Glaukom (grüner Star)

Beim grünen Star oder Glaukom ist der Sehnerv geschädigt. Unbehandelt kann das Auge erblinden. Mehr zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapie

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aktualisiert am 10.09.2018

Was ist ein Glaukom?

Glaukom oder grüner Star bezeichnet eine Gruppe verschiedener Augenerkrankungen, die meist lange Zeit unbemerkt bleiben, jedoch den Sehnerv schädigen und auf Dauer das Sehvermögen einschränken. Schlimmstenfalls erblindet das Auge. Beide Augen können (zeitversetzt) erkranken.

Hauptrisikofaktor eines Glaukoms ist ein individuell erhöhter Augeninnendruck. Meistens handelt es sich bei den damit verbundenen Glaukomen um solche bei offenem Kammerwinkel im Auge, insofern Offenwinkelglaukome genannt. Dabei überwiegen sogenannte primäre Offenwinkelglaukome (siehe unten, Abschnitte "Ursachen und Arten von Glaukomen" und: "Glaukom: Hintergrund").

Der normale Augeninnendruck liegt bei Werten von 10 bis 21 mmHg.

Kurzvideo: Glaukom

Der Sehverlust bei Glaukom entsteht meist über viele Jahre. Das Video zeigt es vereinfacht und im Zeitraffer. Rechtzeitige Behandlung kann das Fortschreiten der Krankheit stoppen oder zumindest verlangsamen und die Sehkraft erhalten.

Symptome erst spät

Weniger als die Hälfte der chronisch verlaufenden Glaukome in den westlichen Ländern sind den davon betroffenen Patienten bekannt. Wenn sich die Schädigung des Sehnervs bemerkbar macht, kann schon mehr als ein Drittel der Sehkraft verloren sein. Häufig kommt es zu einer Sehminderung, bei der das Gesichtsfeld bogenförmig von außen eingeengt ist.

Anders gesagt: Innerhalb eines oder mehrerer Bereiche der Netzhaut mit normaler Lichtempfindlichkeit der Sehzellen nimmt diese deutlich ab, Objekte werden nicht mehr wahrgenommen. Das kann zum Beispiel zu Orientierungsproblemen in der Umgebung oder im Straßenverkehr führen. Im weiteren Verlauf sind auch Ausfälle zum zentralen Gesichtsfeld, zur Blickmitte hin, möglich. Von den etwa 10.000 pro Jahr in Deutschland erblindenden Menschen haben ungefähr 2.000 ein Glaukom.

Ein Winkelblock ("Glaukomanfall") dagegen ist ein akutes Krankheitsbild mit starken Schmerzen, Rötung und Sehstörungen des betroffenen Auges. Häufig kommt es auch zu ausgeprägten Begleitsymptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Wegen Erblindungsgefahr ist ein Glaukomanfall  immer eine Notlage, die umgehend in die Hand des Augenarztes gehört.

Glaukom: Früherkennung, Diagnose

! Eine Früherkennung auf Glaukom ist ab dem Alter von 40 Jahren empfehlenswert. Dabei sollte der Augeninnendruck etwa alle drei Jahre kontrolliert werden, bei Menschen ab 65 Jahren alle ein bis zwei Jahre. Insbesondere bei erhöhtem Glaumkomrisiko (siehe Kapitel "Glaukom: Diagnose" und "Glaukom: Ursachen und Risikofaktoren") sind regelmäßige Kontrollen anzuraten. Die Untersuchungen umfassen:

  • Die Beurteilung des Sehnervs (Funduskopie): Mittels Spiegelung des Augenhintergrunds durch die Pupille hindurch kann der Augenarzt den Sehnervenkopf beurteilen
  • Überprüfung des Gesichtsfeldes (nur bei mutmaßlichem Glaukom; dann schließen sich meist noch weitere Untersuchungen an; mehr dazu ebenfalls im Kapitel "Glaukom: Diagnose")

Alle diese Untersuchungen werden von den Krankenkassen nur bei Verdacht auf ein Glaukom bezahlt. Denn das Glaukom-Screening beim Augenarzt ist derzeit eine sogenannte IGeL-Leistung: eine individuelle Gesundheitsleistung, für die der Patient selbst aufkommen muss.

Therapie des Glaukoms

Zur Behandlung von Glaukomen gibt es gut wirksame Medikamente in Form von Augentropfen. Wenn sie regelmäßig und korrekt nach ärztlicher Verordnung angewendet werden, können sie den Augeninnendruck senken und das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten oder stoppen. Neue Abgabesysteme mit Medikamenten zum Einlegen ins Auge werden zur Zeit beforscht. Vielleicht können sie in der Zukunft das mühsame Tropfen ablösen.

Ein Eingriff mit dem Laser oder eine Augenoperation ist meist nur bei sehr ausgeprägten Krankheitsbildern erforderlich. Neue Operationstechniken (sogenannte minimalinvasive Glaukomchirurgie) erweitern auch hier die Behandlungsmöglichkeiten (siehe Kapitel "Glaukom: Therapie"). Ein angeborenes Glaukom wird in der Regel operiert.

Übersicht: Ursachen und Arten von Glaukomen

  • Primäre Glaukome (Ursachen unbekannt, Risikofaktoren bekannt)

Augeninnendruck erhöht:
Offen- oder Weitwinkelglaukom
Winkelblock / Winkelblockglaukom
Angeborenes Glaukom
Augeninnendruck unter 21 mmHg:
Normaldruckglaukom

 

  • Sekundäre Glaukome (spezielle Ursachen)

Augeninnendruck erhöht (im Allgemeinen Offenwinkelglaukome):
Pseudoexfoliationsglaukom (PEX-Glaukom)
Pigmentglaukom (Ablagerungen im Kammerwinkel)
Glaukom infolge neugebildeter Gefäße (Neovaskularisationsglaukom, zum Beispiel bei Diabetes)
Entzündungen, Verletzungen, Medikamente
Angeborenes Glaukom

 

  • Okuläre Hypertonie

Augeninnendruck zu hoch, Sehnerv und Gesichtsfeld normal, Glaukomrisiko erhöht

Glaukom: Hintergrund

Primäre Glaukome: Offenwinkelglaukom und Winkelblockglaukom

Glaukome, die spontan, ohne spezielle Ursache, auftreten, werden primäre Glaukome genannt. Dazu gehören neben den häufigen Weit- oder Offenwinkelglaukomen auch die selteneren Winkelblockglaukome.

Info: Im Kammerwinkel des Auges fließt das Kammerwasser über ein Gewebegeflecht (Trabekelwerk) und einen kleinen Sammelkanal in den Blutkreislauf ab. Das Kammerwasser baut den Augeninnendruck auf. Ist der Abfluss im Kammerwinkel behindert, steigt der Augeninnendruck an – langfristig kann sich ein Glaukom entwickeln.
Die nachfolgende Grafik veranschaulicht den Ablauf in drei Bildern
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Der Kammerwinkel im Auge spielt auch eine wichtige Rolle bei der Behandlung des Glaukoms (siehe ebenfalls Kapitel "Glaukom: Therapie").

Neben dem erhöhten Augeninnendruck spielt beim Glaukom auch eine verminderte Durchblutung des Sehnervs eine Rolle. Risikofaktoren des primären Offenwinkelglaukoms sind auch Glaukome bei Verwandten ersten Grades, ein Alter über sechzig Jahre und höhergradige Kurzsichtigkeit.

Sonderform: Normaldruck- oder Niederdruckglaukom

Eine besondere Form des primären Offenwinkelglaukoms ist das sogenannte Normal- oder Niederdruckglaukom. Hier sind Schäden am Sehnerv eingetreten, obwohl der Augeninnendruck im Normalbereich liegt. Die betroffenen Augen reagieren empfindlicher auf den "Normaldruck".

