Sonnenallergie (Polymorphe Lichtdermatose)

Juckreiz, Hautrötung, Bläschen nach dem Sonnenbad – eine Sonnenallergie? Was steckt hinter dem Lichtausschlag? Was ist eine Mallorca-Akne? Mehr zu sogenannten Lichtallergien

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aktualisiert am 20.02.2018

Was ist eine Sonnenallergie?

Die Begriffe "Sonnenallergie" und "Lichtallergie" gibt es in der Medizin genau genommen gar nicht. Sie werden umgangssprachlich genutzt – für eine Reihe ganz unterschiedlicher Erkrankungen. Diese Krankheiten haben eines gemein: Sonnenlicht spielt eine wesentliche Rolle, insbesondere der UV-Anteil des Lichts. Um eine echte Allergie handelt es sich nur selten.

Häufigste "Sonnenallergie": Die Polymorphe Lichtdermatose

Eine besonders verbreitete Krankheit unter diesen sogenannten Sonnenallergien ist die polymorphe Lichtdermatose, auch Sonnenekzem genannt. Sie trifft in Mitteleuropa mehr als jeden Zehnten, Frauen häufiger als Männer. Sie kann in jedem Alter auftreten, kommt aber vor allem bei Kindern und jungen Erwachsenen vor. Die genauen Ursachen sind noch nicht geklärt (siehe Kapitel Ursachen).

Eine Polymorphe Lichtdermatose kann über Jahre hinweg immer wieder Beschwerden verursachen. Nicht selten bessert sie sich aber auch im Laufe der Zeit von selbst.

Wie macht sich die Krankheit bemerkbar?

Symptome einer polymorpen Lichtdermatose zeigen sich typischerweise dann, wenn die Haut nach längerer "Sonnenabstinenz" eine ungewohnt hohe Dosis Sonnenstrahlen abbekommt – zum Beispiel nach einem ausgedehnten Spaziergang in der ersten Frühlingssonne oder zu Beginn eines Strandurlaubs im Süden.

Auf den Hautstellen, die der Sonne ausgesetzt waren, bilden sich nach Stunden oder wenigen Tagen stark juckende, fleckige Rötungen. Dann entstehen meist Knötchen (Papeln) oder Bläschen. Die Hautveränderungen können sich von Patient zu Patient stark unterscheiden. Mehr Informationen zu möglichen Anzeichen der Krankheit lesen Sie im Kapitel Symptome.

Therapie bei polymorpher Lichtdermatose

Steht die Diagnose fest, empfiehlt der Arzt eventuell entzündungshemmende Cremes oder Lotionen gegen die akuten Symptome. Wichtig ist aber vor allem ein guter Sonnenschutz, zum Beispiel durch Kleidung und Lichtschutzmittel.

Betroffene sollten darauf achten, ihre Haut nicht zu abrupt intensiver Sonne auszusetzen. Mit solchen Tipps und Maßnahmen kommen die meisten Patienten im Alltag gut zurecht.

Seltener sind schwere Verläufe. Hier kommt eine vorbeugende Behandlung (Phototherapie, Photochemotherapie) infrage. Mehr erfahren Sie im Kapitel Therapie.

Weitere "Sonnenallergien"

Das Kapitel Weitere Lichtdermatosen bietet einen Überblick über andere Krankheiten, die mit Sonnenlicht in Verbindung stehen und deshalb ebenfalls oft "Sonnenallergie" oder "Lichtallergie" genannt werden – darunter Lichtreaktionen durch Medikamente (phototoxische und photoallergische Lichtdermatosen) und die sogenannte Mallorca-Akne.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Die genaue Ursache der polymorphen Lichtdermatose ist noch nicht bekannt. Fest steht nur: Das Sonnenlicht spielt offenbar eine entscheidende Rolle als Auslöser der Krankheit. In spezialisierten Labors lässt sich die Dermatose durch Bestrahlungen mit UV-Lampen nach standardisierten Protokollen hervorrufen – ähnlich wie bei einem Allergietest (siehe Kapitel Diagnose).

Ursache: Allergie?

