Die richtige Intimpflege für Sie und Ihn

Der Genitalbereich ist empfindlich. Die richtige Intimpflege verschafft ein frisches Gefühl und beugt Krankheiten vor

von Simone Herzner, aktualisiert am 07.07.2015

Jede Frau und jeder Mann tut es – am besten täglich. Die Rede ist von der Intimpflege. Eigentlich eine recht einfache Angelegenheit, bei der Mann und Frau trotzdem einige Fehler machen können.

Ein paar Grundregeln sollten beide Geschlechter beachten, denn eine vernünftige Intimpflege erhöht nicht nur das Wohlbefinden im Alltag und beim Sex, sie beugt auch Krankheiten wie zum Beispiel Infektionen vor.

Intimpflege nach Maß: Einfach und wirkungsvoll

Wenn es um die Intimpflege geht, beobachten Ärzte vor allem zwei Fehler: zu viel oder zu wenig waschen. "Richtig ist, den Genitalbereich einmal am Tag gründlich zu reinigen und die Unterwäsche täglich zu wechseln", sagt Professor Jens Rassweiler, Direktor der Klinik für Urologie an den SLK-Kliniken Heilbronn.

Im Prinzip genauso sehen es die Frauenärzte. "Zu häufiges Waschen und Duschen, womöglich mit ungeeigneten Seifen oder Duschgels, kann den Säureschutzmantel der Haut angreifen, besonders im sensiblen Genitalbereich der Frau", so Dr. Klaus Ihm, Gynäkologe aus München. Das wiederum beeinflusst die natürliche Keimflora, schädliche Bakterien und Pilze haben dann leichteres Spiel.

Intimdeodorants oder -sprays sind ebenfalls nicht nötig. Manchmal bereiten sie sogar Probleme. Enthaltene Parfümstoffe können Allergien auslösen. Mitunter entwickelt sich schlechter Geruch statt des erhofften Frischedufts.

Risiko Intimrasur?

Für immer mehr Männer und Frauen gehört heutzutage die Intimrasur oder Haarentfernung im Intimbereich dazu. Aus hygienischer Sicht ist dagegen nichts einzuwenden. "Allerdings kann das Rasieren die Haut reizen, die Haarwurzeln können sich entzünden und die Haare einwachsen", sagt Gynäkologe Ihm. In Apotheken zum Beispiel gibt es Produkte, die sich zur Pflege der empfindlichen Haut im Intimbereich bei Haarentfernung oder Rasur eignen. Trockenrasuren sind für die Intimzone nicht empfehlenswert, weil sie die Haut zu sehr strapazieren.

Abzuraten ist auch von Enthaarungscremes, da sie Reizungen oder Allergien hervorrufen können. Im Intimbereich ist zum Beispiel eine Nassrasur unter der Dusche oder in der Badewanne mit einer frischen Klinge, einer milden Waschlotion zum Aufschäumen oder einem geeigneten Rasierschaum möglich. Es sollte immer behutsam in Wuchsrichtung der Haare rasiert werden. Eine anschließende Pflege mit einer milden Creme, einem geeigneten Balsam oder Puder beruhigt die Haut und kann das Entstehen von kleinen Pickelchen mindern.

Tabuthema Analregion

Zur täglichen Intimpflege gehört natürlich auch der Analbereich. Das ist immer noch ein Tabuthema – viele Menschen trauen sich trotz Juckreiz, Brennen oder Schmerzen nicht zum Arzt. Eine völlig unbegründete Angst: Erkrankungen der Analregion kommen sehr häufig vor und sind für den behandelnden Arzt, Fachärzte nennt man Proktologen, tägliche Routine.

Bei der täglichen Hygiene muss man – Sie wie Er – Folgendes wissen: Die Haut im Bereich des Afters ist besonders empfindlich und mit einem pH-Wert von etwa 5 leicht sauer. Handelsübliche Seifen können die Haut austrocknen. Eine regelmäßige Reinigung mit einer geeigneten Waschlotion ist aber wichtig, damit schädliche Bakterien sich nicht in den Hautfalten am Po festsetzen und zu Infektionen führen.

