Angst und Angststörungen

Ängste gehören zum Leben. Doch sie können außer Kontrolle geraten und krankhaft werden. Hier finden Sie Informationen über Ursachen und Therapien von Angststörungen

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 06.12.2017

Angsterkrankungen – in Kürze

Angst löst Alarmreaktionen aus. Die sind seit Urzeiten in uns verankert – zum Selbstschutz und um zu überleben. Unter Angststörungen versteht man krankhaft übersteigerte, vielfältige Ängste: ohne äußere Gefahrenlage, aber mit eigenen Gefahrenbildern als Teil komplexer innerseelischer Geschichten. Unbewusst entwickelte oder erlernte Verhaltensmuster wie etwa Vermeidungsverhalten – verstärkt durch bestimmte Lebenserfahrungen und Persönlichkeitsfaktoren, erschüttert durch einschneidende Ereignisse – das sind nur einige der möglichen Entstehungsbedingungen. Angststörungen verursachen häufig massive körperliche und psychische Beschwerden, hohen Leidensdruck, Lähmung im Alltag. Doch auch völliges Fehlen von Angst gilt als pathologisch.

Angst ist ein urmenschliches Gefühl, mitunter lebensrettend. Die grundlegende Emotion hilft uns, Gefahren zu erkennen und darauf zu reagieren. Sie mahnt uns zu Vorsicht und erhöhter Aufmerksamkeit. Begründete Furcht verschafft uns die nötigen Energien, um entschlossen zu handeln, Schutzmaßnahmen zu ergreifen oder Herausforderungen anzunehmen und unsere Kräfte zu mobilisieren.

Unsere Vorfahren reagierten auf Bedrohungen mit Flucht oder Angriff. Die die Angst begleitenden Körperreaktionen halfen ihnen dabei: Die Muskeln spannen sich an, das Herz schlägt rascher, Stresshormone werden ausgeschüttet. Körper und Geist sind hochkonzentriert und leistungsbereit. Nach überstandener Gefahr klingt die Stressphase wieder ab, Entspannung stellt sich ein.

Im modernen Leben sehen wir uns beständig Situationen gegenüber, die Ängste auslösen können: Sorgen um Menschen, die uns lieb sind, um Geld- oder Arbeitsplatzverluste, Krankheiten, spiegelglatte Straßen im Winter, Prüfungen, Gespräche mit Vorgesetzten, Flugreisen, Zahnarzttermine. Manche Situationen werden als Bedrohung erlebt, obwohl von ihnen objektiv keine unmittelbare Gefahr ausgeht, wie der Zahnarztbesuch.

Lebenskrisen und schwere Krankheiten lösen oft berechtigte Ängste aus, die kurzfristig überhand nehmen und den Betroffenen lähmen, dann aber meist zu Bewältigungshandeln führen. Manche Menschen brauchen dazu therapeutische Hilfe, finden aber nach überstandener Krise wieder in ihre ausgeglichene Gefühlslage zurück.

Sobald Ängste jedoch die Gefühlswelt dauerhafter belasten, den Alltag beherrschen und die eigene Handlungsfähigkeit einschränken, ist es Zeit, ihnen auf den Grund zu gehen. Sie können Anzeichen für eine ernsthafte Angststörung oder eine andere psychische Problematik sein. Dabei erfassen krankhafte Ängste auch oft ganz normale Lebenslagen. Sie befähigen nicht zu konzentrierter Aktivität, sondern blockieren.

Jeder Mensch hat dabei ein unterschiedliches Angstniveau. Das kann von einem mulmigen Gefühl bis hin zu heftigen Angstwellen mit deutlichen körperlichen Beschwerden reichen. Der eine steigt gelassen ins Flugzeug und freut sich sogar, wenn die Maschine in den blauen Himmel abhebt. Der andere übersteht den Flug nur mit Beruhigungstabletten oder vermeidet die Reise über den Wolken nach Möglichkeit ganz. Ähnliches gilt für den Zahnarztbesuch. Inzwischen gibt es Praxen, die sich darauf spezialisiert haben, Menschen mit übersteigerter Furcht vor dem Zahnarzt zu behandeln.

Wo liegt die Grenze zwischen normaler und krankhafter Angst?

Die Angst vor dem Fliegen oder dem Zahnarzt zum Beispiel bezieht sich auf eine konkrete Situation. Sie kann auch Menschen ergreifen, die sonst recht mutig und selbstbewusst durchs Leben gehen. Solche Ängste sind zwar lästig und für manche Lebensbereiche auch überaus hinderlich, aber sie lassen sich mit gezielten Maßnahmen oft recht gut in den Griff bekommen. Sie können aber auch Teil einer tiefer gehenden Angststörung sein.

Andere Angstgefühle sind für die Betroffenen nicht so eindeutig zuzuordnen. Einige Menschen reagieren insgesamt ängstlicher auf die unterschiedlichsten Stress-Situationen und Herausforderungen. Sie können aber immer noch damit umgehen, sich selbst beruhigen oder Mut machen.

Wie äußern sich krankhafte Ängste?

  • Situativ oder aus heiterem Himmel: Angstanfälle, Panikattacken

Menschen, die an einer Panikstörung leiden, erleben regelrechte Angstanfälle. Diese können immer wieder in bestimmten Situationen (Menschenansammlungen, Einladungen), an bestimmten Orten (freie Plätze, Brücken, Aufzüge), bei bestimmten Begegnungen (Spinnen, Hunde) ausbrechen. Sie sind dann mit einer Phobie verbunden. Die Panikattacken können die Betroffenen aber auch grundlos, wie aus heiterem Himmel, überfallen.

Panikanfälle lösen teilweise sehr heftige körperliche Symptome aus. Nicht selten stehen diese so im Vordergrund, dass die Betroffenen fürchten, ernsthaft erkrankt zu sein. Sie fangen an zu zittern, verspüren Schmerzen und Druck in der Brust, haben starkes Herzklopfen, Atemnot und Schwindelgefühle. Manche hyperventilieren, sie atmen übererregt schnell ein und aus, was zu Krämpfen und Schwindel bis hin zu Ohnmachten führen kann und die Angst noch weiter steigert. Panikanfälle dauern oft nur wenige Minuten, können aber auch Stunden anhalten. Die Beschwerden gehen zurück, sobald die Attacke ihren Höhepunkt erreicht hat und dann allmählich verebbt.

Solche körperlichen Symptome können allerdings auch bei einer akuten Angina pectoris, einem Herzinfarkt oder anderen körperlichen Erkrankungen auftreten (siehe dazu Kapitel "Angst – Ursachen: Körperliche Erkrankungen" in diesem Beitrag. Deshalb ist es wichtig, dass zunächst ein Arzt mögliche körperliche Auslöser abklärt. Liegen den Ängsten psychische Ursachen zugrunde, erweisen sich dann in der Regel alle Untersuchungsbefunde als normal.

Wer einmal eine heftige Panikattacke erlebt hat, entwickelt oft eine zusätzliche tief sitzende Angst vor einem möglichen neuen Anfall und meidet deshalb Situationen, die der ähneln, in der die Panik aufgetreten ist. Er zieht sich zurück und gerät dadurch häufig immer weiter in einen Teufelskreis der Angst. Die Angst vor der Angst beherrscht sein alltägliches Leben mehr und mehr und führt in einen sozialen Rückzug, der weitere psychische Probleme mit sich bringt (siehe Kapitel "Angststörungen").

  • Generalisierte Angst

Andere Ängste machen sich nicht panikartig, sondern eher schleichend bemerkbar, in einem mulmigen Gefühl, wachsender innerer Anspannung, Nervosität und Unruhe. Wer eine solche allgemeine Angst erlebt, verspürt oft einen Druck in der Magengegend und fühlt sich wie gelähmt. Gleichzeitig rasen die Gedanken hin und her, schaukeln sich auf, überlagern sich, so dass es schwer fällt, sie in eine vernünftige Richtung zu lenken.

Derart angsterfüllte Zustände kennt fast jeder Mensch in belastenden Situationen oder Lebensphasen. Bleibt das Angstgefühl in unterschiedlicher Intensität über längere Zeit bestehen, sprechen Mediziner von generalisierter Angst. Sie ist meist Ausdruck einer ernsten Angststörung, vor allem auch dann, wenn sie zu sozialer Isolierung führt (siehe dazu wiederum im Kapitel "Angststörungen").

Welche Ursachen stecken hinter starken Angstgefühlen?

