Erektile Dysfunktion (Potenzstörung, Erektionsstörung, Impotenz)

Was hilft, wenn Mann im Bett nicht mehr kann? Mehr zu Ursachen, Diagnose und Therapie von Potenzstörungen

aktualisiert am 25.11.2014

Was ist eine erektile Dysfunktion?

Erektile Dysfunktion (ED) bedeutet, dass ein Mann in mehr als zwei Dritteln der Fälle keine Erektion bekommen oder aufrecht erhalten kann, die für einen Geschlechtsverkehr ausreicht. Der Penis wird nicht hart genug oder erschlafft vorzeitig. Diese Probleme bestehen über mindestens sechs Monate. Wenn es also hin und wieder einmal "nicht klappt", handelt es sich noch nicht gleich um eine behandlungsbedürftige Störung.

Mit dem Alter wird die erektile Dysfunktion häufiger. Unter den 40- bis 49-Jährigen ist knapp jeder zehnte Mann betroffen, unter den 60- bis 69-Jährigen bereits jeder dritte. Das zeigte eine Untersuchung der Universität Köln im Jahr 2000. Viele weitere Untersuchungen in zahlreichen Ländern kamen zu vergleichbaren Ergebnissen. Experten vermuten, dass es eine große Dunkelziffer gibt. Die tatsächlichen Zahlen könnten also noch höher liegen.

In der Mehrzahl der Fälle stecken körperliche Ursachen hinter Erektionsstörungen. Rein psychische Auslöser kommen vor allem bei jüngeren Männern vor.

Auch wenn es sich um ein sehr privates Problem handelt, ist Scham unangebracht. Betroffene sollten sich nicht scheuen, einen Arzt aufzusuchen. Zwei Gründe sprechen dafür:

Zum einen ist in den meisten Fällen eine erfolgreiche Therapie möglich. Der Arzt kann Medikamente verschreiben, sogenannte Phosphodiesterase-5-Hemmer (PDE-5-Hemmer). Daneben gibt es weitere Behandlungsmöglichkeiten. Ist zum Beispiel der Testosteronspiegel deutlich erniedrigt, ist eine Testosteron-Ersatztherapie in Erwägung zu ziehen.

Zum anderen kann die Störung – vor allem jenseits der 50 – ein Warnhinweis auf einen drohenden Herzinfarkt oder Schlaganfall sein. Denn hinter einer erektilen Dysfunktion steckt nicht selten eine "Verkalkung" (Arteriosklerose) der Blutgefäße, die den Penis mit Blut versorgen. Diese Arteriosklerose macht vor anderen Gefäßabschnitten im Körper nicht halt. Die Blutgefäße, die Herz und Gehirn mit Blut beliefern, könnten ebenfalls betroffen sein. Im schlimmsten Fall droht dann ein Herz- oder Hirninfarkt. Wird eine Arteriosklerose früh erkannt und behandelt, sind solche ernsten Folgen oft vermeidbar.

Erektile Dysfunktion heißt umgangssprachlich auch Potenzstörung oder "Impotenz". Der letztere Begriff war früher in der Medizin gebräuchlich, wird heute aber nur noch selten verwendet. Denn er wirft verschiedene Störungen "in einen Topf", die nicht zwangsläufig zusammengehören: Zum einen Erektionsstörungen wie erektile Dysfunktion oder vorzeitiger Samenerguss, zum anderen die Unfruchtbarkeit, also die Unfähigkeit, Kinder zu zeugen (Sterilität).

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

In 70 Prozent der Fälle sind körperliche Ursachen schuld an einer erektilen Dysfunktion. Am häufigsten ist die Penisdurchblutung gestört und / oder die Penismuskulatur selbst, die der Gefäßwandmuskulatur sehr ähnlich ist, erkrankt. Entweder kommt zu wenig Blut im Penis an, weil die versorgenden Arterien "verkalkt" sind (Arteriosklerose). Oder das Blut fließt zu schnell über die Venen wieder ab. Oder beides. In jedem Fall reicht die Blutmenge in den Schwellkörpern des Penis nicht mehr für eine befriedigende Erektion aus.

