Rückenschmerzen: Ein Überblick

Rückenschmerzen entstehen vor allem durch strapazierte Muskeln und Bänder oder Verschleiß der Wirbelsäule und Bandscheiben. Warum das so ist, Diagnose, Therapien

aktualisiert am 13.11.2017

Mit Rückenschmerzen macht fast jeder Bekanntschaft, viele Betroffene zum Glück nur einmal.

Meistens sitzt die Pein in der Gegend oberhalb des Gesäßes. Gemeinhin ist dies das Kreuz. Ärzte sprechen hier auch vom tiefen oder lumbalen Rückenschmerz: lumbal bezieht sich auf die Etage der Lendenwirbelsäule. Dabei können die Schmerzen mehr in der Mitte, mehr seitlich oder im ganzen Kreuz verspürt werden. Mitunter strahlen sie auch in die Umgebung aus, zum Beispiel ins Bein, oder sie werden vor allem dort verspürt.

Rückenschmerz ist nicht gleich Rückenschmerz

Wichtige Unterschiede ergeben sich aus

  • Dem zeitlichen Verlauf der Rückenschmerzen:

    - Akut sind Rückenschmerzen, die erstmals oder nach mindestens sechs schmerzfreien Monaten auftreten und höchstens sechs Wochen anhalten.

    - Subakut ist ein Schmerzzustand zwischen akut und chronisch: der Rückenschmerz plagt Betroffene schon länger als sechs, aber kürzer als zwölf Wochen.

    - Bei Schmerzen, die nicht innerhalb von zwölf Wochen abklingen, besteht das Risiko, dass sie chronisch werden (Rücken- und Kreuzschmerzen, die länger als drei bis sechs Monate (es gibt unterschiedliche Definitionen) vorhanden sind, werden als chronisch bezeichnet).
  • Der Häufigkeit: Von der einmal auftretenden (akuten) Episode über wiederkehrende Phasen bis zur anhaltenden, chronischen Schmerzkrankheit gibt es bei Rückenschmerzen viele Varianten.
  • Der Ausprägung: Rückenschmerzen können kaum, mäßig oder wechselnd stark spürbar bis geradezu unerträglich sein. Ärzte lassen Patienten dies bei Bedarf anhand einer Schmerzskala oder eines Fragebogens bewerten.
  • Der Schmerzlokalisation:

    - Unterer Rücken (Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS), Becken): am häufigsten betreffen Rückenschmerzen die untere, am stärksten belastete Partie. Hier kommt es zum Beispiel häufig zu Muskelverspannungen, aber auch zu Bandscheibenvorfällen. Im Beckenbereich spielen sich mitunter spezielle entzündliche Veränderungen ab.

    - Oberer Rücken / Nacken (Bereich der oberen Brustwirbelsäule (BWS) und der Halswirbelsäule (HWS)): Schmerzen in der Nackenregion werden häufig durch eine ungünstige Körperhaltung beim Arbeiten gebahnt. Es kommt zu Muskelverspannungen und -verhärtungen. Möglich sind unter anderem auch entzündliche Lockerungen an der HWS mit Bandscheibenvorfall. Nackenschmerzen strahlen oft in den Hinterkopf, in die Schulter oder den Arm aus. Auch Missempfindungen sind dabei möglich, außerdem kann es zu Schwindelgefühl kommen. Über Nackenschmerzen informiert Sie ein eigener Beitrag auf unserem Gesundheitsportal.

    - Mittlerer Rücken: Rückenschmerzen auf mittlerer Höhe der Wirbelsäule können ebenfalls durch Muskelreizungen, ferner durch Veränderungen der Rippen-Wirbel-Gelenke und durch Skelettverformungen, insbesondere der Brustwirbelsäule, ausgelöst werden.

Eine weitere Unterteilung kennt bei Rückenschmerzen

  • Zwei Hauptgruppen, nämlich unspezifische (beziehungsweise nichtspezifische) und spezifische Rückenschmerzen: Die Mehrzahl der Betroffenen hat unspezifische Rückenschmerzen. Das heißt, ihr Rücken leidet unter verspannten, verkürzten und überdehnten Muskeln, vielleicht auch verhärteten Faszien, die Muskeln und andere Gewebe umgeben. Damit verbundene Funktionsstörungen sind eigentlich aber noch keine Krankheit – solange die Diagnose "unspezifisch" zutrifft, keine speziellen Schäden am Rückgrat nachweisbar sind oder keine andere Krankheit mit Bezug zum Rücken oder mit Schmerzausstrahlung in den Rücken vorhanden ist. Bei spezifischen Rückenschmerzen dagegen ist das der Fall. Auslösend können Rückenleiden selbst sowie andere Erkrankungen sein, die den Rücken mit einbeziehen.

Die Einteilung in "unspezifisch" (beziehungsweise "nichtspezifisch") und "spezifisch" finden nicht alle Experten immer glücklich. Sie hilft aber, die Vielzahl von Rückenschmerzen etwas zu ordnen, und ist häufig in Gebrauch. Daher nimmt auch dieser Beitrag darauf Bezug (siehe zum Beispiel Kapitel "Rückenschmerz-Arten").

Akute Rückenschmerzen: Erste Diagnose

Meist geben das Beschwerdebild des Patienten, seine "Rückengeschichte" und allgemeine Krankengeschichte dem Arzt schon Hinweise, welche Art von Rückenschmerzen vorliegen. Eine gründliche körperliche Untersuchung stützt die Diagnose. Dabei nutzt der Arzt unter anderem bestimmte Bewegungstests, prüft die Kraft und die Muskelsehnenreflexe. Kurzum: Er stellt die Diagnose zunächst meist klinisch (siehe Kapitel "Unspezifische Rückenschmerzen: Diagnose, Therapie").

Erste Therapie bei akuten Rückenschmerzen

Die gute Nachricht ist, dass man hier selbst viel tun kann, etwa mit mehr Bewegung und ausgleichender Aktivität im Alltag. Es hilft auch zu entspannen und tut der Psyche gut. Bettruhe ist übrigens nicht angesagt, allenfalls kurze Schonung.

Allerdings funktioniert Bewegung mitunter doch nicht ohne kurzfristige Einnahme eines traditionellen Schmerzmittels oder ein Wärmepflaster (siehe wiederum Informationen zur Therapie im Kapitel "Unspezifische Rückenschmerzen: Diagnose, Therapie"; Link dazu im vorangehenden Abschnitt). Ihr Arzt und / oder Ihre Apotheke können Sie genauer beraten.

Wie Schmerzmittel wirken, erklärt Ihnen auch unser Video.

Hauptproblem: Chronische unspezifische Rückenschmerzen

Mehrheitlich – in über 80 Prozent der Fälle – bereiten Muskeln, Faszien, Sehnen, Bänder am Rücken Probleme, akut wie chronisch. Rückenprobleme entstehen häufig durch Überbelastung bei schwerer körperlicher Arbeit oder infolge einseitiger Bewegungsabläufe. Diese können – wie übrigens auch Bewegungsmangel – bestimmte Muskelgruppen unterfordern, sodass es zu Ungleichgewichten am Rücken kommt. Belastend wirkt sich auch starkes Übergewicht (BMI <30) aus, Rauchen und überhöhter Alkoholkonsum offenbar ebenfalls.

Außerdem spielen verschiedene Risikofaktoren eine Rolle, auf die der Arzt frühzeitig sein Augenmerk richten wird:

  • Ergonomische Probleme: Ungünstige Einstellung der Geräte am Arbeitsplatz
  • Psychosoziale Faktoren: Konflikte im beruflichen und privaten Umfeld, mangelnde Anerkennung, Überforderung, soziale Unzufriedenheit

Sind tatsächlich Risikofaktoren für ein Chronischwerden erkennbar, sollten sie frühzeitig in das Therapiekonzept mit einbezogen werden:

  • Bei körperlich schwerer oder bei unbefriedigender Arbeit Anpassungen anstreben; verbesserte Arbeitsbedingungen und -abläufe (Arbeitsergonomie), Anerkennung und anderes mehr können die Arbeitszufriedenheit erhöhen und den Rücken entlasten und stabilisieren helfen
  • Bei belastenden emotionalen Konflikten im Beruf und privat nach Lösungen suchen, gegebenenfalls mit Unterstützung eines Psychologen

Welche Hilfen gibt es sonst noch?

Die manuelle Medizin kann mit Techniken wie Mobilisation und Manipulation bei unspezifischen Kreuzschmerzen ein möglicher Behandlungsweg sein. Am besten beurteilt das behandelnde Arzt. Sanfte Bewegungstherapie (Physiotherapie, früher: Krankengymnastik) unter fachkundiger Anleitung eines Physiotherapeuten, wird im Falle unspezifischer Rückenschmerzen jedoch nur bei anhaltenden subakuten oder chronischen Verläufen empfohlen. Dasselbe gilt für Massagen.

Nicht anders die Empfehlungen für speziell ausgerichtete Programme wie Rückenschulen. Neben Elementen zur Kräftigung des Rückens und Verbesserung der Haltung sollten solche Programme den Betroffenen auch Strategien vermitteln, um Ängste vermeiden zu lernen und Selbstvertrauen aufzubauen. Ihr Arzt oder Physiotherapeut kann Sie über geeignete Angebote vor Ort informieren.

Voraussetzung der Übungsbehandlung, besonders bei Begleit- oder Grunderkrankungen ist, dass der Arzt die Trainingsfähigkeit bestätigt. Auch bei spezifischen Rückenschmerzen können Rückenschul-Programme sinnvoll sein.

Übungen zum Nachmachen, die Ihren Rücken kräftigen, finden Sie ebenfalls im Kapitel "Unspezifische Rückenschmerzen: Diagnose, Therapie" in diesem Beitrag.

Entlastung für den Rücken bringt natürlich auch Abnehmen bei Übergewicht, rückenfreundliches Schuhwerk, gegebenenfalls eine optimierte Matratze.

Bei spezifischen Rückenschmerzen richtet sich die Therapie gezielt nach der Diagnose und den medizinischen Anforderungen. Hier kann zum Beispiel eine frühzeitige Physiotherapie durchaus ein wichtiger Baustein der Behandlung sein (siehe unten).

Wichtig: Vermeiden, dass Rückenschmerzen chronisch werden

Bestehen unspezifische Rückenschmerzen und eine dadurch begründete Arbeitsunfähigigkeit trotz Therapie länger als zwei Wochen, wird der Arzt prüfen, ob sich Risikofaktoren für ein Chronischwerden abzeichnen (siehe oben). Gegebenenfalls kann eine frühzeitige begleitende psychologische oder psychotherapeutische Beratung oder auch Behandlung dann die richtigen Weichen stellen. Anderenfalls wird der Arzt die Schmerztherapie intensivieren.

Bleiben die Beschwerden auch nach sechs Wochen noch bestehen, sind spätestens jetzt Maßnahmen empfehlenswert, um die Diagnose zu überprüfen: etwa eine umfassende neuro-orthopädische Untersuchung und einmalig ein bildgebendes Diagnoseverfahren, zum Beispiel Röntgenaufnahmen oder eine Magnetresonanztomografie. Bei länger anhaltenden Rückenschmerzen sollte unbedingt eine umfassende fachpsychotherapeutische Diagnostik durchgeführt werden, um relevante psychosoziale Krankheitsfaktoren zu erkennen.

Diese können im Rahmen einer sogenannten multimodalen Therapie angegangen werden mit dem Ziel, Rücken und Psyche wieder aufzurichten.

Wenn die Schmerzen länger als zwölf Wochen anhalten, also tatsächlich chronisch geworden sind oder erst jetzt einem Arzt präsentiert werden, da sie den Alltag erheblich beeinträchtigen, und wenn behandlungsbedürftige Organbefunde (weiterhin) nicht erkennbar sind, ist eine multimodale Therapie grundsätzlich angezeigt. Mehr dazu im Kapitel "Unspezifische Rückenschmerzen: Diagnose, Therapie" in diesem Beitrag.

Spezifische Rückenschmerzen: mögliche Ursachen?

Nach Studien kann zum Beispiel bei weniger als zehn Prozent der Patienten mit Rückenschmerzen ein Bandscheibenvorfall mit Druck auf einen benachbarten Nerven festgestellt werden. Doch gehört Verschleiß an der Wirbelsäule beziehungsweise an den Bandscheiben zu den ausgesprochen häufigen Diagnosen: mit und ohne Rückenschmerzen.

Infrage kommen bei spezifischen Rückenschmerzen vor allem Krankheiten des Bewegungssystems – Osteoporose, chronisch-entzündliche Erkrankungen wie sogenannte Spondyloarthritiden, die bei rheumatischen Krankheitsbildern eingeordnet werden, sodann Entzündungen der Wirbelsäule durch Erreger, etwa Bakterien. Auch Fehlbildungen oder Formstörungen der Wirbelsäule wie Skoliosen, Verletzungen, Knochen- und Stoffwechselerkrankungen spielen eine Rolle, manchmal außerdem neurologische Störungen und Tumoren. Mitunter können auch Nebenwirkungen von Medikamenten wie zum Beispiel Kortison in Betracht kommen. Kortison kann eine Osteoporose beschleunigen oder verstärken.

Zu den Hauptursachen spezifischer Rückenschmerzen gehören vor allem Erkrankungen des Bewegungsapparates wie:

  • Osteomalazie (Knocherweichung)
  • Chronisch-entzündliche Wirbelsäulen- und Gelenkerkrankungen (Spondyloarthritiden), darunter auch
  • Entzündungen von Wirbeln, Bandscheiben oder Nervenwurzeln bei Infektionen mit Bakterien oder Viren
  • Stoffwechselbedingte Knochenerkrankungen
  • Morbus Paget des Knochens
  • Tumoren

Diagnose und Therapie spezifischer Rückenschmerzen

Der Arzt wird bei mutmaßlich spezifischen Rückenschmerzen neben einer umfassenden körperlichen Untersuchung frühzeitig geeignete Untersuchungen veranlassen, um die möglichen Ursachen einzugrenzen und die Diagnose zu stellen. Das gilt auch, wenn zunächst als unspezifisch eingestufte Rückenschmerzen unter sachgerechter Therapie nach vier bis sechs Wochen nicht abgeklungen sind (siehe oben).

Die Therapie richtet sich nach der Diagnose und umfasst verschiedene konservative (nicht operative) Maßnahmen einschließlich Medikamenten und Physiotherapie, gegebenenfalls gezielte Eingriffe und operative Verfahren. Die Kapitel "Spezifischer Rückenschmerz: Immer krankhaft" und "Spezifische Rückenschmerzen: Therapien" informieren Sie genauer darüber.

Was tun im Akut- oder Notfall?

Klingen akute Rückenschmerzen – im Kreuz oft als Hexenschuss (Lumbalgie) bezeichnet – nicht sehr bald wieder ab, nehmen zu, breiten sich aus oder kehren nach kurzer Besserung zurück, sollten Betroffene den Arzt konsultieren. Kommt es zu weiteren Beschwerden, etwa Schmerzen, Missempfindungen oder Muskelschwäche im Bein ("Ischias", siehe auch Kapitel "Ursachen unspezifischer Rückenschmerzen" und Kapitel "Spezifischer Rückenschmerz: Immer krankhaft "), muss ein Arzt den Patienten erneut untersuchen. Treten Empfindungsstörungen im Intimbereich, Lähmungen der Beine, akute Störungen der Blase, des Mastdarms und der Potenz auf, rufen Sie unverzüglich den Notarzt (Notruf: Tel. 112).

Tun Sie das auch bei Alarmsymptomen wie starken Schmerzen im Rücken, Brustbereich oder Bauch mit deutlichem Unwohlsein und Kreislaufschwäche.

Akute Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in den Arm und Begleitsymptomen gehören ebenfalls in die Hand eines Arztes.

Dasselbe gilt, wenn Rückenschmerzen in Verbindung mit Allgemeinsymptomen wie Fieber, Schüttelfrost, Müdigkeit, Gewichtsabnahme und / oder im Zusammenhang mit einer anderen (Vor-)Erkrankung auftreten.

"Rückenschmerzen": Nicht nur vom, sondern auch zum Rücken

In den Rücken können manchmal Schmerzen ausstrahlen, die an ganz anderer Stelle im Körper entstanden sind: beispielsweise in den Nieren (Koliken), im Unterleib (etwa bei einer Eileiter- und Eierstockentzündung), in der Bauchspeicheldrüse (besonders bei akuter Entzündung) oder Gallenblase (Entzündung, Koliken), im Herzen (Verengungen der Herzkranzgefäße, Herzinfarkt) und nicht zuletzt in der Hauptschlagader (Aortenaneurysma, Ausbuchtung der Gefäßwand, eventuell mit Wandeinriss oder -durchbruch).

Auf die Psyche achten

Seelische Faktoren und ängstliche Denk- und Verhaltensmuster – beides greift oft ineinander – können Rückenschmerzen begünstigen oder verstärken. Bei Depressionen sind Rückenschmerzen neben Schlafstörungen sogar ein sehr häufiges körperliches Symptom.

Wenn Sie vermuten, dass bei Ihnen eine Konstellation dieser Art vorliegen könnte und Sie aktiv nach einer Lösung suchen möchten, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. Er kann Sie an einen Spezialisten überweisen, der Ihrem Rücken weiterhelfen kann.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Das "Doppel-S" namens Wirbelsäule

Die Wirbelsäule hat die Form eines übereinanderstehenden "doppelten S": Im Hals- und Lendenbereich ist sie nach vorne gewölbt (Lordose), im Brust- und Kreuz-Steißbeinbereich nach hinten (Kyphose).

Der tragende Stab der Säule besteht aus 24 Wirbeln, sprich den klötzchenartigen Wirbelkörpern. Diese schauen Richtung Bauch, die Wirbelbögen dagegen nach rückwärts. Die Wirbel liegen schräg-horizontal übereinander und bilden einen Kanal, der das Rückenmark und die Nervenwurzeln der Rückenmark- oder Spinalnerven umgibt. Dazu kommen das Kreuz- und Steißbein, die aus miteinander verschmolzenen Wirbeln bestehen.

Zwei Bänder, das vordere und hintere Längsband, stabilisieren die Wirbelsäule in der Längsachse, auch beim Vorwärts- und Rückwärtsneigen. Das vordere Längsband ist fest mit den Wirbelkörpern verbunden, das hintere mit den Bandscheiben.

Je zwei benachbarte Wirbelkörper und die dazwischen sitzende Bandscheibe (die Kombination heißt Bewegungssegment, siehe auch entsprechenden Abschnitt weiter unten) formen auf beiden Seiten einen Teil der Zwischenwirbellöcher. Nach hinten werden diese natürlichen "Fenster" von den Wirbelgelenken begrenzt, nach oben und unten von den Wirbelbögen.

