Kosmetik im Urlaub kaufen? Bitte beachten!

Andere Länder, andere Produkte. Worauf Sie achten sollten, wovon Sie besser die Finger lassen, und warum man Kosmetik und Sonnenschutz besser nicht am Strand, sondern in der Drogerie oder der Apotheke kauft

von Aglaja Adam, 10.09.2019

Korallenfreundliche Produkte  wählen

Bestimmte Stoffe wie der UV-Filter Oxybenzon stehen im Verdacht, Korallen und Fische zu schädigen. Kerstin Etzenbach-Effers von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen empfiehlt Sonnencremes mit Naturkosmetik­siegeln: "Als korallenschädlich eingestufte ­Stoffe und weitere problematische Inhaltsstoffe wie Mikroplastik oder mineralölbasierte Kunst­­stoffe sind darin verboten."

Wer im Ausland ­Naturkosmetik sucht, sollte solche mit dem internationalen Siegel "Cosmos" wählen. Die kostenlose INCI-App hilft, unterwegs Inhaltsstoffe abzufragen (www.haut.de/inhaltsstoffe-inci).

Im Zweifel besser selbst mitbringen

Mit Sommerurlaub verbinden viele Strand und Meer. Ein vernünftiger Umgang mit der Sonne ist gerade dort ein Muss. Dazu gehört der ­richtige Schutz. Doch kauft man Sonnencreme besser zu Hause oder erst am Urlaubsort?

"Allergiker und Personen mit empfindlicher Haut sollten ihren gewohnten Sonnenschutz in ­ausreichender Menge mitnehmen", rät Dr. Heike Behrbohm von der Deutschen Haut- und Allergiehilfe.

Wer in Europa bleibt, kann sicher sein: "Kosmetika, die nach der EU-Kosmetik-­Richtlinie zugelassen sind, enthalten nur ­entsprechend geprüfte und als toxikologisch unbedenklich eingestufte Inhaltsstoffe." Das gilt auch für UV-Filter.

Manchmal hilft nur noch die Kleidung

Wer plant, im Winter Sonne in Australien oder Neuseeland zu tanken, muss besonders ­aufpassen. Die Sonneneinstrahlung ist dann dort besonders stark. Hautkrebs ist die am häufigsten diagnostizierte Krebsart in diesen Ländern. Auf der offiziellen Tourismus-Web­seite australia.com wird geraten, möglichst viel Haut auch beim Schwimmen mit luftdurch­lässiger Kleidung zu bedecken.

Der Cancer Council Australia, eine Nichtregierungsorganisation für Krebsprävention, stattet teilweise Unterkünfte mit kostenloser Sonnencreme für Gäste aus. Lichtschutzfaktor 50+ ist Standard. In Neuseeland verteilt die Organisation Cancer Society kostenlos Sonnencreme, etwa an Bushaltestellen. Die Hautschutz-Kampagne "Slip" (langärmeliges Hemd anziehen), "Slop" (Hut aufsetzen), "Slap" (ausreichend Sonnencreme verwenden) kennt dort jeder.

Höheren Lichtschutzfaktor benutzen

In südlichen Ländern ist der UV-Index oft höher als in Deutschland, Werte über 8 sind keine ­Seltenheit. Die gesundheitliche Gefährdung stuft die Weltgesundheitsorganisation WHO ab 6 als hoch ein. Der UV-Index wird auf vielen Wetter-Apps angezeigt, monatliche Durchschnittswerte gibt es auf der Internetseite der WHO.

­Zusätzlich sollten Sie Ihren eigenen Hauttyp berücksichtigen und die Zeit, die Sie in der Sonne verbringen. Dementsprechend ist ein aus­reichend hoher Lichtschutzfaktor (LSF) zu wählen. Der LSF wird auch als SPF (Sun Protection  Factor) angegeben.

Wo kaufen: Supermarkt, Apotheke, Drogerie?

In allen Ländern gibt es große Preisunterschiede bei Sonnenschutzmitteln. Billig muss nicht wirkungslos sein. Wenn man sich unsicher ist, sollte man lieber ein paar Euro mehr ausgeben.

Den Sonnenschutz unbedingt in seriösen Geschäften kaufen", sagt Etzenbach-Effers. Dazu zählen zum Beispiel Apotheken, wo Kunden sich ­gemäß ihrem Hauttyp beraten lassen können. "Hände weg von Produkten fliegender Händler", warnt sie. In Frankreich gibt es kaum Drogeriemärkte. Kosmetika werden dort in Apotheken, Parfümerien oder im Supermarkt verkauft.

