Durchfall (Diarrhö): Ursachen, Diagnose, Therapie

Durchfall ist Stuhl, der bei Erwachsenen mehr als dreimal täglich auftritt, in der Menge vermehrt und / oder dünn ist. Von akut bis chronisch – wir informieren über Ursachen und Therapien

aktualisiert am 26.06.2017

Was ist Durchfall überhaupt?

Durchfall (Diarrhö) wird durch die Stuhlfrequenz und -beschaffenheit bestimmt. Schon im Normalfall ist beides von Mensch zu Mensch verschieden. Während der eine ständig mit Verstopfung kämpft oder froh ist, wenn er alle zwei Tage Stuhlgang hat, geht ein anderer täglich zu diesem Zweck zur Toilette.

Besonders groß ist die Variationsbereite bei Babys: Fünfmal am Tag Stuhlgang bis einmal alle fünf Tage ein großes Geschäft ist ganz normal. Obwohl viele Betroffene überzeugt sind, Durchfall zu haben, erfüllt etwa ein dünner oder breiiger Stuhl allein noch nicht die Kriterien dafür. Voraussetzung ist, dass mehrfach am Tag – mindestens dreimal – Stühle verminderter Konsistenz entleert werden. Meistens ist das Stuhlvolumen und -gewicht dabei erhöht.

Dünnflüssigen Stuhl kennt eigentlich jeder. Kommt Erbrechen dazu und geht es einem dabei allgemein nicht so gut, steckt häufig eine Magen-Darm-"Grippe" oder ein Magen-Darm-Infekt dahinter. So elend man sich dabei fühlt, so schnell ist man meistens auch wieder auf den Beinen: Ein, zwei Tage Schonkost, dazu viel trinken, und das Ganze ist ausgestanden.
Doch es kann auch anders kommen. Bei starkem Durchfall verliert der Körper große Mengen Wasser, Salze und Verdauungssäfte über den Darm, wenn nicht gegengesteuert wird. Ohne Behandlung besteht die Gefahr der Austrocknung (Dehydratation). Vor allem bei Älteren und Kindern kann das rasch passieren und auch bedrohlich werden.

Über den Daumen gepeilt: Wo im Darm könnte die Ursache liegen?

Je nachdem, wie der Stuhl beschaffen ist, lässt sich grob abschätzen, wo sich die Quelle des Übels befinden könnte. Sehr wässrige und voluminöse, möglicherweise schaumige Stühle, eventuell noch unverdaute Nahrungsreste enthaltend, lassen auf den Dünndarm schließen. Zeigt sich Stuhl wiederholt in kleinen Mengen, eventuell mit Blut- oder Schleimauflagerungen und vermehrtem Stuhldrang, kann das Problem im Dickdarm beziehungsweise Enddarm liegen.

Wie kommt es überhaupt zu Durchfall?

Im Wesentlichen sind zwei Mechanismen verantwortlich:
- Entweder gibt der Darm infolge einer Entzündung vermehrt Wasser und Salze, eventuell auch Schleim und Blut ab. Die damit verbundene, sekretorisch genannte Diarrhö hört durch Fasten nicht auf. Dazu kommt es zum Beispiel, wenn Viren oder Bakterien im Spiel sind.

- Oder es verbleiben Stoffe im Darm, etwa Stärke und Fett aus der Nahrung, die Flüssigkeit binden und zu einer osmotischen Diarrhö führen. Osmose bedeutet, dass es zu einem Verdünnungseffekt im Darm kommt. Diese Art Durchfall hört nach Fasten auf. Auslöser kann hier zum Beispiel eine Aufnahmestörung von Kohlenhydraten wie Fruchtzucker oder Milchzucker sein (siehe wiederum Kapitel "Durchfall: Ursachen chronisch (1)").

Durchfall: Akut oder chronisch?

Mediziner unterscheiden bei Durchfall zwischen einer akuten (bis zu zwei Wochen Dauer), einer anhaltenden (zwei bis vier Wochen Dauer) und einer chronischen Diarrhö (Dauer von mehr als vier Wochen).

Hinter dem plötzlich einsetzenden und meist nur wenige Tage dauernden akuten Durchfall steckt fast immer eine Infektion mit Krankheitserregern, am häufigsten Viren oder Bakterien. Typisches Beispiel ist der Reisedurchfall. In unkomplizierten Fällen erübrigen sich ärztliche Untersuchungen hier in aller Regel.

Bei anhaltendem oder chronischem Durchfall kommen verschiedene, mitunter auch ernsthafte Krankheiten als Ursache infrage. Natürlich beginnt auch eine chronische Durchfallerkrankung irgendwann einmal mehr oder weniger akut. Die Symptome sind hier jedoch meist über mehr als zwei bis vier Wochen, wiederholt oder in Schüben vorhanden. Zwischendurch können sie wieder abklingen.

Eine chronisch entzündliche Darmerkrankung wie die Colitis ulcerosa beispielsweise kann anfangs eine akute Darminfektion nachahmen. In anderen Fällen sind die Darmbeschwerden eine Frage der Ernährung und bessern sich, wenn etwa Brot und Brötchen, Kekse und Müsli, Nudeln, Pizza und das Bier vom Speisezettel verschwinden. Zu vermuten steht, dass hier zum Beispiel eine Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) oder eine Weizenunverträglichkeit (genauer: Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizen­unverträglichkeit) dahintersteckt. Aber diese Vermutungen bedürfen natürlich der Klärung.

Wann Sie zum Arzt gehen sollten

Eine Diarrhö, die akut in sehr heftiger Form, anhaltend oder chronisch auftritt (siehe vorhergehender Abschnitt), ist mehr als nur eine lästige Unregelmäßigkeit. Konkret: Wenn Durchfall länger als drei Tage dauert oder sehr ausgeprägt ist, bitte einen Arzt hinzuziehen. Geht es um ein Baby, ein Kleinkind oder einen älteren Menschen, holen Sie den Kinderarzt beziehungsweise Arzt schon früher. Bei Fieber, starken Bauchschmerzen und Erbrechen ist umgehend bis notfallmäßig ärztliche Betreuung gefragt. Dasselbe gilt, wenn der Stuhl sehr blutig ist, ebenso natürlich bei Verdacht auf eine Vergiftung.

Neben den Fragen des Arztes zur Krankengeschichte (Anamnese) und der körperlichen Untersuchung sind mitunter auch gezielte Untersuchungen angesagt: Stuhl- und Blutuntersuchungen, eine Darmspiegelung, andere technische Diagnoseverfahren (siehe Kapitel "Durchfall: Diagnose").

Durchfall "plus...": Begleiterscheinungen, Folgeprobleme

Kommt es zu massiven, breiigen, fettglänzenden, schlecht wegspülbaren Stühlen, ist das nicht ganz dasselbe wie Durchfall. Aber normal ist es auch keinesfalls. Vielmehr kann es sich um sogenannte Fettstühle handeln. Dazu kommt es, wenn die Fettverdauung gestört und die Fettausscheidung im Stuhl erhöht ist. Definitionsgemäß ist das der Fall, wenn täglich mehr als sieben Gramm Fett ausgeschieden werden. Ärzte sprechen dann von Steatorrhö.

Dass Fettstühle ebenso wie chronische, wässrige Durchfälle auf die Dauer Folgeprobleme verursachen können, ist nicht verwunderlich. Je nach zugrunde liegender Erkrankung kann es nämlich passieren, dass neben Fetten weitere Nährstoffe – Kohlenhydrate, Eiweiß, Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente – unzureichend aufgenommen werden. Ärzte sprechen dann von einem Malassimilationssyndrom. Dabei sind vielfältige Beschwerden und Störungen möglich. Wachstumsprobleme bei Kindern, Gewichtsverlust, Müdigkeit, Schwellungen, Muskelschwäche, Missempfindungen und Blutarmut sind nur einige davon.

Ursächlich infrage kommen zum Beispiel Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, Darmerkrankungen wie Morbus Cohn, die auch zum Verlust von Gallensäuren führen, eine Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) oder die Zöliakie mit Glutenunverträglichkeit (siehe Kapitel "Durchfall: Ursachen chronisch (1)").

Akute, heftige (Brech-)Durchfälle können wegen des Flüssigkeitsverlusts zu Austrocknung (Dehydratation) führen, erst recht bei Fieber. Damit steigt das Risiko von Kreislaufstörungen, Thrombosen und Embolien (Blutgerinnsel, die zum Beispiel in eine Lungenader geraten und sie verstopfen können), Nierenversagen und Schock.

Durchfall kann auch im Wechsel mit Verstopfung auftreten. Der Arzt wird solchen Beschwerden immer genau nachgehen, um beispielsweise eine chronische Darminfektion, etwa mit Amöben, einen Reizdarm oder eine Geschwulsterkrankung des Darms auszuschließen. Bei einem Reizdarm ist der Darm übrigens nachts im Allgemeinen friedlich, es treten also keine nächtlichen Durchfälle auf.

Nach infektiösen Durchfallerkrankungen durch Keime wie Campylobacter, Salmonellen, Shigellen oder Yersinien kann sich unter anderem eine rheumaähnliche Gelenkentzündung entwickeln.

Typhus ist ein Beispiel für eine Infektion, die zahlreiche Organe erfasst. Als solches ist sie eine Allgemeininfektion, die bei unzureichender Behandlung lebensbedrohlich werden kann. Erreger sind Typhus-Salmonellen. Ein typisches Symptom seitens des Darms sind die "erbsbreiartigen" Durchfälle. Die Erkrankung wird überwiegend auf Auslandsreisen (ohne Impfschutz) erworben, derzeit am häufigsten in Indien.

Weiteres Problem bei Durchfall: Er kann die Aufnahme von Medikamenten aus dem Darm stören.

Fazit: Alles dies ist Grund genug, rechtzeitig zum Arzt zu gehen.

Durchfall: Was macht der Arzt?

Neben den Fragen des Arztes zu möglichen Infektionsquellen (Essen, Durchfallerkrankungen bei Familienmitgliedern, im persönlichen Umfeld, am Arbeitsplatz), und zur Krankengeschichte (Anamnese) sowie der körperlichen Untersuchung sind mitunter auch gezielte Untersuchungen angesagt: Stuhl- und Blutuntersuchungen, Untersuchungen von Essensresten, eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) des Bauches, gegebenenfalls auch eine Darmspiegelung und andere technische Diagnoseverfahren (siehe Kapitel "Durchfall: Diagnose").

Durchfall: Die wichtigsten Ursachen auf einen Blick

Ursachen von akutem Durchfall (1):

  • Akute Darminfektionen einschließlich Reisedurchfall
  • Pilzvergiftung
  • Vergiftung mit Chemikalien

Ursachen von akutem Durchfall (2):

  • Koffein, Tein
  • Medikamente (zum Beispiel Abführmittel, alle Antibiotika, weitere Arzneimittel)
  • Gefäßverschluss des Darms
  • Strahlenbehandlung (akute Strahlenkolitis)

Ursachen von chronischem Durchfall (1)*:

  • Unverträglichkeit von Fruktose oder Sorbit
  • Zöliakie (Glutenunverträglichkeit, glutensensitive Enteropathie)
  • Weizenunverträglichkeit
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen, darunter die Crohn-Krankheit (Morbus Crohn), Colitis ulcerosa und die sogenannte mikroskopische Colitis
  • Gallenstau (Cholestase), gegebenenfalls mit Gelbsucht
  • Amyloidose
  • Sklerodermie (systemische)
  • Anhaltende und chronische Darminfektionen einschließlich zum Beispiel HIV-Infektion / Aids, Whipple-Krankheit, sexuell übertragenen Enddarmentzündungen, Wurm-Krankheiten (etwa Bandwurmbefall, selten).

Ursachen von chronischem Durchfall (2)*:

  • Chronischer Alkoholmissbrauch
  • Durchblutungsstörungen des Darms (ischämische Kolitis)
  • Tumoren und Polypen
  • Strahlenbehandlung (chronische Strahlenkolitis)
  • Nebennierenrindenunterfunktion
  • Diabetes mellitus Typ 1, Diabetes mellitus Typ 2

*Eine Nahrungsverwertungsstörung (Malassimilationssyndrom), eventuell mit Fettstühlen (Steatorrhö), ist bei vielen hier genannten Krankheiten und Umständen möglich.

Die Liste beansprucht keine Vollständigkeit. Weitere Kapitel in diesem Beitrag informieren Sie näher über die hier gelisteten Ursachen sowie über Diagnose und Therapie bei Durchfall.

Wichtig: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Auf die Hygiene kommt es an

Mangelnde Hygiene ist der Hauptrisikofaktor für akute Durchfallerkrankungen. Sie ist überwiegend, aber nicht nur, ein Problem bei Reisen in Länder mit schlechteren hygienischen Bedingungen. Auch in Deutschland werden immer wieder kleinere oder größere Ausbrüche – sei es durch ansteckende Virusinfekte, sei es über verunreinigte Lebensmittel – registriert.

Im Allgemeinen kommt es überall auf der Welt mehr oder weniger durch dieselben Erreger zu Durchfallerkrankungen. Aber es gibt natürlich große Unterschiede in der Häufigkeit des Auftretens und der Sterblichkeit, insbesondere bei Kindern. So sind in den Entwicklungsländern akute Magen-Darm-Infektionen (Fachbegriff in der Einzahl: akute Gastroenteritis) eine der häufigsten Ursachen für Todesfälle bei Säuglingen und Kindern. In Europa verlaufen Durchfallerkrankungen dagegen deutlich seltener tödlich, aber sie führen häufiger zu Krankenhausbehandlungen.

Um vorzubeugen, hilft es, ein paar einfache Regeln zu beachten. So sollte es nach einem Besuch auf der Toilette und vor dem Essen selbstverständlich sein, die Hände gründlich mit Wasser und Seife zu waschen. Um Infektionen über Lebensmittel zu vermeiden, sollten gerade im Sommer die richtige Lagerung, insbesondere gutes Kühlen und ausreichendes Erhitzen beim Kochen, Aufwärmen und Einwecken die Regel sein. Für Fernreisende gibt es weitere Tipps (siehe nachfolgender Link).

Risikogruppen: Schutz und Selbstschutz

Für den einen ist Durchfall gefährlicher ist als für den anderen, und er sollte daher besonders gut aufpassen. Zu den Risikogruppen gehören Kinder unter drei Jahren, schwangere Frauen, immungeschwächte und ältere Menschen.

Wer ein erhöhtes Risiko hat, ist entweder anfälliger für Infektionen, wie zum Beispiel Schwangere und Immungeschwächte. Bei ihnen können Durchfallerkrankungen von vornherein schwerer, mitunter lebensbedrohlich verlaufen. Eine Immunschwäche kann viele Ursachen haben – von angeborenem oder krankheitsbedingtem Antikörpermangel über Behandlungen, die das Immunsystem unterdrücken, bis zu Chemotherapien und einer HIV-Infektion/Aids. Oder es besteht die Gefahr, dass die Betroffenen schneller in einen Zustand der Austrocknung geraten. Das gilt vor allem für Säuglinge oder ältere Menschen.

Nach einer Magenoperation oder bei Einnahme von Medikamenten gegen Magengeschwüre kann es ebenfalls zu Durchfällen kommen, weil der Schutzfaktor Magensäure entfällt oder so gut wie ausgeschaltet ist und sich das Innenmilieu im Magen-Darmtrakt verändert. Andererseits kann zu viel Magensäure die Darmentleerung beschleunigen.

Wenn die Beweglichkeit des Darms durch Medikamente oder andere Einflüsse reduziert oder sein Verlauf durch eine Operation verändert ist, können krankhafte Erreger im Darm überhand nehmen und zu einer Infektion führen. Mehr dazu im Kapitel "Durchfall: Ursachen chronisch (2)".

Ein erhöhtes Erkrankungsrisiko haben auch Heimbewohner, Menschen in Sammelunterkünften und Angehörige bestimmter Berufsgruppen wie Pflegepersonal und Tätige in der Lebensmittelindustrie oder Landwirtschaft. Die Einhaltung der Hygienevorschriften, etwa in der Lebensmittelindustrie, bietet hierzulande jedoch im Grunde ausreichend Schutz. Daher kommen zum Beispiel Wurmerkrankungen wie Bandwurmbefall oder Trichinose bei uns eher selten vor.

Was der Arzt wissen muss

Die Krankengeschichte (Anamnese) mit Angaben des Patienten zu den aktuellen Beschwerden und mutmaßlichen Auslösern des Durchfalls sind erste mögliche Anhaltspunkte für die Diagnose. So kommen als sporadische Infektionsquellen zum Beispiel verunreinigte Speisen wie Eis, rohes Fleisch, rohe Meeresfrüchte, Produkte aus rohen Eiern, Eiswürfel, Geflügel oder auch Tiefkühlkost infrage.

Durchfall nach einer Fern- oder Schiffsreise, nach einem Hilfseinsatz in einem Krisengebiet oder einem Tagungsaufenthalt lässt spontan an eine infektiöse Ursache denken. Das gilt auch, wenn im Rahmen einer Gemeinschaftsverpflegung (Kantine, Mensa) oder nach einem Geschäftsessen vermehrt Erkrankungsfälle auftreten oder wenn Durchfall im Kindergarten, in der Schule oder einer Betreuungseinrichtung größere Kreise zieht.

Natürlich muss der Arzt – falls es nicht der Hausarzt ist, der den Betroffenen und seine Krankengeschichte kennt –, auch wissen, ob der Patient wegen einer anderen Erkrankung Medikamente einnimmt und ob er / sie raucht. Hintergrund: Bestimmte Arzneimittel, etwa Antibiotika, können Durchfall auslösen. Rauchen kann bestimmte chronische Darmerkrankungen, etwa einen Morbus Crohn, ungünstig beeinflussen, offenbar vor allem bei Frauen.

Außerdem bittet der Arzt den Patienten um Angaben zu weiteren Auffälligkeiten des Stuhls, etwa Auflagerungen von Blut oder Schleim (siehe auch Kapitel "Durchfall: Ursachen, Diagnose, Therapie" in diesem Beitrag), und ob der Urin sich verändert hat. Zum Beispiel ist der Harn bei beginnender Austrocknung dunkel, und die Menge kann verringert sein. Nicht zuletzt ist von Interesse, ob der Durchfall unmittelbar mit dem Essen zusammenhängt und nachlässt, wenn nichts mehr gegessen wird. Diese Beobachtung  kann auf eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder auch eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse hinweisen.

Schritt für Schritt zur Diagnose

Auf das Arztgespräch folgt die körperliche Untersuchung des Patienten. Dabei geht es um den allgemeinen Gesundheitszustand und schwerpunktmäßig die Bauchorgane, die Haut, Mund und Zunge. Dabei prüft der Arzt auch, ob sich Anzeichen für eine Austrocknung finden. Üblicherweise kontrolliert er Herz und Lungen, orientierend das Bewegungssystem, bei Bedarf auch Körpertemperatur und Gewicht.

Gegebenenfalls schließt sich eine Tastuntersuchung des Enddarms an. Vielleicht stößt der Untersucher dabei auf ein Passagehindernis, etwa eine Gewebewucherung. Sie kann dazu führen, dass Darminhalt nur noch als Rinnsal abgeht. Definitionsgemäß ist das aber kein Durchfall, wie auch eine Stuhlinkontinenz, also eine Verschlussstörung am Darmausgang, nicht mit Durchfall zu verwechseln ist.

Den Auslösern auf der Spur

Über 90 Prozent aller Diarrhöen sind durch eine Infektion bedingt. Eine Darminfektion, die innerhalb von drei Tagen wieder folgenlos abklingt, erfordert normalerweise keine besonderen Maßnahmen.

Bei starken Beschwerden hingegen kann unter anderem die Untersuchung von Stuhlproben auf Erreger angezeigt sein. Mitunter bringen auch erst Blutuntersuchungen Klarheit. Die Spurensicherung zielt auf Viren, Bakterien, seltener auch auf Parasiten wie zum Beispiel den Rinderbandwurm oder Malaria-Erreger. Es gibt verschiedene Wege, darunter den mikroskopischen Erregernachweis im Stuhl, die Anzüchtung des Erregers aus dem Blut, den Nachweis von Gift- oder Genpartikeln eines Keimes.

Im Stuhl lassen sich bei Bedarf zum Beispiel Entzündungsmarker wie Calprotectin bestimmen, aufschlussreich bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Ein nachweislich erhöhter Fettgehalt im Stuhl zeigt eine Störung der Fettaufnahme an.

Bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelvergiftung werden auch Erbrochenes und verdächtigte Nahrungsmittel zu Nachforschungen herangezogen.

Um die Meldepflicht bei infektiösen Durchfallerkrankungen kümmern sich Ärzte und Untersuchungslaboratorien.

Labormedizin & Stoffwechseltests

Auch einige Blutwerte des Patienten, etwa hinsichtlich Leber und Nieren, ein Blutbild, Entzündungswerte und eventuell auch Urintests gehören bei Durchfallerkrankungen zum Diagnoseprogramm.

Den Verdacht einer Aufnahmestörung von Kohlenhydraten wie zum Beispiel Milch- und Fruchtzucker kann ein Stoffwechseltest wie der H2-Atemtest bestätigen. Dabei dient der mutmaßlich nicht vertragene Zucker als Testlösung, die der Patient auf nüchternen Magen zu sich nimmt. Wird die Testportion nicht richtig verstoffwechselt, vielmehr anstatt vom Darm selbst von Darmbakterien aufgenommen und vergoren, entsteht unter anderem Wasserstoff (H2). Dieser gelangt in die Lungen und von dort in die Atemluft, wo er gemessen werden kann. Der Patient pustet daher während der Untersuchung mehrmals in ein Messgerät.

