Schwellungen und Knoten an den Händen

Welche Ursachen hinter Knubbeln oder Knötchen an Fingern und Hand, geschwollenen Gelenken mit und ohne Schmerzen oder Verformungen der Hände stecken können

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 28.04.2016

Überblick über das Symptom

Unsere Hände sind ständig aktiv. Selbst wenn wir ruhig sitzen, dauert es, je nach Temperament, nicht lange, bis die Finger sich wieder bewegen. Wir brauchen die Hände in allen Lebenssituationen – mit ihrer Beweglichkeit, Reaktionsschnelle, Sensibilität, Kraft, Sicherheit. Und dabei haben wir sie auch noch fast ständig im Blick. Hände erzählen Lebensgeschichten, verraten Gewohnheiten und geben Hinweise auf Erkrankungen. Jede Veränderung fällt auf, weil sie rein äußerlich stört oder sich als hinderlich bei all den selbstverständlichen Griffen erweist. Geschwollene, verdickte Stellen, unschöne Knubbel, schmerzende Knoten oder verformte Gelenke sind nicht nur lästig, sondern können die Betroffenen im Alltag erheblich einschränken.

Für Schwellungen oder Verformungen an den Händen sind in erster Linie Gelenkentzündungen wie entzündliches Rheuma oder Gelenkverschleiß, eine Arthrose, verantwortlich. Auch eine Stoffwechselerkrankung wie die Gicht oder gutartige Zysten beziehungsweise Tumore kommen als Auslöser infrage. Die Ursachen können harmlos, aber auch Ausdruck ernsthafter Erkrankungen sein.

Mögliche Ursachen von Schwellungen und Knoten an den Händen:

Ein Großteil der Ursachen gehört in die vielfältige Gruppe rheumatischer Erkrankungen. Arthrose, Gicht und Kollagenosen beispielsweise sind diesem sogenannten rheumatischen Formenkreis zugeordnet. Er umfasst schmerzhafte Erkrankungen im Bewegungs- und Stützsystem unseres Körpers, zu dem Knochen, Knorpel, Muskeln, Sehnen und Bänder zählen. Ob die Schwellungen oder Knoten an den Händen schmerzen oder nicht, kann deshalb schon ein erster Wegweiser für die Diagnose sein.

So unterscheiden Mediziner zwischen entzündlichen Erkrankungen der Gelenke (Arthritis) und Verschleißerkrankungen (Arthrose). Wobei die Krankheitsfolgen häufig ineinandergreifen und sich gegenseitig bedingen können. Die harten Knubbel bei Polyarthrosen zum Beispiel bereiten häufig keine Beschwerden, können aber mit Entzündungen einhergehen und dann schmerzen. Schmerzende Schwellungen sind oft ein Hinweis darauf, dass sich bestimmte Bereiche entzündet haben. Im Verlauf einer rheumatischen Erkrankung kann es zu ausgeprägten Verformungen kommen, Hände wie Finger sind dann mitunter nur mehr eingeschränkt beweglich.

Eine Arthritis entsteht mitunter auch infolge einer Infektion mit Bakterien oder Viren. Die Gelenkentzündung tritt dann akut einige Tage beispielsweise nach einer Darm-, Harnwegs- oder Atemwegsinfektion auf und äußert sich vor allem in Schwellungen und Schmerzen an Beinen und Hüfte, aber mitunter auch in dick geschwollenen Fingern.

Gutartige Wucherungen können im Bereich der Gelenkkapseln und der Sehnenscheiden entstehen wie die Ganglien (Knötchen häufig an der Außen- oder Innenseite des Handgelenks) oder innerhalb der Fingerknochen der Hand wie das Enchondrom, das sich in Schwellungen um den Knochen zeigt. Auch sie können mit oder ohne Schmerzen einhergehen. Knotige oder strangförmige Bindegewebswucherungen in der Handinnenseite führen bei der Dupuytren'schen Erkrankung zu Verkrümmungen von Hand und Fingern.

Über Schwellungen und Erhebungen, die zum Bild einer speziellen Hauterkrankung gehören, informiert der Ratgeber "Hautausschlag".

Näheres zu den Hauptursachen von Schwellungen und Knoten an den Händen finden Sie in den folgenden Kapiteln (siehe Kapitellinks oben). Ein kurzer Blick vorab auf Hände und Finger hilft, besser zu verstehen, wo sich krankhafte Veränderungen abspielen.

 

Fachliteratur für diesen Ratgeber

Niethard, F. U., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie, Thieme Verlag, 2009

Herold, G., und Mitarbeiter: Innere Medizin, Gerd Herold, Köln 2012
Classen, Diehl, Kochsiek: Innere Medizin, Elsevier, Urban&Fischer Verlag, 2009

Altmeyer, P.: Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie, Umweltmedizin, www.enzyklopaedie-dermatologie.de, abgerufen am 16.04.2013

Moll, I. (Hrsg.): Dermatologie, Thieme Verlag, 2010

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Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.: Interdisziplinäre Leitlinie – Management der frühen rheumatoiden Arthritis, Springer Verlag, 2011

Deutsche Dupuytren Gesellschaft: Die Dupuytrensche Krankheit, www.dupuytren-online.de/morbus_dupuytren.html, abegerufen am 23.04.2013

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Fachredaktion: Dr. med. Claudia Osthoff

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Stärken und Schwächen der Gelenke

Das Knochenskelett bildet das stabile Gerüst unseres Körpers. Gehalten wird es von Muskeln, Sehnen und Bändern, die gleichzeitig an allen Bewegungen beteiligt sind. Dreh- und Angelpunkte für unsere Beweglichkeit sind die Gelenke, vor allem diejenigen, die durch ihren Aufbau größere Aktivitäten zulassen. Die harten, steifen Knochenenden treffen in der Gelenkkapsel aufeinander. Sie sind dafür mehrheitlich so geformt, dass sie gut zusammenpassen, als Gelenkkopf und Gelenkpfanne.

Damit diese Gelenkpartner nicht hart zusammenstoßen und nicht gegeneinander reiben, sind sie mit einer glatten, dünnen Knorpelschicht umgeben. Zusätzlich gibt die Gelenkschmiere im Zwischenspalt genügend Schutz und liefert außerdem die nötigen Nährstoffe. Die Gelenkkapsel besteht aus einer Innen- und einer Außenhaut. Bestimmte Gelenke, wie das Kniegelenk, sind zusätzlich mit Schleimbeuteln und Knorpelstückchen ausgestattet, für eine noch bessere Passform und höhere Belastbarkeit. Die umgebenden Bänder festigen die Gelenkkapsel und nehmen zusammen mit den Muskeln die Bewegungen auf. Die Sehnen bilden die Verbindungen zwischen Muskeln und Knochen oder Bändern.

Die Hände stellen einen höchst komplizierten, ausgeprägt sensiblen Teil des Körpers dar. Eine Hand besteht aus 27 Knochen, die in unterschiedlichen Gelenkformen miteinander verbunden sind. Entsprechend lassen diese kleinen Gelenke unterschiedliche Bewegungsspielräume von Handgelenk und Fingern zu. Bei den Fingerknochen unterscheidet man ein Grund-, ein Mittel- und ein Endglied. Der Daumen besteht aus zwei Gliedern. In der feinen Haut und vor allem in den Fingerspitzen versammeln sich zahlreiche Nervenendigungen sowie Tastsinneszellen, Temperatur- und Schmerzfühler. Die Sehnen verlaufen, geschützt in Sehnenscheiden und -fächern, von den Hand- und Unterarmmuskeln zu den Handknochen. Sie übertragen die Muskelbewegungen auf die Finger.

Ungewohnte, anstrengende Bewegungen oder dauerhaft einseitige Griffe können den Hand- und Fingergelenken sowie ihren Helfern leicht schaden und Abnutzungserscheinungen beziehungsweise Entzündungen fördern. Auch entzündliche Prozesse im Körper, Störungen im Immunsystem oder Stoffwechselerkrankungen schlagen sich in den hochempfindlichen Handstrukturen nieder.

Besonders anfällig für Entzündungen sind die Gelenkinnenhaut sowie die Sehnenscheiden, für Verschleiß ist es der Gelenkknorpel.

