Schlafstörungen: Ursachen, Therapien und Selbsthilfe

Schlecht einschlafen, nicht durchschlafen, schnarchen, mit kribbelnden Beinen auf und ab gehen, am Tage mehrfach wegdösen – Schlafprobleme haben viele Gesichter und zahlreiche Ursachen

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 04.04.2018

Schlafmangel (Insomnie): Häufigstes Schlafproblem in Deutschland

  • Definition: Mindestens dreimal pro Woche über einen Zeitraum von ein bis drei Monaten kommt es zu Ein- und / oder Durchschlafstörungen oder frühmorgendlichem Erwachen (nach ICD-10, ICSD-3)
  • Die Schlafstörungen sind nicht durch andere körperliche oder psychische Störungen bedingt.
  • Folgen: Die unbefriedigende Schlafdauer oder -qualität beeinträchtigt das Befinden und die Leistungsleistungsfähigkeit am Tag. Es kann zu erheblichem Leidensdruckkommen.
  • Betroffen: Etwa sechs Prozent der Bevölkerung.
  • Diagnose: Arztgespräch, Schlaffragebögen, Schlaftagebuch über 14 Tage, gegebenenfalls Aktometrie (Bewegungsmessung, Ruhe- und Aktivitätsprofils tagsüber und nachts über 14 Tage) und weitere Untersuchungen bei Bedarf.
  • Verlauf: Eine Insomnie kann akut auftreten und wieder abklingen, unter bestimmten Voraussetzungen (Fehlanpassungen auf körperlicher, geistiger und psychischer Ebene), aber auch chronisch werden.
  • Therapie: Selbsthilfemaßnahmen wie gesunder Lebensstil und den Schlaf fördernde Verhaltensweisen ("Schlafkunde"); zusammen mit dem Arzt/Therapeuten eingeleitete Steuerung der Schlafdauer (kontrollierte Schlafanregung und Schlafeinschränkung), kognitive Verhaltenstherapie. Bei Bedarf kurzzeitige ärztliche Verordnung eines Schlafmittels, eventuell unterstützend pflanzliche Mittel.

Was ausreichend Schlaf uns alles Gutes tut, darüber sammeln Wissenschaftler immer wieder neue Erkenntnisse:
Im Schlaf lernen – denn unser Gehirn schafft nachts nicht nur geistige Ordnung, sondern verarbeitet frisch Aufgenommenes intensiver.
Im Schlaf abnehmen – wer nicht zu wenig und nicht zu viel schläft, speckt leichter ab.Im Schlaf jung und schön bleiben – das wussten schon unsere Großmütter.
Und: Zu geistiger und körperlicher Fitness kommen als Pluspunkte des guten Schlafes ein gestärktes Immunsystem, seelische Ausgeglichenheit, bessere Organ- und Stoffwechselfunktionen.

Die eine oder andere unruhige Nacht – das kennt jeder

Stress, beruflicher Ärger, private Probleme, Reisefieber, freudige Erwartung vor einem wichtigen Ereignis wirken bis weit in die Nacht hinein. Auch eine Erkältung oder ein juckender Ausschlag lassen uns immer wieder mal schlecht schlafen. Es kann auch einfach nur die alte, ausgelegene Matratze sein oder die neue Straßenlampe vor dem Schlafzimmerfenster, die für nächtliche Unruhe sorgt.

Der Infekt heilt aus, auch mit Hilfe des Schlafs, die Aufregung legt sich, eine neue Bettauflage entlastet den Rücken.

Dann finden viele wieder in ihren gewohnten Schlafrhythmus zurück. Der ist allerdings von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. So wie es Frühaufsteher und Nachtmenschen gibt, ist auch die Schlafmenge, die jemand braucht, um untertags fit zu sein, individuell verschieden.

Erholsamer Schlaf: Weder zu wenig noch zu viel – und gut

Schön und gut, aber nicht für uns, werden sich angesichts solcher Berichte rund ein Drittel der Deutschen sagen. Sie leiden an Schlafstörungen und wollen einfach nur einmal wieder richtig schlafen: Nicht zu wenig und nicht zu viel, irgendwo um die sieben Stunden vielleicht, gleich einschlafen, ohne Unterbrechungen durchschlafen, ausgeruht morgens aufwachen, konzentriert, aktiv und gut gelaunt ihren Tag gestalten.

Zu viele Menschen nehmen jedoch ihre unzureichende Nachtruhe als gegeben hin oder versuchen, mit Schlafmitteln selbst dagegen anzugehen – oft ohne dauerhaften Erfolg oder mit nur noch stärker werdenden Schlafproblemen. Denn für Schlafstörungen gibt es viele unterschiedliche Ursachen. Deshalb gilt es, diesen auf die Spur zu kommen. Mit der richtigen Diagnose lassen sich auch meistens wirksame Therapien finden.

Schlafproblem Nr. 1: Zu wenig oder schlecht

Die meisten Betroffenen, die über schlechten Schlaf klagen, leiden an einer Insomnie, an Schlaflosigkeit, die durch (individuell) zu wenig Schlaf gekennzeichnet ist. Sie haben Schwierigkeiten, einzuschlafen und/oder wachen nachts ein oder mehrmals auf. Dann liegen sie mitunter lange Zeit wach. Andere schlafen erst einmal fest, werden dann aber früh morgens unruhig und können keinen Schlaf mehr finden.

Anhaltend unterbrochene oder verkürzte Nächte können Ausdruck einer sogenannten sekundären Insomnie sein, die konkrete Ursachen hat. Falsche Schlafgewohnheiten und äußere Störfaktoren kommen als Auslöser infrage. Vielfach stecken auch körperliche, neurologische oder psychische Erkrankungen dahinter. Die Schlafstörung ist dabei einmal Symptom für bestimmte Krankheiten. Andererseits kann Schlafmangel diese aber auch fördern, wie etwa Bluthochdruck oder Depressionen. Nur selten lassen sich für die Schlaflosigkeit keine Ursachen finden (primäre Insomnie). Mediziner stellten jedoch fest, dass dann häufig Sorgen, die sich auf den Schlaf beziehen, tatsächlich zu gestörter Nachtruhe führen.

Schlafstörung: Wann zum Arzt?

Jeder, der schlecht schläft, sollte aufmerksam werden. Lassen sich für akut auftretende Schlafprobleme keine greifbaren Auslöser wie Stress oder ein Infekt finden, ist es wichtig, anderen möglichen Ursachen auf die Spur zu kommen, vor allem, wenn die Schlafstörungen länger anhalten.

Wenn Sie seit mindestens über einen Monat (siehe oben) drei Nächte oder mehr in der Woche keinen durchgehenden, erholsamen Schlaf finden und sich tagsüber müde und kraftlos oder auch nervös und gereizt fühlen, sprechen Mediziner von einer Schlafstörung. Auch wenn Sie selbst den Eindruck haben, gut zu schlafen, aber unter starker Tagesmüdigkeit leiden, ist das häufig ein Hinweis auf eine gestörte Nachtruhe. In all diesen Fällen sollten Sie auf jeden Fall zum Arzt gehen.

Hauptursachen für Schlaflosigkeit

  • Lebensgewohnheiten, Genussmittel wie Kaffee, Alkohol, Rauchen
  • Schlafumgebung
  • Störungen im Schlaf-Wach-Rhythmus durch Jet lag, Schichtarbeit

(Mehr Informationen dazu im Kapitel "Lebenssituation, Schichtarbeit")

  • Medikamente, Schlafmittel

(Mehr Informationen dazu im Kapitel "Medikamente, Schlafmittel")

(Mehr Informationen dazu im Kapitel "Körperliche Erkrankungen")

(Mehr Informationen dazu im Kapitel "Depressionen und andere psychische Auslöser")

Besondere Formen und Ursachen gestörten Nachtschlafs

  • Atmungsstörungen wie Schnarchen und nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe)

(Mehr Informationen dazu im Kapitel "Schnarchen, Schlafapnoe")

  • Bewegungsstörungen wie ruhelose Beine (Restless-Legs-Syndrom)

(Mehr Informationen dazu im Kapitel "Restless Legs")

  • Schlafsucht (Narkolepsie)
  • Nächtliche Ereignisse im Schlaf (Parasomnien) wie Schlafwandeln, Angstzustände, Einnässen, Zähneknirschen

(Mehr Informationen dazu im Kapitel "Narkolepsie, Parasomnien")

Schnarcher und Menschen, die nachts längere Atemaussetzer haben, fühlen sich dadurch oft nicht bewusst in ihrem Schlaf gestört, umso mehr allerdings ihre Mitschläfer. Die eigene Schlafqualität leidet jedoch erheblich, vor allem bei einer Schlafapnoe, die zu ernsthaften Gesundheitsproblemen führen kann.

Auch bei Parasomnien wachen die Betroffenen meist nicht auf, können durch ihre nächtlichen Aktivitäten jedoch sich selbst und andere gefährden. Neben Schlafwandeln zählen auch Zähneknirschen oder Einnässen zu diesen oft von den Betroffenen nicht wahrgenommenen Ruhestörern.

Das Syndrom der ruhelosen Beine, häufig mit dem englischen Begriff restless legs bezeichnet, gehört in die Reihe sogenannter schlafbezogener Bewegungsstörungen. Sobald die Betroffenen sich hinlegen, hindert ein unangenehmes Kribbeln in den Beinen sie am Einschlafen. Es bessert sich häufig erst, wenn sie aufstehen und umhergehen. Der Nachtschlaf wird auf diese Weise mehrfach unterbrochen. Weitere Probleme aus dieser Gruppe sind nächtliche Muskelzuckungen oder teils heftige Bewegungen der Gliedmaßen im Schlaf.

Ein erhöhtes Schlafbedürfnis am Tag, eine sogenannte Hypersomnie, ist eine oft kennzeichnende Folge solcher nächtlichen unbewusst oder bewusst erlebten Unterbrechungen. Unter Narkolepsie verstehen Mediziner ein extremes Schlafbedürfnis am Tag mit regelrechten Schlafattacken. Sie können mit weiteren Beschwerden wie plötzliche Muskelerschlaffung, Halluzinationen und einer gestörten Nachtruhe einhergehen.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Ohne Schlaf geht es nicht

Auch wenn es Menschen gibt, die bemüht sind, in allerlei Experimenten das Gegenteil nachzuweisen: Irgendwann fallen auch ihnen die Augen zu. Ohne Schlaf geht es einfach nicht. Kein Wunder also, dass die Liste der körperlichen und seelischen Folgen von Schlafmangel ziemlich lang ist.

Auf Schlafentzug reagieren Menschen nicht nur mit nachlassender Konzentration und verminderter geistiger Leistungsfähigkeit, sie werden mit Dauer des Schlafmangels zunehmend gereizter, launischer und haben Trugwahrnehmungen bis hin zu Persönlichkeitsstörungen und Suizidgedanken. Muskelspannung, Atmung, Herzschlag, Blutdruck, Körpertemperatur, Hormone, Stoffwechsel und andere Funktionen geraten durcheinander, wenn der natürliche Rhythmus von Schlafen und Wachen längerfristig gestört wird.

Der normale Schlafrhythmus folgt dem Wechsel von Tag und Nacht

Ein Großteil der Vorgänge im Körper passen sich an den Wechsel von Tag und Nacht an (zirkadianer Rhythmus über 24 Stunden) und befähigen uns, morgens wach zu werden und abends müde. Eine wichtige Rolle übernehmen dabei bestimmte Gruppen von Nervenzellen im Gehirn, die Verbindungen zu den Sehnerven haben und ebenso zu anderen Gehirnbereichen. Tag und Nacht, Hell und Dunkel nehmen so unmittelbar Einfluss auf den Schlaf-Wach-Rhythmus.

Die aufeinander abgestimmten Nervensignale regeln das Auf und Ab von Hormonen, der Körpertemperatur sowie bestimmter chemischer Stoffe, die auch am Immunsystem beteiligt sind. Nachts werden zum Beispiel das Hormon Melatonin und Wachstumshormone ausgeschüttet, die den Schlaf begünstigen. Sie nehmen morgens ab, wenn das Hormon Kortisol wieder ansteigt, das uns munter werden lässt.

Dann erhöht sich auch die Körpertemperatur. Sie sinkt gegen Abend erneut ab, damit wir besser schlafen können. Übrigens weist die Körpertemperatur auch am Tage ein kurzfristiges Zwischentief auf, in den frühen Nachmittagsstunden. Parallel dazu fühlen sich viele Menschen gerade um diese Zeit müde, und wer mag und kann, hält dann eine kurze Mittagsruhe.

Zwei Grundstadien gliedern den Schlaf: REM und NREM

Der Schlaf ist gekennzeichnet durch zwei Grundstadien, in denen das Zentralnervensystem und verschiedene Körperfunktion entsprechend aktiv beziehungsweise weniger aktiv sind, um so Erholung und Regeneration im Schlaf zu ermöglichen.

  • In einer dieser Schlafstadien bewegt der Schläfer seine Augen unter den geschlossenen Lidern schnell hin und her. Mediziner sprechen deshalb von REM-Schlaf (von engl. rapid eye movement). In diesem Stadium träumen wir besonders lebhaft. Deshalb war früher auch vom Traumschlaf die Rede. Etwa 20 Prozent seiner Schlafenszeit verbringen Erwachsene im REM-Schlaf, Säuglinge dagegen etwa die Hälfte.
  • Das andere Stadium ist der NREM-Schlaf (non rapid eye movement), der sich in vier Phasen aufteilt: zwei Leichtschlafphasen und zwei Tiefschlafphasen. Diese Phasen lösen einander mit dem REM-Schlaf mehrmals in der Nacht ab, gegen Morgen überwiegen REM-Schlaf und Leichtschlafphasen (siehe Grafik oben).

Wer demnach nachts gar nicht zur Ruhe kommt, ist unser Gehirn. Es lenkt allerdings seine Aktivitäten um und nützt die Schlafenszeit für wichtige Aufräum- und Reparaturarbeiten. Wissenschaftler sind den genaueren Abläufen noch weiter auf der Spur. Nervenzellen, die untertags stark beansprucht wurden und vielen Einflüssen unterliegen, können sich nach Ansicht von Experten im Schlaf herunterfahren und regenerieren.

Die Verwirrtheit und die Trugbilder, die vielfach nach längerem Schlafentzug auftreten, lassen sich womöglich damit erklären, dass das Nervensystem konstant überlastet ist, wenn es keine Chance hat, sich von überflüssigen Ballast zu befreien und Erlebtes in Ruhe zu sortieren. In anderen Bereichen werden nachts neue Verbindungen zwischen den Nervenzellen geschaffen. Neu Erlerntes wird so gefestigt und im Gedächtnis verankert. Wer gut schläft, lernt leichter und nachhaltiger.

Jede Phase ist wichtig für die Erholungsfunktion des Schlafs. Wesentliche Körpervorgänge wie etwa der Blutdruck, die Verdauungstätigkeit oder die Muskelspannung verändern sich nachts ebenfalls, je nachdem in welchem Stadium sich der Schläfer befindet. Der Blutdruck etwa sinkt im Tiefschlaf. Wird der Schlaf nun mehrfach unterbrochen, muss der Nichtschläfer sogar aufstehen, steigt zum Beispiel auch der Blutdruck wieder an. So können länger anhaltende Schlafprobleme unter anderem Bluthochdruck begünstigen.

Die verschiedenen Schlafstadien werden über fein abgestimmte Nervensignale im Gehirn gesteuert. Alles, was dieses Zusammenspiel beeinträchtigt beziehungsweise verändert, stört auch den natürlichen Schlafrhythmus.

So können zum Beispiel Genussmittel wie Kaffee, Nikotin oder Alkohol sowie bestimmte Medikamente den REM-Schlaf und auch den Tiefschlaf beeinflussen. Das gilt ebenso für Krankheiten, die Herz- und Atemtätigkeit, Nerven, Muskeln oder Stoffwechsel in Mitleidenschaft ziehen.

Eine wesentliche Rolle spielt die Psyche. Wenn die Gedanken um Sorgen, Ängste, ungelöste Probleme, Belastungen und Konflikte kreisen, werden weiter Stresshormone ausgeschüttet, der gesamte Organismus kommt nicht zur Ruhe. Für die Schlafarchitektur, wie Experten den Verlauf der unterschiedlichen Phasen bezeichnen, sind auch Hormone von Bedeutung wie Serotonin und Noradrenalin, die bei Depressionen ins Ungleichgewicht geraten. Schlafstörungen, vor allem das frühmorgendliche Aufwachen, können daher auf eine Depression hinweisen.

Fünf oder zehn Stunden – wie viel Schlaf brauchen wir?

Ungeachtet der ewigen Diskussionen zwischen Lang- und Kurzschläfern, Frühaufstehern und Nachtmenschen: Schlafmenge und Schlafzeiten bewegen sich zwar in einem gewissen Rahmen, sind jedoch von Mensch zu Mensch verschieden. Veranlagung, Alter und Gewohnheiten spielen hier eine Rolle.

Den Ausschlag gibt letztlich, wie erholt sich ein Mensch am Morgen fühlt, ob er tagsüber müde und unkonzentriert ist oder ob er, von natürlichen Tiefs abgesehen, den größten Teil des Tages voller Energie und geistig wie körperlich fit verbringt. Bei einigen ist das nach sechs Stunden Schlaf der Fall, bei anderen erst nach neun Stunden. Den Menschen, die dazu tendieren, eher kürzer zu schlafen, hilft häufig ein kurzes Nickerchen am Tage (power napping). Allerdings kann so ein Sekundenschlaf keinen dauerhaften Schlafmangel oder einen schlechten Nachtschlaf ausgleichen.

