Heuschnupfen – allergischer Schnupfen

In der Pollensaison (Hauptblütezeit) leiden viele Menschen an Heuschnupfen. Typische Symptome: Niesen, Fließschnupfen, Augenjucken. Hinter Dauerschnupfen mit verstopfter Nase kann eine Hausstaubmilbenallergie stecken

aktualisiert am 27.12.2016

Was ist Heuschnupfen, und was allergischer Schnupfen?

Millionen Deutsche – Kinder, Jugendliche, Erwachsene – haben ihn, viele kennen ihn: Heuschnupfen. Er ist die häufigste Allergie in den Industrieländern. Anders als zu vermuten steht, sind die Betroffenen aber weder allergisch auf Heu noch permanent erkältet. Vielmehr machen ihnen Pflanzenpollen, kleinste Blütenstaubteilchen von Bäumen, Gräsern und Kräutern in der Luft zu schaffen.

Die auch "Pollinosis" oder saisonaler allergischer Schnupfen genannte Pollenallergie ist an die Zeit des jeweiligen Pollenfluges gebunden, Hauptsaison: April bis August. Bei klarem Wetter können Spätblüherpollen noch bis September oder Oktober aktiv sein und Allergikern Beschwerden bereiten. Oder es schwärmen bereits im Februar oder März die ersten Frühblüherpollen aus. Entsprechend allergische Menschen haben manchmal sogar schon im Dezember oder Januar Heuschnupfensymptome.

Was ist Heuschnupfen? Das zeigt auch unser Erklärvideo:

Die Bezeichnung allergischer Schnupfen ist ein Oberbegriff für alle allergischen Schnupfenarten, die durch Allergene in der Luft (Aeroallergene) – draußen wie drinnen – ausgelöst werden. Wenn im Folgenden von Heuschnupfen die Rede ist, geht es um allergischen Schnupfen durch Pflanzenpollen. Auch allergischer Schnupfen durch Hausstaubmilben kommt häufig vor. Mit der etwas seltener auftretenden Allergie auf Schimmelpilze oder Tierhaare hat er gemeinsam, dass er das ganze Jahr über zu Beschwerden führen kann.

Heuschnupfen – allergischer Schnupfen: Typische Symptome?

Niesattacken, Fließschnupfen und verstopfte Nase, juckende, brennende oder tränende Augen – das sind die kennzeichnenden Symptome eines allergischen Schnupfens. Dementsprechend diagnostizieren Ärzte eine allergische Rhinokonjunktivitis.

Viele Betroffene verspüren zudem einen unangenehmen Juckreiz oder ein Brennen im Hals, an der Rachenschleimhaut. Auch neigen manche Patienten mit allergischem Schnupfen zu Entzündungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich, etwa in den Nasennebenhöhlen: Mitunter reagieren die Schleimhäute hier auf verschiedene Reize, etwa Luftschadstoffe und Pollen, besonders empfindlich. Schwellungen können den Sekretfluss und die Belüftung behindern. Das begünstigt wiederum Infektionen.

Doch damit nicht genug: Allergene können auch in den unteren Atemwegen allergische Reaktionen auslösen. Husten und Anfälle mit Atemnot bei Heuschnupfen sollten aufhorchen lassen. Denn es kann sein, dass sich die Allergie auf die Bronchien geschlagen und Asthma ausgelöst hat (sogenannter Etagenwechsel). Tatsächlich haben Patienten mit Heuschnupfen ein erhöhtes Risiko für allergisches Asthma.

Auch über die Haut können Allergene einwirken. Zum Beispiel verschlimmern sich bei hoher Allergenbelastung in der Heuschnupfenzeit manchmal Hautkrankheiten wie atopische Dermatitis oder Nesselsucht (Urtikaria). Die atopische Dermatitis (auch Neurodermitis oder atopisches Ekzem) zeigt sich in erster Linie bei Säuglingen und Kleinkindern. Sie kann mitunter aber bis ins Erwachsenenalter fortbestehen. Ein Leitsymptom ist Juckreiz. Weitere Informationen im Ratgeber Neurodermitis und im Kapitel "Heuschnupfen – allergischer Schnupfen: Symptome" in diesem Beitrag.

Nicht selten treten heuschnupfenartige Beschwerden länger als vier Wochen im Jahr oder sogar ganzjährig auf, wobei saisonale Akzente möglich sind. Dann sind eventuell heimliche Mitbewohner wie Hausstaubmilben im Spiel, seltener Schimmelpilze. Vielleicht ist aber auch das geliebte Haustier oder ein Bestandteil in einem Nahrungsmittel schuld.

Betroffene sollten sich bei verdächtigen Symptomen genauer untersuchen lassen. Gezielte Behandlung ist nicht nur wichtig, um die Beschwerden zu lindern, sondern auch, um Asthma und einer Ausweitung der Allergie auf andere Stoffe vorzubeugen. Das geht aber nur, wenn die Ursache klar ist. Und da gibt es bei chronischem Schnupfen viele Möglichkeiten, auch über eine Allergie hinaus.

Diagnose von Heuschnupfen und allergischem Schnupfen

Die Diagnose stellt im Allgemeinen der Facharzt (Allergologe). Sie beruht meist auf mehreren Schritten:

  • Genaue Dokumentation der Krankengeschichte mit Angaben der Beschwerden, früherer Erkrankungen und Krankheiten in der Familie (Anamnese)
  • Hauttests zum Nachweis des oder der auslösenden Allergens/e und der allergischen Reaktion mit Testextrakten (Fertigarzneimittel). Ergänzend, im Falle von Gegenanzeigen oder bei Säuglingen und Kleinkindern eventuell anstelle der Hauttests stehen auch Blutuntersuchungen zur Verfügung.
  • Messung des sogenannten spezifischen Immunglobulin E (IgE) im Blut
  • Gegebenenfalls ergänzende molekulare Allergiediagnostik (Komponentendiagnostik): Sie dient der Eingrenzung auslösender Allergenkomponenten bei vermeintlich mehrfach allergisch reagierenden Patienten. Dabei geht es um Allergene unterschiedlicher Herkunft, aber sehr ähnlicher Art.
  • Nasaler Provokationstest: Ein ganzjähriger allergischer Schnupfen erfordert mitunter noch einen speziellen Test, bei dem das Allergen etwa auf die Schleimhaut der Nase gebracht wird. Dieser sogenannte nasale Provokationstest hilft zu erkennen, ob der Schnupfen tatsächlich einer Allergie auf das getestete Allergen entspricht.

Das Kapitel "Heuschnupfen – allergischer Schnupfen: Diagnose" informiert Sie genauer darüber, wie der Arzt vorgeht.

Heuschnupfen – allergischer Schnupfen: Therapie

Das erste Gebot bei jeder Allergie, also auch einer Atemwegsallergie, besteht darin, die einmal festgestellten Allergene möglichst zu meiden. Da dies gerade bei Atemwegsallergien wie Heuschnupfen nur leidlich gut oder gar nicht gelingt, bedarf es noch weiterer Maßnahmen. Das ist in erster Linie die Immuntherapie, eine Art Allergieimpfung. Diese auch Hyposensibilisierung oder (allergen-)spezifische Immuntherapie (SIT) genannte Behandlung wirkt zum Beispiel bei Gräserpollenallergie sehr gut.

Sie erfolgt mit Spritzen unter die Haut (subkutan: SCIT) oder Präparaten zum Einnehmen: als flüssige Lösung zum Träufeln unter die Zunge oder teilweise besser noch als Tabletten, die sich unter der Zunge auflösen. Behandelt wird mit hochdosierten Extrakten der jeweils relevanten Allergene. Bei den Präparaten zum Einnehmen bleibt das Allergen kurz unter der Zunge (daher die Bezeichnung sublingual: SLIT) und wird dann geschluckt.

Die SIT muss regelmäßig angewendet werden und dauert im Regelfall drei Jahre. Sie kann auch bei Baumpollenallergie (als SCIT oder SLIT) und Beifußallergie (als SCIT mit sogenannter Individualrezeptur), bei Hausstaubmilbenallergie (als SCIT oder SLIT) und Schimmelpilzallergie (zum Beispiel als SCIT mit Allergenen von Alternaria und Cladosporium) sowie übrigens auch bei Insektengiftallergie (ausschließlich als SCIT mit Bienen- und Insektengift) helfen. Insektengiftallergien sind allerdings keine inhalationsallergischen Erkrankungen.

Sodann gibt es Medikamente zur Linderung der Beschwerden, vor allem Antihistaminika und Kortisonpräparate zur örtlichen und innerlichen Anwendung. Sie sollten frühzeitig eingenommen werden.

Mehr zur Behandlung im Kapitel "Heuschnupfen – allergischer Schnupfen: Therapie" in diesem Beitrag.

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Wichtig:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Die Beschwerden bei allergischem Schnupfen werden durch Partikel aus der Luft – bei Heuschnupfen sind das Pflanzenpollen – ausgelöst, die mit den Schleimhäuten der Augenbindehaut in Berührung kommen. Hier spielen auch Nervenreflexe von der entzündeten Nasenschleimhaut zur Augenbindehaut eine Rolle.