Die Zwischenwirbellöcher gehören zu den Achillesfersen des Körpers. Denn es treten hier mehrheitlich die sich aus dem Rückenmark entwickelnden Nervenwurzeln der Rückenmarksnerven hindurch (siehe auch oben). Sie sind ein bedeutender Bestandteil des peripheren Nervensystems. Die Nerven erreichen anschließend unter anderem Haut, Muskeln und Gelenke. Die Nervenwurzeln können durch Verschleiß der Strukturen, die das Zwischenwirbelloch bilden, erheblich beeinträchtigt werden (siehe Kapitel "Spezifischer Rückenschmerz: Immer krankhaft").

Die Wirbel und das Kreuz

Der Bauplan der Wirbelsäule wäre lückenhaft ohne die knöchernen Vorsprünge, die Wirbelfortsätze. Wirbelbögen und -fortsätze bilden die leichten Strukturen der Wirbelsäule. Sie wirken als Druckverteiler und Hebelarme.

Es gibt jeweils zwei seitliche Querfortsätze sowie beidseits nach oben und unten einen kurzen Gelenkfortsatz. Er bildet mit dem Partnerfortsatz des Nachbarwirbels ein kleines Gelenk, das Facettengelenk. Da die kurzen Gelenfortsätze aus den Wirbelbögen herausragen, heißen die auch Wirbelbogengelenke.

Dieser Gelenke werden wir uns eigentlich erst dann bewusst, wenn sie streiken und Rückenschmerzen machen. Die Querfortsätze dienen an den Brustwirbelkörpern (wie auch die dort vorhandenen kleinen Gelenkflächen) als Ansatzpunkte für die Rippen. An der Hals- und Lendenwirbelsäule setzen Muskeln und Bänder an den Wirbelfortsätzen an.

Aus jedem Wirbelbogen ragt in der Mitte ein Dornfortsatz nach hinten hervor. Die Gesamtheit dieser Dorne ist das, was wir als Rückgrat tasten. Von dieser Bauweise weichen die obersten zwei Halswirbel deutlich ab. Unter anderem hat das damit zu tun, dass sie den Kopfgelenken den notwendigen Spielraum verschaffen müssen.

Die Hauptlast tragen die Lendenwirbel, vor allem der fünfte. Deshalb ist er zusammen mit seiner Bandscheibe auch der klotzigste. Das verhindert leider nicht, dass sich der Löwenanteil der Rückenschmerzen in diesem Bereich abspielt, der auch den Übergang zum Kreuzbein und Becken bildet.

Kreuzbein und Becken sind über die nur teilbeweglichen Kreuz-Darmbeingelenke (Iliosakralgelenke), aber starke Bänder miteinander verbunden. Die verhindern ein Abscheren des Beckens bei Zug oder Druck.

Überhaupt sind es die dichten Geflechte aus kräftigen Bändern zwischen Wirbelkörpern, Wirbelbögen und Dornfortsätzen, die Wirbelkörper sowie Bandscheiben vorne und hinten fest zusammenhalten.

Ganz besonders wichtig aber sind funktionstüchtige Bandscheiben und Muskeln, die dem Rückgrat Halt und Flexibilität geben.

Was die Bewegungssegmente leisten

Die zentralen Funktionselemente der Wirbelsäule werden unter dem Begriff Bewegungssegment (siehe auch oben) zusammengefasst. Ein solches Segment besteht aus zwei Wirbelgelenken auf derselben Höhe, einer Bandscheibe sowie den zugehörigen Muskeln und Bändern.

Sowohl diese stark gegliederten Muskeln als auch größere, sie überlagernde Muskelzüge bilden die eigentlichen Rückenmuskeln in der Tiefe des Rückens. Mittels der übrigen, zuvor genannten Anteile der Bewegungssegmente halten und strecken sie die Wirbelsäule, drehen sie bis zu einem bestimmten Grad oder beugen sie vor-, rück- und seitwärts.

Funktioniert ein Bewegungssegment nicht richtig, so wirkt sich das sofort auf das nächste Segment und schließlich auf das ganze Gefüge aus: Störungen im Kreuz spürt man letztlich auch im Nacken oder mitten im Rücken. Denn die Wirbelsäule ist eine Gliederkette.

Auch die Wirbelgelenke halten die Wirbel untereinander fest. Daher können sie bei Bandscheibenschäden, die oft zu einer Lockerung der betroffenen Bewegungssegmente führen, in Mitleidenschaft gezogen werden.

Schmerz: Es gibt Fühler und Reflexe

Ausgangspunkt der meisten Formen von Rückenschmerzen sind die in großer Zahl vorhandenen "Schadens-" oder "Schmerzfühler" (Nozizeptoren) in den Bewegungssegmenten. Diese Nervenendigungen schlagen sofort Alarm, wenn Bänder überlastet, Muskeln verhärtet und verkürzt, Sehnenansätze und Gelenkkapseln gereizt oder entzündet sind. Auch die Bandscheiben können wohl schmerzen; im Bereich des äußeren Faserringes der Bandscheiben im Kreuz etwa sind Nervenendigungen beschrieben.

Die Nozizeptor-Schmerzen lösen nach neueren Erkenntnissen eine nervlich vermittelte (neurogene) örtliche Entzündung aus. Damit verbundene Reize werden an das Rückenmark, die periphere Nervenzentrale, weitergeleitet. Unterwegs erreichen die Signale auch das vegetative, "sympathische" Nervensystem, das den Menschen seit Urzeiten in Alarmbereitschaft versetzt und auch Schmerzvorgänge beeinflussen kann. Die Folgen: Ein schmerzempfindliches (sensibles) Zentrum im Rückenmark wird überaktiv. Es entstehen Reflexkreise, die zu Dauerschmerzen führen und Schmerzen auch in andere Rückenetagen ausstrahlen lassen.

Zugleich erreichen die Schmerzsignale natürlich auch das Gehirn. Es verarbeitet die Signale und macht den Schmerz bewusst. In der Summe ergeben sich so nicht nur unterschiedlichste Schmerzarten und -orte, sondern auch Phänomene, für die das "sympathische" Nervensystem verantwortlich ist: zum Beispiel Durchblutungsmangel in bestimmten Haut- oder Muskelbereichen oder vermehrtes Schwitzen.

Von der Schonhaltung zum Schmerzgedächtnis

Die Statik eines schmerzenden Bewegungssegmentes wird umgehend der Notlage angepasst. Bekanntes Beispiel ist die typische, seitlich gekrümmte Schonhaltung bei "Ischiasbeschwerden". Schonhaltungen können allerdings weitere schmerzhafte Verspannungen auslösen.

Schmerzreize, die immer wieder auftreten, können das Schmerzempfinden verändern. Ein Teil der Betroffenen wird überempfindlich für Schmerz. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass die Schmerzrepräsentanzen im Rückenmark und Gehirn bei ihnen so etwas wie ein Schmerzgedächtnis ausgebildet haben. Das Gehirn hat sich verändert. Deshalb ist es wichtig, die negativen Schaltkreise baldmöglich zu durchbrechen (siehe Kapitel "Unspezifische Rückenschmerzen: Diagnose, Therapie" und "Spezifische Rückenschmerzen: Therapien"). Denn sonst wird womöglich ein Schmerzgedächtnis aktiv und bewirkt, dass die Schmerzen chronisch und dadurch viel schwerer beherrschbar werden.

Und der "Ischias"?

Wird die Wurzel des Ischias oder eines anderen Rückenmarknervs beengt, so resultiert eine radikuläre Schmerzsymptomatik (Radikulopathie, von lat. radix = Wurzel und gr. -pathos = Leiden). Ein neuropathischer Schmerz, sodann Missempfindungen, Sensibilitätsstörungen oder Schwäche bestimmter Muskeln können die Folge sein. Auch hier gilt es, bald Abhilfe zu schaffen, um die Entstehung eines Schmerzgedächtnisses möglichst zu verhindern.

Bei unspezifischen Rückenschmerzen: Ausgangspunkt in der Regel harmlos

Probleme mit der Wirbelsäule kommen in allen Altersgruppen vor. Die Mehrzahl der Betroffenen hat unspezifische Rückenschmerzen. Experten nennen sie auch nichtspezifisch oder funktionell: Sie sehen darin in erster Linie eine harmlose, vorübergehende Gesundheitsstörung und noch keine Krankheit –  eine zuverlässige Diagnose vorausgesetzt. Wichtig ist allerdings, dass die Beschwerden sich nicht festsetzen und chronisch werden (siehe Kapitel "Rückenschmerzen: Ein Überblick").

Die Schmerzen gehen von den weichen aktiven Bewegungselementen des Rückens aus – das ist, im Gegensatz zu den harten knöchernen Anteilen, nach derzeitiger Auffassung vor allem die Rückenmuskulatur. Es kommt hier zu Verspannungen, Verkürzungen oder Überdehnungen, Verhärtungen und Reizungen. Auch die passiven Haltestrukturen, Sehnen, Bänder und Faszien, können mit angegriffen sein.

Wer ist betroffen?

Unspezifische Beschwerden im Bereich des Rückens plagen recht häufig die Altersstufe der 30- bis 50-Jährigen. Doch sind inzwischen auch immer mehr Schüler – zwei von drei zwischen zehn und sechzehn Jahren –, Leidtragende. Mädchen geben bei entsprechenden Befragungen in verschiedenen Altersgruppen bis 17 Jahren häufiger Rückenschmerzen an als Jungen. Mehr noch machen Kindern und Jugendlichen nur Kopf-, Bauch- und Gliederschmerzen zu schaffen. Wobei die Rückenschmerzen im Erwachsenenalter zunehmend in den Vordergrund treten. Keineswegs lassen bei älteren Menschen Klagen über Rückenschmerzen nach. Im Unterschied zu jüngeren Jahrgängen werden aber häufiger stärkere Beschwerden angegeben.

Welche Ursachen gibt es?

An der Mehrzahl aller funktionell bedingten Schmerzen im Rücken sind Fehlbelastungen im Alltag schuld: Heben oder Tragen zu schwerer Lasten einschließlich überschüssiger eigener Pfunde, dauernde Überkopfarbeit (zum Beispiel Malerarbeiten), Tätigkeiten mit ständig gebeugtem Oberkörper oder häufigem Bücken, übertriebener Sport oder aber Bewegungsmangel. Sitzende Tätigkeit allein wird heute nicht mehr als relevante Ursache angesehen, es sei denn, es liegen deutliche ergonomische Fehler am Arbeitsplatz vor, also falsche Maße, fehlerhafte Positionierungen und Körperhaltungen, zum Beispiel auch durch unzureichend korrigierte Fehlsichtigkeit.

Meist hilfreich: Sanfte Aktivität und Entspannung

Unspezifische Rückenschmerzen reagieren meist gut auf vorübergehende Schonung, rechtzeitige Korrektur der Haltung und des Bewegungsverhaltens sowie ausgleichende körperliche Aktivität. Geht das wegen der anfänglichen Schmerzen nicht gleich, hilft ein über kurze Zeit eingenommenes Schmerzmittel. Lassen Sie sich hierzu vom Arzt oder Apotheker beraten. Im Anschluss können eventuell gezielte Übungen dazu beitragen, den Rücken zu kräftigen.

Gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung oder moderate sportliche Aktivität sind oft gute Helfer, um zum Beispiel Rückenschmerzen in Verbindung mit Übergewicht zu vermeiden oder in den Griff zu bekommen. Regelmäßige Bewegung hilft auch, Stress abzubauen und das Essverhalten zu regulieren. Mehr zum unspezifischen Rückenschmerz im Kapitel "Ursachen unspezifischer Rückenschmerzen" und "Unspezifische Rückenschmerzen: Diagnose, Therapie" in diesem Beitrag.

Spezifische Rückenschmerzen

Rückenschmerzen bei Erkrankungen oder Verformungen der Wirbelsäule, bei bestimmten entzündlichen Muskel- und Bindegewebskrankheiten oder anderen Erkrankungen werden spezifisch genannt. Viele strukturelle Wirbelsäulenleiden nehmen mit dem Alter zu, unspezifische Rückenschmerzen tendenziell ab.

Schwieriger einzuordnen sind verschleißbedingte Krankheiten wie Arthrose an der Wirbelsäule (Spondylarthrose). Bis zu einem gewissen Grad ist die Abnutzung der Gelenke mit den Jahren normal und kaum schmerzhaft. Allerdings kann eine Arthrose der Wirbelgelenke je nach auslösendem Mechanismus auch erheblich sein und beträchtliche Rückenschmerzen bereiten. Wirbelgelenkarthrosen können Folge funktioneller wie auch struktureller Störungen sein, etwa bei Wirbelgleiten. Solange die Schmerzen keinen Reizmustern von Rückernmarksnerven zuzuordnen sind, bewegen sie sich noch im unspezifischen Bereich. Kommt es zu maßgeblichen Ischiasbeschwerden, weil die entsprechende Nervenwurzel zum Beispiel durch Verdickungen am entzündeten Wirbelgelenk oder vorgefallenes Bandscheibengewebe eingeengt wird, ist ein spezifischer Schmerz entstanden.

Werden Rückenschmerzen von Symptomen wie Fieber, Müdigkeit, Appetitverlust, Gelenkschmerzen oder -schwellungen, Nervenstörungen, Hautausschlägen, Veränderungen des Körpergewichts, Blutes oder anderen Krankheitszeichen begleitet, so ist das immer verdächtig auf eine spezielle Erkrankung, die sich entweder am Rücken selbst abspielt oder ihn mit einbezieht.

Die Kapitel "Spezifischer Rückenschmerz: Immer krankhaft", "Diagnose bei spezifischen Rückenschmerzen" und "Spezifische Rückenschmerzen: Therapien" informieren Sie genauer.

Volkskrankheit Rückenschmerzen

Jeder Dritte, der zum Orthopäden geht, und jeder zwölfte, der den Hausarzt aufsucht – Frauen mehr als Männer –, tut dies wegen Rückenschmerzen. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen unter 18 Jahren haben bereits mehr oder weniger schmerzhafte Haltungsprobleme.

Viele von unspezifischen beziehungsweise nichtspezifischen Rückenschmerzen Geplagte (siehe dazu auch Kapitel "Rückenschmerz-Arten") gehören der vergleichsweise jungen, jedenfalls mitten im Berufsleben stehenden Altersgruppe der 30- bis 50-Jährigen an. Die Behandlung, Rehabilitation und vorzeitige Berentung von Patienten mit chronischen Rückenschmerzen kostet unser Gemeinwesen Jahr für Jahr Milliarden, einschließlich der Kosten für die Arbeitsausfälle.

Gestörtes Muskelspiel

Einseitige Belastung bei bewegungsarmer Lebensweise oder eingefahrene (stereotype) Haltungsmuster, Überlastung durch Übergewicht, falsches Training oder Leistungssport, schließlich auch eine Schwangerschaft: Das sind die mit Abstand führenden Ursachen von Rückenschmerzen. Schwangerschaften und beruflich unvermeidliche Umstände einmal beiseite gelassen, sind die Beschwerden meist eine Folge ständiger Überstrapazierung oder Vernachlässigung des Rückens.

Das erklärt sich durch ein wichtiges Prinzip der Muskelarbeit: das Zusammenwirken eines Spielers und Gegenspielers beziehungsweise entsprechender Muskelgruppen. Wenn Kraftakte bestimmte Spieler- oder Gegenspieler-Muskeln überfordern oder Inaktivität sie verkümmern lassen, kommt es zu Verspannungen, Überdehnungen, Verkürzungen und schließlich Schmerzen.

Genauer: Vernachlässigte, untrainierte Haltemuskeln in der Tiefe des Rückens verkürzen sich. Verkürzte Muskeln verändern die Mechanik der Gelenke, die Sehnenansätze reagieren mit Reizungen. Unterforderte Bewegungsmuskeln – das sind die oberflächlicher gelegenen Rückenmuskeln – werden geschwächt und bilden sich zurück.

Strapazierte Gegenspieler-Muskeln verspannen sich, werden überdehnt, schlechter durchblutet und verhärten sich. Schließlich melden die örtlichen Schmerzrezeptoren Alarm (mehr dazu siehe Kapitel "Aufbau der Wirbelsäule und wie hier Schmerzen entstehen"). Nach einer Haltungsschulung und moderaten Trainingstherapie arbeiten die Muskeln meist wieder entspannter, was als angenehm empfunden wird und Schmerzen vermindern oder sogar beseitigen kann.

Wenn’s plötzlich klemmt: Blockierungen der Lendenwirbel und Iliosakralgelenke

Die kleinen Wirbel- oder Facettengelenke des Rückgrats steuern und begrenzen die Bewegung der Wirbel untereinander. Auf den jeweiligen Wirbelsäulenetagen unterstützen sie auch die Beugung der Wirbelsäule nach vorne und hinten oder das Seitneigen und Drehen (Rotation).

Chronische Fehlbelastung wie auch akute Überbeanspruchung können das mechanische Gleichgewicht stören: Die an der Belastungsgrenze angekommenen Muskeln blockieren das zugehörige Gelenk (siehe Bewegungssegment, Kapitel "Aufbau der Wirbelsäule und wie hier Schmerzen entstehen"). Dies passiert vor allem auf der Ebene der Lendenwirbelsäule und steht dem nah, was oft als Hexenschuss bezeichnet wird. Typisch ist auch die schmerzhafte Blockierung nach abrupter Beugung der Lendenwirbelsäule, wenn ein schwerer Gegenstand gehoben oder wenn einfach nur überhastet das Bett verlassen wird.

An der Halswirbelsäule verursachen eher spezifische, also strukturelle Veränderungen Blockierungen, etwa Folgezustände nach Verletzungen wie ein kompliziertes Schleudertrauma. Aber es gibt auch einen funktionellen "Schiefhals", also den steifen Hals oder "Hexenschuss am Hals". Die Blockierung ist meist ein sehr schmerzhaftes Ereignis. Im Kreuz entspricht sie einem in der Tiefe empfundenen reißenden oder schneidenden Schmerz (siehe Absatz weiter unten, "Hexenschuss...").

Die Iliosakralgelenke (ISG) im Beckenbereich verbinden das Kreuzbein mit dem Darmbein- beziehungsweise Hüftbein des Beckens und bilden im weitesten Sinne eine Brücke zwischen Wirbelsäule und Hüftgelenk. Allerdings sind die ISG, vereinfacht auch Beckengelenke genannt, aus anatomischen Gründen kaum beweglich, sodass oft von Halbgelenken die Rede ist.

Besonders die Bänder all dieser Gelenke tragen einen nicht geringen Teil der auf die Lendenwirbelsäule einwirkenden Last mit. Kein Wunder also, dass es auch hier leicht zu Funktionsstörungen kommen kann. Muskeln, Bänder und Sehnen, die die Iliosakralgelenke fixieren, reagieren bei Überbeanspruchung gereizt, bis das Gefüge streikt und Bewegungen nur noch unter Schmerzen möglich sind. Auch bei Sportverletzungen, zum Beispiel einer Zerrung, kann das passieren. Besonders das Kreuz und die Halswirbelsäule tragen ein erhöhtes Verletzungsrisiko.

Was ist ein Hexenschuss und was ein "Ischias"?

