Müdigkeit

Müdigkeit hat viele Ursachen – allen voran: zu wenig Schlaf. Ständiges Müdesein zeigt manchmal auch bestimmte Krankheiten oder ein chronisches Erschöpfungssyndrom an

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 04.07.2017

Meist kennen wir den Grund, warum wir müde sind: zu wenig geschlafen. Kurze oder unruhige Nächte sind die einfachste und häufigste Ursache für Müdigkeit am Tage. Doch auch wer morgens ausgeruht startet, kennt untertags Phasen, in denen ihn jenes bleierne Gefühl überkommt, das schwer auf den Augen lastet, Denken und Bewegungen verlangsamt, nach einer Ruhepause verlangt. Das kann ein kurzes Mittagstief sein, das durch eine üppige Mahlzeit noch verstärkt wird. Den gleichen Effekt hat es, wenn wir zu wenig essen und vor allem zu wenig trinken. Längeres Sitzen in einem schlecht gelüfteten Raum lässt ebenfalls Hirn und Beine schlapp werden.

Menschen, die lange intensiv ohne Pause durcharbeiten, überfällt irgendwann akute Müdigkeit, aber auch diejenigen, die den ganzen Tag untätig auf dem Sofa verbracht haben. Daumendrehen macht genauso müde wie anhaltende Stressbelastung, zu wenig körperliche Bewegung ebenso wie überzogenes Training. Und schließlich kündigt sich ein beginnender Infekt, eine Erkältung etwa, nicht nur durch eine juckende Nase, sondern auch durch ein unbestimmtes Müdigkeitsgefühl an.

Was Müdigkeit bedeutet

Müdigkeit ist also in der Regel ein Hinweis dafür, dass uns etwas fehlt – Schlaf, Sauerstoff, Flüssigkeit, Bewegung. Manchmal zeigt der bleierne Zustand zudem an, dass unser Körper sich aktiv gegen etwas wehrt – gegen Krankheitskeime zum Beispiel – und deshalb verstärkt Abwehrkräfte mobilisiert. Das macht müde. Sehr häufig trüben Alltagsprobleme, die auf Geist und Körper lasten, die Stimmung, den inneren Antrieb und die Leistungsfähigkeit.

Ein Trost ist es, dass solche oft als unangenehm empfundenen Müdigkeitsphasen wieder vergehen oder sich rasch beheben lassen: Das geöffnete Fenster, der kurze Spaziergang an der frischen Luft, ein Glas Mineralwasser oder Entspannungsübungen vertreiben belastende Durchhänger. Der tiefe Gesundheitsschlaf bei einer Erkältung oder Grippe unterstützt den Organismus in seiner Genesungsarbeit.

In bestimmten Situationen erleben wir Müdesein sogar als angenehm, etwa nach einer ausgedehnten Wanderung in schöner Landschaft oder nach konzentrierter, erfolgreicher Arbeit am Schreibtisch. Die Glieder fühlen sich zwar schwer an, der Kopf ist wie ausgepumpt, aber eine beruhigende Zufriedenheit breitet sich aus. Wer dann ausreichend schläft, die nötige Erholungspause einlegt, fühlt sich danach wieder wach, fit und leistungsstark.

Anhaltende Müdigkeit ernst nehmen

Ungewohnte, hartnäckige oder ständige Müdigkeit dagegen ist oft das erste Zeichen dafür, dass etwas im Körper oder in der psychischen Verfassung nicht stimmt. Müdigkeit ist dann ein allgemeines Krankheitssymptom, wie Fieber, Abgeschlagenheit oder Schwitzen. Es kündigt Krankheitsprozesse unterschiedlichster Art an oder begleitet sie mehr oder minder ausgeprägt. Oft wirkt Müdigkeit aber auch später noch nach, wenn zum Beispiel die Infektion überstanden, die Erkrankung schon ausgeheilt ist.

Müdigkeit: Wann sollten Sie aufmerksam werden?

Hier sind Rat und Hilfe vom Arzt angesagt:

     

  • Der Schlaf ist längere Zeit nicht erholsam
  • Eine Phase der Müdigkeit wird nicht durch wache, aktive Zeiten abgelöst 
  • Schlaf, Erholung und körperliche Bewegung beheben die innere Schwere nicht
  • Die Müdigkeit hält änger an als Sie es im normalen Rahmen kennen
  • Sie werden plötzlich extrem müde, ohne sich übermäßig angestrengt zu haben
  • Das Müdesein belastet Ihren Alltag spürbar
  • Die Leistungen fallen dadurch deutlich ab
  • Andere Beschwerden kommen dazu, zum Beispiel Fieber, Abgeschlagenheit, Schmerzen, Schwellungen, Übelkeit, Schwindel, nächtliches Schwitzen, Muskelschwäche, Atemnot, depressive Verstimmtheit, Ängstlichkeit, Gedächtnisstörungen

Hängt die Müdigkeit zum Beispiel mit ausgeprägten Schlafstörungen zusammen, ist es wichtig, mit dem Arzt darüber zu sprechen, um deren Ursache gezielt anzugehen. Mehr Informationen hierzu finden Sie im Ratgeber "Schlafstörungen".

Der erste Ansprechpartner ist in der Regel der Hausarzt, der üblicherweise die Krankengeschichte und das Lebensumfeld des Betroffenen kennt. Der Hausarzt stellt die Diagnose entweder selbst oder zieht für weiterführende Untersuchungen einen Spezialisten hinzu (siehe dazu Kapitel "Diagnose").

Auf der Suche nach den Ursachen von Müdigkeit

Die Frage, warum wir müde werden, ist letztlich noch nicht geklärt. Die Abfolge von Wachheit, Müdesein und Schlafen folgt einem körpereigenen Rhythmus, der inneren Uhr. Unter ihrer Regie werden bestimmte Nervenbotenstoffe im Gehirn, bestimmte Hormone sowie Eiweißstoffe des Immunsystems je nach Bedarf in unterschiedlicher Menge produziert und ausgeschüttet. Auch die Körpertemperatur verändert sich im Laufe des Tages und der Nacht, um Wach- oder Müdesein anzuregen. Die Tageszeiten, Licht und Dunkelheit sind hierbei wesentliche äußere Taktgeber, ebenso soziale Vorgaben im Alltag. Der persönliche Lebensstil, die berufliche und private Situation können Unruhe und Verschiebungen in die inneren Abläufe bringen, die oft unpassende Müdigkeit zur Folge haben.

Im Körperinneren wirken eine ganze Reihe von Faktoren auf das Auf und Ab von Wachheit und Müdigkeit ein. Grundsätzlich müssen das Gehirn und andere Organe ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, also gut durchblutet sein. Blutkreislauf, Herzfunktion, Stoffwechsel, Hormonproduktion, Nervenaktivitäten und Immunabwehr müssen reibungslos ineinandergreifen. Störungen und Krankheiten in all diesen Bereichen können den Wachheitsgrad am Tage beeinträchtigen und zu verstärktem Müdesein führen. Sie verringern zudem unmittelbar die Schlafqualität.

Ebenso beeinflusst die Psyche Nervenfunktionen, Hormone und Körperabwehr. Psychische Störungen wie Depressionen und Ängste spielen eine wichtige Rolle bei andauernder, belastender Müdigkeit.

Müdigkeit ist eine unerwünschte Nebenwirkung einer Reihe von Medikamenten, die auf den Blutdruck, den Gehirnstoffwechsel und unterschiedliche Nervenfunktionen wirken. Weitreichende Folgen haben zudem Alkoholmissbrauch und Drogenkonsum. Sich erschöpft und müde fühlen ist nur ein Ausdruck unter vielen für die Schäden, die Süchte im Körper anrichten. Das gilt auch für Essstörungen wie Magersucht oder krankhaftes Übergewicht.

Ein oft angeführtes, aber aus ärztlicher Sicht eher seltenes Krankheitsbild ist das chronische Müdigkeits- oder Erschöpfungssyndrom (chronic fatigue syndrom, CFS). Die Betroffenen fühlen sich aus noch ungeklärter Ursache über Monate ständig müde und erschöpft. Dazu kommen meist weitere charakteristische Beschwerden wie Konzentrationsstörungen, Muskel- und/oder Gelenkschmerzen, Hals- und Kopfschmerzen, Schlafstörungen.

Ungewöhnliche Müdigkeit kann zudem ein frühes Symptom einiger Tumore und Bluterkrankungen sein, wie Lymphome oder Leukämien. Krebspatienten erleben mitunter anhaltende Erschöpfungszustände (Fatigue) – zum einen durch den Krankheitsprozess selbst, zum anderen als Folge der Behandlung.

Überblick über mögliche Ursachen von Müdigkeit

Lebensumstände

  • Schlafmangel (auch aufgrund von krankheitsbedingten Schlafstörungen, von Schlafapnoe, Narkolepsie oder anderen Ursachen)
  • Bewegungsmangel
  • Fett- und kalorienreiches Essen, Schlankheitsdiäten
  • Flüssigkeitsmangel
  • Übergewicht, Untergewicht
  • Magnesiummangel
  • Witterungseinflüsse, starke Sonneneinwirkung (bis hin zum Hitzschlag), Unterkühlung
  • Stress, Überarbeitung, Unterforderung
  • Kummer, Sorgen in Beruf und Privatleben
  • Wachstum, körperliche Entwicklungsphasen bei Kindern und Jugendlichen, prämenstruelles Syndrom bei Frauen, Wechseljahre

Schadstoffe, Umweltfaktoren

  • Aufenthalt in schlecht gelüfteten Räumen, zu trockene Luft
  • Arbeiten mit Giftstoffen (Holzschutzmittel, Insektizide, Blei, Anilin, Benzol)

Mehr Informationen zu Lebensumständen und Umweltfaktoren im Kapitel "Lebensstil, Umwelt".

Psychische Erkrankungen, Nervenstörungen

Mehr Informationen dazu im Kapitel "Psyche, Nerven".

Akute und chronische innere Erkrankungen

Mehr Informationen zu Krankheitsbildern und typischen Symptomen im Kapitel "Innere Krankheiten".

Tumore, Krebserkrankungen, Fatigue

Mehr Informationen zu Krankheitsbildern und typischen Symptomen im Kapitel "Krebs, Fatigue".

Medikamente

  • Auswahl: blutdrucksenkende Medikamente, Schlaf- und Beruhigungsmittel, Psychopharmaka, Antidepressiva, Migränemittel wie Triptane, Aknemittel, Mittel gegen Allergien wie Antihistaminika, Schmerzmittel (Opiate), immunstimulierende Medikamente (Interferone), Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen (Antiarrhythmika), Krebsmedikamente

Mehr Informationen dazu im Kapitel "Medikamente".

Chronisches Erschöpfungssyndrom, Fibromyalgie

  • Chronisches Müdigkeits- oder Erschöpfungssyndrom (cronic fatigue syndrom, CFS)
  • Fibromyalgiesyndrom (noch weitgehend ungeklärtes Krankheitsbild mit Schmerzen in unterschiedlichen Körperbereichen sowie körperlichen und seelischen Beschwerden)

Mehr Informationen zu Krankheitsbildern und typischen Symptomen im Kapitel "Chronische Erschöpfung, Fibromyalgie".

Therapie: Was gegen häufiges Müdesein hilft

Lebensstil verbessern

Alle, die Alltagsbelastungen und ungünstige Lebensumstände als Ursache für häufiges, ausgeprägtes Müdesein ausgemacht haben, sollten auch hier konsequent ansetzen. Eingefahrene Gewohnheiten und Verhaltensmuster zu verändern erweist sich häufig als schwierig, aber für tiefgehendes Wohlbefinden ist es absolut lohnenswert. Für gesunde Menschen, die sich oft schlapp und müde fühlen, bedeutet das meist:

  • sich mehr körperlich bewegen,
  • zu einem gesunden Normalgewicht finden,
  • den Schlaf verbessern,
  • Stress abbauen,
  • regelmäßig entspannen.

Manchmal geht das nur mit fachlicher Hilfe. Oft können der Hausarzt, Gesundheitszentren oder Psychotherapeuten konkreten Rat geben beziehungsweise entsprechende Hilfseinrichtungen nennen.

Arbeits- und Umweltmediziner sowie Berufsgenossenschaften sind die Ansprechpartner, wenn es um Gift- und Schadstoffbelastungen im Beruf geht.

Bestehende Grunderkrankungen nachhaltig behandeln

Liegt der Müdigkeit eine bestimmte Erkrankung zugrunde, richtet sich die Behandlung danach. Der Krankheit angepasste Bewegungstherapien unterstützen in der Regel die medizinischen Maßnahmen. Denn bei verschiedenen Herzerkrankungen etwa oder während und nach einer Krebstherapie hilft körperliche Aktivität in der richtigen Form, sich wieder frischer und leistungsfähiger zu fühlen. Das gilt auch bei psychischen Leiden.

Maßvolles körperliches Training und ein wohl dosierter Einsatz vorhandener Energien stellen ebenfalls wirkungsvolle Maßnahmen dar, um die Dauermüdigkeit bei einem chronischen Erschöpfungssyndrom zu überwinden. Neben einem allgemein gesunden Lebensstil kommt hier psychotherapeutischer Unterstützung, zum Beispiel mit Verhaltenstherapie, eine wichtige Rolle zu.

