Erysipel (Wundrose)

Das Erysipel ist eine bakterielle Hautinfektion. Sie zeigt sich oft am Unterschenkel oder im Gesicht. Charakteristische Zeichen sind eine glänzende, schmerzhafte Rötung und Krankheitsgefühl

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aktualisiert am 13.01.2015

Was ist ein Erysipel (eine Wundrose)?

Ein Erysipel (auch Wundrose genannt) ist eine akut verlaufende, nichteitrige Hautinfektion. Auslöser sind bestimmte Bakterien, sogenannte Streptokokken. Sie dringen über kleinere Verletzungen (zum Beispiel bei Fußpilz) in die Haut ein und breiten sich in den Lymphspalten aus.

Manche Menschen haben ein erhöhtes Risiko, an einem Erysipel zu erkranken – beispielsweise Patienten mit Venenschwäche, arteriellen Durchblutungsstörungen der Beine (PAVK), Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder Störungen im Lymphabfluss (Lymphödem). Genaueres erfahren Sie im Kapitel Ursachen und Risikofaktoren.

Welche Symptome verursacht ein Erysipel?

Häufig bildet sich die Wundrose am Unterschenkel. Aber auch das Gesicht und jedes andere Hautareal können befallen werden. Im Gesicht wird das Erysipel manchmal Gesichtsrose genannt – darf aber nicht mit der Gürtelrose (Herpes zoster) verwechselt werden, bei der auf einer halbseitigen Rötung gruppierte Bläschen erscheinen.

Beim Erysipel entsteht am Ort der Infektion eine schmerzhafte Rötung, die sich ausbreitet und insbesondere im Gesicht zu einer Schwellung führt. Hinzu kommen in der Regel Symptome, die den ganzen Körper betreffen – wie Kopfschmerzen und Frösteln, mitunter auch Fieber oder gar Schüttelfrost. Mehr zu den Beschwerden und möglichen Komplikationen lesen Sie im Kapitel Symptome.

Wie wird eine Wundrose behandelt?

Der Arzt stellt die Diagnose Erysipel meist anhand der Krankheitszeichen. Behandelt wird die Wundrose mit Antibiotika, am besten mit Penicillin. Weitere Informationen erhalten Sie im Kapitel Therapie der Wundrose.

In Deutschland erleiden jährlich zirka 100 von 100.000 Einwohnern ein Erysipel.

Wichtig: Abgrenzung zu anderen Hautinfektionen

Im Deutschen wird die Diagnose "Erysipel" manchmal auch für Hautinfektionen verwendet, die von infizierten Geschwüren oder Wunden ausgehen und von Staphylokokken (Staphylococcus aureus), manchmal auch von anderen Bakterien (wie Escherichia coli) verursacht werden. Der Arzt kann solche Infektionen zwar vom Erysipel abgrenzen. Sie werden aber nicht einheitlich bezeichnet. In englischsprachigen Ländern ist die Bezeichnung "Cellulitis" in Gebrauch (nicht zu verwechseln mit der Cellulite!). Im deutschsprachigen Raum nennen Mediziner solche Hautinfektionen oft "begrenzte Phlegmone".

Kennzeichen der begrenzten Phlegmone sind eine teigige Schwellung des befallenen Gewebes sowie eine überwärmte Rötung. Die Farbe sieht oft dunkler, bläulicher (livider) und matter aus als es beim klassischen Erysipel der Fall ist. Die Rötung ist meist weniger scharf begrenzt. Außerdem verursacht die begrenzte Phlegmone anfangs keine oder allenfalls geringe Allgemeinsymptome. Im Gegensatz zum Erysipel kann die Phlegmone eitrig werden.

Eine Unterscheidung zwischen klassischem Erysipel und begrenzter Phlegmone ist wichtig, da sich die Therapie unterscheidet: Streptokokken-Infektionen werden mit anderen Antibiotika behandelt als Infektionen mit Staphylokokken oder anderen Bakterien.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich

Ein Erysipel wird durch Bakterien ausgelöst. In den meisten Fällen handelt es sich um Streptokokken der Gruppe A, gelegentlich auch der Gruppe B, C oder G. Sie dringen über kleine Schäden in der oberen Hautschicht in die Lymphspalten der Haut ein. Das körpereigene Abwehrsystem wehrt sich gegen die Eindringlinge. Nach etwa ein bis drei Tagen kommt es daher zu einer Entzündung mit entsprechenden Krankheitszeichen (siehe Kapitel Symptome).

