Morbus Crohn: Symptome, Ursachen, Therapie

Morbus Crohn ist eine Krankheit, die meist den Darm betrifft und dort zu einer chronischen Entzündung führt. Symptome wie anhaltender Durchfall und Bauchschmerzen weisen darauf hin

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27.06.2013

Was ist Morbus Crohn?

Morbus Crohn zählt wie die Colitis ulcerosa zu den chronisch entzündlichen Darmkrankheiten. Die Crohn-Krankheit kann prinzipiell in jedem Abschnitt des Verdauungstrakts auftauchen – vom Mund bis zum After. Meist ist jedoch das Ende des Dünndarms (Ileum) oder der obere Abschnitt des Dickdarms (Kolon) betroffen. Mediziner sprechen zum Beispiel von einem "Morbus Crohn mit Ileozökalbefall" wenn der letzte Abschnitt des Dünndarms und gleichzeitig der Blinddarm (Zökum) betroffen sind. Eine "Colitis Crohn" liegt vor, wenn sich Teile des Dickdarms oder das gesamte Kolon entzündet haben.

Bei Morbus Crohn kann sich – im Gegensatz zur Colitis ulcerosa – nicht nur die Darmschleimhaut oberflächlich entzünden, sondern es sind teils auch tiefere Schichten der Darmwand erkrankt. Welche Ursachen dazu führen, konnten Wissenschaftler bislang noch nicht genau klären. Da die Krankheit jedoch in Familien gehäuft vorkommt, spielt eine genetische Veranlagung wohl eine Rolle. Nach heutiger Kenntnis führen einzelne Krankheitsgene dazu, dass Morbus Crohn häufiger auftritt. Daneben begünstigen Umweltfaktoren die Krankheit: Raucher haben zum Beispiel ein höheres Risiko. Psychische Belastungen lösen den Morbus Crohn nicht aus, können aber den Verlauf ungünstig beeinflussen. Kommen verschiedene Faktoren zusammen, scheint sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper zu richten und im Darm eine dauerhafte Entzündung hervorzurufen. "Falsche" Ernährung ist dagegen weder für das Entstehen der Darmkrankheit noch für die Schübe verantwortlich.

Die Erkrankung macht sich vorwiegend in jungen Jahren bemerkbar. So liegt das durchschnittliche Erkrankungsalter zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr. Grundsätzlich kann Morbus Crohn aber auch erst bei älteren Menschen auftreten. Die Darmkrankheit verläuft in Schüben – es gibt also Zeiten, in denen sie Beschwerden bereitet, und Zeiten, die symptomfrei verlaufen.

Wie sehen die Symptome aus?

Zu den typischen Symptomen, die auf Morbus Crohn hinweisen, zählen Durchfall, der über viele Wochen anhält, und Bauchschmerzen. Patienten beschreiben diese oft als krampfartig, die Schmerzen treten vermehrt im rechten Unterbauch auf. Auch ein ungewollter Gewichtsverlust zählt zu den Anzeichen. Die Symptome variieren jedoch von Mensch zu Mensch und hängen unter anderem davon ab, welchen Abschnitt des Verdauungstrakts die Krankheit betrifft. Zudem ähneln die Beschwerden denen der Colitis ulcerosa. Entzündungen außerhalb des Darmes, zum Beispiel Gelenkschmerzen (sogenannte extraintestinale Manifestationen), treten auch häufig auf und können manchmal das erste Symptom darstellen.

Die Diagnose zu stellen, fällt oft nicht leicht. Der Arzt nimmt dafür verschiedene Untersuchungen vor. Er bestimmt zum Beispiel Entzündungsstoffe im Blut, untersucht den Bauch mit einem Ultraschallgerät, führt eine Darmspiegelung durch und entnimmt Gewebeproben.

Wie lässt sich Morbus Crohn behandeln?