In den folgenden Kapiteln (siehe auch Übersicht oben am Anfang des Textes) finden Sie weitere Information zur Diagnose von Müdigkeit sowie zu den wichtigsten allgemeinen und krankhaften Ursachen. Entsprechende Links leiten Sie jeweils zu ausführlichen Krankheitsratgebern weiter.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Wenn Sie über längere Zeit unter Müdigkeit leiden, sollten Sie in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. Das gilt auch, wenn sich die Müdigkeit plötzlich ohne ersichtlichen Grund einstellt oder deutlich über das als normal erlebte Maß hinausgeht. Weitere Warnzeichen sind zusätzliche Beschwerden wie Fieber, Schmerzen, Muskelschwäche, Atemnot, Nachtschweiß, Schwindel, ebenso ein tiefgehendes Erschöpfungsgefühl, Niedergeschlagenheit, erhöhte Ängstlichkeit.

Ständig müde: Was der Arzt wissen sollte

Für den Arzt, in der Regel zunächst der Hausarzt, ist es wichtig zu erfahren,

  • wie genau sich die Müdigkeit äußert,
  • wann und wie oft sie auftritt,
  • ob sie als neu und ungewöhnlich erlebt wird, zum Beispiel nach körperlichen oder beruflichen Aktivitäten, oder
  • ob sie sich auch einstellt, ohne dass besondere Anstrengungen vorausgegangen wären.

Grundlegend sind ebenfalls Informationen zum Schlafverhalten, ob sich die Schlafqualität verändert hat, ob Sie selbst oder Mitschläfer heftiges Schnarchen und nächtliche Atemaussetzer bemerkt haben. Und, ob Sie gar untertags öfter einnicken.

Von Interesse sind auch Fragen wie: Hat sich privat oder beruflich etwas verändert? Wie häufig bewegen Sie sich und in welcher Form? Essen Sie in letzter Zeit anders und haben Sie zu- oder abgenommen? Erleben Sie vermehrt Stimmungsschwankungen? Trauen Sie sich nicht mehr so viel zu wie früher?

Ein weiterer Punkt ist der Umgang mit Schadstoffen und Chemikalien am Arbeitsplatz, aber auch zu Hause, zum Beispiel wenn Sie gerade die Wohnung renovieren. Außerdem spielt mögliches Suchtverhalten eine wesentliche Rolle, wenn es darum geht, Müdigkeit auf die Spur zu kommen.

Zusätzliche körperliche Symptome geben dem Arzt wichtige Hinweise. Häufig kennt der Hausarzt die Krankengeschichte seines Patienten recht gut. Veränderungen bei schon diagnostizierten Krankheitsbildern oder neu hinzugekommenen Beschwerden wird er aufmerksam nachgehen. Ebenso überprüft er, welche Medikamente Sie einnehmen. Von Bedeutung können außerdem kürzlich oder vor längerem durchgemachte Infekte sein.

Diagnose Müdigkeit: Welche Fachärzte zuständig sein können

Die ersten Untersuchungsschritte nimmt in der Regel der Hausarzt vor. Je nachdem, welche Hinweise sich daraus ergeben, leitet er weitere Untersuchungen ein oder überweist seinen Patienten an einen Spezialisten. Das kann unter anderem ein Facharzt für innere Krankheiten (Internist) beziehungsweise für Herzerkrankungen (Kardiologe), für Diabetes (Diabetologe), für Hormon- und Stoffwechselerkrankungen (Endokrinologe)  oder Nervenkrankheiten (Neurologe) sein. Manchmal ist auch ein Rheumatologe oder anderweitig spezialisierter Internist gefragt, etwa ein Facharzt für Nierenerkrankungen (Nephrologe) oder Lebererkrankungen (Gastroenterologe/Hepatologe).

Onkologen und das geschulte Personal von onkologischen Abteilungen in Kliniken betreuen Krebspatienten in unterschiedlichen Stadien.

Stehen psychische Probleme im Vordergrund, übernehmen Psychiater und Psychotherapeuten Diagnose und Behandlung. Bei Suchterkrankungen sind zudem die jeweiligen Suchtexperten gefragt.

Schwerwiegende Schlafstörungen mit ausgeprägter Tagesmüdigkeit erfordern manchmal eine gezielte Diagnose und Behandlung in einer darauf spezialisierten Klinik mit Schlafzentrum.

Besteht der Verdacht, dass die Müdigkeitsauslöser mit der beruflichen Tätigkeit oder Umgebungseinflüssen zusammenhängen könnten, geht ein Arbeits- oder Umweltmediziner entsprechenden Fragestellungen nach.

Mögliche körperliche Untersuchungen bei Müdigkeit

Dem ausführlichen Arzt-Patient-Gespräch folgt in der Regel eine eingehende körperliche Untersuchung. Der Arzt tastet vor allem Bauch, Rücken und Körpergegenden ab, in denen krankhaft veränderte Lymphknoten auffallen können, etwa Achselhöhlen und Leisten. Er fahndet auch an Armen und Beinen sowie am Kopf und Hals nach Schwellungen und auffallenden Veränderungen. Zudem prüft er die Haut, die Gelenke, die Muskelreaktionen, hört Herz und Lunge ab. Ebenso sieht er sich den Mund-Rachen-Raum sowie die Augen an. Zur Routine gehört in der Regel auch Blutdruckmessen. Gegebenenfalls kommen Allergietests und bestimmte Laboruntersuchungen dazu.

Ursachen von Müdigkeit im Fokus: Weitere Untersuchungen

Aufschlussreiche Tests im Labor

Blutuntersuchungen bestätigen oft schon eine vermutete Zuckerkrankheit oder Schilddrüsenstörung, wie zum Beispiel eine Unterfunktion (Hypothyreose). Auch andere Hormon- beziehungsweise Stoffwechselunregelmäßigkeiten oder entzündliche Vorgänge im Körper wie etwa Rheuma lassen sich im Blut erkennen. Bestimmte Blutwerte geben außerdem Aufschluss über die Nierenfunktion. Bei Hinweisen auf eine Lebererkrankung sind verschiedene Lebertests angezeigt.

Urintests ordnet der Arzt häufig an, um eine mögliche Nierenkrankheit genauer zu bestimmen oder frühzeitig Hinweise auf Nierenprobleme bei Diabetes zu erhalten.

Weitere Maßnahmen wie eine Nervenwasseruntersuchung sind angezeigt, wenn der Arzt zum Beispiel eine Multiple Sklerose oder eine schwerwiegende Herpes-Infektion vermutet. Eine Knochenmarkspunktion sichert die Diagnose etwa einer Leukämie. Feingewebliche Untersuchungen von Gewebeproben können mitunter bei Herz-, Muskel-, Stoffwechsel- oder Krebserkrankungen notwendig sein.

Apparative Untersuchungen

Welche Untersuchungen der Arzt veranlasst, richtet sich nach schon bestehenden Krankheiten oder danach, in welche Richtung erste Untersuchungsergebnisse weisen. Zu den weiterführenden Untersuchungen können beispielsweise die Aufzeichnung einer Herzstromkurve (Elektrokardiogramm, EKG), ein Belastungs-EKG und/oder Lungenfunktionstests gehören.

Bildgebende Verfahren

Ultraschalluntersuchungen unterschiedlicher Organe kommen je nach Notwendigkeit zum Einsatz. Das kann zum Beispiel eine Sonografie des Herzens (Echokardiografie), der Leber, der Schilddrüse oder des Bauchraums und innerer Lymphknoten sein.

Röntgenaufnahmen des Brustraums beziehungsweise der Lunge gehören zu wichtigen Diagnosehilfen bei Herz- und Atemproblemen, bei der Krebsdiagnostik. Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) sind häufig bei Tumorerkrankungen angezeigt. Ebenso kann ein Herz-MRT in Ergänzung der Herz-Sonografie mitunter die Ursache einer Herzschwäche wie etwa eine spezielle Herzmuskelerkrankung aufzeigen.

Therapie von krankhafter Müdigkeit: Entscheidend ist die Diagnose

Die Behandlung richtet sich nach der Diagnose und wird individuell auf den Patienten ausgerichtet sein. Ein gutes und vertrauensvolles Arzt-Patient-Verhältnis hilft, auch ein belastendes Allgemeinsymptom wie Müdigkeit in den Griff zu bekommen.

Die nächsten Kapitel geben Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Ursachen von Müdigkeit und weitere kennzeichnende Symptome der jeweiligen Grunderkrankungen. Zu vielen Krankheiten gibt es auf unseren Seiten ausführliche Krankheitsratgeber (siehe entsprechende Links).

Bei der Suche nach möglichen alltäglichen Auslösern für verstärkte Müdigkeit bewahrheitet sich, was für so viele Dinge gilt: Sowohl ein Zuviel als auch ein Zuwenig kann schaden und neben anderen Gesundheitsproblemen auch Müdigkeit hervorrufen. Das trifft für Schlaf, Bewegung, Ernährungsgewohnheiten, tägliche Anforderungen und vieles mehr zu. Mangel macht müde, ebenso Übermaß. Das richtige Maß muss jeder Einzelne in vielen Bereichen allerdings für sich individuell finden, manchmal in Absprache mit seinem Arzt.

Schlafmangel: Hauptgrund für Müdigkeit

Viele Menschen schlafen zu wenig, jeder Dritte bis Vierte klagt über ausgeprägte Schlafstörungen, seien es Einschlaf- oder Durchschlafprobleme. Wer nachts schlecht schläft, fühlt sich untertags häufiger müde, unkonzentriert und weniger leistungsfähig, oft aber auch gleichzeitig nervös und angespannt. Die normalen Tagestiefs sind ausgeprägter. Manchmal entsteht aus zunächst vorübergehenden Schlafproblemen ein Teufelskreis: wenn die Betroffenen die Tagesmüdigkeit mit erhöhtem Kaffeekonsum, Alkohol oder gar Aufputschmitteln zu vertreiben versuchen. Schlafstörung, innere Unruhe und Erschöpfung verstärken sich, Alkohol- und Medikamentenmissbrauch ist eine der möglichen problematischen Folgen.

Gestörter Nachtschlaf hat viele Formen und ist an sich wiederum ein Symptom, das zahlreiche seelische und körperliche Ursachen haben kann. Eine ganze Reihe von Erkrankungen führt zu Schlafstörungen und damit zu belastender Müdigkeit am Tage. Depressionen oder Angststörungen gehören ebenso wie Herzleiden oder Stoffwechselprobleme zu den Grunderkrankungen, die Wachheit und Leistungsfähigkeit am Tage dämpfen.

Menschen, die an einem Schlafapnoe-Syndrom leiden, fühlen sich oft nicht bewusst im Schlaf gestört. Ihre Schlafqualität leidet jedoch erheblich durch die nächtlichen Atemaussetzer. Erhöhte Tagesschläfrigkeit und ernste Gesundheitsprobleme sind die Folge.

Gespräche mit dem Arzt, gegebenenfalls eine Diagnose in einem Schlaflabor helfen, den Auslösern einer Schlafstörung auf die Spur zu kommen und diese konsequent zu behandeln.

Nicht zu verwechseln ist das Symptom Müdigkeit mit der sogenannten Schlafsucht am Tage, der Narkolepsie. Bei dieser chronischen Erkrankung erleiden die Betroffenen regelrechte Schlafattacken, oft in völlig unpassenden Alltagsituationen.

Eingehende Informationen zu den Formen, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Schlafstörungen sowie hilfreiche Tipps für eine erholsame Nachtruhe erhalten Sie im Ratgeber "Schlafstörungen".

Bewegungsmangel macht müde

Wer seiner Müdigkeit auf den Grund gehen will, sollte neben seinen Schlafgewohnheiten vor allem auch seine körperlichen Aktivitäten unter die Lupe nehmen. Zu wenig Bewegung ist eine der Hauptursachen vieler Leiden und zahlreiche Studien belegen das auf unterschiedlichen Ebenen eindrucksvoll. Werden Kreislauf, Durchblutung und Stoffwechsel nicht angeregt, Gelenke und Muskeln nicht gefordert, erlahmen viele Körperfunktionen. Bewegung vermittelt elementare Reize und beeinflusst damit die Leistungsfähigkeit aller Organe und Körpersysteme unmittelbar. Verstärkte Müdigkeit ist die Folge vielfältig ineinandergreifender Störungen. Daraus kann sich ebenfalls ein Teufelskreis entwickeln. "Ich bin zu müde" wird zum Vorwand, noch weniger aktiv zu sein. Die Probleme nehmen dadurch nur noch weiter zu.

Regelmäßig Sport zu treiben und körperlich aktiv zu sein ist nicht nur für gesunde Menschen wichtig. Angepasste Bewegungsprogramme begleiten die Therapiemaßnahmen für die meisten Krankheitsbilder, seien es Herzerkrankungen, Krebsleiden oder psychische Störungen.

Allerdings kann im Gegenzug körperliche Überforderung ebenfalls erschöpfen. Die sich nach einer Aktivität ausbreitende Müdigkeit ist zusammen mit Schmerzen und anderen Beschwerden hier meist ein guter Gradmesser. Sie fordert die notwendige Erholung ein. Wer hin und wieder an seine Grenzen geht, dem Körper dann aber Ruhepausen und sanfte Ausgleichsaktivitäten gönnt, kann seine Kondition und Leistungsfähigkeit allmählich steigern. Folgt einer ersten angenehmen Müdigkeit nicht das Gefühl, frischer und leistungsfähiger zu sein als vorher, und bleibt unangenehme Schwere in Gliedern, Kopf und Geist, deutet das meist auf Überforderung hin. Dann heißt es, sich zurückzunehmen, auf Entspannung zu setzen, den strapazierten Gliedern und Muskeln Zeit für Reparaturvorgänge zu geben, die Aktivität allmählich wieder aufzubauen und in gemäßigter, angepasster Form in den Alltag einzubauen.