Einblick in den Körper: Bildgebende Verfahren

Organe im Bild – das gehört heute fest zum Medizinalltag. Je nach vermuteter Diagnose kann das eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) der Bauchorgane (von außen), eine Spiegelung (Endoskopie) des Dünndarms oder Dickdarms (von innen) oder eine Darmuntersuchung mittels Computertomografie oder Magnetresonanztomografie bedeuten (virtuelle Kolonoskopie). Manchmal schickt der Arzt eine Videokapsel, eine spezielle Form der Endoskopie, auf die schmerzfreie Reise durch den Darm.

Worum geht es da jeweils?

Bei der Sonografie (von außen) kommen hochauflösende Techniken, manchmal zusätzlich mit einem Kontrastmittel, das der Patient schluckt, zum Einsatz. Gefäßdoppleruntersuchungen. Die Techniken helfen zu erkennen, ob die Darmwand entzündet oder ihre Durchblutung beeinträchtigt ist.

Die sogenannte virtuelle Kolonoskopie erfolgt

- mittels Computertomografie (CT-Kolonografie): Ein Kontrastmittel zum Trinken wird der letzten Portion der Darmspülung zugesetzt, außerdem wird kontinuierlich Luft über den Enddarm in den Darm eingebracht; mit Strahlenbelastung verbunden;

- oder anhand einer Magnetresonanztomografie (MRT-Kolonografie): Das Kontrastmittel wird über die Blutbahn gegeben und der Darm mit Wasser gefüllt, die Untersuchung kommt ohne Strahlenbelastung aus.

Außer bei Ultraschalluntersuchungen von außen ist eine sorgfältige Darmreinigung jeweils unabdingbare Voraussetzung bildgebender Untersuchungen des Dickdarms.

Das gilt auch für die endoskopischen Verfahren. Diese beziehen sich einmal auf den gesamten Dickdarm (Koloskopie) oder auf dessen untere Abschnitte (Prokto-Rekto-Sigmoideoskopie). Bei Bedarf nimmt der Arzt bei der Dickdarmspiegelung auch den Endabschnitt des Dünndarms (Ileokoloskopie) ins Visier, den er gerade noch via Koloskop erreicht.

Zum anderen sind manchmal auch der Magen und Zwölffingerdarm (Ösophago-Gastro-Duodenoskopie) oder der sich anschließende Dünndarm (Doppelballonendoskopie) von oben aus dran. Der Patient schluckt hier also das Endoskop, während es bei Untersuchungen des Dickdarms vom Darmausgang her eingeführt wird.

Bei der endoskopischen Untersuchung gewinnt der Arzt üblicherweise Gewebeproben zur mikroskopischen Untersuchung. Gegebenenfalls kann er bestimmte Gewebeneubildungen, etwa einen Polypen, abtragen, oder eine verengte Stelle aufdehnen. Damit wird die Endoskopie auch zur Therapie.

Mit der Videokapselendoskopie ist das nicht möglich. Dennoch kommt die neue Technik zunehmend zum Einsatz. Ein Schwerpunkt liegt bei Erkrankungen des Dünndarms, Verengungen ausgenommen.

Als "Dickdarmkapsel" eignet sich die Untersuchung zum Beispiel, wenn eine herkömmliche Dickdarmspiegelung ausscheidet: etwa bei erhöhtem Risiko für eine Blutung oder eine Darmverletzung. Tatsächlich kann das Verfahren hilfreich sein, um zum Beispiel eine Blutungsquelle im Darm zu finden. Nach ausreichender Vorbereitung zur Reinigung des Darmes wird die Kapsel geschluckt und nach der Darmpassage ausgewertet.

Die MRT dient übrigens auch zur Darstellung des Dünndarms (auch MR-Enterografie oder Hydro-MRT; dabei trinkt der Patient vor der Untersuchung das Kontrastmittel). Nebeneffekt der MRT- oder CT-Untersuchungen: Es stellen sich manchmal noch andere Zufallsbefunde im Bauchraum dar, die dann weiterer Abklärung bedürfen, aber nicht immer bedeutsam sind. Der Arzt wird dies mit den zuständigen Fachkollegen klären und mit dem Patienten besprechen.

Weitere Informationen zu Untersuchungsverfahren in den Kapiteln "Durchfall: Ursachen akut (1)", "Durchfall: Ursachen akut (2)", "Durchfall: Ursachen chronisch (1)" und "Durchfall: Ursachen chronisch (2)".


Basistherapie, Selbsthilfe oder wie man es nennen möchte: Auf baldigen Flüssigkeitsersatz, sprich Trinken von ausreichend und geeigneter Flüssigkeit, kommt es an. Dabei spielt es erst einmal keine Rolle, ob ein akuter oder chronischer Durchfall vorliegt. Im Weiteren richtet sich die Behandlung nach den Umständen und Auslösern, der Diagnose und dem Schweregrad der Durchfallerkrankung.

Therapie: Akuter Durchfall

Bei einer mäßig starken Diarrhö, die nur zwei, drei Tage dauert und normalerweise keinen Arztbesuch nötig macht, hilft man sich als sonst eigentlich gesunder Mensch selbst, indem man die Flüssigkeitsverluste durch eine hohe Trinkmenge ausgleicht. Die Flüssigkeitszufuhr ist das A und O, um eine Austrocknung zu verhindern. Hat jemand aber schon ein Gesundheitsproblem, etwa eine Herz- oder Nierenerkrankung, sollte er sich ärztlich beraten lassen, wie er am besten vorgeht.

Gefahr der Autrocknung besteht vor allem bei Säugligen unter sechs Monaten mit Durchfall oder bei Kindern, wenn sie mehr als acht wässrige Durchfälle in den letzten 24 Stunden produziert und / oder mehr als viermal in den letzten 24 Stunden erbrochen haben. Ältere Menschen sind unter diesen Bedingungen gleichermaßen gefährdet, da sie ohnehin zur Austrocknung neigen oder häufig Medikamente einnehmen, die den Flüssigkeitshaushalt beeinflussen, zum Beispiel entwässernde Mittel.

Nur: Wie macht sich eine beginnende Austrocknung bemerkbar? Die Betroffenen sind schlapp und teilnahmslos. Beim liegenden Säugling ist zum Beispiel die große Fontanelle oberhalb der Stirn (die Fontanellen sind als weiche, empfindliche Stellen am Kopf tastbare Lücken zwischen Schädelknochen des Babys, die sich im Laufe der ersten Lebensjahre schließen) eingesunken. Zwischen den Fingern gefaltete Haut (am Bauch) bleibt in Falten stehen (bei Älteren eventuell an der Stirn prüfen), die Mundschleimhaut ist trocken, die Windel auch.

Bei alten Menschen ist die Zunge sehr rissig und der gesamte Mundbereich ausgetrocknet. Trockene Mundschleimhaut erschwert zudem das Schlucken. Das sind natürlich nur Anhaltspunkte.

Ernährungstipps: Leichte Kost, Flüssigkeit

Je nach Befinden kann es sinnvoll sein, vorübergehend auf feste Nahrung zu verzichten oder Schonkost zu wählen. Auch wenn Durchfall und Erbrechen die Lust aufs Essen verderben: Gerade Kinder sollten nicht lange pausieren. Gut geeignet ist eine leichte, fettarme Kost: Zwieback, geriebener Apfel, pürierte Banane, Salzstangen, Reis. Zum Trinken bieten sich in leichten Fällen gesüßter Tee, Fleischbrühe oder stilles Mineralwasser an. Gestillte Säuglinge sollten möglichst oft angelegt werden.

Für im Prinzip gesunde Erwachsene gilt eine Flüssigkeitszufuhr von drei Litern pro Tag als Richtgröße. Kleine Kinder haben im Verhältnis zu größeren höhere Wasserluste. Für die Kleinen gelten folgende Trink-Empfehlungen für den normalen Trinkbedarf (4-2-1-Regel, kein Fieber!):

  • Neugeborene in den ersten Lebenstagen: 2 bis 3 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht pro Stunde
  • Säuglinge: 4 bis 6 Milliliter pro Kilogramm pro Stunde (Frühgeborene haben einen noch höheren Erhaltungsbedarf)
  • Vorschulkinder: 4 Milliliter pro Kilogramm pro Stunde, bezogen auf die ersten 10 Kilogramm Gewicht, dazu 2 Milliliter pro Kilogramm pro Stunde für die zweiten 10 Kilogramm Gewicht und zusätzlich 1 Milliliter pro Kilogramm pro Stunde für jedes weitere Kilogramm (also ab 20 Kilogramm Gewicht).
  • Achtung: Bei wässrigem Durchfall steigt der Flüssigkeitsbedarf zusätzlich um etwa 10 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht an.

Optimal sind spezielle Zucker-Elektrolytlösungen aus der Apotheke für Kinder und Erwachsene. Sie helfen, den Salz- und Flüssigkeitsmangel und auch einen leichten Gewichtsverlust auszugleichen, und sie wirken einer Austrocknung entgegen. Babys unter sechs Monaten, die bereits Säuglingsnahrung erhalten, bekommen diese 1:1 mit Glukose-Elektrolytlösungen verdünnt.

Bei starker Diarrhö ohne kurzfristige Anzeichen der Besserung sollte man immer den Arzt rufen, insbesondere wenn es um ein Baby, ein Kleinkind, einen älteren Menschen oder um einen Patienten mit Stoffwechselproblemen wie zum Beispiel Diabetes oder eingeschränkte Immunabwehr geht (mehr im Kapitel "Durchfall: Risikofaktoren, Vorbeugung"). Auch schwangere Frauen sollten sich rechtzeitig an ihren Arzt wenden. In all diesen Fällen oder wenn ausreichendes Trinken nicht gewährleistet ist, muss Flüssigkeit über die Blutbahn zugeführt werden. Das bedeutet: Im Zweifelsfall muss der Betroffene in einer Klinik behandelt werden.

Der Arzt entscheidet auch, ob beispielsweise Medikamente gegen den Durchfall und Begleitsymptome wie Übelkeit und Brechreiz oder Bauchschmerzen eingesetzt werden sollen. Bei ausgeprägten Bauchkrämpfen beispielsweise kommen krampflösende Mittel wie Butylscopolamin in Frage.

Mittel, die den Durchfall stoppen sollen, etwa Loperamid oder Racecadotril (derzeit zur Selbstbehandlung nur für Erwachsene über 18 Jahren zugelassen), verhindern auch die Ausscheidung von Erregern. Das ist aber eigentlich eine Art Selbstheilungsmechanismus des Körpers bei einer Infektion. Daher sind Medikamente gegen Durchfall allenfalls für 48 Stunden geeignet, zum Beispiel auf Flugreisen. Es dürfen aber weder Fieber noch blutige Stühle vorliegen.

Manchmal geht es auch nicht ohne ein Antibiotikum. Zur Selbstbehandlung der Diarrhö auf einer Fernreise ohne ausreichendes medizinisches Versorgungsangebot wird Erwachsenen empfohlen, ein Antibiotikum mit breitem Wirkspektrum einzunehmen, beispielsweise aus der Gruppe der Chinolone, oder der Arzneistoff Rifaximin. Ansonsten entscheidet der Arzt, ob ein Antibiotikum und wenn ja, welches, sinnvoll ist. Normalerweise also auf keinen Fall Antibiotika auf eigene Faust einnehmen. Bei vielen Darminfektionen bewirken sie nichts, verschlimmern höchstens den Verlauf.

Falls eine Medikamentenbehandlung selbst als Auslöser des Durchfalls infrage kommt, wird der Arzt prüfen, ob sie umgestellt werden muss. Ein "Antibiotika-Durchfall" kann noch bis zu acht Wochen nach Einnahme der Antibiotika auftreten, was manchmal den möglichen Zusammenhang vergessen lässt. Einen Tropenrückkehrer mit Durchfall und Fieber wird der Arzt auch auf Malaria hin untersuchen. Die Behandlung richtet sich nach dem individuellen Krankheitsverlauf, dem Erreger und seinem Resistenzverhalten sowie der Art der zuvor durchgeführten vorbeugenden Behandlung ab. Sie erfolgt am besten in einer mit Tropenkrankheiten erfahrenen Klinik.

Kinder sollten Medikamente immer nur nach Rücksprache mit dem Arzt erhalten, da die meisten Präparate für sie nicht geeignet sind. In der Schwangerschaft und Stillzeit gilt das allemal.

Für Präparate wie medizinische Kohle, Gerbstoffe und Probiotika ist die Wirksamkeit bei Durchfall nicht sicher belegt.

Was tun bei chronischem Durchfall?

Hier ist immer eine möglichst ursachenbezogene Therapie erforderlich. So kann eine Diät helfen, bei der Nahrungsmittel oder Nahrungsbestandteile, die ein Patient nicht verträgt oder gegen die er allergisch ist, weggelassen beziehungsweise durch bekömmliche Lebensmittel ersetzt werden. Paradebeispiel dafür ist die glutenfreie Ernährung bei Zöliakie.

Auch Umstellungen beim Gebrauch von Abführmitteln oder anderen Medikamenten in Absprache mit dem Arzt können der Schlüssel zum Erfolg sein.

Abhängig von der Diagnose gibt es viele weitere Therapieoptionen. Nur zwei Beispiele: Bei einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung wird eine Behandlung mit Entzündungshemmern oder speziellen Medikamenten durchgeführt, die das Immunsystem herunterfahren. Bei einer Krebserkrankung wird der Arzt je nach Stadium eine angepasste Therapie vorgeschlagen.

In den Kapiteln "Durchfall: Ursachen akut (1)", "Durchfall: Ursachen akut (2)" sowie "Durchfall: Ursachen chronisch (1)" und "Durchfall: Ursachen chronisch (2)" dieses Beitrags finden Sie weitere Informationen zur Therapie wichtiger Krankheitsbilder, die mit Durchfall einhergehen.

Globales Problem: Durchfallerreger lauern überall

In fernen Ländern, wo der Reiz des Exotischen oft noch nicht Schritt hält mit Hygiene, wie wir sie kennen, ist die Kombination "Krankheitserreger und Durchfall" so etwas wie eine feste Größe. Aber auch in unseren Breiten steckt hinter akuten Durchfallerkrankungen häufig ein Hygieneproblem. Zu den lebensmittelbedingten Erkrankungen im engeren Sinn gehören Lebensmittelmittelinfektionen und -vergiftungen. Letztere stehen im Allgemeinen für einen schwereren Krankheitsverlauf. Während einige Erreger ihre krankmachenden Gifte schon im Lebensmittel freisetzen und typische Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall meist kurze Zeit nach dem Verzehr auftreten, bilden andere Keime ihre schädlichen Stoffe erst nach Aufnahme der verunreinigten Speise im Körper.
Die in diesem Kapitel beschriebenen Ursachen auf einen Blick vorab:

  • Akute Magen-Darm-Infektionen (Gastroenteritis) einschließlich Reisedurchfall als klassische lebensmittelbedingte Erkrankung (Lebensmittelinfektion durch Viren und Bakterien, je nach Erreger spricht man auch von Lebensmittelvergiftung)
  • Seltenere Lebensmittelvergiftungen wie zum Beispiel Nahrungsmittel-Botulismus
  • Infektionen mit Parasiten
  • Pilzvergiftung
  • Vergiftung mit Chemikalien

Darminfektionen mit Viren

An Gelegenheiten, sich einen "Magen-Darminfekt" einzufangen, mangelt es nicht. Ob als Lebensmittelinfektion im Sommer oder ansteckender Infekt in der kühleren Jahreszeit – immer wieder mal kommt es bei uns zu Ausbrüchen von Durchfallerkrankungen. Der häufigste Grund dafür: Infektionen mit Viren. Bei Kindern stehen Rotaviren an erster Stelle. Neben diesen Viren, die auch Reisedurchfall auslösen, können noch weitere Virustypen Diarrhöen verursachen, darunter auf den Verdauungstrakt zielende (enteritische) Adenoviren sowie Noroviren. Letztere stehen bei Säuglingen und Kleinkindern ebenfalls ganz oben auf der Ursachenliste, sind aber auch für Erwachsene relevant.

  • Rotaviren: 90 Prozent der Kleinsten machen laut Robert Koch-Institut, Berlin, bis zum dritten Lebensjahr eine Infektion mit diesen Viren durch. Bei Erwachsenen treten Infekte mit Rotaviren häufiger als Reisedurchfall oder in Pflegeheimen auf. Auch Familien sind häufig betroffen, da die Viren äußerst ansteckend sind. Wenige davon genügen, und im Handumdrehen hat man sich infiziert: Die Erreger werden bei ungenügender Toiletten- und Handhygiene, durch verunreinigtes Wasser und Lebensmittel oder sogar infizierte Tröpfchen ("Aerosol") beim Erbrechen übertragen. Hauptsaison ist Februar bis April, mitunter auch bis in den Frühsommer hinein.

    Symptome:
    Die Bandbreite der Beschwerden reicht von unbemerkt über mild bis schwer. In ausgeprägten Fällen kommt es zu akuten, wässrigen Durchfällen, manchmal mit Schleimbeimengungen, eventuell auch Bauchschmerzen und Fieber. Atemwegsbeschwerden sind möglich. Der Infekt dauert meist nur wenige Tage.
  • Noroviren: Sie finden sich auf Handtüchern, Türklinken oder Toiletten, aber auch in Lebensmitteln und Trinkwasser. Wie Rotaviren überleben sie in der Umwelt bestens, sind ausgesprochen ansteckend und werden in derselben Weise übertragen. Noroviren haben vorzugsweise im Herbst bis Frühjahr Saison.
    Symptome:
    Die Keime führen rasch zu Durchfall, Übelkeit, schwallartigem Erbrechen und Bauchkrämpfen. Es kann aber auch "nur" bei Erbrechen oder Durchfall bleiben. Die Erkrankten fühlen sich schnell schlapp, klagen bisweilen auch über Kopf- und Gliederschmerzen. Fieber ist möglich. Die Episode klingt meistens nach ein bis zwei Tagen ab.

    Diagnose
    (Noro-, Rotaviren): Nachweis bestimmter Erregerbestandteile im Stuhl nur in besonderen Fällen, zum Beispiel bei Ausbrüchen in Gemeinschaftseinrichtungen.

    Therapie (Rotaviren, Noroviren):
    A und O ist Flüssigkeitszufuhr, damit es nicht zur Austrocknung kommt (mehr im Kapitel "Durchfall: Therapie"). Bei einer heftigen Infektion ist eine Klinikbehandlung meist unumgänglich.

    Vorbeugung: Effektive Vorbeugungsmaßnahmen sind eine gute Toiletten-, Hände-, Wäsche- und Küchenhygiene. Waschen Sie sich nach jedem Toilettengang und vor dem Essen die Hände. Spülen Sie Lebensmittel gründlich mit Wasser ab und schälen oder kochen diese. Bei Kontakt mit einem Infizierten heißt es regelmäßig die Hände mit Wasser und Seife waschen und keine Handtücher oder anderen Gegenstände gemeinsam benutzen. Auch nach dem Abklingen der akuten Infektion ist konsequente Hygiene nötig, da die Viren noch eine Zeit lang ausgeschieden werden können.

    Desinfizierende Lösungen oder Einwegtücher helfen, die Viren von Oberflächen zu entfernen. Für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen gelten besondere Hygieneregeln. Gegen Rotaviren gibt es einen Impfschutz. Die Schluckimpfung wird in zwei bis drei Schritten durchgeführt und kann zusammen mit anderen im Säuglingsalter vorgesehenen Impfungen erfolgen.

Für Durchfallerkrankungen können neben Viren auch Bakterien verantwortlich sein. Nachfolgend mehr dazu.

Darminfektionen mit Bakterien

Unseren Darm bewohnen natürlicherweise Tausende Keimarten in millionenfacher Zahl. Sie bilden ein ausgeglichenes, aber doch störanfälliges Ökosystem: Gut und Böse liegen auch hier eng beieinander. Wird die Balance der Bakterien verändert, zum Beispiel bei einer Therapie mit Antibiotika, können bestimmte Keime, die normalerweise völlig harmlos sind, überhand nehmen und eine Darmerkrankung mit Durchfall und Folgeerscheinungen auslösen. Andere Darmkeime sind bedingt für den Menschen problematisch, wobei auch die Immunlage eine Rolle spielt. Wieder andere, fremde Keime, die nicht im menschlichen Darm leben, bedeuten praktisch immer Ungemach, wenn wir sie aufnehmen.

Bedeutsame Vehikel sind zum Beispiel infizierte Lebensmittel aus der Tierhaltung wie rohes Fleisch oder Rohmilch, die unzureichend erhitzt genossen werden. Erreger können sich in den Tieren etablieren (Selektion, nicht zuletzt unter dem Einfluss von Tierarznei- und Futtermitteln), von diesen ausgeschieden und durch mangelhafte Hygiene weiter verbreitet werden. Kaum zu glauben, aber wahr: Selbst im Kühlschrank bringen einige Erreger es fertig, sich zu vermehren – etwa Listerien oder Yersinien, die niedrige Temperaturen mögen.

Einige Bakterien sind zudem so etwas wie Mini-Bioreaktoren. Mit speziellen Giften (Toxinen) aus eigener Herstellung können sie aggressiv und gefährlich sein. Oder sie verfügen über andere raffinierte Mittel, um in die Darmzellen zu gelangen, sich dort zu vermehren und Schaden anzurichten.

