Grauer Star (Linsentrübung, Katarakt): Überblick

Als grauer Star (Katarakt) werden Linsentrübungen bezeichnet, die das Sehen beeinträchtigen. Ab 60 Jahren nehmen sie stetig zu. Grauer Star lässt sich aber immer besser und individueller behandeln

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aktualisiert am 27.11.2017

Grauer Star – kurz zusammengefasst

  • Beim grauen Star (Katarakt) trübt sich die ursprünglich klare Augenlinse. Das behindert das Sehen zunehmend. Je nach Lage der Trübung ist mehr das Sehen in der Nähe (Lesen) oder das Sehen in der Ferne betroffen.
  • Die häufigste Form ist der Altersstar, der ab 60 Jahren auftritt. Alle anderen Starformen können in allen Altersgruppen vorkommen, auch bei Jugendlichen, Kindern, sogar Neugeborenen.
  • Meist erkranken – teilweise auch zeitversetzt – beide Augen.
  • Hauptsymptome sind verschwommenes Sehen und zunehmende Blendempfindlichkeit.
  • Einzige Therapie ist die Operation. Indem die getrübte Linse durch eine Kunstlinse ersetzt wird, lässt sich das Sehvermögen meist wieder deutlich verbessern – Brillenfreiheit nach dem Eingriff ist unter bestimmten Voraussetzungen ein nahezu realistisches Szenario geworden.

Grauer Star: Was sind die Ursachen?

Warum genau es zu einem Altersstar kommt, ist noch unklar. Neben erblicher Veranlagung gibt es verschiedene Risikofaktoren, zum Beispiel Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes (siehe Kapitel "Grauer Star: Ursachen, Risikofaktoren"). Letztlich verändern sich Struktureiweiße der Augenlinse und es kommt zu einer Verdichtung der Linsenzellen. Die Linse verliert zunehmend an Elastizität und trübt sich ein. Normalerweise glasklar, sorgt sie für scharfen Blick. Eine getrübte Linse verschleiert ihn.

Denn das einfallende Licht kann die Linse nicht mehr ungehindert durchdringen und wird außerdem gestreut. Somit entstehen auf der Netzhaut keine scharfen Bilder mehr und man wird zunehmend blendempfindlich. In manchen Fällen werden auch Farben verändert wahrgenommen.

Die Linsentrübung verläuft normalerweise sehr langsam, über Jahre und Jahrzehnte. Im hohen Alter ist sie gewissermaßen physiologisch und findet sich im Grunde bei jedem. "Grauer Star" beschreibt eigentlich das Stadium, in der die Trübung den Alltag behindert und daher operationsbedürftig geworden ist.

Woher kommt die Bezeichnung grauer Star?

Mit dem bekannten Singvogel hat der Name absolut nichts zu tun. Vielmehr leitet er sich von dem starren Blick ab, den Patienten früher – nicht behandelt und daher erblindet – hatten. Zudem zeigte sich bei ihnen die Pupille aufgrund des sehr reifen Stars grau. Eine alternative Bezeichnung ist die "Katarakt", die sich aus dem Griechischen ableitet und "Wasserfall" bedeutet. Diese Beschreibung bezieht sich auf die weiße Färbung einer sehr fortgeschrittenen Linsentrübung, die in der Pupille des Auges erkennbar ist und an die weiße Gischt eines Wasserfalls erinnert.

Symptome des grauen Stars

Betroffene sehen wie durch einen leichten Schleier. Der Seheindruck ist unscharf, kontrastarm, weniger farbig. Auch kommt es oft zu erhöhter Blendempfindlichkeit, Doppelbilder sind ebenfalls möglich. Mit der Zeit nimmt das "Nebelsehen" weiter zu. Im fortgeschrittenen Stadium kann ein grauer Star das Sehen erheblich beeinträchtigen (mehr dazu im Kapitel "Grauer Star: Symptome"). Bei manchen Formen des grauen Stars verändern sich die Werte der Brillengläser sehr rasch. Die Betroffenen werden kurzsichtig und können – zumindest für einen kurzen Zeitraum – plötzlich auch ohne Brille wieder lesen.

Grauer Star: Diagnose

Am Anfang jeder augenärztlichen Untersuchung steht die Prüfung der Sehschärfe. Sodann erfolgt die Untersuchung der Augen an der Spaltlampe (sogenanntes Spaltlampenmikroskop). In der Regel wird auch die Pupille erweitert, um die gesamte Augenlinse und auch die Netzhaut vollständig untersuchen zu können. Bei Bedarf schließen sich weitere Maßnahmen an. Darüber informiert das Kapitel "Grauer Star: Diagnose".
Tipp: Gehen Sie ab 40 Jahren etwa alle zwei Jahre zum Augenarzt, um ernsthafte Augenkrankheiten, darunter auch grüner Star (Glaukom), frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Therapie des grauen Stars

Bei beginnendem Altersstar kann zunächst versucht werden, die Brechungsunregelmäßigkeiten der Augenlinse mit passenden Brillengläsern auszugleichen. Eine Therapie mit Medikamenten gibt es nicht.

Die einzige effektive Behandlungsmöglichkeit ist die Operation, da nur sie das Sehvermögen wiederherstellen kann. Der Eingriff ist mit 800.000 Eingriffen pro Jahr nicht nur die häufigste Augenoperation, sondern zählt zu den häufigsten Operationen hierzulande überhaupt.

Dabei wird die getrübte Linse entfernt und eine Kunstlinse eingesetzt. Der Eingriff lässt sich meist in örtlicher Betäubung durchführen (mehr zu den Operationsverfahren im Kapitel "Grauer Star: Therapie").

