Chronische lymphatische Leukämie (CLL)

Die chronische lymphatische Leukämie (CLL) ist eine bösartige Erkrankung, die die lymphatischen Zellen betrifft. Die CLL gehört zu den malignen Lymphomen. Als Leukämie bezeichnet man die Erkrankung, weil die entarteten Zellen regelmäßig auch im Blut zu finden sind

aktualisiert am 20.01.2015

Was ist eine chronische lymphatische Leukämie (CLL)?

Die CLL gehört zu den malignen Lymphomen. Hierbei betrifft der Krebs meist das lymphatische System – also Lymphknoten, Milz oder Leber. Auch das Knochenmark kann beteiligt sein. Finden sich bei einem malignen Lymphom verstärkt bösartige Zellen im fließenden Blut (auch peripheres Blut genannt), sprechen Mediziner von einem leukämischen Verlauf. Bei der CLL ist dies die Regel.

Lymphome lassen sich in T-Zell- und B-Zell-Lymphome unterteilen, je nachdem welche Zellart entartet. Zusätzlich gibt es die Unterteilung in indolente oder niedrig-maligne ("weniger bösartige") und aggressive oder hochmaligne ("sehr bösartige") Non-Hodgkin-Lymphome. Indolente Lymphome verlaufen langsam. Sie lassen sich durch eine Behandlung gut zurückdrängen, sind aber in der Regel nicht heilbar. Die CLL gehört zu den indolenten Lymphomen. Wie der Name schon sagt, stellt sie eine chronische Erkrankung dar.

T-Lymphozyten (T-Zellen) und B-Lymphozyten (B-Zellen) gehören wie Monozyten und Granulozyten zu den weißen Blutkörperchen und sind ein Bestandteil des Blutes. Die weißen Blutkörperchen bilden zusammen einen Teil der körpereigenen Abwehr. Sie entwickeln sich aus Stammzellen, die sich im Knochenmark befinden. Mono- und Granulozyten nehmen Krankheitserreger und Zelltrümmer in sich auf und zerstören diese dadurch (Phagozytose). T-Lymphozyten können infizierte Körperzellen abtöten oder andere Bestandteile des Immunsystems aktivieren. Die B-Lymphozyten bekämpfen Keime, indem sie Antikörper bilden.

Die chronische lymphatische Leukämie geht von Vorstufen der B-Lymphozyten aus. Diese entarteten Zellen können keine Krankheitserreger mehr bekämpfen, vermehren sich aber unkontrolliert. Dadurch verdrängen die Leukämiezellen noch funktionsfähige B-Lymphozyten sowie alle anderen Blutzellen, die im Knochenmark gebildet werden. Als Folge entsteht ein Mangel an Blutplättchen sowie weißen und roten Blutkörperchen, was sich unter anderem in einer erhöhten Infektanfälligkeit äußert.

Hauptsymptom: vergrößerte Lymphknoten

Die Ursachen einer CLL sind noch nicht genau bekannt. Hauptsymptom sind schmerzlose vergrößerte Lymphknoten (Lymphome). Aber auch starke Müdigkeit, Erschöpfung oder häufige Erkältungen können auf eine CLL hinweisen. Um die Diagnose zu sichern, untersucht ein Arzt zunächst eine Blutprobe. Eine Knochenmarkuntersuchung ist nicht unbedingt notwendig. Die Ausbreitung der Erkrankung lässt sich durch weitere Verfahren erfassen, zum Beispiel eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs und eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums.

An einer chronischen lymphatischen Leukämie erkranken in Deutschland etwa 2400 Menschen im Jahr. Fast die Hälfte aller Patienten ist älter als 75 Jahre. Männer erkranken häufiger als Frauen.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Obwohl die genauen Ursachen noch unklar sind, scheint eine genetische Veranlagung bei der Entstehung der CLL eine Rolle zu spielen.

Bestimmte Umweltfaktoren können vermutlich das Risiko erhöhen, an einer chronischen lymphatischen Leukämie zu erkranken. Dazu zählen unter anderem bestimmte chemische Substanzen, zum Beispiel Pestizide oder Asbest.

Auch das Alter ist ein Risikofaktor. Je älter ein Mensch ist, desto eher kann er prinzipiell an der CLL erkranken.

Anfangs treten bei einer chronischen lymphatischen Leukämie oft keine Symptome auf. Nicht schmerzhafte, geschwollene Lymphknoten stellen häufig das erste Anzeichen dar. Schreitet die Erkrankung fort, kann es zu typischen Beschwerden einer Blutarmut (Anämie) kommen. Patienten fühlen sich schwach und erschöpft, sie sind blass und müde.

Manchmal ist die Blutungsneigung erhöht, da die Menge der Blutplättchen (Thrombozyten) abnimmt. Nasenbluten und Blutergüsse treten dann häufiger auf.

Da die B-Lymphozyten nur noch eingeschränkt funktionieren und ihre Anzahl abnimmt, kommt es im Verlauf der Erkrankung häufig zu Infekten.

Seltener treten sogenannte "B-Symptome" auf. Dazu zählen Fieber, verstärkter Nachtschweiß und starker Gewichtsverlust.