Hexenschuss (akute Lumbalgie): Das bezeichnet einen schlagartig einsetzenden, danach zunächst meist fortbestehenden, eventuell sich auch verstärkenden Schmerz, in der Regel einen Kreuzschmerz. Er führt zur Steifheit und Blockierung im Kreuz (siehe oben). Dadurch, dass der Betroffene instinktiv eine Schonhaltung einnimmt, um den Schmerzen möglichst auszuweichen, können diese sich noch verstärken, da die Muskeln sich vermehrt verspannen. Vorbeugen und Aufrichten des Körpers ist fast unmöglich – heftig verspannte Muskeln halten dagegen. Auch Zug an einer gereizten Nervenwurzel beim Vorbeugen kann die Beweglichkeit einschränken.

Ein Hexenschuss kann auch wieder von alleine abklingen. Der Name sagt nichts über die Herkunft und Bedeutung der Schmerzen aus, sondern ist lediglich eine volkstümliche Sammelbezeichnung für das Symptom "akuter Kreuzschmerz". Wie zuvor beschrieben, ist auch am Hals ein "Hexenschuss" möglich.

Die Auslöser des auch akute Lumbalgie genannten Hexenschusses sind vielfältig. Sie reichen von abrupten Bewegungen – (Ver-)Drehen, Bücken, falsches Heben (Verheben) in Verbindung mit chronischer Muskelschwäche –, Fehlhaltungen oder Attacken durch Kälte und Feuchtigkeit bis hin zu Bandscheibenvorfällen und anderen Erkrankungen der Wirbelsäule. Im Laufe der Schmerzentwicklung kann es (muss aber nicht) zum Beispiel bei einem Bandscheibenvorfall zu einer Schmerzausstrahlung in Hüfte und Bein kommen. Dann spricht der Arzt von Lumboischialgie beziehungsweise Ischiassyndrom.

Auslösend ist dann meist die Reizung einer bestimmten Nervenwurzel (Radikulopathie), die aus dem Rückenmarkskanal austritt. Je nach Ursache und Schwere der Beengung kann das Nervengewebe auch anhaltend Schaden nehmen. Daher muss der Arzt rechtzeitig eingreifen. Damit steht der Hexenschuss am Übergang zwischen unspezifischen und spezifischen Rückenschmerzen. Mehr dazu im Kapitel "Spezifischer Rückenschmerz: Immer krankhaft".

Pseudoradikuläre Beschwerden liegen dagegen vor, wenn ausstrahlende Bein- (oder Arm-)Schmerzen keiner Nervenwurzel zugeordnet werden können. Auslösend können dann zum Beispiel verschleißbedigte Veränderungen der kleinen Facettengelenke zwischen den Wirbeln sein. Darüber informiert Sie ebenfalls das Kapitel "Spezifischer Rückenschmerz: Immer krankhaft".

Diagnose: Meist klinisch mit den "sieben ärztlichen Sinnen"

Welche Art von Rückenschmerzen vorliegt, lässt sich meist aus dem Beschwerdebild, der "Rückengeschichte", der Krankengeschichte und krankheitsbezogenen Familiengeschichte des Patienten – alles zusammen ergibt die Anamnese – sowie einer gründlichen körperlichen Untersuchung ableiten.

Dabei setzt der Arzt unter anderem verschiedene Bewegungstests ein und kontrolliert die Muskelreflexe. Auch prüft er, ob bestimmte Risikofaktoren vorliegen, von denen bekannt ist, dass sie einen chronischen Verlauf fördern können. Solche Faktoren umfassen psychische Belastungen wie auch arbeitplatzbezogene Aspekte. Besteht zum Beispiel ein enger Zusammenhang mit der Tätigkeit, sollte (mit dem Arbeitgeber) geprüft werden, ob hier Anpassungen möglich sind.

Kurzum: Bei unspezifischen (nichtspezifischen) Rückenschmerzen lässt sich die Diagnose meistens schon klinisch anhand der erhobenen Befunde stellen. Wenn es Hinweise gibt, dass die Rückenschmerzen mit einer anderen oder einer bereits vorhandenen Erkrankung zusammenhängen können und / oder Gefahr im Verzug ist, wird der Arzt auch technische Untersuchungen veranlassen (siehe Kapitel "Diagnose bei spezifischen Rückenschmerzen").

Würde zum Beispiel vorgewölbtes oder vorgefallenes Bandscheibengewebe eine Nervenwurzel am Rückenmark beengen, dann dürfte es sich bei den aufgetretenen Schmerzen – in der Regel strahlen sie dann nach einem typischen Muster auch in ein Bein aus – um ein radikuläres Schmerzbild handeln (siehe auch Kapitel "Spezifischer Rückenschmerz: Immer krankhaft", Abschnitte "Wirbelsäulenarthrose..." und "Engpass im Wirbelkanal: Bandscheibenvorfall, Spinalkanalstenose"). Die Nervenwurzeln treten auf den einzelnen Ebenen paarweise seitlich aus dem Rückenmark aus und passieren kleine Öffnungen zwischen den Wirbeln, die Zwischenwirbellöcher. Der bekannte Ischiasnerv, unser größter peripherer Nerv, setzt sich gleich aus mehreren Nervenwurzeln zusammen.

Ob der Ischiasnerv tatsächlich in Bedrängnis ist, lässt sich häufig durch eine genauere neurologisch-orthopädische Untersuchung sagen. Das wäre allerdings ein Beispiel für eine Vorgehensweise bei spezifischen Rückenschmerzen.

Therapie: akut

Bei akuten unspezifischen Rückenschmerzen, einer Iliosakralgelenkblockierung oder einem unkomplizierten Hexenschuss ohne weitere Auffälligkeiten wird der Arzt einfache, aber meist sehr wirkungsvolle Selbsthilfemaßnahmen empfehlen: Oft genügt kurzfristige leichte Schonung. Das deckt sich auch mit der Einschätzung, dass man als ansonsten gesunder Mensch, den Rückenschmerzen ohne weitere krankhafte Auffälligkeiten ereilen, nicht unbedingt gleich zum Arzt gehen muss. Wegen der mehrheitlich hohen Heilungstendenz ist ein Selbstmanagement für wenige Tage vertretbar. Das heißt:

- Nicht ins Bett, sondern auf die Beine

Viele akut Rückenschmerzgeplagte empfinden zwar zwischendurch wiederholtes Entlasten in Rückenlage für etwa zehn Minuten mit einem kleinen Stützkissen unter dem Kreuz, Nacken und den Kniegelenken durchaus als angenehm. So lassen sich die natürlichen Wölbungen (Lordosen) ausgleichen, und die Muskeln entspannen sich leichter.

Auch tut den Bandscheiben die Druckentlastung im Liegen gut. Doch jetzt das Aber: Genauso wie Muskeln brauchen auch die Bandscheiben Bewegung, um ausreichend ernährt zu werden. Und: Bei dauerndem Liegen neigt man zu ungünstigen Haltungen. Bettruhe ist also keineswegs bei akuten Rückenschmerzen ohne weitere Komplikationen und Grundkrankheiten empfehlenswert. Die Betroffenen sollten lieber maßvoll körperlich aktiv bleiben. Zu langes Sitzen und Stehen, Heben, Vor- und Rückwärtsbeugen der Wirbelsäule sollten sie jedoch vermeiden. Wenn man dann wieder etwas aktiver geworden ist, ist auch mehr Bewegung möglich. Manchmal geht es allerdings doch nicht ohne die kurzfristige Einnahme eines schmerzlindernden Medikamentes.

- Schmerztherapie

Entzündungshemmende Medikamente

Bewährt haben sich Entzündungshemmer vom Typ der traditionellen nicht steroidalen Antirheumatika, kurz tNSAR, manchmal auch Antiphlogistika genannt. Beispiele sind Arzneistoffe wie Ibuprofen oder Naproxen. Eine positive Nebenwirkung dieser Antiphlogistika ist ihre schmerzstillende Eigenschaft.

Außer der entzündungshemmenden Wirkung können sie aber leider auch bestimmte Nebenwirkungen mit sich bringen, insbesondere bei längerer Anwendung. Am häufigsten betrifft das den Verdauungstrakt, die Nieren, das zentrale Nervensystem sowie Herz und Kreislauf. Seltener treten allergische Reaktionen oder Zeichen einer Überempfindlichkeit der Haut und Schleimhäute auf.

Machen Sie sich vor der Einnahme kundig, fragen Sie auf jeden Fall Ihren Arzt und Apotheker, was Sie beachten sollten. Es gibt neben Acetylsalicylsäure (ASS) verschiedene tNSAR; einige von ihnen sind auch rezeptfrei in der Apotheke erhältlich, allerdings nur in bestimmten Dosierungen.

Neuere Antirheumatika wie Cox-2-Hemmer eignen sich nur, wenn herkömmliche Mittel nicht eingenommen werden können. Der Arzt verordnet ein solche Mittel nur nach umfassender Aufklärung des Patienten im off label-Modus, das heißt es gibt keine Zulassung für Rückenschmerzen (siehe auch unten: Antidepressiva).

! Achtung: Sie sollten alle Medikamente stets nur gemäß der Gebrauchsinformation beziehungsweise nach Angaben des Arztes oder Apothekers und so kurze Zeit wie möglich einnehmen. So lässt sich sicherstellen, dass Gegenanzeigen, Risiken und Nebenwirkungen Beachtung finden.

Schmerzmittel (Analgetika)

Statt eines Entzündungshemmers kommen auch Schmerzmittel wie Paracetamol zum Einsatz. Eine australische Studie zeigte 2014 hinsichtlich der Dauer bis zur Beschwerdefreiheit nach akuten Kreuzschmerzen keinen Unterschied bei Patienten mit und ohne Paracetamol (siehe Kapitel "Rückenschmerzen: Fachliteratur"). Einer derzeitigen Leitlinie zufolge wird Paracetamol im Akutfall nur optional für den sehr kurzfristigen Einsatz und bis zu einer bestimmten Dosis empfohlen, maximal 3 Gramm, weniger als die für Erwachsene offiziell angegebene Tageshöchstdosis.

Bei ausgeprägten Schmerzbildern kann der Arzt mitunter vorübergehend Opioide einsetzen. Besonders Schmerzmediziner sind in dieser Therapie erfahren. Opioide sind spezielle Betäubungsmittel in unterschiedlichen Dosierungen, Wirkformen und Zubereitungsarten. Sie können gut mit einem entzündungshemmenden Medikament kombiniert werden, da sich durch die verschiedenen Ansatzpunkte der Wirkstoffe – peripher und zentral im Gehirn – eine Potenzierung der Wirkung ergibt. Eine jegliche Schmerzmedikation folgt dem vom Arzt festgesetzten und kontrollierten Schema, an das Sie sich unbedingt halten sollten.

Muskelentspannende Medikamente (Muskelrelaxanzien)

Ergänzend kommen mitunter, etwa wenn der Arzt in erster Linie schmerzhafte Verspannungen der Muskeln feststellt, für kurze Zeit ein muskelentspannendes Medikament in Betracht. Der Arzt wird ein solches Mittel aber nur sehr eingeschränkt verschreiben, da es zum Beispiel müde machen und die Fahrtauglichkeit beeinträchtigen kann.

- Wärmetherapie

Möglich ist auch der Einsatz eines Wärmepflasters als eine empfohlene Form der Wärmetherapie bei akuten oder subakuten, nicht spezifischen Rückenschmerzen. Eine solche Wärmetherapie ist aber nur empfehlenswert, wenn zusätzliche körperliche Aktivität gewähreistet ist. Achtung: Bei akuten Entzündungen, Fieber und einigen anderen krankhaften Umständen ist Wärme nicht geeignet, und sie sollte auch nicht bei chronischen unspezifischen Rückenschmerzen angewandt werden.

Eventuell kommt außerdem eine mobilisierende Behandlung (Chirotherapie oder Manualtherapie) infrage, insbesondere bei Blockierungen. Dies setzt jedoch eine exakte körperliche, oft auch gezielte bildgebende Untersuchung der Wirbelsäule voraus, um sicher zu sein, dass die "Manipulationen" nicht schaden. Bei einem akuten "Ischias" zum Beispiel sind solche Maßnahmen kontraindiziert. Mehr dazu im Kapitel "Spezifische Rückenschmerzen: Therapien".

- Entspannungsverfahren

Entspannungsverfahren wie zum Beispiel Progressive Muskelentspannung nach Jacobson können bei Rückenschmerzen in allen Stadien zum Einsatz kommen. In der akuten bis subakuten Phase können sie dazu beitragen, chronisch werdende Schmerzen zu vermeiden.

Diagnose und Therapie: subakut / chronisch

Obwohl die Akutbehandung darauf abzielt, wiederkehrende oder chronische (unspezifische) Kreuz- oder Rückenschmerzen nach Möglichkeit zu vermeiden und die Arbeitsfähigkeit bald wieder herzustellen, lässt sich ein langwieriger Verlauf leider nicht immer abwenden.

Bestehen die Rückenschmerzen und Arbeitsunfähigigkeit trotz angemessener Maßnahmen länger als vier Wochen, wird der Arzt prüfen, ob gegebenenfalls Risikofaktoren für ein Chronischwerden vorliegen. Dann kann eine begleitende psychologische oder psychotherapeutische Beratung oder Behandung erwogen werden. Ansonsten wird der Arzt die symptomorientierte Therapie intensivieren.

Wenn nach sachgerechter Behandlung die Schmerzen nach sechs Wochen nicht zurückgegangen sind (subakut), wird der Arzt die Diagnose überprüfen. Es sind jetzt sind auch technische Untersuchungen angebracht, etwa ein bildgebendes Verfahren wie eine Röntgenuntersuchung oder zum Beispiel eine Magnetresosanztomografie. Bei Verdacht auf einen rheumatischen Kreuzschmerz sind zudem bestimmte Blutuntersuchungen, zum Beispiel auf das HLA-B27-Merkmal, notwendig. Gegebenenfalls bietet sich eine neurologische Untersuchung an. Je nach Verdachtsdiagnose können unterschiedliche Facharztrichtungen gefragt sein.

Dauern die Beschwerden trotz Behandlung seit mehr als zwölf Wochen an (chronisch), sind weiterführende technische Untersuchungen anzuraten, sofern sie nicht schon in der subakuten Phase erfolgten und wenn Hinweise auf relevante psychosoziale Faktoren unverändert fehlen. Gibt es jedoch deutliche Anzeichen für psychische Ursachen, rücken jetzt Fragen, die die seelische Verfassung des Betroffenen und sein berufliches und privates Umfeld beleuchten, also eine umfassende psychosoziale Diagnostik, in den Blickpunkt. Im Endeffekt kann eine sogenannte multimodale Therapie (siehe unten) der richtige Weg sein, um den Rückenschmerzen beizukommen.

- Welche körperlich orientierten Therapien können bei chronischen Rückenschmerzen helfen?

  • Bewegungstherapie beziehungsweise Physiotherapie (früher: Krankengymnastik) hat bei subakutem oder chronischem (unspezifischen) Rückenschmerz einen hohen Stellenwert. Ziel ist, die Muskelkraft und -koodination, Ausdauer und damit die Beweglichkeit gezielt mit Übungen zu verbessern.

     

    Unser Video zeigt Ihnen Übungen zum Nachmachen:

  • Haltungskorrektur: Wer erst einmal festgestellt hat, wie segensreich es allein schon ist, den Rücken bei der Sitzarbeit bewusst so zu halten, dass die Schultern nach hinten zeigen, die Unterarme flach aufliegen, der Rücken leicht gestreckt ist (notfalls durch leichten Gegendruck einer Stützrolle, auf jeden Fall spürbar von der Rückenlehne gestützt) und der Atem frei strömt, der wird auf diese Position nicht mehr verzichten wollen. Wird sie aktiv durchgehalten, so nimmt man dabei nicht nur den Rückenstrecker, sondern auch den wichtigen Iliopsoas als Beckenmuskel sowie die Gesäßmuskeln in Anspruch und hält so das Becken aufrecht.
  • Massage in Verbindung mit einer Bewegungstherapie kann, anders als bei akuten (unspezifischen) Rückenschmerzen, in dieser Phase ebenfalls geeignet sein. Wichtig sind hier aber immer umfassende, aktivierende Konzepte, bei denen die Massage nur einen Teilaspekt darstellt (siehe unten).
  • Ein weiterer Aspekt sind hier zum Beispiel sogenannte ergotherapeutische Maßnahmen (ergon, gr., Tun, aktiv sein). Ergotherapeuten überschauen ein breites Maßnahmenspektrum. Sie schulen zum Beispiel alltagsbezogene Bewegungsabläufe und Gedächtnisfunktionen. Ziel ist, wieder zu größtmöglicher Selbstständigkeit im Alltag zu finden.
  • Manuelle Therapie /Chirotherapie ("Mobilisation") kann, wiederum in Kombination mit einer Bewegungstherapie, bei chronischen Rückenschmerzen infrage kommen (mehr dazu im Kapitel "Spezifische Rückenschmerzen: Therapien").
  • Akupunktur: Die Nadel-Körperakupunktur ist zwar seit 2007 von den Krankenkassen zur Behandlung von chronischen Knie- und Rückenschmerzen anerkannt. Sie kann auch dazu beitragen, den Schmerzmittelgebrauch zu senken. Dennoch wird sie aus verschiedenen Gründen inzwischen nur noch sehr eingeschränkt bei chronischen (unsoezifischen) Rückenschmerzen empfohlen.
  • Schmerzmittel wie traditionelle nichtsteroidale Antirheumatika, (tNSAR) oder gegebenenfalls Paracetamol (vgl. Abschnitt "Schmerzmittel" weiter oben, Anmerkung zu einer australischen Studie, 2014) sind bedingt geeignete Medikamente. Beide Medikamentengruppen sollten nur so kurz wie möglich eingesetzt werden. Sogenannte Cox-2-Hemmer kommen ersatzweise unter Beachtung der Gegenanzeigen infrage, die Anwendung ist auch bei unspezifischen chronsichen Rückenschmerzen ein "off-label-use" (siehe oben, Abschnitt "Therapie akut"). Opioide sind bei chronischen Rückenschmerzen eine mögliche Option für eine begrenzte Zeit. Wichtig ist, dass ein damit erfahrener Therapeut diese Therapie steuert – und sie auch gut gesteuert ausschleichend absetzt, falls der erwünschte Effekt ausbleibt oder der Betroffene die Therapie nicht fortsetzen möchte. Keinesfalls sollte der Patient die Dosis eigenmächtig ändern.
  • Antidepressiva: Patienten mit chronischen Rückenschmerzen helfen manchmal auch bestimmte, antidepressiv wirkende Arzneimittel. Da die Schmerzwahrnehmung ein komplexer Vorgang ist, an dem zentrale Botenstoffe des Gehirns beteiligt sind, können Medikamente, die diese Botenstoffe beeinflussen, auch Schmerzen bekämpfen. Es ist empfehlenswert, dass ein Schmerztherapeut, Neurologe oder psychiatrisch erfahrener Arzt diese Therapie einleitet und begleitet. Antidepressiva haben aber bei chronischen (unspezifischen) Rückenschmerzen nur im Rahmen eines umfassenderen Therapiekonzeptes (siehe unten: Multimodale Therapie) ihren Platz. Anders als bei der Therapie von Depressionen oder bestimmten Angststörungen ist auch der Einsatz von Antidepressiva bei Rückenschmerzen "off label", also de facto ohne explizite Zulasssung. Die Entscheidung bleibt dann dem Arzt überlassen. Die Krankenkasse bezahlt die Therapie häufig nicht.

