Herpes genitalis: Ansteckung, Symptome, Behandlung

Genitalherpes ist eine ansteckende Krankheit, die durch sexuellen Kontakt übertragen wird und den Intimbereich von Mann oder Frau betrifft. Auslöser sind Herpesviren

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von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 18.01.2019

Genitalherpes – kurz zusammengefasst

  • Herpes genitalis wird fast immer durch Geschlechtsverkehr übertragen, Auslöser sind Herpesviren
  • Die Krankheit äußert sich mit Kribbeln, Schmerzen und Bläschen an Scheide, Penis, äußerem Genitalbereich der Frau sowie Oberschenkel
  • Herpes genitalis kann auch ohne Beschwerden verlaufen
  • Die Herpesviren verbleiben im Körper und können durch bestimmte Faktoren reaktiviert werden
  • Die Therapie besteht normalerweise in der Gabe virushemmender Mittel, zum Beispiel Aciclovir

Was ist Herpes genitalis?

Herpes genitalis entsteht durch eine Infektion mit Herpesviren und gehört zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten. Die Ansteckung erfolgt nahezu immer durch ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einem infizierten Partner/-in.

Ursachen: Erreger, Übertragungswege, Reaktivierung

Genitalherpes wird vorwiegend durch eine Infektion mit Herpes-simplex-Viren des Typs 2 (HSV2) ausgelöst, deutlich seltener durch den Typ 1 (HSV1). Letzterer ruft vorwiegend Lippenherpes hervor. Allerdings kann HSV2 auch zu Lippenherpes oder Herpes im Mund führen und HSV1, wie erwähnt, zu Herpes im Intimbereich. Genitalherpes wird häufiger von Mann zu Frau übertragen als umgekehrt und betrifft diese auch öfter. Die Infektion erfolgt typischerweise rasch nach einem neuen Sexualkontakt. Je mehr Partner ein Mann oder eine Frau haben, desto höher ist das Risiko, sich anzustecken.

Die meisten Menschen stecken sich beim Sex, Oral- oder Analsex mit einem infizierten Partner/-in an, wenn sie mit dessen Schleimhäuten oder Körperflüssigkeiten in Kontakt kommen. Besonders infektiös sind Menschen, deren Genitalherpes akut Beschwerden hervorruft und die während dieser Phase ungeschützten Geschlechtsverkehr haben. Nicht selten verläuft eine Infektion jedoch ohne Symptome, weshalb Betroffene nicht wissen, dass sie Herpesviren haben. Sie sind trotzdem ansteckend. In bis zu 70 Prozent der Fälle übertragen Infizierte das Virus, ohne es zu wissen.

Bleibt man ansteckend?

Ja. Wer einmal eine Herpes genitalis-Infektion durchlaufen hat, trägt das Virus (HSV 1 oder HSV 2) auch nach Abklingen der Erstinfektion lebenslang in sich. Herpes-Viren des Typ 1 und 2 verweilen in bestimmten Bereichen des Nervensystems, den Ganglien. Verbleiben sie dort und verhalten sich "stumm", spricht man von einer latenten Infektion. Unter bestimmten Voraussetzungen können die Erreger aber reaktiviert werden.

Was passiert bei einer Reaktivierung?

Durch ein geschwächtes Immunsystem, eine Erkältung, Sonnenlicht, die Regelblutung oder Stress können die Herpesviren reaktiviert werden. Sie vermehren sich in den Ganglien und gelangen über die Nervenstränge in die Schleimhaut des Intimbereichs sowie in Körpersekrete. Die Anzahl der ausgeschiedenen Viren ist allerdings meist deutlich niedriger als bei der Erstinfektion (mehr dazu im Kapitel Symptome/Diagnose). Der Genitalherpes kann mehrmals im Jahr wiederkehren, aber auch deutlich seltener.

Übertragung während der Geburt

Herpesviren vom Typ 2 können während der Schwangerschaft über die Gebärmutter auf das ungeborene Kind oder – im Laufe der Geburt – auf das Neugeborene übergehen (Herpes neonatorum). In diesem extrem seltenen Fall können Haut und Schleimhäute, die Augennetzhaut sowie innere Organe des Babys in Mitleidenschaft gezogen werden. Etwa 50 Prozent der Babys infizierter Mütter werden während der Geburt angesteckt. Die Entbindung durch Kaiserschnitt kann eine Infektion verhindern.

