Feigwarzen (Condylomata acuminata)

Feigwarzen, auch Genitalwarzen oder Kondylome genannt, gehören zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten. Verursacht werden sie durch eine Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV)

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aktualisiert am 04.07.2018

Was sind Feigwarzen?

Feigwarzen sind gutartige Hautwucherungen, die meist einem stecknadelkopfgroßen Knötchen ähneln. Sie sind rötlich, bräunlich oder grau-weißlich gefärbt. Kondylome besiedeln den Genital- oder Afterbereich und zählen zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten. Feigwarzen treten meist in größerer Anzahl auf und liegen dicht beieinander. Mediziner sprechen in diesem Fall von Warzenbeeten. Beschwerden bereiten die Gebilde normalerweise nicht, an empfindlichen Hautpartien können sie jedoch Juckreiz auslösen.

Ursache der Kondylome sind – wie bei fast allen Warzenformen – humane Papillomaviren, kurz HPV. Sie gelangen vorwiegend über ungeschützten Sexualkontakt in den Körper. Die HPV-Typen 6 und 11 finden sich am häufigsten bei Feigwarzen. Im Gegensatz zu den Typen 16 und 18 schätzen Experten das Risiko für Gebärmutterhalskrebs bei diesen Papillomaviren als sehr gering ein. Die Viren nisten sich in den oberen Hautschichten ein, führen aber nicht zwangsläufig zu einer Warze. Kommen jedoch begünstigende Faktoren hinzu, etwa eine schwache Immunabwehr, können sie die Haut wuchern lassen und es entsteht eine Warze.

Der Arzt erkennt Feigwarzen meist schon aufgrund ihres charakteristischen Aussehens. Er untersucht nicht nur die befallene Körperstelle, sondern auch After, Enddarm, Vagina und Gebärmutterhals, da sich die Gebilde auch dort unbemerkt ausbreiten können.

Je nachdem, wo sich die Kondylome befinden und in welchem Ausmaß sie auftreten, gibt es verschiedene Behandlungsstrategien. Oft müssen Patienten spezielle Lösungen oder Cremes über mehrere Wochen auftragen. Besonders hartnäckige Warzen können auch operativ entfernt werden.

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Feigwarzen werden durch humane Papillomaviren, kurz HPV, ausgelöst. Die Viren gelangen in erster Linie durch ungeschützten Geschlechtsverkehr auf die Haut. Über winzige Verletzungen an Penis, Vagina, After oder Enddarm können sie in die obere Haut- oder Schleimhautschicht eindringen und sich dort einnisten.

Selten kann HPV auch über gemeinsam benutzte Handtücher oder Baden mit einer infizierten Person übertragen werden. Hat sich eine Mutter mit den Erregern angesteckt, kann sie die Viren während der Geburt auf das Neugeborene übertragen.

Es gibt zahlreiche HPV-Typen. Zu Feigwarzen führen meistens die Typen 6 und 11. Äußerst selten finden sich auch die Typen 16 oder 18 in den Hautwucherungen. Diese beiden HPV-Typen gelten als Hauptrisikofaktor für Gebärmutterhalskrebs. Dass sich aus einer Feigwarze ein bösartiger Tumor entwickelt, halten Experten aber für sehr unwahrscheinlich.

Ekzeme, Ausfluss und feine Risse in Haut oder Schleimhaut, zum Beispiel durch eine Pilzinfektion im Genitalbereich, können eine Infektion mit den Viren begünstigen. Feigwarzen entstehen eher, wenn das Immunsystem geschwächt ist, da sich die Viren in diesem Fall besonders stark vermehren können. Menschen, die an HIV/AIDS leiden oder Medikamente einnehmen, die das Abwehrsystem unterdrücken (Immunsuppressiva), bekommen leichter Kondylome.  

Viele tragen humane Papillomaviren in sich, haben jedoch keine Beschwerden und bekommen auch keine Feigwarzen. Trotzdem können sie  grundsätzlich die Viren auf andere Menschen übertragen.

Feigwarzen sind gutartige Hautwucherungen. Sie haben meist die Größe eines Stecknadelkopfes, können gelegentlich aber auch größer werden. Kondylome sind rötlich, bräunlich oder grau-weiß gefärbt. Sie treten meist in größerer Anzahl auf und liegen dicht beieinander. Mediziner sprechen dabei von Warzenbeeten.

Bei Frauen wachsen Feigwarzen zumeist an den Schamlippen, am Scheideneingang, im Gebärmutterhals und manchmal in der Harnröhrenmündung. Bei Männern sind hauptsächlich Vorhaut, Eichel, After, Harnröhreneingang und Enddarm betroffen.

Normalerweise ruft diese Warzenform keine Schmerzen oder andere Beschwerden hervor. Vereinzelt treten allerdings Juckreiz, Brennen und vermehrter Ausfluss auf.