- Arbeitsplatz-Ergonomie

Die richtigen Vorkehrungen am Arbeitsplatz berücksichtigen die körperlichen, organisatorischen und gestalterischen Bedingungen bis hin zum Mobiliar und zur Befindlichkeit in der Arbeitsumgebung. Alles dies gehört zum Konzept der Arbeitsergonomie. Eine rückenfreundliche Gestaltung hier hat wünschenswerten Modellcharakter. Eine Fachkraft für Arbeitssicherheit oder der Betriebsarzt ist gehalten, die vorhandenen Umsetzungen regelmäßig zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen. Die übergeordnete Verantwortung für die Einhaltung der Arbeits- und Gesundheitsschutzbestimmungen trägt der Arbeitgeber beziehungsweise Unternehmer.

- Psychologisch-psychotherapeutische Verfahren

Entspannungsverfahren wie progressive Muskelrelaxation gehören beim subakuten, vor allem aber beim chronischen Rücken- und Kreuzschmerz unbedingt zum Behandlungskonzept.

Auch die sogenannte kognitive Verhaltenstherapie nimmt einen wichtigen Platz ein. Kognitiv bedeutet erkennen, verstehen. Es geht darum, nachteilige Denkmuster, die den Betroffenen belasten und mit denen er sich letztlich selbst im Weg steht, zu erkennen und zu verändern. Die kognitive Verhaltenstherapie kann zu einem positiveren, gesünderen Umdenken verhelfen und dazu beitragen, seelische Bockaden lösen.

- Was ist eine multimodale Therapie?

Multimodal bedeutet: verschiedene Therapiearten, die sinnvoll gebündelt zu einem definierten Ziel führen. Bei der multimodalen Therapie von chronischen unspezifischen Rückenschmerzen arbeiten verschiedene Fachtherapeuten eng zusammen: Ärzte, Schmerztherapeuten, Physio- und Sporttherapeuten, Ergotherapeuten, Neurologen, Psychiater und Psychotherapeuten. Koordinieren kann das zum Beispiel der Hausarzt.

Eine solche Therapie kann ambulant, teilstationär oder stationär ablaufen. Ziel ist, erkrankungsbedingte Einschränkungen im Alltag bis hin zu einer drohenden oder schon eingetreteten Minderung der Arbeits- oder Erwerbstätigkeit aufzufangen und zu beheben.

Bei einem Patienten mit unspezifischen Rückenschmerzen, der nach sechs, spätestens zwölf Wochen angemessener Therapie immer noch stark durch Beschwerden beeinträchtigt ist, wird der Hausarzt prüfen, ob Risikofaktoren für ein Chronischwerden vorliegen und gegebenenfalls eine multimodale Therapie begründet ist.

Dass echte Rückenleiden oft schmerzhaft sind, überrascht kaum, eher schon, dass auch andere Störungen Rückenschmerzen verursachen können. Spezifische Rückenschmerzen stellen nur einen kleinen Anteil an der Gesamtheit aller Rückenschmerzen dar. Dafür sind sie umso ernster zu nehmen. Hier mehr zu den wichtigsten Ursachen

Rückenweh in jungen Jahren: Was kommt infrage?

Noch jung und schon "Rücken"? Durchaus. Muskelschwäche bei Bewegungsmangel, Überbelastungen im Leistungssport, zu viele Pfunde auf der Waage, dazu Stress in Schule und Freizeit: Alles dies hat dazu geführt, dass Rückenschmerzen bei jungen Leuten zunehmend ein Thema sind.

Nicht immer sind solche Schmerzen funktionell oder, wie in diesem Beitrag erklärt, unspezifisch, also ohne strukturelle Schädigungen (siehe Kapitel "Rückenschmerzen: Ein Überblick").
An einen Morbus Scheuermann (Morbus, lat., Krankheit) zum Beispiel ist immer zu denken, wenn Jugendliche über Rückenschmerzen klagen. Die Krankheit ist ein Paradebeispiel für spezifische Rückenschmerzen, auch wenn der Rücken manchmal nur "verspannt" erscheint und dies als ein "funktionelles" Problem wahrgenommen wird. Ausgesprochen selten, noch seltener an der Wirbelsäule, kommen bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen Krebserkrankungen des Skeletts vor. Mehr dazu ganz unten im Abschnitt "Betreffen alle Altersgruppen: Tumore an der Wirbelsäule".

Leitsymptom Rundrücken: Scheuermann-Krankheit

Zwar spielt auch hier Überbelastung des Rückgrats eine Rolle, aber der wahre Grund sind krankhafte Wachstumsstörungen. Wirbel wachsen unregelmäßig, was zu Verformungen führt. Die Randzonen der wachsenden Wirbelkörper sind teilweise weniger belastbar, sodass Bandscheibengewebe sich in den Wirbel hinein verlagert (sogenannte Schmorl-Knötchen, sichtbar in Röntgenbildern). Oft und vor allem anfangs bleibt die Krankheit aber unbemerkt.

Zu den auffälligsten Symptomen gehört ein Rundrücken (Kyphose) durch eine verstärkt nach hinten gekrümmte Brustwirbelsäule. Außerdem kann sich ein deutliches Hohlkreuz bilden, manchmal auch eine leichte Seitverbiegung der Wirbelsäule. Betroffene klagen häufig über Muskelverspannungen im Rücken. Später können vermehrt Rückenschmerzen auftreten. Deutlich seltener erkrankt die Lendenwirbelsäule. Dann entstehen andere Verformungen, vor allem ein Flachrücken. Patienten mit dieser Form der Scheuermann-Krankheit sind meist noch anfälliger für Rückenschmerzen.

Die klassische Scheuermann-Krankheit kann durchaus milde verlaufen. Das andere Extrem: stärkere Verformungen mit letztlich unvermeidlichem Korrektureingriff (Aufrichtungsoperation).

Rundrückenbildungen können auch andere Ursachen haben, etwa angeborene Fehlbildungen, Rachitis, Bruchverletzungen oder Infektionen der Wirbel, außerdem die Bechterew-Erkrankung (zu letzteren beiden Themen siehe weiter unten). Hier noch mehr Informationen zur "Scheuermann-Krankheit".

Verbogen und verdreht: Skoliose

Bei einer Skoliose ist die Wirbelsäule zur Seite hin verbogen, die Wirbelkörper sind außerdem im gekrümmten Bereich verdreht. Typische Zeichen sind ein deutlich hervorstehendes Schulterblatt, ein Rippenbuckel und / oder ein Lendenwulst, das heißt ein vorgewölbter Muskelstrang.

Die häufigste Form ist die sogenannte idiopathische Skoliose, und zwar diejenige, die bei Mädchen in der Pubertät entsteht (Adoleszentenskoliose, Hauptkrümmung nach rechts). Idiopathisch bedeutet: Ursache unbekannt. Die Betroffenen haben meist keine Rückenschmerzen. Anders kann das später sein, wenn es vermehrt zu Verschleiß und Funktionsstörungen an der Wirbelsäule gekommen ist. Skoliosen zeigen sich sehr unterschiedlich ausgeprägt. Leichte Formen müssen nicht grundsätzlich behandelt werden. In anderen Fällen ist eine Physiotherapie, manchmal auch eine zusätzliche Korsettbehandlung, empfehlenswert. Diese kann ein zu erwartendes Fortschreiten der Verformung aufhalten – solange die Wirbelsäule noch wächst. In schweren Fällen werden Ärzte eine Korrektur-Operation vorschlagen.

Der Eingriff gehört in speziellen Wirbelsäulenzentren zum Alltag, ist aber dennoch nicht harmlos. Es gibt verschiedene Techniken mit häufig gutem Ergebnis. Die dabei vorgenommene Versteifung ist jedoch unwiderruflich. Sie beeinflusst die Dynamik der Wirbelsäule, die sich im Laufe des Lebens naturgemäß verändert. Daher sollten die Betroffenen und ihre nahen Angehörigen sich vor der Operation ausführlich über die Vor- und Nachteile informieren. Der Ratgeber "Skoliose" beschreibt das Krankheitsbild und die Therapiemöglichkeiten ausführlich.

Rückenverletzungen – vielfältige Folgen

Wirbelbrüche nach Verletzungen können akut und chronisch zu Verformungen der Wirbelsäule und damit verbunden zu Fehlstellungen, Fehlhaltungen und Rückenschmerzen führen. Die Behandlung richtet sich nach dem jeweiligen Befund. Es können auch Rehabilitationsmaßnahmen nötig werden.

Rückenschmerzen als Verletzungsfolgen lassen sich sowohl unspezifischen als auch spezifischen Beschwerden zuordnen. Wichtig ist das für die Therapie. Der Arzt wird den Schmerzauslösern nachgehen und versuchen, sie so gezielt wie möglich zu beeinflussen.

Wenn Wirbel "gleiten": Spondylolisthese

Wenn am Wirbelbogen – meist geht es um den fünften Lendenwirbel – ein Spalt entsteht, liegt eine Spondylolyse vor. Offenbar begünstigen anlagebedingte und mechanische Einflüsse den Defekt, der aber nicht angeboren, sondern immer erworben ist. So kommen zum Beispiel hohlkreuzfördernde Sportarten wie Delphinschwimmen, Speerwerfen oder Kunstturnen als Schubkräfte der Spaltbildung infrage. Etwa die Hälfte aller Fälle mit Spondylolyse führt zu Wirbelgleiten (Spondylolisthese). Das bedeutet, dass sich der klotzige Anteil des Wirbels mit dem darüberliegenden Teil der Wirbelsäule graduell über den darunterliegenden Wirbel nach vorne verlagert. Allerdings kann sich ein Wirbel auch ohne Spalt veschieben, unter anderem bei starkem Bandscheibenverschleiß (degeneratives Wirbelgleiten: Pseudospondylolisthese). Diese Variante ist in erster Linie ein Problem Erwachsener, während echtes Wirbelgleiten auch schon Jugendliche plagen kann, meist aber erst nach Abschluss des Wachstums.
Anzeichen und Symptome: Nicht alle Betroffenen haben Beschwerden. Eine Spondylolyse ist häufig ist ein Zufallsbefund. Bei (höhergradigem) Wirbelgleiten liegt ein deutliches Hohlkreuz vor (Hyperlordose), mitunter auch eine skoliotische Fehlhaltung oder, falls der Gleitwirbel sich dreht, eine Skoliose. Am unteren Rücken zeigt sich bei schlanken Menschen eine Grube, die der Stufenbildung zwischen den verschobenen Wirbeln entspricht ("Sprungschanzenphänomen"). Oft ist der fünfte Lendenwirbel druckschmerzhaft, die Muskulatur im Bereich der Lendenwirbelsäule ist verspannt oder verhärtet. Alles dies führt zu Kreuzschmerzen nach längerem Sitzen oder bei bestimmten Bewegungen. Manchmal strahlen sie in das Gesäß, die Hüfte oder das Bein aus. Das kann auf eine Nervenwurzelreizung durch Verengungen am benachbarten Zwischenwirbelloch hinweisen, begünstigt durch das Wirbelgleiten. Auch eine Pseudospondylolisthese kann Rückenschmerzen verursachen, etwa bei Drehbewegungen und Beugung beziehungsweise Streckung der Wirbelsäule nach hinten.
Zum Nachlesen gibt es den gleichnamigen Ratgeber "Wirbelgleiten".

Entzündliche Rückenschmerzen – eine weitere Kategorie des spezifischen Rückenschmerzes

Verantwortlich kann ein Morbus Bechterew sein oder ein anderes Krankheitsbild mit Gelenk- und Wirbelentzündungen, also eine Spondyloarthritis (SPA). Die Abkürzung SPA steht für "seronegative Spondyloarthritis", Seronegativ heißt, dass sich trotz rheumaartiger Beschwerden keine laborchemischen Hinweise auf Rheuma im Blut finden, etwa bestimmte Antikörper. In der Tat ist der Morbus Bechterew keine Autoimmunkrankheit, wird aber zu den rheumatischen Krankheiten gezählt. Der manchmal verwendete Zusatz "axial" bedeutet, dass es um die Wirbelsäule geht. Andererseits kommen manchmal Infektionen, zum Beispiel mit Bakterien, als Ursache von Entzündungen an der Wirbelsäule mit spezifischen Rückenschmerzen in Betracht. Zu diesen Themen nachfolgend mehr.

Schmerzen tief im Kreuz, Augenentzündung: Verdacht auf Bechterew-Krankheit

Der Morbus Bechterew führt zu Rückenschmerzen, die von einer Entzündung der Beckenfugen (Kreuzbein-Darmbeinfugen, Fachbegriff: Sakroiliitis) ausgehen. Die zu den rheumatischen Krankheitsbildern gehörende Erkrankung beginnt meist im späten Jugend- oder jungen Erwachsenenalter (17 bis 45 Jahre), seltener im Kindesalter oder erst im späteren Leben. Häufig liegt ein bestimmtes Zellmerkmal namens HLA-B27 vor. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Zu den typischen Symptomen gehören Schmerzen und Steifheitsgefühl tief im Kreuz und Gesäß, die sich über Monate entwickeln. Manchmal werden sie zunächst nur auf einer Körperseite empfunden. Die Beschwerden sind nachts und morgens am stärksten, oft stören sie den Schlaf in der zweiten Nachthälfte. Nach den ersten Bewegungen morgens oder im Laufe des Tages lassen sie meist nach. Auch am Übergang von der Brust- zur Lendenwirbelsäule treten häufiger Schmerzen auf. Bei erkrankten Frauen beginnen die Schmerzen mitunter im Nacken. Wenn sich Sehnenansätze entzünden, können außerdem Schmerzen an den Fersen, Knien, Hüften, Ellbogen oder Schultern auftreten. Das kommt eher bei Jugendlichen mit Bechterew-Krankheit vor und führt manchmal zu Verwechslungen mit Gelenkrheuma (rheumatoide Arthritis). Noch mehr gilt das für Entzündungen von Gliedmaßengelenken, unter denen etwa ein Drittel der Betroffenen leidet. Viele Bechterew-Patienten machen zumindest einmal im Laufe der Zeit eine Augenentzündung (Uveitis) durch. Anzeichen hier: gerötete Augen, Augenschmerzen, unterschiedlich stark ausgeprägte Sehstörungen und vermehrte Lichtempfindlichkeit.
Der Ratgeber "Morbus Bechterew" informiert Sie ausführlicher über die Krankheit einschließlich Diagnose und Therapie.

Es gibt noch weitere seronegative (axiale) Spondyloarthritiden als mögliche Ursachen von Rückenschmerzen, etwa eine Psoriasisarthritis. Diese Gelenkentzündung kommt bei Schuppenflechte (Psoriasis) vor, meist aber erst Jahre, nachdem die Hautkrankheit aufgetreten ist. Auch nach einem Infekt können sich Gelenke entzünden (reaktive Arthritis vom Typ Morbus Reiter). Oder bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (enteropathische Arthritis).

Neben Gliedmaßengelenken können gemäß der Definition einer SPA jeweils Wirbelsäule und Beckenfugen erkranken (Sakroiliitis), womit entzündliche Rücken- und Kreuzschmerzen programmiert sind. Alles in allem sind es eher seltene Krankheitsbilder. Obwohl bestimmte Instrumente wie die sogenannten ASAS-Kriterien (ASAS = Assessment of Spondyloarthritis International Society) die Diagnose erleichtern können, ergibt diese sich manchmal nur mit Verzögerung.

Andere Entzündungen am Rückgrat

Wenn Krankheitserreger, zumeist Bakterien, Wirbel oder Bandscheiben befallen, was nicht häufig vorkommt, entsteht dort durch die Infektion eine Entzündung: eine Knochen(mark)entzündung (Osteomyelitis) eines Wirbels (auch Spondylitis), eine Bandscheibenentzündung (Discitis intervertebralis) oder beides (Spondylodiszitis). Die Folgen sind hochakute, manchmal allerdings auch chronische und je nach Erreger weniger aufregende Krankheitsbilder. Zu den möglichen Komplikationen bakterieller Wirbelentzündungen gehören eitrige Gewebeeinschmelzungen (Abszess).

Im Kindesalter sind mitunter Infektionsherde, etwa ein entzündeter Blinddarm, Ausgangspunkt einer Knochenentzündung. Dabei gelangen die Keime auf dem Blutweg in den Knochen. Bei Erwachsenen begünstigt eher Abwehrschwäche "innere" Knocheninfektionen, etwa bei Diabetes mellitus oder Dämpfung der Immunabwehr durch Medikamente. Risiken für direkte bakterielle Wirbelentzündungen sind offene Verletzungen, Einschleppen von Keimen bei Injektionsbehandlungen und chirurgischen Eingriffen an der Wirbelsäule, sowie Operationswunden.

Zu möglichen Symptomen bei bakteriellen Wirbelenzündungen gehören je nach Ursache starke bis stärkste Rückenschmerzen, die im Stehen oder beim Gehen zunehmen, aber auch in Ruhe überdeutlich spürbar sind. Es zeigt sich außerdem meist eine deutliche Druck- und Klopfschmerzhaftigkeit der Wirbelsäule, manchmal eine äußerlich sichtbare Rötung und Schwellung im betroffenen Abschnitt. Dazu kommen bei akuten Infektionen Krankheitsgefühl, Schwäche, Fieber und Schüttelfrost (Notfall, Notruf 112). Chronische Knocheninfektionen können aber vergleichsweise beschwerdearm verlaufen, daher zunächst als Verschleiß-Beschwerden durchgehen. Sie bestehen nach Definition länger als sechs Wochen und können beispielsweise noch Jahre nach einem medizinischen Eingriff am Knochen auftreten oder wiederaufflammen. Mehr über die "Osteomyelitis" lesen Sie hier.

- Eine besondere Form der chronischen Knochenentzündung ist die chronische, nicht bakterielle Osteomyelitis im Kindes- und Jugendalter. Meist findet sich die Entzündung im Schienbein, am Oberschenkelknochen, Schlüsselbein. Ist die Wirbelsäule betroffen, kommt es zu Rückenschmerzen. Auslösende Bakterien lassen sich nicht finden. Es gibt Überlappungen mit den oben genannten SPA, zumal bei dem Krankheitsbild auch Hautveränderungen wie Schuppenflechte (Psoriasis) oder Akne mit ausgeprägten Pusteln, manchmal auch Darm- und Augenentzündungen, auftreten. Zuständig für die betroffenen Patienten sind Kinderrheumatologen.

