Besenreiser: Schönheitsmakel oder gefährlich?

Besenreiser sind winzige Krampfäderchen, die oft bläulich durch die Haut schimmern. Welche Ursachen dahinterstecken und wie sie sich entfernen lassen

Unsere Inhalte sind pharmazeutisch und medizinisch geprüft

von Dr. Martina Melzer , aktualisiert am 03.07.2019

Besenreiser – kurz erklärt

  • Besenreiser sind winzige Venen und stellen eine Form der Krampfadern dar
  • Sie sind meistens harmlos und eher ein kosmetisches Problem
  • Besenreiser entstehen im Laufe des Lebens durch ein schwaches Bindegewebe
  • Sie treten typischerweise an den Beinen auf, aber auch im Gesicht
  • Normalerweise muss man sie nicht entfernen lassen. Es gibt aber verschiedene Verfahren, um die kleinen Venen zu beseitigen
  • Verhindern lassen sie sich nicht. Durch einen venenfreundlichen Lebensstil können Sie aber das Fortschreiten von Krampfadern verlangsamen

Was sind Besenreiser? Warum heißen sie so?

Besenreiser sind erweiterte, winzige Venen, die in der Haut verlaufen und von außen sichtbar sind. Sie sind eine Form von Krampfadern. Von Weitem können sie wie ein blauer Fleck aussehen. Wer genauer hinblickt, erkennt die feinen Äderchen, die rötlich bis bläulich durch die Haut schimmern. Da sie sich teilweise wie eine Art Reisigbesen ausbreiten, nennen sie sich umgangssprachlich Besenreiser. Auch Begriffe wie "Besenreiservarizen" oder "Besenreiservarikosis" stehen für diese Krampfaderform.

Wie entstehen Krampfadern? Das zeigt unser Video:

Wie kommt es zu Besenreisern? Sind sie gefährlich?

Besenreiser gelten als harmlos. Sie treten häufig isoliert an winzigen Venen in der Haut auf – ohne, dass gleichzeitig weitere Probleme an größeren Venen bestehen. Letzteres kann sich in Form von Krampfadern und Beschwerden in den Beinen äußern. Nur selten können Besenreiser ein Anzeichen dafür sein, dass tiefer gelegene Venen erkrankt sind. Deshalb sollten Sie vorsichtshalber einen Arzt aufsuchen – auch, wenn Sie unsicher sind, ob es sich um Besenreiser handelt.

Dennoch haben Besenreiser dieselben Ursachen wie Krampfadern an den größeren Venen. Auch für Besenreiservarizen gibt es eine erbliche Veranlagung. Hat ein Elternteil oder haben sogar beide Eltern Krampfadern, erhöht sich für die Kinder die Wahrscheinlichkeit, diese ebenfalls zu bekommen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Auslöser ist eine Bindegewebsschwäche. Sie führt im Laufe des Lebens dazu, dass die Venenwände – besonders in den Beinen – ausleiern. Das Blut wird weniger effektiv weiterbefördert und versackt. Betrifft der dadurch entstehende Rückstau die kleinsten Hautvenen, werden sie als Besenreiser unter der Haut sichtbar. Versackt das Blut in diesen winzigen Gefäßen, beeinträchtigt dies im Normalfall nicht die Durchblutung in den Beinen.

Bereiten Besenreiser Beschwerden? Wo treten sie auf?

Besenreiser treten vor allem an den Beinen auf, manchmal aber auch im Gesicht, auf der Nase oder an der Brust. Sie betreffen häufig die Außenseite der Oberschenkel, den Bereich oberhalb der Kniebeuge oder auch die Innenseite der Unterschenkel. Dort erscheinen Besenreiser als rötliche bis bläuliche feine Äderchen, die durch die Haut schimmern. Beschwerden rufen sie in den allermeisten Fällen nicht hervor. Selten treten Besenreiser großflächig auf. Dann kann es an der betreffenden Hautstelle zu Überwärmung und leichten Schmerzen kommen.