Was passiert bei einer Polymorphen Lichtdermatose im Organismus? Viele Wissenschaftler glauben, dass die Sonnenstrahlen einen Allergieauslöser (ein Allergen) im Körper entstehen lassen. Das könnte ein Stoff sein, der von außen zugeführt wurde. Wahrscheinlicher handelt es sich um eine eigentlich harmlose körpereigene Substanz, die aus ungeklärten Ursachen eine Reaktion mit dem Sonnenlicht eingeht. Der so umgewandelte Stoff ruft das Immunsystem des Körpers auf den Plan, so die Theorie. Abwehrzellen bekämpfen die vermeintlich schädliche Substanz – so ähnlich wie es bei einer Allergie (beispielsweise einer Nickelallergie) der Fall ist. Die Folge: Allergie-ähnliche Symptome stellen sich ein.

Allerdings gelang es bisher in keinem Fall, bei polymorpher Lichtdermatose einen solchen durch Sonnenlicht entstandenen Allergieauslöser dingfest zu machen. Ob die Theorie von der "Sonnenallergie" also tatsächlich stimmt, muss erst noch bewiesen werden.

Ursache: Freie Radikale?

Es gibt noch weitere Vermutungen zu den Ursachen der polymorphen Lichtdermatose: So führt die energiereiche Strahlung der Sonne in der Haut zur Bildung freier Radikale. Das sind besonders reaktionsfreudige Moleküle. Weil sie instabil sind, gehen sie schnell chemische Bindungen ein – manchmal mit unerwünschten Folgen.

Gewöhnlich verfügt der Körper über spezielle Stoffe (Antioxidanzien), die freie Radikale abfangen. Bei der polymorphen Lichtdermatose – so die Überlegung – gelingt es dem Körper vielleicht nicht in ausreichendem Maße, die beim Sonnen gebildeten freien Radikale unschädlich zu machen. Sie reagieren mit Bestandteilen der Hautzellen. Als Folge wird das Abwehrsystem des Körpers aktiv, Beschwerden treten auf. Aber auch für diese Theorie fehlen bislang aber eindeutige Beweise.

Ursachen anderer "Sonnenallergien"

Neben der polymorphen Lichtdermatose existieren viele weitere Arten von "Sonnenallergien". Bei manchen sind die Ursachen bekannt. Sie entstehen zum Beispiel durch Medikamente plus Sonnenlicht oder den Kontakt zu bestimmten Wiesengräsern oder – paradoxer Weise – manchmal auch durch Lichtschutzmittel. Einen Überblick über verschiedene Formen von "Lichtallergie" und ihre Ursachen liefert das Kapitel Weitere Lichtdermatosen.

Die Symptome bei polymorpher Lichtdermatose stellen sich üblicherweise zeitverzögert ein. Stunden oder wenige Tage nach dem Aufenthalt in der Sonne kommt es zu lästigen Hauterscheinungen:

  • Die Haut fängt an, stark zu jucken (Juckreiz)
  • Es bilden sich rote Flecken (Hautrötungen)
  • Knötchen (Papeln), Bläschen oder Blasen entstehen auf der Haut

Betroffen sind üblicherweise nur solche Körperstellen, die dem Sonnenlicht direkt ausgesetzt waren. Meist sind das vor allem Hals und Dekolleté, (Ober-)Arme, Handrücken, Beine und Gesicht.

Allergisch auf die Sonne?

Die roten, juckenden Hautveränderungen erinnern oft an eine allergische Hautreaktion – wie sie zum Beispiel beim Tragen von nickelhaltigem Schmuck auftritt, wenn eine Nickelallergie besteht. Deshalb haben sich umgangssprachlich die Begriffe "Sonnenallergie" oder "Lichtallergie" für die Polymorphe Lichtdermatose eingebürgert. Ob es sich bei der Krankheit allerdings tatsächlich um eine Allergie handelt, ist noch unklar (siehe Kapitel Ursachen).

Werden die betroffenen Hautstellen fortan mit Kleidung und Lichtschutzmittel vor Sonnenlicht geschützt, verschwinden die Symptome innerhalb weniger Tage. Hautschäden oder Narben hinterlassen sie in der Regel keine. Die Beschwerden können aber erneut auftreten, sobald die Haut wieder dem Sonnenlicht ausgesetzt wird.