Am effektivsten: Etwa sieben bis acht Stunden Schlaf

Wissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass ein gutes Mittel von sieben bis acht Stunden Schlaf am effektivsten ist. So nahmen in Untersuchungen zu Schlaf und Übergewicht Menschen, die weniger als sechs Stunden pro Nacht schliefen, schneller an Gewicht zu als Normalschläfer mit sieben bis acht Stunden. Mehr Pfunde legten allerdings auch die zu, die neun Stunden und länger im Bett blieben. Andere Tests, die sich mit Schlafdauer und Lebenserwartung beschäftigten, lassen ebenfalls vermuten, dass ein Durchschnittsmaß der beste Jungbrunnen ist.

Jugendliche brauchen in der Regel mehr Schlaf als Erwachsene. Sie gehören auch häufiger zu den Langschläfern. Nach der Pubertät finden sie dann zu ihrem persönlichen Normalmaß. Im Alter kehrt sich das bei vielen um. Hier überwiegen die Frühaufsteher. Die Schlafmenge bleibt allerdings meist unverändert, nur verteilt sie sich auf Tag und Nacht, da ältere Menschen häufiger untertags ein Schläfchen halten. Zudem wird der Schlaf oberflächlicher, die Tiefschlafphasen nehmen ab.

Der Trend in unserer Gesellschaft geht eher in Richtung zu wenig Schlaf, da viele meinen, sich Schlaf nicht mehr leisten zu können oder zu wollen. Schlafmangel und Schlafstörungen verursachen oft folgenreiche Probleme für die Gesundheit und das Alltagsleben. Viele Verkehrsunfälle passieren zum Beispiel, weil der Fahrer übermüdet und damit weniger konzentriert ist oder deshalb in einen Sekundenschlaf fällt.

Es lohnt sich in vieler Hinsicht, den Schlafstörern auf die Spur zu kommen und dann gezielt etwas gegen die unruhigen oder zu kurzen Nächte zu unternehmen.

Die internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) beziehungsweise der Schlafstörungen (ICSD-3) teilt diese in verschiedene Gruppen und Schweregrade von leicht bis schwer ein. Die Einordnungen werden von Zeit zu Zeit den neuesten Erkenntnissen aus der Schlafforschung angepasst. Sie geben dem Arzt hilfreiche Instrumente an die Hand, wenn es darum geht, eine Schlafstörung zu diagnostizieren.

Im Vordergrund steht für ihn jedoch, was der Patient berichtet, wie er seine Schlafprobleme wahrnimmt, in welcher Form sein Alltag dadurch beeinträchtigt wird und welche Beschwerden er sonst noch hat.

Allerdings haben nicht wenige Menschen zwar den subjektiven Eindruck, schlecht oder zu wenig zu schlafen, fühlen sich aber tagsüber körperlich und geistig fit. Das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit am Tag sind wichtige Kriterien für den Arzt, wenn er eine Schlafstörung beurteilen soll. So bezeichnen Schlafexperten Schlafstörungen auch korrekter als den nicht erholsamen Schlaf.

Denn auf der anderen Seite gibt es Menschen, die Störungen ihres Schlafs nicht wahrnehmen, die also das Gefühl haben, normal zu schlafen. Am Tage sind sie jedoch unausgeschlafen oder sogar schläfrig und leiden wiederholt unter Konzentrations- und Leistungsschwächen.

Häufige Fragen zur Schlafqualität, die der Arzt stellt (Auswahl):

  • Wie äußern sich die Schlafprobleme? Wann gehen Sie zu Bett, wie lange benötigen Sie ungefähr, um einzuschlafen. Wachen Sie nachts auf, wenn ja, wie oft? Wann wachen Sie morgens auf?
  • Wie ist Ihr Befinden am Tag? Sind Sie oft müde und unkonzentriert? Fühlen Sie sich häufig niedergeschlagen und lustlos?
  • Nicken Sie untertags immer wieder ein, vielleicht auch in unpassenden Situationen?
  • Schnarchen Sie oder haben Sie nächtliche Atemaussetzer (nach Angabe von anderen)?
  • Haben Sie körperliche Beschwerden? Zum Beispiel Atemprobleme, Gelenk- oder Kopfschmerzen, Herzbeschwerden, Muskelschmerzen, Muskelzuckungen, Kribbeln in Armen oder Beinen?
  • Leiden Sie an einer bestimmten Krankheit?
  • Nehmen Sie Medikamente ein, zum Beispiel Mittel gegen Bluthochdruck, Asthma, Allergien?
  • Nehmen Sie Schlafmittel ein?
  • Wie sieht Ihre Lebens- und Arbeitssituation aus? Müssen Sie oft reisen, auch in andere Zeitzonen? Leisten Sie Schichtarbeit?
  • Stehen Sie privat oder beruflich sehr unter Stress? Gibt es Dinge, die Sie belasten, Ihnen Angst machen?
  • Fühlen Sie sich oft antriebslos, traurig und niedergeschlagen?
  • Wie sieht Ihr Schlafbereich aus (Schlafzimmer, Bett, Matratze, Temperatur, Luftzufuhr)? Wie die Umgebung (Lärm, Helligkeit, Luftqualität)?
  • Wie viel Kaffee trinken Sie am Tag und wann? Wie viel Alkohol? Was essen Sie abends?
  • Wie gestalten Sie Ihre Abende?
  • Haben Sie die Sorge, wenn Sie ins Bett gehen, dass Sie wieder nicht gut schlafen werden?

Um Schlafgewohnheiten und Beschwerden noch genauer erfassen zu können, ist es sehr hilfreich, ein Schlaftagebuch zu führen und über eine oder zwei Wochen die Schlafgewohnheiten und -erfahrungen aufzuschreiben. Die Fragenliste des Arztes liefert dafür wesentliche Anhaltspunkte. Relevant sind zum Beispiel die Bettzeiten, die eigentliche Schlafdauer, Art und Häufigkeit des Aufwachens, störende nächtliche Einflüsse, und wie die Schlafqualität subjektiv eingeschätzt wird.

Wertvoll sind auch Beobachtungen des Schlafpartners hinsichtlich Auffälligkeiten wie Atempausen und wiederkehrende Beinbewegungen des betroffenen Partners im Schlaf (siehe ebenfalls Fragensammlung oben).

Der Krankengeschichte, die der Arzt erfragt, falls sie ihm noch nicht vertraut ist, folgt meist eine eingehende körperliche Untersuchung, um eventuell noch unbekannte Gesundheitsprobleme aufzudecken. Hier kommen zum Beispiel Bluthochdruck oder andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, eine Gefäßverkalkung (Arteriosklerose), Atemwegsbeschwerden oder Magenleiden infrage.

Gegebenenfalls schließen sich verschiedene Labortests an, um zum Beispiel mögliche Schilddrüsenstörungen oder Nierenleiden zu erkennen. Ein Elektrokardiogramm (Messung der Herzstromkurve) sowie Ultraschalluntersuchungen geben Aufschluss über die Funktion des Herzens und anderer innerer Organe, etwa der Leber und wichtiger Gefäße.

Je nach Ergebnis der Untersuchungen wird der Hausarzt seinen Patienten möglicherweise an einen Arzt einer anderen Fachdisziplin überweisen. Zuständig können unter anderem ein Internist, Lungenfacharzt, Hals-Nasen-Ohren-Arzt, ein auch schlafmedizinisch ausgebildeter Zahnarzt, Kieferorthopäde oder Mund-Kiefer-Gesichtschirurg, manchmal auch ein Diabetologe oder ein Hormon- und Drüsenspezialist (Endokrinologe) sein.

Für Probleme im Bereich der Nerven und des Gehirns ist ein Neurologe zuständig. Vermutet der Arzt eine psychische Erkrankung hinter den Schlafproblemen, werden ein Psychotherapeut oder Psychiater die nächsten Ansprechpartner sein.

Zentrale Aufgaben bei der Diagnose und Therapie von Schlafstörungen übernehmen schließlich Schlafmediziner. Ihre Untersuchungen führen sie ambulant, teilstationär und stationär durch. Am Anfang stehen häufig spezielle Schlaffragebögen und Punktekataloge (Indices, Skalen), mit denen sie die Schlafstörung und das Ausmaß der damit verbundenen Beschwerden genauer erfassen können. Eine übermäßige Tagesschläfrigkeit (Hypersomnie) etwa diagnostizieren sie mit Hilfe sogenannter Wachheits- oder Vigilanztests.

Auch Untersuchungen zum Beispiel der motorischen Aktivität (Bewegungsmessung oder Aktometrie) werden ambulant eingeleitet. Dabei registriert ein Bewegungsmesser am Handgelenk die Bewegungen im Schlaf- und Wachzustand über 24 Stunden, natürlich auch bei unterbrochenem Schlaf. Dies läuft ebenfalls etwa zwei Wochen und wird dann über einen Computer analysiert.

Die eigentlichen Schlafuntersuchungen finden während eines ein- bis dreitägigen Aufenthalts im Schlaflabor statt. Schlaffragebögen und Schlaftagebuch werden auch zur Therapiekontrolle herangezogen.

Untersuchung im Schlaflabor

Die meisten Auslöser für eine Insomnie kann der Arzt durch eingehendes Befragen und die üblichen körperlichen Untersuchungen klären. Sollte er den Verdacht haben, dass eine andere, innere Schlafproblematik hinter den Beschwerden steckt, so zum Beispiel eine Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus, Atemaussetzer im Schlaf (Schlafapnoe) oder eine Bewegungsstörung wie das Restless-Legs-Syndrom, wird es sinnvoll sein, den Betroffenen noch eingehender in dieser Richtung zu untersuchen.

Dies kann in einem Schlaflabor erfolgen. Universitätskliniken und große spezialisierte Krankenhäuser verfügen teilweise über schlafmedizinische Abteilungen mit entsprechenden Untersuchungseinrichtungen.

Ein Schlaflabor besteht aus Schlafräumen, die mit einem Untersuchungszimmer verbunden sind. Der Patient wird an verschiedene Messgeräte angeschlossen, die sich im Untersuchungszimmer befinden, und mit deren Hilfe ein Polysomnogramm erstellt wird.

Die Messungen zeichnen unterschiedliche Organaktivitäten auf, wie die Gehirnströme (Elektroenzephalogramm, EEG), die Augenbewegungen, um den REM-Schlaf einzuordnen (Elektrookulogramm, EOG), die Herztätigkeit (Elektrokardiogramm, EKG), die Muskelaktivitäten an den Beinen und am Kinn (Elektromyogramm, EMG). Sie vermerken zudem die Atmung durch die Nase, eventuelles Schnarchen, die Atembewegungen von Brustkorb und Bauch sowie die Sauerstoffsättigung des Blutes.

Ergänzende Videoufnahmen können bei bestimmten Fragestellungen wie zum Beispiel Bewegungsstörungen im Schlaf hilfreich sein.

Eine ambulante Polygraphie mit einfacheren Systemen setzen Schlafmediziner zur Diagnosestellung einer schlafbezogenen Atemstörung ein, wenn diese aufgrund hinweisender Beschwerden bereits relativ wahrscheinlich ist.

Die Polygraphie kann auch zur Abklärung einer möglichen schlafbezogenen Atemstörung bei Patienten mit bekannten Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems dienen.

Die Therapie von Schlafstörungen richtet sich einmal nach der Ursache. Es geht aber stets auch darum, die Schlaf- und Lebensgewohnheiten so zu verbessern, dass Schlafen und Wachen in ihrem natürlichen Rhythmus ablaufen können und ein möglichst hohes Maß an Erholung bringen (siehe dazu Kapitel "Therapie und Selbsthilfe"). In den folgenden Kapiteln erfahren Sie mehr über die wichtigsten Ursachen für unruhige Nächte (siehe auch Kapitelübersicht oben am Anfang des Textes).

Unser Leben folgt einer inneren Uhr, die sich nach dem Wechsel von Tag und Nacht richtet, Wachen und Schlafen steuert. Körperfunktionen und psychisches Befinden passen sich diesem fein abgestimmten zirkadianen Rhythmus an oder bedingen ihn, etwa im Auf und Ab der Körpertemperatur oder der Hormone. Auch der Schlaf selbst hat seinen eigenen sinnvollen Aufbau, die Schlafarchitektur (siehe Kapitel "Warum Schlaf so wichtig ist").

Lebensgewohnheiten, die den Schlaf beeinflussen

Viele der selbst gemachten Schlafstörer kennen wir ja eigentlich, setzen uns aber allzu oft darüber hinweg, in der Hoffnung, unsere innere Uhr überlisten zu können. Hier muss jeder für sich herausfinden, worauf er empfindlich reagiert, der eine verträgt den Espresso nach dem Abendessen, der andere liegt dagegen die halbe Nacht wach.

- Alkohol, Nikotin, Koffein, deftig essen

Wenn Sie häufig schlecht einschlafen, länger als eine halbe Stunde wach liegen, prüfen Sie, was Sie am Tag zu sich genommen haben: Kaffee, schwarzer Tee oder Cola am Nachmittag oder Abend, eine zu umfangreiche Abendmahlzeit, dazu gesalzenes Knabberzeug vor dem Fernseher. Koffein ist auch in vielen Getränken und in Schokolade, zudem in Medikamenten enthalten. Es benötigt einige Stunden, bis es im Körper abgebaut ist.

Schlafmediziner haben festgestellt, dass auch Menschen, die eigentlich Kaffee zu jeder Tageszeit problemlos trinken können, mitunter an chronischen Insomnien leiden. Sie schlafen unruhig und wachen häufiger oder zu früh morgens auf, da das Koffein noch wirkt.

Nach dem Genuss von Wein, Bier oder anderen alkoholhaltigen Getränken schlafen viele zwar schneller ein, wachen aber gegen Morgen auf, schwitzen häufig und verspüren Durst. Die dämpfende Wirkung von Alkohol legt sich im Laufe der Nacht, dann setzen die Entzugserscheinungen ein, die sich erhöhter Unruhe und weiteren Symptomen wie Schweißausbrüchen, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit äußern. Der nächtliche Entzugseffekt tritt auch bei Rauchern und nach übermäßigem Kaffeegenuss am Tage auf.

Fette Speisen halten die Verdauung auf Trab, scharf Gewürztes fördert zudem Sodbrennen. Wer vor dem Schlafengehen zu viel isst, kann nicht nur schlecht einschlafen, sondern hat oft auch Probleme durchzuschlafen. Es kann aber auch sein, dass Sie abends zu wenig gegessen haben und der leere Magen Sie nicht einschlafen lässt.

Ein Glas Milch kann hier tatsächlich helfen, besser zu schlafen, denn Milch enthält Tryptophan, eine Substanz, die auf natürliche Weise den Schlaf fördert. Die Ursache für unerklärliche nächtliche Hungerattacken sollte ein Arzt abklären. Dahinter kann sich eine Stoffwechselstörung wie Diabetes verbergen oder ein psychologisches Problem.


- Bewegungsmangel

Wer sich zu wenig bewegt, nimmt sein natürliches Bewegungsbedürfnis als unterschwellige Unruhe quasi mit ins Bett. Ausreichende körperliche Betätigung am Tag beugt vielen Gesundheitsproblemen und damit Schlafstörungen vor. Denn wenn der Körper schlechter durchblutet ist, die Muskeln untrainiert und verspannt und die Gelenke steif sind, wirkt sich das auch nachteilig auf den natürlichen Schlafrhythmus aus.

Eine Ausnahme: Wer kurze Zeit vor dem Zubettgehen noch ausgiebig Sport treibt, der hat oft Einschlafschwierigkeiten, da dann der Körper noch auf Hochtouren läuft. Ein Abendspaziergang ist weniger aufreibend und verhilft den meisten zu einer erholsamen Nacht. Ausdauer- und Kraftsport verlegen Sie besser auf den Morgen oder Nachmittag.

- Stress, Ärger, seelische Belastungen

Die beste Matratze nützt oft wenig, wenn die Gedanken nicht zur Ruhe kommen, einen am Einschlafen hindern und früh morgens schon wieder aus dem Schlaf reißen. Ein vernünftiger Tagesplan, gezieltes Stressmanagement und regelmäßige Entspannung sind unerlässlich. Wer von nicht von alleine aus seinem Problemkreis findet, sollte professionelle Hilfe in Anspruch nehmen (siehe Kapitel "Depressionen und andere psychische Auslöser").

Falsche Einstellungen dem Schlaf gegenüber

- Überkommene Schlafmythen

Man kann sich auch mit festgefahrenen Vorstellungen zum Thema Schlaf selbst unter Druck setzen und damit Schlafprobleme entwickeln. Wer meint, er müsse unbedingt neun Stunden schlafen, aber nach sieben Stunden schon munter ist, glaubt unter Umständen, viel zu wenig Schlaf zu bekommen. Sorgen und Gedanken, die um das Thema Schlaf kreisen, halten dann einige Menschen wirklich von einer erholsamen Nachtruhe ab. Sie gehen oft zu früh ins Bett, um nur ja genug Schlaf zu bekommen, liegen dann aber lange wach und werden immer nervöser.

Ebenso führt die Angst vor einer erneuten schlechten Nacht zu einer wachsenden inneren Unruhe (siehe auch primäre Insomnien im Kapitel "Depressionen, Ängste"). Häufig haben Ältere dieses Problem, vor allem, wenn sie einen ausgiebigen Mittagsschlaf halten und deshalb nachts kürzer schlafen.

