Ausfluss bei der Frau

Ausfluss aus der Scheide kann normal sein, aber auch auf Scheideninfektionen oder andere krankhafte Ursachen hinweisen. Au├čerdem spielen seelische Einfl├╝sse eine Rolle

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 05.09.2014

Frauen kennen das, sie haben mal mehr, mal weniger Ausfluss. Aus der Scheide (Vagina) sondert sich ein geruchloses, weißlich-milchiges Sekret ab. Vor allem in der Zyklusmitte wird der Ausfluss (Fluor vaginalis) häufig etwas stärker. Auch Nervosität, Stress, seelische Belastungen können diese normale Ausscheidung beeinflussen. In der Schwangerschaft ist die Sekretion ebenfalls erhöht. Schon vor der Pubertät können junge Mädchen ein weißliches Sekret bemerken. Mit den Wechseljahren wird die Scheide in der Regel trockener, dafür aber anfälliger für krankhaften Ausfluss. Immer sind dabei die weiblichen Geschlechtshormone mit im Spiel, allen voran die Östrogene.

Verändert sich die Scheidenflüssigkeit in der Farbe, der Beschaffenheit und im Geruch, kommen ein unangenehmes Jucken, Brennen oder Schmerzen außen oder innen im Scheidenbereich dazu, ist ihre natürliche Zusammensetzung, das Milieu, aus unterschiedlichen Gründen gestört. Keime wie Bakterien, Viren oder Pilze haben sich ausgebreitet und führen zu Scheidenentzündungen. Eine veränderte Scheidensekretion kann auch auf Geschlechtskrankheiten oder eine Krebserkrankung hinweisen.

Wie es zu Entzündungen kommt

Die normale Scheidenflüssigkeit hat eine wichtige Schutzfunktion gegen Infektionen. Das Vaginalsekret enthält abgeschilferte Scheidenhautzellen, Sekret des Gebärmutterhalses und Mikroorganismen, hier vor allem Milchsäurebakterien. Diese bilden Milchsäure aus Stärkevorräten (Glykogendepots) in den Scheidenhautzellen und sorgen so für ein saures Scheidenmilieu (ph-Wert 4 bis 4,5). Das ist wichtig, um Krankheitskeime und Pilze abzuwehren beziehungsweise sie daran zu hindern, sich zu vermehren und Krankheitsprozesse in Gang zu setzen. Pilze wie der Hefepilz Candida albicans besiedeln häufig die Scheide, ohne sich bemerkbar zu machen und Schaden anzurichten.

Erst wenn das Scheidenmilieu aus dem Gleichgewicht gerät und die Pilze überhand nehmen, können sie Entzündungen auslösen. Das gilt auch für andere Mikroorganismen. Bestimmte Infektionen allerdings, wie bei Geschlechtskrankheiten, oder krankhafte Veränderungen durch einen Tumor kann auch eine intakte Scheidenflüssigkeit nicht mehr abwehren. Auch mit dem Mangel an Geschlechtshormonen in den Wechseljahren sinkt die Keimabwehr.

Krankheitserreger, die Scheidenentzündungen auslösen, werden sehr häufig über sexuellen Kontakt übertragen. Auch Infektionen beziehungsweise Gesundheitsprobleme in benachbarten Bereichen, zum Beispiel von Anus oder Harnröhre, können auf die äußeren sowie die inneren Genitalien der Frau übergreifen. Der äußere Genitalbereich, die Vulva, umfasst Schamlippen, Klitoris, Scheidenvorhof und die sogenannten Bartholin-Drüsen. Zum inneren Genitalbereich zählen die Vagina, Gebärmutterhals und Gebärmutter (Uterus) sowie Eileiter und Eierstöcke. Entzündlicher Ausfluss kann in beiden Bereichen entstehen. Wenn eine Scheideninfektion (Kolpitis, Vaginitis) auch den Bereich der Vulva (Vulvitis) und umgekehrt betrifft, verwenden Mediziner den umfassenderen Begriff Vulvovaginitis.

Faktoren, die das gesunde Scheidenmilieu angreifen

  • Übertriebene beziehungsweise falsche Intimhygiene. Wenn Frauen sich mit normaler Seife intensiv waschen, Intimdeodorants anwenden oder gar tiefer gehende Spülungen durchführen, bringen sie damit den Selbstreinigungsmechanismus der Scheide und das Gleichgewicht zwischen dem Scheidenmilieu und den natürlich vorhandenen Keimen durcheinander. Es kommt zu Reizungen, das saure Milieu verändert sich. Bakterien und Pilze können sich vermehren und leichter in die Scheide eindringen. Vermehrter Ausfluss und Scheidenentzündungen sind häufig die Folge. Auch Tampons, die zu lange in der Scheide verbleiben oder vergessen werden, sowie eng anliegende, synthetische Wäsche und Kleidung stören die ausgleichenden Prozesse im Bereich der Vulva und dann der Scheidenflüssigkeit. Auch falsches Säubern nach dem Stuhlgang, von hinten nach vorne, befördert Pilze und Keime aus der Analzone in Vulva und Scheide. Beim Geschlechtsverkehr kann unter anderen bakterienhaltiges Smegma, das sich bei mangelnder Hygiene des Partners unter der Penisvorhaut anlagert, in die Scheide gelangen.
  • Verhütungsmittel wie Spirale, Schaumzäpfchen. Mechanische und chemische Reize können zu vermehrtem Ausfluss führen.
  • Allergien. Allergische Reaktionen, sei es zum Beispiel auf Latex von Kondomen, wirken sich mitunter auf das Gleichgewicht im Vaginalsekret aus. Seifen, Desinfektionsmittel, Intimsprays, synthetische Textilien oder bestimmte äußerlich wie innerlich angewandte Arzneimittel können Allergien im äußeren beziehungsweise inneren Genitalbereich auslösen und zu Entzündungen führen.
  • Eine Therapie mit Antibiotika. Über längere Zeit eingenommen, beeinflussen Antibiotika bisweilen auch das Scheidenmilieu.
  • Hormonschwankungen in der Pubertät, Schwangerschaft und in den Wechseljahren. Die weiblichen Geschlechtshormone, insbesondere die Östrogene, sind die entscheidenden Regler für das Scheidenmilieu. So sind zum Beispiel Frauen in den Wechseljahren wegen Hormonmangels anfälliger für Scheidenentzündungen. Auch die Antibabypille verändert häufig den natürlichen Säureschutz.
  • Geschwächte Abwehrkräfte. Ist das Immunsystem durch Krankheit oder Stress und psychische Belastungen angegriffen, wirkt sich das auch auf das Scheidenmilieu aus. Häufig haben Pilze jetzt leichtes Spiel. Ebenso kann eine Behandlung mit Medikamenten, die die Immunabwehr verringern, zum Beispiel mit Kortisonpräparaten, Scheidenentzündungen begünstigen.
  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Der erhöhte Blutzuckerspiegel fördert vor allem die Vermehrung von Pilzen, da sich Hefepilze zum Beispiel von Zucker ernähren. Auch sind die Abwehrkräfte durch die Diabetes-Erkrankung geschwächt.
  • Entzündungen im Bereich der Geschlechtsorgane. Entzündliche Vorgänge im Unterleib, an den inneren wie äußeren Geschlechtsorganen stören das natürliche saure Milieu.
  • Tumoren in der Scheide, am Gebärmutterhals, an der Gebärmutter. Dabei kann es sich um harmlose Polypen, gutartige Geschwülste, aber auch um Krebsformen handeln. Alarmzeichen ist unter anderem ein blutiger Ausfluss.


