Herzmuskelentzündung (Myokarditis)

Die Myokarditis ist definiert als ein Entzündungsprozess im Herzmuskel. Die Krankheit kann akut oder chronisch verlaufen. Mehr Informationen zu Ursachen, Symptomen und Therapien

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aktualisiert am 28.01.2015

Als Myokarditis bezeichnen Ärzte eine Entzündung des Herzmuskels, welche in erster Linie durch Viren, seltener durch Bakterien, Parasiten, toxische Substanzen oder Medikamente verursacht wird. Eine Herzmuskelentzündung kann aber auch als Begleiterscheinung anderer Erkrankungen auftreten. Ist neben dem Herzmuskel zusätzlich der Herzbeutel (Perikard) entzündet, spricht man von einer Perimyokarditis.

Welche Symptome deuten auf eine Myokaditis hin?

Typische Symptome (Anzeichen) einer Herzmuskelentzündung gibt es nicht. Die Verdachtsdiagnose stützt sich auf eher unspezifische Beschwerden, wie sie in Verbindung mit grippalen Infekten oder anderen fieberhaften Infektionskrankheiten vorkommen. Treten mit dem Infekt Herzrhythmusstörungen, Atemnot oder Brustschmerzen neu auf, sollte das jedoch an eine Herzmuskelentzündung denken lassen.

Nicht selten wird eine Herzmuskelentzündung gar nicht oder zu spät diagnostiziert, da eine Mitbeteiligung des Herzens bei einem grippalen Infekt nicht vermutet oder übersehen wurde. Eine nicht erkannte Myokarditis kann zur Gefahr werden, wenn während der Krankheit sportliche Höchstleistungen vollbracht werden. So hat man bei jungen Menschen, die plötzlich – meist in Ausübung eines Leistungssports – verstarben, bei etwa 10 Prozent eine Herzmuskelentzündung als Ursache festgestellt.

Wie sind die Heilungsaussichten bei Myokarditis?

Etwa die Hälfte der Patienten erholt sich vollständig von der Erkrankung. Die übrigen Betroffenen behalten mehr oder weniger deutliche Zeichen einer Funktionsstörung des Herzens bei. Ein kleiner Teil hat mit einer erheblichen Verschlechterung des Befindens zu rechnen. In manchen Fällen kann sogar eine Herztransplantation nötig sein.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Eine Myokarditis wird hauptsächlich durch Enteroviren, Adenoviren, Parvovirus B 19, Herpes Viren, seltener durch Zytomegalie-Viren, Hepatitis-C-Viren und HIV verursacht. Das zeigen molekularbiologische Untersuchungen von Herzmuskelgewebe, das bei Patienten mit Verdacht auf Herzmuskelentzündung mit Hilfe eines speziellen Katheters entnommen wurde (Herzmuskelbiopsie). Eine Herzmuskelentzündung kann aber auch durch Bakterien, Pilze, Protozoen und Parasiten hervorgerufen werden.

Auch Überempfindlichkeitsreaktionen gegenüber bestimmten Medikamenten und Autoimmunreaktionen spielen eine ursächliche Rolle. Bei letzteren greift das Abwehrsystem des Körpers "irrtümlich" körpereigene Strukturen an. Schließlich kann eine Herzmuskelentzündung auch durch eine Strahlenbehandlung des Brustkorbes sowie durch bestimmte Medikamente und Drogen verursacht sein.

Krankheitserreger wie beispielsweise Viren, welche eine Herzmuskelentzündung auslösen, kann das Immunsystem häufig schon innerhalb kurzer Zeit beseitigen. Das ist aus feingeweblichen Untersuchungen von bioptisch gewonnenem Herzmuskelgewebe bekannt. Nicht selten lässt das Virus jedoch eine genetische Information in Form von Nukleinsäuren (Virusgenom) in der Herzmuskelzelle zurück. Das kann über längere Zeit Entzündungsreaktionen aufrecht erhalten und zu einer Verschlechterung der Krankheitssymptome führen. Schließlich kann auch nach Viruselimination eine chronische Entzündung (chronische Myokarditis) durch eine Autoimmunreaktion fortbestehen.

