Fersenschmerz: Ursachen und Hilfen

Schmerzen an der Ferse beim Stehen, Gehen, Laufen, Springen kennen viele Menschen, nicht zuletzt sportlich aktive. Lesen Sie, wie es wieder besser läuft

aktualisiert am 27.06.2018

Wer war Achilles? Genau: Achilleus, Held aus der griechischen Mythologie, fällt im Kampf um Troja, nachdem er an der Ferse – seiner einzigen verwundbaren Stelle – von einem tödlichen Pfeil getroffen wird.

Wer von Achillesferse spricht, meint damit nicht wirklich den Fuß. Vielmehr geht es um einen Schwachpunkt in einem System oder im persönlichen Befinden. Bei Fersenschmerzen steht die Achillessehne aber tatsächlich im Fokus. Wenn es an der Verankerung der Sehne am Fersenbein zu Schmerzen kommt, sprechen Ärzte von Achillodynie. Besonders Lauf- und Sprungsportler haben immer wieder Probleme damit. 

Vorab: Fersenschmerzen – Hintergrund

Überlastungsschäden an der Achillessehne sind bekannte Schwachstellen an der Ferse. Oft mit dabei: entzündete Schleimbeutel. Aber auch Reizungen der Fußsohlensehne – sie verläuft unter der Fußsohle, zwischen Fersenbein und Zehen, spielen bei Fersenschmerzen eine wichtige Rolle.

Eher überbewertet als Schmerzquelle scheinen dagegen Fersensporne. Sie entstehen am Ansatz der Achillessehne oben am Fersenbein oder am Ursprung der Fußsohlensehne weiter unten am Fersenbein. Sporne im Fußsohlenbereich sind häufiger. Doch bei weniger als der Hälfte der Betroffenen ist der Kalkdorn tatsächlich für die oftmals bohrenden Schmerzen an der Ferse verantwortlich.

Ebenfalls mit von der Partie als Schmerzursachen an der Ferse: Bänderschwäche am Fuß, Fußfehlstellungen wie Knick-Senkfuß, bei dem die veränderte Stellung des Fersenbeins mehr Druck auf den Sehnensatz überträgt, einseitige Fußbelastungen durch fehlbeanspruchte Muskeln – und zwar nicht nur am Fuß, sondern auch an den Knien, Hüften oder am Rumpf. Schließlich können Schädigungen von Nerven am Bein oder Fuß die Schmerzursache sein. Hier kommen wiederum unterschiedliche Ursachen zum Tragen, zum Beispiel Einengung eines Nervs bei der Passage anatomischer Engstellen (Nervenkompressionssyndrom).

Wenn Jugendliche und Kinder, die viel rhythmische Sportgymnastik machen oder intensiv Ballsport wie Fußball treiben, plötzlich über Fersenschmerzen klagen, können Überlastungserscheinungen dahinterstecken. Gut, wenn ein Arzt das abklärt. Infrage käme zum Beispiel eine Reizung des Achillessehnenansatzes, eine Überlastungsreaktion des Fersenbeins oder eine Knochenzyste (siehe Kapitel "Fersenschmerz – Ursachen: Fußfehlstellungen, Knochenkrankheiten, Nervenschäden"). Nach einer mehrwöchigen Sportpause oder Entlastung verschwinden entsprechende Beschwerden in aller Regel wieder.
! Wichtig: Bei Anhaltspunkten für eine andere Grundkrankheit im Zusammenhang mit Fersenschmerzen wird der Arzt danach suchen und je nach Diagnose so gezielt wie möglich behandeln. Dazu muss der Betroffene sagen, wo ihm der Schuh drückt.

Check: Was ist was am Fuß?

  • Fersenbein: Größter Fußwurzelknochen mit Höcker hinten = Ferse
  • Fersensporn: Verkalkte Sehnenverankerung am Fersenbein bei Überbeanspruchung; oft Zufallsbefund, seltener die Ursache von Fersenschmerzen.
  • Überbein (orthopädisches Ganglion): Irreführender Name, da nicht aus Knochen bestehend; am Fuß im Gegensatz zur Hand selten. Geschwulst an einer Gelenkkapsel oder Sehnenscheide mit Gelenkverbindung, kann einen Nerv irritieren (Nervenkompression).
  • Sesambein: Kleiner, meist in eine gelenknahe Sehne eingelagerter Knochen (lat. Os), der als Abstandshalter und Umlenk-Noppen dient. Bei dem seltenen POPS-Syndrom (painful os peroneum syndrome) mit Beteiligung eines sogenannten Os peroneum als überzähliger Fußknochen kommt es zu Schmerzen außen an der Fußsohle.
  • Knochensporn: Verwandte Begriffe: Exophyt, Osteophyt, Exostose; echtes Überbein. Auswuchs am Knochen, anlagebedingt (Haglund-Ferse) oder bei Arthrose, selten als Erbkrankheit mit Beteiligung mehrerer Knochen und unterschiedlich ausgeprägten Funktionsstörungen.
  • Ossikel: Überzähliger Fußknochen, zum Beispiel als Os trigonum am Sprungbein: Lockert sich mitunter oder drückt bei extremer Überstreckung des Fußes zum Spann hin auf einen Nerv und bereitet dann Beschwerden hinten am Fuß (zum Beispiel bei Ballett-Tänzerinnen).

Schmerzhafter Auftritt: Ursachen von Fersenschmerzen auf einen Blick

Probleme mit der Achillessehne, mit Fersenspornen, Schleimbeuteln

  • Entzündung der Achillessehne an ihrem Ansatz am Fersenbein; oberer Fersensporn
  • Achillessehnenriss
  • Haglund-Ferse – Sonderfall des Fersensporns
  • Entzündung der Fußsohlensehne (Plantarfasziitis) an ihrem Ursprung am Fersenbein; unterer Fersensporn (häufigste Form des Fersensporns)
  • Schleimbeutelentzündung (Bursitis) an der Ferse
  • Schwund des Fersenfettpolsters

Mehr dazu wie auch zur Diagnose und Behandlung der hier genannten Krankheitsbilder im Kapitel "Fersenschmerzen – Ursachen: Achillessehne, Schleimbeutel, Fersensporn & Co.".

Fußanomalien, Knochenkrankheiten, Nervenschäden, Hautprobleme am Fuß

  • Angeborene und erworbene Fußfehlstellungen wie Knick-Senk- oder Plattfuß

  • Überzählige Knochen (Ossikel): Mehrheitlich symptomlose Skelettvarianten, die manchmal Fersenschmerzen verursachen können

  • Apophysitis calcanei (Sever-Krankheit; betrifft Kinder)

  • Ermüdungsbruch am Fersenbein
  • Gutartige Knochenzysten (selten; im Kindesalter)

  • Druckschäden an Fußnerven (Nervenkompressionssyndrom)
  • Sehr selten bösartige Tumoren am Fuß (Kindes-, Jugend- und junges Erwachsenenalter)

  • Hautprobleme am Fuß wie Schwielen und Warzen

Das Kapitel "Fersenschmerzen – Ursachen: Fußfehlstellungen, Knochenkrankheiten, Nervenschäden" informiert Sie auch zu diesen Themen ausführlicher.

Erkrankungen, die "fußfern" entstehen oder systemisch sind, also auch andere Körperbereiche betreffen

  • Erkrankungen der Beinnerven
  • Gicht und Rheuma (rheumatoide Arthritis und andere rheumatische Erkrankungen)
  • Durchblutungsstörungen: Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK, Raucherbein, Schaufensterkrankheit): Je nach Lage und Stadium der Gefäßverengung ab einer bestimmten Gehstrecke Schmerzen am Fuß, an der Wade oder ausgedehnter am Bein. Begleitsymptome wie Blässe und Kältegefühl der Haut, im fortgeschrittenen Stadium Schmerzen schon in Ruhe und Hautschäden, etwa an der Ferse.

Im Kapitel "Fersenschmerzen – Ursachen: Erkrankungen jenseits des Fußes" lesen Sie mehr dazu, Hinweise zu den Therapiemöglichkeiten gibt es in den Ursachen-Kapiteln dieses Beitrags.

Und: Praktische Tipps, wie Sie Fußproblemen vorbeugen können, finden Sie im Kapitel: “Fersenschmerz: Vorbeugung und Selbsthilfe".

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Gut und gerne 26 Knochen, mehr als 30 Gelenke, das nennt sich Fuß. Hier geht es nur um den hinteren Fußpol, zu Deutsch die Hacke, und die muss viel aushalten. Der Belastungsdruck trifft hier auf eine relativ kleine Auflagefläche. Kräftige Sehnen und Bänder helfen aber, auf Schritt und Tritt alles möglichst im Lot zu halten.

