Legionärskrankheit (Legionellose)

Die Legionellose ist eine Infektion durch bestimmte Bakterien: Legionellen. Sie kann leicht verlaufen oder eine gefährliche Lungenentzündung auslösen – die Legionärskrankheit

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aktualisiert am 05.06.2014

Was ist eine Legionellose?

Bei der Legionellose handelt es sich um eine Infektion mit bestimmten Bakterien, sogenannten Legionellen. Sie kommen weltweit in Süßwasser vor: im Grundwasser und im Erdboden, in Seen und Flüssen, im Brauchwasser (auch von Kühltürmen, Rückkkühlern und Autowaschanlagen) sowie im im Trinkwasser kann man sie zum Beispiel finden.

In warmem Wasser können sich Legionellen gut vermehren. Deshalb sind Warmwasseranlagen, aber auch Klimaanlagen, Schwimmbäder und Whirlpools besonders anfällig für eine Besiedlung durch Legionellen und können zur Infektionsquelle werden. (Mehr dazu im Kapitel Ursachen).

Schluckt man die Bakterien – zum Beispiel mit einem Schluck Wasser – verursachen sie normalerweise keine Beschwerden. Gelangen die Erreger jedoch durch Wassertröpfchen oder Sprühnebel (Aerosol) in die Lunge, können sie Probleme bereiten.

Welche Symptome kommen vor?

Pontiac-Fieber: Eine Infektion kann milde verlaufen. Zu leichteren Formen der Legionellose zählt das sogenannte Pontiac-Fieber mit Husten, Schnupfen und erhöhter Temperatur.

Legionärskrankheit: In einigen Fällen entsteht eine gefährliche Lungenentzündung, die Legionellen-Pneumonie, auch Legionärskrankheit genannt. Häufige Symptome sind – je nach Schwere – Unwohlsein bis schweres Krankheitsgefühl, hohes Fieber, Schüttelfrost, Atemnot, schneller Puls, Reizhusten und Brustschmerzen. Auch Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen sind möglich. (Mehr dazu im Kapitel Symptome). Die Legionärskrankheit kann tödlich verlaufen, wenn sie zu spät oder falsch behandelt wird.

Meist erkranken ältere Menschen an einer Legionellose, ebenso Menschen mit einem geschwächten Abwehrsystem oder chronischen Krankheiten.

Die Diagnose ist gesichert, wenn die Erreger im Körper nachgewiesen werden können – zum Beispiel (indirekt) in einer Urinprobe oder im Lungensekret. Der Erregernachweis ist meldepflichtig.

Wie wird eine Legionellose behandelt?

Die Legionärskrankheit wird mit bestimmten Antibiotika behandelt. Eine leichte Legionellen-Infektion heilt oft von selbst wieder aus.

Seit den Jahr 2011 schreibt die Trinkwasserverordnung vor, dass nicht nur öffentliche, sondern auch gewerbliche Betreiber und Vermieter Anlagen zur Wassererwärmung ab einer bestimmten Größe auf Legionellen untersuchen lassen müssen. Über die genauen Regelungen informiert zum Beispiel das Umweltbundesamt (Link weiter unten).

Der Name Legionärskrankheit geht zurück auf den ersten beschriebenen Krankheitsausbruch: Bei einem US-amerikanischen Veteranentreffen im Jahr 1976 erkrankten 182 der 4400 Teilnehmer, weil sie sich über die Klimaanlage ihres Hotels mit Legionellen infiziert hatten. Von ihnen starben 29.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Es handelt sich beim Erreger der Legionellose um stäbchenförmige Bakterien. Sie zählen zur Gattung der Legionellen, von denen rund fünfzig Arten bekannt sind. Für den Menschen von Bedeutung ist insbesondere Legionella pneumophila. Übersetzt bedeutet der Name so viel wie "lungen-liebende Legionelle". Legionellen sind weltweit verbreitet und kommen im (warmen) Süßwasser vor.

