Gesichtslähmung (Fazialisparese)

Eine Gesichtslähmung tritt oft ohne erkennbaren Grund auf. Zu den nachweisbaren, krankhaften Ursachen zählen Infektionen, Entzündungen oder ein Schlaganfall

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 10.11.2014

Plötzlich funktioniert es nicht mehr: lächeln, pfeifen, die Nase rümpfen, blinzeln, die Stirn runzeln. Muskeln, die für die Mimik von Mund, Backen, Nase, Augen und Stirn zuständig sind, lassen sich nicht mehr richtig bewegen. Bei einer Gesichtslähmung (medizinisch: Fazialisparese) erschlaffen sie ganz oder teilweise. Wange und Mundwinkel hängen, häufig nur auf einer Gesichtsseite, herab. Oft schließt sich das Augenlid nicht mehr vollständig, die Augen sind trocken. Es fällt schwer, süß oder salzig zu schmecken, zu kauen oder auch deutlich zu sprechen. Je nach Art der Lähmung treten zudem Schmerzen hinter dem Ohr auf, laute Töne und Geräusche werden bisweilen zur Qual.

Solche deutlich spür- und sichtbaren Symptome sind auch psychisch belastend. Dazu kommt die Angst, ernsthaft erkrankt und gar bleibend entstellt zu sein. Doch nicht immer verbergen sich schwerwiegende Infektionen, Verletzungen oder gar die Folgen eines Schlaganfalls hinter Lähmungserscheinungen im Gesicht. Sehr häufig tritt eine Gesichtslähmung ohne erkennbaren Grund auf und vergeht, meist mit der passenden Behandlung, nach einer bestimmten Zeit auch wieder (idiopathische Fazialisparese, siehe unten und Kapitel "Ursache unbekannt").

Im Mittelpunkt: Der Gesichtsnerv

Was ist passiert? Zuständig für alle wichtigen Gesichtsmuskeln ist der Gesichtsnerv, auch Fazialisnerv oder siebter Hirnnerv. Die Impulse aus dem Gehirn laufen über ihn zu den Muskeln von Stirn, Augen, Wangen und Mund. Der Fazialisnerv steuert zudem den Speichel- und Tränenfluss, die Drüsen der Nasenschleimhaut und das Geschmacksempfinden auf der Zunge. Ist er entzündet oder geschädigt, funktionieren die zugehörigen Muskeln oder Drüsen nicht mehr richtig. Bei einer Gesichtslähmung handelt es sich also korrekterweise um eine Gesichtsnervenlähmung.

Von einem Gehirnbereich, dem Hirnstamm, kommend verläuft der Gesichtsnerv oberhalb des Rückenmarks zunächst direkt neben dem Hör- und dem Gleichgewichtsnerv im inneren Gehörgang. Das erklärt zum Beispiel, warum Ohrerkrankungen auch auf den Fazialisnerv übergreifen können. In der Ohrspeicheldrüse teilt er sich in mehrere Äste, die sich über Stirn, Backen und Kinn bis zum Hals verzweigen (siehe Bild).

Die Ärzte unterscheiden, je nachdem, wo der Nerv beeinträchtigt ist, zwischen einer peripheren und einer zentralen Lähmung. Das zentrale Nervensystem umfasst die Nervenbahnen in Gehirn und Rückenmark. Das periphere Nervensystem durchzieht alle übrigen Körperbereiche, so auch das Gesicht. Die meisten Hirnnerven sind periphere Nerven.

Periphere Lähmung: Sehr häufig ist bei einer Gesichtslähmung der Fazialisnerv nach seinem Austritt aus dem Hirnstamm im Bereich der Ohren und der Ohrspeicheldrüse betroffen. Die Lähmungen erfassen dann meist alle Äste bis in die Stirn. Geschmacks- und Hörstörungen, Schmerzen im Ohrbereich und andere Symptome wie ein gestörter Tränenfluss kommen oft dazu.

Zentrale Lähmung: Von unterschiedlichen Nervenbahnen im Gehirn empfängt auch der Gesichtsnerv seine Impulse. Treten nun bei einem Schlaganfall Schäden auf, kann er zusammen mit anderen Nerven von den Ausfällen betroffen sein. Dabei bleiben aber oft bestimmte Funktionen, etwa die Steuerung der Stirnmuskeln, erhalten. Bei zentralen Schädigungen treten meist noch andere Lähmungen an Arm, Bein oder einer ganzen Körperseite auf. Krämpfe, Kopfschmerzen und andere Symptome können je nach Krankheitsursache dazukommen.

An erster Stelle: Gesichtslähmungen unbekannter Ursache

Periphere Gesichtsnervenlähmungen sind die häufigsten. Zum größten Teil haben sie keine nachweisbare Ursache und setzen ohne ersichtlichen Anlass ein. Mediziner sprechen von idiopathischer Fazialisparese oder Bell-Lähmung (Bell's palsy). Oft empfinden die Betroffenen zunächst Schmerzen hinter dem Ohr, wenig später versagen die mimischen Muskeln auf einer Gesichtshälfte. Die Stirn ist immer mit betroffen. Ein Kältereiz, zurückliegende Infektionen, Druckschäden am Nerv oder Autoimmunreaktionen könnten mögliche Auslöser sein. Häufig legen sich die Lähmungserscheinungen nach wenigen Wochen wieder. Meistens ist es notwendig, unterstützend zu behandeln.

Idiopathische Gesichtslähmungen kommen gehäuft in der Schwangerschaft vor. Diabetes und Bluthochdruck gelten als Risikofaktoren.

Feststellbare Ursachen einer Fazialislähmung: Entzündungen, Infektionen, Diabetes, Verletzungen

In etwa einem Drittel der Fälle ist die widerstrebende oder unbewegliche Gesichtsmuskulatur Symptom einer bestimmten Erkrankung. Meist handelt es sich dabei um Entzündungen oder Infektionen, die den Gesichtnerv mit betreffen. Die häufigsten Ursachen sind hier eine Borreliose und ein Ohrherpes. Auch übergreifende Mittelohr- und Ohrspeicheldrüsenentzündungen kommen infrage. Meist fallen dann jedoch noch andere Krankheitszeichen auf, wie Schmerzen im Ohrbereich und im Gesicht, Schwellungen, Hautveränderungen, Hörprobleme, Fieber.

Zu den häufigsten Folgeschäden der Zuckerkrankheit, sowohl  bei Diabetes Typ 1 wie auch Diabetes Typ 2, gehören Nervenschädigungen. Es gibt verschiedene Formen, darunter eine sogenannte kraniale Neuropathie, die gelegentlich auch den Fazialisnerv schmerzhaft betreffen kann.

Bei Verletzungen, vor allem bei einem Schädelbasisbruch, beziehungsweise Felsenbeinbruch, können Risse, Knochsplitter oder Zerrungen den Gesichtsnerv schädigen oder sogar durchtrennen. Auf der verletzten Seite kommt es dann zu Gesichtslähmungen, Hörstörungen und oft Ohrgeräuschen. Schädelverletzungen müssen unverzüglich in einer Klinik behandelt werden.

Geschwülste und Tumore, insbesondere im Bereich von Ohr, Ohrspeicheldrüse, Schädelbasis oder angrenzenden Gehirnstrukturen, bedrängen mitunter den Gesichtsnerv und führen neben einseitigen Lähmungen zu weiteren jeweils typischen Symptomen.