Die Erreger verbreiten ich von der Eintrittspforte über die Lymphspalten weiter (erkennbar an zungenförmigen Ausläufern der Rötung, siehe Kapitel Symptome). Die Infektion dehnt sich so auf umliegende Hautregionen aus. Manchmal kann sie die Lymphgefäße befallen, erkennbar an einer länglichen strangförmigen Rötung. (Landläufig wird eine solche Rötung manchmal irrtümlich mit einer Blutvergiftung gleichgesetzt).

Rasche Diagnose und Therapie sind wichtig, sonst drohen zum Teil ernste Komplikationen (siehe Kapitel Symptome und Komplikationen).

Voraussetzungen für ein Erysipel

Die Haut dient als wichtige Barriere gegen Krankheitserreger. Damit überhaupt ein Erysipel entstehen kann, brauchen die Bakterien kleine Hautschäden oder offene Stellen (Erosionen, zum Beispiel infolge Kratzens, Risse) durch welche sie einzudringen vermögen. Solche Schäden entstehen zum Beispiel durch

  • eine Pilzinfektion der Zehenzwischenräume (so genannte Interdigitalmykose) – eine der häufigsten Infektionskrankheiten überhaupt und auch häufigste Eintrittspforte für Streptokokken
  • andere akute und chronische Hauterkrankungen, welche mit kleinen Erosionen einhergehen, Verletzungen, Löcher für Ohrringe oder Piercings, Ekzeme
  • schlecht durchblutete, mangelversorgte Haut.

Durch Kratzen können Streptokokken mit den Fingernägeln unter die obere Hautschicht verschleppt werden.

Folgende Faktoren erhöhen das Risiko, an einem Erysipel zu erkranken:

  • Durchblutungsstörungen der Arterien (PAVK)
  • Venenkrankheiten, chronische Venenschwäche
  • Chronische Störungen im Lymphabfluss, Lymphschwellungen (Lymphödeme). Lymphödeme können auch Folge eines unzureichend behandelten Erysipels sein, da es die Lymphgefäße zerstört – ein Grund für Rückfälle (Rezidive) des Erysipels.
  • Abwehrschwäche (auch durch Medikamente, die das Immunsystem dämpfen)

Ein weiterer, leider kaum beeinflussbarer Risikofaktor für eine Wundrose ist ein hohes Lebensalter: Ältere Menschen sind überdurchschnittlich häufig von einem Erysipel betroffen.

Es empfiehlt sich daher ganz allgemein, (Haut-)Krankheiten rasch behandeln zu lassen, die Haut gut zu pflegen und regelmäßig auf Schäden zu überprüfen. Das ist vor allem bei Diabetes mellitus wichtig. Denn diese Krankheit kann die Schmerzempfindlichkeit herabsetzen – mit der Folge, dass kleine Wunden zum Beispiel an den Füßen leicht übersehen werden. Diabetes mellitus ist auch ein wichtiger Risikofaktor für andere Haut- und Weichgewebsinfektionen, wie die begrenzte oder auch schwere Phlegmone, verursacht durch Staphylokokken oder andere Bakterien wie gramnegative Darmbakterien.

Was man tun kann, um einem Erysipel vorzubeugen, lesen Sie im Kapitel Therapie.

Fieber, Frösteln, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Müdigkeit, starkes Krankheitsgefühl – solche Beschwerden gehören oft zu den ersten Symptomen bei einem Erysipel. Die Patienten meinen bisweilen, dass sie eine Erkältung bekommen. Gerade bei wiederholten Krankheitsepisoden können solche Allgemeinsymptome aber fehlen.

Die Haut kann zunächst jucken, spannen oder brennen. An der betroffenen Hautstelle (häufig am Unterschenkel, im Gesicht, aber auch am Arm, Stamm oder Fuß) werden Entzündungszeichen sichtbar: Es bildet sich eine schmerzhafte, flächige, glänzende, helle Rötung. Sie ist vor allem anfangs eher scharf von der Umgebung abgegrenzt. Oft bilden sich am Rand flammen- oder zungenartige Ausläufer, weil sich die Infektion entlang der Lymphspalten ausbreitet. Die benachbarten Lymphknoten schwellen manchmal an.