Die Therapie zielt in erster Linie darauf ab, den Entzündungsprozess zu unterbinden. Während eines akuten Krankheitsschubs kommen Medikamente wie Kortison oder spezielle Entzündungshemmer zum Einsatz. Treten wiederholt Schübe auf, muss der Patient meist spezielle Arzneimittel dauerhaft einnehmen, um einen erneuten Schub zu verhindern. Auch die Ernährung spielt eine Rolle, besonders bei Kindern und bei Untergewicht. Viele Patienten vertragen zum Beispiel keine ballaststoffreichen Lebensmittel, da sie blähen. Leiden Menschen mit Morbus Crohn länger unter Durchfall, können sie wichtige Nährstoffe und Vitamine nicht mehr aufnehmen. Diese müssen dann gezielt zugeführt werden. Manchen Erkrankten bleibt zudem eine Operation nicht erspart. Insbesondere dann, wenn Morbus Crohn zu negativen Begleiterscheinungen wie Fisteln (mehr dazu im Kapitel Symptome) oder gar einem Darmverschluss führt.

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Was genau Morbus Crohn auslöst, haben Wissenschaftler bislang noch nicht herausgefunden. Es gibt jedoch einige Faktoren, die diese Krankheit begünstigen. So kommt sie in Familien gehäuft vor, was eine genetische Veranlagung  nahe legt. Ist ein enger Verwandter an Morbus Crohn erkrankt, erhöht sich das Risiko für die anderen Familienmitglieder etwa um das zehnfache.

Forscher haben zudem verschiedene Gene entdeckt, die bei einigen Crohn-Patienten fehlerhaft sind. Das bekannteste ist das sogenannte NOD2/CARD 15-Gen. Es liegt auf Chromosom 16. Dieses Gen ist für Bestandteile von Immunzellen wichtig, die in der Darmschleimhaut vorkommen. Können diese Zellen Krankheitserreger nicht mehr vollständig beseitigen, weil sie nur eingeschränkt funktionieren, kommt es womöglich zu einer Überreaktion des körpereigenen Immunsystems. Das könnte in die chronische Entzündung münden, die bei Morbus Crohn vorliegt.

Daneben deuten verschiedene Studien darauf hin, dass auch Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Morbus Crohn kommt in Industrieländern beispielsweise weitaus häufiger vor als in ärmeren Ländern. Rauchen begünstigt die Krankheit ebenfalls. Dass die Psyche das Risiko, an einem Morbus Crohn zu erkranken, erhöht, gilt als widerlegt. Vielmehr belastet die Krankheit, nachdem sie aufgetreten ist, die Seele nachteilig, was sich auch ungünstig auf den Verlauf auswirken kann. Nicht selten leiden Patienten an Depressionen. Eine "falsche" Ernährung ist weder für das Entstehen eines Morbus Crohns noch für die Schübe verantwortlich.

Die Krankheit betrifft in erster Linie junge Menschen. Die meisten erkranken zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr daran. Prinzipiell kann Morbus Crohn jedoch auch erst bei älteren Menschen auftreten.

Schreitet die Crohn-Krankheit voran, können sich unangenehme Begleiterscheinungen ergeben. Dazu zählen Fisteln, Fissuren und Abszesse, aber auch ein Darmverschluss oder ein Mangel an Nährstoffen (mehr im Kapitel Symptome). Menschen, die an Morbus Crohn leiden, haben ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs, wenn der Dickdarm befallen ist oder zusätzlich eine Entzündung der Gallenwege vorliegt (primär sklerosierende Cholangitis).

Wässrige, zum Teil auch schleimige Durchfälle, die für mehrere Wochen anhalten, stellen mit das häufigste Symptom eines Morbus Crohn dar. Fieber kann den Durchfall begleiten, Blut befindet sich eher selten darin. Dazu kommen oft heftige Bauchschmerzen, die Patienten mitunter als krampfartig beschreiben. Die Schmerzen treten in vielen Fällen im rechten Unterbauch auf. Der Grund: Hier befindet sich der am häufigsten von Morbus Crohn betroffene Darmabschnitt – das Ende des Dünndarms sowie der obere Abschnitt des  Dickdarms.

Als weitere Anzeichen kommen ein ungewollter Gewichtsverlust sowie ein Mangel an Appetit infrage. Die Crohn-Krankheit beschränkt sich jedoch nicht ausschließlich auf den Magen-Darm-Trakt. Beschwerden wie Schmerzen an Knie- oder Sprunggelenk, entzündliche Hautveränderungen oder chronische Müdigkeit (Fatigue-Syndrom) können für eine sogenannte extraintestinale Manifestation sprechen.