Meistens sehen die Veränderungen jedes Mal ähnlich aus. Von Patient zu Patient können sich die Symptome der polymorphen Lichtdermatose aber deutlich unterscheiden – daher die Krankheitsbezeichnung "polymorph" (vielgestaltig). Bei einem Patienten überwiegt zum Beispiel immer die Rötung, beim nächsten bilden sich vor allem Hautknötchen, der dritte beobachtet hauptsächlich Bläschen oder größere Blasen.

Symptome – bevorzugt im Frühling oder im Strandurlaub

Im typischen Fall macht sich die "Sonnenallergie" dann bemerkbar, wenn die Haut einer ungewohnt hohen Dosis Sonnenlicht ausgesetzt war. So stellen sich Symptome häufig im Frühjahr ein, wenn die Sonnenstrahlen allmählich stärker werden und die Haut nach einem langen Winter "sonnenentwöhnt" ist. Gefährdet sind außerdem Urlauber, die mit blasser Haut in sonnige Gefilden reisen und sich dort zum Beispiel zum Sonnenbaden an den Strand legen. Schützen sie ihre Haut nicht ausreichend vor der UV-Strahlung der Sonne, riskieren sie nicht nur einen Sonnenbrand und vorzeitige Hautalterung, sondern auch Symptome einer "Sonnenallergie".

"Gewöhnungseffekt"

Hält man sich häufiger im Sonnenlicht auf, verstärkt die Haut ihre natürlichen Schutzmechanismen gegenüber der Sonne: Sie produziert mehr Hautpigment Melanin, was einen Teil der UV-Strahlen abhält und nebenbei die Haut "gebräunt" aussehen lässt. Zudem wird die Hornhaut dicker, eine Lichtschwiele bildet sich. Das Risiko für einen Sonnenbrand sinkt. Ähnliche Effekte scheinen dazu beizutragen, dass sich Symptome einer polymorphen Lichtdermatose seltener einstellen, sobald sich die Haut an die Sonne "gewöhnt" hat. Manche Betroffene haben im Verlauf des Sommers immer weniger Beschwerden. Im darauffolgenden Frühjahr – nach längerer Sonnenabstinenz – können die Hauterscheinungen aber wieder zurückkehren.

Achtung: Es wäre keine gute Idee, nun eine Art "Gewöhnungstherapie" in Eigenregie vorzunehmen – sei es im Hinblick auf eine "Sonnenallergie" oder einen Sonnenbrand. Denn die Haut könnte dabei womöglich ernsthaft Schaden nehmen. Zu viel UV-Licht fördert Hautkrebs und vorzeitige Hautalterung. Die natürlichen Schutzmechanismen der Haut reichen alleine meist nicht aus, um wirksam vorzubeugen. Wie die optimale Vorbeugung und Behandlung aussieht, lesen Sie im Kapitel Therapie.

Symptome anderer "Sonnenallergien"

Es existieren viele weitere Arten sogenannter "Sonnenallergien", die ähnliche Beschwerden verursachen können. Einen Überblick über verschiedene Formen von "Lichtallergie" und ihre Ursachen liefert das Kapitel Weitere Lichtdermatosen.

Wer eine Sonnenallergie vermutet, sollte einen Arzt aufsuchen. Er wird sich zunächst nach der Krankengeschichte, möglichen Vorerkrankungen, der Einnahme von Medikamenten, nach den Beschwerden und dem Zeitpunkt ihres Auftretens erkundigen.

Hautuntersuchung

Als nächstes wird der Arzt die Haut genau untersuchen. Eventuell sind Hautveränderungen wie Flecken, Knötchen oder Bläschen noch sichtbar (siehe Kapitel Symptome). Der Arzt inspiziert sie dann meist mit einem lupenähnlichen Gerät, dem Dermatoskop.

Nicht selten stellen sich die Symptome einer Sonnenallergie in den ersten Urlaubstagen ein. Die Betroffenen suchen aber erst anschließend ihren Arzt auf. Zu diesem Zeitpunkt sind die Hauterscheinungen oft schon wieder völlig abgeklungen oder kaum noch sichtbar.

