin bestimmt. Deutlich erhöhte Werte weisen bei fehlendem Nachweis anderer Ursachen auf eine prolaktinbildende Geschwulst der Hirnanhangsdrüse (Prolaktinom) oder eine sich ähnlich auswirkende, andere Gehirngeschwulst hin.

Genauere Informationen liefert ein bildgebendes Verfahren des Gehirns, zum Beispiel eine Magnetresonanztomografie (MRT) der Hirnanhangdrüse. Bei Sehstörungen, einem möglichen Symptom bei Prolaktinom, ist immer auch der Augenarzt gefragt. Weitere Informationen unter "Diagnose" in diesem Beitrag.

Außerdem muss bei jeder krankhaften Sekretion aus der Brustwarze – mit und ohne Schmerzen – auch die Brust selbst abgeklärt werden –, insbesondere wenn das Symptom nur auf einer Seite bemerkt wird und sich hinsichtlich Prolaktin keine krankhaften Veränderungen ergeben.

Denn auch gutartige Brusterkrankungen können mit Schmerzen, Geschwulstbildung und Absonderungen aus der Brustwarze einhergehen. Die Diagnose stützt sich daher auch auf eine Analyse der Flüssigkeit, eine Ultraschalluntersuchung (Mamma-Sonografie) sowie eine Röntgenuntersuchung (Mammografie) der Brust. Eventuell kommen spezielle Untersuchungen des Milchgangs hinzu, und es schließt sich die Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) zur feingeweblichen Untersuchung an.

Therapie: Die Behandlung richtet sich nach den Ursachen, der Ausprägung und den Begleitumständen der Hyperprolaktinämie. Bei einem Tumor der Hirnanhangsdrüse kommen verschiedene Behandlungswege in Betracht. Ziel ist, die Therapie möglichst gut mit dem individuellen Befund, dem Risikoprofil und den Bedürfnissen der Betroffenen in Einklang zu bringen.

Häufig werden Prolaktinhemmer eingesetzt. Die Dosis dieser Medikamente wird der behandelnde Arzt, in der Regel ein auf diesem Gebiet erfahrener Facharzt für gynäkologische Endokrinologie, behutsam steuern. Die Prolaktinhemmer (Bromocriptin, Cabergolin und andere) wirken dopaminähnlich. Daher heißen sie auch Dopaminagonisten. Den Prolaktinspiegel erhöhende Tumoren der Hirnanhangdrüse können sie verkleinern. Die Behandlung, die meistens lange Zeit fortgeführt werden muss, hilft oft eine Operation zu vermeiden.

Andererseits kann der Tumor mit der Zeit größer werden. Dann kann er zu Komplikationen führen, zum Beispiel zu Sehstörungen in Form von Gesichtsfeldausfällen, die Operation kann aufwendiger werden. Daher ist ein früherer Eingriff manchmal vorteilhaft. Dabei bietet sich womöglich auch eine mikrochirurgische Operationstechnik an, bei der sich der Neurochirurg einen Zugang über die Nebenhöhlen verschafft.

Plant eine Patientin mit Prolaktinom eine Schwangerschaft, sollte die Geschwulst eventuell vorher entfernt werden, da der Tumor während der Schwangerschaft wachsen kann. Dies muss aber nicht immer so sein und bleibt in Abstimmung mit den behandelnden Ärzten individuell zu entscheiden. Inwieweit welcher Dopaminagonist ohne Beeinträchtigung des Ungeborenen in der Schwangerschaft eingenommen werden kann, ist nicht genau bekannt.

Auch wenn ein Dopaminagonist schlecht vertragen wird, wenn bereits Sehstörungen durch den Tumor bestehen, diese rasch zunehmen oder nicht innerhalb von ein bis drei Monaten auf die Medikamentenbehandlung ansprechen, ist eine Operation notwendig. Falls der Tumor fortschreitet oder nach der Operation wiederkehrt, kann er auch strahlentherapeutisch angegangen werden. Hier gibt es verschiedene Techniken bis hin zum Gamma-Knife, ein sogenanntes radiochirurgisches Verfahren.

Problem Männerbusen: Gynäkomastie

Eine Vergrößerung der Brust(drüse) des Mannes – ein- oder beidseitig – heißt Gynäkomastie. Dabei kann es, muss aber nicht auch zu Spannungsgefühl oder Schmerzen in der Brustdrüse kommen. Ärzte unterscheiden natürliche (physiologische) und krankhafte Formen.

Der Männerbusen ist inzwischen ein recht weit verbreitetes Phänomen. Die meisten Betroffenen stört und belastet das weibliche Attribut erheblich, und sie suchen den Weg zurück zu männlichen Konturen der Brust. Die Ursachen sind vielfältig und werden nachfolgend kurz beschrieben, dazu in Grundzügen die Diagnose- und Therapiemöglichkeiten.