Unklare Symptome bei Kindern

Leiden Kinder an Morbus Crohn kann sich die Krankheit auch ganz anders bemerkbar machen: Sie wachsen womöglich langsamer und kommen später in die Geschlechtsreife. Meistens kommt es jedoch auch bei ihnen zu Durchfall und/oder Bauchschmerzen.

Wichtig: Morbus Crohn betrifft – wie bereits erwähnt – zwar vorwiegend den Verdauungstrakt, aber nicht nur. Zudem können sich verschiedene Teile des Darms entzünden, vom oberen Dünndarm bis zum Dickdarm. Die Krankheit schreitet nicht von einer Stelle ausgehend kontinuierlich fort. Es gibt vielmehr gesunde und kranke Darmabschnitte (segmentaler Befall). Manche Betroffenen verspüren nur leichte Symptome, andere leiden unter heftigen Beschwerden. Da die Krankheit in Schüben verläuft, gibt es beschwerdefreie Phasen und Zeiten, in denen Morbus Crohn Probleme bereitet. Die  Symptome gestalten sich aus diesen Gründen sehr unterschiedlich und sind vor allem zu Beginn ziemlich unspezifisch.

Morbus Crohn: Komplikationen

Wird die Darmschleimhaut und/oder die Darmwand durch die chronische Entzündung krankhaft verändert, können sich unangenehme Begleiterscheinungen einstellen. Mediziner sprechen hierbei von den Komplikationen eines Morbus Crohn. Dazu gehören einerseits die Bildung von Engstellen (Stenosen) und andererseits Fisteln, Fissuren oder Abszesse. Bei einer Fistel handelt es sich um einen Verbindungsgang, einer Art Tunnel, der von einem Darmabschnitt zum nächsten reicht. Selten endet dieser Verbindungsgang blind.

Solche Fisteln sind besonders gefährlich, weil sich daraus oft Eiteransammlungen (Abszesse) bilden. Die Fistel kann den Darm aber auch mit anderen Organen verbinden, zum Beispiel der Blase oder der Haut. Fissuren betreffen meist den After und sind Risse, welche die Haut im Analkanal verletzen. Neben diesen Folgen kann es auch zu einem Darmverschluss – meist als Folge einer Engstelle (Stenose) – kommen oder einem sogenannten Malabsorptions-Syndrom. Es entsteht, wenn dem Körper – bedingt durch die Krankheit – wichtige Nährstoffe verloren gehen und er dadurch an einem Nährstoffmangel leidet.

Körperliche Untersuchung: Der Arzt (am besten ein Gastroenterologe) tastet unter anderem den Bauchraum ab. Klagt der Untersuchte dabei über Druckschmerzen im rechten Unterbauch, stellt dies einen ersten Hinweis dar. Manchmal kann der Arzt beim Abtasten auch eine Verhärtung fühlen. Außerdem untersucht er sorgfältig den After, um zum Beispiel nach Fisteln oder Fissuren zu suchen.

Blutabnahme und Laborwerte: Nach der Tastuntersuchung nimmt der Arzt Blut ab. Liegt Morbus Crohn vor, lassen sich im Blutbild verschiedene Veränderungen beobachten. Ist das C-reaktive Protein (CRP) erhöht, weist dies auf akute Entzündungsprozesse hin, wie sie bei der Crohn-Krankheit vorliegen. Gleichzeitig ist oft die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) erhöht, ebenso wie die Zahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Häufig besteht eine Blutarmut (Anämie). Stellt der Arzt im Blutbild einen Mangel an wichtigen Nährstoffen fest – insbesondere Folsäure, Vitamin D und Vitamin B12 – deutet dies ebenfalls auf Morbus Crohn hin.