Spezifische Rückenschmerzen bei Erwachsenen

Gelenkverschleiß und Abnutzungserscheinungen am Rückgrat betreffen früher oder später jeden von uns. An den Bandscheiben setzen sie übrigens schon frühzeitig ein, daher sind Bandscheibenprobleme bei jüngeren Erwachsenen gar nicht so selten.

Dennoch: In der zweiten Lebenshälfte lassen sich bestimmte Krankheiten häufiger blicken – sei es am Bewegungssystem selbst, sei es in anderen Körperbereichen. Jedesmal kann das Rückgrat "spezifisch" leiden oder mitleiden.

Einige der weiter oben genannten Erkrankungen, etwa die Bechterew-Krankheit, treten nicht selten erst im Erwachsenenalter auf. Oder sie begleiten Betroffene von jung auf, so etwa der Scheuermann-Rundrücken und Skoliosen. Je nach Krankheitsbild ist in der Spätphase neben Rückenschmerzen manchmal auch mit Bewegungseinschränkungen zu rechnen. Umso wichtiger können hier regelmäßige, passende Übungen sein, um die Wirbelsäule lange so beweglich wie möglich zu halten.

Seltene Stoffwechselerkrankung, die auf das Skelett zielt: Osteomalazie

Rachitis ist ein Problem des wachsenden, Osteomalazie das Analog des erwachsenen Skeletts. Mit anderen Worten: Rachitis betrifft Kinder, während an Osteomalazie Erwachsene erkranken, meist im mittleren und höheren Lebensalter. Sowohl Rachitis als auch Osteomalazie sind heute eher selten geworden.
Bekannteste Ursache ist (ernährungsbedingter) Vitamin-D-Mangel. Daneben können Störungen des Stoffwechsels oder des Aufbaus von Vitamin D und Probleme an den Nieren verantwortlich sein. Vitamin-D-Mangel kann außerdem bei Darmerkrankungen auftreten. In der Folge ist jeweils die Härtung (Mineralisation) des Skeletts beeinträchtigt. Der Knochen ist weich und verbiegt sich leicht.
Hauptsymptome der Osteomalazie sind Muskelschwäche und
-schmerzen, besonders auch Rückenschmerzen, sowie rasche Ermüdbarkeit der Muskulatur. Neben Beinachsenfehlern – X- und O-Beinen – als Folge der Knochenerweichung können sich – auch bei Erwachsenen – die Rippen verformen, sodass der Brustkorb die Form einer Glocke annimmt. Wie bei der Osteoporose (siehe unten), die nicht selten gemeinsam mit einer Osteomalazie auftritt, verformen sich die Wirbel durch schleichende Brüche. Das Ergebnis sind sogenannte Keil- und Fischwirbel. Eventuell entsteht ein Rundrücken (Kyphose).

Diagnose und Therapie der Osteomalazie (Vitamin-D-abhängige Formen): Neben Blutuntersuchungen – Bestimmung von Vitamin D, der Mineralien Kalzium (leicht erniedrigt) und Phosphat (deutlich erniedrigt) sowie des "Markers" alkalische Phosphatase (meist erhöht) – sichert die feingewebliche Analyse einer kleinen Gewebeprobe aus dem Knochen die Diagnose. Mitunter lässt der Arzt den Spiegel des Parathormons im Blut bestimmen (siehe weiter unten). Röntgenbilder können sogenannte Loosersche Umbauzonen in den langen Röhrenknochen nachweisen. Das sind horizontale Aufhellungslinien mit verringerter Knochendichte an schleichenden Bruchstellen.

Konsequenterweise sieht die Therapie bei "gewohnheitsbedingtem" Vitamin-D-Mangel Erwachsener die Einnahme von Vitamin D vor (mindestens 800 IU, im Durchschnitt 1000 IU Vitamin D3 täglich; IU bedeutet Internationale Einheit). Eine ergänzende Behandlung gegen Knochenschwund wird bei begleitender Osteoporose praktiziert (siehe unten). Eine echte Osteomalazie bedarf einer intensivierten Therapie mit Vitamin D3 in speziell angepassten Dosierungen pro Zeit, bei Aufnahmestörungen in Form von Spritzen. Bei Vitamin-D-Stoffwechseldefekten ist eine Behandlung mit stoffwechselaktiven Vitamin-D-Abkömmlingen wie Calcitriol notwendig. Zugleich überwacht der Arzt den Kalziumspiegel im Blut und die Kalziumausscheidung im Urin. Ob zusätzlich die Einnahme von Kalzium nötig ist, wird der Arzt individuell entscheiden.

Gewissermaßen Frauenleiden: Osteoporose

Wenn Kalziummangel und andere Faktoren die Balance im Knochen stören, kann er vermehrt brüchig werden. Schon ab dem 30. bis 35. Lebensjahr sinkt die Knochenmasse leicht. Bei Frauen beschleunigt sich der Knochenabbau – das Minus betrifft nun Masse und Struktur – nach den Wechseljahren deutlich. Schuld daran ist der entstehende Mangel an weiblichen Geschlechtshormonen, insbesondere der Östrogene. Männer erkranken weniger als halb so oft an Osteoporose, im Schnitt auch erst zehn Jahre später und weniger stark, sofern nicht andere Erkrankungen das Knochensystem schwächen.
Symptome: Typische Zeichen der Osteoporose sind Knochenbrüche aus geringfügigem Anlass, vor allem der Wirbel und des Oberschenkelknochens. Wirbelbrüche können erhebliche Rückenschmerzen verursachen, zum einen durch das Sintern der Wirbel selbst, zum anderen durch die Schonhaltung, die den Rücken überanstrengt. Manchmal verlaufen die Wirbelschäden eher schleichend und bereiten kaum Beschwerden. Eine Abnahme der Körpergröße – manchmal um mehrere Zentimeter –, ein Rundrücken und Hautfalten am Rücken ("Tannenbaumphänomen") sind weitere Hinweise auf die Krankheit.

Im Ratgeber "Osteoporose" lesen Sie mehr über den Knochenschwund und was sich dagegen tun lässt

Überfunktion der Nebenschilddrüsen

An der Rückseite der Schilddrüse sitzen auf beiden Seiten oben und unten die vier reiskorngroßen Nebenschilddrüsen. Ihr Parathormon sorgt dafür, dass das Kalzium im Blut konstant bleibt. Das Mineral ist lebensnotwendig – nicht nur für das Skelett, sondern beispielsweise auch für die Herz- und Muskeltätigkeit. Sind die winzigen Drüsen krankhaft überaktiv (Hyperparathyreoidismus), steigt der Kalziumwert im Blut unkontrolliert. Das kommt teilweise dadurch zustande, dass die Nieren mehr Kalzium zurückhalten. Vor allem aber geben die Knochen vermehrt Kalzium ans Blut ab. Der Überschuss sucht sich neue Wege: Kalzium kristallisiert beispielsweise in den Nieren zu Steinen aus.

Symptome: So zahlreich die Ursachen einer Überfunktion der Nebenschilddrüsen sein können, so vielfältig sind auch die Symptome, beispielsweise Muskelschwäche und -schmerzen, psychische Veränderungen wie Trugwahrnehmungen (Halluzinationen), im Extremfall ein Koma. Am Skelett kann die Stoffwechselstörung Defekten im Knochen (Osteolysen) führen. Die Höhlen oder Zysten, die auch im Röntgenbild erkennbar sind, werden von entzündlich wucherndem Bindegewebe aufgefüllt. Die betroffenen Knochen, gerade auch die Wirbel, sind dadurch mechanisch weniger belastbar und werden brüchig. Die Folgen: sinternde Wirbelkörper, Verkrümmungen der Wirbelsäule (verstärkte Kyphose, also Krümmung nach hinten), Rückenschmerzen.
Der Beitrag "Hyperparathyreoidismus" beschreibt die Hormonstörung näher.

Osteodystrophie deformans (Paget-Krankheit des Knochens)

Bei dieser Knochenerkrankung, die auch Ostitis deformans oder Paget-Krankheit des Knochens heißt, kommt es in bestimmten Skelettbereichen zu einem krankhaften Umbau und Entzündungen. In erster Linie betrifft dies das Becken, die Oberschenkelknochen, Schienbeine, den Schädel und die Lendenwirbel. An den erkrankten Stellen ist der Knochen minderwertig, neigt zu Verbiegungen und Verdickungen, manchmal auch zu Brüchen. Das kann Gelenk- und Nervenschäden sowie Schmerzen mit sich bringen.

Es erkranken häufiger Männer – nach dem 40. oder 50. Lebensjahr – als Frauen. Die Ursache der Erkrankung ist unklar, zur Debatte stehen erbliche Einflüsse, familiäre Belastung und Virusinfektionen. Die eigentlich gutartige Knochenerkrankung kann selten in einen Knochenkrebs übergehen (zum Beispiel in ein Osteosarkom, siehe weiter unten, Abschnitt "Betreffen alle Altersgruppen: Tumore an der Wirbelsäule").
Symptome: Bei manchen Patienten verläuft der "Knochen-Paget" eher symptomlos und wird dann höchstens zufällig festgestellt. Andere Betroffene leiden durch die beschriebenen Veränderungen unter Schmerzen, beispielsweise im Rücken. Verdickte Lendenwirbel können "Ischias-Beschwerden" (siehe auch Kapitel: "Ursachen unspezifischer Rückenschmerzen") auslösen, wenn sie die nahe gelegenen Wurzeln des Ischiasnervs beengen und reizen. Ein typisches Symptom ist die Beobachtung, dass manchen Betroffenen eines Tages der Hut nicht mehr passt. Oder dass sich die Beine verbiegen und verkürzen.

Diagnose: Röntgenbilder und Laborwerte wie erhöhte alkalische Knochenphosphatase und Feststellung eines Knochenabbau-Markers im Urin sind hilfreich für die Diagnose. Den Knochenumbau kann außerdem ein Knochenszintigramm aufzeigen. Gegebenenfalls ist eine Gewebeentnahme aus dem Knochen sinnvoll. Bei Tumorverdacht ist zudem ein bildgebendes Verfahren wie Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (Kernspintomografie, MRT) üblich.

Therapie: Bewährte Arzneistoffe sind Bisphosphonate, dazu Kalzium und Vitamin D. Dabei muss man einen zeitlichen Einnahmeabstand zwischen den Medikamenten einhalten, falls das Bisphosphonat nicht gespritzt wird. Die genauen Dosierungen legt der behandelnde Arzt fest. Bei Bedarf helfen mechanische Stützen (Orthesen, Korsett). Auch Physiotherapie (Krankengymnastik) und physikalische Therapie (außer Wärme!) können günstige Wirkungen entfalten. Knochenbrüche oder Fehlstellungen von Gelenken erfordern stabilisierende oder korrigierende Maßnahmen.

Wirbelsäulenarthrose: Zwischen unspezifischen und spezifischen Rückenschmerzen

Wirbelsäulenarthrose oder Spondylarthrose betrifft die Facettengelenke. Die kleinen Gelenke, auch Wirbelbogengelenke genannt, verbinden die Wirbel rückseitig nach oben und unten miteinander. Nach vorne stellen die Bandscheiben eine feste Verbindung zwischen den Wirbelkörpern her. Die Stabilität ist also doppelt gesichert, wobei zahlreiche Bänder die Gelenkverbindungen festigen und Muskeln das System insgesamt stärken.

Arthrose tritt vor allem an der stark belasteten Lendenwirbelsäule auf, in zweiter Linie an der Halswirbelsäule. Die Überlastung von Muskeln und Bändern, aber auch eine Instabilität bei Wirbelgleiten oder Bandscheibenschäden setzt die Gelenkflächen und den angrenzenden Knochen unter Druck. Es kommt zum Verschleiß des Gelenkknorpels, zu Knochenabrieb und Reizzuständen wie bei jeder anderen Arthrose auch.

Ersatzmäßig bildet sich an den Facettengelenken neuer Knochen in Form von Randzacken und Spornen (Spondylose). Das ist eher von Nachteil, denn so können die Wirbelgelenke sich verdicken und die Durchtrittsstellen für die Rückenmarksnerven einengen.

Wenn Bandscheiben verschleißen, kann dies ein degeneratives Pseudo-Wirbelgleiten nach sich ziehen (siehe oben: Pseudospondylolisthese). Echtes wie Pseudo-Wirbelgleiten kann die Arthrose an den Facettengelenken verstärken. Eine aktive, entzündliche Arthrose ist auch an der Wirbelsäule schmerzhaft.

! Achtung: Die hier auftretenden Rückenschmerzen sind als unspezifisch zu bewerten, solange kein Schmerzmuster vorliegt, das einer Nervenwurzelschädigung entspricht, also etwa ischiasartige Beinschmerzen. Die Bewertung hängt immer von den Umständen im Einzelfall ab. Das gilt auch für die Therapie und letztlich die Frage, ob die Krankenkasse die Kosten für ein vorgeschlagenes Behandlungsverfahren übernimmt.

Symptome: Möglich ist alles – von Beschwerdefreiheit oder mäßiger Druckempfindlichkeit im Bereich der betroffenen Lendenwirbeldornen bei der ärztlichen Untersuchung über Schmerzen morgens nach dem Aufstehen und morgendliche Steifigkeit des Rückens bis hin zu hartnäckigen Schmerzen, vor allem bei Belastung, im Kreuz oder Gesäß (sogenanntes Facettensyndrom). Bücken oder Beugen beziehungsweise Strecken der Wirbelsäule nach hinten kann die Beschwerden verstärken, im Liegen lassen sie häufig nach. Die Schmerzen können auch in das Gesäß, die Leiste oder den Oberschenkel ausstrahlen. Dabei wird der Arzt genau prüfen, ob es Hinweise für eine Nervenwurzelreizung gibt. Sehr große Knochenwülste an den Facettengelenken können tatsächlich die Nervenwurzeln am Lendenwirbelkanal beengen (vgl. weiter unten, Anschnitt "Bandscheiben auf Wanderschaft...": "Wurzelkompressionssyndrom").

Diagnose: Die Art der Beschwerden und der ausführliche körperliche Untersuchungsbefund ergeben meist die Diagnose. Weitere Untersuchungen, etwa Röntgenbilder, eventuell als Funktionsaufnahmen mit Vor- und Rückwärtsbeugen der Wirbelsäule aufgenommen, eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (Kernspintomografie, MRT), um das Rückenmark, die Nervenwurzeln, Nervendurchtrittsöffnungen, Wirbel und Bandscheiben genauer zu beurteilen, werden nur bei Warnzeichen empfohlen, etwa bei kurzfristiger Zunahme von Schmerzen oder bei deutlichen Beschwerden, die trotz angemessener Behandlung nach sechs Wochen immer noch bestehen (siehe unten).

Therapie: Häufig wird der Arzt zunächst eine konservative Therapie mit einem geeigneten entzündungshemmenden Medikament und muskelaufbauender Physiotherapie wählen. Zu den sogenannten perkutanen oder minimal-invasiven Schmerztherapien gehören wirbelgelenknahe Injektionen (Facettengelenkblockaden) mit einem örtlich betäubenden Mittel unter bildgebender Kontrolle (Röntgen oder Computertomografie; Achtung: Strahlenbelastung). Eine weitere Möglichkeit besteht darin, das betäubende Mittel an die Nervenwurzel zu spritzen (periradikuläre Therapie). Zusätze von entzündungshemmendem Kortison schneiden in Studien nicht eindeutig schmerz- und prognoseverbessernd ab, sondern erhöhen das Risiko von Nebenwirkungen.
! Achtung: Minimal-invasive Verfahren werden bei chronischen unspezifischen (nichtspezifischen) Kreuz- und Rückenschmerzen nicht von den Krankenkassen bezahlt.

Bei anhaltend starken spezifischen Beschwerden, etwa nicht abklingenden Ischiasschmerzen oder Lähmungsanzeichen wie zum Beispiel zunehmender Schwierigkeit beim Gehen (Fersen- oder Zehenstand erschwert) ist eine Operation nach entsprechender Diagnostik angezeigt, bei Notfällen wie Blasen- und Mastdarmlähmung absolut unerlässlich.
Ergänzende Informationen zu den Behandlungsmöglichkeiten gibt das Kapitel "Therapien bei spezifischen Rückenschmerzen".

Engpass im Wirbelkanal: Bandscheibenvorfall, Spinalkanalstenose, Wirbelgelenkzyste

Bei einem Bandscheibenvorfall (Prolaps) oder einer Vorwölbung der Bandscheibe (Protrusion, siehe unten) kann es eng werden im Wirbelkanal. Auch knöcherne Anbauten an den Wirbeln (Randzacken und Sporne, Spondylose, siehe oben) und Verdickungen der Längsbänder – eine Reaktion auf den Verschleiß an der Wirbelsäule – können den Rückenmarkskanal einengen. Eine solche Enge heißt Spinalkanalstenose. Dabei kann auch eine hier abgehende Nervenwurzel beeinträchtigt werden.

Beides – Bandscheibenvorfälle oder -vorwölbungen und Spinalkanalstenosen – betreffen vor allem die Halswirbelsäule und noch mehr die Lendenwirbelsäule. Denn das sind die Etagen mit der größten Belastung.

Bandscheiben auf Wanderschaft: unschöne Vorfälle

Bandscheiben wirken als Stoßdämpfer und halten die Wirbelsäule elastisch. Da die Scheiben zwischen den Wirbelkörpern selbst nicht durchblutet werden, neigen sie schon recht früh zur Abnutzung (Degeneration), vor allem bei Überlastung. Die Quellfähigkeit des Kerns in der Bandscheibe nimmt im Laufe des Lebens natürlicherweise ab, er trocknet aus. Dadurch verteilt sich der Druck ungünstiger, sodass der den Kern umgebende Faserring verschleißt: Er wird brüchig und bildet kleine Einrisse, in die bei entsprechendem Druck Material aus dem Kern entweichen kann.

! Tipps zur Vorbeugung von Bandscheibenschäden

Nährflüssigkeit erreicht das Bandscheibengewebe nur  bei Bewegungen und in entlastender Liegeposition gut. Daher belastende Haltungen regelmäßig unterbrechen, eine andere Position einnehmen, "muskelaktiv" sitzen. Ideal, wenn man sich zwischendurch kurz in der Horizontalen strecken kann. Eventuell Nacken, Kreuz und Knie mit kleinen Kissen oder aufgerollten Handtüchern stützen.

Achtung: Durch Flüssigkeitsaufnahme in die Bandscheibe, die vor allem in der Ruhelage, also normalerweise nachts stattfindet, kann bei bestehender Protrusion ein Nachtschmerz auftreten, da die Vorwölbung verstärkt wird. Umso wichtiger ist wiederholte Entlastung tagsüber.