Beratender Experte

Universitäts-Professor Dr. med. Dr. med. habil. Prof. h.c. Dr. med. h.c. Ernst-Rainer Weissenbacher ist Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Er betreibt seit vielen Jahren eine infektiologische Spezial-Sprechstunde (Premium Medizin, München). Sein Schwerpunkt liegt hierbei in der Diagnose und Behandlung chronischer und chronisch rezidivierender Infektionen des unteren Genitaltrakts, wie z.B. Pilz-, Bakterielle Vaginose und HPV-Infektionen.

Herr Weissenbacher ist zudem Präsident der European Society for Infectious Diseases in Obstetrics and Gynaecology (ESIDOG, Germany) und beschäftigt sich wissenschaftlich mit Infektiologie und Immunologie in der Frauenheilkunde. Er hat das Deutsche Zentrum für gynäkologische und geburtshilfliche Infektionen mitbegründet.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Ärzte unterscheiden zwischen einer sogenannten Erstinfektion mit Herpes-simplex-Viren und wiederkehrenden Infektionen. Bei der Erstinfektion haben sich Mann oder Frau neu mit dem Erreger angesteckt. Es kann kurze Zeit danach zu typischen Symptomen kommen, muss aber nicht. Trotz erstmaligen Kontakts mit dem Virus kann die Infektion recht oft völlig beschwerdefrei verlaufen. Anzeichen eines Genitalherpes können dann bei einer wiederkehrenden Infektion zum ersten Mal auftauchen, müssen aber auch da nicht. Dauer und Intensität der Symptome variieren von Mensch zu Mensch. Häufig sind sie beim ersten Auftreten am schlimmsten.

Inkubationszeit, Verlauf, Dauer

Die Inkubationszeit, also die Zeitspanne zwischen Ansteckung und Auftreten von ersten Beschwerden, dauert bei der Erstinfektion normalerweise zwischen wenigen Tagen bis drei Wochen. Die Symptome können zwei bis drei Wochen anhalten. Wiederkehrende Infektionen verlaufen häufig milder und kürzer.

Typische Symptome bei Erstinfektion oder erstem Ausbruch der Krankheit

Betroffene Stellen sind bei der Frau zumeist der äußere Genitalbereich mit großen und kleinen Schamlippen, aber auch die Scheide und der Gebärmutterhals. Beim Mann Eichel, Vorhaut und/oder Penisschaft. Auch im Analbereich, in der Hodenregion, am Po oder Oberschenkel können Beschwerden bzw. Bläschen oder Krusten auftauchen.

Die betroffenen Stellen beginnen zu kribbeln, zu schmerzen, zu jucken. Sie röten sich und schwellen oft an. Es bilden sich kleine, mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen, die ebenfalls brennen und jucken können. Der Inhalt der Bläschen trübt sich, nach ein bis zwei Tagen reißen sie ein und verkrusten. Bei Frauen kann es zusätzlich zu vermehrtem Ausfluss sowie Problemen und Schmerzen beim Wasserlassen kommen.

Neben diesen auf den Intimbereich begrenzten Beschwerden verspüren Betroffene zu Beginn häufig grippeähnliche Symptome wie Kopf- und Gliederschmerzen sowie Fieber. Meist schwellen auch die Lymphknoten im Leistenbereich an, die sich dann als kleine Knötchen ertasten lassen.

Wichtig: Treten beim Partner Beschwerden auf, muss dieser unbedingt einen Arzt aufsuchen und sich gegebenenfalls behandeln lassen.

Schwerer Verlauf sehr selten

Sehr selten – zum Beispiel bei Menschen mit eingeschränktem Immunsystem – führt ein Herpes genitalis zu Komplikationen wie einer Herpes-Enzephalitis, also einer  Gehirnentzündung. Außerdem kann es zu einer Infektion der Augennetzhaut kommen. Eine Infektion mit Herpes-simplex-Viren des Typ 2 (HSV 2) erhöht das Risiko, an HIV zu erkranken.

