Gesichtslähmung (Fazialisparese): Was das Symptom bedeutet

Eine Gesichtslähmung tritt oft ohne erkennbaren Grund auf. Zu den nachweisbaren, krankhaften Ursachen zählen Infektionen, Entzündungen oder ein Schlaganfall

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von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 19.12.2018

Plötzlich funktioniert es nicht mehr: lächeln, pfeifen, die Nase rümpfen, blinzeln, die Stirn runzeln. Muskeln, die für die Mimik von Mund, Backen, Nase, Augen und Stirn zuständig sind, lassen sich nicht mehr richtig bewegen. Bei einer Gesichtslähmung (medizinisch: Fazialisparese) erschlaffen sie ganz oder teilweise.

Wange und Mundwinkel hängen, häufig nur auf einer Gesichtsseite, herab. Oft schließt sich das Augenlid nicht mehr vollständig, die Augen sind trocken. Es fällt schwer, süß, sauer oder salzig zu schmecken, zu kauen oder auch deutlich zu sprechen. Je nach Art der Lähmung treten zudem Schmerzen hinter dem Ohr auf, laute Töne und Geräusche werden bisweilen als extrem störend empfunden.

Eine Gesichtslähmung belastet auch psychisch

Solche deutlich spür- und sichtbaren Symptome sind auch psychisch belastend. Dazu kommt die Angst, ernsthaft erkrankt und gar bleibend entstellt zu sein. Doch nicht immer verbergen sich schwerwiegende Infektionen, Verletzungen oder gar die Folgen eines Schlaganfalls hinter Lähmungserscheinungen im Gesicht.

Die gute Nachricht: Sehr häufig tritt eine Gesichtslähmung ohne erkennbaren Grund auf und vergeht, meist mit der passenden Behandlung, nach einer bestimmten Zeit auch wieder (idiopathische Fazialisparese, siehe unten und Kapitel "Gesichtslähmung – Ursache unbekannt" in diesem Beitrag).

Im Mittelpunkt: Der Gesichtsnerv

Aber was ist passiert? Zuständig für alle wichtigen Gesichtsmuskeln ist der Gesichtsnerv, auch Fazialisnerv oder siebter Hirnnerv. Die Impulse aus dem Gehirn laufen über ihn zu den Muskeln von Stirn, Augen, Wangen und Mund. Der Fazialisnerv steuert zudem den Speichel- und Tränenfluss, die Drüsen der Nasenschleimhaut und das Schmeckempfinden (der Geschmackssinn) auf den vorderen zwei Dritteln der Zunge. Ist er entzündet oder geschädigt, funktionieren die zugehörigen Muskeln oder Drüsen nicht mehr richtig.

Bei einer Gesichtslähmung handelt es sich also korrekterweise um eine Gesichtsnervenlähmung. Von einem Gehirnbereich, dem Hirnstamm, kommend verläuft der Gesichtsnerv zunächst direkt neben dem Hör- und dem Gleichgewichtsnerv im inneren Gehörgang (innerhalb des sogenannten Felsenbeins, der Schädelknochen, in dem sich das Innenohr befindet). Das erklärt zum Beispiel, warum Ohrerkrankungen auch auf den Fazialisnerv übergreifen können. In der Ohrspeicheldrüse teilt er sich in mehrere Äste, die sich über Stirn, Backen und Kinn bis zum Hals verzweigen (siehe Grafik oben).

Je nachdem, in welchem Bereich des Nervensystems die Störung liegt, unterscheiden die Ärzte zwischen einer zentralen und einer peripheren Lähmung des Gesichtsnervs.

Periphere Lähmung: Sehr häufig ist bei einer Gesichtslähmung der Fazialisnerv nach seinem Austritt aus dem Hirnstamm betroffen. Die Lähmungen erfassen dann meist alle Äste bis in die Stirn. Stirnrunzeln, Grimassieren und Blinzeln bereiten Probleme, in schweren Fällen ist das Auge weitgestellt und lässt nicht mehr schließen, was Schutzmaßnahmen  erfordert. Geschmacks- und Hörstörungen, Schmerzen im Ohrbereich und andere Symptome wie ein gestörter Tränenfluss kommen oft dazu.

Wird der Nerv im Bereich der Ohrspeicheldrüse oder im Gesicht angegriffen, ist eine mehr oder weniger komplette Lähmung einzelner Äste, die für Bewegungen der Gesichtspartien (siehe auch Bild oben) zuständig sind, die Folge. Das Kauen ist bei einer Fazialislähmung allerdings nicht beeinträchtigt.

Zentrale Lähmung: Von unterschiedlichen Nervenkernen- und bahnen im Gehirn empfängt auch der Gesichtsnerv seine Impulse. Treten zum Beispiel bei einem Schlaganfall Schäden auf, kann er zusammen mit anderen Nerven von den Ausfällen betroffen sein. Dabei bleiben aber oft bestimmte Funktionen, etwa die Steuerung der Stirnmuskeln, erhalten.

Bei zentralen Schädigungen treten meist noch andere Lähmungen an Arm, Bein oder einer ganzen Körperseite auf. Krämpfe, Kopfschmerzen und andere Symptome können je nach Krankheitsursache ebenfalls vorkommen.

An erster Stelle: Gesichtslähmungen unbekannter Ursache

Periphere Gesichtsnervenlähmungen sind die häufigsten. Zum größten Teil haben sie keine nachweisbare Ursache und setzen ohne ersichtlichen Anlass ein. Mediziner sprechen von idiopathischer Fazialisparese oder Bell-Lähmung (engl. Bell's palsy). Oft empfinden die Betroffenen zunächst Schmerzen hinter dem Ohr, wenig später versagen die mimischen Muskeln (in aller Regel) auf einer Gesichtshälfte. Die Stirn ist immer mehr oder weniger mitbetroffen.

Ein Kältereiz, ein zurückliegende Infektion oder ein im Körper erneut aktiv gewordener Infektionserreger (wie zum Beispiel das Herpes-simplex-Virus (HSV Typ 1)), Druckschäden am Nerv oder Autoimmunreaktionen könnten mögliche Auslöser sein. Häufig legen sich die Lähmungserscheinungen nach wenigen Wochen wieder. Meistens ist es notwendig, unterstützend zu behandeln.

In der Schwangerschaft ist das Risiko für eine idiopathische Gesichtslähmungen eventuell leicht erhöht. Mit zunehmendem Lebensalter tritt das Krankheitsbild etwas häufiger auf.

Feststellbare Ursachen einer Fazialislähmung: Entzündungen, Infektionen, Diabetes, Verletzungen

In etwa einem Drittel der Fälle ist die widerstrebende oder unbewegliche Gesichtsmuskulatur Symptom einer bestimmten Erkrankung. Meist handelt es sich dabei um Entzündungen oder Infektionen, die den Gesichtnerv mit betreffen. Die häufigsten Ursachen sind hier eine Borreliose und ein Ohrherpes (Erreger: Varizella-Zoster-Virus). Auch übergreifende Mittelohr- und Ohrspeicheldrüsenentzündungen kommen infrage. Meist fallen dann jedoch noch andere Krankheitszeichen auf, wie Schmerzen im Ohrbereich und im Gesicht, Schwellungen, Hautveränderungen, Hörprobleme, Fieber.

Zu den häufigsten Folgeschäden der Zuckerkrankheit (mehr dazu auf unserem Partnerportal https://www.diabetes-ratgeber.net: Diabetes Typ 1, Diabetes Typ 2) gehören Nervenschädigungen. Es gibt verschiedene Formen, darunter eine sogenannte kraniale Neuropathie, die sehr selten auch den Fazialisnerv betreffen kann. Neben der Muskelschwäche kommt es hier auch zu Gesichtsschmerzen. Letztlich gilt Diabetes vor allem in Verbindung mit Bluthochdruck als Risikokonstellation für eine Gesichtslähmung.

Bei Verletzungen, vor allem bei einem Schädelbasisbruch beziehungsweise Felsenbeinbruch, können Risse, Knochsplitter oder Zerrungen den Gesichtsnerv schädigen oder sogar durchtrennen. Auf der verletzten Seite kommt es dann zu Gesichtslähmungen, Hörstörungen und oft Ohrgeräuschen. Kopfverletzungen müssen unverzüglich in einer neurochirurgischen Klinik behandelt werden.