In den folgenden Tagen nimmt die Rötung einen satten roten Farbton an, ist überwärmt und kann (vor allem im Gesicht) mit einer deutlichen Schwellung einhergehen. Bei einigen Patienten entstehen Blasen oder Einblutungen im Bereich der Hautentzündung – wahrscheinlich vor allem dann, wenn die Krankheitserreger (die Streptokokken) bestimmte Giftstoffe (Toxine) absondern. Im weiteren Verlauf können die Ränder der Rötung allmählich verschwimmen, die Mitte blasser werden.

Mögliche Komplikationen bei Erysipel

Bei zu später oder unzureichender Therapie sowie schwerem Krankheitsverlauf kann eine Wundrose verschiedene Komplikationen nach sich ziehen. Gefährdet sind vor allem Patienten mit Begleiterkrankungen oder Abwehrschwäche:

  • Die Lymphwege können durch die Entzündung "verkleben", so dass die Lymphe nicht mehr richtig abfließt. Sie staut sich (Lymphstau) und sammelt sich im Gewebe an (Lymphschwellung, Lymphödem). Das Gewebe wird schlechter mit Nährstoffen und Immunzellen versorgt – das erhöht das Risiko, dass eine Wundrose erneut auftritt, weil einzelne Streptokokken überleben und sich in der eiweißreichen Lymphe gut vermehren.
  • Verläuft die Krankheit schwer oder wird sie nicht richtig behandelt, fallen die Lymphschwellungen manchmal massiv aus und werden teilweise mit Bindegewebe durchsetzt. Dieser Prozess ist dann nicht mehr umkehrbar und kann zu der sogenannten Elephantiasis führen – massiv verdickten Beinen.
  • Die Infektion geht mit Einblutungen und blasiger Abhebung der oberen Hautschicht einher.
  • Die benachbarten Venen können sich entzünden (Venenentzündung, Thrombophlebitis).
  • Gelangen Bakterien in die Blutbahn, besteht die Gefahr einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung. Diese Komplikation kommt bei einem Erysipel aber sehr selten vor.
  • Auch die Niere ist durch die Infektion gefährdet – aufgrund immunologischer Fehlreaktionen: Der Körper bildet dann Abwehrstoffe (Antikörper) gegen körpereigene Strukturen, weil diese Ähnlichkeit mit Merkmalen der Streptokokken haben. So kann es 10 bis 20 Tage nach Haut- oder Racheninfektionen mit Streptokokken zur einer bestimmten Form der Nierenentzündung (Glomerulonephritis) kommen. Da sie häufig unbemerkt bleibt, empfiehlt sich eine Urinuntersuchung rund 10 bis 20 Tage nach der Streptokokken-Infektion.
  • Eine zum Glück seltene, aber gefährliche Komplikation bei Gesichtsrose (Erysipel im Gesicht): Unter Umständen werden Bakterien ins Gehirn verschleppt und lösen eine Hirnhautentzündung oder einen Venenverschluss (eine Hirnvenenthrombose, Sinusvenenthrombose) aus.

Ein Erysipel neigt dazu, nach dem Abklingen wiederzukehren – vor allem wenn zusätzliche Risikofaktoren bestehen (siehe Kapitel Ursachen und Risikofaktoren). Manchmal geht eine Wundrose in eine chronische Form über.

 

Der Arzt fragt den Patienten nach seinen Beschwerden und nach Vorerkrankungen, die ein Erysipel begünstigen könnten – wie Diabetes mellitus, Venenschwäche, Hautpilzinfektionen oder Durchblutungsstörungen (siehe Kapitel Ursachen und Risikofaktoren).

Dann wird der Mediziner die betroffene Hautpartie genau untersuchen. Sichtbare Krankheitszeichen wie schmerzhafte, flächige, glänzende, scharf begrenzte Rötung mit flammen- oder zungenförmigen Ausläufern, dazu Symptome wie Fieber, Frösteln und Abgeschlagenheit, sowie das Vorhandensein von Eintritspforten – diese Konstellation genügt dem Arzt in der Regel, um die Diagnose Erysipel stellen zu können. Zur Untersuchung gehört immer auch die Suche nach den möglichen Eintrittsorten der Krankheitserreger (beispielsweise einem Fußpilz). Diese Eintritspforten und ihre Ursache sollten ebenfalls behandelt werden.

