Leistungen in der Corona-Pandemie: Danke Apotheke

In einem im Internet übertragenen Live-Gespräch im Rahmen der Initiative "Zusammen gegen Corona" bedankt sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ausdrücklich für die Leistungen der Vor-Ort-Apotheken während der Corona-Pandemie

von Barbara Kandler-Schmitt, 08.05.2020

Auch ein Minister lernt offenbar nie aus: "Die Corona-Krise hat verdeutlicht, wie dringend wir die flächendeckende Versorgung durch die Apotheken vor Ort brauchen", betonte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am 7. Mai im Gespräch mit der Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL), Gabriele Regina Overwiening. "Ich bin dankbar, was die Apotheken seitdem geleistet haben." Folglich sei es ihm wichtig, mit den Apotheken ins Gespräch zu kommen - "um Danke zu sagen und zu lernen."

"Vertraut uns"

Da die Apotheken in der öffentlichen Diskussion bisher oft untergegangen sind, freut sich  Kammerpräsidentin Overwiening umso mehr über die Wertschätzung des Politikers: "Das tut gut und ist ein großer Motivationsschub für den Berufsstand", betonte sie im Lifestream. "Schließlich stehen wir direkt an der Front und haben uns niemals weggeduckt."

Vor allem zu Beginn der Krise seien die Patienten stark verunsichert gewesen, hätten befürchtet, wichtige Arzneimittel nicht mehr zu bekommen. Doch egal ob Arzneimittel-Lieferengpässe oder knappe Desinfektionsmitteln und Schutzmasken – immer haben Deutschlands Pharmazeuten ihre heilberufliche Verantwortung wahrgenommen.

Still und leise haben sie viele Probleme gelöst und als niedrigschwellige Anlaufstelle für die Bürger angesichts knapper Ressourcen einen enormen Einfallsreichtum an den Tag gelegt. "Die Krise hat gezeigt, dass sich Deutschland auf seine Apotheken verlassen kann", betont Standespolitikerin Overwiening. Ihr Wunsch an den Minister: "Vertraut uns und lasst uns mehr Spielraum."

Ausnahme als Regel

Mit einer Corona-Eilverordnung hat Spahn diesem Wunsch bereits zum Teil entsprochen: So wurden den Apotheken seit 22. April weitreichende Austauschmöglichkeiten eingeräumt, wenn ein verordnetes Arzneimittel nicht vorrätig oder lieferbar ist. Auch dürfen Apotheken mittlerweile selbst Desinfektionsmittel herstellen – angesichts knapper Ressourcen eine enorme Erleichterung.

Und so lobt Overwiening die gute Zusammenarbeit zwischen Politik und Apothekerschaft in der Krise: "Aber solche Ausnahmegenehmigungen sollten zur Regel werden, um die flächendeckende Herstellung und Versorgung weiterhin sicherzustellen."

Nach wie vor fühlten sich viele Apotheker durch das Übermaß an Bürokratie erdrückt. Und die Möglichkeiten der Eilverordnung könnten durch den größeren Spielraum zu mehr Zufriedenheit führen und die Apothekenberufe langfristig wieder attraktiver machen.

Krisenfeste Strukturen schaffen

Josef Kammermeier, der zugeschaltete stellvertretender Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbands ergänzt: "Wir müssen krisenfeste Strukturen schaffen. Deshalb sollten die Lockerungen nach der Krise weiter Bestand haben." Ein Thema, über das der Minister noch nachdenken muss.

Genau wie über vieles andere, das den Apothekern auf den Nägeln brennt: Ob schwer zu beschaffende Schutzhandschuhe, die als lästig empfundene Maskenpflicht im Back-Office, die Verlagerung der Arzneimittelproduktion zurück nach Europa oder die Gleichpreisigkeit von Medikamenten – eine Stunde lang stellte sich Spahn im Life-Stream den Fragen von Apothekern, die im Vorfeld gesammelt worden waren. Auch der Wunsch nach flexibleren Ausbildungs- und Prüfungsordnungen für Pharmaziestudierende und Pharmazeutisch-technische Assistenten kam zur Sprache.

Brennende Fragen

Angesichts der vielfältigen Fragen konnte nur wenig davon ausführlich behandelt werden.
Vieles hat der Minister ohnehin seit langem auf dem Schirm. So stünden Anreize für die europäische Arzneimittelproduktion ganz oben auf der politischen Agenda – ebenso wie die Gleichpreisigkeit für verschreibungspflichtige Arzneimittel im Bereich der Gesetzlichen Krankenversicherung.

"Corona hat uns hier deutlich zurückgeworfen", räumt Spahn ein. "Schließlich stehen wir derzeit vor einer Jahrhundertsituation." Diesbezügliche Gespräche mit der EU seien bereits wieder aufgenommen worden.

Die Politik ist gefordert

Egal von welcher Perspektive aus man die Krise jedoch beleuchtet – an den Apotheken kommt man nicht vorbei. Und so nimmt Spahn aus der Diskussion viele Themen mit nach Hause. Seine Zusage angesichts der vielfältigen Probleme und Herausforderungen: "Hier ist die Politik gefordert, und ich verspreche Ihnen, dass wir Sie weiterhin unterstützen."