Blut am After / aus dem Darm: Was das Symptom bedeutet

Hämorriden, Afterrisse, Entzündungen und Krebs verursachen am häufigsten Blutungen aus dem Darm oder im Analbereich. Mögliche Ursachen, Diagnosen, Therapien

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 07.09.2016

Gleich vorneweg: Bei Darmbeschwerden den Arztbesuch nicht auf die lange Bank schieben

Der Darmausgang ist eine der empfindlichsten Körperzonen. Kein Wunder, dass krankhafte Veränderungen sich hier bald sehr störend bemerkbar machen. Juckreiz, Nässen, Schmerzen, Schwellungen, Vorwölbungen oder Knoten, das Gefühl der unvollständigen Entleerung oder eine Undichtigkeit, also Stuhlinkontinenz – dies alles belästigt die Betroffenen erheblich.

Ist Blut auf dem Stuhl (Hämatochezie) sichtbar, wird das immer als beunruhigend empfunden, auch dann, wenn es nur Spuren sind. Umso wichtiger ist es, bei solchen Beschwerden Hemmungen und Bedenken zu überwinden und zum Arzt zu gehen. Natürlich auch dann, wenn sich das Stuhlgangsverhalten ohne ersichtlichen Grund, etwa Umstellung der Ernährung, geändert hat. Oder wenn sich weitere Beschwerden einstellen wie Bauchschmerzen, ungewohntes Völlegefühl, Blähungen, eventuell auch Gewichtsverlust.

Alles in allem überwiegen am Darm gutartige Blutungsursachen

Durchfallerkrankungen durch Krankheitserreger, die den Dünndarm und Dickdarm plagen, sind so häufig, dass zumindest eine entsprechende Episode im Jahr fast schon normal ist, quer über alle Altersgruppen hinweg. Verstopfung ist bei den Verdauungsproblemen ebenfalls ein Renner – langsam bis träge ist da bloß der Darm. Bei all diesen Störungen, insbesondere wenn sie chronisch auftreten, kommen unterschiedlichste Ursachen infrage. Auch wenn viele Durchfallerkrankungen harmlos verlaufen und von selbst wieder aufhören: Infektiöser Durchfall und Blut aus dem Darm schließen sich nicht unbedingt aus. Umso dringlicher ist hier ein Arztbesuch.

Problemzone Darm: Hämorriden, Afterrisse, Krebs

Problem Nr. 1 im Analkanal sind Hämorriden: Im Alter über 50 Jahren hat schätzungsweise jeder Zweite mindestens einmal diesebezüglich Beschwerden. Damit nehmen Hämorriden den Rang einer Volkskrankheit ein. Auch Afterrisse sind ein häufiges Leiden. In beiden Fällen gehören abgehendes Blut – am Darmausgang, auf dem Toilettenpapier oder Stuhl – zu den typischen Symptomen.

Mit den Lebensjahren steigt jedoch das Risiko für krankhafte Entwicklungen. Damit einher geht auch ein erhöhtes Blutungsrisiko, indirekt, etwa durch bestimmte Arzneimittel, oder infolge von Magen-Darmkrankheiten. Ausstülpungen der Darmwand (Divertikel) im Dickdarm, Entzündungen sowie gut- und bösartige Geschwülste im Dickdarm und Mastdarm gehören zu den führenden Blutungsquellen.

Wichtig: Jedem Bundesbürger ab 55 Jahren wird mindestens eine kostenlose Darmspiegelung (Koloskopie) im Rahmen der Früherkennung von Darmkrebs angeboten (mehr dazu im Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung").

Seltenere Blutungsquellen: Krankheiten des Dünndarmes, Gefäßprobleme, Endometriose

Seltener liegt die Blutungsquelle im Dünndarm. Schließlich können Gefäßveränderungen und die Endometriose, eine typische Frauenkrankheit, Darmblutungen verursachen.

Was Sie für einen gesunden Darm tun können

Führenden Darm- und Analerkrankungen, etwa Hämorriden und Darmkrebs, kann man mit einer gesunden, aktiven Lebensweise vorbeugen. Sie verhilft zu regulärer Darmtätigkeit – ein Schlüssel für die Lösung gerade auch vieler Probleme am Darmausgang. Mit dieser Art von Körperpflege sollte eigentlich jeder so früh wie möglich beginnen, am besten schon im Kindesalter.
Das klappt, indem man sich ausgewogen, ballaststoffreich und kalorienbewusst ernährt – nicht zu fett und nicht zu süß. Dazu kommt regelmäßige körperliche Bewegung. Vorteile: Der Darm tut sich leichter bei der Arbeit, man kommt zum optimalen Gewicht, und das Risiko für Darmkrebs sinkt. Im Übrigen profitieren davon auch die Gefäße – selbst die im Darm – und das Blut fließt freier.

Nicht zuletzt tragen gute Hygiene, auch beim Sex, und hautfreundliche Kleidung dazu bei, Reizungen und krankhafte Entwicklungen im Analbereich zu vermeiden.

Nachfolgend eine Übersicht über die Themen dieses Beitrags:

Blutungsursachen im Analbereich

  • Unbequeme Polster: Hämorriden
  • Analvorfall, Mastdarmvorfall
  • Analrandkrebs (Afterhautkrebs)

Mehr dazu lesen Sie im Kapitel "Ursachen im Analbereich".

Blutungsursachen im Dickdarm, Mastdarm (Enddarm), Dünndarm

  • Entzündungen im Dickdarm und Dünndarm
  • Mastdarmentzündung (zum Beispiel Proktitis und "Pouchitis"), Mastdarmgeschwür
  • Dünndarm: Einstülpung (Invagination) des Darmes, Meckel-Divertikel, Tumoren

Im Kapitel "Ursachen im Dickdarm, Mastdarm, Dünndarm" finden Sie dazu weitere Informationen.

Andere Blutungsursachen im Darm: Gefäßkrankheiten & Co.

  • Gefäßverschlüsse: Mesenterialarterieninfarkt, Mesenterialvenenverschluss
  • Falsche Gefäßverbindungen: Aortointestinale Fistel, arteriovenöse Fistel, arteriovenöse Fehlbildung (Angiodysplasie), Gefäßaneurysma im Bauch (Viszeralarterienaneurysma) mit Anschluss an den Darm
  • Ableger aus der Gebärmutter: Endometriose im Darm

Aufschluss darüber gibt Ihnen das Kapitel "Ursachen: Gefäßkrankheiten, Endometriose".

Blut am Darmausgang: Diagnose und Therapie

Blut auf dem Stuhl, erst Recht eine Darmblutung, muss dringend abgeklärt beziehungsweise zügig behandelt werden. Teile des Verdauungstraktes, etwa der Mastdarm und der übrige Dickdarm, lassen sich gut von innen inspizieren (Endoskopie). Zugleich kann der Arzt kleine Gewebeproben entnehmen oder Geschwüste entfernen und beides im Anschluss genauer untersuchen. Damit haben Ärzte und Patienten eine konkrete, gute Möglichkeit zur Hand, zum Beispiel Darmkrebs vorzubeugen. Auch andere Darmerkrankungen lassen sich so zuverlässig feststellen.

Welche Untersuchungemethoden sonst noch infrage kommen, beschreibt das Diagnosekapitel dieses Beitrags.

Wie das Beispiel Darmkrebs zeigt, besteht ein weiterer Vorteil der Endoskopie darin, dass sie sich auch zur Vorbeugung, Behandlung und Kontrolle von Darmkrankheiten eignet. Operationen am Magen-Darmtrakt sind durch den Einsatz der Endoskopie vielfältiger, vor allem aber weniger eingreifend geworden. Natürlich gehören auch Medikamente und spezielle Diäten, etwa laktosearm oder glutenfrei, zum Behandlungsrepertoire am Magen-Darmtrakt. Gerade Magengeschwüre, die bei hartnäckigen Beschwerden früher ausschließlich operativ behandelt wurden, sind ein gutes Beispiel für den Siegeszug neu entwickelter Medikamente, hier von sogenannten H2-Rezeptorenblockern.

Wichtig: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

 

Der Darm: Verdauungsspezialist und mehr

Nahrungstransport, Nährstoffrecycling, Flüssigkeitshaushalt, Kontinenz – auf all diesen und noch anderen wichtigen Feldern, etwa der Immunabwehr, leistet der Darm tagtäglich Schwerstarbeit. Während der Speisebrei auf dem meterlangen Weg durch den Dünndarm hauptsächlich Nährstoffe an den Körper abgibt, wird der restliche Darminhalt im Dickdarm durch Abschöpfen der Flüssigkeit eingedickt.

Im Mastdarm – er heißt auch Rektum –, speziell im dehnbaren Reservoir oberhalb des Analkanals, der sogenannten Ampulle, harrt der Stuhl dann seiner Entleerung. Umso wichtiger ist der sichere Verschluss (Kontinenz). Die dafür zuständigen Strukturen am und um den Analkanal herum einschließlich Nervenversorgung sind das Kontinenzorgan.

Wie ist das mit der Kontinenz des Darmes?

Dafür sorgen Muskelsysteme, die willkürlich und unwillkürlich gesteuert zusammenarbeiten. Auch die umliegenden Muskeln des Beckenbodens helfen mit. Schwellkörper, die ringsum unter der Darmschleimhaut sitzen und bei entsprechender Blutfülle das Gebiet gut abdichten, optimieren das Ergebnis (Feinkontinenz). Sie heißen auch Hämorrhoidalgeflecht. Ist umgangssprachlich von Hämorriden die Rede, so sind damit krankhafte Veränderungen in diesem Bereich angesprochen.
Der Darmausgang verfügt neben seinem komplexen Verschlusssystem auch über eine hochempfindliche Innenhaut, die Analhaut oder das Anoderm. Sie erfasst den Füllungsdruck und steuert den Entleerungsablauf mit.

Woher kommt das Blut?

Ganz allgemein gesagt, stammt Blut aus dem Darm überwiegend aus der unteren Etage (untere Gastrointestinalblutung; Gastro- steht für Magen, intestinal bedeutet zum Darmkanal gehörend). Der Enddarm beziehungsweise Mastdarm und Analkanal sind besonders häufig betroffen. Einer der Hauptgründe sind vergrößerte Hämorrhoidalpolster, eben Hämorriden, die aus dem abdichtenden Gefäßnetz am Darmausgang hervorgegangen sind. Sie bluten relativ leicht, das Blut ist in der Regel hellrot.

Die Grafik weiter oben zeigt unter anderem die sogenannte Sägezahnlinie: Hier geht die Schleimhaut des Mastdarmes in die des Analkanals über (für den Chirurgen reicht der Analkanal allerdings etwas höher, etwa bis zur Grenze des Beckenbodens). An der besagten Linie finden sich winzig kleine Poren, die sich in blind endende Drüsengänge fortsetzen. Einst waren dort sogenannte Proktodealdrüsen als "Duftspender" aktiv, inzwischen sind sie beim Menschen verkümmert. Allerdings gehen von den Poren gelegentlich Entzündungen im Analbereich aus, eventuell sogar mit eitrigen Einschmelzungen im umgebenden Gewebe (Abszesse). Manchmal entwickeln sich daraus Analfisteln (mehr dazu im Kapitel "Ursachen im Analbereich") – alles mögliche Blutungsquellen (peranale Blutung).

In den übrigen Dickdarmabschnitten führen vor allem gut- und bösartige Geschwülste (Darmpolypen, Krebs), Ausstülpungen der Darmwand (Divertikel), Darmentzündungen und Störungen an Darmgefäßen zu Blutungen.

Obere Gastrointestinalblutungen kommen im Bereich von Speiseröhre / Magen oder im Zwölffingerdarm vor. Zu den häufigsten Ursachen zählen hier blutende Geschwüre (Ulkuskrankheit) und Krampfadern der Speiseröhre (sogenannte Ösophagusvarizen). Akut kommt es zu Erbrechen von frischem oder altem Blut ("kaffeesatzartig") oder, nach einigen Tagen, zu dunkel bis schwarz verfärbtem Stuhl ("Teerstuhl"). Bei sehr starken (oberen) Blutungen sind eventuell auch Absonderungen von Blut aus dem Darm oder Blutauflagerungen auf dem Stuhl erkennbar. Bei heftigen Magen-Darm-Blutungen ist die Gefahr eines Kreislaufschocks groß, es handelt sich um Notfälle (siehe unten).

Viel seltener liegt die Blutungsquelle im meterlangen Dünndarm, der sich an den Zwölffingerdarm anschließt. Dabei kann es zu wiederholten Blutbeimengungen im Stuhl kommen, auch in Form von Teerstuhl. Manchmal fehlen Blutungsanzeichen ganz, und der Arzt stellt zunächst nur eine Blutarmut (Anämie) fest.

Wann zum Arzt?

Bei sichtbaren Darmblutungen oder Blut am Darmausgang gibt es unterschiedliche Schweregrade: schwache Blutungen, die nur in Spuren am Ausgang erscheinen oder dem Stuhl aufliegen, eventuell wiederholt auftretende, aber häufig auch von selbst wieder vergehende Blutungen, Sickerblutungen, blutige Durchfälle oder starke, bedrohliche Blutungen (Notruf: Tel. 112).

! Achtung: Blut aus dem Darm – ob mit dem bloßen Auge sichtbar oder unsichtbar, das heißt in einem Stuhltest festgestellt – ist zunächst immer ein Warnzeichen. Lassen Sie den Befund zeitnah kontrollieren. Übrigens: Um Enddarmerkrankungen kümmern sich speziell Ärzte namens Proktologen oder Koloproktologen (prokto- für After stammt aus dem Griechischen). Den übrigen Verdauungstrakt untersuchen und behandeln Gastroenterologen (mit der Leber wiederum als Spezialgebiet namens Hepatologie).

Im Akutfall: Wie geht der Arzt vor?

Bei leichten Blutungen ist meist genügend Zeit für die Diagnostik. Bei einer akuten, womöglich lebensbedrohlichen Blutung entscheidet der Gesundheitszustand des Betroffenen darüber, wie weit in der akuten Phase Untersuchungen möglich und welche Behandlungsmaßnahmen nötig sind.
Es kann sein, dass die Blutung während der ersten Stunden in der Klinik zum Stillstand kommt. Manchmal kann sich eine Notfalloperation als unvermeidlich erweisen.

Das muss der Arzt wissen

Im ersteren Fall ist etwas mehr Zeit, um den Patienten ausführlich zu befragen und zu untersuchen. Dann erkundigt sich der Arzt zunächst genauer nach den Begleitumständen: War das beobachtete Blut hellrot oder dunkelrot? Wie stark ist die Blutung gewesen? Wurden auch Schleim- und Eiterabsonderungen beobachtet? Hinterlässt das Blut ständig oder nur gelegentlich Spuren, etwa auf dem Stuhl oder am Toilettenpapier?

Außerdem fragt der Arzt nach den Stuhlgepflogenheiten und ob hier Veränderungen aufgefallen sind, zum Beispiel ein wiederholt sehr dunkler bis schwarzer Stuhl. Oder eine ungewohnte Verstopfung oder Durchfall und Verstopfung im Wechsel. Außerdem fragt der Arzt nach dem Gebrauch von Abführmitteln und nach weiteren Beschwerden: Ist der Stuhlgang schmerzhaft? Besteht das Gefühl unvollständiger Entleerung? Kommt es häufig zu Blähungen, einem Völle- oder Fremdkörpergefühl, Bauchschmerzen? Fühlt sich der Betroffene allgemein beeinträchtigt, etwa wegen Müdigkeit, Schwäche, Blässe oder ungewollten Gewichtsverlusts? Ebenfalls wichtig zu wissen: Nimmt der oder die Betroffene ein Mittel zur Blutverdünnung ein, das die Blutgerinnung herabsetzt? Oder liegt eine bekannte krankhafte Störung der Blutgerinnung vor? Denn beides kann unter Umständen ebenfalls das Risiko einer Darmblutung erhöhen.

Nach dem Arztgespräch mit Erheben der Krankengeschichte (Anamnese) schließt sich die körperliche Untersuchung an.

Körperliche Untersuchung: Die wichtigsten Organe im Fokus

Liegt die Blutungsursache zum Beispiel mutmaßlich im Bereich des Analkanals, stellt der Arzt die Diagnose oft schon anhand der Angaben des Patienten sowie durch Anschauen und Tasten. Zunächst überprüft der Arzt den After auf äußerlich erkennbare Blutungsquellen: Verletzungszeichen, Risse, Schwellungen, Entzündungen, Knoten, Gang- oder Fistelöffnungen, Hämorriden. Bei Verdacht auf vorfallendes Darmgewebe kann ein kurzes Pressmanöver Klarheit schaffen. Das Austasten des Analkanals / Mastdarmes ist ebenfalls fester Bestandteil der körperlichen Untersuchung. Hinzu kommt die Untersuchung der zentralen Bauch- und Brustorgane und der Bauchwand, der Gefäßpulse, die Kontrolle des Blutdrucks und orientierend ein Check des Nervensystems.

Einblicke in den Darm: Untersuchungstechniken

Unterdessen werden im Labor die relevanten Blutwerte überprüft. Im Anschluss geht es darum, den Darm genauer ins Visier zu nehmen. Vorab kann eine Ultraschalluntersuchung des Bauches und der Leisten weitere Anhaltspunkte geben. Wenn der Zustand des Patienten es erlaubt, nimmt im nächsten Schritt ein Spezialist für Enddarmerkrankungen (Proktologe, Koloproktologe) die Spiegelung des Afters (Anoskopie), des Analkanals (Proktoskopie) oder des Mastdarmes (Rektoskopie) vor. Eventuell schließen sich noch weitere Maßnahmen an, etwa Druckmessungen im Analbereich oder eine Endosonografie des Enddarmes (innere Ultraschalluntersuchung).

Ist eine Spiegelung des kompletten Darmes (Koloskopie) vorgesehen, so führt sie oft ein Magen-Darm-Spezialist (Gastroenterologe) durch. Der Patient muss sich mit einer Darmreinigung auf die Untersuchung vorbereiten. Wird die Blutungsquelle dagegen im oberen Magen-Darm-Trakt vermutet, erfolgt zuerst eine Spiegelung dieses Bereiches (Magenspiegelung, Ösophago-Gastro-Duodenoskopie). Die Spiegelungen werden auch als endokopische Untersuchungen bezeichnet. Dabei entnommene Gewebeproben (Biopsien) werden feingeweblich untersucht.

Bei Bedarf kommen auch spezielle bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanz- oder Computertomografie des Beckens oder Bauches oder eine Gefäßdarstellung (Angiografie, etwa als CT-Angiografie) in Betracht. Näheres in den einzelnen Kapiteln und Abschnitten dieses Beitrags.

Darmkrebs-Früherkennung

Wenn kein erhöhtes Darmkrebsrisiko bekannt ist

Ab 50 Jahren können alle Versicherten, die kein erhöhtes Darmkrebsrisiko haben, einmal jährlich ihren Stuhl auf nicht sichtbares Blut untersuchen lassen. Ab 55 Jahren hat jeder Versicherte die Möglichkeit, eine vollständige Darmspiegelung, die im Normalfall nach zehn Jahren wiederholt werden sollte, oder alle zwei Jahre einen Stuhltest auf unsichtbares (okkultes) Blut im Stuhl durchführen zu lassen. Obwohl etwas unangenehm, hat die Darmspiegelung den großen Vorteil, dass auffällige Veränderungen wie Polypen festgestellt und auch gleich entfernt werden können: eine entscheidende krebsvorbeugende Maßnahme. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die erste Vorsorge-Darmspiegelung, für die Wiederholungs-Darmspiegelung nach zehn Jahren (dieses Zeitintervall gilt bei unauffälligem Befund bei der Erstuntersuchung vor dem 65. Lebensjahr) und für die Tests auf verborgenes Blut.

