Wadenkrämpfe: Ursachen, Therapien, Selbsthilfe

Unangenehm, aber meist harmlos: Wadenkrämpfe. Die Ursachen sind oft leicht auszumachen. Nur manchmal stecken ernsthafte Erkrankungen hinter Krämpfen in Wade und Fuß

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 14.11.2018

So zeigen sich Wadenkrämpfe

Sie können höllisch schmerzen und kommen meist ohne Vorwarnung – in der Gymnastikstunde, beim Waldlauf, im Schwimmbad oder nachts im Schlaf: Krämpfe in der Wade. Der Muskel zieht sich äußerst schmerzhaft zusammen, wird hart, fühlt sich an wie im Schraubstock. Der Hauch einer falschen Bewegung, und die nächste Schmerzwelle ist da. So geht das sekunden- bis minutenlang.

Wer das kennt – und das ist die Mehrzahl – wendet häufig instinktiv das richtige Mittel an: Er dehnt die Wadenmuskulatur. Zieht die Fußspitze in Richtung Körper, tritt mit der Ferse nach vorne. Oder er stellt das attackierte Bein durchgestreckt nach hinten und drückt die Ferse dabei fest auf den Boden. Dann löst sich der Krampf, die Schmerzen vergehen. Nur manchmal bleibt ein unangenehmes Gefühl zurück, wie bei einem Muskelkater.

Die Krämpfe (medizinisch Crampi oder Crampus-Syndrome, im weiteren Sinne verwenden Ärzte auch den Begriff Spasmus, Mehrzahl: Spasmen) können tagsüber auftreten, bei bestimmten Aktivitäten, aber auch abends im Bett, beim Einschlafen oder mitten in der Nacht. Manchmal ziehen sich auch Muskeln vorne oder seitlich am Schienbein, an der Fußsohle und an den Zehen zusammen.

Nicht immer lässt sich für die peinvollen Muskelkrämpfe eine Ursache finden. Wenn diese sogenannten idiopathischen Wadenkrämpfe nicht zu oft auftreten und sich gleich wieder legen, besonders nach den Dehnübungen, besteht meist kein Grund zu Sorge. Eine familiäre Veranlagung kommt mitunter vor.

Video: Stretching – 11 einfache Übungen

Wichtig: Wadenkrämpfe haben oft mit zwei gegensätzliche Fehlentwicklungen zu tun: Entweder überfordern Wadenschmerzgeplagte ihre Muskulatur, oder sie unterfordern sie. Auch Fehlbelastungen bestimmter Muskeln durch Gelenkprobleme können eine Rolle spielen, ebenso Venenleiden wie Krampfadern, obwohl das teilweise kontrovers diskutiert wird.

Zu den typischen Auslösern von Wadenkrämpfen gehören zudem häufig vorübergehender Flüssigkeits- und Mineralstoffmangel (etwa bei starken Durchfällen oder Erbrechen), hormonelle und stoffwechselbedingte Einflüsse (Schwangerschaft, Schilddrüsenunterfunktion) sowie Medikamentennebenwirkungen (mehr dazu jeweils weiter unten).

"Gewöhnliche" Wadenkrämpfe sind im Alltag weit verbreitet. Das feinregulierte Zusammenspiel von Muskeln und Nerven ist immer irgendwie mitbeteiligt. Ebenfalls häufig, aber anders: Nervenschädigungen durch Diabetes oder Alkohol. Seltener und komplexer: die unterschiedlichen, oftmals erblichen Störungen der Nerven und/oder Muskeln, die unter dem Begriff "neuromuskuläre Erkrankungen" zusammengefasst werden (Infos in der Liste unten und in den Kapiteln "Ursachen: Störungen der Nerven" sowie "Ursachen: Muskelerkrankungen" in diesem Beitrag).

Wie es zu Wadenkrämpfen kommt

  • Überanstrengte oder untrainierte Muskeln, gestörter Flüssigkeits- und Mineralhaushalt

Sportler haben des Öfteren mit Schmerzattacken im Bein zu tun – wenn sie sich zu viel zumuten, ihre Muskeln nicht zur Ruhe kommen lassen. Schwitzen sie dazu auch noch stark und trinken sie zu wenig, verlieren sie Flüssigkeit und wichtige Mineralstoffe.

Diese brauchen die Nerven jedoch, um geordnete Befehle an die Muskelfasern leiten zu können, die sich dann je nach Bedarf zusammenziehen, auseinanderdehnen oder entspannen.

Auch die Muskelfunktionen selbst sind auf einen ausgeglichenen Mineralstoffhaushalt angewiesen. Eine ohnehin schon übermüdete Muskulatur bekommt doppelt Probleme mit der nötigen Feinabstimmung, wenn Mineralstoffe, etwa Magnesium und Kalium, fehlen.

Die andere Seite: Wer nach einer langen Trainingspause wieder motiviert einsteigt, spürt oft schon bald, wie die durchs Nichtstun verkürzten Muskeln unkontrolliert hart werden, etwa wenn der fleißige Turner mit bestimmten Übungen gerade diese Partien anspannt.

Menschen, die viel am Schreibtisch und abends vor dem Fernseher sitzen, bekommen die Folgen der muskulären Unterforderung häufig nachts zu spüren.

Manche bemerken auch, dass sich ihre Bein- oder Fußmuskulatur verkrampft, nachdem sie einige Zeit in unbequemen Schuhen unterwegs waren und ihre Muskeln dadurch unter Dauerspannung standen. Bei Fußfehlstellungen, Senk- oder Spreizfüßen können ebenfalls abendliche oder nächtliche Fußkrämpfe auftreten.

  • Verändertes Muskelspiel im Alter und in der Schwangerschaft

Mit den Lebensjahren neigen die Muskeln dazu, sich zu verkürzen, der Körper baut Muskelmasse ab, wenn man nicht bewusst durch regelmäßige Bewegung gegensteuert. Viele ältere Menschen trinken außerdem zu wenig oder ernähren sich einseitig. Das beeinträchtigt den Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalt (Elektrolythaushalt).

Dazu kommen weitere Einflüsse: hormonelle Veränderungen, Durchblutungsstörungen, Probleme mit dem Rückgrat und den dort verlaufenden Nerven, die Nebenwirkungen verschiedener Medikamente.

Das Wechselspiel der Hormone und Stoffwechselveränderungen führen bei Schwangeren zu Verschiebungen im Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalt. Gerade in der zweiten Schwangerschaftshälfte besteht unter anderem erhöhter Bedarf an Magnesium. Ein Mangel hier kann dann der Grund für nächtliche Wadenkrämpfe sein.

Krankhafte Ursachen für Wadenkrämpfe

Wenn sich die Muskeln immer wieder schmerzhaft und anhaltend verkrampfen, eventuell nicht nur in der Wade oder im Fuß, sondern auch in anderen Körperpartien, wenn weitere Beschwerden wie Schmerzen, Schwellungen oder Taubheitsgefühle dazukommen, kann manchmal auch eine ernsthafte Ursache dahinterstecken.

Wer eine chronische Stoffwechselerkrankung wie Diabetes oder eine chronische Nierenschwäche hat, sollte ohnehin körperliche Veränderungen aufmerksam beobachten, damit er rechtzeitig seinen Arzt konsultiert, um möglichen Komplikationen gegenzusteuern.

Nierenkranke, die eine künstliche Blutwäsche (Dialyse) benötigen, haben manchmal vermehrt mit Wadenkrämpfen zu tun.

Für Menschen, die unter Alkoholsucht leiden, sind Krämpfe und Missempfindungen in den Beinen ebenfalls Alarmzeichen für Mangelzustände und Nervenschädigungen.

Infekte mit hohem Fieber und/oder Durchfällen und Erbrechen führen bisweilen schnell zu bedrohlichen Ungleichgewichten im Wasser-Salz-Haushalt (Elektrolythaushalt) mit ausgeprägtem Mineralstoffmangel.

Außerdem können Nervenerkrankungen wie zum Beispiel Polyneuropathien für Wadenkrämpfe verantwortlich sein. Nächtliche, schmerzhafte Wadenkrämpfe sind vereinzelt ein Hinweis auf die amyotrophe Lateralsklerose, eine fortschreitende Erkrankung der Bewegungsnerven im Gehirn und Rückenmark.