1 Gangzyklus = 1 Doppelschritt = 2 Fersen-Boden-Kontakte desselben Fußes

Beim Gehen setzt zuerst die Ferse auf, genauer: der Fersenbeinknochen oder das Fersenbein (Fachbegriff: Calcaneus), unser natürlicher Absatz. Die Unterseite des Knochens ist etwas unregelmäßig und rau. Am verdickten hinteren Pol, dem Fersenhöcker, ist die Achillessehne befestigt – die stärkste Sehne unseres Körpers. Sie verbindet die Wadenmuskulatur mit der Ferse, ist etwa 15 Zentimeter lang und lässt sich als ein fester Strang unter der Haut tasten.

Wir brauchen sie vor allem, um den Fuß nach unten zu beugen, wobei wir die Ferse hochziehen. Auch macht die Sehne beim Auswärtskanten des Fußes mit, wenn wir den Fußrand nach oben anheben. Diese Bewegung und die Tatsache, dass das Kanten auch nach innen möglich ist, verdanken wir vor allem dem unteren Sprunggelenk. Davon ist das Fersenbein ein Teil.

An der Fußsohle, zwischen Haut und Muskeln, verläuft die kräftige Fußsohlensehne, auch Plantaraponeurose oder Plantarfaszie genannt. Das sehnenartige Band zieht von der Ferse bis zu den Zehen. Zusammen mit anderen Bändern und Sehnen stabilisiert es das Fußgewölbe. Überhaupt verbinden die zahlreichen Muskeln, Nerven und Bänder am Fuß stabilisierende und mobilisierende Funktionen optimal miteinander.

An den Anfang der Diagnose stellt der Arzt dem Patienten eine Reihe von Fragen. Die Antworten geben oft schon wichtige Hinweise auf die Diagnose. So fragt der Arzt den Patienten nach seinen Beschwerden, den mutmaßlichen Auslösern und nach früheren Verletzungen oder Erkrankungen, die Auswirkungen auf die Knochen, Sehnen, Gelenke und Muskeln hatten oder weiterhin haben könnten (Krankengeschichte, Anamnese). Sieht der Arzt den Patienten das erste Mal, erhebt er in der Regel eine umfassendere Anamnese.

Die Diagnose: Oft ein Mosaik aus vielen Steinchen

Bei der anschließenden körperlichen Untersuchung richtet sich das Augenmerk natürlich in erster Linie auf das Bewegungssystem des Patienten. Stichworte hier: Körperhaltung und Körperbau, Gangbild und Stehvermögen, Gelenkbeweglichkeit und Muskelkraft. Außerdem untersucht der Arzt orientierend Nervenfunktionen wie das Berührungs-, Schmerz- und Temperaturempfinden (Sensibilität) sowie die Muskelreflexe an den Füßen und Beinen.

Für die Achillessehne gibt es verschiedene klinische Tests – Bewegungs- und manuelle Tests (diagnostische Handgriffe) – die sich einfach durchführen lassen und aussagekräftig sind (siehe Kapitel "Fersenschmerz – Ursachen: Achillessehne, Schleimbeutel, Fersensporn & Co.").

Bei Anhaltspunkten für eine spezielle Grunderkrankung wird der Arzt ergänzende Untersuchungen veranlassen, etwa bestimmte Labortests. Oder er überweist den Betroffenen an einen jeweils geeigneten Facharzt, zum Beispiel einen Internisten oder Neurologen.

Weitergehende Informationen können bildgebende Verfahren liefern. Das sind im Hinblick auf den Fuß vor allem Ultraschall-(Sonografie-) und Röntgenaufnahmen, sodann die Farbdopplersonografie. Bei besonderen Fragestellungen, beispielsweise wenn es um genauere Informationen über den Zustand bestimmter Strukturen des Fußes oder auch die Abklärung von Fersenschmerzen bei Kindern geht, veranlasst der Arzt eine Magnetresonanztomografie (MRT).

Bei unklaren Knochenveränderungen, etwa Verdacht auf einen Stressbruch (Stressfraktur), kann im Einzelfall eine Szintigrafie weiterhelfen. Allerdings ist die MRT meist hinreichend genau.

Nicht alle Verfahren sind eine Kassenleistung

Die Fußdruckmessung (Pedografie oder Podografie, auch Pedobarometrie) ist eine Spezialuntersuchung. Druckmessplatten in einem Laufband zeichnen die Zeit-Druck-Verläufe unter der Fußsohle auf. Es gibt auch mobile Messsohlen. Die Technik kann bei der orthopädischen Schuh- und Einlagenversorgung zur Vermessung druckgerechter Einlagen bei Problemfüßen wie diabetischer Fuß (Merkmal hier: fehlende Schmerzempfindung, daher kein Thema dieses Beitrags) hilfreich sein. Anders als die Versorgung mit Einlagen selbst werden solche Messungen in der Regel nicht von den Krankenkassen bezahlt.

Schließlich kann inzwischen bei verschiedenen Fußproblemen eine endoskopische Maßnahme – hier auch als Tendoskopie, also eine Endoskopie der Achillessehne – weiterhelfen, sowohl zu Diagnose- wie Therapiezwecken.

Anfällig für Entzündungen sind vor allem drei Bereiche an der Ferse: nach oben die Achillessehne, unten die Fußsohlensehne (Plantarsehne), dazu der Fersenhöcker mit seinen Ansatz- oder Ursprungsstellen dieser Sehnen.

Probleme mit der Achillessehne

  • Schädigung (Tendinose / Tendinopathie) der Achillessehne: Muskelungleichgewichte, zum Beispiel wenn die Wadenmuskulatur verspannt und verkürzt ist, Bänderschwäche an den Sprunggelenken, Verformungen des Fußes oder Probleme am Knie, an der Hüfte oder Wirbelsäule können die Achillessehne anhaltend strapazieren (Tendinose, Tend(in)opathie). Oft wird von einer Entzündung gesprochen, die aber im strengen Sinn nicht vorliegt. Es kann sich aber das anliegende Bindegewebe entzünden.
  • Ein entzündeter Achillessehnenansatz am Fersenbein ist oft mit einer Schleimbeutelentzündung und einem Fersensporn (siehe unten) verbunden. Dieser obere (hintere) Sporn entspricht einem kleinen Dorn am Übergang von der Sehne zum Knochen.
  • Achillessehnenriss: Eine plötzliche, stärkere Beanspruchung bei schon vorhandenen Einrissen oder eine akute Verletzung (die meist ebenfalls auf eine vorgeschädigte Sehne trifft) kann dazu führen, dass die Sehne reißt (Ruptur). Ausschlaggebend ist hier vor allem sportliche Aktivität mit Sprung-, Lauf- und Sprint-Leistung, die das Anpassungsvermögen der Sehne überfordert. Anfällig sind häufig Neu- oder Wiedereinsteiger, die zu schnell die Belastung steigern. Hinzukommen Schwierigkeiten aufgrund des Materials und der Methodik im Sport – vom Schuhwerk über den Boden bis zur praktischen Ausübung. Schon im normalen Alltag können ungeeignete Schuhe für die Sehne problematisch sein.

    Nicht zuletzt kann es bei einem versehentlichen Tritt in ein Loch oder bei Gewaltanwendung, bei einem Stoß oder Tritt gegen die angespannte Sehne zur Rissverletzung kommen.

    Zu den Risikofaktoren gehören außerdem Übergewicht, verminderte Reißfestigkeit des Sehnengewebes mit fortschreitendem Alter, männliches Geschlecht, Rheuma und Gicht, außerdem Medikamente wie Kortison und bestimmte Antibiotika (Fluorochinolone). Meistens reißt die Achillessehne auf mittlerer Höhe, etwa zwei bis sechs Zentimeter oberhalb des Ansatzes am Fersenbein, in einem Zehntel der Fälle im oberen Drittel. Sonderformen betreffen den Übergangsbereich von Muskel und Sehne und den Ausrissbruch am Fersenbein, der in erster Linie für das Jugendalter typisch ist.

    ! Achtung: Als chronisch gelten Risse, die erst ab 48 Wochen nach dem auslösenden, allerdings nicht immer leicht rückdatierbaren Ereignis zur Diagnose und Therapie kommen. Sie sind mit anderen Worten verschleppt. Dies kann zu schlechteren Behandlungsergebnissen führen als eine frühe Behandlung. Nehmen Sie also auch leichtere Beschwerden an der Ferse ernst und holen ärztlichen Rat ein.

