Prostatakrebs (Prostatakarzinom)

Der Krebs der Vorsteherdrüse tritt vor allem in höherem Alter auf. Mehr Informationen zur Häufigkeit von Prostatakrebs, seinen Symptomen, zur Früherkennung und zur Behandlung

aktualisiert am 05.10.2017

Prostatakrebs - kurz zusammengefasst

Im Vergleich zu anderen Krebsarten wächst Prostatakrebs oft eher langsam. Manchmal ist daher gar keine Therapie nötig, sondern unter engmaschiger ärztlicher Kontrolle kann erst einmal abgewartet werden, wie sich der Tumor entwickelt. Zur Behandlung kommen Operation, Strahlentherapie und Medikamente infrage. Teilweise werden die Verfahren kombiniert. Bei Tochtergeschwülsten kann zusätzlich eine Chemotherapie sinnvoll sein. Alter und Gesundheitszustand des Patienten sowie Ausbreitung und Bösartigkeit des Tumors spielen eine wichtige Rolle bei der Auswahl der geeigneten Therapie. 

Was ist ein Prostatakarzinom?

Das Prostatakarzinom ist ein bösartiger Tumor der Vorsteherdrüse (Prostata) des Mannes. Sein oft langsames Wachstum unterscheidet ihn von anderen bösartigen Tumoren. Prostatakrebs ist in Deutschland bei Männern die häufigste Krebserkrankung mit mehr als 60.000 neuen Fällen jährlich.

Vor dem 50. Lebensjahr ist der Krebs der Vorsteherdrüse selten. Sollte Prostatakrebs beim Vater, Bruder, Onkel oder Großvater in jungen Jahren aufgetreten sein, sind Früherkennungsuntersuchungen schon früher als mit den üblichen 45 Jahren ratsam, zum Beispiel bereits mit 35.

Die Prostata (rot eingekreist) umschließt die Harnröhre ringförmig direkt unterhalb des Blasenausgangs. Hinter der Prostata liegt der Enddarm, von wo aus die Vorsteherdrüse im Rahmen der Früherkennung vom Arzt mit dem Finger ertastet wird.

Die Prostata gehört zu den Fortpflanzungsorganen des Mannes. In ihr entsteht ein Teil der Samenflüssigkeit, einen weiteren Teil bilden die zwei Samenblasen (lila), die der Prostata außen aufliegen. In den Hoden (Testes) wird ein Großteil des männlichen Geschlechtshormons Testosteron produziert, welches Wachstum und Funktion der Prostata steuert.

Der Tumor breitet sich zunächst innerhalb der Prostata aus. Bei fortschreitendem Wachstum kann er aber die bindegewebige Kapsel durchbrechen, die das Organ umgibt, und in benachbartes Gewebe hineinwachsen. Davon können dann Samenblasen, Harnblase und Mastdarm betroffen sein.

Mit zunehmender Dauer der Erkrankung steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich Krebszellen über Lymph- oder Blutbahnen im Körper verteilen und Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden. Diese können zum Beispiel in den Lymphknoten des Beckens, aber auch in anderen Organsystemen des Körpers liegen. Mit Abstand am häufigsten betroffen sind hierbei die Knochen (Wirbelsäule, Rippen- und Beckenknochen). Aber auch in Leber und Lunge können Metastasen auftreten.

Fast alle Männer überleben eine Erkrankung an Prostatakrebs, wenn er so frühzeitig erkannt wird, dass er noch auf die Vorsteherdrüse beschränkt ist. Die Zahl der (diagnostizierten) neuen Prostatakrebsfälle nimmt seit mehreren Jahrzehnten zu, ohne dass die Sterblichkeit steigt. Die relative 5-Jahres-Überlebensrate – ein Maß für die Überlebenswahrscheinlichkeit von Prostatakrebspatienten – hat sich mittlerweile auf etwa 93 Prozent erhöht.

Klar vom Prostatakarzinom unterschieden werden muss die gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse (benigne Prostata-Hyperplasie, BPH), welche vor allem Probleme beim Wasserlassen verursachen kann, jedoch immer auf die Prostata beschränkt bleibt.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Das Problem: Typische Symptome, die frühzeitig und eindeutig auf einen Prostatakrebs hinweisen, gibt es nicht. In den meisten Fällen entsteht Prostatakrebs in der äußeren Drüsenzone. Die Folge: Zur Einengung der im Inneren liegenden Harnröhre mit Störungen beim Wasserlassen kommt es meist erst dann, wenn der Tumor bereits groß ist und sich im gesamten Organ ausgebreitet hat. Daher ist es besonders wichtig, dass Männer die angebotenen Früherkennungsuntersuchungen wahrnehmen.