  • Körperliche Ursachen

- Bedrohliche Krankheitsdiagnosen: Das Wissen, an einer schweren Krankheit zu leiden, ruft nachvollziehbare Ängste hervor. Krebspatienten und Menschen mit anderen chronischen Erkrankungen sind immer wieder tief gehenden Ängsten ausgesetzt, mit denen sie zurechtkommen oder sich gezielt auseinandersetzen müssen. Auch Schmerzpatienten kennen die Ängste vor dem nächsten Schmerzanfall. Die ängstliche Erwartung verstärkt häufig noch das Schmerzerleben.

Angstgefühle gehören also manchmal mittelbar, aber auch unmittelbar zu den Symptomen einer ernsthaften körperlichen Krankheit. Im Vordergrund stehen jedoch stets die jeweils kennzeichnenden körperlichen Krankheitszeichen. So können etwa Herzerkrankungen mit Herzbeschwerden, Brustenge, Atemnot und auch mit Angstgefühlen einhergehen. Erkrankungen der Atemwege wie Asthma oder chronische Lungenerkrankungen lösen neben Atemproblemen oder Hustenanfällen häufig Ängste aus.

Einige Erkrankungen des Nervensystems im Gehirn können in unterschiedlichen Krankheitsphasen ebenfalls psychische Veränderungen und Ängste zur Folge haben. Angstzustände treten beispielsweise im Rahmen einer multiplen Sklerose, der Parkinson-Krankheit oder von Demenzerkrankungen wie der Alzheimer-Krankheit auf.

Ängste entstehen manchmal bei Schilddrüsenstörungen mit ausgeprägter, lebensbedrohlicher Überfunktion.

Liegt der Verdacht einer krankhaften körperlichen Ursache nahe, bringt eine gründliche ärztliche Untersuchung ersten Aufschluss. Der Hausarzt wird je nach ersten Untersuchungsergebnissen seinen Patienten gegebenenfalls an einen entsprechenden Facharzt überweisen.

- Medikamente: Einige Arzneimittel können Angstgefühle auslösen oder verstärken. Möglich ist das etwa bei Medikamenten gegen psychische Erkrankungen (Neuroleptika), gegen die Parkinson-Krankheit, gegen Hirnleistungsstörungen oder bakterielle Infektionen (Antibiotika). Hier ist es wichtig, über die auftretenden Nebenwirkungen mit dem Arzt zu sprechen (siehe Kapitel "Körperliche Erkrankungen").

- Alkohol und Drogen: Suchterzeugende Substanzen greifen in den Gehirnstoffwechsel ein und verändern Wahrnehmung, Denken und Psyche. Ängste, Wahnideen oder tiefe Depressionen gehören mit zu den Folgen von Alkoholmissbrauch und Drogensucht. Ebenso können heftige Angstgefühle bei Entzug der Droge auftreten (siehe Kapitel "Körperliche Erkrankungen"). Andererseits führen Angststörungen selbst nicht selten in ein Suchtverhalten.

Hat der Arzt mögliche körperliche Erkrankungen ausgeschlossen, sind die Auslöser für neu aufgetretene, übermäßige Ängste meist psychischer Natur.

  • Psychische Ursachen

- Stress, Burnout, starke seelische Belastungen können anhaltende Angstgefühle oder Panikanfälle nach sich ziehen (siehe Kapitel "Depressionen, Zwänge").

- Angststörungen: Die Hauptursachen für ausgeprägte Ängste sind Angsterkrankungen. Sie zeigen sich in unterschiedlichen Formen, als Phobien, Panikstörungen oder generalisierte Angststörungen. Außerdem gibt es gemischte Angststörungen. Hier treten krankhafte Ängste zum Beispiel gemeinsam mit einer Depression auf (siehe Kapitel "Angststörungen").

- Depressionen, Zwangsstörungen, Belastungsstörungen: Sehr häufig sind krankhafte Ängste mit Depressionen, Zwangsstörungen oder anderen psychischen Erkrankungen verbunden. Tiefsitzende, dauerhafte Ängste können auch Folge traumatischer Erlebnisse sein und zu den Symptomen einer posttraumatischen Belastungsstörung gehören (siehe Kapitel "Depressionen, Zwänge").

Therapie

Ein Psychotherapeut und gegebenenfalls ein Psychiater können einer Angsterkrankung  zugrundeliegende psychische Störung aufdecken und behandeln. Je nach Ursache und Diagnose kommen aber auch Ärzte anderer Fachgebiete in Betracht.

Die folgenden Kapitel informieren Sie über die wichtigsten Ursachen von Ängsten sowie über Therapie- und Selbsthilfemöglichkeiten (siehe dazu Kapitelübersicht oben am Textanfang oder Kapitellinks unten).

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Körperliche Krankheiten, die Ängste verursachen können

Am häufigsten stellen sich Ängste im Zusammenhang mit Herzkrankheiten, Erkrankungen der Atemwege oder Schilddrüsenstörungen ein. Die Schmerzen bei einem Herzinfarkt oder die Atemnot bei einem Asthmaanfall lösen immer auch starke Angstgefühle aus. Das gilt ebenso für Krankheiten, die mit Schmerz- oder Schwindelattacken beziehungsweise mit Schockzuständen einhergehen. Darüber hinaus können sich Ängste durch Nervenerkrankungen im Gehirn entwickeln.

Bei all diesen Erkrankungen stehen jedoch andere Hauptsymptome im Vordergrund. Die zusätzlich auftretenden Angstgefühle können allerdings als Warnsignal gelten, und folglich ist es richtig, der Angst – und den gegebenenfalls ausgeprägten körperlichen Symptomen – entsprechend sofort einen Notarzt oder Rettungsdienst zu alarmieren. Auch ein Panikanfall, obwohl er keine körperlich bedrohlichen Folgen hat, stellt eine Notlage dar, auf die reagiert werden muss.

Die körperlichen Untersuchungen und weitere Schritte zu einer klärenden Diagnose liegen in den Händen des Hausarztes und je nach Verdacht bei weiteren Fachmedizinern beziehungsweise bei einem Psychiater.

Es kommt auch vor, dass Menschen an einer Angststörung leiden, jedoch annehmen, körperlich erkrankt zu sein. Sie lassen sich deshalb immer wieder ergebnislos von unterschiedlichen Fachärzten untersuchen. Ihre Angsterkrankung wird manchmal jedoch nicht erkannt, oder die Betroffenen selbst können diese nicht als Auslöser für ihre Beschwerden akzeptieren (siehe dazu Kapitel "Angststörungen" in diesem Beitrag).

Herzkrankheiten als Auslöser für Ängste

Ist das Herz als unser Lebensmotor erkrankt, können die Beschwerden und schon allein das Bewusstsein um die möglicherweise bedrohte vitale Sicherheit Ängste auslösen. Besonders betroffen sind Menschen, die an Herzrhythmusstörungen, an Herzschwäche oder Angina pectoris (Brustenge, anfallsartige Brustschmerzen) leiden. Intensive Angstgefühle erfassen oft auch Menschen, die einen Herzinfarkt erleben oder hinter sich haben.

Symptome für einen Herzinfarkt: Heftige Schmerzen hinter dem Brustbein, die anfallsartig einsetzen. Sie können vornehmlich auf der linken Seiten in die Schulter, in den Arm bis in die Fingerspitzen oder in den Hals und Unterkiefer, manchmal auch in den Oberbauch ausstrahlen. Die Schmerzen halten länger an – 30 Minuten und mehr – und klingen auch in Ruhe nicht ab. Vernichtungsängste, Schweißausbrüche, Schwächegefühl, Übelkeit und Erbrechen, Schwindel und Ohnmachtsgefühle können dazukommen.

Wichtig zu wissen: Der typische starke Brustschmerz kann bei Frauen oder bei Diabetikern mit Erkrankungen der Nerven fehlen.

! Rufen Sie bei Anzeichen für einen Herzinfarkt umgehend den Rettungsdienst (Notruf 112).

Ausführliche Informationen finden Sie im Ratgeber "Herzinfarkt (Myokardinfarkt)".

Der Arzt wird bei vorhandenen starken Ängsten im Rahmen der Herzuntersuchungen auch sogenannte funktionelle Herzbeschwerden (Herzangstsyndrom oder Herzangstneurose) ausschließen. Hierbei handelt es sich um eine Angststörung mit den Symptomen einer Herzerkrankung (siehe ebenfalls im Kapitel "Angststörungen").

Atemwegserkrankungen: Oft mit Angstgefühlen verbunden

Atemnot gehört zu den häufigen Symptomen einer Panikattacke. Die Betroffenen atmen zu flach und hastig oder zu heftig ein und aus. Manche haben das Gefühl, die Kehle sei wie zugeschnürt. Die erschwerte Atmung verstärkt die Angstgefühle.