Durchblutungsstörungen

Verschiedene Krankheiten, die Durchblutungsstörungen fördern, steigern auch das Risiko für Erektionsprobleme: Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen. Der Lebensstil hat ebenfalls einen entscheidenden Einfluss: Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel sowie eine einseitige und ungesunde Ernährung setzen den Blutgefäßen zu und erhöhen damit auch die Wahrscheinlichkeit für Potenzprobleme. Umgekehrt hilft eine gesunde Lebensweise, Potenzstörungen vorzubeugen. Es konnte auch mehrfach gezeigt werden, dass eine gesunde Lebensweise und regelmäßiger Sport einen günstigen Einfluss auf eine Erektionsstörung ausüben.

Eine erektile Dysfunktion ist oft das erste Warnzeichen einer Gefäßerkrankung und damit ein möglicher Vorbote von Herzinfarkt oder Schlaganfall. Wird eine Arteriosklerose frühzeitig erkannt und behandelt, lassen sich schlimme Folgen häufig vermeiden. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist es ratsam, eine Potenzprobleme ärztlich abklären zu lassen.

Testosteronmangel

Das männliche Geschlechtshormon Testosteron scheint einen deutlich größeren Einfluss auf das Liebesleben zu haben als lange vermutet. Das zeigen jüngste Forschungsergebnisse. So ist ein ausreichend hoher Hormonspiegel offenbar eine ganz wichtige Voraussetzung für eine befriedigende Erektion. Mit den Lebensjahren sinkt beim Mann der Testosteronspiegel im Blut meist ab. Ein Testosteronmangel (Hypogonadismus) muss nicht, kann aber durchaus zu Impotenz führen. Haben Männer Erektionsprobleme, sollten daher unbedingt auch niedrige Testosteronwerte als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden.

Medikamenten-Nebenwirkung

Wichtig zu wissen: Zahlreiche Medikamente können als Nebenwirkung Potenzstörungen verursachen, darunter Betablocker gegen zu hohen Blutdruck, entwässernde Medikamente, Lipidsenker oder Arzneien gegen Depressionen. Wenn sich im Beipackzettel ein entsprechender Hinweis findet, und der Verdacht besteht, die Arznei könnte ein Auslöser der erektilen Dysfunktion sein, sollten Patienten mit ihrem Arzt Rücksprache halten. Eventuell kann er ein anderes Präparat verschreiben. Vorsicht: Medikamente nicht in Eigenregie absetzen oder wechseln!

Weitere Ursachen

Damit eine Erektion zustande kommt, muss nicht nur die Penisdurchblutung stimmen. Auch alle beteiligten Nervenbahnen – vom Penis über das Rückenmark bis ins Gehirn – müssen intakt sein. Bandscheibenvorfälle, Verletzungen, Bestrahlungen oder Operationen im Beckenraum oder am Rückenmark können Erektionsstörungen zur Folge haben. Ebenso Krankheiten, die Schäden an peripheren Nerven (eine Neuropathie) auslösen können – wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder ein chronischer Alkoholmissbrauch. Weitere mögliche Ursachen der erektilen Dysfunktion sind Krankheiten, die das zentrale Nervensystem betreffen: zum Beispiel Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, Alzheimer-Demenz oder ein Schlaganfall.

Schwere Krankheiten – wie Krebs, schwere Nieren- oder Leberleiden – können immer auch die Potenz mit beeinträchtigen.

Psychische Auslöser

Körperliche und die seelische Auslöser können sich bei einer erektilen Dysfunktion vermischen. Leiden Männer unter körperlich bedingten Potenzproblemen, entstehen daraus leicht zusätzliche psychische Probleme. Rein psychisch bedingte Ursachen sind vor allem bei jüngeren Männern anzutreffen. Neben Konflikten in der Partnerschaft, Stress, Problemen oder Angsterkrankungen sind Depressionen sehr oft mit einer erektilen Dysfunktion verbunden.

Bei der erektilen Dysfunktion kann der Mann keine Erektion bekommen oder halten, die für einen Geschlechtsverkehr ausreicht. Der Penis wird nicht hart genug und / oder erschafft schnell wieder. Die Probleme ziehen sich über mindestens sechs Monate hin und treten in mehr als zwei Dritteln der Fälle auf.