Arthrose der Hand- und Fingergelenke (Polyarthrose): Harte Knoten an den Fingergelenken

Symptome: An den Fingerend- oder den Fingermittelgelenken zeigen sich Verdickungen in Form oft recht harter Knötchen. Anfangs schmerzen sie nicht unbedingt, manchmal bei Wetterwechsel oder bei Bewegungen. Schmerzhaft machen sich dann Entzündungen in den betroffenen Gelenken bemerkbar. Dazu kommen Schwellungen, Rötungen und Wärmegefühl. Am Morgen sind die Finger oft steif (Morgensteife). Sie werden jedoch nach kurzer Zeit, in weniger als einer halben Stunde, wieder mobil. Manchmal lässt sich das verdickte Gelenk nicht mehr so leicht abbeugen. Die Gelenkigkeit der Finger leidet häufig erst in einem späteren Stadium.

Stärkere, brennende Schmerzen im Daumenballen, dazu Schwellungen und eingeschränkte Beweglichkeit weisen auf eine mögliche Arthrose im Sattel- oder Wurzelgelenk des Daumens hin. Verschleiß in den Handgelenksknochen bereitet Schmerzen bei bestimmten Bewegungen wie Händeschütteln oder Flaschenöffnen.

Ursache: Arthrosen sind die am weitesten verbreiteten Gelenkerkrankungen und nehmen mit dem Alter deutlich zu. In der Mehrzahl sind Hüfte oder Knie betroffen, aber auch andere Bereiche wie Hände, Füße, Ellbogen oder Schulter. Polyarthrose bedeutet, dass mehrere (altgriechisch poly) Gelenke erkrankt sind, im Handbereich sind es in erster Linie die Fingergelenke, seltener das Daumensattelgelenk oder Teile der kleinen Knochenverbindungen im Handgelenk. Bei einer Arthrose nutzt sich der Gelenkknorpel mit der Zeit ab, durch Alterserscheinungen, einseitige oder übermäßige Belastung, hormonelle Einflüsse. Eine wichtige Rolle spielt bei solchen primären Arthrosen die familiäre Veranlagung. Der Verschleiß kann auch als sekundäre Arthrose infolge einer zurückliegenden Verletzung, angeborener Fehlstellungen, zum Beispiel der Hüftgelenke, oder anderer Gelenkerkrankungen, etwa einer rheumatoiden Arthritis (siehe auch Kapitel "Entzündliches Rheuma"), eintreten.

Fällt die Knorpelschicht als Knochenschutz im Gelenk weg, wird der Knochen direkt angegriffen und auf Dauer geschädigt, ebenso weitere Teile des Gelenks (sogenannte erosive Form der Arthrose). Es kommt zu Schmerzen, Wucherungen, Gelenkentzündungen, Gelenkergüssen und fortschreitender Bewegungseinschränkung. Die erkrankten Finger können ihren stabilen Halt an den Gelenken verlieren und sich zu einer Seite hin verbiegen. Eine Fingerpolyarthrose kann jedoch im Gegensatz zu anderen Arthroseformen auch relativ beschwerdefrei verlaufen. Die Betroffenen empfinden dann häufig die Verdickungen nur als optisch störend. Welchen Verlauf eine Arthrose an den Händen nimmt, ist individuell sehr unterschiedlich.

Diagnose: Die Verdickungen an den Fingergelenken sind den äußeren Symptomen einer Polyarthritis (siehe Kapitel "Entzündliches Rheuma") oder einer Gicht (siehe auch Kapitel "Gicht") oft sehr ähnlich, vor allem, wenn in einem fortgeschrittenen Stadium entzündliche Schwellungen dazu kommen (aktivierte Arthrose).

Knötchen an den Fingerendgelenken beider Hände verweisen auf die sogenannte Heberden-Arthrose, Verdickungen an den Fingermittelgelenken auf die ebenfalls nach ihrem Entdecker benannte Bouchard-Arthrose. Als Rhiz-Arthrose bezeichnen Mediziner den Verschleiß im Daumensattelgelenk, der dort mit Schmerzen, einem verbreiterten Knochen sowie knirschenden Geräuschen bei Bewegung einhergehen kann.

Nachdem der Rheumatologe beziehungsweise der Orthopäde sich über die Symptome informiert und die Hand begutachtet hat, liefert ihm ein Röntgenbild der Hand weiteren Aufschluss, etwa über Veränderungen, die auf abgenutzte Knorpel in den Gelenken hindeuten, oder gelenknahe Veränderungen an den Knochen.

Therapie: Zu Beginn der Erkrankung stärkt gezieltes, regelmäßiges Bewegungstraining die Muskulatur und trägt dazu bei, die Beweglichkeit zu erhalten. Wohltuend sind oft warme Handbäder und Packungen, bei Entzündungen manchmal auch Kälteanwendungen. Sinnvoll können bisweilen noch weitere Maßnahmen im Rahmen einer physikalischen Therapie sein. Mittel zum Einreiben lindern vorhandene Schmerzen.

Bei akuten Entzündungen verschreibt der Arzt eventuell auch entzündungshemmende nichtsteroidale Antirheumatika, darunter auch neuere Arzneistoffe wie die Cox-2-Hemmer. Sie alle enthalten kein Kortison. Sind die Finger verformt, helfen spezielle Bewegungstherapien und Schienen, die alltägliche Handgriffe erleichtern. Heftige Schmerzen behandelt der Arzt möglicherweise mit Spritzen, auch mit kortisonhaltigen Injektionen. Hierfür ist allerdings ein erfahrener Spezialist gefragt.

Zu weiteren Behandlungsmöglichkeiten, die je nach Krankheitsbild mitunter infrage kommen, gehören spezielle Strahlentherapien, wie de Röntgenreizbestrahlung und die nuklearmedizinische Radiosynoviorthese.

Operationen, bei denen die Gelenke versteift oder künstliche Gelenke eingesetzt werden, kommen nur für sehr ausgeprägte Krankheitsbilder infrage. Je nachdem, welches Gelenk in welcher Form erkrankt ist, geht der Chirurg dabei sehr differenziert vor.

Eingehende Informationen zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapie gibt Ihnen der Ratgeber "Polyarthrose der Hand- und Fingergelenke".

Entzündliches Rheuma (rheumatoide Arthritis, chronische Polyarthritis): häufige Ursache für geschwollene, schmerzende Finger und Hände

Symptome: Typisch sind pralle, weiche Schwellungen an beiden Händen. Sie treten bevorzugt an Grund- und Mittelgelenken der Finger sowie an den Handgelenken auf und fühlen sich oft heiß an. Sind mehr als drei Gelenke länger als sechs Wochen geschwollen, ergibt sich ein erster möglicher Verdacht. Richtungweisend ist zudem der gleichmäßige Befall auf beiden Seiten. Die Entzündung zeigt sich häufig auch an anderen Gelenken, zum Beispiel an den Zehengelenken. Schmerzen setzen vor allem nachts und in Ruhehaltung ein. Aber auch bestimmte Bewegungen und Druck auf die Hand (schmerzender Händedruck) können weh tun. Die Hände fühlen sich darüber hinaus kraftlos an und die Finger sind morgens steif. Sie werden erst nach einer Stunde wieder beweglicher (Morgensteifigkeit).

Die Krankheitszeichen können sich schubweise einstellen, mit Phasen heftiger Entzündungsreaktionen, gefolgt von oft wochenlangen beschwerdefreien Zeiten. Weitere mögliche begleitende Symptome sind Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Fieber, nächtliches Schwitzen, Müdigkeit und Gewichtsverlust. Diese Allgemeinbeschwerden können den Gelenkveränderungen Wochen bis Monate vorausgehen. Manche Betroffene bemerken auch kleine, nicht schmerzhafte Knoten (Rheumaknoten) unter der Haut, vor allem in der Nähe des Ellbogens oder der Ferse.

Ursache: Die rheumatoide Arthritis ist die entzündliche Gelenkerkrankung, die am häufigsten vorkommt. Frauen sind stärker betroffen als Männer, und zwar überwiegend im Alter zwischen 55 und 64 Jahren. Wenn Männer erkranken, dann meist etwas später (65 bis 75 Jahre). Wie genau es zu den Entzündungsvorgängen in der Gelenkkapsel kommt, ist letztlich noch nicht geklärt. Es handelt sich um eine sogenannte Autoimmunerkrankung, bei der sich die Abwehrkräfte gegen körpereigene Stoffe richten.