Neben der polymorphen Lichtdermatose kommen etliche weitere sogenannte Sonnenallergien als Ursache der Beschwerden infrage (siehe Kapitel Weitere Lichtdermatosen). Der Arzt muss diese Krankheiten mit geeigneten Methoden ausschließen.

Lichttest (Phototest, Photoprovokation)

Bestehen Zweifel an der Diagnose, kann der Arzt einen Lichttest – eine Phototestung – vornehmen. Dazu bestrahlt er ausgesuchte Hautstellen unter streng kontrollierten Bedingungen mit UV-Licht (Photoprovokation). Treten nach Stunden oder Tagen charakteristische Hautveränderungen auf, deutet das sehr stark auf die polymorphe Lichtdermatose hin. Der Arzt erkennt außerdem, auf welchen Anteil des Sonnenlichts der Betroffene besonders reagiert (meist UVA-Strahlung).

Achtung: Solche Phototests dürfen nur beim Arzt und keinesfalls in Eigenregie vorgenommen werden! Andernfalls könnte die Haut geschädigt werden. Handelt es sich um eine andere Art der "Sonnenallergie" – zum Beispiel eine Lichturtikaria – droht bei übermäßiger Bestrahlung im schlimmsten (sehr seltenen) Fall sogar ein anaphylaktischer Schock, der sofort ärztlich behandelt werden muss.

Steht fest, dass es sich um eine polymorphe Lichtdermatose handelt, lautet die wichtigste Empfehlung üblicherweise: konsequenter Sonnenschutz!

Ein vernünftiger Sonneschutz empfiehlt sich auch unabhängig von einer "Lichtallergie". Denn zu viel Sonne erhöht das Risiko für Hautkrebs und lässt die Haut vorzeitig altern. Die Haut sollte vor allem nicht zu abrupt einer großen Dosis Sonnenstrahlen ausgesetzt, sondern im Frühjahr langsam und allmählich an mehr Sonne "gewöhnt" werden.

Sonnenschutz: Wichtig bei Therapie und Vorbeugung

"Sonnenallergiker" beherzigen die allgemeinen Empfehlungen zum Sonnenschutz am besten besonders konsequent:

  • UV-Schutz durch Kleidung: Sonnenhut, Blusen, Hemden oder Hosen halten Sonnenstrahlen – zumindest teilweise – ab. Mittlerweile gibt es außerdem spezielle Textilien, die durch ihre Webart oder Beschichtung besonders gut gegen UV-Strahlen wappnen (geprüfte UV-Schutzkleidung).
  • Mittagssonne meiden: Zwischen 11 und 15 Uhr erreicht die UV-Strahlung ein Maximum. In diesen Stunden lieber im Schatten oder drinnen aufhalten.
  • Sonnencreme verwenden: Unbedeckte Hautstellen dick mit Lichtschutzmittel eincremen. Es sollte einen hohen Lichtschutzfaktor (30 und höher) haben, sowohl vor UVA- als auch vor UVB-Strahlung schützen und möglichst frei von Duft- und Konservierungsstoffen sein. Bei der Auswahl geeigneter Präparate kann die Apotheke helfen. Schon eine halbe Stunde vor der Sonnenexposition auftragen und – um Verluste durch Schwitzen auszugleichen – häufiger mal nachcremen. (Die Schutzdauer verlängert sich dadurch allerdings nicht!)
  • Vorsicht auch hinter Fenstern: UVA-Strahlen dringen zu einem gewissen Teil auch durch normales Fensterglas. Wer zum Beispiel im Sonnenschein längere Strecken mit dem Auto fährt, ist also nicht automatisch vor der UV-Strahlung geschützt. Für sehr empfindliche Personen eignen sich eventuell UV-undurchlässige Folien, die auf Fenstern in Haus und Auto aufgebracht werden können.

Medikamente lindern Beschwerden

Wird die Sonne gemieden, bilden sich die juckenden Hautveränderungen üblicherweise rasch wieder zurück und die Beschwerden verschwinden. Bei deutlichen Hauterscheinungen und quälendem Juckreiz empfiehlt der Arzt eventuell entzündungshemmende, kortisonhaltige Mittel zum Auftragen auf die Haut. Antihistaminika zum Auftragen oder Einnehmen können den Juckreiz abmildern. Außerdem kann es helfen, die Hautstellen zu kühlen, zum Beispiel mit feuchten Umschlägen oder Kühlaggregaten aus der Apotheke. Achtung: Eis nicht direkt auf die Haut legen, sonst drohen Erfrierungen.

