Nesselsucht (Urtikaria): Symptome, Ursachen, Therapie

Auf der Haut bilden sich Quaddeln, die stark jucken? Dieses Symptom kann auf die Krankheit Urtikaria (Urticaria, Nesselsucht) hindeuten

Unsere Inhalte sind pharmazeutisch und medizinisch geprüft

von Dr. Angela Unholzer, aktualisiert am 05.02.2019

Kurz erklärt: Was ist eine Nesselsucht?

Definition: Die Urtikaria (Urticaria, Nesselsucht) ist eine häufige Hauterkrankung. Sie ist nicht ansteckend.

Symptome: In der Hautoberfläche bilden sich flüssigkeitsgefüllte Schwellungen, sogenannte Quaddeln. Sie jucken und brennen, ähnlich wie nach dem Kontakt zu Brennnesseln (urtica = lateinisch für "Nessel"). Manchmal treten auch tiefere Schwellungen, sogenannte Angioödeme, auf.

Ursachen: Bei den meisten Betroffenen entstehen die Hautveränderungen schubweise und unabhängig von äußeren Einflüssen. Dann spricht man von einer spontanen Urtikaria. Die Quaddel-Schübe im Rahmen einer spontanen Urtikaria können durch Infekte oder seltener durch Unverträglichkeiten begünstigt werden. Eine induzierbare Urtikaria hingegen liegt dann vor, wenn die Quaddeln durch einen bestimmten äußeren Reiz ausgelöst werden, etwa  physikalische Reize wie Wärme, Kälte oder Druck.

Therapie: Eine Urtikaria lässt sich je nach Ursache zum Beispiel mit bestimmten Medikamenten – Antihistaminika – behandeln. Teilweise ist es auch wichtig, den auslösenden Reiz zu meiden.

Welche Symptome macht eine Urtikaria?

Das typische Krankheitszeichen der Urtikaria sind Quaddeln, die stark jucken und brennen. Manchmal treten gleichzeitig tiefere Schwellungen (Angioödeme) auf.

Was sind Quaddeln?

Eine Quaddel ist eine umschriebene Wasseransammlung in oberflächlichen Anteilen der Haut (siehe Bildergalerie weiter unten). Die Quaddel wölbt die Hautoberfläche scharf begrenzt vor und kann von einer entzündlichen Rötung umgeben sein. Die Farbe der Quaddel variiert zwischen hautfarben und weißlich. Die einzelnen Hautveränderungen können wenige Millimeter messen, aber auch bis zu zwei Zentimeter groß werden. Benachbarte Quaddeln können zu flächigen Schwellungen zusammenfließen.

Auch ohne Therapie bildet sich die einzelne Quaddel innerhalb von 24 Stunden vollständig zurück. Gleichzeitig können aber neue Quaddeln an anderen Stellen entstehen. Bei der häufigsten Form der Krankheit, der spontanen Urtikaria, verteilen sich die Quaddeln unregelmäßig über die gesamte Haut.

Was ist ein Angioödem?

Bei einigen Patienten treten gleichzeitig Angioödeme auf, bei wenigen Betroffenen kommt es ausschließlich zu Angioödemen (siehe Bildergalerie weiter unten). Diese sind gekennzeichnet durch großflächige, unscharf begrenzte tiefe Schwellungen, die sich im Lauf von einem bis drei Tagen spontan zurückbilden. Zu einer Rötung oder zu Juckreiz kommt es in der Regel nicht. Stattdessen leiden die Betroffenen unter Spannungsgefühl und gelegentlich auch unter schmerzhaftem Brennen.

Angioödeme treten bevorzugt an den Handflächen und Fußsohlen sowie im Gesicht auf. Im Bereich von Augenlidern und Lippen ist das Unterhautgewebe sehr weich. Daher kann hier eine Schwellung besonders große Ausmaße annehmen und den Betroffenen vorübergehend entstellen. Sind die Schleimhäute von Zunge, Rachen oder Kehlkopf betroffen, können Schwierigkeiten beim Atmen hinzukommen.

In vielen Fällen stellt ein isoliertes Angioödem eine Nebenwirkung eines Medikaments aus der Gruppe der ACE-Hemmer dar (ACE-Hemmer-induziertes Angioödem). Sehr selten ist ein Angioödem ein Anzeichen für eine erbliche Krankheit: das hereditäre Angioödem. Speziell im Bereich von Schleimhäuten wird ein Angioödem auch nach dem Erstbeschreiber, dem Arzt Heinrich Irenaeus Quincke, als Quincke-Ödem bezeichnet.

