Alzheimer Krankheit

Die Alzheimer Krankheit (Morbus Alzheimer) gilt als die häufigste Ursache einer Demenz. Sie geht mit Symptomen wie Gedächtnisverlust und Orientierungsproblemen einher

aktualisiert am 04.11.2013

Was ist Alzheimer?

Die Alzheimer-Demenz, auch Morbus Alzheimer genannt, ist die bekannteste und häufigste Ursache einer Demenz. Nach der internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) ist die Demenz eine erworbene Störung des Gedächtnisses und des Denkvermögens, die so ausgeprägt ist, dass dadurch berufliche und/oder private Alltagsaktivitäten beeinträchtigt sind. Die Störung muss laut diesem Klassifikationssystem seit mindestens sechs Monaten bestehen.

Nach Schätzungen leiden derzeit weltweit etwa 35 Millionen Menschen an Demenz. In Deutschland wird die Anzahl derzeit auf zirka 1,5 Millionen geschätzt, davon leiden etwa ein bis 1,2 Millionen Menschen an Alzheimer. Hochrechnungen zufolge wird diese Zahl innerhalb der nächsten Jahrzehnte noch weiter steigen. Frauen sind deutlich häufiger von Alzheimer betroffen als Männer. Experten begründen dies in erster Linie mit der unterschiedlichen Lebenserwartung beider Geschlechter.

Die Alzheimer Krankheit wurde Anfang des 20. Jahrhunderts erstmals von dem bayerischen Nervenarzt Alois Alzheimer (1864 bis 1915) beschrieben. Er führte detaillierte Untersuchungen an Patienten mit auffälligem Verhalten und erworbenen Defiziten der geistigen Leistungsfähigkeit durch. Im Zug dieser Untersuchungen studierte Alois Alzheimer auch die Gehirne der verstorbenen Patienten und brachte die Ergebnisse mit seinen Beobachtungen in Verbindung. Seine Erkenntnisse veröffentlichte der Wissenschaftler erstmals 1906 in einer bahnbrechenden, aber erst später weltweit beachteten Arbeit. Es war ihm gelungen, ein neues, eigenständiges Krankheitsbild zu beschreiben.

Symptome der Alzheimer-Krankheit

Die Alzheimer-Demenz beginnt meistens mit einer Gedächtnisschwäche. Auch Anzeichen wie Orientierungs- und Sprachschwierigkeiten sowie ungewöhnliches Verhalten deuten darauf hin. Bei vielen Patienten ändert sich, insbesondere in fortgeschrittenen Krankheitsstadien, auch die Persönlichkeit.

Die Alzheimer-Krankheit hat nicht nur für die Betroffenen einschneidende Konsequenzen, sondern bedeutet oft auch eine erhebliche Belastung für die Angehörigen und Betreuenden. Um den Kranken und ihren Familien möglichst viel Leid zu ersparen, ist es notwendig, frühzeitig die Diagnose zu stellen und die Beschwerden mit Medikamenten zu behandeln.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Die genaue Ursache der Alzheimer Krankheit ist noch nicht bekannt. Bei den Patienten finden sich jedoch vermehrt charakteristische Eiweißablagerungen, die schon von Alois Alzheimer beobachtet wurden und wohl eine zentrale Rolle spielen. Dabei handelt es sich zum einen um sogenannte senile Plaques, die aus Eiweißbruchstücken (beta-Amyloid Peptid) bestehen. Zum anderen um faserförmige Ablagerungen, die sogenannten Neurofibrillenbündel, die aus abnormem, verklumpten/zusammengelagerten Eiweiß (Tau-Protein mit zu viel angehängten Phosphatgruppen) bestehen. Außerdem geht die Alzheimer-Demenz mit einer veränderten Konzentrationen bestimmter Botenstoffe (Neurotransmitter) im Gehirn einher.

Beta-Amyloid und Tau-Protein

Experten gehen davon aus, dass ein bestimmtes Eiweiß, das sogenannte Beta-Amyloid, eine zentrale Rolle in der Entstehung von Alzheimer spielt. Es ist ein Spaltprodukt eines größeren Eiweißmoleküls, dessen Funktion bisher nicht genau bekannt ist. In der grauen Gehirnsubstanz von Alzheimer-Patienten finden sich Beta-Amyloid-Ablagerungen, sogenannte senile Plaques, in besonders hoher Dichte.

