Mundrose (Periorale Dermatitis)

Ein Hautausschlag um Mund und Nase – dabei kann es sich um eine Mundrose handeln. Ein möglicher Auslöser: Übertriebene Hautpflege. Mehr zu Ursachen, Symptomen und Therapie

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aktualisiert am 25.06.2013

Was ist eine periorale Dermatitis?

Die Mundrose (periorale Dermatitis) ist eine relativ verbreitete, nicht ansteckende Hauterkrankung, die üblicherweise nur im Gesicht auftritt.

Symptome: Es bilden sich Hautrötungen mit kleinen Knötchen und eventuell auch Bläschen – am häufigsten im Bereich um den Mund herum. Der Hautausschlag kann aber auch an anderen Stellen vorkommen, zum Beispiel um die Nase oder um die Augen herum, sowie auf der Stirn. (Mehr im Kapitel Symptome).

Ursachen: Die genauen Ursachen der Mundrose sind unbekannt. In vielen Fällen hängt die Krankheit wohl mit einer "Überpflegung" der Haut zusammen – also einem Zuviel an Kosmetika und Reinigungsartikeln. Am häufigsten sind Frauen im zweiten und dritten Lebensjahrzehnt betroffen. Es können aber auch schon Kinder erkranken.

Diagnose: Der Arzt diagnostiziert eine Mundrose anhand des charakteristischen Erscheinungsbildes. Wichtig ist es, andere Hautkrankheiten wie Akne, Rosazea oder Neurodermitis abzugrenzen.

Therapie: Oft besteht der erste Therapieschritt darin, alle Kosmetikprodukte für eine Weile abzusetzen – auch wenn die Erkrankung dann vorübergehend schlimmer werden kann. Allenfalls einzelne, gut verträgliche medizinische Hautpflegemittel sollten nach ärztlicher Anleitung angewendet werden. Wenn gleichzeitig eine bakterielle Infektion der Gesichtshaut besteht, verordnet der Arzt zum Beispiel örtlich wirksame Antibiotika in Salbenform. In schweren Fällen kommt auch eine Therapie mit Antibiotika-Tabletten in Betracht.

Heilungschance: Werden die ärztlichen Empfehlungen zur Hautpflege eingehalten, hat die Mundrose eine gute Prognose. Meistens heilt sie dann nach wenigen Wochen narbenlos ab.

Warum Stewardessen-Krankheit?

Die Mundrose wird manchmal auch Stewardessenkrankheit genannt. Diesen Namen verdankt sie wohl Flugbegleiterinnen, die im Rahmen ihrer Reisen Kortison-haltige Cremes aus Amerika nach Deutschland mitbrachten – eine periorale Dermatitis kann sich durch falsch angewandte Kortison-haltige Cremes verschlechtern. Weitere Namen der Krankheit sind Dermatitis perioralis und Rosazea-artige Dermatitis.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Was eine periorale Dermatitis im Detail verursacht, wird noch erforscht. Viele Betroffene haben anlagebedingt eine besonders "empfindliche" Haut oder eine gewisse Bereitschaft zu allergischen Krankheiten (Atopie). Das bedeutet jedoch nicht, dass sie auch spürbar an einer Allergie oder an einer Neurodermitis erkrankt sein müssen.

Ausgangspunkt der Mundrose ist eine Irritation der Haut. Ein möglicher und häufiger Auslöser ist die übermäßige Anwendung von Hautpflege-Produkten:

  • Wird die Haut "zu viel" oder falsch gepflegt, leidet die natürliche Hautbarriere darunter.
  • Die Haut kann Flüssigkeit dann nicht mehr richtig speichern. Sie trocknet aus und reagiert gereizt – das führt zu den Symptomen der Mundrose (siehe Kapitel Symptome).
  • Die Haut ist auch nicht mehr so gut vor Krankheitserregern geschützt. Es kommt leichter zu Hautinfektionen.
  • Die Betroffenen versuchen dann häufig, ihre Beschwerden selbst zu lindern – indem sie eine noch intensivere Hautpflege betreiben. So entsteht ein Teufelskreis.
  • Manche experimentieren auf eigene Faust mit kortisonhaltigen Salben herum. Gar keine gute Idee. Denn auch wenn sich die Beschwerden anfangs zu bessern scheinen: Auf längere Sicht verschärfen Kortisonpräparate das Problem oft noch zusätzlich.  

Deshalb gilt: Die Hauterscheinungen vom Arzt abklären lassen und die geeigneten Therapiemöglichkeiten besprechen.

Bei der Mundrose bildet sich ein Hautausschlag im Gesicht – und zwar üblicherweise im Bereich um den Mund herum (lateinisch: "perioral").Typisches Merkmal ist, dass dieser Ausschlag einen schmalen Streifen unmittelbar um die Lippen herum ausspart. Auch das Kinn, die Wangen und die Nasenpartie können betroffen sein. Oft sind die Hautveränderungen symmetrisch auf beiden Gesichtshälften zu finden.