Wenn der natürliche Ausfluss sein Aussehen verändert, stärker wird und riecht, sollte eine Frau aufmerksam werden und ihren Frauen- oder Hautarzt befragen. Das gilt besonders, wenn weitere Krankheitszeichen dazu kommen, wie Juckreiz, Brennen, Rötungen und Schwellungen im Schambereich. Bei Bauchschmerzen beziehungsweise Schmerzen im Unterbauch, Fieber oder Blutbeimengungen aus der Scheide sollten die Betroffenen sofort zum Frauenarzt gehen.

Die Art des Ausflusses sowie eventuell begleitende Krankheitszeichen können schon erste Hinweise geben. Eine eingehende Untersuchung wird dann den Behandlungsweg weisen, in die häufig auch der Sexualpartner mit einbezogen werden muss.

Mehr zu den möglichen Ursachen und den jeweils kennzeichnenden Symptomen in den folgenden Kapiteln (siehe Übersicht am Anfang des Textes).

 

Fachliteratur zu diesem Ratgeber

Breckwoldt, M., Kaufmann, M., Pfleiderer, A.: Gynäkologie und Geburtshilfe, Thieme 2008

Leitlinien der der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) e.a.:
– Prävention, Diagnostik und Therapie der HPV-Infektion und präinvasiver Läsionen des weiblichen Genitale, 2008
– Bakterielle Vaginose in Gynäkologie und Geburtsthilfe, 2008

Robert Koch Institut, www.rki.de: Infektionskrankheiten / Sexuell übertragbare Krankheiten (abgerufen am 07.03.2013)

Robert Koch Institut, www.rki.de: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO): Impfkalender 2012

www.health.nih.gov./topic/SexuallyTransmittedDiseases/WomensHealth

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Fachredaktion: Dr. med. Claudia Osthoff

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Scheidenentzündung durch Bakterien

Symptome: Der Ausfluss ist deutlich stärker, farblos bis gräulich und riecht unangenehm fischartig. Er ist oft dünnflüssig oder hat eine kernige Konsistenz. Juckreiz und Brennen können dazukommen.

Ursache: Besonders oft sind Bakterien mit dem Namen Gardnerella vaginalis Ursache für eine Entzündung der Scheide, medizinisch Kolpitis oder Vaginitis. Auch weitere Bakterien kommen infrage, etwa Streptokokken, Staphylokokken, Koli-Bakterien oder Mykoplasmen. Häufig lassen sich mehrere Bakterien gleichzeitig in krankmachender Überzahl nachweisen. Eine weitere Bakterienart sind Chlamydien (siehe dazu den Extra-Abschnitt unten).

Diagnose: Der Frauenarzt wird nach einem Vorgespräch die Scheide untersuchen, eine Sekretprobe entnehmen, den Säuregrad (ph-Wert) des Sekrets bestimmen sowie den Ausfluss analysieren. Im Mikroskop sind die Erreger oft schon zu erkennen. Wenn erforderlich erfolgen weitere Laboruntersuchungen.

Therapie: Je nach Diagnose können Antibiotika, die sich gegen die jeweiligen Erreger richten, zum Einsatz kommen, entweder in Form von Scheidenzäpfchen und -salben oder Tabletten zum Einnehmen. Nach der Erstbehandlung kann der Arzt Milchsäurepräparate (zum Beispiel Scheidenzäpfchen mit Lactobazillen oder vergleichbare Zubereitungen) verordnen, die helfen, das angegriffene Scheidenmilieu zu verbessern. Dazu trägt auch eine veränderte Intimpflege bei (siehe Kapitel Therapie und Selbsthilfe).

 

Scheidenentzündungen durch Pilzinfektionen

Symptome: Das Scheidensekret ist weißlich und krümelig, typischerweise wird es von starkem Jucken, Brennen und Schmerzen begleitet. Die Schamlippen und der Scheideneingang sind mit fortschreitender Erkrankung gerötet und geschwollen, Brennen beim Wasserlassen kommt hinzu.