Oft entwickelt sich eine erektile Dysfunktion (landläufig "Impotenz") allmählich und tritt sowohl beim Verkehr mit dem Partner als auch bei der Selbstbefriedigung auf. Diese Konstellation deutet auf körperliche Ursachen wie Gefäßveränderungen hin (siehe Kapitel Ursachen). Bei jedem gesunden Mann treten in bestimmten Schlafphasen Erektionen auf. Bleiben sie aus, ist das ein weiterer Hinweis auf körperliche Ursachen.

Kommt es nur in ganz bestimmten Situationen zu Erektionsstörungen und stellen sie sich sehr plötzlich ein – quasi von einem Tag auf den anderen – sind das mögliche (aber keine beweisenden) Zeichen für psychische Auslöser.

Erster Ansprechpartner ist in der Regel der Hausarzt. Er kann gegebenenfalls an den passenden Facharzt – meist den Urologen – überweisen. Je nach Ursache sind Spezialisten aus weiteren Disziplinen gefragt wie Neurologen, Psychotherapeuten / Psychologen oder Ärzte mit Zusatzqualifikation Andrologie (Männerheilkunde) oder Sexualtherapie.

Zu Beginn wird sich der Arzt mit konkreten Fragen zum Sexualleben des Patienten ein genaues Bild von der Störung machen. Standard-Fragebögen helfen, Symptome präzise zu erfassen. Oft ist es hilfreich, wenn der Arzt ergänzend mit dem Partner sprechen kann.

Von Interesse ist außerdem, ob Operationen stattfanden oder Krankheiten vorliegen, die eventuell Auslöser der erektilen Dysfunktion sein könnten wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Bluthochdruck, Bandscheibenprobleme. Manchmal sind die Potenzprobleme auch Nebenwirkung eines Arzneimittels, deshalb fragt der Arzt, welche Medikamente der Patient einnimmt. Der Mediziner erkundigt sich zudem, ob nachts oder am Morgen Spontanerektionen bemerkt werden. Bei jedem gesunden Mann treten in bestimmten Schlafphasen Erektionen auf. Bleiben sie aus, macht das eine organische Ursache für die "Impotenz" wahrscheinlicher.

Es folgt die körperliche Untersuchung mit Schwerpunkt Geschlechtsorgane und Prostata. Da viele Erektionsprobleme auf Durchblutungsstörungen zurückzuführen sind, wird der Arzt auch die Gefäßpulse an Armen und Beinen sowie den Blutdruck überprüfen.

Eine Blutuntersuchung liefert Hinweise zu möglichen Risikofaktoren wie erhöhten Blutzucker oder ungünstige Blutfettwerte.

Testosteron-Messung

Ob ein Mangel an männlichem Geschlechtshormon Testosteron besteht, lässt sich mit Hilfe einer Blutuntersuchung ermitteln. Um festzustellen, in welchem Bereich sich der Testosteron-Spiegel bewegt, entnimmt der Arzt die Blutprobe meist in den Morgenstunden, denn die Hormonkonzentration schwankt im Verlauf des Tages. Am Morgen sind im die höchsten Werte zu erwarten.

Weitere Untersuchungen

Nur in wenigen Fällen benötigt der Arzt weitere Untersuchungen: Der Blutfluss in den Gefäßen des Penis kann mit einer speziellen Ultraschalluntersuchung überprüft werden (Dopplersonografie). Eventuell spritzt der Arzt dazu ein Medikament in den Penis, das eine Erektion auslöst (Schwellkörperinjektionstest). Ob und wie gut sich in diesem Test eine Erektion einstellt, liefert zusätzliche Hinweise.

Werden arterielle Durchblutungsstörungen festgestellt, ist es ratsam, auch das Herz zu untersuchen. Eine erektile Dysfunktion kann frühes Zeichen einer Arteriosklerose und damit einer (noch symptomlosen) koronaren Herzkrankheit sein.

Nervenuntersuchungen zeigen, ob möglicherweise Nervenstörungen Ursache der Probleme sind. Dazu setzt der Arzt zum Beispiel schwache elektrische Impulse und überprüft, ob diese Signale von den Nerven wie erwartet weitergeleitet werden.