Umgekehrt löst Luftnot durch erkrankte Atemwege Beklemmung, Ängste, Schwindel und weitere Beschwerden aus. Davon abzugrenzen ist das Hyperventilationssyndrom (siehe unten). Häufig stellen sich Angstgefühle bei Hustenanfällen mit Atemnot ein, wie sie für eine chronische Bronchitis oder eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) typisch sind.

Menschen, die beispielsweise an Asthma bronchiale leiden, erleben immer wieder Anfälle von Atemnot. Ihnen fällt dann vor allem das Ausatmen schwer. Ursache ist eine plötzliche Verengung der Bronchien. Ein schwerer Asthmaanfall ist ein Notfall!

Hyperventilationssyndrom: Folge oder Ursache von Ängsten

Schwindel, Engegefühl in der Brust, Zittern, Kribbeln und Krämpfe in den Händen, kalte Schweißausbrüche verursacht auch das sogenannte Hyperventilationssyndrom. Hier können Ängste sowohl Auslöser als auch Folge sein. Die Betroffenen, häufig jüngere Frauen unter 30 Jahren, atmen überschnell ein und aus (hyperventilieren). Dadurch geben sie vermehrt Kohlendioxid (CO2) mit der Atemluft nach außen ab. Die Folge dieses Entzugs ist ein kurzfristiges Kalziumungleichgewicht im Körper. Muskeln und Nerven sind dadurch vorübergehend übererregt, die Neigung zu Krämpfen ist erhöht.

Für das anfallsartig übersteigerte Atmen gibt es einmal psychische Ursachen, etwa Stressreaktionen, Panikattacken oder Depressionen. Die Atmungsstörung kann aber auch in körperlichen Erkrankungen begründet sein und länger anhalten: unter anderem bei Lungenkrankheiten, Kalzium- und Magnesiummangel, Sauerstoffmangel in den Geweben, Gehirnverletzungen oder -entzündungen.

Symptome: Das hektische Ein- und Ausatmen zieht weitere Symptome nach sich, insbesondere Schwindel, Brustenge, Zittern, Kribbeln, kalte Hände und Füße, Krämpfe in den Händen. Neben diesen Symptomen können auch außerhalb der akuten Hyperventilation Beschwerden bestehen bleiben (chronische Hyperventilation). Dazu gehören Herzklopfen, Atembeschwerden, die sich in Hüsteln, Seufzen oder Atemnot äußern, Blähungen durch geschluckte Luft, Sehstörungen, vermehrtes Schwitzen. Viele Betroffene leiden darüber hinaus unter erhöhter Nervosität, Schlafstörungen, Weinerlichkeit, Ängsten und Depressivität.

Diagnose und Therapie: Der Arzt wird zunächst mit gezielten Untersuchungen möglichen körperlichen Ursachen nachgehen und diese behandeln. Kann er eine körperliche Erkrankung ausschließen, sichern die Krankengeschichte und verschiedene Tests die Diagnose einer zugrundeliegenden psychischen Problematik. Es ist ganz wesentlich, dass die Betroffenen erkennen, womit ihre Beschwerden zusammenhängen.

Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Atem- und Entspannungstherapien können grundsätzlich hilfreich sein, ebenso psychotherapeutische Verfahren bei psychischen Problemen.

Während eines akuten Hyperventilationsanfalls bringt oft eine Papiertüte unmittelbare Hilfe. Sie wird locker über Mund und Nase des Hyperventilierenden gestülpt. Dieser atmet nun in die Tüte aus und durch sie wieder ein. Dadurch gelangt CO2 zurück in den Körper, und die Kalziumteilchen verteilen sich wieder richtig. Diese Maßnahme darf nicht angewendet werden, wenn ein Sauerstoffmangel im Blut (Hypoxämie) vorliegt, etwa bei einer Höhenkrankheit. Wichtig ist auch, beruhigend auf den Betroffenen einzuwirken.

Schilddrüsenüberfunktion: Angst als Zeichen für eine Hormonentgleisung

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion produziert die Schilddrüse zu viele Schilddrüsenhormone. Ängste treten dann am ehesten im Zusammenhang mit typischen Beschwerden wie einer gesteigerter Nervosität und Herzklopfen auf.

Kennzeichnend gehen Ängste mit einer sogenannten thyreotoxischen Krise einher. Es handelt sich dabei um eine besonders ernste, lebensbedrohliche, wenn auch seltenere Verlaufsform der Überfunktion. Die übermäßige Freisetzung von Schilddrüsenhormonen führt zu deutlichen Vergiftungserscheinungen.

Symptome für eine thyreotoxische Krise: Starke Nervosität und Bewegungsunruhe, Zittern, Angstgefühle, Herzrhythmusstörungen mit schnellem Herzjagen und Herzstolpern, Fieber, Schweißausbrüche, Erbrechen, Durchfall, Flüssigkeitsverlust.

! Eine thyreotoxische Krise ist ein Notfall, der umgehend intensivmedizinisch behandelt werden muss.

Lesen Sie mehr im Ratgeber "Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)".

Krisen und Schockzustände: Häufig von Ängsten begleitet

Ängste können neben den vorherrschenden Symptomen bei weiteren Krisen und Schockreaktionen auftreten, etwa bei einer Höhenkrankheit mit akutem Sauerstoffmangel.

Ängste erleben auch Menschen mit Diabetes Typ 1 oder Diabetes Typ 2 (mehr zu Diabetes auch auf unserem Partnerportal www.diabetes-ratgeber.net), wenn sie in eine Unterzuckerung geraten und der Stoffwechsel entgleist. Verständlicherweise entwickeln viele Betroffene Ängste vor einer weiteren Zuckerkrise. Die beste Strategie ist hier, sich in der Diabetestherapie fit zu machen, damit man sie jederzeit richtig handhaben kann.

Lebensbedrohliche allergische Reaktionen sind ebenfalls oft mit Angstgefühlen verbunden, zum Beispiel bei einem anaphylaktischen Schock.

Nerven- und Gehirnerkrankungen: Verstärkte Ängstlichkeit

Erkrankungen des Zentralnervensystems gehen mit charakteristischen Beschwerden einher, die die jeweilige Störung kennzeichnen. Zusätzlich lösen einige davon auch Angstgefühle aus. Das trifft besonders für Erkrankungen zu, die mit Schmerz- oder Schwindelattacken einhergehen, wie eine Migräne oder die Menière-Krankheit, bei der das Gleichgewichtssystem gestört ist.

Verletzungen mit Gehirnblutungen sowie Entzündungen und Abbauprozesse im Gehirn rufen gehäuft psychische Störungsbilder (organische Psychosyndrome) hervor, zu denen oft Angstgefühle gehören. Wer an einer Demenzerkrankung wie der Alzheimer-Krankheit leidet, der erlebt neben Gedächtnisverlusten und Orientierungsstörungen auch mögliche Phasen erhöhter Angst und Verwirrtheit. Parkinson-Kranke entwickeln häufig Depressionen und Ängste. Der Untergang bestimmter Nervenzellen wirkt sich hier nicht nur hemmend auf bestimmte Bewegungsabläufe aus, er beeinflusst auch andere Nervenaktivitäten und damit die Psyche.

Alkoholkrankheit: Veränderte Psyche, Angstgefühle

Schon kleinere Mengen Alkohol greifen die Nervenzellen im Gehirn an. Alkoholmissbrauch schädigt neben der Leber und anderen Organen so auch nachhaltig das Nervensystem. Der gestörte Gehirnstoffwechsel führt auf Dauer zu Gehirnschäden und psychischen Veränderungen. Wahnideen sowie Angstzustände können die Folge sein, ebenso wie epileptische Anfälle und Demenzen.

Nach Alkoholentzug geraten Alkoholabhängige nicht selten in ein Delirium tremens (Delir). Psychische Funktionen und Bewusstsein sind akut gestört. In diesem Zustand sind die Betroffenen aufs Höchste erregt, ängstlich und orientierungslos. Sie zittern, schwitzen, halluzinieren, haben Herzrhythmusstörungen und weitere Beschwerden.

Alkoholkranke mit starken Entzugssymptomen müssen meist in einer Klinik behandelt werden. Der Ausstieg aus der Alkoholsucht bedarf sehr häufig ärztlicher und psychotherapeutischer Unterstützung, zunächst in einer Klinik, später in Therapiegruppen.

Eingehend informiert der Ratgeber "Alkoholabhängigkeit (Alkoholsucht)".

Manche Menschen reagieren mit erhöhter innerer Unruhe und Angstgefühlen auf aufputschende Substanzen wie Nikotin oder Koffein, vor allem, wenn sie beides zusammen und in größerer Menge konsumieren. Dann auftretende Ängste sind Warnzeichen, unmittelbar zu reagieren, das Rauchen aufzugeben oder den Konsum koffeinhaltiger Getränke einzustellen beziehungsweise deutlich zu reduzieren.

