Diabetische Retinopathie: Blinde Flecken

Diese Erkrankung der Netzhaut ist eine mögliche Folge der Zuckerkrankheit, vor allem bei schlechter Einstellung des Blutzuckers: Dadurch geschädigte Gefäße können die Netzhaut nicht mehr versorgen

von Dr. Reinhard Door, aktualisiert am 18.12.2019

Diabetes kann die kleinen Blutgefäße im Auge schädigen und damit auch die Netzhaut. Mit früher Diagnose und Therapie lässt sich das verhindern. Betroffen sind 9 bis 16 Prozent der Typ-2- und etwa jeder vierte Typ-1-Diabetiker.

"Je länger der Diabetes besteht und je schlechter der Blutzucker eingestellt ist, desto höher ist das Risiko", sagt Professor Gerd Auffarth, Direktor der Univer­sitäts-Augenklinik Heidelberg. Genauso wichtig wie optimale Blutzuckerwerte seien die Behandlung von Bluthochdruck und der Verzicht aufs Rauchen.

Auffälligkeiten der Blutgefäße

Experten unterscheiden zwischen einer "nicht proliferativen" und einer schweren "proliferativen" Form. Die ­Änderungen an den Blutgefäßen zeigen sich zunächst in kleinen Ausbuchtungen (Mikroaneurysmen), kleinen Blutungen in die Netzhaut und perlschnurartig ­verlaufenden Venen.

Wenn diese Auffälligkeiten eine bestimmte Ausdehnung erreichen, kann die Krankheit in die "proliferative" Form übergehen, bei der Blutgefäße in den Glaskörper wachsen, schwere Blutungen verursachen und ­sogar die Netzhaut ablösen können.

Rettung per Laser

Spätestens dann besteht Handlungs­bedarf: Ärzte veröden die betroffenen Netzhautbereiche mit einem Laser. Die Verödungs­punkte sind so klein, dass sie das Gesichtsfeld erst bei einer ausgedehnten Behandlung beeinträchtigen. Durch die Verödung wird wohl die Produktion des Botenstoffs zurückgefahren, der die Neubildung von Gefäßen anregt.

Ist das Areal des schärfsten Sehens betroffen, die Makula, und lagert sich dort Flüssigkeit aus undichten Blutgefäßen ein (Makulaödem), wird der Botenstoff direkt blockiert. Mit VEGF-Hemmer genannten Mitteln – denselben wie bei der Makuladegeneration – bessert sich das Sehvermögen in vielen Fällen wieder.

Sehvermögend schwindet schleichend

"Man sollte sie allerdings erst spritzen, wenn die Sehkraft weniger als 80 Prozent beträgt oder sich zu verschlechtern droht", betont der Augenarzt Dr. Klaus Dieter Lemmen, Experte für diabetische Retinopathie, "ansonsten sollte man ­abwarten und regelmäßig nachkontrollieren." Bei Patienten, die nicht auf diese Behandlung ansprechen, helfen oft kortisonähnliche Substanzen.

Tückisch: Anfangs lässt das Sehvermögen kaum nach. Wer die Dia­gnose Typ-2- Diabetes erhält, sollte rasch zum Augenarzt gehen, bei Typ1-­Diabetes binnen fünf Jahren nach der ­Diagnose. Danach sind regelmäßige Kontrollen wichtig – je schwerer die Ausprägung der Netzhautschädigung, desto häufiger.

Vorsorge: Was Ihren Augen guttut

  • Eine allgemein vitaminreiche Ernährung und grünes Gemüse tragen zu einer gesunden Netzhaut bei. Außerdem: Bluthochdruck und Biabetes behandeln, nicht rauchen.
  • Bei der Bildschirmarbeit den Blick ab und zu auch mal abschweifen lassen. Bei trockenen Augen helfen Mittel aus der Apotheke. Auch ausreichend Schlaf dient der Erholung der Augen.
  • Neuen Daten zufolge hilft etwa Bewegung, die altersbedingte Makuladegeneration aufzuhalten.
  • Eine Sonnenbrille schützt vor der UV-Strahlung. Sie sollte die Augen möglichst auch seitlich abschirmen.
  • Wer schon bei ersten Symptomen eines Augenleidens zum Arzt geht, hat bessere Chancen, dass eine eventuell nötige Therapie anschlägt.