Blut am After / aus dem Darm: Was das Symptom bedeutet

Hämorriden, Afterrisse, Entzündungen und Krebs verursachen am häufigsten Blutungen aus dem Darm, auf dem Stuhl oder im Analbereich. Mögliche Ursachen, Diagnosen, Therapien

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von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 10.05.2019

Bei Darmbeschwerden rechtzeitig zum Arzt

Der Darmausgang ist eine der empfindlichsten Körperzonen. Krankhafte Veränderungen machen sich hier in aller Regel gleich störend bemerkbar. Juckreiz, Nässen, Schmerzen, Schwellungen, Vorwölbungen oder Knoten, das Gefühl der unvollständigen Entleerung oder eine Undichtigkeit, also Stuhlinkontinenz – dies alles belästigt die Betroffenen erheblich.

Ist Blut auf dem Stuhl (Fachbegriff: Hämatochezie) sichtbar, wird das immer als beunruhigend empfunden, auch wenn es nur Spuren sind. Umso wichtiger ist es, bei solchen Beschwerden Hemmungen und Bedenken zu überwinden und zum Arzt zu gehen.

Natürlich auch dann, wenn sich das Stuhlgangsverhalten ohne ersichtlichen Grund, etwa Umstellung der Ernährung, geändert hat – also zum Beispiel eine ungewohnte Verstopfung  auftritt. Oder wenn sich Beschwerden einstellen wie Bauchschmerzen, ungewohntes Völlegefühl, Blähungen, eventuell auch Müdigkeit und Gewichtsverlust.

Was Sie für einen gesunden Darm tun können

Weit verbreiteten Darm- und Analerkrankungen, etwa Darmkrebs und Hämorriden, kann man mit einer gesunden, aktiven Lebensweise etwas entgegensetzen. Sie verhilft zu regulärer Darmtätigkeit – ein Beitrag zur Lösung gerade auch vieler Probleme am Darmausgang.

Mit dieser Art von Körperpflege sollte eigentlich jeder so früh wie möglich beginnen, am besten schon im Kindesalter.

Das klappt, indem man sich ausgewogen und ballaststoffreich ernährt, wozu tägliche Zulagen von Gemüse und Obst auf ganz natürliche Weise beitragen (empfohlen: fünf pro Tag). Dazu kommen regelmäßige körperliche Bewegung (empfohlen: mindestens 30 Minuten pro Tag als "Erhaltungsdosis"; mit 60 "bewegten Minuten" können Sie die Fitness steigern) und kräftige Abstriche beim Alkohol und Rauchen.

Und wer noch beim Nahrungsfett, Salz und Zucker spart, tut nachhaltig etwas für seine  Gefäße – auch die im Darm.

Vorteile: Der Körper tut sich insgesamt leichter, denn auch mit dem Körpergewicht kommt man besser klar, das Blut fließt freier.

Nicht zuletzt tragen gute Hygiene, auch beim Sex, und hautfreundliche Kleidung dazu bei, Reizungen und krankhafte Entwicklungen im Analbereich zu vermeiden.

Problemzone Darm global: Volkskrankheit Hämorriden, Afterrisse, Krebs

Mit den Lebensjahren steigt ganz allgemein das Risiko für krankhafte Entwicklungen. Damit einher geht auch ein erhöhtes Blutungsrisiko, indirekt, etwa durch bestimmte Arzneimittel, oder direkt infolge von Magen-Darmkrankheiten. Ausstülpungen der Darmwand (Divertikel) im Dickdarm, Entzündungen sowie gut- und bösartige Geschwülste im Dickdarm und Mastdarm gehören zu den führenden Blutungsursachen im Verdauungstrakt.

Problem Nr. 1 im Analkanal sind Hämorriden, vor allem Alter zwischen 45 und 65 Jahren. Schätzungsweise machen nahezu 70 Prozent der Erwachsenen in den westlichen Ländern einmal im Laufe ihres Lebens in irgendeiner Form mit dem Hämorrhoidalleiden Bekanntschaft. Damit nehmen Beschwerden durch Hämorriden den Rang einer Volkskrankheit ein.

Auch Afterrisse (Analfissuren) sind ein häufiges Übel. In beiden Fällen gehören abgehendes Blut – am Darmausgang, auf dem Toilettenpapier oder Stuhl – zu den typischen Symptomen. Mit dem Unterschied, dass eine Analfissur äußerst schmerzhaft ist, während ein Hämorrhoidalleiden vor allem mit einem Schwellungsgefühl, Juckreiz und Nässen einhergeht.

Seltenere Blutungsquellen: Krankheiten des Dünndarms, Gefäßprobleme, Endometriose

Seltener liegt die Blutungsquelle im Dünndarm. Schließlich können Gefäßveränderungen und die Endometriose, eine Krankheit bei Frauen, Darmblutungen verursachen.

Wichtig: Darmkrebsfrüherkennung nutzen!

Sie kostet nichts und kann lebensrettend sein: die Früherkennung von Darmkrebs! Kernpunkte: Männern ab 50 Jahren können im Abstand von mindestens zehn Jahren zwei kostenlose Darmspiegelungen (Koloskopien) in Anspruch nehmen, beim Start mit 65 Jahren eine. Für Frauen gilt diese Regelung ab 55 Jahren.

Was das organisierte Früherkennungsscreening auf Darmkrebs alles beinhaltet, steht im Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung".

Blut aus dem Darm: Diagnose und Therapie

Blut auf dem Stuhl, erst recht eine Darmblutung, muss abgeklärt und je nach Art und Ursache zeitnah oder dringlich behandelt werden. Vorab stellt sich die Frage nach aktuell eingenommenen Medikamenten, etwa, ob der Betroffene eine gerinnungshemmende Therapie (Blutverdünnung) erhält.

Auch möchte ein zuständiger Arzt, falls er den Patienten vorher noch nie behandelt hat, wissen, ob es Anhaltspunkte für eine krankhafte Blutungsneigung gibt. Hinweise können häufig auftretende blaue Flecken und wiederholtes Nasenbluten sein, bei Frauen auch verstärkte und/oder verlängerte Monatsblutungen.

Endoskopie: Inspektion von Magen und Darm

Was den Verdauungstrakt, etwa den Dickdarm und Mastdarm betrifft, so lassen sich diese Bereiche gut von innen begutachten (Endoskopie). Dies gilt auch für den oberen Bereich mit Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm.

Zugleich kann der Arzt kleine Gewebeproben entnehmen oder Geschwülste (Polypen) im Darm entfernen, um beides im Anschluss genauer untersuchen zu lassen. Zuvor muss wiederum bekannt sein, ob die Blutgerinnung des Betroffenen verändert ist, um die Untersuchung sicher durchführen zu können. Eine blutverdünnende Therapie muss gegebenenfalls angepasst werden.

Mit dem Entfernen von Darmpolypen haben Ärzte und Patienten eine konkrete und gute Möglichkeit zur Hand, zum Beispiel Darmkrebs vorzubeugen. Dank der Darmspiegelung und Gewebeuntersuchungen lassen sich auch andere Darmerkrankungen zuverlässig feststellen und kontrollieren.

Operationen am Magen-Darmtrakt sind durch den Einsatz der Endoskopie vielfältiger und weniger eingreifend geworden.

Natürlich gehören auch Medikamente und spezielle Diäten, etwa laktosearm oder glutenfrei, zum Behandlungsrepertoire am Magen-Darmtrakt. Gerade Magengeschwüre, die bei hartnäckigen Beschwerden früher ausschließlich operativ behandelt wurden, sind ein gutes Beispiel für erfolgreiche neue Medikamente, zuletzt in Form der sogenannten Protonenpumpenhemmer.

Chonisch-entzündliche Darmerkrankungen zum Beispiel sprechen meist auf bestimmte entzündungshemmende oder Immunreaktionen beeinflussende Medikamente an.

Das Diagnosekapitel dieses Beitrags erklärt, welche Untersuchungsmethoden sonst noch infrage kommen.

Nachfolgend eine Übersicht über die Themen dieses Beitrags:

Blutungsursachen im Analbereich

  • Unbequeme Polster: Hämorriden
  • Analvorfall, Mastdarmvorfall
  • Analrandkrebs (Afterhautkrebs)

Mehr dazu lesen Sie im Kapitel "Ursachen im Analbereich".

Blutungsursachen im Dickdarm, Mastdarm (Enddarm), Dünndarm

  • Entzündungen im Dickdarm und Dünndarm
  • Mastdarmentzündung (zum Beispiel Proktitis und "Pouchitis"), Mastdarmgeschwür
  • Dünndarm: Einstülpung (Invagination) des Darmes, Meckel-Divertikel, Tumoren

Im Kapitel "Ursachen im Dickdarm, Mastdarm, Dünndarm" finden Sie dazu weitere Informationen.

Andere Blutungsursachen im Darm: Gefäßkrankheiten & Co.

  • Gefäßverschlüsse: Mesenterialarterieninfarkt
  • Eher selten: Gefäßfehlbildungen wie Angiodysplasie, Morbus Osler (angeborene Teleangiektasien), Aortointestinale Fistel, Eingeweide-(Viszeral-)Arterien-Aneurysma mit Anschluss an den Darm

Aufschluss darüber gibt Ihnen das Kapitel "Ursachen: Gefäßkrankheiten, Endometriose".

Wichtig: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

 

Der Darm: Verdauungsspezialist und mehr

Nahrungstransport, Nährstoffrecycling, Flüssigkeitshaushalt, Kontinenz – auf all diesen und noch anderen wichtigen Feldern, etwa der Immunabwehr, leistet der Darm tagtäglich Schwerstarbeit.

Während der Speisebrei auf dem meterlangen Weg durch den Dünndarm hauptsächlich Nährstoffe an den Körper abgibt, wird der restliche Darminhalt im Dickdarm durch Abschöpfen der Flüssigkeit eingedickt.

Im Mastdarm – er heißt auch Rektum –, speziell im dehnbaren Reservoir oberhalb des Analkanals, der sogenannten Ampulle, verweilt der Stuhl bis zu seiner Entleerung. Mit der Füllung nimmt der Stuhldrang zu.

Umso wichtiger ist der sichere Verschluss, die Kontinenz. Die dafür zuständigen Strukturen am und um den Analkanal herum einschließlich Nervenversorgung bilden das – ziemlich kompliziert aufgebaute und funktionierende – Kontinenzorgan.

Wie ist das mit der Kontinenz des Darmes?

Dafür sorgen Muskelsysteme, die willkürlich und unwillkürlich gesteuert zusammenarbeiten. Auch die umliegenden Muskeln des Beckenbodens helfen mit. Schwellkörper, die ringsum unter der Darmschleimhaut sitzen und bei entsprechender Blutfülle das Gebiet gut abdichten, optimieren das Ergebnis (Feinkontinenz).

Sie heißen auch Hämorrhoidalgeflecht. Ist umgangssprachlich von Hämorriden die Rede, so sind damit krankhafte Veränderungen in diesem Bereich angesprochen.

Der Darmausgang verfügt als Teil seines komplexen Verschlusssystems auch über eine hochempfindliche Innenhaut, die Analhaut oder das Anoderm. Sie erfasst den Füllungsdruck und steuert den Entleerungsablauf mit.

Blut im Stuhl/aus dem Darm: Wann zum Arzt?

Bei sichtbaren Darmblutungen oder Blut am Darmausgang gibt es unterschiedliche Schweregrade: schwache Blutungen, die nur in Spuren am Ausgang erscheinen oder dem Stuhl aufliegen, eventuell wiederholt auftretende, aber häufig auch von selbst wieder vergehende Blutungen, Sickerblutungen, blutige Durchfälle oder starke, bedrohliche Blutungen, etwa mit Schwäche und Kollapsgefahr (Notruf: Tel. 112). Hier ist dringend ärztliche beziehungsweise notärzliche Hilfe erforderlich!

! Achtung: Blut aus dem Darm – ob mit dem bloßen Auge sichtbar oder unsichtbar, das heißt in einem Stuhltest festgestellt – ist zunächst immer ein Warnzeichen. Gehen Sie zum Arzt und lassen Sie den Befund zeitnah kontrollieren.

Übrigens: Um Enddarmerkrankungen kümmern sich speziell Ärzte namens Proktologen oder Koloproktologen (prokto- für After stammt aus dem Griechischen). Den übrigen Magen-Darmtrakt untersuchen und behandeln Gastroenterologen.

Woher kommt das Blut?

Untere Gastrointestinalblutung: Gastro- steht für Magen, intestinal bedeutet zum Darmkanal gehörend. Ganz allgemein gesagt, stammt Blut aus dem Darm überwiegend aus der unteren Etage des Magendarmtraktes. Besonders häufig sind der Enddarm beziehungsweise Mastdarm und der Analkanal betroffen.

Einer der Hauptgründe sind vergrößerte Hämorrhoidalpolster, eben Hämorriden, die aus dem abdichtenden Gefäßnetz am Darmausgang hervorgegangen sind. Sie bluten relativ leicht. Das Blut ist meist hellrot.

Die Schleimhaut des Mastdarms geht, in Richtung Darmausgang betrachtet, allmählich in die des Analkanals über (Analhaut, Anoderm). Die anatomische (nicht aber chirurgische) Grenze bildet die sogenannte Sägezahnlinie.

An der besagten Linie finden sich winzig kleine Poren, die sich in blind endende Drüsengänge fortsetzen. Einst waren dort sogenannte Proktodäaldrüsen als "Duftspender" aktiv, beim Menschen sind sie verkümmert.

Allerdings gehen von den Poren gelegentlich Entzündungen im Analbereich aus, eventuell sogar mit eitrigen Einschmelzungen im umgebenden Gewebe (Abszesse). Manchmal entwickeln sich daraus Analfisteln (mehr dazu im Kapitel "Ursachen im Analbereich") – alles mögliche Blutungsquellen (peranale Blutung).

In den übrigen Dickdarmabschnitten führen vor allem gut- und bösartige Geschwülste (Darmpolypen, Krebs-Geschwülste), Ausstülpungen der Darmwand (Divertikel), Darmentzündungen und Störungen an Darmgefäßen zu Blutungen.

Obere Gastrointestinalblutung: Eine Blutung kann auch in der Speiseröhre, im Magen oder im Zwölffingerdarm entstehen. Zu den häufigsten Ursachen zählen hier blutende Geschwüre (Ulkuskrankheit) und "Krampfadern" der Speiseröhre (sogenannte Ösophagusvarizen).

Akut kann es dann zu Erbrechen von frischem oder altem Blut ("kaffeesatzartig") kommen oder es tritt nach ein, zwei Tagen ein dunkel bis schwarz verfärbter Stuhl ("Teerstuhl") auf.

Bei sehr starken (oberen) Blutungen sind eventuell auch Absonderungen von Blut aus dem Darm oder Blutauflagerungen auf dem Stuhl erkennbar. Bei heftigen Magen-Darm-Blutungen ist die Gefahr eines Kreislaufschocks groß, es handelt sich um Notfälle (siehe oben).

Viel seltener liegt die Blutungsquelle im meterlangen Dünndarm, der sich an den Zwölffingerdarm anschließt. Dabei kann es zu wiederholten Blutbeimengungen im Stuhl kommen, auch in Form von dunklem Teerstuhl. Manchmal fehlen Blutungsanzeichen ganz, und der Arzt stellt zunächst nur eine Blutarmut (Anämie) fest.

Im Akutfall: Wie geht der Arzt vor?

Bei leichten Blutungen ist meist genügend Zeit für die Diagnostik. Bei einer akuten, womöglich lebensbedrohlichen Blutung entscheidet der Gesundheitszustand des Betroffenen darüber, wie weit in der akuten Phase Untersuchungen möglich und welche Behandlungsmaßnahmen nötig sind.

Es kann sein, dass die Blutung während der ersten Stunden in der Klinik zum Stillstand kommt. Manchmal ist eine Notfalloperation unvermeidlich.

Was der Arzt vom Patienten wissen möchte

Im ersteren Fall ist meist etwas mehr Zeit, um den Patienten ausführlich zu befragen und zu untersuchen.

Dann erkundigt sich der Arzt zunächst genauer nach den Begleitumständen: War das beobachtete Blut hellrot oder dunkelrot? Wie stark ist die Blutung gewesen? Wurden auch Schleim- und Eiterabsonderungen beobachtet? Hinterlässt das Blut ständig oder nur gelegentlich Spuren, etwa auf dem Stuhl oder am Toilettenpapier?

Außerdem fragt der Arzt nach den Stuhlgepflogenheiten und ob hier Veränderungen aufgefallen sind, zum Beispiel ein wiederholt sehr dunkler bis schwarzer Stuhl. Oder eine ungewohnte Verstopfung oder Durchfall und Verstopfung im Wechsel.

Außerdem fragt der Arzt nach dem Gebrauch von Abführmitteln und nach weiteren Beschwerden: Ist der Stuhlgang schmerzhaft? Besteht das Gefühl unvollständiger Entleerung?

Kommt es häufig zu Blähungen, einem Völle- oder Fremdkörpergefühl, Bauchschmerzen? Fühlt sich der Betroffene allgemein beeinträchtigt, etwa wegen Müdigkeit, Schwäche, Blässe oder ungewollten Gewichtsverlusts?

Ebenfalls wichtig zu wissen: Nimmt der oder die Betroffene ein Mittel zur Blutverdünnung ein, das die Blutgerinnung herabsetzt? Oder liegt eine bekannte krankhafte Störung der Blutgerinnung vor? Denn beides kann unter Umständen ebenfalls das Risiko einer Darmblutung erhöhen.

Nach dem Arztgespräch mit Erheben der Krankengeschichte (Anamnese) schließt sich die körperliche Untersuchung an.

Körperliche Untersuchung: Die wichtigsten Organe im Fokus

Liegt die Blutungsursache zum Beispiel mutmaßlich im Bereich des Analkanals, stellt der Arzt die Diagnose oft schon anhand der Angaben des Patienten sowie durch Anschauen und Tasten.

Zunächst überprüft der Arzt den After auf äußerlich erkennbare Blutungsquellen: Verletzungszeichen, Risse, Schwellungen, Entzündungen, Knoten, Gang- oder Fistelöffnungen, Hämorriden. Bei Verdacht auf vorfallendes Darmgewebe kann ein kurzes Pressmanöver Klarheit schaffen.

Das Austasten des Analkanals/Mastdarms gehört hier ebenfalls körperlichen Untersuchung. Hinzu kommt die Untersuchung der zentralen Bauch- und Brustorgane und der Bauchwand, der Gefäßpulse, die Kontrolle des Blutdrucks und orientierend ein Check des Nervensystems.

Einblicke in den Darm: Untersuchungstechniken

Unterdessen werden im Labor die relevanten Blutwerte überprüft. Im Anschluss geht es darum, den Darm genauer ins Visier zu nehmen. Vorab kann eine Ultraschalluntersuchung des Bauches und der Leistengegend auf beiden Körperseiten weitere Anhaltspunkte geben.

Wenn der Zustand des Patienten es erlaubt, nimmt im nächsten Schritt ein Spezialist für Enddarmerkrankungen (Proktologe, Koloproktologe) die Spiegelung des Afters und Analkanals (Anoskopie, Proktoskopie) oder des gesamten Mastdarms (Rektoskopie) vor.

Eventuell schließen sich noch weitere Maßnahmen an, etwa Druckmessungen im Analbereich oder eine Endosonografie des Enddarms (Ultraschalluntersuchung über den Enddarm).

Ist eine Spiegelung des kompletten Darms (Koloskopie) vorgesehen, so führt sie in der Regel ein Magen-Darm-Spezialist (Gastroenterologe) durch. Der Patient muss sich mit einer Darmreinigung auf die Untersuchung vorbereiten. Mehr dazu weiter unten (Abschnitt: "Darmspiegelung: Die beste Methode zur Darmkrebsfrüherkennung").

Wird die Blutungsquelle dagegen im oberen Magen-Darmtrakt vermutet, erfolgt zuerst eine Spiegelung dieses Bereiches (Magenspiegelung, Ösophago-Gastro-Duodenoskopie; das Duodenum ist der Zwölffingerdarm). Die Spiegelungen werden auch als endokopische Untersuchungen bezeichnet. Dabei entnommene Gewebeproben (Biopsien) untersucht ein Spezialist (Pathologe) feingeweblich unter dem Mikroskop.

Bei Bedarf kommen auch spezielle bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanz- oder Computertomografie des Beckens oder Bauches oder eine radiologische Gefäßdarstellung (Röntgen- oder CT-Angiografie) in Betracht. Näheres in den einzelnen Kapiteln und Abschnitten dieses Beitrags.

Darmkrebs-Früherkennung

Die Entwicklungszeit von Darmkrebs beträgt im Allgemeinen etwa zehn bis 15 Jahre. Erkennen und Entfernen von Krebsvorstufen (Polypen) kann die Entstehung von Darmkrebs verhindern und die Zahl der Todesfälle durch die Erkrankung senken.

Wie läuft das eigentliche Screening ab? Schwerpunktmäßig geht es um folgende Gruppe:

1. Kein erhöhtes Darmkrebsrisiko bekannt, keine "verdächtigen" Beschwerden

  • Versicherte im Alter von 50 bis 54 Jahren können einmal jährlich ihren Stuhl auf nicht sichtbares Blut untersuchen lassen. Hintergrund: Tumoren im Darm und ihre Vorstufen können Blutspuren im Stuhl erzeugen. Polypen sind Wucherungen der Darmschleimhaut. Sie sind zwar gutartig, können jedoch in Krebs (Karzinome) übergehen.

Entscheidend ist, dass die Screening-Tests nicht sichtbares (okkultes) Blut recht zuverlässig erfassen können. Dabei „markieren“ spezielle Stoffe (Antikörper) in den für das Screening empfohlenen Stuhltests (immunologische fäkale Okkultbluttests, abgekürzt iFOBT)) den Farbstoff Hämoglobin aus dem menschlichen Blut.

Ein positives Testergebnis bedeutet nicht automatisch Darmkrebs. Es gibt jedoch Anlass zu einer zeitnahen endoskopischen Untersuchung des gesamten Dickdarms (Koloskopie), um auffällige Befunde auszuschließen oder behandeln zu können.