Was tun bei schwerer "Sonnenallergie"?

Die meisten Patienten mit polymorpher Lichtdermatose kommen im Alltag gut zurecht. Verläuft die Krankheit jedoch schwer, kann eine ärztlich kontrollierte Phototherapie angebracht sein: Einige Wochen vor dem Sommer oder einer Reise in südliche Länder wird die Haut unter ärztlicher Aufsicht mit festen Dosen UV-Licht bestrahlt. Diese Licht-Abhärtung (light-hardening) soll die Haut an die Sonne "gewöhnen" und Beschwerden abmildern.

Achtung: Auf gar keinen Fall sollten Patienten eine solche "Abhärtung" in Eigenregie versuchen. Dabei könnte die Haut womöglich ernsten Schaden nehmen. UV-Licht erhöht das Risiko für Hautkrebs und vorzeitige Hautalterung.

Therapie-Option: Photo-Chemotherapie

Bei einer starken "Lichtallergie" kann der Arzt die Phototherapie um eine Medikamentengabe erweitern: Bei der Photo-Chemotherapie erhält der Patient vor der Bestrahlung mit UV-Licht ein Psoralen zum Auftragen oder zum Einnehmen. Diese Photo-Chemotherapie (PUVA) wird aber nur in Ausnahmefällen empfohlen, wenn eine gewöhnliche Phototherapie nicht zur Besserung der "Sonnenallergie" führt. Patienten sollten sich bei ihrem Arzt ausführlich zu möglichen Nebenwirkungen beraten lassen.

In sehr schweren Fällen der polymorphen Lichtdermatose mit belastenden Symptomen verschreibt der Arzt eventuell Kortikosteroide in Tablettenform oder Medikamente, die das Immunsystem dämpfen (Immunsuppressiva). Auch hier müssen möglicher Nutzen und mögliche unerwünschte Nebenwirkungen sorgfaltig abgewogen werden. Wer betroffen ist, sollte sich am besten an Einrichtungen wenden, die über große Erfahrung bei der Therapie von polymorpher Lichtdermatose verfügen – wie spezialisierte Zentren größerer Hautkliniken.

Leben Betroffene in ständiger Furcht vor der Sonne oder gar vor "normalem" Tageslicht, kann das ihre Lebensqualität nachvollziehbarer Weise deutlich beeinträchtigen: Manche Freizeitaktivitäten und Reiseziele müssen womöglich aufgegeben, soziale Kontakte an enge Beschränkungen angepasst werden. Nicht zuletzt erleben die meisten Menschen Sonnenschein als "stimmungsaufhellend", als "Muntermacher". Es ist verständlich, dass sehr ausgeprägte Lichtdermatosen Auswirkungen auf das seelische Befinden haben können. Anhaltender Lichtmangel erhöht das Risiko für depressive Verstimmungen. Im individuellen Fall macht daher eventuell eine psychologische Unterstützung Sinn.

Aber auch der umgekehrte Fall ist grundsätzlich denkbar: Psychische Leiden "verstecken sich" manchmal hinter (vermeintlich) rein körperlichen Symptomen. Ärzte beobachten in Einzelfällen, dass Patienten fest davon überzeugt sind, "lichtkrank" zu sein. Ihre Beschwerden lassen sich aber mit medizinischen Diagnoseverfahren nicht objektivieren, so dass die Diagnose unklar bleibt. Führt eine umfassende und sorgfältige Diagnostik durch Spezialisten zu keinerlei Ergebnis, sollte deshalb auch an eine psychische Krankheit als einen möglichen (Mit-)Auslöser gedacht werden.

Es existieren viele weitere Arten sogenannter "Sonnenallergien", die ähnliche Beschwerden verursachen können. Einen Überblick liefert das Kapitel Weitere Lichtdermatosen.