Gelähmte Gesichtshälfte: Mögliches Alarmzeichen für einen Schlaganfall

Eine plötzlich auftretende, halbseitige Lähmungserscheinung im Gesicht kann mitunter auch Symptom für einen Schlaganfall (Hirninfarkt) sein. Typisch bei einem Hirninfarkt ist, dass die Betroffenen zwar Mund und Auge nicht mehr richtig bewegen, die Stirn aber noch runzeln können. Oft erstreckt sich diese zentrale Lähmung jedoch über die ganze Körperseite. Sehstörungen, Sprachprobleme, andere Beeinträchtigungen, etwa Verlust der Blasenkontrolle, starke Kopfschmerzen oder Benommenheit können hinzukommen. Bei solchen Anzeichen heißt es, sofort reagieren und den Notarzt rufen.

Gesichtslähmung: Wann zum Arzt?

Lähmungserscheinungen sind immer ein Alarmzeichen, das die unterschiedlichsten Ursachen haben kann. Wer also feststellt, dass er bestimmte Muskeln im Gesicht plötzlich nicht mehr gezielt bewegen kann, sollte in jedem Fall umgehend einen Arzt aufsuchen, auch wenn er sich ansonsten wenig beeinträchtigt fühlt.

Ansprechpartner kann zunächst der Hausarzt sein, der seinen Patienten dann je nach Verdacht möglicherweise an einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder einen Facharzt für Nervenerkrankungen (Neurologe) überweisen wird. Je früher der Arzt Form und Ursache der Lähmung feststellen und mit einer Therapie beginnen kann, umso besser stehen die Chancen, dass die Störung vollständig zurückgeht (siehe Kapitel "Diagnose").

! Bestehen Anzeichen für einen Schlaganfall wie plötzlich auftretende Seh- und Sprachprobleme, einseitige Lähmungserscheinungen, starke Kopfschmerzen und andere (siehe oben und Ratgeber "Schlaganfall (Apoplex)"), ist unverzüglich die Notrufnummer 112 zu wählen. Der Betroffene muss so rasch wie möglich in ein Krankenhaus – am besten in eine Klinik mit einer Schlaganfallstation (Stroke Unit).

Überblick über die wichtigsten Ursachen einer Gesichtslähmung

– Ursache unbekannt

  • Idiopathische Fazialislähmung (Bell-Lähmung: Oft zunächst Schmerzen hinter dem Ohr, Gesichtsmuskeln innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen meist einseitig gelähmt, die Stirn ist mitbetroffen. Dazu Kribbeln, Taubheitsgefühle in der Wange sowie Geschmacksstörungen, gestörter Tränenfluss und Geräuschüberempfindlichkeit möglich)
  • Melkersson Rosenthal-Syndrom (seltene Erkrankung unklarer Ursache mit Gefäßentzündungen: ein- oder oft beidseitige, häufig auch die Seite wechselnde Gesichtslähmung, Zungenentzündungen, entzündete Lippen. Diese schwellen wie auch das Gesicht wiederholt an.)

(Mehr Informationen dazu im Kapitel "Ursache unbekannt")

– Ursache feststellbar
Infektionen, Entzündungen

  • Borreliose (nach Zeckenstich oft kreisrunde Hautrötung um die Einstichstelle, Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen, wenige Wochen später ein- oder oft beidseitige Lähmungserscheinungen im Gesicht und/oder anderen Körperbereichen; siehe auch unten: Hirnhautentzündungen)
  • Ohrherpes (Herpes zoster oticus: Einseitige Ohrenschmerzen, Brennen, wenig später Bläschen an der Ohrmuschel, meist auch weiter hinten im Gehörgang; in der Folge einseitige Gesichtslähmung, Schwindel und Hörprobleme möglich)
  • Akute schwere Mittelohrentzündung mit Knochenentzündung (Otitis media acuta mit Mastoiditis: Heftige Ohrenschmerzen, Fieber, Schwerhörigkeit, Tinnitus, Schwindel, Schwellung hinter dem erkrankten Ohr, Ausfluss aus dem Ohr, einseitige Gesichtslähmung möglich)
  • Chronische Mittelohrentzündung mit Knocheneiterung (Otitis media chronica und Cholesteatom: Druckgefühl im Ohr, Schwerhörigkeit. Gesichtslähmung und Schwindel sind Alarmsymptome; sofortige Behandlung notwendig)
  • Guillain-Barré-Syndrom (GBS – unter anderem durch Infektionen hervorgerufene, entzündliche Lähmung von Rückenmarksnerven: Atemwegsinfekte, Magen-Darm-Beschwerden, Lähmungserscheinungen und Muskelschwäche vor allem in den Beinen, auch in den Armen, am Brustkorb und beidseitig im Gesicht möglich)
  • Sarkoidose (Morbus Boeck), Neurosarkoidose und Sonderform Heerfordt-Syndrom (entzündliche Systemerkrankung mit Bindegewebsveränderungen, die verschiedene Organe, vor allem die Lunge und mitunter auch Nerven, befällt. Symptome beim Heerfordt-Syndrom: Fieber, geschwollene Ohrspeicheldrüsen, beidseitige Fazialislähmung, Augenentzündungen)
  • Hirnhautentzündungen (akute und chronische Meningitis, chronisch häufig im Rahmen infektiöser Grunderkrankungen wie Borreliose, Herpesinfektionen, HIV, Tuberkulose: Fieber, Kopfschmerzen, Nackensteife – akut oder auch über einen Monat anhaltend, Lähmungserscheinungen im Gesicht je nach erkrankter Region, etwa bei entzündlichen Schäden in der Hirnbasis)

(Weitere Informationen dazu im Kapitel "Ursachen: Infektionen, Entzündungen, Nervenschäden")

Verletzungen und andere Schäden im Bereich der Gesichtsnerven

  • Schädelbasisbruch, Felsenbeinfraktur (Schwindel, Tinnitus, Hörverlust, Lähmungserscheinungen im Gesicht, in schweren Fällen Blutung und/oder wässrig-klarer Ausfluss aus Ohr und Nase, entspricht Hirnflüssigkeit)
  • Operationsfolgen (je nach Art des Eingriffs manchmal nur die Mundmuskulatur betroffen, Stirnmuskeln lassen sich bewegen)

(Informationen dazu im Kapitel "Ursachen: Infektionen, Entzündungen, Nervenschäden")

Weitere Ursachen im Gehirn (neben Entzündungen und Tumoren)

  • Schlaganfall (Gefäßverschluss oder Blutung im Gerhin oder Hirnstammbereich, beispielsweise mit plötzlichen Lähmungen an einem Arm, Bein, einer Gesichtshälfte oder einer ganzen Körperseite – im Gesicht ist dabei vor allem der Mundwinkel betroffen, nicht aber die Stirn. Weitere mögliche Symptome: Seh- und Sprachstörungen, starke Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Bewusstlosigkeit)

Wucherungen und Tumore (seltene Ursachen)