Die Ablagerungen bestehen aus einem zentralen Amyloid-Kern, der von krankhaft veränderten Nervenzellfortsätzen, verminderten Synapsen (Kontaktstellen zwischen Nervenzellen) und aktivierten Astrozyten, dem häufigsten Zelltyp des Gehirns, umgeben wird. Bei vielen Patienten lagert sich das Amyloid auch in der Wand kleiner Blutgefäße ab. Dadurch kann sich deren Durchlässigkeit verschlechtern, was die Sauerstoff- und Energieversorgung des Gehirns beeinträchtigt.

Nicht abschließend geklärt ist, warum es zu der krankhaften Anhäufung des Beta-Amyloid kommt. Denn es konnte gezeigt werden, dass das Eiweiß im menschlichen Körper konstant und während des gesamten Lebens produziert wird. Dabei finden sich die höchsten Konzentrationen in den Nervenzellen (Neuronen), wo das Beta-Amyloid als Nebenprodukt eines normalen Stoffwechselprozesses anfällt. Während des Alterns, so die Vermutung, wird dann in der grauen Substanz zwischen den Nervenzellen vermehrt Amyloid abgelagert. Diese "normalen" senilen Plaques sind aber wesentlich rarer gesät als das üblicherweise bei der Alzheimer-Demenz der Fall ist.

Typisch für die Alzheimer Krankheit ist auch, dass es zum Verlust von Synapsen und im weiteren Verlauf zum Absterben von Nervenzellen kommt. Dies ist mit der Bildung von abnorm verändertem Eiweiß (Tau-Potein) vergesellschaftet, das sich in Form von Fäserchen, den Fibrillen, im Gehirn ablagert. Dabei handelt es sich um die bereits von Alois Alzheimer beschriebenen Neurofibrillenbündel.

Diese innerhalb vieler Nervenzellen nachweisbaren Knäuel bestehen aus dem sogenannten Tau-Protein, einem eigentlich normalen Bestandteil des Zellskeletts. Bei der Alzheimer-Krankheit wird das Tau-Protein jedoch übermäßig mit Phosphatgruppen beladen. Dadurch können in der Zelle Stabilisierungs- und Transportprozesse gestört werden, was letztlich zu ihrem Untergang führt.

Veränderte Botenstoff-Konzentrationen

Charakteristisch für die Alzheimer-Demenz ist auch die veränderte Konzentration an bestimmten Botenstoffen (Neurotransmittern) im Gehirn. Dazu gehören vor allem Acetylcholin und Glutamat. Beide Stoffe sind für die normale Funktion der Nervenzellen und die Signalübertragung zwischen den Neuronen von zentraler Bedeutung. Da Nervenzellen in verschiedenen Hirnbereichen zugrunde gehen, führt dies einerseits dazu, dass es zu einem Mangel an Acetylcholin kommt. Andererseits wird übermäßig viel Glutamat gebildet.

Die Rolle der Gene

Immer wieder wird die Frage gestellt, ob die Demenz, vor allem der Morbus Alzheimer, vererbbar ist. Das Risiko an einer Alzheimer-Demenz zu erkranken ist bei Verwandten ersten Grades etwas höher als in der übrigen Bevölkerung. Diese Art der Vererbung basiert vermutlich auf einer Vielzahl von Genen, die eine sogenannte Prädisposition schaffen – also das Risiko erhöhen, an Alzheimer zu erkranken. In seltenen Fällen ist Alzheimer "fest" (dominant) in den Genen verankert. Mehrere solcher Gene sind bisher bekannt und wer ein solches Gen trägt, kann es an seine Kinder weitergeben.

Die mit den "festen Alzheimer-Genen" weitervererbten Erkrankungen treten meist relativ früh ab dem 30. Lebensjahr auf. Der Nutzen von Gentests, mit denen sich nachweisen ließe, wer entsprechende Erbanlagen besitzt, ist bislang umstritten. Unter anderem auch deshalb, weil bisher keine medizinischen Maßnahmen zur Verfügung stehen, die eine Heilung der chronischen Krankheit ermöglichen und die drohende Demenz sicher abwenden könnten.