Selten verbergen sich bestimmte Muskelkrankheiten (Myopathien, unter anderem sogenannte Myotonien) hinter den Krämpfen. Solche Erkrankungen sind meist erblich und machen sich häufig schon im Kleinkind-, Kindes- und Jugendalter mit charakteristischen Beschwerden bemerkbar. Sie können praktisch alle Skelettmuskeln und andere Willkürmuskeln, auch mit bestimmten Verteilungsmustern, erfassen.

Typisch für eine Untergruppe von Muskelkrankheiten wie die sogenannten Myotonien ist es etwa, dass sich einmal angespannte Muskeln nur noch mühsam entspannen. So lassen sich etwa die zur Faust geballte Hand oder die geschlossenen Augenlider nur mehr langsam öffnen. Dazu kommen vermehrte Muskelsteifigkeit, manchmal Lähmungsattacken und bei einigen Krankheitsbildern auch Wadenkrämpfe. Mehr dazu in den Kapiteln "Wie der Arzt vorgeht" und "Ursachen: Muskelerkrankungen".

Wadenkrämpfe: Wann zum Arzt?

Sprechen Sie in jedem Fall mit Ihrem Arzt, wenn

  • Sie häufig Muskelkrämpfe im Bein haben
  • Sie feststellen, dass die Krämpfe sich nicht lösen, wenn Sie die Wadenmuskulatur dehnen und andere Selbsthilfetipps anwenden,
  • die Krämpfe sehr schmerzhaft sind und oft minutenlang anhalten,
  • Sie wegen der Krämpfe nicht schlafen können und am Tage müde und unkonzentriert sind,
  • die Krämpfe immer wieder bei bestimmten Bewegungen einsetzen.

Gehen Sie ebenso zum Arzt, wenn andere Symptome und Auffälligkeiten dazukommen, zum Beispiel:

  • Lähmungserscheinungen im Bein, Kribbeln und Taubheitsgefühle (Notfall!),
  • häufige oder plötzliche Schmerzen im Bein, Fuß oder in der Leiste,
  • Schwellungen an Bein oder Fuß,
  • Rückenschmerzen.

Der Arzt, zunächst der Hausarzt beziehungsweise ein Facharzt für innere Krankheiten (Internist), wird Sie gründlich untersuchen und je nach Diagnose selbst behandeln oder an einen Kollegen aus einem anderen Fachgebiet überweisen. Das kann zum Beispiel ein Spezialist für Nervenerkrankungen (Neurologe, eventuell auch mit Schwerpunkt neuromuskuläre Erkrankungen) oder für die Bewegungsorgane (Orthopäde) sein, gegebenenfalls ein Facharzt für Humangenetik (siehe dazu Kapitel "Diagnose").

Nicht zu verwechseln sind Wadenkrämpfe mit anderen Beschwerden in den Beinen, wie dem Syndrom der unruhigen Beine (Restless-Legs-Syndrom), oder vorübergehenden, oft nächtlichen Muskelzuckungen, die weniger schmerzhaft als unangenehm sind. Die Muskeln verkrampfen sich dabei nicht und werden auch nicht hart. Die Missempfindungen können aber zu nachhaltigen Schlafstörungen führen.

Übersicht über mögliche Ursachen von Wadenkrämpfen

Lebensstil, körperliche Besonderheiten

  • Ungünstige Schlafposition (zum Beispiel mit überstrecktem Fuß schlafen, weil die Bettdecke am Fußende fest eingeschlagen ist, unbequem liegen, weil die Matratze nicht passt und vieles mehr – Krämpfe nachts)
  • Überlastung der Muskeln am Tag (löst häufig nachts Wadenkrämpfe aus)
  • Übermäßige oder einseitige belastete Muskeln beim Sporttreiben (Krämpfe beim Sport)
  • Sportliche Aktivität bei hohen Temperaturen mit ungenügender Flüssigkeitszufuhr (Krämpfe beim Sport)
  • Schwimmen im kühlen Wasser (gefährliche Krämpfe während des Schwimmens)
  • Einseitige Haltungen, in der die Muskeln über längere Zeit gehalten werden (Beispiel: längeres Sitzen in einer bestimmten Position – Krämpfe in Ruhe, bei erneuten Bewegungen, nachts)
  • Fehlstellungen an Fuß oder Bein, wie Senkfüße, die die Muskeln stärker oder einseitig belasten, schlecht sitzende Schuhe, die zu erhöhter Anspannung der Beinmuskulatur führen (Krämpfe während des Gehens, in Ruhe, nachts)
  • Körperliche Aktivität nach längerer Pause, Übungen mit Muskeln, die sich schon verkürzt haben (Krämpfe während der Aktivität, nachts)
  • Alterserscheinung (Krämpfe häufig nachts, aber auch tagsüber. Mögliche Gründe: zu geringe Trinkmengen, zu wenig Bewegung, unerwünschte Medikamentenwirkungen, Muskelabbau, Muskelverkürzungen, Nervenstörungen)
  • Schwangerschaft: Krämpfe häufig nachts (mehr dazu auf unserem Partnerportal https://www.baby-und-familie.de: Schwangerschaft)

Siehe dazu auch Kapitel "Therapie und Selbsthilfe".

Ungleichgewichte im Elektrolythaushalt, Stoffwechselprobleme, Hormonstörungen

  • Gestörter Wasser-Salz-Haushalt (Elektrolythaushalt), Mangel an Magnesium, Natrium und anderen Mineralien beziehungsweise Salzen (Krämpfe untertags, bei Aktivitäten, nachts. Ursachen hierfür können unter anderem sein: zu wenig trinken, schwitzen, Durchfall, Erbrechen, Alkoholmissbrauch, erhöhte Harnausscheidung bei Nierenschwäche)
  • Medikamente (Abführmittel, Bluthochdruckmedikamente, Verhütungsmittel – Krämpfe nachts und untertags)
  • Krankhafter Magnesiummangel (Hypomagnesiämie – Krämpfe untertags und nachts)
  • Nierenschwäche (Niereninsuffizienz – vor allem bei chronischer Nierenschwäche Wadenkrämpfe und Muskelzuckungen neben anderen Beschwerden)
  • Hormon- und Stoffwechselerkrankungen:
    - Nebenschilddrüsen-Unterfunktion (anfallsartige Muskelkrämpfe)
    - Folgeerscheinungen bei Nebennierenrinden-Versagen (unter anderem Muskelkrämpfe und Muskelschwäche in den Beinen)
    - Diabetes mellitus (nächtliche Wadenkrämpfe)
    - Schilddrüsenunterfunktion (Krämpfe nachts möglich, aber nicht vorherrschend)
    - Diabetes insipidus (Erkrankung aufgrund einer bestimmten Hormonstörung oder eingeschränkter Nierenfunktion; auch Wadenkrämpfe möglich)

Näheres dazu im Kapitel "Ursachen: Gestörter Elektrolythaushalt".

Neurologische Störungen/Erkrankungen (Nerven, Rückenmark, Gehirn)

  • Nervenschädigungen aufgrund von Diabetes (Polyneuropathie: brennende und stechende Schmerzen, zum Beispiel an den Füßen, Taubheitsgefühl, Muskelkrämpfe, vorwiegend nachts; es gibt auch Überlappungen mit Magnesiummangel, siehe oben)
  • Übererregbare motorische Nerven: Crampus-Faszikulations-Syndrom (Beschwerdebild meist ohne krankhafte Entwicklung mit Wadenkrämpfen, Schmerzen in den Beinen), Neuromyotonie
  • Stiff-Man-(Stiff-Person-)Syndrom
  • Dystonien (vielfältige Symptome, oft schon im Kindesalter, häufig mit Muskelkrämpfen an unterschiedlichen Skelettmuskeln bei Bewegung, Stress oder Kälte, auch in Ruhe, Muskelsteifigkeit, Muskelschwäche; nicht kontrollierbare Bewegungen bei Dystonien)
  • Nervenschäden durch Alkoholmissbrauch (Schmerzen in den Beinen, Muskelkrämpfe häufig nachts, Muskelschwäche, Taubheitsgefühle, Zittern, schweißnasse, kalte Füße)
  • Gehirn- und Rückenmarkserkrankungen wie die amyotrophe Lateralsklerose (häufig nächtliche Wadenkrämpfe zu Beginn der Erkrankung)
  • Eingeengte Nerven im Wirbelkanal, Bandscheibenprobleme (Schmerzen im Rücken und in den Beinen, Taubheitsgefühle, Lähmungserscheinungen, Wadenkrämpfe möglich)

Näheres dazu im Kapitel "Ursachen: Störungen der Nerven".