Nach dem Waschen sollte man sich mit einem weichen Handtuch gut abtrocknen – nicht reiben! – und das Handtuch täglich wechseln. Weiches Toilettenpapier schont die Haut zusätzlich. Manche Produkte enthalten Zusätze wie Bleichmittel, Duft- oder Farbstoffe. Sie führen unter Umständen zu Reizungen oder allergischen Reaktionen. Auch bei feuchtem Toilettenpapier kann das manchmal der Fall sein. Achten Sie außerdem darauf, mit dem Papier von vorne nach hinten zu wischen und nicht zu stark zu reiben.

Samstag ist Badetag – diese Zeiten sind schon seit Jahrzehnten vorbei. Penible Hygiene und Körperkult haben auch vor dem Intimbereich nicht haltgemacht.

Heutzutage sind Scheideninfektionen daher seltener auf mangelnde, denn auf übertriebene Intimpflege zurückzuführen, die das saure Milieu in der Scheide mit einem pH-Wert von 4 bis 4,5 stören. "Zum Reinigen der äußeren weiblichen Genitalien genügt normalerweise klares Wasser. Wenn Sie dennoch eine Waschlotion verwenden möchten, achten Sie auf schonende Produkte, die zum sauren Scheidenmilieu passen", rät der Münchner Gynäkologe Dr. Klaus Ihm.

Ausgeprägtes Hygienebewusstsein: Mitunter auch kontraproduktiv

Parfümierte Duschgels und Shampoos haben meist einen pH-Wert von 9 bis 11 und sind gerade auch für den empfindlichen Scheidenbereich deutlich zu alkalisch. "Sie schädigen den Säureschutzmantel der Haut. In der Intimzone kann das nicht nur zu Geruchsbildung führen, sondern auch ein Türöffner für schädliche Bakterien und Pilze sein", so der Frauenarzt. Sogenannte aufsteigende Infektionen von den äußeren Genitalien in die Vagina bis zum Gebärmutterhals und darüber hinaus können unter Umständen die Folge sein, besonders bei sexuell aktiven Frauen. Ausfluss, der auffällig aussieht und unangenehm riecht, sowie Juckreiz sind mögliche Anzeichen.

Weniger ist mehr

Ungünstig ist alles, was der Haut, den Schleimhäuten und der Vaginalflora schadet, beispielsweise aggressive Seifen. Die meisten Frauenärzte raten davon ab, regelmäßig Intimsprays anzuwenden, Scheidenspülungen zu praktizieren oder Sitzbäder vorzunehmen, sofern Letztere nicht ärztlich verordnet wurden. "Die äußerliche Reinigung einmal am Tag unter der Dusche reicht völlig aus, auch während der Monatsblutung", sagt Ihm.

Richtig reinigen

Wer für die Reinigung einen Waschlappen verwendet, sollte diesen täglich wechseln oder auf Einmal-Waschlappen zurückgreifen. "Waschen Sie sich von der Scheide zum After, damit keine Darmbakterien in die Vagina gelangen", rät der Frauenarzt. Für Frauen, die zu Pilzinfektionen neigen, seien schonende, parfümfreie Waschlotionen speziell zur Intimhygiene empfehlenswert, bei trockener Haut außerdem eine geeignete fetthaltige Intimpflegecreme. Im Gespräch mit dem Gynäkologen sollten außerdem mögliche Ursachen ausgelotet und bei Bedarf medizinisch abgeklärt werden.

Übrigens: Auch bei Frauen kann sich Smegma bilden. Das Sekret aus Talg, Hautschüppchen, Bakterien, manchmal auch Spuren von Urin, entsteht in den Hautfalten zwischen äußeren und inneren Schamlippen sowie der Klitoris und sollte gründlich, aber sanft entfernt werden. "Bei einer gestörten Scheidenflora – etwa nach einer Antibiotikabehandlung und Pilzinfektion – können Milchsäurebakterien helfen, das saure Milieu in der Scheide wiederherzustellen", so der Gynäkologe.

String-Tangas – nicht unbedingt gesund

Spitzen-Slips und String-Tangas mögen sexy sein – gesund sind sie jedoch weniger. Strings-Tangas können reiben und Erreger aus der Analgegend Richtung Scheide transportieren. Und: Synthetische Fasern fördern das Schwitzen. "Hitze und Feuchtigkeit sind der ideale Nährboden für Pilze", warnt Ihm. Der Gynäkologe rät zu atmungsaktiver, nicht zu enger Unterwäsche. Wer auf Spitze und String nicht verzichten möchte, sollte die Dessous zumindest nicht täglich tragen. Bei Strumpfhosen sollten Damen auf einen Zwickel mit luftdurchlässigem Baumwollanteil achten.