Mit einem Messgerät können spontane Erektionen im Schlaf zum Beispiel in einem Schlaflabor registriert werden (nächtliche penile Tumeszenzmessung). Sind die Werte normal, ist das ein Hinweis, dass die Erektion an sich problemlos möglich ist. Psychische Ursachen sind dann wahrscheinlicher, körperliche unwahrscheinlicher, aber nicht ausgeschlossen.

Treten die Erektionsstörungen eher plötzlich auf, eventuell nach belastenden Lebensereignissen, und überwiegend in bestimmten Situationen, und ist der Patient jünger als 50 Jahre, spricht das für psychische Auslöser. Auch manche psychische Krankheiten wie Depressionen oder Angststörungen können eine erektile Dysfunktion zur Folge haben. Im Gespräch wird der Arzt versuchen, solche Gründe für Potenzstörungen zu erkennen und eventuell an speziell ausgebildete Therapeuten überweisen.

Wenn machbar, wird der Arzt die konkrete Ursache der erektilen Dysfunktion beheben – zum Beispiel eine andere Arznei verschreiben, falls die Potenzstörung durch eine Medikamenten-Nebenwirkung entstanden ist. (Vorsicht: Medikamente keinesfalls eigenmächtig absetzen oder wechseln!)

Testosteronmangel ausgleichen

Mit zunehmendem Lebensalter sinkt bei fast allen Männern der Testosteronspiegel im Blut etwas ab. Das ist nichts Ungewöhnliches und auch kein Grund für eine Therapie. Leidet ein Mann jedoch an Erektionsproblemen, könnte ein Testosteronmangel (Hypogonadismus) dabei eine entscheidende Rolle spielen. In diesem Fall wird der Arzt dazu raten, den Hormonmangel auszugleichen. Eventuell bessern sich dadurch bereits die Potenzprobleme. Häufig wirken Medikamente gegen die erektile Dysfunktion (PDE-5-Hemmer, siehe weiter unten) zusammen mit einer Hormontherapie besser oder erstmals.

Manche Männer mit Erektionsstörungen profitieren sogar von Testosterongaben, obwohl ihre Blutwerte eigentlich in einem nahezu normalen Bereich liegen. Ab wann die Hormongabe Sinn macht, sollte also am besten individuell entschieden werden – gemeinsam von Arzt und Patient. Das Testosteron wird in Form eines Gels auf die Haut aufgetragen oder in größeren Abständen in den Muskel gespritzt.

Zunächst schienen Untersuchungen darauf hinzudeuten, dass eine Testosterontherapie womöglich das Risiko für Prostatakrebs oder einen Herzinfarkt erhöhen könnte. Nach derzeitigem Wissen sind solche Befürchtungen jedoch unbegründet, sagen Experten – eine fachgerechte ärztliche Therapie vorausgesetzt.

Meistens können jedoch nur die Symptome, nicht die eigentlichen Auslöser der Erektionsstörung behandelt werden. Hier gibt es verschiedene Optionen, von Medikamenten bis hin zu mechanischen Hilfen. Was im Einzelfall am besten hilft, ist eine individuelle Entscheidung, die nach ausführlicher Beratung zu möglichen Nebenwirkungen und Risiken gemeinsam mit dem Arzt – und im Idealfall natürlich auch gemeinsam mit dem Partner – getroffen werden sollte.

Patienten können selbst dazu beitragen, ihre Potenz lange zu erhalten oder sogar zu verbessern. Was die Blutgefäße fit hält, beugt auch Erektionsstörungen vor. Im einzelnen heißt das: Nicht rauchen, ausgewogen ernähren, nur wenig Alkohol trinken, viel bewegen, Übergewicht abbauen, Blutdruck, Blutzucker und Blutfette regelmäßig kontrollieren und bei schlechten Werten behandeln lassen.

