Trommelfellverletzungen, Trommelfellriss

Wer mit Wattestäbchen im Ohr stochert, kann leicht sein Trommelfell verletzen. Ein Riss oder Loch entsteht aber auch durch starke, plötzliche Druckschwankungen – im Flugzeug, beim Tauchen, bei einer Explosion

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aktualisiert am 27.07.2016

Was ist eine Trommelfellverletzung?

Bei einer Trommelfellverletzung entsteht ein Riss (eine Ruptur) oder ein Loch (eine Perforation) im Trommelfell.

Wie kommt es dazu? Entweder durch direkte Gewalteinwirkung, zum Beispiel spitze oder stumpfe Gegenstände, Verbrennungen und Verätzungen. Oder durch eine rasche Änderung des Umgebungsdrucks, beispielsweise im Flugzeug, bei einer Explosion, bei der Auslösung eines Airbags oder einem Schlag auf das Ohr. (Mehr zu den möglichen Auslösern im Kapitel Ursachen.)

Typische Symptome einer Trommelfellverletzung sind stechende Schmerzen im Ohr, plötzliche Schwerhörigkeit und manchmal leichte Blutungen aus dem Gehörgang.

Wenn Keime oder Fremdkörper durch das verletzte Trommelfell in das Mittelohr eindringen, kann eine Mittelohrentzündung mit starken Ohrenschmerzen entstehen. Ist auch das Innenohr gereizt oder verletzt, kommt es oft zu Schwindel und Übelkeit sowie zu Ohrgeräuschen (Tinnitus). Selten kann auch eine Lähmung des Gesichtsnerven auftreten. Er verläuft am Rand des Mittelohrs.

Diagnose: Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO-Arzt) erkennt eine Trommelfellverletzung beim Blick in den Gehörgang mit Hilfe des Ohrenspiegels und des Ohrmikroskops. Hörprüfungen zeigen, ob eine Hörminderung eingetreten ist und ob auch das Innenohr beteiligt ist. Mittels der Hörprüfung kann festgestellt werden, ob auch eine Schädigung der Gehörknöchelchen vorliegt.

Therapie: Bei Trommelfellverletzungen ist frühzeitig ärztlicher Rat gefragt. Der Mediziner kann feststellen, wie schwer der Schaden ist. Das Trommelfell hat ein erstaunliches Selbstheilungspotenzial. Schmale Trommelfellverletzungen heilen üblicherweise von alleine wieder aus. Verletzungen mit ausgefransten Enden müssen hingegen vom HNO-Arzt mit einer Folie geschient werden, da sonst die Enden nicht zueinander finden.

Kommt es durch die Folienschienung nicht zu einem Verschluss, wird eine sogenannte Myringoplastik notwendig. Hierbei rekonstruiert der Arzt das Trommelfell mit körpereigenem Gewebe. Müssen auch die Gehörknöchelchen rekonstruiert werden, geschieht dies im Rahmen eines Eingriffs, der dann als Tympanoplastik bezeichnet wird.

Trommelfellverletzungen heilen meistens gut. Schwere Verletzungen mit Beteiligung des Mittel- und Innenohrs können allerdings einen dauerhaften Hörverlust bis hin zur Taubheit zur Folge haben.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Nach dem Entstehungsmechanismus unterscheiden Mediziner zwei Formen der Trommelfellverletzung:

1) Direkte Trommelfellverletzung

Das Trommelfell wird dabei gewaltsam verletzt durch einen spitzen oder stumpfen Gegenstand. Hierzu zählen zum Beispiel Äste, die bei der Gartenarbeit versehentlich in den Gehörgang geraten. Manche Menschen stochern auch mit Haarnadeln, Wattestäbchen ("Ohrenstäbchen") oder Stiften im Ohr herum, zum Beispiel um Ohrenschmalz zu entfernen. HNO-Ärzte warnen eindringlich von solchen unfachmännischen Aktionen – Marken-Wattestäbchen tragen sogar einen entsprechenden Warnhinweis auf der Packung. Denn die Gefahr ist groß, dass man dabei versehentlich das Trommelfell durchstößt.

Wenn stärkere Gewalt im Spiel ist, können auch Schäden im Mittelohr entstehen – zum Beispiel eine Verletzung der Gehörknöchelchen. Womöglich wird sogar das Innenohr in Mitleidenschaft gezogen.