Experten unterscheiden bei allergischem Schnupfen zudem, ob die Beschwerden saisonal (vor allem durch Pollen- oder zum Beispiel saisonale Schimmelpilzsporenallergie) beziehungsweise ganzjährig (etwa durch Hausstaubmilben- oder Tierhaarallergie) auftreten.

Typische Symptome bei Heuschnupfen

Im Vordergrund stehen die Beschwerden an Nase und Augen. Sie können so unangenehm sein, dass sie auch den Schlaf stören. Verdächtig auf Heuschnupfen sind:

  • Naselaufen, behinderte Nasenatmung, Niesattacken (allergische Rhinitis)
  • Tränende und juckende Augen, geschwollene Lider
    (allergische Bindehautentzündung, auch Konjunktivitis)
  • Brennen oder Juckreiz am Gaumen und im Rachen, mitunter bis zu den Ohren ausstrahlend

Treten Husten, anfallsartige Atemnot, vor allem nachts, und pfeifende Atemgeräusche auf, kann es sich um Asthma (Bronchialasthma) handeln, das in diesem Fall mutmaßlich ebenfalls allergisch bedingt ist. Die genaue Diagnose stellt ein Lungenfacharzt.

Manche von allergischem Schnupfen Geplagten neigen zu chronischen Entzündungen der Nasennebenhöhlen. Mögliche, keineswegs spezifische Symptome sind ständiger Schleimfluss im Rachen, verschlechterte Nasenatmung, Kopfschmerzen, eingeschränktes Riechvermögen. Hier ist der Hals-Nasen-Ohrenarzt gefragt.

Auch Dauer und Stärke der Beschwerden sind wichtige Kriterien

Abhängig vom auslösenden Allergen teilen Ärzte den allergischen Schnupfen auch danach ein, wie lange die Beschwerden anhalten: weniger als vier Tage pro Woche oder weniger als vier Wochen pro Jahr = zwischenzeitlich oder intermittierend. Oder mehr als vier Tage pro Woche oder mehr als vier Wochen pro Jahr = anhaltend oder persistierend. Zur allgemeinen Unterscheidung "saisonal" oder "ganzjährig" siehe oben im ersten Abschnitt.

Schließlich geht es um die Einschätzung, ob die Beschwerden im Alltag mehr oder weniger belastend sind, den Nachtschlaf und die Lebensqualität empfindlich stören. Ist das zum Beispiel über mehr als zwei Jahre deutlich der Fall, dann trägt dies zur Indikationsstellung für die Hyposensibilisierung (Allergieimpfung, auch (allergen-)spezifische Immuntherapie oder SIT) bei (mehr dazu im Kapitel "Heuschnupfen – allergischer Schnupfen: Therapie").

Wenn bei Heuschnupfen auch die Haut juckt

Juckreiz ist unter anderem ein Leitsymptom der atopischen Dermatitis. Die entzündliche Hauterkrankung heißt auch Neurodermitis oder atopisches Ekzem. Dabei sind Schutz- und Regulierungsfunktionen in der Oberhaut gestört. Dermatologen sprechen von einer Barrierestörung der Haut.

Häufig ist das Immunsystem der Betroffenen sensibilisiert und bildet vermehrt Immunglobulin E- (IgE-) Antikörper gegen ein bestimmtes Allergen. Oder es kommt tatsächlich zum Vollbild einer IgE-vermittelte Allergie mit anschließender Atemwegserkrankung wie Heuschnupfen oder Asthma. Die IgE-Antikörper können umgekehrt eine atopische Dermatitis begünstigen oder verschlechtern.

Ärzte fassen den Heuschnupfen / allergischen Schnupfen, das allergische Asthma und die Neurodermitis als Erkrankungen des atopischen Formenkreises zusammen. Atopie bedeutet, dass das Immunsystem gegen harmlose Stoffe aus der natürlichen Umwelt überreagiert und vermehrt spezielle IgE-Antikörper bildet, die zum jeweiligen Allergen passen. Verschiedene Gene und äußere Faktoren wirken hier zusammen.

Allerdings entwickelt nicht jeder atopisch veranlagte Mensch Krankheitszeichen. Es kommt auch vor, dass jemand eine Neurodermitis hat, aber weder sensibilisiert (atopisch) noch allergisch ist. Auf eine Atopie hinweisen können manchmal eine verstärkte Hautfaltenbildung, sehr trockene Haut, vermehrter Juckreiz beim Schwitzen, Neigung zu Kontaktekzemen der Haut und eine Ausdünnung der seitlichen Augenbrauen.

Symptome bei atopischer Dermatitis

Betroffen sind in erster Linie Säuglinge und Kinder. Die ersten Symptome zeigen sich meist nach dem dritten Lebensmonat. Die erkrankten Säuglinge plagen stark juckende, entzündliche Rötungen. Die Haut wird aufgekratzt und infiziert sich leicht. So kommt es zu eitrigen Pusteln oder nässenden und gelblichen Krusten. Bei starker Ausprägung ist Fieber möglich. Der Ausschlag kann an Stirn, Wangen, Augenbrauen, hinter den Ohren, am Rücken, an den Armen und Beinen und der Kopfhaut auftreten. Der sogenannte Milchschorf ist insofern häufig eine Frühform der Neurodermitis.

Mit der Zeit ändert sich das Krankheitsmuster. Bei Kleinkindern und Jugendlichen sind meist die Hand- und Fußgelenke, der Nacken und die Gelenkbeugen betroffen. Die Haut ist sehr trocken und verdickt sich an den betroffenen Stellen. Das Hautrelief wird gröber. Manchmal bilden sich juckende Knötchen und Knoten (Prurigo). Der zeitweise auftretende Juckreiz kann sehr quälend sein und auch den Schlaf stören.

Viele Faktoren können Erkrankungsschübe auslösen, etwa Klimaveränderungen oder mechanische (Kleidung) und chemische Reizungen der Haut, sodann Hautkeime. Auch psychische Belastungen und Stress spielen mitunter eine Rolle.

Mit der Zeit schwächen sich die Hautveränderungen bei etwa der Hälfte der Betroffenen ab. Im Kindesalter haben ungefähr 15 Prozent, im Erwachsenenalter noch etwa drei Prozent Beschwerden. Mehr zu den Symptomen und zur Therapie im Ratgeber "Neurodermitis".

! Achtung: Ein Hautproblem im frühen Säuglingsalter, das oft mit Milchschorf verwechselt wird, ist der Kopfgneis, auch seborrhoisches Säuglingsekzem genannt. Die fettige, gelbliche Kruste kann sich schon kurz nach der Geburt bilden. Meist geht die harmlose Veränderung in den ersten drei Monaten wieder von selbst zurück, wenn die Talgdrüsen richtig arbeiten.

Bei allen Formen des allergischen Schnupfens – sei es Heuschnupfen oder Schnupfen aufgrund einer Allergie gegen Hausstaubmilben, Schimmelpilze oder Tierhaare – spielt Vererbung eine Rolle. Dasselbe gilt für die Neurodermitis. Dabei kommen letztlich komplizierte Wechselwirkungen zwischen Genen und Umwelt zum Tragen. Die Erkrankungen bilden den atopischen Formenkreis (siehe auch Kapitel "Heuschnupfen – allergischer Schnupfen: Symptome"). Doch wie kommt es überhaupt zu einer allergischen Reaktion?

Allergie: Immunsystem auf Abwegen

Unser Immunsystem ist normalerweise so gepolt, dass es Krankheitserreger oder unerwünschte Partikel im Körper erkennt und abwehrt, ansonsten aber tolerant ist. Mit vielen Schädlingen werden wir dadurch leichter fertig, oder wir erkranken erst gar nicht.

Bei einer Typ-1-Allergie passiert Folgendes: Bestimmte Zellen des Immunsystems (dendritische Zellen, Th2-Zellen, B-Zellen) sehen plötzlich in einem harmlosen Stoff wie Pflanzenpollen  einen Feind und bringen passende Antikörper (Immunglobuline E, IgE) gegen das "Antigen" in Stellung (Sensibilisierung, noch keine Symptome; siehe Schritte 1 und 2 links im nebenstehenden Bild; zur Vergrößerung bitte auf die Lupe klicken).

Die an Mastzellen gekoppelten IgE binden nun beim nächsten und jedem weiteren Kontakt mit dem Antigen (oder Allergen) im höchstmöglichen Maße diese Stoffe (Schritte 3 und 4, rechts im Bild). Dabei werden aus den Mastzellen und den anderen weißen Blutzellen in der Schleimhaut jede Menge entzündungsfördernde Substanzen freigesetzt, unter anderem Histamin. Die Folge ist eine allergische Typ-1- oder Sofortreaktion, die vor allem Nase und Augen zu schaffen macht (allergische Rhinokonjunktivitis).

Bei allergischem Asthma verlieren die Bronchien durch die chronische Entzündung der Schleimhaut auf Dauer an Elastizität. Ihre Wände verdicken sich (Remodelling), was das Atmen langfristig erschwert.