Ursache: Spross- und Hefepilze wie Candida albicans gehören zu den häufigsten Erregern von Vulvovaginitis überhaupt. Es gibt noch weitere Hefepilzarten. Infektionen mit Candida werden unter dem Begriff Soor zusammengefasst. Hefepilze gehören auch zum normalen Keimspektrum (Flora) im Magen-Darm-Trakt. Kommen sie in krankhafter Häufung im Genitalbereich vor, sind oft hormonelle Schwankungen begünstigend. Schwangere sind besonders betroffen, auch Frauen in den Wechseljahren. Falsche Intimhygiene, etwa nach dem Stuhlgang Säubern in Richtung Scheide, und sexuelle Übertragung durch infizierte Partner können ebenfalls verantwortlich sein. Weitere ursächliche Rollen spielen eine geschwächte Immunabwehr (auch durch eine das Immunsystem unterdrückende Therapie), Diabetes, Antibabypille beziehungsweise Hormonbehandlungen in den Wechseljahren, Stress. Häufige Schwimmbad- und Whirlpoolbesuche können die Ansteckungsgefahr erhöhen, vor allem da durch die Feuchtigkeit die Haut im äußeren Genitalbereich aufweicht und dann weniger widerstandsfähig ist.

Diagnose: Neben den genannten Kennzeichen des Ausflusses und den zusätzlichen Beschwerden erkennt der Frauenarzt einen Soor an weißlich-grauen Belegen am Scheideneingang, an der Scheidenwand und eventuell auch am Gebärmutterhals. Auch ohne Belege sind die Bereiche entzündlich gerötet. Diese Befunde können aber auch fehlen. Unter dem Mikroskop zeigt der Scheidenabstrich ab einer signifikanten Keimzahl schon die typischen Merkmale einer Candidabesiedelung. Oft wird noch eine Kultur zur Absicherung der Diagnose angelegt, da nicht selten Mischinfektionen vorliegen.

Therapie: Die Behandlung erfolgt in der Regel mit Medikamenten, die gegen Hefepilz wirken (Antimykotika). Sie werden als Vaginalzäpfchen oder -cremes angewendet und je nach Notwendigkeit auch in Tablettenform eingenommen. Ferner sollten die betroffenen Frauen keine Tampons verwenden, solange die Entzündung anhält, keine Scheidenspülungen vornehmen und Wäsche, Handtücher und Waschlappen täglich wechseln. Ist der Partner ebenfalls erkrankt, muss auch er – in der Regel örtlich – behandelt werden.

 

Scheidenentzündungen durch Trichomonaden

Symptome: Die Betroffenen haben starken, eher dünnflüssigen Ausfluss, der gelblich bis bräunlich oder grünlich ist und scharf riecht. Dazu kommen Jucken und Brennen, eine gerötete Vagina. Die Entzündung kann auf die Harnröhre übergreifen und verursacht Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen. Es gibt auch symptomlose Verläufe.

Ursache: Infektionen mit dem Erreger Trichomonas vaginalis zählen zu den sexuell übertragbaren Krankheiten. Eine Frau kann sich aber auch auf anderem Wege eine Trichomonaden-Infektion zuziehen. Der Erreger ist ein Parasit, der oft im Scheidensekret vorkommt, auch ohne Beschwerden zu verursachen. Sehr häufig sind Trichomonaden jedoch der Grund für Scheidenentzündungen. Nicht selten treten zusätzlich noch Bakterien- und Pilzinfektionen auf.

Diagnose: Die Beschaffenheit des Vaginalsekrets und die Entzündungszeichen in der Scheide geben dem Frauenarzt erste Hinweise. Eine mikroskopische Untersuchung des Sekretabstrichs zeigt dem Arzt die einzelligen Parasiten (sogenannte Geißeltierchen oder Flagellaten).

Therapie: Die Infektion lässt in den meisten Fällen sehr erfolgreich mit Medikamenten gegen Parasiten (Nitroimidazolderivate wie Metronidazol) behandeln. Die Mittel werden entweder lokal angewendet oder oral eingenommen, also in Tablettenform geschluckt. Wichtig ist die gleichzeitige Therapie des Partners.

Entzündungen der Geschlechts- und Harnorgane durch Chlamydien

Symptome: Das Tückische an einer Chlamydieninfektion ist, dass sie bei Frauen auch ohne deutliche Beschwerden ablaufen kann. Ein Hinweis kann es sein, wenn der männliche Partner einen brennenden, eitrigen Ausfluss hat. Bei häufig wechselnden Partnern ist es natürlich schwierig, solchen Anzeichen nachzugehen, außerdem kann die Ansteckung schon länger zurückliegen. Krankheitszeichen bei der Frau ist manchmal ein vermehrter Ausfluss, der mit Unterleibsschmerzen verbunden ist.

Ursache: In die Reihe der sexuell übertragbaren Krankheiten gehören auch Infektionen mit einer Bakterienart, den Chlamydien. Sie finden sich häufig bei bakteriell infiziertem Ausfluss. Chlamydien siedeln in den Zellen und greifen die Schleimhäute der Harn- und der inneren Geschlechtsorgane an. Zunächst befallen sie den Gebärmutterhals (Zervix uteri) und verursachen dort eine Entzündung (Zervizitis). Die Folgen einer unbehandelten Chlamydienerkrankung sind mitunter schwerwiegend. Dazu gehören Fehlgeburten oder Unfruchtbarkeit. Auch die Schleimhäute im Bereich der Augen können betroffen werden, beim Mann die Harnröhre, die Nebenhoden, die Prostata. Wichtig sind deshalb regelmäßige Untersuchungen beim Frauenarzt. Für junge Frauen bis zum 25. Lebensjahr gehört eine jährliche Vorsorgeuntersuchung (Chlamydien-Screening) zur Kassenleistung.

Diagnose: Wenn die Schleimhaut des Gebärmutterhalses entzündet ist, kann der Arzt dies bei der Scheidenuntersuchung feststellen. Unter dem Mikroskop sieht er in einer kleinen Probe viele Entzündungszellen. Der Erreger muss allerdings im Labor nachgewiesen werden. Das ist mit speziellen Untersuchungen an Abstrichmaterial möglich oder mit einer Gewebekultur.

Therapie: Die Infektion lässt sich meist sehr erfolgreich mit Antibiotika behandeln. Die Therapie sollte auch den Partner miteinbeziehen. Bei wechselnden Partnern ist ein Schutz durch Kondome (geschützter Sex, safer sex) unerlässlich.

Scheidenentzündungen durch Viren

Häufige Erreger sind die Herpes-simplex-Viren. Eine weitere wichtige Rolle spielen Warzenviren, sogenannte humane Papilloma-Viren (HPV).