- Schlechte Angewohnheiten

Auf der anderen Seite nehmen viele Menschen die Signale ihres Körpers nicht mehr wahr oder nicht ernst genug. Sie unterdrücken Zeichen von Müdigkeit und Schlafbedürfnis mit viel Kaffee untertags und gehen abends nicht rechtzeitig zu Bett. Manche arbeiten bis kurz vor der Schlafenszeit oder dösen bis spät vor dem Fernseher. Obwohl sie völlig übermüdet sind, fühlen sie sich überdreht und können dann nicht einschlafen oder wachen viel zu früh wieder auf.

Das Schlafzimmer

- Schlafkiller haltungsbedingte (funktionelle) Schmerzen

Rücken-, Nacken- oder Kopfschmerzen beispielsweise lassen viele Menschen nachts nicht einschlafen oder zwischendurch immer wieder aufwachen. Sie können solche Beschwerden häufig durch gute, körpergerechte Matratzen und Kopfkissen abmildern oder ganz vermeiden.

- Was sagt das Raumthermometer?

Die richtige Temperatur spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Hier sind allerdings die Vorlieben unterschiedlich: Manche brauchen viel frische und möglichst kühle Luft, andere schlafen entspannter, wenn es etwas wärmer ist. Zu trockene sowie andererseits zu feuchte Luft erhöhen die Infektanfälligkeit. Auch abgestandene, verrauchte Luft kann die Atmung und damit den Schlaf erschweren, da nicht mehr genug Sauerstoff aufgenommen wird. 

- Bett im Arbeitszimmer?

Wer sich (möglicherweise zwangsläufig) so eingerichtet hat, ist häufig auch nachts noch mit beruflichen Fragen beschäftigt. Der Computer hat aber möglichst nichts neben dem Kopfkissen zu suchen. Manchmal stören auch eine neue Einrichtung, Omas Aufsatzkommode oder die modernen Spiegeltüren am Kleiderschrank.

Menschen, die häufig auf Reisen sind und damit immer wieder in einem anderen Bett schlafen müssen, vermissen unterschwellig die vertraute Umgebung. Sie klagen vielfach über Einschlafprobleme oder morgendliches Erwachen.

- Licht spielt eine Schlüsselrolle für den Schlaf-Wach-Rhythmus. Ein gut abgedunkeltes Zimmer erleichtert vielen das Ein- und Durchschlafen. Einige Menschen bevorzugen jedoch etwas mehr Helligkeit, vor allem gegen Morgen. Auch Lichtpunkte, etwa durch das Leuchtdisplay eines automatischen Weckers auf dem Nachttisch oder Geräte im Stand-by-Modus, halten unterschwellig wach. Dazu gehört auch der Fernseher gegenüber dem Fußende – eine oft störende Ausstattung in Hotels.

- Lärm: Nächtliche Geräusche gehören mit zu den häufigsten Schlafräubern. Auch wenn manche Menschen behaupten, der Straßenlärm störe sie nicht, so haben Studien gezeigt, dass Lärm, zum Beispiel von Flugzeugen oder Autos, nachts unterschwellig die Schlafqualität herabsetzt. Der Tiefschlafanteil kann verkürzt sein, die Pegel der Stresshormone Kortisol und Adrenalin bleiben erhöht. Das wiederum kann zu einem dauerhaft erhöhtem Blutdruck führen. Der schnarchende Partner stört nicht nur seinen Bettnachbarn, sondern hat selbst auch meist Schlafprobleme (siehe Kapitel "Schnarchen, Schlafapnoe"). Schallschutzfenster und Ohrstöpsel helfen vielen, wieder ruhiger zu schlafen.

Reisen in andere Zeitzonen und Jetlag als Ursachen für unruhigen Schlaf

Die innere Uhr folgt in vielschichtiger Weise unseren Tag- und Nachtzeiten. Bei einem Flug in eine andere Zeitzone zum Beispiel, kann sie sich nicht sofort umstellen. Es dauert einige Zeit, bis Gehirnsignale und Körperfunktionen sich entsprechend angepasst haben. Nach einem Flug von Europa nach Amerika leiden die meisten mehr oder minder ausgeprägt unter einem sogenannten Jetlag (engl. jet = Düsenflugzeug).

Viele Reisende haben noch mehr Probleme bei Flügen in Richtung Osten. Sie fliegen zum Beispiel nachmittags gegen vier Uhr von New York los. Bei der Ankunft um sechs Uhr morgens in Frankfurt ist die innere Uhr noch auf New Yorker Schlafenszeit eingestellt, denn in New York ist es dann erst Mitternacht. Je mehr Zeitzonen überflogen werden, desto ausgeprägter sind die Beschwerden.

Symptome: Jetlag-Geplagte fühlen sich am Zielort untertags müde und abgeschlagen, nachts sind sie aufgedreht, haben Probleme einzuschlafen, wachen öfter zwischendurch auf und sind häufig zu früh munter. Dazu können Konzentrationsprobleme und eine gereizte Stimmung kommen.

Was hilft: Nach zwei bis acht Tagen etwa folgt der Schlaf-Wach-Rhythmus vollständig den neuen Zeitgebern. Meist hilft es, sich sofort nach dem anderen Zeitablauf zu richten. Manche Flugreisende haben auch gute Erfahrungen gemacht, wenn sie schon einige Zeit vor dem Flug etwas früher aufstehen oder sich später schlafen legen – entsprechend der jeweiligen Zeitverschiebung. Nehmen Sie Schlafmittel nur mit Bedacht und in Rücksprache mit Ihrem Arzt, um keine Abhängigkeit und verstärkte Schlafprobleme zu erzeugen (siehe Kapitel "Medikamente, Schlafmittel"). Das gilt auch für das schlaffördernde Hormon Melatonin. Synthetisch hergestellt ist es als verschreibungspflichtiges Medikament in Europa nur für Menschen ab 55 Jahren erhältlich. Die Langzeitwirkungen sind zudem noch nicht ausreichend belegt.

Schichtarbeit und Schlafprobleme

Über zwölf Prozent der erwerbstätigen Deutschen haben wechselnde Arbeitszeiten, zu denen Früh-, Spät- oder Nachtschichten gehören. Nacht- und Schichtarbeiter leiden besonders oft unter Schlafproblemen, da sie immer wieder gegen ihre innere Uhr aktiv sein müssen. So arbeiten sie zum Beispiel zwischen zwei und fünf Uhr morgens, wenn das stärkste Schlafbedürfnis besteht und alle Körperfunktionen darauf ausgerichtet sind. Das erhöht auch das Risiko für Arbeitsunfälle.

Jüngere Arbeiter kommen mit dem Wechsel zwischen Nacht- und Tagschichten oft besser zurecht als ältere. Mit den Jahren wird der Schlaf ohnehin leichter und störanfälliger. Auch Nachtmenschen fallen nächtliche Arbeitseinsätze mitunter leichter als Morgentypen. Bei Menschen, die nur nachts arbeiten, passt sich der Organismus häufig dem veränderten Rhythmus an. Ungünstiger sind wöchentlich wechselnde Schichten, da der Körper dann kaum Gelegenheit bekommt, sich umzustellen. Nachtdienste von nur ein bis drei Tagen werden dagegen in der Regel besser vertragen, weil die Belastung nur kurz ist und der versäumte Schlaf wieder nachgeholt werden kann.

Symptome und Folgen: Die Betroffenen leiden oft unter andauerndem Schlafmangel, da sie tatsächlich auch kürzer schlafen. Ein- und Durchschlafstörungen kennzeichnen den Nachtschlaf. Der Schlaf am Tage ist oberflächlicher, die Tiefschlafphasen sind meist nicht so ausgeprägt. Viele haben gesundheitliche Probleme wie etwa Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Nervosität und Stimmungsschwankungen. Zudem wird das soziale Leben durch den gegensätzlichen Schlaf-Wach-Rhythmus in Mitleidenschaft gezogen. Eine erhöhte Neigung zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie einer koronaren Herzkrankheit, scheint vor allem auf einen ungesünderen Lebenswandel in Zusammenhang mit der Schichtarbeit, etwa Rauchen und Übergewicht, zurückzuführen zu sein.

Diagnose und Therapie: Mit Hilfe eingehender Gespräche und körperlicher Untersuchungen kann sich der Arzt ein Bild von den Schlafproblemen machen und mögliche gesundheitliche Folgen aufzeigen. Wer Nacht- oder Schichtarbeit leisten muss und unter Schlafstörungen leidet, sollte sich mit seinem Arzt beraten und mit seinem Arbeitgeber besprechen, welche Möglichkeiten es gibt, die Schichten eventuell anders zu organisieren. Das hängt jedoch oft sehr vom Betrieb und seinen Erfordernissen ab. Eventuell ist auch ein Betriebs- oder Arbeitsmediziner als Ansprechpartner gefragt. Im Einzelfall, etwa bei mittelschwerer oder schwerer Schlafstörung, ist ein Betroffener aus gesundheitlichen Gründen womöglich nicht für Schichtarbeit oder bestimmte Schichten geeignet.

Die Einnahme von Schlafmitteln bringt nur kurzfristig Hilfe. Länger angewandt können vor allem Mittel wie Benzodiazepine die Leistungsfähigkeit zusätzlich beeinträchtigen, abhängig machen und an Wirksamkeit verlieren (siehe Kapitel "Medikamente, Schlafmittel"). Sinnvoller ist es, die zur Verfügung stehenden Schlafzeiten konsequent zu nutzen, für ausreichend Dunkelheit und Ruhe zu sorgen (Rollläden, dunkle Vorhänge, Augenbinden, Ohrstöpsel).

Einige Betroffene bereiten sich auf eine bevorstehende Nachtschicht vor, indem sie einige Tage vorher schon ein bis zwei Stunden früher schlafen gehen beziehungsweise aufstehen. Allerdings lässt auch das soziale Umfeld es oft nicht zu, das Leben so konsequent auf die Schichtarbeitszeiten auszurichten. Eine gesunde Lebensweise trägt insgesamt dazu bei, die Belastungen durch die gegenläufigen Arbeitszeiten geringer zu halten.

Eine Lichttherapie (siehe auch unten), bei der starkes Kunstlicht das Tageslicht simuliert, kann unter Umständen helfen, dass sich der Körper mit seinen Phasen leichter anpasst und Nachtarbeiter nachts leistungsfähiger bleiben. Erwiesen ist das noch nicht.

Behandlungsversuche mit synthetisch hergestelltem Melatonin, einem Hormon, das natürlicherweise nachts im Körper ausgeschüttet wird, ergaben keine eindeutige Verbesserung. Außerdem sind mögliche Nebenwirkungen noch nicht vollständig geklärt.

Es ist besser, wenn Sie vor dem Einschlafen ein bis zwei Stunden entspannen und dann auch wirklich ins Bett gehen, wenn Sie müde sind. Wer lange wach im Bett liegt, steht besser wieder auf, trinkt ein Glas Milch, macht eine Entspannungsübung oder liest ein paar Zeilen. Verbinden Sie das Bett in Ihrer eigenen Sicht immer unmittelbar mit Schlafen.

Schlafmediziner drücken es unmissverständlich aus, wenn sie fordern, dass im Bett nur Schlaf und Sex erlaubt sein sollten. Häufig wechselnde Schlafens- und Aufstehzeiten wirken sich ebenfalls ungünstig auf den erholsamen Schlafrhythmus aus. Mehr über günstiges Schlafverhalten erfahren Sie im Kapitel "Therapie und Selbsthilfe".

Anlagebedingte Verschiebungen des Schlaf-Wach-Rhythmus

Es gibt ausgeprägte Nachtmenschen, "Eulen", die bis tief in die Nacht noch munter sind und dann bis mittags schlafen können. Frühaufsteher, "Lerchen", werden dagegen oft am späten Nachmittag schon müde, fühlen sich dafür aber schon um fünf Uhr morgens hellwach und fit. Mediziner sprechen von verzögerten beziehungsweise von vorverlagerten Schlafphasen.

Die Betroffenen sind mitunter einen großen Teil ihres Lebens gezwungen, gegen ihren persönlichen Schlaf-Wach-Rhythmus zu leben, da sich das Alltagsleben in einem vorgegebenen Zeitkorsett abspielt, das sich am Durchschnittsrhythmus orientiert. Familiäre Veranlagung scheint bei Menschen mit solch verschobenen Schlaf-Wach-Phasen eine Rolle zu spielen, manchmal auch das Alter.

Bei jungen Menschen finden sich öfter die Eulen, ab der Lebensmitte wandeln sich einige dann zu Lerchen. Auch ein übersteigertes Schlafbedürfnis am Tage kann seinen Ursprung in einer Störung der zirkadianen Rhythmen haben (siehe dazu das Kapitel "Narkolepsie, Parasomnien").

Symptome: Das sind in erster Linie Einschlafschwierigkeiten, frühmorgendliches Erwachen, verkürzte Schlafzeiten, Tagesmüdigkeit, Konzentrations- und Leistungsprobleme.

Diagnose und Therapie: Zuerst wird der Arzt körperliche und seelische Ursachen für die verschobenen Schlafphasen abklären. Manchen Betroffenen hilft es, konsequent ihre Einschlaf- und Aufwachzeiten den gesellschaftlich üblichen anzunähern, auch in der Freizeit. In hartnäckigen Fällen kann der Arzt eine Lichttherapie in Erwägung ziehen. Die Spät- oder Frühschläfer werden in den Zeiten, in denen sie zu früh müde oder zu spät wach werden, dem Licht einer Speziallampe ausgesetzt.

Die starke Helligkeit beeinflusst die Wachphasen positiv und trägt damit dazu bei, dass sich der Schlaf-Wach-Rhythmus teilweise normalisiert. Die Behandlung kann nach einer Einführung in einem Schlafzentrum oder einer Arztpraxis auch zu Hause durchgeführt werden.

Medikamente, die den Schlaf beeinträchtigen können

Dazu gehören vor allem Medikamente, die auf die Nervenbotenstoffe im Gehirn wirken und die Ausschüttung bestimmter Hormone beeinflussen, die für den normalen Schlaf-Wach-Rhythmus eine Rolle spielen.

Das sind zum Beispiel Appetitzügler, antriebssteigernde Antidepressiva oder Bluthochdruck- und Herzmittel. Einige Medikamente enthalten zudem Koffein, auch rezeptfreie Husten- und Erkältungspräparate.

Werden bestimmte Medikamente, zum Beispiel auch Statine gegen zu hohe Cholesterinwerte, abends genommen, damit sie über Nacht ihre Wirkung entfalten, treten manchmal als Nebenwirkung Ein- oder Durchschlafstörungen auf.

Andere Mittel wie Acetylsalicylsäure können auf Dauer den Magen belasten und Sodbrennen verursachen, das zu Schlafproblemen besonders in den Morgenstunden führt. Es gibt auch Wirkstoffe, die nächtliche Unruhe oder mitunter Alpträume auslösen. Andere, darunter bestimmte Antidepressiva und Neuroleptika, Mittel gegen Psychosen, lösen möglicherweise ein Restless-Legs-Syndrom aus.

Nicht immer kommt es bei solchen Arzneimitteln zu Schlafstörungen. Manche Nebenwirkungen treten auch nur in der Anfangsphase der Behandlung auf und verschwinden nach kurzer Zeit wieder.

Wer das Auftreten von Schlafproblemen mit einem Medikament in Verbindung bringt, das er vom Arzt verschrieben bekommen hat, darf es nicht einfach absetzen. Beraten Sie sich immer mit Ihrem Arzt. Oft hilft es schon, das Mittel zu einem anderen Zeitpunkt einzunehmen oder eine andere Wirkstoffkombination zu wählen.

Mögliche Auslöser für Schlafstörungen: Übersicht über Medikamentengruppen

  • Bluthochdruckmittel wie Betarezeptorenblocker, Kalziumantagonisten und weitere Herz- und Kreislaufmedikamente
  • Statine gegen Fettstoffwechselstörungen
  • Hormonpräparate wie Schilddrüsenmedikamente oder manche Verhütungsmittel (zum Beispiel bestimmte Pillen),
  • Appetitzügler
  • Antriebssteigernde Antidepressiva
  • Psychopharmaka, zum Beispiel Mittel gegen Psychosen (Neuroleptika)
  • Medikamente gegen Asthma und andere Atemwegserkrankungen
  • Medikamente zur Behandlung der Parkinson-Krankheit
  • Mittel gegen entzündliche Gelenkerkrankungen wie nichtsteroidale Antirheumatika, Malariamittel oder Medikamente aus der Gruppe der Sulfonamide
  • Antibiotika
  • Kortison
  • Schmerz- und Migränemittel
  • Koffeinhaltige Schmerz-, Husten- und Grippemittel
  • Manche Antihistaminika, zum Beispiel einige Mittel gegen Allergien, Juckreiz oder Magenbeschwerden

Schlaflosigkeit durch Schlafmittel

Es mag zunächst verwundern, aber zu den Medikamenten, die Schlafstörungen hervorrufen, gehören auch und in besonderem Maße Schlafmittel selbst. Das gilt nicht so sehr für pflanzliche Schlafhilfen, wie etwa Baldrian und Hopfen, sondern für synthetische Präparate, sogenannte Hypnotika, hier vor allem für Benzodiazepine. Werden diese Substanzen über längere Zeit eingenommen, stellt sich ein Gewöhnungseffekt ein, die Wirkung lässt nach. Viele Betroffene erhöhen dann selbstständig die Dosis und haben darauf verstärkt mit unruhigen Nächten und Müdigkeit sowie oft Benommenheit am Tage zu kämpfen. Setzen sie dann das Medikament ab, kommt es zu einer Absetzschlaflosigkeit.