Ganz natürlich: Die physiologische Gynäkomastie

Geringe Mengen von Östrogenen entstehen auch im Körper des Mannes natürlicherweise, und zwar aus dem Sexualhormon Testosteron. Beide Hormone regulieren in typischer Weise geschlechtsspezifische Vorgänge und Charakteristika – beim Mann wie bei der Frau. Obwohl nur in Spuren vorhanden, erfüllen Östrogene auch bei Männern wichtige Aufgaben. So helfen sie zum Beispiel mit, das Knochensystem zu stärken, und sie haben ihren Anteil an einer ausgeglichenen Psyche.

Östrogene stimulieren allerdings auch bei Männern das Brustdrüsengewebe. Androgene hemmen diesen Effekt. Ist beim Mann der vorherrschende Androgeneinfluss vermindert, kann sich eine Gynäkomastie entwickeln. Normale Ungleichgewichte der Sexualhormone mit der Folge einer physiologischen Gynäkomastie kommen bei Neugeborenen vor, bei Jungen in der Pubertät, außerdem bei Männern in der "zweiten Lebenshälfte".

Bei Neugeborenen lassen die mütterlichen Hormone beziehungsweise Plazenta-Hormone die Brustdrüsen vorübergehend anschwellen, was sich einige Wochen oder Monate nach der Geburt wieder legt.

In der Pubertät ist bei Jungen das Enzym Aromatase oftmals zu aktiv. Es sorgt für die Umwandlung von Testosteron in Östradiol, den führenden Vertreter der natürlichen Östrogene. Die überaktive Aromatase bewirkt einen relativen Östrogenüberschuss. Daraufhin schwellen die Brustdrüsen an und können schmerzhaft oder druckempfindlich sein. Diese zunächst einmal "natürliche" Veränderung heißt Pubertätsgynäkomastie.

Die betroffenen Jugendlichen fühlen sich psychisch oft belastet und suchen ihren Pubertätsbusen so gut wie möglich zu verbergen. Einseitige Schwellungen lassen häufiger die Befürchtung aufkommen, dass eine Fehlbildung oder eine ernsthafte Krankheit wie ein Tumor vorliegen könnte. Mehrheitlich klingen die Veränderungen jedoch später von selbst ab. Ist dies nicht der Fall, kann eine operative Korrektur notwendig werden, um normale Verhältnisse herzustellen (siehe unten).

Bei Männern ab etwa 50 sinkt der Testosteronspiegel langsam ab – ebenfalls ein natürlicher Vorgang. Etwa ein Viertel bis ein Drittel soll wegen des Testosteronmangels eine Art Klimakterium entwickeln. Gleichzeitig kann sich ein relativer Östrogenüberschuss einstellen. Das dürfte vor allem für übergewichtige Männer zu gelten, da auch das Fettgewebe hormonaktiv ist.

Die Balancestörung der Hormone kann jedoch gerade im höheren Lebensalter viefältige Ursachen haben, denn die Erkrankungshäufigkeit nimmt dann allgemein zu, und die Hormonsysteme im Körper können durch vielfältige Entwicklungen beeinflusst werden. Zu den Beschwerden, die Betroffene öfter haben, gehören Verlust der Libido (der Lust am Sex), Müdigkeit, Depressionen, Schmerzen im Bewegungssystem, Muskelschwäche, Konzentrationsstörungen, ein gerundeter Bauch. Nicht selten tritt dabei auch eine Gynäkomastie auf. Im Einzelfall bleibt manchmal unklar, inwieweit diese vielfältigen Symptome wirklich einem Klimakterium entsprechen. Der Arzt wird natürlich andere organische Ursachen nach Möglichkeit ausschließen und dabei gegebenenfalls auch Hormonbestimmungen durchführen.

Fettbusen oder Pseudo-Gynäkomastie

Eine unechte oder Pseudo-Gynäkomastie entsteht im Zuge der Fettleibigkeit (Adipositas). Dabei vermehrt sich vor allem das Fettgewebe in den Brüsten. Nicht selten gibt es gleichzeitig auch eine hormonelle Komponente mit einem gewissen Drüsenwachstum.

Seltener beruht eine unechte Gynäkomastie auf einer eigenständigen Geschwulst des Binde- oder Fettgewebes in der Brust. In der Regel findet sich die Schwellung dann nur auf einer Seite (mehr dazu unter "Knoten in der Brust").