Geschwülste und Tumore, insbesondere im Bereich von Ohr, Ohrspeicheldrüse, Schädelbasis oder angrenzenden Gehirnstrukturen, bedrängen mitunter den Gesichtsnerv und führen neben einseitigen Lähmungen zu weiteren jeweils typischen Symptomen.

Gelähmte Gesichtshälfte: Mögliches Alarmzeichen für einen Schlaganfall

Eine plötzlich auftretende, halbseitige Lähmungserscheinung im Gesicht kann mitunter auch Symptom für einen Schlaganfall (Hirninfarkt) sein. Typisch bei einem Hirninfarkt ist, dass die Betroffenen zwar den Mund nicht mehr richtig bewegen, die Stirn aber noch runzeln können. Bittet man den Betroffenen, zu lächeln, zeigt sich das Lächeln nur auf der nicht betroffenen Seite, und der Mund wirkt dadurch schief. Oft erstreckt sich die Lähmung auf eine Körperseite, etwa den Arm, womöglich auch auf die ganze Körperhälfte.

Sehstörungen, Sprachprobleme, andere Beeinträchtigungen, etwa Verlust der Blasenkontrolle, starke Kopfschmerzen oder Benommenheit können hinzukommen. Bei solchen Anzeichen heißt es, sofort reagieren und den Rettungsdienst rufen (siehe nachfolgend).

Gesichtslähmung: Wann zum Arzt?

Lähmungserscheinungen sind immer ein Alarmzeichen, das die unterschiedlichsten Ursachen haben kann. Wer also feststellt, dass er bestimmte Muskeln im Gesicht plötzlich nicht mehr gezielt bewegen kann, sollte in jedem Fall umgehend einen Arzt aufsuchen, auch wenn er sich ansonsten wenig beeinträchtigt fühlt.

Ansprechpartner kann zunächst der Hausarzt sein, der seinen Patienten dann je nach Verdacht möglicherweise an einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder einen Facharzt für Nervenerkrankungen (Neurologe) überweisen wird. Je früher der Arzt Form und Ursache der Lähmung feststellen und mit einer Therapie beginnen kann, umso besser stehen die Chancen, dass die Störung vollständig zurückgeht (siehe Kapitel "Gesichtslähmung – Diagnose").

! Bestehen Anzeichen für einen Schlaganfall wie plötzlich auftretende Seh- und Sprachprobleme, einseitige Lähmungserscheinungen, starke Kopfschmerzen und andere (siehe oben und Link: Ratgeber "Schlaganfall (Apoplex)"), unverzüglich den Rettungsdienst (Notrufnummer 112) kontaktieren. Der Betroffene muss so rasch wie möglich in ein Krankenhaus – am besten in eine Klinik mit einer Schlaganfallstation (Stroke Unit).

Gesichtslähmung: Überblick über die wichtigsten Ursachen

- Ursachen unbekannt

  • Idiopathische Fazialislähmung (Bell-Lähmung): Oft zunächst Schmerzen hinter dem Ohr, Gesichtsmuskeln innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen meist einseitig gelähmt, die Stirn ist mitbetroffen. Dazu Kribbeln, Taubheitsgefühle in der Wange sowie Schmeckstörungen, gestörter Tränenfluss und Geräuschüberempfindlichkeit möglich.
  • Melkersson Rosenthal-Syndrom (seltene Erkrankung unklarer Ursache mit Gefäßentzündungen): ein- oder oft beidseitige, häufig auch die Seite wechselnde Gesichtslähmung, Zungenentzündungen, entzündete Lippen. Diese schwellen wie auch das Gesicht wiederholt an.

Mehr Informationen dazu im Kapitel "Gesichtslähmung – Ursache unbekannt".

- Ursachen feststellbar
Infektionen, Entzündungen

  • Borreliose: nach Zeckenstich oft, aber nicht immer kreisrunde Hautrötung um die Einstichstelle, sodann Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen, wenige Wochen später ein- oder oft beidseitige Lähmungserscheinungen im Gesicht und/oder anderen Körperbereichen (siehe auch unten: Hirnhautentzündungen).
  • Ohrherpes (Herpes zoster oticus: Einseitige Ohrenschmerzen, Brennen, wenig später Bläschen an der Ohrmuschel, meist auch weiter hinten im Gehörgang; in der Folge einseitige Gesichtslähmung, Schwindel und Hörprobleme möglich.
  • Akute schwere Mittelohrentzündung mit Knochenentzündung (Otitis media acuta mit Mastoiditis): Heftige Ohrenschmerzen, Fieber, Schwerhörigkeit, Tinnitus, Schwindel, Schwellung hinter dem erkrankten Ohr, Ausfluss aus dem Ohr; es kann sich eine einseitige Gesichtslähmung entwickeln.
  • Chronische Mittelohrentzündung mit Knocheneiterung (Otitis media chronica und Cholesteatom): Druckgefühl im Ohr, Schwerhörigkeit. Gesichtslähmung und Schwindel sind Alarmsymptome; sofortige Behandlung notwendig.
  • Guillain-Barré-Syndrom (GBS – vermutlich durch krankhafte Immunreaktionen nach einem vorausgehenden Infekt hervorgerufene, entzündliche Lähmung von Rückenmarksnerven): Beidseitige Lähmungserscheinungen und Muskelschwäche vor allem in den Beinen, auch in den Rumpf aufsteigend, sodann am Brustkorb, an den Armen und beidseitig im Gesicht möglich. Problematisch: zum Beispiel auftretende Atem- und Herzprobleme, Schluckstörungen.
  • Sarkoidose (Morbus Boeck), Neurosarkoidose und Sonderform Heerfordt-Syndrom: entzündliche Systemerkrankung mit Bindegewebsveränderungen, die verschiedene Organe, vor allem die Lunge und mitunter auch Nerven, befällt. Symptome beim Heerfordt-Syndrom: Fieber, geschwollene Ohrspeicheldrüsen, beidseitige Fazialislähmung, Augenentzündungen.
  • Hirnhautentzündungen (akute und chronische Meningitis), chronisch häufig im Rahmen infektiöser Grunderkrankungen wie Borreliose, Herpesinfektionen, HIV, Tuberkulose: Fieber, Kopfschmerzen, Nackensteife – akut oder auch über einen Monat anhaltend, Lähmungserscheinungen im Gesicht je nach erkrankter Region, etwa bei entzündlichen Schäden in der Hirnbasis.

Weitere Informationen dazu im Kapitel "Gesichtslähmung – Ursachen: Infektionen, Entzündungen, Nervenschäden".

Verletzungen und andere Schäden im Bereich der Gesichtsnerven

  • Schädelbasisbruch, Felsenbeinfraktur: Schwindel, Tinnitus, Hörverlust, Lähmungserscheinungen im Gesicht, in schweren Fällen Blutung und/oder wässrig-klarer Ausfluss aus Ohr und Nase (entspricht Hirnflüssigkeit).
  • Operationsfolgen: je nach Art des Eingriffs manchmal nur die Mundmuskulatur betroffen, Stirnmuskeln lassen sich bewegen.

Informationen dazu ebenfalls im Kapitel "Ursachen: Infektionen, Entzündungen, Nervenschäden".

Weitere Ursachen im Gehirn: Schlaganfall 

  • Apoplex oder Schlaganfall (Gefäßverschluss oder Blutung im Gehin oder Hirnstammbereich): beispielsweise mit plötzlichen Lähmungen an einem Arm, Bein, einer Gesichtshälfte oder einer ganzen Körperseite – im Gesicht ist dabei vor allem der Mundwinkel betroffen, nicht aber die Stirn. Weitere mögliche Symptome: Seh- und Sprachstörungen, starke Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Bewusstlosigkeit.

Wucherungen und Tumore (seltene Ursachen)

  • Akustikusneurinom, Vestibularisschwannom, Fazialisneurinom (gutartige, seltene Tumore am Hör-, Gleichgewichts und/oder Gesichtsnerv): Schwerhörigkeit, Ohrgeräusche, weniger oft Schwindel, je nach Ausbreitung beziehungsweise Ausgangsort des Tumors Gesichtslähmung, oft am Auge beginnend, Schmecksstörungen.
  • Paragangliom (seltener Tumor im Bereich von Schläfenbein und/oder Mittelohr): Tinnitus, Schwerhörigkeit, später Gesichtnervenlähmungen möglich.
  • Tumore der Kopfspeicheldrüsen, insbesondere der Ohrspeicheldrüse (Parotistumore, bösartige Formen): Schwellung auf der erkrankten Seite, Schmerzen, einseitige Gesichtslähmung, vergrößerte Lymphknoten.
  • Meningeom (meist gutartiger, langsam wachsender Tumor der Hirnhaut, zum Beispiel an der Schädelbasis): Symptome oft erst spät, je nach Lage und Ausbreitung des Tumors kommt es beispielsweise zu Kopfschmerzen, Seh-, Sprach- und Geruchsstörungen, halbseitigen Lähmungen im Gesicht und/oder auf der ganzen Körperseite, Wesensveränderungen.
  • Tumore im Hirnstamm: ein- oder beidseitige Gesichtslähmung, Sprach- und Schluckstörungen, Probleme beim Kauen, Öffnen des Mundes und bei bestimmten Augenbewegungen, Lähmungserscheinungen an Armen und Beinen.