Es existieren zahlreiche Krankheiten, die mit Sonnenlicht in Verbindung stehen und deshalb umgangssprachlich "Sonnenallergie" oder "Lichtallergie" genannt werden. Die mit Abstand häufigste ist die polymorphe Lichtdermatose. Genaue Informationen zu dieser Krankheit liefern die vorangehenden Kapitel: Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie.

Hier in diesem Kapitel erhalten Sie einen Überblick über weitere Lichtdermatosen. Ihr Erscheinungsbild ist oft variabel, die Therapie mitunter schwierig. Wer vermutet, er könne betroffen sein, sollte sich individuell vom Arzt beraten lassen – bei schweren Fällen am besten in einer auf Lichtdermatosen spezialisierten Einrichtung (Photodermatologie). Die folgende Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit:

Phototoxische Reaktion (Phototoxizität)

Die phototoxische Dermatitis wird zwar häufig als "Sonnenallergie" bezeichnet, doch um eine Allergie handelt sich dabei nicht. Vielmehr kommt es zu einer chemischen Reaktion zwischen dem Sonnenlicht und einem bestimmten Stoff im Körper – zum Beispiel einem Medikament, das der Betroffene einnimmt oder gespritzt bekommt, einer Hautcreme, die er benützt oder einem Farbstoff, zu dem er Kontakt hatte.

Arzneimittel, die bekanntermaßen phototoxische Effekte auslösen können, sind bestimmte Antibiotika, manche "harntreibende" Medikamente wie Furosemid oder Hydrochlorothiazid, Herzmedikamente wie Amiodaron und sehr viele weitere. Oft liefert der Beipackzettel entsprechende Hinweise. Auch der Kontakt zu Inhaltsstoffen aus Wiesengräsern (Furocumarine) kann eine phototoxische Lichtdermatose zur Folge haben.

Die Abgrenzung zu einer photoallergischen Reaktion (siehe weiter unten) ist nicht immer sicher möglich. Die Krankheiten können auch nebeneinander vorkommen.

Symptome: Betroffene bekommen sozusagen leichter einen Sonnenbrand als sie es von ihrer Haut gewöhnt sind. Sie reagiert "empfindlicher" auf UV-Strahlen, selten sogar schon auf sichtbares Licht. Geringe Mengen reichen manchmal aus, um an den "besonnten" Hautstellen eine brennende Rötung oder gar Blasenbildung hervorzurufen. Heilt die Stelle ab, können Farbveränderungen (Hyper- / Hypopigmentierung) zurückbleiben. Stecken Wiesengräser hinter der phototoxischen Reaktion, haben die Rötungen oft Streifenform – man sieht quasi die Abdrücke der Grashalme.

Therapie: Gegen akute Symptome empfiehlt der Arzt zum Beispiel Kühlen, kortisonhaltige Cremes oder Antihistaminika. Die auslösenden Substanzen sollten nach Möglichkeit gemieden werden. Vorsicht: Medikamente keinesfalls in Eigenregie absetzen, sondern zuvor unbedingt den Arzt fragen! Ist der Wirkstoff unverzichtbar und kein Präparatewechsel möglich, muss die Haut besonders sorgfältig vor Sonnenlicht geschützt werden. Das ist ohnehin ratsam und beugt unter anderem Farbveränderungen durch phototoxische Reaktionen vor.

 

Photoallergische Reaktion (Photoallergie)

Seltener entsteht unter dem Einfluss von Sonnenlicht oder künstlichen UV-Strahlen (zum Beispiel im Solarium) eine echte Allergie auf einen bestimmten Stoff, eine photoallergische Dermatose. Die Abgrenzung zu einer phototoxischen Reaktion (siehe oben) ist nicht immer zweifelsfrei möglich.

Der Körper bildet bei dieser Art von "Sonnenallergie" also Abwehrstoffe (Antikörper), die gegen eine spezielle Substanz gerichtet sind. Dabei kann es sich zum Beispiel um ein Medikament handeln, das eingenommen oder gespritzt wurde. Manchmal genügt aber bereits der Hautkontakt zu einem Stoff, um – in Kombination mit Sonnenlicht – eine allergische Reaktion auszulösen. Gelegentlich werden Inhaltsstoffe aus Lichtschutzmitteln zum Allergieauslöser. Die Allergie tritt nicht sofort beim ersten Kontakt auf. Der Körper wird zunächst sensibilisiert. Er produziert Antikörper. Und erst beim nächsten Kontakt kommt es im Zusammenhang mit UV-Stahlung zu Hautveränderungen.