Muskelerkrankungen

  • Myotonien, Dystrophien, metabolische Myopathien

Näheres dazu im Kapitel "Ursachen: Muskelerkrankungen".

Andere Erkrankungen des Zentralnervensystems (hier: des Gehirns)

  • Krankheiten, die die Bewegungszentren im Gehirn betreffen, wie etwa die Parkinson-Krankheit sowie weitere, auch spastische Krankheiten, die die Muskel-Nerven-Leitbahnen erfassen, können ebenfalls mit Krämpfen (oder Spasmen) in den Beinen einhergehen. Allerdings stehen bei solchen Krankheiten andere Leitsymptome im Vordergrund, und von Muskelstörungen sind auch oder sogar vorwiegend (neben den Beinen) andere Körperpartien erfasst.

Bakterielle Infektionen

  • Eine in gemäßigten westeuropäischen Klimazonen eher seltene Infektionskrankheit wie die hauptsächlich durch Tiere übertragene Leptospirose löst anfangs neben Fieber und grippeähnlichen Beschwerden heftige, krampfähnliche Wadenschmerzen aus.

Therapie von Wadenkrämpfen: Dehnen und bewegen

Grundlage der Behandlung und Vorbeugung von Wadenkrämpfen sind Übungen, die die Unterschenkelmuskulatur dehnen. Maßvolle, aber regelmäßige Bewegung ist das beste Mittel gegen die schmerzhaften Crampi. Dazu heißt es, ausreichend trinken und sich ausgewogen ernähren. Manchmal sind Magnesiumpräparate in Absprache mit dem Arzt hilfreich. Haben die Beschwerden eine krankhafte Ursache, behandelt der Arzt die jeweilige Erkrankung.

In den folgenden Kapiteln dieses Beitrags erfahren Sie mehr zu möglichen Untersuchungsschritten und zu krankhaften Ursachen. Selbsthilfetipps im Kapitel "Therapie und Selbsthilfe" zeigen, wie Sie im Alltag am besten mit "gewöhnlichen" Wadenkrämpfen umgehen.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Wadenkrämpfe: Wann ist der Arzt gefragt?

Solange Krämpfe in der Unterschenkelmuskulatur und in den Füßen nur gelegentlich nachts oder tagsüber auftreten, sind sie meist harmlos. Sie haben häufig keine erkennbare Ursache.

Die Krämpfe können jedoch auch Warnzeichen dafür sein, dass Sie Ihre Muskeln entweder überlastet oder aber zu wenig gefordert haben. Dehnungsübungen, gezieltes Training helfen dann in der Regel.

Auch ein vorübergehendes Ungleichgewicht im Wasser-Salz-Haushalt, weil Sie stark geschwitzt und/oder zu wenig getrunken hatten, lässt sich meist rasch wieder ausgleichen.

Gehen Sie jedoch zum Arzt, wenn die Krämpfe Ihnen vermehrt zu schaffen machen und Dehnen keine Wirkung zeigt. Wenn solche Crampi sich häufiger einstellen, sehr schmerzhaft sind und länger als ein paar Sekunden anhalten, sollten Sie mit Ihrem Hausarzt oder Internisten darüber sprechen.

Das gilt in besonderem Maße, wenn oft Schmerzen im Bein, Taubheitsgefühle oder Kribbeln auftreten. Werden Sie auch aufmerksam, wenn weitere Krankheitszeichen dazukommen, etwa Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Nachtschweiß. Weitere Warnzeichen sind außerdem Muskelkrämpfe in anderen Körperteilen, ein Schwächegefühl in den Muskeln, Gang- oder Bewegungsunsicherheiten, Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Hautveränderungen und Fieber.

Der Arzt wird Muskelkrämpfe zudem immer dann abklären, wenn Sie schon Vorerkrankungen haben, etwa einen zu hohen Blutdruck, Diabetes oder eine Nierenkrankheit.

Wegweisend bei Wadenkrämpfen: Das Arzt-Patient-Gespräch

Der Hausarzt kennt zumeist die Krankengeschichte, eventuelle Grunderkrankungen seines Patienten und die Medikamente, die er einnimmt. Veränderungen hier können für ihn besonders aufschlussreich sein, ebenso eine noch nicht bekannte Schwangerschaft.

Schildern Sie Ihrem Arzt genau, wann und wie oft die Wadenmuskulatur sich verkrampft, welche Muskeln genau sich verhärten, wie die Spasmen sich äußern, wie lange sie anhalten, was Sie dagegen unternehmen.

Der Arzt wird zudem wissen wollen, ob andere Mitglieder Ihrer Herkunftsfamilie häufiger an Muskelkrämpfen leiden oder gelitten haben.

Berichten Sie dem Arzt auch, ob Sie körperlich aktiv sind, und wenn ja, in welcher Form. Ihre Trink- und Ernährungsgewohnheiten sind für ihn von Interesse, ebenso Ihr Alkoholkonsum und ob Sie rauchen.

Sagen Sie es dem Arzt auch, wenn Sie in der letzten Zeit vermehrt geschwitzt haben, häufig Wasser lassen mussten, (Brech-)Durchfälle oder eine Verletzung, etwa an den Beinen oder am Rücken hatten.

In der ersten Analyse der Symptome wird der Arzt die Wadenkrämpfe auch schon von anderen Muskelproblemen abgrenzen, die in den Beinen auftreten können.

Das können zum Beispiel gelegentliche, meist nächtliche Muskelzuckungen oder ein Syndrom der unruhigen Beine (Restless-Legs-Syndrom) sein. Ebenso gilt es, andere Beschwerden abzuklären, die typisch für arterielle Durchblutungsstörungen in den Beinen sind (periphere arterielle Verschlusskrankheit, PAVK, siehe jeweils die Links ganz unten).

Kleines Lexikon

  • Myopathie: Oberbegriff für Muskelerkrankungen. Erbliche Formen sind beispielsweise Muskeldystrophien, stoffwechselbedingte Myopathien und Myotonien wie zum Beispiel sogenannte Ionenkanalerkrankungen. Zu den erworbenen Formen gehören Muskelentzündungen und andere Myopathien. Auslöser hier: Infektionserreger, Hormone, Medikamente, Drogen, Immunstörungen, schwere, Intensivmedizin-pflichtige Erkrankungen.
    Richtungweisende Symptome, je nach Krankheitsbild:
    Schmerzen in der Tiefe der Muskeln, besonders unter Belastung, Muskelkrämpfe, Muskelschwäche, Muskelschwund.

    • Muskeldystrophien: Erbkrankheiten (siehe oben) mit Substanz- und Funktionsverlusten von Muskeln
    • Myotonien: Muskelerkrankungen mit gestörter Muskelentspannung. Es gibt Formen mit und ohne Dystrophie
    • Dystonien: Neurologische Krankheitsbilder mit unkontrollierbaren Muskelanspannungen und Bewegungen. Willkürliche Körpergesten können die Abläufe unterbrechen.

  • Faszikulationen: Unwillkürliche, unter der Haut sichtbare Muskelzuckungen. Durch Beklopfen oder Kneifen auslösbar. Als alleiniges Phänomen nicht krankhaft.
  • Motoneuron: Signalgeber für die Skelettmuskeln. In der grauen Substanz im Rückenmark (siehe Bild oben) liegen motorische Nervenzellkörper (Vorderhornzellen, zweites Motoneuron). Ihre Fortsätze erreichen über die Rückenmarksnerven zugehörige Muskelfasern und übertragen Spannungsimpulse. Das zweite Motoneuron wird vom ersten Motoneuron im Gehirn gesteuert.

Häufige körperliche Untersuchungen und Laboranalysen in der Diagnose von Wadenkrämpfen

Der Arzt wird sich Beine und Füße, den Rücken, Arme und Hände sowie den Kopfbereich genau ansehen. Er kontrolliert die Gefäßpulse und misst den Blutdruck. Mit bestimmten Tests prüft er Nervenreaktionen, indem er zu Beispiel das Zusammenziehen der Muskeln durch Beklopfen provoziert. Weitere eingehende Nervenprüfungen nimmt in der Regel ein Nervenarzt (Neurologe) vor.

