Gesichtsschmerzen

Schmerzen im Gesicht k├Ânnen von Nerven ausgehen, wie die Trigeminusneuralgie. Daneben gibt es viele andere Schmerzquellen, aber auch Beschwerden ohne erkennbare Ursache

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 25.11.2014

Überblick über das Symptom und mögliche Ursachen

Gesichtsschmerzen beziehen sich auf das Gesicht im engeren Sinn: Schläfen, Wangen, Kieferpartien einschließlich Kiefergelenk bis zu Ohren, Nase, Mund- und Augenumgebung mit den formenden Knochen, den Knorpelanteilen, Gesichtsmuskeln und der Haut. Dazu zählen auch Rachen, Gaumen und Zunge. Es ist wichtig, Gesichts- von Kopfschmerzen zu unterscheiden. Denn hier ähneln manche Beschwerdebilder, beispielsweise die sogenannten "trigeminoautonomen" Kopfschmerzen, den Gesichtsschmerzen oder überlappen sich teilweise mit ihnen. Schmerzen im Stirnbereich in Verbindung mit Kopfschmerzen gehören in der Regel ebenfalls in die Rubrik Kopfschmerzen.

Mediziner unterscheiden mehrere Formen des Gesichtsschmerzes, je nachdem, wo und wie die Beschwerden auftreten (akut oder chronisch), von wo sie ausgehen und ob sich Krankheitsursachen benennen lassen (symptomatische Schmerzen) oder nicht (idiopathische Schmerzen).

Die Schmerzen können sich über die gesamte Gesichtsfläche ausdehnen oder nur den Bereich um Nase, Augen und Mund oder Kinn betreffen. Sie können auf einer oder beiden Gesichtshälften auftreten und entlang bestimmter Nerven und ihrer Äste sowie im Kieferbereich verlaufen. Manchmal schließen die Schmerzen Nacken, Schultern und die obere Rückenpartie mit ein.

Mögliche Ursachen von Gesichtsschmerzen

Zu den wichtigsten Schmerzquellen im Gesicht gehören Störungen in den Nerven, die entsprechende Gesichtsbereiche versorgen. Nervenschmerzen heißen in der Fachsprache Neuralgien. Die dabei auftretenden, sehr intensiven Schmerzen schießen oft blitzartig ein und werden als schneidend oder bohrend empfunden. Andere Reize (zum Beispiel Berührung, Kälte, Licht) können sie auslösen beziehungsweise triggern. Im Gesicht am häufigsten ist eine Trigeminusneuralgie, teils als Folge anderer Erkrankungen, teils unbekannter Ursache (siehe nächste Seite).

Des Weiteren kann ein Herpes zoster, besser bekannt unter dem Namen Gürtel- und Gesichtsrose, akute und chronische Beschwerden an den erkrankten Zonen auslösen. Nach überstandener Herpeserkrankung setzt sich mitunter eine äußerst unangenehme Neuralgie (postherpetische Zosterneuralgie) fest, oder diese kehrt nach einiger Zeit wieder. Das kommt häufiger bei älteren Menschen vor.

Mögliche, keineswegs unbedeutende Schmerzverursacher sind außerdem Probleme im Bereich der Kaumuskulatur und des Kiefergelenks. Beschwerden, die von dort ausgehen, fallen unter den Begriff kraniomandibuläre Dysfunktionen. Davon sind häufiger junge Erwachsene und mehr Frauen als Männer betroffen.

Einige Augen- und Nasennebenhöhlenerkrankungen, beispielsweise Nasennebenhöhlenentzündungen, Zahn- und Kieferprobleme stehen bei Gesichtsschmerzen mit auf der Checkliste. Sie weisen aber meist weitere eigenständige Symptome auf, die auf die richtige Spur helfen. Auch Probleme an der Halswirbelsäule und Muskelverspannungen im Nacken oder Schultergürtel kommen gelegentlich als Ursache für solche symptomatischen Gesichtsschmerzen infrage.