  • Salmonellen: Weltweit verbreitet, überall bekannt: Das können Keime wie Salmonellen sich wahrlich zugute halten. So gibt es einmal die auch bei uns immer wieder mal auftauchende Salmonellenenteritis. Das ist derzeit nach Infektionen mit Campylobacer (siehe unten) die zweithäufigste bakterielle Krankheit. Das Robert-Koch-Institut teilte für 2014 in Deutschland 16.222 Krankheitsfälle mit. Meist erkranken Kinder unter zehn Jahren. Prinzipiell können aber alle Altersgruppen betroffen sein. Bei der klassischen, in der Regel von selbst wieder abklingenden Lebensmittelinfektion entzündet sich der Dünndarm. Die Folge sind wässrige Durchfälle und weitere Beschwerden (siehe nachfolgend, "Symptome").

    Quellen sind vor allem infizierte rohe oder nicht durchgegarte Fleisch- und Geflügelprodukte, Fleischsalate, rohe Eier, Rohmilch, Mayonnaise, Speiseeis oder auch Tiefkühlware. Einwandfreie Lebensmittel können auch durch unhygienisches Verhalten in der Küche, zum Beispiel bei Kontakt mit infizierten Oberflächen oder Gegenständen, nachträglich noch verunreinigt werden. Der Erkrankungsgipfel fällt in die Sommerzeit.

    Symptome:
    Das Krankheitsbild beginnt wenige Stunden bis zwei Tage nach Verzehr der kontaminierten Speise schlagartig mit Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und wässrigen Durchfällen, häufig begleitet von Fieber und Kopfschmerzen.

    Selten
    kommt es zu einem septischen Krankheitsbild. Dabei verteilen sich die Keime im Blut. Der Körper reagiert mit hohem Fieber und starken Immunreaktionen. Sie können zu einem lebensbedrohlichen Schock führen. Die Keime können sich auch in einzelnen Organen absiedeln, was weitere Komplikationen nach sich zieht. Bei älteren und abwehrgeschwächten Menschen oder unter besonderen Umständen kann die Infektion aufgrund der genannten Komplikationen mitunter auch tödlich verlaufen.


    Diagnose:
    Wenn der Arzt einen Erregernachweis für nötig hält, erfolgt dieser zunächst aus dem Stuhl, aus einem Abstrich vom Enddarm, in Erbrochenem sowie in den als Infektionsquelle verdächtigten Lebensmitteln.

    Therapie:
    Bei normalem Krankheitsverlauf und Ausgleich des Flüssigkeitsverlusts verschwinden die Symptome schon nach mehreren Tagen. Antibiotika sind nur bei schweren Verläufen oder bei immungeschwächten Patienten nötig. Die Ausscheidung der Salmonellen dauert normalerweise mindestens drei bis sechs Wochen, sodass sehr umsichtiges hygienisches Verhalten angesagt ist. Außerdem wird der Stuhl mehrfach kontrolliert. Für Beschäftigte in Pflegeeinrichtungen, Küchen und Lebensmittelbetrieben gelten besondere Regeln.

    Bestimmte Salmonellenarten sind zudem für den eher "exotischen" Typhus (Bauchtyphus) und den typhusähnlichen Paratyphus verantwortlich. Besonders der Typhus ist eine tendenziell schwere Allgemeininfektion mit Fieber. Die Keime streuen nach Eindringen in die Darmschleimhaut und Darmlymphknoten über das Blut und können in einzelne Organe gelangen. Typisch ist das schrittweise ansteigende und dann hoch bleibende Fieber. Während anfangs entweder Verstopfung oder gewöhnlicher Durchfall besteht, können nach etwa zwei Wochen die ebenfalls typischen "erbsbreiartigen" Durchfälle auftreten. Der Erkrankungsverlauf hängt von vielen Faktoren ab, nicht zuletzt vom Impfstatus des Betroffenen und vom Zeitpunkt der Therapie. Reisenden, die ein Typhus-Hochrisikogebiet anpeilen, etwa Indien, die Philippinen, Nepal oder Gegenden in Lateinamerika, wird auf jeden Fall die Impfung empfohlen.
  • E. Coli, Campylobacter, der Erreger der Cholera und Shigellen sind ebenfalls wichtige Durchfallerreger.

    • Einige Koli-Bakterienstämme, genauer: Escherichia (E.) coli, gehören der natürlichen menschlichen Darmflora an. Andere Arten von Kolibakterien sind dort fremd, finden sich vielmehr in Fäkalien von Tieren und machen den Menschen, der sie aufnimmt, krank. Bestimmte Koli-Bakterien gehören inzwischen sogar zu den führenden Erregern der Reisediarrhö. Ihre Gifte sind die eigentlichen Verursacher der beim Reisedurchfall auftretenden akuten Darmentzündung.

      Weitere Koli-Bakterienarten – sogenannte EHEC (alias STEC, die Abkürzung steht für "Shiga-Toxin produzierende E. coli") und andere – die Liste wird immer länger – verursachen mittels ihrer Gifte unterschiedlich ausgeprägte, teilweise blutige Durchfallerkrankungen mit Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Auch Säuglinge können betroffen sein. EHEC sind sehr robuste Keime, die im Freien, in der Kälte und sogar im sauren Milieu des Magens überleben. Sie können beispielsweise über infizierte Rohmilch, rohes Fleisch, Wurst, verunreinigtes Obst, rohes Gemüse, Salat, vermutlich auch rohe Sprossen, oder als Schmierinfektion von Tieren auf Menschen übergehen. Auch zwischen Menschen können sie als Schmierinfektion übertragen werden. Verkeimte Badegewässer spielen ebenfalls eine Rolle. Krankmachende Koli-Bakterien kommen weltweit vor, so auch bei uns, wie die EHEC-Epidemie 2011 auf erschreckende Weise zeigte.

    • Mit am häufigsten stecken Erreger namens Campylobacter jejuni hinter (Reise-)Durchfall. Entsprechende Infektionen treten vor allem im Sommer und Herbst auf. Zu den Quellen gehören vor allem verkeimtes Trinkwasser, Lebensmittel wie rohe Kuhmilch, unzureichend gegartes Fleisch und Muscheln. Die Bakterien produzieren einen bestimmten Giftstoff, der genau zum Darm passt.In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Infektion meldepflichtig. 2014 waren Infektionen mit Campylobacter jejuni nach Norovirusinfekten die am zweithäufigsten gemeldeten Durchfallerkrankungen.

      Symptome
      wie heftige, wässrige Durchfälle, die mit Blut und Schleim versetzt sein können, manchmal auch Fieber und Erbrechen, treten zwei bis fünf Tage nach Aufnahme des Erregers auf. Im weiteren Verlauf kann es zu Entzündungen von Gelenken, der Gallenblase, innerer Geschlechtsorgane wie Eileiter und Eierstock, mitunter auch zu neurologischen Komplikationen wie dem Guillain-Barré-Syndrom kommen.

    • Die Cholera, anders, aber nicht minder gefährlich als etwa Bauchtyphus, ist vor allem in Entwicklungsländern verbreitet. Erreger sind Giftbildner namens Vibrio cholerae, gegen die es eine Schutzimpfung gibt.

    • Shigellen sind mit ihrem Toxin für die Bakterienruhr verantwortlich.

Mehr Informationen zu infektiösen Darmerkrankungen durch E. Coli (Typ EHEC), Campylobacter jejuni und Shigellen unter: "Blut am After / aus dem Darm", Kapitel "Ursachen im Enddarm, Dickdarm, Dünndarm", Abschnitt "Darmentzündungen".

  • Listerien: Leider werden immer wieder Lebensmittelinfektionen durch Listerien (Listeria monocytogenes) bekannt. Listerien bilden zwar keine Zellgifte, verfügen aber über andere Waffen, um den Körper anzugreifen. Gesunde erkranken seltener. Bei Menschen mit geschwächter Immunabwehr (siehe Risikogruppen, Kapitel "Durchfall: Risikofaktoren, Vorbeugung"), zu denen auch Schwangere gehören, kann eine Infektion mit Listerien (Listeriose) jedoch ausgeprägtere, mitunter auch lebensbedrohlich oder tödlich verlaufende Krankheitsbilder verursachen. Das Ungeborene trägt je nach Zeitpunkt der Infektion möglicherweise erhebliche Schäden davon. Das Risiko für eine Früh- oder Totgeburt kann erhöht sein.

    Listerien finden sich bevorzugt in Rohmilchprodukten, zum Beispiel Rohmilchkäse, außerdem zum Beispiel in Rohkostsalat mit Sprossen(mix) oder Keimlingen, in geräuchertem Fisch oder Hackfleisch, auch in vakuumverpackten Zubereitungen. Ob es zur Infektion kommt, hängt unter anderem von der Zahl der aufgenommenen Erreger ab. Schwangere sollten aber keinesfalls in Angst und Panik verfallen, denn bei richtiger Lebensmittelwahl ist das Erkrankungsrisiko minimal. Der Frauenarzt wird die Betroffenen frühzeitig beraten, wie sie vorbeugen können.

    Symptome:
    Listeriose führt zu grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Abgeschlagenheit, Gelenkschmerzen, eventuell auch Magen-Darm-Beschwerden mit Erbrechen und Durchfall. Mögliche, gefährliche Komplikationen sind eine Blutvergiftung, eine Hirnhaut- oder Gehirnentzündung.

    Diagnose:
    Der Erreger ist im Stuhl, bei Verbreitung im Köper auch in Körperflüssigkeiten wie Blut oder Hirnwasser nachweisbar und kann im Labor angezüchtet werden.

    Therapie und Vorbeugung:
    Die Infektion ist mit Antibiotika behandelbar – auch in der Schwangerschaft. Schwangere sollten sich eine Streichliste zurecht legen: Rohmilchprodukte, auch ungereifter Rohmilch-Hartkäse, Rohmilch-Weich- und Schimmelkäsesorten, rohes Fleisch, roher Fisch, rohe Meeresfrüchte, Geräuchertes, Schinken, fertige Rohkost- und Kartoffelsalate sind nur einige der Beispiele für Lebensmittel, auf die in der Schwangerschaft verzichtet werden muss. Allzu schwer sollte es nicht fallen. Bei abgepackten Lebensmitteln immer auf lange Haltbarkeit achten, das Produkt gleichwohl frühzeitig verzehren und angebrochene Zubereitungen optimal gekühlt und längstens ein bis zwei Tage aufbewahren.
  • Yersinien (Yersinia enterocolitica): Auch Yersinien werden über Lebensmittel übertragen. Die Krankheitserreger gedeihen auf rohem und überleben auf zu kurz gegartem Fleisch oder unzureichend erhitzter Frischmilch. Die damit verbundene Magen-Darm-Entzündung betrifft häufig, aber nicht nur, Kleinkinder und Säuglinge.

    Symptome:
    Die Patienten bekommen Fieber, das sehr hoch sein kann, krampfartige Bauchschmerzen, die sich häufig – wie bei einer Blinddarmentzündung – auf den rechten Unterbauch konzentrieren, und (eventuell blutigen) Durchfall. Komplizierte Verlaufsformen kommen eher bei Erwachsenen und bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem vor.

    Therapie:
    Die Erkrankung klingt meistens von selbst ab, ist also selbstlimitierend. Nur bei sehr schweren Verläufen oder wenn die Betroffenen ein geschwächtes Immunsystem haben, wird der Arzt Antibiotika einsetzen.
  • Vergiftungen durch verkeimte Lebensmittel:

    • Setzen Symptome wie Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall bereits kurz oder wenige Stunden nach Verzehr einer verdorbenen Speise ein, sind oft die Giftstoffe des Bakteriums Staphylococcus aureus (Staphylokokken) auslösend.

    • Seltener kommt Bacillus cereus infrage. Dieser Keim vermehrt sich gerne in aufgewärmten Nahrungsmitteln wie zum Beispiel Reis und Milchspeisen. Bei hohen Keimzahlen können seine Toxine Beschwerden wie Durchfall und / oder Erbrechen verursachen.

    • Bei Clostridien vom Typ perfringens dauert es meist acht bis 16 Stunden, bis die ersten Durchfallsymptome auftreten. Dasselbe gilt aber auch für eines der Gifte (Toxine) des zuvor erwähnten Bacillus cereus. Man kann also anhand des zeitlichen Verlaufes nur mutmaßen, welcher Erreger bei einer Lebensmittelvergiftung im Spiel ist.

    • Nahrungsmittel-Botulismus: Verursacher des berühmt-berüchtigten, zum Glück inzwischen äußerst seltenen, aber potenziell lebensgefährlichen Nahrungsmittel-Botulismus ist das Bakterium Clostridium botulinum beziehungsweise sein Gift Botulinumtoxin (BTX). BTX ist eines der stärksten bekannten Gifte überhaupt und kommt in verschiedenen Varianten vor. Als Nervengift setzt es die Impulse von Nervenzellen außer Kraft, die betroffenen Muskeln werden gelähmt.

      Clostridien bilden auch Sporen, eine Art umweltstabiles Haltbarkeitsstadium. Im Unterschied zu den Bakterien selbst werden die Sporen durch Abkochen nicht getötet und keimen unter günstigen Bedingungen wieder aus. Bei Säuglingen unter einem Jahr wurden Vergiftungen durch Clostridien-Sporen in Honig beobachtet. Ältere Kinder und Erwachsene sind durch die körpereigene Darmflora gegen die fremden Keime geschützt. Bei Neugeborenen und Babys unter einem Jahr funktioniert diese natürliche Barriere noch nicht. Daher sollten sie auch keinen Honig bekommen.

      Mögliche Botulismus-Quellen sind unzureichend konservierte Lebensmittel, heute fast nur noch hausgemachtes Geräuchertes aus Fleisch und Fisch.

      Symptome:
      Wie schwer der Nahrungsmittel-Botulismus im Einzelfall verläuft, hängt von der Art des Toxins ab und davon, wie schnell es aufgenommen wird. Bis erste Symptome auftreten, kann es minimal acht Stunden, im Mittel 18 bis 36 Stunden, maximal aber auch bis zu acht Tage dauern. Die Beschwerden können so leicht sein, dass der Betroffene nicht einmal zum Arzt geht. Beginnen kann die Vergiftung mit Übelkeit, Schwindel, Erbrechen, Bauchkrämpfen und Durchfall. Zeitgleich, kurz danach oder aber in umgekehrter Folge – dann also zuerst – können die Hauptsymptome einsetzen, nämlich Muskellähmungen im Kopf- und Halsbereich. Sie machen sich mit einem Schweregefühl der Augenlider, schwerer Zunge, Doppelbildern und Verschwommensehen, Schluckstörungen und Mundtrockenheit bemerkbar. Im weiteren Verlauf greifen die Lähmungen bei Vergiftungen mit einem bestimmten Toxintyp (A) auf innere Organe über. Dann kommt es im Zuge einer Darmlähmung zu Verstopfung, gefolgt von Lähmungen der Arme und Beine. Es drohen Herzstillstand, Atemlähmung und Erstickungstod.


      Diagnose:
      Beim geringsten Verdacht auf eine Nahrungsmittelvergiftung den Arzt einschalten, bei beginnenden Lähmungszeichen unverzüglich den Notarzt (Notruf 112) rufen. Die Verdachtsdiagnose Botulismus ergibt sich aus dem Hergang und dem neurologischen Befund. Die weitere Diagnostik umfasst den Toxinnachweis im Blut, in verdächtigen Lebensmittelproben und im Stuhl sowie zusätzliche Tests.

      Therapie:
      Da das verfügbare Gegengift (Antitoxin) eingesetzt werden muss, solange BTX sich noch nicht an die Nervenzellen geheftet hat, wird der Giftnachweis nicht abgewartet. Das Gegengift wird sofort bei klinisch begründetem Verdacht auf Botulismus (und nach Prüfung der Verträglichkeit) eingesetzt. Außerdem wird je nach Zeitablauf versucht, die weitere Aufnahme des Toxins im Körper zu verhindern. Darüber hinaus richtet sich Behandlung nach den Symptomen – falls notwendig, auf der Intensivstation. Lähmungserscheinungen an den Augen, zum Beispiel eine gestörte Akkomodation (siehe unter Sehstörungen), können noch längere Zeit bestehen bleiben.

      Vorbeugung: Konserven mit vorgewölbtem Deckel sind höchst verdächtig! Diese wie generell alle Lebensmittel, die einen verdorbenen Eindruck machen, kompromisslos wegwerfen. Geräuchertes aus nicht kommerzieller Produktion ist nie ohne Risiko.

Diagnose bei akuten lebensmittelbedingten Darmerkrankungen

Falls nötig, wird versucht, den Erreger in Stuhlproben nachzuweisen oder anzuzüchten. Bei etwa einem Drittel der an Reisediarrhö Erkrankten klappt das allerdings nicht. Im Hinblick auf Salmonellen, Shigellen und Vibrionen werden auch speziell aufbereitete Abstriche aus dem Enddarm herangezogen. Genetische Nachweismethoden spielen eine wichtige Rolle.

Außerdem untersucht das Labor die verdächtigten Speisen oder Lebensmittel, Nahrungsreste, Erbrochenes und Stuhl nach den infrage kommenden Erregern, gegebenenfalls auch Erregergiften.

Im Einzelfall können Blutuntersuchungen, etwa auf Antikörper, weiterführen. Dies gilt zum Beispiel bei einer mutmaßlichen Infektion mit Yersinia enterocolitica (siehe weiter oben: Yersinien), wenn über den Darm hinaus andere Organe erkranken. Bei Anzeichen für eine Blutvergiftung wird der Arzt sogenannte Blutkulturen anlegen.

Vermutet der Arzt, dass bei einem Patienten die Behandlung mit Antibiotika eine Diarrhö durch einen Erreger namens Clostridium difficile (Antibiotika-Kolitis, siehe nachfolgend) ausgelöst hat, kann der Keim eventuell mittels Enddarmspiegelung und durch Nachweis seiner Gifte im Stuhl aufgespürt werden.

Therapie bei akuten, lebensmittelbedingten Darmerkrankungen

Das Wichtigste bei akutem Durchfall ist und bleibt eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Um einen bakteriell verursachten Durchfall zu durchbrechen, sind nur in wenigen Fällen sind Antibiotika nötig. Der Arzt entscheidet das individuell und passt das Antibiotikum dem nachgewiesenen Erreger an. Ist die Erkrankung hochakut, wird in der Klinik manchmal schon eine Antibiotikabehandlung eingeleitet, ohne den Erreger zu kennen, und diese gegebenenfalls umgestellt, nachdem der Erreger identifiziert ist.

Bei der Antibiotika-Kolitis durch den Keim Clostridium difficile (mehr im Kapitel "Durchfall: Ursachen akut (2), Abschnitt: Medikamente") wird das auslösende Antibiotikum abgesetzt, falls die entsprechende Therapie noch läuft. Der Betroffene erhält ein spezielles Antibiotikum.

Bakterielle Darminfektionen: Folgekrankheiten möglich

Nach einer Darminfektion mit Samonellen, Shigellen, Yersinien, Campylobacter jejuni und Clostridium difficile kann sich bei genetisch dafür anfälligen Menschen eine rheumaähnliche Gelenkentzündung (Gelenkentzündung durch Bakterien, postinfektiöse Arthritis) ausbilden. Auch die Entwicklung eines Reizdarms (siehe Kapitel "Durchfall: Ursachen chronisch (2)") wird gelegentlich mit einer zurückliegenden Darminfektion in Verbindung gebracht. 

Infektionen mit Parasiten (Parasitenerkrankungen, Parasitosen)

Sie sind als Ursache von Durchfall in Deutschland zwar vergleichsweise selten, aber es gibt doch mehrere tausend Fälle pro Jahr.

  • Giardia lamblia: Ob in Entwicklungsländern oder Industrienationen – die Parasitose ist eine der verbreitetsten Parasitenerkrankungen überhaupt. Quellen sind infizierte Lebensmittel und Trinkwasser. Der Dünndarmparasit kann als Schmierinfektion und bei engem körperlichem Kontakt in Gemeinschaften, zum Beispiel in Kinderkrippen, und in Lebensgemeinschaften übertragen werden. Giardia wird in Form der umweltstabilen Zysten (Dauerform) aufgenommen, aus denen im Dünndarm die eigentlichen "belebten" Parasiten, sogenannte Trophozoiten, hervorgehen. Die Zysten werden wieder ausgeschieden.

    Symptome:
    Eine Giardia-lamblia-Infektion kann relativ unbemerkt verlaufen, aber auch – ein bis drei Wochen nach Aufnahme – massive, fettige, voluminöse, eventuell "schaumige" Durchfälle mit säuerlichem Geruch auslösen. Unverdaute Nahrung kann mit abgehen. Manchmal stehen Übelkeit, Bauchkrämpfe und Appetitlosigkeit im Vordergrund, während der Durchfall nur leicht ist. Die Infektion kann in milderer Ausprägung chronisch verlaufen, manchmal nur mit weichen Stühlen, auffälligem Aufstoßen, eventuell Gewichtsverlust.
  • Amöben: Darminfektionen mit Amöben werden oft Amöbenruhr genannt. Auch wenn die Krankheit in tropischen und subtropischen Regionen eindeutig vorne liegt, so tritt sie mitunter auch in gemäßigten Klimazonen Europas auf. Infektionsquellen sind üblicherweise verunreinigtes Trinkwasser und verkeimte Lebensmittel. Für die aggressive Erscheinungsform mit geschwüriger Dickdarmentzündung ist der Erregertyp Entamoeba histolytica verantwortlich. Die Amöben werden über den Stuhl als Dauerstadium, sogenannte Zysten, ausgeschieden, seltener als Trophozoiten. Dies ist sowohl für die Verbreitung der Infektion als auch ihre Feststellung von Bedeutung. Denn die Zysten können in der Außenwelt überdauern und sind eine Infektionsquelle, die Trophozoiten hingegen überleben nicht.