Welche Formen der Nesselsucht gibt es?

Spontane Urtikaria

Bei einer spontanen Urtikaria sind die Quaddeln unregelmäßig über die gesamte Haut verteilt. In über 90 Prozent der Fälle heilt die Erkrankung innerhalb von sechs Wochen ab. Dann liegt eine akute spontane Urtikaria vor, die auch kurz akute Urtikaria genannt wird. Sie ist die mit Abstand häufigste Form der Nesselsucht.

Hält die Quaddelbildung länger als sechs Wochen an, spricht man von einer chronischen spontanen Urtikaria oder kurz von einer chronischen Nesselsucht. Hiervon sind zumeist Menschen im mittleren Erwachsenenalter betroffen, Frauen etwa doppelt so häufig wie Männer.

Eine akute spontane Urtikaria wird häufig durch einen akuten Infekt ausgelöst. In einigen Fällen entstehen die Hautveränderungen durch eine allergische Reaktion vom Soforttyp (anaphylaktische Reaktion), zum Beispiel durch einen Wespen- oder Bienenstich, durch ein Nahrungsmittel oder ein Medikament.

Auch bei etwa 80 Prozent der Patienten mit einer chronischen spontanen Urtikaria lässt sich eine konkrete Ursache ermitteln. Am häufigsten ist dies eine chronische Infektion (Infekturtikaria), eine Unverträglichkeit eines wiederholt eingenommenen Medikaments oder Lebensmittelbestandteils (Intoleranzurtikaria) oder eine anhaltende Reaktion des Abwehrsystems auf körpereigene Strukturen (autoreaktive Urtikaria).

Bei zirka 20 Prozent der Betroffenen kann die Ursache nicht geklärt werden. Dann spricht man von einer idiopathischen Urtikaria.

Induzierbare Urtikaria

Bei einer induzierbaren Urtikaria kommt es nur dann zu Quaddeln, wenn ein spezifischer Reiz auf die Haut einwirkt. Stellt dieser Reiz eine physikalische Größe dar, wie zum Beispiel Druck, Kälte, Wärme oder Licht, dann handelt es sich um eine physikalische Urtikaria. Im Gegensatz zur spontanen Urtikaria entstehen die Hautveränderungen nur an den Stellen, auf die der spezifische Reiz einwirkt.

Wichtig: Juckende Rötungen und Schwellungen auf der Haut können zahlreiche Ursachen haben. Nicht immer handelt es sich um eine Urtikaria. Veränderungen an der Haut deshalb grundsätzlich vom Arzt abklären lassen!

Therapie der Urtikaria

Sowohl die akute als auch die chronische Form der spontanen Urtikaria behandelt der Arzt innerlich mit Medikamenten, die die Effekte des Botenstoffs Histamin blockieren. Diese Wirkstoffe werden Antihistaminika genannt.

Bei den induzierbaren Formen der Urtikaria empfiehlt es sich, den Auslöser zu meiden. Gelingt dies nicht vollständig, kann der Betroffene die Krankheitszeichen ebenfalls mit Hilfe eines Antihistaminikums unterdrücken.

Mehr zur Behandlung lesen Sie im Kapitel Therapie.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann eine ärztliche Beratung nicht ersetzen. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine individuellen Fragen beantworten.

Allergische Urtikaria

In der Haut des Menschen befindet sich natürlicherweise eine geringe Anzahl von bestimmten Entzündungszellen, sogenannten Mastzellen. Werden sie aktiviert, schütten sie verschiedene entzündungsfördernde Botenstoffe ins umgebende Gewebe aus. Der wichtigste davon ist Histamin. Bindet er an spezielle Strukturen (sogenannte Histamin-Rezeptoren) an der Oberfläche von Blutgefäßen, erweitern sich die Gefäße, und ihre Wände werden durchlässiger. Auf diese Weise bilden sich umschriebene Wasseransammlungen. Wenn sie in oberflächlichen Anteilen der Haut liegen, wölben sie die Hautoberfläche vor, und es entstehen Quaddeln. Zusätzlich binden die Botenstoffe der Mastzellen an Nervenfasern und lösen dabei Juckreiz aus. Auch in den tieferen Anteilen der Haut und im Unterhautgewebe kann Histamin zu einer Schwellung führen. Dann spricht man von einem Angioödem.

