Coronakrise: Was kommt auf Deutschland zu?

B├╝rger wie Politiker treibt die Frage um, wann die Lage in Deutschland sich wieder entspannt. Alle werden wohl noch etwas Geduld brauchen

von dpa, 29.03.2020

Kanzlerin Angela Merkel und Kanzleramtschef Helge Braun (beide CDU) machten deutlich, dass schnelle Lockerungen der Kontaktbeschränkungen für Bürger noch nicht im Raum stehen. Der Bund bemüht sich um schnellen Nachschub an Schutzkleidung.

Debatte über Perspektiven

Parteiübergreifend dämpften Politiker die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr zur Normalität. Merkel bat in ihrem Podcast um Geduld - niemand könne guten Gewissens sagen, wie lange diese «schwere Zeit» anhalte. Braun sagte dem «Tagesspiegel»: «Wir reden jetzt bis zum 20. April nicht über irgendwelche Erleichterungen.» SPD-Chef Norbert Walter-Borjans sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: «Die Spitze der Infektionswelle steht uns noch bevor.» Allerdings schrieb Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) in einem Beitrag für die «Welt am Sonntag»: «Jetzt ist die Zeit, Maßstäbe für die Rückkehr ins soziale und öffentliche Leben zu entwickeln, damit auch diese Entscheidung anhand transparenter Kriterien erfolgt.»

Regierung will schnelleren Nachschub an Schutzmasken und -kitteln

Um den Mangel an Schutzmasken und -kitteln einzudämmen, versucht die Bundesregierung den Ankauf zu beschleunigen. Dafür hat sie ein Verfahren gestartet, in dem Lieferverträge ohne weitere Verhandlungen über den Kaufpreis zustande kommen. Zuerst hatte die «Welt am Sonntag» darüber berichtet. Das sogenannte Open-House-Verfahren sieht vor, dass Anbieter mindestens 25.000 OP-Masken, Schutzkittel oder FFP2-Mundschutze anbieten können und der Bund diese zu einem von ihm selbst festgelegten Preis kauft - das ist einfacher und schneller als das sonst geltende Vergaberecht mit Ausschreibungen.

In der Corona-Krise gibt es auch in Deutschland Sorgen, ob die Kapazitäten zur Versorgung schwerkranker Patienten ausreichen. «Wir müssen jedenfalls damit rechnen, dass die Kapazitäten nicht ausreichen, ganz klar», sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». Es sei nicht auszuschließen, dass es mehr Patienten als Beatmungsplätze gebe. «Ob es so kommt, ist Spekulation», sagte Wieler.

Sorge vor häuslicher Gewalt wegen Kontaktbeschränkungen wächst

In der Corona-Krise wächst auch die Sorge vor häuslicher Gewalt, weil Familien auf engem Raum zusammensitzen und soziale Kontrolle wegfällt. Die Opferschutz-Organisation Weißer Ring warnt, man müsse «mit dem Schlimmsten rechnen». Aus anderen Ländern gibt es schon Belege dafür, dass vor allem für Frauen und Kinder das Risiko von Gewalt und Missbrauch in den eigenen vier Wänden steigt, wie die Generalsekretärin des Europarats, Marija Pejcinovic Buric, sagte. Die Politik will unter anderem prüfen, ob bedrohte Frauen und Kinder auch in leeren Hotels untergebracht werden können.

Neuer Olympia-Termin in Tokio wohl im Sommer 2021

Bei der Suche nach einem neuen Termin für die Olympischen Spiele in Tokio zeichnet sich eine Verschiebung auf den Sommer 2021 ab. Nach Berichten aus Japan und den USA könnte der Neustart mit einer Eröffnungsfeier am 23. Juli 2021 erfolgen. Die Schlussfeier wäre demnach am 8. August. Die wegen der Coronavirus-Pandemie abgesagten Spiele waren für den 24. Juli bis 9. August 2020 geplant.