Weitaus größere Probleme bereitet die psychische Belastung der Betroffenen. Menschen, die Feigwarzen im Intimbereich haben, schämen sich oft dafür und fühlen sich schuldig. Auch ihr Sexualleben schränken sie ein – aus Angst, ihren Partner  anzustecken.

Werden Feigwarzen vermutet, untersucht der Arzt den After- und Genitalbereich. Findet er charakteristische Hautstellen, begutachtet er diese genauer. Gegebenenfalls entnimmt der Arzt unter örtlicher Betäubung eine kleine Gewebeprobe (Biopsie) und lässt sie unter dem Mikroskop feingeweblich untersuchen.

Befinden sich die Feigwarzen auf der Schleimhaut des Intimbereichs, wird die Diagnosestellung unter Umständen schwieriger. Innerliche Kondylome bleiben daher oft länger unentdeckt. Haben sich Feigwarzen im Enddarm gebildet, kommt unter Umständen eine Darmspiegelung zum Einsatz. Betreffen sie die Harnröhre, kommt eine Harnröhren-Spiegelung in Betracht.

Da humane Papillomaviren sexuell übertragbar sind, sollte sich der Sexualpartner der infizierten Person ebenfalls untersuchen lassen.

Äußerliche Feigwarzen kann der Betroffene meistens selbst behandeln. Hierzu kann der Arzt entweder eine Lösung oder Creme mit dem Wirkstoff Podophyllotoxin verordnen. Oder er verschreibt eine Creme, die Substanzen wie Epigallocatechingallat oder Imiquimod enthält.

Podophyllotoxin hemmt die Zellteilung und bewirkt, dass die virusinfizierten Zellen in den Feigwarzen absterben. Epigallocatechingallat ist ein Arzneistoff aus grünem Tee. Er führt ebenfalls über verschiedene Wirkmechanismen dazu, dass sich die Kondylome zurückbilden – allerdings nur, wenn er in sehr hoher Konzentration eingesetzt wird. Imiquimod aktiviert das Abwehrsystem der Haut, wodurch körpereigene Immunzellen die Warzenerreger verstärkt angreifen.

Patienten müssen diese Mittel über mehrere Wochen regelmäßig selbst anwenden. Kommt es dabei zu Hautreizungen, kann der Arzt – je nach Schweregrad – die Therapie für einige Tage unterbrechen, bis sich die Haut wieder beruhigt hat.

Bei manchen Patienten kommt eine Selbsttherapie nicht infrage, etwa bei innerlichen Feigwarzen. Der Arzt entfernt dann die Kondylome mit unterschiedlichen Methoden – je nachdem, wo sie sich befinden und wie großflächig sie auftreten. Treten zum Beispiel kleine Feigwarzen an der Schleimhaut von Vagina, Harnröhrenmündung oder Analkanal auf, kann der Arzt Trichloressigsäure einsetzen. Diese Säure lässt die Feigwarzen absterben. Dazu trägt der Mediziner die Substanz mit einem Wattetupfer auf die Hautwucherungen auf und wiederholt die Behandlung im wöchentlichen Abstand.

Alternativ kann er die Feigwarzen vereisen, indem er flüssigen Stickstoff mit Hilfe eines Wattebausches auf die betroffenen Stellen tupft. Da beide Verfahren Schmerzen verursachen können, wendet der Arzt unter Umständen vorab ein lokal betäubendes Mittel an – je nach Ort, Zahl und Größe der Hautwucherungen.  

Treten die Feigwarzen beetartig auf, wuchern stark oder kehren nach einer zunächst erfolgreichen Behandlung wieder (Rezidiv), entfernt der Arzt sie zumeist operativ. Dies kann mit einem speziellen feinen Löffel geschehen (Kürettage). Alternativ kann der Arzt das Warzengewebe durch das Einwirken von Hitze zerstören. Die Hitze wird dabei durch elektrischen Strom (Elektrokaustik) oder einen geeigneten Laser erzeugt. Auf diese Weise lassen sich auch ausgedehnte Warzenbeete rasch entfernen. Allerdings bereiten die Methoden oft Schmerzen, weshalb eine örtliche Betäubung oder eine Vollnarkose erforderlich ist.

Was ist während der Schwangerschaft zu beachten?

Da Podophyllotoxin die Zellteilung hemmt, dürfen Schwangere Arzneimittel mit diesem Wirkstoff nicht benutzen. Hat eine werdende Mutter Feigwarzen, müssen diese grundsätzlich durch einen Arzt behandelt werden. Der wählt eine geeignete Therapiemethode aus.

Warum tauchen Feigwarzen häufig wieder auf?