Daneben gibt es zahlreiche Ursachen im Bereich des Kopfes, genauer des Schädelinneren. Diese Ursachen werden "zentral" genannt. Dazu zählen etwa ein Schlaganfall, Hirntumoren oder Veränderungen, die auf andere Weise Druck auf Hirnnerven ausüben. Dies kann zum Beispiel durch ein Gefäß geschehen (Schlinge, unübliche Lage oder Ausbuchtung, Aneurysma genannt). Auch Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie die Multiple Sklerose spielen bei Gesichtschmerzen eine Rolle. Eine bestimmte Migräne-Form, die sogenannte ophthalmoplegische Migräne, wird von manchen Fachmedizinern zu den Gesichtsschmerzen gerechnet, von anderen zu den Kopfschmerzen, was die Teilbezeichnung Migräne auch nahelegt.

Gesichtsschmerzen: Wann zum Arzt?

Plötzliche, heftige Schmerzen im Gesicht und in Abständen immer wiederkehrende Schmerzattacken sollte immer ein Arzt abklären. Das gilt auch für Beschwerden, die sich längerfristig festsetzen.

Wichtige Hinweise können dem Arzt die Krankengeschichte und eine genaue Beschreibung der Schmerzen selbst geben, also wann und wie sie auftreten und wie ausgeprägt sie sind. Das Leiden kann sich spontan oder als Reaktion auf bestimmte Reize in heftigen Schüben einstellen, gefolgt von beschwerdefreien Phasen. Das sind zum Beispiel typische Kennzeichen einer Trigeminusneuralgie. Schmerzen, die besonders beim Kauen oder bei Kiefergelenksbewegungen ausgelöst werden, können unter anderem auf eine kraniomandibuläre Dysfunktion hinweisen.

Oder die Beschwerden stellen sich als mehr oder minder starker Dauerschmerz ein, wie beim anhaltenden idiopathischen Gesichtsschmerz, früher atypischer Gesichtsschmerz genannt. Es ist ein schwierig zu fassendes, chronisches Schmerzgeschehen mit unklarer Ursache. Patienten mit solchen Dauerbeschwerden haben oft schon viele Ärzte aufgesucht und teils unnötige Eingriffe über sich ergehen lassen.

Gefragt sind nach dem Hausarzt oft Ärzte verschiedener Fachrichtungen wie Neurologen, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Zahnärzte, Kieferorthopäden, Orthopäden, Internisten sowie Psychotherapeuten.

Mehr zu möglichen Ursachen finden Sie in den folgenden Kapiteln (siehe Übersicht oben).

 

Fachliteratur und Fachredaktion

Mumenthaler, M., Mattle, H.: Neurologie, Thieme Verlag, 2013
Herold, Gerd und Mitarb.: Innere Medizin, 2012
Probst, R., Grevers, G., Iro, H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Thieme Verlag, 2008
Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Trigeminusneuralgie, Leitlinien der DGN, in: Diener, H.-Ch., Weimar, Ch. (Hrsg.): Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie, Thieme Verlag, 2012
Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Anhaltender idiomatischer Gesichtsschmerz, Leitlinien der DGN, in: Diener, H.-Ch., Weimar, Ch. (Hrsg.): Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie, Thieme Verlag, 2012
IHS – International Headache Society: Internationale Klassifikation von Kopfschmerzerkrankungen, Teil 3: Kraniale Neuralgien, zentraler und primärer Gesichtsschmerz und andere Kopfschmerzen, 2. Auflage, abgerufen am 16.02.2013 auf ihs-classification.org  
Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT) in der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK): Lange, Ahlers, Ottl: Craniomandibuläre Dysfunktionen, 2010, abgerufen am 16.02.2013 auf www.dgfdt.de
Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT) in der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK): Stellungnahme zur Therapie der funktionellen Erkrankungen des Kraniomandibulären Systems, abgerufen am 16.02.2013 auf www.dgfdt.de
(www.apotheken-umschau.de ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internetseiten)
Abrahamsen, R.: Hypnose und orofaziale Schmerzen, in: Deutsche Zeitschrift für zahnärztliche Hypnose (DZzH), 2/2012

Fachredaktion: Dr. med. Claudia Osthoff

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Trigeminusneuralgie

Schmerzquelle: Schmerzen, die vom fünften Hirnnerv, dem Trigeminusnerv, ausgehen, gehören zu den heftigsten Schmerzerfahrungen überhaupt. Trigeminus ist das lateinische Wort für Drilling. Die drei Hauptäste des Nervs versorgen wichtige Gesichtsabschnitte mit Sensibilität, wie die Stirn und den angrenzenden Kopfbereich, Augen und Nase sowie die Regionen um Oberkiefer, Unterkiefer- und Kinn. Darüber hinaus sind sie für die Aktivität (Motorik) zum Beispiel der Kau- und Schläfenmuskulatur zuständig.