Mehr Informationen dazu im Kapitel "Gesichtslähmung – Ursachen: Tumore".

Therapie einer Fazialislähmung: Je nach Form und Ursache

Hat der Arzt eine Grunderkrankung wie Borreliose oder eine Ohrentzündung als Ursache für die Gesichtslähmung festgestellt, richtet sich die Behandlung danach. Bei einer Virusinfektion können virushemmende (virustatische) Medikamente helfen. Mit der Therapie einer auslösenden Erkrankung legen sich dann meist auch die Lähmungserscheinungen.

Bei Brüchen können operative Eingriffe angezeigt sein, mit denen der Chirurg auch einen in Bedrängnis geratenen Nerv entlastet beziehungsweise mitunter einen beschädigten Nerv wieder herstellt. Auch Tumore erfordern eine jeweils angepasste Therapie. Bei einer diabetischen Neuropathie zielt die Behandlung auf eine optimale Stoffwechseleinstellung und Schmerztherapie.

Gute Heilungschancen haben die häufigen idiopathischen Fazialislähmungen. Sie gehen teilweise spontan zurück oder verschwinden nach einer Behandlung mit Kortison. Gezielte krankengymnastische Übungen gehören oft zur Therapie. Sind die Augenmuskeln von der Lähmung stark betroffen, so dass der Patient das Auge nicht mehr richtig schließen kann, setzen die Ärzte zusätzlich Schutzmaßnahmen für die Hornhaut ein. Das können zum Beispiel Tropfen sein, die als Tränenersatz dienen, Salben, die Entzündungen vorbeugen, sowie ein spezieller Verband (Uhrglasverband), der das Auge abschirmt. Ein GBS-Syndrom erfordert eine Behandlung mit Immunglublinen oder eine spezielle Behandlung des Blutes (Plasmapherese).

Mehr zur ärztlichen Diagnose, über Gesichtslähmungen unbekannter Herkunft sowie über Lähmungen infolge bestimmter Krankheitsbilder in den weiteren Kapiteln dieses Beitrags. Über die aktuellen Therapiemöglichkeiten informiert Sie unser Beitrag "Wie Ärzte Gesichtslähmungen behandeln":

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Gelähmte Gesichtsmuskeln: Gleich zum Arzt gehen

Lähmungserscheinungen im Gesicht sind immer ein Grund, so rasch wie möglich einen Arzt aufzusuchen.

! Achtung: Bestehen Anzeichen für einen Schlaganfall, etwa plötzlich auftretende, halbseitige Lähmungen an Gesicht, Arm, Bein, Taubheitsgefühle, ungewöhnlich starke Kopfschmerzen, Probleme mit dem Sehen und Sprechen, heftiger Schwindel, Gangunsicherheit, ist sofort der Rettungsdienst zu verständigen (Notruf 112). Mehr über die Krankheit im Ratgeber "Schlaganfall (Apoplex)".

Warnzeichen für einen Schlaganfall

Ansonsten ist der Hausarzt häufig der erste Ansprechpartner, wenn jemand Muskeln auf einer oder beiden Gesichtsseiten plötzlich nicht mehr bewegen kann. Er wird den Patienten eingehend befragen und körperlich untersuchen. Auf diese Weise kann er mögliche Ursachen eingrenzen beziehungsweise ausschließen, etwa Verletzungen oder Ohrentzündungen.

Auch dem Verdacht auf eine Borrelien-Infektion geht der Arzt bei entsprechenden Hinweisen nach. Eventuelle Hautveränderungen, etwa kreisrunde Rötungen um einen vier bis mehrere Wochen zurückliegenden Zeckenstich, legen eine Borreliose nahe. Bluttests geben dann teilweise Aufschluss (siehe weiter unten).

Je nachdem, welche in Richtung die ersten Untersuchungen weisen und wie ausgeprägt die Erkrankung ist, zieht der Hausarzt einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder einen Spezialisten für Nervenerkrankungen (Neurologen) hinzu. Auch für Diabetiker oder Schwangere, bei denen Störungen am Gesichtsnerven auftreten, können weiterführende Untersuchungen, etwa bei einem Neurologen, notwendig sein.

Aufschlussreich: Form und Hintergründe der Fazialislähmung

Wegweisende Fragen sind für den Arzt zunächst, ob der Patient verletzt ist oder vor einiger Zeit einen Unfall hatte. Akute oder chronische Ohrerkrankungen sowie zurückliegende Ohroperationen sind wichtige Anhaltspunkte, ebenso bestehende Gehirnerkrankungen, bekannte Tumorleiden, eine schon diagnostizierte Autoimmunerkrankung oder andere entzündliche Systemerkrankung.

Nach einer eingehenden Befragung wird der Arzt prüfen, ob eine oder beide Gesichtshälften betroffen sind und welche Muskeln nicht mehr richtig funktionieren. Er kontrolliert, ob nur ein Mundwinkel schlaff herabhängt (schief stehender Mund), oder ob sich Mund und Augenlider, eventuell auch der Kinnbereich nur mehr verzögert beziehungsweise gar nicht mehr bewegen lassen. Kann der Patient breit lächeln, die Backen aufblasen, kann er pfeifen, die Zähne zeigen? Ist die Sprache verwaschen, das Sprachverständnis gestört?

Ein wichtiger Hinweis auf die Art der Fazialislähmung ist zudem, ob der Betroffene in der Lage ist, die Stirn zu runzeln oder nicht:

  • Bei peripheren Lähmungen, die den Gesichtsnerv direkt erfassen, ist meist auch die Stirn auf der betroffenen Seite schlaff (verstrichene Stirnfalten)
  • Zentrale Lähmungen, die vom Gehirn ausgehen, wirken sich in der Regel nicht auf den Nervenast aus, der die Stirn versorgt. Die Stirnmuskeln sind dann noch beweglich.

Weitere Symptome bei Gesichtsmuskellähmung

Im Zusammenhang mit der Nervenstörung checkt der Arzt mögliche Begleitsymptome ab. Das ist wichtig, weil sie Hinweise auf den Schweregrad des Krankheitsbildes und die Dringlichkeit der Behandlung geben. Dazu können gehören:

  • Veränderter Tränenfluss: vermindert, mitunter auch vermehrt. Die Tränen fließen dann zum Beispiel völlig unpassend beim Essen (Krokodilstränen).
  • Geräuschüberempfindlichkeit: Häufig leiden Menschen mit einer Fazialisparese auch unter einer sogenannten Hyperakusis.

Ärztliche Untersuchungen

Es folgt eine gründliche Inspektion vom Kopf- und Halsbereich. Der Arzt testet die Beweglichkeit, Kraft und Koordination von Händen und Armen (nach vorne heben, Handinnenflächen zeigen nach oben: Probleme?), Füßen und Beinen, um weitere Lähmungsanzeichen auszuschließen. Außerdem kontrolliert er den Blutdruck.

Den Tränenfluss kann der Augenarzt mit einem speziellen Papierstreifen messen (Schirmer-Test). Bei mutmaßlicher Fazialisparese prüft er auch den "Blinkreflex": Bei Berührung der Hornhaut schließt sich das Auge reflexartig. Die Schutzreaktion des Augenlids fällt zum Beispiel bei einer Störung des Gesichtsnervs aus oder ist abgeschwächt. Prüfungen anderer Hirnnerven, etwa des Drillings- oder Trigeminusnervs können angezeigt sein.

Die Ohren untersucht der HNO-Arzt mit dem Ohrenspiegel, dem Otoskop, um Entzündungen oder Herpes-Bläschen (Herpes zoster oticus) zu erkennen. Eventuell finden diese sich nämlich nur im äußeren Gehörgang. Auch Hör- und Gleichgewichtsprüfungen können sinnvoll sein.