Verwechslungsgefahr mit anderen Krankheiten

Manche andere Krankheiten verursachen ähnliche Symptome wie eine Wundrose und können in der medizinischen Praxis damit verwechselt werden, zum Beispiel

  • eine begrenzte Phlegmone – ebenfalls eine Hautinfektion, aber durch andere Bakterien verursacht. Sie erfordert andere Antibiotika zur Therapie. Im Gesicht auf den Wangen ist diese begrenzte Phlegmone vor allem im Kindesalter nicht immer leicht vom Erysipel zu unterschieden.
  • eine nicht-infektiöse Entzündung am Unterschenkel bei chronischer Venenschwäche – verursacht durch gestaute und ausgetretene Lymphe. Sie zeigt oft eine eher satte Rötung, keine schmalen zungenförmigen, sondern eher breitere Ausläufer, dazu eine deutlichere Gewebeschwellung (Ödem), manchmal auch eine tastbare Verhärtung durch den chronischen Lymphstau.
  • eine entzündungsbedingte Rötung am Wundrand im Rahmen der Wundheilung.
  • eine Venenentzündung oder gar Venenthrombose im Bein. Verdächtig hierfür sind schmerzhafte, strangförmige Verhärtungen oder Schweregefühl und Schwellung im Bein.
  • die Borreliose (Wanderröte nach dem Stich von Borrelien-haltigen Zecken. Mehr dazu im Ratgeber Lyme-Borreliose)

Diese Diagnosen müssen abgegrenzt werden. Fällt die Unterscheidung schwer, liefern Laboruntersuchungen eventuell zusätzliche Hinweise.

Blutuntersuchungen und weitere Diagnostik

Die Blutuntersuchung ergibt beim Erysipel oft sogenannte Entzündungszeichen: Der CRP-Wert, die Blutsenkungsgeschwindigkeit und die Zahl weißer Blutkörperchen (Leukozyten) ist erhöht.

Nach einiger Zeit lassen sich im Blut meist auch bestimmte Antikörper (Abwehrstoffe) gegen die auslösenden Streptokokken nachweisen: Bei Hautinfektionen und Glomerulonephritis steigt meist der Anti-DNAse-B-Titer, bei Racheninfekten und rheumatischem Fieber steigt vor allem der Antistreptolysin-Titer. Allerdings haben viele Menschen schon aufgrund vorangegangener, oft unbemerkter Infektionen mit Streptokokken entsprechende Antikörper im Blut. Hilfreich für die Diagnose wäre also erst ein Anstieg des Titer aufgrund einer (erneuten) Streptokokkeninfektion.

Bestehen Zweifel an der Diagnose Erysipel nimmt der Arzt eventuell einen Abstrich von der betroffenen Stelle, um festzustellen, welche Krankheitserreger nachweisbar sind. So lässt sich beispielsweise eine begrenzte Phlegmone abgrenzen (siehe Kapitel Übersicht).

Im weiteren Verlauf wird der Arzt die mögliche Eintrittsstelle der Krankheitserreger suchen und Faktoren ermitteln, die ein Erysipel begünstigen könnten (siehe auch Kapitel Ursachen und Risikofaktoren). Je nach Fall kommen dabei unterschiedliche Diagnosemethoden zum Einsatz: So kann beispielsweise eine Blutzuckerbestimmung einen Diabetes mellitus (eine Zuckerkrankheit) aufdecken. Ultraschalluntersuchungen der Beine liefern Informationen zur Venengesundheit. Druckmessungen können Durchblutungsstörungen im Bein (eine periphere arterielle Verschlusskrankheit oder PAVK) anzeigen.

Wer Symptome eines Erysipels feststellt, sollte sich rasch an einen Arzt wenden. Die frühzeitige Therapie ist wichtig, um ernsten Komplikationen vorzubeugen (siehe auch Kapitel Symptome und Komplikationen).

Therapie der Wahl bei Erysipel: Antibiotika

Das Erysipel wird im Normalfall mit dem Antibiotikum Penicillin behandelt. Dieses Medikament tötet die Streptokokken ab, welche die Erreger des Erysipels sind, oder bremst zumindest ihr Wachstum. Alle Streptokokken sind gegenüber Penicillin empfindlich, das heißt es sind keine Resistenzen bekannt. Deutlich anders verhält es sich beispielsweise bei einer begrenzten Phlegmone, die meist durch gegenüber Penicillin resistente Staphylokokken verursacht wird (siehe dazu Kapitel Übersicht).