An stärker ausgedünnten Stellen kann der Faserring regelrecht reißen, sodass Anteile aus dem Bandscheibenkern noch mehr verrutschen und das dahinter liegende Längsband ausbeulen oder vorwölben (Protrusion). Dieses hintere Längsband bedeckt die Rückseite der Bandscheiben und bildet zugleich die Vorderseite des Wirbelkanals. Schon bei Vorwölbungen des ausgesprochen schmerzempfindlichen und nicht sehr widerstandsfähigen Bandes können erhebliche Schmerzen im Kreuz (Lumbalgie) auftreten.

Wenn das vorgewölbte Bandscheibengewebe seitlich liegt und Kontakt zu einer Nervenwurzel hat, kann diese gereizt werden. Ein Vorfall der Bandscheibe durch das hintere Längsband hindurch heißt Prolaps oder Hernie. Seitlich liegende Vorfälle können die Nervenwurzel deutlich beengen (Fachbegriff: Wurzelkompressionssyndrom).

Symptome – Bandscheibenvorfall Lendenwirbelsäule: Oftmals breitet sich der Lumbalgie-Schmerz gürtelförmig bis zum Bauch aus. Die Muskulatur ist reflektorisch bretthart und steif, der Betroffene nimmt eine eventuell seitlich gebeugte Schonhaltung ein (vgl. Abschnitt "Hexenschuss" im Kapitel "Ursachen unspezifischer Rückenschmerzen" sowie Extra-Beitrag "Hexenschuss" auf unserem Gesundheitsportal). Die Reizung der Nervenwurzel – häufig ist der Ischiasnerv betroffen – treibt die Schmerzen via Gesäß ins Bein. Sich nach vorne beugen oder nahezu jede Körperhaltung ist ein Problem, der Betroffene weiß sich oft nicht mehr zu helfen. Gefühlsstörungen in bestimmten Bereichen – Kribbeln, Kältegefühl, herabgesetzte Sensibilität (Berührungsempfindlichkeit) sind möglich.

Zunehmende beiseitige Muskellähmungen oder aber Taubheitsgefühle im Intimbereich ("Sattelanästhesie"), Störungen der Blase wie Harnverhalt oder Kontrollverlust, auch Störungen der Mastdarm- und Sexualfunktion weisen auf ein Cauda-Syndrom hin: ein Notfall. Dabei ist es zur Schädigung von Nervenwurzeln im unteren Rückenmarkskanal gekommen. Das heißt: Es ist umgehend ein entlastender Eingriff erforderlich, um bleibende Funktionsstörungen zu vermeiden.

Die Beschwerden bei Bandscheibenschäden sind jedoch ausgesprochen variabel und hängen vom Einzelfall ab, beispielsweise vom verbliebenen Platz im Wirbelkanal und dessen Beschaffenheit. So gibt es Menschen, bei denen Untersuchungen der Lendenwirbelsäule einen deutlichen Bandscheibenvorfall zutage fördern, der bislang nie Beschwerden gemacht hat. Es kommt aber auch vor, dass jemand einen Bandscheibenvorfall und eine Spinalkanalstenose (siehe unten) hat. Selbst dann können die Beschwerden gering sein.

Reizungen des Ischiasnervs durch vorgefallenes Bandscheibengewebe brauchen gut und gerne einige Wochen, um wieder abzuklingen. Ist dem nicht so oder nehmen die Beschwerden zu, wird der Arzt die Diagnose überprüfen beziehungsweise abwägen, ob eine Operation sinnvoll ist. Grundsätzlich kann vorgefallenes Material im Laufe der Zeit schrumpfen, vernarben oder sogar "verknöchern". Dies dauert meist Monate oder Jahre. Die Verhältnisse am Wirbelkanal können sich also von selbst stabilisieren. Jedoch sind Rückfälle möglich. Im Beitrag "Bandscheibenvorfall" gibt es weiterführende Informationen.

Spinalkanalstenose an der Lendenwirbelsäule

Neben angeborenen Ursachen einer Spinalkanalstenose, die hier nicht näher beschrieben werden, stehen chronische Abnutzungserscheinungen der Wirbelsäule im Vordergrund. Das betrifft einmal die weiter oben dargestellte Degeneration der Bandscheiben. An den Wirbeln bilden sich oft knöcherne Anbauten (Randzacken und Sporne). Es kommt zu Verdickungen der Bänder zwischen den Wirbelbögen und auch der Facettengelenke. Der Spinalkanal kann knöchern zuwachsen und die Zwischenwirbellöcher können eingeengt werden (siehe weiter oben, Abschnitt: "Wirbelsäulenarthrose")
Symptome – Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule: Typische Beschwerden sind anhaltende oder zunehmende Kreuzschmerzen. Abhängig von der Körperhaltung und körperlicher Aktivität strahlen sie eigentlich immer in beide Beine aus. Sie nehmen beim Gehen zu und sind mit Krämpfen, Kribbeln und Brennen, vor allem mit einem Schwächegefühl, eventuell auch vorübergehenden Taubheitsgefühlen im Bereich der Füße und Unterschenkel verbunden. Dies nennt der Arzt Claudicatio intermittens spinalis (vorübergehendes vom Rückgrat abhängiges Hinken). Die Beschwerden zwingen den Betroffenen, stehen zu bleiben, bessern sich aber erst im Sitzen oder bei Beugung nach vorne, weil sich dann der beengte Spinalkanal etwas weitet (sogenannte Entlordosierung). Typisch sind auch Schmerzen beim Bergab- oder Treppabgehen, während die Gegenrichtung – bergauf, treppauf – leichter fällt. In sehr schweren Fällen haben die Betroffenen sogar in Ruhelage Beschwerden. Dass es in Verbindung mit den Schmerzen auch zu einem Conus-Cauda-Syndrom kommen kann, ist ein seltene, wenn auch sehr ernste, Entwicklung (siehe oben, Abschnitt "Bandscheiben..., "Symptome:... Cauda-Syndrom...Notfall"). Mehr zu den Hintergründen im Ratgeber "Spinalkanalstenose (lumbale)".

Wirbelgelenkzyste (Synovialzyste an der Lendenwirbelsäule)

Im Zuge von Verschleißerscheinungen an den kleinen Wirbelgelenken entstehen selten Zysten an der entzündeten Gelenkinnenhaut (Synovialis). Sie können sich unter bestimmten Voraussetzungen in den Wirbelkanal vorstülpen und diesen, ähnlich wie vorgefallenes Bandscheibengewebe, einengen. Das Krankheitsbild lässt sich sowohl der Wirbelarthrose als der Spinalkanalstenose zuordnen.
Zu den Symptomen gehören teilweise ausgeprägte Kreuzschmerzen mit Ausstrahlung in das Bein, eventuell Gefühlsstörungen und Lähmungsanzeichen, also Beschwerden, wie sie auch bei einem Bandscheibenvorfall mit Nervenwurzelreizung vorkommen können. Die Symptome am Bein können manchmal auch ohne Rückenschmerzen auftreten.
Diagnose, Therapie: Die genaue Diagnose ergibt sich in der Regel aus der Anamnese (Arztgespräch, Krankengeschichte) und aus den bei der klinischen Untersuchung (körperliche Untersuchung, neurologische Untersuchung) sowie mittels Magnetresonanztomografie festgestellten Befunde. Die Therapie umfasst zunächst eine Schmerzbehandlung. Sollten die Beschwerden nicht darauf ansprechen oder zunehmen, was häufig der Fall ist, wird die Zyste operativ entfernt. Der Eingriff behebt allerdings das Grundproblem, nämlich die bestehende Wirbelgelekarthrose, nicht. 

Betreffen alle Altersgruppen: Tumore an der Wirbelsäule, sind aber selten

Geschwülste – gut- oder bösartige Tumoren – gibt es auch im Skelettsystem, darunter an der Wirbelsäule. Entweder gehen sie von Strukturen des Rückgrats selbst aus (primäre Geschwülste), oder sie stammen von bösartigen Tumoren anderer Organe (Metastasen) ab.

Unter den primären Tumoren finden sich häufiger gutartige Neurinome (wachsen in Nervenhüllen, etwa an den Nervenwurzeln von Rückenmarksnerven), Meningeome der Rückenmarkshäute oder gutartige Zysten. An den Wirbelbögen können sich Osteoblastome bilden, in den Wirbelkörpern wachsen mitunter Knochenhämangiome, ausgehend von kleinsten Blutgefäßen. Sarkome, zum Beispiel Osteosarkome (treten in erster Linie bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf, meist aber an langen Röhrenknochen) oder Plasmozytome gehören zu den bösartigen Geschwülsten. Insgesamt sind primäre bösartige Tumoren der Wirbelsäule eher selten.

Skelettmetastasen gehen hauptsächlich von Brustkrebs, Lungen-, Prostata-, Nieren- und Schilddrüsenkrebs aus. Falls  zum Beispiel die Lendenwirbelsäule oder das Becken betroffen ist, sind Rückenschmerzen möglich, eventuell auch Sensibilitätsstörungen und Muskelschwächen. Die Symptome können als "Ischiasbeschwerden" eingeordnet werden, sind aber als solche spezifische Beschwerden und machen immer eine genaue Untersuchung notwendig. Akute Lähmungen oder Störungen der Blasen- und Mastdarmfunktion sind immer Notfälle (siehe oben, Abschnitte "Bandscheiben..." und "Spinalkanalstenose").

Beschwerden durch Geschwülste, insbesondere gutartige, nehmen meist nur allmählich zu, da diese langsam wachsen. Die Größenzunahme kann jedoch behandlungsbedürftige Störungen verursachen, etwa Ischiasbeschwerden und Muskelschwäche am Bein. Anders verhalten sich Metastasen. Nach Ansiedlung im Knochen wird aus den zunächst locker organisierten Zellen ein Verband. Vom Primärtumor ausgehend ist dann eine Tochtergeschwulst entstanden. Sie kann die knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) des umgebenden Knochens dazu veranlassen, wachstumsfördernde Stoffe zu bilden, von denen sie selbst profitiert, während örtliches Knochengewebe sich auflöst (osteolytische Metastase). Andererseits können Metastasen auch "osteoplastisch" wirken. Dabei verdichtet sich der Knochen an erkrankten Stellen. In beiden Fällen ist die Knochenbrüchigkeit erhöht, bei osteoplastischen Metastasen aber weniger.

! Wichtig: Ein Wirbelbruch ohne adäquaten Verletzungshergang, aber zum Beispiel nach schwerem Heben, muss immer abgeklärt werden. Das liegt eher nahe, wenn starke Schmerzen vorhanden sind. Manchmal besteht nur ein Gefühl der Instabilität. Möglicherweise gibt es aber noch andere Warnzeichen, etwa Rückenschmerzen auch in Ruhe oder nachts, Größenabnahme, Appetitstörungen, Gewichtsverlust, auffallende Müdigkeit, Nachtschweiß, eine Behandlung mit Kortison (begünstigt zum Beispiel eine Osteoporose).

Diagnose und Therapie: Zur Diagnose zieht der Arzt den sorgefältig erhobenen körperlichen Untersuchungsbefund, eine ausführliche Krankengeschichte, Blutanalysen, Röntgenaufnahmen, Schnittbildtechniken wie Ultraschall, Magnetresonanztomografie (MRT) und Computertomografie (CT) heran. Auch nuklearmedizinische Verfahren (Szintigrafie und Positronen-Emissions-Tomografie (PET), die auch mit der CT kombiniert werden können (PET-CT), sind unter Umständen für die Diagnose wichtig.

Gutartige Geschwülste kontrolliert der Arzt in bestimmten zeitlichen Abständen und entfernt sie meistens nur bei Komplikationen, beispielsweise wenn sie wegen Größenzunahme Beschwerden bereiten. Bei bösartigen Geschwülsten und Metastasen richtet sich die Therapie nach den für die jeweilige Tumorart geltenden Regeln.

Die Behandlungsmöglichkeiten bei bösartigen Erkrankungen haben inzwischen große Fortschritte gemacht. Dies reicht von chirurgischen Eingriffen oder endoskopischen und katheterbasierten Maßnahmen über Chemotherapien und gezielte Behandlungen mit neuen Substanzen bis hin zu strahlentherapeutischen und nuklearmedizinischen Verfahren.

Chemotherapie kann zum Beispiel einen Tumor verkleinern, sodass er im Anschluss vollständig entfernt werden kann. Das durchgängige Konzept und die Planung der Therapie bei Tumorerkrankungen werden heute in Krebszentren mithilfe sogenannter Tumorboards, interdisziplinärer ärztlicher Arbeitsgruppen, festgelegt.

Vielfältige Schmerzen und mehr: Fibromyalgie-Syndrom

Das Fibromyalgie-Syndrom (FMS) ist eine nicht entzündliche Erkrankung mit Schmerzen, die länger als drei Monate andauern und mehrere Körperbereiche betreffen. Das können zum Beispiel Gelenk- und Muskelschmerzen wechselnder Lokalisation sein, etwa am Rücken, an Beinen und Armen, außerdem kann es zu Beschwerden an den Händen und zu Bauchschmerzen kommen. Daneben treten Schlafstörungen beziehungsweise nicht erholsamer Schlaf und Müdigkeit oder Neigung zu geistiger oder körperlicher Erschöpfung auf. Das Krankheitsbild kann mit depressiven Störungen verbunden sein. Auch Beschwerden wie Kopfschmerzen, Beklemmungsgefühle, Darmunregelmäßigkeiten, verstärktes Schwitzen, kalte Hände, Kreislaufbeschwerden, Schwindel, Herzjagen und Pulsunregelmäßigkeiten machen den Betroffenen häufiger zu schaffen.

Es sind dies aber alles Allgemeinsymptome, die für sich allein oder bei vielen anderen Krankheiten auftreten können und daher sorgfältig abgeklärt werden müssen. Dabei ist auch eine fachpsychotherapeutische Untersuchung wünschenswert.

Die Ursache des FMS ist unklar. Möglicherweise ist die zentrale Schmerzverarbeitung verändert. Zudem könnten auch Störungen auf bestimmten Hormonachsen, die der Regulierung im Gehirn unterliegen, und schmerzerzeugende Faktoren im Körper eine Rolle spielen. Rheumatische Erkrankungen, Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel sowie traumatische Erfahrungen in der Kindheit und im Erwachsenenalter begünstigen die Krankheitsentwicklung. Der Ratgeber "Fibromyalgie-Syndrom" informiert Sie ausführlicher über das Krankheitsbild.

Weitere Ursachen von Rückenschmerzen

- Erkrankungen innerer Organe

Innere Krankheiten können mit Schmerzen einhergehen, die manchmal in den Rücken ausstrahlen. Mitunter werden sie dort sogar hauptsächlich empfunden, in einigen Fällen besonders im Kreuz oder in der Flanke. Typisches Beispiel für den Flankenschmerz sind Koliken durch Nierensteine, die über das Nierenbecken zum Harnleiter gelangt sind. Begleitend können Fieber und Schüttelfrost auftreten.

Auch andere akute Krankheitsentwicklungen – vom Herzinfarkt über einen Riss der Hauptschlagader (Aorta), etwa an einer ausgebuchteten Stelle (Aneurysma), oder eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung bis hin zur Gallenkolik – können mit ausgeprägten Rückenschmerzen einhergehen. Je nach Ursache liegt der Hauptschmerz hier in der Regel im Brustkorb beziehungsweise Oberbauch. Außerdem kann es im Akutfall zu mehr oder weniger ausgeprägten vegetativen Begleiterscheinungen kommen, zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen, Unruhe oder Schweißausbrüche. Ein Herzinfarkt oder ein eingerissenes Aortenaneurysma können einen akuten Kreislaufschock auslösen. In der Regel sind bei diesen Krankheiten, die einen Notfall darstellen, ein notfallmäßiger Gefäßeingriff und eine intensivmedizinische Betreuung in der Klinik notwendig.

Ein Zwerchfellbruch mit eingeklemmter Dickdarmschlinge gehört eher zu den seltenen Notfallereignissen. Leitsymptom hier sind starke Rückenschmerzen und Schulterschmerzen auf der betroffenen Seite.

- Frauenkrankheiten

Myome sind gutartige Wucherungen des Muskelgewebes (Myometrium) der Gebärmutter. Nicht immer bereiten sie Beschwerden. Zu den Leitsymptomen gehören Störungen der Monatsblutung (Menstruationsstörungen): deutlich verlängerte Blutungen, Zwischenblutungen oder Dauerblutungen. Je nach Größe, Anzahl und Lage der Geschwülste kann es durch Druck auf die Umgebung auch zu Symptomen wie Blasen- oder Darmentleerungsstörungen oder zu Kreuzschmerzen kommen.

Akute Unterleibserkrankungen bei Frauen wie Eileitererentzündung oder Eileiterschwangerschaft sind vor allem durch heftige bis hochakute Bauchschmerzen gekennzeichnet. Insbesondere die Eileiterschwangerschaft kann sich zu einem Notfall mit Schockgefahr entwickeln. Diese Aspekte stehen gegenüber möglichen Schmerzausstrahlungen in das Kreuz klar im Vordergrund.

Eine Eileiterentzündung verursacht nicht selten auch Fieber. In der Folge entstehende Narben können das Befinden in verschiedener Hinsicht stören, etwa in Form von Kreuzschmerzen, die häufig nach dem Geschlechtsverkehr auftreten.
- Neurologische Erkrankungen

Entzündungen der Nervenwurzeln (Polyradikulitis), Beispiel: Guillain-Barré-Syndrom: Polyradikulitis-Erkrankungen haben vielfältige Ursachen, darunter Infektionen mit Bakterien wie Borrelien (Borreliose) oder Herpes-Zoster-Viren. Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine mehr oder weniger akute Entzündung von Rückenmarkswurzeln (Polyradikulitis) und peripheren Nerven (Polyneuritis). Dabei kommt es zu entzündlichen Schäden an Nervenhüllen und / oder Nervenfortsätzen. Zu den Beschwerden gehören hartnäckige Rückenschmerzen. In der Hälfte der Fälle treten sie in der frühen Krankheitsphase auf.

Meist geht ein Atemwegsinfekt oder eine Durchfallerkrankung voraus, die aber bald wieder vergessen ist. Etwa zwei Wochen später können erste Anzeichen des GBS wie Muskelschwäche in den Beinen auftreten. Die genauen Zusammenhänge mit dem Infektionsgeschehen sind unklar, vermutlich spielen Immunvorgänge eine Rolle.

Symptome: Die häufigsten Formen der Erkrankung beginnen mit Lähmungen symmetrisch auf beiden Körperseiten, die in den Beinen beginnen, von ziehenden Rückenschmerzen begleitet werden und in Arme und Oberkörper aufsteigen können. Bei manchen Betroffenen erkranken auch Hirnnerven, seltener kommt es zu lebensbedrohlichen Funktionsstörungen wie Atemschwäche oder Herzproblemen. Das ist einer der Gründe, weshalb die Betroffenen auf einer Intensivstation behandelt und überwacht werden müssen. Frühe Therapie mit Immunglobulinen und einer speziellen Blutwäsche (Plasmapherese) kann die Erkrankung durchbrechen. Im Durchschnitt dauert es bis zur Beschwerdefreiheit etwa 66 Tage. Mitunter halten Störungen wie Muskelschwäche, seltener Schmerzen, länger an. Zum Nachlesen: Ratgeber Guillain-Barré-Syndrom (GBS).