Familiär erhöhtes Darmkrebsrisiko

Bei Risikogruppen, zum Beispiel Menschen mit familiärem Darmkrebsrisiko, sind die Vorgaben strenger. Es geht hier um die Früherkennung beziehungsweise Vorbeugung von Darmkrebs bei Blutsverwandten von Menschen, bei denen der Krebs schon in einem vergleichsweise jüngeren Lebensalter aufgetreten ist. Vermehrte Häufigkeit von Darmkrebs in einer Familie legt eine genetische Veranlagung zwar nahe (familiärer Darmkrebs), beweist sie aber nicht. In diesen Fällen sollten erstgradig Verwandte vorzeitig eine Darmspiegelung als Früherkennungsuntersuchung durchführen lassen: spätestens mit 40 bis 45 Jahren oder ab einem Alter, das mindestens zehn Jahre unter dem Erkrankungsalter des betroffenen Angehörigen liegt. Auch sollten sie vor dem sonst empfohlenen Ablauf von zehn Jahren eine erneute Kontrollspiegelung vornehmen lassen.

Erblicher Darmkrebs

Erblicher Darmkrebs tritt häufiger bei jüngeren Menschen auf und entsteht auch schneller als nicht erblicher Darmkrebs. Bei einigen Darmkrebsformen lässt sich die genetische Grundlage, eine Genveränderung (Mutation), auch nachweisen. Die Betroffenen haben ein sehr hohes Erkrankungsrisiko. Aber sie können, frühzeitig erkannt, auch vorsorgen. Das betrifft Menschen mit der Veranlagung für erblichen Darmkrebs ohne Polyposis (HNPCC, nach dem Erstbeschreiber auch Lynch-Syndrom genannt) oder für eine familiäre adenomatöse Polyposis (FAP) und für andere, noch seltenere erbliche Darmkrebsformen. Mehr dazu auch unter: www.hnpcc.de und: www.darmkrebs.de (apotheken-umschau.de ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für Inhalte externer Internetseiten).

HNPCC ist die häufigste Variante einer erblichen Darmkrebserkrankung. Die Abkürzung steht für erbliches, nicht polypöses Kolonkarzinom (H = hereditär oder erblich, NP = nicht Polyposis, das heißt: nur einige wenige Polypen, CC = Kolonkarzinom; aus jedem einzelnen Polyp kann jedoch Krebs werden). Anhaltspunkte für eine HNPCC können sich in einer Stammbaumanalyse einer betroffenen Familie ergeben. Dazu sind auch aussagekräftige medizinische Unterlagen dienlich. Mehrere Kriterien müssen erfüllt sein:

  • Familiäre Häufung von Darmkrebs oder einer anderen Krebserkrankung mit HNPCC-Bezug (zum Beispiel Krebs der ableitenden Harnwege, des Dünndarmes, Magens, Gallenganges, der Bauchspeicheldrüse, Gebärmutter, Eierstöcke, Haut und auch des Gehirns): Es sind mindestens drei Familienmitglieder in zwei aufeinanderfolgenden Generationen betroffen, mindestens eines davon ist erstgradiger Verwandter der beiden anderen;
  • Bei einem Betroffenen mit Darmkrebs tritt ein Zweit-Tumor mit HNPCC-Bezug auf;
  • Eine familiäre Polyposis (FAP, siehe unten) ist ausgeschlossen.

Weitere Kriterien helfen zu entscheiden, wann Tumorgewebe eines erkrankten Patienten im Hinblick auf eine HNPCC untersucht werden soll. Wenn diese speziellen Analysen eine HNPCC wahrscheinlich machen, kann im Blut des erkrankten Patienten nach der entsprechenden Genmutation gesucht werden. Bei entsprechendem Nachweis können sich auch gesunde (erstgradig) Verwandte testen lassen. Voraussetzung für den Test bei ihnen ist immer eine angemessene Beratung, auf deren Basis jeder für sich entscheidet – gut informiert und gründlich überdacht. Dies eröffnet dann die Chance einer vorsorgenden Früherkennung, gegebenenfalls auch einer vorsorgenden Therapie, die individuell zusammen mit den Ärzten festgelegt wird.

Die Wahrscheinlichkeit, die Anlage geerbt zu haben, liegt bei 50 Prozent, da das veränderte Gen normalerweise nur von einem Elternteil weitergegeben wird. Wichtig: Bestätigt sich die Anlageträgerschaft bei einem Familienmitglied, so bedeutet das nicht, automatisch an einem HNPCC-Krebs zu erkranken. Doch sollte man dann unbedingt ab 25 Jahren mit dem vorgesehenen Früherkennungsprogramm, das nicht nur auf den Darm zielt, beginnen. Bei einem sehr jungen Erkrankungsfall in der Familie kann die Früherkennung bei den Verwandten auch schon früher, das heißt fünf Jahre vor dem jüngsten Erkrankungsalter, starten. Erblich nachweislich nicht belasteten Familienmitgliedern steht die normale Darmkrebsfrüherkennung offen (siehe oben).

FAP (familiäre adenomatöse Polyposis): Bei der klassischen FAP bilden sich schon in jungen Jahren hunderte bis tausende, zunächst gutartige Polypen im Magen-Darmtrakt (Polyposis).

  • Beschwerden bereiten sie meist ab einer bestimmten Zahl und Größe: Es kommt zu Unregelmäßigkeiten beim Stuhlgang, Abgang von Blut oder Schleim, eventuell auch Bauchschmerzen. Da mit der Zeit aus den Polypen bösartige Veränderungen entstehen, ist hier eine intensive Vorsorge und Therapie lebensrettend. Letztere besteht in einer vorsorglichen Entfernung des Dickdarmes und Mastdarmes (Proktokolektomie), im Allgemeinen noch vor dem 20. Lebensjahr. Auch bei der FAP können andere Organe, etwa Magen oder Schilddrüse, erkranken. Dies wird bei der Früherkennung mit berücksichtigt.
  • Ließ sich bei einem Patienten mit gesicherter Diagnose die verantwortliche Genveränderung nachweisen, können sich auch Familienmitglieder daraufhin untersuchen lassen. Der Test kann im Rahmen einer umfassenden humangenetischen Beratung ab dem 10. Lebensjahr durchgeführt werden. Allen Verwandten ersten Grades, welche die Genveränderung ebenfalls tragen (= Risikoperonen), werden unbedingt jährliche Früherkennungsuntersuchungen empfohlen, möglichst ab zehn Jahren. Für Familienmitglieder, bei denen sich die Genveränderung ausschließen ließ, genügt das normale Früherkennungsprogramm (siehe oben:"...wenn kein erhöhtes Darmkrebsrisiko bekannt ist"). Anders jedoch, wenn sich bei einem FAP-Patienten die verantwortliche erbliche Mutation nicht nachwiesen ließ: In diesem Fall sollten alle erstgradig Verwandten sicherheitshalber frühzeitig engmaschige HNPCC-Früherkennungsuntersuchungen durchführen.

Hinweis: Betroffene und ihre Angehörigen können sich bei einer humangenetischen Beratungsstelle (Spezialsprechstunde) oder einem Zentrum für familiären Darmkrebs, üblicherweise an Universitätskliniken angesiedelt, informieren. In den Einrichtungen ist man auf die entsprechende Diagnostik und Früherkennung spezialisiert. Das Beratungsangebot wird von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt und richtet sich sowohl an erkrankte wie an nicht erkrankte Verwandte (weitere Infos im Kapitel "Fachliteratur").


Andere Risikogruppen

Zu den Risikogruppen für Darmkrebs gehören aber auch Patienten, die einen Diabetes, deutliches Übergewicht oder eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung wie zum Beispiel eine Colitis ulcerosa haben. Zu den Vorsorgeempfehlungen finden Sie in den jeweiligen Abschnitten im Kapitel "Ursachen im Dickdarm, Mastdarm, Dünndarm" weitere Informationen.

Analkanal: Das 4-Zentimeter-Ende der Verdauung

Der Analkanal ist auf seiner nur etwa vier Zentimeter kurzen Länge hoch empfindlich, leicht reizbar und verletzlich. Lästige Blutungsursachen gibt es viele, leider nicht nur harmlose.
Die wichtigsten sind Thema dieses Kapitels:

  • Hämorriden
  • Analvorfall und Mastdarmvorfall
  • Analvenenthrombose ("äußere Hämorriden")
  • Afterriss (Analfissur)
  • Analfistel und Analabszess
  • Krebs des Afters: Analrandkarzinom

Andere Erkrankungen, die den Analbereich (mit-)betreffen können, wie zum Beispiel Entzündungen der Darmschleimhaut, erklärt das Kapitel "Ursachen im Dickdarm, Mastdarm, Dünndarm".

Volkskrankheit Hämorriden

Jeder Mensch verfügt über Blutgefäßpolster, die als Schwellkörper den Darmausgang ringsum fein abdichten. Aber Hämorriden?

Von Hämorriden spricht man, wenn die Schwellkörper vergrößert sind oder sich schließlich nach unten oder außen verlagern. Bereiten sie Beschwerden, liegt ein Hämorrhoidalleiden vor – in Deutschland betrifft das über 20 Millionen Menschen.

Hauptursachen für Hämorriden sind anlagebedingte Bindegewebsschwäche, Alterungsvorgänge und die periodische Druckzunahme im Bauch bei chronischer Verstopfung. Vor allem eine überwiegend sitzende Lebensweise und ballaststoffarme Ernährung machen den Darm auf Dauer träge. Beim Stuhlgang nimmt dann der Pressdruck zu, ebenso die Entleerungszeit. Dabei füllen sich die Hämorrhoidalgefäße stärker mit Blut und erweitern sich mit der Zeit.

Bei Bindegewebsschwäche gibt der Beckenboden nach und begünstigt so Hämorriden. In der Schwangerschaft kommt vor allem der Druck durch die größer werdende Gebärmutter zum Tragen. Auch chronischer Husten oder Tumoren im unteren Beckenbereich können den Druck im Bauch erhöhen und Hämorriden begünstigen. Leberleiden wie die Zirrhose oder ausgeprägte Herzschwäche bahnen durch Umverteilung des Blutes Hämorriden den Weg, vor allem wenn man ohnehin schon dazu neigt.

Hämorriden und andere krankhafte Störungen am Darmausgang beeinflussen sich gegenseitig. Bei sichtbarem Blut am After oder auf dem Stuhl, und auch bei positivem Test auf unsichtbares Blut ist immer eine genaue Diagnose durch den Facharzt wichtig. Je nachdem, wie tief Hämorriden in den Anakanal durchhängen oder aus dem After herausragen, werden vier Stadien unterschieden.

Symptome: Häufigstes Symptom ist eine schmerzlose, vorübergehende Blutung, die sehr wechselhaft ist und phasenweise auftritt – meist während oder nach dem Stuhlgang. Das Blut ist hellrot, bedingt durch den arteriellen Zufluss in den Hämorridengefäßen. Ist der Feinabschluss am Darmausgang gestört, gehen verunreinigte Sekrete ab. Das reizt die Haut, die mit Juckreiz, Brennen und Nässen reagiert.

  • Hämorriden im Stadium 1 sind nur bei einer Spiegelung des Analkanals (Proktoskopie) sichtbar. Schon in dieser Phase sind jedoch neben leichten Blutungen auch Hautreizungen möglich.
  • Im 2. Stadium fallen die Hämorriden beim Stuhlgang vor, ziehen sich aber immerhin wieder von selbst zurück. Häufig geht dieses Stadium mit Blutungen und analem Druckgefühl einher.
  • Im 3. Stadium können die Polster nach dem Stuhlgang nur noch mit dem Finger zurückgeschoben werden. Die Folgen sind ein ständiges Gefühl der unvollständigen Darmentleerung und ein Fremdkörpergefühl.
  • Im 4. Stadium liegen die Hämorriden mitsamt Analhaut permanent außen. Daher sprechen viele Ärzte hier (und im Stadium 3) auch vom Analvorfall oder -prolaps (siehe unten). Eine vorgefallene Hämorride kann eingeklemmt werden oder sich verschließen (Thrombose) – jeweils höchst schmerzhafte Ereignisse. Die anale Verschlussfunktion ist in diesem Stadium stark beeinträchtigt.

Diagnose: Diagnostisches Rüstzeug sind der geschulte ärztliche Blick, auch bei der üblicherweise durchgeführten Anoskopie (Analspiegelung). Zum Ausschluss weiterer Darmerkrankungen kommen Maßnahmen wie im Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung" dieses Beitrags beschrieben zum Tragen, insbesondere eine Enddarm- und Dickdarmspiegelung.

Therapie: Entscheidend ist eine Änderung des Lebensstiles, vor allem die Umstellung der Ernährung, um den Stuhl zu regulieren. Falls dies nicht gelingt, ist nach Rücksprache mit dem Arzt die Einnahme zum Beispiel von Flohsamenschalen (voher in Wasser aufquellen lassen) oder Macrogol zusammen mit ausreichenden Trinkmengen sinnvoll. Beim Stuhlgang sollte man sich angewöhnen, so wenig wie möglich zu pressen. Auch zu dünner Stuhl ist ungut. Die ärztlichen Therapiemaßnamhem erfolgen stadiengerecht, in den Stadien 3 und 4 im Allgemeinen mit einem Eingriff.

  • Im Stadium 1 kommen neben gründlicher Hautpflege und Sitzbädern (nicht mit Kamillenexktrakten) auch Salben, Cremes, Zäpfchen und Analtampons zu Zuge. Sie enthalten zum Beispiel pflanzliche Stoffe aus Hamamelis, die die Wundheilung fördern, sodann örtlich betäubende oder gefäßverengende Wirkstoffe. Das kann die Symptome zwar lindern, die Hämorriden selbst aber nicht beheben.
  • Alternativ wie auch im Stadium 2 und 3 können (insbesondere knotig) vergrößerte Hämorrhoidalposter mit Gummiringen abgebunden werden (sogenannte Gummibandligatur). Die Ringe werden oberhalb der Polster um die Knoten"hälse" gelegt, woraufhin das abgebundene Gewebe innerhalb weniger Tage zugrunde geht und abfällt. Meist sind mehrere Sitzungen erforderlich. Deutliche Besserung der Beschwerden ist so möglich, gelingt jedoch nicht immer.
  • Bei fortbestehenden oder starken Beschwerden, vor allem aber im Stadium 3 und 4, ist eine Operation notwendig. Hier gibt es verschiedene Techniken. Auf dem Vormarsch ist die sogenannte Hämorrhoidopexie mit dem Klammernahtgerät (Stapler, siehe unten, Analprolaps). Ihren Stammplatz hat sie im Stadium 3.
  • Im Stadium 4 geht es einerseits um eine Entfernung der vergrößerten, äußerlich festsitzenden Hämorriden, zum anderen um den Wiederaufbau des Analkanals (plastisch-rekonstruktive Eingriffe).

Mehr zu diesem Thema im Ratgeber "Hämorriden".

Analvorfall, Mastdarmvorfall: Was nach innen gehört, stülpt sich nach außen

Bei einem Analvorfall (Analprolaps) erscheint Analhaut vor dem After. Hauptursache ist das Hämorrhoidalleiden Grad 3 oder 4 (siehe oben).

Der Analvorfall betrifft Gewebe im Analkanal unterhalb der Sägezahnlinie (Informationen dazu im Kapitel "Wissenswertes über den Darm"). Oft ragt gleichzeitig ein Saum von Hämorriden mit heraus. Der Schließmuskel ist geschwächt oder wird im Laufe der Zeit geschädigt. 

Beim Mastdarmvorfall sackt der untere Mastdarm insgesamt ab. Ist der Vorfall komplett, stülpt sich Darm mit allen Wandschichten nach außen, bei einem inkompletten Mastdarmvorfall ragt nur Schleimhaut heraus. Beim Stuhlgang wird das Gewebe nach außen gepresst. Schreitet das Leiden fort, liegt das Darmgewebe auch ohne Pressen außen. Das vorgefallene Gewebe kann sich entzünden, eine geschwürige Wunde bilden und bluten. Schuld sind jeweils Umstände, die die Befestigung des Darmes schwächen. Zum Beispiel sind Frauen jenseits der 50 öfter davon betroffen, wenn ihr Beckenboden nach natürlichen Entbindungen überdehnt ist. Oder die zuständigen Nerven versagen: Einer der Gründe, weshalb das Leiden manchmal auch bei Kindern vorkommt. Eine weitere Ursache kann ein zu langer Darm sein, ein sogenanntes Colon elongatum oder Sigma elongatum (das Sigma ist der S-förmige untere Abschnitt des Dickdarms). Chronische Verstopfung oder ständiger Durchfall wirken ebenfalls begünstigend. Auch Darmkrebs spielt eine Rolle. Ein Mastdarmvorfall tritt häufiger zusammen mit einem Mastdarmgeschwür auf (siehe unten).

Symptome: Beim Analvorfall kommt es zu sichtbaren Vorwölbungen, die von Analhaut bedeckt sind. Oft sind sie mit Hämorriden verbunden und können dann knotig aussehen. Dabei entsprechen die Symptome denjenigen beim Hämorrhoidalleiden im Stadium 3 oder 4. Die Analhaut fällt vor allem bei aktiver Darmtätigkeit oder beim Gehen, Pressen, Niesen oder Heben vor. Betroffene sprechen manchmal von einem "Wundsein" am After. Manche von ihnen schieben, so lange es geht, geduldig das Gewebe immer wieder manuell nach innen zurück. Bei Inkontinenzbeschwerden, die meist nicht ausbleiben – Stuhlschmieren, Abgang von Blut, Flüssigkeit und Darmgasen – wird die Geduld jedoch auf eine harte Probe gestellt. Eine mögliche Komplikation ist die Abschnürung des nach außen verlagerten Gewebes.
Bei einem Mastdarmvorfall leiden die Betroffenen zunächst oft unter Verstopfung, da die Analpassage behindert wird. Schließlich wird der Vorfall beim Pressen sichtbar. Wenn die Haltemuskeln zunehmend überdehnt werden und der Analverschluss versagt, tritt das vorgefallene Gewebe auch ohne Pressen heraus. Es besteht dann eine Inkontinenz. Die Betroffenen spüren zugleich ein ständiges Gefühl der unvollständigen Entleerung. Häufig finden sich Absonderungen von Blut und Schleim durch Entzündungen und Druckgeschwüre der Schleimhaut. Auch hier ist die Einklemmung der vorgefallenen Anteile eine mögliche Komplikation.

Diagnose: Zum Analvorfall siehe oben unter Hämorriden (Stadien 3, 4). Auch beim Mastdarmvorfall kann der Arzt oft eine erste Blickdiagnose stellen. Dabei orientiert er sich an den Falten des Gewebes: Beim unvollständigen Mastdarmvorfall sind sie eher strahlenförmig, beim kompletten Vorfall ringförmig. Im Zweifelsfall kann ein Pressmanöver das Problem zutage fördern. Oftmals ist nach der Austastung des Enddarms auch noch eine Spiegelung des Analkanals, Mastdarmes, gegebenenfalls auch des gesamten Dickdarmes nötig, um einen Tumor oder andere Erkrankungen auszuschließen. Der Ablauf der Darmentleerung kann mittels Defäkografie nachgewiesen werden. Das ist eine spezielle Kontrastmitteluntersuchung, die krankhafte Veränderungen wie eine Einstülpung oder Aussackung im Enddarm aufzeigt. Bei hartnäckiger Verstopfung sind weitere spezielle Untersuchungen sinnvoll. Mehr dazu im Ratgeber "Verstopfung".

