Schmerzen im Gesäß/Kreuz

Muskeln im Stress, Ischias, Steißbeinfistel und mehr: Bei Schmerzen im Gesäß und Kreuz erfordern unterschiedlichste Ursachen jeweils passende Therapien

aktualisiert am 14.06.2017

Wir sind ja nicht nur zum Sitzen da ...

Wer sich als Sitzberufler bewusst macht, wie viele Stunden sie oder er in der nämlichen Körperhaltung verbringt, wird bestätigen können, was Statistiker schon lange wissen: Im Durchschnitt sind es fast achtzig Prozent der Arbeitszeit oder 6,4 Stunden täglich. Wie hält der Körper das auf die Dauer aus? Auch in der Freizeit sitzt es sich ja gut, vor allem bequem.

Ärzte nennen ständiges Sitzen "statische Überbelastung". In der Tat kommen dabei erhebliche Gewichte zum Tragen. Im Sitzen lastet der gesamte Oberkörper nebst Kopf und Armen auf der Lendenwirbelsäule und dem Becken – anderthalb mal so viel wie im Stehen. Dass Gesäßschmerzen (Fachbegriff: Glutäago) mit chronisch überlasteten Muskeln und Bändern am Becken zusammenhängen, scheint einleuchtend: Sie müssen beim Sitzen das Kreuz aufrecht halten. Und wer sitzt schon achtzig Prozent eines Achtstundentages oder länger ergonomisch korrekt?

Zunehmend setzt sich jedoch die Auffassung durch, dass überwiegend sitzende Tätigkeiten bei chronischen Rücken- oder Kreuzschmerzen ohne krankhafte Ursachen zwar eine Rolle spielen. Alles in allem scheint es aber weniger wichtig zu sein als gedacht. Richtig ist vielmehr: Unser Lebensstil insgesamt ist das Zünglein an der Waage: Das Maß an Bewegung, das Ernährungsverhalten, unser Stressmanagement und die work-life-balance.

Mit anderen Worten: Ob wir den Ausgleich schaffen – vor allem zwischen Arbeit und Muße, Stress und Entspannung, zu wenig und zu viel beziehungsweise ungesunder Bewegung – das ist für die Gesundheit, Rücken und Kreuz inbegriffen, von großer Bedeutung.

Dennoch gehören Funktionsstörungen der weichen, nicht aus Knochengewebe bestehenden Bewegungs- und Halteorgane des Körpers – Muskeln, Sehnen, Bänder – häufiger zu den Auslösern von Gesäß- und Kreuzschmerzen.

Kreuz- und Gesäßschmerzen: Was dahinter stecken kann

Dazu diese Übersicht:

  • Veränderungen an den Lendenwirbeln: Baastrup-Phänomen (engl.: kissing spine syndrome), Wirbelgleiten (Spondylolisthese), Verknöcherung von Wirbelbändern, Radikulitis, "Ischias"
    (ebenfalls nachzulesen im Kapitel "Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Ischiasbeschwerden")
  • In unterschiedlicher Häufigkeit: Hüftarthrose, Schmerzkrankheiten wie das Fibromyalgie-Syndrom, Erkrankungen von Unterleibsorganen und Gefäßen

Erste Informationen zu den gelisteten Ursachen nachfolgend, mehr zu Beschwerden am Kreuz und Gesäß, Diagnose und Therapie in den anderen Kapiteln dieses Beitrags. Einen umfassenden Überblick über Rückenschmerzen gibt Ihnen der Ratgeber "Rückenschmerzen".

Probleme der Muskeln und Bänder

Fehl- oder Überbelastungen führen häufig zu schmerzhaft verspannten und verhärteten Muskeln, besonders am Rücken. Beispiele für solche funktionellen Beschwerden am Bewegungssystem: myofasziale Schmerzen, ein blockiertes Kreuz und das Piriformis-Syndrom.

  • Myofasziale Schmerzen: Wenn der Arzt Gesäß- oder Kreuzschmerzen zum Beispiel mit sogenannten Triggerpunkten in verspannten und verhärteten Muskeln in Verbindung bringen kann, handelt es sich höchstwahrscheinlich um myofasziale Schmerzen. Darunter versteht man schmerzhafte Funktionsstörungen der Muskeln. Sie sind stellenweise stark verspannt. Früher wurde das Muskelhartspann oder Myogelose genannt. Faszial bezieht sich auf die Muskel-Faszien, das stützende Netzwerk aus Bindegewebe.

    An den Triggerpunkten werden empfindliche Nervenendigungen gereizt. Bei Druck auf diese Punkte lässt sich ein Schmerz auslösen, der auch in die Umgebung ausstrahlt. Triggerpunkte finden sich oft in dauernd fehlbeanspruchten Muskeln. Dazu kommen Veränderungen des stützenden Bindegewebes. Betroffene empfinden die Schmerzen meist nicht genau dort, wo sie eigentlich entstehen. Unterforderung (Trainingsmangel) und / oder Überbelastung, etwa durch ständig ungünstige Arbeitshaltungen, aber auch im Sport, sind typische Auslöser. Verschiedene Muskelgruppen können sich offenbar auch hinsichtlich ungünstiger Triggerpunkteffekte gegenseitig beeinflussen.
  • Blockiertes Kreuz-Darmbein-Gelenk: Nun sitzen wir zwar wirklich viel. Doch auch unsere Bewegungsmuster sind nicht immer optimal. Im ungünstigen Fall kann es zu einer Blockierung des Kreuz-Darmbein-Gelenkes kommen. Die allgemein weniger bekannten Kreuzbein-Darmbein-Gelenke (auch Sakroiliakal- oder Iliosakral-Gelenke, kurz: ISG, siehe Kapitel "Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Was die Sitzanatomie mit sich bringt"), verbinden rechts wie links das Kreuz mit dem Becken. Vieles kann dazu führen, dass das ISG streikt: Fehlbelastung der Bänder, die hier stabilisierend wirken, "Muskelstress" durch übertrieben sportlichen Ehrgeiz, Bänderschwäche, ein Beckenschiefstand oder Erkrankungen im Bereich der Lendenwirbelsäule. Die Folge sind mehr oder weniger akute, bewegungsabhängige Schmerzen im Kreuz und Gesäß, im Akutfall ein Hexenschuss. Die Beschwerden nehmen meistens unter Belastung zu und in Ruhe wieder ab. Auch bei diesen Beschwerden finden sich oft myofasziale Anteile. Mehr dazu im Ratgeber "Hexenschuss".

 

 

  • Piriformis-Syndrom: Der birnenförmige Piriformis-Muskel (von lat. pirum für Birne) gehört zu den inneren Hüftmuskeln, im weitesten Sinne Gesäßmuskeln. Zum Beispiel wird er durch ständiges Sitzen strapaziert. Die Folge: Er verkürzt sich, wird dicker und kann den Ischiasnerv an der Durchtrittsstelle vom Becken zum Bein beengen. Durch Druck auf Nervenanteile können dumpfe bis stechende Schmerzen im Gesäß, eventuell auch im Oberschenkel, auftreten. So entsteht das Piriformis-Syndrom. Beteiligt sind auch hier schmerzhafte Triggerphänomene (siehe oben). Weitere Informationen im entsprechenden Kapitel "Schmerzen im Gesäß /Kreuz: Probleme der Muskeln und Bänder" in diesem Beitrag.

Mehr oder weniger schmerzhaft: Verschleiß am Rücken

Schmerzen im Kreuz bei Bewegungen können auch von Abnutzungserscheinungen an der Wirbelsäule ausgehen. Dabei geht es im Kern um knöcherne Strukturen. Der Verschleiß – also die degenerativen Veränderungen – betrifft vor allem Bandscheiben und kleine Wirbelgelenke (Facettengelenke). Hier kann es zu einer Arthrose (Spondylarthrose) kommen. Wenn diese aktiv ist, entzünden sich die Gelenke. Ein weiterer Begriff hier: Facettensyndrom. Auch hier sind Probleme der Muskeln, Bänder, vor allem aber der Bandscheiben häufig mit dabei. Die Schmerzen können ins Gesäß oder Bein ausstrahlen.

Veränderungen an Lendenwirbeln als Schmerzauslöser

Phänomene wie das Baastrup-Syndrom und Gleitwirbel sind spezielle Ursachen von Schmerzen im Lenden- und Kreuzbereich.

  • Beim Baastrup-Phänomen nähern sich Wirbeldorne einander an, bis sie sich berühren. Die umgebenden Bänder werden gereizt. Die sich berührenden Knochen (daher die englische Bezeichnung "kissing spine syndrome") entzünden sich. Schließlich kann eine gelenkähnliche knöcherne Verbindung zwischen den Dornen entstehen. Zu den Ursachen gehören chronische Überlastung des Rückgrats bei bestimmten Berufstätigkeiten, zum Beispiel im Straßenbau, oder ein ausgeprägtes Hohlkreuz. Dieses führt außerdem zu Muskelverspannungen.
  • Ein Gleitwirbel beziehungsweise Wirbelgleiten (Spondylolisthese) kommt hauptsächlich an der Lendenwirbelsäule vor. Dabei verschiebt sich der Wirbelkörper, meist des fünften Lendenwirbels, mit seinen oberen Gelenkfortsätzen und der Wirbelsäule über dem darunterliegenden Wirbel nach vorne. In der Folge entsteht ein deutliches Hohlkreuz. Muskelverspannungen bleiben meist nicht aus. Beim echten Wirbelgleiten sind die Wirbelbögen unterbrochen. Zu dem Defekt, manchmal auch "Stressbruch" genannt, kommt es meist in jüngeren Jahren. Begünstigt wird er durch Veranlagung, bestimmte Formvarianten des Lenden- und Kreuzbeinwirbels und berufliche oder sportliche Belastungen.
  • Auch bei einem Bandscheibenvorfall ist Wirbelgleiten eine mögliche Folge. Der Fachbegriff hier lautet Pseudospondylolisthese. Mitunter kann die Verlagerung eine Nervenwurzel am Rückenmarkskanal, seltener das Rückenmark selbst, bedrängen. Zum Nachlesen gibt es den Ratgeber "Wirbelgleiten (Spondylolisthese)".

Das Hüftgelenk als Schmerzquelle?

Das Hüftgelenk ist als mögliche Schmerzquelle nicht zu vernachlässigen. Insofern wird der Arzt als Ursache von Kreuz- oder Gesäßschmerzen letztlich auch eine Hüftarthrose ausschließen. Zwar verursacht eine Arthrose des Hüftgelenkes vor allem in der Leiste und im Oberschenkel Schmerzen. Manchmal werden sie aber auch im Gesäß, über der Hüfte, eventuell auch im Kreuz verspürt. Typische Beschwerden: Start- oder Anlaufschmerzen morgens oder nach längerem Sitzen, Schmerzen bei längerem Gehen (Belastungsschmerzen), schließlich Schmerzen auch in Ruhe und eingeschränkte Beweglichkeit. Mitunter bestehen Verwechslungsmöglichkeiten mit Ischiasbeschwerden. Die Hüftarthrose beschreibt der Beitrag "Arthrose des Hüftgelenkes" näher.

Eine Arthrose des Kreuz-Darmbein-Gelenks ist dagegen ausgesprochen selten. Sie kommt fast nur hin und wieder nach Verletzungen des Beckens vor.

Ernst zu nehmen: Entzündliche Kreuzschmerzen

Als Ursachen von Gesäß- und Kreuzschmerzen nicht so häufig wie Muskelschmerzen oder "Ischias" ist Rheuma, sprich: sind entzündlich-rheumatische Erkrankungen. Wegen der Gefahr ernsthafter Gesundheitsstörungen darf man sie jedoch nicht außer Acht lassen. Dabei geht es vor allem um den Morbus Bechterew und ähnliche Krankheitsbilder, die sogenannten axialen Spondylo(o)arthritiden (SPA). Darüber informiert Sie das Kapitel "Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Entzündlicher Rückenschmerz – Bechterew-Krankheit & Co." in diesem Beitrag, außerdem der Ratgeber "Morbus Bechterew".