Alternativ bietet das Screeningprogramm zwei Früherkennungskoloskopien an.

  • Männer können sie ab 50 Jahren das erste Mal in Anspruch nehmen. Bei unauffälliger erster Untersuchung ist die zweite frühestens zehn Jahre später vorgesehen. Wer erst mit 65 Jahren einsteigt, hat nur noch Anspruch auf eine Früherkennungskoloskopie.
  • Für Frauen gilt diese Regelung ab 55 Jahren. Wissenschaftliche Daten haben gezeigt, dass sich das Risiko bei ihnen etwas anders entwickelt.

Darmspiegelung: Die beste Methode zur Darmkrebsfrüherkennung

Obwohl als Methode insgesamt etwas aufwendig und zugegeben auch etwas lästig, hat die Dickarmspiegelung den großen Vorteil, dass Krebsvorstufen wie oben beschrieben nicht nur festgestellt, sondern meist sofort entfernt und feingeweblich untersucht werden können.

Sicherheitshalber muss die Kontroll-Darmspiegelung bei solchen Befunden in kürzeren Zeitabständen wiederholt werden: meist nach drei bis fünf Jahren oder auch früher.

Stellt sich bei der Koloskopie eine größere Geschwulst heraus, die sich
endoskopisch nicht sofort entfernen lässt, nimmt der Arzt zunächst Gewebeproben (Biopsie). Das weitere Vorgehen hängt dann wiederum vom genauen Befund ab.

! Wichtig: Die vollständige, fachgerecht durchgeführte Dickdarmspiegelung (Koloskopie) hat die höchste Treffsicherheit für das Auffinden von Polypen und Krebsgeschwülsten im Dickdarm. Deshalb gilt sie als „Goldstandard“ der Darmkrebsfrüherkennung.

  • Männer und Frauen haben aber auch die Möglichkeit, weiterhin einen Stuhltest auf unsichtbares Blut im Stuhl durchführen zu lassen, falls sie keine Darmspiegelung in Anspruch nehmen. Dies gilt ab dem Alter von 55 Jahren (alle zwei Jahre). Ist ein Stuhltest auffällig, wird eine Früherkennungskoloskopie angeboten.

Schriftliche Einladung zum Screening

  • Alle Versicherten ab 50 werden schriftlich von ihrer Krankenkasse zur Teilnahme am Darmkrebs-Screening eingeladen. Wer nicht widerspricht, erhält mit 55, 60 und 65 Jahren Folgeeinladungen. Stichtag des solchermaßen neu organisierten Screenings soll der 1. Juli 2019 sein.

Das Einladungsschreiben erläutert auch die Vor- und Nachteile der Teilnahme. Es erklärt die verschiedenen Untersuchungsmöglichkeiten und wie sie ablaufen.

Auch ohne den Erhalt eines Einladungsschreibens ist die Inanspruchnahme des Darmkrebs-Screenings möglich. Am besten wendet man sich an den Hausarzt. Frauen können auch ihren behandelnden Gynäkologen aufsuchen, Männer ihren Urologen.

2. Wenn das Risiko für Darmkrebs erhöht ist

Unter bestimmten Voraussetzungen ist von einem erhöhten Darmkrebsrisiko auszugehen. Das beeinflusst die Untersuchungsintervalle und Maßnahmen bei der Darmkrebsfrüherkennung. Das heißt, es handelt sich nicht mehr um das allgemeine Screening. Vielmehr werden daraus regelmäßige, teils auch umfangreichere Kontrolluntersuchungen mit sogenannten Überwachungskoloskopien für bestimmte Patientengruppen:

  • Bei familiär erhöhtem Darmkrebsrisiko für spontan auftretenden Darmkrebs (familiärer Darmkrebs);
  • Bei erhöhtem Risiko für erblichen Darmkrebs (erbliche, nicht polypöse Darmkrebserkrankung, HNPCC)
  • Bei erblichen Polypenerkrankungen (erbliche Polyposis-Syndrome wie familiäre adenomatöse Polyposis (FAP) oder andere Polyposis-Erkrankungen);
  • Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie zum Beispiel Colitis ulcerosa.

Dazu nachfolgend mehr.

  • Familiärer Darmkrebs

Mehrere Fälle von Darmkrebs in einer Familie lassen eine genetische Veranlagung zwar vermuten, beweisen sie aber nicht. Dazu sind die genetischen Grundlagen noch nicht ausreichend erforscht.

Allerdings haben Verwandte ersten Grades, also Eltern, Geschwister und Kinder eines Patienten mit Darmkrebs ein etwa zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko, selbst an Darmkrebs zu erkranken.

Das Erkrankungsrisiko ist nochmals drei- bis vierfach höher, wenn das Familienmitglied im Alter unter 60 Jahren die Diagnose Darmkrebs erhielt oder wenn mehr als ein erstgradig Verwandter daran erkrankt ist.

Den gesunden Verwandten wird daher empfohlen, früher als beim normalen Screening vorgesehen eine Darmspiegelung als Früherkennungsuntersuchung durchführen zu lassen: spätestens mit 40 bis 45 Jahren oder ab dem Alter, das mindestens zehn Jahre unter dem Erkrankungsalter des betroffenen Angehörigen liegt.

Ist alles in Ordnung, sollten sie mindestens alle zehn Jahre eine weitere Darmspiegelung vornehmen lassen.

Erstgradig Verwandte von Patienten, bei denen im Alter unter 50 Jahren ein Polyp des Dickdarms (Fachbegriff: kolorektales Adenom) festgestellt wurde, haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs. Sie sollten erstmals zehn Jahre vor dem Diagnosealter des Verwandten eine Früherkennungs-Darmspiegelung durchführen lassen.

War der Darm bei der Erstuntersuchung frei von Polypen, sollten weitere Koloskopien mindestens alle zehn Jahre stattfinden. Wurden ein oder mehrere Polypen festgestellt (und entfernt/analysiert), richtet sich das weitere Vorgehen nach den medizinischen Vorgaben für solche Befunde.

  • Erblicher Darmkrebs

Erbliche Darmkrebsformen sind selten. Ihr Anteil an allen Darmkrebserkrankungen beträgt etwa fünf Prozent. Doch sie treten bei jüngeren Menschen auf und können schneller entstehen als nicht erblicher Darmkrebs.

Mittlerweile sind in diesem Zusammenhang verschiedene Genveränderungen (Mutationen) entdeckt worden. Je nach Erkrankung oder Verlaufsform lässt sich häufig eine verantwortliche Mutation bei den Betroffenen nachweisen.

Bei den erblichen, nicht polypösen Darmkrebserkrankungen (abgekürzt HNPCC) ist das zum Beispiel in bis zu 90 Prozent der Fälle möglich, bei der klassischen familiären Polyposis (FAP) in 70 bis 80 Prozent (mehr dazu jeweils nachfolgend).

Wird die genetische Anlage frühzeitig erkannt, können die Betroffenen intensiv vorsorgen, gegebenenfalls auch bestimmte Behandlungswege einschlagen.

! Info: Patienten und ihre Angehörigen sollten sich in einem Zentrum für familiären Darmkrebs beraten lassen. Das Verbundprojekt "Familiärer Darmkrebs" der deutschen Krebshilfe ist ein Zusammenschluss von qualifizierten Zentren, in denen Spezialisten verschiedener medizinischer Fachgebiete betroffene Familien beraten.

Über die deutsche Gesellschaft für Humangenetik ist ein Adressverzeichnis genetischer Beratungsstellen erhältlich (Infos unten am Textende).

In den jeweiligen Einrichtungen ist man umfassend auf die entsprechende Diagnostik und Früherkennung spezialisiert und kann auch über Möglichkeiten der psychosozialen Beratung und Betreuung informieren.

Das Beratungsangebot wird von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt und richtet sich sowohl an erkrankte wie an nicht erkrankte Blutsverwandte ersten Grades. Der Hausarzt kann den/die Betroffenen, eventuell auch nach einer ersten Beratung beim behandelnden Gastroenterologen, an eine entsprechende Stelle überweisen.

HNPCC-/Lynch-Syndrom
Diese häufigsten Varianten einer erblichen Darmkrebserkrankung betreffen Menschen mit der Veranlagung für erblichen Darmkrebs ohne Polyposis, also ohne viele Polypen. Vereinfachend wird hier die Bezeichnung HNPCC-Syndrom als Oberbegriff verwendet.

Die Abkürzung HNPCC steht für erbliches, nicht polypöses Kolonkarzinom. H = hereditär oder erblich, NP = nicht Polyposis, CC = Kolonkarzinom. Aber: Aus jedem einzelnen Polyp kann Krebs werden.

Nachweismöglichkeiten der genetischen Faktoren betreffen hier das Tumorgewebe des Erkrankten und gegebenenfalls eine anschließende Untersuchung seines Blutes auf eine entsprechende Genmutation.

Dafür sollten spezielle Voraussetzungen erfüllt sein, die in den sogenannten Amsterdam-II- und den überarbeiteten Bethesda-Kriterien zur Diagnose des HNPCC festgehalten sind.

Diagnose HNPCC: Was heißt das für gesunde Verwandte?

Lässt sich ein HNPCC nachweisen, können sich auch gesunde Verwandte ersten Grades testen lassen. Voraussetzungen für den Gentest bei einer gesunden Risikoperson sind immer die zweifelsfrei nachgewiesene Genveränderung bei einem erkrankten Familienmitglied (das ist der sogenannte Indexpatient) sowie eine angemessene genetische Beratung möglichst vor dem 25. Lebensjahr. Auf dieser Basis kann jeder, im Allgemeinen ab dem 18. Lebensjahr, für sich selbst über den Gentest entscheiden – eingehend informiert und sorgfältig überdacht.

Ein richtungweisendes Testergebnis eröffnet dann die Chance einer vorsorgenden Früherkennung. Das Risiko, die Anlage geerbt zu haben, liegt bei 50 Prozent, wenn ein Elternteil das veränderte dominante (bestimmende) Genmerkmal besitzt. Das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, beträgt hier etwa 50 bis 70 Prozent.

Bei HNPCC kommen mitunter auch noch weitere bgeleitende Krebserkrankungen vor, zum Beispiel Magen- oder Dünndarmkrebs (vor allem im Zölffingerdarm), Krebs der ableitenden Harnwege, der Gebärmutter (Gebärmutterkörper- beziehungsweise Endometriumkarzinom; Häufigkeit: 20 bis 60 Prozent), Eierstockkrebs, Hautkrebs, selten auch bestimmte Hirntumoren.

Daher wird Merkmalsträgern eine intensivierte Krebsfrüherkennung empfohlen: jährliche körperliche Untersuchungen und Darmspiegelungen ab 25 Jahren, dazu ab 35 Jahren jährliche Magen- und Zwölffingerdarmspiegelungen. Eine vorbeugende Entfernung des Dickdarms (Kolektomie) beziehungsweise des Dickdarms/Mastdarms (Proktokolektomie) wird Trägern der HNPCC-Mutation nicht empfohlen.

Besonderheiten bei Frauen

Zusätzlich sind bei Frauen ab 25 Jahren jährliche gynäkologische Ultraschalluntersuchungen (sogenannte transvaginale Sonografien) und ab 35 Jahren jährliche feingewebliche Untersuchungen der Gebärmutterkörper-Schleimhaut vorgesehen.

Frauen, die ihre Familienplanung abgeschlossen haben, können sich mit den behandelnden Ärzten über die Möglichkeit einer vorbeugenden Entfernung der Gebärmutter und Eierstöcke beraten.

Was bedeutet Polyposis?

Polyposis heißt, dass im Darm, vor allem im Dickdarm, viele Polypen wachsen. Je nach Krankheitsbild – dabei geht es stets um erbliche Erkrankungen – können es weit über hundert sein.

Häufig entsprechen die Polypen zunächst gutartigen Adenomen. Die ererbten, manchmal auch spontan auftretenden Genveränderungen (Mutationen) setzen jedoch bestimmte Kontrollvorgänge in den Zellen der Polypen und anderen Körpergeweben außer Kraft.

Daher geht eine solche Polyposis unbehandelt praktisch immer in Krebs über, häufig schon in relativ jungen Jahren.

Zudem können noch weitere, auch bösartige Begleiterkrankungen auftreten. Umso wichtiger sind umfassende Früherkennungsuntersuchungen und, soweit möglich, Behandlungsmaßnahmen. 

Neben den Polyposen mit Adenomen gibt es noch andersartige, sehr seltene erbliche Polypenerkrankungen, die ebenfalls das Risiko für Darmkrebs und teilweise weitere Krebserkrankungen erhöhen. Sie haben häufig Eigennamen in Verbindung mit dem Wort "-Syndrom".

Typische Symptome fehlen bei Polyposis meist. Die Diagnose ist, sofern sie noch niemand in der Familie erhalten hat, daher oft ein Zufallsbefund. Erst im weiteren Verlauf können Beschwerden wie Stuhlunregelmäßigkeiten, Durchfall, Blut- und Schleimbeimengungen im Stuhl, Gewichtsverlust auftreten. Bei Begleiterkrankungen sind weitere Beschwerden möglich.

Familiäre adenomatöse Polyposis (FAP)
Bei der klassischen FAP bilden sich schon in jungen Jahren oft weit über hundert zunächst gutartige Polypen im gesamten Dickdarm (Polyposis). Varianten gehen mit weniger Polypen einher. Da aus den Polypen bei FAP nahezu ausnahmslos bösartige Veränderungen entstehen, sind intensive Vorsorge und Therapie hier lebensrettend.

Letztere besteht in einer vorsorglichen, die Kontinenz erhaltenden Entfernung des Dickdarms und Mastdarms (Proktokolektomie), im Allgemeinen nach Abschluss der Pubertät, aber – dies gilt als Orientierungswert – noch vor dem 20. Lebensjahr. Das heißt: Patienten mit klassischer FAP sollten auch unabhängig vom Ergebnis der Gentestung und wann immer möglich vorbeugend operiert werden.

Auch bei der FAP können in weiteren Organen gut- und bösartige Gewebeneubildungen auftreten, etwa im Zwölffingerdarm oder in der Schilddrüse, besonders bei Frauen. Dies wird bei der Früherkennung mit berücksichtigt. So wird FAP-Patientinnen ab dem 15. Lebensjahr zum Beispiel eine jährliche Sonographie der Schilddrüse angeboten.

Ließ sich bei einem Patienten mit gesicherter Diagnose die verantwortliche Genveränderung nachweisen, können sich auch blutsverwandte Familienmitglieder darauf untersuchen lassen: Auch hier besteht für die Nachkommen ersten Grades eines Erkrankten ein Risiko von 50 Prozent, die Anlage zu erben (autosomal-dominanter Erbgang).

Der Gentest kann im Rahmen einer umfassenden humangenetischen Beratung im Anwesenheit eines Erziehungsberechtigten ab dem 10. Lebensjahr durchgeführt werden.

Allen Verwandten ersten Grades, welche die Genveränderung im sogenannten APC-Gen tragen oder bei denen sich diese nicht ausschließen lässt, werden unbedingt jährliche Früherkennungsuntersuchungen in Form einer Rekto-Sigmoidoskopie, das heißt Spiegelung des Enddarms und des sich oberhalb anschließenden Sigmadarms (eine Art verkürzte Koloskopie) empfohlen. Dies möglichst schon ab dem Alter von zehn Jahren.

Bei bestimmten Mutationen oder sehr frühem Auftreten von Darmkrebs in der Familie oder bei verdächtigen Veränderungen mit möglichem Bezug zu einer FAP werden die Ärzte den Beginn der Vorsorge bereits zu einem früheren Zeitpunkt ins Auge fassen.

Treten Polypen (Adenome) auf, ist bis zum Zeitpunkt der Operation jährlich eine vollständige Dickdarmspiegelung dringend empfehlenswert.

Spezielle erbliche Polypenerkrankungen

Dabei geht es um die noch selteneren Fälle, bei denen andere erbliche Polypenarten vorliegen, sogenannte nicht-adenomatöse Polyposis-Syndrome. Sie beinhalten zum Beispiel Erkrankungen wie Peutz-Jeghers-Syndrom, familiäre juvenile Polyposis und Cowden-Syndrom. Erkrankte (und Anlageträger) haben ein erhöhtes Risiko für Dickdarmkrebs und weitere Tumoren.

Andere Risikokrankheiten

Auch Patienten, die eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung wie zum Beispiel eine Colitis ulcerosa haben, leben mit einem erhöhten Risiko für Darmkrebs. Zu den Vorsorgeempfehlungen finden Sie in den jeweiligen Abschnitten im Kapitel "Ursachen im Dickdarm, Mastdarm, Dünndarm" weitere Informationen.

Weitere Infos:

https://www.krebshilfe.de/helfen/rat-hilfe/familiaerer-krebs/zentren-fuer-familiaeren-darmkrebs/
https://www.gfhev.de/de/beratungsstellen/beratungsstellen.php
www.hnpcc.de
https://www.familienhilfe-polyposis.de
S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom, Januar 2019 (siehe Kapitel "Fachliteratur")

Analkanal: Das 4-Zentimeter-Ende der Verdauung

Der Analkanal ist auf seiner nur etwa vier Zentimeter kurzen Länge hoch empfindlich, leicht reizbar und verletzlich. Lästige Blutungsursachen gibt es viele, leider nicht nur harmlose.
Die wichtigsten sind Thema dieses Kapitels:

  • Hämorriden
  • Analvorfall und Mastdarmvorfall
  • Analvenenthrombose ("äußere Hämorriden")
  • Afterriss (Analfissur)
  • Analfistel und Analabszess
  • Krebs des Afters oder Analkanals: Anal(rand)karzinom

Andere Erkrankungen, die den Analbereich (mit-)betreffen können, wie zum Beispiel Entzündungen der Darmschleimhaut, erklärt das Kapitel "Ursachen im Dickdarm, Mastdarm, Dünndarm".

Volkskrankheit Hämorriden

Jeder Mensch verfügt über Blutgefäßpolster, die als Schwellkörper den Darmausgang ringsum fein abdichten. Aber Hämorriden?

Von Hämorriden spricht man, wenn die Schwellkörper vergrößert sind. Bereiten sie Beschwerden, liegt ein Hämorrhoidalleiden vor. Allein in Deutschland lassen sich geschätzt mehr als drei Millionen Menschen pro Jahr deswegen behandeln.

Zu den Ursachen für Hämorriden gehören anlagebedingte Bindegewebsschwäche, Alterungsvorgänge und möglicherweise die periodische Druckzunahme im Bauch bei chronischer Verstopfung. Allerdings kann auch die Neigung zu Durchfall das Risiko für Hämorriden erhöhen. Ein günstiger Einfluss durch ballaststoffbetonte Ernährung ist möglich, und sie wird nach wie vor empfohlen.

In der Schwangerschaft kann der Druck durch die größer werdende Gebärmutter zum Tragen kommen. Im Endeffekt ist es wohl so, dass die Verspannung und Aufhängung (Muskelfasern, elastisches Bindegewebe) der Blutgefäßpolster mit der Zeit nachgibt. Sie vergrößern sich und verlagern sich allmählich nach unten oder außen. Der Arzt unterscheidet ein einzelnes, mehrere oder ringsum vorfallende (zikuläre) Polster ("Knoten").

Hämorriden und andere krankhafte Veränderungen am Darmausgang beeinflussen sich gegenseitig. Im Zuge eines Hämorrhoidalleidens kann es zum Beispiel zu einer Entzündung im Analbereich kommen (sogenanntes irritativ-toxisches Analekzem).

Bei sichtbarem Blut am After oder auf dem Stuhl, und auch bei positivem Test auf unsichtbares Blut ist immer eine genaue Diagnose durch den Facharzt erforderlich. Je nachdem, wie tief Hämorriden in den Anakanal durchhängen oder aus dem After herausragen, werden vier Stadien unterschieden. Die Übergänge sind fließend.

Symptome: Häufigstes Symptom ist eine schmerzlose, vorübergehende Blutung, die sehr wechselhaft ist und phasenweise auftritt – meist während oder nach dem Stuhlgang. Das Blut ist eher hellrot, bedingt durch den arteriellen Zufluss in den Hämorridengefäßen, aber das ist nicht beweisend. Ist der Feinabschluss Feinkontinenz) am Darmausgang gestört, gehen verunreinigte Sekrete ab, es kann zu Stuhlschmieren kommen. Das reizt die Haut, die mit Juckreiz, Brennen und Nässen reagieren kann.

  • Hämorriden im Stadium 1 sind nur bei einer Spiegelung des Analkanals (Proktoskopie) sichtbar. Schon in dieser Phase sind jedoch neben leichten Blutungen auch Hautreizungen möglich.
  • Im 2. Stadium fallen die Hämorriden beim Stuhlgang vor, ziehen sich aber wieder von selbst zurück. Häufig geht dieses Stadium mit Blutungen und analem Druckgefühl einher und die Feinkontinenz kann gestört sein.
  • Im 3. Stadium können die Polster nach dem Stuhlgang nur noch mit dem Finger zurückgeschoben werden. Die Folgen sind der ständige Eindruck der unvollständigen Darmentleerung, ein Fremdkörpergefühl und Beschwerden durch den beeinträchtigten Feinverschluss.
  • Im 4. Stadium liegen die Hämorriden permanent außen. Manchmal sind sie von Analhaut bedeckt. Dann sprechen Ärzte auch von Analvorfall oder -prolaps (siehe unten). Die anale Verschlussfunktion versagt in diesem Stadium. Eine vorgefallene Hämorride kann eingeklemmt werden oder sich verschließen (Thrombose) – jeweils höchst schmerzhafte Ereignisse.

Diagnose: Stuhlunregelmäßigkeiten, Blut aus dem Darm oder im Stuhl (positives Testergebnis) und Beschwerden am Darmausgang sollten stets abgeklärt werden. Diagnostisches Rüstzeug sind der geschulte ärztliche Blick, auch bei der üblicherweise zunächst durchgeführten Proktoskopie beziehungsweise Anoskopie (Spiegelung des Analkanals und des unteren Mastdarms).

