Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

Eine Posttraumatische Belastungsstörung entsteht durch ein traumatisches Erlebnis, zum Beispiel eine Vergewaltigung, eine Naturkatastrophe, Krieg, schwere Unfälle. Erinnerungen an das Trauma verfolgen die Betroffenen oft im Alltag

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29.04.2014

Was ist eine Posttraumatische Belastungsstörung?

Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist eine psychische Erkrankung. Sie entsteht als Folge einer schweren traumatischen Erfahrung. Beispiele für ein solches Trauma sind Vergewaltigung, Naturkatastrophen, Krieg, Folter oder andere Gewalterfahrungen, aber auch die Diagnose einer lebensbedrohlichen Krankheit. Mehr zu möglichen Auslösern einer Posttraumatischen Belastungsstörung lesen Sie im Kapitel Ursachen.

Jeder, der ein oder mehrere solcher Extremsituationen überstehen muss, kann an einer Posttraumatischen Belastungsstörung erkranken – auch Zeugen eines traumatischen Geschehens. Schätzungen zufolge sind etwa zwei bis sieben von 100 Menschen einmal im Leben von PTBS betroffen. Wird die Störung nicht behandelt, kann sie chronisch werden und die Lebensqualität massiv einschränken. Bei rechtzeitiger und richtiger Therapie sind die Heilungsaussichten gut.

Welche Symptome deuten auf eine Traumatisierung hin?

Eine Posttraumatische Belastungsstörung kann unmittelbar nach dem Trauma oder erst Wochen, Monate oder Jahre später Symptome verursachen.

Häufige Beschwerden sind wiederkehrende, belastende, sich aufdrängende Erinnerungen an das traumatische Ereignis (Flashbacks, Intrusionen), oft auch in Form von Alpträumen. Aber auch Erinnerungslücken kommen vor. Welche Anzeichen auf eine Posttraumatische Belastungsstörung hindeuten können, lesen Sie im Kapitel Symptome.

Therapie bei Posttraumatischer Belastungsstörung

Die Behandlung einer Posttraumatischen Belastungsstörung sollte frühzeitig erfolgen. Sie gehört in die Hände eines Experten, idealer Weise eines speziell ausgebildeten Psychotherapeuten. Sie kann ambulant oder stationär stattfinden und erfolgt in einzelnen Therapieschritten. In einem geschützten Behandlungsrahmen nähert sich der Patient unter Anleitung seinen traumatischen Erinnerungen an. Er bewertet Eindrücke und Bilder neu und kann im Idealfall mit der belastenden Erinnerung abschließen. Genaueres zur Behandlung bei PTBS erfahren Sie im Kapitel Therapie.

Andere Bezeichnungen für Posttraumatische Belastungsstörung sind: Posttraumatisches Belastungssyndrom, Posttraumatische Belastungsreaktion, Posttraumatische Belastungserkrankung oder der englische Begriff Posttraumatic Stress Disorder (PTSD).

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Ursache einer posttraumatischen Belastungsstörung ist immer ein Trauma. Ohne Trauma kommt es nicht zu einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Allerdings ist das auslösende Trauma nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Es kann Jahre zurückliegen, wird mit den aktuellen Beschwerden vielleicht gar nicht in Verbindung gebracht. Bei Menschen, die den zweiten Weltkrieg miterleben mussten, beobachten Ärzte mitunter erst heute – Jahrzehnte später – Merkmale einer PTBS. Manche Patienten erinnern sich überhaupt nicht an ein traumatisches Erlebnis, weil sie zu diesem Zeitpunkt noch kleine Kinder waren oder weil das Trauma Erinnerungslücken verursacht hat. (Mehr im Kapitel Symptome).

Jeder, der eine oder mehrere traumatische Erfahrungen erleben musste, kann theoretisch an einer PTBS erkranken. Die Störung ist also keinesfalls Zeichen für einen "schwachen Charakter", mangelnde Stärke oder fehlende Selbstdisziplin.

Was ist ein Trauma?

Trauma bezeichnet eine sehr belastende, außergewöhnliche Situation, die nahezu jeden Menschen tief erschüttern würde.