Welche Infektionsquellen gibt es?

In warmem Wasser, insbesondere bei Temperaturen zwischen etwa 20 und 45 Grad Celsius, können sich Legionellen vermehren – vor allem dann, wenn das Wasser über längere Zeit steht (stagniert).

Bei Temperaturen ab 60 Grad Celsius aufwärts sterben die Legionellen ab. Allerdings sind für eine sichere Abtötung in Wasserleitungen mindestens 73 Grad Celsius nötig.

Große Warmwassersysteme mit einem ausgedehnten Rohrleitungssystem, Klimaanlagen und Whirlpools sind besonders anfällig für eine Besiedlung mit Legionellen. Deshalb müssen zum Beispiel Krankenhäuser, große Mehrfamilienhäuser, Heime und Hotels besonders gut auf eine die Wartung ihrer Warmwasseranlagen achten, andernfalls könnten sie zur Infektionsquelle werden.

Auch kaum genutzte Wasserrohre in Neubauten können mit den Bakterien besiedelt sein. Von großen Kühlsystemen geht ebenfalls ein Risiko aus.

Wie kommt es zur Infektion?

Gelangen mit fein aufgestäubtem Wasser Legionellen in die Luft, können sie auf diesem Weg die Lunge erreichen. Das kann zum Beispiel beim Duschen passieren: Dabei entsteht ein feiner Sprühnebel (das Aerosol), der eingeatmet wird. Aber auch ein laufender Wasserhahn kann unter ungünstigen Bedingungen zur Infektionsquelle werden – ebenso Whirlpools, Klimaanlagen, Inhalationsgeräte oder Luftbefeuchter.

Das Trinken von Legionellen-haltigem Wasser ist relativ unkritisch. Gurgeln oder Inhalieren kann dagegen problematisch sein. Bei Menschen mit Schluckbeschwerden ist es auch denkbar, dass beim Trinken kleine Wassermengen versehentlich in die Luftröhre gelangen und so doch zu einer Infektion führen.

Nach derzeitigem Wissen kann die Krankheit nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden. Patienten gelten also nicht als "ansteckend".

Legionellen leben in Einzellern

In der Umwelt leben Legionellen meistens in Gesellschaft von oder sogar im Inneren von Einzellern (beispielsweise Amöben) oder anderen Bakterien, weil sie von deren Stoffwechsel profitieren.

Auch im menschlichen Körper suchen sich Legionellen ein "gut geschütztes Plätzchen", an dem sie vor vielen gängigen Antibiotika sicher sind: Die Krankheitserreger befallen mit Vorliebe die Fresszellen (Makrophagen) des menschlichen Abwehrsystems und verschanzen sich in ihnen. Die Aufgabe dieser Fresszellen ist es eigentlich gerade, schädliche Bakterien wie Legionellen "aufzuessen" und dadurch unschädlich zu machen.

Doch an den Legionellen beißen sich die Makrophagen – bildlich gesprochen – die Zähne aus. Die Bakterien können sich im Inneren der Fresszellen sogar vermehren und die Makrophagen zuletzt zerstören. Dabei gelangen Stoffe in das umliegende Gewebe, die der Makrophage normalerweise nutzt, um Krankheitserreger zu "verdauen". Diese Stoffe verursachen eine Entzündung im Gewebe und locken weitere Abwehrzellen an.

Nicht immer verursacht eine Infektion mit Legionellen Symptome. Ob eine Legionellose leicht oder schwer verläuft hängt von verschiedenen Einflussfaktoren ab:

  • von der Menge der aufgenommenen Legionellen
  • von der Art der Aufnahme
  • von der Art der aufgenommenen Legionellen. Die Bakterien unterscheiden sich in ihrer krank machenden Wirkung.
  • von der Abwehrlage des Körpers: Sind die Abwehrkräfte geschwächt, steigt das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Das ist zum Beispiel der Fall bei chronischen Krankheiten wie Diabetes mellitus, nach schweren Operationen oder wenn bestimmte Medikamente eingenommen werden, die das Immunsystem dämpfen.
  • vom Alter des Patienten: Ältere Menschen erkranken häufiger an einer schweren Legionellose als jüngere.
  • vom Lebenswandel: Rauchen oder ein hoher Alkoholkonsum erhöht die Gefahr, schwer zu erkranken.