Akuter Winkelblock

Wird der Abfluss des Kammerwassers in einem zu eng angelegten Kammerwinkel plötzlich behindert, kommt es zum akuten Winkelblock ("Glaukomanfall"). Der Augeninnendruck ist stark erhöht. Ein chronisches Winkelblockglaukom mit Schädigung des Sehnervs kann infolge eines unzureichend behandelten Winkelblocks entstehen, zum Beispiel durch Verklebungen im Kammerwinkel. In Europa kommt das aber nur selten vor.

Glaukome mit speziellen Ursachen (Sekundärglaukome)

Tritt ein Glaukom infolge einer anderen Erkrankung oder Verletzung des Auges oder im Rahmen einer Allgemeinerkrankung auf, liegt ein sekundäres Glaukom vor.

Pseudoexfoliationsglaukom (PEX-Glaukom)

Die häufigste Form aller sekundären Glaukome stellt das Pseudoexfoliationsglaukom (PEX-Glaukom) dar. Dabei lagern sich feinste Partikel auf allen Strukturen des vorderen Augenabschnittes ab, unter anderem an der Linse und am Pupillenrand. Zugrunde liegt eine erbliche Störung der faserigen Elemente des Bindegewebes. Da ein PEX-Glaukom mitunter relativ rasch fortschreiten kann, kommt es entscheidend auf die frühzeitige Diagnose und Behandlung an. Dann lässt sich das Krankheitsbild häufig zufriedenstellend in den Griff bekommen.

Glaukome durch bestimmte Medikamente

Manche Arzneimittel können mitunter ebenfalls ein sekundäres Glaukom auslösen. Dazu gehört zum Beispiel Kortison.

Mehr zu den verschiedenen Glaukomformen im Kapitel "Glaukom: Ursachen und Risikofaktoren" (siehe Link weiter oben) in diesem Beitrag.

Selten: Angeborene Glaukome

Angeborene Glaukome können bereits bei der Geburt vorhanden sein oder bis zum frühen Erwachsenenalter auftreten. Auch beim kindlichen Glaukom werden primäre und sekundäre Formen unterschieden. Je nach Art des Glaukoms können äußere Anzeichen den Verdacht schon früh auf die Diagnose lenken (siehe Kapitel "Glaukom: Symptome").

Erhöhter Augeninnendruck ohne Glaukom

Auch das gibt es: Der Augeninnendruck ist erhöht, aber der Augenbefund (Sehnerv, Gesichtsfeld) ist normal. Das Risiko, dass sich ein Glaukom entwickelt, beträgt jedoch zehn Prozent pro fünf Jahre. Ob eine Behandlung notwendig ist, entscheidet der Augenarzt anhand verschiedener Kriterien (mehr dazu ebenfalls im Kapitel "Glaukom: Ursachen, Risikofaktoren").

Wichtig:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Glaukom: Der Sehnerv nimmt Schaden

Der grüne Star oder das Glaukom beruht auf verschiedenen Ursachen. Daher ist die Bezeichnung "Glaukom" ein Überbegriff für unterschiedliche Formen des grünen Stars. Ihnen gemeinsam ist, dass meist ein individuell erhöhter Augeninnendruck und / oder eine Durchblutungsstörung des Sehnervs vorliegt. In der Folge werden Nervenfasern des Sehnervs unwiederbringlich geschädigt. Häufig sind beide Augen betroffen, aber im Allgemeinen zeitversetzt.

Ein Glaukom ist nicht schmerzhaft, den eher seltenen "Glaukomanfall" ausgenommen. Ausfälle im Gesichtsfeld (Skotome) machen sich erst spät bemerkbar. In der westlichen Welt bleibt etwa die Hälfte der Glaukomerkrankungen unerkannt, in den Ländern der dritten Welt und den Schwellenländern sind es noch erheblich mehr.

Auf den Kammerwinkel im Auge kommt es an

Das Kammerwasser baut den Augeninnendruck auf, der Abfluss reguliert den Druck. Hauptaufgaben des Kammerwassers: Es ernährt Augenlinse und Hornhaut und erhält die Form des Augapfels aufrecht. Gebildet wird die Flüssigkeit vom sogenannten Ziliarkörper in der hinteren Augenkammer. Von dort aus umfließt und benetzt das Kammerwasser die Augenlinse. Durch die Pupille strömt es in die Vorderkammer des Auges zwischen Regenbogenhaut und Hornhaut, wo es ebenfalls benetzend wirkt. Über das geflechtartige Gewebe im Kammerwinkel fließt der größte Teil ab und gelangt in den allgemeinen Blutkreislauf (siehe auch Grafik im ersten Kapitel "Glaukom (grüner Star)" in diesem Beitrag).

Glaukom: Primär oder sekundär?

Je nachdem, welche Ursachen vorliegen, unterteilen Augenärzte die Glaukomerkrankung in primäre und sekundäre Formen. Anders als sekundäre Glaukome treten primäre Formen spontan, ohne greifbare Ursache auf. Sie entstehen fast immer beidseitig. Oft entwickelt sich ein Glaukom auch am anderen Auge, mit zwei bis fünf Jahren Verspätung.

Offen- oder Weitwinkelglaukom

Primäre Glaukome sind überwiegend Offenwinkelglaukome, also Glaukome bei offenem Kammerwinkel. Das Kammerwasser fließt hier trotz des offenen Kammerwinkels zu langsam ab. Der Augeninnendruck ist meist zu hoch, er übersteigt bei mehr als 70 Prozent der Betroffenen 21 mmHg. Die Erkrankung schreitet langsam voran. Es gibt auch sekundäre Offenwinkelglaukome. Ein Beispiel ist das sogenannte PEX-Glaukom (siehe weiter unten).

! Weitere Risikofaktoren des primären Offenwinkelglaukoms: Ab 40 Jahren steigt die Häufigkeit an. Erhöht ist das Risiko auch, wenn Eltern oder Geschwister betroffen sind. Ist ein Auge am Glaukom erkrankt, so neigt das andere ebenfalls dazu. Auch dies weist auf erbliche Faktoren hin.

Sonderfall: Normaldruckglaukom

Ein Teil der an einem primären Offenwinkelglaukom erkrankten Patienten hat im Vergleich zur Normalbevölkerung keinen erhöhten Augeninnendruck. Diese Situation wird Normaldruck- oder Niederdruckglaukom genannt. Dass sich hier dennoch eine für das Glaukom typische Schädigung am Sehnervenkopf entwickeln kann, kann zum einen an einem individuell für das betroffene Auge zu hohen Augeninnendruck liegen. Zum anderen wird eine instabile Durchblutung des Sehnervs vermutet.

Augenärzte gehen in diesem Zusammenhang mitunter von einer Regulationsstörung der Gefäße oder einer primären vaskulären Dysregulation (PvD) als Risikofaktor aus. Sie kann mit einem stark schwankenden Blutdruck verbunden sein und das Sehnervengewebe dabei Schaden nehmen. Frauen neigen häufiger zu einer PvD als Männer. Nicht selten reagieren die Betroffenen besonders empfindlich auf verschiedene innere und äußere Reize, die die Kreislaufregulation beeinflussen. Migräne und kalte Hände können Hinweise sein.
Letztlich gilt aber auch beim Normaldruckglaukom, dass das Hauptproblem ein individuell zu hoher Augeninnendruck ist. Daher wird es ebenfalls mit einer den Augeninnendruck senkenden Therapie behandelt (siehe Kapitel "Glaukom: Therapie").

