Schmerzen im Gesäß/Kreuz

Muskeln im Stress, Ischias, Steißbeinfistel und mehr: Bei Schmerzen im Gesäß und Kreuz erfordern unterschiedlichste Ursachen jeweils passende Therapien

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von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 29.05.2019

Kreuz- und Gesäßschmerzen in Kürze: Die wichtigsten Ursachen

  • Probleme der Muskeln und Bänder: Myofasziale Schmerzen,
    blockiertes Kreuzbein-Darmbein-Gelenk (Hexenschuss), Piriformis-Syndrom
  • Verschleiß am Rücken: Bandscheiben, Arthrose und Verdickung der kleinen Wirbelgelenke: Spondylarthrose (Facettengelenkarthrose), Baastrup-Phänomen (engl.: kissing spine syndrome)
  • Veränderungen an Lendenwirbeln, Reizungen von Nervenwurzeln: Wirbelgleiten (Spondylolisthesis), Verknöcherung von Wirbelbändern, Radikulitis, "Ischias"
  • Entzündungen des Kreuzbein-Darmbeingelenks: zum Beispiel Bechterew-Erkrankung
  • Sonderfälle: Abszess, Spritzenabszess, Steißbeinfistel (Pilonidalsinus), Blutung im Gesäßmuskel
  • Selten: Hüftarthrose, Gefäßprobleme (Verengung der inneren Beckenarterie mit möglichem Gesäßschmerz beim Gehen auf einer Körperseite), Erkrankungen von Organen im Unterbauch mit Schmerzübertragung), Schmerzkrankheiten wie das Fibromyalgie-Syndrom
  • Alltagsprobleme: Fahrradsattel, Muskelkater

Erste Informationen zu den hier gelisteten Ursachen nachfolgend. Weitere Kapitel dieses Beitrags gehen noch näher auf die ersten fünf Punkte ein.

Wir sind ja nicht nur zum Sitzen da

Wer sich als Sitzberufler bewusst macht, wie viele Stunden sie oder er in der nämlichen Körperhaltung verbringt, wird bestätigen können, was Statistiker schon lange wissen: Im Durchschnitt sind es fast achtzig Prozent der Arbeitszeit oder 6,4 Stunden täglich.

Wie hält der Körper das auf die Dauer aus? Auch in der Freizeit sitzt es sich ja gut, vor allem bequem.

Ärzte nennen ständiges Sitzen "statische Überbelastung". In der Tat kommen dabei erhebliche Gewichte zum Tragen. Im Sitzen lastet der gesamte Oberkörper nebst Kopf und Armen auf der Lendenwirbelsäule und dem Becken – anderthalb mal so viel wie im Stehen.

Dass Gesäßschmerzen (Fachbegriff: Glutäago) mit chronisch überlasteten Muskeln und Bändern am Becken zusammenhängen, scheint daher einleuchtend: Sie müssen beim Sitzen das Kreuz aufrecht halten. Und wer sitzt schon achtzig Prozent eines Achtstundentages oder länger ergonomisch korrekt?

Zunehmend setzt sich jedoch die Auffassung durch, dass überwiegend sitzende Tätigkeiten bei chronischen Rücken- oder Kreuzschmerzen ohne spezielle krankhafte Ursachen zwar eine Rolle spielen. Alles in allem scheint es aber weniger wichtig zu sein als lange Zeit gedacht.

Richtig ist vielmehr: Unser Lebensstil insgesamt ist das Zünglein an der Waage: Das Maß an Bewegung, das Ernährungsverhalten, unser Umgang mit Stress und die work-life-balance.

Mit anderen Worten: Ob wir den Ausgleich schaffen – vor allem zwischen Arbeit und Muße, Stress und Entspannung, zu wenig und zu viel beziehungsweise überfordernder Bewegung – das ist für die Gesundheit, Rücken und Kreuz inbegriffen, von großer Bedeutung.

Zugleich gehören Funktionsstörungen der weichen, nicht aus Knochengewebe bestehenden Bewegungs- und Halteorgane des Körpers – Muskeln, Sehnen, Bänder – häufiger zu den Auslösern von Gesäß- und Kreuzschmerzen.

Schmerzen im Kreuz: Probleme der Muskeln und Bänder

Fehl- oder Überbelastungen sind häufig die Ursache für schmerzhaft verspannte und verhärtete Muskeln, besonders am unteren Rücken. Beispiele für solche als funktionell bezeichneten Beschwerden des Bewegungssystems: myofasziale Schmerzen, ein blockiertes Kreuz und das Piriformis-Syndrom. Davon grenzen Mediziner weitere Beschwerden ab, die durch Verschleiß, Abbau (Degeneration), Entzündungen oder andere krankhafte Veränderungen entstehen (spezifische Kreuz-/Gesäßschmerzen).

Myofasziale Schmerzen: Wenn der Arzt Gesäß- oder Kreuzschmerzen zum Beispiel mit sogenannten Triggerpunkten in verspannten und verhärteten Muskeln in Verbindung bringen kann, handelt es sich oft um myofasziale Schmerzen.

Darunter versteht man schmerzhafte Funktionsstörungen der Muskeln. Sie sind stellenweise stark verspannt. Faszial bezieht sich auf die Muskel-Faszien, das stützende Netzwerk aus Bindegewebe.

An den Triggerpunkten werden empfindliche Nervenendigungen gereizt. Bei Druck auf diese Punkte lässt sich ein Schmerz auslösen, der auch in der weiter entfernt spürbar sein kann. Betroffene empfinden die Schmerzen also nicht immer (nur) genau dort, wo sie eigentlich entstehen.

Triggerpunkte lassen sich häufiger in fehlbeanspruchten Muskeln finden. Diese weisen meist auch örtliche Verhärtungen (Myogelosen) auf. Dazu kommen Veränderungen des stützenden Bindegewebes. Es verschiebt sich womöglich schlechter entlang angrenzender Strukturen, manchmal ist sogar von "Verklebungen" die Rede.

Verschiedene Muskelgruppen können sich offenbar auch hinsichtlich ungünstiger Triggerpunkteffekte gegenseitig beeinflussen. Außerdem sind myofasziale Störungen mit degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule gepaart. Bei der Diagnose kommt es darauf, diese Zusammenhänge zu sortieren, da es für die Therapie wichtig sein kann (siehe in den weiteren Kapiteln dieses Ratgebers).

Blockiertes Kreuz-Darmbein-Gelenk: Nun sitzen wir zwar wirklich viel. Doch auch unsere Bewegungsmuster sind nicht immer optimal. Im ungünstigen Fall kann es zu einer Blockierung des Kreuz-Darmbein-Gelenks kommen. Die allgemein weniger bekannten Kreuzbein-Darmbein-Gelenke (auch Sakroiliakal- oder Iliosakral-Gelenke, kurz: ISG, siehe Kapitel "Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Was die Sitzanatomie mit sich bringt"), verbinden rechts und links das Kreuz mit dem Becken.

Vieles kann dazu führen, dass ein ISG streikt: Fehlbelastung der Bänder, die hier stabilisierend wirken, "Muskelstress" durch übertrieben sportlichen Ehrgeiz, Muskel- und Bänderschwäche und ein Beckenschiefstand als mögliche Folge, natürlich auch Erkrankungen im Bereich der Lendenwirbelsäule und des Beckens selbst.

Die Folge sind mehr oder weniger akute, bewegungsabhängige Schmerzen im Kreuz und Gesäß, im Akutfall auch ein Hexenschuss. Die Beschwerden nehmen meistens unter Belastung zu und in Ruhe wieder ab. Myofasziale Störungen sind oft mit dabei.
Zum Nachlesen: Ratgeber "Hexenschuss".

Piriformis-Syndrom: Der birnenförmige Piriformis-Muskel (von lat. pirum für Birne) gehört zu den inneren Hüftmuskeln, im weitesten Sinne Gesäßmuskeln. Ständiges Sitzen kann ihn strapazieren. Die Folge: Er verkürzt sich, wird dicker und kann den Ischiasnerv an der Durchtrittsstelle vom Becken zum Bein beengen.

Durch Druck auf Nervenanteile können dumpfe bis stechende Schmerzen im Gesäß, eventuell auch im Oberschenkel, auftreten. So entsteht das (allerdings eher seltene) Piriformis-Syndrom. Beteiligt sind auch hier schmerzhafte Triggerphänomene (siehe oben).

Weitere Informationen zu den genannten Beschwerdebildern im Kapitel "Schmerzen im Gesäß /Kreuz: Probleme der Muskeln und Bänder" in diesem Beitrag.

Mehr oder weniger schmerzhaft: Verschleiß am Rücken

Schmerzen im Kreuz können auch von Abnutzungserscheinungen an der Wirbelsäule ausgehen. Dabei geht es auch um knöcherne Strukturen. Der Verschleiß – also die degenerativen Veränderungen – betrifft vor allem Bandscheiben und kleine Wirbelgelenke (Facettengelenke).

Hier kann es zu einer Arthrose (Spondylarthrose) kommen. Wenn diese aktiv ist, entzünden sich die Gelenke (Facettengelenkarthrose). Probleme der Muskeln, Bänder, vor allem aber der Bandscheiben können vorausgehen oder die Folge sein. Die  auftretenden Kreuzschmerzen können ins Gesäß oder Bein ausstrahlen.

Phänomene wie das Baastrup-Syndrom, Gleitwirbel und Bandscheibenvorfälle sind weitere spezielle Ursachen von Schmerzen im Lenden- und Kreuzbereich.

Zu allen diesen Aspekten siehe auch Kapitel "Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Ischiasbeschwerden" in diesem Beitrag.

Beim Baastrup-Phänomen nähern sich Wirbeldorne einander an, bis sie sich berühren. Weichteil-Strukturen wie ansetzende Muskelsehnen werden gereizt und können verkalken. Die sich berührenden Knochenenden (daher die englische Bezeichnung "kissing spine syndrome") bilden als Reaktion auf einen Höhenverlust der Wirbel häufig Sporne, wobei Verschleiß der Bandscheiben eine wichtige Rolle spielt. Infolge ständiger Überbelastung können sich die Enden der Wirbeldorne verdicken.

Zu den Ursachen gehören chronische Überlastung des Rückgrats bei bestimmten Berufstätigkeiten, zum Beispiel im Straßenbau, starkes Übergewicht oder ein ausgeprägtes Hohlkreuz.

Ein Gleitwirbel beziehungsweise Wirbelgleiten (Spondylolisthesis) betrifft meist den fünften Lendenwirbel. Dabei verschiebt sich der Wirbelkörper mit seinen oberen Gelenkfortsätzen und der Wirbelsäule über dem darunterliegenden Wirbelsäulenabschnitt (hier: Bandscheibe/Kreuzbein) nach vorne. In der Folge entsteht ein deutliches Hohlkreuz. Muskelverspannungen bleiben meist nicht aus.

Beim echten Wirbelgleiten ist der Wirbelbogen unterbrochen. Zu dem Defekt nebst Gleiten kommt es meist schon in der Kindheit oder Jugend. Begünstigt wird die Instabilität durch Veranlagung, bestimmte Formvarianten des betroffenen Wirbels und berufliche oder sportliche Belastungen. Mit zunehmendem Alter lässt die Gleittendenz aber nach.

Eine weitere Form der Spondylolisthesis, das degenerative Wirbelgleiten, tritt dagegen meist erst im Alter über 60 Jahren auf. Brüche der Wirbelbögen auf beiden Seiten sind seltenere Ursachen von Wirbelgleiten, sie entstehen durch Verletzungen oder Skeletterkrankungen.

Zum Nachlesen gibt es den Ratgeber "Wirbelgleiten (Spondylolisthesis)".

Tiefsitzender Rückenschmerz bei jungen Erwachsenen: Ist es Rheuma?

Als Ursachen von Gesäß- und Kreuzschmerzen nicht so häufig wie Muskelschmerzen oder "Ischias" sind entzündlich-rheumatische Erkrankungen. Wegen möglicher ernsthafter Gesundheitsstörungen darf man sie jedoch nicht außer Acht lassen.