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Grauer Star: Zwei Hauptgruppen, viele Auslöser

Linsentrübungen bis hin zum grauen Star sind vielfältiger Art. Sie lassen sich in zwei Gruppen zusammenfassen:

  • Erworbener grauer Star (auch erbliche Formen)

     - Altersstar (Veranlagung und unbekannte Faktoren)
     - Grauer Star als Begleitkrankheit bei erblichen Erkrankungen wie zum Beispiel Neurodermitis oder Morbus Wilson
     - Grauer Star, der zusammen mit weiteren angeborenen, ererbten Fehlbildungen der Augen und / oder anderer Organe auftritt (sogenannte erbliche Syndrome, der graue Star kann hier erst im Kindesalter auftreten)
    - "Myotoniestar": Myotone Dystrophie (auch Curschmann-Steinert-Batten-Syndrom) ist eine erbliche Muskelerkrankung, die zu fortschreitender Muskelschwäche führt. Zudem kann sich im Laufe der Zeit ein grauer Star entwickeln, außerdem können Herzrhythmusstörungen und psychische Veränderungen auftreten
    - Strahlen
    (etwa UV-Licht, Blitzschlag)
    -
    Rauchen und ausgeprägter Alkoholkonsum
    - Verletzungen des Auges
    , andere Augenerkrankungen wie das Glaukom (grüner Star) oder Fehlsichtigkeit wie starke Kurzsichtigkeit
    -
    Stoffwechselstörungen, zum Beispiel Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit: Diabetes mellitus Typ 1, Diabetes mellitus Typ 2), Dialyse (Stoffwechselstörungen infolge Blutwäsche), Kalziummangel mit sogenannter Tetanie
    -
    Nährstoffmangel: Mangel an lebenswichtigen (essenziellen) Nährstoffen und Salzen, etwa bei schwerer Unterernährung oder Durchfallerkrankungen (gilt vor allem für Entwicklungsländer)
    - Medikamente
    , beispielsweise Kortison
    -
    Augenoperation: Auch nach einem Eingriff am Auge kann sich unter Umständen ein grauer Star entwickeln.

     

  • Angeborene (konnatale) Formen des grauen Stars (erworben, erblich)

     - Grauer Star beim Neugeborenen durch Schädigungen in der Schwangerschaft, beispielsweise infolge einer Röteln- oder Mumps-Infektion oder auch Alkoholkonsum der Mutter.
    - Erbliche Syndrome und Krankheiten, zum Beispiel Alport-Syndrom oder Stoffwechselstörungen wie Galaktosämie (erblicher Enzymmangel; siehe ebenfalls weiter unten) mit grauem Star des Neugeborenen

Mehr zu den Ursachen des grauen Stars

- Veranlagung: Sie führt zur häufigsten Form des grauen Stars, dem Altersstar.

- Angeborener grauer Star: Die Form des grauen Stars betrifft weniger als ein Prozent der Neugeborenen. Man muss hier unterscheiden zwischen erblichen Faktoren und erworbenen Schädigungen in der Schwangerschaft (siehe oben).

Der Korrekturbedarf durch einen frühzeitigen Eingriff hängt vom Ausmaß der Linsentrübung ab und der Frage ob beide oder nur ein Auge betroffen sind.

Babys mit bestimmten erblichen Syndromen haben neben einer Linsentrübung mitunter noch weitere angeborene Fehlbidungen, die operiert werden müssen. Die Operation der Augen ist bei deutlicher Katarakt unerlässlich, um einer Schwachsichtigkeit (Amblyopie) vorzubeugen. Diese würde sich zwangsläufig entwickeln, weil das Gehirn durch das unscharfe oder fehlende Netzhautbild das Sehen nicht "lernen" kann.

Bei anderen Babys können die Linsentrübungen dagegen so geringfügig sein, dass die Kleinen sich meistens normal entwickeln.

Die Diagnose einer Galaktosämie wird beim Neugeborenenscreening gestellt. Einen weiterführenden Beitrag dazu finden Sie auf unserem Partnerportal "www.baby-und-familie.de" ("Neugeborenenscreening: Das wird getestet"). Nach Behandlung mit einer speziellen Diät, die zeitlebens sein muss, können sich die in den ersten Lebenstagen und -wochen bereits entstehenden Linsentrübungen meist vollständig zurückbilden.

- Grauer Star bei Neurodermitis: Dass es bei einer anlagebedingten Hautkrankheit wie Neurodermitis zu Linsentrübungen kommen kann, hängt mit der Embryonalentwicklung des Menschen im Mutterleib zusammen. Das Linsengewebe stammt aus dem äußeren Keimblatt (Ektoderm), aus dem unter anderem auch Haut und Haare hervorgehen. Daher kann die Krankheit nicht nur die Haut und Kopfhaut, sondern auch die Linse im Auge betreffen.

- Grauer Star bei Kurzsichtigkeit: Menschen mit starker Kurzsichtigkeit haben ein erhöhtes Risiko für verschiedene Augenprobleme. Unter anderem kann sich relativ frühzeitig ein grauer Star bilden.

- Strahlenstar: Auf Strahlen – von UV-Licht über Infrarotlicht bis zu radioaktiver und Röntgen-Strahlung – und andere physikalische Einwirkungen reagiert die Augenlinse sehr empfindlich. Ob auf dem Meer oder hoch auf den Bergen – Segelsportler und Alpinisten etwa müssen ihre Augen stets gut durch eine geeignete Brille schützen, um sich gegen einen grauen Star zu wappnen. In tropischen Ländern trägt die starke Sonneneinstrahlung dazu bei, dass viele Menschen schon im Alter von vierzig bis fünfzig Jahren am grauen Star erkranken.

- Linsentrübungen durch Rauchen und starken Alkoholkonsum: Sowohl Schadstoffe im Rauch als auch Stoffwechselprodukte, die beim Abbau von Alkohol im Körper anfallen, können anhaltend zu Linsentrübungen führen.

- Augenverletzungen wie Prellungen des Augapfels, offene Verletzungen mit oder ohne eingedrungene Fremdkörper, Strom- und Blitzschläge können dem Auge über die unmittelbare Schädigung hinaus auch durch die Entwicklung eines grauen Stars zusetzen.

- Kortisonstar: Eine Behandlung mit Kortison in jeglicher Arzneiform, besonders aber bei langdauernder Einnahme in Form von Tabletten (orale Therapie), kann einen grauen Star auslösen. Unter der Therapie sollten zuverlässig alle drei Monate Kontrollen beim Augenarzt stattfinden (siehe Kapitel "Grauer Star: Diagnose"). Zeichnet sich eine Kataraktentwicklung ab, wird der Arzt prüfen, ob die Behandlung umgestellt werden kann. Nach frühzeitiger Unterbrechung der Therapie kann sich eine beginnende Linsentrübung im Einzelfall wieder zurückbilden. Beenden Sie aber auf keinen Fall eine Kortisonbehandlung in Eigenregie. Darüber entscheidet immer der behandelnde Arzt in Absprache mit dem Augenarzt und dem Patienten.

- Grauer Star bei anderen Augenerkrankungen: Eine Katarakt kann auch bei einem chronischen Glaukom (grüner Star) im fortgeschrittenen Stadium oder nach einem akuten Glaukomanfall auftreten. Bei einer altersbezogenen Makuladegeneration oder bei Netzhautschädigungen infolge von Durchblutungsstörungenkann sich die Linse ebenfalls trüben.