    Beide Formen können aber bei der mikroskopischen Untersuchung des Stuhls gefunden werden, was neben anderen Nachweismethoden zur Diagnose beiträgt. Die Trophozoiten, die sich aus den Zysten im Darm entwickeln, ergeben Formen, die in die Darmwand eindringen und dann weitere Probleme verursachen können.

    Symptome:
    Nur ein Fünftel der Betroffenen entwickelt Symptome. Zwischen Infektion und Symptomen liegen eine bis vier Wochen. Es treten dann Bauchschmerzen und mit Schleim und Blut versetzte Durchfälle auf, die mitunter als "himbeergeleeartig" beschrieben werden. Wenn die Infektion chronisch wird, flammt die fortbestehende Darmentzündung immer wieder auf und kann daher mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung oder auch Blinddarmentzündung verwechselt werden. Als Komplikation kann sich bei der Amöbenruhr ein schweres Krankheitsbild mit massiver Aufblähung ("toxisches Megacolon", siehe auch "Colitis ulcerosa" im Kapitel "Durchfall: Ursachen chronisch (1)") bis hin zum Durchbruch des Darms entwickeln. Als weitere Komplikation kann Jahre später ein Amöbenabszess in der Leber auftreten. Er führt zu Druckgefühl und Schmerzen im rechten Oberbauch und leichtem Fieber.

Im Ratgeber "Amöbenruhr" lesen Sie mehr zu dieser Infektion.

Pilzvergiftung

"Vergiftungen" mit Speisepilzen werden teilweise den Lebensmittelvergiftungen (siehe oben) zugerechnet. Dies betrifft in erster Linie aber Krankheitserscheinungen durch verdorbene Pilze. Echte Pilzvergiftungen treten nach Verzehr von Giftpilzen auf. Je nach Stärke und Menge des Pilzgiftes kann die Vergiftung lebensgefährlich oder tödlich sein.

Pilzvergiftungen lösen eine Reihe körperlicher und psychischer Beschwerden aus – von Übelkeit, Erbrechen und Durchfall über Kopfschmerzen und Krämpfe bis zu Halluzinationen und rauschartigen Zuständen. Manche Vergiftungen betreffen auch den Verdauungstrakt.

  • Durchfallträchtig: Pilzarten wie zum Beispiel Täublinge, Tigerrittling, Riesenrötling und der gefürchtete Knollenblätterpilz.

    Symptome: Es kommt entweder frühzeitig, oft schon während des Verzehrs der Pilzmahlzeit, oder aber in den ersten Stunden danach zu heftiger Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall. Bei leichteren Vergiftungen klingen die Beschwerden nach ein bis zwei Tagen wieder ab. Manchmal kann der Magen noch ein paar Tage Probleme bereiten. Faustregel: Je später der Symptombeginn (je länger die Latenzzeit), desto gefährlicher kann der Verlauf sein. Abweichungen von der Regel erklären sich dadurch, dass im Zuge einer Mischmahlzeit auch größere Mengen eines stärkeren Pilzgiftes aufgenommen werden können, sodass es nicht bei kurzen Latenzzeiten bleibt. Amanitin (Amatoxin), das Gift des Knollenblätterpilzes, verursacht meist erst sechs bis 48, im Durchschnitt zwölf Stunden nach der Aufnahme heftige, wässrige Durchfälle, Übelkeit und starkes Erbrechen. In der Folge kann es zu schweren Nieren- und Leberschädigungen, eventuell mit Leberzerfall, Gelbsucht und Gerinnungsstörungen kommen. Trügerisch ist hier die vorübergehende Besserung am zweiten und dritten Tag, während die Leber- und Nierenschädigung womöglich schon in Gang gekommen ist.

    Diagnose:
    Der Hergang, falls möglich die Pilzbestimmung an Pilz- oder Speiseresten durch einen Sachverständigen und die Symptome lassen meistens schon die Verdachtsdiagnose Pilzvergiftung zu. Erbrochenes für Untersuchungen aufbewahren! Im Urin / Blut kann ein Pilzgift wie zum Beispiel Amatoxin nachgewiesen werden. Unabhängig davon wird umgehend mit der Behandlung begonnen.

    Therapie:
    Beim ersten Verdacht auf eine Pilzvergiftung Informationen bei einem der Giftnotrufe einholen. Je nach Zustand des Betroffenen sofort einen Arzt, außerhalb der Sprechzeiten den ärztlichen Notdienst hinzuziehen, bei Verdacht auf Knollenblätterpilzvergiftung oder bei alarmierenden Symptomen sofort den Notarzt (Notruf 112) rufen. Gegebenenfalls sind Erste-Hilfe-Maßnahmen nötig, bis der Rettungsdienst eintrifft. In der Klinik wird versucht, zu verhindern, dass (noch mehr) Gift in den Kreislauf beziehungsweise in die Leber gelangt. Gegen Giftstoffe des Knollenblätterpilzes können je nach Zeitablauf der Arzneistoff Silibinin und die Gabe von Penicillin G helfen. Die Behandlungsmaßnahmen richten sich ansonsten nach den Umständen und dem Befinden des Patienten. Wasser- und Salzverluste werden durch eine Infusionstherapie ausgeglichen.

    Bei schweren Knollenblätterpilzvergiftungen kann eine Leberverpflanzung nötig werden. Auch wenn theoretisch der Verzehr eines einzigen Knollenblätterpilzes tödlich sein kann, sind diese Vergiftungen heute oft beherrschbar. Die Überlebenden können jedoch einen chronischen Leber- oder Nierenschaden davontragen.

Vergiftung mit Chemikalien

Angesichts der Vielfalt von Chemikalien sind die Möglichkeiten für Vergiftungen (Intoxikationen) schier unbegrenzt  – akut wie chronisch. Die Symptome hängen nicht zuletzt von der Art der Aufnahme ab. Durchfall ist manchmal eines der Leitsymptome.

Die wichtigsten Beispiele für Vergiftungen mit Chemikalien betreffen einige Insektizide (Schädlingsvernichtungsmittel) und Metallverbindungen. Am Arbeitsplatz, in der Lebensmittelherstellung, beim Grundwasserschutz und bei Emissionen in die Luft und den Boden durch Produktion und Entsorgung gibt es Verordnungen für Belastungsgrenzen. Außerdem sind regelmäßige arbeitsmedizinische Kontrollen vorgeschrieben. Besondere Gefahren können von Altlasten ausgehen, natürlich auch von Arbeits- und Chemieunfällen. Abgesehen davon kommt es zu chemischen Vergiftungen eher selten, am ehesten (akut) in Selbstmordabsicht.

  • Insektizide wie Organo- oder Alkylphosphate: Insektizide sind Substanzen, die gegen Hygiene-, Pflanzen-, Forst- und Vorratsschädlinge eingesetzt werden, von der Blattlaus bis zum Kartoffelkäfer.

    Symptome:
    Vergiftungen bei Aufnahme dieser Substanzen über den Magen-Darm-Trakt verlaufen über kürzeste Zeit unbehandelt tödlich und sind daher dramatische Notfälle. Es kommt zu Angstzuständen, Pulsbeschleunigung, Blutdrucksteigerung, sodann Erbrechen, Durchfall, Darmkoliken.

    Therapie: Notarzt (Notruf 112) alarmieren, der den Betroffenen erstversorgt und sofort in eine geeignete Klinik einweist.
  • Metallverbindungen: Bei den Metallsalzen, die im Vergiftungsfall via Verdauungstrakt als eines der Leitsymptome zu Durchfällen führen, kommen beispielsweise (Industrie-)Metalle wie Arsen, Chrom, Cadmium, außerdem Lithium, das auch in der Medizin Verwendung findet, infrage.

    Symptome:
    Nach Aufnahme überschwelliger oder toxischer Dosen eines der genannten Metalle über den Magen-Darm-Trakt kommt es zu Durchfällen, Erbrechen, Übelkeit, eventuell kolikartigen Schmerzen. Bei der weiteren Verteilung im Körper können auch Nieren und die Leber, das Blut, Nervensystem und Gehirn geschädigt werden. Damit einher gehen jeweils typische Symptome. Wenn die Herz-Kreislauftätigkeit blockiert wird, ist ein lebensbedrohlicher Schock die Folge. Im Verdauungstrakt können bei chronischer Chrom-Vergiftung zudem geschwürige Magen-Darmentzündungen entstehen. Arsen und Chrom sind krebsfördernd.

    Bereits bei Überdosierung, erst Recht aber bei Vergiftung mit Lithium, das zum Beispiel in der Medizin zur vorbeugenden oder ergänzenden Behandlung bestimmter Formen psychischer Erkrankungen eingesetzt wird, treten unter anderem Durchfälle auf. Ärzte kontrollieren aber normalerweise die Therapie sehr genau mit Messungen des Lithiumspiegels im Blut und Vermerk der Ergebnisse in einem Behandlungspass.


    Diagnose, Therapie:
    Gezielte medizinische Notfallversorgung und Behandlung in einer geeigneten Klinik mit toxikologischer und intensivmedizinischer Fachabteilung.

Wer kennt das nicht: Man hat gerade eine Stressphase und langt beim Kaffee kräftiger als sonst zu. Die Quittung folgt mitunter auf dem Fuße. Koffein kann bei überhöhter Zufuhr nämlich nicht nur Herzklopfen, Nervosität und schlechten Schlaf verursachen, sondern auch Durchfall. Stress schlägt in dieselbe Kerbe. Als Erstes empfiehlt es sich, die Dosis beim Kaffee herunterzufahren, um festzustellen, ob der Darm sich beruhigt. Nimmt Stress überhand, ist an gezielte Bewältigungstrategien zu denken.

Oft schwieriger zu handhaben sind situative Ängste. Wenn kein vorübergehendes Problem zugrunde liegt wie zum Beispiel Examensangst, sondern die Angstgefühle mit ihren körperlichen Folgen oft wiederkehren, ist es ratsam, der Sache auf den Grund zu gehen.

Gelegentlich sind Nahrungsmittelallergien oder -unverträglichkeiten für akuten Durchfall verantwortlich. Da diese Reaktionen wegen entsprechender Veranlagung jedoch immer wieder auftreten können, werden diese Krankheitsbilder im Kapitel "Durchfall: Ursachen chronisch (1)" abgehandelt. Ein anderes, ernstes Thema ist Durchfall nach Strahlenbehandlungen. Moderne Techniken tragen zwar dazu bei, Schädigungen des Darms und damit einhergehende Durchfälle zu vermeiden, aber das Problem kommt auch heute noch vor. Seltene Ursachen für akute blutige Durchfälle beziehungsweise Darmblutungen sind Durchblutungsstörungen im Darm. Nachfolgend mehr zu diesen Themen.

Angst, Stress: Das spürt manchmal auch der Darm

Manche Menschen reagieren bei Angst, Aufregung und Stress, etwa vor einer Prüfung oder einem Vortrag, spontan mit Darmunregelmäßigkeiten bis hin zu Durchfall.

Darüber hinaus können Magen-Darm-Störungen mit wiederholten Durchfallepisoden bei krankhaften Angststörungen zu den vordergründig belastenden Beschwerden gehören. Frühzeitige Behandlung ist wichtig, um die Fesseln, die die Seele hier dem Körper anlegt, aufzulösen, damit die Betroffenen in einen weitgehend normalen Alltag zurückfinden.
Mehr dazu im Ratgeber "Angst".

Koffein / Tein: Muntermacher in vieler Hinsicht

Da Koffein nicht nur Herz und Hirn, sondern auch den Darm anregt, kann es auch Durchfall auslösen, insbesondere bei phasenweise übermäßigem Gebrauch.

Koffein macht müde Geister munter und den Darm auch. Es findet sich nicht nur in Heißgetränken wie Kaffee, Mate, Tee (hier als Tein), sondern auch in Colagetränken, Energydrinks, Guarana, Schokoladen. Zudem ist es in manchen Kopfschmerztabletten enthalten, mittlerweile auch in Shampoos gegen Haarausfall. Coffein ist in erster Linie ein anregendes Genussmittel, ein Psychostimulans, denn es wirkt auf die Nervenzellen ein und erhöht ihre "Kommunikationsbereitschaft". Übermäßiger Genuss kann sich negativ auswirken: mit Durchfall, Herzklopfen, Nervosität, Konzentrationsstörungen. Ein kurzfristiger Auslassversuch lohnt sich, gegen maßvollen Konsum ist nichts einzuwenden.

Durchfall als Nebenwirkung von Medikamenten

Zahllose Medikamente können als Nebenwirkung Durchfall auslösen – einige häufiger, andere seltener, manchmal auch nur zu Beginn einer Therapie oder wenn die Dosis geändert wird. Die Diarrhö kann allerdings auch auf nicht bestimmungsgemäßen Gebrauch zurückzuführen sein.

Paradebeispiel für arzneibedingte Diarrhöen durch nicht korrekte Anwendung sind Abführmittel. Durchfälle können hier bei (missbräuchlicher) Überdosierung geradezu gewollt sein, um schneller an Gewicht abzunehmen. Dies ist aber eine gesundheitsschädliche und daher zu unterlassende Strategie, denn sie bringt den Körper aus dem Gleichgewicht. Am besten zum Arzt und sich beraten lassen, wie das persönliche Wunschgewicht realistisch erreichbar ist. Wer der Meinung ist, dass es trotz vorschriftsmäßiger Einnahme eines ärztlich empfohlenen Abführmittels zu Durchfall gekommen ist, kann in diesem Fall die Dosis reduzieren, sollte sich aber sicherheitshalber immder mit dem Arzt absprechen.

Bekannt für Durchfall als Nebenwirkung sind auch Antibiotika. Diese Arzneimittel töten bestimmte  Erreger ab und verändern damit die natürliche Bakterienbesiedlung des Magen-Darm-Trakts. Dadurch können einzelne Keime überhand nehmen, zum Beispiel Clostridium difficile. In der Folge treten häufig Durchfälle und Fieber auf. Patienten, die mit Antibiotika behandelt werden, sollten bei einer Diarrhö die Einnahme der Medikamente aber auf keinen Fall eigenmächtig stoppen, sondern immer Rücksprache mit dem Arzt halten. Dieser klärt dann, wie bedeutsam der Durchfall ist und ob der Patient ein anderes Mittel erhalten muss.

Weitere Arzneimittel, die Durchfälle auslösen können, sind Magenmittel wie magnesiumhaltige Antazida, Anti-Parkinsonmittel wie sogenannte COMT-Hemmer, H2-Blocker (ebenfalls  Magenmittel), Buspiron (ein Medikament gegen Angststörungen), Chenodesoxycholsäure (wird zur Behandlung von Cholesteringallensteinen eingesetzt), Cholestyramin (bindet Gallensäuren und kann gegen Fettstühle wirken), Digitalispräparate (auch Herzglykoside genannt), Diuretika (wassertreibende Mittel), Eisenpräparate, nicht steroidale Antirheumatika (Entzündungshemmer), Lactulose (wird bei entgleisender Leberzirrhose eingesetzt), Psychopharmaka wie sogenannte SSRI (Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) oder auch Lithium (wird zur vorbeugenden und ergänzenden Behandlung bei bestimmten psychischen Erkrankungen eingesetzt), sodann Zytostatika.

Lesen Sie den Beipackzettel, wenn Sie bei Diarrhö ein Medikament als Ursache vermuten, und lassen Sie sich vom Arzt beraten.

Strahlenbehandlung: Hilft heilen, es gibt aber auch unerwünschte Effekte

Die Bestrahlung eines Tumors im Bauch- oder Beckenraum kann den Darm – Dünndarm und Dickdarm – in Mitleidenschaft ziehen. Die Folge: akuter oder chronischer Durchfall.

Die Darmschleimhaut gehört zu den besonders strahlenempfindlichen Geweben. Schon wenige Tage bis zwei Wochen nach der Bestrahlung können hier entzündliche Schwellungen und Geschwüre entstehen (Frühschäden). Die Schleimhautschädigung bildet sich nach einiger Zeit zwar zurück. Doch können die Veränderungen in den tiefen Wandschichten des Darms langsam fortschreiten (siehe Kapitel "Durchfall: Ursachen chronisch (2)").

Weil Strahlen heute sehr gezielt eingesetzt werden, sind relevante "Kollateralschäden" seltener geworden. Art und Dosis der Bestrahlung spielen immer eine Rolle, außerdem das Bestrahlungsfeld. Auch kann der Darm selbst das Bestrahlungsziel sein. Eine Chemotherapie kann die schädigenden Effekte verstärken.

Ist der Dünndarm akut von einer Strahlenschädigung betroffen, wird von einer Strahlenenteritis gesprochen, geht es um den Dickdarm, von einer Strahlenkolitis. Bei Strahlenschäden im Enddarm handelt es sich um eine Strahlenproktitis. Diese Schädigung wird im Bereich des Darms am häufigsten beobachtet.

Symptome: Bei der Strahlenenteritis kommt es zu Durchfall, Blut- und Schleimbeimengungen, Bauchschmerzen, Blähungen und Erbrechen. Abhängig von der Lokalisation und vom Grad der Schädigung werden Nährstoffe möglicherweise nur noch ungenügend aufgenommen. Über den Dickdarm gehen Flüssigkeit und Salze verloren. Dieser Zustand braucht einige Wochen, um wieder abzuklingen. Bei der Strahlenkolitis / -proktitis stehen neben Bauchschmerzen häufige, krampfartige Entleerungen, eventuell mit Blut und Schleim, im Vordergrund.
Diagnose: Begleitumstände und Beschwerden sind eindeutig. Eventuell wird eine endoskopische Untersuchung durchgeführt.
Therapie: Sie ist symptomatisch gegen den Durchfall, bei leichten Beschwerden diätetisch ausgerichtet. Arzneistoffe wie zum Beispiel Loperamid und die Substanz Cholestyramin zur Bindung von Gallensäuren können die Diarrhö gegebenenfalls mildern. Milchzuckerfreie Nahrung wird möglicherweise besser toleriert als "normale" Schonkost. Wichtig ist der Flüssigkeits- und Salzersatz. Bei stärkeren Beschwerden und Störungen der Nährstoffaufnahme wird der Arzt zügig eine vollständige künstliche Ernährung über die Blutbahn durchführen. Ist der Enddarm betroffen, so sprechen die Veränderungen meist auf entzündungshemmende Zäpfchen oder Klistiere mit 5-Aminosalicylsäure (5-ASA) oder Kortison an.

Gefäßverschluss im Darm

Wenn ein Blutgerinnsel in ein Gefäß eingeschwemmt wird und dieses verstopft, ist es zu einer Embolie gekommen. Bei Gefäßverkalkung kann sich ein Blutpfropf an den Wandablagerungen abscheiden und so das Gefäß verschließen (Thrombose). Beide Vorgänge sind auch im Darm möglich.

Der Verschluss eines Darmgefäßes heißt Mesenterial(arterien)infarkt. Bei einer Embolie stammt das Gerinnsel meistens aus dem Herzen oder aus der Hauptschlagader, der Aorta, während die Thrombose vor Ort an Gefäßverzweigungen und -verengungen entsteht. Hierbei spielt die Arteriosklerose eine wichtige Rolle. Nach einem Gefäßverschluss setzt in schneller Folge ein Schädigungsprozess des betroffenen Darmabschnitts ein. Der Vorgang ähnelt vom Ablauf her einem Herzinfarkt.

Was den Darm angeht, so spielen sich Gefäßverschlüsse meistens in der oberen Mesenterialarterie ab. Betroffen sind überwiegend Menschen über 50 Jahre, häufiger Männer als Frauen. Schon bevor es zum Verschluss kommt, kann die Arteriosklerose zu Beschwerden im Bauch, der sogenannten Angina abdominalis, und zu Verdauungsproblemen mit Diarrhö und Gewichtsverlust führen (siehe Kapitel "Durchfall: Ursachen chronisch (2)"). Verkrampfungen der Darmgefäße ohne Verschluss können ebenfalls ein akutes Beschwerdebild verursachen.

Symptome: Ein Mesenterialinfarkt ist immer ein gefährliches Krankheitsbild. Die kolik- und krampfartigen Bauchschmerzen, meist mit Diarrhö, sind so quälend, dass eine notfallmäßige Einweisung in eine Klinik gerechtfertigt ist, damit sofort eine gezielte Diagnostik und Therapie durchgeführt werden kann. Trügerischerweise können die Schmerzen anfangs ohne weitere Behandlung zunächst auch wieder nachlassen. Jedoch entwickelt sich in dieser Zeit meist schon eine beginnende Darmlähmung. Nach Schädigung der Darmwand ist auch eine Bauchfellentzündung möglich. Blutige Durchfälle und ein Schockzustand zeigen ein solches fortgeschrittenes Stadium und akute Lebensgefahr an.
Diagnose, Therapie: Bei rechtzeitiger Diagnose kann der Verschluss eventuell mit einem geeigneten Eingriff wieder eröffnet werden. Notfalls muss der Chirurg das geschädigte Darmsegment entfernen.