Seltenes Winkelblockglaukom

Beim viel selteneren Engwinkelglaukom ist der Kammerwinkel zu eng und kann durch die anliegende Regenbogenhaut akut blockiert werden. Solche Glaukome können als akuter "Glaukomanfall" (Winkelblock) mit einem sehr hohen Augeninnendruck in Erscheinung treten – ein Notfall. Sie können aber auch (unbehandelt) wiederholt und in abgeschwächter Form Beschwerden bereiten, wobei eine Entgleisung in einen akuten Anfall jederzeit möglich ist. Sehr selten verlaufen Winkelblockglaukome chronisch, etwa durch Verklebungen des Kammerwinkels nach einem "Glaukomanfall", und können so den Sehnerv schädigen.

Unter anderem erhöht ein kurzer Augapfel (Weitsichtigkeit) das Risiko eines akuten "Glaukomanfalls" bei engem Kammerwinkel.

Auch ein fortgeschrittener grauer Star (fortgeschrittene Linsentrübung, Katarakt) begünstigt durch die vergrößerte Linse einen akuten Winkelblock, wenn der Kammerwinkel zu eng ist. Außerdem können plötzliche spontane Pupillenerweiterungen, etwa bei Angst, Schreck oder in der Dunkelheit, hier einen "Glaukomanfall" auslösen.

Einige Medikamente können bei engem Kammerwinkel ebenfalls einen akuten Winkelblock provozieren, beispielsweise bestimmte Antidepressiva, Antihistaminika (Antiallergika) oder Präparate gegen Schwindel, außerdem eine medikamentöse Pupillenerweiterung.

Was ist ein PEX-Glaukom?

Die häufigste Form aller sekundären (Offenwinkel-)Glaukome – in Deutschland erkrankt etwa zehn Prozent der Bevölkerung über 60 Jahre – stellt das Pseudoexfoliationsglaukom (PEX-Glaukom) dar. Zugrunde liegt eine erbliche Störung der elastischen Fasern des Bindegewebes, das sogenannte PEX-Syndrom. Es kommt zu einer Anreicherung faserigen Materials. In der Folge können sich feinste Partikel auf allen Strukturen des vorderen Augenabschnittes ablagern, auch an der Augenlinse und am Pupillenrand. Der Augeninnendruck kann deutlich ansteigen, wobei häufig auch Druckschwankungen auftreten. Die Ablagerungen können beim PEX-Syndrom aber nicht nur im Auge entstehen, sondern auch an anderen Organen, etwa an der Haut oder den Gefäßen.

Charakteristisch sind nicht nur die häufig sehr hohen Druckwerte selbst, sondern auch eine spezifische Empfindlichkeit des Sehnerven, eine niedrige Drucktoleranz also. Sie ist bedingt durch die reduzierte Elastizität des Gewebegitters, durch das die Sehnervenfasern aus dem Augapfel hindurchtreten.

Verschiedene Augenkomplikationen mit Sehverschlechterung sind möglich, darunter ein grauer Star (Katarakt) oder eine Linsenverlagerung ("Linsenschlottern"). Außerdem spielt wohl auch eine erhöhte Empfindlichkeit des Gewebes gegenüber bestimmten Stoffwechselfaktoren (oxidativer Stress) bei der Erkrankung eine Rolle. Obwohl die erbliche Veranlagung beide Augen betrifft, ist meistens ist ein Auge stärker als das andere betroffen.

Andere sekundäre Glaukome und ihre Ursachen

Entwickelt sich ein Glaukom im Zusammenhang mit bestimmten Krankheiten oder Verletzungen des Auges oder auch mit verschiedenen Allgemeinerkrankungen, dann handelt es sich ebenfalls um sekundäre Glaukome, häufig Offenwinkelglaukome. So können Blutreste, die den Abflussweg des Kammerwassers verstopfen, ein Glaukom nach sich ziehen.

Ähnlich verhält es sich bei bestimmten Entzündungen im Auge, etwa der Regenbogenhaut (sie grenzt an den Kammerwinkel und geht in diesen über) oder des Ziliarkörpers. Das Ziliarkörpergewebe liegt in der hinteren Augenkammer und produziert das Kammerwasser. Im Kammerwinkel können sich in der Folge Entzündungseiweiße ablagern. Zudem schwillt das Gewebe im Kammerwinkel an, wenn es entzündet ist.
Aus der Regenbogenhaut können Pigmentkörnchen austreten, die Poren im Kammerwinkel verschließen und ein Pigmentglaukom (Pigmentdispersionsglaukom) auslösen. Es betrifft häufiger jüngere, kurzsichtige Männer.

Gefäßneubildungen im Auge, oft eine Folge der Zuckerkrankheit (Typ-1-Diabetes, Typ-2- Diabetes) können ein sogenanntes Neovaskularisationsglaukom verursachen. Neovaskularisation bedeutet Neubildung von Blutgefäßen. Dazu kann es aber auch bei anderen Augenproblemen kommen, etwa bei Netzhautablösungen, Gefäßverschlüssen oder – selten – Geschwülsten im Auge.

Verlagerung oder ein Riss der Kapsel der Augenlinse, etwa durch eine Verletzung, kann ebenfalls ein Glaukom auslösen.

Schließlich tritt ein Sekundärglaukom mitunter als unerwünschte Arzneimittelwirkung auf. Dies kann zum Beispiel unter der Therapie mit Kortison, insbesondere kortisonhaltigen Augentropfen, vorkommen. Jedoch überprüft der Augenarzt hier den Augeninnendruck in der Regel engmaschig und kann so rechtzeitig gegensteuern.

Angeborenes Glaukom

Primäre und sekundäre angeborene Glaukome sind vermutlich genetisch bedingt und selten, aber nicht ungefährlich, da sie mitunter schnell fortschreiten können. Die primären und viele der sekundären angeborenen Glaukome gehören zu den Augenerkrankungen, bei denen frühzeitig operativ eingegriffen werden muss: Die Ursache, nämlich ein im Rahmen verschiedener Erbkrankheiten fehlentwickelter Kammerwinkel, kann durch eine Operation eröffnet werden. Dabei wird ein Abfluss für das Kammerwasser geschaffen.

Augenhochdruck (okuläre Hypertension)

Okuläre Hypertension, also ein Augendruck über 21 mmHg, ohne dass der Betroffene eine Sehnervenschädigung und/oder Gesichtsfeldeinschränkungen hat, ist zunächst kein Glaukom, sondern ein Risikofaktor für eine Glaukomentwicklung. Einige Gegebenheiten erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines späteren Glaukoms. Dazu gehören zum Beispiel wiederum familiäre Belastung, also die Tatsache, dass ein Glaukom bei Verwandten ersten Grades aufgetreten ist, stärkere Fehlsichtigkeit, ein Glaukom am anderen Auge und Gefäßerkrankungen, etwa eine ausgeprägte Arteriosklerose.

Der Augenarzt wird die Betroffenen regelmäßig kontrollieren. Ob bei alleinigem Augenhochdruck eine antiglaukomatöse Therapie angezeigt ist, entscheidet der Arzt aufgrund der individuellen Risiken und Befunde des Patienten.

Offenwinkelglaukom – lange Zeit symptomlos

Über längere Zeit fehlende Beschwerden sind der Hauptgrund dafür, dass ein Glaukom – und hier ist insbesondere das primäre Offenwinkel-Glaukom angesprochen (mehr dazu im Kapitel "Glaukom: "Ursachen und Risikofaktoren") – oft erst spät erkannt wird. Der Arzt kann sich dann nur noch darum bemühen, ein Fortschreiten zu verhindern.