Medikamente

In Deutschland sind verschiedene Phosphodiesterase-5-Hemmer (PDE-5-Hemmer) zur Therapie der erektilen Dysfunktion zugelassen: Der erste war Sildenafil, der 1998 auf den Markt kam. Es folgten Tadalafil, Vardenafil und Avanafil. Alle sind verschreibungspflichtig. Wirkung und Nebenwirkungen sind in etwa vergleichbar. Die Tabletten helfen rund 70 bis 80 Prozent der "impotenten" Männer und unterscheiden sich vor allem in Dosierung und Wirkdauer. Sildenafil, Vardenafil und Avanafil wirken nach etwa 15 bis 60 Minuten (der Wirkungseintritt kann sich nach fettreichen Mahlzeiten verzögern). Ihr Effekt hält rund vier bis zwölf Stunden an. Tadalafil wirkt nach etwa 30 Minuten für rund 24 bis 36 Stunden. Dieses Medikament kann auch als Dauermedikation verschrieben werden mit einer Tablette pro Tag.

Wie der Name sagt, hemmen die Medikamente die Phosphodiesterase-5 (PDE-5), das ist ein körpereigenes Enzym. Dieses Enzym baut normalerweise einen bestimmten Botenstoff ab, der bei sexueller Erregung verstärkt entsteht und die Durchblutung im Penis steigert. Wird das Enzym Phosphodiesterase-5 nun bei seiner Arbeit durch die Medikamente behindert, bleibt mehr Botenstoff übrig. Folglich nimmt die Penisdurchblutung zu, eine Erektion entsteht oder bleibt länger bestehen. Ein zweiter Effekt ist, dass der Blutdruck im Lungenkreislauf sinkt. Phosphodiesterase-5-Hemmer dienen daher auch der Therapie von Lungenhochdruck.

PDE-5-Hemmer wirken nur dann, wenn der Mann sexuell erregt ist. Sie steigern also nicht die Lust. Die Erektion endet – wie ohne Medikament auch – mit dem Orgasmus bzw. dem Samenerguss. Innerhalb der Wirkungsdauer sind jedoch weitere Erektionen möglich.

Mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem Kopfschmerzen, Gesichtsrötung, Sodbrennen, verstopfte Nase, bei Sildenafil und Vardenafil vorübergehende Veränderungen im Farbensehen, bei Tadalafil auch Muskel- und Rückenschmerzen. Genaue Informationen finden sich im Beipackzettel.

Nicht geeignet sind PDE-5-Hemmer für Patienten, denen der Arzt Nitrate oder Molsidomin verschrieben hat, weil es hier zu einem gefährlichen Blutdruckabfall kommen kann. Nitrate oder Molsidomin kommen zum Beispiel bei der Therapie von Angina pectoris bei koronarer Herzkrankheit zum Einsatz. Manche Erkrankungen (beispielsweise schwere Leberkrankheiten, Herzleiden oder ein Schlaganfall in der Vergangenheit) können gegen die Einnahme von PDE-5-Hemmern sprechen.

Die PDE-5-Hemmer sind aus gutem Grund verschreibungspflichtig. Vor der ersten Anwendung sollten sich Patienten beim Arzt ausführlich zu Nebenwirkungen und möglichen individuellen Risiken informieren.

Mediziner warnen ausdrücklich davor, die Produkte in Eigenregie von dubiosen (Internet-)Anbietern zu beziehen. Stichproben haben wiederholt gezeigt, dass international viele Medikamente gefälscht werden, dass sie womöglich andere Inhaltsstoffe enthalten als beschrieben oder die Dosisangaben nicht stimmen. Wer sich darauf einlässt, riskiert seine Gesundheit, im schlimmsten Fall sogar sein Leben. Gesetzliche Kassen zahlen üblicherweise nicht für die Medikamente.

Ein weiterer Wirkstoff zur Therapie der erektilen Dysfunktion ist Yohimbin, der im Gehirn wirkt und vor allem bei psychisch bedingten Potenzstörungen zum Einsatz kommt.

SKAT = Schwellkörper-Autoinjektionstherapie

Wenn PDE-5-Hemmer nicht eingenommen werden dürfen oder nicht wirken, weil zum Beispiel Nervenschäden vorliegen, ist die Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (abgekürzt SKAT) eine Option. Dabei spritzt sich der Mann mit einer sehr dünnen Nadel ein Medikament in den Schwellkörper des Penis. Die Arznei bewirkt, dass mehr Blut in den Penis einströmt. Nach etwa 10 bis 15 Minuten entsteht eine Erektion, die rund eine Stunde anhält. Für die meisten Anwender ist die Injektion unproblematisch und nicht schmerzhaft. Wichtig ist die korrekte Dosierung. Eine Überdosierung kann eine über Stunden anhaltende Erektion zur Folge haben, die ärztlich behandelt werden muss, da sie sonst den Penis schädigt. Verschiedene Krankheiten (darunter Leukämien oder eine Sichelzellanämie) können gegen die Anwendung sprechen. Ob die Methode im Einzelfall geeignet ist und wie sie im Detail funktioniert, sollte individuell mit dem Arzt besprochen werden. Die gesetzliche Krankenkasse zahlt meistens für diese Therapie.