Ein grauer Star kann außerdem im Zusammenhang mit entzündlichen Augenerkrankungen, der Uveitis, entstehen.

- Grauer Star bei Diabetes mellitus: Der "Zuckerstar" – Cataracta diabetica – betrifft in erster Linie Menschen mit Typ-1-Diabetes. Bei dieser Diabetesform zerstört eine Autoimmunentzündung die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse. Der Zeitpunkt fällt meist ins Kindes- und Jugendalter. In der Folge fehlt das zuckerregulierende Hormon. Um den Zucker verwerten zu können, müssen sich die Betroffenen zeitlebens Insulin spritzen. Der Augenarzt kann bei Typ-1-Diabetikern nicht selten plaqueartige Linsentrübungen in der Nähe der Linsenkapsel (sogenannte hintere Schalentrübung oder subkapsuläre Rindentrübung, siehe Kapitel "Grauer Star: Anatomie des Auges" und "Überblick", Abschnitt "Der graue Star und wie er sich zeigt"; zum Klicken) feststellen.

Bei Typ-2-Diabetikern, die anfangs meist "nur" eine Unempfindlichkeit des Gewebes für Insulin haben und erst später einen Insulinmangel, tritt der graue Star häufiger als vorgezogener Altersstar auf. Als Hauptrisikofaktoren für einen Typ-2-Diabetes gelten neben erblicher Veranlagung Übergewicht und Bewegungsmangel.

Und: Stark schwankende Blutzuckerwerte können durch akute Veränderungen der Augenlinse vorübergehend die Sehschärfe beeinträchtigen. Das kann besonders bei Behandlung mit Insulin, bei Typ-2-Diabetikern auch unter bestimmten Blutzuckersenkern, vorkommen.

Um die Veränderungen an der Augenlinse, wie sie beim grauen Star auftreten, besser zu verstehen, ist ein kurzer Blick auf den Bauplan des Auges hilfreich, zumindest auf die vorderen Abschnitte.

Das Auge wird oft mit einer Fotokamera verglichen. Dieser Vergleich hinkt insofern, als das Auge tausendmal mehr kann. Es ist nämlich mit seiner Netzhaut Teil des Gehirns. Immerhin: Die Hornhaut und die Linse sind tatsächlich starke, mithin die stärksten optischen Brechungsmedien des Auges. Die größte Lichtbrechung bewirkt die Hornhaut. Die Linse bündelt die Lichtstrahlen dann im Punkt des scharfen Sehens (Fovea) auf der Netzhaut. So entsteht dort ein scharfes Bild.

Feine Fasern oder Bänder (Zonulafasern) am sogenannten Ziliarkörper (siehe Bild "Aufbau des Auges" und Text weiter unten), der auch einen Muskel enthält, halten die Linse fest. Je nach Zug des Muskels streckt oder wölbt sich die Linse. Dieses Bewegungsspiel heißt Akkomodation und bewirkt, dass bei jungen Menschen das Bild sowohl beim Blick in die Nähe und Ferne scharf gestellt wird. Diese Anpassungsfähigkeit geht im Laufe der Jahre verloren, weshalb wir die Anpassung in die Nähe später mit einer Lesebrille (oder einem Nahteil in der Gleitsicht- oder Bifokalbrille) unterstützen müssen.

Wo liegt die Augenlinse genau?

Der Augapfel lässt sich in zwei Bereiche unterteilen: den vorderen Abschnitt, der die vordere und hintere Augenkammer mit der Augenlinse und der Regenbogenhaut (Iris) enthält, und den hinteren Augenabschnitt. Dieser umfasst den gallertartigen (gelartigen) Glaskörper, die Netzhaut und den Sehnerv.

Die vordere Augenkammer wird von der Hornhautrückfläche und der Irisvorderfläche begrenzt. Die hintere Augenkammer reicht von der Irisrückseite bis zur Vorderseite des Glaskörpers. Die Linse befindet sich in der Hinterkammer des Auges und hat nach vorne Kontakt zum Kammerwasser der vorderen Augenkammer und mit ihrer Rückfläche Kontakt zum Glaskörper des Auges.

Außen in der Hinterkammer sitzt der ringförmige Ziliarkörper, der das Kammerwasser bildet. Dieses ernährt die Linse und spielt bei der zweiten wichtigen Starerkrankung des Auges, dem grünen Star (Glaukom), eine besondere Rolle. Der Ziliarkörper reguliert durch Muskelzug zudem die Wölbung der Linse beim Sehen in der Nähe und in die Ferne und hält sie in der richtigen Stellung.

Die elastische, glasklare Linse des Auges ist mit einem Durchmesser von etwa neun Millimetern im Mittel vier Millimeter dick. Sie besteht aus Eiweißfasern, die sich schalenförmig aneinanderlagern, und viel gebundenem Wasser. Im Laufe des Lebens wird sie größer und büßt an Elastizität ein. In ihrer Mitte befindet sich der Linsenkern. Ihn umgibt die weichere Linsenrinde. Rundherum ist die Linse von einer Hülle, der Kapsel, umgeben. Unter der vorderen Kapsel liegt noch eine spezielle Zellschicht, das Linsenepithel. Es bildet die Eiweißfasern.

Formen des grauen Stars

Mit Blick auf die anatomischen Gegebenheiten der Augenlinse können Trübungen beim grauen Star an verschiedenen Stellen auftreten. Sie zeigen sich insofern als:

  • Rindentrübung
  • Kerntrübung
  • Häufig auch Mischformen, zum Beispiel Rinden- und Kerntrübung
  • Hintere Schalentrübung (subkapsuläre Rindentrübung)

In manchen Fällen kann der Ort der Trübung Hinweis auf die Entstehung geben. So zeigt sich bei einem durch Medikamenteneinnahme (Kortison) entstandenen grauen Star eine hintere Schalentrübung, nach Operationen im Auge oft eine Trübung des Linsenkerns (Bilder dazu im Kapitel "Grauer Star: Überblick"). Trübungen des hinteren Linsenpols zentral in der Linse (siehe Bild der Linse im Kapitel "Grauer Star: Anatomie des Auges") direkt unter der Kapsel sind oft angeboren.

Auch das Aussehen der Trübung kann hinweisgebend sein: Rosettenartige Trübungen entstehen oft als Folge einer stumpfkantigen Gewaltanwendung (stumpfes Trauma).