Nicht gemeint sind damit Lebensereignisse, die in jedem "normalen" Leben vorkommen können, mit denen letztlich leider immer zu rechnen ist – beispielweise eine Trennung oder der Tod eines nahen Angehörigen.

Bei einem traumatischen Ereignis erlebt der Betroffene eine extreme, katastrophale Situation – etwa eine massive Bedrohung. Sein Leben oder seine Gesundheit sind in ernster Gefahr. Gleichzeitig fühlt er sich ausgeliefert und machtlos, er spürt starke Angst, Hilflosigkeit und Verzweiflung.

PTBS entwickelt sich aber nicht nur bei Personen, die direkt von einem solchen Ereignis betroffen waren. Auch Augenzeugen, die entsprechende starke emotionale Reaktionen erleben, können an der psychischen Störung erkranken.

Mögliche Ursachen für eine PTBS sind:

  • Vergewaltigung
  • Sexueller Missbrauch oder Misshandlung in der Kindheit
  • Verbrechen, gewalttätige Angriffe auf die eigene Person
  • Krieg, Gefangenschaft, Geiselnahme, Folter
  • Terroranschläge
  • Naturkatastrophen
  • Schwerer Unfall
  • Diagnose einer lebensbedrohlichen Erkrankung

Das Geschehen verändert das Selbst- und Weltverständnis nachhaltig. Das Vertrauen in andere Menschen kann anhaltend verletzt werden.

Was genau bei einem PTBS passiert, warum es dabei zu typischen Symptomen kommt (siehe Kapitel Symptome), wird noch erforscht. Vieles deutet darauf hin, dass das Gehirn das traumatische Erlebnis in irgendeiner Form fehlerhaft – quasi in unsortierten Bruchstücken – abspeichert. Das Ereignis kann daher nicht erfolgreich verarbeitet und in die eigene Biografie eingeordnet werden.

Risikofaktoren für eine posttraumatische Belastungsstörung

Obwohl grundsätzlich jeder Mensch an einer Posttraumatischen Belastungsstörung erkranken kann, löst nicht jedes Trauma zwangsläufig eine PTBS aus. Folgende Faktoren erhöhen das Risiko:

  • Eine sehr lange Dauer und besondere Schwere des Traumas
  • Mangelnde Unterstützung durch Freunde und Familie, schwaches soziales Netz
  • Vorangegangene Traumen oder psychische Krankheiten
  • Eine Gewalterfahrung durch andere Menschen wird oft schwerer verkraftet als das Trauma durch eine Naturkatastrophe
  • Veranlagung: Wissenschaftler vermuten, dass eine gewisse Bereitschaft für PTBS bereits in den Erbanlagen (Genen) liegen könnte.
  • Manche Berufsgruppen haben ein erhöhtes Trauma-Risiko, da sie häufiger belastende Ereignisse verarbeiten müssen (zum Beispiel Einsatzhelfer, Polizisten, Soldaten)

Ein Trauma kann auch andere Störungen als eine PTBS zur Folge haben – zum Beispiel eine akute Belastungsreaktion oder eine Anpassungsstörung. Diese Diagnosen muss der Arzt von der posttraumatischen Belastungsstörung abgrenzen.

Eine Posttraumatische Belastungsstörung kann unmittelbar nach einem traumatischen Erlebnis auftreten – oder erst Wochen, Monaten oder sogar Jahre später Symptome verursachen. Die Beschwerden halten üblicherweise länger als einen Monat an und bessern sich meist nicht von selbst:

Belastende Erinnerungen, Gedächtnislücken, Alpträume

Kennzeichnend für die PTBS ist, dass die Betroffenen das Trauma in Gedanken oder Gefühlen ungewollt immer wieder durchleben. Kleine, harmlose Reize – ein Geräusch, ein Geruch, ein Bild – können genügen, um das traumatische Geschehen wieder aufflackern zu lassen, als passiere es erneut im "Hier und Jetzt". Das Gefühl will sich nicht einstellen, dass das schreckliche Ereignis doch eigentlich in der Vergangenheit liegt und vorbei ist.