Herpes-simplex-Viren

Symptome: Die Erstinfektion äußert sich durch Rötungen und schmerzhafte Bläschen an Schamlippen und Scheideneingang. Ausfluss ist möglich. Häufig brennt und juckt es im entzündeten Bereich. Aus den Bläschen bilden sich kleine Geschwüre, die dann verkrusten und eintrocknen. Abgeschlagenheit, Fieber, Kopf- und Kreuzschmerzen sowie Schwellung von Lymphknoten im Leistenbereich können insbesondere bei Erstinfektionen dazukommen.

Ursache: Es gibt HS-Viren, die vornehmlich den Mundbereich angreifen und zu Lippenherpes führen (Herpes labialis), andere befallen den Genitalbereich und lösen unter anderem Scheideninfektionen aus. Der Herpes genitalis ist eine sehr weit verbreitete sexuell übertragbare Erkrankung. Nach einer ersten, oftmals allerdings auch unbemerkten Ansteckung im Genitalbereich verbleiben die Viren in rückenmarksnahen Nervenknoten, meist im Kreuzbereich (Sakralganglien), und können von da aus wieder in die hautnahen Nervenendigungen gelangen. Kennzeichnend sind dann typische Hautausschläge. Für eine solche erneute Aktivierung könnten eine Abwehrschwäche, zum Beispiel durch Aids oder eine Krebserkrankung, hormonelle Schwankungen (Mentruationszyklus) oder andere, noch nicht geklärte Faktoren verantwortlich sein.

Diagnose: Die typischen Entzündungszeichen mit Bläschen im Schambereich geben dem Arzt sichtbare Hinweise. Durch Bluttests auf Antikörper und spezielle Nachweismethoden im Labor kann er den Erreger dann identifizieren.

Therapie: Eine Erkrankung durch HS-Viren lässt sich nicht ursächlich bekämpfen. Virenhemmende Medikamente (Virustatika) können jedoch die Vermehrung der Erreger bekämpfen. Bei einem Genitalherpes werden sie meist in Tablettenform eingenommen. Bei häufigen Rückfällen ist möglicherweise eine Dauertherapie mit Tabletten über mehrere Monate angezeigt. Es geht bei der Behandlung vor allem aber darum, die Symptome zu lindern und das Scheidenmilieu zu stärken. Dabei helfen Salben, die die Bläschen austrocknen und die Schmerzen lindern. Eine wichtige Rolle spielen Vorsorgemaßnahmen beim Geschlechtsverkehr, zum Beispiel auch, wenn ein Partner Lippenherpes hat, da dieser auf den Genitalbereich übergreifen kann.

Humane Papilloma-Viren (Warzenviren)

Symptome: Zunächst verläuft die Infektion vielfach unbemerkt. Feigwarzen, flache Warzen und Zellveränderungen wie Polypen oder Tumoren lösen mitunter vermehrten Ausfluss aus, der schleimig, manchmal rot oder bräunlich, aber auch blutig sein kann. Oft fehlen jegliche Beschwerden.

Ursache: Papilloma-Viren sind für in der Regel harmlose Warzen an vielen Körperstellen verantwortlich. Frauen, die sich in der Genitalregion mit diesen Viren anstecken, haben anfangs meist keine Symptome. Nach einiger Zeit können sich sogenannte Feigwarzen oder auch flache Warzen im Genitalbereich bilden, allerdings nicht bei allen Betroffenen. Die Warzen bleiben unterschiedlich lange, manchmal bis zu Jahren, bestehen. Mitunter heilen sie auch spontan ab. Bestimmte riskante HP-Virentypen nisten sich in den Zellen ein und führen zu Zellveränderungen. Diese können problemlos ausheilen beziehungsweise entfernt werden. Bisweilen allerdings sind sie Ausgangspunkt für bösartige Tumoren im Genitalbereich, die sich oft erst viele Jahre später entwickeln können. Gefährdet sind hier vor allem der Gebärmutterhals, die Scheide, die Schamlippen oder auch der Anusbereich (siehe Kapitel "Tumore, Krebs").

Diagnose: Im Bereich der Vulva kann der Arzt die Diagnose bereits bei der Untersuchung als "Blickdiagnose" stellen. Flache Herde treten nach Betupfen mit verdünnter Essiglösung deutlicher hervor. Ein Test (Pap-Abstrich vom Gebärmutterhals) kann frühzeitig zeigen, ob dort Zellveränderungen (Dysplasien) vorhanden sind und, wenn ja, wie ausgeprägt sie sind. Dysplasien können mit der Aktivität gefährlicher Virustypen verknüpft sein. Doch selbst wenn solche zusätzlich nachgewiesen werden (dafür gibt es spezielle HPV-Tests), ist das nicht unbedingt ein Grund, besorgt zu sein. Die Infektionen heilen oft von selbst ohne Folgen aus. Nur in der Minderheit der Fälle kommt es zu Gebärmutterhalskrebs. Da andererseits bei 70 Prozent der Fälle von Gebärmutterhalskrebs insbesondere zwei riskante HPV-Stämme (die Typen 16 und 18) beteiligt sind, sollten die Betroffenen öfter Kontrollen durchführen lassen, damit Zellveränderungen rechtzeitig entdeckt und gegebenenfalls behandelt werden. Liegt der Testwert in einem oberen Bereich (siehe auch Kapitel "Tumore, Krebs", Krebsvorstufen), können weitere Untersuchungen des Gewebes angezeigt sein.

Therapie: Meistens sind Feigwarzen harmlos und verschwinden auch von selbst wieder. Je nach Untersuchungsergebnis kann es der Arzt auch für notwendig halten, die Warzen zu entfernen. Das kann je nachdem, wie groß sie sind und wo sie sich befinden, durch Abtragung chirurgisch, mit Laser oder anderen Techniken in einem kleinen Eingriff geschehen. Zur lokalen Therapie trägt der Arzt manchmal auch bestimmte ätzende Lösungen auf. Es gibt außerdem örtliche Präparate zur Selbsttherapie, etwa Inquimod. Leider kehren die Warzen häufig zurück. Auch Polypen wird der Arzt beseitigen.