 

Pontiac Fieber: Leichter Verlauf

Das eher mild verlaufende Pontiac-Fieber beginnt etwa ein bis zwei (selten bis zu fünf) Tage, nachdem die Erreger in den Körper gelangt sind.

Es kommt zu grippe-ähnlichen Beschwerden wie Fieber, Halsschmerzen, Schwindel, Kopf- und Gliederschmerzen. Das Pontiac-Fieber führt jedoch nicht zu einer Lungenentzündung (Pneumonie). Die Betroffenen erholen sich üblicherweise innerhalb weniger Tage wieder vollständig. Eine spezielle Therapie ist meistens nicht nötig. Schwere Verläufe sind die Ausnahme.

Der Name geht auf den US-amerikanischen Ort Pontiac zurück, an dem es zu einer Häufung von Krankheitsfällen kam.

Legionärskrankheit: Schwerer Verlauf mit Lungenentzündung

Die ersten Symptome der Legionärskrankheit zeigen sich etwa zwei bis zehn Tage nach der Infektion (Inkubationszeit).

Oft beginnt die Krankheit relativ plötzlich – mit Unwohlsein, Fieber bis zu 40 Grad Celsius, Schüttelfrost, Kopf- und Muskelschmerzen. Reizhusten, Brustschmerzen und Atemnot sind weitere typische Beschwerden. In einigen Fällen kommt es außerdem zu Bauchschmerzen mit Durchfall und Erbrechen. Wenn das Nervensystem von der Legionellose betroffen ist, so ist der Erkrankte eventuell benommen und verwirrt.

Bei der Legionärskrankheit entwickelt sich eine gefährliche Lungenentzündung, die sich über weite Teile der Lunge ausbreiten kann. Vor allem bei chronisch Kranken und abwehrgeschwächten Patienten kann sie lebensbedrohlich werden. Unter der geeigneten Therapie bessert sich die Erkrankung meist innerhalb einiger Tage wieder. Doch auch wenn sie überstanden ist, können manchmal Spätfolgen wie eine Lungenfibrose oder eine eingeschränkte Lungenfunktion zurückbleiben.

Eine durch eine andere Legionellenart (L. micdadei) verursachte Lungenentzündung bezeichet man als Pittsburg-Pneumonie. Die Symptome sind ähnlich.

Der Arzt wird zunächst die Krankengeschichte erfragen und eine körperliche Untersuchung vornehmen.

Bei einer Legionärskrankheit ist es lebenswichtig, rasch mit der geeigneten Therapie zu beginnen. Leider ist es aber nicht immer leicht, direkt auf die richtige Diagnose zu kommen. Die Symptome können vieldeutig sein und an eine andere Form der Lungenentzündung denken lassen. Patienten sollten am besten selbst mit überlegen, ob sie womöglich einem Infektionsrisiko ausgesetzt gewesen sein könnten (siehe Ursachen). So sollten sie dem Arzt vorsichtshalber mitteilen, dass sie zum Beispiel vor kurzem im Urlaub waren und im Hotel übernachtet haben. Diese Informationen können unter Umständen wertvolle Hinweise für die Diagnose darstellen.

Bei Verdacht auf eine Legionärskrankheit wird der Arzt ein Röntgenbild des Brustkorbs anfertigen lassen. Darauf können Zeichen einer Lungenetzündung erkennbar sein.

Um die Diagnose zu sichern, müssen die Erreger im Körper nachgewiesen werden. Oft gelingt das schnell und einfach anhand einer Urinprobe. Bereits rund 24 Stunden nach Krankheitsausbruch sind Bestandteile der Legionellen im Harn feststellbar. Allerdings können mit diesem Verfahren nur bestimmte Legionella-Arten erfasst werden. Im Zweifel kann zudem versucht werden die Erreger direkt in der Lunge nachzuweisen (siehe weiter unten).