Drogenmissbrauch: Erst Hochgefühle, dann Angstzustände

Drogen wie zum Beispiel Heroin, Morphin, Ecstasy, Kokain, Amphetamine oder Halluzinogene wie LSD greifen massiv in den Gehirnstoffwechsel ein und verändern Wahrnehmung, Denken und Psyche. Euphorie und anfängliche Entspannung können in heftige Angstgefühle, Wahnideen oder tiefe Depression umschlagen. Vor allem bei längerem Drogengebrauch, hohen Dosen und Abhängigkeit stellen sich die negativen Auswirkungen oft immer hartnäckiger ein und verändern das Wesen der Süchtigen nachhaltig. Das gilt auch für Alkoholmissbrauch (siehe oben). Ängste gehören zu den kennzeichnenden Entzugserscheinungen bei Drogenmissbrauch.

Suchterkrankungen können meist nur in einer Spezialklinik erfolgreich behandelt werden. Je nachdem, wie ausgeprägt die Probleme sind, helfen manchmal auch gezielte ambulante psychotherapeutische Programme den Abhängigen, endgültig aus der Suchtspirale auszusteigen.

Medikamente: Angstgefühle als mögliche Nebenwirkung

Einige Arzneimittel können zu vermehrter innerer Unruhe, Atemproblemen, Herzklopfen und Ängsten führen. Das sind vor allem Wirkstoffe, die bestimmte Gehirnbereiche, die Psyche und Körperfunktionen wie Herz- und Atemtätigkeit beeinflussen. Auch Mittel, die auf die Hormonproduktion oder den Stoffwechsel wirken, lösen manchmal als unerwünschten Nebeneffekt erhöhte Ängstlichkeit aus.

Infrage kommen daher unter anderem

  • einige Medikamente gegen psychische Erkrankungen (Neuroleptika) und gegen Depressionen (Antidepressiva),
  • Mittel gegen bakterielle Infektionen (Antibiotika),
  • Arzneistoffe, die gegen die Parkinson-Krankheit oder Hirnleistungsstörungen eingesetzt werden,
  • Medikamente gegen Epilepsien (Antiepileptika),
  • bestimmte Bluthochdruckmittel,
  • Mittel gegen Herzrhythmusstörungen, zum Beispiel Flecainid
  • einige Asthmamedikamente,
  • Arzneien zur Hormontherapie, etwa Östrogene,
  • Appetitzügler, insbesondere sogenannte Sympathomimetika,
  • Schmerzmittel, etwa Opiate.

Andere Medikamente, zum Beispiel auch angstlösende Mittel, rufen bisweilen Unruhe, Schlafstörungen und Ängste wach, wenn die Betroffenen sie plötzlich absetzen. Das gilt zum Beispiel für Benzodiazepine. Diese sollen allerdings nicht für längere Zeit eingenommen werden.

Auch reagiert jeder Mensch unterschiedlich auf ein Medikament. Ob und welche Nebenwirkungen auftreten, hängt zudem von der Dauer der Einnahme und der Dosierung ab.

Wenn Sie den Eindruck haben, dass ungewohnte Angstgefühle neu mit der Einnahme eines Medikaments aufgetreten sind, dann wenden Sie sich in jedem Fall an Ihren Arzt. Gehen Sie mit ihm die Arzneimittel durch, die Sie ständig oder gelegentlich einnehmen. Setzen Sie kein Medikament, das der Arzt Ihnen verschrieben hat, ohne Rücksprache einfach ab. Es kann mitunter angezeigt sein, dass der Arzt ein anderes, gleichwertiges Mittel verschreibt beziehungsweise die Dosierung anpasst.

Wie Angsterkrankungen sich äußern

Krankhafte Furcht beherrscht das Gefühlsleben und den Alltag. Die erlebte Angst steht in keinem Verhältnis mehr zu der Situation, in der sie auftritt. Sie zeigt sich über die Maßen heftig oder nistet sich anhaltend ein. Angststörungen sind mit körperlichen und häufig weiteren seelischen Symptomen verbunden. Sehr oft entsteht ein Teufelskreis der Angst: Aus Angst vor der Angst schränken die betroffenen Menschen ihr Alltagsleben extrem ein, ziehen sich mitunter ganz in ihre schützenden vier Wände zurück.

Dauerhaft vorhandene Angstgefühle oder Panikanfälle können Ausdruck einer eigenständigen Angsterkrankung oder auch Symptom einer Depression, einer Psychose oder einer anderen psychischen Erkrankung sein. Zwischen Ängsten und Depressionen besteht häufig eine enge Wechselbeziehung, oder es entwickelt sich eine Art Parallelität zwischen beiden (gemischte Angststörung), ohne dass das eine oder andere dauerhaft vorherrscht.

Bei Angststörungen ist das Angstzentrum im Gehirn überaktiv. Verantwortlich dafür ist das Zusammenwirken mehrerer Faktoren. Diese können in familiärer Veranlagung, frühkindlichen Erfahrungen, traumatischen Erlebnissen und Persönlichkeitsstörungen bestehen. Forschungsergebnisse haben außerdem gezeigt, dass bei Angststörungen in bestimmten Gehirngebieten (Limbisches System) – aber nicht nur dort – oft eine erhöhte Reaktionsbereitschaft auf verschiedene Reize, unter anderem Stressfaktoren, vorliegt. Daran sind wichtige Nervenbotenstoffe beteiligt, bei denen es zu Ungleichgewichten kommt. Dass Arzneistoffe, die hier Einfluss nehmen, stabilisierend wirken und so Ängste lösen können, stützt diese neurobiologischen und neurochemischen Erklärungsmodelle.

Zu den wichtigsten Angststörungen beziehungsweise Angsterkrankungen (Mediziner verwenden beide Begriffe abwechselnd für diese am häufigsten vorkommende psychische Erkrankung) zählen

  • Phobien mit und ohne Panik,
  • Panikstörungen mit Panikattacken
  • generalisierte Angststörung
  • Angst und depressive Störung, gemischt.

Informationen zu organisch bedingten Angststörungen finden Sie im Kapitel "Körperliche Krankheiten", zu gemischten Angsterkrankungen im Kapitel "Depressionen, Zwänge" in diesem Ratgeber.

Phobien: Vor etwas Angst haben, mit oder ohne Panikattacken

Phobien sind Ängste vor etwas, sei es vor Räumen, Situationen, Menschen, Tieren, Gegenständen. Psychoanalytiker sehen hierin unter anderem eine unbewusste Verlagerung von tief sitzenden Ängsten auf eigentlich harmlose Objekte oder Begegnungen. Die ursprünglichen Angstauslöser kann sich der Betroffene aus unterschiedlichen Gründen nicht eingestehen, er ist sich ihrer auch gar nicht bewusst. Trennungsängste und andere Erfahrungen in der Kindheit sowie Veranlagungen und erhöhte Reizempfindlichkeiten von Gehirnnerven spielen ebenfalls eine Rolle. 

Phobien gehen häufig mit Panikanfällen und Vermeidungsverhalten einher. Sie können aber auch durch anhaltende Angstgefühle, zum Beispiel vor dem Umgang mit anderen Menschen (siehe soziale Phobie), gekennzeichnet sein.

- Agoraphobie (Platzangst)

Angstauslöser sind bestimmte Orte oder räumliche Situationen wie große, offene Plätze, Menschenansammlungen, U-Bahnen, Kinosäle, Supermärkte. Auch weite oder allein unternommene Reisen können Angstgefühle einflößen. Die Betroffenen geraten in Panik, weil sie sich verloren oder ausgeliefert fühlen und nicht in der Lage sind, sich sofort wieder an einen schützenden Ort, etwa in ihre Wohnung, zu retten. Diese ortsgebundene Furcht hindert manche daran, überhaupt aus dem Haus zu gehen, da sie Angst vor der wieder einsetzenden Angst haben. Nicht selten entwickeln sie im weiteren Verlauf zusätzlich Depressionen und Suchterkrankungen.

Eine gesonderte Form der Platzangst ist die Klaustrophobie. Hier bezieht die Furcht sich auf enge, kleine Räume wie Aufzüge, Umkleidekabinen, Flugzeuge, überfüllte Züge. Mediziner reihen sie auch als spezifische Phobie ein (siehe unten).

Symptome: In den angstbesetzten Situationen treten starke Unsicherheits- und Beklemmungsgefühle auf. Die innere Unruhe kann sich bis ins Unerträgliche steigern. Der Drang, sofort den Ort verlassen zu müssen, ist groß. Mitunter löst schon der Gedanke an eine betreffende Räumlichkeit intensive Angstgefühle aus.

