Aloe vera: Kühlend auf der Haut, anregend im Darm

Aloe vera kommt vorwiegend in Hautpflegeprodukten zum Einsatz, aber auch als Abführmittel

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von Dr. Martina Melzer, Dr. Martin Allwang, aktualisiert am 22.05.2020

Aloe vera – kurz erklärt

Die Barbados-Aloe (Aloe vera/barbadensis) und die Kap-Aloe (Aloe capensis/ferox) werden medizinisch genutzt. Äußerlich angewendet spenden sie Feuchtigkeit und kühlen. Innerlich angewendet wirken sie abführend.

Welche Inhaltsstoffe kommen in Aloe vor?

Aloe liefert zwei unterschiedliche, zu Heilzwecken verwendete Bestandteile: Zum einen wird der in den Blättern enthaltene Milchsaft verwendet. Er enthält – bezogen auf die Barbados-Aloe (Aloe vera) – Anthranoide. Die Substanz Aloin ist die Hauptkomponente. Außerdem findet sich das sogenannte "Aloe-Harz" im Saft, mit einem großen Anteil an Glucosylchromonen sowie langkettigen Zuckermolekülen (Polysaccharide). Die Kap-Aloe enthält weniger Aloin, dafür aber Bitterstoffe. Das Blattinnere der Barbados-Aloe liefert ein Gel, das reich an langkettigen Zuckermolekülen ist.

Gegen was hilft Aloe?

  • Abführmittel

Die im Harz enthaltenen Anthranoide gelangen – gebunden an Zuckermoleküle – in den Dickdarm und werden dort von bakteriellen Enzymen in ihre aktiven Formen umgewandelt. Diese docken an bestimmten Stellen in der Darmschleimhaut an und hemmen so die Aufnahme von Wasser und Salzen. In Folge sammelt sich vermehrt "salzhaltiges" Wasser im Verdauungstrakt, welches die Darmentleerung beschleunigt.

Extrakte aus der Kap-Aloe dienen daher als pflanzliches Abführmittel bei Verstopfung. Doch Vorsicht: Solche Abfürmittel sollten Sie immer nur kurzfristig anwenden. Achten Sie auf die richtige Dosis: Sie sollten alle zwei bis drei Tage Stuhlgang haben, den Sie ohne Pressen loswerden können. Wenn Sie durch die Anwendung von Aloe öfter Stuhlgang oder gar Durchfall haben, dann ist die Dosis zu hoch und kann auf Dauer sogar den Darm schädigen. Hält die Verstopfung länger an oder wird der Darm erneut träge, sollten Sie dies von einem Arzt abklären lassen. Zudem gibt es mildere pflanzliche Alternativen, zum Beispiel Flohsamen oder Leinsamen, die Sie auch längerfristig einnehmen können.

  • Hautpflege

Das aus dem Milchsaft der Barbados-Aloe gewonnene Aloe-vera-Gel findet sich in zahlreichen Kosmetikprodukten, aber auch in Nasensprays. Das Gel hat einen kühlenden Effekt auf die Haut und spendet Feuchtigkeit. Ob Aloe vera neben seinen pflegenden Eigenschaften auch gegen entzündliche Hautkrankheiten wie Neurodermitis oder Schuppenflechte helfen kann, müssen groß angelegte Studien noch beweisen. Innerlich angewendet soll Aloe-vera-Gel, das kein Aloin enthält, unspezifische Reizbeschwerden in Magen und Darm lindern.

Was ist bei der Anwendung zu beachten?

Abführmittel sollten Sie nur für kurze Zeit anwenden und nur, wenn andere Maßnahmen nicht ausgereicht haben. Trinken Sie ausreichend, wenn Sie Aloe als abführendes Mittel einnehmen.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Nach der Einnahme kann es zu krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden kommen, manchmal färbt sich auch der Urin rot.

Anthranoid-haltige Pflanzenauszüge, also auch aus Aloeblättern, dürfen nicht bei Darmverschluss, entzündlichen Darmkrankheiten oder Bauchschmerzen unbekannter Ursache angewendet werden. Ebenso nicht während Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern unter zwölf Jahren.

Diuretika (wassertreibende Medikamente), Kortisonpräparate, Herzglykoside (angewendet bei Herzschwäche) und Süßholzwurzel können mit den Anthranoiden wechselwirken. Fragen Sie dazu Ihren Arzt oder Apotheker.

Wichtig: Lassen Sie sich zu Dosierung, Anwendung und unerwünschten Effekten der Heilpflanze in der Apotheke beraten.

Quellen:

Wichtl M: Teedrogen und Phytopharmaka. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart 2016