Bevor bei schweren Verlaufsformen einer chronischen Myokarditis eine antivirale oder eine immunsuppressive Therapie zum Einsatz kommt, muss geklärt sein, ob eine Viruspersistenz vorliegt oder nicht.

Die Symptome bei Myokarditis sind nicht spezifisch. Das erklärt, warum es oft so schwierig ist, die Diagnose zu stellen. Eine Myokarditis kann auch mehr oder weniger symptomlos verlaufen.

Die Betroffenen klagen meist über Müdigkeit, Leistungsschwäche, Fieber und andere Allgemeinsymptome eines grippalen Infektes. Kommen Atemnot, Unregelmäßigkeiten des Herzrhythmus in Form von Extraschlägen (Extrasystolen) und Brustschmerzen hinzu, wird schon eher der Verdacht auf eine Herzmuskelentzündung gelenkt.

In Fällen mit besonders schneller Verschlechterung des Allgemeinbefindens kann eine schwere Herzmuskelentzündung zu Schockzustand und Tod durch Herzversagen oder nicht mehr beherrschbare Herzrhythmusstörungen führen.

Der Arzt erkundigt sich nach der Krankengeschichte und den Beschwerden des Patienten. Die Symptome einer Myokarditis sind allerdings nicht spezifisch (siehe Kapitel Symptome).

Körperliche Untersuchung

Auch die körperliche Untersuchung kann nur Hinweise auf eine mögliche Herzmuskelentzündung geben. Hierzu gehören die Dokumentation von Herzfrequenz, Blutdruck und Körpertemperatur. Wichtig ist das Abhören (die Auskultation) von Herz und Lunge mit dem Stethoskop.

Am Herz wird der Arzt besonders auf Unregelmäßigkeiten des Herzrhythmus und ungewöhnliche Geräuschphänomene achten (Reibegeräusch bei Herzbeutelentzündung, Herzklappengeräusche). Bei der Lunge können Rasselgeräusche Zeichen einer Herzschwäche sein.

Technische Untersuchungen zur Diagnose einer entzündlichen Herzmuskelerkrankung

Hat die Myokarditis zur Schädigung von Herzmuskelzellen geführt, können im Blut eventuell erhöhte Werte bestimmter Herzenzyme nachgewiesen werden: Kreatinkinase (CKMB) und Troponin.

Ein ansteigender BNP-Titer deutet auf eine sich anbahnende Herzmuskelschwäche hin.

Die Bestimmung von Antikörpern gegen Viren oder Herzmuskulatur ist in der Regel wenig aussagekräftig. Besteht Verdacht auf nicht-virale Erreger einer Herzmuskelentzündung, ist es sinnvoll, entsprechende Labortests durchzuführen.

Im Elektrokardiogramm (EKG) können bestimmte Abnormitäten sowie vor allem der Nachweis von Herzrhythmusstörungen (bei 55 Prozent der Patienten) wertvolle Hinweise auf eine Herzbeteiligung bei einem viralen Infekt geben.

Die Echokardiografie ist bei Verdacht auf Myokarditis eine nicht verzichtbare Untersuchungsmethode. Sie gibt wichtige Informationen über die Funktion der Herzkammern, insbesondere der linken Herzkammer, welche die größte Pumpleistung zu erbringen hat, sowie über eventuelle Wandbewegungsstörungen. Neuere Untersuchungstechniken wie der Gewebedoppler haben die diagnostische Genauigkeit noch weiter verbessert.

Vor allem erlaubt die Echokardiografie schon in einer frühen Phase der Erkrankung zu unterscheiden, ob es sich um eine eher milde oder eine schwere Verlaufsform handelt, welche die Herzfunktion massiv beeinträchtigt. Ferner sind bei einer Miterkrankung des Herzbeutels (Perikards) schon geringe Flüssigkeitsansammlungen im Herzbeutel (Perikarderguss) zu erkennen.