Untersuchung des Magen-Darm-Trakts: Besteht der Verdacht auf Morbus Crohn, wird eine Darmspiegelung nötig. Der Gastroenterologe führt dabei über den After eine Art Schlauch mit einer eingebauten Minikamera (Endoskop) in den Dickdarm ein. So kann er die Darmschleimhaut von innen betrachten. Bei Morbus Crohn zeigen sich charakteristische Gewebeveränderungen. Entdeckt er solche, entnimmt der Arzt mit Hilfe des Endoskops Gewebeproben, die im Labor untersucht werden. Anhand einer Gewebeprobe lässt sich Morbus Crohn oft, aber nicht immer von der Colitis ulcerosa abgrenzen. Es gibt jedoch einige andere Unterscheidungsmerkmale: Das Befallsmuster sieht verschieden aus. Bei Colitis ulcerosa schreitet die Krankheit kontinuierlich vom After aufwärts, beim Morbus Crohn sind nur kurze Darmabschnitte (segmental) betroffen. Komplikationen wie Fisteln und Stenosen (verengte Stellen im Darm) treten zudem bei Morbus Crohn auf, aber fast nie bei Colitis ulcerosa.

Zusätzlich kommt meist der Ultraschall zum Einsatz. Mit einem Ultraschallgerät kann der Magen-Darm-Spezialist überprüfen, ob die Darmwand verdickt ist. Dies ist bei Morbus Crohn häufig der Fall.

Da die Krankheit den gesamten Verdauungstrakt betreffen kann, wird unter Umständen auch eine Magenspiegelung nötig, ebenso wie bildgebende Verfahren (zum Beispiel die Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT)).

Video: Was ist eine Darmspiegelung?

Vollständig heilen lässt sich Morbus Crohn derzeit nicht. Spezielle Arzneimittel können aber immerhin die Beschwerden lindern und die symptomfreien Phasen verlängern. Das steigert die Lebensqualität. Welche Medikamente die Erkrankten einnehmen müssen, hängt unter anderem davon ab, wie intensiv die Entzündung verläuft und welchen Bereich des Magen-Darm-Trakts die Krankheit betrifft.

Akuter Schub

Morbus Crohn im unteren Dünndarm (mit Ileozökalbefall): Kommt es im letzten Dünndarmabschnitt zu einem akuten Schub, gilt es, die Entzündung einzudämmen. Je nachdem, wie stark die Darmschleimhaut oder Darmwand betroffen ist, kommen örtlich (lokal) oder im ganzen Körper wirkende Kortisonpräparate zum Einsatz. Kortison wirkt entzündungshemmend und verhindert, dass das körpereigene Immunsystem überreagiert. Patienten müssen diese Mittel über mehrere Wochen einnehmen – bis die Beschwerden abklingen. Nur wenn der akute Schub mild verläuft, können auch schwächere Entzündungshemmer wie Mesalazin helfen.

Reichen künstlich hergestellte Kortison-Abkömmlinge wie Budesonid oder Prednisolon nicht aus, muss der Betroffene weitere Medikamente einnehmen. In diesem Fall verordnet der behandelnde Arzt Wirkstoffe wie Azathioprin oder 6-Mercaptopurin, die die Aktivität des Immunsystems eindämmen. Künstlich hergestellte Antikörper wie Infliximab, die sich gegen proentzündliche Botenstoffe (zum Beispiel TNF-alpha) im Organismus richten, kommen nur in Betracht, wenn die anderen Arzneimittel nicht ausreichend helfen. Alternativ wird das Medikament Methotrexat (MTX) als wöchentliche Spritze eingesetzt. Wichtig: Im Vorfeld sollten Patienten den Impfstatus überprüfen und gegebenenfalls auffrischen lassen. Denn durch diese Medikamente können Infektionen gehäuft auftreten.

Morbus Crohn im Dickdarm (Colitis Crohn): Verläuft die Entzündung nicht zu stark, setzen Gastroenterologen Medikamente wie Sulfasalazin oder Kortison ein. Beide wirken entzündungshemmend. Verbessern sich die Beschwerden dadurch nicht ausreichend, verwenden Mediziner dieselben Arzneimittel, die in diesem Fall auch bei Befall des Dünndarms infrage kommen.

Morbus Crohn in Magen oder Speiseröhre: Betrifft die Krankheit die oberen Abschnitte des Verdauungstrakts, stellen wiederum Kortisonpräparate, die im ganzen Körper wirken (systemisch), die Mittel der Wahl dar. Zusätzlich müssen Betroffene zum Teil sogenannte Protonenpumpenhemmer einnehmen. Diese Medikamente drosseln die Bildung von Magensäure und lindern dadurch Sodbrennen. Menschen, bei denen Magen, Speiseröhre oder Zwölffingerdarm befallen ist, erleiden häufiger erneute Schübe. Hier wird direkt am Anfang mit einer Dauertherapie begonnen, etwa mit dem Wirkstoff Azathioprin.