Zum Ausschluss anderer Darmerkrankungen folgen gegebenenfalls Maßnahmen wie im Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung" dieses Beitrags beschrieben, bei Patienten ab 40 Jahren eine Enddarmspiegelung (Rektoskopie) oder eine Dickdarmspiegelung (Koloskopie).

Therapie: Änderung des Lebensstils mit Umstellung der Ernährung (mehr Ballaststoffe, eventuell zusätzliche Anwendung von Quellmitteln wie zum Beispiel Flohsamen bei ausreichender Trinkmenge) und mehr Bewegung sind einen Versuch wert, um einen trägen Darm zu regulieren. Beim Stuhlgang sollte man sich angewöhnen, so wenig wie möglich zu pressen. Auch zu dünner Stuhl ist behandlungsbedürftig.

Diagnostiziert der Arzt ein Hämorrhoidalleiden, erfolgt die Therapie stadiengerecht. In den Stadien 3 und 4 bedeutet das im Allgemeinen einen Eingriff.

  • Im Stadium 1 kommen neben gründlicher Hautpflege und Sitzbädern (nicht mit Kamillenexktrakten) auch Salben, Cremes, Zäpfchen und Analtampons (Zäpfchen mit Mulleinlage) zum Zuge. Sie enthalten zum Beispiel pflanzliche Stoffe aus Hamamelis, die die Wundheilung fördern, sodann örtlich betäubende oder entzündungshemmende Wirkstoffe.

    Das kann die Symptome zwar lindern, die Hämorriden selbst aber nicht beheben. Infrage kommt außerdem eine Verödungsbehandlung (Sklerosierung).
  • Alternativ, vor allem aber im Stadium 2 und manchmal auch 3 können (insbesondere knotig) vergrößerte Hämorrhoidalposter mit Gummiringen abgebunden werden (sogenannte Gummibandligatur).

    Die Ringe werden oberhalb der Polster um die Knoten"hälse" gelegt, woraufhin das abgebundene Gewebe innerhalb weniger Tage zugrunde geht und abfällt. Es können mehrere Sitzungen erforderlich sein. Deutliche Besserung der Beschwerden ist so möglich, gelingt jedoch nicht immer.
  • Bestehen die Beschwerden trotz der Behandlung fort, ist eine Operation notwendig, im Stadium 3 und 4 praktisch immer. Es gibt verschiedene Techniken. Üblicherweise wird vergrößertes Hämorridengewebe entfernt (Fachbegriff: Hämorrhoidektomie, Segmentresektion).

    Je nach Handhabung des Wundverschlusses sprechen Proktologen von einem offenen oder geschlossenen Verfahren. Die sogenannte Hämorrhoidopexie mit dem Klammernahtgerät (Stapler, siehe unten, Analprolaps) wird vor allem bei einer bestimmten Form (zirkulärer Hämorrhoidalprolaps) im Stadium 3 angewandt.

Mehr zu diesem Thema im Ratgeber "Hämorriden".

Analvorfall, Mastdarmvorfall: Was nach innen gehört, stülpt sich nach außen

Bei einem Analvorfall (Analprolaps) erscheint Analhaut vor dem After. Hauptursache ist das Hämorrhoidalleiden Grad 3 oder 4 (siehe oben). Bei einem Mastdarmvorfall tritt Enddarmwand aus dem After hervor.

Der Analvorfall betrifft Gewebe im Analkanal unterhalb der Sägezahnlinie (siehe Kapitel "Wissenswertes über den Darm"). Oft ragt gleichzeitig ein Saum von Hämorriden mit heraus. Der Schließmuskel ist geschwächt oder wird im Laufe der Zeit geschädigt. 

Beim Mastdarmvorfall (Fachbegriff: Rektum- oder Enddarmprolaps) sackt der untere Mastdarm ab. Der vorfallende Darm kann sich nach innen einstülpen (innerer Vorfall, Fachbegriff: Rektumintussuszeption). Dies kann den Darmausgang ventilartig verlegen und die Stuhlentleerung behindern.

Es kann aber auch zum "Austritt" der Darmwand nach außen kommen, zunächst durch den Pressdruck beim Stuhlgang. Schreitet das Leiden fort, liegt das Darmgewebe auch ohne Pressen außen.

Schuld sind jeweils Umstände, die die Befestigung des Darmes schwächen. Zum Beispiel sind Frauen jenseits der 50 öfter davon betroffen, wenn ihr Beckenboden nach natürlichen Entbindungen oder Gewebeschwäche überdehnt ist.

Oder die zuständigen Nerven versagen: Einer der Gründe, weshalb das Leiden manchmal auch bei Kindern vorkommt. Eine weitere Ursache kann ein zu langer Darm sein, ein sogenanntes Colon elongatum oder Sigma elongatum (das Sigma ist der S-förmige untere Abschnitt des Dickdarms).

Chronische Verstopfung oder ständiger Durchfall wirken ebenfalls begünstigend. Auch Darmkrebs spielt eine Rolle.

Symptome: Beim Analvorfall kommt es zu sichtbaren Vorwölbungen, die von Analhaut bedeckt sind. Oft sind sie mit Hämorriden verbunden und können dann knotig aussehen. Dabei entsprechen die Symptome denjenigen beim Hämorrhoidalleiden im Stadium 3 oder 4. Die Analhaut fällt vor allem bei aktiver Darmtätigkeit oder beim Gehen, Pressen, Niesen oder Heben vor. Betroffene sprechen manchmal von einem "Wundsein" am After. Manche von ihnen schieben, so lange es geht, geduldig das Gewebe immer wieder manuell nach innen zurück. Bei Inkontinenzbeschwerden, die meist nicht ausbleiben – Stuhlschmieren, Flüssigkeit und Darmgasen – wird die Geduld jedoch auf eine harte Probe gestellt. Eine mögliche Komplikation (Notfall!) ist die Abschnürung des nach außen verlagerten Gewebes.

Bei einem Mastdarmvorfall leiden die Betroffenen oft unter Verstopfung, da die Analpassage behindert wird, etwa bei einem inneren Vorfall.

Tendiert der Vorfall nach außen, wird er meist nur beim Pressen sichtbar. Wenn die Haltemuskeln überdehnt sind und der Analverschluss versagt, befindet sich vorgefallenes Gewebe auch ohne Pressen außerhalb des Darmausgangs. Die Betroffenen spüren ein ständiges Gefühl der unvollständigen Entleerung. Inkontinenz-Beschwerden und Absonderungen von Blut und Schleim durch Entzündungen der Schleimhaut gehören bei Darmvorfällen zu den führenden Symptomen.

Ein Geschwür, bei Mastdarmvorfällen ein häufiger Begleiter, muss der Arzt sorgfältig untersuchen, um keine andere Krankheit zu übersehen.

Diagnose: Zum Analvorfall siehe oben unter Hämorriden (Stadien 3, 4). Auch beim Mastdarmvorfall kann der Arzt oft eine erste Blickdiagnose stellen. Im Zweifelsfall kann ein Pressmanöver das Problem zutage fördern. Oftmals ist nach der Austastung noch eine Spiegelung des Analkanals, Mastdarms, gegebenenfalls auch des gesamten Dickdarms nötig, um einen Tumor oder andere Erkrankungen auszuschließen. Ebenfalls oft dienlich ist eine Ultraschalluntersuchung (Endosonografie) über den Enddarm. Der Ablauf der Darmentleerung kann mittels Defäkografie nachvollzogen werden. Das ist eine spezielle Kontrastmitteluntersuchung, die krankhafte Veränderungen wie Einstülpungen oder Aussackungen im Enddarm aufzeigt.

Therapie: Bei einem Analprolaps mit gleichzeitigem Hämorrhoidalvorfall bietet sich manchmal eine Gummibandligatur an. Das Gewebe vernarbt und verwächst mit der Unterlage. Ansonsten siehe oben, Hämorriden.

Mastdarmvorfall: Die Behandlung reicht von der Stuhlregulierung bis zur Operation, bei der auch minimal-invasive Wege wie zum Beispiel eine Bauchspiegelung beschritten werden. Das Vorgehen hängt davon ab, wie stark der Vorfall und die Symptomatik ist und wie gut die Aufhängung des Darms also noch funktioniert. Bei einem kompletten Vorfall, erst recht bei einer damit verbundenen Notfallsituation, wird immer operiert.

Beispiele: Beim Zugang von unten (perineale Technik) wird die überhängende Schleimhaut des Mastdarms abgelöst, die Muskelwand durch Nähte gestrafft und innerlich befestigt. Bei der transabdominalen Technik über den Bauch (Laparoskopie) kann der Mastdarm freigelegt, gestrafft und befestigt werden (Rektopexie). Eventuell kürzt der Chirurg dabei den unteren Dickdarm (das Sigma) etwas.

Bei einer Einklemmung – dies gilt de facto für alle Arten von "Vorfällen" im Anorektalbereich – operiert der Arzt in der Regel notfallmäßig sofort und trägt geschädigtes Gewebe ab.

Afterriss (Analfissur): Extrem schmerzhaft

Die innere Analhaut ist hochempfindlich. Unter ungünstigen Bedingungen kann sie spontan einreißen (primäre Fissur). Nach Operationen kommen Fissuren in Narben vor, da das Gewebe weniger elastisch ist. Auch bei anderen Krankheiten des Darms und der Analhaut sind Risse möglich.

Wenn Analhaut spontan einreißt, so ist meistens ein Missverhältnis zwischen der Dehnbarkeit des Analkanals und dem Inhalt verantwortlich. Die genauen Ursachen sind unklar. Begünstigend sein können sowohl ein zu dünner als auch ein zu fester Stuhl (primäre Fissur), ebenso Hämorriden oder andere Erkrankungen des Darms beziehungsweise der Analregion, darunter chronische Hauterkrankungen (sekundäre Fissur).

Typischerweise liegen Fissuren "rückseitig", in Richtung Steißbein. Untypische befinden sich vorne, seitlich oder gleich an mehreren Stellen im After.

Symptome: Es treten heftige, stechende, reißende anale Schmerzen auf, insbesondere beim Stuhlgang. Die Schmerzen begünstigen eine Verkrampfung des inneren Schließmuskels und können eine bis zwei Stunden anhalten. Das begünstigt eine schon bestehende Verstopfung und weiteres Einreißen der Schleimhaut. Auf dem Stuhl oder am Toilettenpapier findet sich immer wieder helles Blut. Juckreiz, Nässen und eine stärkere Entzündung oder Veränderung der Afterhaut sind mögliche Folgen.

Diagnose: Der Arzt kann eine Fissur manchmal schon von außen erkennen, wenn er die Afterhaut etwas spreizt. Falls zu schmerzhaft, und das ist meist der Fall, geschieht es gleich zusammen mit der Austastung beziehungsweise Proktoskopie in örtlicher Betäubung.

Bei chronischen Fissuren dauern die Beschwerden länger als sechs bis acht Wochen. Es bildet sich ein wulstiger Rand mit einer sich nach außen vorwölbenden Hautfalte (Vorpostenfalte, auch sekundäre Mariske) und einer entzündlichen inneren Verdickung (hypertrophe Analpapille), die von oben auf die Fissur drücken und die Schmerzen verstärken kann. Chronische Fissuren haben manchmal auch einen geschwürigen Charakter. Aus einer begleitenden Fistel kann sich Eiter entleeren.

Der Arzt wird immer genauer nach weiteren krankhaften Befunden schauen, etwa nach Öffnungen von Fistelgängen (siehe weiter unten). Insbesondere wird er eine chronische Fissur von anderen Erkrankungen abgrenzen, zum Beispiel von einer chronisch entzündlichen Darmkrankheit wie Morbus Crohn (siehe Kapitel "Ursachen im Dickdarm, Mastdarm, Dünndarm").

Therapie: Bei Einrissen ohne sonstige krankhafte Ursachen (primäre akute Fissuren) ist der Hauptansatz eine gute Stuhlregulierung durch ausreichende Trinkmengen, ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung und regelmäßige Bewegung. Darunter kann die Fissur spontan abheilen. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass sie wieder auftritt. Infrage kommt auch eine örtliche Salbenbehandlung mit Glyceroltrinitrat (Zubereitung mit 0,2% Wirkstoffgehalt; mögliche Nebenwirkung: Kopfschmerzen) oder mit einem Kalziumantagonisten. Dadurch kann sich der Schließmuskel entspannen.

Denn die Heilung ist erschwert, wenn die Schließmuskulatur sich wegen der Schmerzen verkrampft und das Gewebe so schlechter durchblutet wird.

Der Ratgeber "Analfissur (Afterriss)" informiert Sie ausführlicher.

Analfistel und Analabszess

Fisteln sind krankhafte Gangverbindungen zwischen normalerweise nicht verbundenen Hohlorganen, etwa Darm und Blase. Oder zwischen einem Hohlorgan und seiner Umgebung, etwa Darm und Haut. Mitunter kann es zu einem Abszess kommen, einer eitrigen Gewebeeinschmelzung, oder die Fistel wird chronisch.

Ausgangspunkt eines Abszesses im Analbereich sind meist die Analdrüsen, die sogenannten Proktodäaldrüsen. Wenn sie mit Haut- und Darmkeimen infiziert sind, sich entzünden und verstopfen, kann sich Eiter anstauen.

Der beansprucht Platz und breitet sich meist in Spalten zwischen den Afterschließmuskeln oder zwischen den Gesäß- und Beckenmuskeln aus.

Manchmal bildet sich eine sogenannte kryptoglanduläre Fistel, ein röhrenförmiger Gang mit einer Öffnung außen auf der Haut oder innen im Analkanal oder Mastdarm.

Über die Öffnung entleeren sich Eiter und Drüsensekrete. Der Gang kann sich auch verzweigen und an einer Stelle blind in der Tiefe enden.

Fistel und Abszess sind letztlich zwei unterschiedliche Formen desselben Entzündungsvorgangs. Da der Weg zur Schließmuskulatur im Analbereich kurz ist, führen anale Abszesse und Fisteln häufig zu Kontinenzproblemen. Fisteln kommen auch häufiger bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen vor, insbesondere bei Morbus Crohn.

Daher wird der Arzt einen Betroffenen immer auf diese Darmentzündung hin untersuchen (mehr über das Krankheitsbild im Kapitel "Ursachen im Enddarm, Dickdarm, Dünndarm"). Weitere Ursachen für Fisteln im Analbereich: Immunschwäche, Diabetes mellitus, vorausgehende Operationen an Beckenorganen, etwa dem Mastdarm, eingedrungende Fremdkörper, bakterielle Entzündungen im Haut- und Haarbereich (siehe unten: Akne inversa, Pilonodalsinus).

Symptome: Hauptsymptome einer Analfistel sind vor allem Juckreiz, Nässen, Absonderung von Eiter. Gelegentlich tritt auch blutiges Sekret aus. Die Sekretabsonderung führt oft zu starken Reizungen der Aftergegend. Eventuell kommt es zu Schmerzen nach dem Stuhlgang.

Analabszesse betreffen Männer häufiger als Frauen. Beschwerden können starke Schmerzen in der Analgegend, eine Schwellung und Rötung der Haut, Krankheitsgefühl, bei bestimmten Abszesslagen vor allem Krankheitsgefühl und Fieber sein.

Der Abszess kann sich über eine Fistel mit Ausgang "Luft schaffen" und sich so spontan entleeren, sei es auf der Haut in der Aftergegend, sei es innen im Darm. Die Beschwerden lassen dann nach. Manchmal sind Fisteln eher beschwerdearm, vor allem solange sich kein wegbereitender Abszess bemerkbar gemacht hat. Ein akuter Abszess ist immer ein Notfall.

Diagnose: Aufschluss geben dem Arzt die körperliche Untersuchung und / oder Austastung des Enddarms. Über Lage und Ausdehnung von Fistelgängen oder eines Abszesses informieren eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) über den Enddarm (transrektale Endosonografie). Bei Bedarf wird eine Magnetresonanztomografie des Beckens herangezogen.

Während eines operativen Eingriffs zur "Sanierung" einer Fistel kann in Narkose zunächst vorsichtig eine Sondierung oder Anfärbung der Fistel versucht werden, um den Fistelverlauf besser verfolgen zu können.

Ein Abszess kann äußerlich sichtbar und als Verhärtung oder "teigige", schmerzhafte Geschwulst tastbar sein. Ein solcher Tasteindruck kann im Falle eines inneren Abszesses manchmal auch beim Austasten des Enddarms entstehen. Findet ein Analabszess Platz in Muskellücken im Gesäßbereich, ist er nicht tastbar, lässt sich aber mit einem bildgebenden Verfahren erkennen.

Achtung: Fisteln und Abszesse im Analbereich können auch durch eine Entzündung der Talgdrüsen und Haarbälge bei der sogenannten Akne inversa oder als sogenannter Pilonidalsinus entstehen. Sie haben jedoch keine Verbindung zum Darm und werden zu den Hautkrankheiten gerechnet. In die Behandlung sind oft Chirurgen einbezogen.

Die Abzesse sind äußerlich als geschwollene, dunkel verfärbte Hautareale, der Pilonidalsinus als pickelartige Geschwulst am Steißbein, ein davon ausgehendes Fistelsystem manchmal nur als Pore ("pit") in der Gesäßfalte sichtbar. Abszesse durch Akne werden operativ entfernt. Auch beim Pilonidalsinus ist die Behandlung in der Regel operativ (erst Entlastung durch Eröffnung, später Fistelentfernung).

Im Ratgeber "Analfistel" können Sie sich ausführlicher informieren.

Analvenenthrombose alias "äußere Hämorriden"

Das Krankheitsbild wird gelegentlich mit Hämorriden verwechselt. Es handelt sich dabei aber um einen Verschluss (Thrombose) oberflächlich unter der Haut liegender Venen am Analrand.

Bei einer Analvenenthrombose schwillt der Darmausgang an (perianales Hämatom): Blutpfropfen verstopfen Venen unter der Haut am und um den After. Zu den Ursachen zählen Stuhlveränderungen, vermehrter Druck im unteren Becken, zum Beispiel in der Schwangerschaft, und Verkrampfungen der Schließmuskeln am After (Sphinkterspasmus, siehe auch weiter unten unter "Analfissur").

Manchmal ist statt von Analvenenthrombosen von "äußeren Hämorriden" die Rede, obwohl es diese per se nicht gibt. Das Krankheitsbild ist harmlos. Allerdings kann auch in einer Hämorrride eine Thrombose entstehen (siehe oben). Die Unterscheidung ist nicht immer einfach, vor allem wenn die Thrombose eine vorgefallene Hämorride betrifft. Die (konservative) Behandlung ist ähnlich, wobei bei der Hämorride die manuelle Rückverlagerung

Symptome: Analvenenthrombosen machen sich mit plötzlichen Schmerzen außen am After bemerkbar. Es bilden sich bläulich schimmernde Knoten, ähnlich einem Bluterguss, und Schwellungen. Wenn sich ein Geschwür oder ein Einriss entwickelt hat, kann es bluten. Das Blut ist eher dunkelrot.

Diagnose: Die Blickdiagnose des proktologisch erfahrenen Arztes genügt. Bei Verdacht auf weitere Probleme am Darmausgang oder im Darm siehe Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung".

Therapie: Oft wird zunächst ein Behandlungsversuch mit örtlich kühlenden Sitzbädern, Weichermachen des Stuhls durch ausreichende Trinkmengen und ballaststoffreiche Ernährung sowie Anwendung entzündungs- oder schmerzlindernder Zäpfchen unternommen.

Wichtig ist auch, sich körperlich zu schonen. Wenn sich die Thrombose nicht zurückbildet, ein Druckschmerz und Schwellungsgefühl weiterbestehen, kann (maximal innerhalb der ersten vier Tage) der noch frische Pfropf durch einen kleinen Einschnitt in örtlicher Betäubung herausgepresst werden.

Analkrebs: Krebs des Afters (Analrandkarzinom) und des Analkanals (Analkanalkarzinom)

Analkarzinome kommen viel seltener vor als Dickdarm- oder Mastdarmkrebs, zeigen allerdings eine zunehmende Tendenz.

Analrandtumoren entstehen meist auf bereits erkrankter Haut, etwa im Umfeld von Feigwarzen (Kondylome, Verursacher sind Humane Papillom-Viren, kurz HPV, meist vom sogenannten Niedrig-Risiko-Typ), Akne inversa (siehe oben unter Perianalabszess), Knötchenflechte (auch Lichen ruber planus, eine chronische, entzündliche, oft juckende Hauterkrankung) oder von Morbus Crohn im Analbereich. Auch im Analkanal entstehende  Tumoren sind vielfältig, denn die innere Auskleidung unterhalb der Mastdarmschleimhaut  der besteht aus zwei verschiedenen Zellarten. Feingeweblich überwiegen Karzinome vom "Plattenepithel"-Typ. Karzinome sind bestimmte Krebsarten der Haut und Schleimhäute.

Ein Analkarzinom kann in die Tiefe wachsen, den Schließmuskel, die Blase, bei der Frau auch die Scheide, beim Mann die Prostata erreichen und Lymphknoten befallen, zum Beispiel in der Leiste.

Veränderungen am Analrand fallen in das Ressort des Hautarztes (Dermatologen). Oberhalb davon liegende Tumoren des Analkanals behandeln Proktologen (Enddarmspezialisten), Chirurgen und spezialisierte Krebsmediziner (Onkologen) in abgestimmter Form.

Symptome: Es findet sich ein störender, warzenähnlicher, hautfarbener oder rötlicher Knoten am Analrand oder im Analkanal. Im Allgemeinen wächst der Tumor langsam, im Laufe von Monaten.

Die Betroffenen klagen über Blutungen, Juckreiz, Nässen, Schmerzen, eventuell auch Probleme mit der Kontinenz.

! Wichtig: Lassen Sie Veränderungen am Darmausgang vom Arzt, etwa einem Hautarzt, eventuell auch von einem Proktologen untersuchen. Erster Ansprechpartner kann der Hausarzt sein. Krebspatienten sollten sich in einem entsprechenden Zentrum betreuen lassen, in dem spezialisierte Fachärzte zusammenarbeiten.