Abszess: Übler Eiterfluss

Selten entwickelt sich im Beckenraum eine eitrige Einschmelzung, ein Abszess. Der Eiter kann sich entlang innerer Hüftmuskeln vor der Wirbelsäule absenken (sogenannter Psoas- oder Iliakalabszess). Mitunter erreicht der Abszess sogar das Gesäß oder den Oberschenkel. Als Ausgangspunkt kommen zum Beispiel eine Infektion im Bereich der Wirbelsäule oder eine eitrige Entzündung des Darmes infrage. Außerdem kann sich bei einer Injektion in den Gesäßmuskel (intramuskuläre Spritze) eine eitrige (Abszess) oder nicht eitrige Gewebeschädigung (aseptische Nekrose) als Komplikationen entwickeln.

Je nach Ursache und Lage des Abszesses können die Beschwerden mehr oder weniger ausgeprägt sein. So kann es neben Schmerzen zu einer Schwellung innerlich oder äußerlich, etwa in der Leiste, und zu Fieber kommen.

Lästige Steißbeinfistel

Hinter plötzlich auftretenden Schmerzen mit einer geröteten, geschwollenen Stelle ähnlich einem Pickel in der Gesäßfalte steckt nicht selten eine entzündete Steißbeinfistel ("Haarnestgrübchen", auch Pilonidalsinus, Sinus pilonidalis). Die eigentliche Ursache ist nicht ganz klar, das Problem könnte auch mit Veranlagung zu tun haben. Die Schwellung entspricht einem Granulom, also einem entzündlichen Knoten um ein eingewachsenes, abgebrochenes Haar. Er nimmt mitunter drastische Ausmaße an (Pflaumen- oder Apfelgröße!). Das entspricht dann einem Abszess, von dem aus Fistelgänge in die Tiefe oder zur Haut führen können.

Symptome hier: Sitzen oder Gehen ist fast unmöglich. Meist fühlen sich die Betroffenen dann auch krank, haben eventuell leichtes Fieber. Doch kann schon ein erbsgroßer Entzündungsherd schmerzen und wegen der heiklen Lage sehr unangenehm sein. Im reizlosen Stadium sind nur wenige kleine Hautporen des Pilonidalsinus in der Gesäßfalte erkennbar. Bei chronisch schwelender Entzündung sondern die Poren Eiter und Gewebeflüssigkeit ab, verursachen Juckreiz, aber keine Schmerzen. Zuständig ist der Chirurg oder Enddarmspezialist (Proktologe).

Blutung im Gesäßmuskel

Bei Verletzungen kann es zu einer Blutung im Gesäßmuskel kommen. Sie kann durch die Behandlung mit Medikamenten, die die Blutgerinnung herabsetzen, oder durch krankhafte Gerinnungsstörungen begünstigt werden. Anzeichen für erhöhte Blutungsneigung sind häufiger auftretende, spontane Blutergüsse, Nasenbluten, blaue Flecken oder eine verstärkte Monatsblutung.

Von Injektionen in den Gesäßmuskel wird der Arzt unter diesen Voraussetzungen strikt absehen, da massive Blutungen in die Muskulatur und Nachblutungen drohen. Ansonsten kann sich bei einer Spritze in einen Muskel (intramuskulär) ein Bluterguss bilden, wenn versehentlich ein Gefäß getroffen wurde.

Dass es nach einer Injektion in den Muskel durch ein Medikament, das nun ausgerechnet in eine kleine Ader im Gewebe unter der Haut gelangt ist, zu einem Gefäßverschluss in diesem Bereich kommt, ist ein wirklich äußerst seltenes, aber nicht grundsätzlich auszuschließendes Ereignis (Nicolau-Syndrom). Dabei verfärbt sich der entsprechende Hautbezirk, es treten Schmerzen und Gewebeschäden auf.

Rätselhaftes Fibromyalgie-Syndrom

Die Fibromyalgie ist ein komplexes, chronisches Krankheitsbild, das durch Schmerzen in mehreren Körperregionen, schmerzhafte Muskel-Sehnen-Ansätze an bestimmten Körperstellen, darunter den Gesäßhälften, und verschiedenste Begleitsymptome gekennzeichnet ist. Da viele andere, insbesondere rheumatische Erkrankungen, vor der Diagnosestellung ausgeschlossen werden müssen, kümmern sich verschiedene Fachärzte in abgestimmter Zusammenarbeit um die Betroffenen. Das organisiert meistens der Hausarzt. Weitere Informationen zu diesem Krankheitsbild im Ratgeber "Fibromyalgie (Fibromyalgie-Syndrom, FMS).

Alltagsprobleme: Fahrradsattel, Muskelkater

Eine undramatische, aber häufige Ursache für Gesäßschmerzen, vorallem im Bereich der Sitzknochen und der hier ansetzenden Muskelsehnen, kann ein neuer, buchstäblich noch nicht eingefahrener Fahrradsattel sein. Manchmal ist er zu weich oder zu schmal. Oder die Höhe stimmt nicht. Vor dem Erwerb empfiehlt sich eine gründliche Beratung im Fachhandel (manche Hersteller bieten sogar genaues Maßnehmen an).

Die richtige Dosis beim Radsport, gerade zu Anfang, und eine optimale Haltung im Sattel sorgen für reibungslose Fahrfreude. Denn die Sitzknochen gewöhnen sich meistens an die Unterlage, wenn sie nicht überfordert werden. Im Zweifelsfall muss der Sattel ausgetauscht werden.
Ebenfalls harmlos ist ein Muskelkater nach ungewohnter körperlicher Belastung, etwa einer Bergtour, längerem Arbeiten in der Hocke oder Laufen. Beim Sport kann es zu einer Zerrung des Glutäus, der Hüftmuskeln und der hinteren Oberschenkelmuskeln am Sitzbein kommen. Letztere sind oft auch bei Beinfehlstellungen strapaziert.

Wichtig:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

 

Zwei Sitzbeine und mehr

Wer weiß schon, dass wir über zwei Sitzbeine und damit auch zwei Sitzknochen verfügen? Hat doch, wer an den "verlängerten Rücken" denkt, spontan meist den großen Gesäßmuskel oder Glutaeus-maximus-Muskel im Blick. Dieser Glutäus reicht vom Kreuzbein – ziemlich weit oben, etwa dort, wo die Pofalte beginnt, liegen innen die beiden Muskelkuppeln – und den Beckenschaufeln bis zum Oberschenkel hinten und seitlich.

Bei gutem Trainingszustand ist der Glutäus nicht nur Garant für einen wohlgefälligen Po. Er gibt uns Halt im Stehen und hilft kräftig beim Gehen und Treppensteigen mit.

An die Sitzknochen wiederum denken vor allem Radler oft mit Missvergnügen – aus nahe liegenden Gründen. Beim Stehen werden die kufenartigen Sitzknochen von den Gesäßmuskeln bedeckt. Normaler Körperbau vorausgesetzt, liegen die Sitzknochen beim Sitzen direkt unter der Haut, weil die Gesäßmuskeln dann zur Seite rücken. Die Sitzknochen gehören zum Sitzbein. Das ist wiederum der untere Teil des Hüftbeins.

Unbekannt, aber von tragender Bedeutung: Die Iliosakralgelenke

Die oberen Teile des Hüftbeins bilden die Beckenschaufeln. Sie heißen auch Darmbeine. Diese verbinden sich mit dem Kreuzbein zu den Kreuz-Darmbein- beziehungsweise Kreuzbein-Darmbein-Gelenken oder Iliosakralgelenken, kurz ISG. Das Kreuzbein ist nockenwellenartig in die Beckenschaufeln eingelassen, damit es durch das Körpergewicht nicht nach unten rutscht.

Bei manchen Krankheitsbildern, die Ärzte bei Rheuma einordnen, können sich diese festen, gelenkartigen Verbindungen entzünden. Dann sind Kreuzschmerzen, besonders in der zweiten Nachthälfte, ein verdächtiges Krankheitszeichen. Mehr dazu im Kapitel "Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Entzündlicher Kreuzschmerz – Bechterew & Co." in diesem Beitrag.

Beim Gehen, Laufen und Springen wirken auf diese gelenkartigen Verbindungen am Kreuz starke Kräfte ein. Daher geben straffe Bänder zusätzlich Halt. Den Iliosakralgelenken bleibt dadurch allerdings wenig Spielraum für Bewegungen. Ihre Restbeweglichkeit überträgt aber noch eine gewisse Elastizität auf das Becken und federt die Bewegungen der Wirbelsäule ab. Vom Kreuzbein aus teilt sich die Körperachse auf die beiden Hüftbeine auf.

Hier gibt es ja rechts und links noch zwei weitere, diesmal sehr bekannte Gelenke, nämlich die Hüftgelenke. An diesem Punkt geht die – mitunter sehr große – Traglast auf die Beine über. Außerdem haben die Hüftgelenke motorisch einen großen Spielraum. Daher müssen die vorgeschalteten ISG stabile Bezugspunkte sein.

Erste Hinweise auf die Diagnose: Beschwerden und Krankengeschichte

Bei der Schilderung der Beschwerden (Anamnese) kommen meist schon an früher Stelle im Dialog mit dem Arzt Hinweise zu den Auslösern zur Sprache. Im Hinblick auf Gesäßschmerzen können das beispielsweise ungewohnte Sitzbelastungen auf einer Fahrradtour, beim Autofahren oder am Computer sein. Die Angewohnheit vieler Männer, die Geldbörse ständig in einer Hosentasche über dem Gesäß zu tragen, kann zur Druckbelastung des Ischiasnervs im Rahmen eines Piriformis-Syndroms führen.

Außerdem möchte der Arzt mehr über den Schmerz selbst wissen: Wo er sich genau befindet, ob er zum Beispiel eine oder beide Körperseiten betrifft, und wann er auftritt. Ist es ein Ruhe- oder Nachtschmerz, nimmt er bei Bewegung zu oder schmerzen vor allem die ersten Schritte nach einer Ruhephase (Anlaufschmerzen)? Können die Oberschenkel schmerzfrei abgespreizt werden (Grätschstellung), oder gibt es hier Einschränkungen? Auch nach möglichen Begleitsymptomen wie Morgensteifigkeit, Nachtschweiß, Fieber, gerötete und schmerzende Augen, Schmerzen und Schwellungen an Gelenken wie Finger, Knie, Sprunggelenk, Hüftgelenk wird der Arzt fragen.

Darüber hinaus ist die Kenntnis der Kranken- und Familiengeschichte des Patienten für die Diagnose wichtig. Der Hausarzt ist natürlich damit vertraut. Wichtig ist dieser Punkt immer dann, wenn jemand erstmals in die Sprechstunde eines Arztes kommt. Dass der neue Arzt über bereits festgestellte oder zurückliegende Erkrankungen informiert sein muss, ist selbstverständlich.

So kann beispielsweise eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, eine rheumatische Krankheit oder eine Infektion, insbesondere des Darms oder der Harnwege durchaus etwas mit Schmerzen im Kreuz- oder Gesäßbereich zu tun haben, auch wenn diese erst im Nachhinein auftreten.

Schließlich geht es darum, zu eruieren, ob die Beschwerden möglicherweise auch eine psychische Erklärung finden. Spätestens ist das geboten, wenn das Schmerzbild trotz angemessener Therapie länger als vier Wochen andauert.

Was der Arzt untersucht

Bei der körperlichen Untersuchung geht es um die Statik, das Körpergewicht, das Steh- und Gehvermögen, die Form und Beweglichkeit der Wirbelsäule und hier eventuell vorhandene Klopf- und Druckschmerzen.