Langzeittherapie (Remissionserhaltung, Erhaltungstherapie)

Studien zeigen, dass bei 30 bis 60 Prozent der Crohn-Patienten innerhalb eines Jahres die Krankheit erneut ausbricht. Bezogen auf zwei Jahre leiden sogar 40 bis 70 Prozent der Betroffenen wieder unter der entzündlichen Darmkrankheit. Da es sich jedoch kaum vorhersagen lässt welche Patienten einen Rückfall bekommen, folgt auf einen Schub nicht automatisch eine Dauertherapie.

Ziel der Langzeitbehandlung ist, die beschwerdefreie Phase auszudehnen und einen erneuten Schub zu verhindern. Treten Schübe gehäuft auf oder können Erkrankte  das Kortison nicht absetzen, sollte eine Dauertherapie erfolgen.

Medikamente, die verhindern, dass das Immunsystem überreagiert, können dann einigen Patienten helfen. Vorwiegend kommen dafür Azathioprin und 6-Mercaptopurin infrage. Erkrankte müssen diese Medizin für mehrere Jahre einnehmen. Wer die Arzneimittel nicht verträgt, bekommt unter Umständen Methotrexat (MTX) – meist als wöchentliche Spritze – oder oben genannte Antikörper (siehe akuter Schub) verschrieben.

Dagegen versuchen Gastroenterologen Kortison nur über wenige Wochen einzusetzen, wenn die Krankheit Beschwerden bereitet. Nehmen Menschen die Mittel über lange Zeit ein, können zahlreiche Nebenwirkungen auftreten – von erhöhtem Blutdruck bis zu Osteoporose. Für die Langzeittherapie eignet sich Kortison daher im Normalfall nicht.

Wichtig: Rauchen erhöht nicht nur das Risiko für Morbus Crohn an sich. Es begünstigt auch einen schwereren Verlauf der Krankheit: Die Entzündung bricht häufiger wieder aus und das Risiko für Osteoporose steigt an. Experten sagen, dass sich die Gefahr eines erneuten Schubs halbieren lässt, wenn Patienten auf das Rauchen verzichten. Also unbedingt damit aufhören!

Morbus Crohn an anderen Organen

Bei etwa einem Drittel aller Betroffenen tritt Morbus Crohn außerhalb des Magen-Darm-Trakts (extraintestinale Manifestation) auf. Je nachdem, ob sich Gelenke entzünden, die Haut, die Knochen oder die Augen in Mitleidenschaft gezogen werden, muss der behandelnde Arzt entsprechende Medikamente verschreiben.

Operative Maßnahmen

Bekommen Patienten den Morbus Crohn trotz Medikamenten langfristig nicht in den Griff, muss ein Chirurg unter Umständen den betroffenen Darmabschnitt herausnehmen. Auch wenn es durch die Krankheit zu Komplikationen kommt, wird manchmal eine Operation nötig. Dazu zählen beispielsweise Fisteln oder Abszesse im Darm, ein drohender Darmverschluss oder ein stark verengter Darmbereich (Stenose).

Morbus Crohn bei Kindern

Leiden Kinder an dieser Krankheit, kommen für sie im Prinzip die gleichen Medikamente in Betracht wie für Erwachsene. Problematisch ist allerdings, dass Studien zur Wirksamkeit bis jetzt in erster Linie bei erwachsenen Menschen durchgeführt wurden. Bei Kindern fehlen sie für manche Substanzen. Zudem haben Mittel, die Kortison enthalten, Nebenwirkungen, die gerade für junge Patienten gefährlich sind. Kortison verlangsamt zum Beispiel das Wachstum und wirkt sich negativ auf die Stabilität der Knochen aus. Kinder, die Morbus Crohn haben, wachsen – bedingt durch die Krankheit – ohnehin oft langsamer. Daher wird bei einem schweren akuten Schub normalerweise eine Ernährungstherapie durchgeführt. Diese besteht entweder aus Trinknahrung oder aus einer Ernährungssonde, die die Sondenkost direkt in den Dünndarm bringt.