Diagnose: Der Arzt untersucht den Patienten körperlich und betrachtet den Darmausgang. Eventuell stößt er bei der Untersuchung auf begleitende gutartige Veränderungen wie die schon genannten Feigwarzen, Hämorriden oder Fisteln.

Eine rektale Tastuntersuchung sowie die Spiegelung des Analkanals und unteren Enddarms (hochauflösende Anoskopie), gegebenenfalls auch eine Enddarmspiegelung (Rektoskopie) kann weiteren Aufschluss geben.

Dysplasien können sich als weißliche, rötliche, schuppende oder rissige Plaques zeigen. Weitere Informationen ergibt ein Zellabstrich, bei Bedarf auch eine Gewebeprobe aus dem veränderten Bereich.

Eine Ultraschalluntersuchung des Anakanals/Mastdarms von innen (Endosonografie) und eine Sonografie der Leistenlymphknoten ergänzen die Befunde. Die Lymphknoten im unteren Becken sind in einer Computertomografie oder Magnetresonanztomografie erkennbar.

Therapie:

Vorstufe intraepitheliale Neoplasie (Dysplasie): Die Zellveränderungen können abgetragen werden (ablative Therapie), zum Beispiel chirurgisch, mit Hochfrequenzstrom oder anderen Verödungstechniken. Auch chemische (topische) Behandlungsmethoden sind.

Die chirurgische Exzision hat den Vorteil, dass das entfernte Gewebe mikroskopisch untersucht werden kann. Ist es zu ausgedehnt, setzen Ärzte zum Beispiel 5-Fluorouracil (5-FU) örtlich ein. Zwar liegen zahlreiche Studienergebnisse, aber keine aktuellen Leitlinienempfehlungen für die Therapie von Analkrebs und seine Vorstufen vor.

Analrandkrebs: Dieser wird, wenn möglich, mit einem ausreichend großen Saum gesunden Gewebes entfernt. Das kommt nur für kleine, zelltypisch ausgereifte Geschwülste infrage. Andernfalls wird eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie durchgeführt.

Diese ist beim Analkanalkarzinom der Standard. Diese Tumoren werden nicht örtlich abgetragen.

Falls der Tumor nicht auf diese Therapie anspricht, besteht die Option einer Operation; meist bleibt dann keine andere Wahl, als einen künstlichen Darmausgang anzulegen.

! Achtung: Ein maßgeblicher Risikofaktor für die Entstehung von Analkarzinomen sind sexuell übertragene Infektionen mit Humanen Papillomviren HPV) vom Hochrisiko-Typ. Sie gelten als krebserregend.

HPV gehören zu den am weitesten sexuell verbreiteten Erregern überhaupt. HIV-positive Patienten (HIV, das Humane Immunschwäche-Virus, verursacht Aids) haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Analkrebs, wenn sie an einer entsprechenden Krebsvorstufe (hochgradige anale Dysplasie, auch intraepitheliale Neoplasie) erkrankt sind.

Diese wird überwiegend durch eine Infektion mit einem Hochrisiko-HPV-Virus verursacht und entsteht, wenn der Körper das Virus nicht eliminiert. Dies ist bei Immunschwäche häufig der Fall.

Die Krebsentwicklung erfolgt dann deutlich schneller und meist in einem jüngeren Alter.

Vorbeugen ist möglich: Durch eine gute Sexualhygiene, vor allem Gebrauch von Kondomen, und eine Impfung gegen sogenannte Hochrisiko-Viren vom HPV-Typ, lässt sich das Risiko für Analkrebs und zum Beispiel auch Gebärmutterhalskrebs senken.

Die Impfung wird Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren empfohlen. Die Impfung solte idealerweise vor der ersten Aufnahme von Sexualkontakten erfolgt sein. Wurde sie versäumt, kann sie bis zum Alter von 17 Jahren (vor dem 18. Geburtstag) nachgeholt werden.

Impfseiten des Robert Koch Instituts: HPV-Impfung

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/H/HPV/Papillomaviren.html?cms_box=1&cms_current=Humane+Papillomviren+%28HPV%29&cms_lv2=2382776

In diesem Kapitel geben wir Ihnen einen Überblick über die nachfolgend gelisteten Krankheiten, die als mögliche Ursachen von Darmblutungen infrage kommen können:

  • Dickdarmdivertikel
  • Darmpolypen
  • Darmkrebs (vor allem Mastdarmkrebs, aber auch Dickdarmkrebs: Kolorektale Karzinome)
  • Darmentzündungen: Mastdarmentzündung (Proktitis und mehr), Dickdarmentzündung (infektiöse Kolitis / Enterokolitis), Darmentzündungen durch Antibiotika, chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn, Mastdarmgeschwür, Diversionskolitis, Pouchitis, Cuffitis
  • Dünndarm: Meckel-Divertikel, Tumoren, Invagination

Dickdarmdivertikel: Grübchen in der Darmwand

Divertikel sind Ausstülpungen im Darm an Stellen, wo Blutgefäße durch die Darmwand ziehen. Hier ist die Darmmuskulatur schwächer.

Divertikel kommen im Dünndarm (siehe unten, Abschnitt: Meckel-Divertikel), vor allem aber im Dickdarm vor. Hier sind es meist sogenannte Pseudodivertikel. Dabei stülpt sich nur die Schleimhaut durch die Muskellücke nach außen vor. Sackt die gesamte Darmwand an der Schwachstelle durch, spricht man von kompletten Divertikeln.

Reizlose Divertikel verursachen meist keine Beschwerden. Mitunter kommt es anhängig vom Essen zu Bauchschmerzen, vor allem im linken Unterbauch, die nach Darmentleerung wieder abklingen.

Der Arzt kann die Ausstülpungen im Dickdarm zum Beispiel bei einer Darmspiegelung feststellen. Die sogenannte Divertikulose – dabei häufen sich Divertikel stellenweise  – nimmt im Alter zu: Mehr als jeder zweite über 70 Jahren ist davon betroffen. Bereiten sie stärkere Beschwerden, etwa aufgrund einer Entzündung (symptomatische Divertikulitis), liegt eine Divertikelkrankheit vor.

Obwohl die Divertikel hauptsächlich den unteren Dickdarm auf der linken Bauchseite – und hier das S-förmige Sigma – betreffen (der Mastdarm bleibt üblicherweise ausgespart), ereignen sich Divertikelblutungen eher im Anfangsteil des Dickdarms. Er heißt Zökum, ist der eigentliche Blinddarm und liegt im rechten Unterbauch. Divertikel sind dort meist etwas größer, gewissermaßen komplett, und damit auch kräftiger durchblutet.

Divertikel – ob Divertikulose oder Divertikulitis – gelten als häufigste Ursache für Darmblutungen, insbesondere starke. Auslösend sind unter anderem erhöhter Druck im Darminneren und Dehnung des betroffenen Darmabschnitts, etwa bei chronischer Verstopfung. Weitere Risikofaktoren für eine Divertikelblutung: Gefäßerkrankungen wie die Arteriosklerose (Gefäßverkalkung), Bluthochdruck und regelmäßige Einnahme bestimmter Medikamente, etwa entzündungshemmender Arzneien wie sogenannte Cox-Hemmer oder nicht steroidale Antirheumatika.

Symptome: Divertikelblutungen ohne weitere Krankheitskomplikationen sind schmerzlos, können aber erheblich sein – mitunter so stark, dass ein Notfall vorliegt. Häufig bluten sie nur vorübergehend und kommen von selbst wieder zum Stillstand. 

Diagnose und Therapie: Der oder die Betroffene soll in eine Klinik gebracht werden. Häufig kommt die Blutung nach Ruhigstellung des Darmes durch vorübergehende künstliche Ernährung von selbst zum Stillstand.

Wenn die Umstände es erlauben, wird der Arzt eine Darmspiegelung durchführen, um die Blutungsquelle zu lokalisieren und sie, falls möglich, gleich zu stillen. Im selben Zug kann er andere mögliche Darmerkrankungen ausschließen.

Bei stärkerer Blutung wird häufig eine Gefäßdarstellung mittels Kathetertechnik und Computertomografie (Angiografie) angestrebt. Ein Katheter ist ein dünnes, langes Röhrchen aus Kunststoff, über das Medikamente, feine Instrumente oder auch Ballons zum Auffalten am Zielort platziert werden können. So ist mittels Katheter eine Blutstillung möglich, indem das Gefäß verschlossen wird.

Wenn dies nicht gelingt oder es wiederholt blutet, ist in der Regel eine Operation nötig. Falls die Blutungsquelle verborgen bleibt, wird möglicherweise ein größerer Darmabschnitt entfernt. Dabei kann der natürliche Darmausgang meist erhalten bleiben.

! Wichtig für Betroffene: Eine gesunde, faserreiche und ausgewogene Ernährung kann die Darmtätigkeit unterstützen und die Gefäße schonen. Dabei haben Gemüse und Obst (Empfehlung: fünf Portionen täglich) Vorrang vor Fleisch, verarbeiteten Fleischprodukten, fetten und salzigen Speisen und Süßigkeiten. Auch ausreichend körperliche Bewegung, eine halbe bis eine Stunde täglich, tut dem Darm gut. Die Flüssigkeitsaufnahme sollte ebenfalls stimmen. Richtwert: mindestens eineinhalb Liter täglich (bei Herz- und Nierenkrankheiten mit dem Arzt besprechen). Rauchverzicht und Zurückhaltung beim Alkohol sind der Gesundheit grundsätzlich förderlich.

Bei deutlichen Arterioskleroserisiken wird der Arzt Medikamente für das Herz-Kreislauf-System und den Fettstoffwechsel verordnen, um die Gefäße noch besser zu schützen und die Durchblutung zu verbessern. Bei gleichzeitig erhöhter Blutungsgefahr wird er gegebenenfalls jedoch abwägen, die Behandlung anzupassen. Darüber sollten die zuständigen Fachärzte – Magen-Darm- und Herzkreislaufspezialisten – zusammen entscheiden.

Ausführliche Informationen im Ratgeber "Divertikel im Darm / Divertikulitis".

Darmpolypen: vielfältige Geschwülste

Darmpolypen sind Geschwülste der Darmschleimhaut. Insbesondere Polypen vom Typ der Adenome gelten als Krebsvorläufer. Ihre Entfernung ist effektive Krebsvorbeugung.

Polypen sind vielfältig: Sie können leicht erhaben oder knollen- bis pilzartig gewölbt sein, breitbasig aufsitzen oder an einem Stiel hängen. In feingeweblicher Hinsicht gibt es hyperplastische und entzündliche Schleimhautpolypen, polypartige Veränderungen unterhalb der Schleimhaut, Hamartome und schließlich neoplastische Polypen: die genannten Adenome.

Bei den Adenomen existieren wiederum mehrere Formen. Sie neigen in unterschiedlichem Maße zu Unregelmäßigkeiten im Zellaufbau (Dysplasien). Mit der Zeit können sie auch entarten.

Insbesondere Adenome im Dickdarm können gehäuft oder in großer Zahl (Polyposis) – weit über hundert oder gar tausend – auftreten. Das beruht auf erblichen Genveränderungen und birgt ein hohes Krebsrisiko schon in jüngeren Jahren. Zu den entsprechenden Erbkrankheiten wie familiäre adenomatöse Polyposis (FAP) und nicht polypöser Darmkrebs, Typ HNPCC, siehe Abschnitte "Krebsfrüherkennung" im Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung". Polypen können übrigens im gesamten Magen-Darm-Trakt vorkommen.

Symptome: Im Allgemeinen bereiten Darmpolypen keine Beschwerden. Oft werden sie überhaupt erst bei der Darmspiegelung festgestellt, sei es im Rahmen der Krebsfrüherkennung und/oder weil beim Stuhlbluttest (siehe wiederum Kapitel "Diagnose; Krebsfrüherkennung") Blut nachgewiesen wurde. Fortgeschrittene Polypen oder Polypen in großer Zahl können allerdings Stuhlunregelmäßigkeiten, auch Blut- und Schleimauflagerungen auf dem Stuhl, verursachen.

Diagnose: Der Arzt erkennt Polypen bei der Darmspiegelung (Endoskopie: Rektoskopie, Sigmoidoskopie und Koloskopie).

Therapie: Ein Polyp wird in der Regel vollständig entfernt und feingeweblich aufgearbeitet. Seine Form und Größe entscheidet darüber, ob dies gefahrlos bei der Darmspiegelung möglich erscheint.

Das weitere Vorgehen richtet sich nach der Lage im Darm, der feingeweblichen Analyse und dem dabei ermittelten Risikoprofil des Polypen. Dazu gehört auch die Zahl vorhandener und entfernter Polypen sowie ihre Größe.

Enthält ein Darmpolyp Krebszellen, so hängt die anschließende Behandlung unter anderem davon ab, welches Tumorstadium vorliegt und ob das Gebilde vollständig abgetragen wurde. Das Tumorstadium wird anhand ergänzender Untersuchungen bestimmt. Die nachfolgenden Kontrollen richten sich nach der genauen Diagnose und durchgeführten Therapie.

Darmkrebs (Kolorektales Karzinom)

Mastdarmkrebs betrifft das durchschnittlich 16 Zentimeter lange Endstück des Darms, Dickdarmkrebs alle höher gelegenen Abschnitte des Dickdarms (Kolons). Sichtbares Blut kommt bei Mastdarmkrebs deutlich häufiger vor als bei Dickdarmkrebs.

In Deutschland ist Darmkrebs eine der führenden Krebserkrankungen. Jährlich erkranken etwa 64.000 Menschen daran. Ab 40 bis 50 Jahren steigt die Häufigkeit an. Hauptrisikofaktoren sind Polypen (Adenome, insbesondere erbliche Formen). Ballaststoffarme Ernährung, Verzehr von viel rotem Fleisch und daraus verarbeiteten Produkten, deutliches Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen, Alkoholkonsum und chronisch entzündliche Darmerkrankungen (siehe unten) sind weitere Risikofaktoren.

Symptome: Frühe Symptome fehlen bei Darmkrebs meist. Leitsymptome im weiteren Verlauf sind Blut- und Schleimauflagerungen auf dem Stuhl, Wechsel zwischen Verstopfung und Durchfall, später Entleerung eines bleistiftdünnen Stuhls, ungewollter Gewichtsverlust, eventuell auch Kreuzschmerzen, Müdigkeit und Fieber. Blutbeimischungen im Stuhl sowie schmerzhafter und häufiger Stuhldrang können bei Mastdarmkrebs (Rektumkarzinom) häufiger vorkommen als bei Krebs im übrigen Dickdarm. Es sind aber keine spezifischen Symptome, da sie auch bei anderen Enddarmerkrankungen auftreten können.

Diagnose: Bei der Abklärung der Beschwerden stehen die Austastung des Enddarms und endoskopische Darmuntersuchungen wie eine Koloskopie mit Entnahme von Gewebeproben aus auffälligen Veränderungen im Vordergrund. Ergibt der Befund Darmkrebs, sind weitere Untersuchungen notwendig, um das Krankheitsstadium und entsprechend die Therapie festzulegen. Sie beinhalten eine Blutanalyse, Röntgenaufnahmen der Lungen und eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) des Bauches, bei Mastdarmkrebs außerdem eine Rektoskopie sowie eine Comptertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) der Beckenorgane, um die nähere Umgebung zu überprüfen. Bei sehr kleinen Mastdarmtumoren im Frühstadium kann dazu auch eine Endosonografie genügen.

Therapie (Beispiel: Mastdarmkrebs): Sie richtet sich nach der Größe und Lage des Tumors – tiefer, mittlerer oder hoher Sitz im Mastdarm –, nach dem Krankheitsstadium und genauen Profil der Tumorzellen.

Der Chirurg entfernt den erkrankten Darmabschnitt möglichst komplett – einschließlich der versorgenden Blutgefäße, Lymphbahnen und einer bestimmten Anzahl von Lymphknoten.

Ziel ist, das für die Heilung notwendige Ausmaß des Eingriffs ("Radikalität") bestmöglich mit dem Erhalt der natürlichen Schließfähigkeit am Darmausgang, das heißt Schonung der zuständigen Muskeln und Nervenbahnen, in Einklang zu bringen. Vorrang hat natürlich immer die Sicherheit.

Dabei spielt der Mindestanteil gesunden Gewebes, das mitentfernt werden kann (Sicherheitsabstand), eine wichtige Rolle. In den Entscheidungsprozess über das empfehlenswerte Vorgehen wird der Patient selbstverständlich von Anfang an mit einbezogen.

Es stehen verschiedene Operationstechniken zur Verfügung, auch mittels Bauchspiegelung (laparoskopisch, sogenannte Schlüssellochchirurgie). Manchmal sind größere Bauchschnitte oder ein zusätzliches Vorgehen von unten, über den Damm, notwendig.

Wenn der natürliche Darmausgang geschont werden kann, der Mastdarm ansonsten aber tief weggenommen werden muss, kann ersatzweise eine innere Auffangvorrichtung für den Darminhalt aus Darmschlingen, ein sogenannter Pouch (siehe weiter unten), aus körpereigenem Gewebe (Darmschlingen) angelegt werden.

Sind jedoch Sicherheitsabstand und Kontinenzfunktion nicht gesichert, muss der Chirurg nach Entfernung des unteren Darmanteils einen künstlichen Darmausgang (Stoma) schaffen.

Dieser kann manchmal auch zur vorübergehenden Entlastung sinnvoll sein, wenn erst im zweiten Schritt die eigentliche Krebsoperation stattfindet oder um Komplikationen abzuwenden. Krebsgeschwülste im Mastdarm, auch größere, werden inzwischen zunächst meist mit einer Bestrahlungsbehandlung, häufig auch kombiniert mit einer Chemotherapie (Radiochemotherapie), verkleinert und erst dann operiert.

Diese kombinierte Behandlung noch vor der Operation (neoadjuvante Therapie) gehört heute zu den Therapiestandards bei Mastdarmkrebs. Teilweise können Tumoren dadurch sogar zum Verschwinden gebracht werden, sodass sie nicht operiert werden müssen.

Ansonsten findet die Operation sechs bis acht Wochen später statt. Bei erhöhtem Risiko für ein Wiederauftreten des Tumors kann sich nach der Operation nochmals eine Radio-Chemotherapie anschließen (adjuvante Therapie).

In bestimmten Fällen wird ohne Vorbehandlung operiert und danach eine (adjuvante) Radio-Chemotherapie oder alleinige Chemotherapie angeschlossen. Hat der Tumor Absiedlungen (Metastasen) in der Lunge oder Leber gebildet, können diese oft operativ entfernt werden.

Dies ist für die Prognose vorteilhaft. In späteren Stadien kommen verschiedene Chemotherapeutika und sogenannte Biologicals zum Einsatz. Patienten mit Mastdarmkrebs sollten möglichst in entsprechenden Tumorzentren behandelt werden.

Eingehender informieren Sie die Ratgeber "Mastdarmkrebs" und "Dickdarmkrebs".

Mastdarmentzündung (Enddarmentzündung, Proktitis)

Entzündungen im Bereich des Mastdarms betreffen im Allgemeinen häufiger Männer als Frauen. Oft ist auch der Analkanal mit einbezogen. Infolge der Entzündungen kann es zum Austritt von Blut aus dem Darm kommen.

Eine Proktitis beruht hauptsächlich auf folgenden Problemen:

  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn)
  • Geschwächte Immunabwehr
  • Örtliche Reizungen: Allergien und Unverträglichkeitsreaktionen
  • Behandlungsfolgen: Vorausgegangene Strahlentherapie; Medikamente, etwa Antibiotika oder entzündungshemmende Mittel; operative Ausschaltung eines Darmabschnitts
  • Verletzungen (zum Beispiel durch traumatisierende Sexualpraktiken)

In den nachfolgenden Abschnitten mehr dazu.

  • Infektionen (hier vor allem durch Analverkehr): Dabei geht es um Geschlechtskrankheiten wie Tripper (Gonorrhoe; der Erreger heißt Neisseria gonorrhoeae), Syphilis (harter Schanker oder Lues; der verantwortliche Keim ist Treponema pallidum), weicher Schanker (Ulcus molle, es wird durch das Bakterium Haemophilus ducreyi ausgelöst) und Lymphogranuloma inguinale oder venereum (Infektion durch bestimmte Chlamydia-trachomatis-Bakterien).

    Zu den sexuell übertragenen Infektionen zählen insbesondere Feigwarzen (Kondylome, Erreger sind bestimmte humane Papillomviren (HPV)) sowie Infektionen mit Herpes-simplex-Viren (HSV, Herpes genitalis) und Aids- beziehungsweise HI-Viren (humane Immuninsuffizienz-Viren, HIV).

    Auch Pilzerkrankungen und Befall mit speziellen Erregern gehören in diese Rubrik. Die genannten Infektionen erstrecken sich meist auf den ersten 16 Zentimetern des Mastdarms, können aber manchmal auf den sich anschließenden S-förmigen Dickdarm (Sigma genannt) übergehen.
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn: Hier kommt vor allem die Colitis ulcerosa – etwa in Form einer Proktitis ulcerosa – als Ursache von Entzündungen und Blutungen aus dem Darm infrage, seltener auch die Crohn-Krankheit. Bei Morbus Crohn durchsetzt die Entzündung oft die gesamte Darmwand; es können sich Fisteln bilden.

    Das sind krankhafte Gangverbindungen, die zwischen Hohlorganen entstehen, blind im Gewebe enden oder sich zur Haut hin öffnen können. Sehr häufig passiert das im Analbereich. Mögliche Blutungsquellen sind das umgebende entzündete Darmgewebe und die Fistelausgänge (siehe Abschnitt "Darmentzündungen, Absatz: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen" weiter unten).
  • Geschwächte Immunabwehr, zum Beispiel im Rahmen einer Chemotherapie, kann dazu führen, dass eine bakterielle Proktitis auftritt. Manchmal entwickelt sich dann ein Mastdarmgeschwür (siehe unten) – eine mögliche Blutungsquelle.
  • Örtliche Reizung: Nicht selten lösen arzneiliche Bestandteile in Zäpfchen, Pflege- und Gleitmitteln, im Toilettenpapier und in Kondomen Allergien oder Unverträglichkeitsreaktionen aus. Die Folge kann zum Beispiel eine Proktitis sein.
  • Strahlentherapie: Nach einer äußeren oder inneren Strahlenbehandlung des Beckenraums oder der Nierengegend kann bei manchen Patienten innerhalb von drei bis 24 Monaten, im Durchschnitt nach einem Jahr, eine chronische Enddarmentzündung (sogenannte Strahlenproktitis) oder eine strahlenbedingte Dickdarmentzündung  (Strahlenkolitis) auftreten. Zeitnah zur Bestrahlung ist auch eine akute Entzündung der Darmschleimhaut möglich.