Wer dann wieder zu den Schlafmitteln greift, gerät nicht selten in eine bedenkliche Abhängigkeit, die noch mit weiteren unerwünschten Wirkungen verbunden ist. Experten vermuten, dass das Gehirn auf den plötzlichen Entzug der dämpfenden Wirkung mit erhöhter Aktivität und Wachheit reagiert. Manche Menschen werden auch bei bleibend niedriger Dosierung abhängig, können ohne Mittel gar nicht mehr schlafen und leiden unter Nebenwirkungen. Im höheren Lebensalter sind diese oft besonders ausgeprägt und führen unter anderem zu Depressionen bis hin zu Verwirrtheit.

Symptome: Neben Schlaflosigkeit können unter anderem Benommenheit am Tag (Hang-over-Effekt), Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Gliederschmerzen, Schweißausbrüche, Unruhezustände, Stimmungsschwankungen auftreten. Ältere Menschen sind vor allem nachts mitunter verwirrt und stürzen leicht, wenn sie aufstehen, da die Substanzen auch die Muskelspannung herabsetzen.

Diagnose und Therapie: Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt über Ihre Beschwerden. Er wird zusammen mit Ihrer Hilfe die eigentlichen Ursachen der Schlafprobleme aufdecken. Sie sollten mit der Einnahme von Benzodiazepinen in Rücksprache mit dem Arzt immer nur schrittweise aufhören. Mediziner nennen das "langsam ausschleichend absetzen". Neuere, den Benzodiazepinen ähnliche Substanzen machen zwar nicht so abhängig und führen seltener zu Absetzschlaflosigkeit. Sie sollten aber ebenso sorgfältig damit umgehen, das heißt: Nur für beschränkte Zeit einnehmen und langsam ausschleichend aufhören. Kurz danach bessern sich auch die Schlafprobleme.

Synthetisch hergestelltes Melatonin ist in Deutschland nur als verschreibungspflichtiges Medikament für Menschen ab 55 Jahren erhältlich. Es kommt jedoch lediglich als kurzfristig eingesetztes Mittel gegen Schlafstörungen infrage, die keine körperlichen, seelischen oder äußeren Ursachen haben.

Sinnvoll ist es, gezielt Stress abzubauen und eine Entspannungstechnik zu erlernen (siehe auch Kapitel "Therapie und Selbsthilfe"). Menschen, die an hartnäckiger Insomnie ohne körperliche Ursache leiden, können dank einer gezielten kognitiven Verhaltenstherapie ihren Schlaf-Wach-Rhythmus sehr oft wieder in den Griff bekommen.

Nervenbotenstoffe im Gehirn, wie etwa Serotonin und Noradrenalin, die mit zu den Reglern von Wachen und Schlafen gehören, steuern neben anderen Vorgängen auch den Gemütszustand, das Wahrnehmen und Denken. Schwankungen und Ausfälle in den zuständigen Nervenzentren wirken verändernd auf die Psyche. Ebenso provozieren äußere Einflüsse wie andauernder negativer Stress, Trauer, nicht bewältigte traumatische Erlebnisse, unbekannte Auslöser oder degenerative Prozesse Störungen in den Nervenfunktionen.

Hieraus können wiederum psychische beziehungsweise psychiatrische Erkrankungen entstehen. Wie eng die Verbindung zwischen Schlaf und Psyche ist, zeigen deutlich die möglichen Folgen von fehlendem Schlaf. So kann zum Beispiel ein durch Schlafapnoe verursachter Schlafmangel zu depressiven Verstimmungen, Denkstörungen bis hin zu Halluzinationen führen.

Depressionen gehen am häufigsten mit Schlafstörungen einher. Weitere hier wichtige Krankheitsbilder sind Angststörungen, Suchterkrankungen wie Alkoholismus, Essstörungen, Persönlichkeitsstörungen wie das Borderline Syndrom, Schizophrenien sowie Demenzerkrankungen.

Für sogenannte primäre oder chronische Insomnien lassen sich zunächst keine eindeutigen Ursachen finden. Sie beruhen jedoch oft auf erhöhter psychischer Anspannung und Ängstlichkeit in Bezug auf den eigenen Schlaf. Die Betroffenen beobachten Menge und Qualität ihres Schlafs sehr genau und überbewerten mögliche Schwankungen. Daraus entwickeln sich Ängste und Sorgen, die dann tatsächlich zu Schlafproblemen führen. Tagsüber überwiegen gereizte Stimmung und Müdigkeit, oft verbunden mit innerer Unruhe. Hier sind verhaltenstherapeutische Maßnahmen meist sehr wirkungsvoll.

Depressionen: Unruhige Nächte, frühes Aufwachen

Während eine depressive Verstimmtheit vorübergeht, legt sich eine Depression wie ein Schatten über das ganze Leben der Betroffenen. Konkrete Ursachen für die seelische Erkrankung zu finden ist häufig nicht möglich. Belastende Lebensereignisse, familiäre Veranlagung, körperliche Erkrankungen sowie offenbar auch chronische Schlafprobleme können das Entstehen einer Depression begünstigen. Bei manchen depressiv Erkrankten gibt es jedoch auch keinerlei Hinweise auf mögliche Auslöser. Meist spielen mehrere Faktoren zusammen.

Mediziner teilen Depressionen in unterschiedliche Formen und Schweregrade ein. Depressionen können phasenweise auftreten oder beständig vorhanden sein. Die bipolare Depression ist gekennzeichnet durch den Wechsel von manischen und depressiven Phasen ab. Untersuchungen im Schlaflabor zeigten, dass bei depressiven Erkrankungen der gesamte Schlafverlauf gestört sein kann. Zudem sind manchmal die Tiefschlafphasen vermindert, und der REM-Schlaf läuft heftig und unkontrolliert ab (siehe dazu Kapitel "Warum Schlaf so wichtig ist"). Menschen mit einer schweren Depression sind besonders gefährdet, Suizid zu begehen.

Symptome: Auffallend ist die Verbindung von Antriebsmangel, Müdigkeit am Tage und nächtlicher Unruhe. Depressive Menschen wachen häufig sehr früh morgens auf und können dann nicht mehr einschlafen, oft von Grübeleien, Sorgen und Schuldgefühlen belastet. Manche schlafen wiederum untertags übermäßig viel. Dazu treten kennzeichnende Symptome wie tiefe Niedergeschlagenheit, Gefühlsleere, Konzentrations- und Leistungsstörungen, sozialer Rückzug auf.

Ebenso zeigen sich vielfach körperliche Beschwerden, wie Kopfschmerzen, Schwindelgefühle, Magen-Darm-Probleme, Atembeschwerden, Herzbeklemmung beziehungsweise Herzrhythmusstörungen, Schweißausbrüche. Bei bestimmten Depressionsformen sind innere Unruhe und Getriebenheit oder rastlose Aktivität Ausdruck der seelischen Störung.

Bei der bipolaren Depression folgen der Niedergeschlagenheit und seelisch-geistigen Starre Phasen übersteigerter Hochstimmung und Leistungsfähigkeit. In dieser manischen Phase haben die Betroffenen mitunter nur ein extrem geringes Schlafbedürfnis.

Sogenannte saisonale Depressionen, wie eine Winterdepression, gehen typischerweise mit ausgedehnten Nachtschlafzeiten, mitunter weit über 12 Stunden, und einem erhöhten Schlafbedürfnis auch am Tag einher (Hypersomnie). Heißhunger und Lustlosigkeit sind weitere Beschwerden.

Diagnose: Ein wesentlicher erster Schritt ist es, dass die Betroffenen selbst ihre seelische Problematik anerkennen und sie dann auch ihrem Arzt schildern. Häufig gibt das Beschwerdebild dem Hausarzt die nötigen Hinweise. Er wird durch körperliche Untersuchungen abklären, ob nicht eine Erkrankung vorliegt, die für die Schlafstörung sowie die depressiven Symptome verantwortlich sein könnte. Auch eine Schlafstörung wie eine Schlafapnoe (siehe Kapitel "Schnarchen, Schlafapnoe") oder eine nächtliche Bewegungsstörung (siehe Kapitel "Restless Legs") kann ihrerseits eine Depression auslösen.

Bei Verdacht auf eine Depression wird der Hausarzt seinen Patienten an einen Psychotherapeuten oder Psychiater zur weiteren Diagnose überweisen. Um sicher festzustellen, ob eine Schlafapnoe oder schlafbezogene Bewegungsstörungen bestehen, kann mitunter auch die Untersuchung durch einen Schlafmediziner angezeigt sein.

Therapie: Die Behandlung richtet sich nach Form und Ausprägung der Depression. Mit einer individuell abgestimmten Kombination aus Psychotherapie und gegebenenfalls Medikamenten, meist Antidepressiva, lassen sich Depressionen in der Regel sehr gut behandeln. Manchmal hilft der Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik den Erkrankten, den für sie passenden Therapieweg zu finden und auch fortzuführen.

Da einige (beruhigende, sedierende) Antidepressiva ohnehin auch erfolgreich als Schlafmittel eingesetzt werden, bessern sich die Schlafprobleme meist mit der Behandlung. Antriebssteigernde Antidepressiva können jedoch ihrerseits zu nächtlicher Unruhe führen. Das wird der Arzt bei Wahl und Einsatz des Medikaments berücksichtigen.

Bei hartnäckigen Krankheitsbildern zeigten zusätzlich Behandlungen mit kontrolliertem Schlafentzug Erfolge. Bei leichteren, jahreszeitlich bedingten Depressionen kann auch eine Lichttherapie wirksam sein (siehe dazu Kapitel "Lebenssituation, Schichtarbeit"). Ausführlich über Depressionsformen, Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapien informiert Sie der Ratgeber "Depressionen".

Angststörungen: Angespannt auch im Schlaf

Ängste treten oft zusammen mit einer Depression auf und stören den Nachtschlaf teilweise erheblich. Die ängstliche Anspannung, in der sich die Betroffenen dauerhaft oder phasenweise befinden, wirkt auch im Schlaf noch weiter. Häufige Angsterkrankungen sind Panikstörungen und Phobien, wobei Phobien (die Angst vor etwas, einer Situation, einem Tier und ähnlichem) oft mit Panikattacken einhergehen. Mit den Attacken ist eine Reihe körperlicher Symptome verbunden. Eine andere Form sind beständig vorhandene chronische Angstgefühle. Ein besonderes Problem besteht darin, dass die Betroffenen versuchen, die Ängste zu dämpfen, indem sie zu Alkohol und Beruhigungsmitteln greifen. Daraus entsteht eine Sucht, die Schlafprobleme wie Ängste nur noch verstärkt.

Symptome: Bei chronischen Angststörungen besteht eine andauernde innere Unruhe, die sich manchmal in Übererregung entlädt und zu Einschlaf- und Durchschlafschwierigkeiten führt. Auch können nachts Bewegungsstörungen in den Beinen, wie ein Restless-Legs-Syndrom, auftreten. Bei Phobien stellt sich panische Angst in bestimmten Situationen ein. Zu den körperlichen Zeichen der Panikattacken gehören Zittern, Unsicherheitsgefühle wie "weiche Knie", Schwindel, Atembeschwerden, Brustenge, Herzrasen, Schweißausbrüche, Kopfschmerzen.

Diagnose und Therapie: Erster Ansprechpartner ist der Hausarzt. Die genaue Diagnose und die Therapie erfolgt dann durch einen Psychotherapeuten beziehungsweise Psychiater. Verhaltenstherapien haben sich als sehr erfolgreich erwiesen. Teilweise setzen die Fachärzte zusätzlich Medikamente wie niedrig dosierte Neuroleptika und bestimmte Antidepressiva ein. Leidet der Betroffene an ausgeprägten Schlafproblemen, wird der Arzt dies bei der Medikamentenauswahl berücksichtigen. Mehr Informationen über verschiedene Ängste und Angststörungen finden Sie im Ratgeber "Angst".

Weitere Auslöser für Schlafstörungen: Süchte, Psychosen

Einen starken Einfluss auf den gesamten Schlafverlauf haben Suchterkrankungen. Bei Psychosen wie Schizophrenien sind auch die Schlafphasen oft spürbar verändert.

- Alkoholsucht

Nach Alkoholkonsum ist einmal die Nachtruhe allgemein unterbrochen, vor allem gegen morgen, wenn der Alkohol abgebaut ist und Entzugserscheinungen auftreten. Zum anderen verkürzt die nervenschädigende Wirkung des Alkohols auch die Tiefschlafanteile. Der REM-Schlaf ist oft besonders unruhig und mit Albträumen verbunden. Die Folgen zeigen sich besonders ausgeprägt, wenn jemand alkoholabhängig ist.

Für einen erfolgreichen Ausstieg aus der Sucht ist die Einsicht des Betroffenen grundlegend. Mit einer Entzugstherapie in einer Suchtklinik und der Teilnahme an Selbsthilfegruppen kann es gelingen, dauerhaft die Sucht zu überwinden.

Lesen Sie Genaueres über Alkoholsucht, ihre Folgen und mögliche Therapien im Ratgeber "Alkoholabhängigkeit".

- Schizophrenie

Diese zu den Psychosen zählende Erkrankung geht in der Regel mit Schlaflosigkeit einher. Der Tiefschlaf ist reduziert, der REM-Schlaf verändert. Dazu kommt oft ein übermäßiges Schlafbedürfnis am Tage. Die Therapiemöglichkeiten für diese schwere psychiatrische Erkrankung haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert.

Eingehende Informationen über das Krankheitsbild, über Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie liefert der Ratgeber "Schizophrenie".

Chronische Ohrgeräusche: Dauertöne, die wachhalten

Psychosomatische Erkrankungen wie Tinnitus, denen fehlgesteuerte Nervensignale zugrunde liegen, lassen die Betroffenen häufig nachts nicht zur Ruhe kommen. Die ständigen Töne oder Geräusche in Ohr und Kopf erweisen sich vor allem nachts als besonders störend.

Weitere mögliche Beschwerden sind Geräuschüberempfindlichkeit, Schwerhörigkeit, Konzentrationsprobleme. Bei einem chronisch komplexen Tinnitus leiden die Betroffenen zunehmend unter Schmerzen, Verspannungen, Schlaflosigkeit und häufig auch Ängsten und Depressionen.

Erfahren Sie mehr über Formen, Ursachen, Folgen und Therapien von Ohrgeräuschen im Ratgeber "Ohrgeräusche (Tinnitus)".

Schnarchen: Raubt nicht nur dem Mitschläfer die Nachtruhe

Das nächtliche Schnarchkonzert weckt meist nur den Bettnachbarn. Der Schnarcher selbst nimmt es in der Regel nicht oder nur selten wahr. Im Schlaf erschlaffen die Muskeln im Rachenraum, weiche Gaumenteile beginnen im Luftzug des Atems zu vibrieren. Sie verengen zudem die Atemwege, vor allem in Rückenlage, wenn der Zungengrund zurückfällt. Das verstärkt das Geräuschproblem noch.

Vergrößerte Rachenmandeln, Kieferfehlstellungen gehören zu den anatomisch bedingten Ursachen. Auch Übergewicht fördert die lautstarke Atemtechnik, wenn Fettablagerungen im Zungen-, Rachen- und Nackenbereich die räumlichen Verhältnisse der oberen Luftwege verändern. Weitere Gründe für nächtliche Sägekonzerte sind eine behinderte Nasenatmung durch Infekte sowie chronische Nasennebenhöhlenentzündungen. Alkohol lässt die Muskeln erschlaffen, Kaffee oder Rauchen die Schleimhäute nachts anschwellen. Das Atmen ist entsprechend erschwert und geräuschvoll. Im Alter wird die Muskulatur auch in Rachenraum schwächer. Deshalb schnarchen ältere Menschen häufiger. Betroffen sind meist Männer ab 50.

Symptome: Oft wirkt sich das Schnarchen nicht spürbar auf die Schlafqualität des Schnarchers selbst aus. Außer seine Mitschläfer wecken ihn immer wieder. Es kann auch vorkommen, dass er sein Sägen im Schlaf unterschwellig hört und dadurch kurz wach wird, ohne sich dessen bewusst zu werden. Der Schnarcher meint dann, gut geschlafen zu haben, fühlt sich untertags jedoch müde, abgeschlagen und leistungsschwach. Auch ein trockener Mund am Morgen kann ein Hinweis sein.

Diagnose: Für die Diagnose zählt der Bericht von Mitschläfern. Hier ist es wichtig für den Arzt, lästiges, aber harmloses Schnarchen von nächtlichen Atemaussetzern abzugrenzen (siehe unten). Krankengeschichte und körperliche Untersuchungen geben weitere Hinweise, vor allem auch auf Risikofaktoren für eine Schlafapnoe.

Therapie: Tipps und Tricks gegen die unerwünschten Störtöne gibt es viele, etwa wie der Schnarcher es vermeidet, in Rückenlage zu kommen (siehe unter Schlafapnoe). Liegen anatomische Besonderheiten wie zu große Rachenmandeln oder Kieferprobleme vor, können Arzt und Patient erwägen, ob diese nicht ohnehin behandelt werden müssen. Hier ist ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt beziehungsweise ein Kieferorthopäde gefragt. Auch eine Operation am Gaumensegel kann angezeigt sein, allerdings nur, wenn besondere anatomische Gegebenheiten vorliegen. Chronische Nebenhöhlenentzündungen wird der HNO-Arzt begutachten und die entsprechende Behandlung empfehlen.