Warnzeichen eines späten, oft weit fortgeschrittenen Stadiums können zum Beispiel sein:

  • Schwierigkeiten beim Wasserlassen
  • Schmerzen bei der Ejakulation, in Rücken, Becken oder im Hüftbereich

Treten solche Beschwerden auf, dann umgehend den Hausarzt oder Urologen aufsuchen. Nur Mediziner können entscheiden, ob die beschriebenen Symptome harmlos sind oder Anlass für weitere Untersuchungen geben.

Das Ziel von Früherkennungsmaßnahmen ist es, die Diagnose rechtzeitig zu stellen. Nämlich zu einem Zeitpunkt, zu dem ein wachsender Tumor noch gar keine Beschwerden verursacht, er noch klein und vor allem örtlich begrenzt ist. Denn dann sind die Behandlungs- und damit Heilungschancen am größten.

Fachärzte für Urologie empfehlen allen Männern ab 40, ihre Prostata einmal jährlich untersuchen zu lassen. So sehen es auch die aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie vor. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen eine jährliche Früherkennungsuntersuchung auf Prostatakrebs im Normalfall allerdings erst ab dem Alter von 45 Jahren. Liegt die Anlage zu Prostatakrebs möglicherweise in der Familie, kann es wichtig sein, schon viel früher – zum Beispiel bereits ab dem Alter von 35 – mit der regelmäßigen Krebsfrüherkennung zu beginnen. Betroffene sollten sich dazu individuell von ihrem Arzt beraten lassen. In begründeten Fällen zahlt üblicherweise die gesetzliche Krankenkasse.

Tastuntersuchung der Prostata

Zur Früherkennungsuntersuchung gehört die Tastuntersuchung der Vorsteherdrüse. Dabei prüft der Arzt auch die äußeren Genitalorgane, ertastet die Lymphknoten in der Leiste und erfragt Krankheitsgeschichte und eventuelle Beschwerden seines Patienten. Dann untersucht er die Prostata mit dem Finger über den Enddarm (digitale rektale Untersuchung). Denn Prostatakarzinome entstehen am häufigsten in dem Teil der Drüse, der dem Enddarm zugekehrt ist. Der Arzt achtet auf Unregelmäßigkeiten und Verhärtungen, die den Verdacht auf ein Karzinom nahe legen. Doch nicht jeder Prostatakrebs lässt sich auf diese Weise feststellen. Gerade kleine Tumoren fallen bei der Tastuntersuchung manchmal nicht auf.

PSA-Test

Für den sogenannten PSA-Test, eine Laboruntersuchung, die auch bei Verdacht auf Prostatakrebs durchgeführt wird, müssen gesetzlich versicherte Männer derzeit meist selbst aufkommen, wenn der Test rein zur Früherkennung, also ohne begründeten Krebsverdacht, durchgeführt wird (Kosten circa 30 Euro). Bei einem Verdacht auf Prostatakrebs werden die Kosten für den PSA-Test von den gesetzlichen Krankenversicherungen dagegen übernommen.

Das PSA ist ein Eiweiß, das von den Drüsenzellen der Prostata gebildet wird. In geringen Mengen tritt das PSA auch ins Blut über. Der Arzt nimmt dem Mann also Blut ab, das im Labor untersucht wird. Der normale PSA-Wert liegt bei gesunden Männern im Bereich von null bis zweieinhalb Milliardstel-Gramm (Nanogramm, ng) pro Milliliter (ml) Blut. Bei einem Prostatakarzinom ist die PSA-Konzentration im Blut meist erhöht.

Aber es gilt: Eine Erhöhung des PSA-Werts allein ist kein sicherer Hinweis auf Krebs. Denn es gibt noch viele weitere Gründe für einen veränderten PSA-Wert. Eine Prostataentzündung (Prostatitis), eine gutartige Vergrößerung der Prostata (benigne Prostatahyperplasie, BPH), eine vorausgegangene Tastuntersuchung oder Fahrradfahren vor der Blutentnahme können den PSA-Wert beispielsweise ebenfalls in die Höhe jagen. Untersuchungen zeigen, dass nur einer von vier Männern mit einem PSA-Wert zwischen vier und zehn Nanogramm pro Milliliter tatsächlich ein Prostatakarzinom hat.

Umgekehrt gilt auch: So wie eine erhöhter PSA-Wert nicht immer auf ein Prostatakarzinom hinweisen muss, schließen "normale" PSA-Werte Prostatakrebs nicht hundertprozentig aus. Deswegen ist neben dem Absolutwert auch die Anstiegsgeschwindigkeit zwischen verschiedenen PSA-Messungen wichtig.