    Symptome:
    Tendinose /Tendinopathie an der Ferse – typisch ist der Anlaufschmerz:
    - Morgens oder nach längerem Sitzen stellt sich ein Anlaufschmerz ein. Die Beschwerden können zunächst nachlassen. Wenn man sich weiter oder intensiver bewegt, nehmen sie wieder zu.
    - Manchmal ist Gehen und Stehen fast unmöglich, ohne Gehstütze geht nichts mehr.
    - Eventuell treten Schwellungen hinten und seitlich über der Ferse oder auch am Unterschenkel auf.
    - Mitunter ist die Sehne stellenweise verdickt und anhaltend  druckschmerzhaft. 

    Entzündungen am Sehnenansatz führen ebenfalls zu Anlaufschmerzen, vor allem beim Bergauflaufen. Der Druckschmerz ist punktuell, mehr innen, außen oder hinten in der Fersenmitte lokalisiert. Die Ferse kann an diesen Stellen deutlich verdickt, manchmal auch überwärmt sein.

    Achillessehnenriss – wie ein Peitschenknall: Feine Risse machen kaum Beschwerden. Stärkere Risse können je nach Lage überall an der Sehne Schmerzen verursachen. Typisch für den kompletten Riss ist ein plötzlicher Ruck zusammen mit einem reißenden Geräusch wie ein Peitschenknall, gefolgt von Schmerzen.

    Die Kraftübertragung auf den Fuß ist häufig, aber nicht immer vermindert, die Wadenmuskulatur geschwächt. Das heißt: Der Zehenstand auf der verletzten Seite (Einbeinzehenspitzenstand) ist oft nicht mehr möglich, die Ferse kann nicht mehr abgehoben werden. Ausnahmen von der Regel gibt es, wenn andere Beinmuskeln, die unabhängig von der Achillessehne bei der Fußbeugung mithelfen, extrem kräftig sind. Dann ist der Zehenspitzenstand nur abgeschwächt. Anfangs kann die Sehne oberhalb der Ferse eine Delle aufweisen. Sie verstreicht, falls sich ein Bluterguss bildet. Fuß und Unterschenkel können dann stark anschwellen.

    Diagnose und Therapie:
    Tendinose / Tendinopathie: Beim Tasten lässt sich im unteren Teil der Achillessehne, etwa zwei bis sieben Zentimeter oberhalb des Sehnenansatzes am Fersenknochen, ein Druckschmerz auslösen. Aktives und passives Bewegen des Fußes – Dehnen der Sehne, zum Beispiel Hochziehen des Fußes nach oben gegen Widerstand, oder auch der Hackenstand – verstärken die Schmerzen. Bei Fußbewegungen sind an der Sehne knötchenartige Verdickungen tastbar, eventuell lässt sich auch ein Reiben fühlen oder ein Knirschen hören.

    Die Ultraschalluntersuchung (Sonografie) zeigt bei Sehnenproblemen meist Verkalkungen, entzündliche Verdichtungen oder Risse. Mit der Farbdopplersonografie lassen sich Gefäßsprossungen erkennen. Mittels Magnetresonanztomografie (MRT) können auch kleinste Defekte der Sehne erkannt werden. Das kann in unklaren Fällen oder für eine geplante Operation hilfreich sein.

    Je nach Fragestellung sind auch Röntgenaufnahmen des Fußes (Ferse, oberes Sprunggelenk) aufschlussreich. Zum Beispiel ist ein Fersensporn im Röntgenbild erkennbar, was aber nichts über die Beschwerden besagt. Zur Diagnose anderer Grunderkrankungen tragen Laboruntersuchungen bei.

    Die Therapie richtet sich nach Art, Lage, Dauer und Ausmaß der Sehnenschädigung. Zunächst ist Schonung durch mehrwöchige kontrollierte reduzierte Belastung, seltener eine Belastungspause, notwendig. Dann kann auch mal eine Ersatzsportart wie Radfahren oder Schwimmen "einspringen". Kälteanwendungen werden oft als angenehm und schmerzlindernd empfunden. Haut dabei abdecken, um sie vor Kälteschäden zu schützen.

    Manchmal spritzt der Arzt Botulinumtoxin (BTX), Polidocanol (soll neu sprießende Gefäße veröden), Hyaluronsäure oder sogenanntes plättchenreiches Plasma (kurz: ACP oder PRP) in den entzündeten Bereich. Experten sind sich allerdings noch nicht einig, ob diese Therapien nachhaltig nützen. Sie sind daher auch noch nicht offiziell zugelassen.

    Eine gezielte Übungsbehandlung – Dehnung und exzentrische Kräftigungsübungen für die Gegenspieler-Muskeln der Achillessehne –, eine spezielle Form der Bindegewebsmassage (Querfriktion) und sogenannte Faszien-Release-Techniken (manuelle Therapie) sowie orthopädische Hilfen sind für den Fuß relevant. Dabei  geht es um Einlagen und Schuhzurichtungen. Eine Absatzerhöhung zum Beispiel kann unterschiedliche Beinlängen ausgleichen, eine Weichbettung der Ferse (engl. heel pads) im Schuh einen Fersensporn abfedern. Spezielle Bandagen sind eine weitere Option. Dann sind Weichbettung und Absatzerhöhung verzichtbar.

    Manchmal behandeln Orthopäden Sehnenprobleme mit Fersensporn mit Stoßwellen (extrakorporale Stoßwellentherapie, EWST, siehe weiter unten).

    Bei sehr hartnäckigen Schäden und Beschwerden geht es meist nicht ohne eine operative Sanierung. Dabei werden entzündetes Sehnengewebe, ein mitbetroffener Schleimbeutel und störende Sporne entfernt. Zur besseren Stabilisierung wird manchmal noch ein körpereigenes Sehne als Transplantat eingesetzt. Die Nachbehandlung führt schrittweise zur normalen Belastung, gestützt durch Physiotherapie und geschützt durch einen orthopädischen Stabilschuh mit Fersenerhöhung (frühfunktionelle Therapie, siehe nachfolgend: Achillessehnenriss). Die Fersenerhöhung wird langsam reduziert. Laufen ist erst wieder nach mehreren Wochen erlaubt, und zwar mit einem geeigneten Sportschuh. Für Sportler ist ein angemessenes Tempo beim Trainingsaufbau festzulegen.

    Achillessehnenriss: Die Angaben des Patienten und der Befund an seiner Achillessehne sind meistens recht typisch. Wenn der Arzt die Wade zusammendrückt, tendiert die Ferse nicht wie sonst zum Unterschenkel hin (Wadenkneiftest nach Thompson). Ein "Hängefuß" bei angewinkeltem Knie, zum Beispiel bei Untersuchung in Bauchlage, gilt neben dem in der Regel nicht mehr möglichen Einbeinzehenstand als deutliches Zeichen. Der Riss wird im Allgemeinen durch eine Ultraschalluntersuchung nachgewiesen. Eine Magnetresonanztomografie (MRT) vermittelt noch detailliertere Bilder, wird aber, da sehr teuer, nicht gleich eingesetzt. Falls eine Operation notwendig ist, dient die MRT der Vorbereitung. Je nach Verletzungshergang können ergänzende Röntgenaufnahmen sinnvoll sein.

    Die Wahl des Therapieverfahrens hängt unter anderem davon ab, wie nah die Sehnenenden beieinander liegen. Der Abstand wird per Ultraschall gemessen. Bei gutem Kontakt und wenn sonst nichts dagegen spricht, kann es eventuell ohne Operation gehen, mit einer konservativ-funktionellen Therapie, ergänzt durch weitere konservative Maßnahmen (siehe oben: Tendinose / Tendinopathie).

    Mehrheitlich und insbesondere bei Leistungssportlern, die möglichst bald wieder fit sein müssen, empfehlen Ärzte aber eine operative Maßnahme. Es gibt hier verschiedene Vorgehensweisen und Nahttechniken, zum Beispiel eine offene oder minimal-invasive Naht. Bei älteren, komplizierten oder größeren Rissen wird die Sehne durch ein körpereigenes Muskel-Sehnentransplantat stabilisiert.

    Konservative funktionelle Therapie: Nach einer möglichst kurzen Phase der Ruhigstellung beginnt eine sogenannte frühfunktionelle Behandlung mit einem optimal stützenden Stabilschuh. Funktionelle Behandlung ist das Gegenteil von Ruhigstellung. Sie bedeutet, dass eine verletzte Gliedmaße so bewegt wird (anfangs natürlich nur passiv), dass Abläufe, die zur Verletzung beigetragen haben, vermieden werden, während andere Bewegungen durchaus möglich sind. Dazu bedarf es einerseits der optimalen Stabilisierung durch ein orthopädisches Hilfsmittel, hier den Stabilschuh mit hohem Schaft. Andererseits ist gezielte Physiotherapie (Krankengymnastik) notwendig. Den Schuh müssen die Betroffenen mehrere Wochen tragen. Nachts wird der Fuß durch eine Schiene in der richtigen Position gehalten.