Der Nerv kann in seinem gesamten Verlauf irritiert werden. Das kann durch ein benachbartes, verändertes Blutgefäß im unteren Gehirnabschnitt (Hirnstamm) geschehen – eine häufige Erscheinung bei Formen der Trigeminusneuralgie, bei denen keine erkennbare Grunderkrankung festzustellen ist. Ebenso sind mitunter auch der Nervenknoten unten in der Schädelbasis (Felsenbein) betroffen sowie natürlich die Abschnitte, die im Gesicht selbst verlaufen.

Symptome: Die Schmerzen schießen meist auf einer Seite unvermittelt scharf und stechend ein, vornehmlich oberflächlich am Kinn sowie an der Wange, dort besonders auch an der Falte von der Nase zum Mund, aber auch die Zähne können weh tun. Die Attacken halten oft nur Sekunden an und können in kurzen Abständen mehrmals hintereinander an einem Tag auftreten. Danach folgen längere, schmerzfreie Phasen, bis der nächste Anfall eintritt. Bei wenigen Betroffenen bleibt dazwischen ein dumpfes Dauerschmerzgefühl bestehen. Häufig sind es bestimmte Ereignisse, die die blitzartigen Schmerzen auslösen, sogenannte Trigger, etwa ein Luftzug, eine Berührung im Gesicht, Zähneputzen, Kauen oder Sprechen, aber auch Stresssituationen. Im Zuge einer Schmerzattacke kommt es mitunter auch zu Muskelkrämpfen auf der betroffenen Gesichtsseite.

Manchmal lässt sich eine zugrunde liegende Erkrankung feststellen, die zu den Nervenschmerzen führt. Das kann ein Hirntumor sein, eine Multiple Sklerose oder die Folge einer Kopfverletzung. Dann fehlen oft die beschwerdefreien Phasen zwischen den Attacken und es können beide Gesichtsseiten betroffen sein. Auch haben die Patienten nicht selten Gefühlsstörungen in dem erkrankten Bereich. Bei solchen Beschwerden wird der Arzt prüfen, ob hier nicht eher eine Trigeminusneuropathie vorliegt, bei es zu einer Nervenschädigung gekommen ist (siehe auch Kapitel "Weitere Ursachen").

Diagnose: Der typische Schmerzverlauf gibt dem Arzt meist schon wesentliche Hinweise. Weiterführende Untersuchungen nimmt in der Regel ein Neurologe vor. Er wird feststellen, ob eine Nervenerkrankung, ein Tumor oder Verletzungen vorliegen, und andere Formen von Gesichtsschmerzen ausschließen. Dazu kann er eine Kernspin- oder Computertomographie veranlassen, ebenso Bluttests und je nach Verdacht gegebenenfalls eine Untersuchung von Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (sogenanntes Nervenwasser oder Liquor) sowie weiterführende Untersuchungen bei einem HNO-Arzt, Kieferorthopäden oder Zahnarzt.