Therapie: Bei einem Analprolaps mit gleichzeitigem Hämorrhoidalvorfall bietet sich manchmal eine Gummibandligatur an. Das Gewebe vernarbt und verwächst mit der Unterlage. Ohne begleitende Hämorriden kann dieser Effekt auch über eine Verödung erreicht werden. Falls eine Operation angezeigt ist, können gleichzeitig vorhandene vergrößerte Hämorriden im Stadium 3 zurückgesetzt, gestrafft und neu befestigt werden (Hämorrhoidopexie mit dem Klammernahtgerät oder "Stapler"). Dabei wird die Analschleimhaut nebst Hämorriden hochgezogen. Die Nähte verheilen. Außerdem resultiert eine feste Verbindung mit der Unterlage. Im Analbereich selbst entsteht keine Wunde, was vorteilhaft ist. Im Stadium 4 werden Eingriffe vorgenommen, die nicht nur die Hämorriden verkleinern, sondern vor allem wieder möglichst normale Verhältnisse am Darmausgang herstellen. Dazu dienen verschiedene Techniken.
Mastdarmvorfall:
Die Behandlung reicht von der Stuhlregulierung bis zur Operation, bei der auch minimal-invasive Wege wie zum Beispiel eine Bauchspiegelung beschritten werden. Das Vorgehen hängt davon ab, wie stark der Vorfall ist und wie gut die Aufhängung des Darms noch funktioniert. Ist es zu einer Einklemmung gekommen – dies gilt de facto für alle Arten von "Vorfällen" im Anorektalbereich – operiert der Arzt in der Regel notfallmäßig sofort und trägt das geschädigte Gewebe ab.

Analvenenthrombose alias "äußere Hämorriden"

Das Krankheitsbild wird gelegentlich mit Hämorriden verwechselt. Es handelt sich dabei aber um einen Verschluss (Thrombose) oberflächlich unter der Haut liegender Venen am Analrand.

Bei einer Analvenenthrombose schwillt der Darmausgang an (perianales Hämatom): Blutpfropfen verstopfen Venen unter der Haut am und um den After. Zu den Ursachen zählen Stuhlveränderungen, vermehrter Druck im unteren Becken, zum Beispiel in der Schwangerschaft, und Verkrampfungen der Schließmuskeln am After (Sphinkterspasmus, siehe auch weiter unten unter "Analfissur"). Manchmal ist statt von Analvenenthrombosen von "äußeren Hämorriden" die Rede, obwohl es diese nicht gibt. Das Krankheitsbild ist harmlos.

Symptome: Analvenenthrombosen machen sich mit plötzlichen Schmerzen außen am After bemerkbar. Es bilden sich bläulich schimmernde Knoten, ähnlich einem Bluterguss, und Schwellungen. Wenn sich ein Geschwür oder ein Einriss entwickelt hat, kann es bluten. Das Blut ist eher dunkelrot.

Diagnose: Die Blickdiagnose des proktologisch erfahrenen Arztes genügt. Bei Verdacht auf weitere Probleme am Darmausgang oder im Darm siehe Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung".

Therapie: Oft wird zunächst ein Behandlungsversuch mit örtlich kühlenden Sitzbädern, Weichermachen des Stuhls durch ausreichende Trinkmengen und angepasste Ernährung sowie Anwendung entzündungs- oder schmerzlindernder Zäpfchen unternommen. Wichtig ist auch, sich körperlich zu schonen. Wenn sich die Thrombose nicht zurückbildet, kann der Blutpfropfen durch einen kleinen Einschnitt in örtlicher Betäubung herausgepresst werden, oder der Pfropfen mitsamt des betroffenen Gefäßabschnitts wird entfernt.

Afterriss (Analfissur): Extrem schmerzhaft

Die innere Analhaut ist hochempfindlich. Unter ungünstigen Bedingungen kann sie spontan einreißen (primäre Fissur). Nach Operationen kommen Fissuren in Narben vor, da das Gewebe weniger elastisch ist. Auch bei anderen Krankheiten des Darmes und der Analhaut sind Risse möglich. Das alles sind dann sekundäre Fissuren.

Wenn Analhaut spontan einreißt, so ist meistens ein Missverhältnis zwischen der Dehnbarkeit des Analkanals und dem Inhalt schuld. Grundsätzlich können sowohl ein zu dünner als auch ein zu fester Stuhl auslösend sein, ebenso Hämorriden. Die Haut am After kann sich durch ständiges Wundsekret aus der Fissur entzünden, sodass ein Analekzem entsteht. Allerdings kann auch von vornherein eine ekzemartige entzündliche Hauterkrankung vorliegen. Das damit verbundene Wundsein begünstigt wiederum oft Risse.

Symptome: Es treten heftige, stechende, reißende anale Schmerzen auf, insbesondere nach dem Stuhlgang. Diese Schmerzen können länger anhalten. Auf dem Stuhl oder am Toilettenpapier findet sich immer wieder Blut. Juckreiz, Nässen und eine stärkere Entzündung der Afterhaut sind mögliche Folgen. Dauert das Leiden länger als sechs Wochen, gilt es laut einiger Veröffentlichungen als chronisch. Meist zeigt sich hier in Verlängerung der Fissur eine narbige Falte (sogenannte Vorpostenfalte).

Diagnose: Der Arzt kann Fissuren manchmal schon von außen erkennen, wenn er die Afterhaut etwas spreizt. Falls zu schmerzhaft, was meist der Fall ist, geschieht es gleich zusammen mit der Austastung in örtlicher Betäubung.
Chronische Fissuren erscheinen "geschwürig". Der innere Schließmuskel ist stark verkrampft. Oft bildet sich eine sogenannte Vorpostenfalte am Afterrand. Der Arzt kann eventuell weitere typische Zeichen finden. Er wird immer genauer nach weiteren krankhaften Befunden schauen, etwa nach Öffnungen von Fistelgängen (siehe weiter unten). Und er wird die Veränderungen von anderen Erkrankungen abgrenzen, zum Beispiel von chronisch entzündlichen Darmkrankheiten (siehe Kapitel "Ursachen im Dickdarm, Mastdarm, Dünndarm").

Therapie: Hauptansatz der Behandlung ist eine gute Stuhlregulierung durch ausreichende Trinkmengen, ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung. Bei primären akuten Fissuren ohne sonstige Veränderungen ist eine örtliche Behandlung mit Glyceroltrinitrat (Zubereitung mit 0,2% Wirkstoffgehalt) oder einem Kalziumantagonisten möglich. Dadurch kann sich der Schließmuskel entspannen. Denn die Heilung ist erschwert, wenn die Schließmuskulatur sich wegen der Schmerzen verkrampft (Sphinkterspasmus) und das Gewebe so schlechter durchblutet wird. Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind Einspritzen eines örtlich betäubenden Mittels oder Dehnung (Selbstdehnung) mit einem Analdehner. Ein örtlich betäubendes Gel erleichtert diese Maßnahme. Wird eine Heilung nicht erreicht oder haben sich Fisteln gebildet, ist ein Eingriff in der Regel unvermeidlich. Möglich sind eine Spaltung des inneren Schließmuskels (Sphinkterotomie) oder Entferung der Fissur (Fissurektomie) nebst narbiger Ränder. Teilweise werden Hautlappen (Flaps) zur Abdeckung vewendet, auch wenn eine Fissur nach einer Operation nicht abheilt.

Der Ratgeber "Analfissur (Afterriss)" informiert Sie ausführlicher.

Analfistel und Analabszess

Fisteln sind krankhafte Gangverbindungen zwischen normalerweise nicht verbundenen Hohlorganen, etwa Darm und Blase. Oder zwischen einem Hohlorgan und umgebenden Gewebe, etwa Darm und Haut. Mitunter kann es zu einem Abszess kommen, einer eitrigen Gewebeeinschmelzung, oder die Fistel wird chronisch.

Ausgangspunkt eines Abszesses im Analbereich sind meist die Analdrüsen, die sogenannten Proktodealdrüsen. Wenn sie mit Haut- und Darmkeimen infiziert sind, sich entzünden und verstopfen, kann sich Eiter anstauen. Der beansprucht Platz und breitet sich meist in Spalten zwischen den Afterschließmuskeln oder zwischen den Gesäß- und Beckenmuskeln aus. Manchmal bildet sich eine sogenannte kryptoglanduläre Fistel, ein röhrenförmiger Gang mit einer Öffnung außen auf der Haut oder innen im Analkanal oder Mastdarm. Über die Öffnung entleeren sich Eiter und Drüsensekrete. Der Gang kann auch blind in der Tiefe enden. Eventuell entsteht dort eine Zyste.

Fistel und Abszess sind letztlich zwei Formen desselben Entzündungsvorgangs, wobei die Fistel die chronische "Entlastungsform" ist. Da der Weg zur Schließmuskulatur im Analbereich kurz ist, führen anale Abszesse und Fisteln häufig zu Kontinenzproblemen. Fisteln kommen auch häufiger bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen vor, insbesondere bei Morbus Crohn. Daher wird der Arzt einen Betroffenen immer auf diese Darmentzündung hin untersuchen. Für die Colitis ulcerosa sind eher sogenannte Kryptenabszesse typisch (mehr über das Krankheitsbild im Kapitel "Ursachen im Enddarm, Dickdarm, Dünndarm"). Weitere Ursachen für Fisteln im Analbereich: Immunschwäche, Diabetes mellitus, vorausgehende Operationen an Beckenorganen, etwa dem Mastdarm, eingedrungende Fremdkörper, bakterielle Entzündungen im Haut- und Haarbereich (siehe unten: Akne inversa, Pilonodalsinus).

Symptome: Hauptsymptome einer Analfistel sind vor allem Juckreiz, Nässen, Absonderung von Eiter, gelegentlich tritt auch blutiges Sekret aus. Die Sekretabsonderung führt oft zu starken Reizungen der Aftergegend. Eventuell kommt es zu Schmerzen nach dem Stuhlgang. Analabszesse betreffen hauptsächlich jüngere Männer. Typische Beschwerden sind starke Schmerzen in der Analgegend, eine Schwellung und Rötung der Haut, Krankheitsgefühl, bei bestimmten Abszesslagen vor allem Krankheitsgefühl und Fieber. Der Abszess kann sich über eine Fistel mit Ausgang "Luft schaffen" und sich so spontan entleeren, sei es auf der Haut in der Aftergegend, sei es innen im Darm. Die Beschwerden lassen dann nach.

Diagnose: Aufschluss geben dem Arzt die körperliche Untersuchung und / oder Austastung des Enddarms. Über Lage und Ausdehnung von Fistelgängen informieren eine vorsichtig eingelegte Sonde, sodann eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie), insbesondere eine innere Sonografie über den Enddarm (transrektale Endosonografie). Bei Bedarf wird eine Magnetresonanztomografie des Beckens herangezogen. Während eines operativen Eingriffs zur "Sanierung" einer Fistel erfolgt zunächst eine Sondierung oder Anfärbung, um den Fistelverlauf besser verfolgen zu können. Außer der Sonde kommen alle genannten Diagnoseverfahren auch bei einem Abszess infrage. Ein Abszess kann äußerlich sichtbar und als Verhärtung oder "teigige Geschwulst" tastbar sein. Ein solcher Tasteindruck kann im Falle eines inneren Abszesses manchmal auch beim Austasten des Enddarms entstehen. Zur Diagnostik der Crohn-Krankheit siehe wiederum Kapitel: "Ursachen im Dickdarm, Mastdarm, Dünndarm".

Achtung: Fisteln und Abszesse im Analbereich können auch durch eine Entzündung der Talgdrüsen und Haarbälge bei der sogenannten Akne inversa oder als sogenannter Pilonidalsinus entstehen. Dabei handelt es sich nicht um kryptoglanduläre Fisteln. Sie haben keine Verbindung zum Darm und werden zu den Hautkrankheiten gerechnet. Die Abzesse sind äußerlich als geschwollene, dunkel verfärbte Hautareale, der Pilonidalsinus als pickelartige Geschwulst am Steißbein, ein davon ausgehendes Fistelsystem manchmal nur als Pore in der Gesäßfalte sichtbar. Abszesse durch Akne werden operativ entfernt. Auch beim Pilonidalsinus ist die Behandlung in der Regel operativ (erst Entlastung durch Eröffnung, später Fistelentfernung).

Im Ratgeber "Analfistel" können Sie sich ausführlicher informieren.

Krebs des Afters (Analrandkarzinom) und Analkanals (Analkarzinom)

Veränderungen am Analrand, das heißt: am Rand des Analkanals, der mit Analhaut ausgekleidet ist, fallen in das Ressort des Hautarztes (Dermatologen). Oberhalb davon liegende Tumoren behandeln Chirurgen, Proktologen und spezialisierte Krebsmediziner (Onkologen) in abgestimmter Form.

Analrandtumoren sind eher selten und treten hauptsächlich bei Männern auf. Sie entstehen meist auf bereits erkrankter Haut, etwa im Umfeld von Feigwarzen (Kondylome, Verursacher sind humane Papillom-Viren, kurz HPV), Akne inversa (siehe oben unter Perianalabszess), Knötchenflechte (auch Lichen ruber planus genannt, eine chronische, entzündliche, oft juckende Hauterkrankung) oder auch von Morbus Crohn im Analbereich. Der Tumor kann in die Tiefe wachsen, den Schließmuskel, die Scheide, Blase oder Prostata erreichen und Lymphknoten befallen.

Symptome: Es findet sich ein störender, warzenähnlicher, hautfarbener oder rötlicher Knoten. Im Allgemeinen wächst der Tumor langsam, im Laufe von Monaten, und wird schließlich zu einem Geschwür. Die Betroffenen klagen dann über Blutungen, Juckreiz, Nässen, Schmerzen, eventuell auch über Probleme mit der Kontinenz.

! Wichtig: Lassen Sie Veränderungen am Darmausgang vom Arzt, etwa einem Enddarmspezialisten, oder von einem Hautarzt untersuchen. Erster Ansprechpartner kann auch der Hausarzt sein. Krebspatienten sollten sich aber stets in einem entsprechenden Zentrum betreuen lassen, in dem spezialisierte Fachärzte zusammenarbeiten.

Diagnose:
Der Arzt untersucht den Patienten körperlich und betrachtet den Darmausgang. Eventuell stößt er auf begleitende gutartige Veränderungen wie die schon genannten Feigwarzen, Hämorriden, Fisteln oder Fissuren. Eine Gewebeprobe sichert die Diagnose. Eventuell wird der Arzt auch eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) der Leistenlymphknoten sowie eine Sonografie des Anakanals / Mastdarmes von innen (Endosonografie) veranlassen, um die Krankheit genauer zu erfassen.

Feingeweblich kommen in erster Linie Karzinome vom "Plattenepithel"-Typ vor, auch Spinaliom, Stachelzellkarzinom oder spinozelluläres Karzinom genannt. Karzinome sind bestimmte Krebsarten. Der Dermatologe und der Pathologe werden den Befund von anderen Hautkrebsformen wie Basaliom, (amelanotisches) Melanom und weiteren Veränderungen abgrenzen, ebenso von einem Analkarzinom.

Achtung: Auch im kurzen Analkanal können mitunter Plattenepithelkarzinome auftreten (Analkarzinom). Dies betrifft – im Unterschied zum Analrandkarzinom – häufiger Frauen. Doch sind Analkarzinome deutlich seltener als Dickdarm- oder Mastdarmkrebs, von denen sie sorgfältig unterschieden werden. Die Entstehung von Analkarzinomen hängt vorrangig mit sexuell übertragenen Virusinfektionen zusammen. Auch ein geschwächtes Immunsystem spielt eine Rolle.

Therapie: Ein Analrandkrebs wird, wenn möglich, mit einem ausreichend großen Saum gesunden Gewebes entfernt. Das kommt vor allem für kleine Geschwülste (unter zwei Zentimeter Durchmesser) infrage, sofern der Schließmuskel intakt ist und es absehbar trotz des Eingriffs bleiben kann. Andernfalls wird eine Strahlentherapie oder eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie durchgeführt. Diese ist beim Analkarzinom, also einem Karzinom im Analkanal, der Standard. Diese Tumoren werden nicht örtlich abgetragen.

Vorbeugen ist möglich: Durch eine gute Sexualhygiene, vor allem Gebrauch von Kondomen, und eine Impfung gegen sogenannte Hochrisiko-Viren vom HPV-Typ.

In diesem Kapitel geben wir Ihnen einen Überblick über die nachfolgend gelisteten Krankheiten, die als mögliche Ursachen von Darmblutungen infrage kommen können:

  • Dickdarmdivertikel
  • Darmpolypen
  • Mastdarmkrebs
  • Darmentzündungen: Mastdarmentzündung (Proktitis und mehr), Dickdarmentzündung (infektiöse Kolitis / Enterokolitis), Darmentzündungen durch Antibiotika, chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn, Mastdarmgeschwür, Diversionskolitis, Pouchitis, Cuffitis
  • Dünndarm: Meckel-Divertikel, Tumoren, Invagination

Dickdarmdivertikel: Grübchen in der Darmwand

Divertikel sind Ausstülpungen im Darm an Stellen, wo Blutgefäße durch die Darmwand ziehen. Hier ist die Darmmuskulatur schwächer.

Divertikel kommen sowohl im Dünndarm (siehe unten, Abschnitt: Meckel-Divertikel), vor allem aber im Dickdarm vor. Hier sind es meist sogenannte Pseudodivertike. Dabei stülpt sich nur die Schleimhaut durch die Muskellücke nach außen vor. Sackt hingegen die gesamte Darmwand an der Schwachstelle durch, spricht man von kompletten Divertikeln. Der Mastdarm bleibt üblicherweise von Divertikeln ausgespart.

Reizlose Divertikel verursachen meist keine Beschwerden. Mitunter kommt es nahrungsabhängig zu Bauchschmerzen, vor allem im linken Unterbauch, die nach Darmentleerung wieder abklingen. Der Arzt kann die Ausstülpungen im Dickdarm zum Beispiel bei einer Darmspiegelung feststellen. Die sogenannte Divertikulose, also das Vorhandensein von Divertikeln, nimmt im Alter zu: Mehr als jeder zweite über 70 Jahren ist davon betroffen. Bereiten sie stärkere Beschwerden, etwa aufgrund einer Entzündung (symptomatische Divertikulitis), liegt eine Divertikelkrankheit vor.

Obwohl die Divertikel hauptsächlich den unteren Dickdarm auf der linken Bauchseite – und hier das S-förmige Sigma – betreffen, ereignen sich Divertikelblutungen eher im ersten Teil des Dickdarmes. Er heißt Zökum, ist der eigentliche Blinddarm und liegt im rechten Unterbauch. Divertikel sind dort meist etwas größer, gewissermaßen komplett, und damit auch kräftiger durchblutet.

Divertikel – ob Divertikulose oder Divertikulitis – gelten als häufigste Ursache für Darmblutungen, insbesondere starke. Auslösend sind unter anderem erhöhter Druck im Darminneren und Dehnung des betroffenen Darmabschnitts, etwa bei chronischer Verstopfung. Weitere Risikofaktoren für eine Divertikelblutung: Gefäßerkrankungen wie die Arteriosklerose (Gefäßverkalkung), Bluthochdruck und regelmäßige Einnahme bestimmter Medikamente, etwa entzündungshemmender Arzneien wie sogenannte Cox-Hemmer oder nicht steroidale Antirheumatika.

Symptome: Divertikelblutungen ohne weitere Krankheitskomplikationen sind schmerzlos, können aber erheblich sein – mitunter so stark, dass ein Notfall vorliegt. Häufig bluten sie nur vorübergehend und kommen von selbst wieder zum Stillstand. 