Wichtig ist es für infizierte Frauen, zusätzlich ihr Scheidenmilieu zu verbessern, Stress abzubauen und ihr Immunsystem durch eine gesunde Lebensweise zu stärken. Für junge Frauen gibt es eine HPV-Impfung, die vor den wichtigsten möglichen Krebserregern schützt. Empfohlen wird sie derzeit von der Ständigen Impfkommission für Mädchen von 9 bis 14 Jahren. Die Impfung kann eine Vorsorge durch safer Sex und regelmäßige Kontrolluntersuchungen jedoch keinesfalls ersetzen.

Scheidenentzündungen durch Geschlechtskrankheiten – Gonorrhö und Syphilis

Symptome: Ein eitriger, gelblich-grünlicher Ausfluss verbunden mit Brennen beim Wasserlassen, Rötungen, schmerzhaften Schwellungen am Scheideneingang können auf eine Gonorrhö hinweisen. Anzeichen für eine Erstinfektion mit Syphilis ist ein wässriges Knötchen und später Geschwür, das am Scheideneingang, den Schamlippen oder der Klitoris auftreten kann. Schwellungen und Rötungen im umgebenden Bereich kommen dazu.

Ursache: Die in den oberen Abschnitten aufgeführten Infektionsarten durch Chlamydien oder Viren gehören mit in die Liste sexuell übertragbarer Krankheiten. Die klassischen Geschlechtskrankheiten aber, die bis zum Jahre 2000 meldepflichtig waren, sind Gonorrhö (Tripper), Syphilis oder Lues (harter Schanker), Ulcus molle (weicher Schanker) und das Lymphogranuloma venereum. Syphilisfälle sind nur noch anonym zur allgemeinen Datenerhebung zu melden oder, wenn sich die Erkrankten nicht behandeln lassen. Meistens werden diese Krankheiten durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Erkrankungen wie Aids (HIV-Infektion) oder Hepatitis B werden zwar auch sexuell übertragen, die Symptome betreffen aber überwiegend nicht die Genitalorgane.

Die häufigste Geschlechtskrankheit ist die Gonorrhö, vor allem unter jungen, sexuell aktiven Leuten. Sie wird durch Bakterien übertragen. Die Gonokkoken befallen vor allem die Schleimhäute im Blasen- und Genitalbereich. Unfruchtbarkeit kann eine der Folgen einer unbehandelten Gonorrhö sein.

Syphiliserkrankungen sind Mitte des 20. Jahrhunderts in Deutschland deutlich zurückgegangen, dank Aufklärung und guter Behandlungsmöglichkeiten, aber in den letzten Jahrzehnten wieder angestiegen, auch in Verbindung mit Aidsinfektionen. Die Krankheit verläuft in drei typischen Stadien und kann schwerwiegende gesundheitliche Auswirkungen mit sogar tödlichem Ausgang haben, wenn sie nicht behandelt wird. Die beiden anderen oben genannten Krankheiten sind in Mitteleuropa eher selten.

Diagnose: Durch eine mikroskopische Untersuchung des Abstrichs aus der Scheide beziehungsweise von den betroffenen Stellen lassen sich die Erreger der Gonorrhö nach Anfärben feststellen. Den sicheren Erregernachweis liefert eine Bakterienkultur im Labor. Blutuntersuchungen auf Antikörper geben dem Arzt weitere wichtige Informationen zu Diagnose und zum Therapieverlauf. Auch bei der Syphilis kann mit einem speziellen mikroskopischen Verfahren der Erreger aus dem Sekret der Geschwüre bestimmt werden. Ebenfalls aufschlussreich sind hier Antikörperbestimmungen aus dem Blut.

Bei allen genannten Geschlechtskrankheiten geben die typischen Hautveränderungen und weitere Krankheitszeichen dem Arzt wichtige Hinweise für die Diagnose.

Therapie: Sowohl Gonorrhö und Syphilis, als auch die anderen beiden Geschlechtskrankheiten, sind mit Antibiotika sehr gut zu behandeln. Entscheidend für den Rückgang dieser Krankheiten ist neben einer konsequenten Behandlung der Erkrankten die Vorbeugung durch geschützten Geschlechtsverkehr und weitere Schutzmaßnahmen, wie sie auch für andere sexuell übertragbare Krankheiten wie HIV-Infektion/Aids gelten.

Entzündungen am Gebärmutterhals und an der Gebärmutter

Symptome: Eine Gebärmutterhalsentzündung äußert sich durch verstärkten gelblichen Ausfluss. Blutungen außerhalb der Regel sowie eine gestörte Regelblutung können weitere Warnzeichen sein. Unregelmäßigkeiten bei der Regelblutung sind oft die einzigen Anhaltspunkte für eine Gebärmutterentzündung. Breitet sich die Entzündung in tiefere Gebärmutterschichten aus, kommt es zu Schmerzen im Unterbauch und Fieber.

Ursache: Die Haupterreger sogenannter aufsteigender Infektionen, die sich auf den Gebärmutterhals ausdehnen, sind Chlamydien oder Gonokkoken, die Erreger der Gonorrhö (siehe Kapitel "Scheidenentzündungen", Abschnitt Geschlechtskrankheiten). Eine Entzündung der Gebärmutterschleimhaut ist selten, da die Gebärmutter über natürliche Schutzmechanismen verfügt. So stößt sie im Rahmen des Zyklus Schleimhaut ab oder dichtet immer wieder den Muttermund mit einem Schleimpfropf ab. Während der Regelblutung oder einer Geburt wird die Barriere zwischen Gebärmutterhals und Gebärmutter allerdings durchbrochen und bestehende Infektionen können aufsteigen. Operative Eingriffe an der Gebärmutter oder die Spirale ermöglichen es mitunter Krankheitskeimen, sich nach oben auszubreiten. Seltener dringen die Erreger auch über die Blutbahn ein.