Typisches Zeichen des Glaukomschadens ist eine Sehstörung, bei der das Gesichtsfeld von außen eingeengt ist. Es sind aber auch Ausfälle zur Blickmitte hin möglich (vgl. Kurzvideo im Kapitel "Glaukom: Überblick"). Unbehandelt kann es zum vollständigen Sehverlust kommen. Das Glaukom zählt in Europa zu den häufigsten Erblindungsursachen.

"Glaukomanfall": Auge in Not

Ein akuter Winkelblock, wie ein "Glaukomanfall" auch genannt wird, ist immer eine Notfallsituation, denn es droht der Verlust des Augenlichtes. Das Auge, oft auch die gleichseitige Kopfhälfte, schmerzt heftig. Der Augapfel ist extrem hart, das Auge gerötet. Infolge des stark erhöhten Augeninnendrucks schwillt die Hornhaut an. Dadurch nehmen die Betroffenen Schleier oder regenbogenartige Ringe um Lichtquellen wahr.
Meist fühlen sie sich äußerst unwohl, es kommt zu Übelkeit und Brechreiz. Der Druck im Auge übersteigt oft 60 mmHg.

Die Beschwerden sind so ausgeprägt, dass sie den Betroffenen eilends zum Arzt führen. Das ist auch das einzig Richtige und Rettende, denn der Augenarzt ist in der Lage, sofort zu helfen.

Sekundäre Glaukome – Beschwerden je nach Ursache

Die Beschwerden bei diesen Formen des Glaukoms hängen von der Ursache ab. Zu erwarten ist, dass entsprechende Symptome oder Befunde im Vordergrund stehen und bereits Anlass für eine Behandlung und Kontrollen beim Augenarzt sind – allemal bei Verletzungen, aber auch bei Entzündungen, Erkrankungen der Netzhautgefäße bei Diabetes oder beim PEX-Glaukom.

PEX-Glaukom: Oft hoher Augeninnendruck

Die Betroffenen spüren von dem erhöhten Augeninnendruck, selbst wenn die Werte mitunter 30 mmHg übersteigen können, meist längere Zeit nichts, obwohl ein PEX-Glaukom rasch fortschreiten kann. Im weiteren Verlauf kann das Sehen in den Randbereichen (peripher) und auch nahe dem Zentrum (parazentral) des Gesichtsfeldes eingeschränkt sein. Bei einer Linsenverlagerung – eine Folge der geschwächten Bandaufhängung der Linse im Rahmen des PEX-Syndroms (mehr dazu ebenfalls im Kapitel "Glaukom: Ursachen, Risikofaktoren") – kann es zu Sehstörungen in Form von Doppelbildern kommen.

Angeborenes Glaukom beim Säugling

Der Augendruck kann rasch zunehmen und die damit verbundenen Veränderungen machen dem Baby sehr zu schaffen. Es ist unruhig, führt die Händchen immer wieder zu den Augen, jammert oder schreit auffallend oft, was klar darauf hinweist, dass etwas nicht stimmt. Auch ist es lichtscheu, seine Augen tränen vermehrt, die Hornhaut kann sich trüben. Je nach zugrunde liegender Ursache können weitere Behinderungen vorhanden sein. Ohne Therapie des Glaukoms drohen schwere Augenschäden bis zur Erblindung.

Angeborene (primäre und sekundäre) Glaukome werden engmaschig kontrolliert. Während die primären angeborenen Glaukome fast ausschließlich chirurgisch behandelt werden und Augentropfen nur ergänzend hinzukommen, können bei sekundären Formen etwas mehr Kinder mit Augentropfen zur Senkung des erhöhten Augeninnendrucks behandelt werden. Zusätzlich kann eine operative Drucksenkung angezeigt sein. Das kindliche Glaukom ist letztlich auch angeboren. Da der Kammerwinkel sich teilweise entwickelt hat, steigt der Augeninnendruck erst allmählich an.

Augenärzte empfehlen Check-up

Da sich ein Glaukom häufig erst bemerkbar macht, wenn es bereits weit fortgeschritten ist, ist die Früherkennung wichtig. Das bedeutet: Ab dem Alter von 40 Jahren sollte der Augeninnendruck normalerweise alle drei Jahre kontrolliert werden.

Ist ein Glaukom in der Familie bekannt, wird die Vorsorge schon ab 35 Jahren und auf jeden Fall in kürzeren Abständen, zum Beispiel jährlich, empfohlen. Dies gilt auch, wenn jemand einen Diabetes hat oder ein Auge schwerer verletzt oder entzündet war.

Die Früherkennungsuntersuchung umfasst einen Sehtest, die Messung des Augeninnendrucks (Tonometrie) und die Augenspiegelung zur Überprüfung der Netzhaut und des Sehnervenkopfes (der Papille). Das ist die Stelle, an der der Sehnerv in das Auge eintritt. Manchmal sind noch weitere Untersuchungen nötig, um eine sichere Diagnose zu stellen (siehe unten). 

Glaukom-Früherkennung als entscheidende Maßnahme zur Erhaltung des Sehvermögens gehört allerdings nicht zu den kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen. Sie wird als sogenannte individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) von den Augenärzten angeboten. Liegt ein Glaukom vor, werden alle Basisuntersuchungen und Behandlungsmaßnahmen von den Krankenkassen bezahlt.

Sehtest

Auch wenn ein Glaukom das Sehvermögen erst spät beeinträchtigt, so ist ein Sehtest grundsätzlich immer Bestandteil jeder augenärztlichen Untersuchung. Zum einen können auch andere Ursachen das Sehvermögen beeinflussen. Zum anderen erhöhen stärkere Kurz- oder Weitsichtigkeit das Glaukomrisiko.

Beim Sehtest wird die Sehschärfe in der Ferne und Nähe geprüft. Die Messung erfolgt mit einem Gerät, das zum Beispiel Zahlen und Buchstaben in unterschiedlichen Größen auf eine Tafel projiziert oder auf einem Bildschirm präsentiert. Diese Sehzeichen gilt es zu lesen.

Der Wert 1,0 entspricht einem Sehvermögen von 100 Prozent. Ein normalsichtiges Auge hat einen unendlichen Fernpunkt, das heißt, es sieht auch entfernte Objekte noch scharf.

Augeninnendruckmessung

Die Augeninnendruckmessung (Tonometrie) ist mit verschiedenen Verfahren möglich. Bei der routinemäßig angewandten Applanationstonometrie – Applanation bedeutet Abflachen – wird die Kontaktkraft gemessen, die ein Messkörperchen benötigt, um die Hornhaut so weit abzuflachen, dass eine Fläche mit einem Durchmesser von etwa drei Millimetern entsteht. Dann ist der Punkt erreicht, bei dem der Auflagedruck dem Druck im Inneren des Auges entspricht. Die Messung wird allerdings maßgeblich von den individuellen Größenverhältnissen im Auge, vor allem der Hornhautdicke, beeinflusst. Sie schwankt von Mensch zu Mensch, wobei der durchschnittliche Normalwert für die Hornhautdicke 0,55 Millimeter beträgt. Die Hornhaut wird bei dem Verfahren zunächst kurz durch Augentropfen betäubt.

Oftmals ist die Hornhaut aber etwas dünner und der gemessene Augeninnendruck dann zu niedrig. Er muss in diesem Fall rechnerisch nach oben korrigiert werden. Bei einer kräftigeren Hornhaut ist es genau umgekehrt. Der Augenarzt protokolliert sowohl den gemessenen Ausgangsdruck als auch den korrigierten Wert. Die Hornhautdicke kann beispielsweise anhand einer sogenannten Pachymetrie mittels Ultraschall oder Laser bestimmt werden (der Wortanteil pachy- stammt aus dem Griechischen und bedeutet dick, breit).