  • Akustikusneurinom, Vestibularisschwannom, Fazialisneurinom (gutartige, seltene Tumore am Hör-, Gleichgewichts und/oder Gesichtsnerv: Schwerhörigkeit, Ohrgeräusche, weniger oft Schwindel, je nach Ausbreitung beziehungsweise Ausgangsort des Tumors Gesichtslähmung, oft am Auge beginnend, Geschmacksstörungen)
  • Paragangliom (seltener Tumor im Bereich von Schläfenbein und/oder Mittelohr: Tinnitus, Schwerhörigkeit, später Gesichtnervenlähmungen möglich)
  • Tumore der Kopfspeicheldrüsen, insbesondere der Ohrspeicheldrüse (Parotistumore, bösartige Formen: Schwellung auf der erkrankten Seite, Schmerzen, einseitige Gesichtslähmung, vergrößerte Lymphknoten)
  • Meningeom (meist gutartiger, langsam wachsender Tumor der Hirnhaut, zum Beispiel an der Schädelbasis; Symptome oft erst spät, je nach Lage und Ausbreitung des Tumors: Kopfschmerzen, Seh-, Sprach- und Geruchsstörungen, halbseitige Lähmungen im Gesicht und/oder auf der ganzen Körperseite, Wesensveränderungen)
  • Tumore im Hirnstamm (ein- oder beidseitige Gesichtslähmung, Sprach- und Schluckstörungen, Probleme beim Kauen, Öffnen des Mundes und bei bestimmten Augenbewegungen, Lähmungserscheinungen an Armen und Beinen)

(Mehr Informationen dazu im Kapitel "Ursache: Tumore")

Therapie einer Fazialislähmung: Je nach Form und Ursache

Hat der Arzt eine Grunderkrankung wie Borreliose oder eine Ohrentzündung als Ursache für die Gesichtslähmung festgestellt, richtet sich die Behandlung danach. Mit der Therapie einer auslösenden Erkrankung legen sich dann meist auch die Lähmungserscheinungen. Bei Brüchen können operative Eingriffe angezeigt sein, mit denen der Chirurg auch einen in Bedrängnis geratenen Nerv entlastet beziehungsweise mitunter einen beschädigten Nerv wieder herstellt. Auch Tumore erfordern eine jeweils angepasste Therapie. Bei einer diabetischen Neuropathie zielt die Behandlung auf eine optimale Stoffwechseleinstellung und Schmerztherapie.

Gute Heilungschancen haben die häufigen idiopathischen Fazialislähmungen. Sie gehen teilweise spontan zurück oder verschwinden nach einer Behandlung mit Kortison und gezielten krankengymnastischen Übungen für das Gesicht. Sind die Augenmuskeln von der Lähmung stark betroffen, so dass der Patient das Auge nicht mehr richtig schließen kann, setzen die Ärzte zusätzlich Schutzmaßnahmen für die Hornhaut ein. Das können Tropfen sein, die als Tränenersatz dienen, Salben, die Entzündungen vorbeugen, sowie ein spezieller Verband (Uhrglasverband), der das Auge abschirmt. 

Mehr Informationen zur ärztlichen Diagnose, über Gesichtslähmungen unbekannter Herkunft sowie über Lähmungen infolge bestimmter Krankheitsbilder finden Sie in den folgenden Kapiteln (siehe auch Kapitelübersicht oben).

 

Fachliteratur für diesen Ratgeber

Mattle H. Mumenthaler M: Neurologie. 13. Auflage, Stuttgart Georg Thieme Verlag 2013

Behrbohm H, Kaschke O, Nawka T: Kurzlehrbuch Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. 2. Auflage, Stuttgart, Georg Thieme Verlag 2012
Probst R, Grevers G, Iro H: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. 3. Auflage, Stuttgart Georg Thieme Verlag 2008

Herold G et al.: Innere Medizin, Köln Gerd Herold 2014

Böhm M, Hallek M, Schmiegel W (Hrsg): Innere Medizin, begr. von Classen M, Diehl V, Kochsiek H, 6. Auflage, München Elsevier, Urban & Fischer Verlag, 2009

Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Therapie der idiopathischen Fazialisparese (Bell's palsy). Leitlinie 09/2011, awmf-Register-Nr. 030/013. Online: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/030-013.html (Abgerufen am 09.10.2014)

Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): Therapie akuter und chronischer immunvermittelter Neuropathien und Neuritiden. Leitlinie 09/2012, awmf-Register-Nr. 030/130. Online: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/030-130.html (Abgerufen am 09.10.2014)

Schwenkreis P: Periphere Fazialisparese. Eine Blickdiagnose? In: Der Allgemeinarzt 2012, 34(2), S. 22-24

Fachredaktion: Dr. med. Claudia Osthoff

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Gelähmte Gesichtsmuskeln: Gleich zum Arzt gehen

Lähmungserscheinungen im Gesicht sind immer ein Grund, so rasch wie möglich einen Arzt aufzusuchen.

! Bestehen Anzeichen für einen Schlaganfall, etwa plötzliche auftretende, halbseitige Lähmungen an Gesicht, Arm und anderen Körperteilen, Kopfschmerzen, Probleme mit dem Sehen und Sprechen, Schwindel, Gangunsicherheit, ist sofort der Notarzt zu verständigen. Lesen Sie mehr dazu im Ratgeber "Schlaganfall (Apoplex)".

Ansonsten ist der Hausarzt häufig der erste Ansprechpartner, wenn jemand Muskeln auf einer oder beiden Gesichtsseiten plötzlich nicht mehr bewegen kann. Er wird den Patienten eingehend befragen und körperlich untersuchen. Auf diese Weise kann er mögliche Ursachen eingrenzen beziehungsweise ausschließen, etwa Verletzungen oder Ohrentzündungen. Auch dem Verdacht auf eine Borrelien-Infektion geht der Arzt bei entsprechenden Hinweisen nach. Eventuelle Hautveränderungen, etwa kreisrunde Rötungen um einen vier bis mehrere Wochen zurückliegenden Zeckenstich, legen eine Borreliose nahe. Bluttests geben dann teilweise Aufschluss.

Je nachdem, welche in Richtung die ersten Untersuchungen weisen und wie ausgeprägt die Erkrankung ist, zieht der Hausarzt einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder einen Spezialisten für Nervenerkrankungen (Neurologen) hinzu. Auch für Diabetiker oder Schwangere, bei denen Störungen am Gesichtsnerven auftreten, können weiterführende Untersuchungen, etwa bei einem Neurologen, notwendig sein.

Aufschlussreich: Form und Hintergründe der Fazialislähmung

Wegweisende Fragen sind für den Arzt zunächst, ob der Patient verletzt ist oder vor einiger Zeit einen Unfall hatte. Akute oder chronische Ohrerkrankungen sowie zurückliegende Ohroperationen sind wichtige Anhaltspunkte, ebenso bestehende Gehirnerkrankungen, bekannte Tumorleiden, eine schon diagnostizierte Autoimmunerkrankung oder andere entzündliche Systemerkrankung.

Nach einer eingehenden Befragung wird der Arzt prüfen, ob eine oder beide Gesichtshälften betroffen sind und welche Muskeln nicht mehr richtig funktionieren. Er kontrolliert, ob nur die Mundwinkel schlaff herabhängen oder ob sich Mund und Augenlider, eventuell auch der Kinnbereich nur mehr verzögert beziehungsweise gar nicht mehr bewegen lassen. Kann der Patient die Backen aufblasen oder nicht, kann er pfeifen, die Zähne fletschen?