Die Erinnerungen an das Trauma müssen aber keineswegs vollständig sein. Es können Erinnerungslücken bestehen. So sehen längst nicht alle Betroffenen das Geschehen vor ihrem geistigen Auge ablaufen. Manche können sich überhaupt nicht an Bilder erinnern. Andere sind nicht in der Lage, über das Erlebte zu sprechen. Doch sie spüren zum Beispiel wieder dieselbe Angst und Hilflosigkeit, die sie in der traumatischen Situation erlebt haben. Sie empfinden plötzlich wieder das gleiche Herzklopfen oder den gleichen körperlichen Schmerz.

Intrusionen oder Flashbacks heißen solche sich aufdrängenden, unkontrollierbaren Erinnerungsbruchstücke. Häufig kehren die Eindrücke auch in Form von Alpträumen wieder.

Weitere Symptome: Schlafstörungen, Angst, Übererregbarkeit

Viele Betroffene leben nach dem Trauma in einem Gefühl anhaltender Bedrohung. Sie empfinden ihre Umwelt auf einmal als unsicher und gefährlich – ein ständiger Stress für Körper und Seele. Mögliche Folgen sind Ängste, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Schreckhaftigkeit oder Konzentrationsstörungen.

Mögliche Folge: Vermeidungsverhalten, Rückzug, Schuldgefühle

Betroffene versuchen oft, jegliche Situation zu meiden, die an das Trauma erinnern könnte. Sie halten sich zum Beispiel von bestimmten Orten fern. Oder sie reden nicht über das Geschehene, verdrängen alle Gedanken daran. Psychologen sprechen von Vermeidungsverhalten. Es kann Angstgefühle zusätzlich verstärken.

Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung fühlen sich häufig körperlich und emotional erschöpft. Viele ziehen sich deshalb zurück, reduzieren den Kontakt zu anderen, wirken teilnahmslos und gleichgültig.

Manche blenden ihre eigenen Gefühle völlig aus. Andere kämpfen mit depressiven Verstimmungen. Auch Schuldgefühle und Scham können mit dem Erlebten verbunden sein und bis hin zum Selbsthass führen.

Körperliche Symptome

Eine PTBS kann körperliche Beschwerden auslösen, für die der Arzt keine organische Ursache findet, beispielsweise Schmerzen. Die Belastungsstörung beeinflusst manchmal auch den Verlauf körperlicher Krankheiten wie Herz-Kreislaufkrankheiten ungünstig.

Suchtgefahr, Suizidrisiko

Um die negativen Gefühle zu betäuben, greifen manche Betroffene zu Alkohol, Beruhigungsmitteln oder Drogen. Das Risiko für eine Suchterkrankung steigt bei einer Posttraumatischen Belastungsstörung stark an. Auch die Gefahr für einen Suizid wächst.

Langfristige Folgen

Erhalten Trauma-Betroffene keine geeignete Therapie, wirkt sich das in manchen Fällen langfristig auf ihre Persönlichkeit aus. Sie leben dann in einem ständigen Gefühl der Unsicherheit und Bedrohung, empfinden ihren Mitmenschen gegenüber großes Misstrauen. Sie neigen dazu, sich abzukapseln. Eine solche andauernde Persönlichkeitsänderung wird manchmal auch als Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung bezeichnet.

Unbewältigte Traumen erhöhen zudem das Risiko für Depressionen, Angsterkrankungen und Zwangsstörungen.

PTBS-Symptome bei Kindern

Bei Kindern führt eine Posttraumatische Belastungsstörung nicht selten zu vorübergehenden Rückschritten in ihrer Entwicklung. So macht ein Kind zum Beispiel wieder ins Bett, obwohl es diese Phase eigentlich schon hinter sich gelassen hatte. Manchmal äußern traumatisierte Kinder auch körperliche Beschwerden wie Bauchweh oder Kopfschmerz. Es kann vorkommen, dass die Kinder das, was sie erlebt haben, immer wieder nachspielen.

Oft ist der Hausarzt erster Ansprechpartner. Spürt der Patient körperliche Symptome wie Schmerzen, Herzklopfen, Schweißausbrüche, Zittern oder Atemnot, muss der Arzt zunächst mit einer körperlichen Untersuchung und gegebenenfalls weiterer Diagnostik klären, ob organische Erkrankungen vorliegen könnten.