Diagnose und Therapie: Der oder die Betroffene soll in eine Klinik gebracht werden. Häufig kommt die Blutung nach Ruhigstellung des Darmes durch vorübergehende künstliche Ernährung von selbst zum Stillstand. Wenn die Umstände es erlauben, wird der Arzt eine Darmspiegelung durchführen, um die Blutungsquelle zu lokalisieren und sie, falls möglich, gleich zu stillen. Im selben Zug kann er andere mögliche Darmerkrankungen ausschließen. Bei stärkerer Blutung wird häufig eine Gefäßdarstellung mittels Kathetertechnik und Röntgen oder Computertomografie (Angiografie) angestrebt. Ein Katheter ist ein dünnes, langes Röhrchen aus Kunststoff, über das Medikamente, feine Instrumente oder auch Ballons zum Auffalten am Zielort platziert werden können. So ist mittels Katheter eine Blutstillung möglich, indem das Gefäß verschlossen wird.

Wenn dies nicht gelingt oder es wiederholt blutet, ist in der Regel eine Operation nötig. Falls die Blutungsquelle verborgen bleibt, wird möglicherweise ein größerer Darmabschnitt entfernt. Dabei kann der natürliche Darmausgang meist erhalten bleiben.

! Wichtig für Betroffene: Sie sollten einen erhöhten Blutdruck sowie einen unausgeglichenen Zucker- und Fettstoffwechsel regulieren sowie den Darm regelmäßig entlasten. Alles dies kann mit einer gesunden, faserreichen und ausgewogenen Ernährung klappen. Dabei kommen viel Gemüse und Obst, regelmäßig Fisch, in Maßen Fleisch oder Fleischprodukte, insgesamt weniger tierisches, dafür mehr gutes qualitätvolles Fett (etwa kaltgepresstes Leinöl oder kaltgepresstes Olivenöl) auf den Teller. Auch bei Süßigkeiten und Alkohol gilt es Maß zu halten. Dagegen brauchen die Gefäße und der Darm ausreichend körperliche Bewegung, am besten täglich.

Bei deutlichen Arteriosklerosrisiken wird der Arzt Medikamente für das Herz-Kreislauf-System und den Fettstoffwechsel verordnen, um die Gefäße besser zu schützen und die Durchblutung zu verbessern. Bei gleichzeitig erhöhter Blutungsgefahr wird er gegebenenfalls jedoch abwägen, die Behandlung anzupassen. Darüber sollten die zuständigen Fachärzte – Magen-Darm- und Herzkreislaufspezialisten – miteinander abgestimmt entscheiden.

Ausführliche Informationen im Ratgeber "Divertikel im Darm / Divertikulitis".

Polypen: Pilzförmige Geschwülste

Darmpolypen sind Geschwülste der Darmschleimhaut. Insbesondere Polypen vom Typ der Adenome gelten als Krebsvorläufer. Ihre Entfernung ist effektive Krebsvorbeugung.

Polypen sind vielfältig: Sie können leicht erhaben oder knollen- bis pilzartig gewölbt sein, breitbasig aufsitzen oder an einem Stiel hängen. In feingeweblicher Hinsicht gibt es hyperplastische und entzündliche Schleimhautpolypen, polypartige Veränderungen unterhalb der Schleimhaut, Hamartome und schließlich neoplastische Polypen: die genannten Adenome. Bei den Adenomen existieren wiederum mehrere Formen. Einige neigen in unterschiedlichem Maße zu Unregelmäßigkeiten im Zellaufbau (Dysplasien). Mit der Zeit können sie auch entarten.

Insbesondere Adenome im Dickdarm können gehäuft oder in großer Zahl (Polyposis) – weit über hundert oder gar tausend – auftreten. Das beruht auf erblichen Genveränderungen und birgt ein hohes Krebsrisiko schon in jüngeren Jahren. Zu den entsprechenden Erbkrankheiten wie familiäre adenomatöse Polyposis (FAP) und nicht polypöser Darmkrebs Typ HNPCC siehe Abschnitte "Krebsfrüherkennung" im Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung". Polypen können übrigens im gesamten Magen-Darm-Trakt vorkommen.
Symptome: Im Allgemeinen bereiten Darmpolypen keine Beschwerden. Oft werden sie überhaupt erst bei der Darmspiegelung (Rektoskopie oder Koloskopie) festgestellt, sei es im Rahmen der Krebsfrüherkennung und / oder weil beim Stuhlbluttest (siehe wiederum Kapitel "Diagnose; Krebsfrüherkennung") "verborgenes" (okkultes) Blut nachgewiesen wurde. Große Polypen oder Polypen in großer Zahl können allerdings Stuhlunregelmäßigkeiten oder Blut- und Schleimauflagerungen auf dem Stuhl verursachen.
Diagnose: Der Arzt erkennt Polypen bei der Darmspiegelung (Endoskopie, hier: Rektoskopie, Sigmoidoskopie und Koloskopie).
Therapie: Ein Polyp wird in der Regel vollständig entfernt und feingeweblich aufgearbeitet. Seine Größe entscheidet darüber, ob dies gefahrlos bei der Darmspiegelung möglich ist. Die weitere Therapie richtet sich nach der feingeweblichen Art und dem Risikoprofil des Polypen. Dazu gehört auch die Zahl vorhandener und entfernter Polypen sowie ihre Größe.

Enthält ein Darmpolyp Krebszellen, so hängt das weitere Vorgehen davon ab, ob die Geschwulst mit einem ausreichenden Anteil gesunden Gewebes abgetragen wurde und das Tumorstadium niedrig ist. Dafür gibt es das Kürzel pT1; p bedeutet nach Abtragung oder Operation feingeweblich vom Pathologen bestätigt. T1 heißt, dass nur ein kleiner Tumor vorliegt und dieser nur ganz geringfügig über die Darmschleimhaut hinaus in das darunterliegende Gewebe gewachsen ist, ohne Beteiligung der Lymphgefäße. Auch sollten die Zellen möglichst ausgereift sein. Andernfalls schließt sich ein weiterer Eingriff an. Auch die nachfolgenden Kontrollen sind abhängig vom individuellen Befund.

Krebs des Mastdarmes

Mastdarmkrebs (Rektumkarzinom) betrifft das durchschnittlich 16 Zentimeter lange Endstück des Darmes ab der Grenze zur Afterhaut aufwärts, der Dickdarmkrebs alle höher gelegenen Abschnitte des Dickdarmes (Kolons). Sichtbares Blut kommt bei Mastdarmkrebs deutlich häufiger vor als bei Dickdarmkrebs.

In Deutschland ist Darmkrebs die zweithäufigste Krebserkrankung bei Männern und Frauen. Ein Drittel (etwa 27.000 Menschen) erkranken an Mastdarmkrebs, zwei Drittel an Krebs im übrigen Dickdarmbereich. Ab 50 Jahren nimmt die Häufigkeit der Erkrankung zu. Risikofaktoren für (nicht erblichen) Dickdarm- und Mastdarmkrebs (kolorektales Karzinom) sind fettreiche, ballaststoffarme, fleischbetonte Ernährung, deutliches Übergewicht, Bewegungsmangel, Diabetes mellitus Typ 2, Veranlagung, Rauchen und chronisch entzündliche Darmerkrankungen (siehe unten). Zu den selteneren, wenn auch zunehmend diagnostizerten Ursachen gehören sogenannte neuroendokrine Tumoren des Mastdarmes.
Symptome: Leitsymptome sind Blut- und Schleimauflagerungen auf dem Stuhl, schmerzhafter und häufiger Stuhldrang, Wechsel zwischen Verstopfung und Durchfall, später Entleerung eines bleistiftdünnen Stuhls, ungewollter Gewichtsverlust, eventuell auch Kreuzschmerzen und Fieber.
Diagnose: Ganz vornean stehen die Austastung des Enddarms und die endoskopischen Darmuntersuchungen (Rektoskopie, Koloskopie) mit Entnahme von Gewebeproben aus auffälligen Veränderungen, ferner Blutuntersuchungen. Ergibt der Befund Darmkrebs, so schließt sich eine weitere Diagnostik zur Feststellung des Krankheitsstadiums an. Dabei kommen unter anderem eine Röntgenuntersuchung der Lungen und eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) des Bauches zum Einsatz. Bei Mastdarmkrebs wird auch eine Comptertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) der Beckenorgane durchgeführt, um die Situation am Entstehungsort zu überprüfen. Bei sehr kleinen Tumoren kann zu diesem Zweck eine Endosonografie genügen.
Therapie: Sie richtet sich nach der Größe und Lage des Tumors – tiefer, mittlerer oder hoher Sitz im Mastdarm–, nach dem Krankheitsstadium und genauen Profil der Tumorzellen und ob eine erbliche Neigung zu Polypen oder Polyposis beziehungsweise Darmkrebs (siehe Abschnitt "Darmpolypen" weiter oben) vorliegt.

Den Tumor entfernt der Arzt nach Möglichkeit vollständig, je nach Stadium einschließlich umgebenden Gewebes (Gekröse) und Lymphbahnen. Ziel ist stets, den natürlichen Darmausgang zu erhalten. Hierbei sind vor allem der Mindestanteil gesunden Gewebes, das sicherheitshalber mitentfernt werden kann, und die Schließfähigkeit am Darmausgang ausschlaggebend.

Kleine, lokal begrenzte Tumoren mit günstigem Profil lassen sich endoskopisch abtragen (siehe wiederum oben unter "Darmpolypen"). Falls dies nicht möglich ist, kann grundsätzlich über einen offenen Eingriff oder auch via Bauchspiegelung (laparaskopisch) operiert werden. Eventuell legt der Chirurg bei der Operation ersatzweise einen inneren Auffangbeutel für den Darminhalt, einen sogenannten Pouch (siehe weiter unten) an. Sind jedoch Sicherheitsabstand und Kontinenzfunktion nicht gesichert, muss der Chirurg nach Entfernung des unteren Darmanteils einen künstlichen Darmausgang anlegen.

Der kann manchmal auch zur vorbergehenden Entlastung sinnvoll sein, wenn im zweiten Schritt operiert wird. Größere Krebsgeschwülste werden nämlich häufig zunächst mit einer Bestrahlungsbehandlung, eventuell zusätzlich eine Chemotherapie, verkleinert und erst dann operiert. Die kombinierte Behandlung noch vor der Operation mit Strahlen- und Chemotherapie gehört heute zu den Therapiestandards bei Mastdarmkrebs. Ab und zu kann der Tumor dadurch sogar zum Verschwinden gebracht werden. Zuverlässige Kenntnisse und Prognosen über die weitere Entwicklung in diesen Fällen gibt es aber noch nicht.

In anderen Fällen wird nach entsprechender Vorbehandlung operiert und danach eine weitere Chemotherapie angeschlossen. Manchmal geht der Arzt aber auch umgekehrt vor, stellt also die Operation den anderen Maßnahmen – Strahlen- und Chemotherapie – voran. Inzwischen werden als Arzneistoffe zur Behandlung von Mastdarmkrebs teilweise auch sogenannte Biologicals, zum Beispiel gentechnisch hergestellte Antikörper, eingesetzt.


Eingehender informieren Sie die Ratgeber "Mastdarmkrebs" und "Dickdarmkrebs".

Mastdarmentzündung ("Enddarmentzündung", Proktitis)

Entzündungen im Bereich des Mastdarmes betreffen im Allgemeinen häufiger Männer als Frauen. Oft ist auch der Analkanal mit einbezogen. Infolge der Entzündungen kann es zum Austritt von Blut aus dem Darm kommen.

Eine Proktitis beruht hauptsächlich auf folgenden Problemen:

- Infektionen: vor allem Geschlechtskrankheiten und weitere sexuell übertragene Infektionen

- Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn)

- Geschwächte Immunabwehr

- Örtliche Reizungen: Allergien und Unverträglichkeitsreaktionen

- Behandlungsfolgen: Vorausgegangene Strahlentherapie; Medikamente, etwa Antibiotika oder entzündungshemmende Mittel; operative Ausschaltung eines Darmabschnitts

- Verletzungen (zum Beispiel durch traumatisierende Sexualpraktiken)

In den nachfolgenden Abschnitten mehr dazu.

  • Infektionen (hier vor allem durch Analverkehr): Dabei geht es um Geschlechtskrankheiten wie Tripper (Gonorrhoe; der Erreger heißt Neisseria gonorrhoeae), Syphilis (harter Schanker oder Lues; der verantwortliche Keim ist Treponema pallidum), weicher Schanker (Ulcus molle, es wird durch das Balterium Haemophilus ducreyi ausgelöst) und Lymphogranuloma inguinale oder venereum (Infektion durch bestimmte Chlamydia-trachomatis-Bakterien). Zu den sexuell übertragenen Infektionen zählen insbesondere Feigwarzen (Kondylome, Erreger sind humane Papillomviren (HPV)) sowie Infektionen mit Herpes-simplex-Viren (HSV, Herpes genitalis) und Aids- beziehungsweise HI-Viren (humane Immuninsuffizienz-Viren, HIV). Auch Pilzerkrankungen und Befall mit speziellen Erregern gehören in diese Rubrik. Die genannten Infektionen erstrecken sich meist auf den ersten 16 Zentimetern des Mastdarmes, können aber manchmal auf den sich anschließenden S-förmigen Dickdarm (Sigma genannt) übergehen.
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn: Hier kommt vor allem die Colitis ulcerosa – etwa in Form einer Proktitis ulcerosa – als Ursache von Entzündungen und Blutungen aus dem Darm infrage, seltener auch die Crohn-Krankheit. Bei Morbus Crohn durchsetzt die Entzündung oft die gesamte Darmwand; es können sich Fisteln bilden. Das sind krankhafte Gangverbindungen, die zwischen Hohlorganen entstehen, blind im Gewebe enden oder sich zur Haut hin öffnen können. In der Regel passiert das im Analbereich. Mögliche Blutungsquellen sind das umgebende entzündete Darmgewebe und die Fistelausgänge (siehe jeweils Abschnitt "Darmentzündungen, Absatz: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen" weiter unten).
  • Geschwächte Immunabwehr, zum Beispiel im Rahmen einer Chemotherapie, kann dazu führen, dass eine bakterielle Proktitis auftritt. Manchmal entwickelt sich dann ein Mastdarmgeschwür (siehe unten) – eine mögliche Blutungsquelle.
  • Örtliche Reizung: Nicht selten lösen arzneiliche Bestandteile in Zäpfchen, Pflege- und Gleitmitteln, im Toilettenpapier und in Kondomen Allergien oder Unverträglichkeitsreaktionen aus. Die Folge kann zum Beispiel eine Proktitis sein.
  • Strahlentherapie: Nach einer äußeren oder inneren Strahlenbehandlung des Beckenraums oder der Nierengegend kann bei manchen Patienten innerhalb von drei bis 24 Monaten, im Durchschnitt nach einem Jahr, eine chronische Enddarmentzündung (sogenannte Strahlenproktitis) oder eine strahlenbedingte Dickdarmentzündung  (Strahlenkolitis) auftreten. Zeitnah zur Bestrahlung ist auch eine akute Entzündung der Darmschleimhaut möglich. In beiden Fällen kann es zu Blutungen kommen. Ist die Darmwand stärker geschädigt, können sich Verengungen und Fisteln bilden. Das Risiko eines Darmverschlusses ist erhöht. Eine akute Strahlenkolitis /-proktitis klingt häufig nach einiger Zeit wieder ab. Unterschiedliche Medikamente (siehe unten) können die Heilung unterstützen.
  • Operative Ausschaltung eines Darmabschnitts und Anlage eines künstlichen Darmausgangs (Diversionskolitis): In der Folge kann sich in dem ausgeschalteten Bereich, zum Beispiel im Enddarm, eine Entzündung mit Blut- und Schleimabgang entwickeln (siehe ebenfalls unten, Abschnitt "Darmentzündungen").
  • Innerliche Behandlung mit Medikamenten als Ursachen: Antibiotika, Entzündungshemmer wie nicht steroidale Antirheumatika und andere Arzneistoffe können eine Proktitis wie auch eine Dick- oder Dünndarmentzündung nach sich ziehen. Bei der sogenannten Antibiotika-Kolitis spielt ein Erreger namens Clostridium difficile eine wichtige Rolle. Er überwuchert die normale Darmflora und kann ein möglicherweise schweres Krankheitsbild auslösen. Die Entzündung betrifft meist den unteren Dickdarm und / oder Mastdarm. Mehr dazu wiederum im Abschnitt "Darmentzündungen" weiter unten. Auf Verletzungsmechanismen geht dieser Beitrag nicht näher ein.

Symptome bei Proktitis allgemein: Die Patienten bemerken eitrigen und / oder blutigen Ausfluss aus dem Darm und klagen über krampfartige Schmerzen beim Stuhlgang, sogenannte Tenesmen. Sie haben den Eindruck, den Darm nicht richtig entleeren zu können. Gleichzeitig kommt es zu dauerndem Stuhldrang. Ist der After mit einbezogen, entwickeln sich auch hier häufig Entzündungen, außerdem Ausschläge und Juckreiz. Nennenswerte Blutungen oder blutige Durchfälle können auch zu einer Blutarmut mit deutlicher Hautblässe, körperlicher Schwäche, Kurzatmigkeit und Schwindelbeschwerden führen. Falls eine sexuell übertragene Infektion oder Geschlechtskrankheit vorliegt, sind unterschiedlichste weitere Symptome möglich, bei Tripper anfangs etwa Lymphknotenschwellungen, nicht juckende Hautausschläge an verschiedenen Körperstellen einschließlich Handflächen und Fußsohlen, Veränderungen der Mundschleimhaut, Fieber, Muskelschmerzen und vieles mehr.

Diagnose: Sie ergibt sich meist aus dem Beschwerdebild und der körperlichen Untersuchung des Anal-, eventuell auch des Intimbereiches. Mehr dazu im Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung" in diesem Beitrag. Auf eine Geschlechtskrankheit können häufig bestimmte Hautveränderungen anal und genital – zum Beispiel auch bei Untersuchung des Partners – oder, je nach Krankheitsbild, andere Begleitsymptome hinweisen. Zudem kommen dem Arzt weitere Analysen zu Hilfe. Sie reichen von mikroskopischen oder labortechnischen Untersuchungen aus einem Abstrich oder einer Gewebeprobe über mikrobiologische Untersuchungen des Stuhls und den Nachweis von Bakteriengiften (Toxinen) bis zu speziellen Bluttests.

Therapie: Maßgeblich ist die Ursache. Falls zum Beispiel ein bakterieller Erreger festgestellt wird, so wird der Arzt eine Therapie mit einem passenden Antibiotikum einleiten. Eine ausgeprägte Proktitis bei Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn behandelt der Arzt mit Medikamenten, die Immunreaktionen und Entzündungsprozesse unterdrücken. Die Arzneien werden eingenommen oder gespritzt (in die Blutbahn, in den Muskel oder unter die Haut). Zusätzlich eine entzündungshemmende örtliche Behandlung mit Zäpfchen, Rektalschaum oder Einläufen (Klysmen) sinnvoll sein. Bei milder Proktitis genügt die lokal wirksame Therapie häufig (mehr zur Therapie siehe Abschnitt "Darmentzündungen – Chronisch entzündliche Darmerkrankungen" weiter unten). Hartnäckige Crohn-Fisteln geht der Chirurg möglichst nur so weit an, dass die Verschlussfähigkeit am Darmausgang, die Kontinenz, erhalten bleibt. Nicht immer gibt es hier jedoch die optimale Lösung.

Auch die Strahlenproktitis spricht meist auf entzündungshemmende Zäpfchen oder Einläufe an. Wenn die Entzündung abklingt, bessert sich meist auch eine entzündlich bedingte Blutarmut. Einen Eisen- oder Vitaminmangel können entsprechende Präparate ausgleichen helfen. Blutungen lassen sich gegebenenfalls auch mittels Laser oder anderer Techniken im Rahmen der Darmspiegelung stillen. Bei schweren Entzündungen muss der Mastdarm gegebenenfalls operiert werden. Falls eingenommene Präparate allergische Erscheinungen auslösen oder entzündliche Nebenwirkungen am Darm verursachen, wird der Arzt sie absetzen.