Auch Verbrennungen und Verätzungen verursachen manchmal eine direkte Trommelfellverletzung. Verbrennungen des Trommelfells entstehen zum Beispiel häufig bei (Über-Kopf-)Schweißarbeiten. Dabei können winzige Tröpfchen aus heißem, flüssigem Metall durch den Gehörgang auf das Trommelfell tropfen (sogenannte Schweißperlen-Verletzung). Infolge der Verbrennung heilen Schweißperlen-Verletzungen schlechter als andere Trommelfellperforationen.

2) Indirekte Trommelfellverletzung

Bei indirekten Trommelfellverletzungen spielt der äußere Druck – meistens der Luftdruck – eine entscheidende Rolle. Und zwar aus folgendem Grund:

Hinter dem Trommelfell, also im Mittelohr, befindet sich ein luftgefüllter Hohlraum, die Paukenhöhle. Wenn der Luftdruck in der Umgebung steigt oder fällt, passt sich der Druck in der Paukenhöhle normalerweise rasch an. Der Druckausgleich erfolgt über ein Verbindungskanälchen zwischen Mittelohr und Rachen – die sogenannte Tube oder "Ohrtrompete" (Eustachische Röhre, siehe Grafik oben). Das funktioniert normalerweise ganz gut.

Wenn sich die Tube nicht automatisch öffnet und für Druckausgleich sorgt – wenn sich die Ohren also "zu" anfühlen – hilft meistens Schlucken oder Kauen. Dann knackst es in den Ohren, und der Druck hat sich angepasst. Dieser Ausgleichsmechanismus gerät jedoch manchmal an seine Grenzen: wenn der Umgebungsluftdruck sehr plötzlich und stark ansteigt oder fällt. Vor allem ein rascher Druckanstieg in der äußeren Umgebung ist für die Ohren problematisch. Denn er kann generell etwas schlechter über die Tuben ausgeglichen werden als ein Druckabfall.

Äußerer Überdruck – was passiert im Ohr?

Ein plötzlicher äußerer Überdruck führt dazu, dass das Luftvolumen im Mittelohr zusammengedrückt (komprimiert) wird. Es entsteht dort ein relativer Unterdruck. Die Folge: Das Trommelfell wird Richtung Mittelohr (also "nach innen") gezogen. Das strapaziert die feine Membran. Mögliche Folgen sind Ohrenschmerzen und eine Hörminderung. Am Trommelfell kann es zu einer Rötung, einer Schwellung oder Einblutungen kommen. Die Membran kann auch reißen – das Mittelohr erleidet ein sogenanntes Barotrauma.

Ein plötzlicher äußerer Überdruck entsteht beispielsweise bei einer Explosion in nächster Nähe, bei einer Ohrfeige mit der flachen Hand oder bei einem Kopfsprung ins Wasser.

Flugreisen: Auch im Flugzeug ändert sich der Luftdruck in der Kabine relativ rasch. Beim Start nimmt er ab, bei der Landung nimmt er wieder zu. Vor allem letzteres überfordert manche Ohren – insbesondere, wenn die Tuben beispielsweise durch eine Erkältung oder eine Mittelohrentzündung zugeschwollen sind. Deshalb erteilen Ärzte bei solchen Erkrankungen üblicherweise ein vorübergehendes "Flugverbot". Wer beim Fliegen Probleme mit dem Druckausgleich hat, sollte rechtzeitig (zirka 30 Minuten) vor Start und Landung ein abschwellendes Nasenspray benutzen. Zur Anwendung und zur Auswahl eines geeigneten Präparates berät die Apotheke.

Tauchen: Beim Tauchen kann es ebenfalls zu schnellen Druckschwankungen kommen, die das Trommelfell schlimmstenfalls reißen lassen. Kritisch ist vor allem der Druckanstieg beim Abtauchen. Besonders unangenehm und problematisch wird es, wenn dabei kaltes Wasser ins Mittelohr gelangt. Das irritiert das Gleichgewichtsorgan. Drehschwindel und Übelkeit sind dann oft die Folge (siehe Kapitel Symptome). Außerdem geraten leicht Krankheitserreger ins Mittelohr, was eine Mittelohrentzündung auslösen kann.

Wer schon einmal eine Trommelfellverletzung hatte, muss damit rechnen, leichter einen erneuten Riss zu erleiden. Denn Trommelfellnarben begünstigen eine indirekte Trommelfellverletzung.

Welche Aufgabe erfüllt eigentlich das Trommelfell?