Gesichtslähmung: Erkenntnisse im Labor

Blutuntersuchungen geben schließlich Aufschluss über mögliche Infektionskrankheiten wie die schon erwähnte Borreliose, eine Herpes-Zoster-Infektion oder andere Viruserkrankungen. Bei entsprechendem Verdacht oder unklaren klinischen Befunden ordnet der Arzt die notwendigen Bluttests an. Das gilt auch bei Hinweisen auf eine noch nicht bekannte Diabeteserkrankung.

Bei Bedarf nimmt der Arzt zudem eine Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit, eine Liquorpunktion, vor. Veränderungen der Farbe, Beschaffenheit und Zusammensetzung der Hirnflüssigkeit sowie bestimmte Antikörpermuster – ergänzend auch im Blut – können Gehirn- und Hirnhauterkrankungen belegen, die unter anderem auch den Gesichtsnerv mit einbeziehen.

Elektrophysiologische Verfahren: Sendet der Gesichtsnerv noch Signale?

Mitunter setzen die Ärzte weiterführende Untersuchungen der Nervenfunktionen ein. Mit der sogenannten Elektromyografie ist es möglich, über feinste Nadelelektroden die elektrische Aktivität der Nerven in einem Muskel zu messen. Damit kann der Arzt einmal den Grad einer Nervenstörung bestimmen, zum anderen aber dann auch den Heilungsverlauf kontrollieren. Ergänzend kommt dazu manchmal auch die Elektroneurografie infrage. Auf der Haut angebrachte Elektroden zeigen die Nervenleitgeschwindigkeit an und damit, ob und wie schnell die Nervenfasern elektrische Reize an den Muskel weitergeben.

Auch die Aufzeichnung der Muskelaktivität nach elektrischer Reizung des Gesichtsnervs nahe der Ohrspeicheldrüse gehört zu den möglichen elektrophysiologischen Verlaufskontrollen (Muskelsummenpotential, MSAP). Ein weiteres Verfahren zur Überprüfung der Aktivität des Fazialisnervs ist die Magnetstimulation. Der Arzt reizt mit Hilfe einer Magnetspule den Nerv im Schädelinneren und kann je nach Ergebnis die Prognose genauer einschätzen.

Bildgebende Verfahren in der Diagnose einer Gesichtslähmung: Blick ins Innere

Vor allem wenn der Verdacht auf Tumore und Veränderungen im Schädelinneren oder im Schläfenbereich, etwa der Ohrspeicheldrüse, besteht, sind Computertomografie und Magnetresonanztomografie geeignete bildgebende Verfahren. Bei einer Magnetresonanztomografie kann der Arzt mit Hilfe eines Kontrastmittels unter anderem den Verlauf des Nervus facialis und mögliche Veränderungen erkennen. Auch bei einer Gesichtslähmung mit ausgeprägten Begleitsymptomen ist im Allgemeinen eine vertiefende bildgebende Untersuchung angezeigt.

Konnten die Ärzte der zuständigen Fachrichtungen mit den grundlegenden Untersuchungen keine konkrete Krankheitsursache feststellen, liegt meist eine idiopathische Fazialislähmung, auch Bell-Lähmung genannt, vor. Sie ist die häufigste Form einer Gesichtslähmung. Weitere Informationen dazu finden Sie im Kapitel "Gesichtslähmung – Ursache unbekannt".

Gesichtslähmung ohne Ursache: Idiopathische Fazialisparese, Bell-Lähmung

Können die zu Rate gezogenen Fachärzte, in der Regel Hals-Nasen-Ohren-Arzt und/oder Neurologe, trotz eingehender Untersuchungen keine übergeordnete Krankheitsursache feststellen, handelt es sich meist um eine idiopathische Gesichtslähmung.

Sie ist die häufigste Form der Fazialisparesen und weist die typischen Symptome einer peripheren Nervenlähmung auf (siehe dazu auch Kapitel "Gesichtslähmung – Was das Symptom bedeutet"). Die Art der Beschwerden und der meist positive Krankheitsverlauf bestätigen oft die Diagnose.

Als mögliche Auslöser vermuten Mediziner verborgene beziehungsweise wieder aktivierte entzündliche Prozesse im Körper, insbesondere durch eine Virusinfektion. Im Fokus hier: das Herpes-simplex-Virus Typ 1. Zudem könnte der Fazialisnerv, der den inneren Gehörgang und dann einen engen Kanal im Schläfenbein beziehungsweise Felsenbein (Canalis facialis) passieren muss, dort durch eine Schwellung in Bedrängnis geraten und/oder nur mehr mangelhaft durchblutet sein.

Druckschäden durch umgebende Gewebeveränderungen gehören ebenfalls in die Liste vermuteter Ursachen. Darüber hinaus ziehen Medizinforscher Immunstörungen, sogenannte autoimmunologische Vorgänge, in Betracht. Ein beobachteter unmittelbarer Auslöser scheint mitunter Kälteeinwirkung zu sein.

Als Risikofaktoren gelten Diabetes in Verbindung mit einem erhöhten Blutdruck. In der Schwangerschaft erleiden Frauen mitunter eine ungeklärte Fazialislähmung.

Symptome: Kennzeichnend sind oft anfängliche Schmerzen hinter dem Ohr mit unmittelbar folgenden Missempfindungen auf einer Wange sowie einseitigen Lähmungserscheinungen. Diese erfassen Mund, Auge, auch die Stirnseite, und sind unterschiedlich ausgeprägt. Die mimische Muskulatur kann teilweise oder vollständig bewegungsunfähig sein. Das Augenlid lässt sich nicht mehr richtig schließen. Schmeckstörungen im vorderen Zungenabschnitt kommen häufig dazu. Das bedeutet, dass die Betroffenen vor allem süß, sauer und salzig nicht mehr richtig schmecken. Geräuschüberempfindlichkeit und ein gestörter Tränenfluss sind möglich.

Treten Gesichtsschmerzen, Schluckstörungen und/oder Kopfschmerzen auf, sind das Anzeichen, dass auch andere Hirnnerven gereizt sind, etwa der Trigeminusnerv oder der Nerv, der auch Zungen- und Rachenmuskulatur versorgt. Der Trigeminus, der fünfte Hirnnerv, vermittelt unter anderem Schmerz-, Temperatur- und Berührungswahrnehmungen im Gesicht.

Diagnose: Die Krankengeschichte, die Symptome und erste körperliche Untersuchungen geben dem Arzt oft schon entsprechende Hinweise. Als Spezialisten zieht er neben einem Neurologen je nach Verdachtsdiagnose auch ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt sowie ein Augenarzt hinzu. Bleiben weitere körperliche Untersuchungen, Bluttests, elektrophysiologische und gegebenenfalls bildgebende Verfahren wie eine Computertomografie oder Magnetresonanztomografie unauffällig, erhärtet das die Diagnose einer idiopathischen Gesichtslähmung. In Einzelfällen erwägen Fachärzte allerdings zusätzlich noch eine Lumbalpunktion (siehe Kapitel "Gesichtslähmung – Diagnose").

Therapie: Die Lähmungen können innerhalb weniger Wochen bis Monate vollständig zurückgehen, manchmal auch ganz ohne Behandlung. Da dies aber nicht gesichert ist, gilt eine Behandlung mit Kortison als Standard. Für Kinder ist das derzeit nicht belegt. Bei Diabetes-Patienten erfolgt die Kortisongabe unter sorgfältiger Kontrolle der Zucker-Stoffwechsellage. Schwangeren Frauen wird – ebenfalls aus Gründen der Stoffwechselkontrolle – empfohlen, diese Therapie sicherheitshalber in der Klinik durchzuführen. Virushemmende Mittel werden außer bei einer Varizella-Zoster-Infektion nicht angeraten. Ein mitbetroffenes Auge bleibt teilweise geöffnet und damit schutzlos. Augentropfen oder Salben und ein spezieller Verband (Uhrglasverband) helfen hier, es zu befeuchten, die empfindliche Hornhaut abzuschirmen und bleibende Schäden zu vermeiden. Physiotherapeutische Übungen, die gezielt die mimischen Muskeln trainieren, können die Genesung unterstützen.

Nur bei bestimmten, schweren Krankheitsverläufen erwägen die Ärzte mitunter chirurgische Eingriffe. Eine Druckentlastung des Fazialisnervs durch Entfernung von Knochenanteilen im Felsenbein beurteilen Mediziner inzwischen jedoch kritisch. Mikrochirurgische Therapien am Gesichtsnerv oder an Muskeln ziehen Spezialisten unter Umständen bei anhaltenden Lähmungen in Betracht.

