Lyme-Borreliose vorbeugen, erkennen und behandeln

Die Lyme-Borreliose ist eine durch Zecken übertragene Infektionskrankheit. Typisches Frühsymptom ist eine Hautrötung an der Stichstelle, die sich langsam ausbreitet (Wanderröte). Sie kann aber auch fehlen. Mehr zu Diagnose und Therapie

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von Dr. med. Nina Buschek, aktualisiert am 21.03.2019

Borreliose kurz zusammengefasst

  • Die Lyme-Borreliose ist eine Infektionskrankheit, die durch Zecken übertragen wird. Erreger sind Bakterien der Art Borrelia burgdorferi (Borrelien).
  • Typisches Erkennungszeichen ist die sogenannte Wanderröte: Um den Zeckenstich bildet sich eine Rötung, die sich nach außen ausweitet und innen abblassen kann. Sie ist typischerweise nicht geschwollen und nicht überwärmt. Dazu können Muskel- und Gelenkschmerzen und andere grippeähnliche Beschwerden kommen. Die Hautentzündung tritt typischerweise Tage bis Wochen nach dem Zeckenstich auf und kann so unauffällig ausfallen, dass sie übersehen wird.
  • Borrelien können sich auch über die Blutbahn ausbreiten und weitere Organe befallen, vorwiegend das Nervensystem, die Gelenke oder das Herz. 
  • Die Lyme-Borreliose ist mit Antibiotika in der Regel gut behandelbar.
  • Entfernt man die Zecke frühzeitig, bevor sie sich mit Blut vollgesaugt hat, kann das die Übertragung des Erregers verhindern.

Was ist eine Lyme-Borreliose?

Die Lyme-Borreliose, auch Borreliose oder Lyme-Krankheit genannt, ist die häufigste durch Zecken übertragene Infektionskrankheit in Europa. Beim Blutsaugen geben die winzigen Spinnentiere die Erreger, Bakterien der Art Borrelia burgdorferi (Borrelien), an ihr "Opfer" weiter. Menschen können einander nicht anstecken. In Deutschland erkranken jährlich zwischen 60.000 und mehr als 200.000 Menschen an Lyme-Borreliose.

Während der "Zeckensaison" von Frühjahr bis Herbst ist die Ansteckungsgefahr am größten. Doch auch im Winter kommen Zeckenstiche vor und ist eine Übertragung möglich. Mit Borrelien infizierte Zecken findet man auf der nördlichen Halbkugel hauptsächlich zwischen dem 40. und 60. Breitengrad. Sie kommen also in ganz Deutschland vor, sind von Region zu Region jedoch unterschiedlich häufig. In einigen Gebieten Süddeutschlands tragen bis zu 37 Prozent der ausgewachsenen (adulten) Zecken den Borreliose-Erreger in sich. Jüngere Tiere (Larven und Nymphen) sind seltener Krankheitsüberträger. Das Risiko, nach einem Zeckenstich an Borreliose zu erkranken ist insgesamt gering und liegt in Deutschland geschätzt bei 0,3 bis 1,4 Prozent.

Mehr zu Ursachen und Risikofaktoren lesen Sie im Kapitel "So wird die Krankheit übertragen".

Wanderröte ist das häufigste Symptom

Die meisten Infektionen mit Borrelien verlaufen unbemerkt. Nur jeder dritte oder vierte Infizierte entwickelt überhaupt Krankheitszeichen. Meistens zeigt sich die Lyme-Borreliose dann an der Haut. Typisches Erkennungszeichen ist die sogenannte Wanderröte, ein roter Fleck oder Ring um den Zeckenstich, der sich langsam nach außen ausweitet. Manchmal kommen unspezifische grippeähnliche Beschwerden wie Muskelschmerzen, Abgeschlagenheit oder Fieber dazu. Im übrigen Körper können Borrelien insbesondere das Nervensystem, die Gelenke und selten das Herz befallen.

Mehr zu möglichen Beschwerden und wie die Krankheit verläuft lesen Sie im Kapitel "Welche Symptome kommen vor?".