    Bei der täglichen Fußpflege darf das Sprunggelenk anfangs nicht bewegt werden, weil sonst an der Sehne gezogen wird und sie sich verlängern könnte, was ihre Funktion verschlechtern würde. Zunehmende Anforderungen bei der Physiotherapie mit aktiven Übungen fürs Sprunggelenk und eine Gangschulung bilden schließlich die Brücke in einen Alltag ohne Stabilschuh. Vorübergehend sind noch für eine gewisse Zeit knöchelhohe Schuhe empfehlenswert.

    Im Ratgeber "Achillessehnenverletzungen" finden Sie weitere Informationen.
  • Haglund-Ferse – Sonderfall des Fersensporns: Stark betonter Knochenvorsprung hinten am Fersenbein, neben dem Ansatz der Achillessehne. Medizinisch wird er auch Exostose genannt. Für die Achillessehne bedeutet das mehr Kante und unter Umständen ein Problem. Hohe Laufbelastungen begünstigen die Veränderung. Auch Fußfehlstellungen und / oder ein Schuh beziehungsweise Sportschuh, der mit seiner Fersenschale oder zu harten Abnähern auf die Stelle drückt, wirken sich ungünstig aus. Zum Beispiel kann eine drückende Schuhkappe (engl. pump bump, also: Pumps-Beule) zu Schwellungen und Verhärtungen in dem Bereich führen. Häufig kommt es auch zu einer Schleimbeutelreizung. Weiteres dazu im nächsten Abschnitt.

Schleimbeutel: Reizung und Entzündung (Bursitis)

  • Schleimbeutel wirken als Stoßdämpfer an mechanisch stark belasteten Stellen wie Knochenvorsprüngen. Zwischen Fersenbein und Achillessehne, nahe am Sehnenansatz, liegt ein Schleimbeutel, der die Sehne abfedert. Er heißt Bursa subachillea. Sich entzünden und dabei störende Ausmaße annehmen kann dieser Schleimbeutel beispielsweise, wenn der Fersenhöcker zu stark ausgeprägt ist. Dann weist die Ferse am hinten einen Vorsprung auf, an dem die Sehne sich reibt (Haglund-Ferse, siehe vorangehender Abschnitt). Manchmal ist der oberflächliche Schleimbeutel zwischen Achillessehne und Haut, die Bursa subcutanea achillea, gereizt. Schleimbeutel-Entzündungen betreffen nicht nur Sportler. Bei begründetem Verdacht wird der Arzt als Ursache auch ein Rheuma- oder Stoffwechselleiden wie die Gicht ausschließen.

    Symptome:
    Es zeigt sich eine Schwellung zwischen Achillessehne und Knöchel, und die Ferse erscheint verdickt. Die Schmerzen liegen am oder hinter dem Ansatz der Achillessehne und verstärken sich durch Hochziehen des Vorfußes. Der Schleimbeutel ist geschwollen. Wenn der oberflächliche Schleimbeutel gereizt ist, bleibt die Achillessehne selbst normalerweise intakt. Der entsprechende Bereich ist aber oft geschwollen, die Haut kann eine Schwiele aufweisen und ist gerötet.

    Diagnose: Die Angaben der Betroffenen und der Befund an der Ferse sind richtungweisend. Der Orthopäde sieht einen verbreiterten Umriss des Fersenbeins und kann einen örtlichen Druckschmerz am Innen- und Außenrand der Sehne oberhalb ihres Ansatzes am Knochen auslösen. Im Röntgenbild zeigt sich – nach vollendeter Knochenreifung ab etwa 16 Jahren – eventuell der Knochenvorsprung als Ausziehung oben am Fersenbeinhöcker. Im Ultraschallbild ist häufig ein flüssigkeitsgefüllter Schleimbeutel zu sehen, je nach Lage der Entzündung eventuell auch eine verdickte Achillessehne.

    Therapie: Bei Bedarf kann der Arzt ein Fersenpolster mit Locheinlage verordnen. Geeignetes Schuhwerk lässt sich im Bereich der Fersenkappe korrigieren (Schuhzurichtung mit Randerhöhung, Weicherlegen der Fersenkappe). Belastungen der Ferse sollte man eine Zeit lang möglichst vermeiden. Ein drückender Schuh hat ausgedient. In der warmen Jahreszeit und zu Hause bieten sich fersenfreie Schuhe an. Kurzfristig eingenommene entzündungshemmende Medikamente und örtlich kühlende Maßnahmen können dazu beitragen, dass die Entzündung zurückgeht und das Gewebe abschwillt. Dehnungsübungen helfen, die verspannte und verkürzte Wadenmuskulatur zu lockern. Der entzündete Schleimbeutel kann sich erholen.

    Sprechen die Beschwerden nach einiger Zeit nicht auf die Therapie an und / oder ist ein Knochenvorsprung mitverantwortlich, ist ein Eingriff sinnvoll, etwa eine endoskopische Abtragung. Dann wird auch der entzündete Schleimbeutel (mit-) entfernt (Bursektomie). Dagegen wird ein entzündeter Schleimbeutel per se nur selten operiert. Nach dem Eingriff kann der Fuß, zunächst im Zuge der funktionellen Übungsbehandlung (Physiotherapie; siehe oben, Achillessehnenriss) zunehmend belastet werden. Ein orthopädischer Stabilschuh mit Absatzerhöhung ist eine gute Stütze. Ist ein Schleimbeutel infiziert, sind Antibiotika nötig. Eine Grunderkrankung wie Rheuma oder Gicht wird gezielt behandelt.

    Einen Überblick über Schleimbeutelentzündungen allgemein gibt Ihnen ein eigener Ratgeber auf unserem Gesundheitsportal.

Schädigung der Fußsohlensehne (Plantarfasziitis)

  • "Entzündungen" des sehnenartigen Bandes an der Fußsohle sind im Laufsport sehr häufig, wobei eigentlich keine typische Entzündung vorliegt. Vielmehr kommt es zu Umbauvorgängen im Bindegewebe der Sehne, zu Schwellungen, feinen Einrissen und Verkalkungen. Sehnenanteile des Fußmuskels unter der Plantarsehne können ebenfalls involviert sein. Verhärtetes Gewebe kann zudem auf einen Nerv drücken.

    Außer Laufsport spielen auch Fußfehlstellungen wie etwa ein Senk- oder Knick-Senk-Fuß (auch Plattfuß; siehe Kapitel "Fersenschmerzen – Ursachen: Fußfehlstellungen, Knochenkrankheiten, Hautprobleme, Nervenschäden"), eine verkürzte Wadenmuskulatur, Übergewicht, Steh- und Laufberufe, außerdem rheumatische Krankheiten, zum Beispiel die Bechterew-Krankheit, eine Rolle. Beim Knick-Senk-Fuß wird die Sehnenplatte vermehrt durch Zug belastet und gereizt. Einen ähnlichen Effekt kann auch ein Schwund des Fettpolsters unter der Ferse haben (siehe Abschnitt weiter unten).

    Teilweise kann bei diesen Krankheiten ein Fersensporn entstehen, diesmal ein unterer (vorderer) beziehungsweise "plantarer" Sporn. Das ist etwa bei jedem Zweiten mit Fersenschmerzen im Fußsohlenbereich der Fall. Zur Erinnerung: Bei Entzündungen des Ansatzes der Achillessehne entwickelt sich gelegentlich ein oberer Sporn (siehe oben). Untere Fersensporne treten häufiger auf.

    Mitunter kommt ein rheumatisches Krankheitsbild wie Morbus Reiter oder die Bechterew-Erkrankung infrage. Allerdings sind dann meist weitere Beschwerden vorhanden, zum Beispiel ausgeprägte Morgensteifigkeit, Gesäßschmerzen, Schmerzen verschiedener Gelenke. Aber auch die Plantarfasziitis selbst tritt häufig beidseitig auf.

    Symptome:
    Bei einer Plantarfasziitis kommt es zu Schmerzen an der Fußsohle im Fersenbereich. Meistens sind es Anlaufschmerzen morgens, die bei Belastung des Fußes, also Stehen und Gehen, zunehmen. Sie können sowohl in den Fuß als auch  den Unterschenkel ausstrahlen. Die Ferse ist außerdem am Innenrand oft druckschmerzhaft. Fersensporne können, müssen aber nicht für die geschilderten Beschwerden (mit-)verantwortlich sein.