Gynäkomastie als mögliche Nebenwirkung bei Therapien

Hormonentzugstherapie

Eine in den Haushalt der Sexualhormone eingreifende Therapie erhalten Männer zum Beispiel als Hormonentzugsbehandlung (Androgen- beziehungsweise Testosteronentzug) im Rahmen der Therapie von Prostatakrebs. Dabei werden unter anderem Antiandrogene eingesetzt, die die Andockstellen für Testosteron (Rezeptoren) blockieren. Die Arzneistoffe hemmen die Hormonwirkungen besonders in der Prostata, aber auch in anderen testosteronempfindlichen Geweben.

Durch den Überhang der Östrogene kann unter anderem eine unangenehme Schwellung der Brustdrüsen mit Spannungsgefühl auftreten. Dies gilt auch für eine Östrogentherapie bei Prostatakrebs, die jedoch heute in den Hintergrund getreten beziehungsweise besonderen Behandlungssituationen vorbehalten ist.

Prophylaktisch können die Brustdrüsen beispielsweise zuvor bestrahlt werden. Eine geringe, medizinisch als unbedenklich geltende Strahlendosis genügt hier.

Gutartige Prostatavergrößerung: Hormonwirkungen unterbinden

Zur Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie oder benignes Prostatasyndrom) kommen Präparate wie Finasterid oder Dutasterid zum Einsatz. Diese sogenannten 5-Alpha-Reduktase-Hemmer blockieren die Umwandlung von Testosteron in die biologisch aktive Form im Körper.

Eine mögliche Nebenwirkung der Behandlung kann eine Vergrößerung der Brustdrüsen sein, eventuell mit Brustspannen. Betroffene sollten sich mit ihrem behandelnden Urologen abstimmen, wie weiter zu verfahren ist.

Testosteronbehandlung

Dosisabhängig kann es hier zu (schmerzhaften) Brustschwellungen kommen. Bei anerkannten Behandlungsindikationen, also einer gezielten Hormonersatztherapie von krankhaftem Hormonmangel (siehe nachfolgend und weiter unten, Abschnitt "Therapie"), ist dies normalerweise jedoch nicht zu erwarten.

Krankheiten mit Testosteronmangel und Gynäkomastie

Hypogonadismus bedeutet Unterfunktion der männlichen Keimdrüsen. Hier gibt es wiederum zahlreiche Ursachen. Sie reichen von Alterungsvorgängen – dann mit stärkeren Beschwerden einhergehend (zum sogenannten männlichen Klimakterium siehe oben) – und Entzündungen oder angeborenen Störungen. Darunter finden sich Erbkrankheiten wie das Klinefelter-Syndrom, bei dem eine Vergrößerung der Brustdrüsen eines der Merkmale ist. Auch Erkrankungen übergeordneter Zentren im Gehirn gehören zu den möglichen Ursachen. 

Klinefelter-Syndrom: Diese Krankheit mit Unterfunktion der Keimdrüsen ist erblich bedingt. Bei den betroffenen männlichen Kindern finden sich ein oder mehrere zusätzliche weibliche X-Chromosomen im Erbgut. Neben der Mukoviszidose gehört dieses Syndrom zu den häufigsten Erbkrankheiten, mit denen Kinder lebensfähig geboren werden: Etwa eines von 500 männlichen Neugeborenen ist betroffen. Das Syndrom entpuppt sich oft erst in der Pubertät.
Symptome: Die Geschlechtsorgane bleiben klein, tendenziell entwickeln sich weibliche Körperformen – einschließlich Gynäkomastie, spärlicher Körperbehaarung, geringem Bartwuchs. Je nach Anzahl der überschüssigen X-Chromosomen ist das Syndrom von Fall zu Fall sehr unterschiedlich ausgeprägt, manchmal kaum merklich.
Es kann, muss aber nicht zu Motorik- und Sprachstörungen kommen, das sexuelle Interesse (Libido) kann beeinträchtigt sein. Die Betroffenen haben in der Regel eine normale Intelligenz. Einige haben aber mit Störungen der Sprachentwicklung, Lernschwierigkeiten oder Verhaltensproblemen zu kämpfen. Wegen des Testosteronmangels besteht Unfruchtbarkeit, das Risiko für Brustkrebs ist erhöht, es kann zu Veränderungen der Skelettform im Sinne einer Skoliose oder des Skelettfeinbaus im Sinne einer Osteoporose kommen. Häufiger tritt ein Diabetes mellitus auf. Die betroffenen Jungen fallen neben der Gynäkomastie nicht selten durch eine überdurchschnittliche Körpergröße auf.