Derzeit steht Menschen aus Familien, in denen die dominant vererbte Form der Alzheimer-Krankheit auftritt, die freiwillige Teilnahme an DIAN offen. DIAN steht für "Dominantly Inherited Alzheimer Network", ein internationales Netzwerk für die dominant vererbte Alzheimer-Krankheit. Es wurde in den USA gegründet, um die genetisch bedingten Formen der Alzheimer-Erkrankung besser zu erforschen und stellt diesen Patienten auch vielversprechende Therapien in Studien zur Verfügung.

Meistens ist es eine auffällige Vergesslichkeit, die bei den betroffenen älteren Menschen selbst oder bei ihren Angehörigen die Frage nach einer beginnenden Demenz aufkeimen lässt. Wenn diese Gedächtnisstörung tatsächlich auf einer Alzheimer Krankheit beruht, dann hat das Gehirn zu diesem Zeitpunkt meist schon eine über viele Jahre andauernde schleichende Veränderung durchgemacht. Unbemerkt sterben dabei im Gehirn zuerst die Fortsätze und Verbindungen von Nervenzellen und später die Nervenzellen selbst ab. Der Zerfall führt zum Rückgang des Hirngewebes (Atrophie). Diese Schädigung breitet sich schleichend über das Gehirn aus.

Je nach geschädigtem Hirnareal lassen die dort befindlichen Funktionen und Fähigkeiten nach. So schwinden Stück um Stück das Kurzzeitgedächtnis, das Vermögen, tägliche Routinearbeiten zu erledigen, die Urteilsfähigkeit und die Sprache. Es ändern sich die Gefühlsäußerungen, das Verhalten, das Erkennungsvermögen sowie die Kommunikation. Ist die Demenz weiter fortgeschritten, verlieren die Patienten zudem oft die Kontrolle über Blasenentleerung und Stuhlgang.

Charakteristische Symptome für Alzheimer

Auch wenn die Symptome und Beschwerden eines Demenz-Kranken meist sehr vielfältig sind, lassen sich bei genauer Beobachtung doch einige charakteristische Anzeichen erkennen. Folgende Veränderungen eines Menschen sollten ihn oder seine Umgebung hellhörig machen:

  • Vergesslichkeit, Verlust des Kurzzeitgedächtnisses, später auch des Langzeitgedächtnisses (Betroffener wiederholt ständig die gleichen Fragen; vergisst das aktuelle Datum)
  • Schwierigkeiten, alltägliche und häusliche Aufgaben korrekt zu erledigen (eine geübte Hausfrau macht plötzlich Fehler beim Essen kochen, Waschmaschine oder Herd kann nicht mehr korrekt bedient werden)
  • Probleme, sich sprachlich auszudrücken (Person findet keine Worte mehr; verwendet Ersatzwörter)
  • Verlust der Orientierung über Zeit, Raum und Ort (Betroffener weiß nicht mehr, wann Weihnachten ist; findet sich zuerst in fremder, später in vertrauter Umgebung nicht mehr zurecht; läuft nachts herum, schläft tagsüber)
  • Nachlassen des Urteilsvermögens
  • Probleme mit der Konzentration und dem abstrakten Denken (Betroffener kann kein Konto mehr führen; kann keine Banküberweisung mehr ausfüllen)
  • Falsche Zuordnung von Gegenständen und Gegebenheiten (Betroffener legt Butter in den Kleiderschrank; geht im Morgenmantel zum Einkaufen)
  • Gelegentlich treten Sehstörungen trotz normaler Augenfunktion auf (Gesichter und Gegenstände werden nicht erkannt, Betroffener greift daneben)
  • Verhaltensänderungen (Betroffener ist übertrieben misstrauisch; hat plötzliche extreme Stimmungsschwankungen)
  • Persönlichkeitsstörungen (bisher ausgeglichener Mensch wird aggressiv; entwickelt unbegründete Ängste)
  • Antriebslosigkeit (Person verliert allgemein das Interesse für das Zeitgeschehen, Arbeit und Hobbys; zieht sich immer mehr zurück, wird depressiv)

