Sinnvolle Zusatzversicherungen

Welche Extras für die Gesundheit sind sinnvoll? Manches muss sein, anderes eher nicht

von Birte Schmidt, 25.11.2019

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten für notwendige medizinische Behandlungen. Wer mehr Leistungen möchte, muss selbst zahlen – es sei denn, er hat eine private Zusatz­versicherung. Doch wann lohnt sich die, und für wen?

Gut versichert ins Ausland

"Während man bei den übrigen Zusatzversicherungen abwägen kann, ob man sie wirklich benötigt, empfehlen wir eine Auslandsreisekrankenversicherung für wirklich jeden, der ins Ausland reist", sagt Julika Unger, Beraterin bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Der Grund: Die gesetzlichen Versicherungen übernehmen Kosten für eine Behandlung außerhalb Europas häufig nur zum Teil oder sogar gar nicht. Gute Zusatzversicherungen gibt es ab etwa 10 Euro jährlich für Singles und 20 Euro für Familien.

"Bei der Auslandsreisekrankenversicherung sollte man darauf achten, dass der Rücktransport nicht nur geleistet wird, wenn es medizinisch notwendig ist, sondern auch, wenn es medizinisch sinnvoll ist", sagt die Expertin.

Im Vorfeld bei unterschiedlichen Anbietern Informationen einholen

Manche Versicherer schließen die USA und Kanada aus. Vor Reiseantritt sollte man prüfen, ob der Versicherungsschutz dort gewährleistet ist. "Falls Sie länger als sechs Wochen reisen, benötigen Sie eine spezielle Langzeit-Versicherung", erklärt Unger. Bei der Auslandskrankenversicherung gibt es keine Wartezeit. Sie kann bis zum Reiseantritt abgeschlossen werden.

Trotzdem sollte man sich frühzeitig darum kümmern. "Manche Versicherungen lassen den Eintritt ab 60 Jahren nicht mehr zu. Wir empfehlen, es bei verschiedenen Anbietern zu versuchen", rät Unger.

"Zeigt dies keinen Erfolg und man kann vor Reise­antritt nachweisen, dass man keinen privaten Versicherungsschutz bekommt, ist unter Umständen die gesetzliche Krankenversicherung eintrittspflichtig."

Leistungsspektrum erweitern

Eine ambulante Zusatzversicherung hat das Ziel, den gesetzlich Versicherten in bestimmten Bereichen mit einem Privatpatienten gleichzustellen. Sie besteht häufig aus verschiedenen Bausteinen und kann Leistungen des Heilpraktikers ebenso wie Kostenübernahmen zum Beispiel für eine neue Brille umfassen.

Dass bei Kombinationsverträgen grundsätzlich Vorsicht geboten ist, weiß Kim Paulsen, Pressereferent des Bundes der Versicherten: "Versicherungen, die aus mehreren Bausteinen bestehen, lohnen sich nur, wenn wirklich alle Leistungen benötigt werden oder die Prämie günstiger ist, als die versicherten Risiken einzeln abzuschließen." Weil die Erstattungshöhe meist eine Obergrenze hat, muss der Patient trotzdem unter Umständen ­­einen Teil der Kosten selbst tragen.

"Inzwischen zahlen auch einige gesetzliche Kassen Zuschüsse beispielsweise zu Naturheilverfahren. Deshalb lohnt es sich, immer zuerst einen Blick in die Satzung der gesetzlichen Krankenkasse zu werfen", so Unger von der Verbraucherzentrale. Ihr Tipp: "Manchmal kann sich auch ein Wechsel der gesetzlichen Kasse lohnen."

Zuschüsse fürs Implantat

Wer Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung ist, muss fast immer einen Teil seiner Kosten für den Zahn­ersatz selbst zahlen. Eine private Zusatzversicherung kann diesen Anteil ganz oder teilweise übernehmen. Die Wartezeit nach dem Versicherungs­abschluss beträgt bei Zahnersatz in der Regel acht Monate. Die Höchstsumme kann bis zu sechs Jahre gedeckelt sein.

"Es gibt Anbieter, die damit werben, dass Patienten noch auf dem Zahnarztstuhl einen Vertrag abschließen können", erläutert Unger. Das seien aber meist Tarife, die nur den Eigenanteil bei der Standard-Regelversorgung erstatten. Die Alternative hier: "Selbst Geld ansparen."

Einkommensverluste abfedern

Bei der Wahl einer Zusatzversicherung geht es nicht nur darum, den besten Tarif zu finden – sondern zu entscheiden, ob der Schutz überhaupt notwendig ist. Die Krankentagegeldversicherung etwa dient dazu, den Einkommensverlust auszugleichen, der bei einer längeren Krankheit entsteht – ein Schutz, den die meisten Angestellten bereits durch ihre gesetzliche Krankenkasse haben.

Deshalb ist die Krankentagegeldversicherung insbesondere für Selbstständige relevant, die kein Krankengeld von ihrer gesetzlichen Versicherung bekommen. Und auch für Angestellte, deren Gehalt über der Beitragsbemessungsgrenze liegt, kann diese Zusatzversicherung sinnvoll sein, um die laufenden Kosten weiter decken zu können.

Weil viele gesetzliche Kassen Krankentagegeldversicherungen über Kooperationspartner anbieten, lohnt sich ein Vergleich. "Ein Vorteil, wenn ich das Krankentagegeld über meine Krankenversicherung abschließe, kann sein, dass ich eine verkürzte Gesundheitsprüfung und damit weniger Probleme mit Vorerkrankungen habe", sagt die Versicherungsexpertin Unger.

Generell gilt: Fragen zur Gesundheit sollten stets wahrheitsgemäß beantwortet werden, denn viele Versicherungen prüfen erst, wenn der Schadensfall eingetreten ist. "Dann kann es auch im Nachhinein noch zu einer Leistungsablehnung oder zu einer ­Beendigung des Vertrags kommen", sagt Kim Paulsen vom Bund der Ver­sicherten.

Weitere Informationen dazu finden Sie im Internet unter www.verbraucherzentrale.de.
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