Gleiches gilt für Slipeinlagen: Bei Varianten mit Schutzfolie aus Kunststoff kann sich die Hitze stauen. Sie transportieren wenig Feuchtigkeit ab, was neben der Infektionsgefahr zu unangenehmem Geruch führen kann. Während der Periode sollten Sie Tampons oder Binden häufig wechseln.

Ebenfalls wichtig: Achten Sie gerade bei der Unterwäsche auf ein geeignetes Waschmittel beziehungsweise die richtige Menge, Temperatur und auf ausreichendes Spülen. Die besten Strategien zur Intimpflege und -hygiene helfen wenig, wenn nach dem Waschgang alkalische oder sonstige Rückstände in Slips & Co. zurückbleiben.

Die tägliche Reinigung des Genitalbereichs und ein tägliches Wechseln der Unterwäsche sind heutzutage selbstverständlich und für die meisten Männer schon eine Frage des Wohlbefindens und der Rücksichtnahme auf den Sexpartner. "Männer reinigen Penis, Hoden und After am besten in der Dusche unter fließendem Wasser mit Duschgel oder Seife", rät Urologe Professor Jens Rassweiler.

Das Smegma, die weiße bis hellgelbe Substanz, die zwischen Eichel und Vorhaut entsteht, sollte jeden Tag gründlich abgewaschen werden. "Smegma besteht aus Absonderungen der Talgdrüsen, Hautschüppchen und Bakterien. Sorgfältige, aber nicht übertriebene Intimhygiene kann bestimmten Formen von Peniskrebs vorbeugen – vermutlich, indem weniger Infektionen auftreten", erklärt Rassweiler. Das Smegma an sich spiele wohl keine direkte Rolle. Aber es könne Entzündungen hervorrufen und so das Krebsrisiko indirekt beeinflussen.

Intimpflege in jedem Alter wichtig

Entwickelt sich eine Vorhautverengung, fällt das Zurückziehen der Vorhaut und damit auch die Reinigung zunehmend schwerer und es können sich kleine Risse in der Vorhaut bilden und Entzündungen entstehen. "Männer sollten nicht mit dem Arztbesuch warten", so Urologe Rassweiler, der bei älteren Männern manchmal eine gewisse Vernachlässigung des Genitalbereichs beobachtet. "Eine tägliche Intimpflege ist in jedem Alter wichtig", so der Urologe.

Ein weiterer Aspekt neben der Hygiene sei das rasche Feststellen von krankhaften Veränderungen – zum Beispiel Ausfluss aus dem Penis. "Männer sollten die tägliche Reinigung auch dazu nutzen, Penis und Hoden auf etwaige Veränderungen zu untersuchen, zum Beispiel einen Tumor", sagt Rassweiler. Er kenne Patienten, die mit einem Tumor, fast so groß wie der Hoden selbst, in die Klinik gekommen seien. "Bei solchen Fällen kann die Intimpflege nicht richtig funktionieren, sonst wäre das früher aufgefallen."

Männer oft verunsichert

"Männer sind vor Genitalpilzen oder Harnröhrenentzündungen nicht gefeit", sagt Urologe Rassweiler. Bei Jucken, unangenehmen Geruch oder Ausfluss aus der Harnröhre sei unbedingt der Gang zum Arzt angezeigt, auch Geschlechtskrankheiten könnten die Ursache sein. Rassweiler stellt bei Männern oft große Unsicherheiten bezüglich ihrer Genitalgesundheit fest.

Frauen seien deutlich mehr in ärztlicher Betreuung, allein schon wegen Verhütungsfragen und Schwangerschaften. "Bei Ihnen werden Krankheiten der Geschlechtsorgane teilweise viel früher diagnostiziert als bei Männern", so Rassweiler. Darum sei gerade für Männer die Intimpflege eine gute Möglichkeit, die Gesundheit ihrer Genitalien zu überprüfen.