Verlauf der Alzheimer-Demenz

Der Verlauf kann individuell sehr unterschiedlich sein. Die Alzheimer Krankheit ist jedoch ein chronisch fortschreitender Prozess, der bislang medikamentös verzögert, aber nicht dauerhaft abgewendet werden kann. Der Verlauf lässt sich in drei Stadien einteilen, von denen jedes – mit individuellen Unterschieden – mehrere Jahre andauern kann:

Symptome für Alzheimer im frühen Stadium

  • Gedächtnis- und Merkfähigkeitsstörungen
  • Stimmungsschwankungen
  • Probleme in der Ausführung schwieriger Tätigkeiten, Einbußen der Leistungsfähigkeit
  • Verlust an präziser sprachlicher Ausdrucksweise
  • Arbeitsfähigkeit und soziale Kontakte deutlich reduziert

Symptome im mittleren Stadium

  • Alle intellektuellen Leistungseinbußen verstärken sich ebenso wie die Veränderungen von Psyche und Persönlichkeit
  • Der Patient ist zwar häufig noch bis zu einem gewissen Grad zu einer selbständigen Lebensführung fähig, benötigt aber zunehmend Unterstützung auch in alltäglichen praktischen Dingen

Symptome im späten Stadium

  • Der Patient ist nicht mehr fähig, ohne fremde Hilfe zu leben. Persönliche Hygiene ist alleine nicht mehr möglich, das Kurzzeitgedächtnis ist fast völlig erloschen

Körperliche Symptome und ihre Folgen verschlimmern die Situation: Krampfanfälle, Kontrollverlust über die Körperhaltung (Stürze) und über die Blasen- und Darmfunktion sowie Schluckstörungen können beispielsweise auftreten. Die häufigste Todesursache bei Alzheimer-Patienten sind Infektionen.

Nach althergebrachter Lehrmeinung der Neuropathologen und Gerichtsmediziner kann die Diagnose Alzheimer erst durch eine mikroskopische Untersuchung des Gehirns nach dem Tod mit hundertprozentiger Sicherheit gestellt werden. Dennoch gibt es inzwischen zahlreiche Möglichkeiten, um eine klinisch wahrscheinliche Alzheimer-Demenz bei Patienten diagnostisch einzukreisen oder auszuschließen.

Folgende Voraussetzungen machen das Vorliegen einer Alzheimer-Demenz äußerst wahrscheinlich, wenn andere Krankheiten ausgeschlossen wurden, die mit solchen oder ähnlichen Erscheinungen vergesellschaftet sein können:

  • Gedächtnisstörung und im weiteren Verlauf der Erkrankung meist mindestens eines der folgenden Symptome: Sprachstörungen (Aphasie), Apraxie (Patient hat eine Bewegungsstörung, obwohl er motorisch gesund ist, findet z.B. nicht mehr in die Jackenärmel), Agnosie (Patient hat Probleme, Gegenstände zu erkennen, obwohl die Sinnesorgane intakt sind), Schwierigkeiten, zu planen, Probleme zu lösen und zu Abstrahieren
  • erworbene, tief greifende Beeinträchtigung der alltagspraktischen Fähigkeiten (zum Beispiel die Unfähigkeit, sich selbst ein Butterbrot zu schmieren, selbst einkaufen zu gehen oder ähnliches)
  • schleichender Beginn der Symptome
  • anhaltendes Weiterbestehen der Störungen
  • fortschreitender Verlauf

Zur Basisdiagnostik gehören folgende Schritte:

  • Der Arzt erhebt eine genaue Krankengeschichte des Patienten.
  • Daran schließt sich eine körperliche Untersuchung an.
  • Standardisierte Tests geben Auskunft über die intellektuellen Leistungen und Fähigkeiten. Zusätzlich gilt es abzuschätzen, wie gut der Patient noch in der Lage ist, Tätigkeiten des alltäglichen Lebens auszuführen. Besonders bekannte Kurztestverfahren sind der Mini-Mental-Status-Test (MMST), der Uhrzeit-Zeichnen-Test oder der DemTect (Demenz-Detektion). Manchmal ist eine ausführliche neuropsychologische Testdiagnostik sinnvoll.
  • Untersuchungen des Gehirnwassers sind heute Routine in spezialisierten Gedächtnissprechstunden. Im Gehirnwasser können die spezifischen Marker (Biomarker), die typischerweise bei der Alzheimer-Erkrankung verändert sind (Beta-Amyloid, Tau-Protein), bestimmt werden.