Behandlung mit Antibiotika

Die Lyme-Borreliose wird mit Antibiotika behandelt. Je nach Art der Beschwerden und eingesetztem Antibiotikum dauert die Therapie 10 bis 30 Tage. Meist heilt die Infektion unter der Antibiotikatherapie folgenlos aus. Eine durchgemachte Erkrankung verhindert nicht, dass man sich erneut ansteckt. Auch gibt es derzeit keine Impfung gegen die Lyme-Borreliose.

Mehr zur Antibiotikatherapie lesen Sie im Kapitel "Therapie".

Schutz vor Zecken

Wichtig ist, Zecken rasch zu entfernen. Denn je länger eine infizierte Zecke saugt, desto wahrscheinlicher überträgt sie die Erreger. Maßnahmen, die vor den kleinen Blutsaugern schützen, beugen einer Ansteckung vor. So lässt sich auch anderen von Zecken übertragenen Krankheiten vorbeugen – beispielsweise der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

Namensgeber für die Lyme-Borreliose ist der Ort Lyme im US-Bundesstaat Connecticut, wo das Krankheitsbild in den 1970er-Jahren erstmals mit Zeckenstichen in Verbindung gebracht wurde. 1981 entdeckte der aus der Schweiz stammende US-amerikanische Bakteriologe Willy Burgdorfer den nach ihm benannten Erreger: das Bakterium Borrelia burgdorferi.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Zecken, in Deutschland vor allem der gemeine Holzbock (Ixodes ricinus), nehmen die Erreger beim Blutsaugen auf und geben sie bei ihrer nächsten Mahlzeit an den Menschen weiter. Eine Übertragung durch blutsaugende Insekten wird diskutiert, wurde bislang aber nicht gesichert. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch gibt es nicht.

Erreger der Lyme-Borreliose sind bewegliche, spiralförmige Bakterien der Art Borrelia burgdorferi (Borrelien). Bisher sind sechs Unterarten bekannt, die die Krankheit auslösen können: Borrelia burgdorferi sensu stricto (sensu stricto bedeutet: im engeren Sinn), Borrelia afzelii, Borrelia garinii, Borrelia bavariensis, Borrelia spielmanii und Borrelia mayonii. In Europa kommen außer Borrelia mayonii alle fünf Unterarten vor, in Nordamerika findet man nur Borrelia burgdorferi sensu stricto und Borrelia mayonii, in Asien alle Unterarten außer Borrelia burgdorferi sensu stricto und Borrelia mayonii.

Bakterien im Speichel der Zecke

Mit Borrelien infizierte Zecken gibt es ganz Deutschland, von Region zu Region sind es unterschiedlich viele. Erwachsene Zecken sind häufiger infiziert als junge Tiere (Larven oder Nymphen), da sie sich im Laufe ihres Lebens bereits an mehreren Wirten festgesaugt und mit höherer Wahrscheinlichkeit bei zum Beispiel einer Maus oder einem Vogel angesteckt haben.

Wenn eine infizierte Zecke sticht, gibt sie nicht zwangsläufig Borrelien weiter. Denn die Erreger befinden sich im Darm des Tieres und wandern erst während des Saugakts in die Speicheldrüse, von wo sie mit dem Speichel in einem Cocktail aus gerinnungshemmenden, gewebeauflösenden und Immunsystem-hemmenden Substanzen in die Stichwunde abgegeben werden. Je länger die Zecke in der Haut bleibt, desto größer ist das Ansteckungsrisiko.

Zecke frühzeitig und richtig entfernen

Zwischen dem Zeckenstich und der Übertragung der Borrelien liegen in der Regel Stunden. Deshalb ist es wichtig, Zecken frühzeitig zu entfernen, bevor sie sich mit Blut vollsaugen. Dabei sollte das Tier möglichst wenig gequetscht werden. Denn das könnte die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass es die Krankheitskeime in die Stichwunde abgibt. 