Meist sind es jedoch allgemeine Maßnahmen, die ein Schnarcher ergreifen kann, um mehr nächtliche Ruhe zu schaffen: bei Übergewicht abnehmen, möglichst auf Alkohol verzichten, nicht rauchen, wenig Kaffee trinken. Und: ausreichend schlafen. Denn wer übermüdet ist, schnarcht häufiger. Es gibt auch spezielle Nasenpflaster oder Nasenspreizer, die manchmal die Atmung erleichtern.

Schlafapnoe: Wenn im Schlaf der Atem aussetzt

Heftiges, unregelmäßiges Schnarchen kann allerdings ein Zeichen für eine schwerwiegende nächtliche Atmungsstörung sein, für eine Schlafapnoe (griech. apnoia = Atemlosigkeit). Mediziner sprechen von Schlafapnoe-Syndrom, weil hier mehrere Krankheitsfaktoren zusammenwirken. Die Schlund- und Rachenmuskeln erschlaffen im Schlaf wesentlich stärker als beim normalen Schnarchen.

Bei der gefährlichsten und häufigsten Form der Atmungsstörung, der obstruktiven Schlafapnoe, blockieren sie die oberen Atemwege nahezu vollständig, so dass die Atemluft für kurze Zeit nicht mehr hindurch kann. Es kommt zu Atemstillständen. Dadurch sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut, die Kohlendioxidkonzentration steigt an. Es werden vermehrt Stresshormone ausgeschüttet. All das wirkt sich auf andere Organfunktionen wie Herz und Kreislauf oder die Lunge aus. Mit Hilfe der Atemmuskulatur von Brust, Bauch und Zwerchfell gelingt es dem Betroffenen schließlich, teils unter erheblicher Anstrengung, die verlegten Atemwege durch Luftdruck von unten zu öffnen. Der Schläfer schnappt nach Luft, wobei er laut prustend schnarcht.

Nach kurzer Erholung beginnt der Kreislauf von Neuem. Dabei hat das Herz vermehrte Arbeit zu leisten, der Blutdruck steigt. Auch erhöht sich das Risiko für Diabetes mellitus. Die Qualität der einzelnen Schlafphasen verändert sich, der Schlaf wird insgesamt oberflächlicher, der Schläfer wacht durch die Atemnot immer wieder auf, meist ohne es selbst zu bemerken.

Zwischen Schlafapnoe und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegskrankheiten, Schlaganfällen sowie Depressionen besteht eine enge Wechselbeziehung. So leiden Herzkranke häufig auch unter Schlafapnoe, Schlafapnoe-Patienten sind ihrerseits stärker gefährdet, eine Herzerkrankung zu entwickeln. Risikofaktoren sind zudem Übergewicht – am häufigsten sind übergewichtige Männer im Alter zwischen 40 und 65 von der Erkrankung betroffen –, vergrößerte Rachenmandeln, Tumoren im Nasen-Rachen-Raum, enge Kiefer. Alkolhol sowie Schlaf- und Beruhigungsmittel verstärken die Problematik.

Symptome: Sehr lautes Schnarchen, das mit Atempausen und heftigem Luftholen wechselt. Die Atemstillstände können fünf- bis zehnmal und öfter in einer Stunde auftreten und zehn Sekunden und länger anhalten. Der Schläfer selbst bemerkt die nächtlichen Episoden meist nicht, entwickelt aber häufig ein übermäßiges Schlafbedürfnis (Hypersomnie) und fühlt sich tagsüber müde, abgeschlagen und nur eingeschränkt leistungsfähig. Die ausgeprägte Tagesschläfrigkeit erhöht die Unfallgefahren erheblich. Begleitsymptome sind häufig Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Kopfschmerzen, Sodbrennen, Depressionen, Ängste. Atemaussetzer und Luftschnappen ohne Schnarchen sind kennzeichnend für die sogenannte zentrale Schlafapnoe.

Diagnose: Nur bei bestimmten Formen der Schlafapnoe wachen die Betroffenen durch ihre Atemnot auf und nehmen sie somit bewusst wahr. Bei den meisten sind es die Tagesbeschwerden, die den Arzt veranlassen, auch dem Verdacht auf eine Schlafapnoe nachzugehen. Besonders wichtig sind hier die Informationen der Mitschläfer.

Bei Bedarf überprüft ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt, ob die oberen Atemwege verengt sind. Mitunter kann eine Untersuchung durch einen schlafmedizinisch ausgebildeten Zahnarzt, Kieferorthopäden oder Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen einschließlich Röntgen des Gesichtsschädels angezeigt sein. Bei Verdacht auf eine Erkrankung atemwirksamer Organe wie Herz, Lungen und Nervensystem sind Untersuchungen in dieser Richtung angebracht.

Bei dringendem Verdacht auf ein Schlafapnoe-Syndrom können bei Messungen mit einem Polygraphie-Gerät für zu Hause, das die Betroffenen nachts an sich befestigen (siehe dazu auch Kapitel "Körperliche Erkrankungen"), zielführend sein. Andernfalls sichert eine Untersuchung im Schlaflabor die Diagnose (siehe dazu Kapitel "Diagnose").

Therapie: Jede Behandlung beinhaltet zunächst grundsätzliche Maßnahmen, die Lebensstil und Schlafgewohnheiten betreffen. Oft helfen Veränderungen in diesen Bereichen schon, eine leichte Schlafapnoe zu bessern. An erster Stelle heißt es für Menschen mit Übergewicht abnehmen. Da Alkohol und Schlafmittel die Atemtätigkeit nachts dämpfen, verzichten die Betroffenen hierauf besser. Das gilt auch für das Rauchen.

Zudem ist es sinnvoll, nach Möglichkeit nicht auf dem Rücken zu schlafen. Dazu hilft es oft, einen kleinen Ball, ein erhöhtes Schaumstoffteil oder ähnliches in die Rückseite des Schlafanzugs einzunähen. Der Druck zwingt den Schläfer dann automatisch immer wieder in die Seitenlage. Manchmal tragen spezielle Aufbissschienen dazu bei, den Atemraum zu vergrößern.

Helfen solche Maßnahmen bei schwerer ausgeprägten Krankheitsbildern alleine nicht, kann eine Ventilationstherapie der Atmungsstörung entgegenwirken. Meist kommt hier die sogenannte positive Überdruckbeatmung (CPAP steht für engl. Continuous Positive Airway Pressure) zum Einsatz. Der Schläfer trägt eine kleine Atemmaske, die an einen Kompressor auf dem Nachttisch angeschlossen ist. Hierüber strömt nachts die Luft mit leicht erhöhtem Druck in die Atemwege, die auf diese Weise offen bleiben. Studien zufolge bessern sich die Beschwerden wie Tagesmüdigkeit, depressive Verstimmung oder Bluthochdruck mit der CPAP-Atmung rasch und nachhaltig.

Wesentlich: Der Betroffene atmet bei dieser Form der Ventilationstherapie selbst. Meist ist die Therapie als Langzeitbehandlung angelegt, vor allem bei den Formen der obstruktiven Schlafapnoe, die nicht anders behandelbar sind. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Betroffenen ihr CPAP-Gerät kontinuierlich einsetzen, zum Beispiel auch auf Reisen. Daneben gibt es noch andere Formen der Druckbeatmung.

Der Arzt wird nötigenfalls bestehende Grund- beziehungsweise Folgeerkrankungen der Schlafapnoe, wie Herz-Kreislaufprobleme oder einen Diabetes, gezielt behandeln.

Operative Maßnahmen sind bei nächtlichen Atmungsstörungen nur dann angezeigt und auch erfolgreich, wenn spezielle Fehlstellungen im Kiefer-Rachenbereich vorliegen.

Restless Legs – Syndrom der ruhelosen Beine

Missempfindungen in den Beinen lassen zwischen fünf und zehn Prozent der Bevölkerung über einen begrenzten oder längeren Zeitraum in ihrem Leben nicht einschlafen. Kribbeln und Ziehen in den Waden bringt auch häufig untertags Probleme. Ältere Menschen klagen öfter darüber, aber auch jüngere Menschen. Vor allem Schwangere leiden hin und wieder unter unruhigen Beinen.

Darüber hinaus können schwankende Temperaturen, Alkoholmissbrauch, Rauchen sowie die Nebenwirkungen bestimmter Medikamente, zum Beispiel von Antidepressiva, eine auslösende Rolle spielen.

Ein Restless-Legs-Syndrom tritt mitunter auch im Zusammenhang mit Diabetes, Eisenmangel, Darmerkrankungen, Multipler Sklerose oder Depressionen auf. Vielfach liegt eine familiäre Veranlagung liegt vor, insbesondere bei Menschen, die schwerer von der Störung betroffen sind.

Medizinforscher gehen davon aus, dass fehlerhafte Nervenimpulse die Beschwerden auslösen. Das Restless-Legs-Syndrom geht oft auch gemeinsam mit periodischen nächtlichen Beinbewegungen einher (siehe unten).

Symptome: Unangenehmes Kribbeln, "Ameisenlaufen", ziehende Schmerzen hauptsächlich in der Wadenmuskulatur stellen sich in ruhiger Haltung ein, vor allem abends vor dem Einschlafen. Durch Bewegen der Beine und Umhergehen lassen sich die Beschwerden meist milden. Der damit verbundene Bewegungsdrang erschwert nicht nur das Einschlafen, sondern zwingt die Betroffenen auch nachts immer wieder aufzustehen. Der Tiefschlafanteil ist verkürzt oder entfällt manchmal ganz. Ausgeprägte Tagesmüdigkeit, Konzentrations- und Leistungsstörungen sind die Folge.

Das Kribbeln und Stechen kann tagsüber das Alltagsleben erheblich beeinträchtigen. Es fällt dann schwer, länger ruhig zu sitzen, etwa beim Autofahren, in beruflichen Besprechungen, im Kino oder bei anderen Gelegenheiten.

Diagnose: Krankengeschichte und Beschwerdebild geben dem Arzt meist schon wesentliche Hinweise für die Diagnose eines Unruhige-Beine-Syndroms. Um andere Erkrankungen auszuschließen, folgen körperliche Untersuchungen sowie Bluttests, die auch bestimmte Eisenwerte (vor allem Ferritin) aufzeigen. Eventuell bringt zudem ein Test mit L-Dopa, einem Parkinsonmedikament, Aufschluss. Bei Verdacht auf Nervenschädigungen können auch neurologische Untersuchungen angezeigt sein. Mitunter zieht der Arzt eine Überprüfung in einem Schlaflabor in Betracht (siehe dazu auch Kapitel "Diagnose").

Therapie: Leichtere, vorübergehende Beschwerden lassen sich oft schon mit allgemeinen Maßnahmen eindämmen. Dazu gehören sportliche Aktivitäten sowie der Verzicht auf Alkohol und koffeinhaltige Getränke. Bestehende Erkrankungen und Störungen, etwa Eisenmangel und eine Blutarmut, wird der Arzt gezielt behandeln. Gegen stärkere, anhaltende Beschwerden kommen in der Regel Medikamente zum Einsatz, vor allem Präparate, die eigentlich für die Parkinson-Krankheit bestimmt sind, wie Dopaminergika und Dopaminagonisten. Eine weitere Möglichkeit ist die Kombination Oxycodon/Naloxon.

Weitere Informationen zum Krankheitsbild, zu Diagnose und Therapie finden Sie im Ratgeber "Restless Legs Syndrom (RLS, unruhige Beine)".

Periodische Bewegungen der Gliedmaßen im Schlaf

Es sind in erster Linie die Beine, seltener die Arme, die nachts aktiv sind, ohne dass der Schläfer die Aktivitäten seiner Extremitäten bewusst wahrnimmt. Die Schlafqualität leidet allerdings stark darunter, tiefere Schlafphasen sind gestört. Vor allem ältere Menschen über 60 haben damit zu tun, viele gleichzeitig auch mit einer Schlafapnoe und einer Narkolepsie (zu Letzterem siehe Kapitel "Narkolepsie, Parasomnien").

Die Ursachen sind noch nicht geklärt. Wie bei Restless Legs liegt offenbar eine erbliche Anlage vor. Ebenso kommen auch hier bisweilen bestimmte Medikamente wie Antidepressiva, Rauchen, Alkohol, Koffein, Mineralstoffmangel oder körperlicher wie seelischer Stress als auslösende Faktoren infrage. Die Beschwerden können auch mit Nieren- oder Stoffwechselerkrankungen zusammenhängen, die oft eine schlechtere Durchblutung der Beine nach sich ziehen.

Abzugrenzen sind die periodischen Bewegungsstörungen von harmlosen Muskelzuckungen, die viele Menschen vor dem Einschlafen erleben, die sich aber nach kurzer Zeit legen und den Schlaf nicht weiter beeinflussen.

Symptome: Die Beinmuskeln, manchmal auch die Arme, beginnen in regelmäßigen Abständen (periodisch) zu zucken. Das Muskelzucken hält einige Sekunden an und tritt gehäuft in der ersten Nachthälfte auf. Die Betroffenen nehmen es nur selten wahr, wachen jedoch kurz auf, ohne sich dessen bewusst zu werden. Der so ständig unterbrochene Schlaf hat eine erhöhte Tagesmüdigkeit mit teilweise regelrechten Schlafattacken zur Folge.

Diagnose: Häufig sind es die Bettpartner, die von den manchmal heftigen Bewegungen gestört werden und entsprechende Angaben machen können. Der Arzt befragt den Betroffenen zunächst eingehend und untersucht ihn körperlich, um mögliche, noch nicht bekannte Begleiterkrankungen feststellen zu können. Für eine endgültige Diagnose der periodischen Bewegungen kann der Arzt mitunter eine Untersuchung in einem Schlaflabor erwägen. Dort wird aufgezeichnet, wie häufig nachts Muskelzuckungen auftreten und in welcher Form sie den Schlaf stören.

Therapie: Die Behandlung richtet sich danach, welche Beschwerden ein Betroffener aufgrund der nächtlichen Bewegungsstörung hat. Viele fühlen sich dadurch nicht wesentlich beeinträchtigt und benötigen keine spezielle Behandlung. Grundsätzlich hilfreich sind ein gesunder Lebensstil und ein Verhalten, das dem Schlaf zugute kommt. Treten zum Beispiel auch nächtliche Atemaussetzer auf, legt sich die Beinaktivität oft mit der Behandlung der Schlafapnoe durch nasale Überdruckbeatmung (siehe Kapitel "Schnarchen, Schlafapnoe").

Ebenso gehen die Beschwerden meist zurück, wenn eine vorhandene Grunderkrankung konsequent behandelt wird. Bleiben die Beinbewegungen hartnäckig bestehen und ist die Tagesmüdigkeit besonders ausgeprägt, können manchmal auch Medikamente, wie Mittel gegen die Parkinson-Krankheit, helfen.

Narkolepsie – Schlafsucht

Viele Gesundheitsprobleme, die den Nachtschlaf stören, haben auch eine erhöhte Tagesschläfrigkeit, eine Hypersomnie, zur Folge. Das kommt typischerweise bei Schlafapnoe oder Restless Legs vor.

Die Narkolepsie ist eine ausgeprägte Form von Hypersomnie. Hier quält die Betroffenen ein übermäßiges Schlafbedürfnis am Tage, ohne dass sie zunächst ersichtliche Schlafstörungen hätten. Die chronische Erkrankung beginnt häufig im jugendlichen Alter.

Die Ursache ist noch nicht bekannt. Neben einer erblichen Anlage spielt möglicherweise eine Autoimmunstörung eine Rolle. Fehlgeleitete körpereigene Abwehraktivitäten könnten dabei zu einem Ungleichgewicht zwischen den Nervenbotenstoffen im Gehirn, die den Schlaf-Wach-Rhythmus regulieren, führen. Untersuchungen zeigten, dass bei Narkolepsie-Betroffenen der REM-Schlaf gleich nach dem Einschlafen einsetzt, ohne vorausgehende Leicht- und Tiefschlafstadien (siehe dazu Kapitel "Warum Schlaf so wichtig ist").

Im REM-Schlaf erschlaffen normalerweise die Muskeln. Narkolepsie-Betroffenen passiert das auch untertags, wenn sie wach sind. Mediziner sprechen von Kataplexien. Die sozialen Folgen der Erkrankung sind oft erheblich.

Symptome: Eine Narkolepsie zeigt sich zu Beginn meist in starker Tagesmüdigkeit, die auch nach ausreichendem Nachtschlaf auftritt. Mit der Zeit wird allerdings durch den häufigen Schlaf untertags auch die Nachtruhe gestört. Es kommt nachts zu Durchschlafstörungen und am Tag zu regelrechten Schlafanfällen. Die Betroffenen nicken ungewollt in oft völlig unpassenden, ja mitunter höchst gefährlichen Situationen ein, bei der Arbeit, in geselliger Runde mit Freunden, beim Autofahren.

Ein weiteres Hauptsymptom bei Narkolepsie ist die Kataplexie, also das plötzliche Erschlaffen der Halte- und Stützmuskulatur. Die Betroffenen bekommen dann weiche Knie, sacken in sich zusammen, lassen Gegenstände fallen und stürzen leicht. Diese "Schrecklähmungen" geschehen oft, wenn Gefühle mit im Spiel sind, bei Freude, Ärger, Stress.