Androgenresistenz: Eine weitere, teilweise sehr komplexe erbliche Ursache ist die Androgenresistenz, die in unterschiedlichen Ausprägungen vorliegen kann. Bei dieser Störung versagen entweder die Angriffspunkte (Rezeptoren) für die männlichen Geschlechtshormone an den Zellen komplett oder sie funktionieren nur bedingt. Die Erscheinungsbilder dieser früher Intersex genannten Formen (heute spricht man von gestörter Geschlechtsentwicklung, engl. disorders of sex develpoment, DSD) reichen daher vom unfruchtbaren, körperlich aber ansonsten unauffälligen Mann über komplexe geschlechtliche Übergangsformen bis hin zur vollen Ausprägung der Androgenresistenz. Der Betroffene ist dann äußerlich eine Frau, genetisch aber ein Mann. Je nach Ausprägung erfolgt die Diagnose anhand eines klinischen Befundes (manchmal schon bei der Geburt oder im Kindesalter) und mit Hormonbestimmungen, einer Chromosomenanalyse und molekulargenetischen Untersuchungen. Manchmal sind weitere Diagnoseschritte notwendig, etwa eine Bauchspiegelung, um die Entwicklung innerer Geschlechtsorgane zu überprüfen.

Hodenentzündung, zum Beispiel Mumps

Gelegentlich beeinträchtigen Hodenentzündung, etwa im Rahmen von Mumps (Mumps-Orchitis), die Keimdrüsen. Die Mumps-Orchitis tritt heute mitunter noch bei Jugendlichen nach der Pubertät auf, wenige Tage, nachdem sich die Ohrspeicheldrüsen entzündet haben (Parotitis, dicke Backe(n)). Leider gibt es in Deutschland trotz der empfohlenen Impfung nach wie vor Impflücken. Daher kommt es weiterhin zu Mumps und dann manchmal auch zu Komplikationen. Mögliche Folge der letztlich aber seltenen Mumps-Orchitis ist ein Schwund des Hodengewebes (Hodenatrophie) mit Testosteronmangel, Gynäkomastie und Unfruchtbarkeit.
Mehr dazu im Ratgeber "Mumps".

Medikamente schuld?

Auch einige Medikamente können ein Brustwachstum beim Mann auslösen. Ärzte sprechen dann von funktioneller Gynäkomastie. Zu den verantwortlichen Arzneimitteln gehören solche, die in das Androgen- beziehungsweise Testosteronsystem eingreifen, allen voran Testosteron selbst (siehe auch oben), aber auch Arzneistoffe, die zu einer Hyperprolaktinämie (siehe auch weiter unten, Abschnitte "Diagnose Gynäkomastie" und "Therapie bei Gynäkomastie") führen können.

Konkret kommen unter anderem sogenannte hochaktive antiretrovirale Therapeutika gegen HIV-Infektionen (Auslöser von Aids), Diazepam, trizyklische Antidepessiva, einige Antibiotika, Herzmedikamente wie Digitalis und bestimmte Kalziumantagonisten, sodann Magenmittel wie Cimetidin oder Omeprazol oder, eher selten, eine Behandlung der Partnerin mit Östrogenpflastern infrage. Dabei kann der Mann ungewollt über die Haut mit Östrogenen in Kontakt kommen.

Gynäkomastie-Risiko: Drogen, Anabolika, manche Pflegemittel, Bodybuilding

Rauschmittel wie Alkohol, Amphetamine, Marihuana und Heroin sind als mögliche Auslöser einer Gynäkomastie bekannt.

Muskelwachstum im Brustbereich, zum Beispiel als Folge von Bodybuilding, kann rein optisch eine Gynäkomastie vortäuschen. Wer gleichzeitig Anabolika einnimmt (hier: sogenannte steroidale Anabolika, die sich von Testosteron ableiten), muss damit rechnen, dass er womöglich eine Gynäkomastie bekommt.

Auch Kosmetika und Pflegemittel, die Östrogen oder schwach östrogenähnlich wirkende Bestandteile enthalten (zum Beispiel Lotionen, Shampoos, Gels oder Seifen mit Lavendel- oder Teebaumöl), können bei intensivem Gebrauch offenbar zu einer Gynäkomastie führen. Beobachtet wurde dies beispielsweise an Jungen kurz vor der Pubertät. Östrogenhaltige Haarwässer für Frauen können bei Männern eine Gynäkomastie auslösen. Sie werden daher nicht für Männer empfohlen.

Weitere Krankheiten mit Gynäkomastie-Potenzial

Eine echte Gynäkomastie, bei der vor allem das Drüsengewebe zunimmt, beruht einerseits auf natürlichen hormonellen Veränderungen. Andererseits können sich krankhafte hormonelle Vorgänge dahinter verbergen. Zum Beispiel verschiedene hormonaktive Geschwülste wie ein Leydig-Zell-Tumor des Hodens. Diese Tumorart kommt allerdings selten vor und ist überwiegend gutartig. Betroffen sind in erster Linie jüngere Männer im Alter von 20 bis 40 Jahren.
Der Ratgeber "Hodenkrebs" informiert Sie genauer.