Die Allergie ist also gewissermaßen eine Eskalation der Sensibilisierung. Meist passiert der "Irrtum" des Immunsystems schon in der frühen Kindheit. Tatsächlich stellen Allergien bei Kindern eines der häufigsten Gesundheitsprobleme dar.

Allergien: In die Wiege gelegt?

Dass in manchen Familien einer an Neurodermitis, ein anderer an Asthma und wieder ein anderer an Heuschnupfen leidet, lässt erkennen, dass die IgE-vermittelten Allergien einiges mit Veranlagung zu tun haben müssen. So weiß man heute, dass das Erkrankungsrisiko der Kinder um ein Vielfaches steigt, wenn beide Eltern in der einen oder anderen Richtung mit einer atopischen Erkrankung belastet sind.

In Zahlen sieht das für die Nachkommen so aus:

•     Kein Familienmitglied allergisch: Allergierisiko 5 bis 15 Prozent
•     Ein Elternteil/Geschwisterkind allergisch: Allergierisiko 25 bis 30 Prozent (dabei spielt eine Allergie seitens der Mutter offenbar die größere Rolle)
•     Beide Eltern allergisch: Allergierisiko 40 bis 60 Prozent
•     Beide Eltern mit derselben Allergie: 60 bis 80 Prozent

Rauchende Eltern, allergische Kids

Kinder, die ständig Zigarettenrauch ausgesetzt sind, haben ein erhöhtes Allergierisiko. Bei Asthma führt an einer rauchfreien Umgebung kein Weg vorbei – für Kinder wie für Erwachsene.

Schwangere, die rauchen, geben ihrem Kind gleich mehrere Gesundheitsrisiken mit auf den Weg: niedrigeres Geburtsgewicht, erhöhtes Risiko für den plötzlichen Kindstod, für Entwicklungsstörungen, Fehlbildungen und Krankheiten wie Allergien und Lungenschäden. Rauchfreies Aufwachsen von Anfang an – also schon vor der Geburt – trägt dagegen dazu bei, das Kind vor Krankheiten zu schützen.

Reizstoffe irritieren empfindliche Nasen und Bronchien

Tabakrauch ebnet also Allergien den Weg. Umgekehrt haben Menschen mit allergischem Schnupfen oft überempfindliche Atemwege. Die Schleimhäute dort können auf vielfältige Reize, allen voran Zigarettenrauch, mit einer Entzündung reagieren. Auch gegenüber Stäuben, Duft- und Aromastoffen ist die Reizschwelle oft niedrig. 

Innenraumluftschadstoffe wie zum Beispiel Formaldehyd und Lösungsmitteldämpfe, die aus neuen Möbeln oder bei Streich- und Lackarbeiten frei werden können, stehen im Verdacht, das Risiko für atopische Erkrankungen und Asthma zu erhöhen. Auch längerfristige Exposition gegenüber Autoabgasen und lungengängigen Feinstaubpartikeln gilt als asthmaträchtig.

Bei manchen Betroffenen können sogar Temperatursprünge oder körperliche Anstrengungen allergieartige Beschwerden auslösen. Die Schwellungen in der Nase erschweren zudem die Selbstreinigung und Belüftung der Nebenhöhlen. Dies begünstigt Nasennebenhöhlenentzündungen. Im Laufe der Zeit können sich zudem die Nasenmuscheln im Inneren der Nase vergrößern (Hyperplasie) – auch dies ist oft eine Folge der allergischen Überreizung. Dadurch wird die Nasenatmung noch mehr behindert.

Weltweite Zunahme von Allergien – Pollenspektrum im Wandel

Allergien sind chronische Erkrankungen und nehmen rund um den Globus zu. So wird geschätzt, dass inzwischen 25 Prozent der Bevölkerung allergisch ist. Experten befürchten, dass sich gerade auch der Heuschnupfen weiter ausbreitet. Die Liste der Auslöser wird immer länger. Einer der Gründe dafür ist, dass das Pollenspektrum sich ständig verändert. So bringt zum Beispiel die in Deutschland erst seit Kürzerem heimisch gewordene Beifußambrosie (Ambrosia artemisiifolia, engl. ragweed, nicht zu verwechseln mit dem Gemeinen Beifuß) erhebliches Allergie-Potenzial mit sich. Veränderungen des Klimas können außerdem den Pollenflug verstärken oder verlängern. Auch die Verbindung von Schadstoffen und Pollen spielt eine Rolle, besonders in den Städten. Schadstoffbelastung beeinflusst möglicherweise den Stoffwechsel der Pflanzen. Mit den Pollen könnten sie dann auch vermehrt allergen wirkende Substanzen freisetzen.

Klassische, für Heuschnupfen verantwortliche Pflanzenpollen stammen von windbestäubten, früh blühenden Bäumen wie Hasel und Erle. Als nächstes folgen Pappel, Weide, Esche, Buche, Birke. Bis zu 70 Prozent der wichtigsten allergenen Pollen sind Birkenpollen. Von etwa April / Mai bis September sind einschließlich der Vor- und Nachblüte Gräser, vor allem Lieschgras und Spitzwegerich, potente Auslöser. Dazu zählt mit Blütezeit im August und September auch die zuvor genannte Beifußambrosie (artemisiifolia). Hauptblütezeit des ebenfalls pollenstarken Roggens ist meist der Juni. Im Herbst haben dann noch verschiedene blühende Kräuter beziehungsweise "Unkräuter" als reich mit Pollen(-Allergenen) gesegnete Pflanzen Saison oder Nachsaison.

Die Hygiene-Hypothese: Landluft senkt Allergierisiko

Bei der Diskussion über die Ursachen von Allergien geht es immer wieder auch um die sogenannte Hygiene-Hypothese. In Studien wurde festgestellt, dass Kinder, die auf dem Lande, insbesondere auf einem Bauernhof, aufwachsen, ein deutlich niedrigeres Asthmarisiko haben als Stadtkinder. Vermutlich trainiert die ländliche Umgebung mit ihrer größeren Artenvielfalt und Naturnähe das kindliche Immunsystem besser als ein "steriles" Stadtmilieu.

Dazu passt auch die Beobachtung, dass Kinder, die mit älteren Geschwistern groß werden oder in den ersten zwei Lebensjahren regelmäßig eine Kinderkrippe besuchen, seltener Allergien bekommen. Hatte eine werdende Mutter während einer Schwangerschaft auf dem Bauernhof Kontakt mit verschiedenen Tieren, sank das Risiko des Kindes für ein atopisches Ekzem.
Die Hygiene-Hypothese wird schon seit Längerem untersucht und in letzter Zeit vermehrt gestützt.

Vermeidbar: Risikofaktor Übergewicht

Normalgewicht trägt bei Kindern zur Vorbeugung von Allergien, insbesondere Asthma, bei. Es ist also wichtig, bei den Kleinen auf ein gesundes Körpergewicht zu achten.

Erhöhen traumatisierende Lebensereignisse das Allergierisiko?

Macht eine Schwangere ein psychisch stark belastendes Lebensereignis durch, so scheint dies das Risiko für eine spätere atopische Erkrankung beim Kind zu erhöhen. Auch ein schweres Kindheitstrauma kann bei betroffenen Kindern und Jugendlichen womöglich in dieser Richtung wirken. Eine gute psychologische Betreuung könnte dazu beitragen, gesundheitlichen und seelischen Entwicklungsstörungen vorzubeugen.

Auf Tuchfühlung mit der Allergie: Neurodermitis

Nahezu jedes dritte Schulkind hat allergische Symptome, etwa juckende, tränende oder rote Augen, Fließschnupfen, verstopfte Nase, Husten, asthmaartige Beschwerden. Wenn ein Kleinkind sich sodann mit Juckreiz, trockener Haut und einem schuppigen Ausschlag herumplagt, beispielsweise an den Oberarmbeugen und Kniekehlen, so ist das verdächtig auf eine Neurodermitis (auch atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis genannt; siehe Kapitel "Heuschnupfen – allergischer Schnupfen: Symptome").

Sollte keine Allergie erkennbar sein, so hat sich bei vielen Betroffenen doch zumindest eine Sensibilisierung gegen bestimmte Allergene entwickelt, etwa Pollen, Hausstaubmilben oder Kuhmilcheiweiß. Inzwischen ist das offenbar bei etwa 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen der Fall. Das bedeutet: Nicht selten markiert die Hauterkrankung tatsächlich den Beginn einer allergiebereiten Lebenslinie, einer Atopie.

Kreuzallergie: Ärger mit der Allergen-Verwandtschaft

Manche Kinder oder Erwachsene, die zum Beispiel eine Allergie auf Birkenpollen haben, sind gleich doppelt geplagt, denn sie reagieren auch allergisch auf bestimmte pflanzliche Nahrungsmittel – etwa Äpfel, Haselnuss, Birne, Pflaume, Karotte, Sellerie, Sojaeiweiß.

Die Ursache dieser Kreuzallergien liegt darin, dass wichtige Allergene der Baumpollen und bestimmter Obst- und Gemüsesorten sich sehr ähnlich sind. Dann zielt das Immunsystem mit seinen reaktionsbereiten Antikörpern auf beide Allergenarten und führt unter Umständen bei Kontakt mit beiden zu Beschwerden. Kreuzreaktionen nennen Ärzte das. Diese Reaktionen sind bei Jugendlichen und Erwachsenen die häufigste Ursache für Nahrungsmittelallergien überhaupt.