Typische Symptome bei Herpes genitalis

  • Kribbeln und Schmerzen im Intimbereich
  • Juckende/schmerzhafte Bläschen, die aufgehen und verkrusten
  • Schmerzen beim Wasserlassen (Frauen)
  • Vermehrter Ausfluss (Frauen)
  • Grippeähnliche Beschwerden
  • Geschwollene Lymphknoten

Wiederkehrende Infektion: Symptome oft milder oder fehlend

Herpes-simplex-Viren neigen dazu, unter für sie günstigen Bedingungen reaktiviert zu werden (mehr siehe Kapitel Überblick/Ursachen). Der erste Rückfall tritt vielfach im ersten Jahr nach der Erstinfektion auf. Er verläuft meist milder, bei etwa einem Viertel der Betroffenen sogar ohne, dass sie etwas davon merken. Es werden weniger Viren gebildet und man ist weniger ansteckend.

Diagnose: Nur bei typischen Beschwerden leicht zu stellen

Herpes genitalis äußert sich mit unterschiedlichen Beschwerden, teilweise treten gar keine Symptome oder nur sehr leichte auf. Zudem können andere Krankheiten im Genitalbereich ähnliche Anzeichen haben, beispielsweise Scheidenpilz oder eine bakterielle Infektion. Deshalb ist die Diagnose nicht immer einfach. Wer Symptome hat, die auf einen Genitalherpes hindeuten, sollte zum/r Frauenarzt/-ärztin (Frauen) oder Urologen/-in (Männer) gehen.

Der Arzt fragt zunächst nach den Beschwerden, stellt gegebenenfalls Fragen zum Sexualleben und sieht sich die betroffenen Stellen an. Um die Diagnose zu bestätigen und andere Krankheiten auszuschließen, sieht sich der Arzt oder die Ärztin die typischen Anzeichen an und macht einen Abstrich von der Bläschenflüssigkeit.

So kann er auch herausfinden, ob es sich um Herpes-simplex-Viren des Typ 1 oder 2 (HSV 1 oder HSV 2) handelt. Allerdings gelingt der Nachweis mit den üblichen Methoden, wie Erregerkultur oder Zelluntersuchungen, nicht immer. Deshalb kommen auch spezifischere Nachweisverfahren wie die Polymerasekettenreaktion (PCR) zum Einsatz. Damit lässt sich das Erbgut der Viren im Labor vervielfältigen und so genauer bestimmen. Ein negativer Test, der also keine Viren gefunden hat,  schließt die Infektion nicht aus, da die Erreger in den Nervenbahnen überdauern, wenn sie nicht aktiv sind.

Zusätzlich hilfreich kann auch der Nachweis bestimmter Antikörper gegen die Herpesviren im Blut sein. So lässt sich unter anderem erkennen, ob das körpereigene Immunsystem schon einmal mit den Viren in Kontakt war und der Untersuchte vielleicht einen Genitalherpes hat, ohne es zu wissen.

Genitalherpes ist nicht heilbar, da die Viren lebenslang im Körper verbleiben. Durch verschiedene Maßnahmen lässt sich der Erreger aber vielfach in Schach halten, was ein weitgehend normales Sexualleben ermöglicht.

Erstinfektion: Virushemmende Mittel einnehmen

Insbesondere eine erstmalig auftretende Infektion mit Herpes genitalis kann Beschwerden bereiten und sich hinziehen. Die Wirkstoffe Aciclovir, Famciclovir und Valaciclovir verhindern, dass sich die Viren vermehren. Dadurch lindern die Mittel die Symptome und verkürzen die Krankheitsdauer. Wichtig ist, die Medikamente frühzeitig nach Beginn der ersten Symptome einzunehmen, idealerweise innerhalb der ersten drei Tage – je früher, desto besser. Die Mittel sind verschreibungspflichtig, weshalb Betroffene bei Verdacht auf eine Infektion mit Herpesviren rasch zum Arzt gehen sollten.

Beginnt die Therapie früh genug, lässt sich die Ausbreitung der Viren von den Nervenbahnen aus einschränken. Wiederkehrende Infektionen treten somit seltener auf.

Die virushemmenden Wirkstoffe sind meistens gut verträglich, können aber zu Müdigkeit, Benommenheit, Magen-Darm-Problemen, entzündeter Schleimhaut und Kopfschmerzen führen. Wie oft und wie lange Erkrankte die Mittel einnehmen müssen, besprechen sie mit dem behandelnden Arzt.