Die Leitsymptome des grauen Stars wie nachlassendes Sehvermögen und vermehrte Blendempfindlichkeit sind je nach Lage der Trübung unterschiedlich akzentuiert, oder es kommen weitere Beschwerden hinzu. Während ein Rindenstar sich eher langsam entwickelt und zunächst wenig Beschwerden bereitet, da das Zentrum der Linse und damit die optische Achse des Augen frei bleibt, geht das bei der hinteren Schalentrübung vergleichsweise schnell. Weitere Informationen dazu im Kapitel "Grauer Star: Symptome".

Grauer Star: Symptome abhängig von Form und Schweregrad

Schleiersehen, Doppel- oder auch Dreifachbilder, Kontrastverlust, der das Sehen in der Dämmerung oder bei Dunkelheit erschwert, eine "an Farben ärmere Welt", vermehrtes Blendungsempfinden, Lichtschein um Objekte, verringerte Hell-Dunkel-Anpassung, Einschränkung des räumlichen Sehens, Sehverschlechterung in der Nähe, zum Beispiel beim Lesen, aber auch in der Ferne: Das alles sind typische Symptome des grauen Stars.

Was wann überwiegt, hängt vom Stadium der Linsentrübung ab (siehe Kapitel "Grauer Star: Diagnose"), teilweise auch davon, welche Bereiche der Linse betroffen sind (mehr dazu im Kapitel "Grauer Star: Anatomie des Auges").

Grauer Star: Rindentrübung

Der Altersstar beginnt vielfach als sogenannter Rindenstar. Er macht sich vor allem mit verstärkter Blendempfindlichkeit bemerkbar, insbesondere abends, wenn die Pupille des Auges weit ist (Gegenverkehr beim Autofahren!). Sehbehinderungen treten erst auf, wenn die Trübungen zentrale Bereiche der Linse erfassen.

Grauer Star: Kerntrübung

Der Kernstar beeinträchtigt das Sehen in der Ferne. Oft ist er auch mit einer gewissen Kurzsichtigkeit verbunden. Oder er führt dazu, dass jemand, der zuvor weitsichtig war, plötzlich in der Nähe besser sieht, also vorübergehend kurzsichtig wird. Häufig kommen beim Kernstar auch Doppel- oder Mehrfachbilder vor.

Grauer Star: Hintere Schalentrübung (subkapsuläre Rindentrübung)

Bei der hinteren Schalentrübung, einer sehr häufigen Form des Altersstars – sie kommt beispielsweise aber auch bei Diabetes vor –, lässt die Sehschärfe vor allem in der Nähe merklich nach. Da das einfallende Licht diffus gebrochen wird, besteht deutliche Blendempfindlichkeit.

 

Zentral: Die Spaltlampenuntersuchung

Das Spaltlampenmikroskop ist das zentrale Instrument zur Untersuchung der Augen, unter anderem der Linse.

Im Alltag wird das Gerät, das eine sechs- bis vierzigfach vergrößerte Darstellung der vorderen Abschnitte des Auges ermöglicht, vereinfachend meist nur Spaltlampe genannt. Der Patient sitzt bei der Untersuchung vor dem Gerät, Kinn und Stirn werden abgestützt, anschließend bringt der Augenarzt die Geräteoptik in Position.

Der vordere Augenabschnitt

Bindehaut, Hornhaut, Lederhaut, die Regenbogenhaut und die Linse bilden den vorderen Augenabschnitt. Die Hornhaut ist eine transparente Schicht, die das einfallende Licht wie eine starre Linse bricht. Sie ist der – in jungen Jahren sehr elastischen – Augenlinse vorgeschaltet (siehe auch Kapitel "Grauer Star: Anatomie des Auges").

Störungen des Sehens können unter anderem schon in der Hornhaut ihren Ursprung haben, etwa in unregelmäßigen Krümmungen der Hornhautoberfläche wie bei Stabsichtigkeit (Astigmatismus; einen Selbst-Test finden Sie im nachfolgenden Link) oder anderen Veränderungen. Die Hornhaut und ihre Rückfläche nebst Vorderkammer des Auges (was das ist, steht ebenfalls im Kapitel "Grauer Star: Anatomie des Auges") kann der Augenarzt bei der Untersuchung mit der Spaltlampe hervorragend "durchleuchten".

So kann der graue Star aussehen

An der Spaltlampe erkennt der Augenarzt auch die einzelnen Schichten der Augenlinse und beginnende Trübungsmuster meist gut. In fortgeschrittenen Stadien verschwimmen diese Muster oft, weil die Trübungen die Grenzen der Linsenzonen überschreiten.

Ein Rindenstar ist durch feine speichen- und keilförmige Trübungen (Foto: graue Flecken) und spaltenförmige Wassereinlagerungen gekennzeichnet.

Bei einem Kernstar trübt sich das Innere der Augenlinse.

Häufig trüben sich Kern und Rinde der Augenlinse.

Eine hintere Schalentrübung zeigt sich anhand einer schalenförmigen Verdichtung unterhalb der hinteren Linsenkapsel (zum Beispiel Kortisonstar).

Stadien des grauen Stars

Ärzte teilen den grauen Star in vier Stadien ein. Ein fortgeschrittener grauer Star wird – heute muss man angesichts unserer guten medizinischen Versorgung sagen: würde – beim Blick auf die Pupille als graue Trübung sichtbar. Beim Totalstar, der die gesamte Linse erfasst (erfassen würde), ist (wäre) das Auge erblindet.

  • Beginnende Linsentrübung (Cataracta incipiens): Die Sehschärfe ist hier meist noch recht gut, daher ist auch noch keine Operation nötig.
  • Fortgeschrittene Linsentrübung (Cataracta provecta): In diesem Stadium empfehlen Ärzte oft eine Operation.
  • Reifer grauer Star (Cataracta matura, Totalstar): Die Linse ist komplett getrübt, klare Operationsindikation.
  • Überreifer grauer Star mit Aufquellung der Linse (Cataracta intumescens): Die getrübte Linse vergrößert sich durch Aufquellung und Verflüssigung zunehmend. Hier muss umgehend operiert werden, weil sonst die Gefahr eines grünen Stars (Glaukom, hier als Folge- oder Sekundärglaukom mit hohem Augeninnendruck) besteht.