Mehr Informationen und Anregungen zum Thema Bewegung und Sport finden Sie in unserer Rubrik "Sport".

Müdigkeitsauslöser: Einseitige Ernährung,  Über- und Untergewicht, Flüssigkeitsmangel

Wohl jeder kennt die Müdigkeit nach dem Mittagessen, vor allem wenn es üppiger ausfiel, mit viel Fleisch, Kartoffeln und Sahnesoße. Die süße Cremespeise als Dessert setzt dem Schweregefühl noch eins oben drauf. Für den Körper ist dann harte Verdauungsarbeit angesagt, dazu braucht er kurzfristig Ruhe. Auch das zeigt die Müdigkeit an. Erst eine kleine Pause und etwas später der Spaziergang, dann sind die Sinne wieder frisch und leistungsfähig. Menschen, die gerne viel, fett- und kalorienreich essen, fühlen sich häufiger müde.

Übergewicht

Bringen sie dazu noch zu viel auf die Waage, tragen gleich mehrere Faktoren dazu bei, dass schon geringere Anstrengungen kurzfristig zu Erschöpfung und Schläfrigkeit führen. Kurzatmigkeit, vermehrtes Schwitzen sind weitere häufige Beschwerden. Deutliches Übergewicht belastet Herz und Kreislauf, die Gefäße, die Blutzusammensetzung, die Gelenke, das Stoffwechsel- und Hormonsystem. Dazu kommen langfristige Folgen wie Bluthochdruck, Diabetes, koronare Herzkrankheit, Gelenkerkrankungen, psychische Probleme – alles Erkrankungen, die das Symptom Müdigkeit ihrerseits noch verstärken können. Ebenso wie ein Schlafapnoe-Syndrom, unter dem Übergewichtige häufig leiden.

Welche Ursachen Übergewicht und Esssucht haben und welche Behandlungswege erfolgreich sein können, zeigt der Ratgeber "Adipositas und Esssucht" auf. Praktische Tipps finden Sie auch im Spezial "Übergewicht".

Vitamin- und Mineralstoffmangel

Eine einseitige Ernährung führt nicht selten auch zu einem Mangel an wichtigen Nährstoffen. Dazu gehören Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Fehlen zum Beispiel Magnesium oder B-Vitamine wie Vitamin-B12, leiden Muskeln und Nervensystem darunter und damit Fitness und Leistungsfähigkeit. Einfluss kann hier auch ein Kaliummangel haben, wie er etwa bei chronischen Durchfällen oder Erbrechen auftritt (siehe dazu auch Kapitel "Innere Krankheiten").

Untergewicht

Nicht nur Menschen mit Übergewicht, auch diejenigen, die zu wenig Nahrung aufnehmen, verlieren mehr und mehr an körperlicher und geistiger Energie. Müdigkeit gepaart mit Reizbarkeit und Konzentrationsschwäche ist ein lästiger Begleiter vor allem radikaler Schlankheitsdiäten und ein deutlicher Hinweis, doch auf gesündere Abnehmweisen umzusteigen. Praktische Anregungen dazu finden Sie im Spezial "Gesund abnehmen".

Wird das Wenig-Essen zum Kult, zu einer das Leben beherrschenden Manie, verbirgt sich eine ernste psychische Erkrankung dahinter. Essstörungen wie Magersucht und Bulimie (Ess-Brech-Sucht) führen zu lebensbedrohlichen Mangelzuständen. Schleichende Erschöpfung und Müdigkeit sind nur ein Zeichen davon (siehe dazu Kapitel "Psyche, Nerven").

Flüssigkeitsmangel

Unser Körper besteht zu über zwei Dritteln aus Wasser. Das Körperwasser befindet sich inner- und außerhalb der Zellen und im Blutkreislauf. Unser Organismus braucht täglich eine ausreichende Menge Flüssigkeit, damit der Wasserhaushalt ausgeglichen ist. Scheidet der Körper mehr Flüssigkeit aus, als er aufnimmt, verliert er nicht nur wesentliche Salze und Nahrungsbausteine, auch die Körperzellen können viele erforderliche Funktionen nicht mehr erfüllen. Das Blut wird gewissermaßen dickflüssiger und damit die Durchblutung schlechter, der Blutdruck sinkt. Das Gehirn erhält zu wenig Sauerstoff. Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, Gedächtnisprobleme, Schwindelgefühle, trockene, "knittrige" Haut gehören zu den vielfältigen Folgen, wenn wir zu wenig trinken.

Fachleute empfehlen gesunden Menschen, mindestens eineinhalb Liter täglich zu trinken. Geeignete Getränke sind Mineralwässer, Saftschorlen, Kräutertees. Die ideale Trinkmenge ist allerdings individuell unterschiedlich. Sportler verlieren mehr Flüssigkeit und sollten deshalb auch deutlich mehr trinken. Wer an Herzproblemen oder einer Nierenerkrankung leidet, muss mit seinem Arzt besprechen, wie viel er täglich trinken kann.

Über eine Ernährungsweise, die gesund und munter erhält, informiert das Spezial "Ernährung: Basis für ein gesundes Leben".

Kälte, Hitze, Witterungseinflüsse verstärken Müdigkeit

Der Wechsel von Licht und Dunkelheit hat Einfluss auf Wachheit, Müdigkeit und Schlaf. Ebenso spielen Luftdruck und Temperatur eine Rolle. Die Körpertemperatur selbst ist ein wichtiger Taktgeber: Sie sinkt abends zur Schlafenszeit ab, damit wir müde werden. Sie steigt gegen Morgen wieder an, damit wir wach werden. An langen, hellen Sommertagen bleiben viele Menschen abends länger auf, morgens finden sie leichter aus den Federn. Dunkle, graue Regenwolken drücken eher aufs Gemüt und erhöhen das Schlafbedürfnis.

Doch auch bei den Außentemperaturen sind es in der Regel die Extreme und Gegensätze, die auf unsere körperliche Verfassung wirken können: frostige Kälte, brütende Hitze. Wer heftig friert, ist auch oft müde, nervös und unkonzentriert. Bei Unterkühlung, etwa im Schnee, ist der Drang einzuschlafen lebensbedrohlich.

Hohe Temperaturen verlangsamen unser Tempo, der Körper schwitzt, verliert dadurch vermehrt Flüssigkeit. Das macht müde und schwächt. Starke Sonneneinwirkung reizt zudem die Hirnhäute und setzt damit Entzündungsreaktionen im ganzen Körper in Gang. Müdigkeit, Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen treten bei einem Sonnenstich entweder unmittelbar oder erst einige Stunden später auf. Dann heißt es, "nichts wie raus aus der Sonne", sich hinlegen, den Kopf hochlagern und kühlen, zum Beispiel mit feuchten Tüchern.

Witterungseinflüsse: In welcher Form das Wetter Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden und damit auf unseren Wachheitsgrad nimmt, ist eine viel diskutierte Frage. Nicht wenige Menschen klagen über das Wetter und angeblich damit verbundene Müdigkeit. Diese kann aber auch bei extremen Wetterwechseln stets vielfältige und sehr individuelle Ursachen haben. Mehr Informationen dazu gibt das Spezial "Wetterfühligkeit".

Belastungen im Alltag ermüden

Auch die Seele kann müde werden, wenn Sorgen und Anforderungen überhand nehmen. Erhöhtes Schlafbedürfnis, Antriebslosigkeit, depressive Verstimmung sind dann deutliche Anzeichen, dass es im Beruf oder im Privatleben zu viel geworden ist.

Ebenso wie unsere Körperfunktionen laufen auch psychische Vorgänge über die Aktivität von Nervenbotenstoffen und Hormonen ab. Die Zentren im Gehirn, in denen Erlebnisse gefühlsmäßig verarbeitet werden, sind eng mit anderen Gehirnbereichen vernetzt. Ein seelisches Tief verändert bestimmte Nervenimpulse im Gehirn und beeinflusst Hormonausschüttung und Immunsystem. Das wirkt sich wiederum auf unterschiedliche Körperfunktionen aus. Bedrückende Müdigkeit spiegelt unsere seelische Verfassung wider.

Dauerstress

In Stresssituationen sind alle wichtigen Abläufe im Körper für die Herausforderung gerüstet. Der Geist ist hellwach, voll konzentriert auf die Aufgabe, aktionsbereit. Stresshormone werden ausgeschüttet, das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt. Das ist sinnvoll für eine begrenzte Zeit. Bleibt die Anspannung bestehen, die Hormonlage verschoben, bleiben bestimmte Körperfunktionen aufgeputscht, andere gedrosselt, mündet das in einer Erschöpfung auf mehreren Ebenen. Körperliche und seelische Symptome sind Ausdruck eines schädlichen Ungleichgewichts. Lähmende Müdigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Schwindel, Unwohlsein, Niedergeschlagenheit und erhöhte Reizbarkeit zeigen an, dass Körper und Seele dringend eine Phase der Entspannung benötigen.

Unterforderung

Ausgeprägte oder unterschwellige Müdigkeit drückt allerdings nicht immer aus, dass jemand überfordert ist. Auch Unterforderung lähmt die Energien. Wer den ganzen Tag ohne anregende Aufgaben am Schreibtisch sitzt oder Stunden vor dem Fernseher verbringt, ist abends genauso erschöpft wie jemand, der viele Stunden unter Hochdruck, aber engagiert gearbeitet hat. Der Unterschied liegt dabei oft deutlich in der Qualität der Müdigkeit. Zu wenig geforderte, gelangweilte Menschen fühlen sich oft abgeschlagen, dumpf müde, antriebslos und gereizt. Die anderen sind zwar müde, aber zufrieden. Sie nutzen dann auch oft bewusster notwendige Erholungszeiten.

Entwicklungs- und Lebensphasen, in denen Müdigkeit häufiger auftritt

So wie seelische Vorgänge die Hormonausschüttung beeinflussen, wirken biologisch bedingte Veränderung auf Körpergefühl und Gemütslage. Jugendliche sind in Wachstumsphasen oft müde. Frauen erleben manchmal einige Tage vor ihrer Monatsblutung verstärkte Müdigkeitsgefühle, die zusammen mit Kopfschmerzen, erhöhter Reizbarkeit und gleichzeitig Niedergeschlagenheit auftreten können. In den Wechseljahren fühlen sich einige Frauen häufiger müde und schlapp. Aber auch ältere Männer spüren mitunter den leisen Rückgang männlicher Sexualhormone. Neben anderen Symptomen kann leichte Ermüdbarkeit ein Zeichen dafür sein.

Müde durch Umwelteinflüsse, Schad- und Giftstoffe am Arbeitsplatz

Verbrauchte Luft

Frische Luft und der Sauerstoff, den sie uns unter anderem liefert, sind altbekannte Muntermacher. Bei Müdigkeit spielt Sauerstoffmangel eine Rolle, aber der kommt bei der sogenannten verbrauchten Luft in geschlossenen Räumen nicht zum Tragen. Hier ist es vielmehr ein zu viel an Kohlendioxid. Kohlendioxid atmen wir als Endprodukt des Sauerstoffwechsels wieder ab. Deshalb reichert es sich in ungelüfteten, geschlossenen Räumen auch vermehrt an. Atmen wir zu viel davon ein, zeigen sich Beschwerden wie Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Atemnot. Gefährlich wird es, wenn sich in der Raumluft noch weitere Gase und Stäube ansammeln, vor allem Kohlenmonoxid. Dann kann es zu schweren, lebensgefährlichen Vergiftungen kommen, zum Beispiel bei Rauchgasentwicklung.

Damit wir uns frisch und leistungsfähig fühlen, ist auch die richtige Luftfeuchtigkeit wichtig. Zu trockene Luft reizt die Schleimhäute der Atemwegsorgane und trocknet sie aus. Sie können Reizstoffe und Krankheitserreger nicht mehr so wirksam abfangen. Eine geschwächte Abwehr macht müder und führt vermehrt zu Infekten. Zu hohe Luftfeuchtigkeit belastet vor allem bei Hitze den Organismus. Müdigkeit ist nur ein Zeichen dafür (siehe oben).

Giftstoffe im Haus und am Arbeitsplatz

Starke Reinigungs- oder Lösungsmittel enthalten oft Kohlenwasserstoffe. Menschen, die häufig damit arbeiten, müssen besondere Schutzmaßnahmen beachten. Kohlenwasserstoffe sind zudem die Grundlage vieler Farb- und Klebstoffe, Holzschutzmittel oder Insektenvernichtungsmittel. Sie können zu Vergiftungen führen, wenn die Betroffenen zum Beispiel Lösungsmitteldämpfe einatmen, und erhöhte Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel und Benommenheit auslösen. Bei Hautkontakt sind Hautschäden und -entzündungen möglich.

Das hochgiftige Benzol gehört zu den Kohlenwasserstoffen und befindet sich im Rohöl und seinen Produkten, in Autoabgasen, aber auch im Tabakrauch. Es gilt als krebserregend und schädigt in erhöhten Konzentrationen Nieren und Leber.

Zu den hochgiftigen Stoffen zählt ebenso Kohlenmonoxid. Es kann von offenen Feuerstellen mit schlechten Rauchabzugsmöglichkeiten oder mangelhaft isolierten Gasöfen austreten, auch in einem Privathaushalt. Zu möglichen Vergiftungserscheinungen gehören Müdigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel (siehe auch oben).