Ebenfalls seltene Hormonquellen stellen einige Karzinome, also spezielle Krebserkrankungen innerer Organe dar (spezielle Bronchus-, Leberzell-, Magen- und Nierenzellkarzinome), außerdem hormonaktive Nebennierentumoren.

Weitere innere Erkrankungen, die mit einer Gynäkomastie einhergehen können, sind beispielsweise eine Schilddrüsenüberfunktion wie die Basedow-Krankheit, sodann eine Leberzirrhose, Nierenschwäche (Niereninsuffizienz), Herzschwäche (Herzinsuffizienz) sowie Diabetes mellitus.

Äußerst selten kann bei Männern auch ein Brustabszess im Zuge einer bakteriellen Entzündung (siehe unter "Mastitis" im Kapitel "Schmerzende Brüste: Nicht zyklusabhängige Ursachen") eine gynäkomastieähnliche Schwellung verursachen.

Selten bei Männern, aber möglich: Die Gynäkomastie entpuppt sich als Brustkrebs

Brustkrebs (Fachbegriff: Mammakarzinom) tritt bei Männern nur sehr selten auf: Nur etwa jede hundertste Brustkrebserkrankung betrifft einen Mann. Warnzeichen kann eine Gynäkomastie in Form einer Schwellung oder eines Knotens der Brust auf einer Seite sein. Die Betroffenen sollten dies ernst nehmen und damit bald zum Arzt gehen. Zum Nachlesen: Kapitel "Besondere Situationen" im Ratgeber "Brustkrebs".

Idiopathische Gynäkomastie

Bei etwa einem Viertel der Betroffenen bleibt die genaue Ursache der Gynäkomastie bei aller Diagnostik unklar. Dann sprechen Ärzte von idiopathischer Gynäkomastie. Mitunter sind die vergrößerten Brustdrüsen eventuell "nur" eine Überempfindlichkeitsreaktion physiologische Hormonwirkungen.

Symptome bei Gynäkomastie im Zuge hormoneller Erkrankungen oder Störungen

Schwellung einer oder beider Brüste, Brustspannen, eventuell auch Absonderungen aus der oder den Brustwarzen. Je nach Ursache auch weitere Symptome wie Erektionsstörungen oder Unfruchtbarkeit, Veränderungen des Genitales (Verkleinerung, biologisch vorgegebene unklare Geschlechtlichkeit wie etwa bei Androgenresistenz, siehe oben, nicht zu verwechseln mit Transsexualität), Hodenschwellung (Tumor). Viele Betroffene empfinden wegen der ihnen hoch peinlichen Brüste oder anderer, nicht normaler Körpermerkmale starken Leidensdruck. Bestimmte Sehstörungen, sogenannte Gesichtsfeldausfälle, können auf einen prolaktinbildenden Tumor im Bereich der Hirnanhangsdrüse hinweisen.

Diagnose Gynäkomastie

Die eingehend vom Arzt erfragte persönliche Krankengeschichte (Anamnese) des Patienten, wozu auch Angaben über eingenommene Medikamente gehören, und die umfangreiche körperliche Untersuchung sind meistens schon richtungweisend. Informationen dazu finden Sie auch im Kapitel "Schmerzende Brüste: Diagnose" in diesem Beitrag. Bei der physiologischen Gynäkomastie in der Pubertät ist in der Regel keine weitere Diagnostik nötig. In allen anderen Fällen schließen sich, sofern Medikamente oder andere Substanzen als Auslöser ausscheiden, je nach Verdachtsdiagnose labormedizinische (unter anderem ein Hormonstatus) und bildgebende Untersuchungen der Brüste, eventuell auch der Leber, Nieren und Hoden an. Die Brüste können zunächst sonografisch, mit Ultraschall (Mamma-Sonografie), gut untersucht werden. Bei einseitiger Gynäkomastie kommt ergänzend eine Mammografie, eventuell auch eine Magnetresonanztomografie in Betracht. Bei Tumorverdacht ist in der Regel auch eine Gewebeentnahme (Biopsie) aus der Brust nötig.

Eine offensichtlich zugrunde liegende Adipositas ist ohne weitere apparative Untersuchungen erkennbar.

Viele Männer setzen alle ihre Energie ins Abnehmen oder Bodybuilding, in der Hofffnung, den Busen dadurch wieder loszuwerden. Die Fetteinlagerungen können zwar zurückgehen. Obwohl die unerwünschten Fettpolster dann weitgehend abgeschmolzen oder wegtrainiert sind, können Brustrundungen bestehen bleiben. Auch in diesen Fällen dient die Ultraschalluntersuchung dem Arzt dazu, nähere Informationen über die Struktur des Brustgewebes zu erhalten.