Intensiv wird derzeit nach Verbesserungen oder Alternativen zum PSA-Test gesucht und geforscht. Reif für den Einsatz in der Praxis sind die bisher geprüften Verfahren allerdings noch nicht.

Beim Verdacht auf Krebs der Vorsteherdrüse wird der Arzt zunächst wie bei der Früherkennungsuntersuchung die Prostata über den Enddarm untersuchen (digital-rektale Untersuchung). Blut für die Bestimmung des PSA-Wertes sollte auf keinen Fall gleich anschließend, sondern entweder vor der Tastuntersuchung oder bei einem gesonderten Termin abgenommen werden.

Liegt ein begründeter Verdacht auf ein Prostatakarzinom vor, so kann letztlich nur eine Gewebeentnahme (Biopsie) diese Befürchtung bestätigen oder die Diagnose Krebs mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen.

Oft wird heute jedoch zuvor eine Kernspin-Untersuchung ("multiparametrische Magnet-Resonanz-Tomographie", kurz mpMRT) der Prostata durchgeführt. Diese ermöglicht eine bessere Aussage, ob ein bösartiger Prostatakrebs, eine Entzündung oder eine gutartige Vergrößerung vorliegt. So kann manchem Patienten, dessen Prostataveränderung sich als doch nicht krebsverdächtig entpuppt die Biopsie erspart werden. Da die mpMRT-Untersuchung noch nicht überall als Standarduntersuchung bei Prostatakrebs anerkannt ist, fragen Sie sicherheitshalber vorab bei Ihrer Krankenkasse nach, ob diese die Kosten für die Untersuchung übernimmt.

Falls tatsächlich ein Prostatakrebs vorliegt, ermitteln die Ärzte als nächstes mit verschiedenen weiterführenden diagnostischen Maßnahmen, welche Größe der Tumor bereits erreicht und wohin er sich vielleicht schon verbreitet hat. Zusätzlich versuchen sie abzuschätzen, wie bösartig der Tumor ist.

Die Biopsie

Bei der Biopsie wird vom Enddarm – gelegentlich auch vom Damm – aus eine Stanznadel in unterschiedliche Teile der Prostata gestochen. Es werden mindestens sechs, meist jedoch zehn bis zwölf Gewebeproben entnommen. Mit Hilfe einer Ultraschallsonde, die über den After in den Enddarm eingeführt wird, kann der Arzt die Prostata und umliegende Gewebestrukturen auf einem Bildschirm sichtbar machen (transrektaler Ultraschall – TRUS) und so die Entnahme von Prostatagewebe gezielt steuern.

Beim Vorliegen einer Kernspintomographie der Vorsteherdrüse kann der in der Prostata vermutete Krebsherd mittels einer sogenannten Fusionsbiopsie punktiert werden. Die bei dem vorausgegangenen MRT ermittelten Daten werden in das zur Biopsie verwendete Ultraschallgerät eingespielt, und dann kann dieser Herd oder auch mehrere Herde, genau getroffen werden. Diese Fusionsbiopsie mittels eines speziellen Ultraschallgeräts geht deutlich schneller als eine Biopsie direkt im MRT-Gerät und ist somit schonender für den Betroffenen.

 

Die Gewebeuntersuchung mit mikroskopischen und molekularbiologischen Methoden dient nicht nur der eigentlichen Tumordiagnose, sondern liefert den Ärzten darüber hinaus wichtige Informationen über die Art und das Verhalten des Tumors. Das ist entscheidend für die Behandlungsplanung.

Weiterführende diagnostische Maßnahmen

Weitere diagnostische Maßnahmen – und damit die Therapieplanung – hängen dann davon ab, wie weit sich der Tumor örtlich ausgebreitet hat, ob er mehr oder weniger bösartig ist und ob sich schon Metastasen in den nahe gelegenen Lymphknoten des Beckens oder in anderen Körperregionen gebildet haben. Zur Klärung werden je nach Situation folgende Verfahren genutzt:

  • Mit Hilfe der transrektalen Ultraschalluntersuchung kann geprüft werden, ob der Tumor die bindegewebige Kapsel bereits durchbrochen hat, welche die Prostata umgibt oder ob er bereits in die Samenblasen eingewachsen ist.
  • Mit Hilfe der so genannten Skelett-Szintigraphie (Knochen-Szintigraphie) lässt sich feststellen, ob der Tumor bereits die Knochen befallen hat. Diese Untersuchung ist sinnvoll, wenn der PSA-Wert (siehe Kapitel Früherkennung) über 20 Nanogramm pro Milliliter beträgt oder andere Hinweise auf Geschwulste in den Knochen bestehen. Dazu werden geringe Mengen einer radioaktiven Substanz in die Blutbahn gespritzt, die sich besonders in erkrankten Knochen anreichert. Eine Kamera, welche die radioaktive Strahlung registriert, ortet dann die metastasenverdächtigen Bereiche.
  • Allgemeine Bluttests gehören zu den weiteren Untersuchungen, die fast alle Patienten noch vor der weiteren Behandlungsplanung hinter sich bringen müssen. Sie dienen vor allem der Prüfung des Gesundheitszustandes, zum Beispiel zur Feststellung der Narkosefähigkeit vor einer Operation.

Noch nicht zum Standard diagnostischer Maßnahmen zählen derzeit Untersuchungsverfahren wie etwa die Magnetresonanz-Tomografie – eventuell verbunden mit einer Gewebeanalyse über Spektroskopie – sowie neue Methoden wie die Positronen-Emissions-Tomografie (Cholin-PET), mit der bei Hochrisiko-Patienten nach Metastasen gesucht wird.

Einteilung von bösartigen Prostatatumoren

Prostatakarzinome gehen meist von Drüsenzellen aus und zählen deshalb zur Gruppe der sogenannten Adenokarzinome. Der Behandlungsplan hängt in hohem Maße davon ab, welche biologischen Eigenschaften ein diagnostizierter Tumor aufweist, wie ausgedehnt und "bösartig" er ist oder zu werden droht. Hinweise dazu erhalten die Mediziner aus den entnommenen Gewebeproben.

Die Einteilung des Tumors erfolgt auf zwei Arten:

1. Gleason-Score:
Beim Prostatakarzinom spielt die nach dem amerikanischen Arzt Dr. Donald Gleason benannte Skala zur Beschreibung der Bösartigkeit von Tumoren (Gleason-Score) die größte Rolle. Dabei werden die betroffenen sichtbaren Zellen aus einer Gewebeprobe in Gruppen aufgeteilt. Die beiden Zelltypen, die am häufigsten vorkommen und die größten Gruppen bilden, werden bewertet, und zwar nach einer Skala zwischen 1 (gesunden Zellen weitgehend ähnlich) und 5 (stark unterschiedlich, vergleichsweise sehr bösartig). Zusammengezählt ergeben die beiden Werte den Gleason-Score.

2. TNM-Bewertung
Dieses System berücksichtigt mit dem Buchstaben T die Tumorgröße sowie die örtliche Ausdehnung, mit dem Buchstaben N den Lymphknotenbefall und mit dem Buchstaben M die Metastasen, also Tochtergeschwülste. Ziffern hinter den jeweiligen Buchstaben bezeichnen genauer die Größe und Ausdehnung (T1-4), das Vorhandensein oder Fehlen von befallenen Lymphknoten (N0 oder N1) und das Vorhandensein oder Fehlen von Metastasen (M0 oder M1).

T1 N0 M0 bezeichnet zum Beispiel einen Tumor, der zum Zeitpunkt der Diagnosestellung lediglich in der Stanzbiopsie oder als Zufallsbefund in Gewebespänen nach chirurgischer Behandlung einer gutartigen Prostatavergrößerung (BPH) nachgewiesen wurde. T3 bedeutet, dass der Tumor die Prostatakapsel durchbricht. N1 steht für Lymphknotenmetastasen, und das Kürzel M1b bedeutet Knochenmetastasen. Eine exakte Beurteilung des T-Stadiums ist erst nach der operativen Entfernung des Tumors möglich. Im Bericht des Pathologen steht dann vor den Ziffern ein kleines "p" für "pathologisch gesichert".

Die Behandlung richtet sich danach, wie bösartig und wie ausgedehnt der Tumor ist.

Lokal begrenzter Prostatakrebs

In frühen Stadien (T1 und T2), wenn der Krebs noch auf die Prostata beschränkt ist und keine Tochtergeschwülste (Metastasen) gebildet hat, ist eine Heilung durch die komplette Entfernung des Tumors im Rahmen einer Operation möglich. Alternativ kommt eine Strahlentherapie in Frage. Auch sie kann zur Heilung führen.