Therapie: Liegt keine erkennbare Grunderkrankung vor, stehen zunächst Medikamente und teilweise auch operative Eingriffe als Therapiemaßnahmen zur Verfügung. Hier kommt es jedoch darauf an, dass die Diagnose eindeutig gestellt wurde, damit keine unnötigen Eingriffe, etwa im Zahn- und Kieferbereich, vorgenommen werden, die das Leiden nicht lindern, sondern unter Umständen nur noch erhöhen. Schmerzmittel helfen nicht, da die Attacken zu kurz sind. Mittel der ersten Wahl sind Antiepileptika, Medikamente zur Behandlung von Epilepsien. Sie können den Schmerzanfällen vorbeugen, da sie auch auf die Erregbarkeit und Leitungsfähigkeit schmerzempfindlicher Nervenbahnen einwirken.
Operationen
erwägen die Ärzte nur, wenn Medikamente nicht helfen können oder die Schmerzursache einen chirurgischen Eingriff nahelegt, etwa bei einem Tumor oder mitunter bei Multipler Sklerose. Operative Maßnahmen zielen vornehmlich darauf ab, den gereizten oder unter Druck stehenden Nerven zu entlasten (Dekompression) oder die Schmerzleitung durch Ausschaltung am Nervenknoten zu unterbinden. Das kann mit Verfahren wie der Thermokoagulation geschehen, oder auch in radiochirurgischer Behandlung mit dem sogenannten Gamma-Knife, neuerdings zum Teil auch Cyber-Knife. Hier fokussiert ein spezielles Bestrahlungsgerät, beim Cyber-Knife eine Art Operationsroboter, Strahlenenergie präzise auf das Gewebe. Es wird damit gewissermaßen messerscharf, aber ohne Skalpell beseitigt oder ausgeschaltet.
Bleibende Folgen von operativen Eingriffen können Gefühlsstörungen, seltener Hör- oder auch Hornhautstörungen und damit Sehprobleme sein. Auch kommt es immer wieder zu Rückfällen.

Zahnschmerzen strahlen manchmal bis ins Gesicht aus. So können zum Beispiel Zahnfleischentzündungen, insbesondere wenn sie chronisch sind, tiefe Zahnkaries oder Zahnwurzelentzündungen Schmerzen auch im Gesicht auslösen.

Kraniomandibuläre Dysfunktionen (Fehlfunktionen im Zahn- und Kieferbereich)

Schmerzquelle: Der medizinische Fachbegriff kraniomandibulär setzt sich zusammen aus dem lateinischen Wort cranium, Schädel, und mandibula, Unterkiefer, und bezieht das ganze Kausystem mit ein. Dazu gehören Ober- und Unterkiefer, Kiefergelenke, Zähne und Kaumuskeln. Fehlstellungen der Kiefer oder Zähne ("falscher Biss") führen zu Muskelverspannungen und -überlastungen. Auch nächtliches Zähneknirschen (Bruxismus) wirkt sich auf Zähne und Kiefergelenke aus. Zähne werden abgerieben, splittern oder lockern sich, die Fehlfunktionen verstärken sich, das Kiefergelenk verändert sich krankhaft durch Entzündungen oder Verschleiß. Entzündet kann es allerdings auch im Rahmen einer rheumatoiden Arthritis sein.

Die Veränderungen können ebenso Folgen für die Halswirbelsäule haben. Umgekehrt lösen auch Muskel- und Strukturprobleme an der Halswirbelsäule (Verschleiß, Wirbelgelenkarthrosen, knöcherne Anbauten der Wirbelkörper) mitunter Muskelschmerzen im Gesicht aus. Die unangenehmen Schmerzen beeinflussen häufig auch die Psyche. Ebenso führen seelische Belastungen nicht selten zu Verspannungen und Fehlhaltungen mit entsprechenden Schmerzfolgen.

Symptome: In erster Linie leiden die Betroffenen unter Schmerzen in den Gesichts- und Kaumuskeln sowie den Kiefergelenken. Die Beschwerden können beim Kauen oder durch Bewegen des Kiefergelenks ausgelöst werden. Manchmal knackt oder reibt es dabei auch. Die Patienten haben zudem oft Probleme, den Kiefer weit zu öffnen, die Gelenke selbst beziehungsweise die Gelenkkapseln können druckempfindlich sein. Dazu kommen oft weitere Leiden wie Zahnschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindel, Tinnitus, Schulter- und Rückenschmerzen, aber auch depressive Verstimmungen bis hin zu ernsten Depressionen.

Diagnose: Das Schmerzbild und entsprechende zahnärztliche und kieferorthopädische Untersuchungen, eventuell mit Röntgenaufnahme, geben meist schon entscheidende Hinweise. Auch die psychische Situation der Betroffenen sollte der Arzt mit einbeziehen. Allerdings werden Gesichtsschmerzen manchmal vorschnell dem Zahn-Kiefer-Bereich zugeordnet, was dann teilweise unnötige Eingriffe zur Folge hat. Deshalb ist es wichtig, dass andere Schmerzformen ausgeschlossen werden.