Dasselbe gilt für die Gynäkomastie im reifen oder höheren Alter.

Falls bei erhöhtem Prolaktinspiegel und Hinweisen auf einen Hormonmangel (Hypogonadismus) kein Medikament als Auslöser dingfest gemacht werden kann, ist zum Ausschluss eines prolaktinbildenden oder prolaktinerhöhenden Tumors eine Magnetresonanztomografie der Hirnanhangsdrüse der diagnostische Standard. Je nach Beschwerdebild sind bei diesem Problem gegebenenfalls auch der Augenarzt sowie ein spezialisierter Endokrinologe beziehungsweise Neurologe und, wenn es um eine Operation geht, der Neurochirurg gefragt.

Bei familiärer Vorbelastung mit Klinefelter Syndrom kann eine Fruchtwasseruntersuchung, zum Beispiel eine sogenannte Amniozentese, in der Schwangerschaft erfolgen. Die vorgeburtliche Diagnose dieses Syndroms führt aber bei vielen Eltern nicht zu der Entscheidung, die Schwangerschaft zu unterbrechen, da die Erkrankung (bis auf eine verbleibende Zeugungsunfähigkeit) heute in der Regel gut behandelbar ist. Später kann die Diagnose durch eine Chromosomen-Untersuchung in einer Speichelprobe gestellt werden. Auch bei der J-Untersuchung (J1, J2, nachzulesen auf unserem Partnerportal www.baby-und-familie.de) richtet der Kinder- und Jugendarzt sein Augenmerk auf mögliche körperliche Anzeichen.

Therapie bei Gynäkomastie

Bei der Pubertätsgynäkomastie genügen in der Regel Verlaufskontrollen.

Wenn eine Gynäkomastie sich nicht spontan nach einem Jahr zurückgebildet hat, ist sie meistens in ein verfestigtes (fibrosiertes) Stadium übergegangen. Das kann manchmal auch nach der Pubertät der Fall sein. Viele Männer lassen sich operieren, um der anhaltenden psychosozialen Belastung ein Ende zu machen. Bei dem Eingriff wird überschüssiges Drüsengewebe, teilweise auch Fettgewebe, minimalinvasiv und narbensparend entfernt. Auch wenn eine Brustschwellung dazu tendiert, sich zu vergrößern, ist nach genauer Abklärung in der Regel ebenfalls ein Eingriff angezeigt.

Bleibt die Ursache unklar (idiopathische Gynäkomastie), so entscheiden Schmerzen, Ausprägung des Beschwerdebildes und der damit verbundene Leidensdruck über das weitere Vorgehen.

Falls sich eine Gynäkomastie auf ein Medikament zurückführen lässt, wird der Arzt prüfen, inwieweit die Behandlung umgestellt werden kann, ohne dass fortan mit der Nebenwirkung gerechnet werden muss.

Einseitige, gutartige Geschwülste bilden sich teilweise von selbst zurück. Hat sich aufgrund einer vorab entnommenen Gewebeprobe Brustkrebs herausgestellt, wird der Betroffene nach den Leitlinien der Brustkrebsbehandlung, wie sie für Frauen gelten, und möglichst in einem zertifizierten Brustzentrum betreut (Adressen bei der Deutschen Krebshilfe, www.krebshilfe.de*). Eine als gutartig bestätigte einseitige Schwellung, die sich hartnäckig hält, wird der Arzt operativ eingreifen.

Bei der Pseudo-Gynäkomastie durch Fetteinlagerung kommt eine Fettabsaugung in örtlicher Betäubung (Liposuktion) infrage. Meistens wird auch etwas Drüsengewebe weggenommen. Voraussetzung ist der Ausschluss anderer Erkrankungen der Brustdrüse. Teilweise werden Absaugung und operatives Vorgehen kombiniert, wenn mehr Drüsengewebe oder überschüssige Hautpartien entfernt werden müssen.

Wichtig ist, dass der Eingriff von einem erfahrenen Chirurgen durchgeführt wird. Betroffene sollten sich im Vorfeld genau über den Erfahrungshintergrund, die notwendigen Voruntersuchungen, das technische Vorgehen, die möglichen Risiken sowie den zu erwartenden Heilungsablauf informieren. Ansprechpartner sind medizinische Fachgesellschaften, zum Beispiel Deutsche Gesellschaft für Andrologie (http://www.dgandrologie.de*) oder die Deutsche Gesellschaft für ästhetisch-plastische Chirurgie (http://dgaepc.de*).