Die Ängste äußern sich nicht immer, aber doch häufig in plötzlich einsetzenden Panikattacken mit heftigen körperlichen Symptomen wie Zittern, Herzrasen, Schwindel, Übelkeit, Schweißausbrüche, Brustenge und Atembeschwerden. Im Extremfall atmen die Betroffenen übersteigert (sie hyperventilieren), und können sogar in Ohnmacht fallen. Die starken körperlichen Beschwerden schüren die zusätzliche Angst, an einer lebensbedrohlichen Krankheit zu leiden. Die Angstanfälle können mehrere Minuten bis Stunden dauern. Die Beschwerden gehen nach dem Höhepunkt der Attacke zurück.

- Spezifische Phobien

Hier verursachen ganz bestimmte Objekte oder Situationen Ängste, die sich ebenfalls in innerer Unruhe, Ängstlichkeit bis hin zu Panikattacken äußern. Die Angstreaktionen beziehen sich zum Beispiel begrenzt nur auf Spinnen oder nur auf Hunde. Auch nicht bestehende, aber vermutete Krankheiten (Hypochondrie) können beständige Ängste auslösen. Andere Betroffene fürchten sich speziell vor Prüfungen, Flugreisen oder Spritzen. Für einige Menschen sind es wiederum enge Räume, die sie in Schrecken versetzen (Klaustrophie). Die Furcht vor einer Art von Tieren oder Ereignissen kann sich so steigern, dass die Betroffenen, etwa beim Anblick von Spritzen, in Ohnmacht fallen, und ihr Alltagsleben erheblich einschränken, um den angstauslösenden Gegenstand zu meiden.

- Soziale Phobie

Die Ängste betreffen den Umgang mit anderen Menschen. Meist entstehen sie in bestimmten Situationen, etwa bei einem Auftritt vor einer größeren Menschengruppe, bei einer Begegnung mit unbekannten und weniger vertrauten Menschen oder bei einem Essen in Gesellschaft. Im Vordergrund steht die Furcht, zu versagen, sich öffentlich zu blamieren und in seinen Schwächen erkannt zu werden.

Das Vermeidungsverhalten ist ausgeprägt und kann zu sozialer Isolation führen. Diese wiederum zieht häufig weitere psychische Krankheitsbilder wie Depressionen nach sich. Auch ist die Gefahr groß, in eine Abhängigkeit zu rutschen, da die Betroffenen versuchen, ihre Ängste mit Alkohol und Medikamenten zu bekämpfen.

Symptome: Nicht nur die angstbesetzte Situation selbst, sondern oft schon der Gedanke an eine bevorstehende Begegnung oder ein Ereignis kann innere Unruhe und Angespanntheit auslösen, die sich bis zur Panik mit körperlichen Beschwerden steigern können. Dann fangen die Betroffenen an zu schwitzen, sie erröten, zittern, ihnen wird übel, sie haben starkes Herzklopfen und Harndrang. Ihre Gedanken kreisen oft unablässig um das eigene mögliche Versagen. Kritik oder allein Ratschläge von anderen verstärken das Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit nur.

Eingehende Informationen zu Entstehung, Symptomen, Diagnose und Therapien finden Sie im Ratgeber "Phobien (phobische Störung)".

Panikstörungen: Panikattacken als Ausdruck der Angst

Wer an einer Panikstörung leidet, erlebt die Angst überfallartig, meist ohne dass es dafür einen erkennbaren Anlass gäbe. Die Panikattacken führen zu einer ausgeprägten Angst vor dem nächsten, nicht kontrollierbaren Angstanfall. Panikanfälle können auch infolge einer überstandenen Erkrankung, etwa nach einem Herzinfarkt, auftreten. Dadurch entsteht ein Teufelskreis aus sich gegenseitig verstärkenden Ängsten. Panikstörungen sind häufig mit Phobien, insbesondere mit einer Agoraphobie (siehe oben) verbunden.

Symptome: Die plötzlich auftretenden Attacken sind heftig und mit intensiven körperlichen Symptomen verbunden. Dazu gehören Beklemmungsgefühle, Schwindel, Herzrasen, Übelkeit, Atemnot, Schwitzen, Zittern, Ohnmachtsgefühle. Das Angstempfinden kann sich bis zur Todesangst steigern. Häufig fürchten die Betroffenen, einen Herzinfarkt zu erleiden. Eine Panikattacke dauert wenige Minuten bis einige Stunden.

Generalisierte Angststörung: Immer in Furcht

Hier bestimmen Angst und Sorge dauerhaft das Denken und das Lebensgefühl der Betroffenen. Die Befürchtungen beziehen sich nicht auf eine bestimmte Situation, sondern auf viele Bereiche. Die Betroffenen sorgen sich ständig um etwas, um ihre Angehörigen, um ihren Gesundheitszustand, ihre Arbeitsleistung, um bevorstehende Unternehmungen. Die Angst wird oft auch nicht bewusst als Sorge erlebt, sondern als dauerhaft vorhandener Gemütszustand. Schlafstörungen, Bluthochdruck, Verdauungsbeschwerden und andere Regulationsstörungen können die Folge der seelischen Übererregung sein. Depressionen, die ihrerseits auch zu den Ursachen gehören, oder Zwangsstörungen kommen nicht selten hinzu (siehe wiederum im Kapitel "Depressionen, Zwänge").

Mediziner sprechen von einer generalisierten Angststörung, früher auch Angstneurose, wenn die typischen Symptome über einen längeren Zeitraum (mindestens ein halbes Jahr) lang anhalten und an den meisten Tagen vorhanden sind.

Symptome: Andauernde, innere Unruhe, nervöse Anspannung, ständiges Grübeln über mögliche Gefahren und Unglücksfälle sind kennzeichnend. Die Sorgen nehmen überhand und lassen sich nicht mehr kontrollieren. Daraus entstehen häufig Kontrollzwänge. Dazu kommen Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, erhöhte Reizbarkeit. Körperliche Beschwerden wie Muskelverspannung, Kopfschmerzen, Übelkeit, Verdauungsstörungen, Schwitzen und Mundtrockenheit stellen sich häufig ein.

Herzangstsyndrom, funktionelle Herzbeschwerden

Dieses Krankheitsbild, auch Herzphobie oder Herzangstneurose genannt, verursacht Schmerzen im Brustbereich, die bis in die Arme ausstrahlen können und immer wieder, auch ohne körperliche Anstrengung, auftreten. Manche Betroffene erleiden regelrechte "Herzanfälle", Panikattacken mit Herzrasen, Schweißausbrüchen, Zittern, Ohnmachtsgefühlen. Sie sind überzeugt, an einer Herzerkrankung zu leiden und beschäftigen sich unablässig damit. Auch die in der Regel unauffälligen körperlichen Befunde der ärztlichen Untersuchungen können sie nicht immer überzeugen. Hinter den Beschwerden verbirgt sich eine ausgeprägte Angststörung.

Diagnose von Angststörungen

Häufig wenden sich Menschen, die an einer Angsterkrankung leiden, wegen der damit verbundenen körperlichen Beschwerden oder der Schlafstörungen an den Arzt. Dieser wird seinen Patienten zunächst genau befragen und eingehend körperlich untersuchen. Wichtig für den Arzt ist auch zu wissen, ob bestimmte Medikamente beziehungsweise Alkohol oder Drogen eine Rolle spielen könnten.

Liegen keine körperlichen Störungen vor, die zu den geschilderten Symptomen führen könnten, ist es Aufgabe eines Psychiaters und Psychotherapeuten, anhand systematischer Befragungen und Tests das Krankheitsbild und seinen Schweregrad zu diagnostizieren. Der Psychiater geht auch anderen, möglicherweise vorhandenen psychischen Erkrankungen nach oder er schließt diese durch entsprechende Tests aus.

Therapie von Angststörungen

- Psychotherapien

Als äußerst wirkungsvoll in der Behandlung vieler Angststörungen, vor allem von Phobien und Panikstörungen, hat sich die Verhaltenstherapie mit speziellen Programmen erwiesen. Die kognitive Verhaltenstherapie hilft den Betroffenen, eingefahrene Verhaltensmuster, Gedanken und Gefühle sowie die damit verbundenen Ängste zu erkennen und durch gezielte Übungen zu verändern. Diese Behandlungskonzepte zeigen sich auch häufig bei generalisierten Angststörungen als erfolgreich.