Mehr dazu unter "Blut am After / aus dem Darm", Kapitel "Ursachen im Enddarm, Dickdarm, Dünndarm", Abschnitt "Gefäßerkrankungen des Darms".

Das weiß jeder: Um eine Erkrankung so gezielt wie möglich zu behandeln, kommt es auf die genaue Diagnose an. Vielfach gilt auch: je früher, desto besser, bei anhaltendem Durchfall allemal. Denn ernsthafte Gesundheitsstörungen lassen sich so besser in den Griff bekommen.

In diesem Kapitel geht es um folgende Krankheitsbilder als Ursachen chronischen Durchfalls:

  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz), Unverträglichkeit von Fruktose oder Sorbit, Glutenunverträglichkeit (Zöliakie, glutensensitive Enteropathie), Nahrungsmittelallergie
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, sogenannte mikroskopische Colitis
  • Chronische Darminfektionen, Whipple-Krankheit, Enddarminfektionen
  • Amyloidose

Als Folge dieser Krankheiten kann sich eine Nahrungsverwertungsstörung mit Mangelerscheinungen (Malassimilationssyndrom) entwickeln. Dazu gleich mehr im nächsten Abschnitt.

Malassimilationssyndrom: Wenn Nahrung nicht richtig verwertet wird

Unter einem Malassilimationssyndrom versteht man die unzureichende Aufnahme (Malabsorption) und ungenügende Verwertung von Nahrungsbestandteilen (Maldigestion), häufig mit der Folge von Mangelerscheinungen. Bei Kindern kann es zu Wachstumsstörungen, altersunabhängig außerdem zu verschiedenen Funktionsstörungen kommen. Das Syndrom ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern kann viele chronische Erkrankungen, die mit Durchfall einhergehen, komplizierter machen.

    Info: Unsere Hauptnährstoffe sind Kohlenhydrate (Nahrungszucker, Stärke), Eiweiß und Fette. Wie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente werden sie im oberen Dünndarm aufgenommen. Der Dickdarm nimmt hauptsächlich Wasser und Salze auf. Kohlenhydrate werden schon im Mund zu leicht süßlich schmeckenden Bausteinen, Eiweißstoffe im Magen aufgespalten. Damit die Spaltstoffe über die Darmschleimhaut ins Blut gelangen können, geht der Verarbeitungsprozess noch weiter. Dafür sorgen wichtige Enzyme im Dünndarm, namentlich solche aus der Bauchspeicheldrüse, außerdem Gallensäuren.

    Produziert die Bauchspeicheldrüse zu wenig Enzyme, zum Beispiel aufgrund einer Entzündung, ist die Verdauung von Fetten und Eiweiß gestört. Mangelt es an Kapazität für die Spaltung von Zuckern (Kohlenhydraten), beeinträchtigt das deren Aufnahme ebenfalls. Und: Bei Erkrankungen speziell des letzten Dünndarmabschnitts klappt häufig das Recycling der Gallensäuren nicht mehr. Fette können dann nicht emulgiert werden, Gallensäuren gehen verloren. Damit entfällt ein weiterer Schritt bei der Aufbereitung von Nährstoffen.

Symptome Malassimilationsyndrom: Es kommt zu Durchfälllen (sogenannte Gärungsstühle, Fettstühle) und Blähungen, häufig auch zu ungewollter Gewichtsabnahme und Nährstoffmangel. Zu den möglichen Beschwerden gehören Schwellungen (Eiweißmangelödem), Skeletterweichung (Kalziummangel mit Rachitis bei Kindern und mit Osteomalazie bei Erwachsenen), Gerinnungsstörungen (Vitamin-K-Mangel), Muskelschwäche, Überfunktion der Nebenschilddrüsen, Ausbleiben der Menstruation und vieles mehr. Häufiger als kombinierte Störungen sind heute einzelne Mangelzustände. Hinzukommen Symptome der zugrundeliegenden Erkrankung selbst.

Diagnose: Entscheidend für die Diagnose sind feingewebliche Untersuchungen von Gewebeproben aus dem Dünndarm. Zur Feststellung einer Aufnahmestörung von Vitamin B12 ist ein spezieller Stoffwechseltest (kein Routineverfahren) namens Schilling-Test geeignet. Fällt er krankhaft aus, ist das ein Hinweis für eine Störung im Endabschnitt des Dünndarms. Das Testergebnis kann allerdings durch andere Ursachen beeinflusst werden. Übliche Untersuchungen umfassen unter anderem Blut- und Stuhlanalysen, Stoffwechseltests, die auf die Bauchspeicheldrüse zielen, eventuell einen H2-Atemtest zum Ausschluss einer Milchzuckerunverträglichkeit oder einer bakteriellen Fehlbesiedlung. Endoskopische und bildgebende Untersuchungsverfahren der Gallenwege und Bauchspeicheldrüse sind weitere, oft unentbehrliche Schritte. Außerdem können bildgebende Untersuchungen des Dünndarms, ergänzend weitere spezielle Tests aufschlussreich sein (siehe auch Kapitel "Durchfall: Diagnose").

Therapie: Sie hängt, kurz gesagt, von dem jeweiligen Krankheitsbild ab. Mehr dazu in den nachfolgenden Abschnitten.

Nahrungsmittelunverträglichkeit: Vielfältige Beschwerden

  • Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz): Bei Laktoseintoleranz kann Milchzucker (Laktose) wegen Mangels oder Aktivitätsverlusts des Verdauungsenzyms Laktase nicht verdaut werden. Bei der Darmpassage bauen Bakterien nicht aufgenommenen Milchzucker ab. Dabei bilden sich Darmgase und Säuren, die zu Blähungen, bei augeprägteren Formen zu wässrigen Durchfällen führen. Angeborener Laktasemangel ist selten und verursacht nahezu vollständige Milchzuckerunverträglichkeit mit schweren Symptomen. Dazu kommt es, sobald der betroffene Säugling gestillt oder mit dem Fläschchen ernährt wird. Das Problem wird oft mit einer Kuhmilcheiweißallergie verwechselt, hat aber damit nichts zu tun. Die Laktaseaktivität nimmt ansonsten etwa ab dem zweiten Lebensjahr natürlicherweise ab, wenn die Ernährung vielfältiger wird und sich nicht mehr alles um die Milch dreht.

    In vielen Teilen der Welt weist die Bevölkerung im Erwachsenenalter nur noch eine geringe Restaktivität des Enzyms auf und verträgt daher keine Milch und Milchprodukte. In Populationen, die seit Jahrtausenden Milchprodukte verzehren, hat sich die Laktaseaktivität aber erhalten. So kommt in Deutschland etwa bei einem Sechstel bis einem Viertel der Bevölkerung ein Laktasemangel mit Laktoseinteroleranz vor. Die Stärke der Symptome hängt von der Restfunktion der Laktase und dem Milchzuckerangebot in der Ernährung ab. Natürlich können auch Dünndarmerkrankungen einen Laktasemangel zur Folge haben, wobei es hier meistens noch zu anderen Störungen der Nährstoffverwertung kommt.

    Symptome: Typischerweise treten nach Verzehr von Milch und Milchproukten Durchfall, Bauchschmerzen und Blähungen (Flatulenz) auf. Je mehr Milchzucker aufgenommen wird, desto stärker die Beschwerden und umgekehrt. Bei starker Durchfallneigung kann es eventuell zu einem Mangel von Vitaminen, Spurenelementen oder Mineralstoffen und Gewichtsverlust kommen. Unter einer Antibiotikabehandlung können sich die Verdauungsbeschwerden verstärken, falls der bakterielle Abbau der Laktose durch eine Veränderung der Bakterienflora im Dickdarm gestört ist. Manchmal sind die Symptome aber auch nur geringfügig, zum Beispiel im Sinne eines allgemeinen Unwohlseins, also nicht einmal darmtypisch.

    Mehr zur Diagnose und Therapie erfahren Sie unter "Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit)".
  • Unverträglichkeit von Fruchtzucker oder Sorbit: Unverträglichkeit dieser Zuckerstoffe ist überwiegend eine Frage der Menge und nicht wirklich krankhaft, auch wenn es eine gewisse Veranlagung dazu gibt. Diese hat jedoch nichts mit der schweren, erblichen Fruktoseintoleranz zu tun.

    Wie der Name schon sagt, ist Fruchtzucker (Fruktose) natürlicher Bestandteil von Früchten. Beispielsweise enthalten Äpfel oder Trockenfrüchte besonders viel davon, ebenso Honig. Industrielle Lebensmittel werden zunehmend mit der "vollsüßen" Fruktose versetzt. So findet sich Fruchtzucker in vielen Säften, Gebäck, Marmeladen und Milchprodukten, die, mit Slogans wie "Fitness" oder "Wellness" lockend, gesunden Genuss versprechen. Der Grund: Fruchtzucker wird langsamer und unvollständiger aufgenommen als Glukose (Traubenzucker) und beansprucht daher den Stoffwechsel weniger stark. Ein hohes Fruktoseaufkommen kann den Darm jedoch überlasten. Funktioniert zudem das Transporteiweiß für Fruktose im Dünndarm genetisch bedingt nicht richtig, wird der Zucker nicht aufgenommen (Fruktose-Malabsorption) und gelangt statt ins Blut in den Dickdarm. Dort wird er von Bakterien vergoren. Der entstehende Wasserstoff und andere Gase bereiten prompt Beschwerden.

    Sorbit (Sorbitol), ein Zuckeralkohol, der sich vom Traubenzucker (Glukose) ableitet, kommt in Früchten wie zum Beispiel Birnen und Trockenobst vor. Darüberhinaus wird Sorbitol als Zuckeraustauschstoff zum kalorienreduzierten Süßen eingesetzt, ist in Diabetikerlebensmitteln, Diät- und Lightprodukten (ausgenommen Getränke) enthalten, fungiert aber auch als Lebensmittelzusatz- und Feuchthaltestoff. 

    Symptome: Nach Verzehr nennenswerter Mengen von fruchtzuckerhaltigen Lebensmitteln kommt es bald zu Bauchkrämpfen, Blähungen und Durchfall. Die Betroffenen vertragen vor allem Obst wie Äpfel, Birnen oder Trockenobst nicht gut. Häufig bereiten aber auch "zuckerfreie" Lebensmittel Probleme, etwa Bonbons oder Diabetiker-Produkte. Sie enthalten Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit (oder Xylit). In größeren Mengen, zum Beispiel bei Kaugummi-Überkonsum, löst Sorbit Durchfall aus. Es wird im Dünndarm ebenfalls nicht verwertet, erschwert die Aufnahme von Fruktose zusätzlich und kann so die Verdauungsschwierigkeiten verschlimmern.

    Diagnose: Klarheit kann der sogenannte H2-Atemtest mit dem Test-Zucker, etwa Fruktose, bringen (siehe Kapitel "Durchfall: Diagnose").

    Therapie: Da die Beschwerden im Wesentlichen von der zugeführten Menge der schlecht vertragenen Kohlenhydrate abhängen, besteht die Therapie in einer Ernährung, bei der Fruktose- und Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit oder Xylit deutlich reduziert oder weggelassen werden.

    Zum Nachlesen gibt es den Ratgeber "Fruktose-Unverträglichkeit".
  • Zöliakie (glutensensitive Enteropathie): Zöliakie beruht auf einer erblichen Unverträglichkeit von Gliadin, einem in Getreiden wie Gerste, Roggen, Weizen, Dinkel, Grünkern, Kamut enthaltenen Glutenbestandteil. Glutene sind Eiweißstoffe. Die Unverträglichkeit beruht auf Immunreaktionen. Sie entsteht bei entsprechender Veranlagung nach ersten Kontakten mit Nahrungsglutenen in der Kindheit. Bis Beschwerden auftreten, kann es Jahre dauern.

    Die Zöliakie ist keine Allergie, sondern eine Autoimmunerkrankung. Sie kann auch im Zusammenhang mit anderen Autoimmunerkrankungen, zum Beispiel dem insulinabhängigen Diabetes Typ 1, bestimmten Schilddrüsenentzündungen (Hashimoto-Thyreoiditis) oder Leberentzündungen (Autoimmunhepatitis) vorkommen. Außerdem bestehen Verbindungen zu einer Hauterkrankung namens Dermatitis herpetiformis Duhring. Teilweise entwickelt sich bei der Zöliakie eine Schädigung der Dünndarmschleimhaut. Ihre faltenartigen Ausstülpungen, die Zotten, können schließlich verkümmern. Mediziner nennen das Dünndarmzottenatrophie.

    Bei rechtzeitiger Diagnose und Therapie kann sich der Zustand wieder normalisieren. Auch muss eine Zöliakie nicht zwangsläufig mit Verdauungsbeschwerden einhergehen, da manchmal nur die Veranlagung vorhanden ist. Daher kommt die Erkrankung in den verschiedensten Ausprägungen vor. Neben der Autoimmunerkrankung Zöliakie gibt es auch Weizenallergien sowie sogenannte Getreide- und Glutenunverträglichkeiten, die weder allergisch noch durch Autoimmunvorgänge bedingt sind. Zu den Beschwerden, die schwächer ausgeprägt sein können als nachfolgend für die Zöliakie beschrieben, gehören Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall.

    Symptome: Einerseits gibt es beschwerdefreie oder milde Verläufe mit mäßigem, manchmal schubartigem Durchfall und Blähungen. Andererseits kann es auch zu starken wässrigen oder fettigen Durchfällen (Steatorrhö) mit Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen (Malassimilationssyndrom) kommen. Im Wachstumsalter sind Gedeihstörungen möglich. Bei Erwachsenen steht oft ein Eisenmangel mit entsprechender Blutarmut im Vordergrund. Die Durchfälle können sowohl durch einen Laktasemangel infolge der Dünndarmschädigung (siehe oben) als auch durch die gestörte Fettverdauung entstehen.

    Über Diagnose und Therapie informiert der Beitrag "Glutenunverträglichkeit (Zöliakie)".
  • Nahrungsmittelallergie: Zu einer Nahrungsmittelallergie kommt es durch eine krankhafte, allergische Reaktion des Immunsystems auf Bestandteile (Allergene) in Nahrungsmitteln. Pseudoallergien machen sich in ähnlicher Weise bemerkbar, entstehen aber durch andere Mechanismen. Nahrungsmittelallergene können natürliche Komponenten wie Milcheiweiß, Zusatzstoffe oder andere Beimengungen sein. Oftmals geht der Nahrungsmittelallergie eine Pollenallergie voraus. Pollenallergien sind die verbreitetsten Allergien und weitaus häufiger als Nahrungsmittelallergien. Teilweise gibt es Überschneidungen (Kreuzallergien), etwa gleichzeitige Allergie gegen Pollen, zum Beispiel Gräser, und Nahrungsmittel, etwa Erdnüsse. Allergien, auch Nahrungsmittelallergien, treten meistens schon im Kindesalter auf. Nicht selten leiden die kleinen Patienten, wenn nicht gleichzeitig an einer Pollenallergie, so an allergischem Asthma oder Neurodermitis. Die wichtigsten Auslöser sind bei Kleinkindern Kuhmilcheiweiß, ansonsten Fisch, Hühnerei, Nüsse, vor allem Erdnüsse, Soja und Schalentiere.

    Pseuoallergische Reaktionen auf Nahrungsmittel, also nicht-allergische Unverträglichkeitsreaktionen, können dieselben Symptome auslösen wie Nahrungsmittelallergien, da letztendlich dieselben Körperstoffe in Aktion treten. Dass sie dies tun, kommt allerdings jeweils anders zustande. So können einige Stoffe in Nahrungsmitteln beispielsweise direkt, ohne "allergischen Schalter", zur Freisetzung des maßgeblichen reaktionsträchtigen Gewebshormons Histamin führen.

    Symptome:
    Schon nach den ersten Bissen führt das verantwortliche Nahrungsmittel zu Reaktionen wie Juckreiz und Pelzigkeitsgefühl an den Lippen und im Gaumen. Möglich sind auch Hautquaddeln, ein juckender Ausschlag, eine verstopfte Nase und Fließschnupfen (allergischer Schnupfen). Seitens der Verdauungsorgane können Bauchkrämpfe, Durchfälle oder Erbrechen auftreten. Stärkere Reaktionen können mit schnellem Puls und Kreislaufbeschwerden einhergehen, die schlimmstenfalls in einen Schock münden.

    Weiteres dazu im Ratgeber "Nahrungsmittelallergien".

Spezielle Darmentzündungen: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Hält dünner Stuhlgang länger an oder tritt er immer wieder auf, kann auch eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung – zum Beispiel die Crohn-Krankheit (Morbus Crohn) oder eine Colitis ulcerosa – zugrunde liegen. Die Ursache dieser Krankheitsbilder ist unbekannt. Genetische Faktoren spielen eine Rolle, ebenso Immunveränderungen. Daneben gibt es noch weitere Arten von chronischen Darmentzündungen. Sie werden unter der Bezeichnung "mikroskopische Colitis" zusammengefasst.

  • Morbus Crohn: Bei der Crohn-Krankheit ist die Wand von Hohlorganen im Verdauungstrakt entzündet. Die Entzündungen treten abschnittsweise auf. Alle Regionen – vom Mund bis zum After – können betroffen sein. Daher untersucht der Arzt bei einer unklaren chronischen Durchfallerkrankung auch die Mundschleimhaut. Die Crohn-Krankheit kann Komplikationen wie Darmverengung, Darmverschluss, Vereiterung, Durchbruch und Fisteln verursachen. Fisteln sind krankhafte Gänge oder Kurzschlüsse, die sich zwischen Darmschlingen bilden oder vom Darm in die Nachbarschaft reichen. Auch zu einem anderen Hohlorgan im Bauchraum kann eine Fistelverbindung entstehen. Eine mögliche, aber seltene Spätkomplikationen der Crohn-Krankheit ist eine Amyloidose (siehe weiter unten).

    Symptome: Wiederholte oder schubweise auftretende Durchfälle und Bauchschmerzen sind bei der Crohn-Krankheit die Leitsymptome. Stärkerer Befall des Dünndarms kann Appetitlosigkeit sowie eine gestörte Nährstoffaufnahme mit Gewichtsverlust nach sich ziehen. Häufig verengt sich der Abschnitt am Übergang vom Dünndarm zum Dickdarm (terminales Ileum). Die Folge sind starke Schmerzen im rechten Unterbauch, ähnlich wie bei einer Blinddarmentzündung, eventuell eine dort tastbare, walzenartige Verdickung und Fieber.

    Mehr über Ursachen, Diagnose und Therapie sagt Ihnen der Ratgeber "Morbus Crohn".

  • Colitis ulcerosa: Die Colitis ulcerosa betrifft vor allem den Schleimhautanteil der Darmwand. Die Entzündung breitet sich meistens vom Enddarm weiter nach oben in den Dickdarm aus. Eine schwerwiegende Komplikation bei Colitis ulcerosa ist die Überblähung des Darms (toxisches Megacolon) mit dem Risiko des Darmdurchbruchs und einer Bauchfellentzündung. Da sich als mögliche Folge der Darmentzündung sich ein Darmkrebs entwickeln kann, bieten Ärzte ein langfristiges Konzept zur Kontrolle und Therapie an.

    Symptome:
    Typisch sind Durchfälle, häufig mit Schleim- und Blutauflagerungen. Bauchschmerzen treten häufig als Krämpfe vor der Darmentleerung auf (Tenesmen). Besonders bei Colitis ulcerosa, manchmal auch bei Morbus Crohn können auch andere Organe wie Haut, Augen (rotes Auge), Gelenke und Leber mit entzündet sein und entsprechend Beschwerden machen. Bei den Augenentzündungen geht es zum Beispiel um die Iris oder Uvea (mittlere Augenhaut, Uveitis), bei den Gelenkentzündungen trifft es die Gelenkinnenhaut (Arthritis beziehungsweise Synovialitis), bei der Leber die kleinen Gallengänge (primär sklerosierende Cholangitis). Weitere mögliche Symptome dann: Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme.

    Mehr über diese Darmerkrankung unter "Blut am After /aus dem Darm", Kapitel "Ursachen im Enddarm, Dickdarm, Dünndarm", Abschnitt "Chronisch entzündliche Darmerkrankungen", sowie im Ratgeber "Colitis ulcerosa".
  • Andere Darmentzündungen: Chronische entzündliche Erkrankungen des Dickdarms wie die sogenannte kollagene und die lymphozytäre Kolitis – Überbegriff: mikroskopische Colitis – kommen nicht seltener vor als etwa die Crohn-Krankheit oder Colitis ulcerosa. Im endoskopischen Bild erscheint der Darm hier normal. Erst die feingewebliche Untersuchung von Gewebeproben der Darmschleimhaut liefert die Diagnose. Daher heißen diese Darmentzündungen auch mikroskopische Kolitis. Feingeweblich bestehen erkennbare Unterschiede. Die Ursachen sind unbekannt, genetische Faktoren scheinen aber eine Rolle zu spielen. Möglicherweise sind auch zurückliegende Darminfekte oder die Einnahme eines Medikamentes, etwa eines nicht steroidalen Antirheumatikums (NSAR) oder Betablockers, mitverantwortlich. Die lymphozytäre Kolitis tritt zudem manchmal im Rahmen der Zöliakie (Glutenunverträglichkeit, siehe oben) auf. Rauchen begünstigt diese Form der Colitis. Zwei Drittel der Betroffenen sind Frauen.