Inzwischen wird häufiger ein modernes technisches Verfahren namens Pascal-Tonometrie (auch: dynamische Kontur-Tonometrie) zur Augendruckmessung angeboten. Vorteil: Es misst den Druck direkt, unabhängig von der Hornhautdicke. Der gemessene Wert muss deshalb nicht korrigiert werden. Das Verfahren ist allerdings keine Standardleistung, sondern ebenfalls selbst zu bezahlen (IGeL).

Die Non-contact-Tonometrie (NCT), ein weiteres Verfahren zur Messung des Augeninnendrucks, ist berührungs- und schmerzfrei. Die Abflachung erfolgt durch einen Luftstoß. Dabei entsteht ein Reflexbild, das zur Messung herangezogen wird. Vorteilhaft ist hier, dass die örtliche Betäubung entfallen kann und die Infektionsgefahr mangels Berührung geringer ist. Es handelt sich um eine orientierende Messung, die ungenauer als die oben genannten Verfahren ist und nicht zur Verlaufskontrolle oder Ersteinstellung eines Glaukoms verwendet werden sollte.

Welche Werte sind verdächtig?

Wenn wiederholt ein Druck über 21 mmHg gemessen wird, kann, muss aber nicht ein Glaukom vorliegen. Weitere Auskunft kann ein Tagesdruckprofil mit Messungen im Abstand von drei Stunden geben. Schwankungen von über 5 mmHg innerhalb eines Tages sind relativ typisch für ein primäres Offenwinkelglaukom. Auch ein Druckunterschied in derselben Größenordnung zwischen beiden Augen ist relevant. Da der Sehnerv aber auch schon bei einem Druck um 21 mmHg oder darunter geschädigt sein kann, ist eine Augenspiegelung zur genaueren Beurteilung unerlässlich.

Augenspiegelung: Sehnerv im Fokus

Bei der Augenspiegelung (Funduskopie, Ophthalmoskopie) handelt es sich um die Schlüsseldiagnostik des Glaukoms. Auf diesem Wege kann der Augenarzt die Netzhaut einsehen und beurteilen. Er überprüft vor allem die Gefäße, also Netzhautarterien und Venen, den Sehnervenkopf (Papille) und den gelben Fleck (sogenannte Makula lutea), die Stelle des schärfsten Sehens. Diese wichtigen Strukturen am Augenhintergrund kann der Augenarzt mittels einer speziellen Lupe bei der sogenannten indirekten Ophthalmoskopie am Spaltlampenmikroskop betrachten (mehr dazu weiter unten: Abschnitt "Vertiefende Einblicke an der Spaltlampe").

Normalerweise präsentiert sich der Sehnervenkopf bei der Augenspiegelung als gelbe Scheibe mit einer kleinen, helleren Vertiefung in der Mitte. Eine größere Delle (Fachbegriff: Exkavation) wie auch Farb- und Formveränderungen der Papille sind krankhaft, zumindest aber bis zum weitgehenden Beweis des Gegenteils verdächtig auf ein Glaukom. Dabei gilt es immer auch gewisse individuelle Abweichungen zu berücksichtigen.

Ebenfalls krankheitsverdächtig sind zum Papillenrand hin verdrängte und abknickende Gefäße. Denn die Netzhautgefäße, die in der Mitte des Sehnervs verlaufen, treten normalerweise aus dem Zentrum der Papille in die Netzhaut ein beziehungsweise aus. Fehlt der Nervenfasersaum teilweise, so ist auch das ein krankhaftes Zeichen.

Vertiefende Einblicke an der Spaltlampe

Die Untersuchung mit dem zuvor schon erwähnten Spaltlampenmikroskop (kurz: Spaltlampe) rückt unter anderem die vorderen Augenabschnitte bis zum vorderen Drittel des Glaskörpers in den Blick des Augenarztes: also die Hornhaut und ihre Rückfläche, die Vorderkammer des Auges, die Augenlinse und einen Teil des dahinter liegenden, gelartigen, durchsichtigen Glaskörpers. Der Patient sitzt dabei vor dem Gerät, Kinn und Stirn werden gestützt und dann die Geräteoptik vom Augenarzt in Position gebracht.

Krankhafte Veränderungen des Gewebes im Kammerwinkel sind bei optischer Vergrößerung gut erkennbar. Um den reichlich versteckt zwischen Regenbogenhaut und Hornhautrückseite gelegenen Kammerwinkel ausreichend einsehen zu können, bedient sich der Augenarzt eines Gonioskopes. Das ist ein spezielles Linsen- beziehungsweise Spiegelglas, das auf die zuvor örtlich betäubte Hornhaut aufgesetzt wird. Das Kontaktglas gibt es auch mit mehreren, speziellen Spiegeln, um (indirekt) die Netzhaut am  Augenhintergrund zu betrachten.

! Info: Mithilfe der Spaltlampe kann der Augenarzt also in einem Arbeitsgang die Netzhaut nebst Sehnervenkopf und den Kammerwinkel beurteilen.

Wichtig für die Verlaufskontrolle: Gesichtsfeldmessungen

Ist es durch ein Glaukom zu Ausfällen im Gesichtsfeld gekommen, sind Gesichtsfelduntersuchungen der entscheidende (und erstattungsfähige) Parameter für die Verlaufskontrolle. Die Gesichtsfeldmessung (Perimetrie) erfasst sozusagen den gesamten "Gesichtskreis". Aus den Messergebnissen wird die Empfindlichkeit des Auges bezüglich der Wahrnehmung von Helligkeitsunterschieden grafisch dargestellt. Die Untersuchung geschieht computergesteuert. Beide Augen werden einzeln überprüft. Über einen halbkugelförmigen Bildschirm wird eine Serie unterschiedlich starker Leuchtpunkte gezeigt. Der Patient muss die Wahrnehmung jedes Mal per Knopfdruck bestätigen. Sein Auge soll dabei aber auf einen Fixpunkt in der Bildschirmmitte gerichtet bleiben. Wird ein Leuchtpunkt nicht gesehen, so registriert der Computer dies und bietet anschließend die nächsthöhere Leuchtpunktstärke an.

Das Untersuchungsverfahren erfordert eine gute Konzentration beim Patienten. Darin liegt auch eine gewisse Fehleranfälligkeit. Um diese möglichst gering zu halten, werden fehlerhafte Passagen nochmals wiederholt.

Regelmäßige Kontrollen des Sehnervenkopfes und Gesichtsfeldes sind besonders auch bei Betroffenen mit PEX-Glaukom (siehe unten; mehr dazu außerdem im Kapitel "Glaukom: Ursachen, Risikofaktoren") unerlässlich. Wichtig ist zudem, dass die Patienten wegen einer möglichen Gefäßbeteiligung auch von einem Facharzt für Innere Medizin mitbetreut werden. Hier spielt zum Beispiel die genauere Kontrolle des Blutdrucks (24-Stunden Blutdruckmessung) eine wichtige Rolle.

Wie erkennt der Augenarzt ein PEX-Glaukom?

Deutlich erhöhte Druckwerte, besonders an einem Auge, und schwankende Druckwerte bei wiederholten Messungen (Tagesprofil) begründen einen Ausgangsverdacht. Die eingehende Untersuchung des Auges am Spaltlampenmikroskop (siehe oben) lässt bei erweiterter Pupille die typischen Ablagerungen auf der Vorderfläche der Linsenkapsel erkennen. Häufig lässt sich die Pupille des betroffenen Auges nicht gut medikamentös erweitern.