Ebenfalls bei der augenärztlichen Untersuchung im Visier: Der hintere Augenabschnitt

Bei der Untersuchung an der Spaltlampe (siehe eingangs in diesem Kapitel) kann der Augenarzt auch den Glaskörper und die Netzhaut am Augenhintergrund mit wichtigen Strukturen wie Blutgefäße, Sehnerv, Makula und Fovea – die Stelle des schärfsten Sehens – überprüfen. Zur Beurteilung dieses hinteren Augenabschnitts werden die Pupillen mittels spezieller Augentropfen erweitert. Die Wirkung setzt nach etwa einer Viertelstunde ein, hält aber noch einige Stunden nach der Untersuchung an. So lange gilt der Patient als nicht fahrtüchtig. Auch bei der vollumfänglichen Untersuchung der (im vorderen Augenabschnitt) liegenden Augenlinse kann die medikamentöse Pupillenerweiterung notwendig sein. Bei einer Voruntersuchung zur Operation eines grauen Stars muss die Netzhaut in jedem Fall bei weiter Pupille untersucht werden.

Die an der Spaltlampe erhobenen Befunde lassen sich als Fotos oder Film dokumentieren.

Ergänzende Untersuchungen

Um die Hornhaut (siehe oben: "Der vordere Augenabschnitt") eingehender zu beurteilen, gibt es noch weitere, spezielle Untersuchungen: etwa eine computergestützte Abbildung der Hornhautoberfläche und Rückfläche (Pentacam), ferner eine Messung der Hornhautdicke (Pachymetrie). Die Untersuchung der Hornhaut ist wichtig, um unregelmäßige Krümmungen der Hornhaut zu erkennen (Astigmatismus), die eventuell mit Sonderlinsen (torische Linsen) im Rahmen der Operation eines grauen Stars ausgeglichen werden können (Mehr dazu im Kapitel "Grauer Star: Therapie").

Auch die Ermittlung der sogenannten Endothelzelldichte kann relevant sein, besonders wenn angeborene Hornhauterkrankungen vorliegen. Das Endothel liegt an der Hornhautrückfläche. Diese Zellschicht spielt eine wichtige Rolle bei der Ernährung der Hornhaut und der Aufrechterhaltung ihrer Transparenz.

Falls wegen einer ausgeprägten Linsentrübung die Untersuchung des Augenhintergrundes nicht möglich ist, kann eine Ultraschalluntersuchung bestimmte Erkrankungen in dem Bereich, beispielsweise eine Netzhautablösung oder Tumore im Augeninneren, erkennen helfen. Denn bei der Therapie der Katarakt – der Staroperation – muss der Augenarzt zusätzliche Augenprobleme mitberücksichtigen.

Mithilfe eines Retinometers kann der Augenarzt bei einem Patienten, der eine Linsen- oder Hornhauttrübung hat, zudem die Sehschärfe beziehungsweise das Auflösungsvermögen der Netzhaut beurteilen. So lässt sich beispielsweise abschätzen, ob sich die Sehkraft durch die Operation bessern kann.

Bei bekannten Erkrankungen der Netzhautmitte wie altersbezogene Makuladegeneration oder diabetisches Makulaödem oder zum Ausschluss relevanter Makulaveränderungen wird der Augenarzt eventuell eine Untersuchung mit einem OCT-Gerät (optische Kohärenztomografie) vornehmen. Bei diesen Erkrankungen muss vor einer Operation des grauen Stars eventuell eine besondere medikamentöse Vorbehandlung erfolgen.

OCT - Optische Kohärenztomografie: Was ist das?

Die OCT ist ein optisches Messverfahren mithilfe von Laserlicht. Es ist nicht eingreifend und arbeitet berührungsfrei. Der Lichtstrahl tastet das Zielgewebe ab und wird unterschiedlich stark reflektiert. So entstehen "Schnittbilder" in hoher Auflösung, die es erlauben, die Dicke des untersuchten Gewebes zu vermessen und die Schichtung der Netzhaut genau darzustellen. So können die Nervenfaserschicht der Netzhaut, Flüssigkeitsansammlungen (Ödeme) in oder unter der Netzhaut oder auch degenerative Veränderungen genau vermessen und dokumentiert werden. 

Sehtest (Sehschärfenprüfung)

Anhand eines Sehtests oder einer Sehschärfenmessung kann der Augenarzt das Auflösungsvermögen des Auges bestimmen. Dazu benutzt er einen Sehzeichenprojektor oder Sehtafeln. Bei einer Linsentrübung ist die Sehschärfe mehr oder weniger herabgesetzt, anfangs vor allem beim Sehen in der Nähe. Fehlsichtigkeiten wie Weitsichtigkeit, Kurzsichtigkeit oder Astigmatismus werden mit einem speziellen Messgerät erfasst (Refraktokeratometer).

Gesichtsfelduntersuchung (Perimetrie)

Jedes Auge hat sein Gesichtsfeld. Das ist der Bereich, den man bei ruhiger, geradeaus gerichteter Stellung des Auges sieht, ohne den Blick zu ändern. Das Gesichtsfeld untersucht der Augenarzt bei jedem Auge einzeln. Heute erfolgt diese auch Perimetrie genannte Untersuchung computergesteuert.

Staroperation: Routine und meistens ambulant

Das operative Vorgehen beim grauen Star lässt sich auf einen kurzen Nenner bringen: Die trübe Linse wird durch eine Kunstlinse (Intraokularlinse = IOL, meist aus Acryl oder Silikon) ersetzt. Dabei genügt in der Regel eine örtliche Betäubung. Der Ersatz der entfernten natürlichen getrübten Linse ist notwendig, um den entstandenen Verlust an Brechkraft auszugleichen und nach dem Eingriff wieder eine gute Sehschärfe zu erreichen.

Der Eingriff wird heute meist ambulant durchgeführt, vorausgesetzt, der/die Betroffene ist gesundheitlich stabil, nicht auf sich alleine gestellt, und eine engmaschige augenärztliche Betreuung nach dem Eingriff ist gewährleistet.

Oft individuelle Zeitplanung des Eingriffs

Wenn ausschließlich ein grauer Star zur Debatte steht, entscheidet in erster Linie der Patient in Absprache mit seinem Augenarzt über den passenden Zeitpunkt der Operation.