Feigwarzen können, auch wenn sie durch die Therapie verschwunden sind, wiederkehren (Rezidiv). Dies ist bei allen genannten Therapieverfahren möglich. Also unabhängig davon, ob der Betroffene die Kondylome selbst behandelt oder der Arzt die Warzen entfernt hat. Die Ursache dafür: Die Viren können durch die Behandlung nicht immer vollständig beseitigt werden. Zudem können Zellen, die sich in der Umgebung der Kondylome befinden, bereits mit dem Virus infiziert sein. Trotzdem sieht die Haut in diesen Bereichen äußerlich unauffällig aus. Aus diesem Grund kann es in besonderen Fällen ratsam sein, zusätzlich zu den sichtbaren Feigwarzen auch die umgebende Haut mit Salbe zu behandeln beziehungsweise nach operativer Entfernung der Hautgebilde eine flächige Nachbehandlung durchzuführen. Da die Salben nicht offiziell für die Vorbeugung des Auftretens neuer Warzen (Rezidivprophylaxe) zugelassen sind, sollten Betroffene eine Flächentherapie nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt durchführen.

Humane Papillomaviren (HPV) werden über direkten Hautkontakt oder eine Schmierinfektion übertragen, in erster Linie durch ungeschützten Geschlechtsverkehr. Kondome können daher die Gefahr von Feigwarzen verringern, wenn sich diese an Vagina oder Penis befinden. Haben sich die Hautwucherungen an einer anderen Stelle im Intimbereich gebildet, bieten Kondome allerdings keinen Schutz.

Ist ein Partner bereits infiziert, sollte der andere den direkten Hautkontakt mit den befallenen Stellen vermeiden. Ebenfalls ratsam ist die Benutzung getrennter Bade- und Handtücher.

Die HPV-Impfung kann – je nach Impfstoff – vor einer Infektion mit humanen Papillomaviren verschiedener Typen schützen. In erster Linie dient sie dazu, Gebärmutterhalskrebs vorzubeugen.

In Deutschland sind derzeit zwei HPV-Impfstoffe verfügbar. Einer von ihnen schützt vor einer Infektion durch die HPV-Typen 16 und 18, welche Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Das Risiko, dass die geimpfte Person an Feigwarzen erkrankt, kann dieser Impfstoff jedoch nicht vermindern.

Der zweite derzeit in Deutschland verfügbare Impfstoff schützt vor einer Infektion mit humanen Papillomviren der Typen 16 und 18 sowie der Typen 31, 33, 45, 52 und 58, welche ebenfalls Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Zusätzlich zur breiteren Schutzwirkung geben den Krebs bietet dieser Imfpstoff auch einen vorbeugenden Effekt gegen ein Infektion mit den HPV-Typen 6 und 11 und damit gegen das Auftreten von Feigwarzen.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut in Berlin empfiehlt für Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren in Deutschland die Impfung mit einem der beiden HPV-Impfstoffe. Die Impfung ist nur prophylaktisch wirksam, schützt also vor Neu-Infektionen mit den betreffenden HPV-Typen, kann aber keinen Beitrag zur Behandlung einer bereits bestehenden HPV-Infektion leisten. Außerdem ist zu beachten, dass keiner der beiden Impfstoffe einen absoluten Schutz vor Gebärmutterhalskrebs oder anderen Krebsarten im Genitalbereich oder Feigwarzen bietet da es neben den oben genannten HPV-Typen noch andere HPV-Typen gibt, die Krebs beziehungsweise Feigwarzen auslösen können. Junge Frauen und Männer beziehungsweise ihre Eltern sollten sich vorab vom Arzt über Vor- und Nachteile der Impfung aufklären lassen.

Dr. med. Angela Unholzer ist Hautfachärztin mit den Zusatzbezeichnungen Allergologie und Dermatohistologie. Ihre Facharztweiterbildung absolvierte sie an der Dermatologischen Universitätsklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München sowie an der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum Augsburg. An der letztgenannten Klinik leitete sie von 2006 bis 2012 als Funktionsoberärztin die Lichtabteilung, die dermatologische Tagesklinik und die allgemeindermatologische Ambulanz. Anschließend war sie in einer Praxis in der Nähe von Augsburg tätig. Seit 2014 ist sie in einer eigenen Praxis in Donauwörth niedergelassen.

Quellen:
- Altmeyer: Dermatologische Differenzialdiagnose, Springer-Verlag
- Moll: Dermatologie, Duale Reihe, Thieme Verlag, 7. Auflage
- Breckwoldt, Kaufmann, Pfleiderer: Gynäkologie und Geburtshilfe, Thieme Verlag, 5. Auflage
- Leitlinie Condylomata acuminata und andere HPV-assoziierte Krankheitsbilder von Genitale, Anus und Harnröhre, Stand 2008
- Leitlinie Anale Warzen, Stand 2008
- Wieland U: Humane Papillomviren – Impfung birgt großes Potenzial. In: Der Deutsche Dermatologe 2017, 65: 272-278

 

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.