    In beiden Fällen kann es zu Blutungen kommen. Ist die Darmwand stärker geschädigt, können sich Verengungen und Fisteln bilden. Das Risiko eines Darmverschlusses ist erhöht. Eine Strahlenkolitis /-proktitis klingt häufig nach einiger Zeit wieder ab, kann aber auch chronisch verlaufen. Unterschiedliche Medikamente (siehe unten) können die Heilung unterstützen.
  • Operative Ausschaltung eines Darmabschnitts und Anlage eines künstlichen Darmausgangs (Diversionskolitis): In der Folge kann sich in dem ausgeschalteten Bereich, zum Beispiel im Enddarm, eine Entzündung mit Blut- und Schleimabgang entwickeln (siehe ebenfalls unten, Abschnitt "Darmentzündungen").
  • Innerliche Behandlung mit Medikamenten als Ursachen: Antibiotika, Entzündungshemmer wie nicht steroidale Antirheumatika und andere Arzneistoffe können eine Proktitis wie auch eine Dickdarm- oder Dünndarmentzündung auslösen. Bei der sogenannten Antibiotika-Kolitis spielt ein Erreger namens Clostridium difficile eine wichtige Rolle.

    Er überwuchert die normale Darmflora und kann ein möglicherweise schweres Krankheitsbild verursachen. Die Entzündung betrifft meist den unteren Dickdarm und/oder Mastdarm. Mehr dazu wiederum im Abschnitt "Darmentzündungen" weiter unten. Auf Verletzungsmechanismen geht dieser Beitrag nicht näher ein.

Symptome bei Proktitis allgemein: Die Patienten bemerken eitrigen und / oder blutigen Ausfluss aus dem Darm und klagen über krampfartige Schmerzen beim Stuhlgang, sogenannte Tenesmen. Sie haben den Eindruck, den Darm nicht richtig entleeren zu können. Gleichzeitig kommt es zu dauerndem quälenden Stuhldrang. Ist der After mit einbezogen, entwickeln sich auch hier häufig Entzündungen, außerdem Ausschläge und Juckreiz. Nennenswerte Blutungen oder blutige Durchfälle können auch zu einer Blutarmut mit deutlicher Hautblässe, körperlicher Schwäche, Kurzatmigkeit und Schwindelbeschwerden führen. Falls eine sexuell übertragene Infektion oder Geschlechtskrankheit vorliegt, sind unterschiedliche weitere Symptome möglich, bei Tripper anfangs etwa Lymphknotenschwellungen, nicht juckende Hautausschläge an verschiedenen Körperstellen einschließlich Handflächen und Fußsohlen, Veränderungen der Mundschleimhaut, Fieber, Muskelschmerzen und vieles mehr.

Diagnose: Sie ergibt sich meist aus dem Beschwerdebild und der körperlichen Untersuchung des Anal-, eventuell auch des Intimbereiches. Mehr dazu im Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung" in diesem Beitrag. Auf eine Geschlechtskrankheit können häufig bestimmte Hautveränderungen anal und genital – zum Beispiel auch bei Untersuchung des Partners – oder, je nach Krankheitsbild, andere Begleitsymptome hinweisen.

Weitere mögliche Analysen reichen von mikroskopischen Untersuchungen aus einem Abstrich oder einer Gewebeprobe über mikrobiologische und weitere Tests aus Stuhlproben bis zu Bluttests.

Therapie: Maßgeblich ist die Ursache. Falls zum Beispiel ein bakterieller Erreger festgestellt wird, so wird der Arzt eine Therapie mit einem passenden Antibiotikum starten.

Eine ausgeprägte Proktitis bei Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn behandelt der Arzt mit Medikamenten, die Immunreaktionen und Entzündungsprozesse unterdrücken. Zusätzlich kann eine entzündungshemmende örtliche Behandlung mit Zäpfchen, Rektalschaum oder Einläufen (Klysmen) sinnvoll sein.

Bei milder Proktitis genügt die lokal wirksame Therapie häufig (mehr zur Therapie siehe Abschnitt "Darmentzündungen – Chronisch entzündliche Darmerkrankungen" weiter unten).

Hartnäckige Crohn-Fisteln geht der Chirurg möglichst nur so weit an, dass die Verschlussfähigkeit am Darmausgang, die Kontinenz, erhalten bleibt. Nicht immer gibt es hier jedoch die optimale Lösung.

Auch die Strahlenproktitis spricht meist auf entzündungshemmende Zäpfchen oder Einläufe an. Wenn die Entzündung abklingt, bessert sich meist auch eine entzündlich bedingte Blutarmut. Einen Eisen- oder Vitaminmangel können entsprechende Präparate ausgleichen helfen.

Blutungen lassen sich gegebenenfalls auch mittels Laser oder anderer Techniken im Rahmen der Darmspiegelung stillen. Bei schweren Entzündungen muss der Mastdarm gegebenenfalls operiert werden.

Falls eingenommene Präparate allergische Erscheinungen auslösen oder entzündliche Nebenwirkungen am Darm verursachen, wird der Arzt sie absetzen.

Achtung: Vom Arzt verordnete Therapien bei mutmaßlichen Problemen nicht in Eigenregie ändern, sondern den behandelnden Arzt kontaktieren.

Mastdarmgeschwür

Geschwüre im Mastdarm (Rektum) beruhen auf ganz unterschiedlichen Ursachen. Es sind auch stärkere Blutungen möglich.

Ein einzelnes Mastdarmgeschwür, ein sogenanntes solitäres Ulcus recti simplex, kann durch Auflagedruck extrem harter Kotballen bei chronisch verstopften, meist auch bettlägerigen Patienten entstehen. Weitere Ursachen eines Mastdarmgeschwürs sind Verletzungen, etwa bei Einläufen, ein Mastdarmvorfall oder -prolaps, eine bösartige Veränderung oder eine Mastdarmentzündung (Proktitis, etwa auch bei Colitis ulcerosa, siehe oben und weiter unten).

Symptome: Die Betroffenen beobachten häufig Absonderungen von Schleim und Blut aus dem Darm. Eine neu aufgetretene Verstopfung oder schmerzhafte, eventuell unvollständige Darmentleerungen können auf eine Darmverengung hindeuten. Spontan oder bei der Untersuchung kann auch ein Mastdarmvorfall sichtbar werden. Es kann zu einer plötzlichen, schwallartigen Blutung aus einer Arterie am Boden des Geschwürs kommen: ein lebensbedrohlicher Notfall!

Diagnose und Therapie: Eine akute Mastdarmblutung muss schnellstmöglich durch endoskopische Maßnahmen im Rahmen der Rektoskopie zum Stillstand gebracht werden: mit Einspritzen gefäßverengender Medikamente oder durch Clips, die das blutende Gefäß verschließen.

Andernfalls ist eine Notoperation nötig. Zur Sicherung der Diagnose – außerhalb eines solchen Notfalls – wird der Arzt immer einen kompletten proktologischen Untersuchungsgang einschließlich Tastuntersuchung, Enddarmspiegelung und gegebenenfalls weiteren Diagnoseschritten wie Endosonografie durchführen.

Dabei wird er auch Gewebeproben aus einem Darmgeschwür entnehmen. Es geht hier vor allem darum, eine bösartige Veränderung, eine chronisch entzündliche Darmerkrankung oder eine Entzündung anderer Ursache (siehe oben) auszuschließen.

Ein Mastdarmvorfall kann klinisch und durch eine Untersuchung wie zum Beispiel die Defäkografie nachgewiesen werden.

Konservative Maßnahmen, die eine Entzündung bekämpfen und zur Stuhlregulierung beitragen, können ein Geschwür durchaus zur Abheilung bringen. Bei einem Mastddarmvorfall oder zum Beispiel auch einem Geschwür in einer Darmeinstülpung und erheblichen Beschwerden wie oben beschrieben ist im Allgemeinen auch außerhalb des Notfalls eine Operation angezeigt (siehe auch Kapitel "Blut am After/aus dem Darm: Ursachen im Analbereich").

Darmentzündungen, Schwerpunkt Dickdarm

Verschiedene Ursachen führen zu Entzündungen im Darm und zu Blutungen. Häufig geht es um den Dickdarm. Aber auch die anderen Darmabschnitte können betroffen sein. 

Auslösend sind in erster Linie bestimmte Darminfektionen, in zweiter Linie chronische Erkrankungen wie Colitis ulcerosa oder der Morbus Crohn. Schließlich können Entzündungen in ausgeschalteten Darmbereichen (Diversionskolitis) und "künstlichen" Darmreservoirs (Pouchitis) mit Blutungen einhergehen.

Symptome bei Darmentzündungen: Außer Blutungen sind allgemeine Krankheitszeichen wie Durchfälle, krampfartige Bauchschmerzen, Störungen des Allgemeinbefindens, eventuell auch Fieber typisch. Mögliche Komplikationen: Darmlähmung oder -durchbruch und Bauchfellentzündung, also ein "akuter Bauch", Kreislaufprobleme bis hin zum Schock. Besonderheiten je nach Ursache nachfolgend.

Infektiöse Kolitis / Enterokolitis

Enterokolitis bedeutet Schleimhautentzündung des Darmes. Als erregerbedingte und mit blutigen Durchfällen verlaufende Darmentzündungen kommen in erster Linie Erkrankungen durch Keime wie Campylobacter jejuni, Shigellen,  enterohämorrhagische Escherichia (E.) Coli-Bakterien (EHEC) sowie Amöben und bei immungeschwächten Patienten Cytomegalieviren in Betracht. Mitunter lösen im Krankenhaus aufgefangene Keime eine Darmentzündung aus.

  • Campylobacter jejuni: Die "Campylobacter-Enteritis", also die Darmentzündung durch den Keim Campylobacter jejuni, ist inzwischen zur häufigsten bakteriellen Durchfallerkrankung in Europa aufgerückt. Der Erreger verursacht Lebensmittelinfektionen, häufig auch einen sogenannten Reisedurchfall. Quellen sind vor allem keimverunreinigtes, unzureichend erhitztes Geflügel, Fleisch, ferner Rohmilch und daraus hergestellte Produkte. Hauptsaison ist die Sommerzeit. Möglich ist auch eine Ansteckung von Mensch zu Mensch oder über Haustiere. Als Komplikationen sind eine rheumatische Gelenkentzündung möglich oder, wenn auch nur selten, ein ernstes neurologisches Krankheitsbild mit Nervenentzündungen und Lähmungen, ein sogenanntes Guillain-Barré-Syndrom.
    Symptome:
    Manche Infektionen verlaufen ohne Beschwerden. Zwischen der Infektion und ersten Symptomen liegen meist zwei bis fünf Tage. Anfangs kommt es zu Krankheitsgefühl, Fieber, Kopfschmerzen Gliederschmerzen, Bauchschmerzen, dann tritt plötzlich wässriger oder blutiger Durchfall auf. Auch nach Abklingen der Beschwerden können die Erreger noch ausgeschieden werden.
    Diagnose:
    Sie ergibt sich aus der Bestimmung des Erregers im Stuhl und dem Nachweis von typischen Erregermerkmalen, sogenannten Antigenen.
    Therapie:
    Die Behandlung ist überwiegend symptomatisch: Verloren gegangene Flüssigkeit und Blutsalze werden ersetzt. Patienten mit erhöhtem Risiko, etwa bei Abwehrschwäche, oder mit schwerem Krankheitsverlauf, wozu blutiger Durchfall zweifelsohne gehört, behandelt der Arzt in der Regel mit einem Antibiotikum. Für Eltern betroffener Kinder besteht Informationspflicht gegenüber Gemeinschaftseinrichtungen wie Schule oder Kindergarten; Meldepflicht gilt auch bei Verdacht, wenn die entsprechende Person im Lebensmittelbereich tätig ist.
  • Shigellen (Shigellose, bakterielle Ruhr oder Dysenterie): Die Erkrankung tritt hauptsächlich bei Aufenthalten in subtropischen oder tropischen Ländern mit schlechtem Hygienestandard auf. Auch in Massenquartieren besteht Infektionsgefahr. Quellen sind verkeimtes Wasser und mit dem Erreger verunreinigte Lebensmittel. Die Übertragung erfolgt als Schmierinfektion; Infizierte – ob akut erkrankt oder symptomlos – scheiden den Erreger mit dem Stuhl aus. Es gibt vier verschiedene Erregerarten. Die Variante A (Shigella dysenteriae) ist wegen ihres Giftes die aggressivste. Es ist für die ein bis zwei Tage nach Infektion einsetzenden massiven Durchfälle und die Begleitsymptome verantwortlich, da es sowohl als Körpergift wirkt als auch die Darmschleimhaut direkt schädigt. Außerdem kann es ein hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) auslösen (siehe ebenfalls EHEC). Die Erreger können im Darm verweilen und daher längere Zeit, oft bis zu vier Wochen, ausgeschieden werden.
    Symptome:
    Zwischen Ansteckung und den ersten Symptomen liegen nur wenige Tage. Die Betroffenen leiden besonders bei schwerem Verlauf an heftigen Bauchkrämpfen und Fieber. Die Durchfälle sind stark ausgeprägt und mit Blut, Eiter und Schleim versetzt. Die Blutungen können erheblich sein. Als Komplikation drohen bei schwerer geschwüriger Darmentzündung ein Darmdurchbruch, außerdem Austrocknung, Kreislaufkollaps, Krämpfe, Koma.

    Diagnose:
    Reise-Durchfallerkrankungen erklären sich im Allgemeinen von selbst. Der Erregernachweis erfolgt in einem Abstrich vom Enddarm oder einer speziell aufbereiteten Stuhlprobe. Solange der Darm sich der Shigellen nicht entledigt hat, ist der Betreffende infektiös. Meldepflicht (auch bei Verdacht, wenn die entsprechende Person im Lebensmittelbereich tätig ist; veranlasst zum Beispiel der Laborarzt).
    Therapie:
    Ersatz des Flüssigkeits- und Salzverlustes und Gabe von Antibiotika, falls möglich gemäß Austestung des Erregers aus einer Stuhlprobe.

  • Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC)-Bakterien: Die Übertragung der E.coli-Erreger erfolgt von Tier zu Mensch, zum Beispiel bei direktem Kontakt mit infizierten Wiederkäuern, von Mensch zu Mensch (es gibt auch beschwerdefreie Keimträger), über verkeimtes rohes Fleisch, zum Beispiel Lammfleisch oder streichfähige Rohwurst, rohe Milch und daraus hergestellte Produkte. Es gibt zahlreiche EHEC-Typen. Manche sind nicht nur sehr ansteckend, sondern zugleich sehr robust und können Kälte oder Magensäure standhalten. Da sie sich in der Umwelt lange halten, sind sie auch über rohes Gemüse oder Salat übertragbar. Verunreinigte Badegewässer sind ebenfalls Infektionsquellen. Problematisch sind Bakterienstämme (sogenannte STEC), die bestimmte Gifte wie zum Beispiel Shigatoxine bilden (die Abkürzung STEC steht für Shigatoxin produzierende Escherichia coli).
    Symptome:
    Nicht alle EHEC-Infektionen machen sich durch Beschwerden bemerkbar: Sie können durchaus symptomlos verlaufen. Ansonsten dauert es zwischen Infektion und Auftreten erster Symptome etwa zwei bis zehn Tage. Es kommt zu Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und wässrigen Durchfällen. Diese können sehr massiv, schließlich mit Blut versetzt (blutiger Stuhl) und von Bauchkrämpfen begleitet sein, teilweise auch mit Fieber einhergehen. Solche schweren Krankheitsverläufe treten häufiger bei abwehrgeschwächten oder älteren Menschen, Säuglingen und Kleinkindern, teilweise auch vermehrt bei Frauen auf und können gefährliche Komplikationen nach sich ziehen. Gefürchtet sind vor allem Schädigung der Blutplättchen und Blutkörperchen mit Blutarmut, Nierenversagen und neurologischen Störungen führen können (sogenanntes hämolytisch-urämisches Syndrom, kurz HUS).
    Diagnose:
    Angestammte E.coli-Bakterien gehören zur normalen Keimflora im Dickdarm. Entscheidend ist eine ausgewogene Erregervielfalt. Vermehren sich bestimmte EHEC-Bakterien, können sie durch eigene Zellgifte  (Toxine wie das Shigatoxin) krankmachende Wirkungen haben. Der Toxinnachweis nach Bestimmung des Erregers in Stuhlproben oder Identifizieren der Bakteriengene, die den Code für das Shigatoxin enthalten, ist beweisend. Bei HUS wird zusätzlich eine Antikörperbestimmung im Blut durchgeführt. EHEC-Infektionen sind meldepflichtig (auch bei Verdacht, wenn die entsprechende Person im Lebensmittelbereich tätig ist). Darum kümmern sich die verantwortlichen Ärzte.
    Therapie:
    Im Vordergrund steht zunächst eine symptomatische Therapie, was unter anderem bedeutet, erlittene Verluste an Flüssigkeit und Blutsalzen auszugleichen. Ärzte erwägen die Behandlung bestimmter E.coli-Infektionen mit speziellen Antibiotika bei schweren Durchfällen. Gerade bei den Risikogruppen – ältere Menschen, Kinder – ist unbedingt eine rechtzeitige Therapie nötig. Meist müssen die Betroffenen in der Klinik behandelt werden, denn jede ausgeprägte Darminfektion kann bei ihnen schnell einen gefährlichen Lauf nehmen.
  • Amöben (Amöbenruhr): Amöben sind Parasiten, und die von ihnen verursachte Infektionskrankheit ist eine meldepflichtige Krankheit. In tropischen und subtropischen Regionen, begünstigt durch schlechte hygienische Verhältnisse, tritt diese Parasitose am häufigsten auf. Gelegentlich zeigt sie sich aber auch in gemäßigten Klimazonen Europas. Infektionsquellen sind verunreinigtes Trinkwasser und verkeimte Lebensmittel. Für die aggressive Erscheinungsform mit einer geschwürigen Dickdarmentzündung ist Entamoeba histolytica verantwortlich. Über den Stuhl werden die Amöben als sogenannte Zysten ausgeschieden. Diese können in der Außenwelt überdauern und sind dann eine Infektionsquelle. Nur ein Fünftel der Betroffenen erkrankt mit Symptomen. Wenn die Infektion chronisch wird, kann die Darmentzündung fortbestehen, immer wieder aufflammen und mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung oder Blinddarmentzündung verwechselt werden. Als Komplikation kann sich bei der Amöbenruhr ein schweres Krankheitsbild mit massiver Darmaufblähung (toxisches Megacolon, siehe auch bei "Colitis ulcerosa" weiter unten) und einem Durchbruch, also ein akuter Bauch, entwickeln. Auch ein Amöbenabszess ist möglich.
    Symptome:
    Zwischen Infektion und Symptomen liegen eine bis vier Wochen. Es treten dann mit Schleim und Blut versetzte Durchfälle auf, die Ärzte mitunter als himbeergeleeartig beschreiben. Dazu kommen Bauchschmerzen, mitunter auch Fieber.
    Diagnose:
    Der Erreger lässt sich mikroskopisch bei der Stuhluntersuchung oder in einer Gewebeprobe aus dem Darm nachweisen. Darüber hinaus ist die Bestimmung des Erreger-Antigens möglich. Mittels Nachweises dieses Erbmaterials kann die krankmachende Variante "histolytica" am sichersten erkannt werden. Je nach Verlauf kommen auch Blutuntersuchungen und Stuhlanalysen auf andere Erreger in Betracht.
    Therapie:
    Wirksam ist zum Beispiel der Arzneistoff Metronidazol. Ergänzend kann ein sogenanntes Kontaktamöbizid sinnvoll sein, um den Erreger vollständig auszuschalten. Ein Kontaktamöbizid ist ein Antibiotikum, welches nach der Einnahme nur im Darm wirkt. Der Therapieerfolg wird durch Stuhluntersuchungen überprüft.