Melkersson-Rosenthal-Syndrom: Wechselseitige idiopatische Fazialisparese

Die Bezeichnung Syndrom steht für ein Krankheitsbild, das durch mehrere Krankheitszeichen charakterisiert ist. Eine idiopathische Gesichtslähmung gehört zu den Leitsymptomen des Melkersson-Rosenthal-Syndroms, einer seltenen Erkrankung von Mund und Rachenraum. Auslöser der Beschwerden sind Blutgefäßentzündungen, bei denen sich Gewebe verändert und sich kleinste, knötchenartige Geschwüre bilden. Die Ursachen dafür sind nicht geklärt. Es sind Fälle beschrieben, bei denen das Syndrom in den Familien gehäuft auftrat.

Vorwiegend erkranken jüngere Menschen im Alter zwischen zehn und 40 Jahren. Neben dem Fazialisnerv, der etwa in einem Drittel der Fälle betroffen ist, können noch weitere Hirnnerven in Mitleidenschaft gezogen sein. Das Syndrom tritt mitunter auch im Rahmen der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn oder einer Sarkoidose auf (siehe dazu Kapitel "Gesichtslähmung – Ursachen: Infektionen, Entzündungen ...").

Symptome: Schubweise auftretende Beschwerden, häufig anfangs geschwollene Lippen und Gesichtsschwellungen. Die Zunge verändert sich, ist weniger beweglich, es bilden sich Falten und Risse auf dem Zungenrücken. Schmeckstörungen sind ebenfalls möglich. Dazu kommt eine periphere Gesichtslähmung wie bei der idiopathischen Fazialislähmung. Kennzeichnend ist hier jedoch, dass die Lähmungserscheinungen wechselweise auf der linken und der rechten Seite oder gleichzeitig auf beiden Gesichtshälften auftreten können. Die Gesichtslähmung kann manchmal schon längere Zeit vor den Anfangszeichen wie Lippenschwellung und Zungenveränderung auftreten. Geschwüre, Aphthen und Entzündungen der Mundschleimhaut sowie geschwollene Halslymphknoten können schließlich dazukommen. Mitunter entwickeln sich auch psychische Störungen. Es müssen aber nicht alle Symptome auftreten.

Diagnose: Die Hauptsymptome sind für den Arzt aufschlussreich. Oft schließen sich feingewebliche Untersuchungen von krankhaft veränderten Lippen- oder Mundschleimhautbereichen sowie Bluttests an. Mit bildgebenden Verfahren und gegebenenfalls einer Dickdarmspiegelung (bei Verdacht auf eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung) wird der Arzt das Krankheitsbild von anderen entzündlichen und immunologischen Erkrankungen abgrenzen beziehungsweise ihnen zuordnen.

Therapie: Die Beschwerden gehen oft nach einiger Zeit wieder zurück. Die Ärzte setzen zur Behandlung vor allem Kortison und andere Medikamente, zum Beispiel Minocyclin, ein.

Periphere Gesichtsnervenlähmungen sind mehrheitlich idiopathisch, haben also keine eindeutig erkennbare Ursache (siehe Kapitel "Gesichtslähmung – Ursache unbekannt"). Sie können jedoch, wenn auch weniger häufig, Folge einer infektiösen oder entzündlichen Erkrankung sein, wenn diese neben bestimmten Organen (und Nerven) auch den Fazialisnerv direkt in Mitleidenschaft zieht. Die Lähmungserscheinungen treten dann akut neben anderen typischen Symptomen auf. Manchmal stellen sie auch eine Komplikation einer nicht ausgeheilten oder chronisch verlaufenden Krankheit dar.

Entzündungen, die sich in bestimmten Gehirnanteilen wie etwa im Hirnstamm ausbreiten, lösen mitunter zentrale Gesichtslähmungen aus (siehe dazu auch Kapitel "Gesichtslähmung – was das Symptom bedeutet" und "Gesichtslähmung – Diagnose").

Lyme-Borreliose als Ursache für eine Gesichtslähmung

Es sind vor allem Zecken, die diese Infektionskrankheit übertragen. Die Erreger gehören zu einer Gruppe von Bakterien, den Borrelien. Die Erkrankung wurde zum ersten Mal in dem US-amerikanischen Ort Lyme beschrieben.

Symptome: Nach einem Zeckenstich kann sich die Haut um die Einstichstelle kreisrund röten. Die Rötung breitet sich weiter aus (Wanderröte). Die dann manchmal erst nach Monaten folgenden Symptome sind unterschiedlich. Neben Nerven- und Gelenkschmerzen sind akute Gehirn- und Hirnhautentzündungen mit Nackensteife und Fieber oder chronische Gehirn- und Rückenmarksentzündungen möglich. Es kommt bisweilen auch zu Ausfällen an peripheren Hirnnerven. Lähmungen im Gesicht sind häufig. Sie treten einseitig, oft aber auch beidseitig auf.

Diagnose und Therapie: Zur Diagnose zieht der Arzt die Gesamtheit der Befunde heran – von der Krankengeschichte und körperlichen Untersuchungen bis hin zu Antikörpertests im Blut und gegebenenfalls einer Untersuchung von Gelenkflüssigkeit und /oder von Gehirnwasser, das aus dem Rückenmark entnommen wird (Lumbalpunktion).

Die Behandlung erfolgt nach sorgfältiger Prüfung mit Antibiotika. Der Arzt passt Dosis und Dauer der Therapie ganz individuell dem Stadium und der Schwere der Erkrankung an. Eine Borreliose kann vollständig ausheilen, aber auch Folgebeschwerden hinterlassen, zum Beispiel Gelenkprobleme.

Ausführliche Informationen zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapie finden Sie im Ratgeber "Lyme-Borreliose".

Ohrherpes, "Gürtelrose des Ohrs": Möglicher Auslöser einer Fazialisparese

Nach einer meist in der Kindheit durchgemachten Windpockenerkrankung verbleiben die verantwortlichen Viren, die Varizella-zoster-Viren, in den Hirnnerven oder Nervenwurzeln des Rückenmarks. Nach vielen Jahren können sie wieder aktiv werden. Das geschieht öfter im reiferen Lebensalter oder bei geschwächter Körperabwehr. Ein erneuter Ausbruch hat häufig eine Gürtelrose an den Körperstellen zur Folge, für die der befallene Nerv zuständig ist. Der sehr schmerzhafte Hautausschlag tritt vor allem an Brust, Rücken, Bauch und im Gesicht auf. Aber auch Augen, Ohren und das Gehirn können erkranken. Bei einem Ohrherpes (Herpes zoster oticus) ist neben dem Hör- und Gleichgewichtsnerv meist auch der Fazialisnerv betroffen.

Symptome: Brennen und Schmerzen auf und in dem erkrankten Ohr. Es folgen meist ein Ausschlag mit Rötungen und Bläschen, Hörprobleme, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen und periphere Lähmungserscheinungen auf der kranken Gesichtsseite, die auch die Stirnhälfte mit erfassen.

Diagnose und Therapie: Eine eingehende Untersuchung der Ohren legt meist schon die Diagnose nahe. Gegebenenfalls lässt der Arzt für einen möglichen Virennachweis Flüssigkeit aus den Bläschen untersuchen. Je nach Krankheitsbild setzt der Arzt bildgebende Verfahren ein, um andere Entzündungen oder Geschwülste auszuschließen.

Für die Behandlung kommen neben örtlichen Anwendungen Medikamente gegen Viren, sogenannte Virustatika, zum Einsatz. Sie müssen so rasch wie möglich nach Beginn der Symptome gegeben werden.

Über Herpes-zoster-Infektionen, ihre Symptome, Diagnose und Therapie informiert der Ratgeber "Gürtelrose (Herpes zoster)":

Weitere Ohrerkrankungen, die mit einer Gesichtslähmung einhergehen können

Der Gesichtsnerv verläuft streckenweise unmittelbar neben Hör- und Gleichgewichtsnerv im inneren Gehörgang im Felsenbein, einem Teil der Schädelbasis. Daher ist er nicht selten auch von Krankheitsprozessen betroffen, die sich im mittleren Ohr abspielen. Meist gehören periphere Gesichtslähmungen zu den Komplikationen, die sich bei schweren akuten wie chronischen Mittelohrentzündungen entwickeln können.