Ausschlaggebend ist, wie stark die Trübungen und die damit verbundene Abnahme der Sehschärfe den Alltag beeinflussenden: Der Außendienstmitarbeiter, der beruflich auf das Auto angewiesen ist, die Großmutter, die täglich etliche Kilometer zu den Enkeln, die sie betreut, zurücklegen muss, jemand, der viel am Computer schreibt, täglich meterhohe Aktenberge abarbeitet oder Präzisionsarbeit leistet – sie alle werden sich sicherlich früher operieren lassen als Menschen, die ihren Alltag frei bestimmen und den Blick sozusagen mehr aufs Ganze als aufs Detail richten können.

Da die Trübung der Linse und die Abnahme der Sehschärfe meist langsam voranschreiten, nehmen manche Betroffene dies subjektiv nicht als störend wahr und sind oft überrascht, wenn ihnen der Augenarzt eröffnet, wie stark die Sehleistung abgesunken ist. Dies könnte zum Beispiel die Fahrtauglichkeit beeinflussen.

Die Operation des grauen Stars ist ein Leben lang möglich

Ein "Hauch von Schleier" ist eigentlich noch kein Anlass, um sich operieren zu lassen. Ebenso ist aber auch hohes Alter kein Grund, sich nicht (mehr) operieren zu lassen. Ärzte haben mit diesem häufigsten Eingriff in Deutschland – jährlich über 800 000-mal – sehr viel Erfahrung. Auch weltweit steht er an erster Stelle aller Operationen. Er ist ein Leben lang möglich. Bei 90 bis 95 Prozent der Betroffenen bessert sich das Sehvermögen nach dem Eingriff deutlich, insbesondere dann, wenn das Auge nicht anderweitig erkrankt ist.

So verläuft die Operation beim grauen Star

Operiert wird zunächst ein Auge, vorzugsweise das stärker betroffene. Das zweite folgt nach Plan (siehe unten). Vor dem Eingriff wird das Auge mit Tropfen oder einer Injektion eines Lokalanästhetikums neben das Auge örtlich betäubt (Tropfanästhesie oder Einspritzen eines örtlichen Betäubungsmittels).

1. Schritt:

Der Zugang (Tunnelschnitt) zur Augenlinse ist meist nicht größer als zwei bis drei Millimeter. Da die Schnitte heute sehr klein sind, müssen sie nicht einmal vernäht werden.

2. Schritt:

Der Arzt verflüssigt nach Eröffnen der Linsenkapsel Kern und Rinde der Linse mit Ultraschall (Phakoemulsifikation) und saugt das Material ab.

3. Schritt:

Die seitliche und hintere Linsenkapsel wird belassen und die eingerollte Kunstlinse anschließend durch den Tunnelschnitt in den Kapselsack eingeschoben, wo sie sich dann zur vollen Größe entfalten kann. Feine Haltbügel verankern und zentrieren die Kunstlinse im verbliebenen Kapseloval (Hinterkammerlinse). Seltener legt der Operateur den Schnitt etwas größer an, um eine nicht faltbare Linse unterzubringen.

Im Ausnahmefall, zum Beispiel bei Verlust oder Beschädigung der Linsenkapsel, kann die Kunstlinse (als Hinterkammerlinse) auch hinter der Pupille eingepflanzt und festgenäht oder vor der Pupille platziert werden, zum Beispiel nach früherer Staroperation, wenn kein Kapselbett mehr vorhanden ist (Vorderkammerlinse). Außerdem lassen sich Kunstlinsen noch in der Regenbogenhaut verankern (sogenannte irisfixierte Linsen), wenn der Kapselsack fehlt.

Nachbehandlung

Das operierte Auge wird bis zum nächsten Morgen mit einem Salbenverband abgedeckt. Schon kurze Zeit nach dem Eingriff darf der Betroffene sich nach Hause begeben, selbstverständlich nicht selbst am Steuer.

Falls der Patient stationär in einer Augenklinik behandelt wird, so kann er diese meist am zweiten oder dritten Tag wieder verlassen.

Drei bis vier Wochen lang sind antibiotische und entzündungshemmende Augentropfen anzuwenden – streng nach Vorschrift. Der Augenarzt kontrolliert das Auge regelmäßig in kurzen Abständen, nach Gabe entzündungshemmender, kortisonhaltiger Augentropfen auch den Augeninnendruck.

Die Heilung dauert ungefähr vier Wochen. Schon am Tag nach der OP ist die Sicht klarer. Allerdings gilt: Bestehen bei den meist älteren Patienten andere Augenerkrankungen (wie zum Beispiel Erkrankungen der Makula), kann das Ergebnis der Operation manchmal beeinflusst werden und die Sehschärfe nicht ganz den Erwartungen des oder der Patienten/in entsprechen. Deshalb sind eine genaue Untersuchung der Augen und eine gründliche Aufklärung vor der Operation so wichtig. War die Operation etwas schwieriger, etwa wenn das Linsenmaterial schon sehr hart war, kann die Stabilisierungsphase nach der Operation etwas verlängert sein. Noch einmal sei betont, wie wichtig es auch ist, den verordneten Tropfenplan unbedingt einzuhalten.

Wann wird das zweite Auge operiert?

Bei normaler Heilungstendenz – insgesamt dauert die Heilung etwa vier Wochen – kann das zweite Auge bereits einige Tage später in Angriff genommen werden, besonders wenn ausgeprägte Fehlsichtigkeiten wie eine hohe Kurzsichtigkeit vorliegen und beide Augen schnell aneinander angeglichen werden sollen. Oft wird aber einen Monat gewartet beziehungsweise so lange, bis das zuerst operierte Auge reizlos ist.

Falls nach der Staroperation Brillengläser angepasst werden müssen, wird der Augenarzt das erst dann tun, wenn sich das Sehen und die ermittelten Brillenwerte stabilisiert haben und beide Augen gut zusammenarbeiten (nach dem zweiten Auge sind nochmals etwa vier Wochen zu veranschlagen).

Grauer Star: Operation mit dem Femtosekundenlaser

Mit dem Femtosekundenlaser können sehr präzise Hornhautschnitte vorgenommen werden. Das dabei verwendete Infrarot-Laserlicht breitet sich extrem schnell aus, in Billiardstel (10-15) Sekunden.

So lassen sich die in der Regel drei Hornhautöffnungen, die am Anfang jeder Kataraktoperation stehen, ohne Einsatz eines Messers anlegen. Die Gewebeschichten werden durch die entstehenden Wasser- und Luftbläschen getrennt, während das umliegende Gewebe geschont wird.