Für den Arzt heißt es: Rational vorgehen

Der Patient sollte durch die im Einzelfall geplanten Untersuchungen nicht unnötig belastet werden, aber die Diagnose muss natürlich auf sicheren Füßen stehen. Nicht immer ist es notwendig, den gesamten Untersuchungskatalog auszuschöpfen. Manchmal ist es jedoch unumgänglich, "alle Register" zu ziehen (mehr im Kapitel "Spezifischer Rückenschmerz: Immer krankhaft").

Anamnese und klinische Untersuchung

Zunächst erhebt der Arzt die Krankengeschichte (Anamnese). Er lässt sich den Hergang und die Art der Beschwerden schildern, ihre Lokalisation, Stärke, Ausstrahlung. Den Arzt interessiert auch, ob die Rückenschmerzen zum ersten Mal aufgetreten sind und ob sie durch bestimmte Körperhaltungen beeinflusst werden können. Gibt es Begleitsymptome, etwa Fieber? Wie haben sich Gewicht und Körpergröße in der letzten Zeit entwickelt? Finden sich Besonderheiten in der Familiengeschichte, die eventuell für die aktuellen Beschwerden von Bedeutung sein könnten?

Bei der anschließenden körperlichen Untersuchung richtet der Arzt anfangs sein Augenmerk auf äußerlich sichtbare Veränderungen. Welche Körperhaltung nimmt der Patient ein? Ist seine Wirbelsäule verkrümmt, ist die Lendenwirbelsäule verstärkt nach vorne gekrümmt (Hyperlordose), hat er/sie einen Rundrücken? Stehen Schultern oder Becken schief? Sind Lähmungen vorhanden? Liegt eine Augenentzündung vor, die auf eine entzündliche Skeletterkrankung hinweisen könnte? Zeigt sich in Rückenmitte ein kleine Grube ("Sprungschanzenpänomen")? Finden sich tannenbaumartig absinkende Hautfalten am Rücken (kommt bei Osteoporose vor)? Finden sich Rötungen oder Schwellungen über der Wirbelsäule, ist sie klopfschmerzhaft?

Der Arzt macht sich also ein genaues Bild und untersucht den Patienten, soweit angesichts der Schmerzsituation möglich, auch im Stehen, Sitzen und Liegen. Zum Beispiel das Lasègue-Zeichen, ein Schmerz bei Dehnung der Wurzeln L5 und S1 des Ischiasnerven. Dabei hebt der Arzt das gestreckt auf der Unterlage ruhende Bein des Patienten langsam hoch (passive Hüftbeugung). Bei einer Nervenwurzelreizung ist das meist schon in geringer Höhe schmerzhaft.

Auch die Muskelkraft, Muskelsehnenreflexe, das Berührungsempfinden der Haut und die Beweglichkeit der Wirbelsäule werden untersucht. Wie weit kann der Patient sich nach vorne beugen? Rücken die Dornfortsätze dabei auseinander? Falls nicht, ist die Wirbelsäule "blockiert". Ist die Beinlänge in Rückenlage auf einer Liege gleich oder unterschiedlich beim Aufrichten auf der Liege? Eine unterschiedliche Beinlänge bei diesem Test spricht ebenfalls für eine "Blockierung". Der Arzt tastet außerdem die Gefäßpulse ab und prüft die Beweglichkeit des Brustkorbes (Atembreite).

Laborwerte je nach Krankheitsverdacht

Die Laboruntersuchungen richten sich nach der Verdachtsdiagnose. Infrage kommt beispielsweise die Suche nach Veränderungen im Blut, die eine Entzündung oder Stoffwechselerkrankung unter Einbeziehung des Skeletts begleiten können. Mehr dazu wiederum im Kapitel "Spezifischer Rückenschmerz: Immer krankhaft".

Was Röntgenuntersuchungen zeigen

– Aufnahmen von Wirbelsäule, Becken, selten vom Wirbelkanal

Röntgenuntersuchungen der Wirbelsäule werden immer in zwei Ebenen, von vorne und von der Seite, durchgeführt. Manchmal sind ergänzende Zielaufnahmen nötig. Funktionsaufnahmen in Vor- und Rückwärtsbeugung können ein Wirbelgleiten (Spondylolisthese) nachweisen. Rippen, Wirbelkörper, -bögen und -gelenke, Gelenkfortsätze, die Höhe der Zwischenwirbelräume, die Knochenstruktur, Dichte der Wirbelkörperdeckplatten, Krümmung der Wirbelsäule und Beschaffenheit der Iliosakralgelenke – dies alles ist zum Beispiel in Röntgenbildern sehr gut zu beurteilen.

! Tipp: Heben Sie trotz der modernen Möglichkeiten der elektronischen Datenspeicherung Kopien Ihrer Aufnahmen stets sorgfältig auf und bringen Sie diese zum Arztbesuch mit. Dadurch ersparen Sie sich womöglich unnötige Wiederholungen und Strahlenbelastung. Wenn eine neue Aufnahme notwendig ist, kann der Arzt sie sofort mit der älteren vergleichen und mögliche Veränderungen sehen.

Rückenmark und Bandscheiben, in Standard-Röntgenbildern unsichtbar, lassen sich mit dem Trick der Kontrastmittelverstärkung sichtbar machen, auch wenn heute die Magnetresonanztomografie diese Untersuchungen häufig ersetzt.

Eine Myelografie wird zum Beispiel vor Operation eines verengten Wirbelkanals (siehe Abschnitt "Spinalkanalstenose", Kapitel "Spezifischer Rückenschmerz: Immer krankhaft") durchgeführt, aber nur in den seltenen Fällen, in denen eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder eine Computertomografie (CT, siehe jeweils unten) nicht genügend Informationen zur Vorbereitung der Operation liefern. Das Kontrastmittel spritzt der (Neuro-)Radiologe in den Wirbelkanal. Durch Lagewechsel des Patienten auf dem Röntgen-Kipptisch verteilt es sich weiter im Wirbelkanal. Röntgenbilder dokumentieren die Verhältnisse und die Dynamik dort, etwa Verengungen, die beim Vornüberbeugen auftreten. Im Anschluss wird in der Regel eine computertomografische Aufnahme angefertigt, das sogebnannte Myelo-CT.

Ultraschall: Belastet kaum, sofort einsetzbar

Vor allem die Gelenkweichteile – Muskeln, Bänder, Sehnen –, Gelenkergüsse und flüssigkeitsgefüllte Hohlräume wie Zysten können sehr gut mit Ultraschall sichtbar gemacht werden. An der Wirbelsäule sind eigentlich nur die nach rückwärts gerichteten Anteile der kleinen Wirbelgelenke darstellbar. Manche Therapeuten nutzen dies, um bei schmerzstillenden Injektionen in diese Gelenke oder ihre Muskeln den Ablauf unter Sicht zu kontrollieren. Normalerweise wird dazu aber ein Durchleuchtungs- oder Computertomografie-Gerät (CT) herangezogen.

Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspin)

Bilder, die mittels Magnetresonanz- oder Kernspintomografie erzeugt werden, heißen Magnetresonanztomogramme. Der Patient liegt in einer scheinbar "regellos" und laut klopfenden Röhre (häufig ist bei der MRT jedenfalls noch ein Gehörschutz notwendig). Die digital erzeugte Bildgebung beruht auf einem starken, den Patienten umgebenden Magnetfeld (also nicht Röntgenstrahlen) sowie hochfrequenten Wechselfeldern.

MRT-Bilder von Bandscheiben, Nervenwurzeln, Muskeln, Bändern und Gelenkkapseln beispielsweise sind derzeit in ihrer Wiedergabequalität unübertroffen. Die Entwicklung der Grundlagen für die MRT in der Medizin war bahnbrechend und wurde im Jahre 2003 mit dem Nobelpreis belohnt. Die Technik schreitet rasant fort. Unter anderem geht der Trend zu leiseren Geräten.

Computertomografie (CT): Leider mit Strahlen

So präzise, anschaulich und schnell dieses Röntgenverfahren beispielsweise das Skelettsystem abbildet, so nachteilig ist die damit einhergehende Strahlenbelastung: Sie übersteigt diejenige einer herkömmlichen Röntgenaufnahme um ein Vielfaches. Jedoch ist das CT etwas günstiger zu haben als die teure MRT. Prinzip der Computertomografie ist, dass von dem fokussierten Organ ein Satz zweidimensionaler Schnittbilder aus verschiedenen Richtungen erstellt wird. Ein Computer baut daraus dreidimensionale Bilder auf. Dank technischer Weiterentwicklungen mit dem Ziel der Leistungssteigerung (Stichwort "Spiral-CT") ist es beispielsweise möglich, das Herz und seine Kranzgefäße anatomisch genau abzubilden.

Szintigrafie und Positronen-Emissions-Tomografie

Um zum Beispiel einen Entzündungsherd im Skelett festzustellen, kann ergänzend zur CT oder MRT auch ein Szintigramm angefertigt werden. Die Strahlenbelastung hängt vom Typ der Szintigrafie ab, ist aber meistens niedriger als bei der CT. Dem Patient wird ein schwach radioaktiver Stoff, also ein Radiopharmakon wie zum Beispiel Technetium-99m-Pertechnetat, in die Blutbahn gespritzt. Einige Radiopharmaka können auch inhaliert werden. Der Stoff reichert sich im Zielgewebe an, nimmt dort am Stoffwechsel teil und sendet dabei radioaktive Gamma-Strahlen aus. Die Strahlung wird mit einer Spezialkamera aufgefangen und rechnergestützt zu einer zweidimensionalen Grafik aus zahlreichen Bildpunkten verarbeitet. Sie bildet ein Aktivitätsmuster des untersuchten Organs oder Organsystems ab.

Ein Szintigramm hilft bei der Ortung und Funktionsprüfung krankhafter Veränderungen im Körper. So lässt sich zum Beispiel bei bestimmten Erkrankungen das Ausmaß von Skelettveränderungen ermitteln (Ganzkörperszintigramm).

– Eine spezielle Variante der Szintigrafie ist die Positronen-Emissions-Tomografie (PET), bei der Radiopharmaka genutzt werden, die Beta+-Strahlung aussenden. Diese Strahlung zu registrieren ist technisch aufwendiger; es werden dafür ringförmig um den Patienten angeordnete Detektoren benötigt. Schlussendlich entstehen Schnittbilder mit Zonen unterschiedlicher "Aktivität". PET wird heute meistens mit einer Computertomografie kombiniert (PET-CT), was eine bessere anatomische Zuordnung der Ergebnisse und genauere Detailerkennung erlaubt. Die Untersuchung ist hauptsächlich an spezialisierten Zentren möglich.

Elektroneurografie und Elektromyografie

Wann diese Untersuchungen sinnvoll sein können, zeigt das folgende Beispiel: Bei einem vermuteten Bandscheibenvorfall oder mutmaßlicher Spinalkanalstenose (siehe jeweils Kapitel "Spezifischer Rückenschmerz: Immer krankhaft"), jedoch einem vieldeutigen Schmerzbild – etwa Schmerzen, die von der Schulter bis zur Hand oder umgekehrt reichen, dazu eine gestörte Feinmotorik an der Hand –, kann die Aufzeichnung der elektrischen Muskel- und Nervenaktivität weiterhelfen. Dabei und anhand weiterer differenzierter Untersuchungen könnte sich bestätigen, dass hinter den Beschwerden ein Karpaltunnelsyndrom steckt: Es wird durch Druck auf den Mittelnerv der Hand (Medianusnerv) beim Eintritt in das Handgewölbe verursacht. Die Unterscheidung ist wichtig im Hinblick auf eine eventuelle Operation.

Bei der Elektroneurografie (ENG; Nadelmyografie) wird die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen. Dazu reizt der untersuchende Neurologe einen Gliedmaßen-(stamm-)Nerv mindestens an zwei Stellen elektrisch und leitet die Reaktion über dem zugehörigen Muskel oder der Haut mit oberflächlich angelegten Elektroden ab. Eine verlangsamte oder aufgehobene Nervenleitung zeigt eine Schädigung des Nervs (Neuropathie) an. Diese kann verschiedene Ursachen haben – von Gehirn- oder Rückenmarkerkrankungen bis zu Schädigungen des Nervs selbst, zum Beispiel durch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder durch einen Engpass. Die Untersuchung hilft also den Schaden zu orten. Die Leitgeschwindigkeit wird aus den Zeitunterschieden zwischen Reiz und Antwort und der Entfernung zwischen den Messpunkten berechnet. Für Neurologen hat diese Unterschung heute nicht mehr die große Bedeutung wie früher, da moderne bildgebende Verfahren krankhafte Veränderungen unmittelbar optisch darstellen können.

Nerven steuern Muskeln. Nervenschädigungen verändern die Muskelarbeit, inaktive Muskeln verkümmern. Um gezielt die elektrische Aktivität eines Muskels (Elektromyogramm, EMG) zu untersuchen, muss eine feine Nadelelektrode in diesen eingestochen werden. Das ist ein bisschen unangenehm. Mithilfe bestimmter Manöver – Entspannung und Anspannung des Muskels – kann nun herausgefunden werden, ob der Muskel ausreichend von "seinem" Nerven angetrieben wird (ist dies nicht der Fall, ist der Nerv geschädigt), oder ob das Signalmuster eher für eine Erkrankung des Muskels selbst spricht.

Medikamente: oft gute Helfer gegen den Schmerz

Ganz allgemein können Medikamente, wie sie der Arzt auch gegen unspezifische Rückenschmerzen empfiehlt, auch bei spezifischen Schmerzen helfen: traditionelle Entzündungshemmer (tNSAR) und Schmerzmittel wie zum Beispiel Paracetamol. Diese zunächst meist kurzfristig angewendete Therapieform wird symptomatische Therapie genannt.

Je nach Schmerzintensität wird der Arzt vorübergehend auch eine höhere Dosis wählen, wenn medizinisch nichts dagegen spricht. Neuere antientzündliche Medikamente wie die Cox-2-Hemmer sind gegen Rückenschmerzen bisher nicht zugelassen. Außerdem sind sie zum Beispiel bei Herz-Kreislauferkrankungen kontraindiziert. Mögliche Einsatzgebiete sind Beschwerden bei Reizzuständen degenerativer Gelenkerkrankungen und rheumatische Krankheiten wie zum Beispiel die Bechterew-Krankheit. Der Arzt wird einen Cox-2-Hemmer eher kurzfristig verordnen.

Gegebenenfalls kommen sogenannte Opioide für wenige Wochen und nach strengem Einnahmeplan in Betracht. Mehr dazu im Kapitel "Unspezifische Rückenschmerzen: Diagnose, Therapie".

Darüber hinaus setzt der Arzt gezielt Medikamente entsprechend der eigentlichen Schmerzursache ein. Ein Beispiel sind spezielle Medikamente gegen entzündliche Erkrankungen wie Morbus Bechterew, Mittel gegen Osteoporose oder Antibiotika bei bakteriell bedingten Entzündungen einer Bandscheibe oder eines Wirbels (Spondylodiszitis).

Bewegungstherapie (Physiotherapie, früher: Krankengymnastik) 

Aktives Bewegen – das ist das Mantra gegen funktionelle Rückenschmerzen. Nur so kommt man wieder davon los und auf die Beine. Die Bedeutung der Bewegungs- und Übungsbehandlung kontrastiert mit der Kürze dieses Abschnittes. Übungen für den Rücken sollten bei entsprechenden Schmerzen zum täglichen Brot werden. Verkürzte Muskeln werden gedehnt, geschwächte gestärkt – und zwar insbesondere am Bauch und am Rücken, letztlich aber Etage für Etage und Gruppe für Gruppe.

Denn die Störung auf einer Ebene genügt, um die anderen mitzuziehen. Die Bauchmuskeln halten das Rückgrat von vorne fest. Wenn sie geschwächt sind, was auf viele Menschen zutrifft, so trägt das dazu bei, dass die Wirbelsäule durchhängt und das Becken nach vorne kippt. Daher heißt es: Schulter-, Brust- und Halsmuskeln, sodann die Rumpfmuskeln – die oberen und unteren Bauch- und Rückenmuskeln –, ferner die Becken- und Oberschenkelmuskulatur auftrainieren, einige auch dehnen. Was gestärkt und was gedehnt werden muss, ergibt sich zum einen aus typischen Haltungsfehlern, zum anderen aus den sie überlagernden individuellen Problemen eines Patienten.

Arzt und Physiotherapeut stellen hier die richtige "Muskel-Diagnose" und konzipieren das passende Übungsprogramm. Auch Rückenschwimmen nach Anleitung gehört zur Bewegungstherapie von Rückenschmerzen.

Physikalische Therapie

Die meisten physikalischen Anwendungen funktionieren mehr oder weniger ähnlich: Sie verbessern die Durchblutung, aktivieren Stoffwechselvorgänge und tragen so zur Schmerzlinderung bei zugrundeliegenden Erkrankungen bei . Einzelne Varianten wirken noch spezieller. Welche wann am sinnvollsten ist, entscheiden Arzt und Physiotherapeut wie auch das Erleben des Patienten.

- Massage

Massage ist eine Kunst, kommt also von Können. Da das Methodenspektrum groß ist, werden sich verantwortungsvolle Therapeuten auf den Bereich konzentrieren, den sie während der Ausbildung oder der berufsbegleitenden Fortbildung erlernt haben, in dem sie sich also sicher und erfahren fühlen.

Klassische Massage, Bindegewebs- oder Unterwassermassage wird der Arzt verordnen, wenn sie den Heilungsprozess bei einem Patienten fördern können. Massage bewirkt eine Erwärmung und vermehrte Durchblutung der Haut, des Bindegewebes und der Muskulatur. Durch Verbesserung des Blut- und Lymphflusses werden Stoffwechselprozesse angeregt, vegetative Regelkreise beeinflusst, Entspannung auf körperlicher und seelischer Ebene in Gang gesetzt. Bindegewebsmassage ist eine spezielle Form, die auf reflektorisch verhärtete Bereiche der Haut und des Bindegewebes (Myogelosen) zielt. Die Verhärtungen werden gelöst, überaktive Reflexkreise gedämpft. Dies wirkt schmerzlindernd und hat möglicherweise positive Wirkungen auch auf andere Organe.

- Elektrotherapie

Von außen zugeführte elektrische Ströme senden elektromagnetische Energie in das unter der Haut liegende Binde- und Muskelgewebe. Dies kann die Durchblutung und Stoffwechselvorgänge gerade auch in den Gelenken anregen und zur Schmerzlinderung beitragen. Zu diesem Zweck dienen verschiedene Stromarten – Wechsel- oder Gleichstrom niedriger, mittlerer oder hoher Frequenzen oder Kombinationen daraus. Geeignet sind auch sich überlagernde Stromkreise (Interferenzstrom).

