Medizingeräte in der Apotheke leihen

Sie brauchen ein Blutdruckmessgerät, einen Vernebler, eine Babywaage oder eine Milchpumpe? Viele Apotheken helfen hier gerne. Sie kümmern sich auch um die Reinigung und Überprüfung der Geräte

von Christian Krumm, 24.10.2019

Medizintechnik ist teuer. Doch viele Menschen benötigen sie lediglich für einen begrenzten Zeitraum. Ein Kauf der meist teuren Apparate lohnt sich dann kaum. Darum halten viele Apotheken Leihgeräte bereit, die sie ihren Kunden gegen eine geringe Gebühr zur Verfügung stellen. Die zusätzliche Kaution wird bei ordnungsgemäßer Rückgabe wieder ausgezahlt. Häufig übernehmen sogar die Krankenkassen die Kosten. Voraussetzung: eine ärztliche Verordnung.

Bei den Leihapparaten handelt es sich um hochwertige Markengeräte auf dem aktuellen Stand der Technik. Wie sie genau funktionieren, wird dem Kunden in der Apotheke erklärt. Bedienungsanleitungen muss er nicht wälzen.

Technischer Service der Apotheke

"Wir kümmern uns anschließend auch um die fachgerechte Reinigung und Desinfektion", sagt Claudia Hussels-Kapitza, Apothekerin aus Remscheid. Zu Milchpumpen oder Inhaliergeräten gebe es Hygienesets mit Materialien wie Schläuchen, Flaschen oder Masken. Sie muss der ­Patient erwerben und kann sie hinterher behalten oder entsorgen.

Damit jeder auch wirklich sein Wunschgerät erhält, rät Hussels-­Kapitza zu einer Reservierung: "Vor allem wenn abzusehen ist, dass ein bestimmtes Gerät benötigt wird, macht ein Anruf in der Apotheke schon Sinn. Ist gerade kein Gerät verfügbar, können wir uns manchmal auch um ein zusätzliches Gerät kümmern." Etwa zwei Tage Vorlaufzeit solle man schon einplanen.

Blutdruckmessgeräte

Bei Verdacht auf Unregelmäßigkeiten beim Blutdruck ist ein Arztbesuch unumgänglich. Zusätzlich ist es manchmal sinnvoll, mehrere Tage hintereinander die Werte selbst zu ermitteln. Dafür eignet sich ein Leihgerät aus der Apotheke. Es ist amtlich geeicht und liefert verlässliche Ergebnisse – sofern es korrekt angewendet wird.

Den richtigen Umgang kann der Apotheker dem Kunden genau erklären. Tipp: Wer unsicher ist, ob das eigene, gekaufte Gerät die richtigen Messwerte anzeigt, kann das mit den Werten des geeichten Leihgeräts überprüfen. Stimmen die Ergebnisse nicht überein, dann sollte wiederum der Arzt hinzugezogen werden.

Vernebler

Vor allem Patienten mit Atemwegserkrankungen profitieren von Inhalationen. Wichtig: Der Arzneistoff muss fein zerstäubt in die tiefen Atemwege gelangen. Das leisten spezielle Vernebler. Zwar übernehmen die meisten Krankenkassen die Kosten für den Erwerb solcher Geräte, zumindest für chronisch kranke Patienten.

Aber auch die brauchen mitunter vorübergehend Ersatz, zum Beispiel wenn ein defektes Gerät zur Über­prüfung eingesandt werden muss. Zudem können Inhalatoren auch bei Erkältungskrankheiten gute Dienste leisten. Für diesen kurzen Einsatz kann ein Leihgerät sinnvoll sein.

"Die Geräte sollten regelmäßig daraufhin überprüft werden, ob sie noch einen ausreichenden Druck aufbauen. Das können wir in der Apotheke mit ­­einem Spezialgerät kontrollieren", erklärt Hussels-Kapitza.

Milchpumpen

Wenn nach der Entbindung das natürliche Stillen nicht möglich ist, können elektrische Milchpumpen eine Alternative sein. "Manchmal haben die Säuglinge eine Trinkschwäche, beispielsweise weil sie zu früh geboren wurden", sagt Claudia Hussels- Kapitza. Vielen Müttern erlaubt zudem erst das Abpumpen wieder eine Berufstätigkeit.

Der Bedarf sei so groß, sagt die Apothekerin, dass sie mehrere Geräte vorrätig habe. In aller Regel übernehmen die Krankenkassen die Leihgebühren für mindestens ein halbes Jahr. Die Bedingungen am besten vorab bei der eigenen Ver­sicherung erfragen und eine Verordnung des Gynäkologen mitbringen.

Babywaagen

Bei Frühgeborenen, die nicht das ideale Geburtsgewicht haben, zählt in den ersten Lebenswochen jedes Gramm. "Mit elektrischen Babywaagen können die Eltern den Verlauf der Gewichtszunahme kontrollieren", erläutert Hussels-Kapitza.

Zudem lässt sich leichter überprüfen, ob der Nachwuchs ausreichend getrunken hat. Damit die Messwerte tatsächlich exakt stimmen, werden die in Apotheken verliehenen Babywaagen regelmäßig amtlich geeicht.