Nach Eröffnung der Linsenkapsel und "Aufweichung" des Linsenkerns durch den Femtosekundenlaser kann der Operateur wie bei der üblichen Technik das Linsenmaterial mit Phakoemulsifikation (siehe oben) weiter verflüssigen und manuell absaugen. Anschließend legt er die künstliche Linse ein. Vor dem Laser-Eingriff wird das Auge genau mittels integrierter OTC (zu OTC siehe Kapitel "Grauer Star: Diagnose") vermessen. 

Der Stellenwert der Femtosekundenlaser-Kataraktoperation wird sich in der Zukunft weisen.

Kleines Kunstlinsen-ABC

Die Entscheidung, welche Art von Kunstlinse (Intraokularlinse, IOL) am besten geeignet ist, trifft der Augenarzt nach gründlichen Voruntersuchungen. Insbesondere wird dabei das Auge vermessen und der Brechwert für die neue Linse ermittelt. In einem Gespräch mit dem/der Patienten/in werden die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen erfragt.

Die Kunstlinsenstärke und das Linsendesign können so ausgewählt werden, dass man nach dem Eingriff in der Nähe, auf mittlere Distanz, in der Ferne oder fast überall scharf sieht. Das ermöglichen Ein- und Mehrstärkenlinsen (Monofokal- oder Multifokallinsen, auch Trifokallinsen).

Bei Monofokallinsen muss die jeweils fehlende Akkomodationsleistung durch eine Brille ausgeglichen werden. Denn die Kunstlinse ist nur auf einen Entfernungsbereich ausgelegt und daher leider nicht in der Lage, das Auge auf die Nähe und Ferne scharf einzustellen.

Bei Multifokallinsen, die teurer sind und oft selbst bezahlt werden müssen, aber keineswegs immer infrage kommen, wird man weitgehend unabhängig von der Brille. Allerdings gibt es bei manchen Modellen von Multifokallinsen auch Nachteile, etwa Wahrnehmen von Doppelkonturen oder Lichtringen.

Die individuellen Korrekturmöglichkeiten sind schier unbegrenzt, sodass es inzwischen eine Vielzahl von Modellen gibt, die jeweils ihre Vorteile haben: Torische Linsen werden zum Ausgleich von Hornhautverkrümmungen angeboten. Einen UV-Filter enthalten alle IOL heute standardmäßig. Spezielle Blaulichtfilter können einen Teil des sichtbaren Lichtes blockieren (Blaulicht wird eine Mitschuld an der Entstehung der tückischen Makuladegeneration gegeben). Trifokallinsen haben einen Brennpunkt auch im mittleren Sichtbereich, wie wir ihn zum Beispiel beim Arbeiten am Bildschirm benötigen.

Es besteht auch die Möglichkeit, beide Augen mit unterschiedlichen Linsentypen zu versorgen: Je nach Ausgangslage rechts zum Beispiel für bessere Mittel- und Fernsicht, links für die Nahsicht (Monovision). Nachteil dieser Methode ist das dabei eingeschränkte beidäugige Sehen (Stereovision).

Asphärische Linsen können auch die Blendungsempfindlichkeit reduzieren und für ein besseres Kontrast- und Farbensehen sorgen.

Sehhilfe nach der Staroperation immer nötig?

Vor der Operation bespricht der Augenarzt mit dem Patienten immer dessen individuelle Anforderungen und Bedürfnisse beim Sehen: Fernsicht ohne Brille (dafür Lesebrille nötig), Lesen ohne Brille (dafür aber Fernbrille nötig), eine sogenannte "Alltagsmyopie" mit wenigen Dioptrien (zum Beispiel -1.0), die einem eine Brillenunabhängigkeit im Alltag erlaubt, aber zum Autofahren oder im Kino/Konzert eine Fernbrille (eventuell mit Nahzusatz) erfordert, die zuvor bereits erwähnte Monovision oder Fern- und Nahsicht zumindest im Alltag ohne Brille durch den Einsatz von Multifokallinsen: Alle diese Optionen sind möglich und haben ihre Vor- und Nachteile (siehe oben).

Um diese Ziele zu erreichen, muss das Auge vor der Operation genau vermessen werden. Die erforderliche Linsenstärke wird dann mit komplizierten Formeln berechnet. Man muss verstehen, dass ein Auge biologisches Gewebe ist und der Messgenauigkeit dadurch Grenzen gesetzt sind. Leichte Abweichungen von den besprochenen Zielwerten sind daher immer möglich. In der Regel ist eine Abweichung bei normalen Augen von 0.5 Dioptrien zu tolerieren. Brillenfreiheit kann daher auch nicht hundertprozentig garantiert werden. Die Größe der Abweichungen nimmt bei sehr kleinen Augen (Weitsichtigkeit) oder sehr großen Augen (Kurzsichtigkeit) zu. Um die Genauigkeit der Berechnung von Kunstlinsen weiter zu verbessern, werden die Messtechniken stetig weiterentwickelt.

Unklare Kassenlage

Wegen in Deutschland nicht flächendeckend gesicherter Kostenübernahme durch die Krankenkassen von Sonder- oder Speziallinsen, die über dem Standard liegen, können in solchen Fällen leicht die Kosten für den gesamten Eingriff auf den Patienten zurückfallen. Daher unbedingt vorher die finanziellen Voraussetzungen mit dem Arzt und der Kasse abklären! Manche Kassen übernehmen bei Sonderlinsen den Anteil, den sie ohnehin für die Standardlinse erstatten müssten.

Kann eine eingepflanzte Kunstlinse auch wieder ausgetauscht werden?

Kunstlinsen halten normalerweise ein Leben lang. In seltenen Fällen ist ein Austausch sinnvoll oder notwendig. Dies kann der Fall sein bei einem unbefriedigenden Brillenwert nach der Operation (Refraktion), wenn also zum Beispiel das Ziel "Ferne ohne Brille" nicht erreicht wurde. In sehr seltenen Fällen kann es Probleme mit dem Linsenmaterial geben und die Linse eintrüben, was das Sehen wieder verschlechtert. 

Was kann schiefgehen?

Die Staroperation ist einer der sichersten Eingriffe überhaupt. Dennoch sind Komplikationen nicht ausgeschlossen. Aber sie sind selten. Infektionen des Auges beispielsweise kommen heute nur noch vereinzelt vor und können mit Medikamenten aufgefangen werden. Es sind Blutungen möglich, die Linsenkapsel kann einreißen, der Glaskörper vorfallen (in die vordere Augenkammer rutschen) und die Netzhaut quasi mitziehen, sodass sie sich ablöst. Das Risiko einer Netzhautschwellung und -ablösung ist nach dem Eingriff heute erfreulicherweise eher gering. Auch die Hornhaut kann einen Schaden davontragen, was bedeutet, dass sie sich eintrübt.