Im Blut sind eventuell Bakterienbestandteile oder (wesentlich später) auch Antikörper gegen den Erreger feststellbar.

Eventuell wird der Arzt im Rahmen einer Bronchoskopie (Lungenspiegelung) Proben aus den Atemwegen entnehmen, um die Verdachtsdiagnose Legionärskrankheit zu sichern. Dazu werden die Luftwege gespült (bronchoalveoläre Lavage, BAL) oder Sekret aus der Luftröhre verwendet. Auch kann eine Gewebeprobe (Biopsie) aus der Lunge oder Flüssigkeit aus der Brusthöhle entnommen und untersucht werden.

Aus dem Probenmaterial kann eine Bakterienkultur angelegt werden. Auf diese Weise lässt sich zum einen feststellen, welche Antibiotika am besten wirksam sind. Zum anderen ist die genaue Art der Legionellen ermittelbar. Das ist unter anderem für die Identifikation des Ansteckungsortes von Bedeutung. Beim Ausbruch einer Legionärskrankheit ist es wichtig herauszufinden, wo sich der Patient infiziert haben könnte. Denn möglicherweise gefährdet diese Infektionsquelle weitere Personen.

Der Nachweis von Legionellen ist meldepflichtig. Das Labor, das die Erreger festgestellt hat, meldet den Fall an das Gesundheitsamt.

Führt eine Legionellose nur zu leichten Beschwerden wie dem Pontiac-Fieber (siehe Kapitel Symptome), so heilt sie meist von selbst aus. Auf Antibiotika kann dann üblicherweise verzichtet werden.

Handelt es sich um die Legionellen-Pneumonie (Legionärskrankheit), muss die Therapie zügig beginnen. Denn die Erkrankung ist insbesondere für Ältere und chronisch Kranke lebensbedrohlich.

Zur Behandlung der Legionärskrankheit werden bestimmte Antibiotika eingesetzt. Diese hemmen das Bakterienwachstum oder töten die Keime direkt ab. Da sich die Legionellen im Körper in den "Fresszellen" verschanzen (siehe Kapitel Ursachen), sind die Bakterien allerdings gegen viele gebräuchliche Antibiotika gefeit. Es ist deshalb entscheidend, dass die richtigen Antibiotika zum Einsatz kommen. Einige Antibiotika wirken auch im Zellinneren. So erreichen sie auch die Legionellen. Dazu zählte lange Zeit der Wirkstoff Erythromycin.

Auch eine Antibiotika-Kombinationen ist besonders in schweren Fällen möglich. Meist ist eine Antibiotika-Therapie über zwei, teilweise auch drei Wochen nötig, in den ersten Tagen oft als Infusion.

Um eine Ausbreitung der Legionärskrankheit zu verhindern, gilt es auch die Infektionsquelle zu beseitigen. So sollten verdächtige Wassersysteme untersucht und gegebenenfalls saniert werden.

PD Dr. med. Nils-Olaf Hübner, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin, ist ärztlicher Mitarbeiter im Projekt "HICARE - Gesundheitsregion Ostseeküste" am Institut für Hygiene und Umweltmedizin (Dir.: Prof. Dr. med. A. Kramer). Er ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene und der Gesellschaft für Hygiene, Umwelt und Präventivmedizin. Seine Tätigkeits- und Forschungsschwerpunkte sind neben der Inaktivierung von Krankheitserregern (insbesondere Antiseptik und Anti-Biofilm-Therapie) die Prozessmodellierung und Integration der Krankenhaushygiene in klinische Behandlungspfade, die datenbankgestützte Infektionserfassung und Strategien zur Eindämmung der Ausbreitung von Problemerregern im Krankenhaus und der Gesellschaft.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.