Therapie: Die Schmerzen legen sich in der Regel nach erfolgreicher Therapie der Ursache. Je nach zugrunde liegendem Störungsbild genügen manchmal schon kleine Zahnkorrekturen. Aufwendigere Sanierungen im Zahn- und Kieferbereich sind in der Regel nur notwendig, wenn die Schäden eindeutig festgestellt wurden.
Sogenannte Aufbiss-Schienen helfen, Fehlhaltungen zu korrigieren oder nächtliches Zähneknirschen zu beseitigen.
Manuelle Therapie, Physiotherapie und Entspannungsverfahren tragen dazu bei, die Muskulatur zu entlasten und Stress abzubauen. Eine Muskelentspannung lässt sich manchmal mit Hilfe einer elektrischen Nervenstimulation über die Haut (TENS = transkutane elektrische Nervenstimulation) erreichen.
Des Weiteren werden die Ärzte je nach Schmerzzustand den Einsatz von schmerz- und entzündungshemmenden oder muskelentspannenden Medikamenten sowie von Antidepressiva vorschlagen.

Anhaltender idiopathischer (atypischer) Gesichtsschmerz

Schmerzquelle: Nach neuesten Einteilungen bezeichnen Fachmediziner diesen Dauerschmerz ohne erkennbare Krankheitsursache als anhaltend idiopathisch, früher hieß er atypischer Gesichtsschmerz. Er kann die Spätfolge einer schon ausgeheilten Verletzung im Gesicht, an Zähnen oder Kiefer oder einer überstandenen Operation sein. Konkrete Schäden in diesen Bereichen sind jedoch nicht mehr nachzuweisen. Das Leiden wirkt sich wie andere chronische Schmerzerkrankungen häufig auf die Psyche aus. Mitunter tritt ein idiopathischer Gesichtsschmerz auch im Rahmen einer allgemeinen chronischen Schmerzerkrankung auf.

Symptome: Die Schmerzen bestehen meistens dauerhaft am Tage in gleichbleibender oder wechselnder Stärke. Nachts beim Schlafen haben die Betroffenen keine oder kaum Beschwerden. Sie beschreiben die Schmerzen als tief sitzend, dumpf, bohrend, brennend oder pulsierend. Die anhaltenden Gesichtsschmerzen beginnen vor allem auf einer Gesichtshälfte im Bereich des Oberkiefers um Mund, Nase, Augen und Schläfe, können sich aber auch auf das Kinn und weitere Bereiche bis zum Nacken ausbreiten, die Seiten wechseln oder beide erfassen. Typischerweise gibt es keine einschießenden Schmerzattacken und auch keine auslösenden Faktoren, Trigger, wie bei der Trigeminusneuralgie. Gefühlsstörungen gehören ebenfalls nicht zum Krankheitsbild. Allerdings können Einflüsse wie Kälte oder Stress die Schmerzen verstärken, und einige Patienten berichten zum Beispiel von Taubheits- oder Wärmeempfindungen (siehe auch Trigeminusneuralgie).

Diagnose: Hier geht es in erster Linie darum, andere Schmerzformen auszuschließen. Dazu hilft eine möglichst genaue Beschreibung des Beschwerdebildes. Mit Röntgenaufnahmen des Gesichts und des Kiefers sowie gegebenenfalls Computer- oder Kernspintomographie können Neurologen, HNO-Ärzte oder Zahnärzte feststellen, ob (bislang unerkannte) Verletzungen, Infektionen, Tumoren, Gefäßstörungen in diesen Regionen vorliegen oder nicht. Auch gilt es, eine eventuelle kraniomandibuläre Fehlfunktion abzugrenzen (siehe dazu das vorhergehende Kapitel). Ebenso kann eine Untersuchung beim Augenarzt angezeigt sein, um etwa ein akutes Glaukom oder andere Augenprobleme auszuschließen. Zu der langen Liste der Erkrankungen, die ähnliche Symptome im Gesicht auslösen können, gehören weitere Formen von Nervenschmerzen oder auch ein Herpes zoster (in diesem Fall als Trigeminusneuropathie, siehe dazu auch Kapitel "Trigeminusneuralgie" und "Weitere Ursachen").