- Akute Mittelohrentzündung mit Mastoiditis

Eine akute Entzündung kann vom Mittelohrraum auf den Fazialisnerv übergreifen. Neben den typischen Symptomen für eine Mittelohrentzündung (Otitis media acuta) mit heftigen Schmerzen, Fieber und Schwerhörigkeit treten dann an der Gesichtmuskulatur einseitige Lähmungen auf.

Symptome: Ist als seltene Komplikation einer Mittelohrentzündung der Warzenfortsatz, eine Knochenstruktur hinter äußerem Gehörgang und Mittelohr, entzündet (Mastoiditis), gehören Ohrenschmerzen, Schwellungen hinter dem Ohr, Fieber und Ausfluss aus dem Ohr zu den typischen Beschwerden. Manchmal stellt sich eine einseitige Gesichtslähmung mit Stirnbeteiligung ein. Auch Gesichtsschmerzen und Taubheitsgefühle sind möglich, da ebenso der Trigeminusnerv mit erkranken kann.

Mehr über das Krankheitsbild erfahren Sie im Ratgeber "Akute Mittelohrentzündung":

- Chronische Mittelohrentzündung mit Cholesteatom

Wiederholte akute Mittelohrentzündungen und Trommelfellschäden können zu einer chronischen Entzündung führen (Otitis media chronica). Sie äußert sich je nach Ursache unterschiedlich, möglich sind ein ständiger oder immer wiederkehrender Ausfluss aus dem Ohr, Schwerhörigkeit, manchmal Schmerzen. Sind die Schleimhäute im Mittelohrraum dauerhaft entzündet, entwickeln sich mitunter zerstörerische Zellwucherungen im Knochen, Cholesteatom genannt. Diese können unter anderem auf den Kanal des Gesichtsnervs und damit auf den Nerven selbst übergreifen. HNO-Ärzte unterscheiden zwei Hauptformen: chronische Mittelohrentzündungen mit 1. zentralem Trommelfelldefekt und 2. mit chronischer Knocheneiterung des Mittelohrs (für den Fazialisnerv relevanter).

Symptome: Die Beschwerden bestehen anfangs oft nur in einem Druckgefühl im Ohr und Hörproblemen. Ausfluss unterschiedlicher Beschaffenheit aus dem Ohr kann ebenfalls auftreten. Alarmsymptome sind eine einseitige Gesichtslähmung, Schwindel und Gleichgewichtsstörungen.

Diagnose: Bei den genannten Alarmsymptomen sollten Betroffene sofort einen Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten oder eine HNO-Klinik aufsuchen. Die Diagnose stellt der HNO-Arzt anhand der Krankengeschichte, einer gründlichen Untersuchung des Ohrs äußerlich sowie des Gehörgangs, Trommelfells  und – bei einem Trommelfellschaden – der Paukenhöhle mittels Spiegelung (Otoskopie, auch als Ohrmikroskopie). Hinzu kommen die Prüfung der Nase und Nasennebenhöhlen, des Rachenraums, Funktionsprüfungen des Gehörs und ein bildgebendes Verfahren wie eine Computertomografie des Felsenbeins. Bei starkem oder anhaltendem Ausfluss ist eine Erregerbestimmung und -empfindlichkeitstestung auf Antibiotika erforderlich.
Therapie: Zu 1.: Der HNO-Arzt strebt eine Keimsanierung der Paukenhöhle und angrenzender Räume (siehe vorausgehenden Abschnitt "Diagnose") an, um in Anschluss das Trommelfell und gegebenenfalls geschädigte Gehörknöchelchen (sogenannte Schallleitungskette im Mittelohr) wiederherzustellen. Zerstörte Gehörknöchelchen lassen sich durch eine Mittelohrprothese ersetzen.
Zu 2.: Eine chronische Mittelohrentzündung mit Cholesteatom wird operativ behandelt, ein bedrängter Gesichtsnerv so schonend wie möglich freigelegt.

Gesichtslähmung beim Guillain-Barré-Syndrom

Diese Erkrankung gehört zu den sogenannten Polyradikuloneuritiden. Das bedeutet, dass Nervenwurzeln, Rückenmarksnerven und/oder periphere Nerven entzündet sind. Das führt zu Lähmungen und Bewegungsstörungen in unterschiedlichen Körperbereichen. Die Ursachen sind noch nicht geklärt. Auslöser sind vermutlich Entzündungen infolge von Autoimmunreaktionen nach einer vorausgegangenen Infektion. Ein Guillain-Barré-Syndrom tritt mitunter auch im Rahmen einer Sarkoidose auf (siehe unten).

Es gibt mehrere Formen des Guillain-Barré-Syndroms, die teilweise gute Heilungschancen haben. Bedrohlich können im Laufe der Erkrankung auftretende Atemlähmungen sowie Herzrhythmusstörungen und Kreislaufprobleme sein, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen. Eine Gesichtslähmung ist zudem Teilaspekt einer Sonderform mit relativ günstiger Prognose (Rückbildung auch ohne Therapie), des Miller-Fisher-Syndroms. Hiervon sind in erster Linie junge Männer betroffen.

Symptome: Atemwegs- und Magen-Darm-Infekte gehen bisweilen der Nervenerkrankung voraus. nach etwa zwei bis vier Wochen zeigen sich häufig Kreuz- und Rückenschmerzen, nach wenigen Tagen gefolgt von ersten Lähmungserscheinungen und Muskelschwächen, die meist an den beiden Füßen und Beinen beginnen und sich allmählich nach oben fortsetzen. Schließlich können Hände und Arme gelähmt sein. Schluckstörungen und eine doppelseitige periphere Gesichtslähmung mit Stirnbeteiligung sind häufig. Auch Muskelzuckungen im Gesicht sind möglich. Dazu kommen mitunter Blutdruckschwankungen, Herzrhythmusstörungen, Probleme beim Wasserlassen, gestörte Schweißbildung sowie Atemnot. Um bei eventuellen Atemlähmungen rechtzeitig eingreifen zu können, kommen die Patienten in der Regel schon in die Klinik, wenn erste Bewegungsstörungen einsetzen.

Das Miller-Fisher-Syndrom fällt durch Bewegungsstörungen und Lähmungserscheinungen der Augenmuskeln sowie eine Gesichtslähmung auf.

Diagnose: Eine eingehende körperliche Untersuchung sowie die Ergebnisse einer Lumbalpunktion, bei der Rückenmarksflüssigkeit entnommen und anschließend im Labor untersucht wird, sind meist aufschlussreich. Dazu prüft der Neurologe Muskel- und Nervenfunktionen mit elektrophysiologischen Messungen (siehe Kapitel "Gesichtslähmung – Diagnose"). Weitere Untersuchungen wie Bluttests können angezeigt sein, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Therapie: Die Erkrankung kann vollständig ausheilen. Die Behandlung besteht in der Gabe von Immunglobulinen, die das Abwehrsystem unterstützen, oder in einer Plasmapherese, einer Form des Blutaustausches. Die Patienten benötigen zudem eine gute Pflege und intensivmedizinische Überwachung, um Komplikationen wie Atemlähmungen, Thrombosen oder Herz- und Kreislaufproblemen vorzubeugen oder diese rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Deswegen ist oft auch ein frühzeitiger Klinikaufenthalt unverzichtbar.

Verletzungen und andere Schäden im Bereich des Gesichtsnervs

Das Gehirn ist von Schädelknochen schützend umgeben. Es liegt auf der Schädelbasis auf. Hier befinden sich auch zahlreiche Durchtrittsöffnungen für Nerven und Gefäße. Ein Teil der Schädelbasis ist das Felsenbein, in dem sich Mittel- und Innenohr mit Hör-, Gleichgewichts- und Gesichtsnerv befinden. Bei einer Kopfverletzung durch einen Aufprall oder heftigen Schlag kann auch die Schädelbasis in unterschiedlichen Abschnitten brechen. Verläuft der Bruch im Bereich des Felsenbeins, ist häufig der Gesichtsnerv mit betroffen. Knochensplitter, Überdehnungen und Risse können ihn schädigen oder durchtrennen.

Symptome: Möglich sind Schwindel, Hörminderung oder -verlust, Ohrgeräusche, Gesichtslähmung. Es kann aus Ohr und Nase bluten. Weitere Symptome ergeben sich aus Art und Umfang der Verletzung.

Entsprechende Verletzungen am Kopf werden in einer unfall- oder neurochirurgischen Klinik abgeklärt und behandelt.