Mastzellen schütten unter anderem ihre Botenstoffe aus, wenn ein Mensch mit einer IgE-vermittelten Allergie in Kontakt mit dem Allergieauslöser kommt. Dazu zählen Substanzen in Nahrungsmitteln, in Wespen- und Bienengift sowie bestimmte Arzneistoffe. Die Folge ist eine allergische Urtikaria als Sonderform einer akuten Urtikaria. Sie äußert sich durch Quaddeln am gesamten Körper. Gelegentlich kommt es zusätzlich zu einer Gesichtsschwellung (Angioödem), zu Atembeschwerden oder gar zum Kreislaufschock.

Bei den allermeisten Patienten mit Nesselsucht sind die Beschwerden allerdings nicht allergisch bedingt. Dann werden die Mastzellen über andere Rezeptoren aktiviert.

Akute spontane Urtikaria

Die akute Form der spontanen Urtikaria wird in den meisten Fällen durch eine akute Infektionskrankheit ausgelöst. Häufig handelt es sich um einen Virusinfekt mit Beschwerden im Bereich von Atemwegen oder Magen-Darm-Trakt. Typische Infektzeichen können aber auch fehlen.

Chronische spontane Urtikaria

Bei Patienten mit einer chronisch spontanen Urtikaria lässt sich häufig eine chronische oder häufig wiederkehrende bakterielle Infektion nachweisen. Dies kann eine Mandelentzündung (Tonsillitis), Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) oder eine Zahnwurzelentzündung sein. Eine weitere häufige Ursache: das Bakterium Helicobacter pylori im Magen. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen einer Besiedlung des Darms mit dem Hefepilz Candida albicans und einer Urtikaria konnte nicht nachgewiesen werden.

Chronische Intoleranzurtikaria

Zu einer chronischen Intoleranzurtikaria kann es kommen, wenn wiederholt eine Substanz eingenommen wird, gegen die eine nicht-allergische Unverträglichkeit (Intoleranz) besteht. In vielen Fällen ist der Auslöser ein künstlicher Lebensmittel-Zusatzstoff (Farb-, Aroma- oder Konservierungsstoff). Manche dieser Substanzen kommen aber auch natürlicherweise in Obst und Gemüse vor. In ähnlicher Weise können bestimmte Medikamente eine Intoleranzurtikaria auslösen oder eine bereits bestehende Urtikaria vorübergehend verschlechtern. Dies gilt vor allem für Schmerzmittel und Entzündungshemmer wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Diclofenac. Intoleranzreaktionen können noch mit einer Verzögerung von vier bis zwölf Stunden auftreten.

Autoreaktive Urtikaria

Bei einer autoreaktiven Urtikaria (griechisch autos "selbst") werden Mastzellen durch Substanzen im Blut des Patienten aktiviert. Am häufigsten sind dies Antikörper, die gegen den IgE-Rezeptor der Mastzellen gerichtet sind.

Induzierbare Urtikaria

Bei einer induzierbaren Urtikaria kommt es nur dann zu Quaddeln, wenn ein spezifischer Reiz auf die Haut einwirkt. Stellt dieser Reiz eine physikalische Größe dar, wie zum Beispiel Druck, Kälte, Wärme oder Licht, spricht man von einer physikalischen Urtikaria. Im Gegensatz zur spontanen Urtikaria entstehen die Hautveränderungen nur an den Stellen, auf die der spezifische Reiz einwirkt.

Die verschiedenen Formen der Nesselsucht zusammengefasst:

Spontane Urtikaria

  • Akute (spontane) Urtikaria: Besteht weniger als sechs Wochen
    • Auslöser: Infekt, Allergie oder Ursache nicht bekannt (idiopathische Urtikaria)
  • Chronische (spontane) Urtikaria: Besteht sechs Wochen und länger
    • Ursachen: Infekt, Unverträglichkeit, autoreaktive Urtikaria oder Auslöser nicht ermittelbar

Induzierbare Urtikaria

  • Physikalische Urtikaria
    • Durch Druck, Kälte, Licht, Vibration oder Wärme hervorgerufen
    • Sonderform Urticaria factitia: Scherkräfte an der Haut, z.B. beim Kratzen, führen zu strichförmigen, stark juckenden Quaddeln
  • "Andere Formen der induzierbaren Urtikaria"
    • Anstrengungsinduzierte Urtikaria
    • Aquagene Urtikaria: Ausgelöst durch Kontakt mit Wasser
    • Cholinergische Urtikaria: Der Auslöser ist eine schnelle Erhöhung der Körperkerntemperatur, zum Beispiel bei Anstrengung, bei einem heißen Bad oder bei psychischem Stress
    • Kontakturtikaria: Ausgelöst durch Kontakt mit bestimmten Substanzen