Die Kreuzreaktionen treten aber nicht immer gleichbleibend stark auf, manchmal auch nur vorübergehend. Die Bandbreite bis hin zum allergischen Schock ist groß, und es nehmen verschiedene Faktoren Einfluss. Beispielsweise schwankt der Allergengehalt des Nahrungsmittels. Er hängt unter anderem von der Sorte, Reife, geografischen Herkunft und Zubereitung ab. Manche Allergene werden beim Kochen zerstört, andere sind hitzestabil.

Auch der ständige Wandel sowohl des Pollenspektrums als auch im Angebot der Nahrungsmittel beeinflusst die Allergieraten. Schließlich ist das Immunsystem noch vielen anderen inneren und äußeren Einflüssen ausgesetzt. Um sicherzugehen, dass wirklich eine Kreuzallergie vorliegt, was womöglich zur Folge hätte, dass der Betroffene die kritischen Nahrungsmittel künftig meiden müsste, ist eine exakte Diagnostik notwendig. Dabei wertet der Arzt die sorgfältig dokumentierten Symptome des Patienten in Bezug zu speziellen Tests aus. Mehr dazu im nächsten Kapitel ("Heuschnupfen – allergischer Schnupfen: Diagnose").

Frühzeitig kundigen Rat suchen

Entwickelt ein bislang gesundes Kind Symptome wie Fließschnupfen, verstopfte Nase, Augenjucken, Niesreiz, Hüsteln, Magen-Darm-Beschwerden, Juckreiz, Konzentrations- und Schlafstörungen, so ist das von Anfang an ernst zu nehmen. Also unbedingt den Haus- oder Kinderarzt kontaktieren, auch wenn der letzte Untersuchungstermin, bei dem noch alles in Ordnung war, nicht lange her ist.

Für jeden hinzugezogenen Arzt – sei es ein allergologisch spezialisierter Kinderarzt, ein Kinderpneumologe oder auch Hals-Nasen-Ohren-Arzt –, der ein Kind erstmals untersucht, ist das offizielle "Gesundheitstagebuch", also das Gelbe Vorsorgeheft, eine wichtige Basisinformation. Es enthält normalerweise alle Ergebnisse der bisherigen Früherkennungsuntersuchungen des Kindes.

Die Familiengeschichte, die Beschreibung der Gegebenheiten am Wohnort, die Schilderung der Symptome und die symptombezogene körperliche Untersuchung des Arztes – das sind weitere Schritte, um den Allergieverdacht zu erhärten und den Kreis der in Frage kommenden Allergene einzugrenzen.

Erwachsene, die erstmals Symptome eines Heuschnupfens haben, lassen sich am besten zunächst von ihrem Hausarzt beraten. Er wird dann die notwendigen Maßnahmen treffen.

Den Schnupfen-Allergenen auf der Spur

Spezielle allergologische Haut-, Blut- und gegebenenfalls Provokationstests nehmen auf Hinweise aus den Voruntersuchungen Bezug. Bei Verdacht auf eine Allergie wie Heuschnupfen gehören allergologische Hauttests zu den Standardverfahren. Sie sind für Patienten jeden Alters geeignet, sofern der Arzt zuvor keine Gegenanzeigen festgestellt hat. Dazu gehören etwa eine bekannte Neigung zu starken allergischen Reaktionen (Anaphylaxie), schlecht kontrolliertes Asthma und eine Schwangerschaft. Bei Babys und Kleinkindern versucht man oft, möglichst ohne den Hauttest auszukommen, da er für sie unangenehm ist und verständlicherweise meist starken Protest bei ihnen hervorruft.

Drei Tage vor dem Hauttest sollten Sie nach Rücksprache mit Ihrem Hausarzt Medikamente, die allergische Reaktionen unterdrücken, zum Beispiel Antihistaminika oder Kortison, abgesetzt haben.

Die Tests bringen in der Regel kein Risiko mit sich. In sehr seltenen Fällen kann es zu einer allergischen Allgemeinreaktion (Anaphylaxie) kommen. Der Arzt ist jedoch mit Notfallmedikamenten dagegen gewappnet und hilft dem Patienten sofort.

Hauttests erhärten Allergieverdacht

Pricktest: Das ist der am häufigsten praktizierte allergologische Hauttest. Dabei werden standardisierte Lösungen mit Allergenen an gekennzeichneten Stellen, meist an der Vorderseite der Unterarme, auf die Haut getropft und dann mit einem Nadelstich vorsichtig oberflächlich in die Haut gebracht. Eine Sensibilisierung zeigt sich nach wenigen Minuten als Rötung und Quaddel, etwa wie nach Berührung von Brennesseln. Zur Vergleichskontrolle wird außerdem mit einer Kochsalzlösung (soll keine Reaktion ergeben: Negativ-Kontrolle) und mit Histamin (hier ist eine Reaktion in Form einer Quaddel zu erwarten: Positiv-Kontrolle) getestet. Das Ergebnis des Pricktests wird in Millimetern abgelesen: Ein mittlerer Durchmesser von größer/gleich drei Millimetern der entstandenen Hautquaddel oder eine Quaddeloberfläche von größer/gleich neun Quadratmillimetern gilt als positive Reaktion.

Intrakutantest: Bevorzugter Testort ist hier der Rücken. Der Arzt spritzt die sterile Testlösung in die Haut. Dabei entsteht normalerweise eine etwa drei Millimeter große Quaddel. Nimmt ihr Durchmesser auf größer/gleich fünf Millimeter zu, gilt das als positive Reaktion. Der Test wird nur sehr selten bei speziellen Fragestellungen, zum Beispiel Verdacht auf Medikamentenallergie, eingesetzt.

Weitere Hauttests sind der Scratchtest, der Reibtest und der Epikutantest, den der Arzt  sofort abliest. Bei Heuschnupfen werden sie allerdings selten angewandt.

Mehr Gewissheit durch Bluttests

Die Bestimmung allergenspezifischer IgE-Antikörper im Blut lässt erkennen, ob das Immunsystem gezielt sensibilisiert wurde, also maßgeschneiderte Antikörper gegen bestimmte Allergene gebildet hat. Ein negatives Ergebnis schließt eine IgE-vermittelte Allergie aus. Der Bluttest kommt auch infrage, wenn keine Hauttestung möglich ist, etwa bei starken Hautausschlägen. Bei Babies und Kleinkindern wird der Arzt prüfen, welche Testmethode vorzuziehen ist.

Eine ergänzende sogenannte molekulare Allergiediagnostik hilft manchmal, eine genauere Allergiediagnose zu stellen. Denn sie lässt die für die Sensibilisierung eines Patienten verantwortlichen spezifischen Allergene erkennen. Sinnvoll ist das bei mutmaßlich mehrfach allergisch reagierenden Pollenallergikern. Dabei wird das spezifische IgE im Hinblick auf bestimmte Haupt- und Nebenallergene (sogenannte Major- und Minorallergene) ausgetestet. So lassen sich zum Beispiel Mehrfachallergien beziehungsweise Kreuzallergien, etwa gegen Pollen und bestimmte Nahrungsmittelbestandteile, bestätigen oder ausschließen. Ausschließen oder (differenziert) bestätigen lässt sich so auch die Indikation für eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie, Allergieimpfung, SIT).

Provokationstests mit Allergenextrakten

In diagnostisch schwierigen Situationen sind manchmal sogenannte Provokationstests unter ärztlicher Kontrolle zielführend. So kann der Arzt zum Beispiel bei dringendem Verdacht auf einen allergischen Schnupfen, aber nicht eindeutigen Haut- und Bluttests, die mutmaßlichen Allergenextrakte auf die Nasenschleimhaut aufbringen. Infrage kommt dies etwa bei Patienten (Erwachsene) mit ganzjährigem Schnupfen, bei denen bislang keine sichere Zuordnung der Beschwerden zu bestimmten Allergenen möglich war. Bestimmte Provokationstests werden sicherheitshalber nur in der Klinik durchgeführt.

Allergieimpfung oder Hyposensibilisierung: Was ist das, wann ist sie möglich?

Bei Heuschnupfen und allergischem Schnupfen durch Hausstaubmilben, Schimmelpilzsporen und Tierhaare, insbesondere Katzenhaare, ist eine Hyposensibilisierung grundsätzlich machbar. Das Verfahren heißt auch Allergieimpfung oder (allergen-) spezifische Immuntherapie (SIT).

Sie ist die einzige derzeit verfügbare Behandlung, die gewissermaßen ursächlich, nämlich an der gestörten Toleranz des Immunsystems gegenüber einem Allergen, ansetzt. Das Immunsystem wird dabei im Allgemeinen mit einer langsam steigenden und später recht hohen Dosis der passenden Allergenzubereitung an den Allergieauslöser gewöhnt.