Mit bildgebenden Verfahren wie Computer- oder Kernspintomografie (CT oder MRT), vorzugsweise MRT, lassen sich die Gehirnstrukturen beurteilen und Hinweise auf für Alzheimer oder andere Demenz-Erkrankungen typische Gehirnveränderungen finden. Außerdem können mit bildgebenden Methoden unter anderem Gefäßerkrankungen des Gehirnes erkannt oder Tumoren ausgeschlossen werden.

Heilen lässt sich eine Alzheimer-Erkrankung bisher nicht. Doch es gibt verschiedene Medikamente, die dazu beitragen können, dass die Demenz weniger rasch voranschreitet und sich das Gedächtnis wieder verbessert. Mit verschiedenen anderen Therapiemaßnahmen lassen sich die geistigen Fähigkeiten des Betroffenen fördern und die Symptome lindern. Vor allem in fortgeschrittenen Erkrankungsstadien ist es wichtig, für eine gute pflegerische Betreuung der Betroffenen zu sorgen und die Angehörigen zu entlasten.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Nicht-medikamentöse Behandlungsmaßnahmen tragen entscheidend zur Verbesserung der Symptome, der Lebensqualität und der Selbständigkeit des Alzheimer-Patienten sowie zur Entlastung von betreuenden Angehörigen und Pflegekräften bei. Solche Maßnahmen beinhalten vor allem alltagsnahes Training und haben körperliche und geistige Anregung zum Ziel.

Um die Patienten optimal zu betreuen, sollten verschiedene Spezialisten  zusammenarbeiten. Dazu gehören der Hausarzt, der Geriater, der (Geronto-) Psychiater, der Neurologe oder Nervenarzt ebenso wie Krankengymnasten, Ergotherapeuten, Logopäden, häuslicher Pflegedienst und Sozialarbeiter. Wichtig ist zudem die Aufklärung und Schulung von Angehörigen und Pflegenden.

Als sinnvolle nicht-medikamentöse Maßnahmen haben sich bewährt: die Anpassung des Tagesablaufs und der Wohnverhältnisse (Milieutherapie), Arbeits- und Beschäftigungstherapie (Ergotherapie), Berücksichtigung der Lebensgeschichte des einzelnen Patienten (Biografie-Arbeit), besonderer Respekt und Akzeptanz des Patienten als ganzen Menschen (Validation), Behandlung der Sprachstörungen (Logopädie), Krankengymnastik (Physiotherapie) sowie Kunst- und Musiktherapie. Und schließlich benötigt der Patient im Verlauf der Erkrankung zunehmend pflegerische Hilfe. Es wurde gezeigt, dass der Einsatz von medizinischer Ernährung im Frühstadium zu eine verbesserten Gedächtnisleistung führt.

Medikamentöse Therapie

Die im Folgenden genannten Medikamente, sogenannte Antidementiva, werden bei der Therapie der Alzheimer-Demenz zur Verbesserung der Gedächtnisleistung und der Alltagsbewältigung mit individuell unterschiedlichem Erfolg eingesetzt. Ziel dieser Behandlung ist es, die Selbständigkeit und die Lebensqualität des Demenz-Kranken möglichst lange zu erhalten und den Pflegeaufwand zu reduzieren.

Cholinesterase-Hemmer

Im frühen und mittleren Stadium kommen Medikamente infrage, die das Enzym Cholinesterase hemmen, welches den Botenstoff Acetylcholin abbaut. Damit steht der Neurotransmitter Acetylcholin für die Signalverarbeitung im Gehirn wieder verstärkt zur Verfügung. Die derzeit gebräuchlichen Wirkstoffe dieser Gruppe sind: Donepezil, Galantamin, Rivastigmin.

Für alle drei Mittel gibt es aus zahlreichen Studienergebnissen Belege für eine Verbesserung der Hirnleistung und der Alltagsfähigkeiten. Die Tabletten können jedoch auch Nebenwirkungen haben. Es können Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auftreten. Solche unerwünschten Effekte sind geringer und seltener, wenn die Behandlung mit einer niedrigeren Medikamentendosis begonnen und diese dann langsam gesteigert wird. Es gibt Hinweise, dass Cholinesterase-Hemmer auch im fortgeschrittenen Stadium der Alzheimer-Demenz wirksam sein können. Eine Weiterbehandlung kann sinnvoll sein.