    Diagnose:
    Der Arzt macht sich ein Bild vom Fuß und wo genau er wehtut. Beim Abtasten lässt sich ein Druckschmerz auslösen. Die Schmerzen verstärken sich, wenn der Betroffene die Zehen nach oben zieht. Dabei spannt sich die Sehnenplatte an. Ultraschallbilder können die verdickte Sehnenplatte darstellen. Details liefert eine Magnetresonanztomografie. Sie ist aber nur bei speziellen Fragestellungen nötig. Ein Röntgenbild verrät einen möglichen Sporn.

    !
    Achtung:
    Zeigt eine aus anderen Gründen durchgeführte Röntgenaufnahme nur zufällig einen Sporn, ohne dass Beschwerden an der Ferse vorhanden sind, hat der Befund keine Bedeutung.

    Therapie:
    Hauptziel ist es, den Reizzustand zum Abklingen zu bringen. Mehrmals täglich sollten Dehnungsübungen der Wadenmuskulatur und der Fußsohle sowie passives Strecken der Großzehe erfolgen. Das wird bei der Physiotherapie unter Anleitung eingeübt. Leistungssportler sollten vorübergehend ihr Training anpassen. Die Ferse kann durch ein Silikonkissen, das in eine Einlage eingelassen ist, abgefedert werden. Es entlastet sowohl den Sehnenansatz als auch einen eventuellen Fersensporn. Bei Fußfehlstellungen kann das Fersenpolster in die speziell angepasste Fußeinlage eingearbeitet werden.

    Injektionen von plättchenreichem Plasma (siehe oben), Botulinumtoxin oder aber Laseranwendungen sind keine etablierten Therapien. Dagegen ist die extrakorporale Stoßwellenbehandlung (EWST) eine Option für Patienten, die auf die anderen konservativen Maßnahmen nicht ansprechen und sonst auf eine Operation zusteuern würden. Die Krankenkassen übernehmen in solchen Fällen jetzt die Kosten. Falls ein Eingriff unumgänglich ist, wird die Sehnenplatte am Fersenbein gespalten und ein Sporn, eventuell auch etwas Knochen im Bereich des Fersenbeinhöckers, abgetragen. Das ist heute auch endoskopisch möglich. Beengende Gebilde aus Weichteil- oder knöchernem Gewebe kann der Arzt nach genauer Diagnosestellung entfernen.

    Weiterer Lesetipp: Ratgeber "Fersensporn".

Schwund des Fersenfettpolsters

  • Das Fettpolster an der Ferse ist ebenfalls ein natürlicher Stoßdämpfer. Mit dem Älterwerden kann es schrumpfen. Der Arzt nennt das Atrophie. Auch nach – heute weitgehend verlassenen – Kortisoninjektionen ins Sehnengewebe kann es sich zurückbilden. Auf Dauer kommt es dann zur Reizung oder Entzündung eines Schleimbeutels am Fersenbein. Manchmal entwickelt sich auch ein unterer Fersensporn.

    Symptome:
    Schmerzen (Anlaufschmerz) vor allem beim Gehen und Stehen, ziemlich genau in der Mitte unter der Ferse (ansonsten siehe Fersensporn an der Fußsohle, Abschnitt "Plantarfasziitis" weiter oben).


    Diagnose und Therapie:
    Der Orthopäde stellt die Diagnose aufgrund des Beschwerdebildes, des Befundes am Fuß (eventuell tastet er den gereizten Schleimbeutel) und gegebenenfalls einer Ultraschalluntersuchung. Im Röntgenbild kann sich ein Fersensporn zeigen. Eine Ferseneinlage aus Silikon, ein Fersenweichpolster, entlastet den Rückfuß. Weitere Maßnahmen richten sich nach anderen zugrunde liegenden oder begleitenden Fußproblemen.

Fersenschmerzen hängen manchmal mit Fußfehlstellungen zusammen. Es gibt angeborene und erst im Laufe des Lebens erworbene Anomalien wie Knick-Senk-Fuß und Plattfuß. Angeborene Veränderungen sind unterschiedlich ausgeprägt. Mitunter bedürfen sie der operativen Korrektur. Überzählige Fußknochen wie das Os trigonum am Hinterrand des Sprungbeins sind sogenannte Plus-Varianten und als solche häufig symptomlos. Bei anhaltenden Belastungen kann es eventuell zu "Reibungen" im Gefüge des Fußes oder kleinsten Schäden am Knochen kommen. Manchmal wird auch ein Nerv beengt.

Solitäre, also einzelne Knochenzysten, und die Apophysitis calcanei sind Ursachen für Fersenschmerzen bei Kindern und Jugendlichen. Die Knochenzysten stellen sich meist zufällig nach einem Fersenbeinbruch heraus und zählen zu den gutartigen Knochengeschwülsten. Nachfolgend mehr zu diesen und einigen anderen Problemen an der Ferse.

Angeboren und erworben: Knick-Senk- oder Plattfuß

  • Fußfehlstellungen haben unterschiedliche Entstehungsgeschichten und Ausprägungen. Bei einem Knick-Senk-Plattfuß ist das innere Längsgewölbe des Fußes abgeflacht, das Fersenbein kippt nach außen. Im Kleinkindalter ist ein Knick-Senk- oder Knick-Plattfuß bis zu einem gewissen Grad normal. Meistens regulieren sich die Verhältnisse am Fußgewölbe und das Gangbild mit der Zeit. Dann war die Anomalie physiolgisch. Beibt der Knick-Platt-Fuß bestehen, gibt es zwei Möglichkeiten: Er kann sich im Zehenstand von selbst ausgleichen, ist also flexibel. Ein fixierter Knick-Plattfuß dagegen beruht zum Beispiel auf Verschmelzungen zwischen Fußwurzelknochen oder anderen Formveränderungen (angeborener Plattfuß mit steil aufgerichteter Fußwurzel) von Geburt an.

    Auch eine verkürzte Achillessehne kann die Fehlstellung verursachen. Außerdem können sich Plattfüße im Laufe der Zeit bei Muskel- oder Bänderschwäche und Übergewicht entwickeln. Die Abflachung des ursprünglich normal entwickelten Längsgewölbes wirkt sich auf den ganzen Fuß aus. Nicht zuletzt verkürzt sich die Achillessehne hier als Folgeerscheinung. Bei vorhandener Knick-Komponente steht der Fersenknochen schief. Auch das Knie kann in eine Fehlstellung geraten, zum Beispiel ein X-Bein.

    Symptome: Plattfüße und die Knick-Senk-Kombinationen weisen die typische Formabweichung auf. Je nach Umstand kommt es schon frühzeitig, also auch schon in der Kindheit, zu Bewegungseinschränkungen und / oder zu Fuß- beziehungsweise Fersenschmerzen beim Gehen.

    Diagnose: Kinder mit auffälligen Füßen werden in einer kinderorthopädischen Fußsprechstunde untersucht. In jedem Lebensalter gilt bei Fußanomalien: Der Arzt begutachtet nicht nur die Füße und das Gangbild, sondern das Bewegungssystem insgesamt. Außerdem macht er bestimmte Funktionstests. So bewegt er den Fuß durch und begutachtet den Zehenstand. Auch Aufzeichnungen der Fußabdrücke und Messungen der Druck-Zeit-Verläufe unter der Fußsohle beim Gehen und Stehen können informativ sein. Je nach Fragestellung und Alter, in dem Fußprobleme und / oder -beschwerden auftreten, kommen auch bildgebende Untersuchungen wie Röntgenaufnahmen in speziellen Aufnahmerichtungen und im Seitenvergleich in Betracht, oder eine Magnetresonanztomografie.

    Therapie: Bei Knick-Senkfuß beziehungsweise Plattfuß steht die konservative Therapie mit korrigierenden Einlagen, Schuhzurichtungen, Fußgymnastik und  Abnehmen bei Übergewicht zunächst im Vordergrund. Eine Operation kann erforderlich werden, wenn Beschwerden und Einschränkungen sich so nicht beherrschen lassen. Das kann zum Beispiel bei einem fixierten, schmerzhaften Plattfuß mit gestörter Beweglichkeit (Kinder) und bei Erwachsenen mit einem symptomatischen überzähligen Fußknochen oder anderen Besonderheiten am Fuß der Fall sein.