Ablagerungen im Kammerwinkel werden mithilfe der Gonioskopie entdeckt. Außerdem kommen die weiter oben aufgeführten Untersuchungen der Hornhautdicke und des Sehnervenkopfes zum Einsatz.

Digital unterstützte bildgebende Verfahren

Mittels Scanning-Laser-Tomografie kann der Sehnervenkopf (die Papillenoberfläche) digital dreidimensional kartiert und die Größe sowie der Randsaum der Papille beurteilt werden. Mit dieser Untersuchungstechnik lässt sich frühzeitig eine Verdünnung des Sehnerven-Faserbündels und eine vergrößerte Delle oder Exkavation der Papille (siehe oben) als typische Glaukomzeichen quantifizieren.

Ein in diesem Zusammenhang häufig eingesetztes Gerät heißt Heidelberg(er) Retina Tomograph (abgekürzt HRT). Es tastet den Augenhintergrund mit einem Laserstrahl schwacher Intensität Zeile für Zeile an Millionen Messpunkten ab. Das reflektierte Licht wird von einem Detektor aufgenommen, elektronisch zu dreidimensionalen Bildern verarbeitet und ausgewertet, nachdem der untersuchende Arzt die Begrenzung des Sehnervenkopfes auf dem Computerbild markiert hat. Die Messung erfolgt an beiden Augen dreifach, um die individuelle Schwankungsbreite der Messwerte zu dokumentieren. Dies ist bei späteren Verlaufskontrollen vorteilhaft.

Vergleichbare Untersuchungsverfahren sind die Scanning-Laser-Polarimetrie (GDx) und die Optische Kohärenz-Tomografie (OCT) – beides Methoden, mit denen die Schichtdicke und räumliche Verteilung der Nervenfasern im Sehnervenkopf bestimmt werden kann. Die OCT verwendet ebenfalls schwaches Laserlicht und liefert Schnittbilder des untersuchten Gewebes, ähnlich Ultraschall-Bildern.

Alle drei genannten Methoden dienen zur Verlaufskontrolle im Frühstadium eines Glaukoms. Sie sind wertvolle Entscheidungshilfen, wenn es darum geht, mit der Therapie des Glaukoms zu beginnen. Leider werden sie derzeit nicht von den Krankenkassen erstattet, sondern gehören wiederum zu den sogenannten individuellen Gesundheits- beziehungsweise Selbstzahlerleistungen (IGeL, siehe oben).

Augendruck: wichtig, aber nicht das einzige "Augenmaß" beim Glaukom

Die Senkung des Augeninnendrucks ist eine zentrale Maßnahme bei der Behandlung des Glaukoms. Die Entscheidung, ob der Druck gesenkt werden muss, wird der Arzt an den individuellen Untersuchungsergebnissen und Risiken (siehe zum Beispiel Risikofaktor "okuläre Hypertension" im Kapitel "Glaukom: Ursachen und Risikofaktoren") ausrichten und in jedem Fall genau abwägen.

Dabei wird er selbstverständlich auch die Wünsche des Patienten mit einbeziehen. Wichtig ist, den richtigen Zeitpunkt der Behandlung nicht zu verpassen und sie gut begründet einzuleiten.

Therapie bei Glaukom: individueller Zieldruck und Fortschreiten des Glaukoms sind entscheidend

Aber: Auch wenn der Augeninnendruck unter den Wert von 21 mmHg abgesunken ist, lässt sich ein (fortschreitender) Sehnervenschaden nicht immer verhindern. Dies hängt damit zusammen, dass der Norm- oder Grenzwert beim Augeninnendruck nur bedingt allgemein verbindlich ist. Ärzte nennen ihn "statistisch". Außerdem entwickelt nicht jeder Patient mit erhöhtem Augeninnendruck ein Glaukom, wie umgekehrt ein solches auch bei "statistisch normalem", aber individuell zu hohem Augeninnendruck entstehen kann.

Richtschnur für den Zieldruck bei Glaukom:

  • Untersuchungsergebnisse berechtigen zu der Annahme, dass bei Patienten mit chronischem Offenwinkelglaukom im Allgemeinen keine weiteren Schäden eintreten, solange der Augeninnendruck beständig unter 18 mmHg bleibt.
  • Bei der Therapie eines Normaldruckglaukoms wird heute ein Zieldruck mit Druckwerten von unter 12 mmHg oder eine Drucksenkung um 30 Prozent angestrebt. Das heißt, es wird im Prinzip genauso behandelt wie ein Offenwinkelglaukom mit erhöhtem Druck.
  • Generell gilt: Je weiter ein Glaukom fortgeschritten ist, desto niedriger sollte der therapeutische Zieldruck sein. Fortgeschritten ist ein Glaukom, wenn bereits ein Gesichtsfeldausfall eingetreten ist.

Schließlich wird der Arzt, und das gilt insbesondere für Patienten mit einem Normaldruckglaukom, auch den Blutdruck im Körperkreislauf berücksichtigen. Bei zu hohem Blutdruck beispielsweise können die Druckwerte nachts stärker absinken. Um die Durchblutung – generell und auch des Sehnervs – nicht zu gefährden, gilt es, womöglich zu niedrige Blutdruckwerte in der Nacht zu vermeiden. Eventuell bedeutet das, eine den Blutdruck senkende Arzneimitteltherapie vorsichtig zu gestalten und unter engmaschigen Kontrollen anzupassen. Um die Situation genauer einzuschätzen, kann eine Langzeitblutdruckmessung (24-Stunden-Blutdruckmessung, auch ambulante Blutdrucklangzeitmessung oder kurz ABDM) sinnvoll sein. Der Hausarzt wird entscheiden, ob im Einzelfall eventuell ein Herz-Kreislauf-Spezialist (Kardiologe) hinzugezogen werden soll.

Zu niedriger Blutdruck, die arterielle Hypotonie (sogenannte essenzielle Hypotonie), ist besonders beim Normaldruckglaukom, aber auch beim "Hochdruck"-Glaukom ein Risikofaktor. Eine essentielle Hypotonie wird nur selten medikamentös behandelt. Die medizinische Betreuung erfolgt durch einen Facharzt für Innere Medizin. Hingegen muss ein erhöhter Augeninnendruck noch konsequenter gesenkt werden.

Standardtherapie bei Glaukom sind Medikamente

Zur medikamentösen Therapie des Offenwinkelglaukoms (mit erhöhtem Augeninnendruck, mit "Normaldruck", gegebenenfalls auch bei erhöhtem Augeninnendruck ohne Glaukom) stehen verschiedene Medikamente in Form von Augentropfen zur Verfügung. Wenn der individuelle Zieldruck mit maximaler medikamentöser Therapie allein nicht dauerhaft erreicht wird, ist im Allgemeinen beim Glaukom ein Eingriff notwendig. Alles in allem gelingt es so bei vielen Patienten, die Erkrankung aufzuhalten und das Sehvermögen zu stabilisieren. Der Eingriff kann mit dem Laser oder chirurgisch erfolgen, wobei es jeweils verschiedene Techniken gibt.

Steter Tropfen hilft

Das chronische Offenwinkelglaukom als häufigstes primäres Glaukom reagiert normalerweise gut auf Medikamente. Die Behandlung mit den entsprechenden Augentropfen ist eine Dauertherapie. Gängige Wirkstoffe sind:

  • Prostaglandine
  • Betarezeptorenblocker (Betablocker)
  • Carboanhydrasehemmer
  • Alpha-2-Agonisten

Die Prostaglandine erhöhen den Kammerwasserabfluss und reduzieren die Kammerwasserproduktion im Auge. Die übrigen Wirkstoffe vermindern die Produktion des Kammerwassers.