Dabei geht es vor allem um den Morbus Bechterew und ähnliche Krankheitsbilder, die sogenannten axialen Spondyloarthropathien (SPA) mit Rücken- und Gelenkschmerzen. Darüber informiert Sie das Kapitel "Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Entzündlicher Rückenschmerz – Bechterew-Krankheit & Co." in diesem Beitrag, außerdem der Ratgeber "Morbus Bechterew" auf diesem Gesundheitsportal.

Abszess: Übler Eiterfluss

Selten entwickelt sich im Beckenraum eine eitrige Einschmelzung, ein Abszess. Der Eiter kann sich entlang innerer Hüftmuskeln vor der Wirbelsäule absenken (sogenannter Psoas- oder Iliakalabszess). Dass ein solcher Abszess sogar den Gesäßbereich oder Oberschenkel erreicht, ist möglich, dürfte heute aber nur noch selten passieren.

Als Ausgangspunkt kommen zum Beispiel eine Infektion im Bereich der Wirbelsäule oder eine eitrige Entzündung des Darms infrage. Dass sich bei einer Injektion in den Gesäßmuskel eine eitrige (Abszess) oder nicht eitrige Gewebeschädigung (aseptische Nekrose) als Komplikationen entwickelt, ist ebenfalls eher selten.

Je nach Ursache und Lage des Abszesses können die Beschwerden mehr oder weniger ausgeprägt sein. So kann es neben Schmerzen zu einer Schwellung, etwa in der Leiste, kommen, je nach Ursache auch zu Fieber.

Lästige Steißbeinfistel (Pilonidalsinus)

Hinter plötzlich auftretenden Schmerzen mit einer geröteten, geschwollenen Stelle ähnlich einem Pickel in der Gesäßfalte steckt nicht selten eine Steißbeinfistel ("Haarnestgrübchen", auch Pilonidalsinus, Sinus pilonidalis). Zur Entstehung dieser akut oder chronisch verlaufenden Entzündung im Fettgewebe unter der Haut gibt es verschiedene Theorien.

Eine davon beschreibt die Schwellung als Granulom, also als entzündlichen Knoten. Er enthält ein abgebrochenes und dann eingewachsenes Haar. Fistelgänge können in die nähere Umgebung reichen, nicht aber bis zum Darm.

Schon ein erbsgroßer Entzündungsherd in entsprechender Lage kann schmerzen und wegen der heiklen Lage sehr unangenehm sein. Sitzen oder Gehen ist beschwerlich. Mitunter ist ein Pilonidalsinus sogar noch größer. 

Im reizlosen chronischen Stadium sind nur wenige kleine Hautporen (engl. pits) in der Gesäßfalte erkennbar. Bei chronisch schwelender Entzündung sondern die Poren häufig Eiter, mitunter auch blutige Gewebeflüssigkeit ab und verursachen Juckreiz. Ein Abszess führt zu einer schmerzhaften Schwellung, meist neben der Mittellinie der Gesäßfalte.

Die Behandlung übernehmen in der Regel Chirurgen oder Enddarmspezialisten (Koloproktologen).

Mehr über diese beiden Probleme im Kapitel "Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Abszess, Steißbeinfistel") in diesem Ratgeber.

Blutung im Gesäßmuskel

Bei Verletzungen kann es zu einer Blutung im Gesäßmuskel kommen. Medikamente zur Blutverdünnung (Gerinnungshemmer) oder krankhafte Gerinnungsstörungen können dies begünstigen. Anzeichen für eine wodurch auch immer verstärkte Blutungsneigung sind häufiger auftretende, spontane Blutergüsse, Nasenbluten, blaue Flecken oder eine verstärkte Monatsblutung.

Von Injektionen in den Gesäßmuskel wird der Arzt unter diesen Voraussetzungen strikt absehen, da massive Blutungen in die Muskulatur und Nachblutungen drohen. Ansonsten kann sich bei einer Spritze in einen Muskel (intramuskulär) ein Bluterguss bilden, wenn versehentlich ein Gefäß getroffen wurde.

Dass es nach einer Injektion in den Muskel durch ein Medikament, das nun ausgerechnet in eine kleine Ader im Gewebe unter der Haut gelangt ist, zu einem Gefäßverschluss in diesem Bereich kommt, ist wirklich ein äußerst seltenes, aber nicht grundsätzlich auszuschließendes Ereignis (Nicolau-Syndrom). Dabei verfärbt sich der entsprechende Hautbezirk, es treten Schmerzen auf, Gewebeschäden sind möglich.

Belastungsschmerzen, Ruheschmerzen, Nachtschmerzen: Das Hüftgelenk als Schmerzquelle?

Als mögliche Quelle von Schmerzen im Gesäßbereich nicht außer Acht zu lassen ist das Hüftgelenk. So wird der Arzt als Ursache von Kreuz- oder Gesäßschmerzen auch an eine Hüftarthrose denken, wenn Anhaltspunkte für andere Ursachen fehlen. Zwar verursacht eine Arthrose des Hüftgelenks vor allem in der Leiste und im Oberschenkel Schmerzen, manchmal mit Ausstrahlung hinunter bis zum Knie.

Gelegentlich werden die Schmerzen aber auch seitlich im Gesäß oder im Kreuz verspürt. Verdächtig sind ziehende oder bohrende Schmerzen bei längerem Gehen und anderen ungewohnten Belastungen (Belastungsschmerzen).

Start- oder Anlaufschmerzen morgens oder nach längerem Sitzen treten in der Spätphase auf. Mit der Zeit kommt es auch zu Schmerzen in Ruhe und nachts, und die Beweglichkeit lässt zunehmend zu wünschen übrig. Das Gehen, besonders auch Treppen hinab, fällt schwerer (Hinken), ebenso das Anziehen der Schuhe und Strümpfe oder die Fußpflege – also Beugen und Strecken der Hüfte eben. Das beeinträchtigt den Alltag erheblich.

Die Hüftarthrose beschreibt der Beitrag "Arthrose des Hüftgelenkes" näher.

Rätselhaftes Fibromyalgie-Syndrom

Die Fibromyalgie ist ein komplexes, chronisches Krankheitsbild, das durch Schmerzen in mehreren Körperregionen, schmerzhafte Muskel-Sehnen-Ansätze an bestimmten Körperstellen, darunter den Gesäßhälften, und zahlreiche mögliche Begleitsymptome gekennzeichnet ist. Da viele andere, insbesondere rheumatische Erkrankungen, vor der Diagnosestellung ausgeschlossen werden müssen, kümmern sich verschiedene Fachärzte in abgestimmter Folge um die Betroffenen. Das steuert im Allgemeinen der Hausarzt. Weitere Informationen zu diesem Krankheitsbild im Ratgeber "Fibromyalgie (Fibromyalgie-Syndrom, FMS).

Alltagsprobleme: Fahrradsattel, Muskelkater

Eine undramatische Ursache für Gesäßschmerzen, vor allem im Bereich der Sitzknochen und der hier ansetzenden Muskelsehnen, kann ein neuer Fahrradsattel sein. Manchmal ist er zu weich oder zu schmal. Oder die Höhe stimmt nicht. Vor dem Erwerb empfiehlt sich eine gründliche Beratung im Fachhandel. Manche Hersteller bieten genaues Maßnehmen an.

Die richtige Dosis beim Radsport, gerade zu Anfang, und eine optimale Haltung im Sattel sorgen für reibungslose Fahrfreude. Denn die Sitzknochen gewöhnen sich meistens an die Unterlage, wenn sie nicht zu sehr strapaziert werden. Im Zweifelsfall müsste der Sattel sonst eventuell ausgetauscht werden.

Ebenfalls harmlos ist ein Muskelkater nach ungewohnter körperlicher Belastung, etwa einer Bergtour, längerem Arbeiten in der Hocke oder Laufen. Beim Sport kann es zu einer Zerrung des Glutäus, der Hüftmuskeln und der hinteren Oberschenkelmuskeln am Sitzbein kommen. Letztere sind oft auch bei Beinfehlstellungen strapaziert.

Wichtig:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

 

Zwei Sitzbeine und mehr

Wem ist schon bewusst, dass wir über zwei Sitzbeine und damit auch zwei Sitzknochen verfügen? Die Sitzknochen gehören zum Sitzbein. Das ist wiederum der untere Teil des Hüftbeins. Hat doch, wer an den verlängerten Rücken denkt, spontan meist nur den großen Gesäßmuskel oder Glutaeus-maximus-Muskel im Blick. Dieser Glutäus reicht vom Kreuzbein und den Beckenschaufeln bis zum Oberschenkel hinten und seitlich. Neben der Pofalte zeichnen sich breitflächig die beiden Hauptwölbungen ab.

Bei gutem Trainingszustand ist der Glutäus nicht nur Garant für einen wohlgefälligen Po. Er gibt uns Halt im Stehen und hilft maßgeblich beim Gehen und Treppensteigen mit.

An die Sitzknochen denken vor allem Radler oft mit Missvergnügen – aus naheliegenden Gründen. Beim Stehen werden die kufenartigen Sitzknochen von den Gesäßmuskeln bedeckt. Normaler Körperbau vorausgesetzt, liegen sie beim Sitzen aber direkt unter der Haut, weil die Gesäßmuskeln dann zur Seite rücken.

Von tragender Bedeutung: Die Iliosakralgelenke

Die oberen Teile der beiden Hüftbeine bilden die Beckenschaufeln. Sie heißen auch Darmbeine. Diese verbinden sich mit dem Kreuzbein zu den Kreuz-Darmbein-Gelenken beziehungsweise Kreuzbein-Darmbein-Gelenken oder Iliosakralgelenken, kurz ISG. Das Kreuzbein ist nockenwellenartig in die Beckenschaufeln eingelassen, damit es durch das Körpergewicht nicht nach unten rutscht.

Bei manchen Krankheitsbildern, die Ärzte unter Rheuma einordnen, können sich diese festen, gelenkartigen Verbindungen entzünden. Dann sind Kreuzschmerzen, besonders in der zweiten Nachthälfte, ein verdächtiges Krankheitszeichen. Mehr dazu im Kapitel "Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Entzündlicher Kreuzschmerz – Bechterew & Co." in diesem Beitrag.

Wenn wir gehen, laufen und springen, wirken auf diese gelenkartigen Verbindungen am Kreuz starke Kräfte ein. Daher geben straffe Bänder zusätzlich Halt. Den Iliosakralgelenken bleibt dadurch natürlich wenig Spielraum für Bewegungen.

Ihre Restbeweglichkeit überträgt aber noch eine gewisse Elastizität auf das Becken und federt die Bewegungen der Wirbelsäule ab. Vom Kreuzbein aus teilt sich die Körperachse (und die Traglast) auf die beiden Hüftbeine auf.

Die Hüftgelenke: Lastenverteiler

Hier gibt es ja rechts und links noch zwei weitere, diesmal sehr bekannte Gelenke, nämlich die Hüftgelenke. An diesem Punkt geht die – mitunter sehr große – Traglast auf die Beine über. Die Hüftgelenke haben motorisch einen großen Spielraum. Auch deswegen müssen die vorgeschalteten ISG stabile Bezugspunkte sein.

Erste Hinweise auf die Diagnose: Beschwerden und Krankengeschichte

Bei der Schilderung der Beschwerden (Anamnese) kommen meist schon an früher Stelle im Dialog mit dem Arzt Hinweise zu den Auslösern zur Sprache. Im Hinblick auf Gesäßschmerzen können das beispielsweise ungewohnte Sitzbelastungen auf einer Fahrradtour, beim Autofahren oder am Computer sein.

Grundsätzlich möchte der Arzt über den Schmerz selbst mehr wissen: Wo er genau sitzt, ob er zum Beispiel eine oder beide Körperseiten betrifft, und wann er auftritt. Ist es ein Ruhe- oder Nachtschmerz, nimmt er bei Bewegung zu oder schmerzen vor allem die ersten Schritte nach einer Ruhephase (Anlaufschmerzen)? Können die Oberschenkel schmerzfrei abgespreizt werden (Grätschstellung) oder gibt es hier Einschränkungen?

Auch nach möglichen Begleitsymptomen wie Morgensteifigkeit, Nachtschweiß, Fieber, gerötete und schmerzende Augen, Schmerzen und Schwellungen an Gelenken wie Finger, Knie, Sprunggelenk, Hüftgelenk wird der Arzt fragen.