Blutuntersuchungen geben Aufschluss über den Elektrolythaushalt, die Blutzuckerwerte, über Nieren- und Leberfunktion. Ebenso lässt der Arzt die Schilddrüsenhormone, zunächst das TSH, und eventuell noch weitere Hormonwerte bestimmen, Muskelenzyme (Kreatinkinase, CK) im Blut messen sowie gegebenenfalls einen Schwangerschaftstest durchführen. Darüber hinaus gehören Urinanalysen oft zum Untersuchungsprogramm dazu. Auch die Bestimmung des Kupferspiegels kann im Einzelfall hilfreich sein (Ausschluss einer Kupferspeicherkrankheit, Morbus Wilson)

Zu den Fachärzten, an die der Hausarzt je nach Verdacht seinen Patienten überweist, gehören in erster Linie ein Internist, ein Neurologe (gegebenenfalls auch mit dem Schwerpunkt neuromuskuläre Erkrankungen) oder ein Orthopäde. Bei Hinweisen auf eine genetische Erkrankung ist ein Facharzt für Humangenetik der richtige Ansprechpartner.

Mögliche apparative Verfahren und weiterführende Tests bei Wadenkrämpfen

Eine weiterführende Untersuchung stellt die sogenannte Elektromyografie (EMG) dar. Sie erlaubt es, zu unterscheiden, ob eine Störung auf der Muskel- oder Nervenebene vorliegt. Das geschieht mit Hilfe feinster Nadelelektroden, die in den Muskel selbst gestochen werden und die elektrischen Aktivitäten des jeweils entspannten und angespannten Muskels ableiten.

Eine Elektroneurografie (ENG) ergänzt gegebenenfalls diese Messung. Sie erfasst über auf der Haut angebrachte Elektroden die Nervenleitgeschwindigkeit. Diese zeigt an, wie schnell die Nervenfasern elektrische Reize, also bestimmte Kommandos an die Muskelfasern, weitergeben.

Spezielle Blutuntersuchungen, zum Beispiel der Laktat-Ischämie- beziehungsweise ischämische Laktat-Ammoniak-Test unter Belastung von Unterarmmuskeln, können auf krankhafte Veränderungen im Stoffwechsel der Muskeln hinweisen.

Zudem sind bei eingegrenztem Myopathieverdacht feingewebliche Untersuchungen einer Muskelgewebeprobe (Biopsie) angezeigt (siehe auch Kapitel "Ursachen: Muskelerkrankungen").

Weitere spezielle Labortests bis hin zu genetischen Untersuchungen können die Diagnose bestimmter Myopathien sichern.

Computertomografie und Magnetresonanztomografie können die Ärzte heranziehen, um sich ein Bild von der Wirbelsäule, den Bandscheiben und dem Wirbelsäulenkanal zu verschaffen.

Neurologen setzen zudem neben der Sonografie (Untersuchung mit Ultraschall) die Magnetresonanztomografie (beziehungsweise Kernspintomografie) ein, um mögliche Muskelerkrankungen genauer zu bestimmen. Wichtig ist auch die Kontrolle der Herztätigkeit.

Ultraschalluntersuchungen der Blutgefäße – Venen und Arterien – geben Aufschluss über den Zustand der Durchblutung in den Beinen: Eine Farbdoppler-Sonografie lässt erkennen, ob die Blutzirkulation gestört ist und ob Venenklappen nicht richtig schließen. Auch diese Untersuchungen setzt der Arzt natürlich bedarfsgerecht ein.

Vermutet der Arzt aufgrund der klinischen Untersuchungsergebnisse, der Krankengeschichte und der Beschwerden des Patienten eine arterielle Verschlusskrankheit in den Beinen, sind spezielle Gefäßuntersuchungen sinnvoll.

Dazu gehören bestimmte Gehtests sowie Messungen des Blutdrucks mit Manschetten an Armen und Fußknöcheln, an den Füßen unter Zuhilfenahme auch eines Ultraschallgeräts (Dopplerdruckmessung, Knöchel-Arm-Index).

Der Arzt überprüft zudem den Blutfluss in den Schlagadern. Die Doppleruntersuchung kann auch mögliche Engstellen aufzeigen. Ausführliche Informationen dazu finden Sie im Ratgeber "Durchblutungsstörungen in den Extremitäten (PAVK)" (siehe Link unten).

Ultraschalluntersuchungen, zusätzlich auch die Farbdoppler-Sonografie, ziehen Internisten zudem zur Diagnose von Nieren- und Lebererkrankungen heran. Blut- und zusätzliche Urintests stützen auch hier die Diagnose.

Liegt eine krankhafte Ursache vor, wird der Arzt entsprechende Behandlungsmaßnahmen einleiten. Einige der Krankheitsbilder, die unter anderen Symptomen auch Wadenkrämpfe auslösen können, sind in den folgenden Ursachenkapiteln aufgeführt.

Wie Störungen im Mineralstoffhaushalt (Elektrolythaushalt) Wadenkrämpfe auslösen

Salze, also Mineralstoffe wie Natrium, Kalium, Kalzium und Magnesium, spielen für die Muskelaktivitäten eine entscheidende Rolle. Sie sind zu einem großen Teil im Körperwasser als sogenannte Elektrolyte gelöst. Als elektrisch geladene Ionen leiten sie Nervensignale an die Muskelzellen weiter, damit diese sich nach Bedarf verkürzen oder in die Länge dehnen.

Unser Körper besteht zu mehr als zwei Drittel aus Wasser, das sich in den Körperzellen, den Räumen dazwischen und im Blutkreislauf befindet. In einem jeweils feinst abgestimmten Verhältnis enthält es neben Salzen noch weitere lebenswichtige Stoffe wie Eiweiße. Das Wasser nimmt der Körper in erster Linie über den Verdauungstrakt auf und scheidet es größtenteils über die Nieren wieder aus. Ein Teil verdunstet über die Haut und die Atmung.

Aufnahme und Ausscheidung sollten möglichst ausgeglichen sein. Wenn wir zu wenig trinken oder heftig schwitzen, verliert der Körper mit der Flüssigkeit auch Salze. Können wir den Verlust nicht rasch ersetzen, entstehen Ungleichgewichte im Elektrolythaushalt und damit Mangelzustände. Darunter leiden zum Beispiel die Muskeln.

Infektionen, die mit hohem Fieber einhergehen, Darminfektionen oder die Folgen starker Hitzeeinwirkung bringen den Salz-Wasser-Haushalt mitunter akut in Gefahr. Das kann auch passieren, wenn jemand unkontrolliert wasserausscheidende Medikamente (Diuretika) einnimmt.

Nierenfunktionsstörungen sowie Erkrankungen, die den Stoffwechsel und dafür maßgebliche Hormone beeinflussen, wie Diabetes oder Schilddrüsenstörungen (siehe unten), können die Elektrolytkonzentrationen bedrohlich verschieben.

Magnesiummangel als wichtige Ursache von Wadenkrämpfen

Magnesium hat, wie auch Kalzium, einen besonderen Einfluss auf die Aktivitäten zwischen Nervenzellen und Muskel. Hat der Körper zu wenig davon, fehlt den Nervenreizen teilweise die nötige dämpfende Steuerung. Die Folge sind unkontrollierte Impulse, die Muskeln verkrampfen sich. Ein krankhafter Magnesiummangel (Hypomagnesiämie) kann bei seltenen erblich bedingten Magnesiumverlusterkrankungen auftreten. Zu den Hauptursachen zählt aber eine unausgewogene Nährstoffbilanz, etwa infolge von Alkoholsucht, künstlicher Ernährung, Essstörungen oder durch Missbrauch von Abführmitteln.

In der Schwangerschaft ist der Magnesiumbedarf erhöht. Dadurch kann es zu Mangelerscheinungen kommen.

Zu den Medikamenten, die den Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalt beeinflussen und damit unter anderem zu einem Magnesiummangel führen können, gehören neben wasserausscheidenden Mitteln (Diuretika) bestimmte die Immunabwehr unterdrückende Medikamente. Entsprechende Nebenwirkungen haben möglicherweise auch Chemotherapeutika und eine Gruppe von Antibiotika, die Aminoglykoside.