! Anders als zum Beispiel bei einem Ohnmachtsanfall sind die Betroffenen bei Bewusstsein.

Andere häufige Symptome sind im Halbschlaf automatisch, unbewusst weiter ausgeführte Handlungen, Lähmungszustände auch nachts sowie regelmäßig einsetzende Muskelzuckungen in den Beinen. Vielfach erleben die Betroffenen auch Tagträume oder Trugwahrnehmungen beim Einschlafen beziehungsweise Aufwachen.

Diagnose: Die Erkrankung wird häufig erst spät erkannt. An Narkolepsie Erkrankte haben oft zahlreiche Arztbesuche mit unterschiedlichsten Diagnosen hinter sich. Manchmal vergehen zehn Jahre und mehr, bis die Krankheit richtig festgestellt wird. Und das, obwohl die Symptome, außer im Anfangsstadium, sehr auffallend sind.

Die Krankengeschichte und eventuell Aufzeichnungen aus Schlaftagebüchern liefern oft wichtige Anhaltspunkte. Mit entsprechenden körperlichen Untersuchungen schließt der Arzt mögliche Organerkrankungen aus. Aufschluss bringt meist ein Aufenthalt in einem schlafmedizinischen Zentrum. Im Schlaflabor wird der Verlauf des Nachtschlafs registriert (Polysomnografie). Hier fallen die verfrühten REM-Schlafphasen auf. Den Grad der Tagesschläfrigkeit kann ein multipler Schlaflatenztest (MSLT) erfassen.

Therapie: Die Erkrankung ist nicht vollständig heilbar, aber es gibt Behandlungsmöglichkeiten, die den Betroffenen helfen, die Symptome besser in den Griff zu bekommen. Den Behandlungsweg stellt in der Regel ein Schlafmediziner individuell für seinen Patienten zusammen. Häufig ist eine Kombination von Medikamenten angezeigt. Das sind, je nach vorherrschenden Symptomen, zum Beispiel anregende Mittel (Stimulanzien), die gegen die Tagesmüdigkeit wirken. Die Ärzte setzen sie aber nur unter Kontrolle und zeitlich gesteuert ein, da sonst ein Gewöhnungseffekt eintritt.

Strenge Dosierungsvorgaben gibt es auch für Natriumoxybat (Gamma-Hydroxy-Buttersäure), das für die Behandlung von Narkolepsien zugelassen ist. Außerdem können Antidepressiva einmal gegen die Kataplexien wirken, aber auch bei Halluzinationen oder Schlaflähmungen sinnvoll sein. Sorgfältige fachmedizinische Diagnose geboten!

Hilfreich sind Verhaltensmaßnahmen, die den Schlaf auch am Tage regulieren, wie etwa kurze Nickerchen zwischendurch nach einem festen Zeitplan. Damit gelingt es Narkolepsie-Kranken oft, einige Stunden am Stück wach zu bleiben.

Als grundlegende Unterstützung gehört eine eine gesunde Lebensweise dazu, mit Sport, keinem oder wenig Alkohol sowie einer vernünftige Schlafhygiene. Familie, Freunde und Arbeitgeber sollten über die Erkrankung informiert sein, damit sie das Verhalten des Betroffenen nicht falsch deuten.

Parasomnien – Störaktionen im Schlaf

Unter dem Begriff Parasomnien fassen Mediziner störende Ereignisse zusammen, die dem Schlafenden widerfahren oder an denen er selbst aktiv beteiligt ist. Dabei kommt es im Schlaf zu unangepassten Impulsen der Nerven, die das Bewegungssystem oder unwillkürliche Körpervorgänge steuern. In der Regel wacht der Betroffene dadurch nicht auf, sein Schlaf ist manchmal beeinträchtigt, aber nicht immer. Häufig sind die Erscheinungen harmlos, bei einigen allerdings, wie Schlafwandeln und nächtlichen Schreckzuständen, können die Betroffenen sich oder andere gefährden.

Mit Parasomnien haben Kinder und Jugendliche öfter als Erwachsene zu tun. Aber auch diese können sehr darunter leiden. Es gibt Aufwachstörungen aus dem Tiefschlaf sowie Aktionen, die im REM-Schlaf stattfinden oder mit dem Einschlafen verbunden sind. Medikamentenmissbrauch, Stress, psychische und einige körperliche Erkrankungen können als Symptome Parasomnien nach sich ziehen.

Albträume, Schlaflähmungen: Diese Aufwachstörungen treten aus dem REM-Schlaf heraus auf. Sie können sich etwa nach einem lebhaften Traum ereignen und den Betroffenen selbst erschrecken.

Manchmal begleitet der Schlafende auch seine Träume mit unbewussten Aktionen, im Zuge derer er sich und anderen Schaden zufügen kann. REM-Schlaf-Verhaltensstörungen treten häufiger ab dem 60. Lebensjahr auf.

Zu den wichtigsten nächtlichen Störfällen gehören:

Schlafwandeln: Hier liegt eine Aufwachstörung aus dem Tiefschlaf heraus vor. Der Schlafende wacht nur zum Teil auf und führt Handlungen aus, ohne sich dessen bewusst zu werden. Er kann sich dann im Bett aufrichten, es auch verlassen und umhergehen. Die meisten Schlafwandler legen sich nach kurzer Zeit wieder von selbst hin und schlafen weiter.

Einige jedoch sind höchst aktiv, verräumen Gegenstände in der Wohnung, gehen aus dem Haus. Am Morgen können sie sich nicht an ihre nächtlichen Aktionen erinnern. Manche Menschen haben im schlafwandlerischen Zustand auch regelrechte Essattacken. Sie stehen immer wieder auf, um etwas zu sich zu nehmen, mitunter so häufig, dass sie erheblich an Gewicht zulegen.

Schlaftrunkenheit und nächtliche Panikzustände (Pavor nocturnus): Häufig leiden Kinder an Schlaftrunkenheit. Sie wachen scheinbar plötzlich auf, schreien und bewegen sich heftig. In dieser Phase sind Schlaftrunkene nicht zu besänftigen. Nach einer gewissen Zeit beruhigen sie sich und schlafen weiter.

Bedrohlicher zeigt sich die Aufwachstörung beim Pavor nocturnus. Wer so einen nächtlichen Angstzustand erlebt, schreckt oft mit einem durchdringenden Schrei aus dem Schlaf auf und zeigt die Symptome einer Panikattacke wie geweitete Pupillen, angstverzerrtes Gesicht, Herzrasen, Schwitzen. Manche schlagen in diesem Zustand auch heftig um sich, stehen auf, laufen umher und gefährden damit nicht nur sich, sondern auch den Bettpartner. Von ihren Erlebnissen wissen sie morgens nichts.

Nächtliches Einnässen (Enuresis): Meist legt sich diese Form der Schlafstörung mit der Pubertät. Deshalb ist es wichtig, dass vor allem die Eltern nicht zu viel Aufhebens davon machen, wenn ihr Kind nachts einnässt. Entsprechende Matratzenauflagen, eine entspannte Atmosphäre und gegebenenfalls psychotherapeutische Unterstützung helfen, besser mit dem Problem umzugehen. Bei Erwachsenen können körperliche oder psychische Erkrankungen zu dem ungewollten nächtlichen Harnabgang führen.

Nächtliches Zähneknirschen (Bruxismus): Viele Menschen, die unter starker seelischer Anspannung und Belastung stehen, beißen nachts im Schlaf buchstäblich die "Zähne aufeinander". Sie mahlen und reiben, "knirschen" mit den Zähnen, oft so heftig, dass Schäden am Zahnschmelz entstehen. Stressabbau sowie vom Zahnarzt angepasste Aufbissschienen können dem erfolgreich entgegenwirken. Lesen Sie mehr dazu im Beitrag "Zähneknirschen in der Nacht".

Weitere Parasomnien sind rhythmisches Kopfschlagen und andere gleichmäßige Bewegungen mit einem Körperteil oder dem ganzen Körper, Einschlafzuckungen, Halluzinationen bei Schlafbeginn.

Diagnose von Parasomnien:

Da die Betroffenen meistens keine Erinnerung an ihre nächtlichen Aktionen haben, geben die Berichte der Familie oder des Partners dem Arzt wichtige Hinweise. Der Arzt wird den Betroffenen eingehend befragen, um sich ein Bild von möglichen psychischen Belastungen und Medikamenteneinnahmen zu verschaffen. Außerdem untersucht er ihn gründlich, um eine eventuell noch nicht bekannte körperliche Erkrankung festzustellen.

Für nächtliche Ereignisse, die keinen Bezug zu einem Krankheitsbild haben, kommt mitunter die Abklärung in einem Schlaflabor in Betracht, vor allem, wenn es sich um ausgeprägte, möglicherweise gefährliche Aktionen handelt. Dort schließen die Ärzte zudem mit neurologischen Untersuchungen epileptische Erkrankungen aus.

Therapie von Parasomnien:

Viele Parasomnien sind harmlos und haben auch keine Folgen für die Tagesform. Sie müssen meist nicht behandelt werden. Einen positiven Einfluss auf die Störungen hat es, wenn die Betroffenen besondere Belastungen und Stress vermeiden beziehungsweise abbauen sowie einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmen einhalten.

Bei Aufwachstörungen wie dem Schlafwandeln besteht die wichtigste Behandlungsmaßnahme zumeist in Schutzmaßnahmen, die den Schlafwandler und gegebenenfalls seine Umgebung schützen. Nachts am Körper angebrachte sogenannte Biofeedback-Geräte können besonders heftig Agierende aus dem Schlaf wecken, um so gefährlichen Handlungen vorzubeugen. Bei bestimmten, womöglich verletzungsträchtigen Unruhe- und Bewegungsstörungen aus dem REM-Schlaf heraus setzen Ärzte nach sorgfältiger Diagnostellung möglicherweise Melatonin oder Clonazepam (ein Mittel gegen Krampfanfälle aus der Gruppe der Benzodiazepine) ein.

Mitunter helfen auch Medikamente wie bestimmte Antidepressiva und psychotherapeutische Therapien, etwa bei Schlafpanik, ausgeprägten Albträumen oder Einnässen. Mit kieferorthopädischen Maßnahmen wie Aufbissschienen lässt sich nächtliches Zähneknirschen vermeiden.

Da Hormone und Organfunktionen auch nachts einem bestimmten Muster folgen, kann nahezu jede Störung in diesen Bereichen die unterschiedlichen Schlafphasen beeinträchtigen und umgekehrt. Entsprechend ereignen sich Notfälle wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Asthmaattacken häufig nachts oder in den frühen Morgenstunden.

Bei einigen Erkrankungen gehört die Schlafstörung zu den kennzeichnenden Symptomen selbst. Andere Krankheiten gehen mit Beschwerden einher, die dann ihrerseits wiederum die Nachtruhe unterbrechen, etwa häufiger Harndrang bei Blasen- und Prostataleiden oder Schmerzen und Fieber bei Infekten und Gelenkerkrankungen. Schließlich lassen Hauterkrankungen, die mit Schmerzen und Juckreiz verbunden sind, die Betroffenen oft nicht oder nur unruhig schlafen.

Kurze Erläuterungen finden Sie hier beispielhaft zu folgenden Krankheitsgruppen:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Atemwegserkrankungen
  • Magenleiden, Sodbrennen
  • Gelenk- und Muskelerkrankungen
  • Fibromyalgie
  • Kopfschmerzen, Migräne
  • Neurologische Erkrankungen
  • Hormonstörungen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die den Schlaf stören

Im Laufe der Nacht verlangsamt sich der Herzschlag und der Blutdruck sinkt. Jedes Aufwachen, sei es bewusst oder unbewusst durch nächtliche Atemaussetzer etwa, treibt Herzschlag und Blutdruck in die Höhe. Ein solches Auf und Ab belastet das Herz und kann schließlich zu einem beständigen Bluthochdruck führen, der seinerseits für nächtliche Unruhe sorgt. Menschen mit obstruktiver Schlafapnoe sind vermehrt gefährdet, Bluthochdruck zu entwickeln und damit mögliche Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden.

Herzrhythmusstörungen belasten das Herz auch nachts. Der Körper mobilisiert dabei vermehrt Stresshormone. Darunter kann die Nachtruhe leiden.

Eine Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) vermindert die Leistungskraft des Pumporgans. Dadurch gelangt weniger Blut in die Gefäße. Das hat eine Unterversorgung zur Folge, die zu Weckreaktionen führen kann, um das Herz zu mehr Leistung anzuregen. Bei einer Rechtsherzinsuffizienz oder schweren Insuffizienz des gesamten Herzens lagert sich durch den Blutrückstau in den Körpergeweben vermehrt Flüssigkeit ein.

Im Liegen kann der Körper diese wieder besser ausscheiden. Der daraus entstehende Harndrang sorgt für zusätzliche nächtliche Toilettengänge. Ebenfalls auftretende Kurzatmigkeit behindert das Ein- und Durchschlafen. Menschen, die an einer chronischen Herzinsuffizienz leiden, sind zudem mehr gefährdet, eine Schlafapnoe zu entwickeln.

Das gilt auch für eine koronare Herzkrankheit. Hier sind Arterien, die das Herz versorgen, verengt oder verschlossen, so dass das Herz weniger Blut und damit weniger Sauerstoff erhält. Ein Teufelskreis entsteht, wenn die Betroffenen gleichzeitig an einer Schlafapnoe leiden, bei der der Sauerstoffgehalt im Blut durch die Atemaussetzer immer wieder kurzfristig abfällt.

Symptome: Im Vordergrund stehen die typischen Anzeichen des jeweiligen Herzleidens. Das können Kurzatmigkeit bei körperlicher Aktivität oder auch im Liegen (nach Luft ringen gerade auc nachts), innere Unruhe, Herzrhythmusstörungen mit Herzrasen oder -stolpern, Herzschmerzen, Schwellungen in den Beinen, Engegefühle in der Brust, Angstgefühle, Schwindel sein. Auch bläuliche Lippen und Fingernägel weisen auf eine mangelnde Herzleistung hin. Dazu treten Ein- und Durchschlafstörungen auf. Bluthochdruck äußert sich anfangs nur durch geringe oder keine Beschwerden. Hier können sonst unerklärliche Schlafprobleme ein Hinweis sein.

Diagnose: Wenn die Herzerkrankung noch nicht bekannt ist, wird der Arzt sie im Rahmen der körperlichen Untersuchungen feststellen. Er wird den Blutdruck kontrollieren, das Herz abhören und ein Elektrokardiogramm (EKG) sowie meist auch ein Belastungs-EKG durchführen lassen. Besteht der Verdacht auf eine Herzrhythmusstörung, einen Herzfehler oder eine Herzmuskelschwäche, können ein Langzeit-EKG, Blutuntersuchungen und eine Echokardiographie, eine Ultraschalluntersuchung des Herzens, angezeigt sein. Weitere gegebenenfalls infrage kommende Diagnoseverfahren sind eine Herzkatheteruntersuchung, etwa um eventuell verengte Herzkranzgefäße aufzudecken und zu behandeln, oder spezielle Verfahren der Kernspintomographie.

Liegt aufgrund der Krankengeschichte und der Symptome der Verdacht nahe, dass der Patient gleichzeitig an einer Schlafapnoe leidet, wird der Arzt dem nachgehen. Hilfreiche Hinweise kann hier je nach Ausprägung der Beschwerden eine Polygraphie oder Polysomnographie im Schlaflabor geben (mehr dazu im Kapitel "Schlafstörungen – Diagnose").

Therapie: Die Behandlung richtet sich nach der Grunderkrankung. Das können Medikamente oder weitere therapeutische Maßnahmen sein, wie eine Bypass- oder Umgehungsoperation, das Einsetzen eines Herzschrittmachers. Liegt eine Schlafapnoe vor, wird auch diese entsprechend behandelt (siehe auch Kapitel "Schlafstörungen: Schnarchen, Schlafapnoe"). Dadurch können sich auch Blutdruck und Herzfunktion verbessern.

Eine gesunde Lebensweise unterstützt die Therapie wesentlich und hilft damit auch, die Schlafprobleme zu vermindern.

Ausführliche Informationen zu den unterschiedlichen Krankheitsbildern sowie zu Diagnose und Therapie geben Ihnen die Ratgeber Bluthochdruck, Herzmuskelentzündung, Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche (Herzmuskelschwäche, Herzinsuffizienz), Herzkranzgefäßerkrankung (koronare Herzkrankheit (KHK)).

Atemwegserkrankungen: Luftnot erschwert das Schlafen

Ausreichend Sauerstoff, den sich der Körper über die Luft holt, ist wesentlich für eine entspannte Nachtruhe. Alles, was die Sauerstoffaufnahme über die Lunge behindert, stört auch den Schlaf. Das können eine verstopfte Nase bei einer Erkältung, eine Nasennebenhöhlenentzündung, eine Bronchitis, eine Lungenentzündung oder Bronchialasthma sein. Die mit einer akuten oder chronischen Lungenerkrankung verbundene Atemnot sowie mögliche Hustenanfälle hindern die Betroffenen am Ein- und Durchschlafen. Asthmaanfälle treten oft gegen Morgen auf, wenn die REM-Phasen häufiger sind (siehe dazu auch Kapitel "Warum Schlaf so wichtig ist").