Nachhaltige Schäden ruft mitunter ein langjähriger Umgang mit Blei und bleihaltigen Mitteln hervor. Es wird eingeatmet oder gelangt über verschmutzte Nahrung und Hände in den Körper. Blei greift unter anderem das Nervensystem und die Blutbildung an, ebenso Magen, Darm und Nieren. Außerdem kann es in den ersten Schwangerschaftswochen den Embryo schädigen. Kolikartige Bauchschmerzen, Darmkrämpfe, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen gehören zu typischen Symptomen. Auf eine durch Blei verursachte Blutarmut weisen oft blasse Haut, anhaltende Müdigkeit und Abgeschlagenheit hin.

Weitere Schadstoffe, die neben Schwindel und Kopfschmerzen auch für Müdigkeit verantwortlich sein können, sind schwermetallhaltige Substanzen. Sie gelten teilweise als krebserregend. Gelangt das als Farbstoff verwendete Anilin ins Blut, schädigt es den Blutfarbstoff Hämoglobin und behindert den Sauerstofftransport im Blut. Bläuliche Haut und Fingernägel, Schwindel, starke Müdigkeit und Kopfschmerzen können Hinweise auf eine akute Giftwirkung sein. Der Betroffene muss umgehend in einer toxikologischen Abteilung (in der Regel in einer Universitätsklinik) untersucht und behandelt werden.

Unter Fachleuten und Laien gibt es kontroverse Diskussionen darüber, inwieweit Amalgam für verstärkte Müdigkeit und Leistungseinbußen verantwortlich sein kann. Da eindeutige wissenschaftliche Nachweise hierfür fehlen, beachten Ärzte neben anderen bestehenden Beschwerden noch weitere Einflussfaktoren im Umfeld betroffener Patienten.

Bestehen Hinweise, dass andauernde Müdigkeit auf berufsbedingte Schäden zurückzuführen ist, sollten die Betroffenen sich frühzeitig an ihren Arzt wenden. Dieser wird die Berufsgenossenschaft beziehungsweise Arbeitsmediziner hinzuziehen und entsprechende Diagnoseschritte einleiten.

Psychische Erkrankungen als Auslöser für Müdigkeit

  • Burn-out-Syndrom: In der Regel gehen über lange Zeit anhaltende, extreme berufliche oder private Belastungen dem schleichenden Zusammenbruch voraus. Anfangs lassen sich die Phasen der Schwäche, Unkonzentriertheit und Nervosität noch wegwischen. Irgendwann ist das Feuer dann ausgebrannt.

    Symptome
    : Alles lähmende Müdigkeit, Leere im Kopf, Schwere in den Gliedern – so erleben Burn-out-Betroffene ihren Zustand. Sie fühlen sich unfähig, ihren Alltag zu bewältigen, wollen nur noch Ruhe. Doch auch in Erholungspausen gelingt es ihnen nicht, die Akkus wieder aufzuladen. Die Schlappheit, oft verbunden mit Gereiztheit und innerer Unruhe, drückt sie weiter nieder. Kopf- und Rückenschmerzen, Verdauungsprobleme kommen als körperliche Beschwerden dazu. Schlafstörungen verstärken die Dauermüdigkeit nur noch.


    Welche Ursachen ein Burn-out-Syndrom haben kann, wie es sich äußert, welche Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten es gibt, zeigt der Ratgeber "Burn-out-Syndrom" auf. 
  • Depressionen: Müdigkeit begleitet psychische Tiefs, die seelische Last drückt Geist und Körper nieder. Sei es eine vorübergehende depressive Verstimmtheit oder eine schwere Depression.

    Symptome
    : Antriebslosigkeit und Kräftemangel gehören mit zu den vorherrschenden Kennzeichen von Depressionen. Bei bestimmten Krankheitsbildern, etwa einer bipolaren Depression, wechseln Phasen der Niedergeschlagenheit mit Phasen übersteigerter Leistungsfähigkeit und Wachheit ab
    .

    Es gibt Depressionsformen, bei denen wiederum die körperlichen Symptome im Vordergrund stehen. Diese können die seelische Erkrankung zunächst verbergen
    . Häufig treten neben Energieverlust und Müdigkeit Beschwerden wie Schwindel, Kopf- und Rückenschmerzen, Sehstörungen, Verdauungsprobleme, Hautjucken und vieles mehr auf.

    Wer sich immer häufiger müde und ermattet fühlt, innerlich leer und traurig, sollte mit seinem Arzt offen darüber sprechen, ob nicht eine depressive Erkrankung die Ursache sein könnte. Psychologische Tests und gezielte Untersuchungen geben Aufschluss.

    Über Formen und Ursachen von Depressionen, die Diagnose sowie erfolgreiche Therapien informiert der Ratgeber "Depressionen".
  • Angststörungen: Wenn Ängste, die zu den Urgefühlen des Menschen gehören, überhandnehmen und krankhaft werden, zeigt sich das in vielfältigen psychischen und körperlichen Beschwerden.

    Symptome
    : Deutliche Anzeichen einer Angsterkrankung können zum Beispiel immer wieder auftretende Panikattacken mit Zittern, Herzklopfen, Brustenge, Atemnot und Schwindel gefolgt von völliger Erschöpfung sein. Andere Formen äußern sich durch dauerhaft vorhandene, schleichende Angstgefühle, die sich in innerer Anspannung und Unruhe einerseits sowie lähmender Müdigkeit und Schwäche andererseits äußern
    .

    Es gibt ganz unterschiedliche Ursachen für Ängste. Sie beeinträchtigen das Leben eines Menschen nachhaltig und können weitere psychische Erkrankungen nach sich ziehen. Deshalb ist es so wichtig, Angststörungen rechtzeitig aufzudecken und behandeln zu lassen.

    Welche Auslöser hinter krankhaften Ängsten stecken, welche Formen und Symptome es gibt und wie Angsterkrankungen behandelt werden können, erfahren Sie im Ratgeber "Angst und Angststörungen". Speziell über Phobien informiert der Ratgeber "Phobien".
  • Essstörungen: Bei psychischen Erkrankungen, die durch ein gestörtes Essverhalten gekennzeichnet sind, tritt Müdigkeit verstärkt auf. Denn zu den Folgen von Magersucht, Bulimie oder Esssucht gehören körperliche und seelische Störungen, die ihrerseits häufig mit Müdigkeit verbunden sind.

    Beispiel Magersucht
    : Hier führt die extrem verminderte Nahrungsaufnahme zu starkem Untergewicht und zu lebensbedrohlichen körperlichen Schäden. Auslöser für häufiges Müdesein und viele andere Beschwerden sind Mangelzustände wie Mineralstoff- und Vitamin-D-Mangel. Hormonstörungen, Depressionen, Herzprobleme vermindern ebenfalls Wachheit und Leistungsfähigkeit. Blutdruck und Körpertemperatur fallen ab, es kommt zu Veränderungen im Gehirn, an den Nieren und im Immunsystem. Auch damit ist unter anderem zunehmende Müdigkeit verbunden. Letztlich sind alle lebenswichtigen Körpersysteme betroffen. Nach neuen Erkenntnissen spielen bei Magersucht auch genetische Faktoren eine Rolle.

    Mehr über Magersucht, Ursachen, Symptome und Folgen sowie über Diagnose und Behandlung können Sie nachlesen im Ratgeber "Magersucht (Anorexie)".

    Starkes Übergewicht
    (Adipositas) ist häufig die Folge von Esssucht. Müdigkeit, Schwitzen, Atemnot, Gelenkschmerzen gehören zu den kennzeichnenden Beschwerden (siehe dazu Kapitel "Lebensstil, Umwelt"). Mehr Informationen zu krankhaftem Übergewicht und Esssucht finden Sie im Ratgeber "Adipositas und Esssucht".

Somatoforme Störungen: Häufig von Müdigkeit begleitet

Müdigkeit kann neben anderen typischen körperlichen Symptomen auch im Rahmen sogenannter psychovegetativer, funktioneller oder somatoformer Störungen auftreten. Hierbei handelt es sich um Störungsbilder, bei denen die Betroffenen an unterschiedlichen körperlichen Beschwerden leiden, für die es jedoch keine nachweisbaren körperlichen Ursachen gibt. Krankheitssymptome zeigen sich vor allem im Magen-Darm-Bereich (Reizdarmsyndrom), im Herz-Kreislauf-System (Herzneurose) und an den Atmungsorganen (Hyperventilationssyndrom).

Die Ursachen sind vielfältig. Belastende Erlebnisse in der Kindheit wie Missbrauch, Lebenskrisen, erbliche Anlagen, ein übersensibles vegetatives Nervensystem spielen möglicherweise eine Rolle. Auslöser kann außerdem eine vorausgegangene körperliche Erkrankung sein, die erhöhte Ängstlichkeit und angespannte Selbstbeobachtung zur Folge hat. Da die Erkrankten sich zudem oft auch körperlich übermäßig schonen, verstärkt sich ein Gefühl von Müdigkeit und Erschöpfung noch zusätzlich.

Müde durch Alkoholmissbrauch und andere Suchterkrankungen

  • Alkoholabhängigkeit: Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA, 2016) ist der Alkoholkonsum zum Beispiel bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland etwas rückläufig, aber immer noch auf hohem Niveau. Menschen, die übermäßig viel Alkohol trinken, sind aus mehreren Gründen häufig müde und abgespannt, gleichzeitig nervös und überreizt. Einmal sind es die täglichen Entzugserscheinungen wie Zittern, Schweißausbrüche, Müdigkeit, innere Unruhe, Konzentrationsstörungen, die Suchtkranke dann wiederum mit dauerhaftem Alkoholkonsum bekämpfen. Zum anderen greift das Gift Nerven sowie Verdauungs- und Stoffwechselorgane an. Alkoholbedingte Leberschäden wie alkoholische Fettleber und Leberzirrhose führen unter anderem zu anhaltender Müdigkeit, Leistungsschwäche, Druckgefühl im Oberbauch, Übelkeit und Gewichtsverlust (siehe auch Kapitel "Innere Krankheiten").

    Welche Symptome und Ursachen eine Alkoholkrankheit hat und welche Behandlungswege aus der fatalen Abhängigkeit führen können, zeigt der Krankheitsratgeber "Alkoholabhängigkeit (Alkoholsucht)" auf.
  • Drogensucht: Drogenkranke spüren lähmende Müdigkeit und Erschöpfung häufig, wenn die Wirkung der Droge nachlässt. Die Entzugssymptome treiben den zerstörerischen Suchtkreislauf weiter an.

    Das gilt auch für Medikamentenabhängigkeit. Der Missbrauch von Beruhigungs-, Schlaf- und Aufputschmitteln führt in eine bedrohliche Spirale von Müdigkeit, Gereiztheit, Übererregung sowie zu zahlreichen körperlichen Beschwerden.

    Bei allen Suchterkrankungen kann nur eine konsequente Suchttherapie, häufig in speziellen Entzugskliniken, helfen, körperlichen, geistigen und seelischen Verfall aufzuhalten und neue Lebensenergien aufzubauen. Weitere Informationen dazu im Spezial "Sucht".

Neurologische Erkrankungen und Müdigkeit

Unter neurologischen Erkrankungen (von griech. neuron = Nerv) fassen Mediziner Störungen und Erkrankungen der verschiedenen Nervensysteme zusammen. Das zentrale Nervensystem umfasst Gehirn und Rückenmark, das periphere durchzieht von dort ausgehend die übrigen Körperbereiche. Das Gehirn regelt nahezu alle Körpervorgänge. Ebenso laufen psychische und geistige Vorgänge über spezielle Nervenaktivitäten im Gehirn ab. Dabei sind jeweils bestimmte Gehirnbereiche für unterschiedliche Funktionen zuständig. Die Nervenaktivitäten sind jedoch untereinander eng vernetzt. Von einem Areal im sogenannten Zwischenhirn erhält das vegetative Nervensystem seine Impulse. Es ist für großteils unwillkürlich ablaufende Lebensfunktionen zuständig, wie Kreislauf, Hormonhaushalt, Verdauung, Wärmeausgleich – Funktionen, die auch Wachheit und Müdigkeit entscheidend beeinflussen.

Zu den Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS; je nach Krankheitsbild kann neben dem Gehirn auch das Rückenmark betroffen sein) gehören unter anderem die Parkinson Krankheit, die multiple Sklerose und Demenzerkrankungen. Je nachdem, welche Gehirnnerven erkrankt sind, kommt es zu unterschiedlichen Beschwerden und Ausfällen. Bei Parkinson oder bei der multiplen Sklerose sind häufig zunächst in erster Linie bestimmte Bewegungsabläufe beziehungsweise Motorik und Muskelaktivitäten gestört, bei Demenzen vornehmlich geistige Funktionen wie das Gedächtnis. Da die verschiedenen Nervenzentren eng miteinander verschaltet sind, haben Krankheiten des ZNS sehr oft auch Störungen im vegetativen Nervensystem und in der Psyche zur Folge.

Häufige Begleitsymptome der aufgeführten neurologischen Erkrankungen: Tagesmüdigkeit, Antriebslosigkeit, Schwächegefühl, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen.

Ausführliche Information zu den genannten Krankheitsbildern geben die Ratgeber "Parkinson Krankheit (Morbus Parkinson)", "Multiple Sklerose (MS)" sowie "Alzheimer Krankheit" und "Vaskuläre Demenz".