    Symptome:
    Es kommt zu den üblichen Kennzeichen einer Darmentzündung: Wässriger Durchfall, eventuell schubartig verlaufend, Bauchbeschwerden, Übelkeit, Blähungen, eventuell Gewichtsverlust und Müdigkeit.

    Diagnose:
    Mikroskopische Untersuchung von Gewebeproben aus der Schleimhaut des Dickdarms (Stufenbiopsien über die Gesamtlänge), da die Veränderungen nicht überall gleichmäßig vorliegen, sind richtungweisend.

    Therapie:
    Die kollagene Kolitis spricht gut auf eine Behandlung mit dem Medikament Budesonid an. Es dämpft das Immunsystem und wird auch als Langzeitmedikament oder bei einem Krankheitsrückfall gegeben. Selten setzen Ärzte Azathioprin ein.

    Übrigens: Eine lymphozytäre Kolitis als Begleiterkrankung kann auch der Grund dafür sein, warum bei manchen Zöliakie-Patienten (zu diesem Krankheitsbild siehe Abschnitt oben) die Beschwerden trotz glutenfreier Diät nicht zurückgehen. Dann ist eine Therapie wie bei der kollagenen Kolitis meistens erfolgversprechend. Bei gleichzeitiger Zöliakie ist die glutenfreie Ernährung obligatorisch.

    Falls der Arzt es für wahrscheinlich hält, dass eine Behandlung mit einem bestimmten Medikament der Auslöser ist, wird er diese Therapie, falls möglich, umstellen.

Chronische Darminfektionen: Eher selten

Im Gegensatz zur akuten Diarrhö kommen bei chronischen Durchfällen Infektionen seltener als Ursachen infrage. Hin und wieder, insbesondere bei abgeschwächter Immunlage, können bestimmte "invasive" Erreger – Viren, Bakterien und Parasiten – der Grund sein. Invasiv bedeutet, dass die Erreger in die Zellen der Darmschleimhaut vordringen, sich dort vermehren und Schäden verursachen können. Manche Erreger erreichen auf diesem Weg das Blut und können dann andere Organe infizieren (siehe auch Kapitel "Durchfall: Ursachen akut (1)").

Im engeren Sinn kommen zum Beispiel als Auslöser einer chronischen Darminfektion  Viren wie das Herpes simplex-Virus (HSV) oder das Cytomegalie-Virus (CMV) sowie HIV, der Erreger von Aids, infrage.

Bei den Bakterien sind es unter anderem Campylobacter, Yersinien, Salmonellen und Mykobakterien einschließlich Tuberkulose-Bakterien.

Als Parasiten sind Amöben, sehr selten sogenannte Kryptosporidien und Mikrosporidien im Spiel. Letztere, wie auch Infektionen mit dem schon genannten Cytomegalievirus, sind zum Beispiel bei Patienten mit HIV-Infektion/AIDS mögliche Ursachen für chronische Darminfektionen.

HIV-Patienten leiden manchmal auch an Durchfall, ohne dass ein Erreger feststellbar ist. Wenn in mehrmaligen gründlichen Untersuchungen kein Nachweis gelingt und andere Ursachen ausgeschlossen wurden, ist eine direkt HIV-bezogene Diarrhö anzunehmen.

Symptome: Seitens des Darms sind wie fast immer bei Darmerkrankungen Symptome wie Bauchschmerzen und Durchfälle zu erwarten, eventuell auch Gewichtsabnahme. Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Fieber sind häufige, nicht minder lästige Begleiter. Die Beschwerden können sich monatelang hinziehen.

Diagnose: Sie ergibt sich aus dem Erregernachweis beziehungsweise der Anzüchtung des verantwortlichen Keimes aus dem Stuhl. Eventuell helfen auch Bluttests auf die Spur. Eine Enddarm-, Dickdarm- oder Dünndarmspiegelung mit Entnahme von Gewebeproben, die anschließend feingeweblich, eventuell auch auf Erreger unter dem Mikroskop untersucht werden, ist fast immer unerlässlich.

Therapie: Die Behandlung richtet sich, soweit möglich, nach dem verantwortlichen Erreger. Ansonsten zielt sie darauf, die Beschwerden zu lindern. Bei Aids-Erkrankungen kommen spezielle, das Virus bekämpfende Medikamente zum Einsatz. Die inzwischen verfügbaren, hochwirksamen Arzneistoffe können zum Beispiel auch das im Zuge der Krankheit häufiger auftretende Cytomegalie-Virus zurückdrängen.

Sonderfall: Whipple-Krankheit

Die chronische, sich schleichend entwickelnde Krankheit Morbus Whipple betrifft überwiegend Männer im mittleren Lebensalter. Sie wird durch einen Erreger namens Tropheryma whipplei verursacht, der auch bei Gesunden vorkommt, und zielt primär auf den Dünndarm. Der Erreger steht inzwischen auch im Verdacht, chronische Reisedurchfälle zu verursachen. Im Dünndarm wird die Schleimhaut geschädigt, und es entwickelt sich eine Lymphstauung. Die Infektionskrankheit kann auch andere Organe betreffen. Schon Jahre, bevor sich Darmbeschwerden bemerkbar machen, können sich Gelenke wie das Kreuz-Darmbein-Gelenk entzünden, später beispielsweise das Herz, die Augen, das Gehirn.

Symptome: Die Entzündung des Kreuz-Darmbein-Gelenkes (Fachbegriff: Sakroiliitis) führt zu dumpfen Schmerzen im Kreuz; sie gilt als Frühsymptom. Auch wandernde Schmerzen in großen Gelenken sind möglich. Später können Diarrhö, Fettstühle, Bauchschmerzen, Gewichtverlust und Fieber auftreten. Auch neurologische Störungen wie beeinträchtigtes Sehen durch Schädigung von Augenmuskeln, Muskelkrämpfe und Gangstörungen können sich entwickeln, mithin Symptome je nach Organbefall.

Diagnose: Das Blut weist entzündliche Veränderungen auf. In Gewebeproben aus dem Dünndarm (Biopsien), anderen betroffenen Organen oder in Körperflüssigkeiten, zum Beispiel in der Gelenkflüssigkeit oder im Hirnwasser, lässt sich Erregermaterial mit speziellen Techniken nachweisen.

Therapie: Es wird für mindestens ein Jahr eine Antibiotikabehandlung durchgeführt. Die Auswahl trifft der Arzt individuell und nach den Befunden.

Enddarminfektionen

Auch der Enddarm kann sich durch verschiedene Ursachen entzünden. Der Arzt spricht dann von einer Proktitis. Auslöser sind häufig Infektionen, die teilweise beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. Im Spiel sind hier nicht selten Erreger wie Herpesviren oder Chlamydien beziehungsweise Erkrankungen wie Gonorrhö (Tripper) und Syphilis – mithin Infektionen, die durch Geschlechtsverkehr übertragen werden. Dabei kann es auch zu verletzungsbedingten Beschwerden oder allergischen Reaktionen kommen, etwa auf Kondome.

Aber auch andere Bakterien und Pilze sind mögliche Auslöser. Falls der Enddarm als Teil des Dickdarms in eine dort vorhandene Entzündung einbezogen ist, nennt der Arzt das Krankheitsbild Proktokolitis. Das kommt zum Beispiel bei eigenständigen Darmerkrankungen wie der Colitis ulcerosa (siehe oben) vor.

Symptome: Die Beschwerden hängen von der Ursache und Ausdehnung der Entzündung ab. Sie beginnen eines Tages mehr oder weniger akut, können in Schüben verlaufen und, wenn nicht eingeschritten wird, wochenlang bestehen bleiben. Möglich sind wiederholte durchfallähnliche, manchmal blutige oder eitrige, schmerzhafte Stuhlabgänge (Tenesmen), Stuhldrang und das Gefühl der unvollständigen Entleerung. Häufig kommen Juckreiz und andere Afterbeschwerden hinzu. Manchmal sind die Symptome diskret oder wenig typisch. Im Vordergrund können bei einer Herpesproktitis zum Beispiel nur Begleitsymptome wie Schmerzen und Probleme beim Wasserlassen stehen.

Weitere Informationen zu sexuell übertragenen Enddarmerkrankungen unter: "Blut am After /aus dem Darm", Kapitel "Ursachen im Enddarm, Dickdarm, Dünndarm", Abschnitt "Enddarmentzündung (Proktitis")

Amyloidose: Folge anderer Krankheiten

Amyloid ist der Oberbegriff für krankhaft entstandene, unlösliche, faserige Eiweißstoffe, die sich in verschiedenen Organen und ihrer Umgebung ablagern können. Eine Amyloidose ist Ausdruck einer ernsthaften Grundkrankheit.

Die Bezeichnung Amyloidose leitet sich vom griechischen Amylo- (= Stärke) ab – was ein Licht auf die Medizingeschichte wirft. Forscher wie R. Virchow nahmen an, dass es Stärke sei, was man damals als Amyloid-Ablagerungen in und um verschiedene Organe fand, denn es färbte sich genauso an. Heute kennt man viele Amyloid-Varianten und Entstehungsmechanismen.

Im Darm kommt es zu den Ablagerungen dieser Eiweißstoffe einmal als Folge einer erblichen Störung (AF-Amyloidose). Die Ablagerungen gehen hier von einem krankhaften Bluteiweiß aus. Symptome beginnen etwa im mittleren Lebensalter mit Muskelschwäche und Gefühlsstörungen im Bereich der Beine (Neuropathie) sowie Durchfälle mit Gewichtsverlust. Diese Form ist relativ selten.

Eine andere Form der Amyloidose (sogenanntes AA-Amyloid) kann im Verlauf einer chronischen Krankheit des Darms selbst wie zum Beispiel Morbus Crohn (siehe oben) oder Whipple-Erkrankung (siehe oben) entstehen. Aber auch chronische Kankheiten außerhalb des Darms wie eine rheumatoide Arthritis, Diabetes mellitus, Tuberkulose oder eine Bindegewebserkrankung namens Kollagenose sind mögliche Auslöser. Die AA-Amyloidose betrifft außer dem Darm meistens noch die Nieren, Leber und Milz. Da die genannten Grundkrankheiten heute weitgehend mit Medikamenten kontrolliert werden können, ist diese Amyloidoseform inzwischen auch seltener geworden.

Schließlich gibt es eine Form der Amyloidose (AL), die mit Lymphknotenkrebs (Lymphomen) und verwandten bösartigen Erkrankungen von Lymphzellen zusammenhängt. Hier kann fast jedes Organ, so wiederum auch der Darm, betroffen sein. Bei der Darmamyloidose werden vor allem die Darmnerven geschädigt (autonome intestinale Neuropathie).

Symptome: Sie hängen maßgeblich von der Grunderkrankung ab. Seitens des Darms kommt es zu Verdauungsproblemen mit Völlegefühl, Verstopfung im Wechsel mit Durchfällen, Gewichtsverlust Häufig fühlen sich die Betroffenen erschöpft, was nicht nur mit dem möglichen Nährstoffmangel, sondern auch mit der ursächlich zugrundeliegenden Erkrankung oder begleitenden Therapien zusammenhängen kann.

Diagnose: Über die genaue Situation im Darm gibt eine Darmspiegelung mit feingeweblicher Untersuchung Auskunft. Weitere Untersuchungen hängen von dem Krankheitsprozess im Einzelnen, den Begleitsymptomen und -umständen ab. Oft ist die Diagnostik sehr umfangreich. Erbliche Formen sind anhand genetischer Familienuntersuchungen erkennbar.

Therapie: Sie richtet sich nach der Grunderkrankung und den Symptomen im Einzelnen. Eine AA-Amyloidose beispielsweise spricht auf eine Behandlung mit Chlorambucil an. Auch eine das Immunsystem unterdrückende Therapie oder sogenannte Biologicals, wie sie teilweise gegen die Grundkrankheit selbst eingesetzt werden, können hier wirksam sein.

Was dem Darm alles zusetzt

Divertikel im Darm oder oder Probleme wie der Reizdarm betreffen viele Menschen. Auch Tumoren des Darms und Diabetes mellitus sind häufige Krankheiten. Und der Alkohol? Er gehört heute zum Alltag, Missbrauch und Abhängigkeit sind krankhafte, nicht selten gefährliche Extreme eines breit akzeptierten Stils. Während alle diese Probleme eint, dass Ernährungsfaktoren irgendwie eine Rolle spielen, bilden die anderen gelisteten Umstände oder Erkrankungen als mögliche Durchfall-Ursachen eher eine uneinheitliche Gruppe.

Die Themen dieses Kapitels im Überblick:

  • Reizdarm
  • Divertikel beziehungsweise Divertikulitis (entzündete Divertikel)
  • Chronisch überhöhter Alkoholkonsum
  • Chronische Durchblutungsstörungen des Darms
  • Tumoren und Polypen
  • Hormonell aktive Tumoren
  • Durchfall nach Magen-Darm-Operationen
  • Strahlenbehandlung
  • Funktionsstörungen der Schilddrüse, zum Beispiel Schilddrüsenüberfunktion
  • Nebennierenrindenunterfunktion
  • Diabetes mellitus Typ 1 (mit Zöliakie), Diabetes mellitus Typ 2 (mit Folgeschaden an Darmnerven)

Volkskrankheit Reizdarm

Der Reizdarm gehört mittlerweile zu den häufigen Krankheiten. Es handelt sich um ein Krankheitsbild, bei dem mit den verfügbaren Mitteln keine krankhaften Veränderungen erkennbar sind. Daher wird der Arzt zunächst viele andere Erkrankungen oder Umstände, die Beschwerden wie bei einem Reizdarm bereiten können, ausschließen, bevor er diese Diagnose stellt. Bei einem Teil der Patienten liegt eventuell ein postinfektiöses Reizdarmsyndrom vor, was besagt, dass die Beschwerden durch eine vorausgegangene Darminfektion ausgelöst worden sind.

Symptome: Leitbeschwerden bei Reizdarm sind Durchfall, Bauchschmerzen oder Krämpfe im Bauch nach der Nahrungsaufnahme und Blähungen. Die Patienten müssen oft zur Toilette gehen, was den Alltag sehr belastet. Bei anderen Betroffenen kann eine hartnäckige Verstopfung im Vordergrund stehen. Wieder andere Patienten leiden unter Durchfall und Verstopfung im Wechsel. Wichtig: Nachts pausiert der Durchfall in der Regel, der (Reiz-)Darm bleibt ruhig.

Mehr zu Symptomen und Therapie im Ratgeber "Reizdarm". 

Entzündete Darmdivertikel

Darmdivertikel sind Aussackungen der Darmschleimhaut an vorgegebenen Schwachpunkten, zum Beispiel Spalten in der Darmwand, durch die Gefäße hindurchtreten. Die Verformungen heißen in diesem Fall Pseudodivertikel. Nachfolgend ist vereinfachend von Divertikeln die Rede. Divertikel im Darm sind meist harmlos. Wenn sie sich entzünden, können jedoch starke Beschwerden auftreten. Divertikel kommen überwiegend im Dickdarmbereich des "Sigma" (Colon sigmoideum, S-Darm) auf der linken Seite im Unterbauch vor.

Symptome: Entzündungen von Sigma-Divertikeln (Sigmadivertikulitis) äußern sich mit starken Schmerzen im linken Unterbauch, wobei die Schmerzen sich aber auch über den gesamten Bauchraum erstrecken können. Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl kommen hinzu. Auch Verstopfung, starke Blähungen, manchmal Durchfall, Blut- und Schleimbeimengungen im Stuhl sind bei einer akuten Divertikulitis möglich.
Der Beitrag "Divertikel im Darm" informiert ausführlicher über das Krankheitsbild.

Chronischer Alkoholmissbrauch

Dauerhafter Überkonsum von Alkohol schädigt im Verdauungsbereich die Magen- und Darmschleimhaut, die Leber und die Bauchspeicheldrüse. In der Folge kann es unter anderem zu Durchfällen kommen, die die bestehende Tendenz zur Mangelernährung verstärken und zu Mangelerscheinungen führen. Eine Entzugs- und  Ernährungsbehandlung und -beratung wird der Arzt, wenn immer möglich, anstreben.

Chronische Durchblutungsstörungen des Darms

Eine langsam fortschreitende Arteriosklerose der Schlagadern (Arterien), die den Darm versorgen, verengt die Gefäße. Dies beeinträchtigt die Durchblutung des Darms.
Wenn sich die Durchblutung verschlechtert, kann sich eine chronische Entzündung der Darmschleimhaut entwickeln. Sie heißt in diesem Fall ischämische Kolitis. Dabei sind auch Geschwüre möglich.

Symptome: Die Betroffenen verspüren mäßig starke, krampfartige Bauchschmerzen, meist auf der linken Seite. Falls es bei stärkerem Durchblutungsmangel zu Geschwüren im Darm kommt, sind blutige Durchfälle aus dem Darm möglich (siehe Beitrag "Blut aus dem Darm", Kapitel "Enddarm, Dickdarm, Dünndarm", Abschnitt: "Gefäßerkrankungen").

Diagnose: Der Arzt prüft das Risikoprofil des Patienten für arteriosklerotische Gefäßerkrankungen: den Raucherstatus, den Blutdruck, die Blutfette, den Blutzucker, die Herz- und Nierenfunktion, meistens auch weitere Blutwerte. Er untersucht den Patienten außerdem körperlich und tastet sorgfältig die Pulse ab. Beim Abhören kann er eventuell Strömungsgeräusche über dem Bauch und / oder den Halsschlagadern feststellen. Sie sprechen für eine Gefäßverengung. Wichtigste Untersuchungen sind jedoch Ultraschall einschließlich Gefäßultraschall (Duplexsonografie) und eine Darmspiegelung, eventuell auch eine Computertomografie des Bauches.

Therapie (ischämische Colitis): Hier geht es vor allem um Behandeln oder Ausschalten auslösender Faktoren. Der Darm wird vorübergehend durch eine Nahrungspause, speziell geeignete Kostformen oder eine künstliche Ernährung über die Blutbahn entlastet. Falls eine Darmschädigung eingetreten ist, muss der Chirurg den entsprechenden Abschnitt entfernen.

Gut- und bösartig: Tumoren und Polypen

Im Darmtrakt können verschiedenste Geschwülste (Tumoren), die von der Schleimhaut ausgehen, Durchfall hervorrufen. Es gibt gut- wie bösartige Formen.

Staut sich beispielsweise Stuhl vor einer Verengung im Dickdarm, verdauen Bakterien den Stuhlgang weiter, bis er dünnflüssig ist und die Engstelle passiert. Treten Durchfälle immer wieder im Wechsel mit Verstopfung auf, wird der Arzt einen Darmkrebs (zum Beispiel Mastdarmkrebs) als Grund ausschließen. Allerdings sollte man nicht gleich beunruhigt sein, da verschiedene Ursachen möglich sind, etwa ein Reizdarm (siehe oben) oder eine chronische Amöben-Infektion (mehr im Kapitel "Durchfall: Ursachen chronisch (1)". Auch eine Nervenschädigung im Darm kann die Verdauungsfunktionen beeinträchtigen. Sie kann sich infolge eines Diabetes (siehe weiter unten), einer Amyloidose (mehr ebenfalls im Kapitel "Durchfall: Ursachen chronisch (1)") oder anderer Erkrankungen entstanden sein.

Polypen sind variantenreiche, gutartige Geschwülste des Magen-Darm-Traktes. Ihr Aufbau mit Stiel und Hut ähnelt Pilzen. Sie können einzeln, mehr- oder vielfach wachsen oder den gesamten Darm übersäen. Je nach Art und Größe kann nach fünf bis zehn Jahren aus einem gutartigen Darmpolyp eine bösartige Geschwulst, also Darmkrebs, entstehen. Ihre Entfernung ist eine der wirksamsten Krebsvorbeugungsmaßnahmen. Besondere Risiken bringen erbliche Polypenerkrankungen mit sich, sogenannte familiäre Polyposen. Bei diesen Erkrankungen sind im Zusammenhang mit stärkeren Eiweißverlusten über die Darmschleimhaut auch Durchfälle möglich.

Symptome: Darmpolypen bereiten bis auf eine bestimmte Art, nämlich sogenannte villöse Adenome, lange Zeit keine Beschwerden. Villöse Adenome neigen häufiger zur Entartung (siehe auch unter "Hormonaktive Tumoren" weiter unten). Möglich sind gelegentlich Blut- und Schleimabgänge. Größere Adenome können den Darm verlegen oder, wenn sie nah am Darmausgang liegen, nach außen vorfallen. Auch Darmkrebs macht häufig erst Symptome, wenn er fortgeschritten ist. Sie sind zudem wenig charakteristisch. Haben sich zum Beispiel die Stuhlgewohnheiten verändert und bestehen vermehrt Blähungen, Schmerzen beim Stuhlgang, Bauchschmerzen oder -krämpfe, sollte man das vom Arzt abklären lassen.

Diagnose und Therapie: Stummen Polypen und Darmkrebs lässt sich durch einen Stuhltest auf verdecktes (okkultes) Blut auf die Spur kommen. Enddarmgeschwülste überprüft der Arzt zum einen mit der Tastuntersuchung, zum anderen mittels einer Ultraschalluntersuchung (Enddarmsonografie). Am besten ist der Nachweis über eine Darmspiegelung, bei der sich Polypen, falls sie nicht übergroß sind, gleich entfernen lassen. Dann ist der Diagnoseschritt in der Regel auch die Therapie. Im Anschluss erfolgt immer eine feingewebliche Untersuchung. Größere Polypen trägt der Chirurg operativ ab. Je nach Ergebnis werden danach kontrollhalber Darmspiegelungen in bestimmten zeitlichen Abständen empfohlen. Zur Therapie des villösen Adenoms siehe unten ("Hormonell aktive Tumoren").