Diagnose: Bei der Untersuchung sieht der Arzt häufig Entzündungszeichen wie gelbliche Beläge und starke Rötungen am Ende des Gebärmutterhalses. Bei der Tastuntersuchung reagiert die Gebärmutter auf Druck vermehrt mit Schmerzen. Die mikroskopische Kontrolle des Scheidensekrets ergibt eine hohe Zahl weißer Blutkörperchen. Das kann Ausdruck einer gesteigerten Immunabwehr gegen vorhandene Krankheitserreger sein. Solche Ergebnisse sind jedoch alles keine sicheren Zeichen. Um eine Gebärmutterentzündung feststellen zu können, ist unter anderem die Krankengeschichte der Patientin wichtig, so zum Beispiel, ob sie eine Spirale trägt oder Eingriffe an der Gebärmutter hatte. Laboruntersuchungen von Vaginal- und Gebärmutterhalssekret und Gewebeproben können die Diagnose sichern. Da bei Blutungsstörungen auch eine bösartige Veränderung ausgeschlossen werden muss, ist nach Abheilen der mutmaßlichen Entzündung für die Diagnose eine Ausschabung notwendig, gegebenenfalls unter begleitender Behandlung mit Antibiotika.

Therapie: Die Behandlung erfolgt in erster Linie mit Antibiotika, vor allem wenn eine tiefere Entzündung (Endomyometritis) vorliegt. Weitere Maßnahmen, wie eine eventuell notwendige Entfernung der Spirale oder entzündlicher Gewebeveränderungen, entscheidet der Arzt je nach Diagnose. Ist die Entzündung auf die Gebärmutterschleimhaut begrenzt (Endometritis), unterstützt mitunter eine kurzfristige Hormontherapie die Selbstheilung. Das angegriffene Scheidenmilieu kann mit Medikamenten wieder gezielt aufgebaut werden.

Entzündungen an den Eileitern und Eierstöcken

Symptome: Ein starker, unangenehm riechender, eitriger Ausfluss, Brennen und Jucken weisen auf die ursächliche Scheideninfektion hin. Dazu können bei einer akuten Eileiterentzündung starke Schmerzen im Unterleib, Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl kommen. Es treten mitunter auch Zwischenblutungen oder stärkere Regelblutungen sowie Schmerzen im Kreuz auf, häufig bei chronischen Entzündungen. Auffällige Krankheitszeichen können allerdings auch fehlen.

Ursache: Eine akute Eileiterentzündung beziehungsweise Eierstockentzündung ist eine schwerwiegende Erkrankung, die sogar lebensbedrohlich sein kann. Eine übergreifende Infektion durch Chlamydien oder Gonokkoken (Erreger der Gonorrhö, siehe auch Kapitel "Scheidenentzündungen") oder Bakterien namens Mykoplasmen ist die häufigste Ursache. Bisweilen können Infektionen nach Eingriffen an der Gebärmutter, Einlegen der Spirale, nach der Geburt oder durch Abszesse oder Entzündungen im Unterleib, wie einer Blinddarmentzündung, verantwortlich sein. Selten sind auch Übertragungen über die Blutbahn möglich. Am häufigsten betroffen sind junge, sexuell aktive Frauen bis zum Alter von etwa Mitte 20. Danach tritt die Erkrankung immer weniger auf. Die Infektion kann unbehandelt den ganzen Bauchraum erfassen. Auch nach der Therapie können Narben und Verwachsungen bleiben. Unfruchtbarkeit ist eine gefürchtete Folge. Es kann sich auch eine chronische Entzündung entwickeln. Dabei sind wechselnde Unterbauchschmerzen und Beschwerden beim Sex möglich.

Diagnose: Die Krankengeschichte und eine Tastuntersuchung geben ersten Aufschluss. Meist schmerzt es, wenn der Arzt den erreichbaren Teil der Gebärmutter berührt oder verschiebt. Ein Abstrich vom Gebärmutterhals wird im Labor auf die Erreger untersucht. Bluttests können weiteren Aufschluss geben, ebenso eine Ultraschalluntersuchung. Eine Bauchspiegelung wird zur Diagnosesicherung dann durchgeführt, wenn die ersten Untersuchungen keine zuverlässigen Ergebnisse gebracht haben oder die Behandlung ohne Erfolg blieb.

Therapie: An erster Stelle steht eine Behandlung mit Antibiotika. Ergänzend kann ein entzündungshemmendes Präparat bewirken, dass innere entzündliche Schwellungen und Schmerzen schneller zurückgehen. Physikalische Therapiemaßnahmen unterstützen den Heilungsprozess oft. Eine Spirale muss der Arzt eventuell entfernen. Es ist wichtig, dass eine Eileiterentzündung frühzeitig und konsequent, normalerweise im Krankenhaus, behandelt wird, damit sich die Entzündung nicht verschleppt und chronisch wird.

Haben sich im Zuge der Infektion dennoch weitere Entzündungsherde oder Abszesse gebildet, ist meist ein operativer Eingriff notwendig. Bei einer chronischen Eileiterentzündung erwägen die Ärzte mitunter eine Operation an Eileitern und Eierstöcken.

Gutartige Geschwülste, Krebsvorstufen

Symptome: Ein schleimiger, manchmal hell- bis dunkelbräunlicher Ausfluss kann auf Polypen in der Scheide, im Gebärmutterhals und in der Gebärmutter hindeuten. Auch für unregelmäßige Blutungen sind solche gutartigen Schleimhautveränderungen mitunter verantwortlich. Viele betroffene Frauen haben anfangs jedoch keinerlei Beschwerden. Allerdings kann auch ein Fremdkörper in der Scheide, etwa ein vergessener Tampon, einen bräunlichen Ausfluss verursachen.

Ursache: Polypen sind zunächst gutartige Schleimhautwucherungen, die unter anderem im Bereich der Scheide, des Gebärmutterhalses oder der Gebärmutter auftreten können. Sie entstehen, wenn sich die Schleimhautzellen übermäßig teilen. Neben entzündlichen Vorgängen durch Infektionen spielen auch die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen eine Rolle. Polypen können in jedem Alter auftreten, gehäuft aber in beziehungsweise nach den Wechseljahren. Eine geschwächte Immunabwehr, Stress und psychische Belastungen sowie eine falsche Intimhygiene beeinflussen das Scheidenmilieu (siehe dazu Kapitel "Übersicht") und fördern damit Schleimhautveränderungen.