Auch bei einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung sowie im Rahmen eines Diabetes mellitus (siehe auch unten) nimmt bisweilen die Magnesiumkonzentration ab. Das ist auch der Fall bei einer Reihe von Darmerkrankungen, die mit einer sogenannten Malabsorption, einer gestörten Aufnahme von Nahrungsstoffen einhergehen. Sie tritt etwa bei chronischen Entzündungen der Bauchspeicheldrüse auf, bei Morbus Crohn, Zöliakie, Morbus Whipple, Lymphomen (Lymphknotenvergrößerungen) im Darmbereich und anderen Störungen.

Mit einer Hypomagnesiämie geht häufig auch ein Kalzium- und/oder Kaliummangel einher.

Symptome: Kribbeln, Taubheitsgefühle in den Gliedern, Wadenkrämpfe, Muskelzuckungen, innere Unruhe, Gereiztheit, depressive Verstimmung, Schwächegefühl, Schwindel, Herzjagen, Bauchkrämpfe. Bei schwerem Krankheitsverlauf sind Krampfanfälle möglich.

Diagnose und Therapie: Durch bestimmte Umstände hervorgerufene, vorübergehende Störungen im Elektrolythaushalt lassen sich durch vermehrtes Trinken und eine ausgewogene Ernährung wieder ausgleichen. Bei Durchfallerkrankungen helfen Elektrolytlösungen, den Verlust an Salzen zu normalisieren.

Falls angezeigt, geben Blut- und Urinuntersuchungen dem Arzt Aufschluss über eine Mineralstoffmangelsituation wie eine Hypomagnesiämie oder eine Hypokalziämie. Je nach Beschwerdebild sind eventuell weitere Untersuchungen nötig, um die eigentliche Ursache festzustellen.

Das fehlende Magnesium wird dann mit entsprechenden Präparaten ergänzt. Liegt dem Mangelzustand eine spezielle Erkrankung zugrunde, behandelt der Arzt hier gezielt die auslösenden Faktoren.

Wadenkrämpfe bei Nierenschwäche, Nierenversagen

Über den Urin scheiden die Nieren eine Reihe von Stoffwechselprodukten aus. Sie regeln den Wasser-Salzhaushalt (siehe oben), den Säure-Basenhaushalt, den Blutdruck und bilden bestimmte Hormone. Bei einer Nierenschwäche können die Nieren ihrer Funktion nur mehr eingeschränkt nachkommen, bei einem Nierenversagen (Niereninsuffizienz) fallen die Nieren innerhalb kurzer Zeit akut (hier können sie sich aber wieder erholen) oder schleichend (chronisch) ganz aus. Die auszuscheidenden Substanzen verbleiben im Körper, der Wasser-Salz-Haushalt gerät durcheinander.

In diesem Zusammenhang können, vor allem als Spätsymptome bei einer chronischen Niereninsuffizienz, auch Wadenkrämpfe und Muskelzuckungen neben vielen anderen Beschwerden auftreten.

Die Folgen eines Nierenversagens sind lebensbedrohlich. Eine chronische Niereninsuffizienz kann sich zum Beispiel im Rahmen einer Diabeteserkrankung entwickeln, wenn die Blutzuckerwerte über längere Zeit schlecht eingestellt sind (diabetische Nephropathie). Es gibt noch weitere Erkrankungen, die die Nieren angreifen.

Ausführliche Informationen zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapie finden Sie im Ratgeber "Nierenversagen":

Stoffwechselkrankheit Diabetes mellitus: Vielschichtiger Auslöser für Wadenkrämpfe

Zuckerkrankheiten – der Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 – sind nicht nur für Störungen des Stoffwechsels, sondern auch für eine ganze Reihe von Funktionsstörungen verantwortlich. Folglich taucht der Begriff Diabetes in diesem Ratgeber wiederholt auf, da diese chronische Stoffwechselerkrankung in mehrfacher Hinsicht zu Wadenkrämpfen führen kann. Die vielfältigen Auswirkungen auf den Stoffwechsel machen sich bei Diabetes meist schon als Erstsymptome bemerkbar, während sich Nerven- und Gefäßstörungen erst in Laufe der Erkrankung entwickeln, insbesondere bei schlecht eingestellten Blutzuckerwerten.

Nächtliche Wadenkrämpfe sind zunächst ein Zeichen für einen gestörten Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt (siehe oben). Dabei kommt es auch zu einem Magnesiummangel. Später kann die Neigung zu Krämpfen und Schmerzen in den Beinen auf eine Nervenschädigung (diabetische Neuropathie, siehe Kapitel "Ursachen: Nervenstörungen") und/oder eine chronische Niereninsuffizienz (siehe oben) hinweisen.

Zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapie informieren eingehend die Ratgeber "Diabetes Typ 1" und "Diabetes Typ 2" auf www.diabetes-ratgeber.net

Wadenkrämpfe: Wenn der Hormonhaushalt gestört ist

Nebenschilddrüsenunterfunktion (Hypoparathyreoidismus)

Die vier etwa linsengroßen Nebenschilddrüsen (siehe Bild) befinden sich in der Regel jeweils an den oberen und unteren Enden der Schilddrüse. Sie produzieren das Parathormon. Die Ursache für eine Unterfunktion sind häufig Schilddrüsenoperationen. Selten gibt es auch erblich bedingte oder durch unbekannte Vorgänge, möglicherweise autoimmunologisch ausgelöste Funktionsstörungen. Entsteht dadurch zu wenig Parathormon, wirkt sich das unter anderem auf den Elektrolythaushalt aus, der Kalziumspiegel sinkt ab, die Phosphatkonzentration steigt. Zu den kennzeichnenden Folgen gehören übererregbare Muskeln.

Symptome: Häufige Symptome sind Krämpfe in den Waden und vor allem in den Füßen, Krampfanfälle bei vollem Bewusstsein (Tetanie). Die anfallsartigen Muskelkrämpfe führen in den Händen zu einer typischen Pfötchenstellung und können auch die Stimmritze erfassen. Dazu kommen Kribbeln in Händen und Füßen.

Diagnose und Therapie: Klinische Tests von Muskelreaktionen, Blut- und Urinuntersuchungen geben Aufschluss. Der Arzt schließt durch entsprechende Untersuchungen auch ein sogenanntes Hyperventilationssyndrom aus. Dieses kann ähnliche krampfartige Beschwerden hervorrufen und oft bei Angstzuständen auftreten.

Mit einer streng vom Arzt kontrollierten Behandlung mit Kalzium- und Vitamin-D-Präparaten lassen sich die Mineralstoffungleichgewichte normalisieren und weitere Schäden an Haaren, Nägeln, Knochen, Augen und Lungen vermeiden.

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
Dagegen gehören Wadenkrämpfe nicht unbedingt kennzeichnend zu den vielfältigen Symptomen einer Schilddrüsenunterfunktion. Sie können jedoch möglicherweise im Zusammenhang mit gestörten (myopathischen) Muskelreaktionen auftreten, die sich allerdings eher durch Muskelsteifigkeit, Muskelschwäche und Schmerzen, eventuell auch einer gewissen Erhöhung des Muskelenzyms Kreatinkinase (CK), äußern.

Lesen Sie mehr hierzu im Ratgeber "Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)":

Nebennierenrindenunterfunktion
In der Rinde der Nebennieren, die oben auf den Nieren wie Hütchen aufsitzen, werden sogenannte Steroidhormone gebildet. Das sind die Glukokortikoide (Kortisol und andere), Mineralokortikoide (Aldosteron), die Einfluss auf den Mineralhaushalt und die Blutdruckregulation haben, sowie Androgene (männliche Sexualhormone und Vorstufen für Östrogene). Eine Unterfunktion der Nebennierenrinde (Nebennierenrindeninsuffizienz) führt zu einem Kortisolmangel und zu Störungen im Elektrolythaushalt, vor allem in der Kalium- und Natriumkonzentration.

Mediziner unterscheiden eine primäre und eine sekundäre Form der Insuffizienz. Die primäre Form, auch Morbus Addison genannt, wird in erster Linie durch Autoimmunprozesse, seltener durch Infektionen wie Tuberkulose oder durch Tumoren und andere Erkrankungen verursacht. Unter Belastungen kann eine bedrohliche Addison-Krise auftreten.