Das Trommelfell hat eine Schlüsselfunktion im Hörprozess. Die dünne, gespannte Membran verschließt das Mittelohr nach außen hin, bildet also die Grenze zwischen Außen- und Mittelohr. Schallwellen gelangen über den Gehörgang zum Trommelfell und bringen es zum Schwingen. Die Innenseite des Trommelfells ist fest mit dem Hammer verbunden. Er ist der erste der drei Gehörknöchelchen im Mittelohr: Hammer, Amboss und Steigbügel. Die Schwingungen des Trommelfells übertragen sich direkt auf die Gehörknöchelchen, die sie verstärken und zum Innenohr weiterleiten. Dort wandeln spezielle Sinneszellen die mechanischen Schwingungen in elektrische Impulse um. Der Hörnerv leitet diese elektrischen Impulse schließlich ins Gehirn weiter, wo sie zu "Hörinformationen" verarbeitet werden.

Schmerz: Während oder direkt nach der Trommelfellverletzung kommt es oft zu einem stechenden Schmerz im Ohr, der jedoch nur kurz anhält. Bahnt sich bei Druckschwankungen ein Barotrauma des Mittelohrs an (siehe Kapitel Ursachen), schmerzen die Ohren eventuell schon kurz vor dem eigentlichen Riss der Membran.

Hörminderung: Leichte Trommelfellverletzungen mit kleinen Rissen haben üblicherweise nur einen geringen Hörverlust zur Folge. Dieser tritt unmittelbar nach Reißen des Trommelfells ein. Größere Trommelfellverletzungen oder zusätzliche Schäden an den Gehörknöchelchen können auch eine ausgeprägte Hörminderung verursachen.

Blut im Ohr: Bei einer Trommelfellverletzung kann es zu leichten Blutungen kommen. Dann tritt eventuell etwas Blut aus dem Gehörgang aus.

Schwindel: Wurde auch das Innenohr gereizt oder verletzt, kann es zum Beispiel zu Drehschwindel, Übelkeit und ruckartigen Augenbewegungen (Nystagmus) kommen.

Mögliche Komplikationen einer sehr ausgedehnten Trommelfellverletzung sind Mittelohrentzündungen, eine Gesichtslähmung oder eine dauerhafte Schädigung des Gehörs bis hin zur Taubheit.

Gespräch: Der Arzt fragt nach möglichen Auslösern einer Trommelfell-Verletzung – beispielsweise einer Flugreise, einer lauten Explosion oder einem Tauchurlaub (siehe auch Kapitel Ursachen). Außerdem erkundigt er sich nach den aktuellen Beschwerden und der Krankengeschichte des Patienten.

Untersuchung: Die wichtigste Untersuchung zur Diagnose der Trommelfellverletzung ist der Blick in den Gehörgang mit Hilfe des Ohrenspiegels (Otoskop) und des Ohrmikroskops. In der beleuchteten Vergrößerung kann der HNO-Arzt Risse und Blutungen des Trommelfells üblicherweise gut erkennen.

Hörtests: Um herauszufinden, ob eine Hörminderung besteht und wie stark diese ist, greift der Arzt auf verschiedene Hörprüfungen zurück. Sie informieren über die Funktionstüchtigkeit von Mittel- und Innenohr.

Wurde die Trommelfell-Verletzung durch flüssiges Metall oder durch Gewalteinwirkung eines Gegenstands verursacht, kann eventuell eine Röntgen-Aufnahme sinnvoll sein, um Fremdkörper im Mittelohr sichtbar zu machen.

Die Therapie richtet sich danach, wie groß die Trommelfell-Verletzung ist. In der Regel heilen kleine schlitzförmige Risse im Trommelfell innerhalb weniger Tage von selbst und bedürfen keiner weiteren Behandlung.

Ist das Ohr mit Fremdkörpern oder Wasser in Kontakt gekommen, verordnet der Arzt eventuell ein Antibiotikum, um einer bakteriellen Infektion vorzubeugen. In der Heilungsphase ist es besonders wichtig, das Ohr trocken und sauber zu halten. Beim Duschen sollte der Gehörgang mit Creme-Watte verschlossen werden. Die meisten Trommelfellperforationen heilen innerhalb von etwa vier Wochen vollständig ab.

Perforationen, die nach vier bis sechs Wochen keine Heilungstendenz zeigen, erfordern einen operativen Eingriff. Ziel der Therapie ist es, die ursprüngliche Form des Trommelfells wiederherzustellen und gegebenenfalls auch die Schallweiterleitung im Ohr und somit die Hörfähigkeit wieder zu verbessern.