Bei älteren Patienten mit kleinen, wenig bösartigen Tumoren, kommt es eventuell auch in Frage, einfach abzuwarten, ob der Tumor überhaupt wächst, und erst in diesem Fall eine Behandlung zu beginnen. Dieses "Aktive Überwachung" genannte Vorgehen setzt allerdings eine regelmäßige Bestimmung des PSA, regelmäßiges Abtasten und Ultraschalluntersuchungen der Prostata sowie gegebenenfalls auch die erneute Entnahme von Gewebeproben voraus. Wünschen sehr alte oder kranke Männern keine Operation oder Strahlentherapie mehr, können sie sich palliativ mit Medikamenten behandeln lassen. Eine Heilung ist auf diese Weise aber nicht möglich. 

Als neueste Therapieoption wird an wenigen Zentren die sogenannte fokale Therapie kleiner Tumore angeboten, die dann selektiv unter Erhalt des Gesamtorgans ausgeschaltet werden.

Fortgeschrittener Prostatakrebs

Hat sich der Tumor über die Prostata hinweg zum Beispiel in Enddarm oder Samenbläschen ausgebreitet (T3 und T4) und gleichzeitig aber noch keine Tochtergeschwülste in Lymphknoten oder anderen Organen gebildet (N0, M0), so können entweder eine Operation oder eine Kombination aus Bestrahlung und Hormontherapie zur Heilung führen. Mit einer Operation sind die Überlebensraten bei diesen lokal fortgeschrittenen Tumoren jedoch besser. Ältere und kranke Männer, die sich weder einem Eingriff noch einer Bestrahlung unterziehen wollen, können entweder unter ärztlicher Kontrolle abwarten, wie der Tumor sich entwickelt oder sich gleich mit Medikamenten behandeln lassen. Eine Heilung ist auf diese Weise aber nicht möglich.

Tumor mit Metastasen

Hat der Tumor bereits Tochtergeschwulste in Lymphknoten oder anderen Organen gebildet, kommt nur noch eine Therapie mit antihormonalen Medikamenten oder eine Entfernung der Hoden (Orchiektonime) infrage. Daran schließt sich nach etwa vier Monaten eine Chemotherapie an.

Die Therapiemethoden im Überblick

Operation

Ist das Karzinom noch auf die Prostata begrenzt, wird normalerweise versucht, es mit einer Operation komplett zu entfernen und so die Chance auf eine Heilung zu vergrößern. Bei der sogenannten Prostatektomie werden neben der Prostata selbst auch die Samenbläschen und – je nach Risiko – die Lymphknoten des Beckens entnommen. Letzteres geschieht, da diese Lymphknoten die wahrscheinlichste Station für Tochtergeschwülste (Metastasen) sind. Nach der Entfernung der Prostata wird die Harnröhre wieder an die Blase angeschlossen, so dass die Blasenentleerung auf normalem Wege möglich ist.

Eine Alternative zur offenen Operation ist die endoskopische Operation oder Schlüsselloch-Chirurgie durch mehrere kleine Schnitte. Dabei bedient man sich heutzutage in der Regel eines Operationsroboters, über den die ins Becken vorgeschobenen Instrumente von einer Steuerkonsole aus bedient werden können.

Unerwünschte Folgeerscheinungen der radikalen Prostataentfernung lassen sich bei aller Sorgfalt nicht immer vermeiden: Am häufigsten sind der Verlust der Erektionsfähigkeit (Impotenz) und ungewolltes Wasserlassen (Harninkontinenz). Eine vorübergehende Harninkontinenz ist relativ häufig und dauert in der Regel ein paar Wochen oder Monate. Zu einer bleibenden Inkontinenz kommt es bei etwa 1 bis 10 Prozent der operierten Patienten, je nach Zentrum und Operateur (siehe auch: Nachsorge und Rehabilitation).

Einschränkung oder der Verlust der Erektionsfähigkeit (Impotenz) treten auf, wenn bei der Prostataentfernung jene Nervenstränge verletzt werden, die für die Erektion verantwortlich sind. Sie laufen rechts und links an der Prostata sowie zwischen Prostata und Enddarm entlang. Je nachdem, wie weit sich ein Tumor ausgebreitet hat, können die Nervenbündel bei der Operation geschont werden.

Die Prostatektomie ist eine sehr anspruchsvolle Operation. Hier ist es von größter Wichtigkeit, sich ein Zentrum beziehungsweise einen Operateur mit viel Erfahrung auszusuchen. Es ist belegt, dass der Erfolg der Operation stark von der Häufigkeit abhängt, mit der sie an einem Zentrum und von einem bestimmten Operateur durchgeführt wird. Das Zentrum sollte mindestens 100, der betreffende Operateur mindestens 50 "radikale Prostatektomien" pro Jahr durchführen. Sie sollten sich auch nach den Ergebnissen Ihres Operateurs erkundigen; kann er Ihnen keine genauen Zahlen nennen, sollten Sie noch eine Zweitmeinung einholen.