Krebsvorstufen: Gewebeveränderungen (Dysplasien) am Gebärmutterhals (siehe dazu auch: Entzündungen durch humane Papilloma-Viren, Kapitel "Scheidenentzündungen") beziehungsweise an der Gebärmutter können je nach Ausprägung auch Vorstufen für eine Krebserkrankung sein. Das bedeutet zwar nicht, dass daraus auch immer ein bösartiger Tumor entsteht, aber der Frauenarzt wird sie regelmäßig kontrollieren und entsprechend behandeln.

Diagnose: Nach der Tastuntersuchung, mit der der Arzt etwa Polypen am äußeren Muttermund feststellen kann, geben Ultraschalluntersuchungen Aufschluss über weiter innen liegende Wucherungen. Bei der Untersuchung der Scheide sieht der Arzt Polypen, die aus dem Muttermund herausgetreten sind. Mit Hilfe eines Kolposkopes beziehungsweise Videokolposkopes kann der Arzt den Muttermund wie unter einer Lupe betrachten und gezielt einen Zellabstrich entnehmen. Spezielle Verfahren wie eine Hysteroskopie, einer Spiegelung des Gebärmutterinneren, ermöglichen es, Polypen von Myomen, das sind gutartige Geschwülste von Muskelzellen, abzugrenzen. Diese gehen nicht vorherrschend mit verstärktem Ausfluss einher. Ein Zellabstrich und Gewebeproben sowie nötigenfalls eine Gebärmutterspiegelung sichern die Diagnose ab.

Therapie: Polypen müssen nicht unbedingt Beschwerden verursachen. Sie werden zur Sicherheit und auch für feingewebliche Untersuchungen in der Regel entfernt. Bei ungünstigen Untersuchungsergebnissen, zum Beispiel hohen Werten bei einem Pap-Test mit Verdacht auf eine Krebsvorstufe am Gebärmutterhals ist immer ein Eingriff notwendig. Dann wird zum Beispiel eine Schlingenkonisation empfohlen. Dabei wird ein kegelförmiges Gewebsstück entnommen. Auch eine Laserbehandlung ist möglich.

Krebsformen

Symptome: Ein stark riechender, wässriger, teils blutiger Ausfluss, Blutungen sowie Schmerzen im Beckenbereich gehören zu möglichen Symptomen für bösartige Tumoren im Bereich der Geschlechtsorgane. Blut im Ausfluss, Blutungen außerhalb der Regel beziehungswiese nach der Menopause sind immer Warnzeichen, die umgehend der Arzt abklären sollte. Allerdings entwickeln sich Krebserkrankungen zunächst vielfach ohne deutliche Beschwerden. Deshalb ist es so wichtig, die Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig wahrzunehmen.

Ursachen: Gebärmutterhalskrebs entsteht in der Regel durch eine Infektion mit humanen Papilloma-Viren (Warzenviren, siehe auch Kapitel "Scheidenentzündungen", Abschnitt Humane Papilloma-Viren). Allerdings bergen überwiegend nur bestimmte Virentypen die Gefahr einer Krebsentwicklung, und selbst eine Infektion mit diesen sogenannten Hochrisikotypen muss nicht unbedingt zu bösartigen Veränderungen der Gebärmutterhalszellen führen. Die Viren können sich nach einer Erstinfektion aber in den Zellen einnisten und diese bisweilen erst nach Jahren unbemerkter Aktivität verändern. Weitere vorhandene Entzündungen im Genitalbereich könnten einen solchen ungünstigen Verlauf fördern, ebenso die langjährige Einnahme der Antibabypille, Rauchen oder Therapien, die das Immunsystem unterdrücken.
Gebärmutterkrebs
ist eine sehr häufige Krebsform bei Frauen vor allem im höheren Lebensalter, nach den Wechseljahren. Hauptrisikofaktoren sind neben dem Alter unter anderem Übergewicht, Kinderlosigkeit, Diabetes, hormonelle Störungen wie beim PCO-Syndrom oder eine bestimmte Form des HNPCC-Syndrom, bei dem es schon im jungen Alter zu Krebs an mehreren Organen, darunter der Gebärmutter, kommt. Krebsfördernd könnte auch eine längere Wirkungszeit des Geschlechtshormons Östrogen sein, etwa aufgrund einer natürlichen Verteilung über die Lebensphasen, weil die Periode früh eingesetzt hat und die Menopause erst spät eintritt, oder durch eine längere Hormonersatztherapie ohne ausreichenden "Gestagenschutz". Östrogene fördern möglicherweise, wenn auch wohl eher selten, bösartiges Zellwachstum in einem Gebärmutterpolypen.
Scheidenkrebs (Vaginalkarzinom) kommt relativ selten vor und betrifft Frauen im höheren Lebensalter, zwischen 60 und 65 Jahren. Er kann die Folge einer Krebserkrankung der umliegenden Organe sein, vor allem von Gebärmutterkrebs. Auch eine Infektion mit Papilloma-Viren könnte eine Rolle spielen.
Vulvakrebs bezeichnet bösartige Veränderungen an den äußeren Geschlechtsorganen, wie äußere und innere Schamlippen, Klitoris. Ständiger Juckreiz, überriechender Ausfluss, sichtbare Flecken und tastbare Erhebungen in diesem Bereich sowie Blutungen können Hinweise sein.

Diagnose: Damit eine Krebsentwicklung frühzeitig erkannt und erfolgreich behandelt werden kann, ist es unerlässlich, dass Frauen regelmäßig zu den Vorsorgeuntersuchungen gehen. Tastuntersuchungen, Scheidenspieglung und Zellabstriche können erste Hinweise auf einen beginnenden Tumor geben, denn vielfach fehlen Erstsymptome. Bei Verdacht führen dann Gewebeanalysen sowie Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren wie Ultraschall weiter. Um die Diagnose zu sichern und eine Einteilung in die verschiedenen Krebsstadien zu erlauben, wird der Arzt gegebenenfalls eine Gebärmutterspiegelung durchführen und weitere Gewebeproben aus Gebärmutterhals und Gebärmutter entnehmen.