Wer an Morbus Crohn leidet, verliert oft Nährstoffe und nimmt stark ab. Vor allem die heftigen Durchfälle bewirken, dass lebenswichtige Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente ausgeschieden werden, bevor der Körper sie aufnehmen kann. Untersuchungen haben ergeben, dass häufig ein Mangel an Kalium, Kalzium, Eisen und Magnesium besteht. Ebenso fehlen Vitamin B12, Folsäure und Vitamin D. Zudem mangelt es Betroffenen häufig an Appetit, sie vertragen bestimmte Lebensmittel nicht mehr und verbrauchen durch die Krankheit mehr Kalorien.

Derzeit gibt es keine spezielle Diät, die Experten Menschen mit Morbus Crohn empfehlen. Der Verlauf der Krankheit, ebenso wie die Lebensqualität, lässt sich aber durch eine gezielte Ernährung positiv beeinflussen.

Akuter Schub: Betrifft die Entzündung den oberen Dünndarm und liegt eine erhebliche Unterernährung vor, erfolgt häufig eine parenterale Zusatzernährung, um Nährstoffe ergänzend zuzuführen. Parenterale Ernährung bedeutet, dass lebenswichtige Nährstoffe über einen Katheter direkt in die Blutbahn gelangen. Der Verdauungstrakt wird umgangen.

Ansonsten kann eine enterale Ernährung, die der Patient in Form von Trinkfläschchen oder über eine Sonde zu sich nimmt, hilfreich sein. Auf diese Weise lassen sich nicht nur Nährstoffe zuführen, sondern auch Extra-Kalorien, die Erkrankte oft benötigen. Kinder, bei denen durch Morbus Crohn das Wachstum verzögert ist oder die einen schweren akuten Schub durchmachen, können von dieser Ernährungsform ebenfalls profitieren.

Fehlen nur spezielle Vitamine oder Mineralien, kann derjenige sie gezielt als Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen. Sollte bei einem Patienten während eines akuten Schubs ein Eisenmangel bestehen, verabreicht der behandelnde Arzt Eisen direkt in die Vene. Denn Eisentabletten zum Schlucken verschlimmern den Schub unter Umständen.

Beschwerdefreie Zeit: Liegt kein Mangel an Nährstoffen vor, können Menschen mit Morbus Crohn normalerweise auf Trinknahrung verzichten. In dieser Phase sollten sie eher auf eine leichte aber vollwertige Kost setzen. Milch- und Milchprodukte werden von einem Teil der Betroffenen nicht vertragen. Ob eine Milchzuckerunverträglichkeit vorliegt, lässt sich beim Arzt nachweisen. Ballaststoffe wirken sich günstig auf die Verdauung aus, können aber Blähungen und Bauchweh bereiten. Hier muss jeder einzelne für sich austesten, welche Lebensmittel ihm bekommen.

Professor Dr. med. Jörg C. Hoffmann ist Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Gastroenterologie, Diabetologie, Rheumatologie und Palliativmedizin. Bis 2007 war er geschäftsführender Oberarzt an der Medizinischen Klinik I der Charité Berlin, Campus Benjamin Franklin. Seit 2007 ist er Chefarzt der Medizinischen Klinik I am St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus in Ludwigshafen.

Zu seinen klinischen Schwerpunkten gehören chronisch entzündliche Darmerkrankungen, interventionelle Endoskopie und gastrointestinale Onkologie. Hoffmann hat mehrere Leitlinien über Morbus Crohn und Colitis ulcerosa federführend herausgegeben. Außerdem hat er das "Kompetenznetzwerk chronisch entzündliche Darmerkrankungen" mitgegründet.

Quellen:

- S3-Leitlinie "Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn", Stand 2008

- Patienteninformationen der Deutschen Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung e.V.

- Patienteninformationen der Crohn´s and Colitis Foundation of America

- Fachartikel "Diagnostik und Therapie von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa", Deutsches Ärzteblatt, 2009

- Classen, Diehl, Kochsiek: Innere Medizin, Elsevier/Urban&Fischer, 6. Auflage

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.