Strahlentherapie

Bei der Strahlentherapie wird energiereiche Strahlung örtlich begrenzt auf den Tumorbereich ausgerichtet. Sie soll die bösartigen Zellen durch Schädigungen ihrer Erbsubstanz (DNA) zum Absterben bringen.

Bei kleinen, auf die Prostata begrenzten Tumoren, kann die Bestrahlung eine Alternative zur Operation sein. Ist der Tumor nicht mehr auf die Prostata begrenzt, sondern hat er sich zum Beispiel auf die Blase oder das Becken ausgeweitet, nimmt die Bestrahlung einen hohen Stellenwert ein – in der Regel in Kombination mit einer Hormontherapie. Darüber hinaus wird die Bestrahlung oft auch zur gezielten Bekämpfung von Knochenmetastasen eingesetzt.

Häufig erfolgt die Bestrahlung der Tumorregion von außen (externe Bestrahlung). Die Gesamtstrahlendosis wird auf kleine Einzeldosen über mehrere Wochen verteilt. Bis der PSA-Wert deutlich sinkt, kann es mehrere Monate dauern.

Unter bestimmten Bedingungen können alternativ auch winzige radioaktive Metallstäbchen in die Prostata eingebracht werden, so dass die Bestrahlung von innen erfolgt (Brachytherapie).

Obwohl durch moderne Bestrahlungstechniken die Nachbarorgane weitgehend geschont werden, können Beschwerden wie eine Entzündung der Blase oder des Darms auftreten. Als Folge der Strahlentherapie kann es bei der Hälfte und mehr der Patienten auch zu einer Impotenz kommen. Zu Harninkontinenz kommt es nach einer Strahlentherapie nur selten. Weiterhin wurde beobachtet, dass sich nach einer Bestrahlung das Risiko für Dickdarmkrebs erhöht. Daher sollten betroffene Patienten die angebotenen Vor- und Nachsorgeuntersuchungen besonders gewissenhaft wahrnehmen.

Fokale Strahlentherapie

Hierbei handelt es sich um einen noch neuen Therapieansatz, der meist an Zentren angeboten wird. Unter bestimmten Voraussetzungen werden hier kleine, begrenzte und nicht besonders bösartige Tumore unter Erhalt des Gesamtorgans ambulant ausgeschaltet. Zum Einsatz kommen Laser-, Ultraschall- und Kälteverfahren. Potenz und Kontinenz bleiben hier zumeist unbeeinträchtigt, allerdings muss die dauerhafte Tumorfreiheit im Rahmen laufender Studien noch unter Beweis gestellt werden.

Hormonbehandlung

Die Hormonbehandlung kommt zusammen mit einer Bestrahlung im Zuge eines heilenden Ansatzes bei lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinomen infrage. Sie kann entweder vor der Bestrahlung (neoadjuvant) stattfinden, mit dem Ziel, den Tumor zu verkleinern. Oder sie folgt auf die Bestrahlung (adjuvant), um eventuell verbliebene Tumorreste am Wachstum zu hindern. Hat der Prostatakrebs Metastasen gebildet, ist die Hormontherapie gefolgt von einer Chemotherapie das Mittel der Wahl. Palliativ kann eine Hormontherapie auch bei Patienten mit auf die Prostata begrenztem Tumor eingesetzt werden, wenn eine Operation oder Bestrahlung zum Beispiel aus Gesundheitsgründen nicht möglich ist.

Ziel der Behandlung ist es, die Produktion und Wirkung des männlichen Sexualhormons Testosteron zu hemmen. Denn Testosteron unterhält das Wachstum eines Großteils der Zellen des Prostatakrebses. Durch die antihormonelle Therapie wird das Wachstum gehemmt – allerdings nur, solange die Medikamente eingenommen werden.

Drei Methoden der Hormonbehandlung kommen zum Einsatz:

1. Testosteronbildung unterdrücken

Entweder die Hoden – wo Testosteron gebildet wird – werden operativ entfernt – was sehr selten praktiziert wird. Oder betroffene Männer nehmen Medikamente, welche die Testosteronbildung in den Hoden hemmen. Zum Einsatz kommen dabei mehrere chemische Substanzen, unter anderem die LHRH-Analoga beziehungsweise GnRH-Agonisten einerseits sowie die GnRH-Antagonisten andererseits. LHRH-Analoga und GnRH-Antagonisten wirken nach Einnahme ein bis sechs Monate. Hitzewallungen und Schweißausbrüche sind mögliche Nebenwirkungen der dadurch bewirkten Hormonumstellung, lassen sich aber mit Medikamenten in den Griff bekommen. Zusätzlich kommt es zu einer Abnahme des sexuellen Antriebs und zu einer Impotenz. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten und Zuckerkrankheit kann sich ebenfalls erhöhen.