Die Behandlung einer echten Gynäkomastie mit Hormonpräparaten, die Östrogenwirkungen blockieren, ist in Deutschland derzeit nicht zugelassen (sogenannter "Off-label-Einsatz", etwa im Frühstadium einer krankhaften hormonell bedingten Brustentwicklung).

Wird bei einem älteren Mann ein Androgen- beziehungsweise Testosteronmangel anhand von Blutuntersuchungen nachgewiesen, kann bei starken Beschwerden eine Behandlung mit Testosteron die Befindlichkeit verbessern. Die Therapie ist als Anti-Aging-Maßnahme jedoch nicht allgemein akzeptiert und keine Kassenleistung. Die Betroffenen sollten sich von ihrem Urologen ausführlich beraten lassen. Vor der Therapie müssten andere krankhafte Ursachen ausgeschlossen beziehungsweise behandelt worden sein. Auch gilt es, die Prostata vor und während einer solchen Hormonbehandlung zu kontrollieren.

! Wichtig: Nebenwirkung bei "Testosterongebrauch" kann – nur scheinbar paradox – auch eine Gynäkomastie sein. Und: Anabolika (anabole Steroide) oder andere anabole Wirkstoffe im Sport (Doping) sind verboten. Wachstumshormone oder Wachstumsfaktoren sind völlig andersartige Arzneimittel für spezielle Erkrankungen.

Beruht die Gynäkomastie auf einer anderen Krankheit, etwa der Schilddrüse, Nieren oder Leber, so steht die Therapie der Grunderkrankung im Vordergrund. Die Brustschwellung kann dann mitunter günstig beeinflusst werden. Zum Prolaktinom (Tumor der Hirnanhangsdrüse) siehe auch Kapitel "Ursachen: Nicht zyklusabhängig".

Das Klinefelter-Syndrom wird möglichst ab der Pubertät mit Testosteron behandelt. Weitere Informationen: Deutsche Klinefelter-Syndrom-Vereinigung e.V. (www.klinefelter.de*)

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Brustschmerzen und schmerzhafte Brüste können sich überschneiden beziehungsweise sind nicht immer genau voneinander unterscheidbar. Hier einige ergänzende Informationen.

Schmerzen im Bereich des Brustkorbes

Hier kommen beispielsweise das Tietze-Syndrom – eine schmerzhafte Schwellung am Ansatz der zweiten und dritten Rippe am Brustbein –, Veränderungen an der Brust- (und Hals-)wirbelsäule, eine Brustfell- oder Lungenentzündung, eine Lungenembolie, Herzprobleme wie Angina pectoris, Herzinfarkt und Herzrhythmusstörungen, Erkrankungen der Schilddrüse, der Speiseröhre, des Magens, der Körperhauptschlagader (Aorta) und vieles andere in Betracht. Mehr dazu im Ratgeber Brustschmerzen.

Mondor-Thrombophlebitis

Eine strangförmige Thrombophlebitis mit langstreckigen Verhärtungen oberflächlicher Venen im mittleren oder seitlichen Brustbereich oder am Arm heißt "Mondor-Thrombophlebitis". Es ist ein sehr seltenes Krankheitsbild, benannt nach dem Erstbeschreiber, einem französischen Chirurgen.

Thrombophlebitis bedeutet, dass eine oberflächliche Vene durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) verschlossen worden ist. Dabei kommt es auch zu einer Entzündung des Gefäßes. Die Mondor-Thrombophlebitis betrifft offenbar häufiger Frauen jüngerer bis mittlerer Altersgruppen. Die Ursachen sind oft unklar. Es gibt aber wohl auch Zusammenhänge mit Verletzungen, Eingriffen wie Biopsien, Brustentzündungen, hautenger Kleidung, Überbeanspruchung des Oberkörpers oder auch Operationen. Infrage kommen hier zum Beispiel plastisch-chirurgische Eingriffe wie Brustvergrößerungen. Vielfach bildet sich das Krankheitsbild ohne weitere Komplikationen nach einigen Wochen spontan zurück.

Symptome: Plötzlicher Brustschmerz, gefolgt vom Auftreten eines geröteten, tastbaren, harten kordelartigen Stranges, der einer brustkorbabwärts ziehenden, markanten Vene bzw. einem Venengeflecht entspricht.