Extrafußknochen hinten am Sprungbein: Das Os trigonum

  • Ein maßgeblicher überzähliger Knochen (Ossikel) am Fuß ist das Os trigonum. Die angeborene Skelettvariante macht sich oft erst im Laufe des Lebens bemerkbar, wenn sich der Fuß, unabhängig von der Formstörung, durch geschwächte Sehnen und Bänder oder infolge einer Verletzungen verändert. Auch bei sportlich aktiven Menschen oder Balletttänzerinnen entpuppt sich ein Os trigonum manchmal als Ursache von Beschwerden an der Ferse: Der Extraknochen kann bei starker Überstreckung des Fußes zum Spann hin oder wenn sich seine Position am Sprungbein lockert, auf einen nahegelegenen Nerven drücken.
    Symptome: Beim Os trigonum konzentrieren sich die Schmerzen auf die Gegend hinter dem Außenknöchel, können aber auch in die Achillessehne ausstrahlen und als unklare "Achillodynie", also als unklare Schmerzen an der Achillessehne, interpretiert werden.
    Diagnose und Therapie: Röntgenaufnahmen oder Magnetresonanzbilder (MRT) bilden den vom Arzt häufig schon einkalkulierten überzähligen Knochen zweifelsfrei ab. Ein Ossikel, das Beschwerden bereitet, wird im Allgemeinen operativ oder endoskopisch entfernt.

Wachstumsstörung an der Ferse: Apophysitis calcanei

  • Die meist wieder von selbst abklingende Störung betrifft vor allem sportlich aktive Kinder und Jugendliche, mehrheitlich Buben, in der Vorpubertät und Pubertät. Auslösend ist möglicherweise das Zusammenwirken von Zug- und Scherkräften beim Sport und im Wachstumsschub. Wachstumszonen in den Knochen, die sogenannten Knochenkerne oder Apophysen, verschmelzen normalerweise mit dem benachbarten Hauptknochen und bilden Vorsprünge als Ansatzpunkte für Sehnen und Bänder. Bei der Apophysitis calcanei (Sever-Krankheit) verzögern sich die Reifungsvorgänge vorübergehend. An der Ansatzstelle der Achillessehne am Fersenbein treten durch den erhöhten Belastungsdruck, der vor allem auf den Knien und Fersen ruht, wiederholt kleinste Schäden auf. Ärzte sprechen auch von einer Osteochondrose und meinen damit eine Belastungsreaktion wachsender Knochen- und Knorpelzellen.

    Symptome:
    Belastungsabhängige Schmerzen an der druckempfindlichen Ferse, eventuell schmerzbedingtes Hinken direkt nach dem Sport, Besserung in Ruhe, mitunter örtliche Schwellung und Druckschmerzhaftigkeit. Die Beweglichkeit kann dadurch eingeschränkt sein.

    Diagnose:
    Häufig, aber nicht immer ist die Ferse, manchmal auch beide, bei der ärztlichen Untersuchung druckschmerzhaft. Im Röntgenbild zeigen sich Unregelmäßigkeiten am Knochenkern (Apophyse) zum Fersenbein hin. Orthopäden setzen bei Kindern zunehmend Ultraschall als erste bildgebende Untersuchung ein, um Veränderungen oder Verletzungen an Knochen zu erkennen.

    Therapie: Eine Polstereinlage zur Druckdämpfung entlastet die Ferse. Der Arzt verordnet eine Sportpause, auch im Schulunterricht. Schwimmen oder Radfahren sind erlaubte Alternativen. Begleitende Fußprobleme, etwa ein Knickfuß, werden durch korrigierende Einlagen behandelt. Auch eine physikalische Therapie oder Physiotherapie mit Dehnübungen ist oft angezeigt. In der Regel sind die Beschwerden nach spätestens einem halben Jahr, manchmal auch schon früher, vorbei.

Müde oder schwach? Stress-und Insuffizienzfraktur des Fersenbeins

  • Einen Ermüdungsbruch nennen Mediziner auch Stressfraktur. Fraktur bedeutet Bruch. Zu einer Stressfraktur kommt es durch anhaltende Belastungen des Fußes bei ausgedehnten Märschen, Marathonläufen oder Sport mit viel Lauf- und Sprungelementen und intensiviertem Trainung. Oft gehen dem Ereignis also wiederholte oder sehr lange dauernde Belastungen voraus. Auch ungeeignetes Schuhwerk oder ein zu harter Untergrund (etwa Asphalt, Cross-Country) können den Füßen zusetzen. Ein vor diesem Hintergrund entstandener Ermüdungsbruch betrifft einen im Kern gesunden Knochen. Die zunächst kleinsten Verletzungen repariert er kontinuierlich. Schließlich kommt es aber doch zur Ermüdung und haarfeinen Rissen.

    Sogenannte Ermüdungsfrakturen ohne besondere Belastungen können auf eine bislang unerkannte Knochenstörung hinweisen, beispielsweise eine verminderte Knochendichte. Fachleute sprechen dann von Insuffizienzfraktur, weil der schon geschwächte Knochen normalen Anforderungen nicht mehr genügt. Risikofaktoren: Weibliches Geschlecht, Magersucht, geringe Muskelkraft und Fitness, bewegungsarmer Lebensstil, Rauchen, fortgeschrittenes Alter. Auch der Körperbau kann eine Rolle spielen, beispielsweise ungleiche Beinlängen oder eine Kniefehlstellung wie das X-Bein.

    Symptome bei Stress- und Insuffizienzfraktur des Fersenbeins: Es entwickeln sich allmählich zunehmende Fersen- oder Fußschmerzen, besonders bei Belastung. Die Fersengegend kann anschwellen.

    Diagnose: Der genaue Zeitpunkt der Schädigung ist den Betroffenen oft nicht bewusst. Angaben des Patienten darüber, wie es zu den Beschwerden gekommen ist, über die sportlichen Aktivitäten beziehungsweise die medizinische Vorgeschichte (Anamnese) und der klinisch wenig auffällige Untersuchungsbefund können zur Verdachtsdiagnose führen. Allerdings sind auch im Röntgenbild anfangs oft nur diskrete Zeichen erkennbar. Bestätigen lässt sich die Diagnose in unklaren Fällen durch eine Magnetresonanztomografie (MRT).

    Therapie: Eine längere Belastungspause ist leider unvermeidlich. Gegebenenfalls sind Unterarmgehstützen oder ein pneumatischer Schuh mit guter Schrittdämpfung und Bettung des Fußes angebracht. Operative Maßnahmen sind bei diesen Brüchen im Gegensatz zu verletzungsbedingten Brüchen nur selten erforderlich.

Einzelne (solitäre) Knochenzysten

  • Eine Zyste ist ein flüssigkeitsgefüllter Hohlraum. Da Knochenzysten manchmal einen Tumor nachahmen, werden sie tumorähnlich genannt. Tumor bedeutet zunächst nur ganz allgemein Geschwulst. Es gibt aber verschiedene Arten – sowohl bei den Tumoren als auch bei den Knochenzysten. Knochenzysten sind gutartig.

    Am Fuß kommen Knochenzysten selten vor, mitunter am Fersenbein. Häufiger entstehen sie zum Beispiel im oberen Schaft des Oberarmknochens. Der zweite Name lautet einfache, juvenile Zysten. Juvenil sagt es schon: Die Veränderungen treten im jungen Lebensalter auf, etwa zwischen fünf und 15 Jahren, im Allgemeinen unter 20 Jahren, seltener später. Die Ursache ist unbekannt. Der Hohlraum, der mitunter auch mehrere Kammern enthält, ist meist von einer klaren Flüssigkeit ausgefüllt. Die Zyste wird häufig zufällig aus Anlass eines Fersenbeinbruchs festgestellt.

    Der Knochenbruch hat Vor- und Nachteile: Zum einen entpuppt sich so oft die Diagnose. Auch bildet der Bruch häufig für den Knochen einen Anreiz zur Heilung. Allerdings kann er Stabilitätsprobleme bereiten. Ein Teil der Knochenzysten neigt zudem dazu, wieder aufzutreten. Sie können dann aber erneut behandelt werden.

    Symptome:
    Die Zysten können symptomlos sein. Manchmal tritt bei Belastung ein Schmerz auf. Selten entwickelt sich eine Schwellung. Mitunter führt eine plötzlich einwirkende Kraft, ein Stoß oder Aufprall, zu einem Knochenbruch – hier der Ferse – mit akuter, schmerzhafter Schwellung. Ärzte nennen das einen krankhaften Bruch oder Insuffizienzfraktur, da bereits eine geringfügige Verletzung zu einem Knochenbruch geführt hat.