Der Arzt fragt den Patienten, wie lange die aktuellen Beschwerden bestehen, ob bereits früher Quaddeln aufgetreten sind und ob zu irgendeinem Zeitpunkt eine Gesichtsschwellung bestanden hat. Er erkundigt sich, ob der Betroffene einen Zusammenhang mit einem äußeren Auslöser festgestellt hat und ob Allergien oder Unverträglichkeiten bekannt sind. Außerdem fragt er nach inneren Erkrankungen, akuten und chronischen Infekten sowie nach der Einnahme von Medikamenten. Dabei interessiert ihn besonders die Anwendung von Schmerzmitteln und Entzündungshemmern. Anschließend untersucht der Arzt die Haut mit dem bloßen Auge.

Bei einer akut spontanen Urtikaria sind weitere Untersuchungen in der Regel nicht notwendig. Lediglich wenn die Angaben des Patienten eine Allergie vom Soforttyp vermuten lassen, führt der Arzt allergologische Hauttests sowie Blutuntersuchungen auf spezifische Antikörper vom IgE-Typ durch.

Wann ein Blutbild wichtig ist

Bei einem Patienten mit chronisch spontaner Urtikaria lässt der Arzt das Blutbild sowie die Entzündungswerte, Leberenzyme und Schilddrüsenhormone im Blut bestimmen. Auch lässt er nach Antikörpern fahnden, die gegen Hepatitis-Viren oder gegen bestimmte Bakterien, wie Streptokokken, gerichtet sind. Solche Antikörper können auf chronische Infektionen mit diesen Erregern hinweisen. Ergänzend kann der Arzt den Patienten zum Zahnarzt und HNO-Arzt schicken. Außerdem lässt er abklären, ob eine Infektion des Magens mit dem Bakterium Helicobacter pylori vorliegt. Letzteres ist durch einen Atemtest oder alternativ durch eine spezielle Stuhluntersuchung möglich. Schließlich lässt der Arzt im Stuhl des Patienten nach krank machenden Bakterien wie Shigellen, Salmonellen und Yersinien sowie nach Würmern und anderen Parasiten fahnden.

Vermutet der Arzt eine Intoleranzurtikaria, empfiehlt er dem Patienten eine vierwöchige pseudoallergenarme Diät. Dabei meidet der Betroffene künstliche Lebensmittel-Zusatzstoffe sowie natürliche Substanzen, die die Quaddelbildung fördern können. Wenn sich die Nesselsucht während der Diät bessert, spricht dies dafür, dass eine Unverträglichkeit (Intoleranz) gegenüber diesen Stoffen die Urtikaria ausgelöst oder zumindest verschlechtert hat. Eine solche Diät sollte aber nicht in Eigenregie, sondern nur in Absprache mit dem Arzt erfolgen.

Autologer Serumtest bei Verdacht auf autoreaktive Urtikaria

Wenn bei einem Patienten mit einer chronisch spontanen Urtikaria kein Infekt nachweisbar ist und auch eine pseudoallergenarme Diät nicht zur Besserung führt, kann eine autoreaktive Urtikaria vorliegen. Um dies abzuklären, führt der Arzt einen autologen Serumtest durch. Dazu entnimmt er dem Patienten etwas Blut und zentrifugiert dieses. Das so gewonnene Serum injiziert er in die Haut. Eine Quaddel an der Injektionsstelle zeigt, dass das Blut des Betroffenen mastzellaktivierende Stoffe enthält. Am häufigsten sind dies Antikörper der Klasse IgE.

Im Fall einer induzierbaren Urtikaria sichert der Arzt die Diagnose durch einen Provokationstest mit dem entsprechenden auslösenden Reiz. Bei Patienten mit einer Kälteurtikaria oder einer Urticaria factitia sucht er – ebenso wie bei Betroffenen mit einer chronisch spontanen Urtikaria – nach Infekten. Bei den anderen Formen der induzierbaren Urtikaria ist eine Durchuntersuchung nicht erforderlich.

