Ab ins Schwimmbad: Tipps fürs Baden

Plantschen ohne Reue – Das erfrischende Wasser belebt Groß und Klein. So bleibt der Freizeitspaß ohne unangenehme Folgen für die Gesundheit

von Sonja Gibis, 12.08.2019

Haut: Schutz und Pflege

Wenn sich die Haut rötet, kann das gechlorte Wasser schuld sein. "Manche Menschen reagieren empfindlich", weiß Juliane Stark-Kreul, Leiterin einer Apotheke im nordrhein-westfälischen Marl. Dagegen hilft gute Hautpflege, unter anderem mit einer rückfettenden Creme. Die häufigste Ursache für rote Haut ist aber die Sonne.

Dr. Markus Reinholz, Dermatologe am Klinikum der Universität München, rät dringend zu gutem Schutz. Das beugt nicht nur Sonnenbrand und vorzeitiger Hautalterung vor, sondern auch Hautkrebs. Je heller der Teint, desto größer die Gefahr.

"Die Haut vergisst keinen Strahl", sagt Reinholz. Dabei sollte die Creme oder Lotion mindestens einen Lichtschutzfaktor von 30 haben – "am besten 50", rät der Dermatologe. "Zwischen elf und drei ist sonnenfrei", ergänzt Stark-Kreul. Dann sollte man direkte Sonne meiden und selbst unterm Schirm aufs Eincremen nicht verzichten.

Trockenes Gehör

Klingt die Welt nach dem Schwimmen plötzlich dumpf oder im Ohr knackt es, hat sich im Gehörgang Wasser angesammelt. Den Kopf hin und her zu wiegen lässt es meist abfließen. Indem man die flache Hand aufs Ohr legt und schnell wegzieht, kann man das Wasser quasi heraussaugen.

"Manchmal lässt es auch einen Pfropf aus Ohrenschmalz aufquellen", sagt Stark-Kreul. Auf keinen Fall sollte man selbst mit Wattestäbchen im Ohr herumstochern. In der Apotheke gibt es Mittel, die das Schmalz aufweichen. Ein hartnäckiger Pfropf muss vom Arzt entfernt werden.

Das eingedrungene Wasser kann überdies zu einem Nährboden für Keime werden – der Gehörgang entzündet sich, juckt und schmerzt. Auch dann sollte man einen HNO-Arzt aufsuchen. Zur Vorbeugung kann es helfen, Ohrenstöpsel zu tragen. Vor allem bei Kindern rät Stark-Kreul, sie zusätzlich mit einer engen Badekappe zu fixieren.

Schwimmbrille

Oft sind die Augen am Ende eines Badetages rot und brennen. "Das gechlorte Wasser reizt die Bindehaut", erklärt Apothekerin Stark-Kreul. Zur Linderung empfiehlt sie pflanzliche Augentropfen mit Augentrostextrakt oder spezielle Pflegetücher. Sind die Augen nach zwei Tagen noch immer rot oder gar verklebt, handelt es sich wahrscheinlich um eine Infektion.

Bei heftigen Beschwerden oder wenn das Sehvermögen beeinträchtigt ist, rät Stark-Kreul, einen Arzt aufzusuchen. Die Symptome sollte man nicht unterschätzen: Eine Bindehautentzündung ist extrem ansteckend, auch von einem Auge auf das andere. Zur Vorbeugung hilft eine Schwimmbrille.

Ursachen für juckende Haut

Beginnt die Haut nach dem Schwimmen zu jucken und es bilden sich Pusteln, kann das verschiedene Ursachen haben.

Ein Grund kann die Sonnencreme sein. Gegen die sogenannte Mallorca-Akne empfiehlt Stark-Kreul Sonnenschutz-Gele ohne Emul­gatoren. Manchmal leben die ­Ver­ursacher am schlammigen Ufer eines Naturbades, in dem sich ­­Seevögel wohlfühlen. Sie sind der Wirt für winzige Saugwürmer, die Zerkarien. Ihre Larven können bei Kontakt mit der Haut eine allergische Reaktion hervorrufen.