Achtung: Vom Arzt verordnete Therapien bei mutmaßlichen Problemen nicht in Eigenregie ändern, sondern den behandelnden Arzt kontaktieren.

Mastdarmgeschwür

Geschwüre im Mastdarm (Rektum) beruhen auf ganz unterschiedlichen Ursachen. Es sind auch stärkere Blutungen möglich.

Ein einzelnes Mastdarmgeschwür, ein sogenanntes solitäres Ulcus recti simplex, kann durch Auflagedruck extrem harter Kotballen bei chronisch verstopften, meist auch bettlägerigen Patienten entstehen. Weitere Ursachen eines Mastdarmgeschwürs sind Verletzungen, etwa bei Einläufen, ein Mastdarmvorfall oder -prolaps, eine bösartige Veränderung oder eine Mastdarmentzündung (Proktitis, etwa auch bei Colitis ulcerosa, siehe oben und weiter unten).

Symptome: Die Betroffenen beobachten häufig Absonderungen von Schleim und Blut aus dem Darm. Eine neu aufgetretene Verstopfung oder schmerzhafte, eventuell unvollständige Darmentleerungen können auf eine Darmverengung hindeuten. Spontan oder bei der Untersuchung kann auch ein Mastdarmvorfall sichtbar werden. Es kann zu einer plötzlichen, schwallartigen Blutung aus einer Arterie am Boden des Geschwürs kommen: Notfall!

Diagnose und Therapie: Eine akute Mastdarmblutung muss schnellstmöglich durch endoskopische Maßnahmen im Rahmen der Rektoskopie zum Stillstand gebracht werden: mit Einspritzen gefäßverengender Medikamente oder durch Clips, die das blutende Gefäß verschließen. Andernfalls ist eine Notoperation nötig. Zur Sicherung der Diagnose – außerhalb eines solchen Notfalls – wird der Arzt immer einen kompletten proktologischen Untersuchungsgang einschließlich Tastuntersuchung, Enddarmspiegelung und gegebenenfalls weiteren Diagnoseschritten wie Endosonografie durchführen. Dabei wird er auch Gewebeproben aus einem Darmgeschwür entnehmen. Es geht hier vor allem darum, eine bösartige Veränderung, eine chronisch entzündliche Darmerkrankung oder eine Entzündung anderer Ursache (siehe oben) auszuschließen. Ein Mastdarmvorfall kann klinisch und durch Spezialuntersuchungen wie zum Beispiel die Defäkografie nachgewiesen werden. Sie ist inzwischen auch als Magnetresonanz-Defäkografie möglich.

Konservative Maßnahmen, die eine Entzündung bekämpfen und zur Stuhlregulierung beitragen, können ein Geschwür durchaus zur Abheilung bringen. Bei einem Mastddarmvorfall oder zum Beispiel auch einem Geschwür in einer Darmeinstülpung und erheblichen Beschwerden wie oben beschrieben ist im Allgemeinen eine Operation angezeigt.

Darmentzündungen, Schwerpunkt Dickdarm

Verschiedene Ursachen führen zu Entzündungen im Darm und zu Blutungen. Häufig geht es um den Dickdarm. Aber auch die anderen Darmabschnitte können betroffen sein. 

Auslösend sind in erster Linie bestimmte Darminfektionen, in zweiter Linie chronische Erkrankungen wie Colitis ulcerosa oder der Morbus Crohn. Schließlich können Entzündungen in ausgeschalteten Darmbereichen (Diversionskolitis) und "künstlichen" Darmreservoirs (Pouchitis) ab und zu mit Blutungen einhergehen.

Symptome bei Darmentzündungen: Außer Blutungen sind allgemeine Krankheitszeichen wie Durchfälle, krampfartige Bauchschmerzen, Störungen des Allgemeinbefindens, eventuell auch Fieber typisch. Mögliche Komplikationen: Darmlähmung oder -durchbruch und Bauchfellentzündung, also ein "akuter Bauch", Kreislaufprobleme bis hin zum Schock. Besonderheiten je nach Ursache nachfolgend.

Infektiöse Kolitis / Enterokolitis

Enterokolitis bedeutet Schleimhautentzündung des Darmes. Als erregerbedingte und mit blutigen Durchfällen verlaufende Darmentzündungen kommen in erster Linie Erkrankungen durch Keime wie Campylobacter jejuni, Shigellen,  enterohämorrhagische Escherichia (E.) Coli-Bakterien (EHEC) sowie Amöben und bei immungeschwächten Patienten Cytomegalieviren in Betracht. Mitunter lösen im Krankenhaus aufgefangene Keime eine Darmentzündung aus.

  • Campylobacter jejuni: Die "Campylobacter-Enteritis", also die Darmentzündung durch den Keim Campylobacter jejuni, ist inzwischen zur häufigsten bakteriellen Durchfallerkrankung in Europa aufgestiegen. Der Erreger verursacht Lebensmittelinfektionen, häufig auch einen sogenannten Reisedurchfall. Quellen sind vor allem keimverunreinigtes, unzureichend erhitztes Geflügel, Fleisch, ferner Rohmilch und daraus hergestellte Produkte. Hauptsaison ist die Sommerzeit. Möglich ist auch eine Ansteckung von Mensch zu Mensch oder über Haustiere. Als Komplikationen sind eine rheumatische Gelenkentzündung möglich oder, wenn auch nur selten, ein ernstes neurologisches Krankheitsbild mit Nervenentzündungen und Lähmungen, ein sogenanntes Guillain-Barré-Syndrom.
    Symptome:
    Manche Infektionen verlaufen ohne Beschwerden. Zwischen der Infektion und ersten Symptomen liegen meist zwei bis fünf Tage. Anfangs kommt es zu Krankheitsgefühl, Fieber, Kopfschmerzen Gliederschmerzen, Bauchschmerzen, dann tritt plötzlich wässriger oder blutiger Durchfall auf. Auch nach Abklingen der Beschwerden können die Erreger noch ausgeschieden werden.
    Diagnose:
    Sie ergibt sich aus der Bestimmung des Erregers im Stuhl und dem Nachweis von typischen Erregermerkmalen, sogenannten Antigenen.
    Therapie:
    Die Behandlung ist überwiegend symptomatisch: Verloren gegangene Flüssigkeit und Blutsalze werden ersetzt. Patienten mit erhöhtem Risiko, etwa bei Abwehrschwäche, oder mit schwerem Krankheitsverlauf, wozu blutiger Durchfall zweifelsohne gehört, behandelt der Arzt in der Regel mit einem Antibiotikum. Für Eltern betroffener Kinder besteht Informationspflicht gegenüber Gemeinschaftseinrichtungen wie Schule oder Kindergarten; Meldepflicht gilt auch bei Verdacht, wenn die entsprechende Person im Lebensmittelbereich tätig ist.
  • Shigellen (Shigellose, bakterielle Ruhr oder Dysenterie): Die Erkrankung tritt hauptsächlich bei Aufenthalten in subtropischen oder tropischen Ländern mit schlechtem Hygienestandard auf. Auch in Massenquartieren besteht Infektionsgefahr. Quellen sind verkeimtes Wasser und mit dem Erreger verunreinigte Lebensmittel. Die Übertragung erfolgt als Schmierinfektion; Infizierte – ob akut erkrankt oder symptomlos – scheiden den Erreger mit dem Stuhl aus. Es gibt vier verschiedene Erregerarten. Die Variante A (Shigella dysenteriae) ist wegen ihres Giftes, wiederum ein Shigatoxin (siehe weiter unten: EHEC), die aggressivste. Es ist für die ein bis zwei Tage nach Infektion einsetzenden massiven Durchfälle und die Begleitsymptome verantwortlich, da es sowohl als Körpergift wirkt als auch die Darmschleimhaut direkt schädigt. Außerdem kann es ein hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) auslösen (siehe ebenfalls EHEC). Die Erreger können im Darm verweilen und daher längere Zeit, oft bis zu vier Wochen, ausgeschieden werden.
    Symptome:
    Zwischen Ansteckung und den ersten Symptomen liegen nur wenige Tage. Die Betroffenen leiden besonders bei schwerem Verlauf an heftigen Bauchkrämpfen und Fieber. Die Durchfälle sind stark ausgeprägt und mit Blut, Eiter und Schleim versetzt. Die Blutungen können erheblich sein. Als Komplikation drohen bei schwerer geschwüriger Darmentzündung ein Darmdurchbruch, außerdem Austrocknung, Kreislaufkollaps, Krämpfe, Koma.

    Diagnose:
    Reise-Durchfallerkrankungen erklären sich im Allgemeinen von selbst. Der Erregernachweis erfolgt in einem Abstrich vom Enddarm oder einer speziell aufbereiteten Stuhlprobe. Solange der Darm sich nicht der Shigellen entledigt hat, ist der Betreffende infektiös. Meldepflicht (auch bei Verdacht, wenn die entsprechende Person im Lebensmittelbereich tätig ist).
    Therapie:
    Ersatz des Flüssigkeits- und Salzverlustes und Gabe von Antibiotika, falls möglich gemäß Austestung des Erregers aus einer Stuhlprobe.

  • Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC)-Bakterien: Die Übertragung der E.coli-Erreger erfolgt von Tier zu Mensch, zum Beispiel bei direktem Kontakt mit infizierten Wiederkäuern, von Mensch zu Mensch (es gibt auch beschwerdefreie Keimträger), über verkeimtes rohes Fleisch, zum Beispiel Lammfleisch oder streichfähige Rohwurst, rohe Milch und daraus hergestellte Produkte. Es gibt zahlreiche EHEC-Typen. Manche sind nicht nur sehr ansteckend, sondern zugleich sehr robust und können Kälte oder Magensäure standhalten. Da sie sich in der Umwelt lange halten, sind sie auch über rohes Gemüse oder Salat übertragbar. Verunreinigte Badegewässer sind ebenfalls Infektionsquellen. Problematisch sind Bakterienstämme (sogenannte STEC), die bestimmte Gifte namens Shigatoxine bilden (die Abkürzung STEC steht für Shigatoxin produzierende Escherichia coli).
    Symptome:
    Nicht alle EHEC-Infektionen machen sich durch Beschwerden bemerkbar: Sie können durchaus symptomlos verlaufen. Ansonsten dauert es zwischen Infektion und Auftreten erster Symptome etwa zwei bis zehn Tage. Es kommt zu Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und wässrigen Durchfällen. Diese können sehr massiv, schließlich mit Blut versetzt (blutiger Stuhl) und von Bauchkrämpfen begleitet sein, teilweise auch mit Fieber einhergehen. Solche schweren Krankheitsverläufe treten häufiger bei abwehrgeschwächten oder älteren Menschen, Säuglingen und Kleinkindern, teilweise auch vermehrt bei Frauen auf und können gefährliche Komplikationen nach sich ziehen. Gefürchtet sind vor allem Schädigung der Blutplättchen und Blutkörperchen sowie Immunphänomene, die zu Blutarmut, Nierenschwäche oder -versagen und neurologischen Störungen führen können (sogenanntes hämolytisch-urämisches Syndrom, kurz HUS).
    Diagnose:
    Angestammte E.coli-Bakterien gehören zur normalen Keimflora im Dickdarm. Entscheidend ist eine ausgewogene Erregervielfalt. Vermehren sich bestimmte EHEC-Bakterien, können sie durch eigene Zellgifte krankmachende Wirkungen auf den Menschen entfalten. Dabei geht es vor allem um die sogenannten Shigatoxine. Ihr Nachweis nach Isolierung des Erregers aus dem Stuhl oder Bestimmung der Bakteriengene, die den Code für das Shigatoxin enthalten, ist beweisend. Bei HUS wird zusätzlich eine Antikörperbestimmung im Blut durchgeführt. EHEC-Infektionen sind meldepflichtig (auch bei Verdacht, wenn die entsprechende Person im Lebensmittelbereich tätig ist). Darum kümmern sich die verantwortlichen Ärzte.
    Therapie:
    Im Vordergrund steht zunächst eine symptomatische Therapie, was unter anderem bedeutet, erlittene Verluste an Flüssigkeit und Blutsalzen auszugleichen. Die Behandlung bestimmter E.coli-Infektionen mit bestimmten Antibiotika ist bei schweren Durchfällen inzwischen eine Option. Gerade bei den Risikogruppen – ältere Menschen, Kinder – ist unbedingt eine rechtzeitige Therapie nötig. Eventuell müssen die Betroffenen in der Klinik behandelt werden, denn jede ausgeprägte Darminfektion kann bei ihnen schnell einen gefährlichen Lauf nehmen.
  • Amöben (Amöbenruhr): Amöben sind Parasiten, und die von ihnen verursachte Infektionskrankheit ist eine meldepflichtige Krankheit. In tropischen und subtropischen Regionen, begünstigt durch schlechte hygienische Verhältnisse, tritt diese Parasitose am häufigsten auf. Gelegentlich zeigt sie sich aber auch in gemäßigten Klimazonen Europas. Infektionsquellen sind verunreinigtes Trinkwasser und verkeimte Lebensmittel. Für die aggressive Erscheinungsform mit einer geschwürigen Dickdarmentzündung ist Entamoeba histolytica verantwortlich. Über den Stuhl werden die Amöben als sogenannte Zysten ausgeschieden. Diese können in der Außenwelt überdauern und sind dann eine Infektionsquelle. Nur ein Fünftel der Betroffenen erkrankt mit Symptomen. Wenn die Infektion chronisch wird, kann die Darmentzündung fortbestehen, immer wieder aufflammen und mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung oder Blinddarmentzündung verwechselt werden. Als Komplikation kann sich bei der Amöbenruhr ein schweres Krankheitsbild mit massiver Darmaufblähung (toxisches Megacolon, siehe auch bei "Colitis ulcerosa" weiter unten) und einem Durchbruch, also ein akuter Bauch, entwickeln. Auch ein Amöbenabszess ist möglich.
    Symptome:
    Zwischen Infektion und Symptomen liegen eine bis vier Wochen. Es treten dann mit Schleim und Blut versetzte Durchfälle auf, die Ärzte mitunter als himbeergeleeartig beschreiben. Dazu kommen Bauchschmerzen, mitunter auch Fieber.
    Diagnose:
    Der Erreger lässt sich mikroskopisch bei der Stuhluntersuchung oder in einer Gewebeprobe aus dem Darm nachweisen. Darüberhinaus ist die Bestimmung des Erreger-Antigens möglich. Mittels Nachweises dieses Erbmaterials kann die krankmachende Variante "histolytica" am sichersten erkannt werden. Je nach Verlauf kommen auch Blutuntersuchungen und Stuhlanalysen auf andere Erreger in Betracht.
    Therapie:
    Wirksam ist zum Beispiel der Arzneistoff Metronidazol. Ergänzend kann ein Kontaktamöbizid sinnvoll sein, um den Erreger vollständig auszuschalten. Ein Kontaktamöbizid ist ein Antibiotikum, welches nach der Einnahme nur im Darm wirkt. Der Therapieerfolg wird durch Stuhluntersuchungen überprüft.

  • Cytomegalie-Kolitis: Das Cytomegalie-Virus (CMV) gehört zu den Herpes-Viren. Die CMV-Kolitis zählt zu den häufigsten opportunistischen Infektionen im Verdauungstrakt bei Aids-Patienten. Opportunistische Infektion bedeutet, dass Erreger bei Immunschwäche leichtes Spiel haben und es dann zu Infektionen kommt, die bei guter Immunabwehr nicht oder nur höchst selten auftreten. Die CMV-Kolitis kann sich grundsätzlich bei jeder maßgeblichen Abwehrschwäche entwickeln, zum Beispiel auch bei einer das Immunsystem unterdrückenden Therapie oder einer Chemotherapie. Bei einer CMV-Kolitis bildet sich eine geschwürige Dickdarmentzündung. Die Darmwand kann sich durch die entzündliche Schwellung verdicken. Auch eine Blinddarmentzündung kann auftreten. Außerdem schwellen meist Lymphknoten im Bauch an.
    Symptome:
    Bauchschmerzen, Fieber, blutige Durchfälle. Es handelt sich meist um ein schweres Krankheitsbild. Im Rahmen der Aids-Erkrankung sind weitere Symptome möglich.
    Diagnose:
    Blutuntersuchungen auf Erregermaterial (sogenannte Polymerase-Chain-Reaction, kurz PCR) und feingeweblich untersuchte Gewebeproben (Immunhistochemie), die bei einer Koloskopie gewonnen werden, sind wegweisend. Bei der Spiegelung selbst zeigt sich optisch eine Darmentzündung mit Geschwüren. Therapie: Therapeutisch wirksam sind Anti-Virus-Medikamente, meist auch in Kombination mit einem Antikörperpräparat, einem Hyperimmunglobulin.
  • Darmentzündung infolge Antibiotika-Therapie, pseudomembranöse Kolitis, Clostridium difficile: Eine nachhaltige Behandlung mit Antibiotika kann die natürliche Vielfalt (Flora) der Darmbakterien angreifen. Davon profitiert häufig ein Keim namens Clostridium difficile, der eigentlich bei Erwachsenen nur sehr selten im Darm weilt. Bei Krankenhaus-Patienten, die mit Antibiotika behandelt wurden, steigt die Keimbesiedlung schon auf bis zu dreißig Prozent. Der Erreger zählt daher zur "Krankenhaus-Flora". Falls es ihm gelingt, sich im menschlichen Darm zu vermehren, kann er auch eine Darmentzündung verursachen. Bei besonders aktiven Bakterien droht ein schweres Krankheitsbild. Es wird durch Clostridiengifte, die Toxine A und B, ausgelöst. Toxin A steigert die Ausscheidung von Körpersalzen und Wasser, Toxin B attackiert die Darmwand und zerstört die Darmschleimhaut. In der Folge kommt es zu starken, wässrigen Durchfällen. Vor allem im Bereich des Enddarms bilden sich großflächige Wundauflagerungen, sogenannte Pseudomembranen. Die Darmwand ist stark geschwollen.
    Symptome:
    Schon zu Beginn der Antibiotikatherapie, manchmal aber auch erst einige Wochen später, treten die ersten Beschwerden auf: Bauchschmerzen und Durchfall. Verstärkte wässrige Durchfälle, die mit Blut oder Schleim versetzt sind und mit Bauchkrämpfen, Übelkeit und Erbrechen einhergehen, können den Übergang in eine pseudomembranöse Kolitis anzeigen. Der Flüssigkeitsverlust kann bedrohlich sein, ebenso Komplikationen wie Darmdurchbruch und Bauchfellentzündung.
    Diagnose:
    Praktisch jedes Antibiotikum kann eine Darmentzündung auslösen. Besonders bekannt dafür sind aber Arzneistoffe wie Clindamycin, Ampicillin und die Cephalosporine. Neben einem "verdächtigen" Medikament weisen auch die klinischen Befunde auf die Diagnose hin: die Symptome und – bei der körperlichen Untersuchung – ein deutlich druckschmerzhafter linker Unterbauch. Auch Zeichen des Flüssigkeitsverlusts wie trockene, schlaffe Haut und Kreislaufschwäche passen zum Krankheitsbild. Die Ultraschalluntersuchung des Darmes lässt eine durch die Entzündung geschwollene, verdickte Darmwand erkennen.
    Bei Verdacht auf eine jegliche Darmentzündung wird das Verdauungsorgan in der Regel auch endoskopisch untersucht. Dabei sieht der Arzt bei einer beliebigen Kolitis eine entzündlich veränderte Schleimhaut, auf der sich eventuell kleinere Geschwüre gebildet haben. DEione pseudomembranöse Kolitis kennzeichnen massive, blutige entzündliche Auflagerungen. Auch Gewebebiopsien spiegeln die starke Entzündung wider. In Stuhlproben finden sich die Clostridien-Gifte. Erst drei negative Stuhltests schließen die Infektion aus.
    Therapie:
    Als ersten Schritt setzt der Arzt das verantwortliche Antibiotikum ab. Insbesondere bei schweren Verlaufsformen (Meldepflicht) wie der pseudomembranösen Kolitis müssen die Flüssigkeits- und Salzverluste ausgeglichen werden: in der Regel in der Klinik. Als Arzneimittel gegen Clostridien kommen zum Beispiel Metronidazol und Vancomycin zum Einsatz. Es gibt aber auch Bakterien, die nicht darauf ansprechen (Resistenz). Dann suchen die Ärzte nach Alternativen. Nach Abklingen der Erkrankung und erfolgreichem Nahrungsaufbau können Joghurt und Hefepräparate dazu beitragen, die physiologische Darmflora zu stärken und das Rückfallrisiko zu verringern.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Manche Darmentzündungen verlaufen chronisch, häufig auch in Schüben: beschwerdefreie Zeiten wechseln sich mit mehr oder weniger beschwerlichen Krankheitsphasen ab. Die beiden wichtigsten Krankheitsbilder hier: Morbus Crohn (Crohn-Krankheit) und Colitis ulcerosa (Cu).