Zu den neurogenen Störungen, das heißt zu Erkrankungen, die ihren Ausgang vom zentralen Nervensystem nehmen, zählt auch die Migräne. Starke Müdigkeit kann neben anderen Zeichen wie Schwindel, Heißhunger, Reizbarkeit, Spannungsgefühl im Nacken und schließlich Sehstörungen sowie Gefühlsstörungen ein Vorbote eines Migräneanfalls sein. Wissenswertes hierzu im Ratgeber "Migräne".

Müdigkeit zeigt oft als erstes an, dass etwas im Körper nicht stimmt, dass er sich wehren muss gegen eine beginnende Infektion, eine schleichende Funktionsstörung. Als allgemeines Krankheitssymptom begleiten Müdigkeitsgefühle ganz unterschiedliche Gesundheitsprobleme.

Bei einigen Erkrankungen leiden die Betroffenen jedoch stärker als im üblichen Maß unter Müdigkeit. Das ist häufig der Fall bei

  • akuten wie chronischen Infektionen, Entzündungen
  • Blutarmut
  • niedrigem Blutdruck, Bluthochdruck
  • Herzleiden
  • Lungenerkrankungen
  • Nieren- und Leberschäden
  • Hormon- und Stoffwechselstörungen
  • bestimmten Autoimmunerkrankungen

Sie finden hier einen kurzen Überblick über wichtige Krankheitsbilder mit den dafür typischen Symptomen. Zu den meisten Krankheiten gibt es auf unseren Seiten ausführliche Ratgeber (siehe entsprechende Links), die weiterführende Informationen liefern.

Infektionen, Entzündungen: Müdigkeit gehört dazu

- Erkältung, Grippe

Eine Erkältung wird in der Regel durch Viren übertragen. Erste Symptome sind häufig Jucken in der Nase und im Rachenraum, Müdigkeit, Druckgefühl oder Schmerzen im Kopfbereich, Frösteln. Es folgen dann die typischen Beschwerden wie Heiserkeit, Halsschmerzen, Schnupfen, Husten. Dazu kommen häufig Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit, mitunter Fieber.

Bei einer Virus-Grippe (Influenza) setzen die Symptome oft plötzlich und heftig ein. Kennzeichnend sind starke Kopf- und Gliederschmerzen, Schüttelfrost, Fieber, Husten, Schnupfen, Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Lichtscheu. Weisen die Beschwerden auf eine Grippe hin, sollte ein Arzt die Infektion abklären.

Weitere Informationen erhalten Sie in den Ratgebern "Erkältung" und "Grippe (Influenza)".

- Pfeiffersches Drüsenfieber (Mononukleose)

Diese durch das Eppstein-Barr Virus ausgelöste Infektionskrankheit führen Mediziner häufig im Zusammenhang mit dem Symptom Müdigkeit auf. Im Kindesalter kann die Erkrankung auch unbemerkt verlaufen. Bei Erwachsenen treten meist grippeähnliche Beschwerden auf.

Symptome: Fieber, Halsweh, Müdigkeit, Abgeschlagenheit sowie geschwollene, aber nicht oder nur wenig schmerzende Lymphknoten, vor allem an Hals und Nacken. Nach überstandener Infektion hält die Müdigkeit mitunter noch Wochen an.

Bisweilen vermuten Ärzte auch eine zurückliegende Mononukleose als Ursache für ein chronisches Müdigkeitssyndrom (siehe Kapitel "Chronisches Erschöpfungssyndrom").

Mehr dazu im Ratgeber "Pfeiffersches Drüsenfieber".

- Chronische Nasennebenhöhlenentzündung (chronische Sinusitis)

Zu dauerhaft entzündeten Schleimhäuten in den Nebenhöhlen können häufige Erkältungen, Allergien oder beständige Reize von außen führen. Mitunter begünstigen anatomische Besonderheiten wie eine verkrümmte Nasenscheidewand die Dauerentzündung. Bei chronischen Entzündungen im Nasenraum ist der Hals-Nasen-Ohren-Arzt gefragt.

Symptome: Kopfschmerzen, Druckgefühl im Nasen-Stirn-Bereich, Müdigkeit, chronischer Schnupfen sind typische Symptome. Oft läuft das Sekret nicht über die Nase ab, sondern nach innen. Heiserkeit, Freiräuspern, Husten kommen deshalb häufig dazu.

Zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Behandlung informiert ausführlich der Ratgeber "Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)".

- Gesichtsrose (Herpes-zoster-Infektion)

Nach einer meist in der Kindheit durchgemachten Windpockeninfektion bleibt das verantwortliche Varizellen-zoster-Virus in Nervenknoten zurück, ohne sich weiter bemerkbar zu machen. Unter bestimmten Bedingungen kann es jedoch wieder aktiv werden, etwa wenn das Immunsystem vorübergehend geschwächt ist. Sind davon Nerven im Gesicht betroffen, kommt es zu einer Gesichtsrose. Zu weiteren möglichen Krankheitszonen gehören die Ohren, die Augen, Rücken und Bauch.

Hauptsymptome einer Gesichtsrose sind anfangs Müdigkeit und heftige Gesichtsschmerzen, kurz darauf Hautausschläge mit den typischen Bläschen, Kribbeln und Taubheitsgefühle, Abgeschlagenheit. Eine Herpes-zoster-Infektion schwächt im Allgemeinen sehr, die Betroffenen fühlen sich auch nach Abklingen der Krankheitszeichen oft noch längere Zeit müde.

Wissenswertes zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Behandlung steht im Ratgeber "Gürtelrose (Herpes zoster)".

Blutarmut (Anämie): Oft mit Müdigkeit verbunden

Im Blut transportieren die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) mit ihrem Farbstoff Hämoglobin den Sauerstoff. Enthält das Blut zu wenig Erythrozyten oder Hämoglobin, werden die Organe und Gewebe des Körpers schlechter mit Sauerstoff versorgt. Es gibt mehrere Formen der Blutarmut. Wichtige Auslöser können ein Eisen-, Folsäure- oder Vitamin-B12-Mangel sein. Vor allem Frauen leiden häufiger unter einer Eisenmangelanämie, etwa durch einen erhöhten Eisenbedarf in Schwangerschaft und Stillzeit oder durch starke Monatsblutungen. Zudem verursachen unterschiedliche Erkrankungen manchmal eine Blutarmut, etwa Nierenstörungen, Knochenmarkserkrankungen oder chronische Sickerblutungen, zum Beispiel bei Magengeschwüren. Weitere mögliche Ursachen sind Infektionskrankheiten wie Malaria, Blutkrankheiten wie Leukämie ("Blutkrebs"), Tumore, Lymphome oder Nebenwirkungen einiger Medikamente.

Symptome: Zu den klassischen Symptomen einer Blutarmut gehören blasse Haut und Schleimhäute (besonders bei einer Eisenmangelanämie und Vitamin-B12-Mangel), Müdigkeit (vor allem bei Vitamin-B12-Mangel, hier kann die Haut auch gelb gefärbt sein), Leistungsschwäche, Schwindel, Kälteempfindlichkeit. Die weiteren Symptome richten sich nach der jeweiligen Anämieform und betreffen unterschiedliche Körperfunktionen. Das können Hautveränderungen, Magen-Darm-Störungen, Herzbeschwerden sein.

Diagnose und Therapie: Die Krankengeschichte, Bluttests sowie gegebenenfalls weitere Untersuchungen festigen die Diagnose. Die Therapie richtet sich nach der jeweiligen Ursache.

Informieren Sie sich eingehend zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapien in den Ratgebern "Blutarmut" und "Eisenmangelanämie".

Blutdruckveränderungen und Müdigkeit

- Niedriger Blutdruck

Menschen mit zu niedrigem Blutdruck (Blutdruckwerte etwa unter 105 zu 60 mmHg) klagen häufiger über Beschwerden als diejenigen, bei denen er zu hoch ist. Bewegungsmangel fördert niedrige Blutdruckwerte. Gerade bei ausgeprägtem Müdigkeitsgefühl lässt sich oft nicht unterscheiden, ob letztlich nicht die fehlende körperliche Aktivität dafür verantwortlich ist. Manchmal kommen auch Medikamente wie Blutdrucksenker als Auslöser infrage. Darüber sollten die Betroffenen mit ihrem Arzt sprechen. Niedriger Blutdruck kann zwar lästig sein, hat aber selten Krankheitswert.

Symptome: Manche Betroffene fühlen sich weniger leistungsfähig, unkonzentriert, schnell müde und brauchen morgens länger, um munter zu werden. Schlafstörungen, kalte Hände und kalte Füße, depressive Verstimmungen werden oft auch mit arteriellem Blutniederdruck (arterielle Hypotonie) in Verbindung gebracht. 

Mehr Informationen gibt der Ratgeber "Niedriger Blutdruck (Hypotonie)".

- Bluthochdruck

Zu hohe Blutdruckwerte (ab 140 zu 90 mmHg) steigern das Risiko für Gefäßverengungen, Herzerkrankungen und Schlaganfälle. Allerdings macht sich der erhöhte Druck in den Blutgefäßen zunächst kaum durch Beschwerden bemerkbar. Die genauen Ursachen für Bluthochdruck sind meist unbekannt. Allerdings gibt es eine Reihe von Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen, Stress, Bewegungsmangel. Daneben können auch bestimmte Krankheiten zu Bluthochdruck führen, etwa Nierenerkrankungen, Hormonstörungen, ein Schlaf-Apnoe-Syndrom oder einige Medikamente.

Symptome: Kopfschmerzen, Nervosität, Schwindelgefühle beim Bücken oder Aufstehen, Herzklopfen, Atemnot bei Belastungen, Nasenbluten, Schlafstörungen und Müdigkeit können manchmal erste Anzeichen sein.

Regelmäßige Blutdruckkontrollen, zum Beispiel einmal im Jahr helfen, einen Hochdruck frühzeitig zu erkennen und in den Griff zu bekommen. Auch in vielen Apotheken ist es möglich, sich den Blutdruck messen zu lassen.

Lesen Sie Näheres zu Ursachen, Risikofaktoren, Symptomen, Diagnose und Therapie im Ratgeber "Bluthochdruck (Hypertonie)".

Herzerkrankungen: Gehen oft mit Müdigkeit einher

- Herzschwäche (Herzinsuffizienz)

Müdigkeit ist ein häufiger Begleiter vieler Herzkrankheiten. Vor allem treten Müdigkeits- und Schwächegefühle bei einer Herzschwäche auf. Da durch die ungenügende Herzleistung viele Organfunktionen beeinträchtigt sind und vielfältige Schäden entstehen, ist verstärktes Müdesein mehrfach begründet. Je nachdem, welche Herzkammer und welche Organsysteme von der Insuffizienz betroffen sind, stehen unterschiedliche Symptome im Vordergrund.

Symptome: Eine Linksherzinsuffizienz äußert sich vor allem in Atemnot bei Anstrengung und dann auch in Ruhe, nächtlichem Husten, asthmatischen Beschwerden.

Bei einer Rechtsherzinsuffizienz schwellen Füße und Beine an, Venen stauen sich am Hals. Die Betroffenen nehmen an Gewicht zu, trotz Appetitlosigkeit, und haben oft Verdauungsbeschwerden. Weitere typische Symptome bei beiden Formen der Herzschwäche sind häufiges nächtliches Wasserlassen, Herzrhythmusstörungen, feuchte, kalte Haut, Schlaflosigkeit, Ängste.

Eingehend zu Ursachen, Formen, Symptomen, Diagnose und Therapie informiert der Ratgeber "Herzschwäche (Herzmuskelschwäche, Herzinsuffizienz)".

- Herzrhythmusstörungen

Als Bradykardie bezeichnen Mediziner eine Herzrhythmusstörung, bei der der Herzschlag zu langsam ist und mitunter auch kurzfristig aussetzen kann.

Symptome: Mattigkeit, gefolgt von Schwächeanfällen oder gar kurzen Ohnmachten, kann Hinweis auf eine Bradykardie sein. Schweißausbrüche, Atemnot, Brustenge treten als mögliche weitere Anzeichen auf.

Zu den Auslösern eines zu langsamen Herzschlags gehört der sogenannte AV-Block.

Symptome: Auch hier kommt es, je nach Stadium des AV-Blocks, zu körperlicher Schwäche, Ohnmachtsanfällen, Atemnot und/oder chronischer Müdigkeit.

Genaueres dazu erfahren Sie in den Ratgebern "Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien)" und "AV-Block".

- Herzmuskelentzündung

Auslöser sind einmal Infektionen durch Viren, Bakterien oder Pilze, zum anderen Autoimmunerkrankungen. Entzündungen des Herzmuskels können zudem infolge von Bestrahlungen oder als Überreaktionen auf bestimmte Medikamente auftreten. Mitunter entzündet sich der Muskel auch ohne erkennbare Ursache. Die Erkrankung kann ohne Beschwerden verlaufen, aber auch lebensbedrohliche Formen annehmen.

Symptome: Eine durch Infekte hervorgerufene Herzmuskelentzündung macht sich oft durch Müdigkeit, Leistungsschwäche, Kurzatmigkeit, Herzrhythmusstörungen, Muskel-, Herz- und Brustschmerzen bemerkbar.

Weitere Informationen zu Ursachen, Symptomen, Verlauf, Diagnose und Therapien gibt der Ratgeber "Herzmuskelentzündung (Myokarditis)".