Soll man Besenreiser entfernen lassen?

Da Besenreiser – im Gegensatz zu anderen Krampfaderformen – als unbedenklich gelten, müssen sie nicht entfernt werden. Wen die bläulichen Äderchen aber vehement stören, der kann sie bei einem Venenspezialist behandeln lassen. Bevor dies geschieht, untersucht er die Venen mit einem speziellen Ultraschallgerät. So schließt der Arzt aus, das nicht doch tiefer liegende Beinvenen lädiert sind und es einer entsprechenden Therapie bedarf.

Wie funktioniert das?

Es gibt verschiedene Methoden, mit denen Ärzte und Ärztinnen die Besenreiser beseitigen: Sie können in die winzigen Venen ein Mittel geben, durch welches diese veröden. Der Fachbegriff für dieses Verfahren lautet Sklerosierung. Das Medikament bewirkt, dass die Venenwände der Besenreiser verkleben und nicht mehr durchblutet werden. Sie werden vom Körper langsam abgebaut und verblassen nach einigen Wochen. Manchmal kann sich die Haut an der betreffenden Stelle bräunlich verfärben.

Nach dem Veröden sollten Sie für einige Tage einen passenden Kompressionsstrumpf tragen. Meistens reicht eine einzige Behandlung nicht aus, sondern man muss sich ihr mehrmals unterziehen.

Eine Alternative ist die Lasertherapie. Hierbei werden die Besenreiser durch die Energie des Lasers verödet. Der Eingriff eignet sich für sehr feine Äderchen. Narben hinterlässt das Lasern nicht, zu Pigmentveränderungen der Haut kann es jedoch auch kommen. Der Patient oder die Patientin muss im Anschluss ebenfalls für eine gewisse Zeit einen Kompressionsstrumpf anziehen und mehrere Behandlungstermine einplanen.

Manchmal kombinieren Ärzte beide Verfahren oder setzen andere Techniken wie einen minimal-chirugischen Eingriff ein. Lassen Sie sich im Vorfeld am besten eingehend zu Vor- und Nachteilen beraten und suchen Sie gegebenenfalls einen weiteren Arzt beziehungsweise eine phlebologische Fachpraxis auf. Da Besenreiser vor allem aus kosmetischen Gründen entfernt werden, übernehmen die Krankenkassen die Kosten normalerweise nicht.

Kann man Besenreisern vorbeugen?

Dass Besenreiser entstehen, lässt sich nicht verhindern. Ein venenfreundlicher Lebensstil kann aber das Fortschreiten von Krampfadern verlangsamen:

  • Keine zu enge Kleidung tragen
  • Flache Schuhe bevorzugen
  • Übergewicht vermeiden
  • Wer lange sitzen oder stehen muss, sollte sich regelmäßig kurz bewegen und Ferse und Fußspitze im Wechsel auf- und abbewegen
  • Beine öfter mal hochlegen
  • Eventuell Stützstrümpfe tragen

Beratender Experte:

Dr. med. Norbert Frings leitet seit 1988 als Chefarzt und Ärztlicher Direktor die Capio Mosel-Eifel-Klinik, Fachklinik für Venenerkrankungen, Bad Bertrich. Er ist Chirurg, Gefäßchirurg und Phlebologe. Frings fungiert als wissenschaftlicher Berater der Deutschen Venen-Liga, ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie. Außerdem ist Frings Chairman der Internationalen Saphenofemoral Recurrence Research Group (SRRG) zur Erforschung des Krampfader-Rezidivs sowie wissenschaftlicher Beirat im Internationalen Forum für Minichirurgie. 2010 erhielt er die Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz.

Quellen:

Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin (DGA): Patientenratgeber Venen: Krampfadern 2012

Deutsche Gesellschaft für Phlebologie: Besenreiser

Altmeyers Enzyklopädie: Retikuläre Varize, 2017

National Heart, Lung an Blood Institute: Varicose veins

Alguire PC, Scovell S: Overview and management oft lower extremity chronic venous disease. Up ToDate 2019

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.