Das hilft gegen Blähungen und Völlegefühl

Verdauungsstörungen: Blähungen und Völlegefühl sind meist harmlos, aber unangenehm. Einfache Maßnahmen lindern die Beschwerden – für ein gutes Bauchgefühl

von Christian Krumm, aktualisiert am 04.10.2020

Hilfe aus der Apotheke

Bestehen keine Hinweise auf ernste Ursachen, stehen je nach Beschwerdebild verschiedene Arzneimittel zur Verfügung. "Präparate mit Kombinationen mehrerer Pflanzenextrakte haben ein breites Wirkspektrum", erklärt die Apothekerin Christiane Scholten. Sie enthalten zum Beispiel Gelben Enzian, Pfefferminze, Kümmel, Schleifenblume oder Tausendgüldenkraut. Artischocke und Gelbwurz unterstützen die Fettverdauung.

Bei lästigen Blähungen sind Präparate mit ­Simeticon oder Dimeticon die Mittel der Wahl. "Sie lösen unangenehme Luft- und Gasansammlungen auf und sind besonders gut verträglich, weil sie unverändert ­ausgeschieden werden und nicht in die ­Blutbahn gelangen", so die Apothekerin.

Gegen Magenkrämpfe helfen Mittel mit Butylscopolamin sehr schnell, sie sind jedoch nicht zur langfristigen Anwendung geeignet. Unterstützend bieten sich verdauungs fördernde Arzneitees an, etwa mit Anis, ­Kümmel und Fenchel. Weil auch das Mikrobiom des Darms viele Funktionen des Verdauungstrakts beeinflusst, kann ein Versuch mit Probiotika aus der ­Apotheke sinnvoll sein.

Ernährung im Blick behalten

"Lassen Sie sich beim Essen Zeit, und kauen Sie intensiver", rät Apothekerin Christiane Scholten. Wer zu viel Luft schluckt, verstärkt das Risiko für Verdauungsprobleme. Außerdem tritt nach 20 Minuten automatisch ein Sättigungsgefühl ein.

Auf blähende Nahrungs­mittel wie Kohlgemüse, Hülsenfrüchte und Zwiebeln besser verzichten.Manche Menschen reagieren auch auf bestimmte Ballaststoffe wie Weizenkleie oder Leinsamen. Am besten darauf achten, was einem guttut und welche Speisen häufiger zu Beschwerden führen.

Als Getränke eignen sich vor allem stilles Wasser, Früchte- und Kräutertees. Kohlensäurehaltige Limonaden verschlimmern die Symptomatik. Bei Übergewicht kann eine Gewichtsreduktion Linderung verschaffen.

Grunderkrankungen behandeln

Sind die Beschwerden sehr stark, verschlimmern sie sich oder kehren sie oft wieder, sollte sie ein Arzt abklären. Das gilt auch bei Begleitsymptomen wie Gewichtsverlust oder Blut im Stuhl.

Vielen Patienten hilft bereits die erleichternde Nachricht, dass keine ernsthafte Erkrankung dahintersteckt. Unter Umständen sind Nahrungsmittelunverträglichkeiten die Auslöser. "Die Symptome können ohne organische Ursache im Rahmen eines Reizmagens auftreten", meint Professor Thomas Frieling, Vorstand der Deutschen Gastro-Liga. Oder sie sind die Folge anderer Erkrankungen.

"Manche Diabetiker zum Beispiel entwickeln ­unter bestimmten Umständen Magenentleerungsstörungen, die sich letztlich in Völlegefühl äußern", so der Krefelder Experte. Außerdem könnten Erkrankungen des Dünn- oder Dickdarms oder der Bauchspeicheldrüse der Grund für die unangenehmen Symptome sein. Das kann nur ein Arzt diagnostizieren.

Lieber auf Genussmittel verzichten

Den beliebten Verdauungsschnaps sieht Apothekerin Scholten kritisch: "Zwar regen bittere Kräuter die Verdauung an, der Alkohol wirkt aber eher gegenteilig." Ganz abgesehen von allen ­anderen negativen Auswirkungen des Rauchens ist auch die Zigarette nach dem Essen kontraproduktiv: Sie begünstigt Sodbrennen.