Zunächst führt der Arzt ein ausführliches Gespräch über bestehende Beschwerden und mögliche Risikofaktoren (Anamnese) durch. Dann tastet er unter anderem Lymphknoten, Milz und Leber ab, da diese Organe bei einer chronischen lymphatischen Leukämie vergrößert sein können.

Um festzustellen, ob möglicherweise eine CLL vorliegt, nimmt der Arzt Blut ab. Bei einer chronischen lymphatischen Leukämie ist die Gesamtzahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und besonders der Anteil der Lymphozyten deutlich erhöht. Gleichzeitig kann die Menge an roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten) verringert sein. Das ist im Blutbild zu erkennen.

Im Blutausstrich sehen die Lymphozyten meist normal aus. Es sind reife Zellen, die aber die Fähigkeit verloren haben, Infektionen zu bekämpfen. Außerdem unterscheiden sie sich von gesunden Lymphozyten durch bestimmte Merkmale an der Zelloberfläche (Oberflächenmarker). Diese für die CLL typischen Marker lassen sich anhand einer Blutprobe bestimmen, es wird eine Immunphänotypisierung vorgenommen.

Eine Untersuchung des Knochenmarks ist nicht unbedingt notwendig, um die Diagnose zu sichern. Sie kann jedoch im Krankheitsverlauf erforderlich werden. Und zwar dann, wenn es zu unklaren Veränderungen im Blutbild kommt oder der Arzt beurteilen muss, ob oder wie gut die Erkrankung auf die Therapie anspricht.

Bildgebende Verfahren – wie eine Ultraschall-Untersuchung (Sonografie) oder eine Computertomografie (CT) – helfen, vergrößerte Organe und Lymphknoten im Körperinneren zu beurteilen.

Eine CLL tritt meist erst in höherem Lebensalter auf und schreitet nur langsam fort. Eine sofortige Behandlung ist daher häufig ohne Vorteil. Deshalb beginnen Ärzte nicht zwingend sofort bei Diagnosestellung mit einer Therapie. Stattdessen überwachen sie den Patienten und führen regelmäßig Kontrolluntersuchungen durch. Diese Strategie nennt sich "Watch and Wait".

Hat der Patient Beschwerden oder verschlechtern sich die Blutwerte, ist eine Chemotherapie sinnvoll. Damit gelingt es zunächst fast immer, die Krankheitssymptome erfolgreich zurückzudrängen. Oft bleiben die Patienten jahrelang beschwerdefrei. Ist ein jüngerer Mensch an der CLL erkrankt, zielt die Behandlung darauf ab, die Leukämiezellen für lange Zeit möglichst komplett zurückzudrängen. Experten bezeichnen dies als komplette Remission. Die Therapie ist dafür entsprechend intensiver.

Bei älteren Patienten steht eine weniger intensive, palliative Chemotherapie im Vordergrund. Diese nebenwirkungsärmere Therapie hat das Ziel, die Krankheit aufzuhalten und die Beschwerden zu lindern. Das steigert die Lebensqualität der Erkrankten. Heilen lässt sich der Tumor dadurch allerdings nicht, da die Leukämiezellen nicht dauerhaft beseitigt werden.

Eine neuere Strategie ist die Behandlung mit sogenannten monoklonalen Antikörpern, die alleine oder in Kombination mit einer Chemotherapie eingesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise Rituximab oder Alemtuzumab. Die Leukämiezellen besitzen auf ihrer Oberfläche Merkmale, gegen die sich die Wirkstoffe gezielt richten. Binden die Antikörper an die Zellen, sterben diese dadurch ab.

In klinischen Studien wird zurzeit untersucht, ob eine Transplatation fremder Blutstammzellen (allogene Stammzelltransplantation) jüngeren Erkrankten helfen kann. Ist ihr Risiko hoch, dass die Leukämie rasch fortschreitet, kann die Transplantation möglicherweise die Behandlungsergebnisse verbessern und die CLL eventuell sogar heilen.

Die CLL an sich, aber auch die Chemotherapie, bringen oft unerwünschte Begleiterscheinungen mit sich. Patienten fühlen sich sehr müde und erschöpft (Fatigue-Syndrom). Zudem bekommen sie leichter Infekte, die aufgrund des geschwächten Immunsystems schwerer verlaufen können. Manchmal ist auch die Blutungsneigung erhöht. Das heißt, Verletzungen heilen langsamer zu, Schnittwunden bluten länger. Die Lebensqualität der Patienten kann jedoch mit unterstützenden Therapien wesentlich verbessert werden. Zum Beispiel, wenn Erkrankte bei einer Anämie eine Bluttransfusion erhalten oder Infektionen zügig therapiert werden. In bestimmten Situationen kann es auch sinnvoll sein, vorbeugend gegen Infektionen zu behandeln. Patienten sollten dies individuell mit ihrem Arzt besprechen.

Dieser Text entstand mit freundlicher Unterstützung des Krebsinformationsdienstes am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg.

Quellen:

- Leitlinie Chronische lymphatische Leukämie der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (Ärzteversion und Patientenversion, Stand 2012)

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.