Ein wichtiger Hinweis auf die Art der Fazialislähmung ist zudem, ob der Betroffene in der Lage ist, die Stirn zu runzeln oder nicht:

  • Bei peripheren Lähmungen, die den Gesichtsnerv direkt erfassen, ist meist auch die Stirn schlaff.
  • Zentrale Lähmungen, die vom Gehirn ausgehen, wirken sich in der Regel nicht auf den Nervenast aus, der die Stirn versorgt. Die Stirnmuskeln sind dann noch beweglich.

Beschwerden, die häufig eine Gesichtsmuskellähmung begleiten

Außerdem achtet der Arzt auf weitere Folgen der Nervenstörung. Dazu kann ein verminderter Tränenfluss gehören, oder mitunter auch ein übermäßiger. Die Tränen fließen dann zum Beispiel völlig unpassend beim Essen (Krokodilstränen). Darüber hinaus kommt es zu Geschmacksstörungen, Ohrenschmerzen sowie Hörproblemen. Häufig leiden Menschen mit einer Fazialisparese auch unter Geräuschüberempfindlichkeit (Hyperakusis). Schluckstörungen, Kopfschmerzen, Atemnot, eine verwaschene Sprache geben weitere Hinweise.

Es folgt eine gründliche Inspektion von Kopf- und Halsbereich. Die Ohren untersucht der Arzt mit dem Ohrenspiegel, dem Otoskop, um Entzündungen oder Herpes-Bläschen zu erkennen. Er testet die Beweglichkeit von Händen und Armen, Füßen und Beinen, um weitere Lähmungsanzeichen auszuschließen. Außerdem kontrolliert er den Blutdruck. Den Tränenfluss kann der Arzt mit einem speziellen Papierstreifen messen (Schirmer-Test). Hörtests sowie Funktionsprüfungen anderer Hirnnerven können angezeigt sein.

Gesichtslähmung: Erkenntnisse im Labor

Blutuntersuchungen geben schließlich Aufschluss über mögliche Infektionskrankheiten wie die schon erwähnte Borreliose oder eine Herpes-Infektion. Besteht der Verdacht auf eine noch nicht bekannte Diabeteserkrankung oder eine Schwangerschaft, ordnet der Arzt die notwendigen Tests an.

Mitunter veranlasst der Arzt zudem eine Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit, eine Liquorpunktion. Veränderungen der Farbe, Beschaffenheit und Zusammensetzung der Hirnflüssigkeit sowie bestimmte Antikörpermuster können Gehirn- und Hirnhauterkrankungen belegen, die unter anderem auch den Gesichtsnerv mit einbeziehen.

Elektrophysiologische Verfahren: Sendet der Gesichtsnerv noch Signale?

Mitunter setzen Hals-Nasen-Ohrenärzte und Neurologen weiterführende Untersuchungen der Nervenfunktionen ein. Mit der sogenannten Elektromyografie ist es möglich, über feinste Nadelelektroden die elektrische Aktivität der Nerven in einem Muskel zu messen. Damit kann der Arzt einmal den Grad einer Nervenstörung bestimmen, zum anderen aber dann auch den Heilungsverlauf kontrollieren. Ergänzend kommt dazu manchmal auch die Elektroneurografie infrage. Auf der Haut angebrachte Elektroden zeigen die Nervenleitgeschwindigkeit an und damit, ob und wie schnell die Nervenfasern elektrische Reize an den Muskel weitergeben.

Ein weiteres Verfahren zur Überprüfung der Aktivität des Fazialisnervs ist die Magnetstimulation. Der Arzt reizt mit Hilfe einer Magnetspule den Nerv im Schädelinneren und kann je nach Ergebnis die Heilungsmöglichkeiten genauer einschätzen.

Bildgebende Verfahren in der Diagnose einer Gesichtslähmung: Blick ins Innere

Vor allem wenn der Verdacht auf Tumore und Veränderungen im Schädelinneren oder im Halsbereich, etwa der Ohrspeicheldrüse, besteht, sind Computertomografie und Magnetresonanztomografie aufschlussreich. Bei einer Magnetresonanztomografie kann der Arzt mit Hilfe eines Kontrastmittels unter anderem den Verlauf des Nervus facialis und mögliche Veränderungen erkennen.

Konnten die Ärzte der zuständigen Fachrichtungen mit den grundlegenden Untersuchungen keine konkrete Krankheitsursache feststellen, liegt meist eine idiopathische Fazialislähmung, auch Bell-Lähmung genannt, vor. Sie ist die häufigste Form einer Gesichtslähmung. Weitere Informationen dazu finden Sie im folgenden Kapitel "Ursache unbekannt".

Gesichtslähmung ohne Ursache: Idiopathische Fazialisparese, Bell-Lähmung

Können die zu Rate gezogenen Fachärzte, in der Regel Hals-Nasen-Ohren-Arzt und/oder Neurologe, trotz eingehender Untersuchungen keine übergeordnete Krankheitsursache feststellen, handelt es sich meist um eine idiopathische Gesichtslähmung. Sie ist die häufigste Form der Fazialisparesen und weist die typischen Symptome einer peripheren Nervenlähmung auf (siehe dazu auch Kapitel "Übersicht"). Die Art der Beschwerden und der meist positive Krankheitsverlauf bestätigen oft die Diagnose.

Als mögliche Auslöser vermuten Fachleute verborgene beziehungsweise wieder aktivierte entzündliche Prozesse, insbesondere durch eine Virusinfektion. Möglicherweise spielt das Herpes-simplex-Virus hier eine Rolle. Auch könnte der Fazialisnerv, der den Gehörgang und dann einen engen Kanal im Felsenbein (Canalis facialis) passieren muss, dort in Bedrängnis geraten und nur mehr mangelhaft durchblutet sein. Druckschäden, etwa durch Flüssigkeitsansammlungen, gehören ebenfalls in die Liste vermuteter Ursachen. Darüber hinaus ziehen Medizinforscher autoimmunologische Vorgänge in Betracht. Ein beobachteter unmittelbarer Auslöser scheint mitunter Kälteeinwirkung zu sein. 

Als Risikofaktoren gelten Diabetes und ein erhöhter Blutdruck. In der Schwangerschaft erleiden Frauen nicht selten eine ungeklärte Fazialislähmung.

Symptome: Kennzeichnend sind oft anfängliche Schmerzen hinter dem Ohr mit unmittelbar folgenden Missempfindungen auf einer Wange sowie einseitigen Lähmungserscheinungen. Diese erfassen Mund, Auge und auch die Stirnseite und sind unterschiedlich ausgeprägt. Die mimische Muskulatur kann teilweise oder vollständig bewegungsunfähig sein. Das Augenlid lässt sich nicht mehr richtig schließen. Geschmacksstörungen im vorderen Zungenabschnitt kommen häufig dazu. Das bedeutet, dass die Betroffenen vor allem süß, sauer und salzig nicht mehr richtig schmecken. Geräuschüberempfindlichkeit und ein gestörter Tränenfluss sind möglich.

Treten Gesichtsschmerzen, Schluckstörungen und/oder Kopfschmerzen auf, sind das Anzeichen, dass auch andere Hirnnerven gereizt sind, etwa der Trigeminusnerv oder der Nerv, der auch Zungen- und Rachenmuskulatur versorgt. Der Trigeminus, der fünfte Hirnnerv, vermittelt unter anderem Schmerz-, Temperatur- und Berührungswahrnehmungen im Gesicht.