Vermutet der Arzt eine Posttraumatische Belastungsstörung, wird er zum Spezialisten überweisen – üblicherweise einem Psychiater oder Psychotherapeuten. Er sollte unbedingt besondere Erfahrung auf dem Gebiet wissenschaftlich anerkannter Traumatherapien besitzen. Adressen sind zum Beispiel bei Opferschutzorganisationen (siehe Link am unteren Seitenrand) oder der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie erhältlich.

Der Therapeut erkundigt sich nach den Symptomen und der Krankengeschichte des Patienten. Außerdem fragt der Experte behutsam nach möglichen Auslösern, etwa einem besonders belastenden Ereignis, welches den Symptomen vorausgegangen ist. Dabei wird er mit Bedacht vorgehen. Denn ein zu intensives Fragen nach dem traumatischen Geschehen könnte womöglich Erinnerungen bei dem Patienten wecken, welche die Symptome verstärken und ihn vor dem Beginn einer Therapie überfordern.

Um die Diagnose Posttraumatische Belastungsstörung zu sichern, ist ein ausführliches Gespräch maßgeblich. Sinnvoll ist ein PTBS-spezifisches Interview mit einem standardisierten Fragebogen. So lassen sich auch andere Störungen abgrenzen, die nach einem Trauma vorkommen können – wie eine Anpassungsstörung oder eine akute Belastungsreaktion. Diese Störungen halten in der Regel nicht so lange an wie die PTBS. Und den Betroffenen gelingt es dabei meist leichter, das Erlebte erfolgreich zu verarbeiten.

Der Therapeut muss zudem andere psychische Krankheiten oder Störungen als mögliche Ursache der Beschwerden ausschließen, zum Beispiel Depressionen, Angststörungen, Suchterkrankungen oder eine Borderline-Persönlichkeitsstörung. Sie können auch zusätzlich zur PTBS vorliegen.

Die Therapie der Posttraumatischen Belastungsstörung sollte nach Möglichkeit von einem speziell ausgebildeten und erfahrenen Psychiater oder Psychotherapeuten vorgenommen werden – einem Psychotraumatologen. Denn kommen die falschen Therapieverfahren zum Einsatz, könnten sie das Trauma womöglich noch verfestigen statt dem Betroffenen bei der Bewältigung zu helfen. Bei der Suche nach einem geeigneten Therapeuten können neben dem Hausarzt zum Beispiel auch Opferschutzorganisationen oder die Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie behilflich sein (siehe Links weiter unten auf der Seite).

Je nach Schwere der Erkrankung findet die Behandlung ambulant oder stationär statt. Eine Therapie in der Klinik kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn der Betroffene an ausgeprägten depressiven Verstimmungen leidet.

1. Therapie-Phase: Erste Maßnahmen

Das erste Ziel der Therapie besteht darin, eine sichere Umgebung herzustellen, in welcher der Betroffene vor weiterer Traumatisierung geschützt ist. Er erhält ausführliche Informationen zu PTBS und den Therapiemöglichkeiten. Im Idealfall werden auch Angehörige einbezogen, so dass sie den Betroffenen bestmöglich unterstützen können.

2. Therapie-Phase: Stabilisierung

Die Behandlung einer Posttraumatischen Belastungsstörung setzt ein großes Vertrauen zwischen Therapeut und Patient voraus. Das geplante Vorgehen wird üblicherweise gemeinsam besprochen.

Zunächst geht es darum, im Alltag besser mit den belastenden Symptomen umgehen zu können. Entspannungstechniken können hier helfen, ebenso Techniken, die es dem Patienten erlauben, belastende Gedanken und Gefühle ein Stück weit unter Kontrolle zu bringen.

In manchen Fällen ist zusätzlich eine Therapie mit Medikamenten sinnvoll, zum Beispiel bei gleichzeitig bestehender Depression. Generell werden Therapeuten beim Verordnen von Arzneien jedoch zurückhaltend sein. Denn nicht selten besteht bei einer PTBS ein erhöhtes Risiko für Suchterkrankungen – und damit auch für eine Medikamentenabhängigkeit.