Therapie: Häufig haben die Betroffenen schon viele Therapieversuche und teilweise unnötige Eingriffe, etwa an Zähnen und Kiefer, hinter sich. Wenn die Diagnose anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz ohne erkennbare organische Ursache feststeht, raten Fachärzte zu einer individuell ausgerichteten Behandlung. Sogenannte trizyklische Antidepressiva können nicht nur stimmungsaufhellend wirken, sondern auch schmerzlindernd. Manche Patienten sprechen auf andere Antidepressiva oder krampflösende Mittel (Antiepileptika) an. Akupunktur oder eine elektrische Nervenstimulation über die Haut können mitunter ebenfalls Erleichterung bringen. Neurologen empfehlen zudem Verhaltenstherapien, die den Betroffenen helfen, besser mit den Schmerzen umzugehen sowie Spannungen und Ängste abzubauen, sowie speziell ausgerichtete Hypnoseverfahren.

Nervenschmerzen

Neben der Trigeminusneuralgie können, allerdings seltener, im Gesicht auch andere Nervenschmerzen auftreten, die eigene Bezeichnungen haben. Dazu gehört die Glossopharyngeusneuralgie (Schmerzen im Bereich des Nerven, der Zunge, Rachenraum, Paukenhöhle und Ohrspeicheldrüse versorgt). Auch hier kann der gleichnamige Nerv gereizt sein. Die oft heftigen, plötzlich einsetzenden Schmerzattacken werden vielfach durch Sprechen, Husten, Kauen oder Schlucken ausgelöst. Sie treten meist einseitig vor allem in der Nähe des Ohrs, hinten an der Zunge, im Bereich des Rachens und der Rachenmandeln auf. Dauerschmerzen sind ebenfalls möglich, allerdings nur selten. Es liegt keine andere Erkrankung zugrunde.

Je nachdem, an welchen Bahnen die Schmerzattacken verlaufen, lassen sich noch weitere Neuralgien diagnostizieren, wie die Intermediusneuralgie. Bei dieser ist der Intermedius-Nerv betroffen, ein Teil des Gesichtsnervs (Fazialisnerv). Die einseitigen Schmerzattacken treten im Gehörgang und in der Tiefe des Ohrs auf. Schmerzanfälle, die vor allem auf einer Seite in der Augenhöhle, dem inneren Augenwinkel und an den Nasenwurzeln einsetzen und bis zum Ohr, in den Rachen und Oberkiefer ausstrahlen, können auf das Sluder-Syndrom, hindeuten. Mediziner vermuten hinter diesem dem Cluster-Kopfschmerz ähnlichen Beschwerdebild eine Entzündung eines mitbeteiligten Nervenknotens.

Ein- oder beidseitige Schmerzen hinter den Augen, die bei Augenbewegungen stärker werden und Sehstörungen nach sich ziehen, weisen eventuell auf eine Optikusneuritis hin. Die Beschwerden legen sich oft nach vier Wochen. Häufig treten sie im Rahmen einer Multiplen Sklerose auf.

Zur Therapie der unterschiedlichen Nervenschmerzen setzen Neurologen vergleichbare Maßnahmen wie bei der Trigeminusneuralgie ein, bestimmte Antidepressiva, Antiepileptika und andere Medikamente.

Eine Lähmung des Gesichtsnervs (Fazialisparese), ein vielgestaltiges Krankheitsbild, kann im Vorfeld mit Schmerzen seitlich im Gesicht und hinter dem Ohr einhergehen. Mehr Informationen dazu gibt der Ratgeber "Gesichtslähmung".

Mitunter treten Gesichtsschmerzen als Teil einer vielfältigen Nervenstörung wie einer Polyneuropathie im Rahmen der Alkoholkrankheit oder der Zuckerkrankheit (Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2) auf. Bei Neuropathien kommt es, im Unterschied zu Neuralgien, oft auch zu Sensibilitätsstörungen, etwa Taubheitsgefühl und Kribbeln. Die Gesichtsnerven sind jedoch eher selten von einer Polyneuropathie betroffen.