Die Angewohnheit vieler Männer, die Geldbörse ständig in einer Hosentasche über dem Gesäß zu tragen, kann zur Druckbelastung des Ischiasnervs im Rahmen eines sogenannten Piriformis-Syndroms führen. Diese Möglichkeit wird der Arzt eventuell ebenfalls ansprechen.

Darüber hinaus ist die Kenntnis der Kranken- und Familiengeschichte des Patienten für die Diagnose wichtig. Der Hausarzt ist natürlich damit vertraut. Relevant ist dieser Punkt immer dann, wenn jemand erstmals in die Sprechstunde eines Arztes kommt.

Dass der neue Arzt über bereits bekannte oder zurückliegende Erkrankungen informiert sein muss, ist selbstverständlich.

So kann beispielsweise eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, eine rheumatische Krankheit oder eine Infektion, insbesondere des Darms oder der Harnwege, durchaus etwas mit Schmerzen im Kreuz- oder Gesäßbereich zu tun haben, auch wenn diese erst im Nachhinein aufgetreten sind.

Schließlich geht es darum, zu eruieren, ob die Beschwerden möglicherweise auch eine psychische Erklärung finden. Das erscheint  geboten, wenn das Schmerzbild trotz angemessener Therapie länger als vier Wochen andauert.

Was der Arzt untersucht

Bei der körperlichen Untersuchung geht es um die Statik, das Körpergewicht, das Steh- und Gehvermögen, die Form und Beweglichkeit der Wirbelsäule sowie hier eventuell vorhandene Klopf- und Druckschmerzen.

Im Fokus sind außerdem das Gangbild, die Länge der Beine, Achsabweichungen wie zum Beispiel X- oder O-Beine, die Stellung und Ausrichtung des Beckens und seiner Eckpunkte. Die Gelenke werden genau untersucht. Auf mögliche äußerliche Veränderungen wie Schwellungen, Verformungen, Knoten oder Knötchen sowie Überwärmung und Rötung der Haut richtet der Arzt ebenfalls sein Augenmerk.

Eingehend untersucht er bei Gesäß- und Kreuzschmerzen natürlich auch die Kreuzbein-Darmbein- und Hüftgelenke, sodann die Muskeln: ihren Spannungszustand, Kraft und Reflexe sowie hier vorhandene spezielle Schmerzpunkte und Seitenunterschiede. Dazu gehören zum Beispiel auch die Valleix-Druckpunkte im Verlauf des Ischiasnervs an der Rückseite des Oberschenkels.

In Bauchlage kann die passive Streckung der Hüfte (der Arzt hebt das gestreckte Bein an) deutlich schmerzhaft sein, in Rückenlage Beugen der Hüfte (der Arzt hebt wiederum das gestreckte Bein, eventuell auch den Fuß an): Tests auf sogenannte Nervendehnungsschmerzen.

Geprüft werden außerdem das Berührungs- und Schmerzempfinden sowie die Beschaffenheit der Haut. Schließlich entscheidet der Arzt dann auch, ob es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen nicht spezifischen oder einen spezifischen Schmerzzustand handelt. Im ersteren Fall liegt die Ursache höchstwahrscheinlich in muskulären Verspannungen, und es sind meist keine weiteren Untersuchungen notwendig. Die Beschwerden klingen im Allgemeinen bald wieder ab. Gegebenenfalls hilft ein nach Rücksprache mit dem Arzt kurzfristig eingenommenes Schmerzmittel dabei, dass es schneller geht.

Bei unklarer Diagnose hilft Medizintechnik weiter

Technische Verfahren wie Analysen des Blutes und anderer Körperflüssigkeiten, Röntgen- und Ultraschall-Untersuchungen, Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT), eine vertiefende orthopädische oder neurologische Untersuchung sind angezeigt, wenn der Arzt ein spezifisches körperliches Krankheitsbild vermutet.

Dabei können auch elektrophyiologische Untersuchungen aufschlussreich sein. Die Maßnahmen können die erste Verdachtsdiagnose eingrenzen und meist auch sichern, insbesondere natürlich im unklaren Akut- oder Notfall.

Eine bildgebende Diagnostik soll überdies einmal gezielt erfolgen, wenn die Beschwerden trotz angemessener sechswöchiger (sogenannter subakuter Kreuzschmerz) oder nach zwölfwöchiger Therapie (chronischer Kreuzschmerz) fortbestehen oder zunehmen.

Vorher sollten psychische oder soziale Faktoren, die ein Chronischwerden der Schmerzen begünstigen, ausgeschlossen worden sein.

Weitere Informationen dazu in den Ratgebern "Rückenschmerzen" und "Hexenschuss".

Was ist ein myofasziales Schmerzsyndrom?

Insgesamt sind diese Schmerzbilder noch nicht ausreichend verstanden. Es ist nicht ganz klar, was genau den Ausschlag für die Schmerzen gibt, die typischerweise, aber nicht nur, das Kreuz heimsuchen. Durchblutungsstörungen, Bindegewebsverhärtungen und erhöhte Anspannung bestimmter Muskelpartien durch Überreizung sind aber wohl mitverantwortlich.

Verspannte, schmerzende Muskeln haben zunächst einmal viel mit ungünstigen Körperhaltungen und eingefahrenen Bewegungen im Alltag zu tun. Davon sind viele Menschen betroffen, Sitz- wie Stehberufler, Büroangestellte genauso wie Operateure, Sportler (zum Beispiel Fußballspieler), Friseure, Musiker, Fließbandarbeiter und Lastenträger.

Allerdings darf man nicht außer Acht lassen, dass auch Krankheiten, Fehlbildungen oder Verschleiß des Skeletts Muskeln einseitig belasten können.

Strapazierte Muskeln sind ständig angespannt, auch in Ruhe. Mögliche Folgen: eine Störung der Energiebalance, verschlechterte Durchblutung, Schwellungen und Verhärtungen. Überreizungssignale lösen Schmerzen aus und halten sie aufrecht. Die Schmerzen können in benachbarte Muskeln und Faszien ausstrahlen. Gleichzeitig laufen auf den einzelnen Ebenen des Rückenmarks Nervenimpulse aus verschiedenen Quellen zusammen und erreichen das Gehirn, das diese nicht einzeln zuordnen kann (übertragener Schmerz). So kann das Gehirn zum Beispiel Nieren- oder Harnleiterschmerzen auch als Kreuzschmerzen interpretieren. Umso wichtiger ist hier die genaue ärztliche Untersuchung (siehe unten), um einen Organbefund oder eine Erkrankung am Skelett auszuschließen.

Rein myofasziale Schmerzen vergehen mitunter von selbst. Andererseits geraten nicht wenige Betroffene über kurz oder lang in einen Teufelskreis aus Anspannung und Schmerz. Wer aktiv gegensteuert, kann jedoch dazu beitragen, dass die Schmerzen sich verselbstständigen und chronisch werden.

Symptome: Verspannte Muskeln und ziehende, bohrende, machmal auch stechende Schmerzen im Hüftbereich, Gesäß, Bein oder Kreuz auf einer Körperseite. Manche Patienten spüren auch Missempfindungen wie Kribbeln oder ein Schwellungsgefühl. Die Beweglichkeit kann eingeschränkt sein. In den jeweils strapazierten Muskeln bilden sich eventuell tastbare Verhärtungen, sogenannte Kontraktionsknoten (Myogelosen).

Diagnose: Neben der Kennntis der Krankengeschichte ist eine gründliche orthopädische Untersuchung notwendig, um das Beschwerdebild richtig einzuordnen. Dazu gehört auch die Suche nach Triggerpunkten. Weiteres im Kapitel "Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Diagnose" in diesem Ratgeber.

Piriformis-Syndrom: Der andere Ischias

Ischiasbeschwerden zum Zweiten – so könnte man dieses Beschwerdebild auch beschreiben. Es entsteht, wenn der birnenförmige Piriformis-Muskel, ein innerer Hüftmuskel, den Ischiasnerv oder einen seiner Äste beim Übertritt vom Becken zum Oberschenkel einengt.

Der Muskel bewirkt das Abspreizen, Strecken und die Außendrehung des Oberschenkels. Bei Fehlbeanspruchung kann er sich verkürzen und verdicken. Den kleinen Gesäßmuskel, den Glutaeus minimus, der unterhalb des großen Gesäßmuskels liegt, kann es aber genauso treffen.

Ursachen sind einseitige Überbelastung, wozu manche Menschen neigen, die aus einer Grätschstellung heraus ständig schwer heben müssen, dann solche, die vorwiegend eine sitzende Körperhaltung einnehmen oder sich viel (und falsch) bücken. Außerdem kann der Muskel durch ständigen Druck gereizt werden.

Eine mögliche Ursache in dieser Hinsicht ist die Angewohnheit, die Geldbörse in der Hosentasche über dem Gesäß zu verstauen, was Männer gerne und häufig tun.

Nach Sturzverletzungen im Gesäßbereich kann es ebenfalls zum Piriformis-Syndrom kommen. Allerdings können auch Schmerzen bei Schleimbeutelentzündungen an der Hüfte manchmal bis ins Gesäß ausstrahlen. Mehr darüber im Ratgeber "Hüftschmerzen".

Symptome: Schmerzen tief im Gesäß auf einer Körperseite, möglicherweise mit Ausstrahlung bis in den Oberschenkel, in die Hüfte oder das Kreuz. Beingrätschen oder Treppensteigen, auch Liegen auf der entsprechenden Körperseite ist schmerzhaft. Bei längerem Sitzen – etwa vor dem Bildschirm, im Auto – verstärken sich die Schmerzen.

Diagnose: Die Schilderung der Beschwerden und ihrer Umstände sowie eine körperliche Untersuchung, bei der sich möglicherweise auch Triggerpunkte im kleinen Gesäßmuskel finden lassen, führen meist zur Diagnose.

Weitere technische Verfahren wie Röntgen oder Blutuntersuchungen sind nur erforderlich, wenn der Arzt zusätzlich eine Erkrankung am Bewegungsapparat oder eine andere organische Störung vermutet, die das Bewegungssystem mit beeinflusst.

Wie ein Hexenschuss: Blockiertes Kreuzbein-Darmbein-Gelenk

Im Bereich der Gelenke zwischen Kreuz und Becken (Iliosakralgelenke, ISG) kann das Zusammenspiel der stark beanspruchten Bänder und Muskeln empfindlich gestört werden. Dadurch entstehen Muskelverspannungen, bei plötzlicher zusätzlicher Belastung auch akute Blockierungen. Mit anderen Worten: ein Hexenschuss.

Als Ursachen kommen zahlreiche, mit Fehl- und Überbelastung verbundene mechanische Faktoren infrage. Sie reichen von Haltungsproblemen bis zu sportlicher Überbelastung. Auch Schwachpunkte wie eine Beinverkürzung auf einer Seite, die dazu führt, dass das Becken schief steht, sodann die verstärkte Krümmung der Lendenwirbelsäule nach vorne (Hohlkreuz, auch Lordose), Bänderschwäche und abnutzungsbedingte Veränderungen hier oder am Hüftgelenk können ISG-Blockierungen begünstigen.

Symptome: Die Blockierung des Kreuz-Darmbein-Gelenks ist eine häufige Ursache von akuten Gesäß- und/oder Kreuzschmerzen bis hin zum Hexenschuss. Die Schmerzen können ins Bein ausstrahlen und den Betroffenen vorübergehend so gut wie lahmlegen. Nach längerem Sitzen sind sie verstärkt spürbar, ebenso beim Anheben des Beins auf der betroffenen Seite oder Aufrichten aus gebückter Haltung. In der Regel spielen sich die Beschwerden mehr auf einer Körperseite ab.
Diagnose:
Sie ergibt sich für den Arzt vor allem aus der Art der Beschwerden, der Krankengeschichte, den Begleitumständen und der körperlichen Untersuchung (siehe wiederum im Kapitel "Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Diagnose" und Abschnitte oben) nebst verschiedener Bewegungstests. Wenn zum Beispiel auch das Heranführen (Adduktion) des Oberschenkels beziehungsweise der Hüfte in gebeugter Stellung schmerzhaft ist, kann das auf eine Störung des Iliosakralgelenks hinweisen.