Lungenerkrankungen als Ursache für ständiges Müdesein

- Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie)

Wenn Gefäße in der Lunge sich verengen, an Elastizität verlieren oder wenn Gefäßverschlüsse die Lungenstrombahn verkleinern, kann sich in der Lunge ein Hochdruck entwickeln. Die häufigsten Ursachen sind chronische Erkrankungen des Herzens sowie Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen) der Lunge mit Sauerstoffmangel und bestimmte Medikamente oder Drogen.
Symptome: Im frühen Stadium treten meist keine typischen Symptome auf. Im weiteren Verlauf dominieren meist Beschwerden der auslösenden Grunderkrankung. Häufig ist die rechte Herzhälfte vermehrt unter Druck. Das führt zu schneller Ermüdbarkeit, beschleunigtem Herzschlag und Atemnot bei körperlicher Belastung, Schwindel und anschwellenden Beinen.
Der Ratgeber "Pulmonale Hypertonie (Lungenhochdruck)" beschreibt das Krankheitsbild ausführlich.

- Exogen allergische Alveolitis

Erschwertes Atmen macht müde, weil die Sauerstoffzufuhr gestört ist. Viele Lungenfunktionsstörungen wie eine chronische Bronchitis oder eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) können deshalb grundsätzlich auch zu Müdigkeit und Erschöpfung führen. Reizstoffe und Entzündungsprozesse in der Lunge verstärken eventuelle Müdigkeitsbeschwerden. Ein Beispiel dafür ist die exogene allergische Alveolitis. Bei dieser Lungenerkrankung atmen die Betroffenen, meist berufsbedingt, regelmäßig organische, allergieauslösende Stoffe und Kleinstpartikel ein. Das kann unter anderem bei Arbeiten in der Landwirtschaft, der Tierzucht, in chemischen oder metallverarbeitenden Betrieben geschehen. Die Folge sind allergische Reaktionen in den Lungenbläschen und ihrer Umgebung.

Symptome: Akute Beschwerden sind häufig Atemnot, Husten, tränende Augen, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Bei chronischen Formen stehen andauernde Müdigkeit, Leistungsschwäche, Husten und Atemnot im Vordergrund. Auch Gewichtsverlust ist möglich.

Diagnose und Therapie: Die Kranken- und Berufsgeschichte, eingehende körperliche Untersuchungen, bildgebende Verfahren sowie Lungentests und eventuell feingewebliche Untersuchungen sind für den Arzt aufschlussreich.

Die Erkrankten müssen den Kontakt mit den krankheitsauslösenden Stoffen meiden, das bedeutet häufig einen Berufswechsel. Im akuten Fall kann Kortison wirksam sein.

Nierenerkrankungen, die Müdigkeit hervorrufen

Bei Nierenerkrankungen kann Müdigkeit als belastendes Symptom neben anderen Leitsymptomen auffallen. Das kommt häufig bei chronischen Nierenentzündungen und chronischem Nierenversagen (Niereninsuffizienz) vor.

- Nieren(gewebs)entzündung (interstitielle Nephritis, Glomerulonephritis)

Akute wie chronische Nierenentzündungen haben vielfältige Ursachen. Das können infektiöse Erkrankungen sein, etwa Streptokokken-Infektionen (häufiger bei Kindern). Infrage kommen ebenso Vergiftungen oder Medikamentenmissbrauch, zum Beispiel Schmerzmittelmissbrauch. Eine Glomerulonephritis entsteht manchmal im Rahmen von Systemerkrankungen wie Bindegewebskrankheiten (Kollagenosen) oder Gefäßentzündungen sowie von Krebserkrankungen.

Symptome: Eine Nierenentzündung kann zunächst ohne Beschwerden verlaufen. Im fortgeschrittenen Stadium verändern sich häufig Menge und Beschaffenheit des Urins und die Zusammensetzung des Blutes. Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen sind häufige Symptome, ebenso Flüssigkeitsansammlungen (Ödeme) im Gesicht, an den Augen, an Händen und Füßen.

Genauere Informationen zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapien finden Sie im Ratgeber "Nierenentzündung (interstitielle Nephritis, Glomerulonephritis)".

- Chronische Niereninsuffizienz

Unterschiedliche Nierenerkrankungen, etwa eine diabetische Nephropathie oder verschiedene Formen einer Glomerulonephritis, können schließlich zu einem Funktionsverlust der Nieren führen. Bei einer chronischen Niereninsuffizienz entwickelt sich dieser allmählich. Daher unterscheiden die Ärzte mehrere Stadien.

Symptome: Anfängliche Beschwerden sind vermehrtes Wasserlassen, Schwellungen an Beinen, Füßen und Lidern, Schmerzen in der Nierengegend. Im Verlauf der Erkrankung kommen Müdigkeit, Leistungsschwäche und Blässe aufgrund einer Blutarmut dazu. Weitere Symptome sind unter anderem Sehstörungen, Juckreiz, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Benommenheit, Herzschwäche, ein typischer Mundgeruch.

Zu Ursachen, Symptomen, Verlauf, Diagnose und Therapie können Sie sich ausführlich informieren im Ratgeber "Nierenversagen".

Müde aufgrund von Lebererkrankungen

Die Leber regelt den Stoffwechsel, entsorgt Schadstoffe, produziert Hormone, Galle und vieles mehr. Erkrankt dieses vielseitige Organ, kündigt sich das oft durch ständige Müdigkeit und weitere Beschwerden an. Zu den Ursachen von Leberschäden gehören Virus-Infektionen, die zu Leberentzündungen führen (Hepatitis A, B, C, D, E), übermäßiger Alkoholkonsum (Alkohol-Hepatitis, alkoholische Fettleber, Leberzirrhose), Stoffwechselstörungen, Fettleibigkeit (sogenannte Fettleberhepatitis), Autoimmunerkrankungen, langjährige Herzschwäche sowie Medikamente und Giftstoffe.

Symptome: Neben Müdigkeit stellen sich anfangs Antriebsschwäche und Appetitlosigkeit ein. Der Bauch ist oft aufgebläht, dazu kommen Übelkeit und ein Druckgefühl im rechten Oberbauch. Auch ein sehr heller oder sehr dunkel gefärbter Stuhl, dunkler Urin, gelbliche Verfärbungen an Haut oder Augäpfeln – Anzeichen einer Gelbsucht – oder häufiges Nasenbluten können Hinweise auf eine erkrankte Leber sein.

Eine familiär bedingte Gelbsucht ist die Meulengracht-Krankheit, die sich meist bei jüngeren Männern im Alter von etwa 20 Jahren bemerkbar macht. Müdigkeit, Kopfschmerzen, Verdauungsstörungen und depressive Verstimmungen sind häufig die einzigen Symptome. Die Störung hat in der Regel keine ernsten Auswirkungen.

Mehr über die Leber, ihre Funktionen und Erkrankungen sowie über Krankheitsursachen, Symptome, Diagnosen und Therapien erfahren Sie in den Ratgebern "Hepatitis" und "Leberzirrhose".

Magen-Darm-Erkrankungen führen auch oft zu Müdigkeit

Unterschiedliche Störungen im Verdauungstrakt bewirken, dass die Nahrungsbestandteile im Magen nur ungenügend aufgespaltet, verwertet und aufgenommen werden können. Daraus entstehen Mangelzustände (Malassimilationssyndrom), die neben anderen Symptomen wie Bauchschmerzen und Durchfall verstärkte Müdigkeit auslösen können. Bei Durchfallerkrankungen ist es zum Beispiel ein Kaliummangel, der müde macht.

Magengeschwüre, Dünndarmdivertikel oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn zum Beispiel haben nicht selten eine Blutarmut zur Folge. Der damit verbundene Vitamin-B12- und Folsäure-Mangel zieht anhaltendes Müdesein nach sich. Auch ständige Entzündungsprozesse tragen dazu bei. Ebenso fühlen sich Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder der autoimmunologisch bedingten Zöliakie  vermehrt schlapp und leistungsschwach.

Eingehende Informationen liefern die Ratgeber "Magen-Zwölffingerdarmgeschwür", Morbus Crohn, "Nahrungsmittelallergien" sowie der Symptomeratgeber "Durchfall".

Bei einem Reizmagensyndrom oder einem Reizdarm ist die Funktion der betreffenden Verdauungsorgane gestört. Hierfür spielen möglicherweise vorausgegangene Infektion eine auslösende Rolle. Zum Tragen kommen hier zudem ein übersensibler Magen und Darm, familiäre Veranlagungen, aber auch psychische Belastungen. Müdigkeit begleitet deshalb diese beiden vielschichtigen Störungsbilder in mehrfacher Hinsicht.

Hormonstörungen: Müdigkeit als ein auffallendes Symptom

Eine Reihe von Hormonen wirkt auf Wachheit, Müdigkeit und Schlaf. Ungleichgewichte im Hormonhaushalt haben oft weitreichende Folgen. Anhaltendes Müdesein kann daher bei einigen hormonellen Erkrankungen neben anderen typischen Symptomen vorherrschen.

- Schilddrüsenunterfunktion

Bildet die Schilddrüse zu wenig Schilddrüsenhormone, führt das zu Störungen in vielen Körperbereichen. Schilddrüsenhormone beeinflussen unter anderem die Hirnfunktionen, das Herz-Kreislauf-System, die Verdauung, viele Stoffwechselvorgänge, die Muskulatur, die Psyche.

Symptome: Zu den Kennzeichen einer Unterfunktion gehören ein niedriger Blutdruck, Müdigkeit, Leistungsabfall, Verstopfung, Gewichtszunahme trotz Appetitmangel, Kälteempfindlichkeit, depressive Verstimmungen.

Lesen Sie mehr über Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie im Ratgeber "Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)".

- Nebenschilddrüsenüberfunktion

Die vier Nebenschilddrüsen befinden sich jeweils an den oberen und unteren Enden der Schilddrüse (siehe Bild). Sie sind etwa linsengroß und bilden das Parathormon. Dieses wirkt auf den Kalziumspiegel im Blut und damit auf den Elektrolythaushalt. Ein Zuviel an Parathormon kann zu Nierensteinen, Knochenschäden, und Verdauungsproblemen führen sowie Nerven und Psyche beeinflussen. Ursachen für eine Überproduktion sind einmal Erkrankungen der Nebenschilddrüsen selbst wie Tumore, zum anderen übergeordnete Störungen wie eine chronische Nierenschwäche, eine behinderte Nährstoffaufnahme über den Darm mit der Folge eines  Kalziummangels, Vitamin-D-Mangel, ferner eine Leberzirrhose.

Symptome: Kennzeichnende Beschwerden sind unter anderem häufiges Wasserlassen, vermehrter Durst, Nierenkoliken, Übelkeit, Verstopfung, Glieder- und Rückenschmerzen, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Muskelschwäche, Müdigkeit und depressive Verstimmung.

Diagnose und Therapie: Der Arzt stellt die Erkrankung mit Bluttests und bildgebende Verfahren fest. Die Therapie richtet sich nach der Ursache und dem individuellen Beschwerdebild.

Über Funktionsstörungen der Nebenschilddrüsen informiert ausführlich der Ratgeber "Hyperparathyreoidismus (HPT)".

- Nebennierenrindenunterfunktion (Nebennierenrindeninsuffizienz)

Die Nebennieren sind Drüsen, die oben auf den Nieren wie Hauben sitzen. Sie produzieren in ihrem äußeren Teil, der Rinde, bedeutende Hormone wie Kortisol und Aldosteron, im inneren Teil Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin. Kortisol hat wichtige Funktionen für viele Stoffwechselvorgänge und fördert zudem die Wachheit. Aldosteron regelt den Salz- und Flüssigkeitshaushalt sowie den Blutdruck. Eine Unterfunktion der Nebennierenrinde und damit ein Mangel an diesen beiden Hormonen löst kennzeichnende Beschwerden aus. Das ist vor allem bei der primären Form, Morbus Addison genannt, der Fall. Ursache sind autoimmunologische Vorgänge, die die Nebennierenrinde angreifen und allmählich zerstören. Andere Ursachen können Infektionskrankheiten, Tumore und Krebsmetastasen sein.

Bei der sekundären Form kommen Störungen in bestimmten Hirnbereichen oder eine langfristige Behandlung mit Kortison als mögliche Auslöser infrage. Allerdings ist hier die Aldosteron-Produktion oft nicht so stark eingeschränkt.

Symptome bei Morbus Addison: Müdigkeit und Schwächegefühle gehören zu den Leitsymptomen. Die Betroffenen ermüden schnell, verlieren zudem an Gewicht und trocknen aufgrund des gestörten Flüssigkeitshaushalts aus. Die Haut verfärbt sich vor allem im Bereich von Narben, an den Handinnenflächen und Schleimhäuten bräunlich, der Blutdruck sinkt. Dazu sind Bauchschmerzen, Übelkeit, Verdauungsbeschwerden sowie Muskelschwäche möglich.

Die Mangelerscheinungen können akut in einer Addison-Krise gipfeln, die sich erst mit Untertemperatur, dann mit Fieber, Erbrechen, Blutdruckabfall und Schock bis zum Koma entwickeln kann.

Diagnose und Therapie: Unterschiedliche Bluttests und bildgebende Verfahren wie Ultraschalluntersuchungen festigen die Diagnose. Für die Behandlung eines Morbus Addison wird der Hormonmangel mit Kortison-Medikamenten ausgeglichen.

Wissenswertes zu Symptomen, Ursachen, Formen, Diagnose und Therapie finden Sie im Ratgeber "Nebennierenrindeninsuffizienz".

Diabetes mellitus: Müdigkeit belastet oft

Müdigkeit gehört zu den häufig beschriebenen unspezifischen Symptomen, die immer wieder im Verlauf einer Diabeteserkrankung auftreten können.