Therapie bei akut spontaner Urtikaria

Eine akut spontane Urtikaria klingt innerhalb einiger Wochen von selbst wieder ab. Bis dahin lässt sich die Quaddelbildung durch ein Antihistaminikum in Form von Tabletten unterdrücken. Wird die Nesselsucht durch einen akuten Infekt ausgelöst, verschwindet sie spätestens zwei bis drei Wochen nach Abheilung des Infekts. Ein Antibiotikum kann hilfreich sein, wenn es sich bei der Ursache der Urtikaria um eine bakterielle Infektion handelt. Wichtig: In jedem Fall sollten Ursache und individuell passende Therapie durch den Arzt abgeklärt werden.

Immer wieder kommt es vor, dass ein Patient mit der zugelassenen Dosis von einer Antihistaminikum-Tablette pro Tag nicht beschwerdefrei wird. In diesen Fällen können nach Rücksprache mit dem Arzt bis zu vier Tabletten pro Tag eingenommen werden. Allerdings sind Antihistaminika in dieser Dosierung nicht offiziell für die Behandlung der Urtikaria zugelassen. Arzt und Patient müssen also gemeinsam ausführlich besprechen, ob die hochdosierte Antihistaminika-Therapie im Einzelfall infrage kommt und welche Risiken bestehen. Die häufigste Nebenwirkung ist Müdigkeit. In solchen Fällen kann der Arzt die Behandlung auf ein anderes Antihistaminikum umstellen, denn die Wirksamkeit und die Verträglichkeit dieser Wirkstoffe sind individuell unterschiedlich.

Falls die Behandlung mit Antihistaminika nicht ausreicht, um stärkere Quaddelschübe zu unterdrücken, kann der Arzt zusätzlich Kortison-Tabletten für wenige Tage verordnen.

Bei einer besonders schweren akut spontanen Urtikaria muss der Patient unter Umständen zu einer Infusionsbehandlung mit einem Antihistaminikum für einige Tage ins Krankenhaus.

Manche Patienten versuchen, ihre Beschwerden mit Hausmitteln, etwa bestimmten Badezusätzen, zu lindern. Etwaige Maßnahmen sollten unbedingt mit dem Arzt abgesprochen werden. Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass beispielsweise Homöopathie gegen eine Urtikaria hilft. Kühlende Maßnahmen wie kühlende Umschläge können Symptome eventuell lindern – vorausgesetzt, Kälte ist nicht der Auslöser der Urtikaria.

Therapie bei chronisch spontaner Urtikaria

Bei einer chronisch spontanen Urtikaria steht die ursächliche Therapie im Vordergrund: Falls ein chronischer Infekt nachweisbar ist, kann der Arzt ihn mit einem Antibiotikum behandeln. Im Falle einer chronischen oder chronisch wiederkehrenden Entzündung der Rachenmandeln (Tonsillitis) oder der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) kommt auch eine Operation in Betracht. Nach erfolgreicher Therapie des Infekts dauert es in der Regel zwei bis drei Wochen, bis die Nesselsucht abheilt oder zumindest deutlich in ihrer Intensität abnimmt.

Bei manchen Menschen mit chronisch spontaner Urtikaria kann trotz gründlicher Suche keine Ursache gefunden werden. Bei anderen Patienten wird zwar ein zugrunde liegender Infekt gefunden und behandelt, aber die Urtikaria bessert sich trotzdem nicht. Auch in einer solchen nicht zufrieden stellenden Situation kann den Betroffenen durch Medikamente geholfen werden, die die Krankheitszeichen unterdrücken.

Ebenso wie bei der akut spontanen Urtikaria lässt sich auch bei der chronisch spontanen Urtikaria die Quaddelbildung durch ein Antihistaminikum in Form von Tabletten unterdrücken. Falls der Betroffene mit der zugelassenen Dosis von einer Antihistaminikum-Tablette pro Tag nicht beschwerdefrei wird, können nach Rücksprache mit dem Arzt bis zu vier Tabletten pro Tag eingenommen werden. Allerdings sind Antihistaminika in dieser Dosierung nicht offiziell für die Behandlung der Urtikaria zugelassen. Arzt und Patient müssen also gemeinsam ausführlich besprechen, ob die hochdosierte Antihistaminika-Therapie im Einzelfall infrage kommt und welche Risiken bestehen. Die häufigste Nebenwirkung ist Müdigkeit. In solchen Fällen kann der Arzt die Behandlung auf ein anderes Antihistaminikum umstellen, denn die Wirksamkeit und die Verträglichkeit dieser Wirkstoffe sind individuell unterschiedlich.