Wichtig: Treten beim Partner Beschwerden auf, muss dieser unbedingt einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen und sich gegebenenfalls behandeln lassen.

Äußerliche Behandlung eine Alternative?

Nach derzeitigem Wissensstand ist eine örtliche Behandlung mit Salben, Cremes oder Gels alleine nicht hilfreich.

Therapie bei wiederkehrender Infektion

Tritt der Herpes erneut mit Symptomen auf, kann die rasche Einnahme der virushemmenden Mittel die Infektion eindämmen. Die Therapie sollte innerhalb der ersten 24 Stunden, nachdem sich Beschwerden eingestellt haben, beginnen.

Wer nur leichte Anzeichen verspürt, muss nicht unbedingt Medikamente einnehmen.

Dauertherapie: Für wen sinnvoll?

Kämpfen Frauen oder Männer sehr häufig mit Rückfällen, haben starke Beschwerden oder empfinden die ständigen Infektionen als sehr belastend, kommt eine Dauertherapie infrage. Durch die langfristige Einnahme von Aciclovir, Famciclovir oder Valaciclovir lässt sich zumindest bei einem Teil der Betroffenen die Häufigkeit einer erneuten Infektion eindämmen.

Eine dauerhafte Anwendung kann auch für Paare sinnvoll sein, bei denen ein Partner oder eine Partnerin die Viren in sich trägt, der jeweils andere aber nicht.

Unterstützende Maßnahmen

Während einer akuten Infektion keine enge Unterwäsche tragen und den Intimbereich trocken halten. Frauen, die Probleme und Schmerzen beim Wasserlassen haben, kann eine "abdeckende" Therapie, zum Beispiel mit Zinksalbenzubereitungen, helfen. Wer an grippeähnlichen Beschwerden leidet oder Schmerzen hat, kann für kurze Zeit ein Schmerzmittel einnehmen. Hautbläschen nicht berühren beziehungsweise sich danach jedes Mal sorgfältig die Hände mit Seife waschen. Nach Abklingen der Beschwerden Unterwäsche, Nachthemd und Badetücher bei 60 Grad waschen.

Therapie während der Schwangerschaft

Besteht die Gefahr, dass eine schwangere, mit Herpes genitalis infizierte Frau das Virus während der Schwangerschaft oder bei der Geburt auf ihr Kind überträgt, erfolgt eine Infusionsbehandlung mit einem virushemmenden Mittel.

Vorbeugen: Kondome verwenden, kein Sex bei akuter Infektion

  • Wer akut eine Genitalherpesinfektion mit Symptomen hat, sollte keinen Sex haben, auch keinen Anal- oder Oralsex
  • Auch in den Wochen nach Abklingen der Beschwerden ist der Erkrankte unter Umständen noch stärker ansteckend. Deshalb auch da besser auf Geschlechtsverkehr verzichten oder unbedingt Kondome verwenden
  • Überhaupt senken Kondome die Gefahr, sich mit Herpes genitalis anzustecken, deutlich

Wiederkehrende Herpes genitalis-Infektionen können psychisch sehr belasten und wirken sich oft negativ auf das Sexualleben und die Partnerschaft aus. Deshalb ist es wichtig – auch, wenn es Überwindung kostet –, offen mit dem Partner über die Krankheit zu sprechen. Auch wer einen neuen Partner/-in kennenlernt, sollte das Thema unbedingt frühzeitig ansprechen. Gegebenenfalls hilft eine Paarberatung. In Absprache mit dem Arzt kommt, wie im Abschnitt Therapie beschrieben, eine Dauertherapie mit einem virushemmenden Medikament infrage.

Quellen:

Heslop R, Roberts H, Flower D, Jordan V: Interventions for men and women with their first episode of genital herpes. Cochrane Database of Systematic Reviews 2016, 8

S2k-Leitlinie: Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen, 2014

WHO-Guidelines for the treatment of genital herpes simplex virus, 2016

Deutsche STI-Gesellschaft: Herpes genitalis

Albrecht MA: Epidemiology, clinical manifestations and diagnosis of genital herpes simplex virus infection. UpToDate, 2017

Mitty J: Treatment of genital herpes simplex virus infection. UpToDate, 2017

Riley LD, Wald A: Genital herpes simplex virus infection and pregnancy. UpToDate 2018

Wald A: Prevention of genital herpes virus infections. UpToDate 2017