In dem systematische Desensibilisierung genannten verhaltenstherapeutischen Verfahren zum Beispiel konfrontiert der Therapeut seinen Patienten schrittweise mit der Situation, die seine Phobie auslöst, zunächst gedanklich, später real (Gewöhnungstraining). Dadurch kann dieser lernen, mit seiner Furcht umzugehen und sie allmählich zu überwinden. Je nachdem, wie ein Betroffener seine Angst erlebt, sind noch weitere Verfahren geeignet, etwa auch Angstreizüberflutungen (Flooding-Therapie).

Wichtig: Wenn Ängste beginnen, gehäuft aufzutreten und Ihr Leben zu belasten, finden Sie so früh wie möglich den Weg zu einem Therapeuten. Das ist hilfreich, damit sich einengende Gedanken und Reaktionsmuster nicht "heillos" verfestigen oder weitere psychische Probleme wie Suchterkrankungen dazukommen.

Je nach Form der Angsterkrankung und Therapieverlauf kann auch eine psychodynamische Therapie infrage kommen. Sie ist aus psychoanalytischen und tiefenpsychologischen Therapien hervorgegangen. Die Behandlungsdauer ist meist wesentlich kürzer als die einer klassischen Psychoanalyse. Therapeut und Patient decken zwar auch tiefer liegende seelische Konflikte, die den Ängsten zugrunde liegen, auf. Therapeutisch bearbeiten sie jedoch insbesondere aktuelle Belastungen und Symptome. Gemeinsam entwickeln sie aktiv Lösungsmöglichkeiten. Psychodynamische Therapien erwägen Ärzte unter anderem, wenn Verhaltenstherapien aus unterschiedlichen Gründen nicht greifen. Es gibt inzwischen auch speziell auf Angsterkrankungen ausgerichtete Programme, wie zum Beispiel bei generalisierten Angststörungen die psychoanalytische Fokaltherapie.

Entspannungstherapien begleiten häufig unterschiedliche psychotherapeutische Verfahren. Eine gesunde Lebensführung mit viel körperlicher Bewegung trägt darüber hinaus dazu bei, sich wieder stabiler zu fühlen.

- Medikamentöse Behandlung

Neben der Psychotherapie sind bei schwereren Krankheitsbildern außerdem Medikamente angezeigt. In erster Linie kommen Antidepressiva infrage, insbesondere aus der Gruppe der selektiven Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI) und der selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI). Eine psychotherapeutische Behandlung stützt dabei idealerweise die medikamentöse. Es ist auch wesentlich, dass der Erkrankte die Wirkweisen der Medikamente versteht und die Therapie entsprechend aktiv mittragen kann. Denn es dauert zum Beispiel zwei oder mehrere Wochen, bis die Antidepressiva spürbar wirken.

Angstlösende Medikamente wie Benzodiazepine setzen Psychiater wegen der Abhängigkeitsgefahr in Ausnahmefällen nur kurzfristig bei ausgeprägten Panikstörungen und nur im Akutfall ein.

Zur Behandlung etwa von generalisierten Angststörungen kommen beispielsweise Medikamente wie Pregabalin (Kalzium-Kanal-Modulator, wird auch gegen bestimmte Schmerzen und Krampfleiden eingesetzt) oder Buspiron (ein Tranquilizer) infrage. Betablocker, Mittel gegen Bluthochdruck und bestimmte Herzleiden, lindern bisweilen starke körperliche Angstsymptome. Der Arzt wird aber hier auch mögliche Gegenanzeigen wie Bronchialasthma oder einen niedrigen Blutdruck beachten. Er richtet die medikamentöse Therapie immer entsprechend an den individuellen Beschwerden und an den Bedürfnissen seines Patienten aus. Dabei berücksichtigt er Neben- und Wechselwirkungen sowie individuelle Einschränkungen beim Patienten. Zur Behandlung der sozialen Phobie ist auch Moclobemid (ein sogenannter Monoaminooxidasehemmer) zugelassen.

Bei Unruhezuständen und leichteren Ängsten zeigten sich teilweise Lavendelölpräparate, die für eine Selbstmedikation zur Verfügung stehen, als geeignet. Sie sollten aber immer nur in Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden. Ob solche Präparate wirklich einen therapeutischen Nutzen haben, diskutieren Experten derzeit. Ihr Arzt kann Ihnen auch sagen, ob bei Ihnen vielleicht eine andere Therapierichtung, zum Beispiel ein Entspannungsverfahren, infrage kommt.

Manchen Menschen, die an einer Angststörung leiden, hilft erst der Aufenthalt in einer psychosomatischen oder psychiatrischen Klinik, ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten aufzulösen und den geeigneten Therapieweg einzuschlagen. Sie erhalten dort umfassende Angebote im Rahmen einer psychosozialen Therapie.

Andere Betroffene kommen auch mit ambulanten Behandlungsprogrammen zurecht. Wenn sich krankhafte Ängste deutlich zeigen, sind die ersten Ansprechpartner unter anderem zunächst der Hausarzt, psychologische Beratungsstellen und sozialpsychiatrische Dienste in Städten und Gemeinden oder psychiatrische und psychotherapeutische Ambulanzen in Kliniken.

Stress, Burn-out: Ständiger Druck schürt die Angst

Stress löst im Körper die gleichen Reaktionen aus wie Angst. Anhaltender Stress erzeugt wiederum Ängste, vor allem, wenn er mit negativen Gefühlen und Druck verbunden ist. Dauerhafte Belastung und hohe Anforderungen können, wenn keine Phasen der Entspannung folgen, zu übersteigerten Angstreaktionen führen. Diese zeigen sich in ständig vorhandener ängstlicher Angespanntheit oder entladen sich in Panikattacken. Jede neue Aufgabe kann die Betroffenen in Panik versetzen.

Folge einer solchen Dauerspannung ist häufig eine völlige innere Erschöpfung, ein Burn-out-Syndrom. Die Betroffenen fühlen sich körperlich und seelisch "ausgebrannt", antriebslos und handlungsunfähig. Dazu leiden sie häufig unter Ängsten, Schlaflosigkeit und Herz-Kreislauf-Problemen.

Stressmanagement, gezielte Verhaltensprogramme, Entspannungstechniken und gegebenenfalls unterstützende Psychotherapien helfen Menschen, die unter Stressfolgen und Burnout leiden. Sie lernen dadurch, ihre Energiereserven neu zu füllen, Entspannungsphasen in ihren Alltag einzubauen und zu einem gesunden, ausgewogenen Lebensstil zu finden.

Depressionen: Oft eng mit Ängsten verbunden

Phobien, Panikstörungen oder generalisierte Angststörungen gehen sehr oft, vor allem wenn sie chronisch werden, mit Depressionen einher. Oft handelt es sich dann um eine gemischte Angststörung. Umgekehrt sind depressive Erkrankungen häufig die Ursache von Angstgefühlen.

Depressionen zeigen sich in unterschiedlichen Formen und Ausprägungen. Die Auslöser sind vielfältig und nicht immer klar abzugrenzen. Meistens spielen mehrere Faktoren zusammen. Erbliche Veranlagung, Stress, erhebliche körperliche und seelische Belastungen, Verlusterfahrungen, Alterungsprozesse oder körperliche Krankheiten begünstigen die Entwicklung einer Depression. Eine depressive Episode kann sich manchmal auch ohne ersichtliche Ursache einstellen.

Ungleichgewichte im Nervensystem im Gehirn verändern Verhalten und Denken depressiver Menschen in kennzeichnender Weise. Neben seelischen Symptomen treten bei Depressionen auch körperliche Beschwerden auf. Diese können so ausgeprägt sein, dass sich die eigentliche seelische Erkrankung dahinter verbirgt.

Auch die Schwankungen der Sexualhormone im Monatszyklus der Frau tragen offenbar dazu bei, das Gefühlsleben mehr oder weniger stark zu beeinträchtigen. Viele Frauen machen in dieser Richtung ihre Erfahrungen "an den Tagen vor den Tagen" – also in der zweiten Zyklushälfte, bevor die nächste Regelblutung einsetzt. Die Betroffenen fühlen sich körperlich unwohl und seelisch labil.

Die psychischen Veränderungen reichen von Nervosität, Gereiztheit, Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen bis zu vermehrter Ängstlichkeit und können dabei auch depressive Züge annehmen. Zu den vielfältigen körperlichen Beschwerden gehören Schmerzen oder Spannen der Brüste, Krämpfe im Unterleib und das Gefühl, aufgedunsen zu sein. Ärzte sprechen hier vom prämenstruellen Syndrom (PMS). Die sogenannte prämenstruelle Dysphorie (engl. Abkürzung: PMDD) entspricht einer besonders starken Ausprägung, speziell der psychischen Symptome.