Gute Erfolgschancen

Bei 60 bis 70 Prozent der Betroffenen lassen sich zuverlässig anhaltende Erfolge erzielen. Dies gilt insbesondere für Erwachsene und Kinder mit Gräserpollenallergie.

Die Immuntherapie ist generell geeignet bei Heuschnupfen, auch mit Bindehautentzündung der Augen, sowie bei allergischem Asthma.

Bei allergischem Schnupfen infolge Hausstaubmilben- und Schimmelpilzallergie sind Strategien zur Allergenvermeidung besonders wichtig. Bei Tierhaarallergie haben sie sogar erst einmal Vorrang. Mehr dazu im Kapitel "Heuschnupfen – allergischer Schnupfen: Vorbeugung, Praktische Tipps". Fruchten sie nicht oder sind sie nicht möglich, wird der Arzt eine SIT planen. Bei Tierhaarallergie allerdings nur, wenn das betreffende Tier nicht zu Hause gehalten wird.

Häufig haben die Betroffenen auch hier während und nach der Behandlung weniger Beschwerden und benötigen weniger antiallergische Medikamente. Ähnlich verhält es sich bei Heuschnupfen aufgrund einer Birkenpollen- oder anderen Frühblüherallergie (zum Beispiel gegen Pollenallergene von Hasel, Erle, Buche oder Eiche).

Bei anderen Baumpollen (zum Beispiel Eschenpollen) und bei Kräuterpollenallergien (zum Beispiel Beifußpollen) gibt es bislang noch keine ausreichenden Studienbelege für die Wirksamkeit der SIT. Im deutschsprachigen Raum werden entsprechende Präparate allerdings trotzdem als sogenannte Individualrezepturen eingesetzt, um betroffenen Allergikern zu helfen.

Gegenanzeigen

Nicht geeignet ist die SIT außer bei ausgeprägtem Asthma beispielsweise für Patienten, die bestimmte Medikamente, etwa Betablocker, einnehmen. Denn bei einer möglichen stärkeren allergischen Reaktion des Körpers könnte das wichtige Notfallmedikament Adrenalin hier nicht richtig wirken.

Auch wer an einer Autoimmunerkrankung oder einer Immunschwäche leidet, kommt für die Therapie meist nicht in Betracht. Bei schwangeren Frauen sollte keine SIT begonnen werden. Gegen die Fortsetzung einer bei ihnen problemlos laufenden SIT spricht aber nichts. Sicherheitshalber sollte die Dosis während der Schwangerschaft nicht erhöht werden.

Die SIT gilt als sichere Therapie, bei der aber dennoch Nebenwirkungen, zum Beispiel örtliche Reizungen, Schwellungen und andere allergische Beschwerden, auftreten können. In erster Linie bei der SIT mittels Spritzen unter die Haut (SCIT, siehe unten) wurden vereinzelt auch schwerwiegende allergische Reaktionen beobachtet. Allerdings kann der Arzt hier die Wirkung auch besser kontrollieren, da er die Therapie selbst durchführt.

Start in der pollenfreien Zeit

Pollenallergiker beginnen die SIT normalerweise in der pollenfreien Zeit im Herbst. Sie erhalten die Injektionen mit bis zu maximal drei Allergenextrakten etwa in wöchentlichem Rhythmus. Dabei wird die Dosis langsam gesteigert, bis die höchste verträgliche Dosis, erreicht ist. Diese spritzt der Arzt dann etwa monatlich (Erhaltungsdosis). Die Einleitungsphase kann sich über mehrere Monate hinziehen. Im Einzelnen hängt das von der Situation des Patienten und dem verwendeten Präparat ab.

In der Zeit des Pollenfluges sollte die Dosis nicht gesteigert, nötigenfalls reduziert oder ausgesetzt werden. Die Behandlung dauert üblicherweise mindestens drei Jahre. Wenn der Betroffene keine Beschwerden mehr hat oder diese auf dem erreichten niedrigeren Level bleiben, sollte die Therapie noch ein Jahr weiterlaufen. Tritt die Allergie wieder auf, kann die Behandlung gegebenenfalls wiederholt werden. Kinder können ab dem vollendeten fünften Lebensjahr hyposensibilisiert werden.

Kurzzeittherapie

Bei Pollenallergie gibt es auch die Möglichkeit einer Kurzzeittherapie über wenige Wochen oder sogar nur für eine Woche vor dem Pollenflug. Hier erfolgt der Dosisaufbau sehr schnell (sogenannte Rush- oder Ultra-Rush- beziehungsweise Cluster-Therapie an einem einzigen Tag unter stationärer Beobachtung; letztere Variante wird vor allem bei Insektengiftallergie durchgeführt).

Die Therapie sollte in den beiden folgenden Jahren jeweils vor der Pollensaison wiederholt werden, um das Ergebnis zu stabilisieren. Die Kurzzeitform der SIT ist allerdings noch nicht ausreichend in ihrer Langzeitwirkung überprüft.

Hyposensibilisierung (SIT): Es gibt zwei Formen

Pollenallergiker haben die Wahl zwischen zwei Formen der SIT: Injektion des verdünnten oder chemisch leicht veränderten beziehungsweise gentechnisch hergestellten Allergens unter die Haut, also subkutan (SCIT), oder Einnahme als flüssige Lösung beziehungsweise als Tablette, die sich unter der Zunge auflöst (sublingual, SLIT). Die einzunehmenden Arzneimittel mit den enthaltenen Allergenen bleiben kurz unter der Zunge und werden dann geschluckt.

  • Subkutane Immuntherapie (SCIT)

Hier gibt es sowohl Präparate zum ganzjährigen Einsatz als auch zur Anwendung vor der Allergiesaison. Vereinzelt sind tödliche Zwischenfälle unter der subkutanen Therapie bekannt geworden. Alles in allem gilt die SCIT dennoch als risikoarm. Sicherheitshalber muss der Arzt in seiner Praxis ausreichend auf mögliche Notfälle vorbereitet sein. Vor jeder Injektion muss er den Patienten genau nach der Verträglichkeit der letzten Spritze, nach dem Befinden und nach neu eingenommenen Medikamenten befragen. Der Patient wird bis zu dreißig Minuten nach der Injektion, die der Arzt selbst durchführt, in der Praxis beobachtet. Anstrengungen vor und nach der SCIT sind unbedingt zu vermeiden, weil allein schon körperliche Belastung allergische Reaktionen auslösen kann. Bei der SCIT können bis zu drei Hauptallergen-Extrakte gleichzeitig eingesetzt werden.

  • Sublinguale Immuntherapie (SLIT)

SLIT ist bei Gräser-, Birkenpollen- und Hausstaubmilbenallergie möglich. Das Präparat (flüssige Lösung) wird unter die Zunge getropft oder gelegt (als Tablette; sie löst sich schnell unter der Zunge auf). Wer das Mittel gut verträgt, nimmt es einmal täglich über drei Jahre ein. Kinder mit einer Gräserpollenallergie können ab dem Alter von fünf Jahren behandelt werden. Bei ihnen können während und bis zu zwei Jahren nach Behandlung mit einer "Gräsertablette" leichte Asthmasymptome und der Einsatz von Asthmamedikamenten abnehmen. Für Hausstaubmilbenallergiker ist inzwischen auch eine Tablette zur SLIT zugelassen. Sie wurde bei Erwachsenen mit milbenallergischem Schnupfen und Asthma geprüft. Langzeitergebnisse liegen noch nicht vor, sind aber ebenfalls geplant.

Bei schwerem Asthma kommt die SLIT nicht in Betracht. Das gilt im Übrigen generell für die SIT (siehe weiter oben).

Die SLIT kann ebenfalls ganzjährig oder vor, manchmal auch während der Allergiesaison stattfinden. Besonders in den ersten Behandlungstagen treten häufig Nebenwirkungen wie Jucken, Brennen oder Schwellungen an den Lippen, im Mund und Rachen auf. Patienten mit Asthma können Atemnotanfälle erleiden.

Das Risiko für Nebenwirkungen ist erhöht, wenn die Schleimhaut kleine Risse oder Wunden aufweist, etwa nach einer Zahnbehandlung oder nach dem Zähneputzen, weil die Allergene dann leichter mit den Immunzellen in Kontakt kommen. Das Präparat nicht direkt nach der Zahnpflege anwenden und Wunden im Mund zunächst abheilen lassen.

Allergischer Schnupfen bei Medikamenten- und Nahrungsmittelallergien

Sowohl eine Medikamenten- als auch eine Nahrungsmittelallergie kann
unter anderem IgE- vermittelt sein und einen allergischen Schnupfen auslösen. Es hilft hier eigentlich hauptsächlich, den Auslöser so konsequent wie möglich zu meiden. Die Suche nach einem für die Allergie verantwortlichen Nahrungsmittel beziehungsweise dem allergenen Bestandteil in der Nahrung gestaltet sich allerdings oft sehr langwierig und schwierig. Sie wird in der Regel in spezialisierten Zentren durchgeführt.

Bei starker Ausprägung sollten Betroffene unbedingt Medikamente für den Notfall mit sich führen. Und auch den Allergiepass. Darin sollten Angaben über die vorhandene(n) Allergie(n) und die verordneten Medikamente zu finden sein.