Im Fokus sind außerdem das Gangbild, die Länge der Beine, Achsabweichungen wie zum Beispiel X- oder O-Beine, die Stellung und Ausrichtung des Beckens und seiner Eckpunkte. Alle Gelenke werden genau untersucht. Auf mögliche äußerliche Veränderungen wie Schwellungen, Verformungen, Knoten oder Knötchen sowie Überwärmung und Rötung der Haut richtet der Arzt ebenfalls sein Augenmerk.

Eingehend untersucht er bei Gesäß- und Kreuzschmerzen natürlich auch die Kreuzbein-Darmbein- und Hüftgelenke, sodann die Muskeln: ihren Spannungszustand, Kraft und Reflexe sowie hier vorhandene spezielle Schmerzpunkte und Seitenunterschiede. Dazu gehören zum Beispiel auch die Valleix-Druckpunkte im Verlauf des Ischiasnervs an der Rückseite des Oberschenkels.

In Bauchlage kann die passive Streckung der Hüfte (der Arzt hebt das gestreckte Bein an) deutlich schmerzhaft sein, in Rückenlage Beugen der Hüfte (der Arzt hebt wiederum das gestreckte Bein, eventuell auch den Fuß an): Tests auf sogenannte Nervendehnungsschmerzen.

Geprüft werden außerdem das Berührungs- und Schmerzempfinden sowie die Beschaffenheit der Haut. Schließlich entscheidet der Arzt dann auch, ob es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen nicht spezifischen oder einen spezifischen Schmerzzustand handelt. Im ersteren Fall liegt die Ursache höchstwahrscheinlich in muskulären Verspannungen, und es sind meist keine weiteren Untersuchungen notwendig. Die Beschwerden klingen im Allgemeinen bald wieder ab. Gegebenenfalls hilft ein nach Rücksprache mit dem Arzt kurzfristig eingenommenes Schmerzmittel dabei, dass es schneller geht.

Bei unklarer Diagnose hilft Medizintechnik weiter

Technische Verfahren wie Analysen des Blutes und anderer Körperflüssigkeiten, Röntgen- und Ultraschall-Untersuchungen, Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT), eine vertiefende neurologische oder orthopädische Untersuchung sind angezeigt, wenn der Arzt ein spezifisches körperliches Krankheitsbild vermutet. Natürlich auch im unklaren Akut- oder Notfall. Die Maßnahmen können die erste Verdachtsdiagnose eingrenzen und meist auch sichern.

Eine bildgebende Diagnostik soll überdies einmal gezielt erfolgen, wenn die Beschwerden trotz angemessener sechswöchiger (sogenannter subakuter Kreuzschmerz) oder nach zwölfwöchiger Therapie (chronischer Kreuzschmerz) fortbestehen oder zunehmen. Vorher sollen psychische oder soziale Faktoren, die ein Chronischwerden der Schmerzen begünstigen, ausgeschlossen worden sein.

Weitere Informationen dazu in den Ratgebern "Bandscheibenvorfall", "Rückenschmerzen" und "Hexenschuss".

Zuständig sind Ärzte in den Bereichen Orthopädie und Rheumatologie oder auf Fachgebieten wie innere Medizin, Dermatologie (Haut- und Geschlechtskrankheiten), Neurologie, Schmerztherapie und Psychosomatik. Rheumatologen können sowohl Internisten als auch Orthopäden oder Kinder- und Jugendärzte sein. Bei Augenproblemen bitte zeitnah zum Augenarzt. In der Regel koordiniert der Hausarzt den Ablauf.

Was ist ein myofasziales Schmerzsyndrom?

Insgesamt sind diese Schmerzbilder noch nicht ausreichend verstanden. Es ist nicht ganz klar, was genau den Ausschlag für die Schmerzen gibt, die typischerweise, aber nicht nur, das Kreuz heimsuchen. Durchblutungsstörungen, Bindegewebsverhärtungen und erhöhte Anspannung bestimmter Muskelpartien durch Überreizung sind aber wohl mitverantwortlich.

Verspannte, schmerzende Muskeln haben zunächst einmal viel mit ungünstigen Körperhaltungen oder ständig wiederholten, eingefahrenen Bewegungen im Alltag zu tun. Davon sind viele Menschen betroffen, Sitz- wie Stehberufler, Büroangestellte genauso wie Operateure, Sportler (zum Beispiel Fußballspieler), Friseure, Musiker, Fließbandarbeiter und Lastenträger. Allerdings darf man nicht außer Acht lassen, dass auch Krankheiten, Fehlbildungen oder Verschleiß des Skeletts Muskeln einseitig belasten können.

Strapazierte Muskeln sind ständig angespannt, auch in Ruhe. Mögliche Folgen: eine Störung der Energiebalance, verschlechterte Durchblutung, Schwellungen und Verhärtungen. Überreizungssignale lösen Schmerzen aus und halten sie aufrecht (neurogene Störung). Rein myofasziale Schmerzen vergehen mitunter von selbst. Andererseits geraten nicht wenige Betroffene über kurz oder lang in einen Teufelskreis aus Anspannung und Schmerz. Wer aktiv gegensteuert, kann jedoch verhindern, dass die Schmerzen sich verselbstständigen und chronisch werden.

Symptome: Verspannte Muskeln und ziehende, bohrende, machmal auch stechende Schmerzen im Hüftbereich, Gesäß, Bein oder Kreuz auf einer Körperseite. In den jeweils strapazierten Muskeln bilden sich eventuell tastbare Verhärtungen, sogenannte Kontraktionsknoten, früher Muskelhartspann oder Myogelose genannt.

Diagnose: In der Regel genügt neben der Kennntis der Krankengeschichte eine gründliche orthopädische Untersuchung, um das Beschwerdebild richtig einzuordnen. Dazu gehört auch die Suche nach Triggerpunkten. Weiteres im nächsten Abschnitt und im Kapitel "Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Diagnose".

Piriformis-Syndrom: Der andere Ischias

Ischiasbeschwerden zum Zweiten – so könnte man dieses Beschwerdebild auch beschreiben. Es entsteht, wenn der birnenförmige Piriformis-Muskel, ein innerer Hüftmuskel, den Ischiasnerv oder einen seiner Äste beim Übertritt vom Becken zum Oberschenkel einengt. Der Muskel bewirkt das Abspreizen, Strecken und die Außendrehung des Oberschenkels. Bei Fehlbeanspruchung kann er sich verkürzen und verdicken. Den kleinen Gesäßmuskel, den Glutaeus minimus, der unterhalb des großen Gesäßmuskels liegt, kann es aber genauso treffen.

Ursachen sind einseitige Überbelastung, wozu manche Menschen neigen, die aus einer Grätschstellung heraus ständig schwer heben müssen, dann solche, die vorwiegend eine sitzende Körperhaltung einnehmen oder sich viel (und falsch) bücken. Außerdem kann der Muskel durch ständigen Druck gereizt werden. Eine mögliche Ursache in dieser Hinsicht ist die Angewohnheit, die Geldbörse in der Hosentasche über dem Gesäß zu verstauen, was Männer gerne und häufig tun. Nach Sturzverletzungen im Gesäßbereich kann es ebenfalls zum Piriformis-Syndrom kommen. Allerdings können auch Schmerzen bei Schleimbeutelentzündungen an der Hüfte manchmal bis ins Gesäß ausstrahlen (siehe Ratgeber "Hüftschmerzen").

Symptome: Schmerzen tief im Gesäß auf einer Körperseite, möglicherweise mit Ausstrahlung bis in den Oberschenkel, in die Hüfte oder das Kreuz. Beingrätschen oder Treppensteigen, auch Liegen auf der entsprechenden Körperseite ist schmerzhaft. Bei längerem Sitzen – etwa vor dem Bildschirm, im Auto – verstärken sich die Schmerzen.

Diagnose: Die Schilderung der Beschwerden und ihrer Umstände sowie eine körperliche Untersuchung, bei der sich möglicherweise auch Triggerpunkte im kleinen Gesäßmuskel finden lassen, führen meist zur Diagnose. Weitere technische Verfahren wie Röntgen oder Blutuntersuchungen sind nur nötig, wenn der Arzt zusätzlich eine Erkrankung am Bewegungsapparat vermutet oder eine andere organische Störung, die das Bewegungssystem mit beeinflusst.

Wie ein Hexenschuss: Blockiertes Kreuzbein-Darmbein-Gelenk

Im Bereich der Gelenke zwischen Kreuz und Becken (Iliosakralgelenke, ISG) kann das Zusammenspiel der stark beanspruchten Bänder und Muskeln empfindlich gestört werden. Dadurch entstehen Muskelverspannungen, bei plötzlicher zusätzlicher Belastung auch akute Blockierungen. Mit anderen Worten: ein Hexenschuss. Als Ursachen kommen zahlreiche, mit Fehl- und Überbelastung verbundene mechanische Faktoren infrage. Sie reichen von Haltungsproblemen bis zu sportlicher Überbelastung. Auch "Schwachpunkte" wie eine Beinverkürzung auf einer Seite, die dazu führt, dass das Becken schief steht, sodann die verstärkte Krümmung der Lendenwirbelsäule nach vorne (Hohlkreuz, auch Lordose), Bänderschwäche und abnutzungsbedingte Veränderungen hier oder am Hüftgelenk können ISG-Blockierungen begünstigen.

Symptome: Die Blockierung des Kreuz-Darmbein-Gelenkes ist eine häufige Ursache von akuten Gesäß- und/oder Kreuzschmerzen bis hin zum Hexenschuss. Die Schmerzen können ins Bein ausstrahlen und den Betroffenen vorübergehend so gut wie lahmlegen. Nach längerem Sitzen sind sie verstärkt spürbar, ebenso beim Anheben des Beines auf der betroffenen Seite oder Aufrichten aus gebückter Haltung. In der Regel spielen sich die Beschwerden auf einer Körperseite ab.
Diagnose:
Sie ergibt sich für den Arzt vor allem aus der Art der Beschwerden, der Krankengeschichte, den Begleitumständen und der körperlichen Untersuchung (siehe wiederum im Kapitel "Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Diagnose") nebst verschiedener Bewegungstests. Wenn zum Beispiel auch das Heranführen (Adduktion) des Oberschenkels beziehungsweise der Hüfte in gebeugter Stellung schmerzhaft ist, weist das auf eine Störung des Iliosakralgelenks hin.

Anzeichen für eine Ischiasschädigung schließt der Arzt zunächst anhand der Befunde aus. Bildgebende Untersuchungen wie zum Beispiel Röntgenaufnahmen oder eine Magnetresonanztomografie (Kernspintomografie, MRT) sind bei speziellen Verdachtsmomenten hinsichtlich einer Störung an der Wirbelsäule wie ein Bandscheibenvorfall, eine Osteoporose oder eine Erkrankung vom Typ Bechterew (siehe Kapitel "Bechterew-Krankheit & Co." in diesem Beitrag) notwendig, im Einzelfall außerdem gezielte Labortests.

Weitere Informationen finden Sie auch in den Ratgebern "Hexenschuss" und "Rückenschmerzen".

Therapie bei allen drei Problemen

Nach Ausschluss einer speziellen Krankheitsursache rät der Arzt eventuell, kurzfristig ein schmerzstillendes Medikament einzunehmen. Infrage kommt ein Arzneistoff wie Paracetamol (laut einer Studie aus dem Jahr 2014 gab es bei akuten Kreuzschmerzen mit und ohne das Medikament keinen maßgeblichen Unterschied bis zum Erreichen der Schmerzfreiheit) oder ein traditioneller Entzündungshemmer (tNSAR; NSAR steht für nicht steriodales Antirheumatikum, t für traditionell).