Diagnose: Der Arzt wird die eher seltene Diagnose in der Regel anhand des körperlichen Untersuchungsbefundes stellen. Die Krankengeschichte (Anamnese) kann wichtige Hinweise geben. Wenn die Patientin beispielsweise Hormone zur Empfängnisverhütung oder gegen Wechseljahresbeschwerden einnimmt oder in den zurückliegenden Monaten einen Eingriff an der Brust hatte, so könnte dies zumindest zu der Thrombophlebitis beigetragen haben. In jedem Fall wird der Arzt den Brustdrüsen-, Brust- und Achselhöhlenbereich (siehe dazu auch Kapitel "Diagnose") sorgfältig abtasten und mittels bildgebender Verfahren wie zum Beispiel Ultraschall (Sonografie) untersuchen. Dies nicht nur mit dem Ziel, das Krankheitsbild zu bestätigen, sondern auch, um andere krankhafte Veränderungen im Umfeld zu erkennen. Falls sich beispielsweise der Verdacht auf einen Tumor in der Brust ergibt, wird dem durch eine Mammografie nachgegangen. Vorgeschaltet werden verschiedene Blutanalysen, um eine Gerinnungsstörung mit Thromboserisiko oder andere Erkrankungen, die die Blutgerinnung beeinflussen, auszuschließen.

Therapie: Sie richtet sich nach der Ursache. Als symptomatische Behandlung wird  vorübergehend Heparin eingesetzt. Das Medikament greift in die Gerinnung ein, therapeutisch wie vorbeugend. Zusätzlich kommt ein entzündungshemmendes Präparat zur äußerlichen oder innerlichen Anwendung in Betracht.

Gürtelrose (Herpes zoster)

Gürtelförmige Schmerzen im Brustbereich können vor dem ersten Auftreten des typischen Hautausschlags – Gruppen von Bläschen in Kranz- oder Rosettenform auf geröteter Haut – von einem Herpes zoster ausgehen.

Ursache ist eine Aktivierung des Varizella-Zoster-Virus, das der Gruppe der Herpes-Viren angehört. Viele Menschen haben das Virus in der Kindheit aufgenommen, zum Beispiel als Windpocken-Infektion. Das Virus hinterlässt zwar meistens eine Immunität, verbleibt aber in einer Art Schlafzustand im Körper. Durch Stress, Abwehrschwäche oder intensive Sonnenbestrahlung kann es wieder aktiviert werden und eine Gürtelrose auslösen. Das Krankheitsbild betrifft mehrheitlich Menschen über 40 Jahren. Inzwischen wird Kindern (spätestens bis zum Jugendalter) eine Schutzimpfung gegen das Windpocken-(Varizellen-)Virus empfohlen.

Bei Schmerzen sollte man immer zum Arzt gehen, damit er die Diagnose stellen und, falls notwendig, eine gezielte Therapie einleiten kann. Dies gilt insbesondere auch für Schmerzen im Bereich des Brustkorbs, die mitunter eine ernsthafte Ursache haben und dann zügig behandelt werden müssen. Bei Herpes zoster sind bestimmte antivirale Medikamente in der Lage, die Beschwerden schneller zum Abklingen zu bringen. Auch können sie nach der Infektion fortbestehende, unangenehme Schmerzen, die sogenannte postzosterische Neuralgie, verhindern helfen. Mehr dazu im Ratgeber "Gürtelrose".

Kaufmann M, Costa S D, Scharl A: Die Gynäkologie, 3. Auflage, Berlin Heidelberg Springer-Verlag, 2012

Herold G und Mitarb.: Innere Medizin, Gerd Herold Köln 2016


Dietel M, Suttorp P, Zeitz M (Hrsg.): Harrisons Innere Medizin, Deutsche Ausgabe in Zusammenarbeit mit der Charité, Berlin ABW-Verlag, 2012

Deutsches Krebsinformationszentrum dkfz./Krebsinformationsdienst KID: Krebsrisiken, Krebsvorbeugung; Thema: Gutartige Veränderungen der Brust. Online: http://www.krebsinformationsdienst.de/vorbeugung/risiken/gutartige-brustveraenderungen.php#top (Abgerufen am 28.10.2016)
Kontakt: Telefon: 0800 - 420 30 40, täglich von 8 bis 20 Uhr; www.facebook.com/krebsinformationsdienst
E-Mail: krebsinformationsdienst@dkfz.de

Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO e.V.): Empfehlungen gynäkologische Onkologie Kommission Mamma: Laesionen mit unsicherem biologischen Potenzial (B3), Version 2013.1D;
Online: http://www.ago-online.de/fileadmin/downloads/leitlinien/mamma/2013_02_Februar/pdfs_D/2013D%2006_Laesionen%20mit%20unsicherem%20biologischen%20Potenzial%20%28B3%29.pdf (Abgerufen am 28.10.2016)


Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin (DGKJ) zu den Themen Vorzeitige Pubertät (Pubertas präcox), Hypogonadismus und Gynäkomastie sind z. Zt. in Überarbeitung

Gynäkomastie im Erwachsenenalter. S1-Leitlinie unter Beteiligung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, Stand: 31.03.2016.
Online: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/013-039l_S1_Gynaekomastie_Erwachsene_2016-05.pdf

 

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