Die fehlerhafte Immunreaktion, in diesem Fall in der Gelenkinnenhaut, führt zu Entzündungen, entzündlichen Schwellungen und Ergüssen. Die Gelenkinnenhaut wird dicker, überwuchert allmählich den Gelenkknorpel und greift die Knorpelschicht an. Knochen und Gelenke werden so mit der Zeit dauerhaft geschädigt. Schließlich kann das Gelenk bis zur Bewegungsunfähigkeit versteifen. Bisweilen greift die Entzündung auch auf benachbarte Nerven und Sehnen über. So kommt es zu Nervenentzündungen wie beim Karpaltunnelsyndrom oder zu Sehnenscheidenentzündungen.

Je nachdem, welche Strukturen besonders angegriffen sind, verformen sich die Hände und nehmen charakteristische Fehlstellungen an. Die Betroffenen können alltägliche Handgriffe dann nur noch unter Mühen oder gar nicht mehr ausführen. Die Erkrankung schreitet chronisch fort und erfasst neben den Händen und Füßen mitunter auch große Gelenke, wie Knie und Schultern, manchmal auch die Halswirbelsäule. Ebenso kann sie innere Organe in Mitleidenschaft ziehen, etwa Lungen, Lungenfell und Leber oder sogar das Herz. Mit einer rechtzeitigen Behandlung lässt sich der Zerstörungsprozess jedoch häufig aufhalten beziehungsweise verzögern.

Es gibt Risikofaktoren, die die Entstehung von entzündlichem Rheuma begünstigen können. Dazu gehören vor allem eine familiäre Veranlagung, das Alter, Rauchen sowie Infektionskrankheiten. Solche Einflüsse, wie etwa das Rauchen, wirken sich teilweise auch ungünstig auf den Krankheitsverlauf aus. Wichtig ist es in jedem Fall, frühe Krankheitszeichen ernst zu nehmen, gerade auch die oben genannten leider wenig typischen Allgemeinsymptome, und rechtzeitig einen Hausarzt oder Internisten beziehungsweise Rheumatologen aufzusuchen.

Diagnose: Richtungweisend für den Arzt, meist der Hausarzt als erster Ansprechpartner, sind zunächst einmal die Symptome. Er wird sich vor allem nach den Schmerzen erkundigen und prüfen, welche und wie viele Gelenke geschwollen sind. Aufschlussreich ist auch, wie lange eine eventuelle Morgensteife anhält, ob weitere Beschwerden bestehen, ob die Beweglichkeit beeinträchtigt ist und ob Rheumaknoten an anderen Stellen als vom Betroffenen angegeben zu sehen sind.

Blutuntersuchungen im Labor zeigen deutliche Entzündungszeichen und geben Hinweise auf vorhandene Rheumafaktoren sowie weitere spezielle Antikörper. Ergibt sich ein Verdacht auf eine rheumatische Erkrankung, wird der Hausarzt unverzüglich einen Rheumatologen hinzuziehen. Eine Urinuntersuchung hilft, eine Nierenschädigung aufzudecken, zu der es im Rahmen verschiedener rheumatischer Erkrankungen kommen kann. Die Ergebnisse tragen auch dazu bei, andere Erkrankungen auszuschließen, etwa Kollagenosen (siehe Kapitel "Bindegewebserkrankungen").

Röntgenaufnahmen von beiden Händen und Füßen wiederum lassen teilweise frühzeitig Gelenkveränderungen erkennen, zum Beispiel in Nähe des Gelenks eine gewisse "Knochenarmut" (Osteopenie). Zusätzliche Ultraschallbilder können Gelenkergüsse und Wucherungen im Gelenk aufzeigen. Die Untersuchung der Gelenkflüssigkeit ergibt entzündliche Veränderungen, die aber wie alle anderen Untersuchungen keine eindeutigen Beweise liefern. Erst aus dem Gesamtbild wird der Rheumatologe die Diagnose ableiten. Weitere bildgebende Verfahren wie eine Kernspintomografie setzt er nur in besonderen Fällen ein.

Therapie: In ihrer Anfangsphase lässt sich diese chronische Erkrankung am erfolgreichsten behandeln. Eine vollständige Heilung ist nicht möglich, aber die fortschreitende Gelenkzerstörung kann aufgehalten oder verzögert werden. Bei einem Teil der Betroffenen verläuft die rheumatoide Arthritis vergleichsweise mild, andere sind schon früh deutlich beeinträchtigt und benötigen eine intensive Therapie. Den Behandlungsweg richtet der Arzt sehr individuell danach aus, wie ausgeprägt die Krankheit ist und in welcher Lebenssituation sich der Patient befindet. Wichtig ist dabei, dass mehrere Therapieebenen von Anfang an ineinandergreifen.

Neben den unterschiedlichen Rheumamedikamenten gehören dazu Krankengymnastik, praktische Bewegungsanleitungen für den Alltag (Ergotherapie) sowie psychologische Unterstützung. Manchmal sind darüber hinaus operative Maßnahmen angezeigt, zum Beispiel eine Entfernung der Gelenkinnenhaut (Synovektomie). Dieser Eingriff kann auch schon im frühen Krankheitsstadium sinnvoll sein. Kälteauflagen oder eine spezielle Kältetherapie in Kältekammern lindern die Schmerzen für eine gewisse Zeit.

Die tragende Säule bildet die Therapie mit geeigneten Rheumamedikamenten. Sie lindern nicht nur die Symptome, sondern beeinflussen den Krankheitsprozess direkt. Damit können sie die Gelenke schützen und ihre Funktion soweit wie möglich erhalten. Zur akuten Behandlung von Schmerzen und Entzündungen setzen die Ärzte Kortison, oft begleitend zur Ersttherapie mit einem Basismedikament wie Methotrexat ein. Nach Bedarf sind kurzfristig auch nichtsteroidale Antirheumatika, wie Diclofenac, Ibubrofen, Naproxen und sogenannte Cox-2-Hemmer, angezeigt.

Die langfristige Basistherapie umfasst sogenannte krankheitsmodifizierende, die Krankheit verändernde Arzneistoffe. Zu Beginn der Therapie geben Rheumatologen hiervon bevorzugt nur den Wirkstoff Methotrexat. Methotrexat greift in die fehlgeleiteten Immunaktivitäten ein. Nach einer Anfangsphase folgen dann häufig Kombinationen mit anderen Basismedikamenten. Dazu gehören neben weiteren Immunsuppressiva (das Immunsystem unterdrückende Mittel, zum Beispiel Leflunomid) Wirkstoffe wie Sulfasalazin oder die Malariamittel Hydroxychloroquin beziehungsweise Chloroquin. Sogenannte Biologicals kommen als Alternative infrage, wenn die ersten Behandlungsmaßnahmen nicht greifen. Die Wirkung der Medikamente zeigt sich, je nach Mittel, allerdings erst nach einigen Wochen.

Der Arzt wird die medikamentöse Therapie genau überwachen und eventuell das Mittel wechseln, wenn ein Patient nicht darauf anspricht oder es nicht verträgt. Auch kann der Arzt es als sinnvoll ansehen, Medikamente unterschiedlich zu kombinieren oder im Laufe der Therapie umzustellen, um so die Wirksamkeit optimal zu steuern und mögliche Nebenwirkungen zu verringern. Wie lange ein Rheumakranker Medikamente einnehmen muss, ist sehr unterschiedlich. Auf jeden Fall sollte ein Patient sich eingehend von seinem Arzt beraten lassen. Hierbei werden Hausarzt und Rheumatologe eng zusammenarbeiten. Je besser ein Patient informiert ist, umso besser kann er mit seiner Erkrankung umgehen und dazu beitragen, dass seine Lebensqualität soweit wie möglich erhalten bleibt.

Lesen Sie mehr zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapien im Ratgeber  "Rheumatoide Arthritis".

Psoriasis-Arthritis: geschwollene Gelenke als Folge einer Schuppenflechte

Symptome: Die Krankheitszeichen sind der einer rheumatoiden Arthritis vergleichbar (siehe oben). Finger- oder Handgelenke sind geschwollen, gerötet, fühlen sich heiß an  und schmerzen. Allerdings sind häufig nur vereinzelte Gelenke betroffen. Möglich sind auch Entzündungen an den Fußgelenken, an Hüfte und Knie oder an den Kreuz-Darmbein-Gelenken und der Wirbelsäule. Es können auch alle Gelenke eines Fingers stark geschwollen sein (Wurstfinger) oder nur (nicht symmetrisch) einige Endgelenke.