Auch chiropraktische beziehungsweise manualtherapeutische Maßnahmen sind bei Kreuzschmerzen mögliche Behandlungsverfahren, wenn ein krankhafter Organbefund ausgeschlossen werden konnte. Falls der Arzt Triggerpunkte findet, kann er sie mit entsprechenden manuellen Techniken angehen. Manchmal wenden Ärzte auch Injektionen mit einem örtlich betäubenden Mittel an. Diese perkutane Therapie (durch die Haut, als invasivere Form auch mit Injektionen an die Wirbelsäule heran) wird bei nicht spezifischen Kreuzschmerzen in den Leitlinien allerdings nicht empfohlen.

Wenn sich psychische Faktoren als Schrittmacher der Beschwerden herausstellen, ist möglicherweise eine Psychotherapie der richtige Weg. Anhaltende Beschwerden wird der Arzt intensiver abklären. Nur bei Bedarf verordnet er eine Physiotherapie (früher: Krankengymnastik), bei akuten Kreuzschmerzen eher nicht, bei länger anhaltenden Kreuzschmerzen dagegen schon. Hier können auch Massagen eingesetzt werden.

Kreuzschmerzen: Verwirrende Sprachvielfalt

Heillose Begriffsverwirrung beim Kreuzschmerz? Es scheint so. Da gibt es einmal die Lumbago (= akuter Kreuzschmerz, und auch nicht zu vergessen: der Hexenschuss), dann die Lumbalgie (= chronischer Kreuzschmerz) und schließlich das Lumbalsyndrom als Oberbegriff für beides. Wie kann das sein, wo strenggenommen doch jeder seinen einen Kreuzschmerz hat? Wenn zum Beispiel ein chronischer Kreuzschmerz akut aufflammt, ist die Dopplung tatsächlich möglich. Zudem sind Kreuzschmerzen oft vielschichtig und können sich in ihrem Verlauf ganz unterschiedlich äußern. Auch kann mitunter mehr als eine Ursache vorliegen.

Aber das ist noch nicht alles. So wissen Ärzte auch – und viele Leidgeplagte erfahren es –, was es mit einer Ischialgie oder Lumboschialgie (umgangssprachlich: "Ischias") auf sich hat: nämlich eine Art unangenehmer, stechender Hüft-Beinschmerz oder Kreuz-Hüft-Beinschmerz, der manchmal sogar mit Gefühlsstörungen oder Muskelschwäche am Bein oder Fuß einhergeht.

Letztlich liegt hier häufig ein Wurzelreizsyndrom alias lumbale Radikulopathie zugrunde: Wurzeln (lat. radix, Wurzel) von Rückenmarksnerven (Spinalnerven), die beidseits aus dem Rückenmark, anschließend aus dem entsprechenden Kanal in der Wirbelsäule und dann aus dieser hervortreten, nehmen Schaden. Dieser kann beispielsweise durch eine Einengung auf dem beschriebenen Weg entstehen.

Nach dem Durchtritt des Rückenmarksnerven durch das Nadelöhr an der Wirbelsäule bilden sich verschiedene Nervengeflechte, aus denen unter anderem die Beinnerven hervorgehen. Der Ischiasnerv, alias Gesäß- oder Hüftnerv, ist einer davon. Aber nicht irgendeiner, denn gilt als stärkster Nerv des Körpers – mit Nervenfasern für bedeutende Beinmuskeln. Auch für Gefühlswahrnehmungen insbesondere am Unterschenkel und Fuß ist der Ischiasnerv zuständig.

Die Ischias-Neuralgie mit ihren Kreuz-Hüft-Beinschmerzen beruht häufig, aber nicht nur, auf spezifischen Ursachen im Bereich von Kreuz oder Becken. Dazu mehr in der nachfolgenden Liste (das Kapitel "Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Probleme der Muskeln und Bänder" geht insbesondere auf die nicht spezifischen Kreuzschmerzursachen ein).

Wie kommt es zur Ischiasreizung?

Hauptursachen von Wurzelreizungen des Ischiasnervs sind:

  • Bandscheibenvorfall und andere Ursachen von Ischiasbeschwerden
  • Verengung des Wirbelkanals im Bereich der Lendenwirbelsäule (lumbale Spinalkanalstenose; degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule wie zum Beispiel verdickte Wirbelgelenke und Wirbelbänder)
  • Wirbelgleiten (Spondylolisthesis)
  • Verknöcherungen der Wirbelbänder (DISH, Abkürzung für diffuse idiopathische skelettale Hyperostose, auch Forestier-Krankheit)
  • Nervenwurzelentzündung (Radikulitis, beispielsweise im Zusammenhang mit Infektionen durch verschiedene Erreger)
  • Blutung im Rückenmarkskanal
  • Durchblutungsstörung
  • Tumoren, Metastasen, Wirbelbruch – auch infolge von Skelettkrankheiten wie Osteoporose

Info: Neben dem akuten (weniger als sechs Wochen) und dem chronischen Kreuzschmerz (länger als drei Monate) gibt es noch einen Zwischenstand, nämlich den subakuten Kreuzschmerz (länger als sechs Wochen). Zudem können Kreuzschmerzen ganz allgemein nicht spezifisch (= unspezifisch) oder spezifisch sein. Eine wichtige Einteilung, die sich auch in den meisten Fachpublikationen findet. Dabei steht vereinfacht gesagt nicht spezifisch für überlastungsbedingte funktionelle Ursachen und spezifisch für organbezogene strukturelle Ursachen.

Nachfolgend noch weitere Informationen zu den oben gelisteten Krankheiten.

Schmerzursache Bandscheibenvorfall

Verlagertes Bandscheibengewebe ist die Ursache schlechthin von Ischialgien. In der Tat: Bandscheibenvorfälle betreffen am häufigsten die Lendenwirbelsäule, daselbst insbesondere die Etagen vierter/fünfter Lendenwirbel (LWK 4/5) oder fünfter Lendenwirbel/erster Kreuzbeinwirbel (LWK 5/SWK 1). Voraussetzung: eine Degeneration der Bandscheiben. Sie beginnt schon sehr frühzeitig im Leben, da das Gewebe nach und nach weniger Wasser bindet, an Elastizität wie auch Festigkeit verliert und den ständigen Druckbelastungen im Kreuz nicht mehr so gut gewachsen ist.

Es gibt verschiedene Schweregrade des Vorfalls, je nachdem, ob der Bandscheibenkern letztlich noch innerhalb des umgebenden, nur leicht rissigen Faserrings in der Bandscheibe bleibt und sich deren Rand nur vorwölbt (Protrusion) oder ob er durch einen Riss heraustritt (Prolaps). Manchmal trennt er sich vollständig ab (Sequester). Die Größe des Vorfalls sagt nichts über die Beschwerden aus. Was genau passiert, lesen Sie im Ratgeber "Bandscheibenvorfall".

Bei starker Arthrose der kleinen Wirbelgelenke verdicken diese sich häufig, Wirbelbänder können infolge von Verschleiß verkalken und verplumpen. Mitunter kommt es dadurch zu einer Verengung im Wirbelkanal und zu ischiasartigen Beschwerden (siehe unten: Spinalkanalstenose).

Andere Ursachen von Ischiasbeschwerden

Im Verlauf des Nervs selbst – im Hüft-, Gesäß- und Oberschenkelbereich oder weiter unten am Bein – da hat sich der Nerv längt in zwei Nervenäste aufgeteilt – können ebenfalls Schmerzen auftreten. Mögliche Ursachen sind zum Beispiel Verletzungen, Hüftoperationen oder Injektionen in die Muskulatur. Mit Kreuzschmerzen hat dies je nach Ort der Schädigung allerdings wenig(er) zu tun. Wird ein Hautast des Ischiasnervs getroffen, zum Beispiel bei einer oberflächlichen Spritze, können einschießende, brennende Schmerzen und Missempfindungen, später Taubheitsgefühle, auftreten.

Bei Verletzung eines Muskelastes ist eine Lähmung entsprechender Muskeln die Folge. Allmähliche Beschwerden können sich durch Ablagerung eines direkt neben dem Nerv eingespritzten Medikamentes entwickeln. Über weitere mögliche Probleme bei Spritzen ins Gesäß mehr im Kapitel "Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Abszess, Fistel", und über ischiasähnliche Beschwerden wiederum im Kapitel "Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Muskeln und Bänder".

Engpass im Wirbelkanal: Spinalkanalstenose

Auch bei einer Verengung des Wirbelkanals im Kreuzbereich (lumbale Spinalkanalstenose) können ischiasähnliche Beschwerden auftreten. Allerdings äußern sie sich je nach Ursache – und hier gibt es neben den oben genannten Verdickungen am Wirbelkanal noch andere krankhafte Veränderungen – unterschiedlich. Zunehmende Schmerzen und Ermüdbarkeit der Beine beim Gehen gehören häufig zu den Anzeichen. Der Ratgeber "Lumbale Spinalkanalstenose" beschreibt sie näher.

Was ist Wirbelgleiten?

Lockert sich ein Wirbelsäulensegment, so kann sich der Wirbelkörper – der klotzige Teil des Wirbels – mit der darüberliegenden Wirbelsäule in unterschiedlichem Maße nach vorne verlagern (Wirbelgleiten, Spondylolisthese). Im Bereich der betroffenen Wirbel kann eine Stufe entstehen. Ist die Lendenetage betroffen, kommt es verstärkt zu einem Hohlkreuz und dadurch zu schmerzhaften Muskelverspannungen. Außen im Kreuz kann eine kleine Grube sichtbar sein.
Verschiedene Ursachen können zu Instabilität an der Wirbelsäule führen. Infrage kommen zum Beispiel Fehlbildungen wie ein Spalt in den Wirbelbögen, seltener ungewöhnlich lange oder zu dünne Wirbelbögen, Verletzungen, Skeletterkrankungen. Bei einer angeborenen Fehlbildung des Wirbelbogens kann Wirbelgleiten schon im Kindesalter auftreten. Ist stärkerer Verschleiß an der Bandscheibe die Ursache, sprechen Ärzte meist von Pseudospondylolisthese.

Eine geschrumpfte Bandscheibe ist buchstäblich ein naheliegender Grund. Bei Pseudowirbelgleiten sind die Beschwerden mitunter ausgeprägter als bei echtem Wirbelgleiten: Es treten hartnäckige Schmerzen im Kreuz und Nervenstörungen, unter anderem "Ischias"-Symptome, auf. Ärzte kennen vier Spondylolisthese-Schweregrade "nach Meyerding".

Der Ratgeber "Wirbelgleiten" informiert Sie ausführlicher darüber.

Verknöcherung von Wirbelbändern (DISH)

Hier versteifen Teile der Wirbelsäule – häufiger der Brustwirbelsäule, mitunter auch des Lendenwirbelbereiches – durch vermehrte Knochenbildung. Eine Entzündung wie zum Beispiel bei der Bechterew-Krankheit (siehe Kapitel "Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Bechterew & Co.") liegt jedoch nicht vor.

Die Versteifung führt zu einem Gefühl der Steifheit im Rücken, vor allem morgens, die Beweglichkeit, zum Beispiel bei der Neigung der Wirbelsäule zur Seite, lässt nach, und es kommt zu Muskelschmerzen. Wenn die Knochenanbauten den Wirbelkanal einengen, sind auch Ischiasbeschwerden möglich. Meist liegen zugleich Stoffwechselstörungen wie ein Typ-2-Diabetes, Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen oder eine erhöhte Harnsäure im Blut vor. DISH (Erklärung der Abkürzung in der Liste ganz oben), auch Morbus Forestier (Forestier-Krankheit), betrifft häufiger Männer als Frauen und eher ältere Menschen. Es ist wichtig, begleitende Stoffwechsel- und Gewichtsprobleme in den Griff zu bekommen, um die Wirbelsäule zu entlasten. Ärzte setzen ansonsten Schmerzmittel und Physiotherapie ein. Bei Komplikationen wie Wirbelbrüchen sind häufig chirurgische Maßnahmen notwendig.