Symptome: An Stellen, die UV-Strahlung ausgesetzt waren, rötet sich die Haut und juckt stark. Knötchen, Bläschen oder Blasen bilden sich wie bei einem Kontaktekzem. Besteht der Kontakt zum Allergieauslöser weiterhin, verdickt und vergröbert sich die Haut an den betroffenen Stellen allmählich, die Oberfläche wirkt zerfurcht und schuppt.

Therapie: Der Allergieauslöser sollte – nach Möglichkeit – gemieden werden. Vorsicht, auch hier gilt: Arzneien auf keinen Fall eigenmächtig absetzen, sondern zuvor den Arzt fragen! Ein konsequenter Lichtschutz und antiallergische Medikamente lindern Symptome.

 

Mallorca-Akne

Bei der sogenannten Mallorca-Akne oder Sommer-Akne bilden sich juckende Pickelchen (Knötchen) auf Hautpartien, die der Sonne ausgesetzt waren. Schultern, Dekolleté, Gesicht und Arme sind häufig betroffen. Die Hautveränderungen erinnern ein wenig an eine Akne, daher der Name. Zu dieser Hautreaktion kommt es in Verbindung mit fetthaltigen Cremes, meist Lichschutzsalben.

Wer zu Mallorca-Akne neigt, sollte seine Haut gut vor der Sonne schützen – sich aber bei der Auswahl geeigneter (fettfreier) Lichtschutzpräparate beraten lassen, zum Beispiel in der Apotheke oder beim Arzt.

 

Lichturtikaria (Urticaria solaris)

Diese Form von "Lichtallergie" kommt selten vor, kann für Betroffene aber sehr belastend sein. Die genaue Ursache der Krankheit ist unklar. Manchmal kommt die Lichturtikaria nach Monaten oder Jahren von selbst zum Stillstand.

Symptome: Bereits wenige Minuten nach dem Kontakt mit Sonnenlicht bilden sich blassrote Schwellungen auf der entsprechenden Hautstelle. Sie erinnern an einen Mückenstich. Sie nehmen rasch an Größe zu, Quaddeln entstehen, die stark jucken. Im Extremfall (wenn beispielsweise der ganze Körper dem Licht ausgesetzt war) kann es sogar zu einem anaphylaktischen Schock kommen. Wird das Sonnenlicht gemieden, bilden sich die Hauterscheinungen innerhalb einiger Stunden wieder zurück.

Manche Patienten vertragen noch nicht einmal Tageslicht. UV-Schutzmaßnahmen sind dann zwar zusätzlich sinnvoll, reichen alleine aber nicht aus.

Therapie: Helfen kann eine ärztlich kontrollierte Lichtbehandlung (Phototherapie). Dabei wird die Haut nach einem bestimmten Schema mit (UV-)Licht bestrahlt. Das soll bewirken, dass die Haut das Licht zumindest eine Tage lang besser verträgt. Diese Therapie muss unbedingt unter strenger ärztlicher Kontrolle erfolgen. Sie darf keinesfalls in Eigenregie versucht werden! Schlimmstenfalls könnte es zu einem anaphylaktischen Schock kommen (siehe oben). Bei schweren Formen der Lichturtikaria kommt eventuell eine Photochemotherapie infrage: Bei der PUVA-Methode erhält der Patient zusätzlich zur Bestrahlung mit UVA-Strahlen Psoralene zum Einnehmen oder Auftragen. So lässt sich die beschwerdearme Zeit eventuell auf einige Wochen ausdehnen. In manchen Fällen kommt auch eine Art "Blutwäsche" zum Einsatz, bei der solche Stoffe aus dem Blut gefiltert werden, die vermutlich Symptome (mit-)auslösen. Wer an schweren Krankheitssymptomen leidet, sollte sich am besten an eine spezialisierte Einrichtung größerer Hautkliniken wenden.