Eventuell kann eine sogenannte Toleranzinduktion mit langsam ansteigenden Verzehrsmengen des allergieauslösenden Nahrungsmittels, etwa Milch oder Erdnüsse, versucht werden. Dies entspricht jedoch nicht einer Hyposensibilisierung mit dauerhaften Effekten. Der Allergologe entscheidet, ob dies im Einzelfall, etwa bei hochgradiger Allergie, ein möglicher Weg ist.

Zu Medikamenten wie Cromone bei Nahrungsmittelallergien siehe Abschnitt "Heuschnupfenmittel im Überblick" weiter unten.

Eine mutmaßliche Medikamentenallergie muss sorgfältig abgeklärt werden. Neben den üblichen allergischen Untersuchungen wie Haut- und Bluttests ist gegebenenfalls ein Provokationstest in der Klinik notwendig. Bei nachweislich allergischer Reaktion gegen ein Medikament wird der behandelnde Arzt prüfen, wie er die Therapie künftig gestaltet. Im Einzelfall reichen die Optionen von Absetzen und striktem Meiden des Arzneistoffes bis zu einer Dosisbegrenzung. Eine Medikamentenallergie oder -unverträglichkeit soll im Allergiepass des Patienten vermerkt sein.

Allergie-Symptome lindern

Ob akut oder chronisch: Allergische Beschwerden wie verstopfte Nase, Fließschnupfen oder Augenjucken und -brennen sind ausgesprochen unangenehm. Immerhin lassen sie sich mit bestimmten Medikamenten lindern. Während und nach einer erfolgreichen SIT benötigen die Betroffenen meist deutlich weniger davon, da die Symptome nachlassen. Eine weitere gute Nachricht ist, dass die Entwicklung beim Heuschnupfen keineswegs immer unveränderlich oder ungünstig sein muss, sondern dass sich diese Allergie mit zunehmendem Alter auch bessern kann. Manchmal tritt sie allerdings auch erstmals im Erwachsenenalter auf.

Heuschnupfenmittel im Überblick

  • Antihistaminika: Die typisch allergischen Beschwerden wie verstopfte Nase, Fließschnupfen oder Augenjucken und -brennen sprechen kurzfristig meist recht gut auf H1-Antihistaminika an (zu Histamin siehe Kapitel "Heuschnupfen – allergischer Schnupfen: Ursachen, Risikofaktoren"). Infrage kommen unter anderem Arzneistoffe wie Azelastin und Levocabastin zur örtlichen Behandlung als Nasenspray und Augentropfen sowie Cetirizin und Loratadin zum Einnehmen. Sie sind allesamt nicht verschreibungspflichtig. Die Augentropfen sollten möglichst frei von Konservierungsstoffen sein, da diese selbst Allergien auslösen können; praktisch sind hier auch Einzeldosis-Zubereitungen. Müdigkeit als Nebenwirkung wird bei diesen neueren Antihistaminika eher selten beobachtet. Eventuell sollte man überprüfen, wie der Körper auf das Antihistaminikum reagiert. Das gilt besonders für aktive Verkehrsteilnehmer. Meist ist die Einnahme abends am günstigsten.
  • Kortison: Bei ausgeprägten Beschwerden helfen kurzzeitig Kortisonpräparate, zum Beispiel Beclomethason oder Fluticason, ebenfalls als Nasenspray zur örtlichen Anwendung. Wer erfahrungsgemäß besonders stark geplagt sein wird, sollte schon einige Tage vor dem Pollenflug zum Kortisonspray greifen, da es erst nach einem Tag zu wirken beginnt. Nasenspray mit Kortisonverbindungen wie Beclometason, Mometason und Fluticason ist (in niedrigerer Dosierung und mit bestimmten Einschränkungen) ebenfalls nicht verschreibungspflichtig. Daneben gibt es ein verschreibungspflichtiges Nasenspray, das ein Antihistaminikum und ein Kortison enthält.

    Zu den häufigsten Nebenwirkungen bei der Anwendung der genannten Nasensprays gehören Kopfschmerzen, trockene Nasenschleimhäute (Letzteres weniger bei Kortison-Nasensprays) und Nasenbluten. Im Einzelfall, und dies gilt für jedes Medikament, bitte unbedingt den Arzt oder Apotheker zur richtigen Anwendung und auch möglichen Nebenwirkungen befragen.
  • Leukotrien-Rezeptor-Antagonist Montelukast: Leukotriene gehören zu den Entzündungsstoffen, die an allergischem Asthma und Heuschnupfen mitwirken. In Verbindung mit Asthma wird der Arzt eventuell eine Basistherapie mit einem sogenannten Leukotrien-Antagonisten vorschlagen. Das Medikament (Filmabletten oder Kautabletten zum Einnehmen) ergänzt die Behandlung mit Kortisonsprays zum Inhalieren.
  • Cromone wie Cromoglicinsäure und Nedocromil: Sie stabilisieren die Mastzellen im Vorfeld der allergischen Reaktion und bremsen die Ausschüttung von Histamin und anderen Entzündungsstoffen. Auch Cromone können gegen saisonalen und ganzjährigen Schnupfen helfen. Sie gelten aber als vergleichsweise schwächer wirksam. Zur Behandlung eines akuten Asthmaanfalls sind sie nicht geeignet. Auch müssen sie mindestens eine Woche vor dem zu erwartenden Pollenflug angewandt werden. Cromone stehen in vielen Zubereitungen zur Verfügung: als Lösung, Pulverkapseln oder Dosieraerosol zur vorbeugenden Inhalationsbehandlung bei allergischem Asthma, als Nasenspray und Augentropfen zur Abschirmung von Nase und Augen, oder auch als Kapseln zum Einnehmen, beispielsweise gegen allergische Beschwerden bei Nahrungsmittelallergien.

  • Akupunktur: Erste kontrollierte Studienergebnisse zeigen eine geringfügige Wirksamkeit der Akupunktur bei Heuschnupfen. Sprechen Sie am besten mit Ihrem Allergologen darüber, ob diese Therapie eventuell unterstützend infrage kommt, und fragen Sie wegen einer Kostenübernahme bei Ihrer Krankenkasse nach. Die meisten Kassen bezahlen die Therapie derzeit nicht.

Schwangerschaft: Was bei verstopfter Nase und Heuschnupfen hilft

Ein Drittel aller Schwangeren wird gegen Ende der Schwangerschaft von einer behinderten Nasenatmung geplagt. Oftmals ist das tatsächlich schwangerschaftsbedingt (sogenannte Schwangerschafts-Rhinitis) und nach der Entbindung schlagartig wieder weg. Natürlich kann auch mal eine Erkältung dahinterstecken oder ein allergischer Schnupfen.

Bei Heuschnupfen kommen, außer einem Aufenthalt in pollenarmer Seeluft, Cromone als Nasenspray und Augentropfen infrage. Auch Budenosid-Nasenspray (verschreibungspflichtig) ist vertretbar, zur innerlichen Anwendung außerdem eventuell H1-Antihistaminika wie Cetirizin und Loratadin (siehe oben). Lassen Sie sich unbedingt von Ihrem Frauenarzt beraten.

Gegen die sogenannte Schwangerschafts-Rhinitis können Nasentropfen und -spülungen mit physiologischer Kochsalz- oder Meersalzlösung helfen. Empfohlen wird auch die Pflege der Nasenschleimhaut mit einer geeigneten Salbe.

Allergene möglichst meiden

Schön und gut, es ist das Therapieprinzip Nr. 1. Aber lässt es sich wirklich immer in die Tat umsetzen? Nicht jede/r Betroffene kann den Pollen oder anderen Allergenen ohne weiteres entfliehen, als von Heuschnupfen Geplagter also beispielsweise einfach mal sechs Wochen frische Meeresluft atmen. Oder sich für eine Weile in die Bergwelt zurückziehen, wo ab etwa 1200 bis 1500 Höhenmetern die pollenarme Zone beginnt.

Wie schwer es ist, den manchmal tausende Kilometer weit fliegenden Pollen aus den Weg zu gehen, wird auch deutlich, wenn man bedenkt, dass ein Dutzend von ihnen pro Kubikmeter Luft genügt, um einen allergischen Anfall auszulösen, ein Baum in seiner vollen Blüte aber millionenfach Pollen freisetzt!

Alles in allem gibt es aber durchaus Möglichkeiten, die Belastung mit Allergenen niedrig zu halten, wie sich auch das Allergierisiko senken lässt – teilweise jedenfalls.

Hilfreiche Strategien gegen Pollen

Pollenallergiker können zum einen den Pollenflugalarm nutzen. Klar ist, dass jemand, der auf Wiesengräser allergisch reagiert, in der entsprechenden Pollenflugzeit besser auf Distanz zur Natur geht. Nachts sollten die Fenster geschlossen bleiben. Nur stoßweise lüften, bei Schauern besser danach, da die Luft dann "reiner" ist. In der Stadt erreicht die Pollenkonzentration normalerweise abends ihren Höhepunkt. Für die Fenster gibt es Schutzgitter, fürs Auto Filter, für Radfahrer zumindest eine Sportbrille.