Die sekundäre Form entwickelt sich aufgrund von Unterfunktionen in anderen hormonproduzierenden beziehungsweise -steuernden Organen, so in der Hirnanhangdrüse und im Hypothalamus. Das sind Bereiche im Gehirn, die eng abgestimmt über eigene Hormone wiederum die Hormonproduktion anderer Organe beeinflussen. Auch unter einer längeren Behandlung mit Kortisonpräparaten kann sich eine sekundäre Nebennierenrindeninsuffizienz entwickeln.

Symptome: Bei Morbus Addison fallen oft charakteristische Hautveränderungen auf, wie dunkle Flecken zum Beispiel im Gesicht, an Schleimhäuten wie Mundschleimhaut, an Handinnenflächen, an Narben, am Nagelbett. Menschen mit einer sekundären Nebennierenrindeninsuffizienz haben dagegen eher blasse Haut.

Neben den typischen Hautbildern kommt es leicht zu Wasser- und Salzverlusten mit Austrocknungserscheinungen und Verschiebungen im Elektrolythaushalt. Dann sind auch Muskelkrämpfe und Muskelschwäche in den Beinen möglich. Häufige Beschwerden sind Müdigkeit, Schwächegefühl, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Gewichtsverlust, Verlust der Schambehaarung.

Kennzeichen einer Addison-Krise sind ein plötzlicher Blutdruckabfall mit möglichem Schockzustand, starke Austrocknung, verminderte Harnausscheidung, Fieber, Verwirrtheit.

Diagnose und Therapie: Blutuntersuchungen mit Hormonbestimmungen sind wegweisend. Ultraschallaufnahmen von Nebennieren und Bauchraum sowie bei Bedarf eine Magnetresonanztomografie festigen die Diagnose. Bei Verdacht auf eine bösartige Geschwulstbildung sind weiterführende bildgebende Verfahren angezeigt.

Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Bei Morbus Addison erhalten die Erkrankten häufig Kortisonpräparate sowie Mineralokortikoide.

Wichtige zusätzliche Informationen erhalten Sie im Ratgeber "Nebennierenrindeninsuffizienz":

Diabetes insipidus

Eine vermehrte Urinausscheidung mit Salzverlusten tritt mitunter bei dem sogenannten Diabetes insipidus auf. Dieser hat nichts mit der Zuckerkrankheit zu tun. Vielmehr handelt es sich um eine Gruppe von Erkrankungen, die zu einer veränderten Zusammensetzung des Urins führen. Entweder besteht ein Mangel an einem bestimmten Hormon aus der Hirnanhangdrüse, oder die Nieren sprechen nicht richtig auf das Hormon an. Zur Zuckerkrankheit Diabetes besteht insofern eine Parallele, als besonders für die Form Diabetes mellitus Typ 1, die häufg schon sehr früh im Leben auftritt, viel Durst, häufiger Harndrang und größere Urinmengen typische Anzeichen sind (siehe unten).

Symptome: Es bilden sich große Mengen eines verdünnten Urins, die Betroffenen haben auffallend viel Durst und müssen häufig Wasserlassen. Krämpfe in Waden und Muskeln sind ebenfalls möglich.

Diagnose und Therapie: Mit Urinanalysen und Hormontests stellt der Arzt den jeweiligen Typ der Erkrankung fest. Je nach Verdacht schließt er möglicherweise mit bildgebenden Verfahren einen Tumor aus.

Entsprechend der Krankheitsform erwägt der Spezialist eine Behandlung der Ursachen des Hormonmangels oder eine Therapie der Nierenfunktionsstörung. Weitere Informationen im Ratgeber "Vermehrter Durst":

Nerven und Muskeln: Feinst abgestimmtes Zusammenspiel

Alle wesentlichen Vorgänge in unserem Körper laufen über die Aktivitäten von über 100 Milliarden Nervenzellen (fachsprachlich Neuronen). Unser Nervensystem teilt sich in zwei Bereiche: Gehirn und Rückenmark umfassen das Zentralnervensystem. Durch den übrigen Körper verzweigt sich das periphere Nervensystem. Es ist mit dem Zentralnervensystem verbunden und vermittelt den gesamten wechselseitigen Informationsfluss von dort zu allen Körperbereichen und umgekehrt. Dazu kommt das vegetative, unwillkürliche (autonome) Nervensystem, das die Funktionen innerer Organe steuert, etwa Herztätigkeit oder Verdauungsarbeit.

Funktionsstörungen können an unterschiedlichen Stellen in den Nervensystemen auftreten und sich entsprechend auf die Muskelaktivitäten auswirken. Sie entstehen durch Schäden an den feinsten Nervenverzweigungen in Gliedmaßen und Organen oder an den Rückenmarksnerven im Wirbelsäulenkanal. Mediziner sprechen bei Erkrankungen der Nerven von Neuropathien. Polyneuropathie bedeutet, dass mehrere periphere Nerven erkrankt sind. Erkrankungen des Zentralnervensystems betreffen das Gehirn und/oder Teile des Rückenmarks.

Krankheiten wie die amyotrophe Lateralsklerose schädigen bestimmte Bewegungsnerven im Gehirn und Rückenmark. Schäden an diesen sogenannten Motoneuronen führen auf Dauer zu Muskelschwäche und Muskellähmungen, wobei anfangs oft Muskelkrämpfe auftreten.

Amyotrophe Lateralsklerose (ALS): Oft auch nächtliche Wadenkrämpfe

Sogenannte Motoneuronerkrankungen wie die amyotrophe Lateralsklerose schädigen bestimmte Bewegungsnerven im Gehirn und Rückenmark. Im Rückenmark geht es vor allem um die Vorderhorn(ganglien)zellen, die mit ihren peripheren Ausläufern jeweils für die Aktivitäten der ihnen zugeordneten Muskelfasergruppen zuständig sind. Auf ihre Reize hin ziehen sich die Muskeln zusammen oder entspannen sich. Schäden an diesen sogenannten Motoneuronen führen häufig zu Muskelversteifungen (Spastik), im weiteren Verlauf zu fortschreitendem Muskelschwund (Muskelatrophie). Das hat zunächst übersteigerte, sodann abgeschwächte Muskelreaktionen zur Folge. Zahlreiche Muskelpartien, mit Ausnahme der Augen, können schließlich gelähmt sein. Die Ursache ist bei den meisten Betroffenen, häufig Männer im Alter zwischen 40 und 65 Jahren, unbekannt. Es gibt einige familiär bedingte Formen, die schon in der Kindheit auftreten können und teilweise gutartig verlaufen.

Symptome: Als Erstsymptome fallen häufig nächtliche, schmerzhafte Wadenkrämpfe, Muskelzuckungen sowie wiederholt Krämpfe in Muskeln auf, die aktiv betätigt werden. Aufmerksam werden die Betroffenen oft erst, wenn sich eine zunehmende Muskelschwäche einstellt. Sie ist zunächst manchmal nur einseitig und auf bestimmte Gliedmaßen beschränkt, zum Beispiel auf die Hände. Später erfasst sie immer mehr Bereiche.

Zu weiteren Symptomen, die im Laufe der Erkrankung auftreten, gehören eine undeutliche Sprache, Zuckungen und Lähmungen der Zunge, Schluckstörungen, Probleme, die Gesichtsmuskulatur zu beherrschen, Atemnot.

Diagnose und Therapie: Die Symptome und weitere Untersuchungen geben Aufschluss, zum Beispiel Bluttests, Elektromyografie und Elektroneurografie sowie gegebenenfalls eine Magnetresonanztomografie (siehe Kapitel "Diagnose"). Auch feingewebliche Untersuchungen von Muskelgewebe oder eine Lumbalpunktion können mitunter angezeigt sein.

Es ist bis jetzt nicht möglich, die Krankheit zu heilen. Die Behandlung sollte in einer Spezialklinik erfolgen, in die sich der Erkrankte immer wieder begibt. Eine wichtige Rolle spielen erleichternde Maßnahmen wie Krankengymnastik, Ergotherapie und Atemhilfen (verschiedene Formen der Beatmung). Häufig setzen Neurologen Riluzol ein, ein Medikament, das eine nervenschützende Wirkung hat und den Krankheitsverlauf hinauszögern soll. In seltenen Fällen sind Spontanheilungen möglich.