Lesen Sie dazu auch den Ratgeber "Schädelhirntrauma" (siehe nachfolgend: Link).

Während eines operativen Eingriffs im Kieferbereich zum Beispiel kann unter Umständen mitunter der untere Ast des Fazialisnervs in Mitleidenschaft gezogen werden. Dadurch kommt es zu Lähmungen der Mundmuskulatur. Stirn- und Augenmuskeln bleiben in der Regel intakt. Mit den heute verfügbaren Techniken ist dieses Risiko jedoch geringer geworden.

Sarkoidose: Fazialisparese bei Nervenbefall und Heerfordt-Syndrom

Diese meist gutartige Systemerkrankung, auch Morbus Boeck genannt, erfasst unterschiedliche Körperbereiche, sehr oft die Lymphknoten und die Lungen, aber auch viele andere Organe sowie in einigen Fällen das Nervensystem (Neurosarkoidose). Dabei bilden sich knötchenartige Geschwülste im Bindegewebe (Granulome), die die Funktion des jeweiligen Organs behindern und zu vielfältigen Beschwerden führen. Sind die Hirnnerven betroffen, tritt sehr häufig eine Fazialislähmung auf.

Beim Heerfordt-Syndrom, einer Sonderform der Sarkoidose, entzündet sich die Ohrspeicheldrüse. Augenentzündungen mit geröteten Augen und Gesichtslähmung kommen kennzeichnend dazu.

Die genauen Ursachen der Sarkoidose sind unbekannt. Übermäßige Abwehrreaktionen des Immunsystems sowie eine familiäre Veranlagung spielen für die Krankheitsentwicklung eine Rolle. Es erkranken vorwiegend jüngere Erwachsenen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Je nach Form und Stadium der Erkrankung sind die Heilungsaussichten gut, vor allem für die akute Form (Löfgren-Syndrom).

Symptome: Bei der akuten Form schwellen häufig die Lymphknoten an, Sprung- und Knie- und Handgelenke schmerzen. Dazu sind schmerzhafte, gerötete Hautknötchen an den Unterschenkeln oft typisch. Fieber, Husten, Atemnot, Gewichtsverlust, Muskelschmerzen können weitere Hinweise sein. Eine beidseitige oder die Seiten wechselnde Gesichtslähmung, Gesichtsschmerzen, Schwindel, Hörstörungen zeigen an, dass auch Hirnnerven betroffen sind.

Schmerzhafte Schwellungen vor dem Ohr (Ohrspeicheldrüsenentzündung), eine Fazialisparese und gleichzeitige Augenentzündungen weisen auf das Heerfordt-Syndrom hin.

Chronische Formen, bei denen hauptsächlich die Lunge erkrankt ist, entwickeln sich anfangs oft ohne kennzeichnende Beschwerden. Der Lungenbefall wird oft nur zufällig bei Röntgenaufnahmen des Brustkorbs entdeckt. Auch hier können Allgemeinsymptome wie Fieber, Gewichtsverlust, Nachtschweiß und Reizhusten auffallen.

Organbefall außerhalb der Lungen: Auch an anderen Organen können sich Krankheitszeichen entwickeln wie Hautveränderungen, Augenentzündungen, Knochenentzündungen oder Herzrhythmusstörungen.

Diagnose: Ärzte mehrerer Fachrichtungen können bei diesem Krankheitsbild gefragt sein. In erster Linie befassen sich Internisten beziehungsweise Lungenfachärzte damit, sind eindeutig Nerven beteiligt, auch Neurologen. Neben einem ausführlichen Arzt-Patient-Gespräch und der gründlichen körperlichen Untersuchung geben Bluttests, Lungenfunktionstests, bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen der Lungen und CT-Aufnahmen von Lymphknoten im Brustraum wichtige Hinweise. Die Untersuchung von Zellmaterial aus den Atemwegen (bronchoalveoläre Lavage), sodann Biopsien von Bronchialschleimhaut, von Lungen- und Lymphknotengewebe, eventuell auch von Muskelgewebe geben weiteren Aufschluss. Bei mutmaßlicher Neurosarkoidose sind eine Magnetresonanztomografie des Gehirns und eine Analyse von Hirnflüssigkeit aus dem Rückenmark (Lumbalpunktion) richtungweisend. Auch Untersuchungen der Herzfunktion, gegebenenfalls auch von Herzmuskelgewebe, und der Augen können notwendig sein.

Therapie: Da Sarkoidosen häufig von selbst wieder ausheilen, beobachten die Ärzte bei milden Formen zunächst sorgfältig den Krankheitsverlauf. Bei schwereren Funktionsstörungen kommen Kortison und das Immunsystem unterdrückende Mittel (Immunsuppressiva) oder bestimmte Antikörper, ebenfalls mit dämpfender Wirkung auf das Immunsystem und Entzündungsreaktionen, zum Einsatz.

Mehr zu Formen, Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapie können Sie nachlesen im Ratgeber "Sarkoidose (Morbus Boeck)":

Erkrankungen im Gehirn als mögliche Auslöser für Gesichtslähmungen

Eine akute oder chronische Hirnhautentzündung tritt meist als Folge einer infektiösen oder entzündlichen Grunderkrankung auf. Das können eine Borreliose, eine Herpes-Zoster-Infektion oder eine Sarkoidose sein (siehe oben). Ebenso lösen eine HIV-Infektion (Aids), eine Tuberkulose oder eine Leukämie mitunter eine chronische Meningitis aus. Findet die Entzündung im Bereich des Hirnstamms beziehungsweise der Schädelbasis statt, erfasst sie manchmal auch den Gesichtsnerv und führt zu ein- oder beidseitigen Lähmungserscheinungen an den mimischen Muskeln.

Symptome: Vorherrschende Krankheitszeichen sind bei einer chronischen Meningitis Fieber, Kopfschmerzen und Nackensteife. Die Beschwerden sind häufig weniger ausgeprägt als bei einer akuten Meningitis und halten über einen Monat und länger an.

Eingehende Informationen zu Symptomen, Ursachen, Diagnose und Therapie von Gehirnhautentzündungen gibt Ihnen der Ratgeber "Gehirnhautentzündung (Meningitis)".(siehe Link unten).

Zu weiteren Gehirnerkrankungen, die zentrale Lähmungserscheinungen im Gesicht verursachen können, gehören Tumore (siehe Kapitel "Gesichtslähmung – Wucherungen und Tumore").

Eine Hirnblutung und/oder eine akute Minderdurchblutung aufgrund eines Gefäßverschlusses führt zu einem Hirninfarkt, einem Schlaganfall mit kennzeichnenden Lähmungserscheinungen und weiteren Warnzeichen. Typisch ist unter anderem ein herabhängender Mundwinkel auf einer Gesichtsseite. Informieren Sie sich über Alarmsymptome sowie Ursachen, Diagnose und Therapie im Ratgeber "Schlaganfall (Apoplex)".

Akustikusneurinom als Ursache für eine Gesichtslähmung

Eine Geschwulst beziehungsweise ein Tumor entsteht durch wucherndes Gewebe. Mediziner sprechen dann häufig von einem "raumfordernden Prozess". Auch ein gutartiger Tumor, bei dem die wuchernden Zellen "abgekapselt" bleiben und sich nicht zerstörerisch ausbreiten, kann benachbarte Strukturen bedrängen. Das gutartige Akustikusneurinom, manchmal Vestibularisschwannom genannt, hat im Hüllgewebe des Hör- und Gleichgewichtsnerv seinen Ursprung. Es drückt zunächst auf den Hörnerv und breitet sich dann langsam im inneren Gehörgang aus.

Symptome: Hörverlust und Ohrgeräusche gehören zu den typischen Anfangssymptomen. Neben dem Trigeminusnerv kann der Tumor schließlich auch den Fazialisnerv einengen und eine einseitige periphere Gesichtslähmung hervorrufen. Mitunter geht der Tumor von anderen Hirnnerven aus, äußerst selten direkt vom Gesichtsnerv (Fazialisneurinom), so dass die Lähmungserscheinungen schon früher auftreten.

Erfahren Sie mehr zu Symptomen, Ursachen, Diagnose und Therapie im Ratgeber "Akustikusneurinom".

Paragangliom: Fazialislähmung möglich

Dieser seltene, meist gutartige Tumor entsteht unter anderem im Mittelohr und in Bereichen des Schläfenbeins (es sind verschiedene Lokalisationen im Körper bekannt) in hormonbildenden Zellen, die mit Blutgefäßen und Nervengruppen in Verbindung stehen.