Anzeichen für eine Ischiasschädigung schließt der Arzt zunächst anhand der Befunde aus. Bildgebende Untersuchungen wie zum Beispiel Röntgenaufnahmen oder eine Magnetresonanztomografie (Kernspintomografie, MRT) sind bei speziellen Verdachtsmomenten hinsichtlich einer Störung an der Wirbelsäule wie ein Bandscheibenvorfall, eine Osteoporose oder eine Bechterew-Erkrankung (der widmet sich das Kapitel "Bechterew-Krankheit & Co." in diesem Ratgeber) notwendig, im Einzelfall außerdem gezielte Labortests.

Mehr Informationen finden Sie auch in weiteren Ratgebern auf diesem Gesundheitsportal wie "Hexenschuss" und "Osteoporose".

Therapie bei allen drei Problemen

Nach Ausschluss einer speziellen Krankheitsursache rät der Arzt eventuell, kurzfristig ein schmerzstillendes Medikament einzunehmen. Infrage kommt ein Arzneistoff wie Paracetamol (laut einer Studie aus dem Jahr 2014 gab es bei akuten Kreuzschmerzen mit und ohne das Medikament keinen maßgeblichen Unterschied bis zum Erreichen der Schmerzfreiheit) oder ein traditioneller Entzündungshemmer (NSAR; NSAR steht für nicht steriodales Antirheumatikum).

Auch chiropraktische beziehungsweise manualtherapeutische Maßnahmen sind bei Kreuzschmerzen mögliche Behandlungsverfahren, wenn ein anderweitiger krankhafter Organbefund ausgeschlossen werden konnte. Falls der Arzt Triggerpunkte findet, kann er sie mit entsprechenden manuellen Techniken angehen.

Manchmal wenden Ärzte auch Injektionen mit einem örtlich betäubenden Mittel an. Diese perkutane Therapie (durch die Haut, als invasivere Form auch mit Injektionen an die Wirbelsäule heran) wird bei nicht spezifischen Kreuzschmerzen in den Leitlinien jedoch nicht empfohlen.

Wenn sich psychische Faktoren als Schrittmacher der Beschwerden herausstellen, ist möglicherweise eine Psychotherapie der richtige Weg. Anhaltende Beschwerden wird der Arzt intensiver abklären.

Nur bei Bedarf verordnet er eine Physiotherapie (früher: Krankengymnastik), bei akuten Kreuzschmerzen eher nicht, bei länger anhaltenden Kreuzschmerzen dagegen schon. Hier können auch Massagen eingesetzt werden.

Kreuzschmerzen: Verwirrende Sprachvielfalt

Heillose Begriffsverwirrung beim Kreuzschmerz? Es scheint so. Da gibt es einmal die Lumbago (= akuter Kreuzschmerz, und auch nicht zu vergessen: den Hexenschuss), dann die Lumbalgie (= chronischer Kreuzschmerz) und schließlich das Lumbalsyndrom als Oberbegriff für beides. Wie kann das sein, wo strenggenommen doch jeder seinen einen Kreuzschmerz hat?

Wenn zum Beispiel ein chronischer Kreuzschmerz akut aufflammt, ist die Dopplung tatsächlich möglich. Zudem sind Kreuzschmerzen oft vielschichtig und können sich in ihrem Verlauf verändern oder unterschiedlich äußern. Auch kann mitunter mehr als eine Ursache vorliegen.

Aber das ist noch nicht alles. So wissen Ärzte natürlich auch – und viele Leidgeplagte erfahren es –, was es mit einer Ischialgie oder Lumboschialgie (umgangssprachlich: "Ischias") auf sich hat: nämlich eine Art unangenehmer, stechender Hüft-Beinschmerz oder Kreuz-Hüft-Beinschmerz, der manchmal auch mit Gefühlsstörungen oder Muskelschwäche am Bein oder Fuß einhergeht.

Häufig liegt hier ein Wurzelreizsyndrom, auch lumbale Radikulopathie, zugrunde: Wurzeln (lat. radix, Wurzel) von Rückenmarksnerven (Spinalnerven), die aus dem Rückenmark, sodann aus dem entsprechenden Kanal in der Wirbelsäule und dann aus dieser hervortreten, nehmen Schaden. Dazu kann es beispielsweise durch eine Einengung auf dem beschriebenen Weg entstehen. Die Nervenwurzeln treten rechts und links aus. Betroffen ist in der Regel eine Seite.

Nach dem Durchtritt des Rückenmarksnerven durch das Nadelöhr an der Wirbelsäule bilden sich verschiedene Nervengeflechte, aus denen unter anderem die Beinnerven hervorgehen.

Der Ischiasnerv, alias Gesäß- oder Hüftnerv, ist einer davon. Aber nicht irgendeiner, denn gilt als stärkster Nerv des Körpers – mit Nervenfasern für bedeutende Beinmuskeln. Auch für Gefühlswahrnehmungen insbesondere am Unterschenkel und Fuß ist der Ischiasnerv zuständig.

Die Ischias-Neuralgie mit ihren Kreuz-Hüft-Beinschmerzen beruht häufig, aber nicht nur, auf spezifischen Ursachen im Bereich von Kreuz oder Becken. Dazu mehr in der nachfolgenden Liste.

Wie kommt es zur Ischiasreizung?

Hauptursachen von Wurzelreizungen des Ischiasnervs sind:

  • Bandscheibenvorfälle und andere Ursachen von Ischiasbeschwerden
  • Verengung des Wirbelkanals im Bereich der Lendenwirbelsäule (lumbale Spinalkanalstenose); degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule wie zum Beispiel verdickte Wirbelgelenke und Wirbelbänder
  • Wirbelgleiten (Spondylolisthesis)
  • Verknöcherungen der Wirbelbänder (DISH, Abkürzung für diffuse idiopathische skelettale Hyperostose, auch Forestier-Krankheit)
  • Nervenwurzelentzündung (Radikulitis), beispielsweise im Zusammenhang mit Infektionen durch verschiedene Erreger
  • Blutung im Rückenmarkskanal
  • Durchblutungsstörung
  • Tumoren, Metastasen, Wirbelbruch – auch infolge von Skelettkrankheiten wie Osteoporose

Info: Neben dem akuten (weniger als sechs Wochen) und dem chronischen Kreuzschmerz (länger als drei Monate) gibt es noch einen Zwischenstand, nämlich den subakuten Kreuzschmerz (länger als sechs Wochen).

Zudem können Kreuzschmerzen ganz allgemein nicht spezifisch (= unspezifisch) oder spezifisch sein. Eine wichtige Einteilung, die sich auch in den meisten Fachpublikationen findet. Dabei steht vereinfacht gesagt nicht spezifisch für überlastungsbedingte Ursachen und spezifisch für organbezogene funktionelle oder strukturelle Ursachen.

Nachfolgend weitere Informationen zu den oben gelisteten Krankheiten.

Schmerzursache Bandscheibenvorfall

Verlagertes Bandscheibengewebe ist die Ursache schlechthin von Ischialgien. In der Tat: Bandscheibenvorfälle betreffen am häufigsten die Lendenwirbelsäule, insbesondere die Etagen vierter/fünfter Lendenwirbel (LWK 4/5) oder fünfter Lendenwirbel/erster Kreuzbeinwirbel (LWK 5/SWK 1).

Voraussetzung: eine Degeneration der Bandscheiben. Sie beginnt eigentlich schon sehr frühzeitig im Leben, da das Gewebe nach und nach weniger Wasser bindet, an Elastizität wie auch Festigkeit verliert und den ständigen Druckbelastungen im Kreuz nicht mehr so gut standhält. Aber sie schreitet nicht bei jedem gleich stark fort.

Es gibt verschiedene Schweregrade des Vorfalls, je nachdem, ob der Bandscheibenkern letztlich noch innerhalb des umgebenden, nur leicht rissigen Faserrings in der Bandscheibe bleibt und sich deren Rand nur vorwölbt (Protrusion), oder ob der Bandscheibenkern durch einen Riss heraustritt (Prolaps). Manchmal trennt er sich gar vollständig ab (Sequester).

Die Größe des Vorfalls sagt allerdings nichts über die Beschwerden aus. Was genau passiert, lesen Sie im Ratgeber "Bandscheibenvorfall" auf diesem Gesundheitsportal (siehe Linkhinweis weiter unten).

Bei starker Arthrose der kleinen Wirbelgelenke (Facettengelenkarthrose) verdicken diese sich häufig. Wirbelbänder können infolge von Verschleiß verkalken und sich ebenfalls verdicken. Mitunter kommt es dann zu einer Verengung von Zwischenwirbellöchern – hier treten Rückenmarksnerven hindurch – oder des Wirbelkanals und in der Folge zu Ischias-Beschwerden (siehe Abschnitt "Spinalkanalstenose" unten).

Andere Ursachen von Ischiasbeschwerden

Im Verlauf des Nervs selbst – im Hüft-, Gesäß- und Oberschenkelbereich oder weiter unten am Bein – da hat sich der Nerv längt in zwei Nervenäste aufgeteilt – können ebenfalls Schmerzen auftreten.

Mögliche Ursachen sind zum Beispiel Verletzungen, Hüftoperationen oder Injektionen in die Muskulatur. Mit Kreuzschmerzen hat dies je nach Ort der Schädigung allerdings wenig(er) zu tun.

Wird ein Hautast des Ischiasnervs getroffen, zum Beispiel bei einer oberflächlich gesetzten Spritze, können einschießende, brennende Schmerzen und dann Missempfindungen wie Taubheitsgefühle auftreten.

Bei Verletzung eines Muskelastes ist eine Lähmung entsprechender Muskeln die Folge. Allmähliche Beschwerden können sich durch Ablagerung eines direkt neben dem Nerv eingespritzten Medikamentes entwickeln.

Mehr über weitere mögliche Probleme bei Spritzen ins Gesäß im Kapitel "Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Abszess, Fistel". Über ischiasähnliche Beschwerden durch funktionelle Störungen im Kreuz informiert das Kapitel "Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Probleme der Muskeln und Bänder".

Engpass im Wirbelkanal: Spinalkanalstenose

Auch bei einer Verengung des Wirbelkanals im Kreuzbereich (lumbale Spinalkanalstenose) können ischiasähnliche Beschwerden auftreten. Allerdings äußern sie sich je nach Ursache – und hier gibt es neben den oben genannten Verdickungen am Wirbelkanal noch andere krankhafte Veränderungen – unterschiedlich.

Zunehmende Schmerzen und Ermüdbarkeit der Beine beim Gehen gehören häufig zu den Anzeichen. Der Ratgeber "Lumbale Spinalkanalstenose" beschreibt sie näher.

Was ist Wirbelgleiten?

Lockert sich ein Wirbelsäulensegment, so kann sich der Wirbelkörper – der klotzige Teil des Wirbels – mit der darüberliegenden Wirbelsäule in unterschiedlichem Maße nach vorne verlagern (Wirbelgleiten, Spondylolisthesis). Auf der Höhe der betroffenen Wirbelsäulenetage kann eine Stufe entstehen. Ist die Lendenwirbelsäule betroffen, kommt es verstärkt zu einem Hohlkreuz und dadurch zu schmerzhaften Muskelverspannungen. Außen im Kreuz kann eine kleine Grube sichtbar sein.

Verschiedene Ursachen können zu Instabilität an der Wirbelsäule führen. Infrage kommen zum Beispiel Fehlbildungen wie ein Spalt in den Wirbelbögen (Spondylolyse), seltener ungewöhnlich lange oder zu dünne Wirbelbögen, Verletzungen, Skeletterkrankungen. Eine angeborene Fehlbildung des Wirbelbogens ist selten.

Veranlagung kann allerdings eine Spondylolyse an einer schmalen Stelle des Wirbelbogens (am sogenannten Isthmus, ein- oder beidseitig) begünstigen. Dabei kann Wirbelgleiten schon im Kindesalter oder in der Jugend auftreten. Die Beschwerden sind unterschiedlich ausgeprägt, von symptomlos bis ischiasähnlich.