Zum anderen empfiehlt es sich, abends vor dem Zubettgehen die Pollen aus Haaren und Kleidern zu waschen, jedenfalls die getragenen Kleider nicht ungereinigt im Schlafzimmer herumliegen zu lassen.

Milben eindämmen

Hausstaubmilben
Die winzigen Spinnentierchen leben von Hautschuppen und besiedeln daher Wohntextilien aller Art, die Mensch und Tier nahe sind. Sie mögen es gerne gemütlich, feucht, aber nicht kühl. Ideale Bedingungen treffen sie in Betten an, nehmen aber auch mit häufig benutzten Polstermöbeln und Gardinen vorlieb. Selbst Stofftapeten sind vor ihnen nicht sicher. Ihre Ausscheidungen oder Reste davon, die eigentlichen Allergieauslöser, bleiben in der Matratze und im Oberbett hängen und heften sich auch an den Staub.

Was allerdings am Staub im Einzelfall genau die Beschwerden auslöst – ob Pollen, Pilzsporen (siehe unten), Tierschuppen oder -haarpartikel, Federreste oder eben Bestandteile aus getrocknetem Milbenkot – das können nur eine gezielte allergologische Diagnostik und Nachweisverfahren aufdecken.

Saubere Haushaltung ist die Grundvoraussetzung, um die Belastung mit Milben zu senken. Dazu gehören ein staubarmes Ambiente, regelmäßig feucht gereinigte Böden und Oberflächen, wiederholtes Lüften und häufiges Reinigen von Wäsche und Kleidern. Wo Schimmel und Stockflecken lauern, gedeihen auch Milben. Sonneneinstrahlung vertreibt Milben oder tötet sie ab.

Zur Senkung der Allergenbelastung bei nachgewiesener Hausstaubmilbenallergie bieten sich folgende Maßnahmen an:

  • Oberbetten – Kissen und Decken – täglich lüften und regelmäßig etwa alle vier Wochen waschen, falls das Material sich gut dazu eignet. Ansonsten häufig reinigen. Matratzen regelmäßig wenden. Als Sofortschutz gibt es spezielle Schutzbezüge, Encasings, für Matratzen und Oberbett (siehe unten). Die Bettbezüge müssen natürlich trotzdem regelmäßig bei 60° C gewaschen werden.
  • Auch befallene Textilien können durch einstündiges Waschen bei über 60° C saniert werden, Stofftiere durch mindestens 24-stündige Behandlung in der Tiefkühltruhe bei -18° C. Anschließend komplett durchtrocknen lassen. Bei unsicherem Ergebnis lieber entsorgen und ein kochfestes Exemplar anschaffen, das regelmäßig gewaschen werden kann (über eine Stunde bei 60° C).
  • Für milbenträchtige Teppiche und Polstermöbel gibt es zwar akarizide Mittel. Besser wäre es allerdings, sich ganz von diesen Gegenständen zu trennen beziehungsweise von vornherein auf Staubfänger wie Vorhänge, Teppichböden, viel Stoff, auch Stofftapeten und Plüsch zu verzichten. Das gilt ganz besonders fürs Schlafzimmer. Das Bett sollte mit milbendichten Überzügen (Encasings, siehe oben) ausgestattet werden, deren Kosten die Krankenkassen übernehmen. Auch in Hunde- und Katzenkörbchen nisten Milben übrigens gerne.
  • Raumluftbefeuchter sind entbehrlich. Staubsaugen und Wechseln der Staubbeutel lieber Mitmenschen überlassen, die nicht allergisch sind. Es empfiehlt sich ein Gerät, das über ein Feinfiltersystem verfügt (Allergiker-Siegel). Ein wenig feuchtes (relative Luftfeuchtigkeit unter 50 Prozent), wohltemperiertes Wohnklima trägt am ehesten dazu bei, die ungebetenen Gäste fernzuhalten.

Vorratsmilben
Auf Nahrungsvorräten im Hause oder in der Landwirtschaft – Silo-Futter, Heu, Stroh, Getreide – gedeihen bei Lagerungsbedingungen, die dies fördern (weder kühl noch trocken) Vorratsmilben bestens. Untersucher fanden beispielsweise in einem Kilogramm Heu, das ein Jahr lang milbenfreundlich gelagert worden war, Abertausende dieser bis zu einen halben Millimeter großen Exemplare. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass Landwirte bei der Fütterung von Stalltieren diesen Allergieauslösern in hohem Maße über die Atemluft ausgesetzt und sensibilisiert, teilweise bereits auch dagegen allergisch sind (Typ-1-Allergie, allergische Rhinokonjunktivitis): Anzeichen dafür sind wiederum Niesattacken, Fließschnupfen, tränende Augen.

In den häuslichen Bereich, etwa der Speisekammer, können Vorratsmilben über Getreideprodukte, zum Beispiel Mehl oder pulverisierte Fertignahrung, gelangen. Sie leben auch von Schimmelpilzen und anderen Milben. Über den Verdauungstrakt aufgenommen, wirken Bestandteile von ihnen gegebenenfalls als Nahrungsmittelallergene und könnten dann allergische Magen-Darm-Beschwerden oder Hauterscheinungen (Nesselsucht, sogenannte Urticaria) auslösen. Im Rahmen von Blut-, Haut-, gegebenenfalls auch Provokationstests lässt sich bei entsprechendem Verdacht überprüfen, ob eine Sensibilisierung gegen Milbenallergene vorliegt.

Kreuzallergien (siehe auch Kapitel "Heuschnupfen – allergischer Schnupfen: Ursachen, Risikofaktoren") zwischen Hausstaub- und Vorratsmilben sind möglich, kommen aber eher selten vor. Die einzige Möglichkeit, Vorratsmilben in die Schranken zu weisen, sind optimale, hygienisch einwandfreie Lagerungsbedingungen an möglichst kühlem, trockenem Ort (relative Luftfeuchtigkeit höchstens 40 Prozent) und in dicht verschlossenen Behältnissen. Dies gilt natürlich auch für den häuslichen Bereich.

Schimmelpilze trockenlegen

Schimmelpilze sind Kleinstlebewesen, die eine eigene Gattung bilden. Sie zeichnen sich durch enormen Artenreichtum aus. Zur Fortpflanzung dienen ihnen ihre Sporen, die ähnlich wie Pollen vom Winde verweht werden. Nach Aufnahme über die Atemwege können sie Allergien auslösen. Das trifft besonders auf einen engeren Kreis von etwa 20 Pilzarten zu, darunter Sorten wie Alternaria, Aspergillus, Cladosporium, Penicillium und andere.

Insgesamt sind diese Allergien jedoch deutlich seltener als die durch Hausstaubmilben ausgelösten. Schimmelpilze lieben ein feuchtes, kühles, wenig belüftetes Milieu, also Keller, Nischen, feuchte Badezimmerwände oder geschlossene Sommerhäuser. Auch darin lagernde Matratzen, Polstermöbel oder Teppichböden bleiben oft nicht verschont. Ideale Nährböden für Schimmelpilze sind außerdem Holzverschalungen, Gummidichtungen, Raumluftbefeuchter, Pflanzenerde, Kühlschränke, Nahrungsmittel.

Allergenarmes Raumklima: So gehts

Ob bereits allergisch oder nicht: Feuchtigkeit und damit einen eventuellen Schimmelpilzbefall sollte man nach Möglichkeit stets vermeiden. Die relative Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen sollte auf Dauer 65 bis 70 Prozent nicht überschreiten. Schimmelpilze sollten Sie möglichst beseitigen. Um zu ermitteln, ob überhaupt ein Befall vorliegt und um welche Pilzart es sich handelt, gibt es spezielle Testverfahren. Erwägt man eine Wohnraumsanierung, sollte man sich fachkundig beraten lassen, denn das Ganze kann schnell aufwendig und teuer werden.