Diagnose: Die Krankengeschichte, die Symptome und erste körperliche Untersuchungen geben dem Arzt oft schon entsprechende Hinweise. Als Spezialisten sind neben einem Neurologen je nach Verdacht auch ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt sowie ein Augenarzt gefragt. Bleiben weitere eingehende körperliche Untersuchungen, Bluttests, elektrophysiologische und gegebenenfalls bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomografie unauffällig, erhärtet das die Diagnose. In Einzelfällen erwägen Fachärzte zusätzlich auch eine Lumbalpunktion (siehe Kapitel "Diagnose").

Therapie: Die Lähmungen können innerhalb weniger Wochen bis Monate vollständig zurückgehen, manchmal auch ganz ohne Behandlung. Da dies aber nicht gesichert ist, behandeln Neurologen und HNO-Ärzte häufig mit Kortison. Das betroffene Auge bleibt teilweise geöffnet und damit schutzlos. Augentropfen oder Salben und ein spezieller Verband (Uhrglasverband) helfen hier, das Auge zu befeuchten, die empfindliche Hornhaut abzuschirmen und bleibende Schäden zu vermeiden. Als nützlich für den Erfolg einer Therapie haben sich zusätzliche physiotherapeutische Übungen erwiesen, die gezielt die mimischen Muskeln trainieren.

Nur bei bestimmten, schweren Krankheitsverläufen erwägen die Ärzte mitunter chirurgische Eingriffe. Eine Druckentlastung des Fazialisnervs durch Entfernung von Knochenanteilen im Felsenbein beurteilen Mediziner inzwischen jedoch kritisch. Mikrochirurgische Therapien am Gesichtsnerv oder an Muskeln ziehen Spezialisten unter Umständen bei anhaltenden Lähmungen in Betracht.

Melkersson-Rosenthal-Syndrom: Wechselseitige idiopatische Fazialisparese

Eine idiopathische Gesichtslähmung gehört zu den Leitsymptomen dieser seltenen Erkrankung von Mund und Rachenraum. Auslöser der Beschwerden sind Blutgefäßentzündungen, bei denen sich Gewebe verändert und sich kleinste Geschwülste bilden. Die Ursachen dafür sind nicht geklärt. Am Melkersson-Rosenthal-Syndrom erkranken vorwiegend jüngere Menschen im Alter zwischen zehn und 40 Jahren. Es können neben dem Fazialisnerv noch weitere Hirnnerven in Mitleidenschaft gezogen sein. Das Syndrom tritt mitunter auch im Rahmen der entzündlichen Darm-Erkrankung Morbus Crohn oder einer Sarkoidose auf (siehe dazu Kapitel "Ursachen: Infektionen, Entzündungen").

Symptome: Schubweise auftretende Beschwerden, häufig anfangs geschwollene Lippen und Gesichtsschwellungen. Die Zunge verändert sich, es bilden sich Falten und Risse auf dem Zungenrücken. Dazu kommt eine periphere Gesichtslähmung wie bei der idiopathischen Fazialislähmung. Kennzeichnend ist hier jedoch, dass die Lähmungserscheinungen wechselweise auf der linken und der rechten Seite oder gleichzeitig auf beiden Gesichtshälften auftreten können. Die Gesichtslähmung kann manchmal schon längere Zeit vor den kennzeichnenden Anfangszeichen wie Lippenschwellung und Zungenveränderung auftreten. Geschwüre, Aphthen und Entzündungen der Mundschleimhaut sowie geschwollene Halslymphknoten können schließlich dazukommen. Mitunter entwickeln sich auch psychische Störungen.

Diagnose: Die Hauptsymptome sind für den Arzt aufschlussreich. Oft schließen sich feingewebliche Untersuchungen von Mundschleimhaut sowie Bluttests an. Mit bildgebenden Verfahren und gegebenenfalls einer Dickdarmspiegelung (bei Verdacht auf eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung) wird der Arzt das Krankheitsbild von anderen entzündlichen und autoimmunologischen Erkrankungen abgrenzen beziehungsweise ihnen zuordnen.

Therapie: Die Beschwerden gehen oft nach einiger Zeit wieder zurück. Die Ärzte setzen zur Behandlung vor allem Kortison und entzündungshemmende Medikamente ein.

Zum größten Teil sind periphere Gesichtsnervenlähmungen idiopathisch, haben also keine eindeutig erkennbare Ursache (siehe Kapitel "Ursache unbekannt"). Sie können jedoch, wenn auch weniger häufig, Folge einer infektiösen oder entzündlichen Erkrankung sein, wenn diese neben bestimmten Organen und Nerven auch den Fazialisnerv direkt in Mitleidenschaft zieht. Die Lähmungserscheinungen treten dann akut neben anderen typischen Symptomen auf. Manchmal stellen sie auch eine Komplikation einer nicht ausreichend behandelten oder chronisch verlaufenden Krankheit dar.

Entzündungen, die sich in bestimmten Gehirnanteilen wie etwa im Hirnstamm ausbreiten, lösen mitunter zentrale Gesichtslähmungen aus (siehe dazu auch Kapitel "Übersicht" und "Diagnose").

Lyme-Borreliose als Ursache für eine Gesichtslähmung

Es sind vor allem Zecken, die diese Infektionskrankheit übertragen. Die Erreger gehören zu einer Gruppe von Bakterien, den Borrelien. Die Erkrankung wurde zum ersten Mal in dem US-amerikanischen Ort Lyme beschrieben.

Symptome: Nach einem Zeckenstich kann sich die Haut um die Einstichstelle kreisrund röten. Die Rötung breitet sich weiter aus (Wanderröte). Die dann manchmal erst nach Monaten folgenden Symptome sind unterschiedlich. Neben Nerven- und Gelenkschmerzen sind akute Gehirn- und Hirnhautentzündungen mit Nackensteife und Fieber oder chronische Gehirn- und Rückenmarksentzündungen möglich. Es kommt bisweilen auch zu Ausfällen an peripheren Hirnnerven wie dem Gesichtsnerv. Lähmungen im Gesicht sind häufig. Sie treten einseitig, oft aber auch beidseitig auf.

Diagnose und Therapie: Zur Diagnose zieht der Arzt die Gesamtheit der Befunde heran – von der Krankengeschichte und körperlichen Untersuchungen bis hin zu Antikörpertests im Blut und gegebenenfalls einer Untersuchung von Gehirnwasser, das aus dem Rückenmark entnommen wird (Lumbalpunktion) und/oder von Gelenkflüssigkeit.

Die Behandlung erfolgt nach sorgfältiger Prüfung mit Antibiotika. Der Arzt passt Dosis und Dauer der Therapie ganz individuell dem Stadium und der Schwere der Erkrankung an. Eine Borreliose kann vollständig ausheilen, aber auch Folgebeschwerden hinterlassen, zum Beispiel Gelenkprobleme.

Ausführliche Informationen zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapie finden Sie im Ratgeber "Lyme-Borreliose".