Symptome: Zu den psychischen Anzeichen einer Depression gehören tiefe Niedergeschlagenheit, Gefühlsleere, Müdigkeit und Antriebsmangel. Viele Betroffene leiden unter Konzentrations- und Leistungsschwäche. Ihr Denken kreist unablässig um dieselben Probleme. Schuldgefühle und Ängste hemmen zusätzlich ihre Handlungsfähigkeit. Andere empfinden eine ständige innere Unruhe, obwohl sie äußerlich wie erstarrt wirken. Häufige Begleiterscheinungen sind Schlafstörungen, vor allem Einschlafstörungen und frühzeitiges Erwachen am Morgen mit quälenden Grübeleien. Auch Gedanken an Selbsttötung können sich einnisten und immer bedrohlicher werden. Der Drang, sich von anderen zurückzuziehen, ist sehr ausgeprägt und verstärkt seinerseits die depressiven Gefühle. Auch rastlose Aktivität, Sport- oder Arbeitssucht können Ausdruck eines zugrunde liegenden Leeregefühls und seelischer Verzweiflung sein. Vielfach wechseln gesunde mit depressiven Phasen ab.

Bei einer bipolaren Störung (manisch-depressive Erkrankung) sind die Betroffenen mal depressiv niedergeschlagen und antriebslos, dann wieder manisch übersteigert, hochgestimmt und voller überbordendem Tatendrang, der extreme Formen annehmen kann.

Körperliche Symptome für eine depressive Störung können Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme, Atembeschwerden, Augenschmerzen, Sehstörungen, Schweißausbrüche, Schwindel- und Gleichgewichtsprobleme sowie Herzjagen oder Herzbeklemmung sein.

Diagnose: Wie bei Angststörungen wenden sich depressiv erkrankte Menschen häufig wegen der körperlichen Symptome an ihren Arzt. Findet der Arzt dafür keine eindeutigen Ursachen, wird er seinen Patienten intensiver befragen. Oft können die Angehörigen aufschlussreiche Hinweise geben. Sie sind es manchmal auch, die den Betroffenen überhaupt erst dazu ermutigen, einen Arzt aufzusuchen. Gibt es Anzeichen für eine ernste depressive Erkrankung, liegen weitere Diagnoseschritte in der Regel bei einem Psychotherapeuten und einem Psychiater. Die Spezialisten können anhand gezielter Fragen und Tests Form und Ausmaß der Störung bestimmen.

Therapie: Ein erster wesentlicher Schritt ist, dass der Betroffene seine Depression anerkennt und bereit ist, fachkundige Hilfe anzunehmen. Die Behandlung richtig sich danach, wie ausgeprägt die Erkrankung ist. Der Arzt wird Therapieverlauf und -erfolg engmaschig überwachen und die Behandlungsschritte entsprechend anpassen.

Unterschiedliche psychotherapeutische Verfahren, vor allem im Rahmen der Verhaltenstherapie oder der sogenannten psychodynamischen Psychotherapie haben sich als sehr erfolgreich erwiesen. Je nach Schweregrad und Form der Depression können Psychotherapien alleine  oder in Kombination mit Medikamenten, mit Antidepressiva, wirksam sein.

Oft wird ein schwer depressiv Erkrankter auch erst durch den Einsatz von Medikamenten in die Lage versetzt, eine Psychotherapie mitzumachen. Eine medikamentöse Behandlung sollte immer psychotherapeutisch begleitet werden.

Die Behandlung schwerer Depressionsformen, vor allem auch wenn Suizidgefahr besteht, lässt sich meist nur in einer psychosomatischen und psychiatrischen Klinik erfolgreich anbahnen. Dort erhält der Patient ein umfassendes Therapieangebot, das ihm ermöglicht, später auch zu Hause die notwendigen Behandlungsschritte weiterzuführen.

Therapie bei PMS / PMDD: Gegebenenfalls kann der Frauenarzt in Abstimmung mit dem psychiatrisch spezialisierten Facharzt unter regelmäßiger Verlaufskontrolle auch zunächst eine sorgfältig ausgewählte Verhütungsmethode empfehlen, wenn die Frau eine Verhütung wünscht. Positiv kann sich darüber hinaus ein aktiver Lebensstil mit gesunder Ernährung und ausreichender körperlicher Bewegung auswirken.

Ausführlich informiert Sie der Ratgeber "Depressionen".

Zwangsstörungen: Angst als Antrieb

Eine Sonderform von Angststörungen und Depressionen sind Zwangsstörungen. Dem Krankheitsbild liegen Ängste vor etwas zugrunde, zum Beispiel vor Bakterien oder Ansteckungsgefahr. Das führt zu zwanghaften Handlungen, im genannten Beispiel etwa zu ständigem Händewaschen oder andauerndem Putzen. Bei einem Kontrollzwang prüft der Betroffene beispielsweise unablässig, ob alle Türen geschlossen sind. Andere Formen sind Ordnungs- oder Sammelzwänge.

Zwangserkrankungen treten eher im jugendlichen Erwachsenenalter auf. Experten zufolge haben etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung einmal in ihrem Leben mit krankhaften Zwängen zu tun. Die Betroffenen führen Zwangshandlungen aus oder werden von Zwangsgedanken bedrängt. Das Alltagsleben wird durch die Störung massiv beeinträchtigt. Oft ziehen sich unter Zwängen leidende Menschen von anderen zurück, geraten nicht selten in eine ernsthafte Depression und entwickeln weitere Ängste (siehe auch Kapitel "Angststörungen"). Die Zwanghaftigkeit kann zudem zu Alkoholmissbrauch oder Essstörungen führen.

Auch bei Zwangsstörungen sind  die Ursachen noch nicht eindeutig geklärt. Eine genetische Veranlagung, ausgeprägte seelische Belastungen, traumatische Erlebnisse in der Kindheit, sehr strenge Erziehung, Einsamkeit, tief sitzende Ängste können als auslösende Faktoren zusammenwirken. Ebenso spielen gestörte Nervengleichgewichte in bestimmten Gehirnbereichen eine Rolle.

Symptome: Ein starkes Gefühl von Unsicherheit und Zweifeln veranlasst die Betroffenen, beständig dieselben Handlungen auszuführen, die Sicherheit und Schutz erhöhen sollen. Doch der innere Drang und die Ängste werden nur noch stärker, je häufiger der Betroffene sich wäscht, putzt, das Haus kontrolliert, aufräumt und vieles mehr. Oft ist er danach völlig erschöpft.

Wer an einer Zwangsstörung leidet, kann sich selbst nicht stoppen und auch nicht die zwanghaften Gedanken und Ideen. Diese erkennt er zwar als seine eigenen, aber sie beherrschen ihn gegen seinen Willen. Sie verstärken Ängste und Selbstzweifel immer mehr. So plagt den unter Zwängen Stehenden zum Beispiel unablässig die Vorstellung, bedroht zu werden oder selbst etwas Schlimmes auszuführen. Oder er entwickelt eine wachsende Abscheu vor Schmutz oder Unordnung. Innere Unruhe und Anspannung legen sich nur kurz, wenn die Zwangshandlung ausgeführt wird, kehren aber danach sofort wieder zurück. Müdigkeit, Abgeschlagenheit, depressive Verstimmungen sind weitere Begleiterscheinungen. Zwanghaftes Handeln wie Waschzwang führt außerdem zu Hautschäden.

Diagnose: Menschen mit Zwangsstörungen sind häufig bemüht, ihre Problematik lange Zeit zu verbergen. Sie suchen oft erst sehr spät einen Facharzt auf, wenn die Erkrankung schon fortgeschritten ist und die Folgen nicht mehr zu verleugnen sind. Viele gehen jedoch eher zu einem Hautarzt oder einem Nervenspezialisten. So kommt es vor, dass die Störung lange unerkannt bleibt und nicht angemessen behandelt wird. Wertvolle Zeit für eine wirksame Therapie geht so verloren.

Treten sich immer wiederholende Zwangshandlungen und Zwangsgedanken täglich auf, und das mehr als zwei Wochen lang, ist das ein Hinweis für den Arzt, dass eine Zwangsstörung vorliegt. Vor allem, wenn der Patient selbst die Zwänge als belastend und sinnlos empfindet und versucht, etwas daran zu ändern, allerdings ohne Erfolg.

Eine eingehende körperliche Untersuchung bei einem Facharzt für innere Medizin (Internisten) und einem Facharzt für Nervenerkrankungen (Neurologen) dient dazu, andere Erkrankungen, etwa infektiöse Erkrankungen oder Nervenleiden, auszuschließen. Die weitere Diagnose liegt in der Regel bei einem Psychiater und Psychotherapeuten. Der Facharzt wird anhand festgelegter Fragenkataloge und Tests die Zwangsstörung genau eingrenzen und von anderen psychischen Erkrankungen, etwa einer Depression, einer Essstörung oder einer Psychose, abgrenzen. Diese können ihrerseits mit Zwangsgedanken verbunden sein oder sich im Zusammenhang mit der Zwangserkrankung entwickeln.