Die Kernspintomografie des Herzens (Kardio-MRT oder Cardiac magnetic resonance imaging) ist ein weiteres wichtiges bildgebendes Untersuchungsverfahren, welches einen Hinweis auf einen Herzmuskelschaden und einen Entzündungsprozess geben kann. Es gibt jedoch keine Auskunft über den Erreger oder die Art des Entzündungsprozesses.

Die Sicherung der Diagnose Myokarditis ist letztlich nur durch feingewebliche (histologische), immunhistologische und molekularbiologische Untersuchung einer Gewebeprobe aus dem Herzmuskel (Myokardbiopsie) möglich. Voraussetzung ist, dass tatsächlich Gewebe aus einem Entzündungsherd gewonnen wird, was bei der fleckförmigen Verteilung dieser Herde im Herzmuskel schwierig sein kann. In der Regel müssen daher mehrere Gewebsproben von verschiedenen Stellen entnommen werden.

Die Myokardbiopsie ist keine Routinemethode bei Verdacht auf Myokarditis, sollte aber bei anhaltender oder sich weiter verschlechternder Herzfunktion (nach Ausschluss anderer Ursachen) von Spezialisten vorgenommen und mit entsprechendem Fachwissen aufgearbeitet werden.

Wie eingangs erwähnt, besteht bei einer virusbedingten Myokarditis für einen Teil der Patienten die Aussicht auf vollständige Ausheilung. Bei den übrigen werden gewisse Funktionseinschränkungen bestehen bleiben. Bei manchen ist mit einer weiteren Verschlechterung zu rechnen, die intensive Therapie, eventuell sogar eine Herztransplantation erfordert.

Ein schweres Krankheitsbild gleich zu Beginn der akuten Myokarditis kann unter guter medizinischer Überwachung und Therapie auch mit guter Prognose ausheilen; allerdings ist das sehr abhängig vom Erregertyp. So hat eine sogenannte Riesenzell-Myokarditis eine extrem schlechte Prognose im Vergleich zu anderen Virus-Myokardititen. Auch die chronische Myokarditis mit erweiterter Herzkammer (die sogenannten dilatative Kardiomyopathie) hat eine eher ungünstige Langzeitprognose.

Körperliche Schonung, das heißt vor allem keine schwere körperliche Arbeit, kein Sport, ferner kein Alkohol und Nikotin sind bei milder Verlaufsform einer Herzmuskelentzündung die wichtigsten therapeutischen Maßnahmen. Die Schonung sollte solange aufrechterhalten werden, bis von ärztlicher Seite Entwarnung gegeben wird – aufgrund der Krankheitszeichen, des Elektrokardigramm- und Herzultraschallbefundes.

Hat die Myokarditis zu einer Schwächung der Herzmuskulatur und Erweiterung der Herzkammern mit den Anzeichen einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) geführt, erfolgt die heute übliche Therapie einer Herzinsuffizienz (in erster Linie mit Medikamenten wie einem ACE-Hemmer und Betablocker).

Bei besonders schweren Verlaufsformen werden in spezialisierten Zentren auch andere Therapieverfahren durchgeführt oder in Studien getestet: immunsuppressive, immunmodulierende, antientzündliche und antivirale Therapiekonzepte.

Sind Bakterien, Protozoen oder andere Erreger als Ursache der Myokarditis nachgewiesen, wird eine spezifische, gegen diese Erreger gerichtete Behandlung eingesetzt.

Professor Dr. med. Wolfram Delius ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie. Er habilitierte sich an der medizinischen Universitäsklinik Uppsala, Schweden, und hatte anschließend eine außerordentliche Professur für Medizin an der Technischen Universität München inne. Der Herzspezialist war lange Zeit als Chefarzt tätig, zuletzt zwei Jahrzehnte an der Abteilung Kardiologie/Pneumologie am Städtischen Krankenhaus München-Bogenhausen (Akademisches Lehrkrankenhaus). Inzwischen führt er eine eigene Praxis.

Profesor Delius wirkt seit Jahren aktiv bei Fortbildungsveranstaltungen der Bayerischen Ärztekammer mit und wurde mit der Ernst von Bergmann Plakette der Bundesärztekammer ausgezeichnet.