Zeckensaison und Risikogebiete

Mit Borrelien infizierte Zecken kommen in den gemäßigten Breiten überall vor. Die Spinnentiere leben im Gras, unter Büschen, Hecken und in Wäldern. Menschen kommen meistens bei Aktivitäten in der Natur mit ihnen in Berührung – beispielsweise beim Joggen, Wandern oder beim Camping. Zeckenstiche kommen jedoch genauso im heimischen Garten oder in einem Park mitten in der Stadt vor. Auch können Tiere, zum Beispiel Hunde oder Katzen, Zecken mit in die Wohnung bringen.

Die kleinen Blutsauger sind vor allem im Frühling, Frühsommer und Herbst aktiv. In diesen Jahreszeiten häufen sich Krankheitsfälle. Eine gewisse Infektionsgefahr besteht jedoch auch im Sommer und in der kalten Jahreszeit.

Häufig bleiben die winzigen Spinnentiere unbemerkt – vor allem dann, wenn sie sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium befinden und mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind. Viele  Borreliose-Patienten können sich gar nicht an einen Stich erinnern.

Die Lyme-Borreliose kann mehrere Organe betreffen und verläuft von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Am häufigsten zeigt sich die Infektion mit Borrelien an der Haut, es können aber auch Nervensystem und Gelenke sowie selten das Herz betroffen sein. Die verschiedenen Beschwerden können einzeln, gleichzeitig oder nacheinander auftreten.

Zwischen dem Zeckenstich und den ersten Krankheitszeichen vergehen mindestens Tage bis mehrere Wochen. In seltenen Fällen, wenn die Borrelien unbehandelt im Körper überdauern, treten Monate bis Jahre nach der Infektion Beschwerden auf.

Schwere Verläufe der Lyme-Borreliose sind selten. Nur jeder dritte oder vierte Infizierte entwickelt überhaupt Krankheitszeichen.

Ringförmige Hautentzündung (Wanderröte, Erythema migrans)

Erkennungszeichen der Lyme-Borreliose ist die typische Hautentzündung: Um den Zeckenstich bildet sich eine kreisrunde, scharf abgegrenzte Rötung, die sich ringförmig ausbreitet, bis sie einen Durchmesser von mindestens fünf Zentimetern erreicht hat. Weil sie sich in dieser charakteristischen Form ausbreitet, heißt sie auch Wanderröte (Erythema migrans).

Die Rötung bildet sich wenige Tage bis Wochen nach dem Zeckenstich aus und ist in ihrer klassischen Ausprägung für den Arzt in der Regel auf den ersten Blick erkennbar. Abzugrenzen ist die unmittelbar nach dem Stich auftretende unspezifische Reaktion auf den Zeckenstich. Diese häufig leicht geschwollene Rötung wird meist nicht größer als drei bis vier Zentimeter und bildet sich innerhalb einiger Tage von selbst zurück.

Die Wanderröte ist das häufigste Symptom der Lyme-Borreliose und tritt bei 80 bis 90 von hundert Erkrankten auf. Da sie sehr unauffällig ausfallen kann und nur geringe Symptome verursacht, also zum Beispiel nicht juckt, kann sie leicht übersehen werden.

Hautveränderungen in Zusammenhang mit einem Zeckenstich sollten immer Anlass für einen Arztbesuch sein. Auch wenn die Rötung anders aussieht als die klassische Wanderröte oder nicht wandert kann eine Borrelien-Infektion dahinter stecken. Bei einem Teil der Borreliose-Patienten treten an mehreren Stellen der Haut gleichzeitig runde oder ovale Rötungen auf (Multiple Erythemata migrantia).

Allgemeines Krankheitsgefühl

Innerhalb der ersten Wochen nach einem Zeckenstich können grippeähnliche Symptome wie Abgeschlagenheit, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, erhöhte Temperatur oder Nachtschweiß ebenfalls auf Borreliose hinweisen. Sie können zusammen mit der Wanderröte oder unabhängig davon auftreten und Zeichen dafür sein, dass sich Borrelien mit dem Blut im Körper ausbreiten.