Therapie: Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium des jeweiligen Tumors. Manche Vorstufen können mit kleineren Eingriffen (siehe oben Konisation bei Dysplasien am Gebärmutterhals) oder mit einer hormonellen Therapie (Vorstufen bei Gebärmutterkrebs) beseitigt werden. Ansonsten wird bei Gebärmutterkrebs die Gebärmutter meist zusammen mit den übrigen inneren Fortpflanzungsorganen chirurgisch entfernt, eventuell auch mit bestimmten Lymphknoten. Es gibt für jede der genannten Krebsformen und dabei wiederum für jedes Stadium angepasste operative Vorgehensweisen sowie gezielte Anwendungsformen der Strahlen- und Chemotherapie. Richtschnur für die Ärzte ist dabei immer, die individuellen Voraussetzungen und Wünsche der betroffenen Patientinnen bestmöglich mit den Behandlungserfordernissen in Einklang zu bringen.

Das natürliche Scheidensekret ist so zusammengesetzt, dass es normalerweise gut mit eindringenden Krankheitskeimen fertig wird. Mechanische oder chemische Reize können es aus dem Gleichgewicht bringen. Wenn schädliche Erreger überhandnehmen und zu Entzündungen führen, richtet sich die Therapie zunächst direkt gegen solche Keime. Gegen Bakterien wie Gardnerella oder Chlamydien wirken Antibiotika, gegen Pilze wird der Arzt in der Regel Antimykotika verschreiben. Die Medikamente gibt es häufig in Form von Scheidenzäpfchen, Vaginaltabletten und –cremes oder als Tabletten zum Einnehmen. Wichtig ist es, die Zäpfchen beziehungsweise Vaginaltabletten tief in die Scheide einzuführen, damit sie sich nicht schon im vorderen Bereich auflösen. Wird dazu ein Applikator benützt, muss dieser nach jedem Gebrauch gründlich mit warmem Wasser gereinigt werden. Für viele Präparate ist es am günstigsten, sie vor dem Schlafengehen anzuwenden.

Solange die Behandlung andauert, sollten die betroffenen Frauen keine Tampons verwenden, keinen Geschlechtsverkehr haben und möglichst auf zuckerhaltige Speisen verzichten – Pilze mögen Zucker (siehe Kapitel "Ursache: Scheidenentzündungen"). Scheidenspülungen sind ebenfalls nicht angeraten. Um eine erneute Ansteckung zu vermeiden, wird meistens auch der Partner mitbehandelt.

Gegen eine Infektion mit Herpes-Simplex-Viren können virenhemmende Mittel (Virustatika) eingesetzt werden. Vor allem aber geht es darum, das Immunsystem zu stärken und für ein ausgeglichenes, saures Scheidenmilieu zu sorgen. Dazu gehört auch, Stress abzubauen und seelische Belastungen zu verringern.

Kleine Wucherungen, gutartige Geschwülste entfernt der Frauenarzt häufig in einem chirurgischen Eingriff. Das gilt auch für bösartige Tumoren, die je nach Stadium und Krebsart durch Operationen, Strahlentherapie und gegebenenfalls Chemotherapie behandelt werden. Ist ein Fremdkörper, wie ein Tampon oder eine Spirale, Ursache für entzündlichen Ausfluss, wird der Arzt ihn entfernen.

Während oder nach einer medikamentösen Behandlung oder nach einem operativen Eingriff, kann es sinnvoll sein, das Scheidenmilieu zu stärken. Hier können Zäpfchen oder Kapseln helfen, die Milchsäurebakterien enthalten.

Da einer der Hauptübertragungswege für krankmachende Keime ungeschützter Geschlechtsverkehr ist, sollten Frauen mit wechselnden Partnern auf der Verwendung von Kondomen bestehen. Safer Sex sollte zur Selbstverständlichkeit werden.

Ein wichtiger Punkt, um Scheidenentzündungen vorzubeugen oder eine notwendige Behandlung zu unterstützen, ist eine vernünftige Intimhygiene. Mangelnde Sauberkeit wirkt hier nachteilig, aber auch zu intensives Reinigen. Viele Frauen nehmen normale Seifen, waschen sich übertrieben gründlich mit speziellen Lotionen bis tief in die Scheide oder verwenden Intimsprays, die das Scheidenmilieu verändern und es "schlechten" Keimen damit leichter machen, sich zu vermehren.

  • Am besten ist es, sich nur im äußeren Genitalbereich und nur mit lauwarmen Wasser oder geeigneten seifenfreien Waschlotionen (ph-Wert etwa 4 bis 4,5) zu waschen. Danach gut abtrocknen.
  • Luftundurchlässige Slips aus synthetischen Fasern oder enge Jeanshosen behindern den Luftaustausch und begünstigen das Wachstum von Bakterien und Pilzen im äußeren Genitalbereich. Die Erreger können nach innen gelangen, zum Beispiel auch dann beim Sex, und aufsteigende Infektionen verursachen.
  • Die Pflege des äußeren Intimbereichs außerhalb der kleinen Schamlippen mit einem neutralen Hautfett kann die empfindliche Haut geschmeidig halten und dadurch kleinste Verletzungen und Entzündungen verringern.
  • Auf der Toilette sollten Frauen besonders darauf achten, sich von vorne nach hinten abzuwischen, damit keine Darmkeime in die Scheide gelangen.

Ganz wesentlich für die Gesundheit einer Frau ist es, nicht zu rauchen und Alkohol möglichst zu meiden. Ein gesunder Lebensstil unterstützt die körpereigenen Abwehrkräfte und hilft, körperlich und seelisch im Lot zu bleiben. Dazu gehört es, sich ausreichend zu bewegen, sich ausgewogen und vollwertig zu ernähren und sich regelmäßig Entspannungsphasen zu gönnen.