Auch stärkerer Verschleiß an der Bandscheibe kann zu Wirbelgleiten führen. Es kommt dann aber erst im höheren Lebensalter dazu. Eine geschrumpfte Bandscheibe ist ein naheliegender Grund. In der Folge entwickelt sich meist eine ausgeprägte Veränderung der Mechanik an dem betroffenen Segment der Wirbelsäule, die letztlich den Gleitvorgang auslöst.

Beschwerden können hier mitunter recht ausgeprägt sein: Hartnäckige Schmerzen tief im Kreuz und ausstrahlende Nervenstörungen, unter anderem "Ischias"-Symptome, können auftreten, wenn die Verlagerung eine Nervenwurzel am Rückenmarkskanal unter Druck setzt.

Ärzte kennen vier Spondylolisthesis-Schweregrade "nach Meyerding".

Der Ratgeber "Wirbelgleiten (Spondylolisthesis)" informiert Sie ausführlicher.

Verknöcherung von Wirbelbändern (DISH)

Hier versteifen Teile der Wirbelsäule – häufiger der Brustwirbelsäule, mitunter auch des Lendenwirbelbereiches – durch vermehrte Knochenbildung. Eine Entzündung wie zum Beispiel bei der Bechterew-Krankheit (siehe Kapitel "Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Bechterew & Co.") liegt jedoch nicht vor.

Die Krankheit führt zu einem Gefühl der Steifheit im Rücken, vor allem morgens, die Beweglichkeit, zum Beispiel bei der Neigung der Wirbelsäule zur Seite, lässt nach, und es kommt zu Muskelschmerzen.

Wenn die Knochenanbauten den Wirbelkanal einengen, sind auch Ischiasbeschwerden möglich. Meist liegen zugleich Stoffwechselstörungen wie ein Typ-2-Diabetes, Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen oder eine erhöhte Harnsäure im Blut vor. DISH (Erklärung der Abkürzung in der Liste ganz oben), auch Morbus Forestier (Forestier-Krankheit), betrifft häufiger Männer als Frauen und eher ältere Menschen.

Es ist wichtig, die genannten begleitenden Stoffwechsel- und Gewichtsprobleme in den Griff zu bekommen, um die Wirbelsäule zu entlasten. Ärzte setzen ansonsten Schmerzmittel und Physiotherapie ein. Bei Komplikationen wie Wirbelbrüchen sind häufig chirurgische Maßnahmen notwendig.

Radikulitis: Nervenwurzelentzündung

Eine entzündete Nervenwurzel heißt fachsprachlich Radikulitis. Verantwortlich können unter anderem Erreger wie Borrelien – das Krankheitsbild heißt Neuro-Borreliose – oder Herpes-Zoster-Viren sein. Selten kann eine bakterielle Wirbelentzündung, eine Spondylodiszitis, die benachbarte Nervenwurzel in Mitleidenschaft ziehen.

Blutung, Durchblutungsstörung, Tumor

Diese Ursachen von Nevenwurzelschädigungen (Radikulopathien) mit der Folge von Ischiasschmerzen sind hier nur der Vollständigkeit halber gelistet. Zu einer Blutung kann es unter anderem im Bereich der Rückenmarkshäute oder der Rückenmarksader kommen. Das Gefäß kann unter bestimmten Voraussetzungen aber auch verstopfen (Thrombose oder Embolie), es kommt dann statt einer Blutung zu einer Durchblutungsstörung in der hochempfindlichen Nervenwurzel oder auch im Rückenmark.

Auslösend können hier zahlreiche Krankheiten sein, von Gefäßstörungen infolge eines Diabetes über Gefäßentzündungen bis hin zu Krankheiten des Herzens oder der Hauptschlagader, etwa ein Aortenaneurysma. Auch ein Tumor vor Ort kann mitunter eine Nervenwurzel beengen oder die Blutzufuhr drosseln.

"Ischias": Was sind die Symptome?

Schmerzen bei Wurzelreizungen folgen einem ganz bestimmten Ausbreitungsmuster. Häufig verstärken sie sich durch Husten, Niesen, Pressen und Beugen der Wirbelsäule nach vorne kurz, aber heftig. Vom Kreuz aus können sie außerdem in die Hüfte oder ins Gesäß und in einer Art Streifen auf der Haut vorne und seitlich oder mehr hinten am Bein ausstrahlen – bis zur Wade oder in den Fuß.

Mitunter stehen Knieschmerzen im Vordergrund. Auch Missempfindungen wie Kribbeln und Taubheitsgefühl am Bein können einem bestimmten Muster folgen. Die Beschwerden betreffen im Allgemeinen eine Körperseite.

Manchmal kommt es auch zu einer Muskelschwäche, seltener zu einer Lähmung am Bein. Beispielsweise kann das Heranführen des Oberschenkels oder die Beugung in der Hüfte erschwert sein. Oder das Heben (Fersenstand) und Drehen des Fußes nach innen und außen oder Senken des Fußes (Voraussetzung für den Zehenstand) klappen nicht richtig. Das heißt letztlich, dass es zu Gehstörungen kommt.

Je nach zugrundeliegender Ursache können vielfältige Beschwerden auftreten: andere neurologische Störungen, Gewichtsverlust, Fieber, starke örtliche Schmerzen am Rücken, eventuell eine äußerlich sichtbare Schwellung.

Diagnose bei Lumboischialgie

Über die Basisdiagnostik hinaus (siehe Kapitel "Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Diagnose") wird der Arzt bei anhaltenden, starken oder sich verstärkenden Beschwerden, deutlichen Taubheitsgefühlen oder gar Lähmungen umgehend weitere Diagnoseschritte veranlassen.

Dazu gehören vor allem eine gründliche neurologische Untersuchung und davon abhängig Maßnahmen wie Röntgenaufnahmen und/oder eine Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspintomografie) der Wirbelsäule, gegebenenfalls auch Laboranalysen.

Dabei geht es darum, eine mechanische Behinderung, eine Infektion oder sonstige krankhafte Veränderungen im Bereich einer beengten Nervenwurzel oder i9m Rückenmarkskanal schnellstmöglich zu erkennen und die geeignete Therapie einzuleiten. Möglicherweise muss der Betroffene in einer Klinik weiterbehandelt werden.

Ischiasschmerz: Welche Therapie hilft

So vielfältig die Beschwerden sind, so individuell ist die Behandlung von Ischiasbeschwerden. Sie richtet sich gezielt nach der Diagnose. Häufig klingen die Schmerzen nach einer konservativen Schmerzbehandlung ab. Manchmal wenden Ärzte eine Injektionstherapie an. Dabei bringen sie zum Beispiel ein örtlich betäubendes Mittel in unterschiedlicher Technik an eine gereizte Nervenwurzel heran.

Bei deutlichen oder zunehmenden Anzeichen einer Nervenschädigung ist ein operativer Eingriff im Allgemeinen unvermeidlich. Mehr über Ursachen, Diagnose und Therapie bei Lumboischialgie können Sie unter "Hexenschuss" und als Gesamtüberblick einschließlich Bandscheibenvorfall unter "Rückenschmerzen" nachlesen.

Wird bei Gesäß- oder Beinbeschwerden ein Zusammenhang mit einer Spritze vermutet, sollte unverzüglich der behandelnde Arzt hinzugezogen werden. Er kennt den Patienten in aller Regel, kann die Situation einschätzen und entsprechende Maßnahmen treffen.

Entzündlicher Kreuzschmerz: Was er bedeutet

Bei einem kleineren Teil der Erwachsenen mit Schmerzen tief im Rücken stellt sich als Ursache eine entzündlich-rheumatische Erkrankung heraus: eine sogenannte Spondylarthropathie oder Spondylarthritis. Spondyl- steht für Wirbel, -arthro für Gelenk, -arthritis für Gelenkentzündung, -pathie für Leiden (das ist der Oberbegriff).

Typischerweise erkranken die meisten Patienten im Alter unter 4o bis 45 Jahren. Die genaue Entstehung ist unklar. Es sind wohl mehrere Faktoren beteiligt, darunter immunvermittelte und genetische Vorgänge, indirekt manchmal auch Infektionen.

Die Spondylarthropathien umfassen in erster Linie fünf Krankheitsbilder, bei denen es auch Überlappungen gibt:

  • Die Bechterew-Erkrankung
  • Gelenkentzündungen, die nach Infektionen der Harn- und Geschlechtsorgane auftreten: reaktive Gelenkentzündung (reaktive Arthritis), darunter darunter das Reiter-Syndrom
  • Mit der Schuppenflechte (Psoriasis) verbunden: Psoriasisspondylarthritis oder Psoriasisarthritis
  • Enteropathische Spondylarthropathien: Gelenkentzündungen, die bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa auftreten
  • Undifferenzierte Spondylarthritis und sogenannte juvenile Formen: Spondylarthropathien, die sich nicht einer der anderen Formen zuordnen lassen beziehungsweise bei Kindern und Jugendlichen (juvenil) auftreten

So äußern sich Spondylarthropathien (SPA)

Axiale Spondylarthritis bedeutet ganz allgemein, dass Teile des Achsenskeletts entzündet sind: an der Wirbelsäule und den Kreuzbein-Darmbeingelenken. Was es mit diesen Gelenken genau auf sich hat, steht im Kapitel "Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Was die Sitzanatomie mit sich bringt".

Wichtig für die Diagnose ist neben richtungweisenden Beschwerden der Nachweis einer Kreuzbein-Darmbeingelenkentzündung (Sakroiliitis) in einer Magnetresonanztomografie oder im Röntgenbild. Weitere Krankheitsmerkmale, wie in der nachfolgenden Punkte-Liste aufgeführt, stützen die Diagnose ebenfalls.

Gibt es keinen eindeutigen Bildbefund, kann der Arzt bei einem Patienten, der jünger als 40 (bis 45) Jahre ist und anhaltende entzündliche Rücken- oder Kreuzschmerzen hat, die Diagnose auch klinisch stellen.

Dann müssen neben einem positiven HLA-B27-Nachweis im Blut mindestens zwei weitere Kranheitsmerkmale aus der anschließenden Liste (internationale ASAS-Klassifikation) vorliegen:

  • Entzündung von Bänder- und Sehnenansätzen an Knochen (Fachbegriff: Enthesiopathie oder Enthesitis), zum Beispiel an der Ferse mit entsprechenden Schmerzen
  • Entzündung weiterer Gelenke mit seitenungleichem (asymmetrischem) Verteilungsmuster oder Entzündung eines ganzen Fingers oder Zehs (Daktylitis)
  • Entzündung der Regenbogenhaut am Auge (sogenannte Iritis oder Iridozyklitis)
  • Begleiterkrankung wie Schuppenflechte (Psoriasis) oder chronisch-entzündliche Darmerkrankung
  • Deutlicher Rückgang der Beschwerden schon nach ein bis zwei Tagen unter der Therapie mit einem entzündungshemmenden Medikament (Typ nicht steroidales Antirheumatikum, kurz NSAR)
  • Vorkommen einer axialen SPA wie der Bechterew-Erkrankung, einer Psoriasis, einer chronisch-entzündlichen Damerkrankung, einer reaktiven Arthritis (siehe unten)  oder einer Uveitis in der Familie (bei erstgradig Verwandten (zum Beispiel Eltern zu Kindern) oder zweitgradig Verwandten (Geschwister))
  • Nur teilweise vorhanden: Bestimmte Entzündungszeichen im Blut (Ausschluss anderer Ursachen notwendig)

Symptome: Typisch für axiale Spondylarthropathien sind Schmerzen im Rücken oder Kreuz und tief im Gesäß (auch wechselseitig), manchmal mit Ausstrahlung in beide Oberschenkel auf der Rückseite. Dass die Schmerzen oft in der zweiten Nachthälfte auftreten, somit auch den Schlaf stören, und die Betroffenen morgens längere Zeit ein deutliches Steifigkeitsgefühl im Kreuz verspüren, das sich erst unter Bewegung im Laufe des Tages bessert, ist ebenfalls kennzeichnend.