Ohrherpes, Gürtelrose des Ohres: Möglicher Auslöser einer Fazialisparese

Nach einer meist in der Kindheit durchgemachten Windpockenerkrankung verbleiben die verantwortlichen Viren, die Varizella-zoster-Viren, in den Hirnnerven oder Nervenwurzeln des Rückmarks. Nach vielen Jahren können sie wieder aktiv werden. Das geschieht öfter im Alter oder bei geschwächter Körperabwehr. Ein erneuter Ausbruch hat häufig eine Gürtelrose an den Körperstellen zur Folge, für die der befallene Nerv zuständig ist. Der sehr schmerzhafte Hautausschlag tritt vor allem an Brust, Rücken, Bauch und im Gesicht auf. Aber auch Augen, Ohren und das Gehirn können erkranken. Bei einem Ohrherpes (Herpes zoster oticus) ist neben dem Hör- und Gleichgewichtsnerv meist auch der Fazialisnerv betroffen.

Symptome: Brennen und Schmerzen auf und in dem erkrankten Ohr. Es folgen ein Ausschlag mit Rötungen und Bläschen, Hörprobleme, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen und periphere Lähmungserscheinungen auf der kranken Gesichtsseite, die auch die Stirnhälfte mit erfassen.

Diagnose und Therapie: Eine eingehende Untersuchung der Ohren legt meist schon die Diagnose nahe. Gegebenenfalls lässt der Arzt für einen möglichen Virennachweis Flüssigkeit aus den Bläschen untersuchen. Je nach Krankheitsbild setzt der Arzt bildgebende Verfahren ein, um andere Entzündungen sowie Wucherungen und Tumore auszuschließen.

Für die Behandlung kommen neben örtlichen Anwendungen Medikamente gegen Viren, sogenannte Virustatika, zum Einsatz. Sie müssen möglichst frühzeitig gegeben werden, innerhalb der ersten zwei bis drei Tage nach Beginn der Symptome.

Über Herpes-zoster-Infektionen, ihre Symptome, Diagnose und Therapie informiert der Ratgeber "Gürtelrose (Herpes zoster)".

Weitere Ohrerkrankungen, die mit einer Gesichtslähmung einhergehen können

Der Gesichtsnerv verläuft streckenweise unmittelbar neben Hör- und Gleichgewichtsnerv im inneren Gehörgang im Felsenbein, einem Teil der Schädelbasis. Daher ist er nicht selten auch von Krankheitsprozessen betroffen, die sich im mittleren Ohr abspielen. Meist gehören periphere Gesichtslähmungen zu den Komplikationen, die sich bei schweren akuten wie chronischen Mittelohrentzündungen entwickeln können.

– Akute Mittelohrentzündung mit Mastoiditis

Eine akute Entzündung kann vom Mittelohrraum auf den Fazialisnerv übergreifen. Neben den typischen Symptomen für eine Mittelohrentzündung (Otitis media acuta) mit heftigen Schmerzen, Fieber und Schwerhörigkeit treten dann an der Gesichtmuskulatur einseitige Lähmungen auf.

Symptome: Ist als seltene Komplikation einer Mittelohrentzündung der Warzenfortsatz, eine Knochenstruktur hinter äußerem Gehörgang und Mittelohr, entzündet (Mastoiditis), gehören Ohrenschmerzen, Schwellungen hinter dem Ohr, Fieber und Ausfluss aus dem Ohr zu den typischen Beschwerden. Manchmal stellt sich eine einseitige Gesichtslähmung mit Stirnbeteiligung ein. Auch Gesichtsschmerzen und Taubheitsgefühle sind möglich, da ebenso der Trigeminusnerv mit erkranken kann.

Erfahren Sie Wissenswertes zu Ursachen, Symptomen, Komplikationen, Diagnose und Therapie im Ratgeber "Akute Mittelohrentzündung (Otitis media acuta)".

– Chronische Mittelohrentzündung mit Cholesteatom

Wiederholte Mittelohrentzündungen und Trommelfellschäden können zu einer chronischen Entzündung führen (Otitis media chronica). Sie äußert sich je nach Ursache unterschiedlich, möglich sind ein ständiger oder immer wiederkehrender Ausfluss aus dem Ohr, Schwerhörigkeit, manchmal Schmerzen. Sind die Schleimhäute im Mittelohrraum dauerhaft entzündet, entwickeln sich mitunter zerstörerische Zellwucherungen im Knochen, Cholesteatom genannt. Diese können unter anderem auf den Fazialiskanal und damit auf den Gesichtsnerv übergreifen.

Symptome: Die Beschwerden bestehen anfangs oft nur in einem Druckgefühl im Ohr und Hörproblemen. Ausfluss aus dem Ohr kann ebenfalls auftreten. Alarmsymptome sind eine einseitige Gesichtslähmung, Schwindel und Gleichgewichtsstörungen. Die Betroffenen sollten dann sofort einen Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten oder eine HNO-Klinik aufsuchen.

Lesen Sie Näheres dazu im Ratgeber "Chronische Mittelohrentzündung (Otitis media chronica)".

Gesichtslähmung beim Guillain-Barré-Syndrom

Diese Erkrankung gehört zu den sogenannten Polyradikulitiden. Das bedeutet, dass Nervenwurzeln, Rückenmarksnerven und/oder periphere Nerven entzündet sind. Das führt zu Lähmungen und Bewegungsstörungen in unterschiedlichen Körperbereichen. Die Ursachen sind noch nicht geklärt. Auslöser sind möglicherweise Giftstoffe, vorausgegangene Infektionen oder Entzündungen infolge von Autoimmunreaktionen. Ein Guillain-Barré-Syndrom tritt mitunter auch im Rahmen einer Sarkoidose auf (siehe unten).

Es gibt mehrere Formen des Guillain-Barré-Syndroms, die teilweise gute Heilungschancen haben. Bedrohlich können im Laufe der Erkrankung auftretende Atemlähmungen sowie Herzrhythmusstörungen sein, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen. Eine Gesichtslähmung ist zudem für eine Sonderform, das Miller-Fisher-Syndrom, kennzeichnend. Hiervon sind vor allem junge Männer betroffen.

Symptome: Atemwegs- und Magen-Darm-Infekte gehen bisweilen der Nervenerkrankung voraus. Es zeigen sich dann nach wenigen Tagen erste Lähmungserscheinungen und Muskelschwächen, die meist an den beiden Füßen und Beinen beginnen und sich allmählich nach oben fortsetzen. Schließlich können Hände und Arme gelähmt sein. Schluckstörungen und eine doppelseitige periphere Gesichtslähmung mit Stirnbeteiligung sind häufig. Auch Muskelzuckungen im Gesicht sind möglich. Dazu kommen mitunter Blutdruckschwankungen, Herzrhythmusstörungen, Probleme beim Wasserlassen, gestörte Schweißbildung sowie Atemnot. Um bei eventuellen Atemlähmungen rechtzeitig eingreifen zu können, kommen die Patienten in der Regel schon in die Klinik, wenn erste Bewegungsstörungen einsetzen.

Das Miller-Fisher-Syndrom fällt durch Bewegungsstörungen und Lähmungserscheinungen der Augenmuskeln sowie eine Gesichtslähmung auf.