Symptome: Mattigkeit, Leistungsabfall, vermehrter Durst, Schwitzen, nächtliche Wadenkrämpfe sind häufige Anfangssymptome, die bei einem Diabetes Typ 1 früher und deutlicher einsetzen, beim Diabetes Typ 2 oft erst allmählich. Verstärktes Müdesein, Schwitzen, Schwäche zeigen mitunter morgendlichen Unterzucker an.

Nierenschäden, die als mögliche Folgeerkrankung entstehen können (diabetische Nephropathie), bereiten häufig lange Zeit keine speziellen Beschwerden. Möglich sind dann Symptome eines schleichenden Nierenversagens mit häufigem Wasserlassen, Schwellungen an Beinen und Füßen, Müdigkeit, Leistungsabfall, Sehstörungen, Hautjucken. Wichtig ist es deshalb immer, auf eine gute Blutzuckereinstellung zu achten und die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen einzuhalten.

Eingehende Informationen zu beiden Diabetesformen, ihren Ursachen, Symptomen, notwendigen Untersuchungen und angepassten Therapien erhalten Sie in den Ratgebern "Diabetes mellitus Typ 1" und "Diabetes mellitus Typ 2" (auf unserem Partnerportal www.diabetes-ratgeber.net).

System- und Autoimmunerkrankungen, die Müdigkeit auslösen

Bestimmte Autoimmunerkrankungen gehen häufig mit Müdigkeit und Abgeschlagenheit einher. Dazu können mehrere Gründe beitragen. Autoimmunerkrankung bedeutet, dass sich das körpereigene Abwehrsystem nicht gegen Krankheitserreger und krankmachende Stoffe von außen richtet, sondern gegen den Körper selbst. Die Folge sind überschießende Entzündungsreaktionen, die viele Bereiche des Organismus erfassen und schädigen können. Gesteigerte Immunabwehr und entzündliche Prozesse rufen oft Müdigkeit hervor. Krankheiten, bei denen Müdigkeit verstärkt neben den Leitsymptomen auftritt, sind zum Beispiel die rheumatoide Arthritis, das Sjögren-Syndrom und der systemische Lupus erythematodes.

- Rheumatoide Arthritis

Diese chronisch entzündliche Gelenkerkrankung kündigt sich mit kennzeichnenden Beschwerden, darunter häufig auch Müdigkeit, an.

Symptome: Es kommt – anfangs oft schubweise – beidseitig zu Schwellungen an Händen und Fingern, aber auch an anderen kleinen Gelenken. Gelenkergüsse sind ebenfalls möglich. Schmerzen treten häufig nachts, in Ruhehaltung, aber auch bei bestimmten Bewegungen auf. Hände und Finger sind vor allem morgens kraftlos und steif. Müdigkeit, Abgeschlagenheit, leichtes Fieber, Appetitlosigkeit können oft Anfangssymptome sein, noch bevor die Gelenkbeschwerden einsetzen.

Im Verlauf der Erkrankung können sich weitere Entzündungen an Gefäßen und Organen entwickeln, etwa eine Herzbeutelentzündung. Die Beweglichkeit im Alltag ist oft erschwert. Auch deshalb fühlen sich die Betroffenen häufig müde und erschöpft.

Wissenswertes zu Ursachen, Symptomen, Verlauf, Diagnose und Therapie finden Sie im Ratgeber "Rheumatoide Arthritis".

- Sjögren-Syndrom

Die zweithäufigste rheumatische Erkrankung führt zu chronischen Entzündungen vor allem der Tränen- und Speicheldrüsen sowie anderer Schleimhäute, etwa der Nase oder der Bronchien. Auch Gefäße und innere Organe können erkranken.

Symptome: Krankheitsfolgen sind ausgeprägte Mundtrockenheit und trockene, brennende Augen. Schluck- und Atembeschwerden, Husten, Heiserkeit weisen daraufhin, dass auch die Schleimhäute der unteren Atemwege entzündet sind. Als belastend empfinden die Betroffenen zudem die oft plötzlich einsetzende, extreme Müdigkeit und Leistungsschwäche.

Weitere Informationen zu Ursachen, Verlauf, Diagnose und Therapie liefert der Ratgeber "Sjögren-Syndrom".

- Systemischer Lupus erythematodes

Die Autoimmunerkrankung erfasst die Haut sowie Gefäße und viele Organe.

Symptome: Ausgeprägte Müdigkeit, Schwächegefühl, Fieber und Atembeschwerden sind häufig erste und einzige Zeichen für den Krankheitsbeginn. Als weitere Symptome treten dann schmerzende Schwellungen an Fingern und Händen sowie Morgensteifigkeit auf. Kennzeichnend sind schmetterlingsförmige, rote Hautausschläge im Gesicht, ebenso Ausschläge an den Händen und anderen Körperstellen. Sonne sowie Stress und seelische Belastungen verstärken die Beschwerden.

Zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapie informiert der Ratgeber "Lupus erythematodes (LE)".

Allergien und Müdigkeit

Bei manchen Menschen reagiert das Immunsystem überempfindlich auf bestimmte Stoffe, Allergene. Die Folgen sind unterschiedliche, oft heftige körperliche Reaktionen.

Symptome: Dazu gehören Schnupfen, Husten, Asthma oder Hautausschläge. Typisch sind oft auch Juckreiz, Schwellungen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Kreislaufprobleme. Müdigkeit kann eine häufige Begleiterscheinung sein.

Mehr über Allergien lesen Sie im Spezial "Allergie: Wenn die Leibgarde verrückt spielt." Dort finden Sie auch Links zu den verschiedenen Allergietypen.

Krebspatienten können sich in allen Phasen ihrer Erkrankung immer wieder müde fühlen. Einige Krebserkrankungen lösen vor allem anfangs nur allgemeine Symptome aus, darunter auch ungewohnte Müdigkeit. Ständiges Müdesein fällt insbesondere zu Beginn von Lymphdrüsentumoren, Leukämien und bestimmten Darmkrebsformen auf. Breitet sich der Tumor weiter aus, ist der Organismus in mehrfacher Hinsicht belastet. Erschöpfung und Müdigkeit sind davon nur ein Ausdruck unter vielen anderen.

Während der Behandlung einer Krebserkrankung, vor allem bei Chemo- und Strahlentherapien und nach Operationen, haben viele Kranke mit niederdrückender Müdigkeit, Fatigue genannt, zu kämpfen (siehe unten). Besonders häufig treten Erschöpfungsgefühle bei Brustkrebsbehandlungen, bei Lymphdrüsenkrebs und Leukämien auf.

Lymphome, Tumore des Lymphsystems als Grund für Müdigkeit

Zu den Organen des Lymphsystems, das neben dem Blutgefäßsystem den gesamten Körper durchzieht, gehören Lymphgefäße, Lymphflüssigkeit, Lymphknoten, Knochenmark, Milz und Thymus. Durch Einflüsse von außen sowie Veränderungen und Fehlsteuerungen im Inneren können auch im Lymphsystem Zellen unkontrolliert wachsen und gut- oder bösartige Tumore bilden. Bei den eher seltenen bösartigen Tumoren im Lymphsystem unterscheiden Mediziner zwei Gruppen: die Hodgkin-Lymphome und die Non-Hodgkin-Lymphome.

Symptome: Erste Anzeichen können geschwollene, meist nicht schmerzende Lymphknoten am Hals, aber auch über dem Schlüsselbein, unter den Achseln oder in den Leisten sein. Abhängig von der Art des Lymphdrüsenkrebses (Hodgkin- oder Non-Hodgkin-Krankheit und zugehörige Untergruppe) schwellen Lymphknoten auch oder ausschließlich in anderen Körperbereichen an, zum Beispiel im Brustraum. Die Milz, seltener auch die Leber, kann sich vergrößern. Dazu kommen oft Allgemeinbeschwerden wie Müdigkeit, nächtliches Schwitzen, Fieber, Gewichtsverlust und Juckreiz.

Die Symptome sind insgesamt vielfältig und unterscheiden sich zum Teil je nach Art und Ausprägung der Erkrankung. Bei Hodgkin-Lymphomen stellen sich unter anderem auch Symptome wie Atembeschwerden, Reizhusten, Bauchschmerzen und Durchfälle ein.

Bei Non-Hodgkin-Lymphomen sind die Betroffenen zudem manchmal anfälliger für Infekte, erhöhte Blutungsneigung, Veränderungen der Haut, des Magen-Darm-Traktes und zentralen Nervensystems.

Die Entnahme eines vergrößerten Lymphknotens und dessen feingewebliche Analyse ist Teil der Diagnose-Maßnahmen, um den genauen Lymphomtyp, das Krankheitsstadium und die Therapie zu bestimmen.

Weiterführende Informationen zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen des Lymphsystems erhalten Sie im Ratgeber "Lymphdrüsenkrebs (Hodgkin-Krankheit, Morbus Hodgkin)".

Chronische lymphatische Leukämie: Immer wieder von Müdigkeit begleitet

Diese Krebserkrankung zählt zu den Non-Hodkin-Lymphomen und zu den Leukämien (siehe unten). Denn die Krebszellen befinden sich sowohl im Lymphsystem, als auch im Blut.

Symptome: Häufige Anfangssymptome sind Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit und ungewollter Gewichtsverlust. Die Erkrankten fühlen sich auch oft während und nach der Behandlung dauerhaft müde und erschöpft (Fatigue, siehe unten).

Mehr Informationen zum Krankheitsbild, seinen Ursachen und Symptomen, zu Diagnose und Therapien finden Sie im Ratgeber "Chronisch lymphatische Leukämie".

Akute Leukämie, chronische myeloische Leukämie: Müdigkeit als ein typisches Symptom

Bei Blutkrebs, wie Leukämien allgemein bezeichnet werden, entarten die weißen Blutkörperchen. Die Erkrankung entsteht jedoch schon im Knochenmark, wo die weißen Blutkörperchen gebildet werden. Diese wachsen dann unkontrolliert, noch bevor sie vollständig ausgebildet sind. Schließlich verdrängen die Krebszellen die gesunden Zellen. Es gibt unterschiedliche Formen von Leukämien. Wenn das Lymphsystem betroffen ist, überschneiden sie sich mit den sogenannten Lymphom-Erkrankungen.

Symptome: Typische Anzeichen einer akuten Leukämie sind zunächst Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Fieber und Nachtschweiß. Dazu kommen häufig eine erhöhte Infektionsanfälligkeit, Hautentzündungen, Blässe, blaue Flecken, Nasenbluten. Auch Juckreiz, geschwollene Lymphknoten, Kopf- und Knochenschmerzen sind möglich.

Eine chronisch myeloische Leukämie beginnt schleichend, unter anderem mit Müdigkeit, Schwächegefühl, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Blässe, Bauchschmerzen, Atemnot.

Wissenswertes zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapie liefern die Ratgeber "Akute Leukämie" und im "Chronisch myeloische Leukämie".

Müdigkeit bei Dickdarm- und Mastdarmkrebs

Müdigkeit als unspezifisches Anfangssymptom tritt häufig auch bei Dickdarm- und Mastdarmkrebs (Kolon- und Rektumkarzinom) auf.

Symptome: Neben der Müdigkeit stellen sich abwechselnde, gegensätzliche Verdauungsprobleme ein, etwa veränderte Stuhlbeschaffenheit, Verstopfung und Durchfall, übel riechende Winde. Dazu kommen Atemnot und Gewichtsverlust. Erst im weiteren Verlauf der Erkrankung setzen heftige, akute Bauchschmerzen ein. Möglich ist zudem ein Darmverschluss.

Ausführlich informieren die Ratgeber "Dickdarmkrebs (Kolonkarzinom)" und "Mastdarmkrebs (Rektumkarzinom)".

Fatigue: Müdigkeit bei Krebs

Das französische Wort für Müdigkeit, Mattigkeit ist zum Fachbegriff für eine spezielle Form von Ermüdungs- und Erschöpfungszuständen im Zusammenhang mit Krebserkrankungen und multipler Sklerose geworden. Fatigue-Beschwerden entwickeln sich häufiger bei Brustkrebs, Lymphomen oder Leukämien. Fatigue kann einmal die Folge der Krebserkrankung selbst sein, aber auch ein Begleitsymptom unterschiedlicher Krebstherapien. Sie tritt oft nach einer Operation auf, während einer Chemotherapie, Immuntherapie oder Strahlenbehandlung. Auch nach Ende der Therapie dauert die Erschöpfung manchmal noch eine bestimmte Zeit oder länger an und kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Symptome: Krebskranke, die an Fatigue leiden, fühlen sich nicht nur häufig oder beständig müde, sondern auch körperlich und psychisch geschwächt, erschöpft, antriebslos. Jede Aktivität fällt ihnen schwer. Die belastende Müdigkeit legt sich auch nicht, wenn sie sich einige Zeit ausgeruht haben.

Diagnose und Therapie: In der Regel kommen während einer Krebserkrankung und der Therapie noch andere, niederdrückende Beschwerden dazu, wie Schmerzen, Übelkeit,  Blutarmut (Anämie), depressive Verstimmungen. Solche Krankheitsfolgen gehen ihrerseits wiederum oft mit verstärkter Müdigkeit einher. Die Fachärzte werden sie entsprechend abgrenzen und gezielt behandeln, zum Beispiel eine Blutarmut. Um eine Fatigue genauer beurteilen zu können, verwenden Krebsspezialisten häufig auch spezielle Fragebögen.