Blaurote Hautknoten (Borrelien-Lymphozytom)

Ein selteneres Anzeichen der Lyme-Borreliose ist ein meist einzelnes blaurotes Knötchen in der Haut. Das sogenannte Borrelien-Lymphozytom entsteht als Reaktion auf die Bakterien durch Ansammlungen bestimmter Zellen der Körperabwehr (Lymphozyten) in der Haut. Die schmerzlosen weichen Knötchen können an jeder Körperstelle auftreten, finden sich aber vor allem am Ohr, an den Brustwarzen oder im Genitalbereich, seltener an der Nase. Sie treten in den ersten Wochen nach der Infektion auf und sind bei Kindern häufiger als bei Erwachsenen. Etwa sieben von hundert Kindern und zwei von hundert Erwachsenen mit Lyme-Borreliose haben ein Borrelien-Lymphozytom.

Nervenschmerzen und neurologische Symptome (Neuroborreliose)

Bei 3 bis 15 von hundert Erkrankten befallen die Borrelien das Nervensystem. Häufigstes Zeichen der Neuroborreliose sind brennende und stechende Schmerzen, die vor allem nachts auftreten. Die Nervenschmerzen sind oft gürtelförmig verteilt, können den Ort wechseln und sprechen typischerweise schlecht auf Schmerzmittel an. Durch entzündliche Nervenreizungen können Taubheitsgefühle, Seh- und Hörstörungen auftreten. Auch Lähmungen kommen vor, vor allem der Gesichtsnerven, der Arme und der Beine. Darüber hinaus sind noch weitere neurologische Symptome möglich. Extrem selten sind Schlaganfälle infolge eines Befalls der Gehirngefäße.

Bei Kindern äußert sich die Neuroborreliose am häufigsten mit einer plötzlichen Gesichtsnervenlähmung (Fazialisparese) oder starken Kopfschmerzen, eventuell mit Nackensteifigkeit, Lichtscheu, Übelkeit, Erbrechen oder Müdigkeit, durch eine Hirnhautentzündung (lymphozytäre Meningitis).

Zwischen dem Zeckenstich und dem Auftreten der Neuroborreliose können Wochen, aber auch Monate liegen. Manche Betroffenen haben vorher eine Wanderröte beobachtet. Die neurologischen Symptome können aber auch gleichzeitig mit der Wanderröte oder ohne bemerkte Hautveränderungen auftreten.

Herzentzündung (Karditis)

Selten führt der Befall mit Borrelien zu einer Entzündung des Herzens (Karditis), die sich vor allem mit Herzrhythmusstörungen bemerkbar machen kann.

Späte Borreliose: chronische Entzündungen der Gelenke, der Haut und des Nervensystems

Wird die Borreliose nicht mit Antibiotika behandelt, können die Erreger im Körper überdauern und nach Monaten bis Jahren späte Symptome verursachen. Späte Stadien der Borreliose sind selten und betreffen vor allem Gelenke, Haut und Nervensystem. Typischerweise entzünden sich einzelne oder wenige große Gelenke – am häufigsten die Kniegelenke, seltener Sprung- und Ellenbogengelenke – mit typischerweise massiver Schwellung (Lyme-Arthritis). Die Beschwerden können anhalten oder in Schüben auftreten.

Vor allem an Armen und Beinen verändert sich manchmal die Haut. Sie schwillt zunächst an und wird dann dünner und verfärbt sich bläulich. Häufig kommen Zeichen einer Nervenschädigung dazu wie Taubheitsgefühl, Kribbeln, Brennen oder gesteigerte Schmerzempfindlichkeit. Diese sogenannte Akrodermatitis chronica atrophicans betrifft vor allem Frauen im fortgeschrittenen Lebensalter.

Auch eine chronische Gehirn- und Rückenmarkentzündung ist ein mögliches Spätsymptom der Borreliose. Zeichen der späten Neuroborreliose sind vielfältig, häufig kommen spastische Lähmungen mit Gangstörung und Blasenstörung vor.

Im Gespräch erkundigt sich der Arzt vor allem nach den genauen Beschwerden und nach Zeckenstichen in der Vergangenheit. Oft ergibt sich daraus bereits der Verdacht auf Lyme-Borreliose. Viele Patienten erinnern sich jedoch nicht an einen Zeckenstich. Er kann auch übersehen worden sein. Manche Symptome passen ebenso zu anderen Krankheiten. In diesen Fällen liefern die körperliche Untersuchung sowie gegebenenfalls Blut- und Nervenwasseruntersuchungen weitere Hinweise. Anhand der typischen Symptome in Verbindung mit Laborbefunden lässt sich die Lyme-Borreliose in den meisten Fällen zweifelsfrei feststellen.