Die Hauterscheinungen tauchen manchmal auch an anderen oder weiteren Stellen im Gesicht auf, zum Beispiel auf der Stirn oder den Augenlidern. Selten breiten sie sich auf das ganze Gesicht oder sogar den Hals aus.

Die Gesichtshaut ist  an den betroffenen Stellen gerötet und trocken, sie brennt und spannt. Manchmal juckt sie auch leicht. Es bilden sich wenige Millimeter große rote Knötchen (Papeln) und eventuell auch Bläschen (Vesikel), die mit Eiter gefüllt sein können (Pusteln). Eine leichte Schuppenbildung ist möglich.

UV-Licht, mechanische Reizung und hormonelle Schwankungen können womöglich die Beschwerden bei einer Mundrose verstärken.

Meistens genügt dem Arzt der Blick auf die erkrankten Hautpartien, um die Diagnose  "periorale Dermatitis" zu stellen. Die charakteristische Verteilung des Hautausschlags rund um den Mund sowie der freie Rand um die Lippen weisen bereits auf die Mundrose hin (siehe Kapitel Symptome).

Manchmal ähneln die Hautveränderungen allerdings auch denen anderer Erkrankungen. Sie erinnern dann zum Beispiel an Neurodermitis, Akne, Rosazea oder eine Kontakallergie. In solchen Fällen sind eventuell weitere Untersuchungen erforderlich, um die Diagnose zu sichern – dazu zählen zum Beispiel Blutuntersuchungen oder manchmal die Entnahme einer kleinen Hautprobe unter örtlicher Betäubung.

Was die Mundrose genau verursacht, ist nicht bekannt. Der Arzt wird aber trotzdem versuchen, unmittelbar auslösende Faktoren der Erkrankung zu identifizieren. Er fragt deshalb zum Beispiel nach den Hautpflege-Gewohnheiten und den verwendeten Hautpflege-Produkten. So lässt sich abschätzen, ob die Haut womöglich falsch oder einfach zu viel gepflegt wurde.

Die genaue Ursache der Mundrose ist nicht bekannt. Deshalb gibt es auch keine spezielle Therapie.

Bewährt hat sich aber die sogenannte Nulltherapie: Damit ist gemeint, dass an den betroffenen Hautstellen erst einmal konsequent auf alle Hautpflegemittel verzichtet wird – und das über mehrere Wochen. Dazu zählen Hautcremes, Waschlotionen, Kosmetika und vor allem auch kortisonhaltige Salben. Die Haut erhält sozusagen eine längere Ruhepause, in der sie "null" Kontakt zu Kosmetika jeder Art hat.

Manchen Patienten fällt das ein wenig schwer, denn sie haben sich bereits über viele Jahre an ihre Pflegemittel gewöhnt. Anfangs kann es außerdem vorkommen, dass sich die Beschwerden zunächst sogar verschlimmern. Dann ist die Versuchung besonders groß, doch wieder in Eigenregie zu schmieren und zu cremen – mit der Gefahr, dass die Symptome weiter zunehmen.

Eventuell verschreibt der Arzt für die Phase der "Kosmetika-Enthaltsamkeit" einzelne, gut verträgliche medizinische Hautpflegemittel oder bestimmte örtlich wirksame Arzneien. Sie sollten nach genauer ärztlicher Anweisung verwendet werden.

Bei einer perioralen Dermatitis können zusätzlich bakterielle Infektionen der Haut auftreten. Manchmal verordnet der Arzt auch antibiotische Salben zur örtlichen Anwendung oder beginnt eine Therapie mit Antibiotika-Tabletten – dies kann auch dann sinnvoll sein, wenn keine bakterielle Infektion offenkundig ist.

Der Erfolg der Therapie sollte nach spätestens drei Wochen überprüft und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden.

Die Prognose der Mundrose ist üblicherweise gut. Die Beschwerden klingen in der Regel nach wenigen Wochen vollständig und ohne Narben ab. Voraussetzung ist jedoch, dass die vom Arzt  vorgeschlagenen Empfehlungen eingehalten werden.

Die Krankheitsschübe können allerdings wiederkehren – insbesondere dann, wenn die alten Gewohnheiten übermäßiger Kosmetika-Anwendung wieder aufgenommen werden. Am besten klären Betroffene individuell mit ihrem Arzt, welche Hautpflege künftig in ihrem Fall die optimale ist, und welche Pflegeprodukte sie wieder verwenden sollten.

Professor Dr. med. Dr. h.c. Andreas Wollenberg ist Facharzt für Dermatologie und Venerologie mit den Zusatzbezeichnungen Allergologie, Andrologie, Infektiologie und Phlebologie an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Ludwig Maximilians-Universität München. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Neurodermitis und ihre infektösen Komplikationen, die periorale Dermatitis, sowie die Hautnebenwirkungen von Arzneimitteln – insbesondere modernen Tumortherapeutika.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.