Besteht eine Allergie gegen den Wirkstoff (Penicillinallergie), verordnet der Arzt ein anderes passendes Antibiotikum. Bei diesen anderen Antibiotika können in seltenen Fällen Resistenzen gegenüber Streptokokken vorkommen. Bleibt der Therapieerfolg aus, muss das Medikament daher gegen ein wirksames Antibiotikum ausgetauscht werden.

Bei einer ausgeprägten Infektion, bei Befall des Gesichtes oder bei gleichzeitigen Durchblutungsstörungen im befallenen beziehungsweise infizierten Areal verabreicht der Arzt das Medikament anfangs per Infusion über die Vene, damit im Gewebe genügend hohe Wirkspiegel ankommen. In leichteren Fällen genügen Tabletten – beispielsweise bei einem Eryspel am Bein bei einem jungen Menschen.

Zeigt Penicillin innerhalb von drei Tagen keine merkliche Wirkung, sollte die Diagnose überprüft und überlegt werden, ob nicht doch eine begrenzte Phlegmone oder gar keine Infektion vorliegt, sondern eine Stauungsdermatitis. Letztere ist Folge einer venösen Insuffizienz ("Venenschwäche"). Sie kann im akuten Stadium ähnlich aussehen wie ein Erysipel, geht aber nicht mit Fieber oder Unwohlsein einher.

Die Antibiotika-Behandlung erstreckt sich bei einem Erysipel in der Regel über mindestens acht bis zehn Tage. Bei manchen Patienten kommt es zu Krankheitsrückfällen (Rezidiven). Dann mindert gemäß einer neuen Studie (erschienen im New England Journal of Medicine) über ein Jahr als Tablette eingenommenes Penicillin die Anzahl der Rezidive. Eine zuvor oft angewandte, aber wissenschaftlich nicht eindeutig belegte (also nicht evidenzbasierte) Therapie bestand in der Injektion eines sogenannten Depotpenicillins etwa alle drei Wochen.

Die Behandlung akuter Symptome bei Wundrose

Die betroffene Hautpartie sollte anfangs möglichst wenig bewegt, die erkrankte Gliedmaße zwischendurch hoch gelagert werden, sofern nichts Gegenteiliges verordnet wurde. Eine strenge Bettruhe ist in der Regel nicht angezeigt. Feuchte, kühlende Umschläge, beispielsweise getränkt mit einer antiseptischen Lösung, werden zwar als Erleichterung empfunden, sollten aber nur zu Beginn und nicht nach der Penicillingabe angewendet werden, da sie möglicherweise die Durchblutung durch Verengung der Gefäße behindern.

Patienten mit Gesichtsrose sollen wenig sprechen und auf passierte Lebensmittel umsteigen bis die Therapie greift. So bleiben Sprech- und Kaubewegungen auf ein Minimum reduziert. Das senkt das Risiko, dass sich die Infektion womöglich auf das Gehirn ausbreitet.

Wenn Erysipel-Patienten längere Zeit liegen, steigt die Gefahr, dass sich ein Blutgerinnsel – eine Thrombose – in ihren Venen nahe der Infektion bildet. Dieses Risiko nimmt weiter zu, wenn gleichzeitig eine Venenschwäche besteht. Der Arzt kann in solchen Fällen "blutverdünnende", gerinnungshemmende Spritzen verordnen, um einer Thrombose vorbeugen.

Sind die Entzündungszeichen etwas abgeklungen, legt der Mediziner eventuell einen Kompressionsverband an der betroffenen Gliedmaße an.

Wichtig bei Erysipel: Rückfällen vorbeugen

Alle Faktoren, die ein Erysipel begünstigen, sollten so weit als möglich ausgeschalten werden, um Rückfälle (Rezidive) zu verhindern (siehe dazu auch Kapitel Ursachen).