Ausführlich informiert der Ratgeber "Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)":

Polyneuropathien als Ursache für Wadenkrämpfe

Unterschiedliche Faktoren können den Stoffwechsel innerhalb peripherer Nervenzellen und ihrer Fortsätze (Axone) stören. Die Nerven büßen dann ihre Funktionsfähigkeit ein und gehen zugrunde. Die Schädigung hat Folgen für die Funktion der Muskelfasern: Motorische Abläufe finden nicht mehr geordnet oder schließlich gar nicht mehr statt.

Zu Polyneuropathien kann es bei Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder durch Alkoholschäden kommen. Weitere mögliche Ursachen stellen Mangelernährung, etwa ein Mangel an B-Vitaminen und Eiweißstoffen, und Vergiftungen dar. Auch entzündliche Erkrankungen, eine Borreliose (fortgeschrittenes Stadium) oder Autoimmunreaktionen wie Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen) führen manchmal zu Nervenschäden. Diese können auch unter der Therapie bestimmter Medikamente auftreten. Es gibt zudem erblich bedingte Schädigungen.

Häufig äußern sich Polyneuropathien zunächst in den äußersten Gliedmaßen, vor allem in den Füßen und Beinen. Wadenkrämpfe fallen neben den jeweils kennzeichnenden Symptomen am ehesten bei der sogenannten sensomotorischen diabetischen Neuropathie oder bei Schädigungen durch Alkoholismus auf.

Symptome: Anfangszeichen sind häufig Kribbeln, Taubheitsgefühle sowie brennende Missempfindungen in Füßen und Beinen ("burning feet"), manchmal anfallsartig – zum Beispiel nachts oder bei Kälte. Dazu stellen sich Muskelschwäche oder -überaktivitäten, schmerzvolle Muskelkrämpfe, vor allem in den Unterschenkeln und Füßen, ein. Die Missempfindungen können auch Hände und Arme erfassen.

Mit fortschreitender Nervenschädigung treten weitere Symptome auf, wie nachlassendes Schmerz- und Temperaturempfinden, Muskelschwund, verminderte Schweißbildung, trockene Haut, Geschwüre an den Füßen.

Diagnose und Therapie: Die Untersuchungen umfassen Blutanalysen und Urintests, Prüfungen der Nervenleitgeschwindigkeit (Elektroneurografie) sowie der Muskelaktivitäten (Elektromyografie). Gegebenenfalls sind zudem Röntgenaufnahmen, feingewebliche Untersuchungen von Muskelwebe und bestimmten Nerven sowie gegebenenfalls eine Untersuchung des Nervenwassers (Lumbalpunktion, Liquorpunktion) angezeigt. Je nach Verdacht erwägen die Fachärzte, in der Regel Neurologen, weitere Spezialuntersuchungen (siehe auch Kapitel "Diagnose").

Die Therapie erfolgt je nach Ursache. Für Diabetiker ist eine gute Blutzuckereinstellung grundlegend, um Nervenschäden und deren Fortschreiten möglichst zu vermeiden. Auch Alkoholverzicht sowie Rauchstopp sind absolut notwendig. Eventuell können bestimmte durchblutungsfördernde Salben und Medikamente, wie etwa Antiepileptika, bei starken Beschwerden in den Beinen hilfreich sein.

Lesen Sie mehr dazu im Ratgeber "Polyneuropathie – Ursachen und Therapien":

Wadenkrämpfe bei Verengungen im Wirbelsäulenkanal, Bandscheibenschäden

Geschützt durch die Knochen der Wirbelsäule verläuft das Rückenmark mit seinen unterschiedlichen Nerven im Rückenmarkkanal. Hier leiten die vom Gehirn kommenden motorischen Nervenfasern die Impulse an ihre Ausläufer im peripheren Nervensystem und damit an die jeweiligen Muskeln weiter.

Die peripheren Nervenstränge treten aus ihren Wurzeln (lat. radix) im Rückenmark durch seitliche Zwischenwirbellöcher aus. Veränderungen, Erkrankungen und Verletzungen im Bereich der Wirbelsäule und des Rückenmarkkanals können die Nervenwurzeln reizen oder nachhaltig schädigen.

Neurologen sprechen dann von spinalen radikulären Syndromen oder Radikulopathien.

Eine häufige Ursache sind Bandscheibenerkrankungen. Wenn sich eine Bandscheibe, die vor dem Rückenmarkkanal und den jeweiligen Zwischenwirbellöchern liegt, aus unterschiedlichen Gründen verschiebt, kann sie die Nervenwurzel beziehungsweise den austretenden Nerv einklemmen (siehe Bild).

Auch Teile des Rückenmarks können in Bedrängnis geraten. Mitunter beengen oder irritieren auch Tumore bestimmte Nerven. Darüber hinaus gehören entzündliche Prozesse oder degenerative Veränderungen am Wirbelkanal, zum Beispiel bei einer Spinalkanalstenose, zu den möglichen Ursachen.

Manchmal entwickelt sich eine Radikulopathie bei einigen Infektionen. Je nachdem, wo die Engstelle entsteht und welche Nervenfasern betroffen sind, kommt es zu Ausfallerscheinungen im Bereich der Gefühlswahrnehmung (Sensibiliät) und/oder der Aktivität unterschiedlichen Muskelgruppen (Motorik).

Symptome: Sind Nerven geschädigt, die die Beinmuskeln versorgen, etwa bei einem Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule, kommt es meist zu Rückenschmerzen. Die Schmerzen strahlen bis in ein Bein und/oder einen Fuß aus und werden bei Husten oder Niesen stärker. Sie sind oft verbunden mit Kribbeln, Taubheitsgefühlen und manchmal mit Lähmungserscheinungen. Dazu können auch Wadenkrämpfe kommen.

Eingehende Informationen zu Symptomen, Ursachen, Diagnose und Therapie von Bandscheibenvorfällen erhalten Sie im Ratgeber "Bandscheibenvorfall". Wissenswertes dazu und zu weiteren Wirbelsäulenproblemen finden Sie in den Ratgebern "Rückenschmerzen" und "Hexenschuss – Symptome, Therapie & Tipps":

Schmerzhafte Krämpfe in den Waden: Crampus-Faszikulationssyndrom

Faszikulationen sind unwillkürliche Zuckungen in einem Muskel, genauer: einzelner Muskelfasergruppen. Sie sind mit bloßem Auge unter der Haut sichtbar. Eigentlich sind Faszikulationen nicht krankhaft. Bei stärkerer Ausprägung, etwa auch mit schmerzhaften Muskelkrämpfen, können sie aber auf eine Störung wie zum Beispiel eine Übererregbarkeit von muskelversorgenden Nerven hinweisen. Allerdings bleiben die ärztlichen Untersuchungen beim Crampus-Faszikulationssyndrom häufig unauffällig. Eine fortschreitende Krankheitsentwicklung ist selten. Der Arzt wird dann die Diagnose überprüfen. Dennoch: Einige Betroffene können oft jahrelang unter den Symptomen leiden. 

Symptome: Kennzeichnend sind Muskelkrämpfe und Muskelzuckungen, etwa in den Waden. Sie sind verbunden mit ziehenden, brennenden Schmerzen in den Beinen, mitunter auch in den Armen sowie im Schulter- und Beckenbereich. Kribbeln und Taubheitsgefühle können dazukommen. Die Symptome können zunehmen, wenn die Betroffenen körperlich aktiv sind, und gehen zurück, wenn sie sich entspannen.

Diagnose und Therapie: Der Neurologe kann die Faszikulationen eventuell durch Beklopfen auslösen. Die üblichen neurologischen Untersuchungen einschließlich Elektromyogramm sind aber normal. Gegebenenfalls wird der Arzt im weiteren Verlauf eine Kontrolluntersuchung empfohlen. Gezielte Dehnübungen und entspannende Wärme können hilfreich sein.

Übererregbarkeit von Nerven: Neuromyotonie 

Bei der seltenen Neuromyotonie (Isaacs-Mertens-Syndrom) liegt eine Erkrankung vor, die mit einer Übererregbarkeit von muskelanregenden Nerven (Fachbegriff: neuronale Hyperexzitabilität) einhergeht. Für das in der Fachliteratur uneinheitlich dargestellte Krankheitsbild sind verschiedene Ausprägungen beschrieben.