Die Schmerzen entwickeln sich schleichend und bestehen mehr als drei Monate. Auch die Bandscheiben können betroffen sein. Mit der Zeit kann es zu knöchernen Veränderungen/Versteifungen an den entzündeten Kreuzbein-Darmbeingelenken kommen. Zwischen den Wirbelkörpern können sich knöcherne Spangen bilden. Diese sogenannte Ankylosierung, so der Fachbegriff, führt nach längerer Krankheitsdauer zur Versteifung der Wirbelsäule. Zugleich können entzündete Wirbelkörper vermehrt brüchig werden.

Manchmal ergibt sich die Diagnose einer peripheren SPA. Das bedeutet, dass neben einer Entzündung am Achsenskelett auch ein oder mehrere Gliedmaßengelenke, also periphere Gelenke, erkrankt sind. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn sich ein ganzer Zeh oder Finger (sogenannter Wurstfinger) oder ein größeres Gelenk wie das Knie entzündet hat. Hinzukommen noch weitere Kriterien aus der Punkte-Liste oben, zum Beispiel ein entzündeter Sehnenansatz an der Ferse.

Achtung: Kreuz- und Gesäßschmerzen bei einem jungen Erwachsenen, die besonders auch nachts auftreten, mit anhaltender Morgensteifigkeit, möglicher Ausstrahlung ins Bein und Besserung tagsüber sind zunächst immer verdächtig auf eine Spondylarthritis. Risikofaktoren einer SPA sind unter anderem Rauchen und männliches Geschlecht. Es können aber auch Frauen erkranken.

Bechterew-Krankheit: Betrifft mehr Männer als Frauen

Die Bechterew-Krankheit ist die bekannteste axiale SPA und eine der häufigsten brheumatischen Erkrankungen. Sie beginnt meistens schon im Alter von 20 bis 30 Jahren und betrifft doppelt bis dreimal so viele Männer wie Frauen. Es kommt zu einer Entzündung zwischen Bandscheiben und Wirbeln. Auch die kleinen Wirbelgelenke, die Kreuzbein-Darmbeingelenke sowie Gliedmaßengelenke können erkranken.

Auf lange Sicht kann die Wirbelsäule versteifen. Zudem sind Entzündungen an anderen Gelenken, an Sehnen oder außerhalb des Bewegungssystems möglich, zum Beispiel an den Augen.

Symptome: Frühes Zeichen ist ein dumpfer Schmerz im Kreuz beziehungsweise auf beiden Seiten tief im Rücken oder Gesäß, der seit mindestens drei Monaten besteht. Er macht sich besonders nachts oder frühmorgens bemerkbar und weckt die Betroffenen häufig aus dem Schlaf. Offenbar reagieren viele Betroffene auf feuchtkaltes Klima verstärkt mit Beschwerden. Verdächtig ist außerdem eine Morgensteifigkeit über dreißig Minuten im Kreuz, die manchmal eine bis mehrere Stunden anhalten kann. Nach Bewegung bessert sie sich, nach Ruhephasen tritt sie aber wieder auf. Das gilt meist auch für die Schmerzen.

Möglich sind außerdem Nackenschmerzen, schmerzende Hüft- und Schultergelenke oder Sehnenschmerzen an der Ferse. Manche Patienten fühlen sich ständig müde, appetitlos, manchmal haben sie auch leichtes Fieber und leiden unter Nachtschweiß. Die Augen können vermehrt tränen und schmerzen, und es kann zu Lichtscheu kommen.

Neben der Versteifung droht an der Wirbelsäule erhöhte Brüchigkeit. Damit zusammenhängend kann sich ein Rundrücken bilden. Auch Schmerzen im Bereich des oberen Brustbeins und am Schambein sind möglich. Keineswegs müssen all diese Veränderungen immer in voller Ausprägung eintreten.

Der Ratgeber "Morbus Bechterew" informiert Sie ausführlich über die Bechterew-Krankheit.

Auslöser manchmal unbemerkt: Reaktive Arthritis

Solche Gelenkentzündungen (periphere SPA) können Tage oder Wochen nach einem bakteriellen Infekt auftreten, hauptsächlich ein Magen-Darm-Infekt, Harnwegsinfekt und/oder eine sexuell übertragene Infektion. Meist ist das längst vergessen oder hat sich kaum mit Beschwerden bemerkbar gemacht.

Als krankheitsrelevante Keime im Urogenitalbereich kommen Chlamydia trachomatis, außerdem Mykoplasmen, mitunter Gonokokken (Erreger der Geschlechtskrankheit Gonorrhö) infrage, im Darm Campylobacter, Salmonellen, Shigellen oder Yersinien.

Symptome: Es sind häufiger größere Gelenke wie Knie und Sprunggelenke auf einer Körperseite betroffen. Mitunter entzünden sich auch kleine Gelenke an Fingern oder Zehen. Die erkrankten Zonen können schmerzen, stark geschwollen sein und sich überwärmt anfühlen.

Relativ typisch sind Entzündungen der Sehnen an den Füßen, insbesondere der Ansatz der Achillessehne oder der breiten Fußsohlensehne an der Ferse. Der Fersenbereich ist dann schmerzhaft geschwollen und schmerzt (entzündlicher Fersensporn, Enthesitis). Für die begleitenden Kreuz- und Gesäßschmerzen ist meist eine Sakroiliitis, also eine Entzündung der Kreuzbein-Darmbeingelenke, verantwortlich.

Eine Sonderform ist das Reiter-Syndrom. Kennzeichen hier: Gelenkentzündung, Harnröhrenentzündung, Augenentzündung, gegebenenfalls auch Hautausschläge am Genitale bei Männern (Balanitis erosiva circinata), schwielenartige Veränderungen an Händen und Füßen, auch mit Eiterbläschen (Pusteln), schuppenflechtenartige Hauterscheinungen am Körper, eventuell auch Nagelveränderungen, sowie aphthenartige Veränderungen an der Mundschleimhaut.

Selten erkranken auch innere Organe. Bei einer Herzentzündung zum Beispiel können Herzschmerzen, Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche auftreten. Auch Allgemeinsymptome wie Fieber und Abgeschlagenheit kommen manchmal dazu.

Diagnose: Hilfreich kann die Krankengeschichte sein, etwa Angaben über eine zurückliegende Infektion, wie oben beschrieben. Die körperliche Untersuchung kann ein entzündetes, geschwollenes Gelenk, oft mit Zeichen eines Ergusses, bestätigen oder Hinweise auf einen entzündeten Sehnenansatz oder entzündete Kreuz-Darmbeingelenke liefern. Dann helfen meist bildgebende Verfahren weiter. Selten nur gelingt der Nachweis eines Erregers in Proben aus dem ursprünglich erkrankten Bereich, zum Beispiel im Urin oder in einem Genitalabstrich.

Die aus einem entzündeten Gelenk entnommene Flüssigkeit (Punktat) weist entzündliche Faktoren auf. Erreger sind in der Regel nicht nachweisbar, mitunter nur genetische Spuren davon (bakterielle Antigene). Das Merkmal HLA-B27-Antigen im Blut ist bei der Mehrzahl der Betroffenen positiv, Entzündungswerte sind erhöht. Eventuell geben bestimmte Antikörpermuster zu erkennen, dass noch eine Infektion "schwelt". Einige Antikörper können jedoch auch nach einer Infektion länger nachweisbar bleiben. Andere rheumatische Erkrankungen schließt der Arzt aus.

Achtung: Die Gonokokkenarthritis, die bei Gonorrhö auftritt und sich an Arm- und Beingelenken abspielt, ist nicht mit der nach Gonokokkeninfektionen entstehenden reaktiven Arthritis zu verwechseln. Letztere betrifft meist Bein- oder Fußgelenke, dazu eventuell eben auch die Kreuzbein-Darmbeingelenke.

Therapie: Mäßig ausgeprägte Krankheitsbilder haben eine gute Prognose und heilen meist innerhalb eines Jahres aus. Trotzdem wird der Arzt den Patienten in regelmäßigen Abständen kontrollieren, um mögliche Veränderungen an der Wirbelsäule rechtzeitig zu erkennen.

Bei einem noch aktiven Infekt, zum Beispiel der Harnwege, ist eine antibiotische Therapie angezeigt. Der Nachweis eines verantwortlichen Erregers, etwa Chlamydia trachomatis, stützt die Wahl des passenden Medikamentes. Wichtig hier: Mitbehandlung des Partners. Ansonsten wendet der Arzt Antibiotika nur in speziellen Situationen an.

Gegen die Kreuz- und Gesäßschmerzen werden nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) oder das Mittel Sulfasalazin eingesetzt. Bei starker Gelenkentzündung kann der Arzt Kortison zum Beispiel örtlich spritzen oder spezielle antirheumatisch wirkende Medikamente einsetzen. Wichtig ist hier auch physikalische Therapie. Eine Augenentzündung behandelt der Augenarzt mit kortisonhaltigen Augentropfen.

Vom Ausschlag zum Kreuz- und Gelenkschmerz: Gelenkentzündung bei Schuppenflechte (Psoriasisspondylarthropathie)

Etwa fünfzehn Prozent der Patienten mit Schuppenflechte (Psoriasis) entwickelt Gelenkentzündungen – allerdings oft erst Jahre später. Selten kommt es vor Auftreten der Hautveränderungen zu der Gelenkerkrankung.

Die Hauterscheinungen finden sich meist an den Streckseiten der Gliedmaßen, an der behaarten Kopfhaut, im Kreuz- und Gesäßfaltenbereich und in der Genitalgegend: rote, scharfrandige, aber unregelmäßige Flecken mit groben, silbrig-weiß glänzenden Schuppen. Ein Drittel bis zur Hälfte der Betroffenen hat auch typische Nagelveränderungen – Grübchen und gelblich-bräunliche Flecken auf der Nageloberfläche sowie Schuppen unter der Nagelplatte.

Die Gelenkentzündungen bei Schuppenflechte treten häufig als periphere Spondylarthritis in Erscheinung. Dabei kommt es neben der Beteiligung des Achsenskeletts zur Entzündung weniger peripherer Gelenke (Oligoarthritis) oder mehrerer – kleinerer und größerer – Gelenke (Polyarthritis). Es kann sich auch ein Finger durchgehend entzünden, vor allem im Bereich des Strahls und Endgelenks. Mitunter entwickeln sich deutliche Verformungen.

In etwa fünf bis zehn Prozent der Fälle tritt eine axiale Spondylarthritis (SPA) mit Kreuzbein-Darmbeingelenkbeteiligung auf.

Auch die Ansätze von Muskelsehnen am Knochen können sich entzünden, zum Beispiel im Fersenbereich.

Symptome der Spondylarthritis: Viele Betroffene verspüren anfangs nur allgemeine Muskelschmerzen. Im Zusammenhang mit Kreuz- und Gesäßschmerzen ist besonders die axiale SPA bei Psoriasis mit Entzündung der Kreuzbein-Darmbeingelenke (Sakroiliitis) bedeutsam. Diese verläuft häufig schubartig und wechselnd intensiv. Dementsprechend gibt es auch ein Wechselbad der Schmerzen. Sie spielen sich auf beiden Seiten im Kreuz und Gesäß ab und können in den Oberschenkel ausstrahlen. Oft besteht ein länger anhaltendes Steifigkeitsgefühl morgens, das sich erst nach Bewegung löst, wie auch die Schmerzen dann allmählich zurückgehen.

Begleitende Rücken- oder Nackenschmerzen sind meist auf die gleichzeitig vorhandene Entzündung der Wirbelgelenke auf den entsprechenden Etagen der Wirbelsäule zurückzuführen. Auch andere Körperbereiche können Beschwerden bereiten. So sind Augenentzündungen möglich oder Fersenschmerzen.

Diagnose: Insbesondere bei vorhandener Hauterkrankung kann der Arzt die Diagnose klinisch stellen. Dafür ist ein Hautarzt zuständig. Wegen der erblichen Komponente kann auch eine Aussage wie "Die Hautkrankheit liegt bei mir in der Familie" für die Einordnung der Gelenkentzündung richtungweisend sein.

Wichtig ist wie immer die körperliche Untersuchung einschließlich aller Gelenke, insbesondere natürlich der Kreuzbein-Darmbeingelenke und der Wirbelsäule. Hier wird sorgfältig die Beweglichkeit geprüft. Im Blut ist der Rheumafaktor meist negativ, andere Rheumawerte können eventuell erhöht sein, Entzündungswerte dagegen nicht.