Gefährlich ist das nicht. "Doch bilden sich Pusteln, die heftig jucken", sagt Dermatologe Reinholz. Cremes mit Polidocanol, Kortison oder Antihistaminen lindern die Symptome. Vorbeugend hilft es, vor dem Baden eine fettende Creme oder wasserfestes Sonnenschutzmittel auf­­zutragen und sich danach gut abzutrocknen.

Die Ursache für juckende Pusteln ist mitunter aber auch im Gras zu finden. Dort leben verschiedene ­Milbenarten, die die Haut des ­Menschen befallen können. Manche Pflanzen enthalten zudem phototoxische Stoffe, die bei Kontakt die Haut lichtempfindlich ­werden lassen. "Es kommt zu einer Wiesengräser-Dermatitis", sagt Reinholz. Auch hier lassen sich
nur die ­­Symptome behandeln. Der beste Schutz ist schlicht eine Decke.

Nasse Kleidung wechseln

Keime lieben es feucht. Wichtig ist daher, nasse Schwimmkleidung sofort zu wechseln. Vor allem bei Frauen rufen Keime leicht eine Blasenentzündung hervor: Beim Toilettengang brennt es.

"Nur in wenigen Fällen ist sofort ein Antibiotikum nötig", sagt Stark-Kreul, die sich auf pflanzliche Arzneien spezialisiert hat. Das zeigen Stu­dien. Die Beschwerden lassen sich demnach auch mit dem Schmerzmittel Ibuprofen oft gut behandeln. Die Apothekerin empfiehlt zudem pflanzliche Präparate. Eine gute Beratung sei wichtig: "Es gibt hier große Unterschiede."

Zum Ausspülen der Bakterien rät Stark-Kreul zu speziellen Tees sowie dem Zucker D-Mannose. Schmerzt es in der Nierengegend, kommt Fieber dazu, sind die Beschwerden heftig oder nach drei Tagen nicht weg, sollte man zum Arzt gehen. Das gilt besonders für Schwangere und chronisch Kranke.

Vorsicht bei Warzen

Bilden sich an den Füßen oder an anderen Bereichen des Körpers Warzen, hat man sich die Erreger oft im Schwimmbad eingefangen. "Verursacher können Humane ­Papillom-Viren sein", so Reinholz.

Harmlose Dellwarzen, die vor ­­allem Kinder aus dem Schwimmbad mitbringen, werden indes von ­einem Erreger aus der Familie der Pockenviren hervorgerufen. Die meisten Knubbel verschwinden von selbst. Doch sie können ansteckend sein.

Behandeln kann man sie mit einer Lösung aus Salizyl- oder Ameisensäure oder durch Vereisung. "Vorbeugend hilft eine gute Fußpflege", weiß der Dermatologe – etwa mit ureahaltiger Creme.

Badelatschen helfen

Die Erreger von Fuß- und Nagelpilz lauern ebenfalls im Schwimmbad. Der Tipp von Hautarzt Reinholz: "Immer Badelatschen tragen." Nach dem Schwimmen sollte man auch zwischen den Zehen das Abtrocknen nicht vergessen.

Juckt die Haut und löst sich dort oder an den ­Fußsohlen großflächig oder in Schuppen ab, hat man sich wohl trotzdem einen Pilz eingefangen. "Man sollte ihn konsequent behandeln", rät Stark-Kreul. Dazu gibt es frei verkäufliche Anti-Pilz-Cremes.

Während der Therapie sollte man Handtücher, Bettwäsche und ­Socken bei mindestens 60 Grad waschen. Denn schnell kann aus einem Fußpilz ein hartnäckiger ­Nagelpilz werden. Der Nagel wird dick und spröde, verfärbt sich gelblich. "Die Behandlung ist oft langwierig", sagt Reinholz. Verfügbar sind spezielle Nagellacke. Manchmal wird die Einnahme verschreibungspflichtiger Tabletten nötig.