Am häufigsten erkranken junge Menschen im dritten Lebensjahrzehnt. Die eigentliche Ursache ist bei beiden Darmerkrankungen unbekannt. Unter anderem spielen  wohl Umweltfaktoren und Veranlagung eine Rolle. Inzwischen wurden vielfach Gene identifiziert, die ein erhöhtes Risiko mit sich bringen, an Crohn oder Cu zu erkranken.

Den Auftakt bildet eine Fehlregulation im Magen-Darmtrakt, nämlich eine Barrierestörung der Schleimhaut. Sie macht den Darm anfälliger für schädliche Einflüsse. In der Folge kommt es zu einer chronischen Entzündung, die jedoch bei Crohn und Cu unterschiedlich verläuft. Mitunter ist eine Magen-Darminfektion (infektiöse Gastroenteritis) vorausgegangen. Zigarettenrauchen beeinflusst beide Erkrankungen gegensätzlich: Während das Cu-Risiko sinkt, steigt das Crohn-Risiko.

  • Morbus Crohn: Die Crohn-Krankheit kann sich auf den gesamten Verdauungstrakt erstrecken – vom Mund bis zum After. Alle Wandschichten der erkrankten "Hohlorgane" werden erfasst. Typisch für die Crohn-Krankheit ist das Nebeneinander gesunder und kranker Darmbereiche. Ein Drittel der Betroffenen hat erhebliche Probleme im Anorektalbereich aufgrund von Fisteln, Abszessen, Rissen (Fissuren; mehr dazu im Kapitel "Ursachen im Analbereich") oder einer Einengung (Stenose) des Analkanals. Die Fisteln können sich zur Haut oder benachbarten Organen wie Scheide und Blase hin öffnen. Wenn sie erstmals auftreten, ist das durchaus ein Verdachtsmoment für eine Crohn-Krankheit. Während bei dem einen Betroffenen der Dünndarm und / oder Magen erkrankt, ist es beim anderen der Dickdarm (Kolitis); beim nächsten ist praktisch der gesamte Darm betroffen.
  • Bei den meisten Patienten konzentriert sich die Entzündung auf das Endstück des Dünndarms am Übergang zum Dickdarm beziehungsweise Blinddarm. Das ist das sogenannte terminale Ileum, daher auch die Bezeichnung Ileitis terminalis Crohn. Außerdem kann die Erkrankung auch andere Organe erfassen, etwa die Augen, Gelenke, Haut oder Gallengänge in der Leber. Die chronische Entzündung im Körper wie auch mögliche chronische, wenn auch oft unterschwellige Blutverluste können unter anderem eine Blutarmut auslösen. Dazu kann auch ein entstehender Nährstoff- und Vitaminmangel beitragen.

    Symptome:
    Leitsymptome sind Durchfälle und krampfartige Bauchmerzen. Patienten mit Crohn-Veränderungen im Analbereich leiden oft unter Fisteln oder Abszessen. Dabei kann Blut am After oder im Stuhl erscheinen. Zugleich liegen nicht selten Hämorriden vor, was die Diagnose erschweren kann, da die Symptome ähnlich sind.
    Bei höchstens einem Prozent der Erkrankten kommen massive Blutungen aus dem Darm vor. Ansonsten treten blutige Durchfälle vergleichsweise selten auf. Häufiger entwickeln sich Darmverschlüsse durch Darmverengungen. Auch Abszesse sind möglich. Bei der Ileitis terminalis stehen kolikartige Schmerzen im rechten Unterbauch im Vordergrund. Zusammen mit dem oftmals begleitenden Fieber und einer eventuell tastbaren Schwellung lässt dies mitunter eine Blinddarmentzündung vermuten. Auch andere Organe können miterkranken. Die Augen können unangenehm entzündet und gerötet sein (vgl. Beiträge Sehstörungen und Rotes Auge (hier: Abschnitte Iritis / Uveitis)). Mögliche Begleitsymptome außerdem: Gelenkschmerzen und -schwellungen infolge einer Gelenkentzündung (Arthritis), Kreuzschmerzen, Gewichtsverlust.

    Diagnose:
    Siehe dazu die allgemeinen Informationen im Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung". Bei der Darmspiegelung zeigen sich unter anderem landkartenartig angeordnete Geschwüre, das sogenannte Pflastersteinrelief, und stippchenartige Blutungen auf der Schleimhaut. Auch in Röntgenaufnahmen mit Kontrastmittel oder weiteren bildgebenden Untersuchungen – von der Sonografie der Bauchorgane über eine spezielle Form der Endoskopie (Videokapselendoskopie) oder Magnetresonanztomografie des Dünndarms bis zur Computertomografie – lassen sich krankheitstypische Darmwandveränderungen nachvollziehen. Blutanalysen können ergänzende Informationen liefern. Feingeweblich untersuchte Gewebeproben aus verschiedenen Abschnitten des Verdauungstraktes (Stufenbiopsien) oder beispielsweise auch aus Fisteln sichern die Diagnose teilweise. Andere miterkrankte Organe untersuchen die jeweils zuständigen Fachärzte. Verläuft eine als Crohn-Kolitis bewertete Darmentzündung sehr schwer oder spricht nicht auf die üblichen Medikamente an, wird der Arzt eine spezielle Darminfektion wie zum Beispiel durch das Bakterium Clostridium difficile oder das Cytomegalie-Virus (CMV, siehe jeweils weiter oben) ausschließen.

    Therapie:
    Medikamente, die bei fortbestehenden Symptomen oder Erkrankungsschüben eingesetzt werden, sind entzündungshemmende Arzneistoffe. Diesbezüglich am bekanntesten ist Kortison. Zur Behandlung einer Crohn-Dickdarmentzündung bietet sich auch Sulfasalazin (hier: Mesalazin) an, ein entzündungshemmender Arzneistoff. Außerdem kommen Medikamente wie Azathioprin oder Methotrexat zum Einsatz – indem sie das Kortison allmählich ablösen, das nur befristet angewandt werden soll. Diese Möglichkeit kann zum Beispiel bei ausgedehntem Befall des Dünndarmes oder neu aufflammenden Beschwerden nach einer Kortisonbehandlung infrage kommen. Weitere Möglichkeit: sogenannte Biologicals (biotechnisch hergestellte Antikörper). Sie haben zum Beispiel ihren Platz bei "kortisonpflichtigen" Krankheitserscheinungen, die auf Kortison aber nicht ansprechen, etwa eine schwere Dickdarmentzündung im Schub oder ausgeprägte Analfisteln.

    Mit allen diesen Optionen, teilweise auch in kombinierter Form, gelingt es heute meist, die Beschwerden unter Kontrolle zu bringen und die Häufigkeit von Komplikationen zu senken. Manche, doch längst nicht alle Patienten mit Crohn-Krankheit benötigen eine mehrjährige Therapie, zum Beispiel mit Azathioprin.

    Der Arzt wird bei den Kontrolluntersuchungen auf mögliche Nebenwirkungen der Medikamente achten und die Therapie bei Bedarf gegebenenfalls umstellen. Schwere Komplikationen wie massive Darmblutung, Darmverschluss durch einen narbig verengten entzündeten Darmabschnitt (Striktur oder Stenose) oder ein Darmdurchbruch machen eine Operation nötig. Dabei wird versucht, möglichst sparsam und darmschonend vorzugehen. Bei kurzer Engstelle bietet sich zum Beispiel manchmal eine endoskopische Aufdehnung an. Wichtig: Die Verengung muss diagnostisch gut abgeklärt sein.

    Wichtig:
    Patienten mit Morbus Crohn sollten von Spezialisten in entsprechenden Zentren behandelt werden. Das gilt insbesondere auch für chirurgische Eingriffe. Und: Betroffene haben teilweise ein erhöhtes Risiko für Krebs (zum Beispiel Darmkrebs, falls der Dickdarm erkrankt ist). Daher raten Ärzte ab einer bestimmten Krankheitsdauer zu regelmäßigen Kontrolluntersuchungen (vgl. weiter unten: Krebsfrüherkennung bei Colitis ulcerosa).

    Ernährung bei Crohn-Krankheit:
    Eine spezielle Diät gibt es nicht. Die Ernährung hängt davon ab, wie akut die Erkrankung gerade ist. Wenn die Lage einigermaßen stabil ist, gilt die Regel: Erlaubt ist, was bekommt. Meistens läuft das auf eine leichte Vollkost, die auch genügend Ballaststoffe bietet, heraus. Trinknahrungen können helfen, Gewichtsverluste schneller wieder wettzumachen. Eine Laktose- beziehungsweise milchzuckerfreie Ernährung ohne Milch beziehungsweise Milchprodukte ist bei entsprechender Unverträglichkeit sinnvoll. Rauchverzicht senkt bei der Crohn-Krankheit das Risiko eines erneuten Schubes. Während einer akuten Entzündungsphase hat sich eine ballaststoffarme Ernährung bewährt.

    Falls vorübergehend eine künstliche Ernährung über die Blutbahn notwendig wurde, tastet man sich anschließend wieder Schritt für Schritt an die zuvor vertragene Kost heran. Ein Vitamin- oder Mineralstoffmangel wird durch entsprechende Präparate ausgeglichen. Auch einem Kalzium- und Vitamin-D-Mangel wird der Arzt gegensteuern. Besonders wichtig ist das bei einer Kortisontherapie, da sie das Osteoporoserisiko erhöht.

Weitere Informationen, auch zur Therapie, finden Sie im Ratgeber Morbus Crohn.

  • Colitis ulcerosa (Cu): Im Gegensatz zu Morbus Crohn, der die gesamte Darmwand erfasst, ist bei der Cu hauptsächlich die Schleimhaut betroffen. Die Veränderungen breiten sich kontinuierlich und flächenhaft aus. Es bilden sich Geschwüre, die mit Eiweißschlieren belegt sind, und Abszesse in den Schleimhautschluchten (Kryptenabzesse). Im weiteren Verlauf wird die Schleimhaut bis auf Reste mit polypenähnlichen Inseln zerstört. Im Extremfall verliert der Darm seine Kontur und wird gewissermaßen zu einem Rohr. In dem verkümmerten, aber reichlich mit Entzündungszellen durchsetzten Gewebe können sich neue, genetisch leicht veränderte Zellen bilden (sogenannte Zell-Dysplasien, siehe auch Abschnitt "Polypen" weiter oben). Sie können mit der Zeit in entartete Zellen übergehen. Die Cu beginnt immer im Mastdarm und setzt sich nach oben fort. Entweder beschränkt sie sich dann auf den linksseitigen Dickdarm, oder sie befällt das gesamte Organ. Wie bei der Crohn-Krankheit, aber doch seltener, können auch Organe wie die Augen, Gelenke einschließlich der kleinen Wirbelgelenke und die Haut erkranken. Entzündliche Veränderungen der Gallengänge in der Leber (sogenannte primär sklerosierende Cholangitis) kommen dagegen häufiger vor als bei Morbus Crohn.

    Symptome:
    Leitsymptome sind schleimig-blutig Durchfälle und krampfartige Bauchschmerzen, vor allem vor dem Stuhlgang. Die Betroffenen verlieren an Gewicht. Erkrankte Kinder wachsen schlechter. Die Entzündung kann schubartig und fiebrig verlaufen, zwischendurch aber wieder vollständig zum Stillstand kommen. Ein Schub kann durch körperliche oder psychische Belastungen ausgelöst werden. Andere Patienten haben ständig mehr oder weniger ausgeprägte Beschwerden. Als Komplikation sind starke Darmblutungen, eine massive Entzündung mit Blutvergiftung, eine Darmüberblähung mit Gefahr des Durchbruchs und der Bauchfellentzündung – ein
    "toxisches Megakolon" – möglich. Dank der Behandlungsmöglichkeiten kommt das heute zum Glück nur noch selten vor.

    Diagnose:
    Sie beruht auf den im Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung" beschriebenen Möglichkeiten. Feingeweblich untersuchte Gewebeproben aus der Darmschleimhaut sind obligatorisch. Der Arzt entnimmt sie im Rahmen der Koloskopie, bei der er sehr gründlich sowohl den Mastdarm als auch das Endstück des Dünndarms (terminales Ileum) begutachtet. Mithilfe der hochauflösenden Sonografie lässt sich die Darmwand beurteilen. Blutuntersuchungen lassen Entzündungszeichen oder indirekt Hinweise auf eine begleitende Gallengangsentzündung erkennen. Auch im Stuhl lassen sich Entzündungsparameter bestimmen. Weitere Analysen dienen dem Aussschluss einer Darminfektion (infektiöse Kolitis, siehe oben).

    Krebsfrüherkennung bei Cu:
    Bei Colitis-ulcerosa-Patienten steigt das Krebsrisiko mit der Dauer und Ausdehnung der Krankheit. Patienten mit einem ausgedehnten Befall zum Beispiel empfehlen Experten acht Jahre nach Auftreten der ersten Symptome alle ein bis zwei Jahre eine Darmspiegelung zur Kontrolle. Diejenigen, die zugleich eine chronische Entzündung der kleinen Gallengänge in der Leber haben, sollten sich jährlich untersuchen lassen: Bei ihnen ist das Risiko für Gallengangs- und Darmkrebs erhöht, sodass der Arzt beide Bereiche sorgfältig im Blick behalten wird. Auch nach weiträumiger Entfernung des Darmes oder Anlage eines Pouches (siehe unten) wird der Arzt die Betroffenen regelmäßig überwachen.

    Therapie:
    Bei mäßig ausgeprägter Krankheit ist die Behandlung mit 5-Aminosalicylsäure-Präparaten (5-ASA oder Mesalazin, das entsprechende Retardpräparat) angezeigt. Der Arzneistoff kann die Entzündung unterbinden und weiteren Schüben vorbeugen. Er wird zur Langzeitbehandlung eingesetzt und ist auch in Form von Zäpfchen, Rektalschaum und Einläufen (Klysmen) zur örtlichen Behandlung einer Proktitis ulcerosa verfügbar. Die Kombination von Einläufen und Einnahme hat sich auch bei einer Colitis ulcerosa des linksseitigen Dickdarmes (linksseitige Colitis ulcerosa) bewährt. 5-ASA kann das durch die Erkrankung erhöhte Krebsrisiko senken. Ein weiteres Mittel, das eventuell infrage kommt, wenn 5-ASA nicht vertragen wird, heißt E. coli-Nissle-Präparat. Bei schweren Formen ist (zusätzlich) Kortison notwendig. Immunsuppressiva wie zum Beispiel Azathioprin oder 6-Mercaptopurin, sogenannte Calcineurininhibitoren wie Ciclosporin oder Tacrolimus oder auch Biologicals in Form von speziellen Antikörpern (sogenante Anti-TNF-Antikörper und Antikörper mit anderer Zielrichtung) sind hier weitere Therapieoptionen.

    Im Allgemeinen befürworten Ärzte nach Abklingen der Krankheitszeichen bei Colitis ulcerosa eine längere Erhaltungstherapie, etwa mit 5-ASA, manchmal auch mit einem Immunsuppressivum wie Azathioprin oder 6-Mercaptopurin. Im akuten Schub kann zudem eine vorübergehende künstliche Ernährung über Sonden oder über die Blutbahn notwendig sein, um den Darm komplett zu entlasten.

    Bei Komplikationen wie schweren Blutungen oder dem "toxischen Megakolon" (siehe oben) ist zunächst eine Notfalloperation mit Anlage eines künstlichen Darmausgangs unvermeidlich. Der Dickdarm wird teilweise entfernt. Wenn die Lage sich wieder beruhigt hat, wird im zweiten Schritt die Mastdarmschleimhaut weggenommen und eine Verbindung zwischen Darmausgang und Dünndarm unter Einbau eines Dünndarmreservoirs, ein sogenannter Pouch, angelegt. Die Operation heißt etwas umständlich "Proktokolektomie mit kontinenzerhaltender ilioanaler Pouchoperation", da hierbei der Schließmuskel am Darmausgang und somit der natürliche Verschluss (die Kontinenz) erhalten bleibt. Sie lässt sich im Rahmen einer offenen Bauchoperation oder auch minimal invasiv, ähnlich wie eine Bauchspiegelung, durchführen. Außerhalb einer Notlage kann der Eingriff zur passenden Zeit (elektiv) stattfinden. Dies kommt infrage, wenn bei einem Patienten der gesamte Dickdarm betroffen ist, die medikamentöse Therapie jedoch nicht genügend hilft, oder wenn eine Tendenz zur Krebsentwicklung besteht, zum Beispiel bei nachgewiesenen Zellveränderungen (Dysplasien).

    Prinzipiell gehen Ärzte davon aus, dass die Betroffenen nach Entfernung des Dickdarms geheilt sind. Dennoch sind nach der Operation wegen eines erhöhten Krebsrisikos am Pouchrand regelmäßige Kontrolluntersuchungen notwendig.

    Ernährung:
    Eine Ernährungsberatung ist wichtig, um sich nicht aus Sorge vor möglichen Unverträglichkeiten zu einseitig zu ernähren und in eine Mangelsituation zu geraten. Bei Eisen-, Mineralstoff- oder Vitaminmangel wird der Arzt entsprechende Präparate verordnen. Ansonsten siehe oben bei Morbus Crohn. Techniken der Stressbewältigung können dazu beitragen, Schüben vorzubeugen. Viele Betroffene fühlen sich durch den Erfahrungsaustausch in Selbsthilfegruppen im Umgang mit der Krankheit besser gewappnet (im Internet: www.dccv.de; www.apotheken-umschau.de ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internetseiten).

Ausführlicher informiert Sie der Ratgeber "Colitis ulcerosa".

Sonderfälle: Diversionskolitis, Pouchitis, Cuffitis

  • Diversionkolitis: Darunter versteht man eine Entzündung in einem operativ ausgeschalteten Darmabschnitt unterhalb eines künstlichen Darmausgangs. "Diversion" bedeutet eigentlich Umleitung. Wird ein künstlicher Darmausgang (Stoma) am Dünndarm (Ileostoma) oder Dickdarm (Kolostoma) angelegt, wird der übrige Darmabschnitt unterhalb "geschont". Dies ist entweder eine endgültige Therapie oder eine Zwischenlösung, um den erkrankten Bereich vorübergehend ruhigzustellen und Entzündungen schneller zum Abklingen zu bringen. Warum sich aber in dem ausgeschalteten Bereich, etwa dem Mastadrm- oder Rektumstumpf, manchmal eine Entzündung, eine sogenannte Diversionskolitis, entwickelt, ist noch ungeklärt.

    Symptome:
    Oft fehlen Beschwerden. Manchmal können aber schon kurz nach der Operation oder erst Jahre später (bei definitivem Stoma) Symptome auftreten, etwa Austritt von Schleim und Blut aus dem künstlichen Darmausgang. Auch Bauchschmerzen, die in den Rücken oder Unterbauch ausstrahlen können, Blähungen und Völlegefühl sind mögliche Beschwerden.