  • Cytomegalie-Kolitis: Das Cytomegalie-Virus (CMV) gehört zu den Herpes-Viren. Die CMV-Kolitis zählt zu den häufigsten opportunistischen Infektionen im Verdauungstrakt bei Aids-Patienten. Opportunistische Infektion bedeutet, dass Erreger bei Immunschwäche leichteres Spiel haben und es dann zu Infektionen kommt, die bei guter Immunabwehr nicht oder nur sehr selten auftreten. Die CMV-Kolitis kann sich grundsätzlich bei jeder maßgeblichen Abwehrschwäche entwickeln, zum Beispiel auch bei einer das Immunsystem unterdrückenden Therapie oder einer Chemotherapie. Bei einer CMV-Kolitis bildet sich eine geschwürige Dickdarmentzündung. Die Darmwand kann sich durch die entzündliche Schwellung verdicken. Auch eine Blinddarmentzündung kann auftreten. Außerdem schwellen meist Lymphknoten im Bauch an.
    Symptome:
    Bauchschmerzen, Fieber, blutige Durchfälle. Es handelt sich meist um ein schweres Krankheitsbild. Im Rahmen der Aids-Erkrankung sind weitere Symptome möglich.
    Diagnose:
    Blutuntersuchungen auf Erregermaterial und feingeweblich untersuchte Gewebeproben (Immunhistochemie), die bei einer Koloskopie gewonnen werden, sind wegweisend. Bei der Spiegelung selbst zeigt sich eine Darmentzündung mit Geschwüren.
    Therapie: Wirksam sind Anti-Virus-Medikamente, meist auch in Kombination mit einem Antikörperpräparat, einem Hyperimmunglobulin.
  • Darmentzündung infolge Antibiotika-Therapie, pseudomembranöse Kolitis, Clostridium difficile: Eine nachhaltige Behandlung mit Antibiotika kann die natürliche Vielfalt (Flora) der Darmbakterien angreifen. Davon profitiert häufig ein Keim namens Clostridium difficile, der eigentlich bei Erwachsenen nur sehr selten im Darm anzutreffen ist. Bei Krankenhaus-Patienten, die mit Antibiotika behandelt wurden, steigt die Keimbesiedlung schon auf bis zu dreißig Prozent. Der Erreger zählt daher zur "Krankenhaus-Flora". Falls es ihm gelingt, sich im menschlichen Darm zu vermehren, kann er auch eine Darmentzündung verursachen. Bei besonders aktiven Bakterien droht ein schweres Krankheitsbild. Es wird durch Clostridiengifte, die Toxine A und B, ausgelöst. Toxin A steigert die Ausscheidung von Körpersalzen und Wasser, Toxin B attackiert die Darmwand und zerstört die Darmschleimhaut. In der Folge kommt es zu starken, wässrigen Durchfällen. Vor allem im Bereich des Enddarms bilden sich großflächige Wundauflagerungen, sogenannte Pseudomembranen. Die Darmwand ist stark geschwollen.
    Symptome:
    Schon zu Beginn der Antibiotikatherapie, manchmal aber auch erst einige Wochen später, treten die ersten Beschwerden auf: Bauchschmerzen und Durchfall. Verstärkte wässrige Durchfälle, die mit Blut oder Schleim versetzt sind und mit Bauchkrämpfen, Übelkeit und Erbrechen einhergehen, können den Übergang in eine pseudomembranöse Kolitis anzeigen. Der Flüssigkeitsverlust kann bedrohlich sein, ebenso Komplikationen wie Darmdurchbruch und Bauchfellentzündung.
    Diagnose:
    Praktisch jedes Antibiotikum kann eine Darmentzündung auslösen. Besonders bekannt dafür sind aber solche wie Clindamycin, Ampicillin und die Cephalosporine. Neben einem "verdächtigen" Medikament weisen auch die klinischen Befunde auf die Diagnose hin: die Symptome und – bei der körperlichen Untersuchung – ein deutlich druckschmerzhafter linker Unterbauch. Auch Zeichen des Flüssigkeitsverlusts wie trockene, schlaffe Haut und Kreislaufschwäche passen zum Krankheitsbild. Die Ultraschalluntersuchung des Darmes lässt eine durch die Entzündung geschwollene, verdickte Darmwand erkennen.
    Bei Verdacht auf eine jegliche Darmentzündung wird das Verdauungsorgan in der Regel auch endoskopisch untersucht. Dabei sieht der Arzt bei einer beliebigen Kolitis eine entzündlich veränderte Schleimhaut, auf der sich eventuell kleinere Geschwüre gebildet haben. Eine pseudomembranöse Kolitis kennzeichnen massive, blutige entzündliche Auflagerungen. Auch Gewebebiopsien spiegeln die starke Entzündung wider. In Stuhlproben finden sich die Clostridien-Gifte. Erst drei negative Stuhltests schließen die Infektion aus.
    Therapie:
    Als ersten Schritt setzt der Arzt das verantwortliche Antibiotikum ab. Insbesondere bei schweren Verlaufsformen (Meldepflicht) wie der pseudomembranösen Kolitis müssen die Flüssigkeits- und Salzverluste ausgeglichen werden: in der Regel in der Klinik. Als Arzneimittel gegen Clostridien kommen zum Beispiel Metronidazol und Vancomycin zum Einsatz. Es gibt aber auch Bakterien, die nicht darauf ansprechen (Resistenz). Dann suchen die Ärzte nach Alternativen. Nach Abklingen der Erkrankung und erfolgreichem Nahrungsaufbau können Joghurt und Hefepräparate dazu beitragen, die physiologische Darmflora zu stärken und das Rückfallrisiko zu verringern.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: Morbus Crohn, Colitis ulcerosa

Manche Darmentzündungen verlaufen chronisch, häufig auch in Schüben: beschwerdefreie Zeiten wechseln sich mit mehr oder weniger beschwerlichen Krankheitsphasen ab. Die beiden wichtigsten Krankheitsbilder hier: Morbus Crohn (Crohn-Krankheit) und Colitis ulcerosa (Cu).

Am häufigsten erkranken junge Menschen im dritten Lebensjahrzehnt. Die eigentliche Ursache ist bei beiden Darmerkrankungen unbekannt. Unter anderem spielen wohl Umweltfaktoren und Veranlagung eine Rolle. Inzwischen wurden vielfach Gene identifiziert, die ein erhöhtes Risiko mit sich bringen, an Crohn oder Cu zu erkranken.

Den Auftakt bildet eine Fehlregulation im Magen-Darmtrakt: eine Barrierestörung der Schleimhaut. Sie macht den Darm anfälliger für schädliche Einflüsse. In der Folge kommt es zu einer chronischen Entzündung, die jedoch bei Crohn und Cu unterschiedlich verläuft. Mitunter ist eine Magen-Darminfektion (infektiöse Gastroenteritis) vorausgegangen. Zigarettenrauchen beeinflusst beide Erkrankungen gegensätzlich: Während das Cu-Risiko sinkt, steigt das Crohn-Risiko.

  • Morbus Crohn: Die Crohn-Krankheit kann sich auf den gesamten Verdauungstrakt erstrecken – vom Mund bis zum After. Während bei dem einen Betroffenen der Dünndarm und / oder Magen erkrankt, ist es beim anderen der Dickdarm (Kolitis). Alle Wandschichten der erkrankten "Hohlorgane" im Verdauungstrakt werden erfasst.

    Typisch für die Crohn-Krankheit ist das Nebeneinander gesunder und kranker Abschnitte. Ein Drittel der Betroffenen hat erhebliche Probleme im Anorektalbereich, meist aufgrund von Fisteln, Abszessen (mehr dazu im Kapitel "Ursachen im Analbereich") oder einer Einengung (Stenose) des Analkanals.

    Die Fisteln können sich zur Haut oder benachbarten Organen wie Scheide und Blase hin öffnen. Wenn sie erstmals auftreten, ist das zumindest ein Verdachtsmoment für eine Crohn-Krankheit.

  • Bei den meisten Patienten konzentriert sich die Entzündung auf das Dünndarmende am Übergang zum Dickdarm beziehungsweise Blinddarm. Das ist das sogenannte terminale Ileum, daher auch die Bezeichnung Ileitis terminalis Crohn.

    Außerdem kann die Erkrankung andere Organe erfassen, etwa die Augen, Gelenke, Haut oder Gallengänge in der Leber. Die chronische Entzündung im Körper wie auch mögliche chronische, wenn auch oft unterschwellige Blutverluste können unter anderem eine Blutarmut auslösen. Dazu kann auch ein entstehender Nährstoff- und Vitaminmangel beitragen.

    Symptome:
    Leitsymptome sind Durchfälle und krampfartige Bauchmerzen. Patienten mit Crohn-Veränderungen im Analbereich leiden oft unter Fisteln oder Abszessen. Dabei kann Blut am After oder im Stuhl erscheinen. Zugleich liegen nicht selten Hämorriden vor, was die Diagnose erschweren kann, da die Symptome ähnlich sind.


    Bei höchstens einem Prozent der Erkrankten kommen massive Blutungen aus dem Darm vor. Ansonsten treten blutige Durchfälle vergleichsweise selten auf. Häufiger entwickeln sich Darmverschlüsse durch Darmverengungen. Auch Abszesse sind möglich. Bei der Ileitis terminalis stehen kolikartige Schmerzen im rechten Unterbauch im Vordergrund.

    Zusammen mit dem oftmals begleitenden Fieber und einer eventuell tastbaren Schwellung lässt dies mitunter eine Blinddarmentzündung vermuten. Auch andere Organe können miterkranken. Die Augen können unangenehm entzündet und gerötet sein (vgl. Beiträge Sehstörungen und Rotes Auge (hier: Abschnitte Iritis / Uveitis)). Mögliche Begleitsymptome außerdem: Gelenkschmerzen und -schwellungen durch eine Gelenkentzündung (Arthritis), Kreuzschmerzen, Gewichtsverlust.


    Diagnose:
    Siehe dazu die allgemeinen Informationen im Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung". Bei der Darmspiegelung zeigen sich unter anderem landkartenartig angeordnete Geschwüre und stippchenartige Blutungen auf der Schleimhaut. Auch in Röntgenaufnahmen mit Kontrastmittel oder weiteren bildgebenden Untersuchungen – von der Sonografie der Bauchorgane über eine spezielle Form der Endoskopie (Videokapselendoskopie), eine  Magnetresonanztomografie oder eine Computertomografie des Dünndarms – lassen sich krankhafte Veränderungen der Darmwand nachvollziehen.

    Blutanalysen können ergänzende Informationen liefern. Feingeweblich untersuchte Gewebeproben aus verschiedenen Abschnitten des Verdauungstraktes (Stufenbiopsien) oder beispielsweise auch aus Fisteln sichern die Diagnose teilweise.

    Andere miterkrankte Organe untersuchen jeweils zuständige Fachärzte. Verläuft eine als Crohn-Kolitis bewertete Darmentzündung sehr schwer oder spricht nicht auf die üblichen Medikamente an, wird der Arzt eine spezielle Darminfektion wie zum Beispiel durch das Bakterium Clostridium difficile oder das Cytomegalie-Virus (CMV, siehe jeweils weiter oben) ausschließen.

    Therapie:
    Medikamente, die bei fortbestehenden Symptomen oder Erkrankungsschüben eingesetzt werden, sind entzündungshemmende Arzneistoffe. Diesbezüglich am bekanntesten ist Kortison. Zur Behandlung einer Crohn-Dickdarmentzündung bietet sich auch Sulfasalazin (hier: Mesalazin) an, ein entzündungshemmender Arzneistoff.

    Außerdem kommen Medikamente wie Azathioprin oder Methotrexat zum Einsatz – indem sie das Kortison allmählich ablösen, das möglichst nur befristet angewandt werden soll. Sie können zum Beispiel bei ausgedehntem Befall des Dünndarms oder bei neu aufflammenden Beschwerden nach einer Kortisonbehandlung infrage kommen.

    Weitere Möglichkeiten: verschiedene Biologicals (biotechnisch hergestellte Antikörper). Sie haben zum Beispiel ihren Platz bei "kortisonpflichtigen" Krankheitserscheinungen, die auf Kortison aber nicht ansprechen, etwa eine schwere Dickdarmentzündung im Schub oder ausgeprägte Analfisteln.

    Mit allen diesen Optionen, teilweise auch in kombinierter Form, gelingt es heute meist, die Beschwerden unter Kontrolle zu bringen und die Häufigkeit von Komplikationen zu senken. Manche, doch längst nicht alle Patienten mit Crohn-Krankheit benötigen eine mehrjährige Therapie.

    Der Arzt wird bei den Kontrolluntersuchungen auf mögliche Nebenwirkungen der Medikamente achten und die Behandlung bei Bedarf gegebenenfalls umstellen. Schwere Komplikationen wie massive Darmblutung, Darmverschluss durch einen narbig verengten entzündeten Darmabschnitt (Striktur oder Stenose) oder ein Darmdurchbruch machen eine Operation nötig.

    Dabei wird versucht, möglichst sparsam und darmschonend vorzugehen. Bei kurzer Engstelle bietet sich zum Beispiel manchmal eine endoskopische Aufdehnung an. Wichtig: Die Verengung muss unbedingt ausreichend abgeklärt sein, um eine bösartige Veränderung auszuschließen.

    Wichtig:
    Patienten mit Morbus Crohn sollten von Spezialisten in entsprechenden Zentren behandelt werden. Das gilt insbesondere auch für chirurgische Eingriffe. Und: Betroffene haben teilweise ein erhöhtes Risiko für Krebs (zum Beispiel Darmkrebs, falls der Dickdarm erkrankt ist). Daher raten Ärzte ab einer bestimmten Krankheitsdauer zu regelmäßigen Kontrolluntersuchungen (siehe weiter unten: Krebsfrüherkennung bei Colitis ulcerosa).

    Ernährung bei Crohn-Krankheit:
    Eine spezielle Diät gibt es nicht. Die Ernährung hängt davon ab, wie akut die Erkrankung gerade ist. Wenn die Lage einigermaßen stabil ist, gilt die Regel: Erlaubt ist, was bekommt. Meistens läuft das auf eine leichte Vollkost, die auch genügend Ballaststoffe bietet, heraus. Trinknahrungen können helfen, Gewichtsverluste schneller wieder wettzumachen. Eine Laktose- beziehungsweise milchzuckerfreie Ernährung ohne Milch oder Milchprodukte (beziehungsweise mit laktosefrei aufbereiteten Produkten) ist bei Laktose-Unverträglichkeit sinnvoll. Rauchverzicht senkt bei der Crohn-Krankheit das Risiko eines erneuten Schubes. Während einer akuten Entzündungsphase hat sich eine ballaststoffarme Ernährung bewährt.

    Falls vorübergehend eine künstliche Ernährung über die Blutbahn notwendig wurde, tastet man sich anschließend wieder Schritt für Schritt an die zuvor vertragene Kost heran. Ein Vitamin- oder Mineralstoffmangel wird durch entsprechende Präparate ausgeglichen. Auch einem Kalzium- und Vitamin-D-Mangel wird der Arzt gegensteuern. Besonders wichtig ist das bei einer Kortisontherapie, da sie das Osteoporoserisiko erhöht.

Weitere Informationen, auch zur Therapie, finden Sie im Ratgeber Morbus Crohn.

  • Colitis ulcerosa (Cu): Im Gegensatz zu Morbus Crohn, der alle Schichten der Darmwand erfasst, ist bei der Cu hauptsächlich die Schleimhaut betroffen. Die Veränderungen breiten sich kontinuierlich und flächenhaft aus.

    Es bilden sich Geschwüre, die mit Eiweißschlieren belegt sind, und Abszesse in den Schleimhautschluchten (Kryptenabzesse). Im weiteren Verlauf wird die Schleimhaut bis auf Reste mit polypenähnlichen Inseln zerstört. Im Extremfall verliert der Darm seine Kontur und wird gewissermaßen zu einem Rohr.

    In dem verkümmerten, jedoch mit Entzündungszellen durchsetzten Gewebe können sich neue, veränderte Zellen bilden (sogenannte Dysplasien oder Neoplasien, abgekürzt IEN) siehe auch Abschnitt "Polypen" weiter oben). Sie können mit der Zeit in entartete Zellen übergehen.

    Die Cu beginnt immer im Mastdarm und setzt sich nach oben fort. Entweder beschränkt sie sich dann auf den linksseitigen Dickdarm, oder sie befällt das gesamte Organ.

    Wie bei der Crohn-Krankheit, aber doch seltener, können auch Organe wie die Augen, Gelenke einschließlich der kleinen Wirbelgelenke und die Haut erkranken. Entzündliche Veränderungen der Gallengänge in der Leber (sogenannte primär sklerosierende Cholangitis, PSC) kommen dagegen häufiger vor als bei Morbus Crohn.

    Symptome:
    Leitsymptome sind schleimig-blutig Durchfälle und krampfartige Bauchschmerzen, vor allem vor dem Stuhlgang. Die Betroffenen verlieren an Gewicht. Erkrankte Kinder wachsen schlechter. Die Entzündung kann schubartig und fiebrig verlaufen, zwischendurch aber wieder zum Stillstand kommen. Andere Patienten haben ständig mehr oder weniger ausgeprägte Beschwerden.


    Ein Schub kann durch körperliche oder psychische Belastungen ausgelöst werden. Als Komplikationen sind starke Darmblutungen, eine massive Entzündung mit Blutvergiftung, eine Darmüberblähung mit Gefahr des Durchbruchs und der Bauchfellentzündung – ein
    "toxisches Megakolon" – möglich. Dank der Behandlungsmöglichkeiten kommt das heute zum Glück nur noch selten vor.

    Diagnose:
    Sie beruht auf den im Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung" beschriebenen und diese ergänzenden Möglichkeiten. Feingeweblich untersuchte Gewebeproben aus der Darmschleimhaut sind obligatorisch. Der Arzt entnimmt sie im Rahmen der Koloskopie, bei der er sehr gründlich sowohl den Mastdarm als auch das Endstück des Dünndarms (terminales Ileum) begutachtet.

    Mithilfe der hochauflösenden Sonografie lässt sich die Darmwand beurteilen. Blutuntersuchungen lassen Entzündungszeichen und indirekt Hinweise auf eine begleitende Gallengangsentzündung erkennen. Auch im Stuhl lassen sich spezielle Entzündungsparameter bestimmen. Weitere Analysen dienen dem Ausschluss einer Darminfektion (infektiöse Kolitis, siehe oben).

    Krebsfrüherkennung bei Cu:
    Bei Colitis-ulcerosa-Patienten steigt das Risiko für Darmkrebs mit der Dauer und Ausdehnung der Krankheit.

    Daher empfehlen Experten den Patienten ab dem achten Jahr nach Auftreten der ersten Symptome eine Darmspiegelung zur Kontrolle. Bei Fehlen weiterer Besonderheiten und Risikofaktoren (niedriges Risiko), wie nachfolgend beschrieben, genügt es, die Koloskopien anschließend alle vier Jahre zu wiederholen.

    Falls die Colitis ulcerosa mäßig stark ausgeprägt ist, sollten Darmspiegelungen alle zwei bis drei Jahre stattfinden. Ein dementsprechend mittelgradig erhöhtes Krebsriko liegt beispielsweise auch vor, wenn ein erstgradig Verwandter im Alter von über 50 Jahren an Darmkrebs erkrankte. Auch dann sollten Cu-Patienten sich alle zwei bis drei Jahre koloskopieren lassen.

    Bei ausgedehnter Erkrankung, nachgewiesenen Krebsvorstufen in Gewebeproben aus dem Darm (sogenannte Dysplasien/IEN, siehe oben), bei Darmverengungen oder einer begleitenden chronischen Entzündung der kleinen Gallengänge in der Leber (PSC) oder wenn ein erstgradig Verwandter im Alter von unter 50 Jahren an Darmrebs erkrankte, sollten Patienten mit Colitis ulcerosa den Darm jährlich untersuchen lassen. Falls eine polypenartige Veränderung mit enthaltenen Zellveränderungen (Dysplasien/IEN) komplett abgetragen werden konnte und ansonsten kein weiteren Veränderungen dieser Art im Darm gefunden wurden, sollten ebenfalls jährliche Kontrollspiegelungen stattfinden (jeweils hohes Risiko).

    Hinweis:
    Ausschlaggebend für die Planung der Kontrolluntersuchungen ist jeweils das Kriterium mit dem höheren Risiko.

    Cu-Patienten mit einer PSC haben ein erhöhtes Risiko sowohl für Krebs in den Gallengängen der Leber als auch für Darmkrebs, sodass der Arzt beide Bereiche sorgfältig im Blick behalten wird. Auch nach weiträumiger Entfernung des Darms oder Anlage eines Pouches (siehe unten) wird der Arzt die Betroffenen regelmäßig überwachen.

    Therapie:
    Bei mäßig ausgeprägter Krankheit ist die Behandlung mit 5-Aminosalicylsäure-Präparaten (5-ASA oder Mesalazin, das entsprechende Retardpräparat) angezeigt. Der Arzneistoff kann die Entzündung unterbinden und weiteren Schüben vorbeugen.

    Er wird zur Langzeitbehandlung eingesetzt und ist auch in Form von Zäpfchen, Rektalschaum und Einläufen (Klysmen) zur örtlichen Behandlung einer Proktitis ulcerosa verfügbar. Bei schwereren Formen der Proktitis wird zusätzlich Kortison örtlich oder 5-ASA zum Einnehmen eingesetzt.

    Die Kombination von Einläufen oder Schäumen und Einnahme von 5-ASA-Präparaten hat sich auch bei einer Colitis ulcerosa des linksseitigen Dickdarms (linksseitige Colitis ulcerosa) bewährt. Falls die Entzündung nicht auf die Therapie anspricht oder diese nicht vertragen wird, behandeln Ärzte mit Kortison innerlich, also zum Einnehmen.

    Dieses Vorgehen wird auch bei ausgedehnterem Krankheitsbild im Darm praktiziert.

    Nach Abklingen der Krankheitszeichen empfehlen Ärzte eine längere Erhaltungstherapie (etwa zwei Jahre) mit 5-ASA, wenn die Erkrankung gut darauf reagiert hat (Therapie zur Erhaltung der sogenannten Remission). Kortison wird nicht zur Langzeittherapie eingesetzt. Für einige Substanzen, insbesondere 5-ASA, ist belegt, dass sie das Risiko für Darmkrebs bei Colitis ulcerosa senken können. Eine gleichzeitige PSC wird mit Ursodesoxycholsäure behandelt. Dieses Mittel kann wiederum das Risiko für bösartige Krankheitsfolgen in den Gallengängen senken.

    Wenn während der Langzeittherapie eine stärkere Behandlung notwendig ist, kommen 5-Aminosalicylsäurepräparate in höherer Dosierung, Biologicals in Form von Anti-TNF-Antikörpern oder Vedolizumab oder aber Thiopurine in Betracht.

    Patienten mit einem schweren Krankheitsschub werden in der Klinik behandelt. Ärzte setzen hier wiederum Kortison ein. Infrage kommen ebenfalls Anti-TNF-Antikörper, außerdem sogenannte Calcineurininhibitoren wie Ciclosporin und das immununterdrückende Medikament Tacrolimus.

    Zudem kann eine vorübergehende künstliche Ernährung über Sonden oder über die Blutbahn notwendig sein, um den Darm komplett zu entlasten. Bei Komplikationen wie schweren Blutungen oder dem "toxischen Megakolon" (siehe oben) ist eine Notfalloperation mit Anlage eines künstlichen Darmausgangs unvermeidlich.