An den Nägeln zeigen sich mitunter gelb-braune Flecken, Verdickungen, runde Einkerbungen (Tüpfelnägel) oder ein gestörtes Wachstum. Dazu stellen sich manchmal die für eine Schuppenflechte typischen Hautveränderungen ein, aber nicht immer. Die erhabenen, geröteten Hautstellen mit weißlich-silbrigen Schuppen (Plaques) und Juckreiz treten vor allem an Ellbogen, Knien und der behaarten Kopfhaut auf. Auch die Augen können sich entzünden.

Ursache: Die Psoriasis oder Schuppenflechte ist eine chronische entzündliche Hauterkrankung, die zu den Autoimmunerkrankungen gezählt wird. Sie verläuft in Schüben und tritt auch schon im Kindes- und Jugendalter auf. Am häufigsten entwickelt sich die Gelenkerkrankung im dritten bis vierten Lebensjahrzehnt. Die Gelenkentzündung kann der Hautkrankheit vorausgehen, bei der Mehrzahl der Betroffenen zeigen sich jedoch zuerst die Hautveränderungen. Allerdings entwickeln nur etwa zehn bis 20 Prozent der Psoriasis-Patienten eine Arthritis. Eine erbliche Veranlagung spielt eine Rolle, die genauen Ursachen und Zusammenhänge zwischen Haut- und Gelenkerkrankung sind noch nicht geklärt.

Diagnose: Die kennzeichnenden Merkmale der Haut erleichtern dem Arzt die Diagnose. Da sie auch fehlen können, kommt der Familien- und Krankengeschichte und einer genauen Einschätzung der Gelenkbeschwerden wesentliche Bedeutung zu. Im Blutbild fehlt häufig der Rheumafaktor. Auch das ist ein Hinweis. Eine Röntgenaufnahme zeigt aber oft schon Knochenschäden und -wucherungen. Die Ultraschalluntersuchung der Sehnen und Sehnenscheiden kann helfen, Entzündungen in diesen Bereichen zu erkennen.

Therapie: Für den Hautbefall gibt es eine Reihe spezieller Therapiemaßnahmen. Gegen die Gelenkentzündung selbst kommen mitunter nichtsteroidale Antirheumatika infrage, ebenso Kortisoninjektionen in die erkrankten Gelenke. Positiv sowohl auf das Hautbild als auch auf die Gelenkprobleme können sich entzündungshemmende Wirkstoffe wie Sulfasalazin oder das Immunsystem unterdrückende Medikamente wie Methotrexat und Leflunomid auswirken. Sogenannte Biologicals stellen eine Alternative dar, wenn die ersten Behandlungsmaßnahmen nicht anschlagen. Unterstützend wirkt physikalische Therapie, zum Beispiel Kälteanwendung.

Reaktive Arthritis: Gelenkschwellungen nach Infektionen

Symptome: Einzelne Gelenke, meist an Hüfte, Knie oder Füßen, aber mitunter auch an Hand und Fingern, sind entzündlich geschwollen, nur mehr eingeschränkt beweglich und schmerzen. An Hand oder Fuß werden dann oft alle Gelenke eines Fingers oder einer Zehe dick (Wurstfinger, Wurstzehe). Die Schwellungen zeigen sich Tage oder Wochen nach einer Infektion. Dazu können Harnwegsinfektionen, Hautausschläge, Geschwüre der Mundschleimhaut, Rückenschmerzen, Fieber und Augenentzündungen kommen.

Ursache: Bisweilen sind Gelenkentzündungen, auch an der Hand, eine Folgeerkrankung einer bakteriellen Infektion im Magen-Darm-Trakt, im Harnwegs- und Genitalbereich oder in den Atemwegen. Häufige auslösende Bakterien sind hier Chlamydien, Gonokken (die Erreger der Gonorrhö), Mykoplasmen oder Salmonellen und andere Erreger von Darminfekten sowie Streptokokken. Auch nach einer Infektion mit Borrelien, einer Lyme-Borreliose, durch einen Zeckenbiss kann sich eine Arthritis entwickeln. Ebenso können Vireninfektionen, zum Beispiel eine Hepatitisinfektion, manchmal als Vorerkrankung infrage kommen. Die genauen Zusammenhänge zwischen Infektionen und reaktiven Arthritisformen sind noch nicht geklärt.

Diagnose: Die vorausgegangenen Infektionen können eventuell entsprechende Hinweise geben, auch die Symptome. Doch wird der vorausgehende Infekt nicht immer bemerkt. Rheumafaktoren fehlen im Blutbild, dafür sind die Entzündungszeichen erhöht oder es finden sich Antikörper gegen die Erreger. In weiteren Laboruntersuchungen von Stuhl, Urin, Genital- oder Atemwegssekret lassen sich die jeweiligen Erreger nachweisen, allerdings nicht immer, wenn es schon zu Gelenkentzündungen gekommen ist. Bei einem Teil der Patienten zeigen die Befunde ein bestimmtes Merkmal im Blut, HLA-B-27. Das kommt häufiger bei Entzündungen im Bereich der Wirbelsäule und Kreuzbein-Darmbein-Gelenke vor. Der Ausschluss anderer rheumatischer Erkrankungen ist bei der reaktiven Arthritis wegweisend.

Therapie: Antibiotika helfen gegen bakterielle Infektionen und können bei rascher Gabe verhindern, dass sich eine reaktive Arthritis entwickelt. Ist es bereits dazu gekommen, ist die Wirksamkeit einer antibiotischen Therapie nicht gesichert. Der positive Nachweis von Chlamydien im Urin oder Genitalabstrich begründet die gezielte antibiotische Behandlung – auch des Partners. Sie erfolgt jedoch in der Regel noch bevor sich die Gelenkschwellung zeigt. Je nach Erreger kann ihr Einsatz hier auch danach noch erfolgreich sein. Bei einem Infekt der oberen Atemwege durch Streptokokken geben die Ärzte oft Penicillin oder bei einer Penicillinallergie ein anderes geeignetes Antibiotikum.

Gegen die Gelenkentzündung kann der Arzt nichtsteroidale Antirheumatika einsetzen und gegebenenfalls Kortison direkt in das betroffene Gelenk oder den entzündeten Sehnenbereich spritzen. Eine längerfristige Behandlung mit weiteren Medikamenten, die auch gegen Rheuma eingesetzt werden, beispielsweise Sulfasalazin, ist mitunter bei schwereren Verläufen angebracht. Wie bei anderen Gelenkerkrankungen spielt auch bei einer reaktiven Arthritis die begleitende krankengymnastische Therapie eine wichtige Rolle, um die Gelenke beweglich zu erhalten.

Enteropathische Arthritis: Darmkrankheiten als möglicher Auslöser für geschwollene Hände und Finger

Im Zuge von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder einer Colitis ulcerosa können entzündliche Gelenkschwellungen auch an Händen und Fingern auftreten. Die Entzündungen bessern sich jedoch häufig mit der Behandlung der Grunderkrankung und führen dann nicht zu fortschreitenden Gelenk- und Knochenschäden.

Gicht (Hyperurikämie): Gelenkschwellungen und starke Schmerzen auch an den Fingern

Symptome: Die Beschwerden äußern sich vielfach erst spät, wenn teilweise schon über mehrere Jahre die Harnsäurewerte im Blut erhöht waren und sich schon Harnsäurekristalle im Körper abgelagert haben. Die Folge sind Entzündungen in betroffenen Bereichen, zum Beispiel in einem Gelenk. Die heftige Reaktion darauf ist ein sogenannter Gichtanfall. Ein Gelenk, etwa das Großzehengrundgelenk oder ein Fingergelenk, schwillt an, wird rot und heiß, schmerzt heftig und ist äußerst berührungsempfindlich. Der Anfall tritt häufig nachts ein, nach einem üppigen Essen, nach Alkoholgenuss, aber auch nach Fasten oder ungewohnten körperlichen und seelischen Belastungen. Es kann Fieber dazukommen. Nach dem Anfall ist das Gelenk wieder schmerzfrei und lässt sich problemlos bewegen.