Radikulitis: Nervenwurzelentzündung

Eine entzündete Nervenwurzel heißt fachsprachlich Radikulitis. Verantwortlich können unter anderem Erreger wie Borrelien – das Krankheitsbild heißt Neuro-Borreliose – oder Herpes-Zoster-Viren sein. Selten kann eine bakterielle Wirbelentzündung, eine Spondylodiszitis, die benachbarte Nervenwurzel in Mitleidenschaft ziehen.

Blutung, Durchblutungsstörung, Tumor

Diese Ursachen von Wurzelschädigungen (Radikulopathien) mit der Folge von Ischiasschmerzen sind hier nur der Vollständigkeit halber gelistet. Zu einer Blutung kann es unter anderem im Bereich der Rückenmarkshäute oder der Rückenmarksader kommen. Das Gefäß kann unter bestimmten Voraussetzungen aber auch verstopfen (Thrombose oder Embolie), es kommt dann statt einer Blutung zu einer Durchblutungsstörung in der hochempfindlichen Nervenwurzel oder auch des Rückenmarks.

Auslösend können hier zahlreiche Krankheiten sein, von Gefäßstörungen infolge eines Diabetes über Gefäßentzündungen bis hin zu Krankheiten des Herzens oder der Hauptschlagader, etwa ein Aortenaneurysma. Auch ein Tumor vor Ort kann mitunter eine Nervenwurzel beengen oder die Blutzufuhr drosseln.

"Ischias": Was sind die Symptome?

Schmerzen bei Wurzelreizungen folgen einem ganz bestimmten Ausbreitungsmuster. Häufig verstärken sie sich durch Husten, Niesen, Pressen und Beugen der Wirbelsäule nach vorne kurz, aber heftig. Vom Kreuz aus können sie außerdem in die Hüfte oder ins Gesäß und in einer Art Streifen auf der Haut vorne und seitlich oder mehr hinten am Bein ausstrahlen – bis zur Wade oder in den Fuß.

Mitunter stehen Knieschmerzen im Vordergrund. Auch Missempfindungen wie Kribbeln und Taubheitsgefühl am Bein können einem bestimmten Muster folgen. Die Beschwerden betreffen im Allgemeinen eine Körperseite.

Manchmal kommt es auch zu einer Muskelschwäche, seltener zu einer Lähmung am Bein. Beispielsweise kann das Heranführen des Oberschenkels oder die Beugung in der Hüfte erschwert sein. Oder das Heben (Fersenstand) und Drehen des Fußes nach innen und außen oder Senken des Fußes (Voraussetzung für den Zehenstand) klappt nicht richtig. Das heißt letztlich, dass es zu Gehstörungen kommt.

Je nach zugrundeliegender Ursache können vielfältige Beschwerden auftreten: andere neurologische Störungen, Gewichtsverlust, Fieber, starke örtliche Schmerzen am Rücken, eventuell eine äußerlich sichtbare Schwellung.

Diagnose bei Lumboischialgie

Über die Basisdiagnostik hinaus (siehe Kapitel "Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Diagnose") wird der Arzt bei anhaltenden, starken oder sich verstärkenden Beschwerden, deutlichen Taubheitsgefühlen oder gar Lähmungen umgehend weitere Diagnoseschritte veranlassen. Dazu gehören vor allem eine gründliche neurologische Untersuchung und davon abhängig Maßnahmen wie Röntgenaufnahmen und/oder eine Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspintomografie) der Wirbelsäule, gegebenenfalls auch Laboranalysen.

Dabei geht es darum, eine mechanische Behinderung, eine Infektion oder sonstige krankhafte Veränderungen im Bereich einer beengten Nervenwurzel schnellstmöglich zu erkennen und die geeignete Therapie einzuleiten. Möglicherweise muss der Betroffene in einer Klinik weiterbehandelt werden.

Ischiasschmerz: Welche Therapie hilft

So vielfältig die Beschwerden sind, so individuell ist die Behandlung von Ischiasbeschwerden. Sie richtet sich gezielt nach der Diagnose. Häufig klingen die Schmerzen nach einer konservativen Schmerzbehandlung ab. Manchmal wenden Ärzte eine Injektionstherapie an. Dabei bringen sie zum Beispiel ein örtlich betäubendes Mittel in unterschiedlicher Technik an eine gereizte Nervenwurzel heran.

Bei deutlichen oder zunehmenden Anzeichen einer Nervenschädigung ist ein operativer Eingriff notwendig. Mehr über Ursachen, Diagnose und Therapie bei Lumboischialgie können Sie unter "Hexenschuss" und als Gesamtüberblick einschließlich Bandscheibenvorfall unter "Rückenschmerzen" nachlesen.

Wird bei Gesäß- oder Beinbeschwerden ein Zusammenhang mit einer Spritze vermutet, sollte unverzüglich der behandelnde Arzt hinzugezogen werden. Er kennt den Patienten in aller Regel, kann die Situation einschätzen und entsprechende Maßnahmen treffen.

Entzündlicher Kreuzschmerz: Was er bedeutet

Bei einem kleineren Teil der Erwachsenen mit Schmerzen im Rücken oder Kreuz stellt sich als Ursache eine entzündlich-"rheumatische" Erkrankung heraus: eine sogenannte Spondyl(o)arthropathie oder Spondyl(o)arthritis. Spondyl(o)- steht für Wirbel, -arthro für Gelenk, -arthritis für Gelenkentzündung, -pathie für Leiden.

Typischerweise erkranken die meisten Patienten im Alter unter 45 Jahren. Die genaue Entstehung ist unklar. Es sind wohl mehrere Faktoren beteiligt, darunter immunvermittelte und genetische, indirekt manchmal auch Infektionen. Allerdings sind es nicht unbedingt immer eindeutig Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem den Körper selbst angreift.

Die Spondyl(o)arthropathien umfassen vor allem fünf Krankheitsbilder, bei denen es auch Überlappungen gibt:

  • Die Bechterew-Erkrankung
  • Gelenkentzündungen, die nach Infektionen der Harn- und Geschlechtsorgane auftreten: reaktive Gelenkentzündung oder Arthritis, darunter darunter das Reiter-Syndrom
  • Mit der Schuppenflechte (Psoriasis) verbunden: Psoriasisspondyl(o)arthritis oder Psoriasisarthritis
  • Enteropathische Spondyl(o)arthropathien: Gelenkentzündungen, die bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa auftreten
  • Undifferenzierte Spondyl(o)arthritis und sogenannte juvenile Formen: Spondyl(o)arthropathien, die sich nicht einer der anderen Formen zuordnen lassen beziehungsweise bei Kindern und Jugendlichen (juvenil) auftreten

So äußern sich Spondyl(o)arthropathien (SPA)

Es gibt bei den SPA zwei Hauptgruppen: axiale und periphere SPA. Axial bedeutet, dass die Entzündung am Achsenskelett, also an der Wirbelsäule und den benachbarten Kreuzdarmbeingelenken, dominiert. Bei der peripheren SPA stehen neben Entzündungen an der Wirbelsäule mit Rücken- beziehungsweise Kreuzschmerzen ein oder mehrere entzündete Gliedmaßengelenke im Vordergrund.

Damit die Diagnose einer axialen SPA gestellt werden kann, muss neben dem Nachweis der Kreuzbein-Darmbein-Gelenkentzündung (Sakroiliitis) im Röntgenbild beziehungsweise in Magnetresonanztomografie-Aufnahmen noch ein weiteres Krankheitsmerkmal dazukommen (siehe unten). Gibt es keinen eindeutigen Bildbefund, kann der Arzt bei einem Patienten, der jünger als 45 Jahre ist und chronische Rücken- oder Kreuzschmerzen hat, die Diagnose auch klinisch stellen. Es müssen dann neben einem positiven HLA-B27-Nachweis im Blut mindestens zwei weitere Kranheitsmerkmale aus der ersten Liste weiter unten vorliegen.

Symptome: Typisch für axiale Spondyl(o)arthropathien sind Schmerzen im Rücken oder Keuz und tief im Gesäß, manchmal mit Ausstrahlung in beide Oberschenkel auf der Rückseite. Dass die Schmerzen oft in der zweiten Nachthälfte auftreten und die Betroffenen morgens längere Zeit ein deutliches Steifigkeitsgefühl im Kreuz verspüren, das sich unter Bewegung im Laufe des Tages bessert, ist ebenfalls kennzeichnend. Die Schmerzen entwickeln sich schleichend und bestehen mehr als drei Monate. Auch die Bandscheiben können betroffen sein. Es kann außerdem zu knöchernen Überbrückungen am entzündeten Kreuzbein-Darmbein-Gelenk oder Spangen zwischen den Wirbelkörpern kommen. Diese sogenannte Ankylosierung, so der Fachbegriff, führt mit der Zeit zur Versteifung der Wirbelsäule. Ihre Beweglichkeit nimmt also deutlich ab. Zugleich können entzündete Wirbelkörper vermehrt brüchig werden.

Weitere Merkmale bei axialer SPA (sogenannte internationale ASAS-Klassifikation):

  • Entzündung von Bänder- und Sehnenansätzen an Knochen (Fachbegriff: Enthesiopathie oder Enthesitis), zum Beispiel an der Ferse mit Fersenschmerzen
  • Entzündung weiterer Gelenke mit seitenungleichem (asymmetrischem) Verteilungsmuster an den Beinen oder Entzündung eines ganzen Fingers oder Zehs (Daktylitis)
  • Entzündung der Regenbogenhaut am Auge
  • Begleiterkrankung wie Schuppenflechte (Psoriasis) oder chronisch-entzündliche Darmerkrankung;
  • Rückgang der Beschwerden unter der Therapie mit einem entzündungshemmenden Medikament (nicht steroidales Antirheumatikum, kurz NSAR)
  • Vorkommen einer axialen SPA in der Familie
  • Bestimmte Entzündungszeichen im Blut

Merkmale bei peripherer SPA:

  • Hier erkranken unter anderem ein oder mehrere periphere Gelenke, meist an den Beinen (etwa Sprunggelenk, Kniegelenk). Wenn mehrere Gelenke betroffen sind, so zeigt sich in der Regel ein asymmetrisches Bild, also zum Beispiel ein schmerzendes Sprunggelenk links und ein schmerzendes Knie rechts.
  • Es können aber auch die Gelenke eines ganzen Fingers oder Zehs entzündet sein oder Sehnenansätze.

Die Diagnose periphere SPA lässt sich stellen, wenn jeweils ein Punkt aus beiden Katalogen vorhanden ist: Wenn also zum Beispiel ein insgesamt entzündeter Finger, ein entzündeter Sehnenansatz oder ein entzündetes Gelenk (zum Beispiel ein Knie) plus ein entzündetes Kreuzbein-Darmbeingelenk (zum Beispiel Röntgenbild, siehe Hinweis oben) vorliegen. Auch vorausgegangene entzündliche Rückenschmerzen, die auf die Entzündung des Achsenskeletts hinweisen, sind ein wichtiges Kriterium.

Bechterew-Krankheit: Betrifft mehr Männer als Frauen

Die Bechterew-Krankheit ist die bekannteste axiale SPA. Sie beginnt meistens schon im Alter von 20 bis 30 Jahren und betrifft doppelt bis dreimal so viele Männer wie Frauen. Es kommt zu einer Entzündung an der Grenze von Bandscheiben und Wirbeln. Auch die kleinen Wirbelgelenke, die Kreuzbein-Darmbein-Gelenke und Gliedmaßengelenke können sich entzünden. Später kann die Wirbelsäule verknöchern und versteifen. Es treten auch Entzündungen an Sehnen oder außerhalb des Bewegungssystems auf, zum Beispiel an den Augen.