Symptome: Ein- und Durchschlafstörungen, morgendliches Erwachen, Atemnot, Kurzatmigkeit. Bei Bronchitis oder Lungenerkrankungen: Husten mit Auswurf oder trockener Reizhusten, Schwindelgefühle, Schmerzen im Brustbereich, eventuell Fieber; bei Asthma häufig morgendliche Asthmaanfälle. Auf Probleme in den Nasennebenhöhlen weisen Dauerschnupfen, Husten im Liegen, Kopfschmerzen, Druckgefühl im Nasen- und Ohrenraum, Abgeschlagenheit hin.

Diagnose: Wenn Sie über den Rahmen einer üblichen Erkältung hinaus mit Husten und Schnupfen zu tun haben, wird der Hausarzt zunächst die Lunge abhören und den Nasen-Rachenraum beurteilen. Gegebenenfalls überweist er Sie an einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt, einen Lungenfacharzt oder einen Allergologen.

Je nach Verdacht können Röntgenaufnahmen von den Nebenhöhlen beziehungsweise von der Lunge, eine Laboruntersuchung von Nasen- oder Bronchialsekret und ein Lungenfunktionstest angezeigt sein. Falls notwendig sichern weitere HNO-ärztliche Untersuchungen und eventuell spezielle Allergietests die Diagnose ab.

Therapie: Sie richtet sich nach der Grunderkrankung. Einen wichtigen Teil der Behandlung von Atemwegserkrankungen stellen häufig spezielle Zubereitungen zum Inhalieren dar. Als Medikamente kommen hier zum Beispiel entzündungshemmende sowie bronchienerweiternde Mittel bei Bronchialasthma infrage. Die Beschwerden lindern können zudem Tabletten zum Lutschen oder Schlucken, Wärmeanwendungen, bei einer allergischen Ursache gegebenenfalls eine Hyposensibilisierungsbehandlung. Gegen durch Bakterien verursachte Entzündungen verschreiben Ärzte Antibiotika, wenn es angezeigt ist. Auch bei Atemwegskrankungen ist es übrigens wichtig, die Atemfunktion durch eine gesunde Lebensweise mit angepasster körperlicher Bewegung zu stärken. Mit der Therapie bessern sich dann in der Regel auch die Schlafstörungen.

Lesen Sie mehr zu einzelnen Krankheiten der Atemwege in den Ratgebern Asthma bronchiale, akute Bronchitis, chronische Bronchitis, Lungenembolie, Lungenentzündung, Lungenkrebs.

Magenleiden: Unruhiger Schlaf am Morgen

Ein häufiger Grund für einen gestörten Schlaf in den frühen Morgenstunden ist Sodbrennen im Rahmen einer Refluxkrankheit. Um diese Zeit treten die REM-Schlafphasen häufiger auf, in denen der Magen mehr Säure bildet. Diese fließt dann, wenn die Betroffenen liegen, in die Speiseröhre zurück und verursacht ein schmerzhaftes Brennen. Viele Menschen, die darunter leiden, haben morgens auch verstärkt Hustenanfälle.

Ein Magengeschwür löst ebenfalls um die Morgenzeit stärkere Schmerzen aus, da die erkrankte Magenschleimhaut dann selbst empfindlicher gegenüber der aggressiven Säure ist.

Symptome: Probleme beim Einschlafen durch Magendruck, Magenschmerzen, Husten. Aufwachen am frühen Morgen durch Magenschmerzen, Sodbrennen, oft verbunden mit saurem Aufstoßen, Hustenattacken mit Auswurf, Schmerzen in der Brustbeingegend. Eventuell Übelkeit, Erbrechen.

Diagnose: Wenn die Symptome auf ein Magenproblem hindeuten, wird der Arzt nach einer ersten Prüfung gezielte Untersuchungen veranlassen, etwa verschiedene Laboruntersuchungen. Je nach Verdacht zieht er einen Facharzt für Magen-Darm-Krankheiten (Gastroenterologe) hinzu. Zu möglichen weiterführenden Untersuchungen gehört unter anderem eine Magenspiegelung (Gastroskopie).

Therapie: Mit der Behandlung der Grunderkrankung bessern sich in der Regel auch die Schlafstörungen. Eine angepasste, gesunde Ernährung, Stressabbau, Entspannung sowie gegebenenfalls säurehemmende Medikamente (Protonenpumpenhemmer) und bei entsprechendem Nachweis Antibiotika gegen das Bakterium Helicobacter pylori kommen vor allem bei Magenschleimhautentzündungen und Magengeschwüren zum Einsatz.

Zu Magenleiden informieren eingehend die Ratgeber "Sodbrennen", "Gastritis (Magenschleimhautentzündung)", "Magen-Zwölffingerdarmgeschwür".

Schmerzhafte Gelenk- und Muskelerkrankungen rauben oft den Schlaf

Alle Erkrankungen, die mit Schmerzen verbunden sind, stören den Schlaf. Dazu gehört das ganze Spektrum von inneren und äußeren Verletzungen, auf die hier nicht weiter eingegangen wird. Sehr häufige Schlafstörer sind Rückenschmerzen, Muskelverspannungen sowie auch Wadenkrämpfe, die Ausdruck ganz unterschiedlicher Gesundheitsprobleme sein können.

Viele Menschen mit Verschleißerkrankungen der Gelenke (Arthrose) oder chronischen Gelenkerkrankungen wie entzündlichem Rheuma (rheumatoide Arthritis) schlafen ständig schlecht. Bei der Bechterew-Erkrankung sind tiefliegende Rückenschmerzen in den frühen Morgenstunden typisch und oft richtungweisend. Als schmerzhaft und schlafraubend erweisen sich zudem Sehnenentzündungen sowie Tumoren in Knochen und Gelenken. Einige Medikamente zur Behandlung von entzündlichen Gelenkerkrankungen können allerdings ebenfalls zu Schlafstörungen führen.

Symptome: Gelenk- und Muskelschmerzen hindern die Betroffenen oft schon am Einschlafen oder wecken sie nachts, wenn zum Beispiel das erkrankte Gelenk beim Liegen in eine ungünstige Position gerät. Dazu kommen die typischen Beschwerden des jeweiligen Krankheitsbildes wie kurz anhaltende Morgensteife in den Gelenken bei Arthrose, Anlaufschmerzen, eingeschränkte Beweglichkeit, Schwellungen am Gelenk.

Bei einer rheumatoiden Arthritis hält die Morgensteifigkeit länger an. Weitere häufige Symptome sind entzündliche Schwellungen, Kraftlosigkeit, Müdigkeit und Fieber. Bei der Bechterew-Erkrankung führen oft Kreuzschmerzen morgens zu verfrühtem Aufwachen. Das sind nicht selten die ersten kennzeichnenden Beschwerden.

Diagnose und Therapie: Weist die Krankengeschichte auf eine Gelenkerkrankung hin, wird der Arzt die jeweiligen Untersuchungsschritte einleiten. Nach gesicherter Diagnose ist die Behandlung auf die Grunderkrankung ausgerichtet. Bereiten die Schlafstörungen Probleme, berücksichtig der Arzt das auch bei der Wahl der Medikamente. So wird er etwa bei einer Arthritis darauf achten, einen Wirkstoff einzusetzen, der nicht seinerseits die Schlafprobleme verstärkt, oder er verordnet passende Kombinationen.

Mehr zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapien verschiedener Gelenk- und Muskelerkrankungen erfahren Sie in den Ratgebern "Rückenschmerzen", "Rheumatoide Arthritis" und "Arthrose".

Fibromyalgie-Syndrom: Schlafstörungen als ein Hauptsymptom

Ein weiteres Krankheitsbild, das mit Muskel- und Gelenkschmerzen einhergeht, ist das Fibrositis- oder Fibromyalgie-Syndrom. Diese Erkrankung äußert sich in Muskel- und Gelenkschmerzen sowie in vielfältigen anderen Beschwerden. Die genaue Ursache ist noch nicht geklärt. Ergebnisse neuer Untersuchungen legen nahe, dass bei Fibromyalgie-Erkrankten kleine Nervenfasern, die in der Haut enden, geschädigt sind. Diese sogenannten small fibers leiten unter anderem Schmerzempfindungen weiter. Das Fibromyalgie-Syndrom kommt in manchen Familien gehäuft vor. Betroffen sind wesentlich mehr Frauen als Männer. Mit dem Krankheitsbild treten zudem oft Depressionen auf, allerdings nicht immer.

Symptome: Die Betroffenen haben chronische Schmerzen in bestimmten Bereichen, etwa im Rücken, im Nacken, in der Schulter, in den Armen oder Beinen. Oft kommen Schwellungen und Morgensteifigkeit dazu. Schlafstörungen, vor allem Ein- und Durchschlafstörungen, gehören zu den kennzeichnenden Symptomen. Die Kranken fühlen sich am Tage ständig erschöpft, können aber abends trotz ihrer Müdigkeit nicht einschlafen. Weitere Beschwerden sind Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, übermäßiges Schwitzen, Magen-Darm-Probleme sowie häufig depressive Verstimmung und Ängste.

Diagnose: Eine krankhafte körperliche Veränderung, wie etwa Rheuma, ist bei labormedizinischen Untersuchungen oder in bildgebenden Verfahren nicht nachzuweisen. Der Arzt wird auch mögliche Medikamenteneinnahmen bei einer Ausschlussdiagnose berücksichtigen. Hinweise geben dem Arzt die Leitsymptome wie Schmerzen, Müdigkeit und Schlafstörungen. Umfassende psychologische Diagnoseverfahren vervollständigen und festigen die Diagnose.

Therapie: Die Behandlung beinhaltet stets die körperliche, die soziale und die psychische Seite. Dazu gehören umfassende Strategien zur Schmerzbewältigung, Entspannungstechniken, Bewegungstraining, psychotherapeutische Verfahren, hier vor allem die kognitive Verhaltenstherapie. Je nachdem, wie ausgeprägt die Erkrankung ist, setzen die Ärzte als Medikamente in erster Linie Antidepressiva ein. Die Mittel können auch das Ein- und Durchschlafen erleichtern, ohne abhängig zu machen wie andere Schlafmittel (siehe auch Kapitel "Medikamente, Schlafmittel"). Weitere Medikamente wählt der Arzt nur jeweils nach Bedarf, sehr gezielt und zeitlich begrenzt aus. Schmerzmittel sind häufig nicht geeignet.

Weitere Informationen liefert der Ratgeber "Fibromyalgiesyndrom".

Kopfschmerzen, Migräne: Nächtliche Attacken gegen den Schlaf

Bestimmte Kopfschmerzformen und Migräneattacken treten häufig nachts während einer der Schlafphasen auf, und zwar häufig im REM-Schlaf. Migräne kann zudem die Tiefschlafphasen stören. Besonders empfindlich reagieren Menschen, die an Migräne leiden, auf einen Wechsel in ihrem Schlaf-Wach-Rhythmus. Wer unter der Woche kürzer schläft und früher aufsteht, dafür am Wochenende lang schlafen will, hat oft verstärkt mit Migräneanfällen zu kämpfen. Sind die Nächte dagegen regelmäßig lang oder kurz, bessert das eher die Beschwerden.

Experten sind sich weitgehend einig, dass Migräne vom zentralen Nervensystem ausgeht und dabei Nervenbotenstoffe wie das Serotonin eine Rolle spielen. Der Energieaustausch zwischen den Nervenzellen ist störanfälliger, und das natürlich auch im Schlaf. Damit zählen Migräne und verschiedene Kopfschmerzformen auch zu den neurologischen Störungen (siehe nachfolgenden Abschnitt). Eine familiäre Veranlagung ist bei Migräne wahrscheinlich.

Symptome: Durchschlafstörungen und zu frühes Aufwachen durch heftige Kopfschmerzen, die oft unvermittelt nachts oder gegen Morgen einsetzen. Bei einer Migräne können Übelkeit, Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit sowie einseitige Gefühlsstörungen, etwa im Gesicht oder an den Händen, dazukommen.

Diagnose: Das Beschwerdebild gibt dem Arzt wesentliche Hinweise, ob es sich um Spannungskopfschmerzen, Cluster-Kopfschmerz oder eine Migräne handelt. Er wird eine eingehende körperliche Untersuchung durchführen. Häufig veranlasst er auch Untersuchungen bei einem Nervenarzt (Neurologen), zum Beispiel ein Elektroenzephalogramm, das die Hirnströme aufzeichnet. Bei Bedarf untersucht der Neurologe zudem die gehirnversorgenden Gefäße mit Ultraschall (Farbduplex-Sonografie) und setzt je nach Verdacht weitere bildgebende Verfahren ein, wie eine Computertomografie (siehe auch unten Abschnitt "Neurologische Erkrankungen").

Therapie: Die Behandlung richtet sich nach der Kopfschmerzart. Ziel ist eine nachhaltige Schmerzbewältigung, die neben einer Verhaltenstherapie auch den jeweils angemessenen Einsatz von Medikamenten mit einschließt. Entspannungstechniken und eine gesunde Lebensweise unterstützen die ärztlichen Maßnahmen und helfen zusätzlich, die Schlafprobleme zu bessern (siehe auch Kapitel "Therapie und Selbsthilfe"). Da einige Migränemittel auch zu Schlafstörungen führen können, wird der Arzt seine Verordnungen entsprechend anpassen.

Über die unterschiedlichen Kopfschmerzformen sowie über Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapien können Sie mehr erfahren in den Ratgebern "Kopfschmerzen" und "Migräne".

Neurologische Erkrankungen: Falsche Nervensignale bringen den Schlafrhythmus durcheinander

Im Schlaf sind die Nervenzellen (Neuronen) im Gehirn höchst aktiv und übernehmen wesentliche Funktionen. Vorübergehende Einflüsse oder chronische Erkrankungen stören diese Aktivitäten und somit auch den geregelten Ablauf der Schlafphasen. Nervenerkrankungen rufen häufig Insomnien hervor. Die Mehrheit der Parkinson-Kranken leidet unter Schlafproblemen. Ebenso treten bei anderen, selteneren Erkrankungen, bei denen Nervenzellen im Gehirn zugrunde gehen, Schlafstörungen auf. Mediziner rechnen auch Entzündungen des Gehirns, wie die Multiple Sklerose, oder Hirntumoren zu weiteren möglichen Auslösern.

Krankheitsbilder, die Nerven und Muskeln betreffen, führen zu einer fortschreitenden Muskelschwäche. Zu diesen neuromuskulären Erkrankungen gehören sogenannte Muskeldystrophien oder Muskelatrophien. Nachts kommt es dann verstärkt zu Atemproblemen, da die zuständigen Muskelfunktionen eingeschränkt sind.

Symptome der genannten Krankheiten: Ein- und Durchschlafstörungen sowie zu frühes Aufwachen, häufig aufgrund nächtlicher Bewegungsstörungen, zum Beispiel der Beine, durch Atemnot, Muskelschmerzen und -krämpfe. Parkinson-Kranke wachen zum Beispiel immer wieder aus dem Tiefschlaf auf, weil sie sich wegen mangelnder Beweglichkeit nicht umdrehen können. Sie schwitzen nachts vermehrt und haben oft Probleme mit der Blase. Verspannungsschmerzen hindern sie häufig am Einschlafen.

Neben den für die einzelnen Krankheitsbilder typischen Symptomen wie unterschiedliche Bewegungsstörungen führen die genannten Gehirnerkrankungen meist zu erhöhter Tagesmüdigkeit, Konzentrationsproblemen, depressiven Verstimmungen. Begleitende Depressionen und Angstzustände verstärken die Schlafstörungen oft noch zusätzlich.

Diagnose und Therapie: Der Hausarzt wird seinen Patienten an einen Neurologen überweisen, wenn der Verdacht auf eine Erkrankung des Gehirns oder auf eine Problematik im Zusammenspiel von Nerven und Muskeln besteht. Eingehende neurologische Untersuchungen, dazu gehören vor allem bildgebende Verfahren, festigen die Diagnose.

Die Behandlung richtet sich nach der Grunderkrankung. Innerhalb der individuellen Behandlungsstrategien wird der Arzt bestehende Schlafprobleme berücksichtigen. Teilweise setzt er Antidepressiva ein, die auch die Schlafqualität verbessern.

Weiterführende Informationen erhalten Sie in den Ratgebern "Parkinson Krankheit (Morbus Parkinson)", "Multiple Sklerose (MS)", "Hirntumore".

- Schlaganfall: Umgehend helfen!

Zu einem Hirninfarkt kann es kommen, wenn erkrankte, "verstopfte" oder gerissene Blutgefäße oder andere Störungen die Durchblutung in einem Gehirnareal behindern beziehungsweise unterbinden. Die betroffenen Nervenzellen leiden unter akutem Sauerstoff- und Nährstoffmangel. Manchmal sind sie auch durch Einblutungen in ihrer Funktion blockiert. Je nach Ausmaß des Schadens sind unterschiedliche Körperfunktionen beeinträchtigt. Vor allem Atmungsstörungen lassen Schlaganfall-Betroffene nachts schlechter schlafen. Viele Erkrankte leiden an Schlafapnoe, die ihrerseits einen Risikofaktor für Schlaganfälle sowie Herzinfarkte darstellt. Die Atemprobleme nach einem Schlaganfall treten durch Lähmungserscheinungen oder Funktionseinbußen an den zuständigen Muskeln auf.

Ein Schlaganfall ist ein Notfall, der sofort im Krankenhaus, am besten in einer Klinik mit einer Schlaganfallstation (Stroke Unit), behandelt werden muss. Die weitere Diagnose und Therapie folgt den entsprechenden Richtlinien und wird individuell auf die Erfordernisse des Erkrankten ausgerichtet.

Erfahren Sie mehr über Warnzeichen, Diagnose und Therapie im Ratgeber "Schlaganfall (Apoplex)".