Zwischen den Attacken können Monate oder Jahre liegen. Mit der Zeit werden die Abstände jedoch kürzer. Wenn sie nicht behandelt wird, kann sich die Gicht zu einem chronischen Gelenkleiden entwickeln. Kennzeichnend sind dann Gichtknoten an der Hand, Gelenkverformungen, sogenannte Gichtperlen oder Tophi (in Knochen, Sehnenscheiden, unter der Haut, in Organen sowie typischerweise am Ohr) und andauernde Schmerzen.

Ursache: Gicht, Mediziner sprechen von Hyperurikämie, ist eine erbliche Stoffwechselerkrankung und war schon in früheren Zeiten die Krankheit des Wohlstands (Zipperlein). Sie betrifft vor allem Männer zwischen 30 und 60 Jahren, Frauen seltener und dann meist erst nach den Wechseljahren. Kennzeichen ist eine erhöhte Harnsäurekonzentration im Blut und anderen Körperflüssigkeiten, zumeist weil nicht genügend Harnsäure über die Niere ausgeschieden werden kann.

Ein anderer, seltenerer Grund ist eine vermehrte Harnsäurebildung im Körper. Durch den Überschuss an Harnsäure lagern sich Harnsäurekristalle, Urate, in unterschiedlichen Körperbereichen ab, auch in Knochen und Gelenken. Die betroffenen Gelenke wehren die Eindringlinge ab, die Folge sind Entzündungen und Gichtanfälle. Diese müssen nicht sein, wenn eine Hyperurikämie rechtzeitig erkannt und entsprechend gegengesteuert wird.

Die Schlüsselrolle spielen dabei die Purine. Das sind natürliche Substanzen, die in menschlichen, tierischen und pflanzlichen Zellen vorkommen. Der Mensch bildet sie also nicht nur selbst, sondern nimmt sie zusätzlich noch mit der Nahrung auf. Im Stoffwechsel werden Purine zu Harnsäure umgewandelt, die wiederum über die Niere ausgeschieden wird. Hat ein Mensch einmal zu viel Nahrungsmittel mit hohem Puringehalt gegessen, steigt die Harnsäurekonzentration vorübergehend an. Den Überschuss scheidet der Körper normalerweise wieder mit dem Urin aus. Das geschieht aber nicht, wenn die Ausscheidung anlagebedingt gestört ist oder wenn jemand ständig zu viel Purin zuführt, zum Beispiel durch allzu fleischlastiges Essen, wobei Innereien (übrigens auch Bier!) besonders purinreich sind. Deshalb spielt die Ernährung eine wichtige Rolle für die Behandlung der Gicht.

Unbehandelt schädigt die Gicht nicht nur die Gelenke, sondern auch die Nieren, fördert Bluthochdruck und damit Arteriosklerose. Gicht ist zwar erblich bedingt, aber bestimmte Faktoren begünstigen ihre Entwicklung. Dazu gehört auch Übergewicht. Üppige Mahlzeiten, viel Alkohol, aber auch das Gegenteil, strenges Fasten, bringen den Purinstoffwechsel durcheinander. Ebenso können Infektionen, Stress und übermäßige körperliche Anstrengung Auslöser für einen Gichtanfall sein. Manchmal tritt eine Gicht als Folge anderer Erkrankungen wie Leukämie oder Nierenkrankheiten auf (sekundäre Gicht). Auch die Einnahme bestimmter Medikamente kann den Harnsäurespiegel erhöhen.

Diagnose: Die Schilderung eines Gichtanfalls und die Krankengeschichte mit Blick auf Lebensgewohnheiten und Vorerkrankungen in der Familie geben dem Arzt schon die ersten wesentlichen Anhaltspunkte. Eine Blutuntersuchung weist in der Regel eine erhöhte Harnsäurekonzentration auf. Allerdings kann sie während eines Gichtanfalls auch normal sein, sowie insbesondere unter der Behandlung mit einem harnsäuresenkenden Medikament. Um eine sekundäre Gicht und begleitende Stoffwechselerkrankungen auszuschließen, wird der Arzt weitere Blutuntersuchungen veranlassen. Urintests geben Aufschluss über die Harnsäureausscheidung.

Besteht der Verdacht, dass die Gicht schon weiter fortgeschritten ist, zeigen Ultraschallaufnahmen, ob sich Nierensteine und gegebenenfalls Veränderungen in den Gelenken gebildet haben. Röntgenuntersuchungen decken verborgene Harnsäureablagerungen (Tophi) als runde Schadstellen etwa am Knochen oder andere Knochenschäden auf. Um jeden Zweifel auszuschließen, kann ein spezialisierter Arzt auch eine Gelenkpunktion durchführen, um Gelenkflüssigkeit untersuchen zu lassen.

Therapie: Eine wesentliche Therapiesäule stellen eine ausgewogene, purinarme Ernährung und eine gesunde Lebensführung dar. Es gilt, Übergewicht abzubauen, ausreichend zu trinken und möglichst auf Alkohol zu verzichten.

Die medikamentöse Behandlung im Anfangsstadium richtet sich einmal gegen die entzündlichen Prozesse im Gelenk. Zum anderen soll die Harnsäurekonzentration dauerhaft normalisiert werden. Das geschieht mit ausgewählten Medikamenten.

Bei einem Gichtanfall kommen in erster Linie nichtsteroidale Antirheumatika infrage, kurzfristig auch Kortison und mitunter der Wirkstoff Colchicin. Betroffene, die eine Nierenschädigung haben oder älter sind, reagieren sowohl bei der Behandlung mit Colchicin, als auch mit nichtsteroidalen Antirheumatika häufiger mit Nebenwirkungen. Colchicin wird in Deutschland mittlerweile eher zurückhaltend eingesetzt. Zusätzlich wirken kühle Auflagen lindernd. Das von einem akuten Gichtanfall betroffene Gelenk kann eine Wattepackung vor schmerzhafter Berührung schützen.

Um den Harnsäurespiegel dauerhaft auszugleichen, genügen manchmal schon Ernährungsmaßnahmen. Als Medikamente setzen die Fachärzte, meist Internisten beziehungsweise Rheumatologen, sogenannte Urikostatika und Urikosurika ein. Urikostatika wie Allopurinol oder Febuxostat hemmen die Harnsäurebildung. Urikosurika wie Benzbromaron und Probenecid fördern die Harnsäureausscheidung. Wirkstoffkombinationen können eventuelle Nebenwirkungen verringern. Der Arzt wird die Harnsäure und Werte im Blut, die Rückschlüsse auf die Nierenfunktion erlauben, in bestimmten Abständen kontrollieren.

Weitere Informationen finden Sie im Ratgeber "Gicht (Hyperurikämie)".

Systemischer Lupus erythematodes (SLE): Hautausschläge, schmerzhaft geschwollene Finger- und Handgelenke

Symptome: Mehrere Fingergelenke, Handgelenke oder andere Gelenke schwellen schmerzhaft an. Morgens sind die Hände steif und schwer beweglich. Typischerweise treten schmetterlingsförmige, rote Hautausschläge im Gesicht ("Wolfsgesicht", daher der Name der Erkrankung, lateinisch lupus heißt "Wolf") auf, sowie schuppende Ausschläge an anderen Körperteilen wie den Händen. Fieber, Schwächegefühl, Atembeschwerden können ebenfalls Anfangszeichen der Erkrankung sein. Auch reagiert die Haut hochempfindlich auf Licht. Die Beschwerden verstärken sich häufig nach einem Aufenthalt in der Sonne oder bei stärkeren körperlichen und seelischen Belastungen. Weitere Symptome richten sich danach, welche Organe miterkrankt sind.

Ursache: Diese Autoimmunerkrankung erfasst vor allem die Haut und viele Organe beziehungsweise deren Gefäße. Das Abwehrsystem richtet sich aggressiv gegen körpereigene Stoffe in den Zellen. In der Mehrzahl erkranken Frauen vor den Wechseljahren an SLE. Es besteht wohl eine erbliche Anlage für die Erkrankung. Möglicherweise spielen auch weibliche Geschlechtshormone, die Östrogene, sowie intensive Sonneneinstrahlung oder bestimmte Virusinfektionen für den Ausbruch der Krankheit eine Rolle. Die genauen Ursachen sind jedoch noch nicht bekannt. Die Krankheit verläuft in Schüben. Neben inneren Organen wie Herz, Lunge und den Nieren kann auch das Gehirn betroffen sein. Psychische Veränderungen, Depressionen oder epileptische Anfälle können daraus entstehen. Einige Medikamente wie bestimmte Blutdrucksenker, Tuberkulosemittel oder Psychopharmaka lösen sehr selten ebenfalls SLE-Symptome aus, die jedoch nach Absetzen der Mittel wieder vergehen.