 

Aktinische Prurigo

Diese seltene Form der "Sonnenallergie" zeigt sich bereits im Kindesalter. Die Ursache der Krankheit ist unklar. Sie kann sich im Erwachsenenalter bessern. Eine Variante kommt in Amerika erblich bedingt vor.

Symptome: Stark juckende Hautveränderungen bilden sich an Hautstellen, die dem Sonnenlicht ausgesetzt waren, aber auch teilweise an Hautarealen, die von Kleidung bedeckt blieben.

Therapie: Die Behandlung ist sehr schwierig. Übliche Therapiemaßnahmen bringen bei dieser Form von "Lichtallergie" oft nicht den gewünschten Erfolg. Eine Option ist die Behandlung mit Immunsuppressiva oder Thalidomid. Allerdings müssen hier gemeinsam mit den behandelnden Ärzten Nutzen und mögliche Risiken sehr sorgfältig abgewogen werden.

 

Chronisch aktinische Dermatitis (CAD)

Es handelt sich um eine seltene Erkrankung, die häufig belastend verläuft. Sie ist meist nur durch eine Behandlung zu kontrollieren, die das körpereigene Immunsystem dämpft (immunsuppressive Behandlung).

Symptome: Bei dieser Art von "Sonnenallergie" bilden sich auf Hautstellen, die dem Licht ausgesetzt waren, dauerhaft rötliche, entzündete, stark juckende Stellen. Die Haut verdickt sich, das Hautrelief vergröbert sich, tiefe Furchen und Schuppen können entstehen. Oft reichen schon kleine Mengen Licht aus, um die Hautveränderungen hervorzurufen, sogar unter (dünner) Kleidung. Nicht nur UV-Strahlung, auch Kunstlicht kann Beschwerden provozieren.

Therapie: Neben allgemeinen Lichtschutzmaßnahmen kommt auch hier eine PUVA-Therapie infrage (siehe oben), außerdem die Einnahme von Kortikoiden ("Kortison"), Azathioprin oder Cyclosporin-A. Auch hier müssen mit dem Arzt mögliche Nebenwirkungen und Risiken abgewogen werden.

 

Hydroa vacciniformia

Es handelt sich um eine sehr seltene Form von "Sonnenallergie", die im Kindesalter beginnt und sich im Erwachsenenalter meist bessert. Die Ursache ist unklar.

Symptome: Nach Kontakt zur ersten Frühlingssonne kommt es zu Hautrötungen an Ohren, Gesicht, Händen und Armen. Später entstehen an diesen Stellen flüssigkeits- oder blutgefüllte Bläschen, die eintrocknen und einen Schorf bilden. Die Hauterscheinungen hinterlassen muldenförmige Narben.

Therapie: Ein optimaler (absoluter) Lichtschutz ist hier unbedingt erforderlich, damit es zu möglichst geringer Narbenbildung kommt. Kortikoidhaltige Medikamente zum Einnehmen oder Auftragen können die Symptome abmildern. Die Behandlungsmöglichkeiten müssen mit dem Arzt besprochen werden.

 

Sekundäre Lichtdermatosen

Viele Krankheiten werden durch Sonnenlicht beeinflusst. Sie haben aber eigentlich andere Ursachen, zum Beispiel Stoffwechselstörungen oder Autoimmunreaktionen. Solche Erkrankungen werden sekundäre Lichtdermatosen genannt. Beispiele sind Lupus erythematodes, Porphyrie, Xeroderma pigmentosum und Pemphigoid.

Professor Dr. med. Percy Lehmann, Facharzt für Dermatologe, ist Direktor des Zentrum für Dermatologie, Allergologie und Dermatochirurgie - Kompetenzzentrum Hautkrebs im Helios-Klinikum Wuppertal. Er leitet zudem den Bereich in der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, der sich mit den Auswirkungen von UV-Strahlen auf die Haut beschäftigt.

Quellen:

Lehmann P, Schwarz T: Lichtdermatosen: Diagnostik und Therapie. In: Dtsch Arztebl Int 2011; 108(9): 135–41

Wilm A, Berneburg M: Photoallergie. In: JDDG: Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft 2015, 13: 7–13.

Moll I: Duale Reihe Dermatologie, 8. Auflage, Stuttgart Thieme Verlag 2016