Wenn eine Begleiterkrankung am Auge vorliegt, zum Beispiel ein Glaukom (grüner Star), oder wenn ein solches schon einmal operiert wurde, ist das Komplikationsrisiko von vornherein größer. Ein Glaukom kann sich aber auch geringfügig für einige Zeit bessern, wenn ein erhöhter Augeninnendruck nach dem Eingriff etwas sinkt. 

Bei Patienten mit einem grünen Star können heute im Rahmen der Operation des grauen Stars sehr kleine Implantate zur Verbesserung des Abflusses des Kammerwassers eingepflanzt werden, was in vielen Fällen den Augeninnendruck nachhaltig senken kann.

Nicht immer vermeidbar: Der Nachstar

Wenn sich die im Auge verbliebene hintere Kapsel eintrübt, kann es nach Monaten oder Jahren wieder zu einer allmählichen Sehverschlechterung kommen. Es hat sich dann ein Nachstar gebildet. In der Regel lässt sich dies mit einem kleinen Lasereingriff (Nd:YAG-Laser) komplikationslos und für immer beseitigen. Dabei wird die Kapsel zentral zielgenau eröffnet, sodass das einfallende Licht wieder durchtreten kann. Nach einer solchen Laserbehandlung muss der Augeninnendruck kontrolliert werden.

Den Scharfblick bewahren

Wenn Sie die folgenden Vorbeuge-Tipps beherzigen, wird Ihr Augenlicht – und das Ihrer Kinder – es Ihnen danken:

  • Lichtschutz ist das A & O:
    Nie ohne Brille mit UV-Schutz in die Sonne. Dies gilt von Kindesbeinen an. Aufenthalte in Extremlagen, zum Beispiel Gletscher, nur mit Spezialbrille.
  • Gesund leben inklusive Rauchverzicht und Zurückhaltung beim Alkohol hält auch die Augen fit.
  • Die Augen können schmerzlos und zunächst ohne Sehstörung erkranken: Also regelmäßig vom Augenarzt kontrollieren lassen!
  • Bei geplanter Schwangerschaft vorher den Impfschutz überprüfen und gegebenenfalls vervollständigen, um Infektionskrankheiten zu vermeiden, die beim Kind zu einer Schädigung der Augen führen könnten.

So optimieren Sie das Ergebnis der Star-Operation

  • Falls Sie regelmäßig Medikamente einnehmen, insbesondere solche, die die Blutgerinnung oder den Augeninnendruck herabsetzen, muss der operierende Arzt das wissen und bei der Operationsplanung berücksichtigen. Ihr Hausarzt wird Sie in Abstimmung mit dem Operateur informieren, wie Sie mit der Einnahme am besten verfahren.
  • Das operierte Auge möglichst in Ruhe lassen und nicht daran reiben, auch wenn es gelegentlich etwas juckt oder zwickt.
  • Beim Baden oder Duschen darf klares Wasser über die Lider rinnen. Die Lider bei Bedarf mit lauwarmem Wasser abtupfen. Seife und Schaum darf auf keinen Fall ins Auge geraten; es wäre schon im Normalfall kein Vergnügen!
  • Fernsehen ist nach dem Eingriff möglich, Lesen anfangs nur in Maßen; es sollte nicht anstrengen.
  • Saunen oder Schwimmen bitte erst wenn der Augenarzt grünes Licht gegeben hat.
  • Draußen insbesondere das operierte Auge vor Wind, Wetter und vor allem Sonne mit Brille und zum Beispiel einer Hutkrempe schützen.
  • Autofahren erst nach Rücksprache mit dem Augenarzt beziehungsweise nachdem dieser eine ausreichende Sehschärfe attestiert hat: Im Falle der zusätzlichen Brillenkorrektur muss erst noch das passende Glas angepasst worden und verfügbar sein.
  • Alle verordneten Medikamente nach Vorschrift einnehmen.

Hier müssen Sie sofort zum Augenarzt:

  • Das Sehvermögen verschlechtert sich oder es treten Schmerzen am Auge auf.
  • Das Auge rötet sich.
  • Sie sehen plötzlich einen "Schleier" oder "Vorhang vor dem Auge".
  • Sie sehen in einem Bereich des Gesichtsfeldes schlecht oder haben den Eindruck, es sei eingeengt.
  • Sie nehmen Lichtblitze und schwarze Mückenschwärme wahr.
  • Immer, wenn Sie das Gefühl haben, dass etwas mit den Augen nicht stimmt.

Professor Dr. med. Christos Haritoglou begann seine augenärztliche Ausbildung 1998 in der Augenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München unter der Leitung von Professor Dr. med. Anselm Kampik. Nach der Facharztanerkennung 2002 und der Habilitation 2004 wurde er 2010 zum ausserplanmäßigen Professor für Augenheilkunde ernannt. Nach mehreren Jahren als Oberarzt und Stellvertreter des Klinikdirektors wechselte er 2014 an die Augenklinik Herzog Carl Theodor, seit 2015 ist er dort leitender Arzt. Professor Haritoglou hat als Autor oder Mitautor über 260 wissenschaftliche Arbeiten publiziert, zahlreiche Buchbeiträge und Übersichtsarbeiten verfasst und hält regelmäßig Vorträge auf wissenschaftlichen Veranstaltungen im In- und Ausland. Er ist Mitglied zahlreicher renommierter Fachgesellschaften wie der Macula Society oder dem Club Jules Gonin, der retinologischen Gesellschaft und der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft. Nach wie vor ist er auch wissenschaftlich und in der Lehre aktiv. Sein klinischer Schwerpunkt sind Diagnostik und Therapie aller Erkrankungen des vorderen und hinteren Augenabschnitts, besonders aber die Behandlung des grauen Stars und aller Netzhaut- und Makulaerkrankungen.

Grehn F: Augenheilkunde, 31., überarbeitete Auflage, Berlin Heidelberg Springer-Verlag, 2012

Kanski Jack J, Bowling B: Klinische Ophthalmologie, 7. Auflage, München Elsevier Urban & Fischer, 2012

Bagheri N, Wajda B N: The Wills Eye Manual, Wolters Kluwer, Philadelphia, 7. Auflage 2017

Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) e.V.: Pressemitteilung 28.09.2017: Trifokale Kunstlinsen bei Grauem Star