Diagnose: Die Hautrötungen und weitere Symptome wie Gelenkentzündungen in zwei oder mehr Gelenken sind oft kennzeichnend für den Arzt. Hauptansprechpartner sind nach dem Hausarzt ein Internist beziehungsweise Rheumatologe sowie ein Hautarzt. Blutuntersuchungen decken spezielle Antikörper und weitere Krankheitszeichen auf. Untersuchungen der Nieren (über Urintests, eventuell auch anhand kleiner Gewebeproben aus der Niere) sowie von Herz und Lungen geben Aufschluss, in welcher Form innere Organe beteiligt sind.

Therapie: Die Behandlung des Lupus erythematodes richtet sich danach, in welchem Stadium sich die Erkrankung befindet und wie ausgeprägt sie ist. Es sind auch lebensbedrohliche Verläufe möglich. Für die Haut sind Cremes mit einem hohen Lichtschutzfaktor (60) und Lichtschutz durch die Kleidung wichtig. Zudem können kortisonhaltige Salben angezeigt sein.

Akute Entzündungsschübe behandelt der Arzt häufig mit nichtsteroidalen Antirheumatika, mit den Antimalariamedikamenten Hydroxychloroquin und Chloroquin oder kurzfristig mit Kortison,  sofern noch keine inneren Organe wie die Nieren mit erkrankt sind. Unter dieser Behandlung bessern sich auch die Hauterscheinungen. Der Arzt wird einmal jährlich eine Kontrolle der Augennetzhaut veranlassen. Bei schwererem Verlauf ist eine Behandlung in einer Klinik unumgänglich. Unter anderem werden dann Kortison, das Immunsystem unterdrückende Mittel (Immunsuppressiva) und andere Medikamente eingesetzt. Je nach Erkrankungsmuster sind zudem weitere spezielle Therapiemaßnahmen wirkungsvoll. Eine möglichst stressverringerte, gesunde Lebensweise und Schutz vor intensiver Sonne helfen SLE-Kranken darüber hinaus, Schüben vorzubeugen.

Lesen Sie mehr zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapie im Ratgeber "Lupus erythematodes".

Sklerodermie (progressive systemische Sklerose): geschwollene Finger und Hände als Anfangssymptom

Symptome: Pralle Schwellungen über die ganzen Finger und Hände (Wurstfinger) und Morgensteifigkeit sind häufig ein akutes Erstsymptom, manchmal auch nur geschwollene Fingergelenke. Mitunter treten anfangs überhaupt nur untypische Allgemeinbeschwerden wie Muskelschwäche und Gewichtsabnahme auf. Mit Fortschreiten der Erkrankung kommen oft Durchblutungsstörungen in den Fingern (Raynaud-Syndrom) dazu. Die Finger werden an den Spitzen erst blass, dann rot und schmerzen. Die Haut kann sich zusammenziehen, Gewebe stirbt ab, es entstehen Narben an den Fingerspitzen. Auch tritt mitunter ein Karpaltunnelsyndrom auf.

Die Hautveränderung dehnt sich im weiteren Verlauf aus: Die Gesichtshaut wird straff und starr wie bei einer Maske, der Mund verkleinert sich, Bewegungen im Gesicht sowie an den Gelenken fallen schwer. Die Starre kann sich zudem auf innere Organe erstrecken. Wenn die Speiseröhrenwand versteift und das Zungenbändchen sich erhärtet, sind Schluckbeschwerden, Rückfluss des Mageninhalts und andere Störungen im Magen-Darm-Trakt mögliche Folgen. Die Verhärtungen bewirken, dass die Gefäße sich verengen. Atembeschwerden, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck weisen darauf hin, dass auch innere Organe wie Lunge, Herz und Nieren in Mitleidenschaft gezogen sind.

Ursache: Sklerose bedeutet Verhärtung. Frauen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren  erkranken häufiger als Männer an dieser eher seltenen entzündlichen Bindegewebserkrankung. Durch entzündliche Vorgänge wird das Bindegewebe dicker, es sammeln sich vermehrt Eiweißkörper (Kollagen) in der Haut und in inneren Organen an. Das führt zu Gefäßverengungen, Flüssigkeitsansammlungen und Durchblutungsstörungen. Stoffwechsel und Organe werden mehr und mehr in ihrer Funktion gestört. Die Ursachen für diesen fortschreitenden Krankheitsprozess sind noch weitgehend unbekannt. Auch hier handelt es sich möglicherweise um eine Autoimmunerkrankung.

Diagnose: Der Arzt wird Hände und Finger genau untersuchen. Vor allem die Schäden an den Fingerspitzen sind wichtige Anhaltspunkte. Blutuntersuchungen weisen spezielle Antikörper auf. Röntgenaufnahmen der Hände zeigen eventuell Auflösungszeichen am Knochen und Aufnahmen der Speiseröhre eine eingetretene Wandstarre. Tastet der Arzt über verdickte und verhärtete Sehnen, spürt oder hört er manchmal ein Reiben. Im Zweifelsfall lässt er auch eine Hautprobe (Biopsie) für die genaue Diagnose untersuchen. Um Aufschluss über die Ausprägung und das Stadium der Krankheit zu erhalten, prüft der Arzt zudem die inneren Organe. Das geschieht mit Hilfe von Urinproben, einer Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) sowie Lungenfunktionstests und gegebenenfalls weiteren Untersuchungsschritten. Bei Diagnose und Therapie wird der Hausarzt sich mit einem Rheumatologen sowie einem Hautarzt abstimmen.

Therapie: Die Behandlung einer Sklerodermie richtet sich individuell nach dem Verlauf der Erkrankung. Infrage kommen entzündungshemmende, durchblutungsfördernde und gewebsschützende Medikamente. Kortison wenden die Ärzte oft eher zurückhaltend an, meist kurzfristig bei anfänglichen Schwellungen und Krankheitsschüben. Mit bestimmten Mitteln, die das Immunsystem hemmen (Immunsuppressiva), behandeln die Fachärzte oft längerfristig schwere Krankheitsentwicklungen. Gegen die Durchblutungsstörungen der Finger helfen zudem verschiedene Medikamente, zum Beispiel Salben mit Nitrat, ACE-Hemmer oder Kalziumantagonisten. Die Betroffenen sollten die Hände warm halten (etwa mit Fausthandschuhen, auch beheizbaren), Kälte und Stress möglichst vermeiden. Ist das Hautgewebe stark geschädigt, können unter anderem sogenannte Prostaglandinanaloga, Endothelinrezeptorantagonisten und PDE-5-Hemmer, angezeigt sein. Für mögliche andere Organschäden gibt es wiederum individuell ausgelegte Therapiekombinationen.

Physikalische Maßnahmen wie Bäder- und Lichttherapie, zum Beispiel eine Balneo-Fototherapie, lindern die Beschwerden und wirken der fortschreitenden Hautzerstörung, etwa an den Fingern entgegen. Spezielle Krankengymnastik, Bindegewebsmassagen und Lymphdrainage helfen den Erkrankten, ihre Muskeln möglichst beweglich zu halten. Bei einer Ergotherapie lernen die Patienten, mit ihrer Krankheit im Alltag umzugehen. Ganz wesentlich ist es außerdem, das Rauchen aufzugeben.

Ganglion (Überbein): gutartiger Weichteiltumor an Hand- und Fingergelenken

Symptome: Ein mit Flüssigkeit gefülltes, pralles, elastisches Knötchen fällt an der Außenseite oder Innenseite des Handgelenks auf, an den Fingergrundgelenken oder der Handfläche. Seltener tritt ein Ganglion auch am Fußrücken, an Zehen oder anderen Gelenken, wie etwa an den Knien, auf. Häufig haben die Betroffenen keine Beschwerden, aber mitunter ist das Überbein auch sehr druckempfindlich. Drückt es selbst auf Gelenke, Nerven oder Blutgefäße, kann es teilweise starke Schmerzen verursachen, die Beweglichkeit einschränken und Kribbeln oder Taubheitsgefühle auslösen. Sehr kleine Ganglien treten gar nicht an die Oberfläche, sondern äußern sich nur durch Schmerzen.

