Kosmetik aus der Apotheke

Kosmetik aus der Apotheke ist qualitativ hochwertig, nachweislich effektiv und eignet sich auch für Menschen mit Hautproblemen. Dazu gibt es qualifizierte Beratung

von Barbara Kandler-Schmitt, 15.01.2019

Christian Wolff kennt die Proble­me vieler seiner Kunden nur zu gut selbst. "Seit meiner Kindheit bin ich Allergiker und hatte immer mit Hautsymptomen zu kämpfen", erzählt der Apothekeninhaber aus dem würt­tembergischen Weinstadt. "Da war es schwer, verträgliche Pflegeprodukte zu finden." Schon während des Pharmazie­studiums experimentierte er mit Salben­grundlagen, Wirk­- und Hilfsstoffen. Als er seine Apotheke von seinem Vorgän­ger übernahm, kaufte er eine Salben­rührmaschine und entwickelte seine ei­gene Kosmetikserie.

Hochwertige Beratung

"Als Apotheker haben wir das nötige Grundlagenwissen dafür", betont Wolff. "Eine ähnlich qualifizierte Beratung be­kommt der Kunde in keinem Drogerie­ markt." Rund 38 Prozent aller Apothe­ker haben sich auf Haut und Kosmetik spezialisiert und bieten individuelle Beratungsleistungen an, zum Beispiel eine Analyse des Hautzustands. Zudem gibt es eine breite Palette hochwertiger Apothekenkosmetika. Of­fenbar hat sich das herumgesprochen.

Laut einer Kunden­-Umfrage der Hoch­schule Pforzheim stimmt mehr als die Hälfte der Befragten der Aussage zu, Hautpflegeprodukte aus der Apotheke seien von hoher Qualität. Auch würden Apotheker gut zu Kosmetik beraten und für den jeweiligen Hautzustand geeignete Präparate empfehlen.

"Viele Hersteller und wissenschaftliche Institutionen bemühen sich, der Kos­metik das Unwissenschaftliche zu neh­men, und erfreulicherweise nimmt die Zahl aussagekräftiger Studien zu", berichtet Petra Liekfeld. Die Apothe­kerin aus Mülheim an der Ruhr ist Leiterin der Fachgruppe Dermokosme­tik bei der Gesellschaft für Dermophar­mazie (GD).

Weiterentwicklung dank Wissen

Das Wissen über die Physiologie der Haut sei in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Deshalb gelinge es zunehmend, aktive Inhaltsstoffe für Kosmetika zu entwickeln, die sich an der Natur oder körpereigenen Vorgän­gen orientieren. "Einige Hersteller von Apothekenkosmetik haben zudem ei­nen medizinischen Hintergrund und betrachten auch ihre kosmetischen Zu­bereitungen wissenschaftlicher als manche reinen Kosmetikhersteller", weiß Liekfeld.

Wissenschaftlicher Hintergrund der Kosmetik

Als unabhängige Organisation legt die Fachgruppe Dermokosmetik der GD in ihren Leitlinien Mindestanforderungen zur Qualität von Hautkosmetika fest. "Dadurch hat sich die Studienlage zum Beispiel im Bereich der Hautalterung deutlich verbessert", sagt Liekfeld. Mitt­lerweile verfüge man über hochwertige Produktlinien mit wissenschaftlichem Hintergrund – und das zu einem viel­fach besseren Preis­-Leistungs­-Verhält­nis als qualitativ vergleichbare Produk­te der gehobenen Parfümerie.

Doch Dermokosmetika aus der Apo­theke pflegen nicht nur gesunde Haut und lassen sie jünger aussehen. Sie sollen auch die Lebensqualität von Menschen mit Hauterkrankungen verbessern – etwa indem sie Juckreiz lindern und akuten Krankheitssch­ üben vorbeugen. Zusätzlich zur ärzt­lich verordneten Therapie empfiehlt Wolff geeignete Produkte als Basis­pflege: "Die meisten sind gut verträg­lich und auch für Allergiker geeignet."

Vorteile auf einen Bilck

Weshalb es sich lohnt, Kosmetik in der Apotheke zu kaufen

  • Beratung: Durch ihre Ausbildung wissen Apotheker viel über die Haut. Zahlreiche Apotheker bilden sich zudem auf diesem Gebiet fort. Sie können daher etwa den Haut­ zustand ihrer Kunden analysieren. "Neben hochwertigen Produkten bekommen die Kunden auch eine hochwertige Beratung", sagt Apo­ thekerin Petra Liekfeld.
  • Verträglichkeit: Viele apotheken­ exklusive Pflegeprodukte sind frei von Duft­, Konservierungs­ und Farbstoffen. Sie eignen sich daher auch für sensible, allergische oder kranke Haut.
  • Belegte Wirksamkeit: Expertin Liekfeld zufolge legen Hersteller von Apothekenkosmetik oftmals mehr Gewicht auf Wissenschaft­ lichkeit als andere Kosmetikfirmen. Sie lassen die Effekte ihrer Produk­ te in gezielten Studien überprüfen.
  • Individualität: Vor allem für Aller­ giker, Menschen mit sehr sensibler oder kranker Haut ist es wichtig, dass die Pflege genau zu den indivi­ duellen Bedürfnissen passt. Zahl­ reiche Apotheker können dann selbst Cremes fertigen, die genau auf de

Bei der Wahl der richtigen Präparate sei der Hautzustand entscheidend. "Viele meinen, ihren Hauttyp zu ken­nen, suchen sich aber falsche Pflege aus", so Wolff. Die bei Neurodermitis, Schuppenflechte oder Rosazea ohne­ hin stark geschädigte Hautbarriere werde eventuell völlig zerstört. Cremes, Lotionen und Seren wer­den bei Bedarf in Wolffs Apotheke frisch angefertigt und abgefüllt.

Ein Lohnhersteller kommt für ihn nicht infrage: "Damit würde ich die Kontrolle über die Qualität aus der Hand geben." Seine Entscheidung hat er nie bereut: "Die Kunden honorieren es, dass wir uns hier engagieren, uns Zeit für sie nehmen. Und wenn wir Patien­ten mit schweren Hautkrankheiten nachhaltig helfen können, ist das ein unheimlich schönes Gefühl."

Konsequente Pflege

Apothekenkosmetik lässt sich auch vorbeugend einsetzen. "Neue Studien weisen darauf hin, dass konsequente Basispflege ab dem Säuglingsalter bei genetisch vorbelasteten Kindern das Auftreten einer Neurodermitis deut­lich reduziert", sagt Expertin Liekfeld. Der Wert von Sonnenpflegeproduk­ten, etwa zum Schutz vor hellem Haut­krebs, sei ebenfalls unbestritten.

Eine Zielgruppe hat dieser vielfälti­ge Nutzen bisher aber nicht erreicht. Liekfeld: "Obwohl fast jede große Apothekenmarke über hochwertige Pflegeprodukte für Männer verfügt, ist der männliche Kosmetikkunde noch nicht richtig in der Apotheke angekommen."