Psychologische Unterstützung hilft den meisten Krebskranken, besser mit ihrem Leiden zurecht zu kommen, die Therapie mitzutragen und mit einer möglichen Fatigue umzugehen. Erschwerend kommt manchmal hinzu, dass sich Krebspatienten während der Behandlungszeit häufig nur wenig bewegen und unzureichend ernähren. Auch hier setzt eine begleitende Therapie an. Unter Anleitung lernen die Betroffenen unter anderem, im richtigen Maß körperlich aktiv zu sein und gezielte Bewegungs- und Sportprogramme dann auch zu Hause regelmäßig durchzuführen. Ernährungsberatung sowie Tipps bei Schlafproblemen sind weitere Bausteine einer umfassenden Behandlung, die auch gegen die lähmende Müdigkeit wirkt.

Wer sich häufig müde fühlt, sollte sich auch überlegen, welche Medikamente er gerade einnimmt, und mit seinem Arzt darüber sprechen. Müdigkeit kann ein vorübergehender oder dauerhafter Nebeneffekt vieler Arzneistoffe sein. Dabei spielt es meistens eine Rolle, wie lange und in welcher Dosierung Sie ein Medikament einnehmen.

Setzen Sie jedoch kein Medikament, das Ihnen der Arzt verschrieben hat, von sich aus einfach ab, und verändern Sie auch nicht die Dosis, ohne dies mit Ihrem Arzt abgesprochen zu haben. Er wird mit Ihnen möglicherweise den notwendigen Nutzen eines Mittels und die Belastung durch eventuelle unerwünschte Wirkungen abwägen. Oft hilft es schon, die Wirkstoffkombination zu verändern oder einen anderen Wirkstoff auszuwählen. Mit einem bewussten Lebensstil und mit an die Krankheit angepasste Bewegung lassen sich manche Beschwerden zudem abmildern.

Probleme können sich insbesondere auch ergeben, wenn Menschen ohne ärztliche Kontrolle stark wirksame Arzneimittel schlucken oder anwenden, ohne auf mögliche Folgen zu achten.

Arzneimittel, die müde machen können

Dazu gehören vor allem Wirkstoffe, die das Herz-Kreislauf-System, Nervenfunktionen im Gehirn, die Hormonproduktion oder das Immunsystem beeinflussen. Hier nur eine beispielhafte Auswahl:

  • Blutdrucksenker: Müde machen häufig Medikamente gegen Bluthochdruck. In höheren Dosen können das sogenannte Betablocker sein. Infrage kommen auch Alpha-1-Rezeptorenblocker und ACE-Hemmer oder Substanzen wie Clonidin oder Moxonidin.
  • Schlaf- und Beruhigungsmittel: Substanzen aus der Gruppe der Benzodiazepine führen oft zu Müdigkeit am Tage, vor allem wenn sie lang wirksam sind und über längere Zeit eingenommen werden. Benzodiazepine können zudem eine Schlaflosigkeit nach einiger Zeit sogar noch verstärken (siehe dazu Ratgeber "Schlafstörungen", Kapitel: Ursachen: Medikamente, Schlafmittel). Auch andere Beruhigungsmittel (Tranquillanzien) und angstlösende Mittel haben nicht selten Schläfrigkeit und Benommenheit zur Folge.
  • Antidepressiva, Neuroleptika: Bestimmte Medikamente gegen Depressionen aktivieren eher, andere beruhigen. Einige sind vor allem in der Anfangsphase der Behandlung mit teilweise unterschiedlichen, aber meist vorübergehenden Nebenwirkungen verbunden. Müdigkeit ist eine häufige Nebenwirkung der sogenannten trizyklischen Antidepressiva. Neuroleptika sind Medikamente gegen Psychosen und Erregungszustände. Kurzfristig können sie zudem bei Angstzuständen hilfreich sein. Einige Wirkstoffe führen mitunter aber auch zu Schläfrigkeit und depressiven Verstimmungen.
  • Migränemedikamente: Zur Behandlung von Migräneanfällen und zur Vorbeugung setzen Ärzte verschiedene Wirkstoffe ein. Müdigkeit zählt zu den häufigen Nebenwirkungen zum Beispiel von Triptanen.
  • Antihistaminika: Mittel, die gegen Allergien wie Heuschnupfen oder Neurodermitis wirken, machen oft müde. Allerdings kommt dieser Nebeneffekt bei den heute meist eingesetzten Substanzen wie Cetirizin oder Loratadin seltener vor als bei den Mitteln der sogenannten ersten Generation. Dazu gehört zum Beispiel die Substanz Dimenhydrinat, die auch gegen Übelkeit und Erbrechen eingenommen wird.
  • Starke Schmerzmittel: Das sind beispielsweise Opioide wie Morphine und andere. Müdigkeit und Benommenheit sind häufige Nebenwirkungen.
  • Interferone: Diese Medikamente regen das Immunsystem an. Sie können unter anderem zu Müdigkeit und Schläfrigkeit führen.
  • Antiarrhythmika: Einige Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen, die zum Beispiel zur Gruppe der Natriumkanalblocker gehören, können vor allem in höheren Dosierungen neben anderen unerwünschten Wirkungen Müdigkeit, Benommenheit und Schwindel hervorrufen.
  • Krebsmittel: Müdigkeit ist nur eine von vielen möglichen Nebenwirkungen, die etwa zu Chemotherapien eingesetzte Zytostatika haben können (siehe dazu auch Kapitel "Krebs, Fatigue").

Chronisches Erschöpfungssyndrom, Fatiguesyndrom (CFS, chronic fatigue syndrom)

Wie dieser Beschwerdenkomplex genau zu definieren und in welches Fachgebiet er einzuordnen ist, darüber besteht unter Fachmedizinern und Patientengruppen bis heute noch keine Einigkeit. Die WHO ordnet das Syndrom unter dem international ebenfalls gebrauchten Fachbegriff benign myalgic encephalomyelitis in die Rubrik Erkrankungen des Nervensystems ein. Als Ursachen für die niederdrückende, extreme Müdigkeit sowie weitere Symptome kommen möglicherweise Virusinfekte infrage. Nach einer überstandenen Infektion, etwa dem Pfeifferschen Drüsenfieber, fühlen sich manche Betroffene noch längere Zeit müde und abgeschlagen. Experten vermuten, dass zudem Störungen im Immunsystem oder Ungleichgewichte im Hormonhaushalt, auch durch psychische Belastungen, verantwortlich dafür sein können, dass sich schließlich ein vielschichtiges eigenes Krankheitsbild entwickelt, das unterschiedliche körperliche Veränderungen mit einschließt.

Als weitere Auslöser sind traumatische Erfahrungen oder Verletzungen, etwa Unfall- oder Operationsfolgen, im Gespräch. Eine familiäre Veranlagung spielt wahrscheinlich ebenfalls eine Rolle. Es ist anzunehmen, dass letztlich mehrere Faktoren zu Tragen kommen.

Zusätzlicher Stress sowie erneut auftretende Infekte können ein schon bestehendes Erschöpfungssyndrom noch verstärken. Negative Folgen hat es auch, wenn sich die Betroffenen entweder überfordern oder aber im Gegenteil zu wenig körperlich bewegen, wenn sie sich zudem mangelhaft ernähren und aufgrund ihrer Beschwerden sozial isolieren. Denn erschwerend kommt hinzu, dass andere Menschen auf CFS-Kranke oft mit Unverständnis reagieren.

Symptome: Die Beschwerden unterscheiden sich deutlich von bisher erlebten Phasen körperlicher und geistiger Erschöpfung. Die extreme Müdigkeit setzt plötzlich ungewohnt heftig nach anstrengenden oder auch nur normalen Aktivitäten ein. Ruhepausen oder Schlaf verbessern den Zustand nicht. Die Symptome können sich auch schleichend entwickeln und selbst einfache Alltagstätigkeiten zunehmend erschweren.

Dazu kommen Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, Ängste. Charakteristisch sind außerdem körperliche Symptome wie schmerzende Muskeln und Gelenke, die aber nicht geschwollen sind, Muskelschwäche, schmerzhafte Lymphknotenschwellungen, Halsschmerzen, ungewohnte Kopfschmerzen, Magen-Darm-Störungen. Die Betroffenen vertragen mitunter bestimmte Nahrungsmittel oder Alkohol nicht mehr und sind besonders licht- und geräuschempfindlich.

Diagnose: Hinweise geben dem Arzt die Dauer des Erschöpfungszustandes von über einem halben Jahr, die Auswirkungen auf das Alltagsleben und die Kombination der körperlichen und geistig-seelischen Beschwerden. Zurückliegende Infekte, die der Erkrankte durchgemacht hat, oder chronische Infektionen sind oft aufschlussreich. Der Arzt wird zudem durch entsprechende Untersuchungen und Tests andere Krankheitsursachen ausschließen, etwa eine Blutarmut, eine Organerkrankung, psychosomatische Krankheitsbilder oder eine psychische Erkrankung.

Therapie: Ein chronisches Erschöpfungssyndrom belastet die Betroffenen unterschiedlich stark. Je nachdem, wie sehr sie in ihrem alltäglichen Leben beeinträchtigt sind, kommen individuell ausgerichtete, ineinandergreifende Behandlungsmaßnahmen infrage. Das sind vor allem verhaltenstherapeutische Verfahren und dem Zustand angepasste Bewegungstherapien sowie, falls nötig, Schmerzmittel und Schmerztherapien. Auch Antidepressiva können manchmal angezeigt sein.

Hilfreich sind häufig sogenannte "Pacing"-Konzepte, mit denen die Patienten lernen, noch vorhandene Energien wohl dosiert einzusetzen, dazwischen notwendige Erholungspausen einzulegen und nur allmählich die Leistung zu steigern. Denn Überforderung kann zu Rückfällen führen.

Wichtig ist es auch, Stress zu vermeiden, sich ausgewogen zu ernähren sowie Alkohol und Lebensmittel, die nicht vertragen werden, zu meiden. Vielfach vergehen die Beschwerden nach einiger Zeit vollständig, und die Betroffenen sind wieder in der Lage, aktiv ihr Leben zu gestalten.

Lesen Sie mehr dazu im Ratgeber "CFS: Müde ohne Grund?".

Fibromyalgiesyndrom: Müdigkeit als ein typisches Symptom

Müdigkeit und dennoch Schlafprobleme gehören zu den kennzeichnenden Symptomen eines Fibromyalgiesyndroms. Bei diesem vielschichtigen Krankheitsbild herrschen körperliche Beschwerden vor, vor allem unterschiedliche Muskel- und Gelenkschmerzen. Sodann kann es zu Schwellungen an Händen, Beinen und im Gesicht sowie steifen Gliedern am Morgen kommen. Neben vielfältigen weiteren körperlichen Beschwerden können sich teilweise auch Ängste und depressive Verstimmungen einstellen.

Ausführliche Informationen zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapiemöglichkeiten gibt Ihnen der Ratgeber "Fibromyalgie (Fibromyalgiesyndrom, FMS)".

Fachliteratur für diesen Ratgeber

  • Herold G et al.: Innere Medizin, Köln Gerd Herold 2017
  • Möller H-J, Laux G, Deister A: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. 5. Auflage, Stuttgart Georg Thieme Verlag 2013
  • Mattle H. Mumenthaler M: Neurologie. 13. Auflage, Stuttgart Georg Thieme Verlag 2013
  • Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. (Herausgeber): Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms; 2. Aktualisierung, 2017; AWMF-RegisterNr. 145/004, S3-Leitlinie. Online:
    http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/145-004l_S3_Fibromyalgiesyndrom_2017-05.pdf (Abgerufen am 28.6.2017)
  • Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM): Müdigkeit. Leitlinie 09/2011, awmf-Register-Nr. 053/002. Online: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/053-002.html (Abgerufen am 14.6.2017: in Überprüfung)
  • Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie e.V. (DGPM), Deutsches Kollegium für Psychosomatische Medizin (DKPM) et al.: Umgang mit Patienten mit nicht-spezifischen, funktionellen und somatoformen Körperbeschwerden. Leitlinie 04/2012, awmf-Register-Nr. 051/001. Online: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/051-001.html (Abgerufen am 14.6.2017: in Überprüfung)
  • Deutsche Krebshilfe, Deutsche Fatigue-Gesellschaft e.V.: Fatigue. Chronische Müdigkeit bei Krebs. Die blauen Ratgeber 51, Stand 3/2017 (Abgerufen am 14.6.2017)
  • Deutsches Krebsforschungszentrum, Krebsinformationsdienst: Fatigue. Erschöpfung bei Krebs. Online: http://www.krebsinformationsdienst.de/leben/fatigue/fatigue-index.php (Abgerufen am 14.6.2017)
  • National Health Service, United Kingdom: Chronic fatigue syndrome. Online: http://www.nhs.uk/conditions/Chronic-fatigue-syndrome/Pages/Introduction.aspx (Update 16.5.2017; Abgerufen am 14.6.2017)
  • Scheibenbogen C, Volk H-D, Grabowski P et al.: Chronisches Fatigue-Syndrom. Heutige Vorstellung zu Pathogenese, Diagnostik und Therapie. In: tägl.prax. 55, 567-574 (Stand: 8.9.2014). Online: http://www.fatigatio.de/aktuelles/details/artikel/-b14700702e/ (Abgerufen am 14.6.2017)
  • "Der Alkoholkonsum Jugendlicher und Erwachsener in Deutschland" -Zentrale Ergebnisse aus dem Alkoholsurvey 2016. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA), Köln (Infoblatt, pdf).

Fachredaktion: Dr. med. Claudia Osthoff