- Polyneuropathie: Diabetes greift die Nerven an

Nervenstörungen gehören zu den möglichen Folgeerkrankungen eines Diabetes. Die diabetische Polyneuropathie erfasst vor allem die Nervenbahnen in den Beinen und Füßen, aber auch in Armen und Händen. Schmerzen, Kribbeln, Berührungsempfindlichkeit sowie Wadenkrämpfe belasten den Schlaf. Auch das vegetative Nervensystem kann betroffen sein, das unter anderem Herztätigkeit, Kreislauffunktionen, Verdauung, Atmung und Schweißproduktion steuert.

Informieren Sie sich ausführlich über Diabeteserkrankungen sowie mögliche Folgen in den Ratgebern "Diabetes-Typ-1" und "Diabetes-Typ-2" auf unserem Partnerportal www.diabetes-ratgeber.net.

- Chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS)

Mediziner stufen diesen vielschichtigen Beschwerdenkomplex inzwischen international als  eigenständiges Krankheitsbild innerhalb der Gruppe neurologischer Erkrankungen ein. Kennzeichnend ist ein Zustand anhaltender extremer Erschöpfung, den zahlreiche weitere Symptome begleiten. Frauen erkranken häufiger als Männer. Die Ursachen sind letztlich noch nicht geklärt. Eine genetische Veranlagung, die Folgen von Infektionen mit bestimmten Viren, eine veränderte Immunlage spielen möglicherweise eine Rolle. Die Beschwerden setzen oft plötzlich ein, etwa nach starker körperlicher Anstrengung oder nach einem überstandenen Infekt, zum Beispiel nach einem Pfeifferschen Drüsenfieber. Sie halten dann mehrere Monate an. Mitunter entwickelt die Krankheit sich auch langsam, die Symptome werden im Laufe der Zeit immer stärker.

Symptome: Die Erkrankung beginnt oft akut mit Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen. Typisch sind zudem Halsschmerzen, geschwollene, schmerzende Lymphknoten, Muskelschwäche sowie Schlafstörungen. Auch wenn sie sich längere Zeit ausruhen, geht es an CFS Erkrankten danach nicht wesentlich besser. Manchmal breitet sich die Erschöpfung auch erst allmählich aus. Die ständige niederdrückende Müdigkeit erschwert das Alltagsleben sehr. Die Betroffenen leiden zudem häufig unter Konzentrationschwächen und Gedächtnisproblemen. Viele von ihnen entwickeln Ängste und Depressionen. Stress und körperliche Belastungen können die die Symptome verschlechtern.

Diagnose und Therapie: Das Beschwerdemuster liefert wichtige Anhaltspunkte. Der Arzt schließt zunächst andere organische oder psychische Erkrankungen aus. Die Behandlung schließt eine Reihe von Maßnahmen ein, die sich nach dem individuellen Krankheitsbild richten. Dazu gehören Verhaltens- und Bewegungstherapien sowie eventuell Schmerztherapien. Die Erkrankten lernen, Belastungs- und Erholungszeiten im für sie richtigen Maß aufeinander abzustimmen. Oft heilt ein Erschöpfungssyndrom nach einiger Zeit wieder ganz aus.

Lesen Sie mehr dazu im Ratgeber "Müdigkeit – Kapitel: Chronisches Erschöpfungssyndrom".

- Demenzen: Schlaf nachhaltig verändert

Menschen, die an der Alzheimer-Krankheit oder einer anderen Demenzform leiden, haben häufig ausgeprägte Schlafstörungen. Die Veränderungen im Gehirn führen zu Einschlaf- und Durchschlafproblemen und beeinträchtigen den Tiefschlaf. Oft ist der REM-Schlaf besonders lebhaft. Heftige Träume, Trugbilder und Wahnvorstellungen lassen die Betroffenen nicht nur häufig aus dem Schlaf aufschrecken, sie stehen dann auch oft mitten in der Nacht auf und irren umher. Einige leiden auch unter ausgeprägter Tagesmüdigkeit und schlafen untertags deutlich mehr (Hypersomnie).

Eine Demenzerkrankung bedarf einer speziellen Diagnose, Therapie und Begleitung. Viel Tages- und Sonnenlicht, feste Schlafregeln, Entspannungsübungen sowie gegebenenfalls verhaltenstherapeutische Unterstützung lindern häufig hartnäckige Schlafprobleme.

Erfahren Sie mehr über Demenzerkrankungen im Ratgeber "Alzheimer Krankheit".

Hormonstörungen, Stoffwechselerkrankungen: Auch der Schlaf kommt aus dem Gleichgewicht

Hormone beeinflussen unseren Schlaf-Wach-Rhythmus maßgeblich. Hormonelle Schwankungen und Störungen wirken sich deshalb oft deutlich auf die Schlafqualität aus.

- Hormonschwankungen

Viele Frauen schlafen in den Wechseljahren schlechter, wenn der Hormonhaushalt sich verändert. Dieser Umbruch macht sich teilweise in körperlichen sowie seelischen Beschwerden bemerkbar. Einige leiden unter nächtlichen Schweißausbrüchen, innerer Unruhe, depressiven Verstimmungen. Aber auch jüngere Frauen haben manchmal um die Menstruation und in der Schwangerschaft mit Schlafproblemen zu tun.

Solche Schlafstörungen gehen in der Regel vorbei und lassen sich gut mit einer gesunden, schlaffreundlichen Lebensweise in den Griff bekommen (siehe dazu Kapitel "Therapie und Selbsthilfe").

- Schilddrüsenüberfunktion

Schlafstörungen gehören zu den typischen Symptomen einer Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose). Die Schilddrüse produziert für unseren Körper wesentliche Hormone, die für viele Abläufe im Organismus unentbehrlich sind. Sie beeinflussen unter anderem auch das zentrale Nervensystem, das Herz-Kreislauf-System, die Verdauung, die Psyche und vieles mehr. Bei einer Überfunktion bildet die Schilddrüse zu viel Schilddrüsenhormone.

Symptome: Neben Schlaflosigkeit sind weitere kennzeichnende Beschwerden innere Unruhe und Rastlosigkeit, wechselnde Stimmungen, Gereiztheit, schneller Pulsschlag, manchmal Herzjagen und Herzstolpern. Ebenso treten häufig Magen-Darm-Probleme auf, etwa Neigung zu Bauchschmerzen, Durchfall. Oft kommen eine körperliche Unruhe, Händezittern, Schwäche in den Muskeln, Abneigung gegen Wärme, Haarausfall dazu. Typisch ist auch Heißhunger bei gleichzeitiger Gewichtsabnahme.

Diagnose und Therapie: Nach der Krankengeschichte erhält der Arzt ersten Aufschluss durch eine Blutuntersuchung. Gegebenenfalls folgen weitere Untersuchungen wie Ultraschallaufnahmen oder eine Schilddrüsenszintigrafie. Mit der Therapie der Schilddrüsenstörung, in der Regel mit Medikamenten, die die Hormonproduktion normalisieren, bessern sich auch die Schlafprobleme.

Lesen Sie mehr daüber im Ratgeber "Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)".

Häufig ist es nicht allzu schwer, den Grund für unruhige Nächte zu finden. Ein veränderter Lebensstil und eine gesunde Schlafhygiene bringen meistens wieder einen guten, ausreichenden Schlaf zurück (siehe unten). Gibt es konkrete Auslöser für anhaltende Schlafstörungen, so setzt jede erfolgreiche Therapie bei den Ursachen an (siehe in den entsprechenden Kapiteln dieses Beitrags).

Wer versucht, seinen Schlafmangel auch langfristig durch den Griff zu Schlaftabletten zu bannen, überdeckt möglicherweise damit die verantwortlichen Gesundheitsprobleme. Deshalb ist es wichtig, bei hartnäckigen Schlafstörungen immer den Arzt aufzusuchen, in der Regel den Hausarzt. Er wird je nach Diagnose einen geeigneten Behandlungsweg vorschlagen und diskutieren oder entsprechend die zuständigen Spezialisten hinzuziehen (siehe Kapitel "Schlafstörungen – Diagnose").

Wirksame Verhaltenstherapie

Sehr gute Erfahrungen haben Schlafmediziner bei hartnäckigen Schlafstörungen mit gezielten Programmen aus der kognitiven Verhaltenstherapie gemacht. Diese zeigten sich in Studien mindestens ebenso erfolgreich wie Behandlungen mit Schlafmitteln, da sie den Betroffenen hilft, langfristig ihre Gewohnheiten und ihr Schlafmuster zu verändern und so wieder zu erholsamer Nachtruhe zu finden. Eine Verhaltenstherapie kann zudem die medizinische Behandlung körperlicher Ursachen wirksam begleiten. Bei Stressfolgen, Burnout-Syndrom sowie psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Ängsten gehören Verhaltenstherapien zum Standard.

Entspannungstechniken sind Teil vieler Behandlungskonzepte, ob sie nun körperlichen oder psychischen Ursachen gelten. Hier kann jeder Betroffene die Methode finden, die ihm am meisten zusagt. Das kann autogenes Training sein, progressive Muskelentspannung oder Atemtherapie.

Lichttherapie mit Speziallampen ist nur bei einigen Störungen zu erwägen, wie zum Beispiel bei stärkeren Jet-Lag-Problemen, Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus oder bei jahreszeitlich bedingten psychischen Problemen wie Winterdepressionen.

Schlaftabletten nur kontrolliert und für kurze Zeit

Nehmen Sie Schlafmittel, auch rezeptfreie pflanzliche, immer nur in Absprache mit Ihrem Arzt ein. Pflanzliche Mittel mit Hopfen und Baldrian können mitunter bei Schlafstörungen, die keine krankhafte körperliche Ursache haben, dabei unterstützen, das Einschlafen zu erleichtern und den Schlaf zu verbessern.

Synthetische Präparate, sogenannte Hypnotika wie Benzodiazepine, sind verschreibungspflichtig und eignen sich nur für den kurzfristigen Einsatz (siehe Kapitel "Schlafstörungen – Ursachen: Schlafmittel und andere Medikamente"). Sie führen bei längerem Gebrauch häufig zu Gewöhnung und Abhängigkeit und verstärken die Schlafprobleme oft noch. Unkontrolliert eingesetzt ziehen sie andere unerwünschte Wirkungen nach sich, wie erhöhte Tagesschläfrigkeit oder Parasomnien. Zudem haben Schlafmittel bedrohliche Folgen für bestimmte Schlafstörungen wie Schlafapnoe oder nächtliche Bewegungsstörungen.

Die Einnahme sogenannter Benzodiazepinrezeptoragonisten, darunter Zopiclon und Zolpidem, ist ebenfalls auf eine Kurzzeitbehandlung beschränkt. Synthetisch hergestelltes, retardiertes Melatonin ist in Deutschland als verschreibungspflichtiges Medikament für Menschen über 55 erhältlich. Es ist nur für einen kontrollierten, kurzfristigen Therapieversuch gedacht, wenn keine körperlichen, psychischen oder äußeren Ursachen für die Schlafprobleme vorliegen.

Antihistaminika, Mittel gegen Allergien, die müde machen, sollen ebenfalls nur kurze Zeit eingenommen werden. Je nach Störungsbild verordnen die Ärzte auch bestimmte Antidepressiva, um den Schlafablauf zu regulieren.

Die besten Schlaftipps

Eine gesunde Lebensweise mit ausreichend körperlicher Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung, wenig oder gar keinem Alkohol, Nikotinverzicht, einem befriedigendem Wechsel zwischen Anspannung, Aktivität und Entspannung ist die Grundlage für erholsamen Schlaf. Dazu gehört auch die richtige Schlafhygiene, also Maßnahmen, die für ruhigere Nächte sorgen.

All das ist meist leicht gesagt, lässt sich aber für viele Menschen nicht immer einfach umsetzen. Dann hilft oft ein Schlaftagebuch, den kritischen Punkten auf die Spur zu kommen (siehe auch Kapitel "Lebenssituation, Schichtarbeit"). Wer es dann von alleine nicht schafft, die nötigen Veränderungen einzuleiten, kann meist mit einer gezielten Verhaltenstherapie Erfolg haben.

Hier die wichtigsten Tipps für einen erquicklichen Schlaf

  • Halten Sie sich an feste Einschlaf- und Aufstehzeiten. Das stärkt Ihren Schlaf-Wach-Rhythmus.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig am Tag, aber treiben Sie am Abend keinen anstrengenden Sport mehr. Ein Abendspaziergang allerdings wirkt entspannend.
  • Essen Sie abends nicht zu üppig. Zudem können scharf gewürzte Speisen am Abend zu Sodbrennen führen, das wiederum den Schlaf unterbricht. Ein leichter Imbiss fördert dagegen das Einschlafen.
  • Keinen Kaffee, keinen Tee, keine Cola oder andere koffeinhaltige Getränke mehr am späten Nachmittag und Abend. Finden Sie selbst heraus, bis zu welcher Uhrzeit Sie noch Kaffee trinken können, ohne Schwierigkeiten mit dem Einschlafen zu haben.
  • Vermeiden Sie Alkohol und Nikotin. Am besten geben Sie das Rauchen ganz auf. Da Alkohol den Schlaf erheblich stört, sollten Sie auch hier Ihre Gewohnheiten überprüfen. Wenn überhaupt alkoholische Getränke, dann nur sehr wenig und nicht als Schlaftrunk einsetzen.
  • Entspannen Sie sich vor dem Zubettgehen: keine Streitgespräche mehr, kein langes Fernsehen mit aufregenden Krimis, keine Aktenordner auf dem Nachttisch. Nehmen Sie lieber ein entspannendes Bad, lesen Sie, hören Sie Musik, machen Sie Entspannungsübungen. Finden Sie Ihr persönliches Einschlafritual. Dazu kann auch ein beruhigender Kräutertee oder das berühmte Glas warme Milch gehören.
  • Schaffen Sie sich ein richtiges Schlaf-Zimmer: Dazu gehört, dass der Raum ausreichend dunkel, ruhig und gut belüftet ist, die Temperatur nicht über 18 Grad beträgt. Eine gute Matratze kann viele Verspannungen und Schmerzen verhindern helfen.
  • Wälzen Sie sich nicht Stunden im Bett hin und her: Versuchen Sie es mit Atem- und Entspannungsübungen oder stehen Sie auf, und lenken Sie sich ab. Legen Sie sich erst nach einiger Zeit wieder hin. Beruhigen Sie sich selbst, denn es schadet Ihrer Gesundheit nicht gleich, wenn Sie einmal schlechter oder weniger schlafen. Hier hilft Gelassenheit mehr als Sorge.

Wenn Belastungen und Probleme Sie auch im Bett nicht loslassen: Extremer Stress, seelische Nöte, die Sie nicht alleine in den Griff bekommen oder die Sie zu überdecken versuchen, drängen gerade nachts an die Oberfläche.

Scheuen Sie sich nicht, einen Lebensberater (Coach) oder einen Psychotherapeuten aufzusuchen, sei es, um gezieltes Stressmanagement zu lernen, berufliche oder private Konflikte zu lösen oder tiefsitzende Ängste abzubauen.

Fachliteratur für diesen Ratgeber:

Herold G et al.: Innere Medizin, Herold 2018

Möller H-J, Laux, G, Deister, A: Psychiatrie und Psychotherapie, Stuttgart Thieme Verlag, 2015

Klinke R, Pape H-C, Kurtz A, Silbernagl S: Physiologie, Thieme Verlag, 2010

Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM): Die DGSM und die Schlafmedizin: ICSD-3-Klassifikation der Schlafstörungen. Online:
http://www.dgsm.de/dgsm_schlafmedizin.php  (Abgerufen am 24.4.2018)

Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM): S3-Leitlinie "Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen". AWMF Register-Nr. 063/003

- Kapitel "Insomnie bei Erwachsenen", Update 2016, Version 2.0, Dezember 2017. Online:
http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/063-003l_S3_Insomnie-Erwachsene_2018-02.pdf (Abgerufen am 03.04.2018)

- Kapitel "Schlafbezogene Atmungsstörungen". Online: Springer Medizin Verlag Berlin: Somnologie 2017, 20 (Suppl s2):S97-180; DOI 10.1007/s11818-016-0093-1 (Abgerufen am 03.04.2018)

Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), Leitlinien:

- Restless-Legs-Syndrom (RLS) und Periodic Limb Movement Disorder (PLMD); AWMF-Registernummer: 030/081; Stand: 09/2017, S1-Leitlinie 

- Narkolepsie; AWMF-Registernummer: 030-056; Stand: 09/2012, S1-Leitlinie, in Überarb.
Online: https://www.dgn.org/leitlinien/inhalte-nach-kapiteln (Jeweils abgerufen am 03.04.2018)

Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Schmerztherapie (DIVS) (Hrsg.): Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms, S3-Leitlinie, Stand: 17/03/2017, AWMF-Register-Nr. 041004.
Überblick Online:
http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/145-004.html

Patientenversion der zuvor genannten wissenschaftlichen Leitlinie (Kurzversion). Online:
http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/145-004w_S3_Fibromyalgiesyndrom_2017-03.pdf (Jeweils abgerufen am 03.04.2018)

Oldenburg O et al.: Positionspapier "Schlafmedizin in der Kardiologie", Update 2014, in: Kardiologe 2015. 9:140–158. DOI: 10.1007/s12181-015-0654-8 Berlin Heidelberg Springer Verlag, 2015 (Abgerufen am 03.04.2018)

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Fachredaktion: Dr. med. Claudia Osthoff