Häufig sind die Krankheitserreger über kleine Abschürfungen, Risse (Rhagaden) oder Kratzer in den Körper gelangt. Solche Hautschäden entstehen zum Beispiel durch eine Hautpilz-Infektion. Bei Fußpilz etwa weicht die Haut zwischen den Zehen auf und reiß ein. Das ebnet Infektionen den Weg. Ziel ist es, solche Hautverletzungen zur Abheilung zu bringen. Die Therapie richtet sich nach der jeweiligen Ursache. Viele Informationen zu den einzelnen Themenschwerpunkten erhalten Sie hier:

  • Ratgeber: Thrombose, Kapitel Venenschwäche
  • Ratgeber: Durchblutungsstörungen der Extremitäten (PAVK)

Ein Lymphstau (das Lymphödem) gilt als wichtiger Risikofaktor für eine Wundrose. Wenn die Lymphflüssigkeit nicht richtig abfließt, sammelt sie sich im Gewebe an. Dadurch leidet die Nährstoff- und Sauerstoff-Versorgung der Haut, die Infektionsgefahr wächst. Das Lymphödem kann aber nicht nur der Ausgangspunkt für ein Erysipel sein. Oft ist es auch die Folge einer Wundrose (siehe Kapitel Symptome und Komplikationen). Ist die akute Wundrose vollständig ausgeheilt, und besteht weiterhin ein Lymphstau, kommt eventuell eine Lymphdrainage infrage.

Die Hautbarriere stärken

Die Haut dient als Schutzbarriere gegen "Eindringlinge" wie Streptokokken oder Staphylokokken. Ist die Haut in einem guten Zustand, treten weniger Risse und Verletzungen auf – und damit gibt es auch weniger mögliche Eintrittspforten für Krankheitserreger. Wer seine Haut sorgfältig pflegt, beugt einer Wundrose vor:

  • Lieber nicht zu häufig, zu heiß oder zu lange duschen oder baden. Das kann die Haut austrocknen und schwächen.
  • Trockene oder spröde Haut regelmäßig mit passenden Pflegeprodukten eincremen. Zur Reinigung seifenfreie sogenannte Syndets verwenden. Sie schonen den Säureschutzmantel der Haut. Bei der Auswahl geeigneter Produkte hilft die Apotheke.
  • Wichtig: Patienten mit Krampfadern, chronischer Venenschwäche oder Lymphstau (Lymphödem), müssen ganz besonders auf Hautveränderungen achten – und sie umgehend beim Arzt abklären lassen. Nicht selbst "herumdoktern", sondern frühzeitig medizinischen Rat einholen!
  • Patienten mit chronischem Juckreiz sollten sich behandeln lassen, da durch häufiges Kratzen Streptokokken unter die Haut verschleppt werden können.
  • Wer an Diabetes mellitus erkrankt ist, lässt seine Füße am besten regelmäßig von Fachleuten (Podologen, medizinischen Fußpflegern) begutachten und pflegen. Viele weitere Informationen zu diesem Thema erhalten Sie im Beitrag: "Fußpflege für Diabetiker".

Professor Dr. Cord H. Sunderkötter ist Universitäts-Professor für Dermatologie und Dermato-Onkologie, leitender Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Hauterkrankungen des Universitätsklinikums Münster und Leiter des dortigen Hauttumorzentrums sowie der Abteilung für Dermatomikrobiologie. In der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft ist er zur Zeit Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Dermatologische Infektiologie und Tropendermatologie.

Eines seiner Forschungsgebiete sind die Hautinfektionen. Für die wissenschaftliche Untersuchung von Haut- und Weichgewebeinfektionen hat er einen nationalen Forschungsverbund initiiert ("SkIn Staph"), der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit einigen Millionen Euro finanziert wurde und an dem namhafte Wissenschaftler beteiligt sind. Dieses Vorhaben versucht Antworten auf die Fragen zu finden, welche der vielen Bakterien in Wunden wirklich in die Haut eindringen und ausbreitende Infektionen verursachen (und daher gezielt behandelt werden sollten), und welche Faktoren manche Patienten anfälliger für Hautinfektionen machen als andere Menschen.

 

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin, 2012
Kujath P, Eckmann C, Graninger W, Gross G, Sunderkötter C: Haut-und Weichgewebe-, Knochen- und Gelenkinfektionen. In  Bodmann K.F, Grabein B, Expertenkommission der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e.V., Empfehlungen zur kalkulierten parenteralen Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen – Update 2010  2010 S. 58 - 64
Sunderkötter C, Essig A., Gärtner B: Hautinfektionen. In Marre, Mertens, Trautmann (Hrsg): Klinische Infektiologie. 2. Aufl. Elsevier (Urban Schwarzenberg) Jena-München 2007 S. 633-748
Thomas KS et al.: Penicillin to Prevent Recurrent Leg Cellulitis. In: The New England Journal of Medicine 2013, 368:1695. Online: http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1206300

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