Symptome: Frühes Zeichen ist ein dumpfer Schmerz im Kreuz beziehungsweise auf beiden Seiten tief im Rücken oder Gesäß, der seit mindestens drei Monaten besteht. Er macht sich besonders nachts oder frühmorgens bemerkbar und weckt die Betroffenen häufig auf. Offenbar reagieren viele Betroffene auf feuchtkaltes Klima verstärkt mit Beschwerden. Verdächtig ist außerdem eine Morgensteifigkeit über eine bis mehrere Stunden im Bereich der Lendenwirbelsäule, die sich nach Bewegung bessert, nach Ruhephasen aber wieder auftritt. Das gilt auch meist für die Schmerzen. Möglich sind außerdem Nackenschmerzen, schmerzende Hüft- und Schultergelenke oder Sehnenschmerzen an der Ferse. Manche Patienten fühlen sich ständig müde, appetitlos, manchmal haben sie auch etwas Fieber und leiden unter Nachtschweiß. Die Augen können vermehrt tränen und schmerzen, und es kann zu "Lichtscheu" kommen. Neben der Versteifung droht an der Wirbelsäule erhöhte Brüchigkeit. Damit zusammenhängend kann sich ein Rundrücken bilden. Keineswegs müssen diese Veränderungen immer in voller Ausprägung eintreten. Bei einem Teil der Betroffenen bessert sich die Erkrankung, bei anderen verläuft sie schubweise und kommt erst nach Jahren zum Stillstand.

Diagnose: Beim Gespräch mit dem Betroffenen erkundigt sich der Arzt nach eventuellen Augenbeschwerden, Darmunregelmäßigkeiten und vorausgegegangenen Infekten. Entsprechende Angaben, Alter, Geschlecht und die Schilderung der Symptome können eventuell schon richtungweisend sein. Bei der körperlichen Untersuchung nimmt der Arzt alle Gelenke, die Haut und die Wirbelsäule in Augenschein. Diese lässt sich eventuell nicht altersgerecht nach vorne (Schober-Test) und zur Seite beugen. Die zugehörigen Muskeln sind meist auffallend verspannt und hart. Außerdem dehnt sich der Brustkorb beim Atmen nicht in vollem Umfang aus. Bestimmte Skelettbereiche können druckschmerzhaft sein, etwa über den Hüften, an den Wirbeldornen am Rücken, an den Sitzbeinhöckern. Im Blut sind Entzündungswerte wie das C-reaktive Protein (CRP) und die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) meist erhöht, der sogenannte Rheumafaktor ist negativ, das HLA-B27-Antigen dagegen überwiegend positiv. Besondere Bedeutung kommt Röntgenbildern der Wirbelsäule und Kreuzbein-Darmbein-Gelenke, mehr noch der Magnetresonanztomografie (MRT), zu: Letztere kann frühzeitig auf entzündliche Veränderungen in diesen Skelettbereichen hinweisen. Ein entsprechender Befund in Kombination mit mindestens einem typischen Symptom ergibt in der Regel die Diagnose. Gegebenenfalls schließt sich ergänzend eine Knochendichtemessung (DEXA) an.

Therapie: Besonders wichtig ist hier die physiotherapeutische Behandlung (Krankengymnastik). Sie sollte so intensiv eingeübt werden, dass man sie täglich allein fortführen kann. Entzündungshemmer wie nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) zeigen meist prompte Wirkung und können gerade anfangs den Start mit der Krankengymnastik erleichtern. Außerdem wird Sulfasalazin (ein immunmodulierendes Medikament gegen Rheuma) eingesetzt, insbesondere bei frühem entzündlichen Rücken-, Kreuz- und Gesäßschmerz oder weiteren Gelenkschmerzen. Ist ein Gelenk stark entzündet, spritzt der Arzt Kortison hinein. Eine neuere Arzneistoffgruppe namens Biologicals wie sogenannte TNF-Hemmer (TNF= Tumornekrosefaktor) wirkt sehr gut auf ausgeprägte Formen, hat aber zum Teil deutliche Nebenwirkungen. Eine Wiederaufrichtungs-Operation kann bei fortgeschrittener Verformung der Wirbelsäule sinnvoll sein. Manchmal bietet sich der Ersatz eines stark entzündeten Gelenks an, etwa an der Hüfte. Die Augenentzündung wird mit kortisonhaltigen Augentropfen behandelt, bei sehr ausgeprägter Form innerlich mit Kortison. Eine mit der Krankheit verbundene Osteoporose wird der Arzt gezielt behandeln.

Um die Reaktion des Patienten auf die Behandlung besser abzuschätzen und die Therapieplanung möglichst genau an den Krankheitsverlauf anzupassen, setzen Ärzte oft einen Fragebogen ein, zum Beispiel den BASDAI (im Internet, Abruf 18.10.2016 (www.apotheken-umschau.de ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internetseiten): www.bechterew.de/inhalt/morbus-bechterew (siehe: Messverfahren zur Beurteilung des Kranbkheitsverlaufs)). Oftmals sind therapeutische Maßnahmen in einer Rehabilitationsklinik angezeigt, um wieder zu mehr Beweglichkeit zurückzufinden und zu lernen, den Körper richtig einzusetzen.

Auslöser manchmal unbemerkt: Reaktive Arthritis

Solche Gelenkentzündungen (periphere SPA) treten Tage oder Wochen nach einem bakteriellen Infekt auf. Dieser kann auch unbemerkt verlaufen sein. Meistens handelt es sich um einen Magen-Darm-Infekt, Harnwegsinfekt und / oder eine sexuell übertragene Infektion. Als Keime im Urogenitalbereich kommen oft Chlamydia trachomatis, außerdem Gonokokken (Erreger der Geschlechtskrankheit Gonorrhö), im Darm Campylobacter, Salmonellen, Shigellen oder Yersinien infrage. In den erkrankten Gelenken selbst sind in der Regel keine Erreger nachweisbar, sondern allenfalls genetische Spuren davon, also bakterielle Antigene. Es kommt zu einer entzündlichen Reaktion. Innere Organe wie zum Beispiel das Herz können mitreagieren.

Symptome: Es sind häufiger größere Gliedmaßengelenke wie Knie und Sprunggelenke auf einer Körperseite betroffen. Mitunter entzünden sich auch kleine Gelenke an Fingern oder Zehen. Die erkrankten Gelenke können schmerzen, stark geschwollen sein und sich überwärmt anfühlen. Relativ typisch sind Entzündungen der Sehnen an den Füßen, insbesondere der Ansatz der Achillessehne oder der breiten Fußsohlensehne an der Ferse. Der Fersenbereich ist dann schmerzhaft geschwollen und schmerzt (entzündlicher Fersensporn, Enthesitis). Für Kreuz- und Gesäßschmerzen ist meist eine Sakroiliitis, also eine Entzündung der Kreuzbein-Darmbein-Gelenke, verantwortlich.

Eine Unterform ist das Reiter-Syndrom, bestehend aus Gelenkentzündung, Harnröhrenentzündung, Augenentzündung, gegebenenfalls auch Hautausschlägen am Genitale, an Händen und Füßen, sowie aphthenartigen Veränderungen an der Mundschleimhaut. Weitere Symptome können von miterkrankten inneren Organen herrühren, bei einer Herzentzündung etwa Herzschmerzen, Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche. Oft kommen Allgemeinsymptome wie Fieber und Abgeschlagenheit hinzu.

Diagnose: Hilfreich kann die Krankengeschichte sein, etwa Angaben über eine zurückliegende Infektion, wie oben beschrieben. Die körperliche Untersuchung kann ein entzündetes, geschwollenes Gelenk, oft mit Zeichen eines Ergusses, bestätigen oder Hinweise auf einen entzündeten Sehnenansatz oder entzündete Kreuz-Darmbein-Gelenke liefern. Dann helfen meist bildgebende Verfahren weiter. Selten nur gelingt der Nachweis eines Erregers in Proben aus dem ursprünglich erkrankten Bereich, zum Beispiel im Urin oder in einem Genitalabstrich. Die aus einem entzündeten Gelenk entnommene Flüssigkeit (Punktat) weist entzündliche Faktoren auf. Das Merkmal HLA-B27-Antigen im Blut ist bei der Mehrzahl der Betroffenen positiv, Entzündungswerte sind erhöht. Eventuell geben bestimmte Antikörpermuster zu erkennen, dass noch eine Infektion "schwelt". Andere rheumatische Erkrankungen schließt der Arzt aus. Achtung: Die Gonokokkenarthritis, die bei Gonorrhö auftritt und sich an Arm- und Beingelenken abspielt, ist nicht mit der nach Gonokokkeninfektionen entstehenden reaktiven Arthritis zu verwechseln. Letztere betrifft meist Bein- oder Fußgelenke, dazu eventuell eben auch die Kreuzbein-Darmbein-Gelenke.

Therapie: Mäßig ausgeprägte Krankheitsbilder haben eine gute Prognose und heilen meist innerhalb eines Jahres aus. Trotzdem wird der Arzt den Patienten in regelmäßigen Abständen kontrollieren, um mögliche Veränderungen an der Wirbelsäule rechtzeitig zu erkennen. Kann ein verantwortlicher Erreger, zum Beispiel Chlamydia trachomatis, noch im Urin oder Urogentalabstrich nachgewiesen werden, ist eine antibiotische Therapie sinnvoll. Wichtig hier: Mitbehandlung des Partners! Ansonsten wendet der Arzt Antibiotika nur in speziellen Situationen an. Gegen die Kreuz- und Gesäßschmerzen werden nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) oder das Mittel Sulfasalazin eingesetzt. Bei starker Gelenk- oder Sehnenansatzentzündung kann der Arzt Kortison zum Beispiel örtlich spritzen. Wichtig ist hier auch physikalische Therapie. Eine Augenentzündung behandelt der Augenarzt mit kortisonhaltigen Augentropfen.

Vom Ausschlag zum Kreuz- und Gelenkschmerz: Psoriasisspondyl(o)arthropathie

Etwa ein Zehntel bis ein Fünftel der Patienten mit Schuppenflechte (Psoriasis) oder mit Veranlagung zu dieser hauptsächlich die Haut betreffenden Autoimmunerkrankung entwickelt Gelenkentzündungen – allerdings oft erst Jahre später. Auch das gelenkumgebende Bindegewebe und die Ansätze von Muskelsehnen am Knochen können sich entzünden, zum Beispiel im Fersenbereich. Innere Organe oder die Augen erkranken ebenfalls häufiger. Falls Hauterscheinungen auftreten, so finden sie sich meist an den Streckseiten der Gliedmaßen, an der behaarten Kopfhaut, im Kreuz- und Gesäßfaltenbereich und in der Genitalgegend: rote, scharfrandige, aber unregelmäßige Flecken mit groben, silbrig-weiß glänzenden Schuppen.

Ein Drittel bis zur Hälfte der Betroffenen hat auch typische Nagelveränderungen – Grübchen und gelblich-bräunliche Flecken auf der Nageloberfläche sowie Schuppen unter der Nagelplatte. Die Gelenkentzündungen bei Schuppenflechte treten häufig als periphere Spondyl(o)arthritis in Erscheinung. Dabei kommt es neben der Beteiligung der Kreuzbein-Darmbein-Gelenke zur Entzündung weniger peripherer Gelenke (Oligoarthritis) oder mehrerer – kleinerer und größerer – Gelenke (Polyarthritis). Es kann sich auch ein ganzer Finger entzünden, vor allem im Bereich des Strahls und Endgelenks. In etwa fünf bis zehn Prozent der Fälle tritt eine axiale Spondyl(o)arthritis (SPA) auf.