Das Genmerkmal HLA-B27 ist jedoch bei 50 bis 70 Prozent der Betroffenen positiv, besonders wenn sie auch eine SPA mit Kreuzbein-Darmbeingelenksentzündung haben. Röntgenbilder oder Magnetresonanztomografien (MRT) der Beckenregion und der Wirbelsäule können im Krankheitsverlauf entzündliche Veränderungen offenbaren.

Um die Krankheit gegenüber anderen SPA-Formen oder rheumatischen Erkrankungen abzugrenzen, nutzen Ärzte einen bestimmten Punktekatalog, die sogenannten CASPAR-Kriterien. Für die Therapieplanung ist es wichtig, eine genaue Diagnose zu haben. Eine frühestmögliche Therapie ist anzustreben.

Therapie: Innerlich wirkende Medikamente wie Sulfasalazin lindern oft die Beschwerden am Bewegungssystem und an der Haut recht gut. Bei stärkerem Gelenkbefall werden Arzneistoffe wie Methotrexat (MTX) oder Immunsuppressiva im engeren Sinn wie Leflunomid oder Ciclosporin eingesetzt. Ein sogenannter Phosphodiesterase-4-(PDE4-) Hemmer sowie neu entwickelte Biologicals (humane monoklonale Antikörper) kommen infrage, wenn die immununterdrückende Basistherapie nicht ausreichend wirkt oder nicht eingesetzt werden kann. Der Arzt trifft die Wahl nach Abwägen des individuellen Nutzens und möglicher Risiken.
Andere Medikamente dagegen wie zum Beispiel Betablocker können eine Psoriasis ungünstig beeinflussen.
Zum Nachlesen: Ratgeber "Schuppenflechte".

Und von der Darmentzündung zum Kreuz- und Gelenkschmerz

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie die Crohn-Krankheit (Morbus Crohn) oder Colitis ulcerosa (Cu) betreffen Alt und Jung und Männer wie Frauen. Im Zuge dieser Krankheiten können sich auch ein oder mehrere Gliedmaßengelenke (periphere Gelenke), Wirbelgelenke oder die Kreuzbein-Darmbein-Gelenke entzünden (enteropathische Spondylarthropathie).

Beides kommt zudem bei der Whipple-Erkrankung vor. Diese ist eine sehr seltene Krankheit, die überwiegend Männer kaukasischer Abstammung befällt. Die Erkrankung hängt mit einem Bakterium namens Tropheryma Whippelii zusammen, das sich über den Dünndarm und die Lymphwege im Körper ausbreiten kann und chronisch-wiederkehrende Beschwerden seitens der infizierten Organe verursacht. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist bislang nicht bekannt geworden. Unbehandelt kann die Erkrankung tödlich verlaufen.
Auch bei den hier genannten Gelenkentzündungen werden als Auslöser krankhafte Mechanismen im Immunsystem vermutet. Zudem wird häufiger das Zusammentreffen einer ankylosierenden Spondylarthropathie – also die Tendenz zur Verknöcherung entzündeter Wirbel – mit einer Cu oder einem Morbus Crohn beobachtet.

Symptome: Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie die Crohn-Krankheit und Cu sind vor allem durch Darmblutungen, Durchfälle, Bauchschmerzen, Koliken und Blähungen gekennzeichnet.

Je nach Ausprägung sind weitere Symptome und Komplikationen möglich, zum Beispiel die Bildung von Fisteln und Abszessen im Analbereich. Entzündete Kreuzbein-Darmbeingelenke verursachen Gesäß- und Kreuzschmerzen. Eventuell schmerzen auch andere Gelenke.

Die Gelenkbeschwerden sind unabhängig davon, wie stark die Darmentzündung ist. Bei allen chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen kann es zu Ernährungsstörungen und Mangelerscheinungen des Körpers kommen, insbesondere bei der Whipple-Erkrankung.

Hier verlaufen die Gelenkentzündungen sprunghaft von einem Gelenk zum anderen. Abhängig von der Ausprägung der Erkrankung ergeben sich noch viele andere Beschwerden wie Durchfälle, Gewichtsverlust, Fieber, Schwellungen von Lymphknoten im Bauch und neurologische Krankheitszeichen.

Diagnose: Die Darmerkrankung wird anhand des Beschwerdebildes und einer endoskopischen Darmuntersuchung mit Analyse von Gewebeproben aus der Darmschleimhaut festgestellt. Zu den Untersuchungen bei Gelenkentzündungen siehe Kapitel "Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Diagnose".

Das Merkmal HLA-B27 ist oft im Blut positiv, wenn gleichzeitig eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung und eine ankylosierende Spondylarthropathie/Bechterew-Krankheit auftreten. Zusätzlich finden sich meistens weitere Entzündungszeichen im Blut.

Die Whipple-Erkrankung geht entsprechend der erkrankten Organe mit zahlreichen Symptomen einher. Die Diagnose beruht auf nachgewiesenen Genbestandteilen des Erregers. Dazu dienen Gewebeproben aus dem Dünndarm, einem entzündeten Gelenk oder miterkrankten Lymphknoten.

Ob im Bauchraum Lymphknoten entzündet und vergrößert sind, ist in einer Computertomografie erkennbar. Neurologische Symptome kann eine Magnetresonanztomografie des Gehirns klären helfen.

Therapie: Bei der Behandlung der zugrunde liegenden Darmerkrankung bessern sich auch die Gelenkschmerzen. Medikamente wie Sulfasalazin/Mesalazin und Kortison in unterschiedlichen Anwendungen stehen bei der Crohn-Erkrankung und der Cu an erster Stelle. Darüber hinaus kommen je nach Ausprägung der Krankheitsbilder auch stärker immununterdrückende Medikamente infrage.

Bei schweren Krankheitsverläufen werden heute teilweise die neueren Biologicals eingesetzt.

Die Therapie der Whipple-Erkrankung zielt auf den nachgewiesenen Erreger. Dabei setzt der Arzt über einen längeren Zeitraum bestimmte Antibiotika, bei aufflammender Entzündungsreaktion unter der Ersttherapie auch kurzfristig Kortison ein.

SPA-Sonderformen: Undifferenzierte und juvenile Spondylarthritis

Undifferenziert meint hier, dass sich das Krankheitsbild erst einmal nicht genau einer bestimmten SPA-Form zuordnen lässt. Die juvenile oder jugendliche Variante der SPA betrifft vor allem Jungen von sieben bis 16 Jahren beziehungsweise junge Erwachsene.

Symptome: Neben den Kreuzbein-Darmbeingelenken kann sich auch ein Kniegelenk oder aber ein Finger mit allen zugehörigen Gelenken entzünden (Daktylitis), oder aber die Achillessehne im Fersenbereich. Entsprechend kommt es zu entzündlichen Kreuz- und Gesäßschmerzen, einem geschwollenen, schmerzenden Knie beziehungsweise Finger oder zu Fersenschmerzen.

Ein Teil der Betroffenen entwickelt später möglicherweise eine Bechterew-Erkrankung (beziehungsweise eine ankylosierende Spondylarthropathie), eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung oder eine Schuppenflechte.

Diagnose: Das Beschwerdebild, die Kranken- und Familiengeschichte und der körperliche Untersuchungsbefund führen zur Verdachtsdiagose. Mehr als die Hälfte der Betroffenen haben das HLA-B27-Merkmal im Blut. Allerdings gilt das nicht als beweisend.

Der Arzt orientiert sich bei der Diagnose an bestimmten europäischen Diagnose-Kriterien (ESSG). Dazu gehört zum Beispiel, ob auch Verwandte ersten oder zweiten Grades an einer SPA erkrankt sind, ob der Betreffende vor weniger als einem Monat einen bakteriellen Infekt hatte oder ob bei ihm eine nachgewiesene chronisch-entzündliche Darmerkrankung vorliegt.

Therapie: Patienten mit der juvenilen Form werden vom Kinderrheumatologen ärztlich betreut. Ansonsten, also bei mutmaßlicher undifferenzierter SPA, wird sie behandelt wie diejenige Krankheitsform aus der axialen SPA-Gruppe mit der größten gemeinsamen Schnittmenge an Krankheitszeichen.

Abszesse, Steißbeinfistel: Gezielte Therapie notwendig

Die hier thematisierten Probleme sind zum Glück keineswegs alltäglich. Umso mehr gilt der Rat, bei (ungewöhnlichen) Beschwerden und Schmerzen, gerade auch nach einer Behandlungsmaßnahme wie einer Spritze ins Gesäß oder bei einer chronischen Grunderkrankung, auch einer Immunstörung, rasch (wieder) zum Arzt zu gehen.

Selten: Beckenabszess

Ein sogenannter Senkungsabszess im Becken ist ein seltenes Ereignis. Er kann zum Beispiel von einer eitrigen Infektion an der Wirbelsäule – im Bereich der Wirbel und/oder Bandscheiben – ausgehen, per se ein schweres Krankheitsbild.

Außerdem kann ein Abszess im Becken als Komplikation bei Infektionen innerer Organe entstehen, zum Beispiel im Rahmen einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung wie der Crohn-Krankheit (Morbus Crohn).

Dabei können Bakterien einen geschädigten Abschnitt der Darmwand durchsetzen. Der entstehende Eiter sammelt sich zwischen den Darmschlingen an. Entlang des nahe gelegenen Iliopsoas- oder Piriformis-Muskels, beides innere Hüftmuskeln, findet er seinen Weg und kann im weiteren Verlauf im Extremfall bis ins Gesäß oder über die Leiste in den Oberschenkel eintreten.

Bei Morbus Crohn kommt das eher auf der rechten Seite vor, weil die Erkrankung oft den hier liegenden Endabschnitt des Dünndarms erfasst. Andere mögliche Quellen sind eine eitrige Blinddarmentzündung, ein Darmdurchbruch etwa infolge einer Divertikelkrankheit (Divertikulitis) im unteren Dickdarm (Sigma), oder eine eitrige Nierenbeckenentzündung. Bei Immunschwäche zum Beispiel kann sich ein Abszess auch über im Blut streuende Keime entwickeln. 

Symptome: Ein Beckenabszess kann als solcher anfangs beschwerdearm sein, da er sich abgekapselt im hinteren Gewölbe zwischen Wirbelsäule und Bauchfell entwickelt. Dies gilt insbesondere für einen tuberkulösen Abszess.

Möglicherweise kommt es aber auch zu deutlichen Bauch- oder Flankenschmerzen. Letztlich hängt es vom Ausgangspunkt, der Lage und möglichen Komplikationen des Eiterherdes ab, welche Symptome auftreten.

Liegt die Quelle an der Wirbelsäule, werden sich die Beschwerden zunächst auf diesen Körperbereich fokussieren, etwa mit starken Schmerzen im Kreuz. Die Schmerzen können auch in den Bauch, ins Gesäß oder in die Hüften ausstrahlen.

Werden Wirbel angegriffen, kann das schwerwiegende Folgen haben: Außer starken Schmerzen drohen Verformungen und eine Instabilität der Wirbelsäule mit Auswirkungen auf das Rückenmark. Eine Reizung der Wurzel des Ischiasnervs am Wirbelkanal mit neurologischen Symptomen ist ebenfalls möglich. Häufig treten Fieber, Schüttelfrost und deutliches Krankheitsgefühl auf.

Für eine Darmentzündung als mögliche Grunderkrankung sind darüber hinaus Beschwerden wie krampfartige Bauchschmerzen, Durchfall (auch blutig) oder aber Verstopfung typisch.

Für eine akute Nierenbeckenentzündung sprechen außer hohem Fieber, Schüttelfrost und Schmerzen im Bereich der Flanke oder im Rücken Schmerzen beim Wasserlassen, eventuell auch blutiger Urin.

Diagnose: Die Krankengeschichte kann zum Beispiel auf eine bestehende Krankheit oder eine vorausgegangene Operationen verweisen.