Schienung

Zunächst muss der HNO-Arzt die eingerollten Ränder des eingerissenen Trommelfells wieder straff ziehen. Im Anschluss richtet er das Trommelfell auf und schient es mit einer speziellen Silikonfolie, sodass die Ränder wieder glatt zusammenwachsen können.

Rekonstruktion

Wenn der Trommelfellschaden so schwer ist, dass eine alleinige Schienung nicht mehr ausreicht, muss das Trommelfell mithilfe der Myringoplastik rekonstruiert werden. Hierzu entnimmt der Arzt körpereigenes Gewebe des Patienten, zum Beispiel Faszie (eine Bindegewebsschicht, die zum Beispiel Muskeln umhüllt), Knorpelhaut oder Knorpel, und füllt damit die fehlenden Teile im Trommelfell aus. Kleine Perforationen (zum Beispiel Schweißperlen-Verletzungen) können auch mittels eines Stücks körpereigenen Fetts verschlossen werden. Nachdem der Arzt das Trommelfell rekonstruiert hat, schient er die Membran mit einer Silikonfolie.

Oft legt der Arzt abschließend einen Mullstreifen in den Gehörgang ein, der mit einer antiseptischen Lösung getränkt ist. Dies senkt das Risiko einer Infektion.

Schäden in Mittel- und Innenohr

In manchen Fällen kommt es bei einer mechanischen Trommelfell-Verletzung auch zu Schäden der Gehörknöchelchen oder des Innenohrs. Typisch sind unter anderem Verletzungen der Gehörknöchelchen-Kette. Diese Schäden behebt der Arzt nach Möglichkeit ebenfalls in einem operativen Eingriff. Die Operation kann unter Vollnarkose oder mit örtlicher Betäubung erfolgen.

Die Prognose einer Trommelfell-Verletzung ist bei kleinen Rissen sehr günstig. Liegen jedoch größere Verletzungen vor und treten Komplikationen, wie etwa eine bakterielle Infektion auf, kann das Hörvermögen dauerhaft Schaden nehmen.

Vor dem Tauchvergnügen

Wer einen Tauchgang plant, sollte sich zuvor beim Arzt untersuchen lassen und unter anderem klären, ob die Ohren gesund sind. Bei vielen Tauchschulen ist dies sogar vorgeschrieben (Tauchtauglichkeitszeugnis).

Vor der Flugreise

Eine Erkältung, Mittelohrentzündung oder auch anlagebedingt enge Tuben können bei einer Flugreise Probleme bereiten (siehe Kapitel Ursachen). Kinder sind dann meistens noch gefährdeter als Erwachsene, eine Trommelfellverletzung zu erleiden. Am besten klärt man zuvor mit dem Arzt ab, ob der Flug besser verschoben werden sollte. Eventuell rät der Mediziner, bei Start und Landung ein abschwellendes Nasenspray zu verwenden. Was den Druckausgleich zwischen Ohr und Kabinenluft zusätzlich unterstützt: Bei Start und Landung nicht schlafen, regelmäßiges Kauen (zum Beispiel Kaugummi), Schlucken oder das sogenannte Valsalva-Manöver. Dafür hält man sich die Nase zu und presst dann vorsichtig Luft in die Nase – als wolle man sich schnäuzen.

Ohren schützen

Wer zum Beispiel im Beruf lauten Explosionen ausgesetzt ist, der sollte unbedingt einen Gehörschutz tragen. Er hilft nicht nur, das Hörvermögen zu erhalten, sondern senkt auch das Risiko einer Trommelfellverletzung.

Hygieneregeln

Versuchen Sie NICHT, den Gehörgang mit Wattestäbchen oder anderen Utensilien zu säubern! Solche Aktionen können zu Verletzungen und Gehörgangsentzündungen führen. Nach dem Duschen reicht es aus, die äußere Ohrmuschel mit einem Handtuch oder mit loser Watte zu trocknen und zu säubern.

Manche Menschen haben tatsächlich Probleme mit zu viel Ohrenschmalz – beispielsweise durch das Tragen eines Hörgerätes. Sie sollten ihren Arzt fragen, ob und wie häufig eine regelmäßige Reinigung durch den Fachmann ratsam ist, und ob eventuell spezielle Tropfen (essigsaure Ohrentropfen) aus der Apotheke anzuwenden sind.

Dr. med. Frank Waldfahrer, Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, arbeitet seit 2002 als Oberarzt an der Hals-Nasen-Ohren-Klinik, Kopf- und Halschirurgie des Universitätsklinikums Erlangen (Direktor: Professor Dr. Dr. H. Iro).