3. Therapie-Phase: Das Trauma überwinden

Die dritte Phase der Therapie erfolgt erst dann, wenn der Patient emotional "stabil" genug ist. Das bedeutet: Er hat mittlerweile wirksame Strategien an die Hand bekommen, die ihm helfen, seine Gefühle zu lenken. Er kann sich unter Anleitung und in einem geschützten Bereich vorsichtig seinem inneren Trauma nähern, ohne sich dabei ausgeliefert oder von schlimmen Eindrücken überwältigt zu fühlen.

Der Psychotherapeut konfrontiert den Erkrankten nun Schritt für Schritt mit den Bildern und Gefühlen des traumatischen Erlebnisses. Sie werden analysiert und eventuell neu bewertet.

Zum Beispiel empfinden manche Betroffene massive Schuldgefühle oder Scham, obwohl es keinen objektiven Grund dafür gibt. So gelingt es nach und nach, das Geschehen in die eigene Biografie einzuordnen und damit abzuschließen. Nicht selten braucht es für die Bearbeitung nur wenige Therapiesitzungen.

Es gibt verschiedene Therapieverfahren, die sich zur Bearbeitung der Posttraumatischen Belastungsstörung eignen: Kognitive Verhaltenstherapie, psychodynamische Verfahren oder das sogenannte EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing). Wie diese Technik im Detail funktioniert, wird noch erforscht. Das Prinzip: Bei EMDR wird das Gehirn durch äußere Reize stimuliert, während die traumatischen Erinnerungen aufgearbeitet werden. Zum Beispiel bewegt der Therapeut den Zeigefinger vor den Augen des Patienten rasch von einer Seite zur anderen und lässt den Betroffenen mit den Augen folgen, während er sich mit dem traumatischen Erlebnis beschäftigt. Eine solche rhythmische Stimulierung scheint im Gehirn bestimmte Prozesse auszulösen. Diese wiederum helfen, die Erinnerungsbruchstücke sinnvoll zu ordnen.

Wieder zurück ins Leben

Schließlich gilt es, den Betroffenen dabei zu unterstützen, wieder ins Leben zurück zu finden. Dabei müssen oft ganz praktische Fragen geklärt werden. So kann es manchmal nötig sein, neue berufliche Perspektiven auszuloten. Eventuell kommt eine Antragstellung nach dem Opferentschädigungsgesetz infrage, um finanzielle Hilfen zu erhalten. Oft müssen PTBS-Betroffene aber auch Beziehungsprobleme in den Griff kriegen. Sie brauchen zudem das "psychische Rüstzeug" für eventuelle Rückfälle.

Es gibt keine Möglichkeit, einer Posttraumatischen Belastungsstörung vorzubeugen. Doch es hat sich gezeigt, dass – neben frühzeitiger psychologischer Betreuung – eine intensive soziale Unterstützung nach einem traumatischen Ereignis sehr wichtig ist. Hat jemand aus der Familie oder in dem Freundeskreis ein Trauma erlebt, können möglicherweise folgende Tipps hilfreich sein:

  • Seien Sie als Angehöriger oder Freund sehr vorsichtig mit gut gemeinten Ratschlägen oder gar Schuldzuweisungen.
  • Hören Sie aufmerksam und genau zu. Respektieren Sie die Gefühle des Betroffenen, zum Beispiel Angstgefühle, als etwas, das er real erlebt.
  • Unterstützen Sie die betroffene Person dabei, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Informieren Sie sich selbst über PTBS, zum Beispiel bei Opferschutzorganisationen.
  • Nehmen Sie Andeutungen zum Thema Suizid unbedingt ernst und suchen Sie umgehend professionelle Hilfe.

Professor Dr. med. Martin Sack, Facharzt für Psychosomatische Medizin, ist leitender Oberarzt der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie des Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Er ist seit vielen Jahren in der Forschung und in der Behandlung von Patienten mit Traumafolgestörungen spezialisiert und besitzt die Qualifikation in spezieller Psychotraumatherapie (DeGPT).