Memantine

Der Wirkstoff Memantine beeinflusst den Rezeptor des Botenstoffes Glutamat im Gehirn. Mit Memantine lassen sich die Aufmerksamkeit und die alltäglichen Fähigkeiten verbessern – insbesondere bei fortgeschrittener Demenz. Die Tabletten sollten zu Beginn eher niedrig dosiert und die Dosis dann gesteigert werden. Nebenwirkungen von Memantine können unter anderem sein: Schwindel, innere und körperliche Unruhe und Übererregbarkeit. Allgemein zeigt Memantine weniger Nebenwirkungen als die Acetylcholinesterase-Hemmer. Memantine ist im mittleren und späten Stadium wirksam. Die Wirkung von Memantine ist im frühen Stadium der Alzheimer-Demenz nicht nachgewiesen.

Primäre und sekundäre Demenz

Demenz-Erkrankungen werden in primäre und sekundäre Formen eingeteilt. Bei bis zu zehn Prozent aller Krankheitsfälle handelt es sich um sekundäre Demenzen. Darunter versteht man solche, die sich zum Beispiel als Folge von Medikamentenwirkungen, Stoffwechselerkrankungen, Vitaminmangelzuständen oder Depressionen entwickeln. Auch Hirntumore oder Veränderungen, die zu Druckerhöhungen im Gehirn führen – wie Abflussstörungen der Hirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) – können Symptome einer Demenz hervorrufen. Gelingt eine erfolgreiche Therapie der Grundkrankheit, können sich die Demenzsymptome teilweise oder ganz zurückbilden.

Primäre Demenzen gehen dagegen direkt von zugrunde gehendem Gewebe im Gehirn aus. Die primären Demenzen sind bisher nicht heilbar. Morbus Alzheimer ist die häufigste Form der primären Demenzen, gefolgt von den gefäßbedingten (vaskulären) Formen und der Misch-Demenz (Alzheimer plus vaskuläre Demenz). Weitere primäre Demenzen sind die frontotemporale Demenz (Pick´sche Atrophie), die Lewy-Körper-Erkrankung und die Parkinson-Demenz.

Alzheimer ist die häufigste Demenz

Zirka 1,5 Millionen Menschen leiden heute in Deutschland an einer Demenz. Zirka zwei Drittel der Betroffenen sind an Alzheimer erkrankt. Bei etwa 200.000 Demenz-Patienten sind Durchblutungsstörungen (vaskuläre Demenz) schuld, dass die Gehirnfunktionen langfristig und anhaltend geschädigt werden. Die restlichen Demenz-Kranken leiden an Mischformen oder selteneren Demenzen.

Eine Alzheimer-Demenz darf keineswegs mit vermeintlich normalen Alterserscheinungen verwechselt werden. Sie ist aber ein Leiden, das typischerweise vornehmlich im Lebensalter über 65 Jahre auftritt. Etwa ein Prozent der über 65-Jährigen sind von der Alzheimer Krankheit betroffen, bei den über 80-Jährigen sind es etwa 20 Prozent und bei über 90-jährigen Menschen ist es fast jeder Zweite.

Frau Professorin Dr. med. Christine von Arnim ist Fachärztin für Neurologie. Sie trägt die Zusatzbezeichnungen "Klinische Geriatrie" und "Palliativmedizin". Sie hat ihre klinische und wissenschaftliche Ausbildung in Freiburg, Mannheim, Harvard und Ulm erhalten und 2006 in Ulm habilitiert. Frau von Arnim leitet die Gedächtnissprechstunde an der Universitätsklinik Ulm und ist Oberärztin an der dortigen Klinik für Neurologie. Die Expertin beschäftigt sich seit Jahren wissenschaftlich mit der Alzheimer-Krankheit.

Quellen:

- Patienteninformationen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft

- S3-Leitlinie "Demenzen" der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde

- Mattle, Mumenthaler: Neurologie, Thieme Verlag, 13. Auflage

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