Falls es trotz der Einnahme von Antihistaminika zu stärkeren Quaddelschübe kommt, kann der Arzt zusätzlich Kortison-Tabletten für wenige Tage verordnen.

Wenn die Behandlung mit bis zu vier Antihistiaminikum-Tabletten pro Tag nicht ausreicht, um die Quaddelbildung bei einer chronisch spontanen Urtikaria zu unterdrücken, verordnet der Arzt zusätzlich Spritzen mit dem Wirkstoff Omalizumab. Dabei handelt es sich um einen Antikörper gegen körpereigene Eiweißsubstanzen der Klasse Immunglobulin E (IgE). Letztlich hemmt das Medikament die Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen aus Mastzellen. Während der Therapie mit Omalizumab wird die Behandlung mit Tabletten fortgesetzt.

Für Patienten, die auch nach sechs Monaten nicht auf die Behandlung mit dem Antikörper Omalizumab plus Antihistaminikum-Tabletten ansprechen, kommt eine Kombination aus einem Antihistaminikum mit Ciclosporin in Betracht. Allerdings ist der Wirkstoff Ciclosporin nicht offiziell für die Behandlung der Urtikaria zugelassen. Arzt und Patient sollten ausführlich besprechen, ob die Therapie im Einzelfall infrage kommt, welche Risiken bestehen und welche Nebenwirkungen auftreten können.

Therapie bei Intoleranzurtikaria

Eine Intoleranzurtikaria bessert sich oder verschwindet, wenn der Betroffene bestimmte Lebensmittel-Inhaltsstoffe beziehungsweise Medikamente meidet. Schmerzmittel und Entzündungshemmer wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Diclofenac können eine Intoleranzurtikaria auslösen, aber auch eine bereits bestehende Urtikaria verschlechtern. Daher sollten Patienten mit Nesselsucht mit ihrem Arzt besprechen, ob sie auf diese Medikamente verzichten können. Als Alternative zu diesen Substanzen kommt zum Beispiel Paracetamol in Betracht. Achtung: Medikamente nicht in Eigenregie absetzen oder wechseln, sondern nur nach Rücksprache mit dem Arzt!

Therapie bei Angioödem

Ein Angioödem mit ausgeprägter Schwellung der Zunge, des Rachens oder des Kehlkopfes kann im Extremfall zu einer Verlegung der Atemwege führen. Daher injiziert der Arzt in solchen Fällen ein Antihistaminikum und ein Glukokortikoid in eine Vene. Anschließend legt er eine Dauerinfusion mit einem Antihistaminikum und lässt den Patienten stationär überwachen.

Dr. med. Angela Unholzer ist Hautfachärztin mit den Zusatzbezeichnungen Allergologie und Dermatohistologie. Ihre Facharztweiterbildung absolvierte sie an der Dermatologischen Universitätsklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München sowie an der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum Augsburg. An der letztgenannten Klinik leitete sie von 2006 bis 2012 als Funktionsoberärztin die Lichtabteilung, die dermatologische Tagesklinik und die allgemeindermatologische Ambulanz. Anschließend war sie in einer Praxis in der Nähe von Augsburg tätig. Seit 2014 ist sie in einer eigenen Praxis in Donauwörth niedergelassen.

Quellen:

- Maurer M, Zuberbier T, Siebenhaar F, Krause K: Chronic urticaria – What does the new guideline tell us? In: JDDG 2018, 16: 584-593

- Magerl, M., Altrichter, S., Boodstein, N., Güzelbey, O., Keßler, B., Krause, K., Metz, M., Weller, K., Zuberbier, T., Maurer, M.: Urtikaria – Klassifikation und Strategien für Diagnose und Behandlung. CME Dermatol 2008; 3: 2-18

- Metz, M., Maurer, M., Zuberbier, T., Magerl, M.: Diagnostik und Therapie der chronischen Urtikaria. Der Deutsche Dermatologe 2009; 57: 708-715

- S3-Leitlinie "Urtikaria" der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) und der Deutschen Dermatologischen Gesell­schaft (DDG)

- Moll: Dermatologie, Duale Reihe, Thieme Verlag, 7. Auflage

- Altmeyer: Dermatologische Differenzialdiagnose, Springer Verlag, 2007

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann eine ärztliche Beratung nicht ersetzen. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine individuellen Fragen beantworten.