Ursache: Ganglien sind gutartige Weichteiltumore an Sehnenscheiden oder Gelenkkapseln, die bei Frauen sehr viel häufiger auftreten als bei Männern, bevorzugt im Alter zwischen 20 und 40 Jahren, aber auch bei Kindern. Die eigentlichen Ursachen sind noch unklar. An ständig überbelasteten und gereizten Sehnenscheiden und Gelenkkapseln jedoch bildet das Bindegewebe möglicherweise vermehrt Flüssigkeit. Dadurch kann eine Zyste entstehen, in die immer mehr Gewebeflüssigkeit eindringt.

Diagnose: Art und Aussehen der Zyste stellen für den Arzt häufig schon deutliche Zeichen dar. Das Ganglion lässt sich meist tasten und leicht verschieben. Eine Ultraschalluntersuchung sichert die Diagnose ab und deckt mögliche verborgene Ganglien auf. Um eine Arthrose oder Knochenveränderungen auszuschließen, kann der Arzt zudem eine Röntgenaufnahme veranlassen.

Therapie: Die Behandlung richtet sich danach, wie heftig die Beschwerden sind. Viele Ganglien bilden sich von selbst wieder zurück, vor allem bei Kindern. Häufig hilft es anfangs, das Gelenk zu schonen, abschwellende Salben und Umschläge anzuwenden. Der Arzt wird eventuell auch entzündungshemmende Medikamente und Krankengymnastik verordnen. Stört das Ganglion optisch sehr und bereitet es starke Schmerzen, weil es zum Beispiel auf einen Nerv drückt, können operative Maßnahmen infrage kommen. Der Facharzt, in diesem Fall ein Orthopäde, kann die Flüssigkeit absaugen oder die Zyste, wenn diese nach einiger Zeit immer wieder anschwillt, auch chirurgisch entfernen. Hier ist dann ein erfahrener Handchirurg gefragt.

Nach der Operation lässt sich die Hand meist bald wieder gut bewegen. Mitunter ist die Handbeweglichkeit jedoch noch eine Zeit lang eingeschränkt, zum Beispiel nach größeren Eingriffen. Auch ist nicht ausgeschlossen, dass das Ganglion erneut auftritt. Keinesfalls sollten die Betroffenen selbst versuchen, das Überbein aufzustechen oder auf andere Art zu beseitigen. Das kann zu folgenreichen Komplikationen führen. Wichtig ist es, das Gelenk nach einer Operation zu schonen – es wird etwa eine Woche bis zehn Tage ruhig gestellt – und ihm auch später regelmäßige Erholungsphasen zu gönnen. Bei starken Belastungen wie körperliche Arbeiten oder Sport sind eventuell stützende Bandagen hilfreich.

Erfahren Sie mehr über Symptome, Diagnose und Therapie im Ratgeber "Handgelenksganglion (Überbein)".

Gutartige Tumore an der Hand: anfangs oft nur leichte Schwellungen

– Riesenzelltumor der Sehnenscheide

Symptome: Der Tumor wächst häufig langsam. Betroffene gehen daher erst zum Arzt, wenn ihnen eine Veränderung auffällt. An gut sicht- und tastbaren Stellen kann sich die Geschwulst mit Schwellungen oder einem derben, geröteten Knoten bemerkbar machen, etwa an der Oberseite eines Fingers, aber auch an der Unterseite. Die Geschwülste lassen sich kaum verschieben. Schmerzen sind selten, außer wenn Nerven unter Druck geraten.

Ursache: Dieser spezielle Riesenzelltumor entsteht in den Sehnenscheiden, den Gelenkkapseln oder Schleimbeuteln. Mediziner sprechen unter anderen auch vom nodulären tenosynovialen Riesenzelltumor. Die Ursache ist unbekannt. An der Hand kommen solche Geschwülste vergleichweise häufiger vor, insgesamt sind Riesenzelltumore jedoch sehr selten. Eine andere Form entwickelt sich vor allem am Knie. Ihren Namen haben Riesenzelltumore von den großen, vielkernigen Zellen, die bei der Analyse unter dem Mikroskop zu unterscheiden sind.

Diagnose: Eine Röntgenaufnahme zeigt, ob die Geschwulst den Knochen geschädigt hat. Um die Diagnose abzusichern, entfernt der Arzt den Tumor und lässt das Gewebe analysieren. Typisch ist die feingeweblich braune Farbe des Tumors in einem schon fortgeschrittenen Stadium, deshalb wird er auch brauner Tumor genannt.

Therapie: In der Regel wird der Tumor komplett abgetragen, häufig schon für die Diagnose. Er kann jedoch wiederkehren, vor allem, wenn er schon sehr ausgedehnt war.

– Enchondrom

Ein gutartiger, knorpeliger Tumor, der ebenfalls längere Zeit unerkannt bleiben kann, ist das Enchondrom oder Osteochondrom. Er wächst zum Beispiel in den länglichen Knochen der Finger und Zehen (kleine Röhrenknochen), aber auch an anderen Stellen, und zeigt sich erst nach einer gewissen Zeit, indem der von ihm befallene Teil am Finger oder der Hand anschwillt. Aufschluss geben Röntgenaufnahmen der Hand und Untersuchungen des Tumorgewebes. Die Behandlung richtet sich danach, ob das Enchondrom Beschwerden bereitet, ob das Gelenk oder Nerven in Mitleidenschaft gezogen sind. Dementsprechend beobachtet der Arzt die Entwicklung des Tumors. Die Ärzte operieren häufig auch dann, wenn der Verdacht auf eine bösartige Veränderung vorliegt.

Weitere Geschwülste, die sich als Knoten und Schwellungen an der Hand zeigen

Durch Arthrose in den Fingerendgelenken kann sich eine Schleimzyste (Mukozele, mukoide Zyste) bilden. Hier tritt Gelenkschleimhaut und -schmiere aus. Die Zysten können von selbst platzen. Dabei besteht Infektionsgefahr. Deshalb sollte Schleimzysten immer ein Arzt behandeln und gegebenenfalls entfernen.

Eine knöcherne Vorwölbung auf dem Handrücken an den Mittelhandknochen kann ein Handrückenhöcker sein, der durch einen zusätzlich gewachsenen Knochen oder Verschleißerscheinungen entstanden ist. Eine Behandlung ist normalerweise nicht nötig.

Lipome sind Geschwülste aus Fettgewebe, die sich auch an der Hand zeigen können. Sie bereiten meist nur optisch Probleme und können vom Arzt entfernt werden, allerdings auch immer wieder erneut auftreten.

Nach einer Hautverletzung können sich Zysten bilden, sogenannte Epithelzysten. Hier ist ebenfalls ärztliche Behandlung notwendig.

Quervain'sche Verengung (Tendovaginitis de Quervain): Sehnenscheidentzündung am Handgelenk

Symptome: Kennzeichnend ist eine schmerzhafte, mitunter gerötete Schwellung an der Daumenseite des Handgelenks. Die Schmerzen können in den Daumen und bis in den Unterarm ausstrahlen. Die Beweglichkeit des Daumens ist beeinträchtigt, vor allem bei Spreizbewegungen und wenn der Daumen zum kleinen Finger wie bei einer Faust geführt wird. Auch Handgelenksbewegungen schmerzen. Ebenso ist ein Taubheitsgefühl im Daumen möglich. Im Verlauf der Erkrankung kann sich eine flüssigkeitsgefüllte Zyste in diesem Bereich bilden.

Ursache: Die Beschwerden entstehen vielfach aufgrund einer Überlastung durch bestimmte Handgriffe wie Greifen, Wringen oder SMS-Tippen sowie viele Hausarbeiten, etwa Kartoffelschälen. Daher kommt auch die umgangssprachliche Bezeichnung "Hausfrauendaumen". Monotone, sich häufig wiederholende Bewegungen überreizen die Strecksehnen, die sich daraufhin leicht entzünden. Betroffen sind vor allem Frauen im mittleren Alter.