2. Testosteron-Wirkung unterbinden

Medikamente einer weiteren Substanzklasse, die Anti-Androgene, verhindern, dass Testosteron sich an die Tumorzelle koppelt und seine Wirkung entfaltet. Anti-Androgene können unter bestimmten Umständen zusätzlich zu LHRH-Analoga eingesetzt werden. Damit wird der Tumor vollständig von wachstumsstimulierenden Hormonen abgeschirmt, die in geringen Mengen trotz der Analoga-Therapie noch vorhanden sind. Anti-Androgene werden auch als komplette Alternative zu LHRH-Analoga eingesetzt, da ihre Nebenwirkungen geringer sind. Durch die Einnahme von Anti-Androgenen kann es zu Störungen im Magen-Darm-Trakt und der Leberfunktion kommen. Häufig schwellen auch die Brustdrüsen schmerzhaft an. Möglich, aber nicht die Regel, ist eine Minderung des sexuellen Lustempfindens und der Potenz.

3. Blockade durch weibliche Hormone

Weibliche Geschlechtshormone (Östrogene), verabreicht in hohen Dosen, können ebenfalls die Testosteronproduktion in den Hoden blockieren. Jedoch werden erhebliche Nebenwirkungen beobachtet, unter anderem auf das Herz-Kreislauf-System und die Blutgerinnung. Diese Therapievariante wird deshalb nicht mehr vorrangig angewandt.

Chemotherapie

Die Chemotherapie wird zum Beispiel beim Vorliegen von Tochtergeschwulsten mit der der Hormontherapie kombiniert. Dabei setzen die Ärzte Medikamente ein, welche die Zellen des Tumors an der Teilung und damit der Vermehrung hindern, sie zum Absterben bringen und damit das Wachsen des Tumors unterbinden. Diese Medikamente heißen Zytostatika. Sie wirken jedoch nicht nur auf den Tumor, sondern auf alle sich schnell erneuernden Gewebe im Körper. Zu den typischen Nebenwirkungen vieler Zytostatika gehören vorübergehende Störungen der Blutzellbildung oder auch Haarausfall sowie Übelkeit und Erbrechen. Prostatakarzinome reagieren auf Zytostatika – allerdings nicht so empfindlich wie manch andere Krebsarten. Die Behandlung bringt auch keine endgültige Heilung, kann aber den Krankheitsverlauf verzögern.

Schmerztherapie

Bei fortschreitender Erkrankung werden die empfundenen Schmerzen häufig zum Hauptproblem für die betroffenen Männer. Schmerzlindernd können auch eine Chemo- oder Strahlentherapie wirken, im Vordergrund steht aber die Behandlung mit Schmerzmitteln.

Bei schmerzhaften Knochenmetastasen kann eine gezielte Bestrahlung Linderung bringen. Dadurch können gleichzeitig die geschädigten, bruchgefährdeten Knochen wieder gefestigt werden. Auch mit der Gabe von hochdosierten Östrogenen oder von bestimmten radioaktiven Substanzen, die sich in erkranktem Knochen anreichern und ihn von innen bestrahlen, können Rückbildungen der Knochentumore und damit eine Schmerzlinderung erreicht werden (Radionuklidtherapie).

Die Nachsorge hat folgende Funktionen:

  • rechtzeitig zu erkennen, wenn die Erkrankung wieder auftritt, um neue Behandlungsmaßnahmen einzuleiten. Ärztliche Nachsorgeuntersuchungen finden in den ersten zwei Jahren etwa alle drei Monate statt. Bei neu aufgetretenen Knochenschmerzen oder "rheumatischen" Beschwerden raten Experten dringend, sofort den behandelnden Arzt aufzusuchen. Denn das Prostatakarzinom bildet im fortgeschrittenen Stadium häufig Tochtergeschwülste im Skelett, die solche Beschwerden verursachen können.
  • Komplikationen, Nebenwirkungen der Therapie sowie Begleiterkrankungen festzustellen, zu behandeln und zu lindern.
  • dem Patienten zu helfen, im Rahmen einer Nachbetreuung auch psychische und soziale Probleme in den Griff zu bekommen. Das kann bereits in der Klinik beginnen, wo Ärzte, Sozialdienst oder Psychologen Rat geben. Außerdem bieten Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen Informationen sowie Gelegenheit zum Kontakt mit anderen Patienten.