Häufige Tropfen-Therapieschemen

  • 1. Wahl: Prostaglandine (einmal täglich) oder Betarezeptorenblocker (zweimal täglich)
  • 2. Stufe: Prostaglandine + Carboanhydrasehemmer oder Betarezeptorenblocker (zweimal täglich)
  • 3. Stufe: Prostaglandine + Betarezeptorenblocker + Carboanhydrasehemmer (zweimal täglich)
  • 4. Stufe: Prostaglandine + Betarezeptorenblocker + Carboanhydrasehemmer + Alpha-2-Agonisten (zweimal täglich)

Die beschriebenen Stufen stellen häufige Kombinationen und Ergänzungen der Therapie dar. Die Wirkstoffe lassen sich je nach Verträglichkeit und möglichen Kontraindikationen frei kombinieren. Die Kombinationen sind auch als Fertigpräparate verfügbar, was die Handhabung vereinfacht. Verschiedenartige Kombinationspräparate sind zudem ohne Konservierungsmittel erhältlich (Ein- und Mehrdosisbehälter).

Augentropfen mit bestimmten Betarezeptorenblockern sollten allerdings bei Asthma oder chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) keinesfalls, bei niedrigem Blutdruck, Herzschwäche und bestimmten Herzrhythmusstörungen nur äußerst vorsichtig und kontrolliert angewendet werden. Sogenannte beta-1-selektive Betarezeptorenblocker in Augentropfen, zum Beispiel Betaxolol, können bei COPD versucht werden. Im Einzelfall wird der Augenarzt sich mit dem behandelnden Hausarzt oder Kardiologen abstimmen.

Mit den genannten Arzneistoffen lässt sich die Mehrzahl der Glaukom-Patienten sehr gut behandeln. Darüber hinaus stehen noch weitere, seltener eingesetzte Wirkstoffe als Augentropfen zur Verfügung.

Video: So wenden Sie Augentropfen an

Notfall: Akuter Winkelblock

Der akute Winkelblock ist eine Notfallsituation, denn es droht Erblindungsgefahr. Zudem sind die Beschwerden mit starken Schmerzen auf derselben Kopfseite, ausgeprägten Sehstörungen und Allgemeinsymptomen wie Übelkeit und Erbrechen meist massiv.

Der stark angestiegene Augeninnendruck muss rasch gesenkt werden. Dies ist medikamentös mit Carboanhydrasehemmern (siehe oben) wie Acetazolamid (das Medikament wird beispielsweise in die Blutbahn, also intravenös gegeben) in Kombination mit Tropfen möglich, die einen Betarezeptorenblocker oder Pilocarpin enthalten. Letzteres verengt die Pupille, sodass der Kammerwinkel sich wieder öffnen kann und das Kammerwasser abfließt.

Innerhalb weniger Stunden sollte der Augeninnendruck in den tolerablen Bereich zurückgekehrt sein. Die einzige Möglichkeit, weiteren Anfällen vorzubeugen, ist die Schaffung einer kleinen Öffnung an der Basis der Regenbogenhaut. Dies wird meist durch eine Laserbehandlung (Iridotomie) oder eine chirurgische Iridektomie (siehe unten) erreicht.

Glaukom-Operation: Skalpell, Laser oder noch weniger invasiv?

Die Operationsmöglichkeiten beim Glaukom sind vielfältiger geworden. Falls die Medikamente nicht ausreichend wirken oder die Einnahme nicht im wünschenswerten Maße klappt, kommt bei allen primären Glaukomformen ein operativer Eingriff in Betracht, um den Abfluss des Kammerwassers zu verbessern. Der Standardeingriff ist derzeit nach wie vor eine sogenannte Trabekulektomie (siehe nachfolgend). Lasertechniken und neue, sogenannte minimalinvasive Verfahren können für manche Patienten eine gute Option oder Zwischenlösung sein, um die Risiken eines Eingriffs zu minimieren und die Tropfentherapie zu reduzieren oder auszusetzen.

Offenwinkelglaukom: Ableitende Eingriffe

Am häufigsten werden sogenannte fistulierende Operationen, auch Filtrationsoperation genannt, die Laser-Trabekuloplastik und die Kanaloplastik durchgeführt.

Die beiden klassischen, nur geringfügig unterschiedlichen Formen der Filtrationsoperation sind die Trabekulektomie und die gedeckte Goniotrepanation. Ziel ist, dem Kammerwasser einen künstlichen Abflussweg unter die Bindehaut zu bahnen. Dazu wird im schwammartigen Gewebe des Kammerwinkels, dem Trabekelwerk, eine Öffnung zur vorderen Augenkammer hin angelegt.

Eine Art Gewebedeckelung sorgt für einen gebremsten Abfluss. Die Bindehaut wird über der Abflussstelle wieder gut abdichtend vernäht. Um einem späteren narbigen Verschluss des Abflussareals vorzubeugen, werden während der Operation ein oder zwei die Zellteilung hemmende/s Medikament/e unter die Bindehaut gegeben.

Eine neuere, vielversprechende Operationsmethode ist die sogenannte Kanaloplastik. Hierbei wird der ringförmige Sammelkanal des Kammerwasserabflusses (der sogenannte Schlemm'sche Kanal) zunächst mit einer Mikrosonde katheterisiert und anschließend ein dauerhafter Faden eingelegt. Der Kanal wird dadurch aufgedehnt und der Kammerwasserabfluss verbessert. Das Verfahren hat eine etwas geringere drucksenkende Wirkung als die Trabekulektomie, ist jedoch komplikationsärmer.

Bei der Laser-Trabekuloplastik (Argonlaser-Trabekuloplastik (ALT) oder Selektive Lasertrabekuloplastik (SLT)) wird ein Laser gezielt an vielen Stellen (ca. 80 Herde über 360°) auf das Maschenwerk des Trabekelgewebes gerichtet. Bei der Laseranwendung entstehen Narben im Maschenwerk, die es durch Zug weiten, was den Abfluss des Kammerwassers verbessert und den Innendruck im Auge senkt. Zusätzlich kommt es zu einer Auflockerung des Gewebes im Kammerwinkel und somit zu einer Erhöhung der Abflussleichtigkeit. Allerdings ist die Wirkung nicht dauerhaft und auch nicht von vornherein immer gegeben. Die Laserbehandlung kann in größerem Abstand ein- bis zweimal wiederholt werden, jedoch lässt die Wirkung und die Wirkungsdauer mit jeder Behandlung nach.

Verminderung der Kammerwasserproduktion: Verödung oder sogenannte Zyklodestruktion

Der Ziliarkörper, der das Kammerwasser bildet, kann mit Laser, Ultraschall oder Kälteanwendung bearbeitet werden. Dabei wird das Gewebe reduziert, sodass das Auge weniger Kammerwasser bildet. Die Behandlung muss oft mehrfach wiederholt werden, da sie sehr vorsichtig dosiert werden muss. Auch kann sie die Ausgangsbasis für weitere Eingriffe ungünstig beeinflussen.

Operation bei Winkelblock: Verbesserung des Kammerwasserflusses im Auge

Während oder nach einem akuten Winkelblock wird oft eine Laser-Operation angeschlossen, zum Beispiel eine Iridotomie oder Iridektomie. Iridotomie bedeutet, dass an der Regenbogenhaut (Iris) mithilfe eines Laserstrahls eine kleine Öffnung geschaffen wird. Bei der Iridektomie erfolgt dies chirurgisch; dabei muss die Hornhaut in einem sehr kleinen Bereich eröffnet werden, damit der Operateur an die richtige Stelle (die Basis) der Iris gelangen und dort den Schnitt legen kann.