MUSE  = Medikamentöses Urethrales System zur Erektion

Wirkstoffe können auch in Form eines "Mini-Zäpfchens" über die Harnröhre verabreicht werden. Dieses Prinzip wird MUSE genannt (Medikamentöses Urethrales System zur Erektion). Der Mann bringt dabei ein bestimmtes Prostaglandin mit Hilfe eines Applikators in die Harnröhre ein. Der Wirkstoff gelangt über die Harnröhrenwand in den Schwellkörper des Penis. Der Blutfluss verstärkt sich. Nach etwa 10 bis 15 Minuten entsteht eine Erektion, die für 30 bis 60 Minuten anhält. Mögliche Nebenwirkungen sind Schmerzen im Penis, Brennen in der Harnröhre, Kopfschmerzen, Schwindel. Ist die Partnerin schwanger, sollte vorsichtshalber ein Kondom verwendet werden, um das Risiko vorzeitiger Wehen zu senken. Verschiedene Krankheiten (darunter Leukämien oder eine Sichelzellanämie) können gegen die Anwendung sprechen. Ob die Methode im Einzelfall geeignet ist, sollte individuell mit dem Arzt besprochen werden. Die gesetzliche Krankenkasse zahlt meistens für diese Therapie.

Vakuumtherapie

Bei dieser Methode wird ein durchsichtiger Plastikzylinder mit Saugpumpe auf den Penis aufgesetzt und ein Unterdruck erzeugt. Blut fließt verstärkt in die Schwellkörper, eine Erektion entsteht. Ein Gummiring an der Peniswurzel verhindert, dass das Blut wieder zurückfließt. Er muss nach 30 Minuten wieder entfernt werden, damit es nicht zu Durchblutungsstörungen und damit zu Schäden am Penis kommt. Wenn der Arzt die Vakuumpumpe verordnet, zahlt in der Regel die gesetzliche Krankenkasse.

Implantate

In manchen Fällen helfen nur Implantate aus Silikon, die per Operation in die Schwellkörper eingesetzt werden (Schwellkörper-Implantate). Dieser Eingriff ist nicht rückgängig zu machen und sollte deshalb gut überlegt und geplant sein. Es gibt verschiedene Varianten: Die am häufigsten verwendeten Implantate sind auffüllbar. Im Unterbauch wird dafür ein Reservoir eingepflanzt, das Kochsalzlösung enthält. In den Hodensack setzen die Ärzte eine kleine Pumpe ein. Auf "Knopfdruck" kann der Mann das Implantat befüllen, so dass eine Art Erektion entsteht. Andere Implantate sind immer steif, aber biegsam. Diese Operationen werden üblicherweise von den Krankenkassen erstattet.

Beratung oder Psychotherapie

Meistens lassen sich körperliche und seelische Ursachen der erektilen Dysfunktion nicht im Detail trennen. Das Gespräch mit einem Sexualtherapeuten – optimaler Weise zusammen mit dem Partner – hilft bei psychisch bedingter Erektionsstörung. Aber auch Männer mit organisch bedingten Potenzproblemen profitieren oft davon. In der Regel zahlt die gesetzliche Krankenkasse für eine ärztlich verordnete Psychotherapie. Am besten vorab individuell mit dem Arzt und der Kasse klären.

Professor Dr. Christian Stief ist Facharzt für Urologie. Er habilitierte sich 1991 an der Medizinischen Hochschule Hannover. Seit 2004 steht er als Direktor der Urologischen Klinik des Klinikums der Universität München vor. Er ist Herausgeber mehrerer deutsch- und englischsprachiger wissenschaftlicher Bücher und war von 2006 bis 2012 Mitherausgeber der Fachzeitschrift European Urology.