Blickdiagnose "Wanderröte"

Charakteristisches, aber nicht immer vorhandenes Frühsymptom der Borreliose ist die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans). Ist sie eindeutig zu erkennen, reicht das, um sofort die antibiotische Therapie zu beginnen.

Blutuntersuchung (Antikörpernachweis)

Wenn die klassische Wanderröte fehlt, andere Beschwerden jedoch auf eine Borreliose hindeuten, gibt eine Blutuntersuchung Aufschluss. Im Blut zeigen sich meist spezifische Antikörper gegen Borrelien.

Im Verlauf einer Infektion mit Borrelien bildet die körpereigene Abwehr Antikörper (Immunglobuline) gegen den Erreger. Ab der dritten Erkrankungswoche sind im Blut frühe Antikörper (IgM-Antikörper) nachweisbar und ab der sechsten Krankheitswoche späte Antikörper (IgG-Antikörper). Die Konstellation der frühen und späten Antikörper zeigt dem Arzt, ob die Symptome mit einer Borrelien-Infektion zusammenhängen können oder ob eine andere Ursache wahrscheinlich ist.

Der Antikörpertest ist nur in Zusammenschau mit den Beschwerden aussagekräftig. Denn Antikörper im Blut beweisen noch keine Borreliose. Sie zeigen lediglich, dass der Körper irgendwann Kontakt mit Borrelien hatte und dass das Immunsystem auf die Bakterien reagiert hat. So tragen etliche Menschen Borrelien-Antikörper im Blut, die nie Krankheitszeichen hatten oder die eine ausgeheilte Infektion hinter sich haben. Umgekehrt schließt das Fehlen von spezifischen Antikörpern eine Lyme-Borreliose nicht sicher aus. Letzteres gilt vor allem für die frühe Phase der Krankheit. Bei einer frisch aufgetretenen Wanderröte wenige Tage nach dem Zeckenstich wird der Antikörpertest negativ ausfallen, da sich die Antikörper-produzierenden Zellen noch nicht genügend entwickeln konnten. Fehlen die Antikörper dagegen nach längerer Krankheit und ist das Immunsystem ansonsten intakt, kann man eine Borreliose mit großer Sicherheit ausschließen.

Untersuchung des Nervenwassers (Liquor cerebrospinalis)

Deuten Beschwerden wie Kopfschmerzen, Nervenschmerzen, Gefühlstörungen oder Lähmungen auf einen Befall des Nervensystems hin, liefert die Untersuchung des Nervenwassers wichtige Informationen. Das Nervenwasser, in der Fachsprache Liquor cerebrospinalis, wird durch einen kleinen Einstich in den Rückenmarkskanal (eine Lumbalpunktion) gewonnen. Bei Neuroborreliose finden sich zuverlässig Zeichen von Entzündungs- und Abwehrreaktion gegen Borrelien im Liquor.

Direktnachweis von Borrelien

In Ausnahmefällen, wenn die Borreliose anders nicht eindeutig zu erkennen ist, kann es sinnvoll sein, den Erreger im Körper direkt nachzuweisen. Dazu wird aus der Haut, dem Gehirnwasser (Liquor cerebrospinalis) oder dem betroffenen Gelenk eine Gewebeprobe bzw. Flüssigkeit entnommen und auf Teile der Borrelien-Erbsubstanz untersucht (molekularbiologischer Direktnachweis, Borrelien-PCR). Alternativ kann man die Probe auch im Labor bebrüten und beobachten, ob Borrelien wachsen (Direktnachweis mittels Kultur). Der Direktnachweis ist zeit- und arbeitsaufwändig und sollte nur in darauf spezialisierten Expertenlaboren durchgeführt werden.