Vorsicht vor Kosmetik mit Hautaufhellern

Was bei uns die gesunde Bräune, ist in vielen asiatischen und afrikanischen Ländern die vornehme Blässe. Die Hautaufheller-Industrie boomt.

Expertin Behrbohm warnt: "Bei Auf­hellungspräparaten werden Octadecadiensäure, Kojisäure, Arbutin, Rucinol, Vitamin C, Lipo­hydroxysäure sowie verschiedene Fruchtsäuren eingesetzt. Diese Melaninblocker berauben die Haut ihres natürlichen UV-Schutzes."

Als ­be­sonders gefährlich stuft Behrbohm Hydrochinon ein. Diesen Stoff verwenden Ärzte
in maximaler Konzentration von fünf Prozent bei Pigment­störungen. In der EU ist er in kosme­tischen Mitteln verboten. "Von einer Anwendung in Eigen­­regie raten wir dringend ab", sagt die ­Expertin.

Solche Präparate deshalb besser ­meiden. Vorsicht ist auch bei selbst gemischten Bleichcremes, Ampullen oder Tabletten geboten: Sie können noch gefährlichere Stoffe wie Blei, Quecksilber oder Steroide enthalten.

Achung: gefälschte Produkte!

Auf Touristenmärkten und an Stränden hat gefälschte Kosmetik Hochkonjunktur. 2017 wurden an den EU-Außengrenzen Kosmetika im Wert von circa 26,5 Millionen Euro sichergestellt, ermittelte der VKE-Kosmetikverband. Geschäftsführer Martin Ruppmann warnt vor Verbrennungen durch fehlenden Lichtschutz, Verätzun­­gen durch Säuren sowie Haut­irritationen.

Woran man Fälschungen erkennt? Oft nicht am Preis, sie werden laut Ruppmann inzwischen meist nur unwesentlich günstiger verkauft. Bei Verpackungen jedoch sind schlechteres Material, ein unsauber aufgebrachter Markenname oder fehlende Produktinformationen verdächtig.

Bleibender Körperschmuck als Souvenir

Urlaubserinnerung auf der Haut: Stechen lassen oder nicht?

Anders als in Deutschland werden Tattoo-Studios mancherorts nicht behördlich überwacht. "Als Zugabe zum Tattoo kann man auch eine HIV- oder Hepatitis-Infektion mit nach Hause bringen", warnt der Dermatologe Dr. Uwe Kirschner aus Mainz. "Es kommt außerdem vor, dass billige ­­Industriefarben verwendet werden, die Allergien auslösen können."

Achten Sie auf die Hygiene­zustände im Studio. "Am besten erst am Ende des Urlaubs tätowieren lassen", rät Kirschner. Das neue Tattoo dürfe nicht direkt in die Sonne. "Mit großflächiger Wundauflage, später mit lockerer UV-Kleidung schützen."

Während der Heilung auch vor Sonnencreme und Schweiß schützen. Weitere Tipps gibt das Bundesgesundheits­ministerium im Internet auf www.safer-tattoo.de.

Gepflegtes Gesichtshaar: Ab in den Barber-Shop!

Seit etwa 2010 ist eine regelrechte Barbier-­Welle aus den USA nach Europa geschwappt. "Das ist eine Rückbesinnung auf eine Tradition, die es früher in jedem Land gab", sagt Micha Birkhofer. Er hat die "International Barber Awards" ins ­Leben gerufen.

In südeuropäischen Ländern sei der Herrenfriseur nie weg gewesen. "Dort lohnt es sich, Haare und Bart im Gesamtpaket stylen zu lassen."

Auch in orientalischen Ländern ­gehören Barbier-Läden seit jeher zum Straßenbild. "Wer keinen Vollbart trägt, sollte sich zum Beispiel im Türkei-Urlaub eine Nass­rasur gönnen."

Dabei das Rundum-Wohlfühl­paket buchen, rät Birkhofer: "Das Gesicht wird mit warmen ­Tüchern verwöhnt und gereinigt, oft noch massiert." Hippe Barbier-Läden gibt es inzwischen in allen Metropolen, die neuesten Trends kommen aus Großbritannien.