Diagnose: Eine eingehende körperliche Untersuchung sowie die Ergebnisse einer Lumbalpunktion, bei der Rückenmarksflüssigkeit entnommen und anschließend im Labor untersucht wird, sind meist aufschlussreich. Dazu prüft der Neurologe Muskel- und Nervenfunktionen mit elektrophysiologischen Messungen (siehe Kapitel "Diagnose"). Weitere Untersuchungen wie Bluttests können angezeigt sein, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Therapie: Die Erkrankung kann vollständig ausheilen. Bei akuten Formen empfehlen Neurologen inzwischen eine Therapie mit Immunglobulinen, die das Abwehrsystem unterstützen, oder eine Plasmapherese, eine Form des Blutaustausches. Vor allem benötigen die Patienten eine gute Pflege und Überwachung, um Komplikationen wie Atemlähmungen, Thrombosen oder Herzproblemen vorzubeugen oder diese rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Deswegen ist oft auch ein frühzeitiger Klinikaufenthalt notwendig. Bei chronischen Formen setzen die Ärzte häufig Kortison ein.

Wissenswertes zu diesem Krankheitsbild finden Sie im Ratgeber "Guillain-Barré-Syndrom (GBS)".

Sarkoidose: Fazialisparese bei Nervenbefall und Heerfordt-Syndrom

Diese meist gutartige Systemerkrankung, auch Morbus Boeck genannt, erfasst unterschiedliche Körperbereiche, sehr oft die Lymphknoten und die Lungen, aber auch viele andere Organe sowie in einigen Fällen das Nervensystem (Neurosarkoidose). Dabei bilden sich knötchenartige Geschwülste im Bindegewebe (Granulome), die die Funktion des jeweiligen Organs behindern und zu vielfältigen Beschwerden führen. Sind die Hirnnerven betroffen, tritt sehr häufig eine Fazialislähmung auf.

Beim Heerfordt-Syndrom, einer Sonderform der Sarkoidose, entzündet sich die Ohrspeicheldrüse. Augenentzündungen mit geröteten Augen und Gesichtslähmung kommen kennzeichnend dazu.

Die genauen Ursachen der Sarkoidose sind unbekannt. Überschießende beziehungsweise fehlgeleitete Abwehrreaktionen sowie eine familiäre Veranlagung spielen für die Krankheitsentwicklung offenbar eine Rolle. Es erkranken vorwiegend jüngere Erwachsenen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Je nach Form und Stadium der Erkrankung sind die Heilungsaussichten gut, vor allem für die akute Form (Löfgren-Syndrom).

Symptome: Bei der akuten Form schwellen häufig die Lymphknoten an, Sprung- und Knie- und Handgelenke schmerzen. Dazu sind schmerzhafte, gerötete Hautknötchen an den Unterschenkeln oft typisch. Fieber, Husten, Atemnot, Gewichtsverlust, Muskelschmerzen können weitere Hinweise sein. Eine beidseitige oder die Seiten wechselnde Gesichtslähmung, Gesichtsschmerzen, Schwindel, Hörstörungen zeigen an, dass auch Hirnnerven betroffen sind.

Schmerzhafte Schwellungen hinter dem Ohr, eine Fazialisparese und gleichzeitige Augenentzündungen weisen auf das Heerfordt-Syndrom hin.

Chronische Formen, bei denen hauptsächlich die Lunge erkrankt ist, entwickeln sich anfangs oft ohne kennzeichnende Beschwerden. Es können schließlich Symptome an anderen Organen wie Hautveränderungen, Augenentzündungen, Knochenentzündungen oder Herzrhythmusstörungen auftreten. Der Lungenbefall wird oft nur zufällig bei Röntgenaufnahmen des Brustkorbs entdeckt.

Diagnose: Ärzte mehrerer Fachrichtungen können bei diesem Krankheitsbild gefragt sein. In erster Linie befassen sich Internisten beziehungsweise Lungenfachärzte damit, sind eindeutig Nerven beteiligt, auch Neurologen. Neben ausführlichem Arzt-Patient-Gespräch und körperlicher Untersuchung geben Bluttests, Analyse von Hirnflüssigkeit aus dem Rückenmark (Lumbalpunktion, bei Nervenstörungen), von Bronchialschleimhaut, von Lungengewebe (bronchoalveoläre Lavage), eventuell von Muskelgewebe Aufschluss. Wegweisend sind ebenso bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen, bei Neurosarkoidosen auch Computer- und Magnetresonanztomografie. Lungenfunktionstests, Untersuchungen von Herzfunktion und Augen gehören oft dazu.

Therapie: Da Sarkoidosen häufig von selbst wieder ausheilen, beobachten die Ärzte zunächst aufmerksam den Krankheitsverlauf. Bei schwereren Funktionsstörungen können Kortison und das Immunsystem unterdrückende Mittel (Immunsuppressiva) zum Einsatz kommen.

Mehr zu Formen, Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapie können Sie nachlesen im Ratgeber "Sarkoidose (Morbus Boeck)".

Erkrankungen im Gehirn als mögliche Auslöser für Gesichtslähmungen

Eine akute oder chronische Hirnhautentzündung tritt meist als Folge einer infektiösen oder entzündlichen Grunderkrankung auf. Das können eine Borreliose, eine Herpesinfektion oder eine Sarkoidose sein (siehe oben). Ebenso lösen eine HIV-Infektion (Aids), eine Tuberkulose oder eine Leukämie in bestimmte Fällen eine chronische Meningitis aus. Findet die Entzündung im Bereich des Hirnstamms beziehungsweise der Schädelbasis statt, erfasst sie manchmal auch den Gesichtsnerv und führt zu ein- oder beidseitigen Lähmungserscheinungen an den mimischen Muskeln.

Symptome: Vorherrschende Krankheitszeichen sind bei einer chronischen Meningitis Fieber, Kopfschmerzen und Nackensteife. Die Beschwerden sind häufig weniger ausgeprägt als bei einer akuten Meningitis und halten über einen Monat und länger an.

Eingehende Informationen zu Symptomen, Ursachen, Diagnose und Therapie von Gehirnhautentzündungen gibt Ihnen der Ratgeber "Gehirnhautentzündung (Meningitis)".

Zu weiteren Gehirnerkrankungen, die zentrale Lähmungserscheinungen im Gesicht verursachen können, gehören Tumore (siehe Kapitel "Tumore").

Eine Hirnblutung und/oder eine akute Minderdurchblutung aufgrund eines Gefäßverschlusses führt zu einem Hirninfarkt, einem Schlaganfall mit kennzeichnenden Lähmungserscheinungen und weiteren Warnzeichen. Typisch ist unter anderem ein herabhängender Mundwinkel auf einer Gesichtsseite. Informieren Sie sich über Alarmsymptome sowie Ursachen, Diagnose und Therapie im Ratgeber "Schlaganfall (Apoplex)".

Verletzungen und andere Schäden im Bereich des Gesichtsnervs

Das Gehirn ist von Schädelknochen schützend umgeben. Es liegt auf der Schädelbasis auf. Hier befinden sich auch zahlreiche Durchtrittsöffnungen für Nerven und Gefäße. Ein Teil der Schädelbasis ist das Felsenbein, in dem sich Mittel- und Innenohr mit Hör-, Gleichgewichts- und Gesichtsnerv befinden. Bei einer Kopfverletzung durch einen Aufprall oder heftigen Schlag kann auch die Schädelbasis in unterschiedlichen Abschnitten brechen. Verläuft der Bruch im Bereich des Felsenbeins, ist häufig der Gesichtsnerv mit betroffen. Knochensplitter, Überdehnungen und Risse können ihn schädigen oder durchtrennen.

Symptome: Möglich sind Schwindel, Hörminderung oder -verlust, Ohrgeräusche, Gesichtslähmung. Es kann aus Ohr und Nase bluten. Weitere Symptome ergeben sich aus Art und Umfang der Verletzung.