Schon einfache Maßnahmen können helfen, Schimmelpilzen den Boden zu entziehen. Um das Risiko von Schimmelpilzbefall und entsprechenden Allergien zu senken, gelten teilweise ähnliche Empfehlungen wie zur Vorbeugung von Hausstaubmilbenallergien:

  • Frisches, staubfreies, nicht zu feuchtes Wohnklima; mehrmals täglich kurzes Stoß-Lüften (fünf bis zehn Minuten ein oder mehrere Fenster vollständig öffnen)
  • Wählen Sie leicht zu pflegende Möbel (Holz, Leder, Metall, Glas) in überschaubarer Zahl und stellen Sie das Mobiliar mit Abstand zu den Wänden auf
  • Wischbare Böden sind ideal, einzelne Teppiche möglich, da sie im Allgemeinen gut zu reinigen und zu lüften sind
  • Auf Raum-Textilien möglichst verzichten
  • Lebensmittel immer hygienisch und möglichst kurz aufbewahren, angeschimmelte Ware wegwerfen
  • Kühl- und Tiefkühlschränke regelmäßig reinigen
  • Besonders auch in Feuchtbereichen wie Küche und im Badezimmer für möglichst gute Belüftung sorgen
  • Halten Sie insbesondere Ihr Schlafzimmer frei von Zimmerpflanzen oder lassen Sie sich beraten, welche unproblematisch sind
  • Auch wenn Ihr Herz daran hängt und die Bewegung Ihnen gut tut: Seien Sie bei Gartenarbeiten vorsichtig, wenn Sie mit Erdreich, feuchtem, modrigem Laub und Kompost in Kontakt kommen; alles dies sind wahre Schimmelpilz-Biotope
  • Als Betroffene/r möglichst nicht selbst staubsaugen; das Gerät sollte ein geeignetes Feinfiltersystem haben (siehe oben: Abschnitt "Milben eindämmen")

Pro & Contra: Haarige Tierfreunde

Tierhaarallergien werden vor allem durch Bestandteile in Hautschuppen, im Speichel oder in Ausscheidungen ausgelöst – feinste Teilchen, die sich an Federn oder Fellhaare heften, wenn das Tier sich leckt, und die mit dem Staub in die Luft gelangen. Die Stärke der Allergie prägt immer das Ausmaß der Symptome. So können Kinder, die eine milde Pferdehaarallergie haben, eventuell trotzdem reiten, sollten aber danach die Kleidung wechseln. Andere dagegen bekommen schon im Umkreis von Stallgeruch Beschwerden. Manche Betroffene mit einer Tierhaarallergie reagieren sogar auf Felljacken oder -teppiche allergisch.

Wenn keine Allergieneigung in der Familie bekannt ist, ist auch keine Tierabstinenz nötig. Ist ein Kind familiär vorbelastet, so wird zur Vorbeugung einer Allergie insbesondere der Verzicht auf felltragende Tiere wie Katzen und Nagetiere empfohlen. Lebt bereits eine Katze im Haushalt, wird es eine Einzelfallentscheidung sein, ob man sich lieber von dem Tier trennen soll. Hundehaltung kann nach neueren Ergebnissen das Risiko für Asthma und ein atopisches Ekzem senken – wahrscheinlich durch die Belastung des Tieres mit Umweltkeimen. Besteht allerdings bereits eine nachgewiesene Allergie gegen den Hund, ist es besser, eine andere Heimstatt für ihn zu finden.

Wer jedoch eine ausgeprägte Tierhaarallergie hat, sollte sich auf keinen Fall ein Tier anschaffen. Denn auch ein als allergenarm deklarierter Vierbeiner produziert Allergene, de facto genauso viele. Nur finden sich bei wenig haarenden Hundearten wie etwa Pudeln, die teilweise als "allergikerfreundlich" bezeichnet werden, in der Umgebung weniger auslösende Partikel. Früher oder später können sie trotzdem Beschwerden auslösen. Lassen Sie sich bei Bedarf von einem allergologisch erfahrenen Arzt beraten.

Allergievorbeugung in der Schwangerschaft und Stillzeit

Möglicherweise haben Kinder, die per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, ein erhöhtes Allergierisiko. Sofern eine schwangere Frau die Wahl hat, wie sie entbinden möchte, sollte sie sich darüber mit ihrem Frauenarzt beraten. Ist ein Kaiserschnitt medizinisch notwendig, so gibt es daran nichts zu rütteln.

Ernährung

Diätempfehlungen zur Allergievorbeugung gibt es nicht. Vielmehr wird zu einer ausgewogenen und den Nährstoffbedarf deckenden Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit geraten. Bestimmte allergiefördernde Nahrungsmittel bewusst zu meiden, hat keine Vorteile. Fisch in der Ernährung schwangerer und stillender Frauen trägt zum Schutz des Kindes vor späteren atopischen Erkrankungen bei.

Ideal fürs Baby: Muttermilch

Muttermilch in den ersten vier Lebensmonaten ist uneingeschränkt empfehlenswert. Sie liefert dem Baby alles, was es dieser Zeit braucht, ist gut bekömmlich und schützt es am ehesten vor späteren Allergien. Normale Vollmilch eignet sich wegen ihrer Zusammensetzung nicht für Säuglinge. Ab dem fünften Lebensmonat darf ein Baby Beikost erhalten. Nach und nach kann ein Kind, wenn sonst nichts dagegen spricht, auf gesunde "Erwachsenenkost" einschließlich Fischmahlzeiten (schon in der Beikost!), die möglicherweise Allergien vermeiden helfen, eingestellt werden. Kann oder möchte eine Mutter nicht stillen, sollte sie ihrem Kind bei Allergiegefahr, etwa familiärer Belastung mit Allergien, bis zum vierten vollendeten Monat allergenreduzierte (hypoallergene = HA-) Säuglingsmilch geben. Der Kinderarzt wird die Mutter genauer beraten.

Übrigens: Auch Übergewicht, besonders im Kindesalter, fördert das Allergie- und Asthma-Risiko. Gut, wenn Ihr Kind sich gesund ernährt und sich regelmäßig körperlich bewegt.

Empfohlenen Impfschutz nicht vernachlässigen

Auf das Impfen Ihres Kindes, auch wenn es allergiegefährdet ist, sollten Sie wirklich nicht verzichten. Im Gegenteil: Impfen im empfohlenen Rahmen (richtungweisend sind hier im Allgemeinen die Empfehlungen der ständigen Impfkommission am Robert Koch Institut (STIKO)) könnte auch dazu beitragen, das kindliche Immunsystem allgemein zu aktivieren.

Ist eine Allergie auf Hühnerweiß bekannt, so können allergenfreie Impfstoffe herangezogen werden. Lassen Sie sich am besten von Ihrem Kinderarzt beraten, wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie Ihr Kind impfen lassen sollen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Professor Dr. med. Jörg Kleine-Tebbe, Allergologe und Dermatologe, praktiziert mit Dr. Gerald Hanf und Dr. Juliane Ackermann im Allergie- und Asthma-Zentrum Westend (AAZW, www.allergie-experten.de) in Berlin, Gemeinschaftspraxis für Allergologie, Dermatologie, Innere Medizin und Umweltmedizin. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören Basis, Diagnostik und Therapie von Soforttyp-Allergien und IgE-assoziierten Erkrankungen.

Weitere Tätigkeitsfelder sind: Dozententätigkeit an der Charité-Hautklinik, Vorträge und Beratungen zu allergologischen Fragen, Kongressaktivitäten als aktives Mitglied regionaler, deutscher, europäischer und amerikanischer Allergologen-Verbände, wissenschaftliche Veröffentlichungen und Mitarbeit an deutschsprachigen und internationalen Leitlinien zum Management allergischer Erkrankungen, Buchpublikationen.

 

Brehler R, Klimek L, Kopp M V, Virchow J C: Spezifische Immuntherapie – Indikation und Wirkungsweise, Deutsches Ärzteblatt, Jg. 110, Heft 9, 1. März 2013: 148-156

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) und weiterer Fachgesellschaften in Deutschland, Österreich und der Schweiz:
Online: http://www.dgaki.de/leitlinien/aktuelle-leitlinien/
Darunter:

  • S2k-Leitlinie zur (allergen-)spezifischen Immuntherapie bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen

Online: http://www.dgaki.de/wp-content/uploads/2014/12/Leitlinie_SIT_Pfaar-dtsch_12-2014.pdf (Abgerufen am 27.10.2016)

  • S2-Leitlinie zu Akuttherapie und Management der Anaphylaxie. Allergo J Int 2014; 23: 96

Online: http://dgaki.de/wp-content/uploads/2010/05/065-025_AWMF_S2k_Akuttherapie_anaphylaktischer_Reaktionen_2013-12-Allergo-J-Int-2014.pdf (Abgerufen am 27.10.2016)

Ring J, Bachert C, Bauer C-P, Czech W: Weißbuch Allergie in Deutschland. 3. Auflage, München (Urban und Vogel) Springer, 2010

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Inhalationsallergie: Krankheitsbild, Häufigkeit, Auslöser, diagnostische Maßnahmen.

Online: http://www.lgl.bayern.de/gesundheit/arbeitsplatz_umwelt/biologische_umweltfaktoren/inhalationsallergie/index.htm

(weitere Links zum Thema, etwa Ambrosia artemisiifolia s. dort; Abgerufen am 27.10.2016)

Informationen des Umweltbundesamtes: Schimmelpilzbefall.

Online: http://www.umweltbundesamt.de/service/uba-fragen/wie-erkenne-ich-schimmelpilzbefall (Abgerufen am 27.10.2016)

Leitfaden zur Vorbeugung, Untersuchung, Bewertung und Sanierung von Schimmelpilzwachstum in Innenräumen.
Online: http://www.umweltbundesamt.de/publikationen/leitfaden-zur-vorbeugung-untersuchung-bewertung (Abgerufen am: 27.10.2016)

Informationen zur Arzneimittelsicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit.
Online: www.embryotox.de/einfuehrung.html (Abgerufen am 27.10.2016)

Deutsche Liga für das Kind in Familie und Gesellschaft e.V. und Nationale Stillkommission am Bundesamt für Risikobewertung:
Online: http://www.stillen-info.de/hilfe/hilfe.html (Abgerufen am 27.12.2016)

 

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