Bei der körperlichen Untersuchung kann die Wirbelsäule extrem berührungsempfindlich und beim Beklopfen schmerzhaft sein, sodass eine Untersuchung nur eingeschränkt möglich ist. Eventuell zeigt sich auch eine Vorwölbung und Schwellung am Rückgrat.

Falls der Patient am Rücken operiert wurde, wird der Arzt ohnehin sein Augenmerk darauf richten. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Magnetresonanz- oder Computertomografie, auch mit Kontrastmittelgabe, können die Diagnose sichern.

Dabei kann auch der mutmaßliche Ausgangspunkt beziehungsweise das Ausbreitungsgebietes des Abszesses erkannt werden.

Der Erreger wird in Proben aus dem Abszess nachgewiesen. Auch das Blut kann auf den Erreger getestet werden. Es ergibt auch meist deutliche Entzündungszeichen.

Therapie: Ein akuter Abszess wird in der Regel drainiert (entlastet) oder chirurgisch ausgeräumt und der Patient zusätzlich mit Antibiotika, im zweiten Schritt gemäß Erregertestung, behandelt.

Die zugrunde liegende Erkrankung wird nach den hierfür geltenden Maßgaben therapiert. Vereiterte, geschädigte Darmabschnitte zum Beispiel müssen meist entfernt werden.

An der Wirbelsäule können sich spezielle operative Maßnahmen nach Ausräumen einer Eiterhöhle zur örtlichen antibiotischen Behandlung und zur statischen Stabilisierung anschließen.

Ungewöhnlich: Spritzenabszess

Im Gesäßmuskel ist ein Abszess durch Verletzungen, eingedrungene Fremdkörper oder eine Spritze (intramuskuläre Injektion) möglich. Dabei kann ein Bluterguss entstehen, der sich im zweiten Schritt infiziert, oder es sind über verkeimtes Instrumentarium Eiterreger eingewandert.

Das kommt heute, im Zeitalter der Einwegnadeln und -spritzen, so gut wie nicht mehr vor. Aber auch bei sachgemäßer Injektion lässt sich ein minimales Restrisiko nicht ausschließen.

Es hängt auch von der Art des eingespritzten Medikamentes ab. So wird bei manchen Präparaten, auch wenn sie zur Injektion in den Muskel deklariert sind, auf die Möglichkeit eitriger Geschwüre hingewiesen.

Gefährdet sind insbesondere Menschen mit Diabetes, Kranke mit verminderter Immunabwehr und solche, die häufiger eine Spritzenbehandlung benötigen, außerdem Drogenabhängige.

Wegen möglicherweise bedrohlicher Folgen wie einer Blutvergiftung muss beim geringsten Verdacht auf einen Spritzenabszess sofort der behandelnde Arzt hinzugezogen werden.

Symptome: Bei einem Spritzenabszess treten Schmerzen im Gesäß auf, die mitunter zunächst nicht genau erklärbar sind, weil der Abszess genug Nischen in der Tiefe der Muskeln findet. Erst nach einigen Tagen kann eine Schwellung und Rötung an der Haut sichtbar werden. Mögliche Begleitsymptome sind Einschränkungen beim Gehen durch die schmerzhafte Schwellung, außerdem Fieber, Schüttelfrost und Krankheitsgefühl. Bei oberflächlichen Abszessen kommt es relativ schnell zu äußerlich erkennbaren Zeichen wie Schwellung, Rötung, Überwärmung und vermehrte Berührungsmepfindlichkeit.

Diagnose: Ein Abszess im Gesäßmuskel (Glutaeus maximus) kann äußerlich oder bei entsprechendem Verdacht anhand einer Ultraschalluntersuchung erkannt werden. Die Tatsache einer vorausgegangenen Spritzenbehandlung ist in der Regel bekannt.

Therapie: Nicht jede schmerzhafte Schwellung nach einer intramuskulären Spritze ist gleichbedeutend mit einem Abszess. Zum Beispiel kann ein kleinerer Bluterguss aufgetreten sein. Damit verbundene Beschwerden können nach einigen Tagen mithilfe einer örtlichen Behandlung (kühlende Umschläge, Eiskompressen) wieder zurückgehen.

Entscheidend ist, dass der behandelnde Arzt die Möglichkeit hat, den Befund engmaschig zu kontrollieren. Bei einem sich abzeichnenden oder nachgewiesenen Abszess sind die zügige chirurgische Eröffnung der Abszesskapsel und eine Therapie mit Antibiotika notwendig. Der Eiter wird abgeleitet und die Wunde zum Abheilen gebracht. Gegebenenfalls ist auch eine plastische Operation angezeigt, um einen entstandenen Defekt abzudecken.

Hartnäckig: Steißbeinfistel (Pilonialsinus)

Die Gesäßfalte ist einer der Körperstellen, mithin die wichtigste, an denen sich ein Pilonidalsinus bilden kann, in diesem Fall also sogenannte Steißbeinfisteln. 

Dabei handelt es sich um chronische Entzündungen des Fettgewebes unter der Haut, wohl ausgehend von Haarbälgen. Dabei wird einmal angenommen, dass es zu einer Verhornungsstörung im Haarbalg kommt, der sich verschließt, sich infiziert und entzündet. Andererseits sollen abgebrochene Haare nach innen wachsen und dabei Hautkeime und abgeschilferte verhornte Haut (Keratin) mitnehmen. Jedenfalls entsteht ein Fremdkörperknötchen (Granulom) um eine kleine Gewebehöhle mit enthaltenen abgebrochenen Haaren, in der sich Eiter bilden kann.

Der daraus entstehende Abszess bahnt sich im weichen Unterhautgewebe einen Weg bis zum Steißbein oberhalb der Gesäßfalte – das Bindegewebe der Gesäßmuskeln setzt gewisse Grenzen – und nach außen. Somit kann sich ein weit verzweigtes Gang- oder Fistelsystem bilden, das hier und da mit sichtbaren Poren in der Haut mündet. Fisteln sind manchmal ein Notbehelf des Körpers, um einen Eiterherd zu entlasten.

Das Krankheitsbild betrifft doppelt so häufig Männer wie Frauen, Hauptaltersgruppe: 20 bis 30 Jahre. Begünstigend wirken starke Behaarung, Schweißabsonderung, ungenügende Hygiene, überwiegende Sitzhaltung, Übergewicht, geschwächte Immunabwehr.

Entzündungs- und Eiterherde der Haut sollte immer ein Dermatologe begutachten, da sie Ausdruck verschiedener Krankheitsbilder sein können. Die Behandlung eines Pilonidalsinus, der akut oder chronisch Beschwerden bereitet, obliegt dem Chirurgen oder Koloproktologen (Facharzt für Enddarmerkrankungen).

Abzugrenzen sind Abszesse oder Fisteln, die vom Analkanakal ausgehen. Dazu kommt es zum Beispiel häufiger bei der Crohn-Krankheit (Morbus Crohn).

Symptome (Steißbeinfistel): Der entzündete Pilonidalsinus ist äußerlich als Pickel oder größeres gerötetes und geschwollenes Gebilde sichtbar, eventuell mit Eiterpunkt. Die Umgebung kann ausgesprochen schmerzhaft sein, Sitzen unmöglich, Liegen oder Laufen oft beschwerlich. Meist fühlen sich die Betroffenen krank, können Fieber, gelegentlich auch Schüttelfrost haben.

Reizlose Fistelöffnungen sind mitunter so klein, dass sie teilweise gar nicht wahrgenommen werden. Im chronischen Stadium sind die Beschwerden wechselhaft, häufig entleert sich Sekret und Blut, das auch aus Poren neben der Gesäßfalte kommen kann. Meist bestehen eher keine Schmerzen, aber es kann ein leichtes Brennen oder auch Juckreiz vorhanden sein, vor allem im Sitzen. Manche Betroffenen sind über längere Phasen beschwerdefrei (Remission). Allerdings ist eine spontane Selbstheilung eher nicht zu erwarten. Der behandelnde Arzt wird den Befund regelmäßig kontrollieren, auch nach einem Eingriff.

Diagnose: Sie ergibt sich aus dem Befund und dem Krankheitsverlauf. Druck auf die Umgebung des Pilonidalsinus bei der klinischen Untersuchung lässt entzündliches Sekret aus der/den Pore/n austreten.

Therapie: Ein akuter Abszess wird zunächst meist in örtlicher Betäubung gespalten, der Eiter fließt ab und die Entzündung kann abschwellen. Dadurch lassen auch die Schmerzen nach. Im zweiten Schritt wird das Fistelsystem nebst Abszesshöhle angegangen.

Fisteln sollten auch behandelt werden, wenn sie chronisch Beschwerden machen.

Es gibt zahlreiche Operationsverfahren – minimalinvasive Techniken für kleinere Krankheitsherde, auch mit Laser und Endoskop, und herkömmliche Schnitttechniken (Exzisionsverfahren) mit offener oder geschlossener Wundheilung und unterschiedlicher Positionierung des Schnitts.

Alles hat Vor- und Nachteile, worüber die behandelnden Ärzte aufklären müssen. Die schneller wiederhergestellte Lebensqualität nach dem Eingriff steht zum Beispiel im Widerstreit mit der Rückfallhäufigkeit und Notwendigkeit eines erneuten Eingriffs. Auch die Dauer der Wundheilung spielt eine Rolle.

Eine gute Hygiene, Alkohol- und Rauchverzicht nach der Operation sind wichtige Voraussetzungen für die Genesung und einen günstigen Verlauf. Ob regelmäßiges Rasieren für etwa ein Jahr nach dem Eingriff wirklich Vorteile bringt, ist derzeit nicht erwiesen.

Das Muskel-Teamwork verbessern

Verspannte Muskeln können sehr schmerzhaft sein. Am besten vermeiden Sie das, wenn Sie eingefahrene Bewegungsabläufe regelmäßig unterbrechen. Das fängt am Hals an und hört am Gesäß nicht auf. Schultern, Ellenbogen, Handgelenke, Finger, Wirbelsäule und Kreuz – sie alle reagieren empfindlich, wenn die Muskeln aus dem Takt kommen.

Bei stärkeren Funktionsstörungen am Bewegungssystem kann der Arzt Physiotherapie (Krankengymnastik) verordnen. Es gibt viele einfache und wirkungsvolle Übungen, um verkürzte Muskeln zu dehnen, geschrumpfte zu stärken und das Muskel-Teamwork zu verbessern. Nebenbei werden auch die Koordination und das Gleichgewicht trainiert.

Sich regelmäßig bewegen – das sollte so normal sein wie Essen und Trinken. Anfangs muss man sich vielleicht etwas dazu zwingen, aber die positiven Wirkungen auf den Körper stellen sich meist bald ein. Wenige Minuten täglich sind schon ein Gewinn: Man wird gelenkiger, geschmeidiger, schneller, aktiver – übrigens auch im Kopf! Nicht zuletzt spielen sich Schlaf und Verdauung wieder ein.

Hüften, Knie und Gesäß sind am besten mit Normalgewicht bedient. Auch die Intimhygiene lässt sich dann leichter bewerkstelligen.

Den Intimbereich gut pflegen

Sie trägt dazu bei, lästigen Hautentzündungen wie dem Pilonidalsinus beziehungsweise einer Steißbeinfistel im Gesäßbereich vorzubeugen. Eventuell kann es sinnvoll sein, gegen eine allzu üppige Behaarung vorzugehen. Ob sich im ersten Jahr nach Entfernung von Fisteln regelmäßiges Enthaaren wirklich empfiehlt, sollten Sie mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen.

Auch bei der Wundpflege nach einer Operation im Gesäßbereich sollten Sie den Empfehlungen des Arztes folgen. Herumexperimentieren mit den wohlgemeinten Ratschlägen Dritter bewährt sich meistens nicht. Alkohol- und tabakfreies Mikroklima bekommt auch der Wundheilung gut.

Bei Beschwerden zum Arzt

Bei ungewohnten Schmerzen im Gesäß, morgendlicher Steifigkeit im Kreuz, nächtlichen Kreuzschmerzen oder unklaren Gelenkschmerzen – auch wenn diese Symptome zunächst nur unterschwellig erscheinen und im Laufe des Tages wieder abklingen – sollten Sie sicherheitshalber zum Arzt gehen.

Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Fachliteratur

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