    Der Dickdarm wird dabei teilweise entfernt. Wenn die Lage sich wieder beruhigt hat, wird im zweiten Schritt der Mastdarm bis auf einen Restanteil weggenommen und eine Verbindung zwischen dem dabei verbliebenen Darmausgang und dem Dünndarm unter Einbau eines Dünndarmreservoirs, ein sogenannter Pouch, angelegt.

    Die Operation heißt etwas umständlich "Proktokolektomie mit kontinenzerhaltender ilioanaler Pouchoperation (oder iliopouchanaler Anastomose)", da hierbei der Schließmuskel am Darmausgang und somit der natürliche Verschluss (die Kontinenz) erhalten bleibt. Sie lässt sich im Rahmen einer offenen Bauchoperation oder auch minimal invasiv, ähnlich wie eine Bauchspiegelung, durchführen.

    Wann sonst noch eine OP bei Colitis ulcerosa?
    Außerhalb einer Notlage kann der Eingriff zur passenden Zeit (elektiv) stattfinden. Dies kommt infrage, wenn bei einem Patienten der gesamte Dickdarm betroffen ist, die medikamentöse Therapie jedoch nicht genügend greift, oder wenn eine Tendenz zur Krebsentwicklung besteht, zum Beispiel bei nachgewiesenen Zellveränderungen (Dysplasien/IEN), die sich nicht endoskopisch entfernen lassen, und wenn bereits Krebs feststellbar ist.

    Prinzipiell gehen Ärzte davon aus, dass die Betroffenen nach Entfernung des Dickdarms geheilt sind. Dennoch sind nach der Operation wegen eines erhöhten Krebsrisikos am Pouchrand regelmäßige Kontrolluntersuchungen notwendig.

    Ernährung:
    Eine Ernährungsberatung ist wichtig, um sich nicht aus Sorge vor möglichen Unverträglichkeiten zu einseitig zu ernähren und in eine Mangelsituation zu geraten. Bei Eisen-, Mineralstoff- oder Vitaminmangel wird der Arzt entsprechende Präparate verordnen. Ansonsten siehe oben bei Morbus Crohn.

    Techniken der Stressbewältigung können dazu beitragen, Schüben vorzubeugen. Viele Betroffene fühlen sich durch den Erfahrungsaustausch in Selbsthilfegruppen im Umgang mit der Krankheit sicherer (im Internet: www.dccv.de; www.apotheken-umschau.de ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internetseiten).

Ausführlicher informiert Sie der Ratgeber "Colitis ulcerosa".

Sonderfälle: Diversionskolitis, Pouchitis, Cuffitis

  • Diversionkolitis: Darunter versteht man eine Entzündung in einem operativ ausgeschalteten Darmabschnitt unterhalb eines künstlichen Darmausgangs. "Diversion" bedeutet eigentlich Umleitung. nach Anlaga eines künstlichen Darmausgangs (Stoma) am Dünndarm (Ileostoma) oder Dickdarm (Kolostoma) wird der übrige Darmabschnitt unterhalb "geschont".

    Dies ist entweder eine endgültige Therapie oder eine Zwischenlösung, um den erkrankten Bereich vorübergehend ruhigzustellen und Entzündungen schneller zum Abklingen zu bringen. Warum sich aber in dem ausgeschalteten Bereich, etwa dem Mastadrm- oder Rektumstumpf, manchmal eine Entzündung, eine sogenannte Diversionskolitis, entwickelt, ist noch ungeklärt.

    Symptome:
    Oft fehlen Beschwerden. Manchmal können aber schon kurz nach der Operation oder erst später (bei definitivem Stoma) Symptome auftreten, etwa Austritt von Schleim und Blut aus dem künstlichen Darmausgang. Auch Bauchschmerzen, die in den Rücken oder Unterbauch ausstrahlen können, Blähungen und Völlegefühl sind mögliche Beschwerden.


    Diagnose:
    Mittels Darmspiegelung oberhalb und unterhalb des Stomas lässt sich sowohl der ausgeschaltete als auch der arbeitende Darm begutachten. Der Arzt entnimmt dabei gegebenenfalls Gewebeproben für die feingewebliche Untersuchung.

    Therapie:
    Falls möglich, macht der Chirurg die Umleitung zum passenden Zeitpunkt operativ wieder rückgängig. Damit klingt die Entzündung in der Regel von alleine ab. Andernfalls wird er bei Bedarf eine Behandlung mit 5-Aminosalicylsäure (5-ASA), Kortison und auch kurzkettigen Fettsäuren über Einläufe einleiten. Kurzkettige Fettsäuren fallen im gesunden Darm mit ausgeglichener Keimflora natürlicherweise beim Abbau von Stärke und Eiweiß an. Sie sind ein wichtiger Nährstoff für die Zellen der Darmschleimhaut. Unter anderem können sie bei einer Diversionskolitis im Darm vermindert sein, was neben fehlenden mechanischen Reizen offenbar einen Teil der Entzündung im stillgelegten Darmabschnitt ausmacht.
  • Pouchitis: Ein Pouch, wörtlich Beutel, ist ein vom Chirurg aus Darmschlingen aufgebautes Reservoir, das den entfernten Mastdarm gewissermaßen ersetzt. Er kann sich akut oder chronisch entzünden. Einen Pouch legen Chirurgen zum Beispiel an, wenn der gesamte Dickdarm zum Beispiel wegen einer schweren Entzündung bei einer Colitis ulcerosa oder einer Familären Polyposis (FAP, siehe Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung") entfernt werden musste.

    Eine oft gewählte Konstruktion ist der ilioanale Pouch – eine Verbindung zwischen Dünndarm und After über ein beutelartiges Gewinde aus miteinander verbundenen Darmschlingen. Der erhaltene Anus sichert den Darmverschluss, die Kontinenz. Es gibt beim Pouchdesign zahlreiche Varianten. Die Entzündung im Pouch ist eine Langzeitkomplikation, die erst Monate nach der Operation auftritt.

    Im Falle einer Vorerkrankung wie Colitis ulcerosa, bei der das Risiko einer Pouchentzündung etwas erhöht ist, wird vermutet, dass die Grunderkrankung selbst der Auslöser ist, obwohl die Betroffenen nach der Operation in der Regel als geheilt gelten. Daneben sind weitere Ursachen möglich, etwa eine Störung der bakteriellen Darmflora und Infektionen mit speziellen Erregern. Wenn eine Entzündung im Pouch länger als drei Monate besteht, gilt sie als chronisch.

    Symptome bei Pouchitis:
    Schon
    beim normalen Pouch ist die Stuhlfrequenz erhöht. Im Vergleich dazu nehmen die Entleerungen bei Pouchitis noch zu. Es kommt also regelrecht zu Durchfällen, außerdem zu einem quälenden ständigen Stuhldrang, Schmerzen und Krämpfen bei den Entleerungen (Tenesmen) sowie Absonderung von Blut und Schleim. Auch Fieber kann auftreten.
  • Cuffitis: Ein Cuff ist die schmale, ringförmige Manschette von Enddarmschleimhaut oberhalb der Pouchnaht am After. Eine Entzündung hier (Cuffitis) tritt häufig schon kurze Zeit nach dem Eingriff auf. Dabei kann es ebenfalls bluten. Als Ursache gilt zurückgelassene, im Rahmen der Grundkrankheit Colitis ulcerosa entzündete Darmschleimhaut des Mastdarms. Infrage kommen eventuell auch örtliche Komplikationen durch technische Besonderheiten bei dem Eingriff oder bestimmte vorausgegangene Medikamentenbehandlungen.

    Symptome:
    Die Beschwerden sind ähnlich wie bei Pouchitis, zusätzlich besteht oft Juckreiz im Analbereich.


    Diagnose
    (Pouchitis, Cuffitis): Die Krankengeschichte des Patienten ist dem Arzt in der Regel bekannt. Hilfreich sind sodann die Angaben zu den Beschwerden, die sich auch anhand eines Fragebogens präzisieren lassen. Es folgen die Austastung des Darmausgangs und eine Darmspiegelung (Pouch-Endoskopie). Dabei begutachtet der Arzt die Schleimhaut des Pouches und / oder Cuffs optisch und entnimmt Gewebeproben (dieses Vorgehen gilt für Pouchitis und Cuffitis). Bei hartnäckiger Pouchitis kann auch eine bakteriologische Untersuchung von Stuhlproben notwendig sein. Besteht Verdacht auf ein Leck, eine Fistelöffnung oder einen Abszess, kommen weitere bildgebende Diagnoseschritte zum Einsatz.

    Therapie (Pouchitis, Cuffitis):
    Eine akute Pouchitis lässt sich meistens mit bestimmten Antibiotika (Metronidazol, Ciprofloxazin) und sogenannten Probiotika behandeln. Das sind Präparate mit Kulturen von Milchsäurebakterien für den Darm. Letztere haben auch bei der chronischen Pouchitis ihren Platz. Manchmal setzt der Arzt 5-Aminosalicylsäure (5-ASA beziehungsweise Mesalazin, insbesondere auch bei Cuffitis) oder Kortison in örtlich anwendbarer Form ein. Bei schwerer Ausprägung der Pouchitis ist ein Medikament notwendig, welches das Immunsystem unterdrückt, zum Beisiel ein Calcineurininhibitor oder ein Bioological. Falls die medikamentöse Therapie überhaupt nicht greift, muss der entzündete Pouch entfernt und ein künstlicher Darmausgang angelegt werden.

Einstülpung (Invagination) des Darms

Überbewegliche Darmabschnitte können sich bei sehr starker Darmtätigkeit ineinander stülpen. Dabei können auch Darmblutungen auftreten. Dies kommt hauptsächlich bei Säuglingen und Kleinkindern vor.

Neben Blinddarmentzündungen sind Invaginationen des Dünndarms bei Säuglingen und Kleinkindern ein häufiger Grund für einen "akuten Bauch". Meist schiebt sich Dünndarm in den Anfang des Dickdarms. Auch bei einem sogenannten Meckel-Divertikel kann es dazu kommen. Bei Erwachsenen sind es andere Auslöser, zum Beispiel Dünndarmtumoren (mehr dazu jeweils weiter unten). Die Beschwerden zeigen bei ihnen aber eine größere Bandbreite, Blutungen spielen eher eine untergeordnete Rolle.

Symptome: Die kleinen Patienten entwickeln aus heiterem Himmel die Zeichen eines akuten Bauches: starke Bauchschmerzen (Koliken), Erbrechen, der Bauch ist angespannt. Im rechten Unterbauch kann eine walzenartige Verdickung tastbar sein. Eine "johannisbeergeleeartige" Darmblutung ist verdächtig auf einen fortgeschrittenen Verlauf  – es besteht womöglich Lebensgefahr.

Diagnose und Therapie: Das Kind muss notfallmäßig in die Kinderklinik gebracht werden. Dort stellt der Arzt eine Verdachtsdiagnose aufgrund der Angaben der Eltern zur Entwicklung der Beschwerden des Kindes, einer raschen körperlichen Untersuchung und Sonografie. Der Kinderchirurg entscheidet jedoch ohne Zeitverlust über einen Notfalleingriff.

Meckel-Divertikel

Die Meckel-Divertikel genannte Ausstülpung des Dünndarmes ist ein Überbleibsel aus der Embryonalzeit. Solche angeborenen Divertikel können verschiedene Formen, auch mit einer Verbindung zum Nabel, haben. Beschwerden, etwa durch eine Entzündung, sind selten. Wenn das Divertikel versprengte Schleimhaut enthält, die Verdauungssäfte bildet, kann es zu Geschwüren und Blutungen kommen.

Ein Meckel-Divertikel liegt bei Kindern etwa einen halben Meter (bei Erwachsenen etwa 100 Zentimeter) vor der Mündungsstelle des Dünndarms in den unteren Dickdarmpol auf der rechten Körperseite, auch Zökum genannt (der eigentliche Blinddarm). Divertikel verursachen in erster Linie bei Kindern Beschwerden, in bis zu vier Prozent der Fälle kann es schwerwiegenden Symptomen wie einer Darmblutung kommen.

Im Erwachsenenalter kann die in der Regel dann symptomlose Anlage zum Beispiel bei einer Operation noch auffindbar sein.

Symptome: Ein symptomloses Meckel-Divertikel kann als Zufallsbefund anlässlich einer Darmuntersuchung oder bei einem Eingriff, etwa einer Blinddarmoperation, entdeckt werden. Typische Beschwerden bei Kindern sind Bauchschmerzen, meist in der Nabelgegend oder im rechten (Unter-)bauch, eventuell auch Übelkeit und Brechreiz. Die Beschwerden können zum Beispiel von einem Geschwür im Divertikel ausgehen, das durch versprengtes Drüsengewebe vom Typ Magen oder Bauchspeicheldrüse entstanden ist. Seltene, womöglich lebensbedrohliche Komplikation hier: ein Durchbruch. Manchmal treten ausgeprägte Darmblutungem auf, die auch spontan wieder zum Stillstand kommen können. Schließlich kann das Divertikel zur Folge haben, dass sich Darm ineinanderstülpt (Invagination, siehe oben). Dabei kann ein Darmverschluss entstehen (Notfälle: "akuter Bauch").

Diagnose: Der Arzt tastet den Bauch ab, untersucht ihn mit Ultraschall, überprüft das Blut und veranlasst gegebenenfalls eine Computertomografie oder, je nachdem, wie akut die Sitation ist, eine spezielle Darmdarstellung oder eine szintigrafische Untersuchung, um zum Beispiel die ortsuntypische Schleimhaut nachzuweisen. Zu den Verdachtsdiagnosen gehört auch eine Binddarmentzündung.

Therapie: Kann der Arzt bei der (Notfall-) Laparoskopie oder Bauchoperation die Diagnose eines Meckel-Divertikels als Ursache der Beschwerden / der Blutung stellen, wird er das Gebilde entfernen (Divertikulektomie). Gegebenenfalls benötigt das Kind eine Bluttransfusion.

Dünndarmtumoren

Geschwülste kommen im Dünndarm deutlich seltener vor als im Dickdarm. Die Tumoren sind häufiger gut- als bösartig. Beschwerden bereiten sie meist erst ab einer bestimmten Größe.

Wie es zu Dünndarmtumoren kommen kann, ist noch weitgehend unklar. Ausnahmen: erbliche Polypen-Erkrankungen (mehr dazu im Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung") und Morbus Crohn, der mit einem erhöhten Krebsrisiko, unter anderem für Dünndarmkrebs, einhergeht. Zu den gutartigen Dünndarmtumoren gehören unter anderem die polypenartigen Adenome (siehe Abschnitt "Polypen" weiter oben), die in der Schleimhaut wachsen.

Doch können auch die anderen Darmgewebe – Muskulatur der Darmwand, Fett- und Bindegewebe, Nerven, Lymphgewebe und Gefäße – gutatige wie bösartige Tumoren hervorbringen. Die sogenannten seltenen gastrointestinalen Stromatumoren (GIST) sind bösartige Gebilde, die sich aus bestimmten Darmzellen entwickeln. Zum Teil liegen genetische Veränderungen vor, beispielsweise im Gen des sogenannten Tyrosinkinase-Rezeptors KIT. GIST-Tumoren können nicht nur im Dünndarm, sondern häufiger noch im Magen, gelegentlich auch im Dickdarm wachsen. Ähnlich verhält es sich bei Tumoren namens Karzinoide oder neuroendokrine Tumoren: Außer in den genannten Organen können diese Geschwülste zum Beispiel auch in der Bauchspeicheldrüse oder im Enddarm sitzen. Ein kleiner Teil der Karzinoide setzt bestimmte Hormone frei, was entsprechende Beschwerden zur Folge hat (siehe nachfolgend).

Symptome: Im Vordergrund stehen Schmerzen im Bauch, mitunter vor allem im mittleren Bauch, Übelkeit, Erbechen, Gewichtsverlust und Blut aus dem Darm. Ab einer bestimmten Größe kann die Geschwulst den Darm verlegen, sodass es zum Darmverschluss kommt.

Karzinoide / neuroendokrine Tumoren können unter anderem Durchfälle, anfallsartige Hitzewallung, Rötungen im Gesicht und am Hals, Herzrasen, Magengeschwüre und Störungen des Zuckerstoffwechsels verursachen.

Diagnose: Richtungweisend ist mitunter schon die Art der Beschwerden des Patienten. Die körperliche Untersuchung durch den Arzt und verschiedene apparative Maßnahmen, die er veranlasst, können die Diagnose sichern: Ultraschalluntersuchungen des Bauches, eine Spiegelung des oberen Verdauungstrakts, die Kontrastdarstellung des Dünndarms (auch als Computertomografie), sodann spezielle Formen der Magnetesonanztomografie und der Endoskopie wie Hydro-MRT und Videokapselendoskopie (dabei wird eine Kapsel mit eingebauter Minikamera verschluckt). Manchmal führt erst eine radiologische Gefäßdarstellung zum Ziel. Bei einem mutmaßlichen Karzinoid können unter anderem bestimmte Suchstests (Laboranalysen) und szintigrafische Untersuchungen Aufschluss geben.

Therapie: In erster Linie werden Dünndarmtumoren operativ behandelt. Im Einzelfall setzen Ärzte spezielle Medikamente ein. So zum Beispiel bei einem GIST mit nachgewiesener Veränderung des Tyrosinkinase-Gens KIT im Tumorgewebe sogenannte Tyrosinkinase-Inhibitoren, bei anderen bösartigen Formen eine Chemotherapie oder Medikamente, die in eine krankhafte Hormonbildung eingreifen.

Gefäßerkrankungen des Darms

Durchblutungsstörungen des Darms heißen mesenteriale Ischämien. Dabei wird der Darm geschädigt und kann bluten. Es sind potenziell lebensbedrohliche Ereignisse.

  • Durchblutungsstörungen durch Gefäßverschlüsse (Mesenterialinfarkt)

Selten, aber lebensbedrohlich: Auf diese Kurzformel lassen sich Verschlüsse von Darmgefäßen bringen. Die Arterien (und Venen) des Darms heißen Mesenterialgefäße. Achillesfersen der Durchblutung des Darms liegen, anatomisch bedingt, an der oberen linken Biegung des Dickdarms und im S-förmigen Abschnitt (Sigma) weiter unten.

An diesen beiden Stellen treten Gefäßverschlüsse am häufigsten auf. Allerdings können auch andere Abschnitte im Dünn- und Dickdarm betroffen sein.

- Mesenterialinfarkt (Verschlussischämie): Zu einer akuten Gewebsschädigung infolge einer Durchblutungsstörung (sogenannte Mesenterialischämie) kommt es, wenn ein im Blut schwimmendes Gerinnsel, auch Embolus genannt (daher die Bezeichnung Mesenteralarterienembolie) in einer Darmarterie hängenbleibt und diese verstopft.

Arterielle Embolien sind die häufigsten Ursachen von Darmverschlüssen. Das oder die Gerinnsel stammen aus dem Herzen oder der Hauptschlagader (Aorta). Sie bilden sich zum Beispiel bei Vorhofflimmern oder Herzklappenfehlern oder, bei einer Wandschädigung, in der Hauptschlagader.

Auch in einer Darmarterie selbst können sich Gerinnsel an krankhaft veränderten Wandstellen bilden. Diese entwickeln sich über längere zeit. Ein so vor Ort entstandener Pfropf kann das Gefäß ebenfalls irgendwann akut verschließen. (Mesenterialarterienthrombose).

Zu den Risikofaktoren der häufigsten Art von Gefäßwandschäden, der Gefäßverkalkung oder Arteriosklerose, gehören Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Herzkrankheiten, Veranlagung und ein höheres Lebensalter.

Ein Gefäßverschluss im Darm heißt Mesenterialarterieninfarkt.

Was passiert bei einer Mesenterialischämie?
Unterschreitet der Veschluss in einem Gefäß eine kritische Grenze, fluten nicht mehr genügend Sauerstoff und Nährstoffe an. Dann nimmt der Darm Schaden. Das gilt letztlich für beide Verschlussarten – Embolie wie Thrombose.

Die Embolie verläuft im Allgemeinen von Anfang an dramatisch. Es kommt zunächst zu einer akuten Darmentzündung (ischämische Kolitis) mit Schleimhautgeschwüren und Blutungen. Hält die Blockade an, beginnt Darmgewebe zugrunde zu gehen. Dann passiert Folgendes:

Symptome:

Akute Mesenterialischämien (Verschlussischämien) führen zu heftigen Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. Unbehandelt entwickelt sich etwa sechs bis zwölf Stunden später – eventuell nach einer trügerischen, vorübergehenden "Besserung", da geschädigte Nerven im Darm keine Schmerzsignale mehr senden können – eine dramatische Situation: Darmgewebe geht zugrunde, es kommt zu Blutungen, einer Bauchfellentzündung, Blutvergiftung (Sepsis), Darmlähmung und Kreislaufschock (siehe auch Beitrag "Bauchschmerzen, akuter Bauch").

Langsamer fortschreitende arterielle Gefäßerkrankungen im Darmbereich können zunächst symptomlos sein oder immer wieder Bauchschmerzen verursachen, die typischerweise einige Stunden nach dem Essen auftreten (sogenannte Angina abdominalis).

Sie hängen damit zusammen, dass die Verdauungsarbeit dem Darm zusätzlich Energie abverlangt, die ein verengtes Gefäß nicht schnell genug bereitstellen kann. Sind durch den Durchblutungsmangel Entzündungen und Geschwüre entstanden, folgen Durchfälle und Ernährungsstörungen. Schließlich kann es auch hier zu einem Darminfarkt kommen.

Diagnose: Die Diagnose erfordert verschiedene Untersuchungen: die Dokumentation der Beschwerden und der Krankengeschichte durch den Arzt, Bluttests, eine  Ultraschalluntersuchung des Bauches, je nach Zustand des Patienten auch eine Darmspiegelung, im Notfall dringlich eine Gefäßdarstellung mittels Computertomografie und Kontrastmittel.

Bei unklarem Ergebnis oder in der Notfallsituation ist sofort ein Eingriff (Laparatomie) nötig. Dabei eröffnet der Chirurg den Bauch, sucht den Dünn- und Dickdarm systematisch nach Durchblutungsstörungen ab und prüft, ob das betroffene Gewebe überlebensfähig ist. Während der Operation (intraoperativ) nutzt er gegebenenfalls bildgebende Verfahren, um Gefäße gezielt darzustellen und die Durchblutung zu überprüfen.