Entsprechende Verletzungen am Kopf werden in einer unfall- oder neurochirurgischen Klinik abgeklärt und behandelt.

Lesen Sie dazu auch den Ratgeber "Schädelhirntrauma".

Während eines operativen Eingriffs im Kieferbereich zum Beispiel kann manchmal der untere Ast des Fazialisnervs in Mitleidenschaft gezogen werden. Dadurch kommt es zu Lähmungen der Mundmuskulatur. Stirn- und Augenmuskeln bleiben in der Regel intakt.

Akustikusneurinom als Ursache für eine Gesichtslähmung

Eine Geschwulst beziehungsweise ein Tumor entsteht durch wucherndes Gewebe. Mediziner sprechen dann häufig von einem "raumfordernden Prozess". Auch ein gutartiger Tumor, bei dem die wuchernden Zellen "abgekapselt" bleiben und sich nicht zerstörerisch ausbreiten, kann benachbarte Strukturen bedrängen. Das gutartige Akustikusneurinom, manchmal Vestibularisschwannom genannt, hat im Hüllgewebe des Hör- und Gleichgewichtsnerv seinen Ursprung. Es drückt zunächst auf den Hörnerv und breitet sich dann langsam im inneren Gehörgang aus.

Symptome: Hörverlust und Tinnitus gehören zu den typischen Anfangssymptomen. Neben dem Trigeminusnerv kann der Tumor schließlich auch den Fazialisnerv einengen und eine einseitige periphere Gesichtslähmung hervorrufen. Sehr selten geht der Tumor direkt vom Gesichtsnerv aus (Fazialisneurinom), so dass die Lähmungserscheinungen schon früher auftreten.

Erfahren Sie mehr zu Symptomen, Ursachen, Diagnose und Therapie im Ratgeber "Akustikusneurinom".

Paragangliom: Fazialislähmung möglich

Dieser seltene, meist gutartige Tumor entsteht im Mittelohr und in Bereichen des Schläfenbeins in hormonbildenden Zellen, die mit Blutgefäßen und Nervengruppen in Verbindung stehen.

Symptome: Erste Symptome können Hörprobleme und Ohrgeräusche auf der erkrankten Seite sein. Je nachdem, in welche Richtung der Tumor sich ausbreitet, führt er zu Lähmungserscheinungen an unterschiedlichen Hirnnerven, so auch am Gesichtsnerv. Eine einseitige Fazialislähmung mit Stirnbeteiligung weist darauf hin.

Diagnose und Therapie: Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder der Neurologe stellt den Tumor mit Hilfe von bildgebenden Verfahren wie Computertomografie und Magnetresonanztomografie (Kernspintomografie) fest. Ebenso notwendig kann zusätzlich eine Röntgenaufnahme von Blutgefäßen unter Einsatz eines Kontrastmittels (Angiografie) oder eine nuklearmedizinische Untersuchung sein.

Der Tumor wird meist operativ entfernt.

Parotistumore: Mitunter Auslöser für eine meist einseitige Gesichtslähmung

Tumore in der Ohrspeicheldrüse können gut- und bösartig sein. Sie ziehen oft den Fazialisnerv in Mitleidenschaft.

Symptome: Ist der Gesichtsnervnerv mit betroffen, treten im Laufe der Tumorentwicklung auch periphere Gesichtslähmungen auf einer Seite auf. Selten entwickeln sich auf beiden Seiten Tumore. Typisch für Parotistumore sind zunächst sichtbare Knoten beziehungsweise Schwellungen unter dem Ohr, die schließlich die ganze Halsseite einnehmen können.

Diagnose und Therapie: Die Diagnose stellen meist Fachärzte für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Spezialisten für Kopf- und Halschirurgie, sogenannte Otoneurochirurgen. Aufschlussreich sind unter anderem bildgebende Verfahren sowie feingewebliche Untersuchungen im Labor.

Die zuständigen Spezialisten entfernen in der Regel den Tumor und gegebenenfalls weitere befallene Bereiche. Ein wichtiges Ziel der Operateure ist es, dabei möglichst die Funktion des Fazialisnervs zu erhalten. Bei bösartigen Formen arbeiten Mediziner mehrerer Fachrichtungen zusammen. Je nach Tumorart und Stadium ist häufig eine anschließende Strahlentherapie beziehungsweise Radiochemotherapie (eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie) angezeigt.

Meningeom im Kleinhirnbrückenwinkel: Je nach Wachstum auch Lähmungen im Gesicht

Zwischen dem verlängerten Rückenmark, dem Hirnstamm und dem Kleinhirn befindet sich der Kleinhirnbrückenwinkel. Hier tritt der Gesichtsnerv aus, um dann gemeinsam mit Hör- und Gleichgewichtsnerv im inneren Gehörgang im Felsenbein weiter zu verlaufen. Im Kleinhirnbrückenwinkel kann sich ein überwiegend gutartiger Hirntumor bilden, ein Meningeom.

Symptome: Ein Meningeom wächst sehr langsam und kann zunächst Schwerhörigkeit und Schwindel auslösen. Bedrängt der Tumor später auch den Fazialis- und/oder Trigeminusnerv, können Lähmungserscheinungen und Schmerzen im Gesicht dazukommen.

Diagnose und Therapie: Die Diagnose erfolgt durch einen Neurologen mit bildgebenden Verfahren wie Computertomografie und Magnetresonanztomografie.

Meist entfernt ein Neurochirurg den Tumor operativ.

Weitere Informationen finden Sie im Ratgeber "Meningeom".

Gesichtslähmungen als Folge von Krebserkrankungen

Bösartige Tumore, die mit Fazialisparesen einhergehen können, sind Hirnstammgliome. Sie treten häufiger bei Kindern als bei Erwachsenen auf.

Symptome: Neben Schluckstörungen Gesichtschmerzen, Taubheitsgefühlen kommt es zu Muskelkrämpfen sowie einer peripheren Gesichtslähmung mit Stirnbeteiligung. Diese kann auch beidseitig auftreten.

Diagnose und Behandlung liegen hier ebenfalls in der Hand von Neurologen und Krebsspezialisten.

Auch andere Tumorarten im Schädelinneren können sich ausdehnen und Gehirnbereiche bedrängen, die mit Funktionen des Fazialisnervs zusammenhängen. Neben unterschiedlichen Ausfällen treten dann zentrale oder periphere Gesichtsnervenlähmungen auf. Das kann ebenso bei Hirnödemen vorkommen. Die Flüssigkeitsansammlungen im Gehirn entstehen mitunter durch Hirntumore, Schlaganfälle, Verletzungen und andere Erkrankungen.

– Meningeosis carcinomatosa, Meningeosis leucaemica

Im Verlauf von Krebserkrankungen unterschiedlicher Organe können sich Krebszellen über Blut- und Lymphbahnen unabhängig vom ursprünglichen Entstehungsort ausbreiten. Sie bilden Metastasen. Dabei befallen sie in manchen Fällen auch die Hirnhäute im Bereich des Hirnstamms.

Symptome: Neben zahlreichen anderen Beschwerden wie Schwindel, Kopfschmerzen, Krampfanfällen, Übelkeit und Erbrechen, Schluckstörungen sind dann ebenfalls Gesichtslähmungen möglich.