Gehirnerkrankungen und -schädigungen

Entzündungen oder Verletzungen im zentralen Nervensystem ziehen häufig auch Gesichtsschmerzen nach sich. Infrage kommen zum Beispiel eine Multiple Sklerose oder ein Hirninfarkt. Die Behandlung erfolgt im Rahmen der Therapie der Grunderkrankung. Eine unterstützende Behandlung mit örtlichen Betäubungsmitteln kann mitunter wirksam sein.

Gürtelrose (Herpes zoster)

Die Gürtelrose ist eine entzündliche Viruserkrankung, die bestimmte Nervenknoten befällt, mit starken Schmerzen in den betroffenen Hautarealen verbunden ist und Ausschläge mit Bläschen und Pusteln hervorruft. Das Varizellen-Zoster-Virus wird in der Kindheit bei einer Windpockeninfektion aufgenommen (seltener unbemerkt) und überdauert dann in Nervenknoten. Später kann es wieder "aufgeweckt" und aktiviert werden, beispielsweise wenn das Immunsystem geschwächt ist. Je nachdem, wo das geschieht, kommt es dann zur Gürtel- oder Gesichtsrose.

Die Schmerzen setzen in der Regel einige Tage, bevor sich Hautveränderungen zeigen, ein. Im Gesicht verlaufen sie oft im Bereich des ersten Astes des Trigeminusnerven, also von der Schläfe zur Stirn, oberhalb des Auges. Es können auch Abschnitte um das Ohr oder im Mund betroffen sein. Taubheitsgefühle und Kribbeln kommen nicht selten dazu. Wichtig ist eine rechtzeitige Behandlung des Herpes zoster mit einem Medikament, das die Virusvermehrung hemmt (Virostatikum), um chronische Schmerzen als Folgeerkrankung zu vermeiden.

Herzinfarkt

Treten Kieferschmerzen, oftmals auf der linken Seite im Unterkiefer, auf, kann das auch auf ein akutes Herzproblem hinweisen. Besonders wenn sie mit Brustschmerzen als Leitsymptom für einen Herzinfarkt verbunden sind. Oft zeigen noch weitere Symptome die Notfallsituation an, wie Engegefühl in der Brust, Schmerzen, die in den Arm ausstrahlen, Blässe, kalte Schweißausbrüche, Übelkeit, Angstgefühle.

Immunologische Erkrankungen

Schilddrüsenentzündungen und eine Arteriitis temporalis können unter anderem mit Schmerzen im Hals- und Gesichtsbereich einhergehen.

Die medizinische Behandlung wird sich immer auf die Ursache beziehen. Einige Beispiele sind unter den wichtigsten Formen des Gesichtsschmerzes aufgeführt (siehe jeweils dort). Dazu gehören oft eingesetzte, geeignete Medikamente, etwa bei der Trigeminusneuralgie oder den anhaltenden idiopathischen Gesichtsschmerzen. Physiotherapeutische und verhaltenstherapeutische Maßnahmen helfen vielfach, die Schmerzen in den Griff zu bekommen. Chirurgische Verfahren sollten nur zum Einsatz kommen, wenn eine genaue Indikation dafür vorliegt. Hier kann es gegebenenfalls sinnvoll sein, mehrere Fachärzte heranzuziehen.

Für Schmerzpatienten bringt häufig der Aufenthalt in einer spezialisierten Schmerzklinik umfassende Hilfe. Da Gesichtsschmerzen zum Teil mit einem erheblichen Leidensdruck verbunden sind, ist es wichtig, dass die Betroffenen zudem lernen, gezielt zu entspannen und Stress abzubauen.

Menschen mit Schmerzleiden sollten vor allem das Rauchen aufgeben und übermäßigen Alkoholkonsum vermeiden. Ein gesunder Lebensstil mit regelmäßiger körperlicher Aktivität und einer ausgewogenen Ernährung unterstützt Körper und Psyche. Verhaltenstherapien helfen, mit Ängsten und möglichen Depressionen umzugehen.