Symptome der Spondyl(o)arthritis: Im Zusammenhang mit Kreuz- und Gesäßschmerzen ist besonders die axiale Form mit Entzündung des Kreuzbein-Darmbein-Gelenkes (Sakroiliitis) bedeutsam. Sie verläuft oft schubartig und wechselnd intensiv. Dementsprechend gibt es auch ein Wechselbad der Schmerzen. Sie spielen sich auf beiden Seiten im Kreuz und Gesäß ab und können in den Oberschenkel ausstrahlen. Oft besteht auch ein länger anhaltendes Steifigkeitsgefühl, das sich erst nach Bewegung löst, wie auch die Schmerzen dann zurückgehen. Begleitende Rücken- oder Nackenschmerzen sind meist auf die gleichzeitig vorhandene Entzündung der Wirbelgelenke auf den entsprechenden Etagen der Wirbelsäule zurückzuführen. Auch andere andere Körperbereiche können Beschwerden machen. So sind Augenentzündungen möglich oder Fersenschmerzen. Viele Betroffene verspüren anfangs nur allgemeine Muskelschmerzen.

Diagnose: Insbesondere bei vorhandener Hauterkrankung – dies betrifft aber, wie schon erwähnt, nur etwa ein Fünftel – kann der Arzt die Diagnose klinisch stellen. Dafür ist ein Hautarzt zuständig. Wegen der erblichen Komponente kann auch eine Aussage wie "Die Hautkrankheit liegt bei mir in der Familie" für die Einordnung der Gelenkentzündung richtungweisend sein. Wichtig ist wie immer die körperliche Untersuchung einschließlich aller Gelenke, insbesondere natürlich der Kreuzbein-Darmbein-Gelenke und der Wirbelsäule. Hier wird sorgfältig die Beweglichkeit  geprüft. Im Blut ist der Rheumafaktor meist negativ, andere Rheumawerte können eventuell erhöht sein, Entzündungswerte dagegen nicht. Das Genmerkmal HLA-B27 ist jedoch bei 50 bis 70 Prozent der Betroffenen positiv. Röntgenbilder oder Magnetresonanztomografien (MRT) der Beckenregion und der Wirbelsäule können im Krankheitsverlauf entzündliche Veränderungen offenbaren. Um die Krankheit gegenüber anderen SPA-Formen oder rheumatischen Erkrankungen abzugrenzen, nutzen Ärzte einen bestimmten Punktekatalog, die sogenannten CASPAR-Kriterien. Für die Therapieplanung ist es natürlich wichtig, eine genaue Diagnose zu haben.

Therapie: Sulfasalazin lindert oft die Beschwerden am Bewegungssystem und an der Haut recht gut. Bei stärkerem Gelenkbefall werden Arzneistoffe wie Methotrexat (MTX) oder Immunsuppressiva im engeren Sinn wie Leflunomid oder Ciclosporin eingesetzt.  Neu entwickelte Biologicals (humane monoklonale Antikörper) und ein sogenannter Phosphodiesterase-4-(PDE4-)Hemmer zeigen sehr gute Wirkungen, allerdings sind deutliche Nebenwirkungen möglich, sodass der Arzt ihren Einsatz genau abwägen wird. Zugelassen sind solche Substanzen, wenn eine herkömmliche immununterdrückende Basistherapie nicht ausreichend wirkt oder nicht eingesetzt werden kann. Medikamente wie Betablocker können eine Psoriasis ungünstig beeinflussen.

Und von der Darmentzündung zum Kreuz- und Gelenkschmerz

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie die Crohn-Krankheit (Morbus Crohn) oder Colitis ulcerosa (Cu) betreffen Alt und Jung und Männer wie Frauen. Im Zuge dieser Krankheiten können sich auch ein oder mehrere Gliedmaßengelenke (periphere Gelenke), Wirbelgelenke oder die Kreuzbein-Darmbein-Gelenke entzünden (enteropathische Spondyl(o)arthropathie). Beides kommt zudem bei der Whipple-Erkrankung vor. Diese ist eine sehr seltene Krankheit, die überwiegend Männer kaukasischer Abstammung befällt. Die Erkrankung hängt mit einem Bakterium namens Tropheryma Whippelii zusammen, das sich über den Dünndarm und die Lymphwege im Körper ausbreiten kann und chronisch-wiederkehrende Beschwerden seitens der infizierten Organe macht. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist bislang nicht bekannt geworden. Unbehandelt kann die Erkrankung tödlich verlaufen.
Auch bei den hier genannten Gelenkentzündungen werden als Auslöser krankhafte Mechanismen im Immunsystem vermutet. Zudem wird häufiger das Zusammentreffen einer ankylosierenden Spondyl(o)arthropathie – also die Tendenz zur Verknöcherung entzündeter Wirbel – mit einer Cu oder einem Morbus Crohn beobachtet.

Symptome: Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie die Crohn-Krankheit und Cu sind vor allem durch Darmblutungen, Durchfälle, Bauchschmerzen, Koliken und Blähungen gekennzeichnet. Je nach Ausprägung sind weitere Symptome und Komplikationen möglich. Entzündete Kreuzbein-Darmbein-Gelenke verursachen Gesäß- und Kreuzschmerzen. Eventuell schmerzen auch andere Gelenke. Die Gelenkbeschwerden sind unabhängig davon, wie stark die Darmentzündung ist. Bei allen chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen kann es zu Ernährungsstörungen und Mangelerscheinungen des Körpers kommen, insbesondere bei der Whipple-Erkrankung. Hier verlaufen die Gelenkentzündungen sehr sprunghaft von einem Gelenk zum anderen. Abhängig von der Ausprägung der Erkrankung ergeben sich viele andere Beschwerden wie Durchfälle, Gewichtsverlust, Fieber, Schwellungen von Lymphknoten im Bauch und neurologische Krankheitszeichen.

Diagnose: Die Darmerkrankung wird anhand des Beschwerdebildes und einer endoskopischen Darmuntersuchung mit Analyse von Gewebeproben aus der Darmschleimhaut festgestellt. Zu den Untersuchungen bei Gelenkentzündungen siehe Kapitel "Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Diagnose". Das Merkmal HLA-B27 ist oft im Blut positiv, wenn gleichzeitig eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung und eine ankylosierende Spondyl(o)arthropathie/Bechterew-Krankheit auftreten. Zusätzlich finden sich meistens weitere Entzündungszeichen im Blut. Die Whipple-Erkrankung geht entsprechend der erkrankten Organe mit zahlreichen Symptomen einher. Die Diagnose beruht auf nachgewiesenen Genbestandteilen des Erregers. Dazu dienen Gewebeproben aus dem Dünndarm, einem entzündeten Gelenk oder miterkrankten Lymphknoten. Ob im Bauchraum Lymphknoten entzündet und vergrößert sind, ist in einer Computertomografie erkennbar. Bei neurologischen Symptomen kann eine Magnetresonanztomografie des Gehirns weiterhelfen.

Therapie: Bei der Behandlung der zugrunde liegenden Darmerkrankung bessern sich auch die Gelenkschmerzen. Im Hinblick auf die Crohn-Erkrankung und die Cu wird häufig Kortison in verschiedenen Anwendungen eingesetzt. Darüber hinaus kommen je nach Ausprägung dieser beiden Krankheitsbilder weitere entzündungshemmende Medikamente oder solche, die die Zellteilung beeinflussen und dabei auch Immunreaktionen unterdrücken, infrage. Bei schweren Krankheitsverläufen werden heute teilweise die neueren Biologicals eingesetzt. Die Gelenkveränderungen reagieren auf die genannten Medikamente meist sehr gut und schreiten kaum fort. Die Therapie der Whipple-Erkrankung zielt auf den nachgewiesenen Erreger. Dabei setzt der Arzt über einen längeren Zeitraum bestimmte Antibiotika ein.

SPA-Sonderformen: Undifferenzierte und juvenile Spondyl(o)arthritis

Undifferenziert meint hier, dass sich das Krankheitsbild erst einmal nicht genau einer bestimmten SPA-Form zuordnen lässt, weil es nicht alle geforderten Kriterien erfüllt. Die juvenile oder jugendliche Variante der SPA betrifft vor allem Jungen von sieben bis 16 Jahren beziehungsweise junge Erwachsene.

Symptome: Neben den Kreuzbein-Darmbein-Gelenken kann sich auch ein Kniegelenk oder aber ein Finger mit allen zugehörigen Gelenken entzünden (Daktylitis), oder aber die Achillessehne im Fersenbereich. Entsprechend kommt es zu entzündlichen Kreuz- und Gesäßschmerzen, einem geschwollenen, schmerzenden Knie beziehungsweise Finger oder zu Fersenschmerzen. Ein Teil der Betroffenen entwickelt später eine Bechterew-Erkrankung (beziehungsweise eine ankylosierende Spondyl(o)arthropathie), eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung oder eine Schuppenflechte.

Diagnose: Das Beschwerdebild, die Kranken- und Familiengeschichte und der körperliche Untersuchungsbefund führen zur Verdachtsdiagose. Mehr als die Hälfte der Betroffenen haben das HLA-B27-Merkmal im Blut. Allerdings gilt das nicht als beweisend. Der Arzt orientiert sich bei der Diagnose an bestimmten europäischen Diagnose-Kriterien (ESSG). Dazu gehört zum Beispiel, ob auch Verwandte 1. oder 2. Grades an einer SPA erkrankt sind, ob der Betreffende vor weniger als einem Monat einen bakteriellen Infekt hatte oder ob bei ihm eine nachgewiesene chronisch-entzündliche Darmerkrankung vorliegt.

Therapie: Patienten mit der juvenilen Form werden vom Kinderrheumatologen ärztlich betreut. Ansonsten, also bei mutmaßlicher undifferenzierter SPA, entspricht die Behandlung derjenigen der anderen axialen SPA-Formen mit der größten gemeinsamen Schnittmenge der Krankheitszeichen.

Abszess: Gezielte Therapie notwendig

Die hier thematisierten Probleme sind zum Glück keineswegs alltägliche Entwicklungen. Umso mehr gilt der Rat, bei ungewöhnlichen Beschwerden und Schmerzen, gerade auch nach einer Behandlungsmaßnahme wie einer Spritze ins Gesäß oder aber bei einer chronischen Grunderkrankung, auch einer Immunstörung, umgehend (wieder) zum Arzt zu gehen.

  • Beckenabszess: Ein sogenannter Senkungsabszess im Becken ist eher ein seltenes Ereignis. Er kann zum Beispiel von einer eitrigen Infektion an der Wirbelsäule – im Bereich der Wirbel und /oder Bandscheiben – ausgehen. Außerdem kann ein Abszess im Becken als Komplikation bei Infektionen innerer Organe entstehen, zum Beispiel im Rahmen der Crohn-Krankheit (Morbus Crohn), einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung. Dabei können Bakterien einen geschädigten Abschnitt der Darmwand durchsetzen. Der entstehende Eiter sammelt sich zwischen den Darmschlingen an. Entlang des nahe gelegenen Iliopsoas- oder Piriformis-Muskels, beides innere Hüftmuskeln, findet er seinen Weg und kann im weiteren Verlauf bis ins Gesäß oder über die Leiste in den Oberschenkel eintreten. Bei Morbus Crohn kommt das eher auf der rechten Seite vor, weil die Erkrankung oft den hier liegenden Endabschnitt des Dünndarms erfasst.