    Diagnose:
    In Röntgenbildern zeigt sich eine Knochenzyste deutlich als Defekt, der Knochen kann im betroffenen Bereich aufgetrieben sein. Eine Magnetresonanztomografie (MRT) kann gegebenenfalls weitere Informationen liefern. Nur in seltenen, unklaren Situationen sollte sicherheitshalber eine Gewebeprobe aus dem Knochen untersucht werden. Bei einem krankhaften Knochenbruch beziehungsweise einer Insuffizienzfraktur (siehe oben, Abschnitt "Ermüdungsbruch des Fersenbeins") wird der Arzt bei entsprechenden Anhaltspunkten außerdem Knochenerkrankungen wie zum Beispiel eine Osteomyelitis ausschließen.

    Therapie:
    Der Orthopäde orientiert sich bei der Wahl der Therapie an den Beschwerden, der Lage und Größe der Zyste sowie einer möglichen Gefahr für einen Knochenbruch und Gehbehinderung. Bei geringfügigen Beschwerden und angesichts der Selbstheilungstendenz ist aufmerksames Beobachten durchaus gerechtfertigt. Dagegen spricht ein erhöhtes Risiko für einen Knochenbruch dafür, den Knochen chirurgisch zu stabilisieren.

Knochentumoren: Gut- und bösartig

  • Echte Geschwülste (Tumoren) am Fersenbein sind eine Rarität. Es gibt gutartige und bösartige Formen sowie solche, die beide Eigenschaften in sich vereinen. Letztere sind allerdings am Fuß eher die Ausnahme.

    Gutartig sind zum Beispiel Osteoidosteome. Diese knochenbildenden Tumoren kommen in jungen Jahren vor, im Alter zwischen fünf und 30. Bösartig sind sogenannte Osteosarkome. Sie bilden Knochen, wachsen relativ schnell und sind die häufigsten Knochentumoren bei Kindern und jungen Erwachsenen. Betroffen ist vorwiegend das männliche Geschlecht.

    Symptome:
    Ein Osteoidosteom
    bereitet typischerweise nachts sehr starke Schmerzen, die aber sehr gut auf Schmerzmittel wie zum Beispiel Acetylsalicylsäure ansprechen. Ein Osteosarkom verursacht einen belastungsabhängigen Schmerz, einen örtlichen Druckschmerz, später auch eine tastbare schmerzhafte Schwellung. Eventuell kommt es zu einem Knochenbruch.

    Diagnose:
    Osteoidosteom: Der Fuß ist äußerlich unauffällig. Typisch dagegen ist das Röntgenbild, welches einen "Fleck" mit einem verdichteten Rand zeigt. Die Geschwülste werden bis zu einen Zentimeter groß.
    Ein Osteosarkom kann sich in der Röntgenaufnahme als ein örtlich defekter Knochen mit wolkiger Struktur und umgebender Reizung darstellen. Im Blut sind Werte wie die alkalische Phosphatase und LDH eventuell erhöht. Mittels einer Magnetresonanztomografie (MRT) wird die Zone des Tumors nebst Umgebung untersucht. Eine Gewebeprobe zur feingeweblichen Analyse ist für die Diagnose unerlässlich. Auch das übrige Knochensystem und die Lungen werden überprüft, um Klarheit über Erkrankungsstadium zu erhalten.

    Therapie:
    Osteoidosteom: Das Gewebe wird ausgeschabt (Kürettage). Danach sind die Schmerzen behoben.
    Osteosarkom: Die Behandlung beruht maßgeblich auf einer Chemotherapie und Operation. Sie sollte an ein Zentrum gebunden sein, das spezielle Erfahrung auf diesem Sektor hat (siehe auch Kapitel "Fersenschmerz: Fachliteratur").

    Weiterführende Informationen im Ratgeber "Osteosarkom".

Nerven unter Druck (Nervenkompression)

  • Beim sogenannten distalen Tarsaltunnel-Syndrom (distal bedeutet von der Körpermitte weg) entsteht Druck auf den seitlich außen, mehr in der Tiefe des Fußes verlaufenden Fußsohlennerv. Zur Erinnerung: Der Knochen namens Tarsus  ist das Sprungbein. Dabei treten ebenfalls Fersenschmerzen auf.

    Auch der "jogger’s foot", also der Jogger-Fuß, ist ein distales Tarsaltunnelsyndrom. Hier wird jedoch der gegenüberliegende Fußsohlennerv an der Fußinnenseite bedrängt. Es kommt zu Missempfindungen, eventuell auch Schmerzen an der Unterseite des ersten bis dritten Zehs. Verantwortlich für die Einengungen: Entzündungen in der Umgebung, Verletzungen, Narbengewebe, Weichteilgebilde wie Zysten, Ganglien, Lipome (Fettgewebsgeschwülste).

Hautveränderungen: Schwielen und Warzen

  • An stark beanspruchten Stellen wie der Ferse verdickt und verhärtet sich die Hornhaut, es bilden sich Schwielen.
    Die Hornhaut ist die oberste Schicht der Haut. Begünstigend wirken Fußverformungen, Knochenauswüchse (siehe auch Haglund-Ferse im Kapitel "Fersenschmerz – Ursachen: Achillessehne, Schleimbeutel, Fersensporn & Co."), ungünstiges Schuhwerk, Hauterkrankungen, Nervenschädigungen, zum Beispiel Empfindungsstörungen beim diabetischen Fuß (mehr dazu auf unserem Partnerportal www.diabetes-ratgeber.net).
    Hühneraugen sind eine spezielle Form der Hornhautbildung.

    Symptome:
    Die lederartigen Schwielen sind eigentlich als Schutzbarriere gedacht, können aber auch schmerzhaft sein. Außerdem stören sie optisch.


    Diagnose und Therapie:
    Erste Anlaufstelle ist der Hausarzt. Er kennt den gesundheitlichen Hintergrund des Betroffenen in der Regel am besten und kann weitere Ratschläge geben, auch im Hinblick auf eine geeignete Fußpflege (das Fachgebiet der medizinischen Fußpflege heißt Podologie). Oder er überweist den Patienten zum Hautarzt. Weitere Tipps im Kapitel "Fersenschmerz: Vorbeugung und Selbsthilfe". Im Alltag kann man sich rechtzeitig damit behelfen, Problemzonen mit einem Pflaster abzudecken. Es gibt auch Strümpfe mit Verstärkungen. Bis zu einem bestimmten Grad lassen sich Hornhautschwielen mit einem Spezialpflaster aufweichen und anschließend leichter entfernen. Hier wissen auch Apotheker Rat.
  • Fußsohlenwarzen: Warzen werden durch das humane Papillomavirus (HPV) verursacht. Kinder und Jugendliche sind am häufigsten betroffen. HPV kann bei geringfügigen Rissen oder Verletzungen in die Haut eindringen. Man kann das Virus auch selbst bei der Hautpflege oder Manipulationen von der betroffenen Stelle zu einer gesunden verfrachten, wo es erneut Schaden anrichten kann. Manchmal genügen ein paar befallene Honhaut-Schüppchen. Das Virus existiert in zahllosen Typen und lauert zum Beispiel in Schwimmbädern, Sportstätten, Saunen (Vorsicht, nie in diesen öffentlichen Bereichen barfuß laufen!). Ob es zur Infektion kommt, hängt unter anderem von der Immunlage jedes Einzelnen ab. Innerhalb überschaubarer Lebensgemeinschaften wie einer Familie besteht bei guter Hygiene kein automatisches Übertragungsrisiko.

    Symptome:
    HPV kann viele Haut- und Schleimhautbereiche befallen. An den Füßen gibt es die oberflächlichen, beetartigen Mosaikwarzen und die in die Tiefe vordringenden Dornwarzen. Gerade im Fersenbereich können letztere beim Gehen sehr schmerzhaft sein. Außen bilden sie eine Schwiele, innen den Dorn, der weit in die Tiefe reichen kann.


    Diagnose und Therapie:
    Warzen sind eigenwillig, ihr Verhalten unberechenbar: Sie können sich nach geraumer Zeit von selbst zurückbilden, dann war Geduld, auch über Monate, die richtige Therapie. Diese Strategie empfiehlt sich gerade bei Kindern und Jugendlichen immer als Erstes. Zur Selbstbehandlung gibt es in der Apotheke verschiedene Präparate, zum Beispiel zum Vereisen oder Aufweichen des betroffenen Hautbereichs mit Salicylsäure. Auch hier bedarf es der Besonnenheit und wiederholter Anwendung, also Geduld.

    Voraussetzung ist stets, dass die Diagnose stimmt, gerade auch bei Erwachsenen. Warzen können wiederkehren oder sich sogar stark ausbreiten. Zeichnet sich eine solche Tendenz ab, sollte man schneller sein als das Virus und zum Arzt gehen. Dies gilt auch, wenn das Gebilde sein Aussehen verändert. Eventuell befürwortet der Arzt die Gewinnung einer kleinen Gewebeprobe durch Abschaben, um ganz sicher zu sein, dass es eine Warze ist und kein Hautkrebs.

