Warum Männer im Sitzen pinkeln sollten

Sitzen statt spritzen. Urologe Dr. Wolfgang Bühmann über die anatomischen, psychologischen und hygienischen Vorteile des Sitzpinkelns

von Sophie Kelm, aktualisiert am 27.01.2016

Von einem Meter Entfernung ins Urinal zielen? Kein Problem für einen echten Kerl. Treffen wird allerdings schon schwerer. "Männer sind Spielkinder, das ändert sich nie", erklärt Dr. Wolfgang Bühmann, Facharzt für Urologie und Pressesprecher des Berufsverbandes der Deutschen Urologen.

Aber auch wenn es den Herren der Schöpfung großen Spaß bereiten mag, ihr kleines Geschäft im Stehen zu erledigen, zeitgemäß ist die Sitzposition. Denn so landet der Urin in der Schüssel und nicht auf der Brille.

"Wer das Bad putzt, der passt auf, dass nichts spritzt. Wer nicht putzt, passt auch nicht auf", so Bühmann. Der Urologe belegt seine Aussage mit einer kleinen Privatstudie: Er ist Vater von drei Kindern zwischen zehn und dreizehn Jahren. "Seit die Kinder selbst ihr Bad putzen, ist es dort viel sauberer", freut sich der Arzt.

Kein medizinischer Vorteil durch Stehen

Anatomisch und medizinisch gesehen, bietet Urinieren im Stehen keinen Vorteil. "Die männliche Harnröhre hat zwei Kurven. Wenn man auf der Toilette sitzt, kann man den Penis einfach hängen lassen. Das kommt der Natur entgegen", erklärt Bühmann. Da die Harnröhre elastisch und dehnbar ist, ist das kleine Geschäft aber sowohl auf die eine als auch auf die andere Art machbar.

Reiferen Herren mit vergrößerter Prostata rät Bühmann vom Stehen ab: "Mit Prostataproblemen dauert das Entleeren der Blase oft länger, manchmal zwei bis drei Minuten", so der Urologe, "Sitzen ist dann einfach gemütlicher." Außerdem müssen die Betroffenen häufiger nachts raus. Beim plötzlichen Aufstehen und Stehen kann einem leicht schwindelig werden. Auch in diesem Fall empfiehlt der Arzt, sich beim Toilettengang lieber hinzusetzen.

Insgesamt hat man den Eindruck, dass die Bereitschaft, sich hinzusetzen, in den jüngeren Generationen zunimmt. Den Grund vermutet Bühmann in der sich verändernden Rollenverteilung. "Heute müssen auch die Herren mal beim Badputz ran", so der Experte.

Jungen gleich ans Sitzen gewöhnen

Eltern sollten ihren Söhnen ruhig von Anfang an das Pieseln im Sitzen beibringen. "Sie werden dadurch nicht verweichlicht", beruhigt der Urologe. Er findet ganz im Gegenteil – man muss den Geschlechterunterschied zwischen Jungs und Mädchen nicht erzwingen. Die Differenzierung geschieht in der Pubertät von ganz alleine.

Als Lösung für Anhänger des Steh-Pinkelns empfiehlt Bühmann übrigens ein Urinal. "Hier können Männer im Stehen urinieren, ohne Angst haben zu müssen, dafür Ärger zu bekommen", erklärt der Experte. Und daneben spritzen tut auch nichts. Putzen muss man trotzdem.