    Symptome:
    Ein Beckenabszess kann anfangs beschwerdearm sein, da er sich abgekapselt im hinteren Gewölbe zwischen Wirbelsäule und Bauchfell entwickelt. Dies gilt insbesondere für einen tuberkulösen Abszess. Möglicherweise kommt es aber auch zu deutlichen Bauch- oder Flankenschmerzen. Letztlich hängt es vom Ausgangspunkt, der Lage und möglichen Komplikationen des Eiterherdes ab, welche Symptome auftreten. Liegt die Quelle an der Wirbelsäule, werden sich die Beschwerden zunächst auf diesen Körperbereich fokussieren, etwa mit starken Schmerzen im Kreuz. Die Schmerzen können auch in den Bauch, ins Gesäß oder in die Hüften ausstrahlen. Werden Wirbel angegriffen, kann das Rückgrat sich verkrümmen. Auch eine Reizung der Wurzel des Ischiasnervs am Rückenmark mit neurologischen Symptomen ist möglich. Häufig treten Fieber, Schüttelfrost und deutliches Krankheitsgefühl auf. Für eine Darmentzündung als mögliche Grunderkrankung sind darüber hinaus Beschwerden wie krampfartige Bauchschmerzen, Durchfall (auch blutig) oder aber Verstopfung typisch.
    Diagnose: Wichtig sind wie immer zunächst das Beschwerdebild und die Krankengeschichte. Sie können zum Beispiel auf eine bestehende Krankheit oder eine vorausgegangene Operationen verweisen. Bei der körperlichen Untersuchung kann die Wirbelsäule extrem berührungsempfindlich und beim Beklopfen schmerzhaft sein. Eventuell kann sie auch eine Vorwölbung und Schwellung aufweisen. Falls der Patient am Rücken operiert wurde, wird der Arzt ohnehin sein Augenmerk darauf richten. Eine Röntgenaufnahme des Bauches kann bei einem (Ilio-)Psoas-Abszess einen unscharf begrenzten Schatten des Muskels erkennen lassen (Psoaszeichen). Die Diagnose lässt sich meist in einer Magnetresonanz- oder Computertomografie sichern. Dabei kann auch der mutmaßliche Ausgangspunkt beziehungsweise das Ausbreitungsgebietes des Abszesses erkannt werden. Der Erreger wird in einer Probe aus dem Abszess und / oder im Blut nachgewiesen; weitere Blutuntersuchungen ergeben deutliche Entzündungszeichen.

    Therapie:
    Ein Abszess wird in der Regel chirurgisch ausgeräumt und zusätzlich gezielt mit einem Antibiotikum gemäß Erregertestung behandelt. Die zugrunde liegende Erkrankung wird nach den hierfür geltenden Regeln therapiert. Vereiterte, geschädigte Darmabschnitte müssen meist entfernt werden. An der Wirbelsäule sind eventuell spezielle operative Maßnahmen wie eine Defektfüllung nach Ausräumen einer Eiterhöhle nötig, außerdem Ruhigstellung und Korsettversorgung.
  • Spritzenabszess: Im Gesäßmuskel ist ein Abszess durch Verletzungen, eingedrungene Fremdkörper oder eine Spritze (intramuskuläre Injektion) möglich. Dabei kann ein Bluterguss entstehen, der sich im zweiten Schritt infiziert, oder es sind über verkeimtes Instrumentarium Eiterreger eingewandert. Das kommt heute, im Zeitalter der Einwegnadeln und -spritzen, zum Glück kaum noch vor. Auch bei sachgemäßer Injektion besteht aber stets ein minimales Restrisiko. Es hängt auch von der Art des eingespritzten Medikamentes ab. So wird bei manchen Präparaten, auch wenn sie zur Injektion in den Muskel deklariert sind, auf die Möglichkeit eitriger Geschwüre hingewiesen. Gefährdet sind insbesondere Menschen mit Diabetes, Kranke mit verminderter Immunabwehr und solche, die häufiger eine Spritzenbehandlung benötigen, außerdem Drogenabhängige. Wegen möglicherweise bedrohlicher Folgen wie einer Blutvergiftung muss beim geringsten Verdacht auf einen Spritzenabszess sofort der behandelnde Arzt hinzugezogen werden.

    Symptome:
    Bei einem Spritzenabszess treten Schmerzen im Gesäß auf, die mitunter zunächst nicht genau erklärbar sind, weil der Abszess genug Nischen in der Tiefe der Muskeln findet. Erst nach einigen Tagen kann eine Schwellung und Rötung an der Haut sichtbar werden. Mögliche Begleitsymptome sind eine eingeschränkte Beweglichkeit, Fieber, Schüttelfrost und Krankheitsgefühl. Bei oberflächlichen Abszessen kommt es relativ schnell zu den äußerlich erkennbaren Zeichen.

    Diagnose:
    Ein Abszess im Glutäus kann äußerlich oder bei entsprechendem Verdacht anhand einer Ultraschalluntersuchung erkannt werden. Die Tatsache einer vorausgegangenen Spritzenbehandlung ist in der Regel bekannt.

    Therapie:
    Nicht jede schmerzhafte Schwellung nach einer intramuskulären Spritze ist gleichbedeutend mit einem Abszess. Zum Beispiel kann ein kleinerer Bluterguss aufgetreten sein. Damit verbundene Beschwerden können nach einigen Tagen mithilfe einer örtlichen Behandlung (kühlende Umschläge, Eiskompressen) wieder zurückgehen. Entscheidend ist, dass der behandelnde Arzt die Möglichkeit hat, den Befund engmaschig zu kontrollieren. Bei einem sich abzeichnenden oder nachgewiesenen Abszess sind die zügige chirurgische Eröffnung und eine Therapie mit Antibiotika notwendig. Der Eiter wird abgeleitet und die Wunde zum Abheilen gebracht. Gegebenenfalls ist auch eine plastische Operation angezeigt, um einen entstandenen Defekt abzudecken.
  • Steißbeinfistel (Pilonialsinus): Die Gesäßfalte ist einer der Körperstellen, mithin die wichtigste, an denen sich ein Pilonidalsinus bilden kann, in diesem Fall also Steißbeinfisteln. Dabei handelt es sich um chronische Hautentzündungen. Als Mechanismus wird unter anderem angenommen, dass Haare nach innen wachsen und dabei Hautkeime und abgeschilferte verhornte Haut (Keratin) mitnehmen ("Haarnester" oder "Haarnestgrübchen"). Möglicherweise liegt auch eine anlagebedingte Veränderung in der entsprechenden Körperzone vor. Es entsteht zunächst ein Fremdkörperknötchen (Granulom) – für Hautkeime die ideale Brutkammer. Unter ihrem Einfluss kommt es in dem Knötchen zur Entzündung, Eiterbildung und zum Abszess. Der Abszess bahnt sich im weichen Unterhautgewebe einen Weg bis zum Steißbein – das Bindegewebe der Gesäßmuskeln setzt gewisse Grenzen – und nach außen. Somit kann sich ein weit verzweigtes Gangsystem bilden, das hier und da mit Poren in die Haut mündet. Das Krankheitsbild betrifft doppelt so häufig Männer wie Frauen, Hauptaltersgruppe: 20 bis 30 Jahre. Begünstigend wirken starke Behaarung, Schweißabsonderung, ungenügende Hygiene, überwiegende Sitzhaltung, Übergewicht, Veranlagung und geschwächte Immunabwehr.

    Entzündungs- und Eiterherde der Haut sollte immer ein Dermatologe begutachten, da sie Ausdruck verschiedener Krankheitsbilder sein können. Die Behandlung eines Pilonidalsinus, der akut oder chronisch Beschwerden bereitet, obliegt dem Chirurgen oder Proktologen (Facharzt für Enddarmerkrankungen). Abzugrenzen sind Abszesse oder Fisteln, die vom Analkanakal ausgehen. Dazu kommt es häufiger bei der Crohn-Krankheit (Morbus Crohn).

    Symptome:
    Der entzündete Pilonidalsinus ist äußerlich als Pickel oder größeres gerötetes und geschwollenes Gebilde sichtbar, eventuell mit Eiterpunkt. Die ganze Umgebung kann ausgesprochen schmerzhaft sein, Sitzen unmöglich, Liegen oder Laufen oft beschwerlich. Es können auch Allgemeinsymptome wie Fieber und Schüttelfrost auftreten. Reizlose Fistelöffnungen dagegen sind so klein, dass sie teilweise gar nicht wahrgenommen werden. Im chronischen Stadium entleert sich ständig Sekret und Blut, aber es bestehen hier keine Schmerzen.

    Diagnose:
    Sie ergibt sich aus dem Befund und dem Krankheitsverlauf. Bei Druck auf Poren eines entzündeten Pilonidalsinus kann sich Eiter entleeren.

    Therapie:
    Ein Abszess wird zunächst in örtlicher Betäubung gespalten und mit einer Lasche versorgt, damit der Eiter abfließen und die Entzündung abschwellen kann. Dadurch lassen auch die Schmerzen nach. Im zweiten Schritt wird das Fistelsystem nebst Abszesshöhle mit gezielter Schnittführung herausgelöst. Zur genaueren Darstellung können die Gänge während des Eingriffs mit Farbstoff angefärbt werden. Entzündete "Haarnester", die als des Übels Wurzel gelten, werden mitentfernt. Fisteln sollten auch ausgeräumt werden, wenn sie chronisch Beschwerden machen. Gelegentlich muss sich ein Betroffener wegen einer erneuten Fistel einem Zweiteingriff unterziehen. Plastische Techniken ermöglichen es dann, entstandene Defekte in der Gesäßfurche zu decken und die Verhältnisse hier zu optimieren. Eine gute Hygiene, Alkohol- und Rauchverzicht vor allem auch sorgfältiges Freihalten des Narbenbereiches von Haaren für mindestens ein Jahr nach der Operation sind wichtige Voraussetzungen für die Genesung und einen günstigen Verlauf.

Das Muskel-Teamwork verbessern

Verspannte Muskeln können sehr schmerzhaft sein. Am besten vermeiden Sie das, wenn Sie eingefahrene Bewegungsabläufe regelmäßig unterbrechen. Das fängt am Hals an und hört am Gesäß auf. Schultern, Ellenbogen, Handgelenke, Finger, Wirbelsäule und Kreuz – sie alle reagieren empfindlich, wenn die Muskeln aus dem Takt kommen.

Bei stärkeren Funktionsstörungen am Bewegungssystem kann der Arzt Physiotherapie (Krankengymnastik) verordnen. Es gibt viele einfache und wirkungsvolle Übungen, um verkürzte Muskeln zu dehnen, geschrumpfte zu stärken und das Muskel-Teamwork zu verbessern. Nebenbei werden auch die Koordination und das Gleichgewicht trainiert.

Sich regelmäßig bewegen – das sollte so normal sein wie Essen und Trinken. Anfangs muss man sich vielleicht etwas dazu zwingen, aber die positiven Wirkungen auf den Körper stellen sich meist bald ein. Wenige Minuten täglich sind schon ein Gewinn: Man wird gelenkiger, geschmeidiger, schneller, aktiver – übrigens auch im Kopf! Nicht zuletzt spielen sich Schlaf und Verdauung wieder ein.

Hüften, Knie und Gesäß sind am besten mit Normalgewicht bedient. Auch die Intimhygiene lässt sich dann leichter bewerkstelligen.

Den Intimbereich gut pflegen

Sie trägt dazu bei, lästigen Hautentzündungen wie dem Pilonidalsinus beziehungsweise einer Steißbeinfistel im Gesäßbereich vorzubeugen. Eventuell kann es sinnvoll sein, gegen eine allzu üppige Behaarung vorzugehen. Im ersten Jahr nach Entfernung von Fisteln empfiehlt sich regelmäßiges Enthaaren auf jeden Fall.

Bei der Wundpflege nach einer Operation im Gesäßbereich sollten Sie den Empfehlungen des Arztes folgen. Herumexperimentieren mit den wohlgemeinten Ratschlägen Dritter bewährt sich meistens nicht. Alkohol- und tabakfreies Klima bekommt auch der Wundheilung gut.

Bei Beschwerden zum Arzt

Bei ungewohnten Schmerzen im Gesäß, morgendlicher Steifigkeit im Kreuz, nächtlichen Kreuzschmerzen oder unklaren Gelenkschmerzen – auch wenn diese Symptome zunächst nur unterschwellig erscheinen und im Laufe des Tages wieder abklingen – sollten Sie sicherheitshalber zum Arzt gehen.

Schmerzen im Gesäß/Kreuz: Fachliteratur

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