Therapie: Je früher eine Behandlung einsetzt, umso größer sind die Erfolgsaussichten. Bewährt haben sich gezielte Programme der kognitiven Verhaltenstherapie. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, die Störung erfolgreich in den Griff zu bekommen, wie mehrere Studien belegen. Wichtig ist dabei, dass der Betroffene die Therapie bis zu deren Ende mitmacht. Je nachdem, wie ausgeprägt die Erkrankung ist, kann der Erkrankte sich in einer Fachklinik stationär oder ambulant in einer Klinikambulanz oder psychotherapeutischen Praxis behandeln lassen. Achten Sie darauf, dass Klinik und Therapeut auch auf Zwangsstörungen spezialisiert sind.

Eine zusätzliche Behandlung mit Medikamenten, in erster Linie mit Antidepressiva, ziehen die Ärzte meist dann in Betracht, wenn die Symptome sehr ausgeprägt sind und die Zwangsgedanken überwiegen. Antidepressiva kommen auch zum Einsatz, wenn zusätzlich eine Depression vorliegt oder die Verhaltenstherapie alleine nicht die erwünschte Wirkung zeigt. Die Teilnahme an Selbsthilfegruppen kann die Therapie unterstützen und Rückhalt für das Alltagsleben bieten.

Lesen Sie mehr zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapie im Ratgeber "Zwangsstörungen (Zwangserkrankungen)".

Posttraumatische Belastungsstörung: Wenn die Angst bleibt

Besonders belastende Erlebnisse können eine Angsterkrankung nach sich ziehen, die sich in Albträumen, ständiger innerer Unruhe und Anspannung, Schlafstörungen, Reizbarkeit und übersensibler Gefühlslage äußern. Die Ängste zeigen sich eher verdeckt oder häufig in unklaren körperlichen Beschwerden. Alles, was die Erinnerung an das traumatische Ereignis wachrufen könnte, wird gemieden oder verdrängt. Depressionen und Suchterkrankungen kommen häufig dazu.

Lesen Sie mehr dazu im Ratgeber "Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)" (siehe Link weiter unten).

Weitere psychische Erkrankungen, die mit Angstgefühlen einhergehen

Angstgefühle sind ein häufiges Symptom vieler psychischer Erkrankungen. Ängste spielen eine Rolle bei Persönlichkeitsstörungen, Essstörungen, Schizophrenien, Psychosen. Jedes Krankheitsbild hat seine kennzeichnenden Symptome, die ein Psychiater genauer einordnen und diagnostizieren kann. Die Behandlung folgt dem jeweiligen Störungsbild, häufig in der Anfangsphase in einer psychiatrischen Klinik.

Krankhafte Ängste: Medizinische und psychotherapeutische Therapien

Ob Ihre Ängste Ausdruck einer Angststörung oder einer anderen psychischen Problematik sind oder ob eine körperliche Erkrankung dafür verantwortlich ist, wird der Hausarzt in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Fachärzten klären.

Für manche Menschen, die unter starken Angstgefühlen leiden, ist es kein leichter Schritt, sich einzugestehen, dass seelische Ungleichgewichte für ihre Beschwerden verantwortlich sein könnten. Zu groß erscheint der private wie gesellschaftliche Druck, stets ein perfektes Lebensbild zu liefern. Die Betroffenen scheuen sich, psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Doch gerade wer bereit ist, eine mögliche psychische Erkrankung anzunehmen und sich die nötige Unterstützung zu holen, zeigt, dass er verantwortungsbewusst mit sich und seinem Leben umgehen kann.

Für die Therapie von Angststörungen, Depressionen und weiteren psychischen Erkrankungen sind als Fachärzte Psychotherapeuten und Psychiater zuständig. Je nach Schweregrad der Erkrankung gibt es unterschiedliche Therapiewege. Bei Angststörungen haben sich verhaltenstherapeutische Konzepte als wirksam erwiesen, manchmal in Verbindung mit Medikamenten (siehe Kapitel "Angststörungen" in diesem Beitrag). Entspannungsverfahren begleiten vielfach die Therapien. Sport und körperliche Aktivität stellen oft zusätzlich hilfreiche Instrumente dar, um im Alltag ängstliche Anspannungen abzubauen.

Sind die Ängste in tiefen Lebenskrisen begründet, etwa durch eine Krankheit, Trennung oder Trauerphase, kann sich ebenfalls psychotherapeutische Unterstützung als sinnvoll erweisen. Zusätzlich hilft ein aktiver Lebensstil mit viel körperlicher Bewegung, Spannungen zu lösen und eine positive innere Haltung zu stärken.

Mögliche körperliche Erkrankungen zeichnen sich immer durch andere Leitsymptome aus. Angst kann jedoch bei einigen Krankheiten, etwa Herzleiden oder Atemwegsstörungen, ein häufiges Begleitsymptom sein. Körperliche Krankheiten lassen sich mit einer gezielten Diagnose feststellen und dann entsprechend behandeln. Mit der Therapie legen sich meist auch die Angstgefühle (siehe dazu Kapitel "Körperliche Krankheiten"). Bei manchen Krankheitsbildern kann es hilfreich sein, die ärztliche Behandlung zusätzlich zu unterstützen, sei es durch Entspannungstechniken, Stressmanagement oder eine Psychotherapie. Damit wird es leichter, seelische Belastungen etwa durch eine Herz- oder Atemwegserkrankung besser zu meistern.

Was Sie selbst gegen die Angst tun können

  • Der erste wesentliche Schritt: Nehmen Sie Ihre Empfindungen ernst. Versuchen Sie zu erkennen, inwieweit die Angstgefühle Ihren Alltag und den Ihrer Mitmenschen beeinträchtigen. Holen Sie sich ärztlichen Rat und Hilfe, wenn die Furcht beginnt, Sie mehr und mehr zu beherrschen.
  • Trainingsprogramme wahrnehmen: Beziehen sich die Ängste auf eine umschriebene Situation wie Fliegen, Zahnarztbesuche oder Prüfungen, helfen oft verhaltenstherapeutische Programme und Entspannungstechniken, die Angst erfolgreich zu überwinden. Diese Verfahren wirken auch bei leichteren Ängsten, die sich etwa in häufigem Besorgtsein oder allgemein ängstlicher Grundhaltung äußern können. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber.
  • Konflikte aufarbeiten: Konfliktberatung in Form einer Einzel-, Paar- oder Gruppentherapie ist dazu geeignet, zwischenmenschliche Probleme aufzudecken und zu lösen. So ist es möglich, belastende Auseinandersetzungen und Ängste, die sich auf den Partner, die Kinder, Angehörige oder Freunde beziehen, in den Griff zu bekommen. 
  • Gezielt entspannen: Angeleitete Entspannungsmethoden können Bestandteil einer Angsttherapie sein. Infrage kommen vor allem progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Biofeedback. Mit Biofeedback können Sie bestimmte Körperfunktionen mit Hilfe eines elektronischen Geräts wahrnehmen und dann willentlich beeinflussen, zum Beispiel Muskelverspannungen lockern. 
  • Stress abbauen: Es gibt spezielle Methoden, um Überlastungen zu verringern. Stressmanagement hilft Ihnen unter anderem, alltägliche Aufgaben einzuteilen, sicherer zu bewältigen und wenn nötig, immer wieder einmal loszulassen. Dadurch senkt sich häufig die ängstliche Dauerspannung. Psychotherapeutische Praxen, Gesundheitszentren oder Volkshochschulen bieten Kurse zum Stressmanagement an. 
  • Gesund leben: Ein ausgewogener Lebensstil fördert grundsätzlich Heilungsprozesse, ob es sich nun um körperliche oder seelische Probleme handelt. Wer lernt, gesund zu genießen, verbessert sein Energiepotential. Sich regelmäßig körperlich bewegen und in angepasstem Rahmen Sport treiben tut der Durchblutung gut und stärkt die Körperfunktionen. Für die Psyche und gerade auch bei Ängsten und Depressionen bedeutet Bewegung einen positiven Motor, der die Selbstheilungskräfte ankurbelt.

Möller H-J, Laux G, Deister A: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. 6. Auflage, Stuttgart Georg Thieme Verlag 2015

Herold G et al: Innere Medizin. Köln Gerd Herold 2018

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Fachredaktion: Dr. med. Claudia Osthoff