Symptome: Erste Symptome können Hörprobleme und (pulssynchrone) Ohrgeräusche (Tinnitus) auf der erkrankten Seite sein. Je nachdem, in welche Richtung der Tumor sich ausbreitet, führt er zu Lähmungserscheinungen an unterschiedlichen Hirnnerven, so auch am Gesichtsnerv. Eine einseitige Fazialislähmung mit Stirnbeteiligung weist darauf hin.

Diagnose und Therapie: Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder der Neurologe stellt den Tumor mit Hilfe von bildgebenden Verfahren wie Computertomografie und  Magnetresonanztomografie (Kernspintomografie) fest. Ebenso kann zusätzlich eine Darstellung unter Einsatz eines Kontrastmittels (Angiografie) oder eine nuklearmedizinische Untersuchung (Positronen-Emissions-Tomografie, kurz PET) sinnvoll sein.

Der Tumor wird operativ entfernt oder, was wegen der starken Durchblutung des Gewebes bei der Tumorlage im Kopfbereich tendenziell bevorzugt wird, mittels einer Strahlentherapie behandelt.

Speicheldrüsen-Tumore: Mitunter Auslöser für eine meist einseitige Gesichtslähmung

Tumore in der Ohrspeicheldrüse (Parotistumore) können gut- und bösartig sein, wobei die bösartigen Formen nur etwa ein Fünftel ausmachen. Insgesamt kommt Speicheldrüsenkrebs ziemlich selten vor. Die Tumore ziehen oft den Fazialisnerv in Mitleidenschaft.

Symptome: Ist der Gesichtsnerv mit betroffen, treten im Laufe der Tumorentwicklung auch periphere Gesichtslähmungen auf einer Seite auf. Selten entwickeln sich auf beiden Seiten Tumore. Typisch für Parotistumore sind zunächst sichtbare Knoten beziehungsweise Schwellungen unter dem Ohr, die schließlich die ganze Halsseite einnehmen können.

Diagnose und Therapie: Daignose und Therapie übernehmen meist Fachärzte für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, oft im Team mit Spezialisten für Kopf- und Halschirurgie, sogenannten Otoneurochirurgen, und/oder Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen. Aufschlussreich für die Diagnose sind neben den klinischen Befunden bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomografie, Computertomografie und Ultraschall sowie feingewebliche Untersuchungen im Labor, insbesondere nach Entfernung der Drüse. Danach wird die weitere Therapie festgelegt. Je nach Tumorart und Stadium kann zum Beispiel eine sich anschließende Strahlentherapie angezeigt sein (bei gutartigen Tumoren genügt im Allgemeinen deren Entfernung).

Ein wichtiges Ziel der Operateure ist es, bei dem Eingriff möglichst die Funktion des Fazialisnervs zu erhalten. Die Erfolgschancen hängen natürlich von der Ausdehnung des Tumors im Einzelfall ab. Das sogenannte Neuromonitoring leistet aber einen wichtigen Beitrag zu guten funktionellen Ergebnissen. Zudem wurden Techniken entwickelt, um den Nerv wiederaufzubauen.

Meningeom im Kleinhirnbrückenwinkel: Je nach Wachstum auch Lähmungen im Gesicht

Zwischen dem verlängerten Rückenmark, dem Hirnstamm und dem Kleinhirn befindet sich der Kleinhirnbrückenwinkel. Hier tritt der Gesichtsnerv aus, um dann gemeinsam mit dem Hör- und Gleichgewichtsnerv im inneren Gehörgang im Felsenbein weiter zu verlaufen. Im Kleinhirnbrückenwinkel kann sich ein überwiegend gutartiger Typ eines Hirntumors bilden, ein Meningeom. Meistens wird die Diagnose bei Menschen im Alter von 50 bis 60 Jahren gestellt.

Symptome: Ein Meningeom wächst sehr langsam und kann zunächst Schwerhörigkeit und Schwindel auslösen. Bedrängt der Tumor später auch den Fazialis- und/oder Trigeminusnerv, können Lähmungserscheinungen und Schmerzen im Gesicht dazukommen.

Diagnose und Therapie: Die Diagnose erfolgt mit bildgebenden Verfahren wie Magnetresonanztomografie oder Computertomografie.

Meist entfernt ein Neurochirurg den Tumor operativ. Mitunter erfolgt vorher der Verschluss versorgender Blutgefäße (sogenannte Embolisation).
Eine Strahlentherapie kann in manchen Fällen zusätzlich nötig sein. Sehr kleine Meningeome, die (mutmaßlich absehbar) keine Probleme bereiten, können vorerst auch unter ärztlicher Beobachtung bleiben, da die Geschwulstart meist sehr langsam wächst.

Weitere Informationen finden Sie im Ratgeber "Meningeom".

Gesichtslähmungen als Folge von Krebserkrankungen

Tumoren im Schädelinneren können Druck auf das Nervengewebe ausüben, es bedrängen und /oder Schwellungen durch Flüssigkeitsansammlungen (Hirnödeme) verursachen (sogenannte raumfordernde Prozesse, siehe oben). Dann sind wiederum Druckschädigungen möglich. Die Veränderungen können auch Gehirnbereiche betreffen, die mit Funktionen des Fazialisnervs zusammenhängen. Neben unterschiedlichen Ausfällen treten dann zentrale oder periphere Gesichtsnervenlähmungen auf. Ein Hirnödem kann auch bei Schlaganfällen, Verletzungen und anderen Gehirnerkrankungen entstehen. Beispiele für Tumorerkrankungen im Schädelinneren:

- Hirnstammgliome sind bösartige Tumore, die häufiger bei Kindern als bei Erwachsenen auftreten.
Symptome
: Neben Schluckstörungen Gesichtschmerzen, Taubheitsgefühlen kommt es zu Muskelkrämpfen sowie einer peripheren Gesichtslähmung mit Stirnbeteiligung. Diese kann auch beidseitig auftreten.

Diagnose und Therapie
liegen hier wiederum in der Hand von Neurologen und Krebsmedizinern, auch solchen, die schwerpunktmäßig Kinder behandeln.

- Meningeosis carcinomatosa, Meningeosis leucaemica

Im Verlauf von Krebserkrankungen unterschiedlicher Körperorgane können sich Krebszellen über Blut- und Lymphbahnen unabhängig vom ursprünglichen Entstehungsort ausbreiten. Sie bilden Metastasen. Dabei befallen sie in manchen Fällen auch die Hirnhäute im Bereich des Hirnstamms.
Symptome
: Neben zahlreichen anderen Beschwerden wie Schwindel, Kopfschmerzen, Krampfanfällen, Übelkeit und Erbrechen, Schluckstörungen sind dann ebenfalls Gesichtslähmungen möglich.

Fachliteratur für diesen Ratgeber

Mattle H. Mumenthaler M: Neurologie. 13. Auflage, Stuttgart Georg Thieme Verlag 2012

Rohkamm R, Kermer P: Taschenatlas Neurologie, 4. vollst. überarbeitete Auflage. Stuttgart  New York Georg Thieme Verlag 2018
Klingelhöfer J, Berthele A: Klinikleitfaden Neurologie, 6. Auflage. München Elsevier Urban & Fischer 2017
Koch D: HNO Fragen und Antworten. Berlin-Heidelberg Springer-Verlag 2016

Berbohm H, Kaschke O, Nawka T: Kurzlehrbuch Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, 2. korr. und aktualisierte Auflage. Stuttgart New York Georg Thieme Verlag 2012

Herold G et al.: Innere Medizin, Köln Gerd Herold 2018

Battegay E (Hrsg.): Differenzialdiagnose Innerer Krankheiten Vom Symptome zur Diagnose, 21., vollst. überarbeitete Auflage. Stuttgart New York Georg Thieme Verlag 2017

Heckmann FG et al., S2k-Leitlinie Therapie der idiopathischen Fazialisparese (Bell's palsy) 2017. In: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) Hrsg. Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: https://www.dgn.org/leitlinien (Abgerufen am 19.12.2018)

Sommer C et al., Therapie akuter und chronischer immunvermittelter Neuropathien und Neuritiden. S2e-Leitlinie 2018. In: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) Hrsg. Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online:
https://www.dgn.org/leitlinien (Abgerufen am 19.12.2018)

Schwenkreis P: Periphere Fazialisparese. Eine Blickdiagnose? In: Der Allgemeinarzt 2012, 34(2), S. 22-24

Fachredaktion: Dr. med. Claudia Osthoff