Das ausgesprochen seltene Cronkhite-Canada-Syndrom (siehe im Beitrag Darmpolypen) ist eine nahezu flächendeckende Polypose des Magen-Darm-Traktes mit dem Leitsymptom Durchfall. Bei dieser nicht erblichen Form der Polypose ist das Entartungsrisiko niedriger. Dennoch soll sich bei etwa 15 Prozent der Betroffenen im weiteren Verlauf eine Krebserkrankung im Magen-Darm-Trakt entwickeln können.

Symptome: Die Erkrankung tritt nach dem 50. Lebensjahr auf. Es kommt zu Durchfall, Bauchschmerzen, Eiweißverlust, (Hypoproteinämie), eventuell Blutungen aus dem Darm. Begleitet wird die Krankheit von bräunlichen Hautflecken, Haarausfall und Nagelveränderungen.

Diagnose: Der direkte Weg zum Dickdarm besteht auch hier in einer Dickdarmspiegelung mit Gewebeentnahmen. Bei der Kolon-(Video-)Kapselendoskopie, die inzwischen auch zur Untersuchung des Dickdarms verfügbar ist, lassen sich allerdings keine Gewebeproben entnehmen. Bei Verdacht auf Befall des Dünndarms wird es etwas komplizierter. Hier kommen in erster Linie Verfahren wie eine Videokapselendoskopie und eine spezielle Form der Magnetresonanztomografie (sogenannte Hydro-MRT) infrage, sodann spezielle Endoskopieverfahren. Magen und oberster Dünndarm können anhand einer Magenspiegelung eingesehen werden.

Therapie: Die Behandlung besteht vor allem im Ersatz der verlorengegangenen Flüssigkeit und Blutsalze über die Blutbahn. Dies kann über längere Zeit notwendig sein. Da die Ursache der Erkrankung unbekannt ist, gibt es keine gezielte Therapie. Ärzte setzen manchmal unter anderem Kortison, Antihistaminika oder Cromoglycinsäure ein. Wichtig sind regelmäßige endoskopische Kontrolluntersuchungen.

Durchfall nach Magen-Darm-Operationen

Durchfälle nach bestimmten Operationen im Magen-Darm-Trakt sind nicht selten. Das liegt an verschiedenen Faktoren, die sich auch gegenseitig beeinflussen können, etwa ein umgeleiteter Verdauungsweg, eine veränderte Zusammensetzung der Darmbakterien und Störungen beim Recycling von Gallensäuren.

Die betroffenen Patienten weisen den Arzt am besten darauf hin, dass sie eine entsprechende Operation hatten (was er bei der körperlichen Untersuchung anhand der Narbe auch nachvollziehen kann) und bringen sicherheitshalber vorhandene Unterlagen wie den Arztbrief mit. Je nach den bei der Untersuchung erhobenen Befunden wird der Arzt auch nach Ursachen suchen, die nicht zu den typischen Operationsfolgen gehören.

Nachfolgend in Kürze einige Beispiele, bei denen leider die Fachbezeichnungen unvermeidlich, wo möglich aber übersetzt sind. Auf die Operationen selbst kann nicht weiter eingegangen werden. So viel aber vorab: Für alle am Magen oder Darm operierten Patienten ist eine ausführliche Ernährungsberatung sehr wichtig.

  • Durchtrennung des Vagusnervs, der den Magen versorgt (Vagotomie): Die Vagotomie wird heute praktisch nicht mehr durchgeführt, aber es gibt viele Patienten, deren Magengeschwür früher so behandelt wurde und die daher die möglichen Folgen kennen.

    Symptome:
    Zu den Beschwerden gehören Völlegefühl, Aufstoßen, Rückfluss von Magensäure. Ein bis zwei Stunden nach dem Essen kann es zu Durchfällen durch ein Überangebot von Nahrung und Gallensäuren im Darm, zur gestörten Verdauung (Maldigestion) durch zu rasche Magenentleerung und verspätetes Anfluten der Verdauungssäfte kommen. In der Folge ist eine Blutarmut durch Mangel von Eisen und Vitamin B12 möglich.

    Therapie:
    Üblich ist ein symptomatischer Behandlungsversuch, zum Beispiel mit Loperamid sowie Cholestyramin, um die Gallensäuren zu binden. Fehlende Vitamine, eventuell auch Eisen, werden ersetzt (Vorsicht, die Einnahme von Eisenpräparaten kann ebenfalls zu Durchfall führen). Eventuell ist ein Korrektureingriff sinnvoll.
  • Teilentfernung des Magens: Durchfall in dieser Situation ist in der Regel mit dem Phänomen des sogenannten "Frühdumpings" verbunden. Dumping, englisch, bedeutet so viel wie Abstürzen. In der Medizin versteht man unter "Frühdumping" eine Sturzentleerung des Restmagens 15 bis 30 Minuten nach der Nahrungsaufnahme. Ärzte sprechen hier auch vom Postgastrektomie-Syndrom nach Magenteilresektion. Dazu kommt es, weil der stark konzentrierte Mageninhalt schnell und viel Flüssigkeit aus dem Dünndarm anzieht, die dem Kreislauf dann fehlt. Auch die Überdehnung des Dünndarms löst Beschwerden aus, ebenso die in zu schneller Folge ausgeschütteten Verdauungshormone, die nebenbei auch die Darm- und Herztätigkeit beeinflussen.

    Symptome:
    Es kommt zu Durchfall, Aufstoßen,
    Übelkeit, Erbrechen, krampfartigen Bauchschmerzen, schnellem Puls, Herzklopfen, Schweißausbrüchen, Kopfschmerzen, Schwindel.

    Therapie:
    Den Patienten wird empfohlen, häufige kleine Mahlzeiten, täglich bis zu sechsmal, zu sich zu nehmen, dazu aber keine Flüssigkeit zu trinken, sondern zwischendurch. Die Nahrung sollte eiweißreich sein, aber wenig leicht verdauliche Kohlenhydrate enthalten (keine Milch, kein Zucker). Außerdem können Mittel gegen Durchfall wie zum Beispiel Loperamid und ein sogenanntes Somatostatinanalogon (siehe unten: Karzinoide) eingesetzt werden. Bei nicht beherrschbaren Beschwerden ist eine operative Korrektur zu erwägen.

Besiedlung des Dünndarms mit Bakterien

Die bakterielle "Fehlbesiedlung" des Dünndarms kommt vor allem auf verschiedenen Wegen zustande. Teilweise spielen auch veränderte Verhältnisse nach einer Bauchoperation eine Rolle.

Entweder bleibt der Darminhalt liegen, weil der Dünndarm ihn nicht richtig weiterbefördert (funktionell). Das kann beispielsweise von Krankheiten wie Sklerodermie oder Diabetes herrühren, bei denen auch Verdauungsnerven geschädigt werden.

Oder es gibt anatomisch-mechanische Gründe. Im Dünndarm kann sich zum Beispiel eine Art Blindsack bilden, in dem Nahrung hängen bleibt. Schließlich kann eine direkte Verbindung zwischen Dünn- und Dickdarm bestehen. Ursachen sind Darmerkrankungen, etwa krankhafte Dünndarmaussackungen (Divertikel), oder Verengungen durch Narben oder Ausstülpungen an Nahtstellen nach einer Operation. So kann nach einer Magenoperationen eine an den Restmagen angeschlossene Dünndarmschlinge zum "Blindsack" werden. Jeweils kann der Darm von Bakterien überwuchert werden. Auch dass nach Teilentfernung des Magens die Magensäure fehlt, trägt zum Bakterienboom im Dünndarm bei.

Nach verkürzenden Dünndarmoperationen, vor allem bei Entfernung des letzten Abschnitts (terminales Ileum), wo die Gallensäuren recycelt werden und Vitamin B12 aufgenommen wird, können Bakterien ebenfalls in den Dünndarm einwandern (Kurzdarmsyndrom, siehe unten).

Symptome: Es kommt zu Diarrhö mit und ohne Steatorrhö (mehr dazu im Kapitel "Durchfall: Überblick" und "Durchfall: Ursachen chronisch (1)"), Bauchschmerzen, Überblähung, Gewichtsverlust, möglicherweise auch Mangelerscheinungen (Malassimilationssyndrom) wie Mangel an Vitamin B12 mit Blutarmut, Müdigkeit. Wichtig: Die Beschwerden können manchmal erst Jahre nach der Operation auftreten.

Diagnose: Der Weg zur Diagnose beginnt bei der Krankengeschichte.
Dünndarmflüssigkeit, die bei einer Magenspiegelung gewonnen wird, kann auf Keime untersucht werden. Messungen der Blutspiegel von Vitamin B12 (niedrig wegen Verbrauchs durch die Bakterien) und Folsäure (eher erhöht wegen Produktion durch die Bakterien) geben weitere Auskunft. Mittels H2-Atemtest nach Gabe von Milchzucker (Laktose) oder Traubenzucker (Glukose) oder mit einem anderen geeigneten Test lässt sich eine bakterielle Fehlbesiedlung erkennen. Spezielle Testverfahren weisen Gallensäureverluste nach.

Therapie: Wenn eine operative Korrektur möglich ist, wird der Chirurg entsprechend tätig. Die konservative Behandlung umfasst die (wiederholte) Gabe eines Antibiotikums und eine diätetische Therapie. Je nach Ausmaß der Steatorrhö können bestimmte, leichter aufnehmbare Fettsäuren (sogenannte mittelkettige MCT-Fette) vorteilhaft sein. Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente werden ersetzt. Vitamin B12 gibt der Arzt bei einem Defizit als Spritze. Wichtig ist natürlich die gezielte Therapie einer behandelbaren Grunderkrankung, etwa eines Morbus Crohn, der häufig das terminale Ileum (siehe oben) schädigt. 

Kurzdarmsyndrom

Durchfall ist auch die Folge, wenn ein Teil des Dünndarms (Dünndarmresektion) entfernt wurde. Neben der Diarrhö kann Steatorrhö auftreten.

Welcher Art und wie stark die Darmstörung ist, hängt hier von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel, ob das letzte Stück vor dem Dickdarm mitbetroffen ist, von wo aus die Gallensäuren wieder zur Leber zurückkehren und wo das Vitamin B12 aufgenommen wird. Oder ob die Klappe zwischen Dünn- und Dickdarm fehlt. Das führt nämlich dazu, dass Darminhalt schneller nach unten in den Dickdarm abflutet und Bakterien nach oben in den Dünndarm einwandern. Dazu kann es auch dann kommen, wenn der Dickdarm direkt an den Dünndarm angeschlossen wurde. Eine Darmverkürzung kann zudem zum Mangel des Enzyms Laktase und Milchzuckerunverträglichkeit führen. Dies alles verstärkt die Tendenz zu Durchfällen.

Nicht zuletzt bewirkt das auch die auf der "Kurzstrecke" verstärkte Wirkung der Magensäure und des Speisebreis, die den Darm vermehrt anregen, Flüssigkeit beizumischen. Je nach Ausmaß der Darmverkürzung sind aber dennoch positive Anpassungen der Verdauungsleistung möglich, falls Nahrung zumindest teilweise auf natürlichem Wege aufgenommen werden und der Darm üben kann.

Symptome: Leitsymptome sind Durchfall und Steatorrhö (Fettstühle) sowie Gewichtsverlust; der Bauch kann überbläht sein. Außerdem bilden sich vermehrt Nieren- und Gallensteine.

Therapie: Je nach Ausmaß der Beschwerden können Protonenpumpenblocker, die die Bildung von Magensäure hemmen, hilfreich sein. Auch Mittel gegen Durchfall wie Loperamid und eine fettmodifizierte (MCT, mittelkettige Fette), laktose- und ballaststoffarme Diät tragen zur Besserung bei. Wichtig ist immer der Ersatz fehlender Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Eine bakterielle Fehlbesiedlung wird der Arzt entsprechend auffangen (siehe oben). Mit Unterstützung durch geschulte Angehörige oder Betreuer kann auch zu Hause eine künstliche Ernährung über ein spezielles Kathetersystem, zum Beispiel einen "Port", durchgeführt werden (heimparenterale Ernährung). Weitere Therapien werden erforscht, um Patienten mit Kurzdarm, die heute alle Altersgruppen betreffen, künftig noch besser helfen zu können.

Pouch und Pouchitis

Unter einem Pouch versteht man ein aus einer Dünndarmschlinge operativ angelegtes Stuhlbehältnis. Pouchitis bedeutet Entzündung der Anlage.

Mit dem Aufbau eines Pouches vermeidet der Chirurg einen künstlichen Darmausgang, wenn beispielsweise bei Patienten mit einer schweren Colitis ulcerosa oder einer familiären Polyposis der gesamte Dickdarm entfernt werden musste. Auch wenn durchfallähnliche, mehrfache Stuhlentleerungen hier eine normale Folge sind, ist der Beitrag zur Lebensqualität der Betroffenen enorm. Problem kann sein, dass der Pouch sich entzündet. Dies macht sich mit einer deutlich gesteigerten Entleerungsfrequenz, Bauchkrämpfen und Blutabgängen bemerkbar.

Mehr dazu unter "Blut am After /aus dem Darm", Kapitel "Ursachen im Enddarm, Dickdarm, Dünndarm", Abschnitt Pouchitis.

Strahlenbehandlung

Eine Bestrahlungsbehandlung eines Organs im Bauch- oder Beckenraum wegen eines Tumors kann den Darm – Dünndarm und Dickdarm – nicht nur akut beeinträchtigen, sondern führt oft auch dauerhaft zu Problemen.

Monate nach der Strahlentherapie kann die Schleimhaut verkümmern (Atrophie). Die Gefäße sind verödet, die Wandschichten verhärten sich. Noch Jahre später können auch narbige Verengungen (Stenosen) des Darms auftreten.

Symptome: Die Scheimhautatrophie führt zu chronischem Durchfall und Gewichtsverlust. Eine Darmverengung zieht eine mehr oder weniger starke Verstopfung, eventuell auch Beschwerden wie bei Darmverschluss mit Stuhlverhalt und starken Bauchschmerzen nach sich. Auch Vereiterungen (Abszesse) mit Fieber oder Blutungen sind möglich. Oder es bilden sich Fisteln, Kurzschlüsse zwischen Darmschlingen oder Verbindungsgänge zwischen dem Darm und einem Nachbarorgan oder der Haut. Die Symptome hängen von den Veränderungen im Einzelfall ab.

Diagnose und Therapie erfolgen in der Klinik. Erste Hinweise ergeben die Krankengeschichte und die körperliche Untersuchung. Mittels Ultraschall und radiologischer Diagnostik, insbesondere einer Computertomografie (CT), je nach Befinden des Patienten eventuell auch einer Röntgenuntersuchung des Darms mit Kontrastmittel werden andere Ursachen ausgeschlossen. Die Therapie richtet sich nach den Symptomen und der Diagnose. Wenn keine strikt operationsbedürftige Situation vorliegt, wird der Patient nach Möglichkeit konservativ behandelt. Das bedeutet, dass in der Regel eine künstliche Ernährung über die Blutbahn notwendig ist. Dies gilt bedingt auch für eine Darmverengung.

Hormonell aktive Tumoren

Der Fachbegriff für diese Erkrankungen lautet neuroendokrine Tumoren. Sie sind gut- oder bösartig und stammen von speziellen Zellen aus der Bauchspeicheldrüse, dem Darm oder Magen ab. Manchmal finden sie sich auch in der Lunge, in den Nebennieren oder in der Schilddrüse.

Die Hormonbildung ist krankhaft und hat mit dem normalen Hormonsystem, das natürlich auch einmal an der einen oder anderen Stelle erkranken kann, nichts zu tun. Neuroendokrin bedeutet sowohl "drüsen-" (endokrin) als auch "nerven-" (neuro) -aktiv. Neuroendokrine Tumoren bilden außer Verdauungshormonen auch Nervenbotenstoffe. Wenn sie die Stoffe ins Blut ausschütten, kann es zu vielfältigen Symptomen kommen. Manchmal werden sie sehr groß oder entsenden Tochtergeschwülste (Metastasen) und bereiten auch dadurch Beschwerden. Diese Veränderungen gelten als Zeichen von Bösartigkeit.

Es gibt außerdem Erbkrankheiten, die häufiger zu neuroendokrinen Geschwülsten führen, zum Beispiel die multiple endokrine Neoplasie (MEN). Darunter versteht man das familiär gehäufte Auftreten von neuroendokrinen Tumoren der Bauchspeicheldrüse oder der Schilddrüse zusammen mit einem Tumor in einer anderen Drüse, etwa in den Nebenschilddrüsen, Nebennieren oder auch in der Hirnanhangsdrüse.

Zu den neuroendokrinen Tumoren, die Durchfall auslösen, gehören einmal das Gastrinom (Zollinger-Ellison-Syndrom, bildet vor allem das Hormon Gastrin), das häufig in der Bauchspeicheldrüse entsteht, zum anderen weitere, in dieser Drüse angesiedelte Tumoren wie das Vipom (Verner-Morrison-Syndrom). Überwiegend im Darm kommen die sogenannten Karzinoide vor. Zu nennen sind außerdem das Somatostatinom (sein Hormon ist das Somatostatin) und die sehr seltenen, das Hormon Kalzitonin bildenden Tumoren. Auch das villöse Adenom (kommt im Dickdarm vor) und das medulläre Schilddrüsenkarzinom gehören zu den neuroendokrinen Tumoren.

Es sind alles in allem seltene Erkrankungen: Es erkrankt nur etwa einer von fünfzig bis hunderttausend Einwohnern.

  • Gastrinom (Zollinger-Ellison-Syndrom): Dieser Tumor entsteht in der Bauchspeicheldrüse oder auch im Zwölffingerdarm, dem obersten Dünndarmabschnitt. Er produziert vor allem das Hormon Gastrin, das eigentlich der Magenschleimhaut vorbehalten ist und die Bildung der Magensäure anregt.

    Weitere mögliche Entstehungsorte sind die Leber, Lymphknoten im Bauchraum, die Gallenwege, Eierstöcke und sogar das Herz. Bei etwa einem Viertel bis Fünftel der Patienten sind Gastrinome mit einer MEN des Typs 1 verbunden. Dabei kommt es auch zur Überfunktion der Nebenschilddrüsen und Nierensteinen (zur MEN siehe oben).

    Symptome:
    Typisch sind
    Magengeschwüre, die trotz gezielter Therapie hartnäckig wiederkehren. Begleitsymptome sind Oberbauchbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen. Ein Drittel der Betroffenen leidet zusätzlich an voluminösen wässrigen Durchfällen und Gewichtsverlust. Diese kommt durch die gestörte Fettverdauung zustande, die wiederum eine Folge der starken Magensäurebildung durch Gastrin ist: Der saure Mageninhalt hemmt die Verdauungsenzyme der Bauchspeicheldrüse.

    Diagnose:
    Die Beschwerden sind richtungweisend. Gastrin kann im Blut gemessen werden. Ein Funktionstest kann das Gastrinom aufgrund starker Gastrinreaktion beweisen. Mit einer endoskopischen Ultraschalluntersuchung und einer speziellen Szintigrafie kann die Geschwulst geortet werden.

    Therapie:
    Medikamente namens Protonenpumpenhemmer blockieren die Produktion der Magensäure. Ein isoliert vorkommendes Gastrinom wird chirurgisch entfernt.
  • Vipom (Verner-Morrison-Syndrom): Das Hormon dieser in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) wachsenden, meist bösartigen Geschwulst heißt vasoaktives intestinales Polypeptid). VIP gelangt in den Kreislauf und verursacht die sogenannte "pankreatische Cholera" – übersetzt bedeutet das so viel wie "massive wässrige Durchfälle, ausgelöst von der Bauchspeicheldrüse".

  • Symptome: Vipome können bis zu unglaubliche 30 (!) Liter Stuhl am Tag und starke Bauchkrämpfe auslösen. Die Folgen: lebensbedrohliche Austrocknung, Salzmangel, Störungen der Muskulatur, Schwäche, Verwirrtheitszustände, Kollaps. Weitere Hormone des Tumors können das Krankheitsbild noch komplizierter machen, zum Beispiel durch einen erhöhen Blutzucker oder einen erhöhten Blutkalziumspiegel.

    Diagnose:
    Die Symptome und bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT), mittels derer die Geschwulst in der Regel entdeckt wird, sichern zusammen mit Blutuntersuchungen die Diagnose. 

    Therapie:
    Schnellstmöglicher Flüssigkeits- und Salzersatz stehen an erster Stelle, begleitet von baldiger Gabe eines sogenannten Somatostatinanalogons wie zum Beispiel Octreotid. Dieses Mittel wirkt häufig längere Zeit recht gut gegen die Diarrhö. Mitunter wird auch Kortison eingesetzt, außerdem Loperamid gegen die Durchfälle. Da der Tumor oft schon Metastasen gebildet hat, wenn er sich bemerkbar macht, ist eine chirurgische Entfernung kaum möglich, jedoch eine Verkleinerung. Eventuell kommt eine Chemotherapie, gegen Lebermetastasen auch eine sogenannte Chemoembolisation in Betracht. Dabei wird über einen Gefäßkatheter ein Zytostatikum an den Tumor oder die Metastase in der Leber herangebracht und das versorgende Gefäß mit chemischen Partikeln verschlossen (embolisiert). Mit diesen gezielten Maßnahmen sind trotz Metastasen längere Überlebenszeiten möglich.