Nach dem Krankenhausaufenthalt wird oft eine Anschlussheilbehandlung oder eine Kur empfohlen, um den Genesungsprozess zu beschleunigen. In speziellen Nachsorgekliniken wird auf die Situation der Betroffenen eingegangen. Dort erhalten sie auch Rat, wie sie am besten mit den möglichen Folgen der Krebsbehandlung wie Harninkontinenz oder Impotenz umgehen können.

Harninkontinenz

Harninkontinenz ist die Unfähigkeit, den Urin zu halten. Meist ist diese Störung nur vorübergehend, in seltenen Fällen aber dauerhaft. Ursache ist das Versagen des Verschlussmechanismus am Blasenausgang. Meist unter körperlicher Belastung, beim Husten, Niesen oder Pressen, treten geringe Urinmengen unkontrolliert aus.

Saugfähige Einlagen können den Harn auffangen. Oft kann die Störung durch eine konsequente Beckenbodengymnastik behoben werden. Bei chronischer Inkontinenz können verschiedene operative Verfahren Besserung bringen, etwa die Einpflanzung eines künstlichen Schließmuskels.

Eingeschränkte Sexualität

Die gute Nachricht: Die Produktion der männlichen Geschlechtshormone wird auch durch eine Operation nicht beeinflusst. Das bedeutet: Lustempfinden und Orgasmusfähigkeit bleiben erhalten. Jedoch können Erektionsstörungen auftreten. Zeitliche begrenzte Störungen können Folge einer Schädigung, dauerhafte Probleme Folge einer Entfernung der Nerven im Rahmen operativer Eingriffe sein. Manchmal stecken jedoch auch psychische Beschwerden dahinter.

Ist eine sexuelle Aktivität nur eingeschränkt möglich, ist das für viele Betroffene belastend. Die Unterstützung durch den Sexualpartner vor allem durch offene, verständnisvolle Gespräche kann hier eine große Hilfe sein.

Alter

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken. Über 80 Prozent aller Männer, bei denen ein Prostatakarzinom diagnostiziert wird, sind älter als 60 Jahre.

Mediziner schätzen aufgrund von Untersuchungen an Verstorbenen, dass etwa 60 Prozent aller 60-Jährigen Männer ein Prostatakarzinom haben. Hier handelt es sich aber in den allermeisten Fällen um sehr kleine und wenig bösartige Frühformen des Prostatakrebses, die nicht behandelt werden müssen.

Genetische Veranlagung

Nach Schätzungen liegt der Anteil der genetisch bedingten Prostatakrebs-Erkrankungen zwischen fünf und zehn Prozent. Schon länger ist bekannt: Männer, deren Väter oder Brüder von Prostatakrebs betroffen sind, haben im Vergleich zur übrigen männlichen Bevölkerung ein doppelt so hohes Risiko, selbst daran zu erkranken. Gleichzeitig wächst die Wahrscheinlichkeit, früher von Krebs der Vorsteherdrüse betroffen zu sein.

Wer glaubt, dass er erblich vorbelastet ist, kann sich an spezielle humangenetische Beratungsstellen wenden. Dort wird ermittelt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, ebenfalls an Prostatakrebs zu erkranken. Zu beachten ist: Prostatakrebs kann sowohl durch den Vater als auch durch die Mutter weiter vererbt werden. Aus diesem Grund sollten Ratsuchende bei den Familien beider Elternteile nachforschen, ob Brüder oder Väter an Prostatakrebs erkrankt sind.

Ernährung, Rauchen

Ob die Ernährung – insbesondere eine sehr fett- und kalorienreiche Kost – bei der Entstehung von Prostatakrebs eine Rolle spielt, ist nicht eindeutig geklärt. Bekannt ist jedoch, dass Übergewicht das Risiko für viele Krebsarten erhöht.

Gesichert ist der Zusammenhang zwischen Rauchen und gehäuftem Auftreten von Prostatakrebs.

Professor Dr. Christian Stief ist Facharzt für Urologie. Er habilitierte sich 1991 an der Medizinischen Hochschule Hannover. Seit 2004 steht er als Direktor der Urologischen Klinik des Klinikums der Universität München vor. Er ist Herausgeber mehrerer deutsch- und englischsprachiger wissenschaftlicher Bücher und war von 2006 bis 2012 Mitherausgeber der Fachzeitschrift European Urology.