Therapie: Meistens handelt es sich tatsächlich um eine Notoperation in einer lebensbedrohlichen Situation. Zugrunde gegangenes Darmgewebe entfernt der Chirurg, wenn möglich, immer. Anschließend stellt er die Blutversorgung wieder her, legt aber zunächst meist noch einen entlastenden künstlichen Darmausgang an.

In weniger dramatischen Fällen lässt sich ein Blutgerinnsel über einen Gefäßkatheter auflösen oder entfernen. Bei einem chronischen Gefäßverschluss kann der Arzt die Engstelle über den in die Gefäßbahn (transluminal) eingeführten Katheter auch aufdehnen und eine Gefäßstütze (Stent) einbringen, die das Gefäß offenhält (Angioplastie, auch sogenannte Stent-PTA; die Abkürzung steht für perkutane transluminale Angioplastie).

  • Nicht-Verschluss-Ischämien

Eine Durchblutungsstörung, der kein Gefäßverschluss zugrunde liegt, heißt Nicht-Verschluss-Ischämie, manchmal auch "vasospastische Ischämie". Die Wände von Schlagadern bestehen aus Muskulatur. Diese zieht sich im vom Herz vorgegebenen Rhythmus zusammen, um das Blut vorwärts zu bewegen.

Die Gefäße können sich auch krankhaft zusammenziehen (Spasmus), begünstigt durch Schädigungen wie bei einer Arteriosklerose. Die Folge ist eine kritische Durchbutungsstörung mit Schädigung des Darms. Aulösend kann eine Herzoperation mit Einsatz der Herz-Lungen-Maschine sein, etwa ein Eingriff an den Herzkranzgefäßen oder an einer Herzklappe. Auch eine längere Dialysebehandlung spielt eine Rolle.

Zudem kann den Durchblutungsstörungen eine entzündliche Gefäßerkrankung (Vaskulitis) zugrunde liegen, etwa infolge einer Autoimmunstörung und /oder einer Hepatitis B-Infektion.

Auch Arzneistoffe wie das heute nur noch selten eingesetzte Digitalis oder bestimmte Drogen wie Kokain, die gefäßverengend wirken können, lösen je nach Zustand der Gefäße mitunter eine ischämische Kolitis aus.

Diagnose und Therapie: Die Diagnose erfolgt auch hier zunächst über ein Kontrastmittel-CT. Bei noch ausreichender Durchblutung kann eine gefäßerweiternde Infusionsbehandlung über einen arteriellen Gefäßkatheter helfen. Ansonsten ist eine Notfalloperation mit Entfernung des geschädigten Darmabschnitts notwendig.

  • Gefäßfisteln: Krankhafte Verbindungen, an denen Blutgefäße beteiligt sind

Gefäßfisteln sind krankhafte Verbindungen zwischen Blutgefäßen – Arterie (A) und Vene (V) –  oder zwischen einem Gefäß und einem Nachbarorgan.

- Arterio-venöse (AV-)Fisteln: AV-Fisteln können zum Beispiel zwischen einer Darmarterie, die dem Darm normalerweise Blut zuführt, und einer Darmvene, die das Blut normalerweise ableitet, entstehen. Bei einer solchen arterio-venösen Fistel wird das reguläre Verbindungsnetz zwischen beiden Gefäßgebieten – das Kapillarnetz – umgangen. Es handelt sich also um einen Kurzschluss.

Manchmal wird in dem Zusammenhang auch der Begriff Shunt verwendet. Die bekannteste Form ist der künstlich angelegte Dialyse-Shunt. Einzelne, kleine AV-Fisteln kommen natürlicherweise im Körper vor, haben aber keine Bedeutung. Größere Fehlverbindungen zwischen arteriellen und venösen Gefäßen sind mitunter angeboren, oder sie entstehen erst im Laufe des Lebens (erworbene AV-Fisteln).

Angeborene AV-Fisteln im Darm können mit der Zeit eventuell zu einem geschwulstartigen pulsierenden Gefäßknäuel führen. Daneben gibt es im Verdauungstrakt sehr selten auch Gefäßfehlbildungen (sogenannte Gefäßmalformationen) und bösartige Tumoren vom Typ der Angiosarkome (Gefäßtumoren). In beiden Fällen können Kurzschlüsse zwischen arteriellen und venösen Gefäßen entstehen.

Ansonsten entstehen arterio-venöse Fisteln mitunter als Komplikation bei Darmoperationen, bei diagnostischen Eingriffen oder durch Verletzungen. Was Gefäßfisteln im Darm betrifft, so kann es, muss aber nicht, zu mehr oder weniger ausgeprägten Einblutungen in die Darmschleimhaut kommen. Dabei sind auch Durchblutungsstörungen mit Schädigungen der Darmschleimhaut möglich.

Symptome: Möglich sind krampfartige Schmerzen im Mittel- und Oberbauch, Durchfälle, chronisch "verdeckte" wie auch dramatisch akute Blutungen. In der Folge können sich Durchfälle, Ernährungsstörungen und ein ungewollter Gewichtsverlust einstellen.

Diagnose und Therapie: Arterio-venöse Fisteln lassen sich oft auch mittels einer Computertomografie mit Kontrastmittel darstellen. Um eine gezielte Behandlung planen zu können, ist aber immer die genaue Lokalisation über eine Angiografie notwendig. Die Therapie besteht in einer Kathetermaßnahme, einem chirurgischen Eingriff an den Gefäßen oder in einer Darmoperation. So kann der Arzt Fisteln entweder über eine Katheterbehandlung verschließen, gefäßchirurgisch korrigieren und überbrücken, oder er entfernt sie. Gegebenenfalls nimmt er den Darmabschnitt mit den Fisteln ganz weg.

- Fistel zwischen Hauptschlagader und Darm (aorto-intestinale Fistel, selten): Die krankhafte Verbindung beruht meist auf einer Ausbuchtung (Aneurysma, siehe nachfolgend) der Hauptschlagader. Die Aussackung kann sich zum Beispiel im Zuge einer Gefäßerkrankung – in der Regel einer Arteriosklerose, also Gefäßverkalkung – oder nach Schienung der Schlagader mittels einer Prothese. Bei Durchbruch in den Darm liegt eine Fistel vor. Im letzteren Fall spielen Nahtlockerung, Verlagerung und eine verzögert auftretende Infektion der Prothese eine Rolle.

Symptome: Es besteht die Gefahr einer massiven lebensbedrohlichen Darmblutung. Manchmal finden sich bei einer Prothesenwanderung aber auch nur leichte chronische Blutungen der Darmschleimhaut. Einziger Hinweis kann dann eine Blutarmut sein. Weitere Symptome hängen meist mit den zugrunde liegenden Gefäßerkrankungen zusammen, etwa Durchblutungsstörungen in anderen Gefäßbereichen des Körpers.

Diagnose: Der Arzt setzt je nach Zustand des Patienten das jeweils geeignete Verfahren aus dem gesamten Repertoire bildgebender Techniken von der Spiegelung (Endoskopie) bis zur Gefäßdarstellung ein, um die Blutungsquelle zu sichern.

Therapie: Die Behandlung kann zum Beispiel in einer sofortigen Operation und Austausch der Prothese oder Anlegen einer Gefäßumgehung bestehen.

- Viszeralarterienaneurysma (zum Beispiel Milzschlagader): Ein Aneurysma ist eine Gefäßausbuchtung. Im Bauchraum sind die Hauptschlagader (Aorta), die Beckenarterie oder die Milzschlagader ein Aneurysma entwickeln. Ein Aneurysma der Milzarterie entsteht unter anderem infolge einer Gefäßverkalkung (Arteriosklerose), einer  Gefäßentzündung oder einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung.

Symptome: Meist ist ein Aneurysma der Milzschlagader kleiner als zwei Zentimeter und verursacht keine oder kaum Beschwerden. Manchmal klagen die Betroffenen über Bauchschmerzen, Übelkeit, Blähungen: allgemeine Symptome, die viele verschiedene Ursachen haben können.

Selten kann das Aneurysma in den Magen oder den Gang der Bauchspeicheldrüse, der in den Dünndarm mündet, durchbrechen. In der Folge kann es zu verhaltenen Blutungen mit Abgang von Teerstuhl und Blutarmut oder auch zu einer lebensbedrohlichen akuten "Darmblutung" kommen.

Diagnose, Therapie: Endoskopische Untersuchungen können in diesem Fall zwar im Bauchraum vorhandenes Blut, aber nicht dessen Quelle aufzeigen. Das Aneurysma lässt sich in der Regel anhand einer CT-Angiografie mit Kontrastmittel über eine Vene erkennen oder in einer Katheter-Angiografie direkt darstellen und auch behandeln.

Dabei kann der Radiologe das Aneurysma entweder durch eine sogenannte Embolisation verschließen (Einspitzen eines speziellen Materials, welches das Gefäß blockiert) oder durch Einlegen einer Gefäßstütze (Stent) abdichten. Chirurgen versorgen betroffene Patienten mitunter auch laparoskopisch, also mittels Bauchspiegelung.

  • Gefäßfehbildungen (Angiodysplasien)

Darmblutungen können auch durch Gefäßfehlbildungen wie zum Beispiel Angiodysplasien im Magen-Darmtrakt entstehen. Hier entstehen neben Erweiterungen auch Kurzschlüsse zwischen kleinen Arterien und Venen. Verschiedene Gefäßerkrankungen und Alterungsvorgänge sind mitbeteiligt, wenn die Veränderungen zunehmen und bluten. 

Beim Darm geht es um Gefäße vor allem auf der rechten Seite des Dickdarms. Angiodysplasien sind nach Divertikeln (siehe Kapitel "Ursachen im Dickdarm, Mastdarm, Dünndarm") in diesem Darmbereich die häufigsten Blutungsquellen.

Die Gefäßanomalien, die teilweise unter der Darmschleimhaut liegen, können auch im Dünndarm oder Magen vorkommen. Sie bestehen unter anderem aus erweiterten, gewundenen Venen, die unterhalb und in der Darmschleimhaut liegen.

Angiodysplasien können unbemerkt bluten. Dann kann sich "verstecktes" Blut im Stuhl finden und mit einem Stuhltest auf verborgenes (okkultes) Blut nachweisbar sein. Manchmal werden sie auch nur zufällig bei einer Spiegelung des Darms oder Magens oder bei einer radiologischen Untersuchung zur Abklärung einer möglichen Darmblutung entdeckt. Sie können aber auch die Ursache sichtbarer Darmblutungen sein.

Wenn sie weder bluten noch weitere Folgen wie zum Beispiel eine therapiebedürftige Blutarmut nach sich ziehen, müssen sie nicht behandelt werden. Mögliche Behandlungswege sind nach Ausschluss anderer Blutungsursachen und bei stärkeren Blutungen endoskopisch, radiologisch oder chirurgisch.

Offenbar gibt es Überschneidungen zwischen Angiodysplasien und dem Von-Willebrand-Jürgens-Syndrom (vWS). Das ist die häufigste erbliche (selten erworbene) Erkrankung, die mit einer gesteigerten Blutungsneigung verbunden ist. Mehr dazu im Beitrag Nasenbluten.

Eine weitere, infrage kommende Erkrankung mit Gefäßfehlbildungen ist zum Beispiel der Morbus Osler (Morbus bedeutet Krankheit, Osler ist der Name einer der Ärzte, der die Krankheit 1901 in Kanada beschrieb). Verantwortlich sind verschiedene Genveränderungen.

Bei den Betroffenen sind die stellenweise fehlentwickelten, erweiterten Gefäße, auch feinste Kapillargefäße (sogenannte Teleangiektasien), an den Lippen, im Mund, an der Nasenschleimhaut, häufig auch an den Fingern als rote Pünktchen oder Knötchen erkennbar. Sie bluten leicht. 

Bis zum Alter von etwa vierzig Jahren sind sie meistens voll ausgebildet. Die Blutungsneigung hängt damit zusammen, dass die erkrankten, oberflächlich in der Schleimhaut liegenden  Gefäße – unter dem Druck eines durchsichtigen Spatels verschwinden sie optisch – brüchig sind und leicht platzen. Blutarmut durch Eisenmangel ist eine häufige Folge. Auch im Darm, in den Lungen, seltener im Gehirn können solche Gefäßfehlbildungen vorkommen und krankheitsrelevant sein.

Symptome: Blutungen aus Angiodysplasien im Darm kommen meistens wieder spontan zum Stillstand, neigen aber dazu, sich zu wiederholen. Sie können unbemerkt verlaufen, sich manchmal aber auch bemerkbar machen. Ein typisches Symptom bei Morbus Osler ist häufiges Nasenbluten. Oft tritt es schon im Kindesalter auf.

Diagnose: Gefäßanomalien im Darm sind angiografisch feststellbar, das heißt mit einer gezielten Computertomografie (Angio-CT). Dazu ist ein Kontrastmittel nötig. In der Regel wird eine Darmspiegelung vorgeschaltet.

Therapie: Mittels Katheterbehandlung (perkutane Embolisation) oder "Verödung" durch eine Elektro- oder Laserbehandlung lassen sich die Gefäße verschließen beziehungsweise die Blutungen zum Stillstand bringen.

Darmabschnitte mit ausgeprägten Gefäßveränderungen werden allerdings meist entfernt. Mittels weiterer Untersuchungen auch während der Operation wie Sonografie (Endosonografie) oder Spiegelung (Enteroskopie) kann der Chirurg die Veränderungen zuvor noch genauer überprüfen.

Bei Blutarmut ist eine Behandlung mit Eisen, manchmal auch eine Bluttransfusion erforderlich.

Der Ratgeber "Morbus Osler" informiert Sie näher.

Was hat eine Endometriose mit dem Darm zu tun?

Endometrium ist die Fachbezeichnung für Gebärmutterschleimhaut. Bei der Endometriose, einer eigentlich gutartigen Erkrankung, findet sich derartiges Gewebe auch an Stellen, wo es nicht hingehört, zum Beispiel am Darm. Daher sind auch bei dieser Erkrankung eventuell Blutaustritte aus dem Darm möglich.

Fehlgeleitete Gebärmutterschleimhaut kann an der Gebärmutterwand (Adenomyose), an oder in der Darmwand, an den Eileitern, Eierstöcken, in der Blase, manchmal sogar auch weit weg, etwa im Bereich der Lungen, vorkommen.

Wie die Gebärmutterschleimhaut wird auch die ortsfremde Schleimhaut oft durch die im Monatszyklus aktiven weiblichen Hormone auf- und abgebaut. Wenn das Blut nicht abfließen kann, bilden sich zystenartige Gebilde, und es kann zu Entzündungen und Verklebungen kommen.

Als Ursache der prinzipiell gutartigen Erkrankung werden verschiedene Mechanismen, unter anderem eine sogenannte "Rückwärts-Menstruation", die die Streuung der Schleimhautzellen begünstigt, sowie genetischer Veranlagung diskutiert. Betroffen sind ganz überwiegend Frauen im reproduktionsfähigen Alter.

Symptome: Je nach Lage der Endometriumherde sind während der Monatsblutung (zyklisch) oder auch unregelmäßig auftretende Schmerzen typisch – häufig Bauch-, Unterleibs- und Rückenschmerzen. Die eher selten vorkommende Darmbeteiligung bei Endometriose – die sogenannte tief-infiltrierende Form mit Endometriosegewebe zwischen Darm, Scheide und Gebärmutter oder in der Darmwand – kann sich manchmal mit periodischen Darmblutungen/Blutbeimengungen im Stuhl bemerkbar machen. Periodisch heißt: im Rhythmus des Menstruationszyklus. Allerdings erreichen die Endometrioseherde selten die Darmschleimhaut, also die Innenauskleidung.

Häufig kommt es periodisch (zyklisch) zu Stuhlunregelmäßigkeiten, Blähungen und schmerzhaftem Stuhldrang. Verwachsungen können chronische Schmerzen im Bauch und Unterleib verursachen. Die Leitsymptome der Endometriose sind aber überwiegend an die weiblichen Geschlechtsorgane und ihre Hormonsteuerung gebunden. Sie bestehen in Unfruchtbarkeit, Zyklusstörungen mit unregelmäßigen und schmerzhaften Menstruationsblutungen, Schmierblutungen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Richtig ist aber auch: Viele Frauen haben wenig oder gar keine Beschwerden.

Diagnose: Der Frauenarzt zieht bei Verdacht auf eine Endometriose, die den Darm einbeziehen könnte, einen Gastroenterologen hinzu, wobei die Reihenfolge der Arztkontakte auch umgekehrt laufen kann. Das Beschwerdebild, die Anamnese (Krankengeschichte), die körperliche Untersuchung sowie die gynäkologische Tast- und Ultraschalluntersuchung – Sonografie von der Scheide und vom Mastdarm aus sowie von außen, um unter anderem die Blase zu kontrollieren – können richtungweisend sein.

Ergänzend kommen manchmal eine Enddarmspiegelung (Rektoskopie) zum Ausschluss anderer Ursachen und eine Magnetresonanztomografie (MRT) hinzu. Eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) mit Entnahme von Gewebeproben ist im Allgemeinen notwendig, um die Diagnose zu sichern. Dabei kann der Arzt erreichbares Endometriosegewebe auch instrumentell entfernen.

Therapie: Bei der Darmendometriose kommt es immer darauf an, wo sich die Veränderungen genau befinden und welche Beschwerden vorhanden sind. Betroffene mit Endometriose und Darmbeteiligung sollten sich an ein zertifiziertes Endometriose-Zentrum wenden (Info: https://www.endometriose-vereinigung.de/zertifizierte-zentren.html).

Dort ist eine interdisziplinäre Betreuung durch Spezialisten möglich. Der Arzt gestaltet die Therapie vorrangig individuell. Dabei passt er sie so weit wie möglich dem Beschwerdebild, den Befunden und Wünschen der Patientinnen an. Das gilt zum Beispiel auch für eine Hormontherapie.

Im Einzelfall kann bei einer bestätigten Darmendometriose ein ausgedehntes Vorgehen notwendig sein. Ein Eingriff ist aber nicht immer zwingend und bringt auch nicht zwangsläufig das gewünschte Ergebnis.

Mehr Informationen über die Krankheit im Ratgeber "Endometriose".

Herold G und Mitarbeiter, Gerd Herold Köln, Innere Medizin, 2019

Aktualisierte S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS): Colitis ulcerosa. AWMF-Register-Nr. 021/009, Stand: 15.5.2018; in: Kucharzik T et al., Z Gastroenterol 2018; 56: 1087–1169; Online: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-009l_S3_Diagnostik_Therapie_Colitis_ulcerosa_2018-10.pdf
(Abgerufen am 24.04.2019)

Aktualisierte S3-Leitlinie "Diagnostik und Therapie des M. Crohn", 01/ 2014, AWMF-Registernummer 021/004. Online:
https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-004l_S3_Morbus_Crohn_Diagnostik_Therapie_2014-09-abgelaufen.pdf
(Abgerufen am 24.04.2019; in Überarbeitung)

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Der Internist, Bd. 55, Heft 8, August 2014, Heidelberg, Springer Medizin

Leitlinienprogramm Onkologie: S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom, Langversion 2.1 - Januar 2019, AWMF-Registernummer 021/007OL. Online:
https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-007OLl_S3_Kolorektales-Karzinom-KRK_2019-01.pdf

(Abgerufen am 24.04.2019)

Patientenleitlinien (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF):
- Darmkrebs im frühen Stadium. Online:
https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Patientenleitlinie/PLL_Darmkrebs_frueh_WEB.pdf
(Abgerufen am 24.04.2019)

- Darmkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Online:
https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Patientenleitlinie/PLL_Darmkrebs_fortgeschritten_WEB.pdf
(Abgerufen am 07.09.2016)

S3-Leitlinie:"Kryptoglanduläre Analfisteln", 2. revidierte Fassung 2016, AWMF-Registriernummer: 088/003; in: Coloproctology 2016, 39:16-66.
DOI 10.1007/s00053-016-0110-7. Online:
https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/088-003l_S3_Kryptoglandul%C3%A4re_Analfisteln_2017-03.pdf
(Abgerufen am 24.04.2019)

S3-Leitlinie: "Analabszess", Coloproctology, 2011, 33:378-392 (Abgerufen am 07.09.2016). Online: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/088-005l_S3_Analabszess_2017-03.pdf
(Abgerufen am 24.04.2019)

Analkrebs: Anal cancer: ESMO-ESSO-ESTRO Clinical Practice Guidelines for diagnosis, treatment and follow-up. Ann Oncol (2014) 25 (suppl 3): iii10-iii20. https://DOI org/ 10.1093/annonc/mdu159. Online:

https://academic.oup.com/annonc/article/25/suppl_3/iii10/1740790
(Abgerufen am 24.04.2019)

Deutsch-Österreichische Leitlinie (Federführung: Deutsche AIDS-Gesellschaft (DAIG e. V.): Anale Dysplasien und Analkarzinome bei HIV-Infizierten: Prävention, Diagnostik und Therapie. AWMF Register Nr. 055/007, Stand: 2015. DOI:10.1111/ddg.127126.

S3-Leitlinie Hämorrhoidalleiden. AWMF-Registriernummer: 081/007, Langfassung, Stand: 04/2019; Online: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/081-007l_S3_Haemorrhoidalleiden_2019-04_1.pdf
(Abgerufen am 24.04.2019)

Arbeitsgruppe "Leitlinie für die Diagnostik und Therapie der Endometriose" der Deutschen, Österreichischen, Schweizerischen und Tschechischen Gesellschaften für Gynäkologie und Geburtshilfe unter Mitarbeit der Stiftung Endometriose-Forschung  (SEF) und der Europäischen Endometriose Liga (EEL): Interdisziplinäre Leitlinie für die Diagnostik und Therapie der Endometriose, Stand: 08/2013, AWMF-Registernummer 015/045, gültig bis 08/2018. Online: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-045l_S2k_Diagnostik_Therapie_Endometriose_2013-10-abgelaufen.pdf
(Abgerufen am 24.04.2019)


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