  • Karzinoid: Diese Tumoren kommen vor allem im Blinddarm (genauer: im Wurmfortsatz des Blinddarms, Appendix), im Dünndarm (im letzten Abschnitt vor dem Dickdarm), im Enddarm, im Magen und in den Bronchien vor. Sie können mehr als 20 verschiedene Hormone produzieren. Wichtigste Hormone sind Serotonin und Histamin.

    Karzinoide verhalten sich sehr unterschiedlich. Im Blinddarm (gutartig) werden sie manchmal nur zufällig anlässlich einer Blinddarmoperation entdeckt. Im Dünndarm wachsende Karzinoide können den Darm einengen und so Anzeichen eines Darmverschlusses auftreten, ansonsten aber "stumm" sein. Andere Dünndarm-Karzinoide wiederum machen typische Beschwerden, wie nachfolgend beschrieben. Wenn von einem "Karzinoidsyndrom" die Rede ist, bedeutet das, dass ein Karzinoid-Tumor im Zuge der Absiedlung in der Leber bestimmte Symptome auslöst, zu denen es vorher nicht gekommen ist, weil die verantwortlichen Hormone noch abgebaut worden sind.

    Symptome: Starke wässrige Diarrhö oder Steatorrhö, anfallsartige Hitzewallungen mit Rötung am Kopf und Hals (Flush), Herzjagen und Schwitzen gehören zu den Leitsymptomen. Stress, Alkohol und Essen können die Attacken verstärken. Ausgehend von den Bronchien kommt es manchmal kommt es auch zu asthmaartigem Giemen. Eventuell treten Hautveränderungen und bestimmte  Herzklappenfehler auf, verbunden mit einer Herzschwäche (Versteifung der rechten Herzkammer).

    Diagnose:
    Das Beschwerdebild ist sehr verdächtig auf ein Karzinoid (ansonsten auf eine Mastozytose, siehen unten). Im Urin wird ein Abbauprodukt von Serotonin, dem hauptverantwortlichen Hormon, gemessen. Vor allem bestimmte szintigrafische Verfahren stützen die Diagnose.

    Therapie:
    Das Karzinoidsyndrom spricht oft gut auf Somatostatinanaloga wie Octreotid an. Auch Interferon wird eingesetzt. Die Bronchien erweiternde Medikamente wirken gegen das Giemen. Alkohol sollte weggelassen werden. Als an der Ursache orientierte Therapie wird der Karzinoidtumor nebst Metastasen nach Möglichkeit entfernt. Bei Leberbefall kommt eventuell eine Chemoembolisation (siehe oben, Vipom) in Betracht. Auch bestimmte Chemotherapien werden eingesetzt.

  • Somatostatinom: Diese sehr seltene Geschwulst, die häufiger in der Bauchspeicheldrüse, aber auch im Dünndarm wachsen kann, bildet große Mengen des Hormons Somatostatin. Der Nervenbotenstoff spielt nicht nur im zentralen Nervensystem, sondern auch im Magen-Darm-Trakt eine Rolle. Dort kann er fast alle Verdauungshormone blockieren. Im Verlauf der Erkrankung können sich in der Leber Tochtergeschwülste bilden. Dies kommt häufiger bei den in der Bauchspeicheldrüse liegenden Tumoren vor.

    Symptome:
    Je nach Lokalisation der Geschwulst entsteht in unterschiedlicher Häufigkeit ein Diabetes, es kommt zu Gallensteinen, die mit Koliken einhergehen können, zu Diarrhö / Steatorrhö, Salzverlust und Gewichtsabnahme. Manche Tumoren bereiten keine Beschwerden und werden nur zufällig entdeckt, wenn zum Beispiel die Gallenblase entfernt wird.

    Diagnose:
    Erhöhte Somatostatinwerte im Blut weisen neben den Beschwerden auf die Erkrankung hin.

    Therapie:
    Es wird eine Operation angestrebt, sofern nicht zu viele Metastasen vorhanden sind. Dabei wird auch die Gallenblase entfernt. Als Medikamente sind sogenannte Somatostatinanaloga wie zum Beispiel Octreotid geeignet. Ein Mittel wie Loperamid kann den Durchfall günstig beeinflussen.
  • Villöses Adenom: Adenome sind gutartige Darmpolypen (siehe weiter oben). Villöse Adenomen präsentieren sich oft als relativ breitbasige Geschwülste und befinden sich am häufigsten am Ende des Sigma, dem S-förmigen Teil des unteren Dickdarms, oder im Enddarm.

    Falls villöse Adenome über zwei Zentimeter groß sind, was häufiger verkommt, beträgt ihr Entartungsrisiko 50 Prozent. Daher ist es besonders wichtig, diese Polypenart zu entfernen. Während Polypen, somit auch Adenome, normalerweise keine Beschwerden verursachen, können große villöse Adenome selten bedrohliche Durchfälle auslösen. Die Durchfälle können allmählich einsetzen und dann ein erhebliches Ausmaß annehmen. In diesem symptomatischen Fall zählen villöse Adenome zu den neuroendokrinen Tumoren, da von ihnen gebildete Gewebshormonone für Symptome verantwortlich sind.

    Symptome:
    Typisch sind dann starke, wässrige, schleimige Diarrhöen und damit verbunden ein Mangel an Blutsalzen, vor allem Kalium, und Eiweiß. Der Flüssigkeitsverlust führt zu Muskelschwäche, Herzrhythmusstörungen und anderen, äußerst bedrohlichen Störungen.


    Diagnose:
    Sie ergibt sich aus dem Beschwerdebild und dem Ausschluss sonstiger Ursachen, nicht zuletzt mittels einer Darmspiegelung und feingeweblichen Untersuchung.

    Therapie:
    Wichtig ist – vor allem in der bedrohlichen Situation – der sofortige Flüssigkeits- und Salzersatz. Der das Adenom tragende Darmabschnitt wird in der Regel operativ entfernt, da die Geschwulst sehr groß ist. Kleinere villöse Adenome, die meistens nicht hormonell aktiv sind, können dagegen endoskopisch abgetragen werden.
  • Medulläres Schilddrüsenkarzinom: Dieser Schilddrüsenkrebs kommt in einer vererbbaren Form, in einer weiteren erblichen Form im Rahmen der MEN (Typ 2) und als nicht erbliche, sporadische Form vor.

    Auf die MEN wurde eingangs im Abschnitt "Neuroendokrine Tumoren" schon eingegangen. Entsteht die Erkrankung im Rahmen der MEN, tritt zusätzlich ein sogenanntes Phäochromozytom (ein neuroendokriner Tumor des Nebennierenmarks; Leitsymptome: Blutdruckkrisen, Schwitzen und Gesichtsblässe), manchmal auch eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus) auf.

    Medulläre Schilddrüsenkarzinome wachsen langsam, sind längere Zeit symptomarm, können aber relativ frühzeitig Tochtergeschwülste bilden. Die Tumorzellen produzieren verschiedene, im Verdauungstrakt wirksame Hormone sowie Kalzitonin. Kalzitonin spielt bei der Regelung des Kalzium- und Knochenstoffwechsels eine wichtige Rolle, wirkt sich aber bei der vorliegenden Erkrankung kaum in dieser Richtung aus.

    Symptome:
    Wässrige Diarrhö kann das erste Symptom sein. Eine ausgeprägte Diarrhö ist allerdings häufig mit Metastasierung verbunden.


    Diagnose:
    Ein deutlich erhöhter Spiegel von Kalzitonin oder ein überschießender Anstieg des Hormons bei einem Funktionstest weisen auf das Karzinom hin. Die Schilddrüse wird mittels Sonografie einschließlich Farbdoppler, Szintigrafie und einer Feinnadelpunktion untersucht. Vor der Operation – der wichtigsten Therapiemaßnahme – werden außerdem weitere bildgebende Verfahren durchgeführt, zum Beispiel eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT). Den Patienten wird außerdem zu einem Gentest geraten. Ist er positiv, sollten auch die Angehörigen ab dem dritten Lebensjahr untersucht werden (Famienscreening). Aus einem positiven Gentest ergibt sich bei allen Betroffenen die Empfehlung zur Schilddrüsenoperation, weil die Wahrscheinlichkeit, selbst an Krebs zu erkranken, sehr hoch ist. Bei Verdacht auf MEN schließen sich Untersuchungen auch in dieser Richtung an.

    Therapie:
    Die Schilddrüse wird komplett entfernt, eventuell auch umgebendes Gewebe nebst Lymphknoten. Zur Verlaufskontrolle dienen vor allem Messungen von Kalzintonin und des Tumormarkers CEA.

Sonderfall Mastozytose

Bei dieser eigenständigen Erkrankung vermehrt sich eine Mastzelle (Stammzelle) im Knochenmark klonartig. In der Folge nimmt der Besatz mit Mastzellen im Körper zu. Es gibt verschiedene Formen der Hautmastozytose und eine systemische Variante.


Mastzellen gehören zu den weißen Blutzellen und damit zur Immunabwehr. Sie entstehen im Knochenmark, kommen aber überall im Körper vor. Bevorzugt sitzen sie im Bindegewebe, zum Beispiel unter den Schleimhäuten des Darms und der Bronchien oder in der Nähe von Gefäßen und Nerven. Mastzellen enthalten äußerst reaktive hormonartige Botenstoffe in hoher Dichte, zum Beispiel Histamin. Es gibt verschiedene Formen der Mastozytose, etwa das einzelne Mastozytom der Haut, die Haut-Mastozytose mit unterschiedlich verbreiteten Herden in der Haut und die systemische Mastozytose, bei der innere Organe, eventuell auch das Gehirn und die Haut betroffen sind. Die systemische Erkrankung ist gutartig, kann aber selten in eine Leukämie übergehen. Bei Darmbefall ist eine starke Diarrhö möglich, welche durch Mastzellanreicherung und damit verbundene Wirkungen im Darm zustande kommt.

Symptome:
Das Beschwerdebild ähnelt in gewisser Weise dem zuvor beschriebenen Karzinoidsyndrom. Es kommt zu Juckreiz, anfalllsartiger Verfärbung der Gesichtshaut (Flush), rot-braune, erhabene Hautflecken, migräneartigen Kopfschmerzen, Kollapszuständen, Bauchkoliken, voluminöser Diarrhö. Mögliche Folgen sind eine gestörte Nährstoffverwertung (Malabsorption) mit Mangelerscheinungen. Die Attacken können auch als Reaktion auf Arzneimittel wie zum Beispiel nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) und Substanzen, die Histamin aus den Mastzellen freisetzen (Histaminliberatoren, zum Beispiel Röntgenkontrastmittel oder bestimmte Stoffe in Lebensmitteln) auftreten. Alkohol, alkoholhaltige Arzneimittel und andere Substanzen können akute Symptome auslösen (sogenannte Trigger-Substanzen). Im Einzelfall ist das jedoch sehr unterschiedlich, Beschwerden können auch Trigger-unabhängig auftreten.

Diagnose: Die Beschwerden sind richtungweisend. Bei Verdacht auf die systemische Form ergeben Biopsien aus dem Knochenmark und anderen beroffenen Organen zusammen mit speziellen Blut- und Urinuntersuchungen die Diagnose. Ergänzend können Untersuchungen des Magen-Darm-Traktes und weitere Diagnoseschritte bis hin zu einer Hautbiopsie und neurologischen Tests notwendig sein. Wichtig ist immer der Ausschluss eines Karzinoids (siehe oben) und einer anderen Erkrankung namens Phäochromozytom (siehe unten).

Therapie: Gegen Juckreiz helfen Medikamente wie H1-Antihistaminika und gegen Folgen eines entstehenden Magensäureüberschusses H2-Blocker. Die Durchfälle und Bauchkrämpfe können mit Cromoglycinsäure zum Einnehmen behandelt werden. Auf Alkohol sollte verzichtet werden. Eventuell wird Kortison innerlich bei schwerer Malabsorption eingesetzt. Ansonsten folgt die Therapie der Symptomatik und Ausprägung des Krankheitsbildes. So ist bei leukämisch verlaufenden Formen eine Chemotherapie notwendig.

Andere hormonelle Erkrankungen

  • Überfunktion der Schilddrüse: Diese Funktionsstörung der Schilddrüse kann mehrere Ursachen haben, verschiedene Formen aufweisen und zahlreiche Beschwerden verursachen, daher auch viele Krankheiten nachahmen.

    Symptome: Durchfall wurde als Symptom bereits genannt. Mit dem Ausmaß der Überfunktion kann die Diarrhö zunehmen und zu bedrohlicher Austrocknung führen. Dies kann bei Entgleisungen der Überfunktion, wenn sie sich zu einer krisenhaften Situation steigert, vorkommen (thyreotoxische Krise). In leichteren Fällen normalisiert sich manchmal auch "nur" eine sonst gewohnte Verstopfung. Das Herz kann bei Überfunktion stark klopfen, der Puls beschleunigt sein. Wärme wird schlecht vertragen, die Haare können vermehrt ausfallen. Zu den möglichen psychischen Veränderungen durch die Überfunktion gehören unter anderem Zittern, Unruhe, Reizbarkeit, Aggressivität und Angstzustände.

    Diagnose: Richtungweisend kann hier schon, muss aber nicht, ein sicht- oder tastbarer Kropf sein. Ein Bluttest gibt beim ersten Verdacht klare Hinweise, an die sich weitere Untersuchungen anschließen können.

    Therapie: Mit der Behandlung der Überfunktion bilden sich die Symptome zurück. Je nach Ursache sind verschiedene Behandlungswege möglich, beispielsweise eine medikamentöse Bremse der Schilddrüsenfunktion, eine Operation oder eine Radiojodtherapie.

    Weitere Informationen zu Ursachen, Diagnose und Therapie im Beitrag "Schilddrüsenüberfunktion".
  • Nebennierenrindenunterfunktion: Auch die Nebennieren sind lebenswichtige Hormondrüsen. Sie sitzen kappenförmig den Nieren auf. In der Nebennierenrinde werden die Hormone Aldosteron und Kortisol gebildet, außerdem Androgene wie Testosteron oder das inzwischen allgemein recht bekannte DHEA.

    Kortisol gilt als Stresshormon und stellt dem Körper Energie bereit, Aldosteron regelt den Wasser- und Salzhaushalt. Ohne diese Hormone ist der Mensch nicht lebensfähig. Für eine Nebennierenrindenunterfunktion gibt es zahlreiche Gründe – von der operativen Entfernung (zum Beispiel wegen einer Geschwulst) über Immunstörungen bis zu Langzeitbehandlungen mit Kortison. Störungen des übergeordneten Zentrums im Gehirn, das die Arbeit der Nebennierenrinde steuert, können die Drüsenfunktion ebenfalls beeinflussen.

    Symptome:
    Wenn die Nebennieren spürbar Probleme bereiten, liegt ihre Funktion schon zum großen Teil brach. Durchfälle und andere Verdauungsbeschwerden reihen sich in weitere Störungen ein, vor allem Schwäche, starke Ermüdbarkeit, niedriger Blutdruck, Austrocknung. Unter deutlichen Belastungen kann jederzeit ein Krisenzustand mit Schock oder Koma einsetzen.


    Diagnose und Therapie:
    Bei fehlenden Hinweisen in der Krankengeschichte lässt sich der Arzt umso mehr von den Symptomen leiten, um mittels gezielter Diagnostik die Ursache herauszufinden und eine entsprechende Therapie zu beginnen. Dabei kommen die verschiedensten Maßnahmen zum Einsatz. Die Hormonspiegel und ihn steuernde Hormone können gemessen, fehlende Hormone ersetzt werden.
  • Diabetes mellitus: Bei der Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus ist der Blutzucker (Glukose) erhöht. Dadurch kann es akut und chronisch zu schwerwiegenden Krankheitsfolgen kommen, darunter Nervenschädigungen, die auch die Darmtätigkeit beeinträchtigen.

    Es gibt hauptsächlich zwei Formen. Diabetes Typ 1 ist eine immunologisch bedingte Erkrankung, die am häufigsten bei Kindern und Jugendlichen im Alter von elf bis dreizehn Jahren auftritt. Es kommt hier zu einem absoluten Insulinmangel. Insulin ist für einen geordneten Zuckerstoffwechsel notwendig. Wenn es fehlt, muss es gespritzt werden. Ohne diese Therapie würden die Betroffenen nicht überleben. Mit der Therapie ist ein nahezu normaler Alltag möglich. Der Diabetes Typ 2 stellt sich dagegen meistens erst nach dem 40. Lebensjahr ein, auch wenn sich heute eine Tendenz zu jüngeren Altersgruppen abzeichnet. Das hängt offenbar damit zusammen, dass Bewegungsmangel, kalorienreiche Ernährung und Übergewicht als fördernde Faktoren deutlich zunehmen. Diabetes Typ 2 kann häufig mit einer Lebensstilveränderung, insbesondere angepasster Ernährung und Bewegungstherapie, sodann Tabletten gut in den Griff bekommen werden. Meistens ist Insulin erst im weiteren Verlauf nötig.

    Jeder zwanzigste Diabetiker, der an Typ 1 erkrankt ist, doppelt so häufig Mädchen wie Jungen, hat eine Zöliakie, also eine sogenannte autoimmune glutensensitive Enteropathie. Glutensensitiv bedeutet überempfindlich gegenüber Gluten, Enteropathie bezeichnet die dabei mögliche Dünndarmschädigung, autoimmun bedeutet, dass das Immunsystem den Körper angreift.

    Symptome bei begleitender Zöliakie:
    Verdächtig sind wässrige Durchfälle. Weitere Auffälligkeiten: stark schwankende Blutzuckerwerte (sogenannter Brittle-Diabetes) trotz eigentlich korrekter Therapie, eventuell auch Blutarmut durch einen Eisenmangel.


    Diagnose:
    Im Hinblick auf eine den Diabetes Typ 1 begleitende Zöliakie wird eine Antikörperbestimmung im Blut (IgA-Transglutaminase A-Antikörper) vorgenommen. Werden Antikörper nachgewiesen, ist die Kontrolle einer Gewebeprobe aus dem Dünndarm mittels einer Magen-Darm-Spiegelung notwendig. Auch an eine Milchzuckerunverträglichkeit oder eine bakterielle Fehlbesiedlung ist immer zu denken (siehe entsprechende Abschnitte weiter oben).

    Therapie:
    Es gelten die üblichen Ernährungs- und Therapieempfehlungen einschließlich regelmäßiger Blutzuckerselbstkontrollen für insulinspritzende Diabetiker. Betroffene mit Zöliakie müssen Lebensmittel mit Gluten streng meiden, da schon Spuren ihnen schaden können.

    Siehe auch unter dem Extra-Ratgeber "Zöliakie", unter "Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit)" und im Kapitel "Durchfall: Ursachen chronisch (1)" in diesem Beitrag.

    Menschen mit Diabetes Typ 2 dagegen haben nicht seltener oder häufiger mit einer Gluten-Unverträglichkeit zu tun als der Durchschnitt der Bevölkerung. Jedoch gibt es bei länger bestehendem Diabetes – sei es Typ 1, sei es Typ 2 – eine andere Durchfallursache: Es kann durch die Stoffwechselkrankheit nämlich zur Schädigung der Magen-Darm-Nerven im Rahmen einer Neuropathie, genauer: einer autonomen intestinalen Neuropathie, kommen. Damit gehen Störungen des vegetativen, nicht willkürlich beeinflussbaren Nervensystems einher. Es steuert nicht nur die Verdauungsarbeit, sondern auch die Herztätigkeit, die Blasenfunktion und viele andere, automatisch ablaufende Körpervorgänge.

    Symptome:
    Die Schädigung vegetativer Nerven stört die Arbeit der betroffenen Organe. Seitens des Dünndarms treten wässrige Diarrhöen auf, teilweise auch nachts, während der Dickdarm mit Verstopfung und Blähungen reagiert. Somit können auch beide Formen von Darmunregelmäßigkeiten im Wechsel entstehen. Wenn sie sich teilweise ausgleichen, kann es dennoch phasenweise zu Durchfall kommen.


    Diagnose:
    In der Regel kann der Arzt aus dem Krankheitsverlauf, den Beschwerden und bereits vorliegenden anderen Langzeitschäden des Diabetes, zum Beispiel am Herzen und an den Gefühls- und Bewegungsnerven, die Diagnose ableiten. Allerdings ist das noch kein Beweis. Daher müssen verschiedene andere, auch neurologische Ursachen, angeschlossen werden. Die Bewegungs- oder Motilitätsstörung des Dünndarms nachzusweisen ist aufwändiger. Sie kann bei begründetem Verdacht beispielsweise anhand spezieller Untersuchungen nachvollzogen werden – von einer Druckmessung (Manometrie) im Magen und Dünndarm bis zu einer Dünndarmszintigrafie.

    Therapie:
    Es ist nur eine Behandlung mit Medikamenten wie zum Beispiel Codeinphosphat, Clonidin oder Loperamid möglich, die die Darmtätigkeit dämpfen. Außerdem ist eine möglichst optimale Blutzuckereinstellung wichtig.

    Mehr über Diabetes auf unserem Partnerporal www.diabetes-ratgeber.net: Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2.

Herold G und Mitarbeiter: Innere Medizin, 2017, Köln Gerd Herold

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