Derzeit nicht empfohlene Borreliose-Tests

Manche Ärzte, Labore oder Firmen bieten weitere Tests an, die eine Borreliose absichern sollen. Nicht immer ist deren Nutzen ausreichend belegt. Auch werden die Untersuchungen in der Regel nicht von den Krankenkassen bezahlt. Vom sogenannten Lymphozytentransformationstest (LTT) zum Nachweis der zellulären Immunantwort beispielsweise raten die Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) ab. Eingesandte Zecken auf Borrelien-Erbsubstanz zu überprüfen hilft bei der Diagnose ebenfalls nicht unbedingt weiter. Denn dass in einer Zecke Erreger enthalten sind, heißt noch nicht, dass eine Infektion stattgefunden haben muss.  

Die Lyme-Borreliose wird mit Antibiotika behandelt. Je nach Stadium und Verlauf der Krankheit verschreibt der Arzt Tabletten, Saft oder Infusionen. Die Behandlung dauert in der Regel zwei bis drei Wochen.

Hohe Heilungsrate

Die Lyme-Borreliose spricht in der Regel gut auf die Behandlung an und heilt in den meisten Fällen vollständig aus. Schwere Verläufe sind selten. Um die Borrelien sicher unschädlich zu machen, sollten die Antibiotika wie vom Arzt verschrieben bis zum Ende eingenommen werden.

Speziell die frühen Erkrankungsformen können auch ohne Antibiotika ausheilen. Das Risiko für evtl. schwere Folgeerkrankungen ist dann aber größer. Denn unbehandelt können die Bakterien über Monate und Jahre im Körper überdauern und noch lange nach der ersten Ansteckung Beschwerden verursachen. Mit einer – abhängig von der Erkrankungform und eingesetztem Antibiotikum – 10- bis 30-tägigen Antibiotikabehandlung wird auch bei später Borreliose häufig eine Heilung erreicht.

Von längeren Therapien über weitere Wochen oder Monate raten Experten ab. Eine Langzeitbehandlung bringt laut Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) keinen zusätzlichen Nutzen. Aufgrund von Medikamenten-Nebenwirkungen ist die Übertherapie aber mit höheren Risiken verbunden.

Vorbeugende Antibiotikagaben nach Zeckenstich werden in Deutschland nicht empfohlen. Die Infektion hinterlässt keine lebenslange Immunität. Menschen die bereits eine Borreliose durchgemacht haben, können sich also erneut anstecken. Anders als bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) gibt es in Deutschland derzeit keinen Impfstoff gegen Borrelien.

Beratender Experte

Dr. med. Volker Fingerle ist Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie und leitet das Nationale Referenzzentrum für Borrelien am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Schwerpunkte seiner Arbeit sind Beratung von Ärzten und betroffenen Bürgern zur Lyme Borreliose, Entwicklung und Verbesserung von Testen für die Lyme Borreliose sowie Epidemiologie und molekulare Charakterisierung von Borrelia burgdorferi. Er ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM), der ESCMID study group on Lyme borreliosis (ESGBOR), war Koordinator der aktuellen Mikrobiologisch Infektiologischen Qualitätsstandarts (MiQ) zur Diagnose der Lyme Borreliose und hat an den aktuellen Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften zur Diagnostik und Therapie der Borreliose mitgearbeitet.

Quellen:

  • Robert Koch-Institut: Borreliose (Lyme-Borreliose). Online: www.rki.de/DE/Content/InfAZ/B/Borreliose/Borreliose.html (abgerufen am 5.2.2019)
  • Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft: Kutane Lyme Borreliose, S2k-Leitlinie 03/2016. Online: www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/013-044.html (abgerufen am 5.2.2019)
  • Rauer S., Kastenbauer S. et al., Neuroborreliose, S3-Leitlinie, 2018; in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am 5.2.2019)
  • Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Erkrankungen durch Zeckenstiche – Borreliose. Online: https://www.lgl.bayern.de/gesundheit/infektionsschutz/infektionskrankheiten_a_z/borreliose/index.htm (abgerufen am 5.2.2019)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): infektionsschutz.de. Online: www.infektionsschutz.de (abgerufen am 14.2.2019)