Eine recht bekannte Anwendungsform ist das Stangerbad, das häufig bei der physikalischen Behandlung der Bechterew-Erkrankung eingesetzt wird (siehe Abschnitt "Schmerzen tief im Kreuz, Augenentzündung: Verdacht auf Bechterew-Krankheit, Kapitel "Spezifischer Rückenschmerz: Immer krankhaft"). Dabei handelt es sich um eine hydroelektrische Therapie mit Gleichstrom. Auch Iontophorese ist eine Variante der Elektrotherapie. Hier dienen elektrisch geladene Teilchen dazu, äußerlich aufgetragene Arzneistoffe schneller ins Gewebe einzuschleusen. Ultraschall wirkt teils wie Massage, teils wie Strom. Seine mechanische und (bei der Schallreflexion im Gewebe zugleich entstehende) thermische Energie kann sich gezielt an gereizten Muskel-Sehnenansätzen und Gelenkkapseln entfalten und lindernd wirken.

Heilende Hände: Manuelle Medizin

Die manuelle Medizin oder Chirotherapie ("Medizin mit Händen") widmet sich all jenen Funktionsstörungen am Bewegungssystem, die als rückbildungsfähig eingestuft werden können. Ohne umfassende medizinische Kenntnisse über die Funktionen des Systems, seine Vernetzung mit den anderen Organen sowie die damit verbundenen und eigenständigen Störungsmechanismen ist eine verantwortungsvolle Ausübung der manuellen Medizin oder bestimmter Teilgebiete undenkbar. Nach entsprechender Ausbildung sind in Deutschland sowohl Ärzte als auch – in Teilen – Physiotherapeuten befugt, manualmedizinisch beziehungsweise manualtherapeutisch zu arbeiten. Insofern ist die manuelle Medizin sowohl eine physiotherapeutische als auch eine ärztliche Methode.

Heilpraktiker setzen ebenfalls bestimmte chiropraktische Methoden ein. Außerdem bieten auch nichtärztliche beziehunsgweise nichtmedizinische Osteopathen ihre "manualtherapeutischen" Dienste an. Wer aber jemals mit Rückenschmerzen Bekanntschaft gemacht hat und weiß, welch komplizierte Angelegenheit sie sein können, wird sein Rückgrat, seine einzige natürliche und daher kostbare Körperstütze, sicher am liebsten Heilberuflern mit nachweislich medizinischer oder physiotherapeutischer Kompetenz anvertrauen wollen.

Eine der Wurzeln der manuellen Medizin ist die Osteopathie. Im Mittelpunkt dieser in den USA entwickelten Therapierichtung steht der Gedanke, mit bestimmten Handtechniken auf nahezu alle Körperfunktionen Einfluss nehmen zu können. Soweit sich das Konzept auf anerkannten neurophysiologischen Grundlagen bewegt (und damit auch wirkt), wird es in Deutschland von der Fachgesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Manuelle Medizin (DGMM), vertreten und gelehrt. Unter den genannten Voraussetzungen sind osteopathische oder manualmedizinische Techniken geeignet, den Grundzustand des Bewegungssystems eines Patienten zu erfassen und dieses wie auch seinen Einfluss auf andere Organsysteme positiv zu verändern (Einsatz in Diagnose und Therapie).

Im Mittelpunkt steht das von neuro-humoralen Reflexen – Nerven und Botenstoffen im Blut und in den Gewebeflüssigkeiten – bestimmte Spannungsniveau der Muskeln, des Bindegewebes, der Knochen und Gelenke. Muskeln und ihre Bindegewebshüllen (medizinisch: Faszien) werden zum Beispiel mit Druck, Zug und Gegenzug, Dehnung und Entspannung bearbeitet. Insgesamt gibt es ein reiches Repertoire von Techniken und Anwendungen. Zu den chirotherapeutschen Methoden gehören Weichteiltechniken, Mobilisation oder Manipulation. Hier kommt es selbstverständlich darauf an, vorher Veränderungen auszuschließen, welche die Nervenwurzeln oder das Rückenmark im Wirbelkanal bedrängen könn(t)en.

Thermotherapie: Kälte & Wärme

Der eine bevorzugt Kälte, der andere Wärme. Kälte- oder Kryotherapie lindert vor allem entzündliche oder verletzungsbedingte Schmerzen, indem sie Schmerzempfänger blockiert und abschwellend im Gewebe wirkt. Sie hilft beispielsweise auch Patienten mit einem Fibromyalgie-Syndrom, bei denen Entzündungsvorgänge nicht nachweisbar sind, obwohl die Beschwerden solche nahelegen. Kälte kann in Form von kühlend wirkendem Franzbranntwein oder Umschlägen mit essigsaurer Tonerde, ferner als Gelkompresse, Eisbeutel, feuchten "gesalzenen" und anschließend eisgekühlten Stoffkompressen oder sogar in einer Kältekammer (Ganzkörpertherapie) auf den Körper einwirken.

Wärme kann einer Massage vorgeschaltet werden, um die Muskulatur zu lockern. Bewährte Wärmequellen sind Infrarotlicht, Kurz- und Mikrowellen (sie sind natürlich auch eine Form der Elektrotherapie) sowie Fango- und Moorbäder. Auch die Pharmazie hat hier etwas zu bieten: durchblutungsaktive Salben oder Hautpflaster mit Wirkstoffen wie Benzylnicotinat, Capsicumextrakt oder Nonivamid, die zudem durch Reizung von Temperaturfühlern in der Haut ein Wärmegefühl erzeugen. Bei manchen Erkrankungen ist eine Wärmebehandlung nicht angezeigt.

Stützmieder

Gezielter Halt für die Lendenwirbelsäule, Entspannung der überlasteten Muskulatur durch Milderung der Lordose, kurzum mehr Sicherheit – das alles kann ein Stützmieder bieten. So kann die akute Schmerzphase besser durchgestanden werden, ohne auf Bewegung verzichten zu müssen.

Ein klassisches Stützmieder enthält Gitterstäbe, die in eine elastische, waschbare Wirkware mit anatomischer Passform eingebaut sind. Mit Klettverschlüssen lässt es sich mehr oder weniger stramm schließen. Normalerweise wird empfohlen, das Stützmieder stundenweise und nicht länger als etwa sechs Wochen zu tragen. Die Rücken- und Bauchmuskeln sollten so bald wie möglich, eventuell auch schon in der Phase mit dem Stützmieder, trainiert werden. Bei Skoliose werden spezielle aktive Korsetts, etwa das Cheneau-Korsett, eingesetzt.

Nicht operative Eingriffe: Schmerzblockaden

Die hier beschriebenen Verfahren werden häufiger bei Druck auf Nervenwurzeln, also bei Wurzelkompressionssyndromen durch seitliche Bandscheibenvorwölbungen oder Verengungen des Zwischenwirbellochs (siehe Kapitel "Aufbau der Wirbelsäule"), angewandt.

Im Prinzip entsprechen sie der Vorgehensweise bei einer Rückenmarksbetäubung beziehungsweise Epiduralanästhesie: Der Arzt schiebt nach örtlicher Betäubung der Haut und Steuerung unter Röntgendurchleuchtung oder CT-Kontrolle eine dünne Injektionsnadel in den Rückenmarkskanal oder an ein Facettengelenk. Über die Nadel injiziert er zum Beispiel ein örtlich betäubendes Mittel.

– Epidurale oder periradikuläre Injektionen

Hierbei werden kleine Mengen eines Betäubungsmittels in Höhe der schmerzenden Etage in den Epiduralraum im Wirbelkanal injiziert. Der Epiduralraum umgibt die harte Rückenmarkshülle und die das Rückenmark verlassenden Nervenwurzeln. Die Medikamente fluten dann langsam an die angepeilte gereizte Nervenwurzel heran. Die Dosis des örtlich betäubenden Mittels liegt weit unterhalb derjenigen einer Rückenmarksbetäubung. Studien, die diese Technik prüfen, ergeben noch kein schlüssiges Bild.

Blockaden der Nervenwurzeln selbst bleiben schweren Schmerzzuständen vorbehalten, da bei dieser "ultimativen" Lösung meistens nicht nur die schmerzempfindlichen sensiblen, sondern auch bewegungssteuernde motorische Anteile ausgeschaltet werden.

– Facettengelenkblockaden
Eine Blockade schmerzender Facettengelenke durch Verödung der Nervenendigungen ist mit verschiedenen Techniken möglich: Heranführen von Sonden, welche die Schmerzfühler der Gelenkkapseln durch Erhitzung mittels Hochfrequenzenergie blockieren. Allerdings wird zuvor eine diagnostische Testblockade mit einem örtlich betäubenden Mittel durchgeführt. Der Therapieansatz wird derzeit kontrovers beurteilt (vgl. Kapitel: "Spezifischer Rückenschmerz: Immer krankhaft", Abschnitt: "Wirbelsäulenarthrose": Anmerkungen zur Therapie).

Operationen: Viel Technik

In Deutschland werden pro Jahr etwa 100.000 Bandscheibenoperationen durchgeführt, Tendenz steigend. Heute wird am Wirbelkanal häufig minimal invasiv-mikroskopisch oder sogar ausschließlich endoskopisch operiert.

- Minimal invasiv-mikroskopisch (kurz: mikroskopisch) bedeutet: Operieren mit kleinen Hautschnitten und mikroskopisch vergrößerter Sicht.

- Endoskopisches Operieren bedeutet, dass der Operateur ein dünnes, stabförmiges oder biegsames Sicht- und Arbeitsgerät verwendet, das mit einer hochmodernen Videokamera ausgestattet ist. Das Kamerabild erscheint auf Monitoren. Durch das Endoskop lassen sich verschiedene Instrumente einführen. Der Operateur verfolgt sein Vorgehen auf dem Monitor. Zum Einbringen des Endoskopes sind nur millimeterkleine Schnitte nötig, sodass das Operationsgebiet sozusagen geschlossen bleibt. Aus dieser neueren Technik leitet sich auch der Begriff minimal-invasive oder Schlüsselloch-Chirurgie ab. Die Tendenz zu möglichst kleinen Schnitten hat jedoch auch die mikroskopische Vorgehensweise beeinflusst.

Ein rein endoskopischer Eingriff an der Bandscheibe ist heute in Rückenmarkanästhesie, also ohne Vollnarkose, möglich.

- Bei Versteifungsoperationen zum Beispiel, bei denen es auf millimetergenaue Positionierung von Platten und Schrauben ankommt, oder bei anatomisch schwierigen Verhältnissen nutzen Chirurgen auch die Navigation. Das bedeutet: Ein CT-gestützter Rechner liefert anhand der individuellen Patientendaten ein simuliertes dreidimensionales (3-D-)Modell der Wirbelsäule und berechnet die optimale Lage der Metallteile und Instrumente. Infrarotkameras vermitteln dem Operateur während des Eingriffs fortlaufend exakte Ortsinformationen. Der erfahrene Chirurg kann die Planung aber jederzeit eigenhändig variieren.

- Zu den Eingriffen an der Wirbelsäule gehören auch stabilisierende, minimal invasive Maßnahmen bei Wirbelbrüchen, etwa infolge einer Osteoporose oder eines Tumorleidens, wie Kyphoplastie und Vesselplastie (Aufrichtung eines eingesunkenen Wirbels mittels Knochenzement, bei der Vesselplastie Einlegen eines Ballons, der mit Knochenzement befüllt wird). Auch Operationen bei schweren bakteriellen Wirbelentzündungen (Spondylodiszitis) sind gelegentlich an der Wirbelsäule notwendig, wenn Antibiotika nicht anschlagen und sich ein Abszess und /oder eine Verformung  entwickelt. Der Chirurg räumt das durch die Entzündung geschädigte Gewebe aus (Debridement), füllt den Defekt auf, entweder durch eigenes Knochengewebe des Patienten oder auch ein Implantat als Wirbelkörperersatz, und versteift die Wirbelsäule dann im entsprechenden Bereich (Spondylodese).

- Die Implantation einer künstlichen Bandscheibe ist ausschließlich bei Bandscheibendegeneration mit schwer beeinflussbaren Schmerzen ein mögliches, aber noch nicht abschließend bewertetes Verfahren, das verschiedene Risiken hat. Andere Rückenleiden dürfen nicht vorliegen.

Psychologische Therapie

Seelischer Druck spiegelt sich auch in der Körperhaltung wider. Die Wirbelsäule reagiert in vielfältiger Form auf seelische Probleme. Rückenschmerzen durch Verspannungen sind oft die Antwort auf buchstäblich tiefer liegende Konflikte. Umgekehrt beeinflussen Rückenschmerzen immer auch die Psyche. Hier schließen sich viele Kreise, die oft durchbrochen werden müssen, damit die Befreiung vom Schmerz überhaupt ansatzweise gelingt.

Ähnlich wie auf der medizinischen Ebene gibt es auch auf der psychologischen zahlreiche Verfahren, um vor allem chronische Schmerzen zu bekämpfen. Sie reichen von verhaltenstherapeutischen Methoden über psychoanalytisch ausgerichtete Verfahren bis hin zu Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung nach Jacobson, autogenes Training und Meditation, Biofeedback und Hypnose.

Für Patienten mit chronischen (unspezifischen) Rückenschmerzen sind verschiedene Schmerzbewältigungsprogramme entwickelt worden. Sie fließen in sogenannte multimodale Therapien ein, bei denen verschiedene Behandlungsformen formen gebündelt werden (mehr dazu im Kapitel: "Unspezifische Rückenschmerzen: Diagnose, Therapie"). Fragen Sie Ihren Arzt danach. Ihre Krankenkasse wird Ihnen ebenfalls Auskunft geben, natürlich auch über die Möglichkeiten einer Rehabilitationsbehandlung.

Für Patienten mit chronischen spezifischen Rückenschmerzen können Schmerzbewältigungstechniken ebenfalls hilfreich sein. Nicht selten können sie auch dazu beitragen, Schmerzmittel einzusparen.

Rückenfreundlich leben

Das geht wirklich, und zwar Tag für Tag.

Hier sechs Tipps:

1. Übergewicht abbauen ist wichtig, damit der Rücken nicht so viel tragen muss. Da körperliche Bewegung hierbei die halbe Miete ist, tun Sie damit gleich auch Ihren Muskeln und Bandscheiben Gutes. Bewegen Sie sich aber auch dann regelmäßig, wenn Sie nicht abnehmen müssen.

2. Richtig Aufstehen aus der Liege- oder Sitzposition und richtig Hinsetzen oder Hinlegen: Nie ohne aufgerichtetes Becken, also angespannte Bauch- und Beckenbodenmuskeln. Setzen Sie vor allem Arme und Beine zum bewussten Abstützen ein, neigen Sie sich von der Seite abwärts, wenn Sie sich hinlegen, und richten Sie sich auch von der Seite in die Sitzposition auf, wenn Sie aufstehen.

3. Wenn Sie einen Gegenstand vom Boden aufheben möchten, nicht ohne "inneren Halt" nach vorne oder hinten beugen. Versuchen Sie, beim Vorbeugen Lendenwirbelsäule und Becken festzuhalten, indem Sie den Bauch einziehen. Oder: Den Boden können Sie auch mit der Hand erreichen, indem Sie ein Bein in Hüfte und Knie beugen und das andere nach rückwärts strecken oder sogar in "Waage-Haltung" anheben (zum Beispiel, wenn Sie unbeobachtet sind!). Alternative: in die Hocke gehen.

4. Nie länger als 30 Minuten in derselben Position bleiben: Bewegen Sie sich zwischendurch, lockern Sie die Muskeln und atmen Sie, indem Sie bewusst Luft holen.

5. Bei unvermeidlichem Heben: Möglichst aus der Hocke heraus die Last hochstemmen, dabei wieder Becken fest und Rücken gerade halten und den Bauch einziehen. Gegenstand so nah am Körper wie möglich heben (kurzer Hebelarm). Vermeiden Sie einseitige und zu schwere Lasten.

6. Ziehen Sie überhaupt so oft wie möglich bewusst den Nabel zur Wirbelsäule, also den Bauch ein (Bauchpresse). Das stärkt den Transversusmuskel, der wiederum mithilft, die Lendenwirbelsäule festzuhalten. Wichtig: Dabei ganz normal weiteratmen.

Nicht vergessen: Ihre Füße mögen gut sitzende, bequeme Schuhe. Ihre Wirbelsäule fühlt sich damit ebenfalls wohler. Prüfen Sie auch, ob Ihre Matratze Ihr Rückgrat gut aufnimmt und stützt.

 

Zu orthopädischen Fragestellungen:

Wülker N (Hrsg.), unter Mitarb. von Kluba T, Roetman B, Rudert M: Orthopädie und Unfallchirurgie. Stuttgart - New York Georg Thieme Verlag, 3., überarb. und aktual. Auflage 2015

Elsen A, Eppinger M, Müller M: Orthopädie und Unfallchirurgie für Studium und Praxis. Breisach Medizinische Verlags- und Informationsdienste, 1. Auflage 2014/2015

Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF, Register: nvl/007). Nationale VersorgungsLeitlinie Kreuzschmerz  – Kurzfassung. 2. Aufl. 3/2017. Online:
http://www.leitlinien.de/nvl/kreuzschmerz (Abgerufen am 13.03.2017)

Grifka J, Kuster M (Hrsg.): Orthopädie und Unfallchirurgie, 1. Aufl. 2011, Springer

Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): Neurotraumatologie und Erkrankungen von Wirbelsäule und Nervenwurzel. Lumbale Radikulopathie. September 2012, gültig bis 1. Oktober 2016. Online: http://www.dgn.org/component/content/article/45-leitlinien-der-dgn-2012/2420-ll-75-2012-lumbale-radikulopathie.html?q=kreuzschmerz (Abgerufen am 26.10.2015)

Robert Koch Institut, Berlin (Hrsg.): Rückenschmerzen, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 53, Dez. 2012

Niemier K.: Langzeiteffekte interventioneller Behandlungen von chronischen Schmerzen des Bewegungssystems. In: Schmerz 2012, 26: 185-191

Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Schmerztherapie (DVIS):
Fibromyalgiesyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. S3-Leitlinie, AWMF-Register Nr. 041/004, Stand: 04/2012 (Addendum zur kognitiven Verhaltenstherapie: 21/10/2013), gültig bis 01.04.2017. Online:
http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/041-004l_S3_Fibromyalgiesyndrom_2012-04_01.pdf (Abgerufen am 14.10.2015)

Zu inneren Erkrankungen:

Herold G und Mitarbeiter: Innere Medizin, 2016, Köln Gerd Herold

Studie zu Paracetamol (Schmerzmittel):

Williams Ch M, Maher Ch G, Latimer J et al.: Efficacy of paracetamol for acute low-back pain: a double blind, randomised controlled trial. Lancet Vol.384, No. 9954, p.1586-1596, 1 November 2014. DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(14)60805-9
Online: http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2814%2960805-9/abstract (Abgerufen am 14.10.2015)

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