    Diagnose:
    Mittels Darmspiegelung oberhalb und unterhalb des Stomas lässt sich sowohl der ausgeschalteten als auch der arbeitende Darm begutachten. Der Arzt entnimmt dabei gegebenenfalls Gewebeproben für die feingewebliche Untersuchung.

    Therapie:
    Falls möglich, macht der Chirurg die Umleitung zum passenden Zeitpunkt operativ wieder rückgängig. Damit klingt die Entzündung in der Regel von alleine ab. Andernfalls wird er bei Bedarf eine Behandlung mit 5-Aminosalicylsäure (5-ASA), Kortison und auch kurzkettigen Fettsäuren über Einläufe einleiten. Kurzkettige Fettsäuren fallen im gesunden Darm mit ausgeglichener Keimflora natürlicherweise beim Abbau von Stärke und Eiweiß an. Sie sind ein wichtiger Nährstoff für die Zellen der Darmschleimhaut. Unter anderem können sie bei einer Diversionskolitis im Darm vermindert sein, was neben fehlenden mechanischen Reizen offenbar einen Teil der Entzündung im stillgelegten Darmabschnitt ausmacht.
  • Pouchitis: Ein Pouch, wörtlich Beutel, ist ein vom Chirurg aus Darmschlingen aufgebautes Reservoir, das den entfernten Mastdarm gewissermaßen ersetzt. Es kann sich akut oder chronisch entzünden. Einen Pouch legen Chirurgen zum Beispiel an, wenn der gesamte Dickdarm zum Beispiel wegen einer schweren Entzündung bei einer Colitis ulcerosa oder einer Familären Polyposis (FAP, siehe Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung") entfernt werden musste. Eine oft gewählte Konstruktion ist der ilioanale Pouch – eine Verbindung zwischen Dünndarm und After über ein beutelartiges Gewinde aus mehreren miteinander verbundenen Darmschlingen. Der erhaltene Anus sichert den Darmverschluss, die Kontinenz. Es gibt beim Pouchdesign zahlreiche Varianten. Die Entzündung im Pouch ist eine Langzeitkomplikation, die erst Monate nach der Operation auftritt. Im Falle einer Vorerkrankung wie Colitis ulcerosa, bei der das Risiko einer Pouchentzündung offenbar etwas erhöht ist, wird vermutet, dass die Grunderkrankung selbst der Auslöser ist, obwohl die Betroffenen nach der Operation in der Regel als geheilt gelten. Daneben werden weitere Ursachen angenommen, etwa eine Störung der bakteriellen Darmflora und Infektionen mit speziellen Erregern. Wenn eine Entzündung im Pouch länger als drei Monate besteht, gilt sie als chronisch.

    Symptome bei Pouchitis:
    Schon
    beim normalen Pouch ist die Stuhlfrequenz erhöht. Im Vergleich dazu nehmen die Entleerungen bei Pouchitis noch zu. Es kommt also regelrecht zu Durchfällen, außerdem zu einem quälenden ständigen Stuhldrang, Schmerzen und Krämpfen bei den Entleerungen (Tenesmen) sowie Absonderung von Blut und Schleim. Selten kann sich Fieber einstellen.
  • Cuffitis: Ein Cuff ist die schmale, ringförmige Manschette von Enddarmschleimhaut oberhalb der Pouchnaht am After. Eine Entzündung hier (Cuffitis) tritt häufig schon kurze Zeit nach dem Eingriff auf. Dabei kann es ebenfalls bluten. Als Ursache gilt zurückgelassene, im Rahmen der Grundkrankheit Colitis ulcerosa entzündete Darmschleimhaut des Mastdarmes. Infrage kommen eventuell auch örtliche Komplikationen durch technische Besonderheiten bei dem Eingriff oder bestimmte vorausgegangene Medikamentenbehandlungen.

    Symptome:
    Die Beschwerden sind ähnlich wie bei Pouchitis, zusätzlich besteht oft Juckreiz im Analbereich.


    Diagnose
    (Pouchitis, Cuffitis): Die Krankengeschichte des Patienten ist dem Arzt in der Regel bekannt. Hilfreich sind sodann die Angaben zu den Beschwerden, die sich auch anhand eines Fragebogens präzisieren lassen. Es folgen die Austastung des Darmausgangs und eine Darmspiegelung (Pouch-Endoskopie). Dabei begutachtet der Arzt die Schleimhaut des Pouches und / oder Cuffs optisch und entnimmt Gewebeproben (dieses Vorgehen gilt für Pouchitis und Cuffitis). Bei hartnäckiger Pouchitis kann auch eine bakteriologische Untersuchung von Stuhlproben notwendig sein. Besteht Verdacht auf ein Leck, eine Fistelöffnung oder einen Abszess, kommen weitere bildgebende Diagnoseschritte, etwa eine Röntgenuntersuchung oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) zum Einsatz.

    Therapie (Pouchitis, Cuffitis):
    Eine akute Pouchitis lässt sich meistens mit bestimmten Antibiotika (Metronidazol, Ciprofloxazin) und sogenannten Probiotika behandeln. Das sind Präparate mit Kulturen von Milchsäurebakterien für den Darm. Letztere haben auch bei der chronischen Pouchitis ihren Platz. Manchmal setzt der Arzt 5-Aminosalicylsäure (5-ASA beziehungsweise Mesalazin, insbesondere auch bei Cuffitis) oder Kortison in örtlich anwendbarer Form ein. Bei schwerer Ausprägung der Pouchitis ist ein Medikament notwendig, welches das Immunsystem unterdrückt. Falls die medikamentöse Therapie überhaupt nicht greift, muss der entzündete Pouch entfernt und ein künstlicher Darmausgang angelegt werden.

Einstülpung (Invagination) des Darmes

Überbewegliche Darmabschnitte können sich bei sehr starker Darmtätigkeit ineinander stülpen. Dabei können auch Darmblutungen auftreten. Dies kommt hauptsächlich bei Säuglingen und Kleinkindern vor.

Neben Blinddarmentzündungen sind Invaginationen des Dünndarmes bei Säuglingen und Kleinkindern ein häufiger Grund für einen "akuten Bauch". Meist schiebt sich Dünndarm in den Anfang des Dickdarms. Auch bei einem Meckel-Divertikel (siehe nachfolgend) kann es dazu kommen. Bei Erwachsenen sind es andere Auslöser, zum Beispiel Dünndarmtumoren (mehr dazu weiter unten). Die Beschwerden zeigen bei ihnen aber eine größere Bandbreite, Blutungen spielen eher eine untergeordnete Rolle.

Symptome: Die kleinen Patienten entwickeln aus heiterem Himmel die Zeichen eines akuten Bauches: starke Bauchschmerzen (Koliken), Erbrechen, der Bauch ist angespannt. Im rechten Unterbauch kann eine walzenartige Verdickung tastbar sein. Eine "johannisbeergeleeartige" Darmblutung ist verdächtig für einen fortgeschrittenen Verlauf  – es ist Gefahr im Verzug.

Diagnose und Therapie: Das Kind muss sofort in die Kinderklinik. Dort stellt der Arzt die Diagnose aufgrund der körperlichen Untersuchung und einer Sonografie. Oft lässt sich die Einstülpung mechanisch über einen Einlauf mit Kontrastmittel oder Einbringen von Wasser und Luft in den Darm lösen. Eine Operation ist (im Gegensatz zu erwachsenen Patienten) nicht nötig, wenn die Therapie früh genug einsetzt und zum Beispiel kein Meckel-Divertikel (siehe nächster Abschnitt) oder eine akute Blinddarmentzündung dahinter steckt.

Meckel-Divertikel

Die Meckel-Divertikel genannte Ausstülpung des Dünndarmes ist ein Überbleibsel aus der Embryonalzeit. Solche Divertikel können verschiedene Formen haben und sich entzünden. Wenn die enthaltene Schleimhaut zum Beispiel aus versprengten Zellen des Magens oder der Bauchspeicheldrüse besteht, die Verdauungssäfte bilden, kann es zu Geschwüren und Blutungen kommen.

Meckel-Divertikel liegen etwa einen halben Meter vor der Mündungsstelle des Dünndarmes in den eigentlichen Blinddarm (in den unteren Dickdarmpol auf der rechten Körperseite, auch Zökum genannt). Divertikelentzündungen betreffen am häufigsten Kinder – Jungen doppelt so häufig wie Mädchen. Mit zunehmendem Alter der Kinder machen diese Dünndarmausstülpungen seltener Beschwerden, im Erwachsenenalter kaum mehr, obwohl die Anlage zum Beispiel bei einer Operation noch auffindbar sein kann. Das Divertikel kann aber auch zu einem Darmverschluss führen oder sich in den Darm hineinstülpen (Invagination, siehe oben).

Symptome: Ein Meckel-Divertikel kann symptomlos sein und als Zufallsbefund bei einem Baucheingriff, etwa einer Blinddarmoperation, entdeckt werden. Es kann aber auch zu einer Komplikation mit Beschwerden kommen: Das Divertikel kann sich entzünden und zu Schmerzen im rechten Bauch, Übelkeit und Brechreiz führen. Wenn sich Geschwüre entwickeln, sind Blutungen mit sichtbaren Blutabgängen oder dunkler Verfärbung des Stuhles (sogenannter Teerstuhl) möglich.

Diagnose: Der Arzt tastet den Bauch ab, untersucht ihn mit Ultraschall und überprüft auch das Blut. Die wichtigste Zweitdiagnose ist bei den genannten Beschwerden eine Binddarmentzündung. Die Diagnose ergibt sich bei einer Bauchspiegelung (Laparaskopie). Diese führt ein Kinderchirurg durch.

Therapie: Kann der Arzt bei der Laparoskopie die Diagnose eines Meckel-Divertikels als Ursache der Beschwerden / der Blutung stellen, wird er das Gebilde laparaskopisch auch gleich entfernen (Divertikulektomie).

Dünndarmtumoren

Geschwülste kommen im Dünndarm deutlich seltener vor als im Dickdarm. Die Tumoren sind häufiger gut- als bösartig. Beschwerden bereiten sie meist erst ab einer bestimmten Größe.

Wie es zu Dünndarmtumoren kommen kann, ist noch weitgehend unklar. Ausnahmen: erbliche Polypen-Erkrankungen (mehr dazu im Kapitel "Diagnose, Krebsfrüherkennung") und Morbus Crohn, der mit einem erhöhten Krebsrisiko, unter anderem für Dünndarmkrebs, einhergeht. Zu den gutartigen Dünndarmtumoren gehören unter anderem die polypenartigen Adenome (siehe Abschnitt "Polypen" weiter oben), die in der Schleimhaut wachsen.

Doch können auch die anderen Darmgewebe – Muskulatur der Darmwand, Fett- und Bindegewebe, Nerven und Gefäße – gutatige wie bösartige Tumoren hervorbringen. Sogenannte gastrointestinale Stromatumoren (GIST) sind bösartige Gebilde, die sich aus bestimmten Darmzellen entwickeln und zum Teil mit bestimmten Genveränderungen einhergehen, zum Beispiel des sogenannten Tyrosinkinase-Rezeptors KIT. Sie können im Übrigen nicht nur im Dünndarm, sondern auch im Magen oder Dickdarm wachsen. Dies gilt auch für bösartige Tumorformen wie die Karzinoide oder neuroendokrinen Tumoren. Außer an den genannten Stellen können diese Geschwülste zum Beispiel auch in der Bauchspeicheldrüse oder im Enddarm sitzen. Ein kleiner Teil der Karzinoide sondert bestimmte Hormone ab, was besondere Beschwerden verursacht.

Symptome: Im Vordergrund stehen Schmerzen im Bauch, mitunter vor allem im mittleren Bauch, Übelkeit, Erbechen, Gewichtsverlust und Blut aus dem Darm. Ab einer bestimmten Größe kann die Geschwulst den Darm verlegen, sodass es zum Darmverschluss kommt. Karzinoide / neuroendokrine Tumoren können unter anderem Durchfälle, anfallsartige Hitzewallung, Rötungen im Gesicht und am Hals, Herzrasen, Magengeschwüre und Störungen des Zuckerstoffwechsels verursachen.

Diagnose: Dazu tragen einmal die Angaben des Betroffenen über die Entwicklung der Symptome bei. Die körperliche Untersuchung durch den Arzt und verschiedene apparative Maßnahmen, die er veranlasst, können die Diagnose sichern: Ultraschalluntersuchungen des Bauches, eine Spiegelung des oberen Magen-Darm-Trakts, die Kontrastdarstellung des Dünndarms (auch als Computertomografie), sodann spezielle Formen der Magnetesonanztomografie und der Endoskopie wie Hydro-MRT und Videokapselendoskopie (dabei wird eine Kapsel mit eingebauter Minikamera verschluckt). Manchmal führt erst eine Röntgen-Gefäßdarstellung zum Ziel. Bei einem mutmaßlichen Karzinoid können bestimmte Laboranalysen den Arzt auf die Spur führen.

Therapie: In erster Linie werden Dünndarmtumoren operativ entfernt. Im Einzelfall setzen Ärzte spezielle Medikamente ein. So zum Beispiel bei einem GIST mit nachgewiesener Veränderung des Tyrosinkinase-Gens KIT sogenannte Tyrosinkinase-Inhibitoren, bei anderen bösartigen Formen eine Chemotherapie oder Medikamente, die in die krankhafte Hormonbildung eingreifen.

Gefäßerkrankungen des Darmes

Arterien und Venen des Darms heißen Mesenterialgefäße, hier auftretende Durchblutungsstörungen werden mesenteriale Ischämie genannt. Dabei kann der Darm geschädigt werden und bluten (hämorrhagischer Infarkt). Aber auch bei Gefäßanomalien können Blutungen auftreten.

Gefäßverschlüsse und besondere Auslöser von Durchblutungsstörungen

Selten, aber mitunter lebensbedrohlich: Auf diese Kurzformel lassen sich Verschlüsse von Darmgefäßen bringen.
Aber auch andere Durchblutungsstörungen des Darmes sind ernstzunehmende Krankheitsbilder.

Achillesfersen der Durchblutung des Darmes liegen, anatomisch bedingt, an der oberen linken Biegung des Dickdarmes und im S-förmigen Abschnitt weiter unten. An diesen beiden Stellen treten Gefäßverschlüsse am häufigsten auf. Allerdings kann auch eine größere Darmstrecke im Dünn- und Dickdarm betroffen sein.

  • Darmischämie: Zu einer akuten Ischämie, also Gewebsschädigung infolge einer Durchblutungsstörung, kommt es zum Beispiel, wenn ein Blutpfropf (Gerinnsel, Embolus) eine Darmarterie verlegt. Der Hergang ähnelt einem Herzinfarkt und heißt bezogen auf den Darm Mesenterialarterieninfarkt. Embolien, also eingeschwemmte Blutgerinnsel, sind die häufigsten Ursachen. Die Gerinnsel stammen meistens aus dem Herzen oder aus der Hauptschagader (Aorta). Sie bilden sich zum Beispiel bei Herzklappenfehlern, bei Eingriffen an den Herzkranzgefäßen oder krankhaften Veränderungen an der Körperschlagader.

    Auch auf Wandverkalkungen in einer Darmarterie können sich Gerinnsel abscheiden. Dann kann der Pfropf das schon verengte Gefäß mit der Zeit verschließen (Mesenterialarterienthrombose). Solange Umgehungsgefäße die Durchblutung aufrechterhalten, passiert eher wenig. Wird allerdings eine kritische Schwelle unterschritten, etwa wenn größere Darmarterien fast vollständig zugehen, fluten nicht mehr genügend Sauerstoff und Nährstoffe an. Dann nimmt der Darm Schaden. Diese sogenannte ischämische Kolitis geht mit einer Darmentzündung einher. Dabei kann es zu Schleimhautgeschwüren und Blutungen kommen, Darmgewebe kann zugrunde gehen.

    Darmischämien können somit akut oder allmählich auftreten. Risikofaktoren sind Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) und damit verbunden Bluthochdruck und Herzkrankheiten, Herzrhythmusstörungen, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselerkrankungen und ein höheres Lebensalter.

    Bei akuter Kreislaufschwäche infolge unzureichender Durchblutung kann es ebenfalls zu einer Ischämie im Darm kommen. Begünstigend wirken auch hier durch Arteriosklerose bereits geschädigte Darmgefäße.

    Eine Durchblutungsstörung, der kein Gefäßverschluss zugrunde liegt, wird "Nicht-Verschluss-Ischämie" oder auch "vasospastische Ischämie" genannt. Hier kann zum Beispiel eine entzündliche Gefäßerkrankung (Vaskulitis) eine Rolle spielen. Die Krankheit kann bei einer Hepatitis B-Infektion oder auch aus unbekannten Gründen auftreten. Auch Arzneistoffe oder Drogen wie (das heute nur noch selten eingesetzte) Digitalis oder Kokain, die Gefäße verengen können, verursachen je nach Zustand der Gefäße gegebenfalls eine verschlussbedingte oder nicht verschlussbedingte ischämische Kolitis.

    Mesenterialvenenthrombosen
    sind Thrombosen in Venen von Verdauungsorganen, etwa des Darmes. Allerdings sind sie seltener Ursache eines Mesenterialinfarktes als arterielle Durchblutungsstörungen. Der Infarkt entsteht, wenn die Darmwand durch die Venenthrombose stark anschwillt, sodass auch die arterielle Durchblutung darunter leidet. Venenthrombosen hängen meistens mit einer krankhaft verstärkten Gerinnbarkeit des Blutes zusammen. Diese kann angeboren sein wie bei der sogenannten APC-Resistenz (Faktor-V-Leiden-Mutation) und dem sogenannten Protein-C- oder Protein-S-Mangel. Die beiden letztgenannten Störungen können auch Folge bestimmter Erkrankungen sein, etwa einer Leberzirrhose. Außerdem können Thrombosen einige Blutkrankheiten oder Tumorleiden begleiten. An den Beinen kommen Venenthrombosen allerdings deutlich häufiger vor.

Symptome:
Mesenterialischämien
"Verschluss- wie auch Nicht-Verschluss-Ischämien" – führen im Akutfall meist zu heftigen Bauchschmerzen, Durchfällen, Übelkeit und Erbrechen. Nach wenigen Stunden kann sich ein schweres Krankheitsbild entwickeln: Es droht eine Darmlähmung mit weiteren Komplikationen, etwa Darmblutungen, und ein Kreislaufschock (siehe auch Beitrag "Bauchschmerzen, akuter Bauch").

Langsam fortschreitende arterielle Gefäßerkrankungen im Darmbereich können zunächst symptomlos sein oder Bauchschmerzen verursachen, die typischerweise einige Stunden nach dem Essen auftreten
(sogenannte Angina abdominalis). Sie hängen damit zusammen, dass die Verdauungsarbeit dem Darm zusätzlich Energie abverlangt, die ein verengtes Gefäß nicht schnell genug bereitstellen kann. Haben sich (chronische) Entzündungen oder Geschwüre entwickelt, folgen Durchfälle und Ernährungsstörungen. Es kann dann auch zu Blutungen aus dem Darm kommen.

Sofern Mesenterialvenenthrombosen nicht zu einem Infarkt führen, gehen sie mit unbestimmten, oft wenig typischen Beschwerden einher. Meistens stehen unklare Bauchschmerzen, oft im Mittelbauch, im Vordergrund – ein vieldeutiges Symptom.