Neben Sehnenscheidentzündungen können entzündliche Erkrankungen wie eine rheumatoide Arthritis (siehe Kapitel "Entzündliches Rheuma") ebenfalls die nach ihrem Erstbeschreiber benannte Erkrankung verursachen. Das erste Strecksehnenfach, in dem zwei Sehnen und Sehnenscheiden verlaufen, schwillt durch die Überreizung und Entzündung an und verengt sich. Weitere entzündliche Prozesse und Bewegungseinschränkungen sind die Folge, das Sehnenfach kann sogar brechen.

Diagnose: Eine häufig durchgeführte Diagnosemaßnahme ist der sogenannte Finkelstein-Test. Der Arzt führt den Daumen über die Handinnenfläche, die anderen Finger umschließen ihn zu einer Faust. Dann beugt er die Hand am Handgelenk nach unten und in Richtung kleiner Finger. Schmerzt der Daumen heftig bei dieser Bewegung, gibt ihm das schon einen deutlichen Hinweis. Röntgenaufnahmen zeigen die Veränderungen nicht, helfen aber, andere Erkrankungen, etwa eine Polyarthrose (siehe auch Kapitel "Polyarthrose"), auszuschließen.

Therapie: Wichtig ist zunächst, Daumen und Handgelenk ruhig zu stellen. Das kann mit einer Daumenschiene oder sogar einem Gipsverband geschehen. Gegen die Schwellung spritzt der Arzt mitunter Kortison. Als Medikamente kommen nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen und andere infrage. Sind die Beschwerden abgeklungen, sollten die Betroffenen wiederholte, eintönige Handgriffe vermeiden und ihre Hand durch ausgleichende krankengymnastische Übungen stärken.

Eine Operation wird der Arzt nur in schwerwiegenden Fällen in Betracht ziehen. Hierbei eröffnet der Chirurg das Sehnenfach, um den Druck von den Sehnen zu nehmen und vorhandene Schwellungen zu entfernen.

Schnellender Finger: überlastete Beugesehnen

Symptome: Bei der medizinisch Tendovaginitis stenosans genannten Erkrankung treten an einem Fingergrundgelenk, häufig am Daumen, Schmerzen auf, meist bei Beugebewegungen, aber später oft auch schon in ruhiger Haltung. Typischerweise schnappt der zunächst unter Anstrengung ausgestreckte Finger unvermittelt nach vorne oder wieder zurück (Schnappfinger). Manchmal lässt sich dort auch eine verdickte Stelle tasten.

Ursache: Betroffen sind häufig Menschen, die ihre Finger entweder ungewohnt fordern oder regelmäßig überlasten, etwa beim Sport, beim Musizieren oder bei handwerklichen Arbeiten. Die überreizte Beugesehne verdickt und kann nicht mehr ungehindert durch die Sehnenscheiden gleiten. Es kommt zu Verengungen und Entzündungen, schließlich bilden sich Knötchen auf der Sehne.

Diagnose und Therapie: Die Beschwerden geben dem Arzt meist schon deutliche Hinweise. Schonen des erkrankten Fingers, Kortisonspritzen oder operative Eingriffe gehören zu den möglichen Therapiemaßnahmen. Lesen Sie mehr dazu im Ratgeber "Schnellender Finger: Was steckt dahinter?".

Dupuytren’sche Erkrankung oder Kontraktur: verdicktes Gewebe an der Handinnenfläche

Symptome: Erste Zeichen sind spürbare Verdickungen an der Handinnenfläche, die dann auch schwielig aussehen kann. Die harten Gewebeschwellungen und Stränge, die im weiteren Verlauf entstehen, sind manchmal berührungsempfindlich, aber verursachen in der Regel keine Schmerzen. Die Finger krümmen sich in Richtung Handfläche, besonders betroffen sind der kleine und der Ringfinger. Schließlich lassen sich die Finger nicht mehr ausstrecken (Kontraktur). Alltäglich Handgriffe fallen schwer. Häufig erkranken zwar beide Hände, aber eine von beiden ist meist stärker betroffen. Im Zuge einer Dupuytren-Krankheit treten manchmal auch Knubbel an der Oberseite der Fingermittelgelenke auf. Die Mediziner nennen solche Bindegewebseinlagerungen Fingerknöchelpolster oder "knuckle pads".

Ursache: Die Beschwerden entstehen durch Wucherungen von Bindegewebe zwischen der Haut der Handflächen und den Beugesehnen von Hand und Fingern. Es bilden sich dicke Knoten und Stränge, die die Funktion von Sehnen und Nerven einschränken. Die Ursachen sind noch nicht geklärt. Eine familiäre Veranlagung scheint der Hauptrisikofaktor zu sein. Auch Verletzungen im Arm- oder Handbereich könnten die Entstehung zusätzlich begünstigen. Diabetes, Rauchen und Alkoholkonsum sind weitere mögliche Risikofaktoren. Die Erkrankung verläuft individuell unterschiedlich. Nicht bei allen Betroffenen stellt sich auch eine ausgeprägte Kontraktur der Finger ein. Besonders häufig haben Männer über 50 damit zu tun.

Diagnose: Der Arzt wird Handfläche und Finger eingehend abtasten und begutachten. Die Knoten und Stränge sind meist gut zu spüren und zu sehen. Er prüft die Handfunktion, indem der Patient die Finger spreizt, streckt und die Hand zur Faust schließt. Die Krankengeschichte kann weitere Hinweise liefern. Zusätzliche Untersuchungen wie Laboranalysen oder Röntgenaufnahmen dienen dazu, andere Erkrankungen festzustellen oder auszuschließen. Fachmediziner teilen die Dupuytren-Krankheit in mehrere Stadien ein. Diese zeigen auf, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist, von lediglich fühlbaren Knoten bis hin zu starken Fingerkrümmungen, und wann eventuell eine Operation sinnvoll ist.

Therapie: Die Behandlung richtet sich danach, wie die Erkrankung verläuft. Sie kann sich sehr langsam entwickeln und den Alltag lange nicht oder nur wenig beeinträchtigen. Eine Therapie ist oft erst angezeigt, wenn deutlichere Beschwerden auftreten, wie erste Schwierigkeiten, die Finger zu strecken. Erst dann wird der Arzt gezielte operative Eingriffe in Betracht ziehen. Dazu gehört unter anderem die perkutane Nadelfasziotomie. Hier sticht der Operateur mit einer feinen Nadel durch die Haut und durchtrennt damit die zusammengezogenen Gewebestränge. Dabei muss er keine Schnitte in die Haut setzen. Eine Strahlentherapie in einer dafür spezialisierten Klinik kann in einem frühen Stadium, wenn erste Knoten zu fühlen sind, hilfreich sein.

In späteren Stadien ist möglicherweise auch eine Handoperation angezeigt. Der Handchirurg entfernt Knoten und Gewebestränge von den Beugesehnen. Wichtig ist der richtige Zeitpunkt für den Eingriff, den der Arzt je nach Krankheitsbild individuell unterschiedlich ansetzen kann. Anhaltspunkte geben zudem die verschiedenen Stadien der Kontraktur. Manchmal folgen der Operation weitere Eingriffe sowie Hautplastiken, da die Haut bisweilen schon stark verkürzt ist und entsprechend aufgebaut werden muss. Danach wird die Hand eine bestimmte Zeit ruhig gestellt. Eine behutsame Krankengymnastik hilft, die Handfunktion zu stärken.

Weitere Fibromatosen als Ursache für Verdickungen an den Händen

Neben der Dupuytren-Kontraktur gibt es andere Formen von Gewebeneubildungen (Fibromatosen) an Fingern und Händen. Die Auslöser sind in der Regel nicht bekannt. Die Fibromatose digitale, also Fingerfibromatose, betrifft in erster Linie kleine Kinder, seltener Erwachsene. Es treten meist nicht schmerzende Verdickungen und Knoten an den Fingerrücken und -seiten sowie an den Zehen auf. Sie können spontan abheilen. Manchmal entfernt der Hautarzt sie auch chirurgisch.

Fingerknöchelpolster (sogenannte knuckle pads, siehe oben) sind mitunter Teil der Dupuytren-Krankheit, können sich aber auch unabhängig davon entwickeln, häufiger bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die erhabenen Polster sind teilweise braun verfärbt und rau. Die Verdickungen zeigen sich im Bereich der Fingermittelgelenke und bereiten keine Schmerzen. Zuverlässig wirksame Therapien gibt es bis jetzt nicht. Manche Ärzte spritzen Kortison in die betroffenen Stellen.