Ist der Kammerwinkel auch am anderen Auge eng, so wird dieses ebenfalls – und zwar vorbeugend – operiert. Ziel ist jeweils, dem Kammerwasser den Abfluss von der Hinter- zur Vorderkammer des Auges zu ermöglichen, und zwar selbst dann, wenn der Kammerwinkel bei einem drohenden Winkelblock zum Verschluss neigt.

Eingriffe bei sekundären Glaukomformen

Bei einem sekundären Glaukom ist die Behandlung komplexer und mit Augentropfen allein oft nicht Erfolg versprechend. Zum einen gilt es, die zugrunde liegende Augenkrankheit oder Erkrankung außerhalb des Auges zu beherrschen. Zum anderen muss meist die Situation am Kammerwinkel angegangen werden, wenn das zugrunde liegende Augenproblem hier zu einem Engpass geführt hat. Dazu bedarf es eines Eingriffs. Zudem können weitere Maßnahmen, etwa an der Netzhaut, notwendig werden.

  • Patienten mit einem PEX-Syndrom beziehungsweise PEX-Glaukom (mehr dazu ebenfalls im Kapitel "Glaukom: Ursachen und Risikofaktoren") zum Beispiel wird der Augenarzt engmaschig kontrollieren und frühzeitig behandeln. Die Therapie entspricht derjenigen des Offenwinkelglaukoms. Der Hauptunterschied: Selbst wenn die Untersuchungen des Sehnervs und Gesichtsfeldes noch normal ausfallen, muss der erhöhte Augeninnendruck bereits so effektiv wie möglich gesenkt werden. Der Zieldruck ist individuell – unter anderem hängt er vom Stadium der Erkrankung beziehungsweise vom Schaden am Sehnerven ab. Lässt sich der Druck nicht ausreichend senken, so muss häufig je nach Befund ein Eingriff durchgeführt werden. Liegt zugleich ein grauer Star vor, kann dieser im selben Zuge operiert werden. Es hat sich gezeigt, dass sich der Augeninnendruck so für einige Zeit günstig beeinflussen lässt.
  • Beim Pigmentglaukom (Pigmentdispersionsglaukom) entspricht die Therapie derjenigen des primären Offenwinkelglaukoms (siehe oben).
  • Bei arzneimittelbedingter Druckerhöhung im Auge wird besonders kritisch abzuwägen sein, ob das Medikament unbedingt nötig ist oder eventuell ersetzt werden kann. Setzen Sie jedoch ein verordnetes Medikament nie ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt ab.

A & O fürs Augenlicht: Früherkennung und gesunder Lebensstil

Vorbeugung gegen den grünen Star wäre schön, doch leider gibt es sie nicht wirklich. Wenigstens ist eine Früherkennung möglich (siehe Kapitel "Glaukom: Diagnose"). Und: Eine gesunde Lebensweise, zu der auch Rauchverzicht und regelmäßige körperliche Bewegung gehören, erhält das Normalgewicht aufrecht und schont den Stoffwechsel wie auch die Gefäße.

Die Vorbeugung vorzeitiger Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) kann im weitesten Sinne dazu beitragen, krankhafte Gefäßveränderungen und Durchblutungsstörungen auch im Bereich des Sehnervs und des Kammerwinkels im Auge zu vermeiden.

Empfehlungen zur Früherkennung

Die Deutsche Gesellschaft für Augenheilkunde (Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft) empfiehlt ab einem bestimmten Lebensalter regelmäßige (leider kostenpflichtige) Kontrollen des Augeninnendrucks. Über 65-Jährige sollten sich alle ein bis zwei Jahre beim Augenarzt untersuchen lassen. Bei Menschen ab 40 Jahren können Kontrollen alle drei Jahre sinnvoll sein (siehe auch Kapitel "Glaukom (grüner Star)" und "Glaukom: Diagnose").

Ebenfalls wichtig: Rauchen und Volkskrankheiten wie Bluthochdruck und Zuckerkrankheit (Typ-1-Diabetes, Typ-2-Diabetes) greifen die Gefäße an. Dies kann auch die Augen betreffen. Lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt vorsorglich auch auf diese Risikokrankheiten hin untersuchen. Die Krankenkassen übernehmen zum Beispiel alle zwei Jahre eine Früherkennungsuntersuchung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Nierenerkrankungen für gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren (dieser "Check-up 35" gehört zu den kostenlosen Vorsorgeangeboten).

Tipps zum Umgang mit Augentropfen

Augentropfen zur Glaukombehandlung müssen zum regelmäßigen Bestandteil des Alltags werden wie Essen und Trinken. Unregelmäßigkeiten können auf Dauer dazu führen, dass das Glaukom doch wieder fortschreitet.

Sollten Unverträglichkeiten, beispielsweise Augenbrennen, Juckreiz an den Lidrändern, Kopfschmerzen oder andere Beeinträchtigungen der Grund für die zögerliche Einnahme sein, so gibt es nur eine Empfehlung: zum Augenarzt. Er wird sich nach Möglichkeit darum bemühen, individuell besser verträgliche Tropfen auszuwählen.

Die Tropfen werden bei leicht zurück geneigtem Kopf in die Vertiefung des heruntergezogenen Unterlides, den Bindehautsack, getropft. Danach die Augen sanft schließen. Gehen Sie mit Medikamentenfläschchen hygienisch um, mit sauberen Händen, und ohne die Tropferspitze zu berühren. Halten Sie sich auch an die Lagerungshinweise. Falls Sie Augenlinsen tragen, beim Tropfen herausnehmen.

Professor Dr. med. Thomas Klink ist seit Juli 2015 an der Augenklinik Herzog Carl Theodor in München tätig. Zuvor, als leitender Oberarzt der Universitätsaugenklinik Würzburg, hat er sich bereits wissenschaftlich und klinisch intensiv mit den Erkrankungen des vorderen Augenabschnitts, insbesondere dem Glaukom, befasst. Die dabei gewonnen Kenntnisse und Fertigkeiten speziell in der modernen Glaukomchirurgie bilden nun einen neuen Schwerpunkt an der Münchner Augenklinik Herzog Carl Theodor. Die Einrichtung besteht seit über 120 Jahren. Derzeit sind an der Klinik 13 Belegärzte tätig, die alle Gebiete der Augenheilkunde abdecken.

Fachliteratur zu diesem Ratgeber:

Grehn F: Augenheilkunde, 31., überarbeitete Auflage, Berlin Heidelberg Springer-Verlag, 2012

Kanski Jack J, Bowling B: Klinische Ophthalmologie, 7. Auflage, München Elsevier Urban & Fischer, 2012

Leitthema Pseudoexfoliationssyndrom/Glaukom. In: Der Ophthalmologe. Herausgeber: Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft; Band 109, Heft 10, 2012: 942-975; Heidelberg Springer-Verlag

Perspektiven der Glaukomdiagnostik und -therapie. In: Der Ophthalomologe. Herausgeber: Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft; Band 113, Heft 10, 2016 (Lanzl I M, Redaktion): 814-843; Heidelberg Springer Medizin

Marx-Gross, S, Laubert-Reh, D, Schneider A et al.: Prävalenz des Glaukoms bei jungen Menschen. Ergebnisse aus der populationsbasierten Gutenberg-Gesundheitsstudie. Dtsch Arztebl Int 2017; 114;204-10. DOI: 10.3238/arztebl.2017.0204