Diagnose: Die Diagnose erfordert meist eine Reihe von Untersuchungen: die Dokumentation der Beschwerden und der Krankengeschichte durch den Arzt, eine Ultraschalluntersuchung der Gefäße (Farbduplexsonografie), eine Röntgenaufnahme des Bauches (Übersichtsbild), eine Darmspiegelung, möglichst auch eine Gefäßdarstellung mit Kontrastmittel (Röntgen- oder computertomografische Angiografie oder Angiografie mittels Magnetresonanztomografie). Hinzu kommen verschiedene Bluttests. Bei unklarem Ergebnis oder in der Notfallsituation ist in der Regel ein Eingriff (Laparatomie) nötig. Dabei eröffnet der Chirurg den Bauch, sucht den Dünn- und Dickdarm systematisch nach Durchblutungsstörungen ab und prüft, ob das betroffene Gewebe überlebensfähig ist. Während der Operation (intraoperativ) nutzt er ebenfalls sonografische und angiografische Verfahren, um Gefäße gezielt darzustellen und die Durchblutung zu messen.

Therapie: Die Behandlung richtet sich nach der Ursache, Lage, Ausdehnung und Ausprägung des Gewebeschadens. Auch die zugrundeliegende Erkrankung und der Gesundheitszustand des Betroffenen spielen eine Rolle. Ein Klinikaufenthalt, oft mit intensivmedizinischer Behandlung, ist unumgänglich. Da im Akutfall über den Darm meist viel Flüssigkeit verlorengeht, muss diese zügig über die Blutbahn ersetzt werden. Zusätzlich kommen Antibiotika und eine Behandlung in Betracht, die vor weiteren Thrombosen schützen soll. Ein Blutgerinnsel lässt sich möglicherweise gleich während der Gefäßuntersuchung über einen Katheter auflösen oder entfernen.

Bei einem chronischen Gefäßverschluss kann der Arzt die Engstelle über einen Katheter aufdehnen und eine Gefäßstütze einbringen, die das Gefäß offenhält. Alternativ wird manchmal eine Gefäßumgehung (Bypass) angelegt.

Bei Nicht-Verschluss-Ischämien mit noch ausreichender Durchblutung kann unter Umständen eine gefäßerweiternde Infusionsbehandlung über einen arteriellen Zugang helfen. Meistens handelt es sich aber um eine schwere, lebensbedrohliche Situation, die intensivmedizinisch behandelt werden muss. Zugrunde gegangenes Darmgewebe entfernt der Chirurg, wenn möglich, immer. Im Optimalfall stellt er anschließend auch die Blutversorgung wieder her, legt aber zunächst meist noch einen entlastenden künstlichen Darmausgang an.

Gefäßanomalien: Arterio-venöse Fehlbildungen (Angiodysplasie)

Angiodysplasien sind anlagebedingte Fehlentwicklungen von Gefäßen. Dabei bilden sich neben Erweiterungen auch Kurzschlüsse zwischen Arterien und Venen. Durch Alterung können die Veränderungen sich verstärken und bluten. Häufig sind Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose), seltener Gefäßentzündungen mitbeteiligt.

Am Darm geht es dabei um Gefäße innerhalb oder unter der Darmschleimhaut, vor allem auf der rechten Seite des Dickdarms. Angiodysplasien sind nach Divertikeln (siehe Kapitel "Ursachen im Dickdarm, Mastdarm, Dünndarm") hier die häufigsten Blutungsquellen. Die Gefäßanomalien können aber auch im Dünndarm vorkommen.


Eine seltene angeborene Erkrankung mit Gefäßfehlbildungen ist zum Beispiel der Morbus Osler. Bei den Betroffenen sind die stellenweise fehlentwickelten, erweiterten Gefäße, auch feinste Kapillargefäße (sogenannte Teleangiektasien), an den Lippen und Händen sowie an der Nasenschleimhaut als kleine, leicht blutende rote Flecken erkennbar. Bis zum Alter von etwa vierzig bis fünfzig Jahren sind sie meistens voll ausgebildet. Die Blutungsneigung hängt damit zusammen, dass die erkrankten Gefäße brüchig sind und leicht platzen. Blutarmut ist eine häufige Begleiterscheinung. Auch im Darm, in den Lungen, seltener im Gehirn, können solche Gefäßfehlbildungen vorkommen.

Symptome: Blutungen aus Angiodysplasien im Darm kommen meistens wieder spontan zum Stillstand, neigen aber dazu, sich zu wiederholen. Ein typisches Symptom bei Morbus Osler ist häufiges Nasenbluten. Oft tritt es schon im Kindesalter auf.

Diagnose: Gefäßanomalien sind mittels der farbkodierten Dopplersonografie oder angiografisch feststellbar, das heißt mithilfe einer gezielten Röntgendarstellung oder Computertomografie (Angio-CT). Dazu ist jeweils ein Kontrastmittel nötig. Für den Morbus Osler sind Genveränderungen verantwortlich, die bei einer Blutuntersuchung erkennbar sind.

Therapie: Mittels Katheterbehandlung (perkutane Embolisation) oder "Verödung" durch eine Elektro- oder Laserbehandlung lassen sich die Gefäße verschließen beziehungsweise die Blutungen zum Stillstand bringen. Darmabschnitte mit ausgeprägten Gefäßveränderungen müssen allerdings entfernt werden. Bei Blutarmut ist eine Behandlung mit Eisen sinnvoll, bei starken Blutungen ist eine Bluttransfusion notwendig.

Die Laserbehandlung bietet sich auch beim Morbus Osler an. Bei akutem Nasenbluten ist eine örtliche Tamponade, sozusagen ein Druckverband in der Nase, notwendig. Eventuell ersetzt der Chirurg stärker betroffene Areale der Nasenschleimhaut durch ein Hauttransplantat.

Gefäßfisteln: Krankhafte Verbindungen, an denen Blutgefäße beteiligt sind

Gefäßfisteln sind krankhafte Verbindungen zwischen Blutgefäßen – Arterie (A) und Vene (V) –  oder zwischen einem Gefäß und einem Nachbarorgan.

(( – eine aorto-intestinale Fistel – liegt zwischen der Hauptschlagader und einem bestimmten Darmabschnitt, zum Beispiel dem oberen Dünndarm. Sehr selten findet ein erweitertes Gefäß im Bauchraum, ein sogenanntes Viszeralarterienaneurysma, Anschluss an den Darm, wenn es in einen Drüsengang einbricht, der selbst in den Darm mündet.))

  • Arterio-venöse (AV-)Fisteln: AV-Fisteln können zum Beispiel zwischen einer Darmarterie, die dem Darm normalerweise Blut zuführt, und einer Darmvene, die das Blut normalerweise ableitet, entstehen. Bei einer solchen arterio-venösen Fistel wird das reguläre Verbindungsnetz zwischen beiden Gefäßgebieten – das Kapillarnetz – umgangen. Es handelt sich also um einen Kurzschluss. Manchmal wird in dem Zusammenhang auch der Begriff Shunt verwendet. Die bekannteste Form ist der künstlich angelegte Dialyse-Shunt. Einzelne, kleine AV-Fisteln kommen natürlicherweise im Körper vor, haben aber keine Bedeutung. Größere Fehlverbindungen zwischen arteriellen und venösen Gefäßen sind mitunter angeboren, oder sie entstehen erst im Laufe des Lebens (erworbene AV-Fisteln). Angeborene AV-Fisteln im Darm können mit der Zeit eventuell zu einem geschwulstartigen pulsierenden Gefäßknäuel führen. Daneben gibt es im Verdauungstrakt sehr selten auch Gefäßfehlbildungen (sogenannte Gefäßmalformationen) und bösartige Tumoren vom Typ der Angiosarkome (Gefäßtumoren). In beiden Fällen können Kurzschlüsse zwischen arteriellen und venösen Gefäßen entstehen. Ansonsten entstehen arterio-venöse Fisteln mitunter als Komplikation bei Darmoperationen, bei diagnostischen Eingriffen oder durch Verletzungen. Was Gefäßfisteln im Darm betrifft, so kann es, muss aber nicht, zu mehr oder weniger ausgeprägten Einblutungen in die Darmschleimhaut kommen. Durch den verstärkten Abfluss des Blutes sind auch Durchblutungsstörungen mit Schädigungen der Darmschleimhaut möglich.

    Symptome:
    Sie reichen bei AV-Fisteln im Darm von wenig auffallend bis dramatisch: Möglich sind krampfartige Schmerzen im Mittel- und Oberbauch, Durchfälle, chronisch "verdeckte" wie auch dramatisch akute Blutungen. In der Folge können
    sich Ernährungsstörungen und ein ungewollter Gewichtsverlust einstellen.

    Diagnose und Therapie:
    siehe vorangehende Abschnitte. Arterio-venöse Fisteln lassen sich oft auch mittels einer Computertomografie oder Magnetresonanztomografie darstellen. Um eine gezielte Behandlung planen zu können, ist aber immer die genaue Lokalisation über eine Angiografie notwendig. Die Therapie besteht in einer Kathetermaßnahme, einem chirurgischen Eingriff an den Gefäßen oder in einer Darmoperation. So kann der Arzt Fisteln entweder über eine Katheterbehandlung verschließen, gefäßchirurgisch korrigieren und überbrücken, oder er entfernt sie. Gegebenenfalls nimmt er den Darmabschnitt mit den Fisteln ganz weg.
  • Fistel zwischen Hauptschlagader und Darm (aorto-intestinale Fistel): Sie kommt durch eine Ausbuchtung der Hauptschlagader zustande. Die Aussackung bildet sich im Zuge einer Gefäßerkrankung – meist einer Arteriosklerose, also Gefäßverkalkung – oder nach Schienung der Schlagader mittels einer Prothese. Bei Durchbruch in den Darm liegt eine Fistel vor. Im letzteren Fall spielen Nahtlockerung, Verlagerung und eine verzögert auftretende Infektion der Prothese eine Rolle.

    Symptome:
    Es kann zu massiven lebensbedrohlichen Darmblutungen kommen. Manchmal finden sich bei einer Prothesenwanderung aber auch nur leichte chronische Blutungen der Darmschleimhaut. Einziger Hinweis kann dann eine Blutarmut sein. Weitere Symptome hängen meist mit den zugrunde liegenden Gefäßerkrankungen zusammen, etwa Durchblutungsstörungen in anderen Gefäßbereichen des Körpers.

    Diagnose:
    Der Arzt setzt je nach Zustand des Patienten das jeweils geeignete Verfahren aus dem gesamten Repertoire bildgebender Techniken von der Spiegelung (Endoskopie) bis zur Gefäßdarstellung ein, um die Blutungsquelle zu sichern.

    Therapie:
    Die Behandlung besteht zum Beispiel in einer sofortigen Operation und Austausch der Prothese oder Anlegen einer Gefäßumgehung.
  • Viszeralarterienaneurysma (zum Beispiel Milzschlagader):Ein Aneurysma ist eine Gefäßausbuchtung.Im Bauchraum kann typischerweise die Hauptschlagader (Aorta), die Beckenarterie oder die Milzschlagader ein Aneurysma entwickeln. Ein Aneurysma der Milzarterie entstehtunter anderem durch Gefäßverkalkung (Arteriosklerose), Gefäßentzündungen oder eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung.Meist ist es kleiner als zwei Zentimeter und macht keine oder kaum Beschwerden. Manchmal klagen die Betroffenen über Bauchschmerzen, Übelkeit, Blähungen: allgemeine Symptome, die viele verschiedene Ursachen haben und auch zu einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung passen können. Im Einzelfall kann das Aneurysma in den Magen oder den Gang der Bauchspeicheldrüse, der in den Dünndarm mündet, durchbrechen. In der Folge kann es zu verhaltenen Blutungen mit Abgang von Teerstuhl und Blutarmut oder zu einer lebensbedrohlichen akuten "Darmblutung" kommen.

    Diagnose, Therapie:
    Endoskopische Untersuchungen können in diesem Fall zwar im Verdauungstrakt vorhandenes Blut, aber nicht dessen Quelle aufzeigen. Das Aneurysma lässt sich in der Regel anhand einer CT-Angiografie mit Kontrastmittel über eine Vene erkennen oder in einer Katheter-Angiografie direkt darstellen und auch behandeln. Dabei kann der Radiologe das Aneurysma entweder durch eine sogenannte Embolisation verschließen oder durch Einlegen einer ummantelten Gefäßstütze (Stent) abdichten. Chirurgen versorgen betroffene Patienten mitunter auch laparaskopisch, also mittels Bauchspiegelung.

Was hat eine Endometriose mit dem Darm zu tun?

Endometrium ist die Fachbezeichnung für Gebärmutterschleimhaut. Bei der Endometriose, einer eigentlich gutartigen Erkrankung, findet sich derartiges Gewebe auch an Stellen, wo es nicht hingehört, zum Beispiel am Darm. Daher sind auch bei dieser Erkrankung eventuell Blutaustritte aus dem Darm und weitere Darmbeschwerden möglich.

Fehlgeleitete Gebärmutterschleimhaut kann außen an der Gebärmutterwand, an oder in der Darmwand, an den Eieitern, Eierstöcken, in der Blase, manchmal sogar auch weit weg, etwa in den Lungen, vorkommen. Wie die Gebärmutterschleimhaut wird auch die ortsfremde Schleimhaut oft durch die im Monatszyklus aktiven weiblichen Hormone auf- und abgebaut. Wenn das Blut nicht abfließen kann, bilden sich zystenartige Gebilde, und es kann zu Entzündungen und Verklebungen kommen. Damit hängen typische Symptome der Endometriose zusammen, etwa starke Schmerzen im Unterleib zu Beginn und während der Regelblutung. Oder, falls der Darm betroffen ist, zyklische Blutbeimengungen im Stuhl und Blut im Urin.

Als Ursache der prinzipiell gutartigen Erkrankung werden verschiedene Mechanismen einschließlich genetischer Veranlagung diskutiert. Betroffen sind ganz überwiegend Frauen, Männer erkranken normalerweise nicht an Endometriose. Jedoch kann eine Behandlung von Prostatakrebs mit Östrogenen auch bei ihnen manchmal Endometriose-Symptome auslösen.

Symptome: Je nach Lage der Endometriumherde sind während der Monatsblutung oder auch unregelmäßig auftretende Schmerzen typisch – häufig Bauch-, Unterleibs- und Rückenschmerzen. Die eher selten vorkommende Darmbeteiligung bei Endometriose (zum Beispiel rektovaginale Endometriose zwischen Darm, Scheide und Gebärmutter, oder sogenannte tief-infiltrierende Endometriose) kann sich manchmal mit Darmblutungen oder Blutbeimengungen im Stuhl bemerkbar machen. Außerdem kann es zu Durchfall, Blähungen, schmerzhaftem Stuhldrang oder Verstopfung kommen. Im Extremfall ist die Darmpassage behindert. Verwachsungen können chronische Schmerzen verursachen.
Die Leitsymptome der Endometriose sind aber überwiegend an die weiblichen Geschlechtsorgane selbst gebunden. Sie bestehen in Unfruchtbarkeit, Zyklusstörungen mit unregelmäßigen und schmerzhaften Menstruationsblutungen, Schmierblutungen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Richtig ist aber auch: Viele Frauen haben wenig oder gar keine Beschwerden.

Diagnose: Der Frauenarzt zieht bei Verdacht auf eine Darmendometriose einen Gastroenterologen hinzu, wobei die Reihenfolge der Arztkontakte auch umgekehrt laufen kann. Das Beschwerdebild, die Anamnese (Krankengeschichte), die körperliche Untersuchung sowie die gynäkologische Tast- und Ultraschalluntersuchung sind richtungweisend. Wichtige Hinweise liefert die Sonografie (von der Scheide und vom Mastdarm aus sowie von außen, um die Nieren zu kotrollieren). Ergänzend kommen eine Enddarmspiegelung zum Ausschluss anderer Ursachen und eine Magnetresonanztomografie (MRT) hinzu. Eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) mit Entnahme von Gewebeproben ist im Allgemeinen notwendig, um die Diagnose zu sichern. Dabei kann der Arzt erreichbares Endometriosegewebe häufig auch instrumentell entfernen.

Therapie: Der Arzt gestaltet die Therapie wie immer individuell, passt sie aber so weit wie möglich dem Beschwerdebild, den Befunden und Wünschen der Patientinnen an. Bei der Darmendometriose kommt es immer darauf an, wo sich die Veränderungen genau befinden und welche Beschwerden vorhanden sind. Betroffene mit aktiver Endometriose sollten sich unbedingt an ein Endometriose-Zentrum wenden, wo eine interdisziplinäre Betreuung durch Spezialisten möglich ist. Eine Operation zur Therapie einer Darmendometriose werden die Ärzte zusammen mit der Patientin genau abwägen. Im Einzelfall kann ein ausgedehntes Vorgehen notwendig sein. Ein Eingriff ist aber nicht immer zwingend und bringt auch nicht zwangsläufig das gewünschte Ergebnis. Ob eine Hormontherapie danach sinnvoll ist, werden die Ärzte ebenfalls individuell in Abstimmung mit der Patientin entscheiden.

Der Ratgeber "Endometriose" informiert Sie näher.

Herold G und Mitarbeiter, Gerd Herold Köln, Innere Medizin, 2016
Aktualisierte S3-Leitlinie zur "Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa", 2011 (gültig bis 30.9.2016); Z Gastroenterol 2011; 49:1276 -1341 (Abgerufen am 07.09.2016)

Aktualisierte S3-Leitlinie "Diagnostik und Therapie des M. Crohn", 01/ 2014, AWMF-Registernummer 021/004 (Abgerufen am 07.09.2016)

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Der Internist, Bd. 55, Heft 8, August 2014, Heidelberg, Springer Medizin
S3-Leitlinie "Kolorektales Karzinom", Version 1.1 - August 2014, AWMF-Registernummer 021/007OL; Dtsch med Wochenschr 2013; 138(49): 2545

DOI: 10.1055/s-0033-1353953 (Abgerufen am 07.09.2016)

Patientenleitlinien (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF):
Darmkrebs im frühen Stadium. Online:
http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-007OLp_S3_Darmkrebs_frueh_2014-7.pdf (Abgerufen am 07.09.2016)
Darmkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Online:
http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-007OLp_S3_Darmkrebs_fortgeschritten_2014-12.pdf (Abgerufen am 07.09.2016)

S3-Leitlinie:"Kryptoglanduläre Analfisteln", Coloproctology 2011, 33. 295-324 (Abgerufen am 07.09.2016)

S3-Leitlinie: "Analabszess", Coloproctology, 2011, 33:378-392 (Abgerufen am 07.09.2016)
Analkrebs: Anal cancer: ESMO-ESSO-ESTRO Clinical Practice Guidelines for diagnosis, treatment and follow-up. Ann Oncol (2014) 25 (suppl 3): iii10-iii20. DOI: 10.1093/annonc/mdu159. Online:

http://annonc.oxfordjournals.org/content/25/suppl_3/iii10 (Abgerufen am 07.09.2016)

Deutsch-Österreichische Leitlinie (Federführung: Deutsche AIDS-Gesellschaft DAIG e.V.): Anale Dysplasien und Analkarzinome bei HIV-Infizierten: Prävention, Diagnostik, Therapie. AWMF Register Nr. 055/007, Stand: 09/2013, gültig bis 09/2018. Online: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/055-007l_S1k_Anale_Dysplasien_Analkarzinom_HIV_infizierten_09-2013__01.pdf

Arbeitsgruppe "Leitlinie für die Diagnostik und Therapie der Endometriose" der Deutschen, Österreichischen, Schweizerischen und Tschechischen Gesellschaften für Gynäkologie und Geburtshilfe unter Mitarbeit der Stiftung Endometriose-Forschung und der Europäischen Endometriose Liga: Interdisziplinäre Leitlinie für die Diagnostik und Therapie der Endometriose, Stand: 08/2013, AWMF-Registernummer 015/045, gültig bis September 2016. Online:

http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-045l_S2k_Diagnostik_Therapie_Endometriose_2013-10.pdf (Abgerufen am 07.09.2016)


Achtung: www.apotheken-umschau.de übernimmt keine Haftung und ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internet-Seiten.