    Die medizinischen Waffen reichen in aufsteigender Reihenfolge, was die "Radikalität" anbelangt, vom Vereisen mit Stickstoff (Kryotherapie) über chemisches Verätzen oder Erhitzen mit Hochfrequenzstrom (Elektrokaustik) bis zum Laserstrahl oder Skalpell beziehungsweise scharfen Löffel (Ausschabung oder Kürettage in örtlicher Betäubung). Relativ gute Ergebnisse vermelden Anwender von Verfahren wie einer speziellen Form der Infrarotlichtbehandlung oder einer photodynamische Therapie. Das Therapiespektrum ist groß – einschließlich zahlreicher alternativmedizinischer Maßnahmen. Eine Vorhersage über den Therapieerfolg machen seriöse Therapeuten nicht. Manchmal, zum Beispiel nach einer chirurgischen oder Laser-Behandlung, können Narben oder auch das Virus selbst zurückbleiben, wie so oft bei HPV. Das bedeutet, dass die Schmerzproblematik möglicherweise nicht gelöst ist. Trotz allem lautet die wichtigste Regel: Keine Experimente! (siehe nochmals im Kapitel "Fersenschmerz: Vorbeugung und Selbsthilfe").

Der Fuß: Anpassungsfähig an Unebenheiten und stabil zugleich

Schon der Fuß ist für sich genommen eine hoch komplizierte Konstruktion (eine Annäherung versucht das Kapitel "Wissenswertes zur Anatomie der Ferse"). Störungen im Kleinen, also im vorderen oder mittleren Bereich, können auch den Bereich hinten an der Ferse oder den übrigen Rückfuß in Mitleidenschaft ziehen. Im Großen, bei Problemen am übrigen Bewegungsapparat, ist es nicht anders. Beine, Knie – etwa X- oder O-Beine –, Hüften, Kreuz und Rücken, ein Hexenschuss, Verschleiß an den Bandscheiben und am Wirbelkanal, verformte Wirbel oder blockierte Wirbelgelenke, Erkrankungen der Kreuzbein-Darmbein-Gelenke: Alles dies kann dazu führen, dass plötzlich auch die Ferse schmerzt.

Wenn zum Beispiel Nervenwurzeln nach dem Austritt aus dem Rückenmark gereizt werden, was bei einem Bandscheibenvorfall nicht selten vorkommt, kann dies Schmerzen am Bein oder im Fersenbereich verursachen. Eventuell kommt es dabei auch zu einer (in der Regel einseitigen) Schwäche der Muskeln, die den Fuß anheben. Da auch eine andere neurologische Ursache dahinterstecken kann, ist hier unbedingt ein Neurologe gefragt. Mehr dazu jeweils unter: Hexenschuss, Schmerzen im Gesäß/KreuzRückenschmerzen.

Rheuma, Durchblutungsstörungen, Stoffwechselprobleme können sich auch auf die Fersen schlagen

Ein anderes Thema ist Rheuma. Davon war bereits im Zusammenhang mit der Schleimbeutelentzündung und anderen Erkrankungen im Achillessehnenbereich die Rede (siehe auch Kapitel "Fersenschmerz – Ursachen: Achillessehne, Schleimbeutel, Fersensporn & Co."). Bei Schmerzen an beiden Fersen wird der Arzt, falls er entsprechende Anhaltspunkte dafür hat, auch eine Bechterew-Krankheit ausschließen. Weitere mögliche Diagnosen sind der sogenannte Morbus Reiter (Morbus bedeutet Krankheit) oder andere Formen von Gelenkentzündungen nach einem bakteriellen Infekt, etwa in den Harnwegen (reaktive Arthritis; mehr dazu im Ratgeber "Gelenkschmerzen").

Stoffwechselerkrankungen wie die Gicht und Diabetes können jeweils auf unterschiedliche Weise Beine und Füße in Mitleidenschaft ziehen und dort für Schmerzen mitverantwortlich sein. Das Spektrum reicht hier von Schäden im Sehnenbereich, an Knochen und Weichteilen oder der Haut bis zu Gelenkverformungen.

Eine wichtige Rolle spielen auch Durchblutungsstörungen (Periphere arterielle Verschlusskrankheit). Sie sind vor allem durch Gefäßerkrankungen wie Arteriosklerose oder spezielle Gefäßentzündungen bedingt und können Schmerzen in der Wade oder am Fuß beim Gehen auslösen.

Die Diagnoseschritte zielen auf die jeweils vermutete, die Therapiemaßnahmen auf die festgestellte Diagnose.

So ist die Ferse mitunter also tatsächlich eine Art Achillesferse in dem Sinn, dass sich hier manchmal auch Krankheiten festmachen, die nicht vom Fuß ausgehen, ihn aber dennoch mitbetreffen. Daher hat auch der Orthopäde im Prinzip den ganzen Menschen im Blick, wenn ein Patient mit Fersenschmerzen zu ihm kommt.

Fußproblemen kann man durchaus vorbeugen

Sieben beachtenswerte Punkte, und täglich ein paar Minuten liebevoller Aufmerksamkeit für Ihre Füße – und sie werden es Ihnen danken.

  • Körpergewicht und Stoffwechsel sollten im Normalbereich liegen. Beides schont die Gelenke.
  • Auch für die Durchblutung kann man einiges tun. Gesunde, ausgewogene Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität und Nikotinverzicht sind der beste "Garant".
  • Gönnen Sie Ihren Füßen täglich gute Pflege, passendes Schuhwerk zu jeder Jahreszeit und atmende Textilien – im Alltag und erst recht beim Sport. Wechseln Sie Schuhe und Strümpfe täglich.
  • Zeichnen sich Schwielen aus Hornhaut ab, sollten Sie die entsprechenden Stellen mit einem Bimsstein oder einer geeigneten Feile abreiben und danach eine pflegende Creme auftragen. Vorher die Haut durch ein lauwarmes Fußbad, das auch etwas Salz enthalten kann, geschmeidiger machen. Als Diabetiker keinesfalls an Schwielen herumhobeln, sondern professionelle Fußpflege zu Rat ziehen.
  • Auch an Warzen sollten Sie nicht herumzupfen – der Kontakt ist infektiös, und Sie können sich mit dem Gerät oder Fingernagel eine neue Warze einhandeln.
  • Waschen Sie sich nach der Fußpflege immer die Hände, benutzen Sie stets Ihr eigenes Handtuch, auch zu Hause, und zwar getrennt für Hände, Gesicht, Intimbereich.
  • Außer in Schwimmbädern, Sporthallen und Saunen ist Barfußlaufen gesund, sofern keine Fußprobleme dagegen sprechen und / oder Verletzungen erhöhte Risiken mit sich bringen, wie zum Beispiel bei Diabetes (Diabetes mellitus Typ 1, Diabetes mellitus Typ 2) oder Gefäßerkrankungen.

  • Fersensporngymnastik: Geeignete Übungen helfen, Muskeln und Sehnen zu dehnen und das Fußgewöbe zu kräftigen. Mehr dazu auf unserem Partnerportal www.senioren-ratgeber.de

Fachliteratur zu diesem Ratgeber


Rammelt St: Fuß- und Sprunggelenkchirurgie, Stuttgart, Schattauer GmbH, 1. Auflage  2016

Raschka Ch, Nitsche L (Hrsg.): Praktische Sportmedizin, Stuttgart, Georg Thieme Verlag KG, 1. Auflage 2016

Engelhardt M (Hrsg.): Sportverletzungen. Diagnose, Management und Begleitmaßnahmen. München, Elsevier Urban & Fischer, 3. Auflage 2016

J. Krämer, J. Grifka: Orthopädie, Unfallchirurgie, Springer Medizin Verlag Heidelberg, 8., neubearb. und erweiterte Auflage 2007

Valderrabano V, Engelhardt M, Küstlder H-H (Hrsg.): Fuß & Sprunggelenk und Sport, Köln, Deutscher Ärzte-Verlag, 2009

J. Grifka, M. Kuster (Hrsg.): Orthopädie und Unfallchirurgie, Springer Verlag Berlin-Heidelberg, 1. Auflage 2011

Gerd Herold und Mitarbeiter: Innere Medizin, Köln Gerd Herold 2016

Deutsche Krebsgesellschaft DKG), Onko-Internetportal: Knochenkrebs. Online: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/andere-krebsarten/knochenkrebs.html Abruf: 22.6.2016.

Achtung: www.apotheken-umschau.de ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internetseiten.