Dabei kommen seltene, familiär-erbliche Genveränderungen (idiopathische Formen) und erworbene Konstellationen wie fehlgeleitete Immunreaktionen zum Tragen. Die Krankheit kann zum Beispiel einer Myasthenia gravis (Myasthenie) ähneln und beruht dann möglicherweise auf einem Tumor der Thymusdrüse (Thymom) oder einer bestimmten Art von Lungenkrebs (kleinzelliges Lungenkarzinom). Der Arzt spricht hier von paraneoplastischen neuromyotonen Symptomen. Aber auch andere Formen der Myasthenia gravis oder eine rheumatoide Arthritis können vorliegen. Antikörper, die Ionenkanäle (Kaliumkanäle) in den Nervenendigungen angreifen, welche die Muskelzellen ansprechen, gehören zu den möglichen krankhaften Immunphänomenen.
Symptome: Das Krankheitsbild kann in jedem Lebensalter auftreten. Steifigkeit der Muskulatur ("Die Muskeln machen von Anfang an dicht"), zunächst vor allem der Hände, ständiges Muskelwogen (sogenannte Myokymien oder Rippling) und Muskelkrämpfe sind kennzeichnend. Dazu kommen vermehrtes Schwitzen und anhaltende Muskelaktivität im Schlaf und in Narkose. Die Symptome können, je nach Ausprägung der Krankheit, schubartig auftreten, aber auch wieder verschwinden.
Bei schwereren Formen kann es zu anhaltenden Verkrampfungen aller Skelettmuskeln mit Fehlstellungen, auch der Gesichtsmuskulatur, Atem- und Schluckmuskeln und entsprechend bedrohlichen Situationen kommen.

Diagnose: Im Elektromyogramm zeigt sich eine Daueraktivität (das heißt: auch "in Ruhe", soweit diese möglich ist), Faszikulationen und Entladungsserien sind weitere Merkmale. Die Muskelbiopsie ergibt keine Auffälligkeiten. Andere Krankheiten, insbesondere die genannten Autoimmun- und Tumorkrankheiten sowie Störungen der Bluteiweißbildung (Paraproteinämien), sind auszuschließen. Ein Antikörpernachweis gegen Kaliumkanäle ist teilweise möglich.

Therapie: Eine spezielle Therapie ist nicht immer notwendig, eine Physiotherapie allerdings sinnvoll. Gegen Epilepsien wirksame Medikamente (sogenannte muskelentspannende Antimyotonika, auch als Mittel gegen Krampfleiden bekannt) wie Carbamazepin, Phenytoin oder Lamotrigin können eine Muskelsteife günstig beeinflussen. Autoimmunkrankheiten lassen sich durch immununterdrückende Medikamente beherrschen.

Störungen der Bluteiweißbildung (Paraproteinämien) werden im Rahmen der zugrunde liegenden Erkrankung behandelt. Ein Thymom wird nach Möglichkeit operativ entfernt, gegebenenfalls zunächst speziell vorbehandelt. Auch Lungentumoren therapieren die Spezialisten nach den jeweiligen Therapieprotokollen. Andere erworbene Formen der Neuromyotonie bessern sich mitunter spontan.

Mehr zu Myotonien im Kapitel "Muskelerkrankungen" in diesem Beitrag.

Stiff-Man-(Stiff-Person-)Syndrom

Dieses Erkrankungsbild kann mitunter nur auf die Beine beschränkt sein (Stiff-Leg-Syndrom). Zugrunde liegen autoimmun-entzündliche Veränderungen im Zentralnervensystem, die auf hemmende Nervenimpulse zielen. Der Zweitname berücksichtigt schon eher die Tatsache, dass zwei Drittel der Betroffenen Frauen sind.

Symptome: Beim Stiff-Man-Syndrom versteifen und verkrampfen sich die Muskeln in unterschiedlichen Körperbereichen in extremer und schmerzhafter Weise, zum Beispiel im Rücken, im Gesicht, aber auch in den Beinen und Füßen. Die Beschwerden nehmen zu, wenn der Betroffene sich bewegt, sich erschreckt oder starken Gefühlen ausgesetzt ist. Bei Ruhe gehen die Symptome zurück, etwa wenn der Kranke schläft. Dazu kommen Angststörungen, zum Beispiel die Angst, über einen freien Platz zu gehen (Agoraphobie-artige Symptome, aber eher wegen der meist auftretenden Gangstörungen, keine typische Platz-Angst). Die Heftigkeit der anfallsartigen Muskelverhärtungen kann sogar Muskel- und Gelenkschäden hervorrufen. Je nach Ausprägung der Krankheit können weitere neurologische Symptome auftreten, etwa Krampfanfälle infolge entzündlicher Gerhinveränderungen. Auch vermehrtes Schwitzen und Störungen der Herz-Kreislauffunktionen durch Fehlsteuerung der entsprechenden Nerven (des sogenannten autonomen Nervensystems) sind möglich.

Diagnose und Therapie: Aufschlussreich kann nach den grundlegenden Untersuchungen wie Bluttests und Elektromyografie eine Analyse des Nervenwassers sein. Es wird bei einer Rückenmarkspunktion (Lumbalpunktion) entnommen. Der Neurologe wird die Erkrankung gegen andere neurologische Bewegungsstörungen, gegen Tetanus (Wundstarrkrampf) und die Folgen einer Vergiftung (etwa Strychnin oder Blei) abgrenzen. Zudem schließt er durch geeignete Untersuchungen einen Tumor oder bestimmte Stoffwechselerkrankungen als mögliche Ursache aus.

Zur Behandlung setzen die Ärzte zum Beispiel Medikamente aus der Gruppe der Benzodiazepine oder gegen Epilepsien ein. Die Einnahme sollte regelmäßig kontrolliert werden. Auch können Kortisonpräparate und verschiedene, auf das Immunsystem zielende Mittel und Maßnahmen hilfreich sein. Bei diesen komplexeren Therapien wird der Arzt insbesondere auch auf mögliche Nebenwirkungen achten. Eine schwere spastische Krise ist nur durch intensivmedizinische Maßnahmen in den Griff zu bekommen.

Dystonien als mögliche Ursache von Wadenkrämpfen

Unter dem Fachbegriff Dystonie fassen Mediziner Krankheits- oder Beschwerdebilder zusammen, bei denen normale Bewegungsabläufe und die Muskelspannung gestört sind. Bestimmte Muskeln ziehen sich dann anfallsartig, oft gegenläufig zusammen, die Spannung ist erhöht. Das führt mitunter zu abrupten, nicht kontrollierbaren Bewegungen, die unterschiedliche Körperpartien erfassen können, etwa das Gesicht, die Augenumgebung, Kopf, Rumpf sowie auch die Gliedmaße. Muskelzittern ist ein häufiges Begleitsymptom. Auch Muskelkrämpfe können auftreten. Typisch ist die Besserung durch willkürliche Bewegungen.

Je nach Verteilungsmuster sprechen Neurologen zum Beispiel von fokalen, segmentalen oder multifokalen Dystonien. Bei Letzteren ist das Muskelspiel in mehreren, nicht benachbarten Körperbereichen gestört, während segmentale Formen zwei benachbarte Bereiche umfassen.

Fokale Dystonien betreffen nur Muskeln in einer Körpergegend, vor allem an Beinen, Füßen oder Schultern. Beim Gehen oder mitten in einer Tätigkeit ziehen sich die Muskeln zusammen und behindern die Aktivität. Das passiert auch beim sogenannten Schreibkrampf, der an der schreibenden Hand, aber während des Schreibens auch an beiden Armen auftreten kann. Speziell Musiker erleiden mitunter fokale Dystonien.

Daneben können Dystonien aber auch an einer Körperhälfte (Hemidystonie) auftreten und als generalsierte Form mehrere, nicht benachbarte Körpergegenden mitsamt dem Rumpf betreffen.

Dystonien sind nicht mit psychisch bedingten Tics zu verwechseln. Sie können primär als eigene Störungen auftreten, denen genetische Anlagen und Nervenschäden im Gehirn zugrunde liegen. Sie entwickeln sich aber auch sekundär im Rahmen anderer neurologischer Krankheiten, so zum Beispiel bei zahlreichen Erbkrankheiten, die durch den Untergang bestimmter Gehirnnerven gekennzeichnet sind.

Zu dystonen Symptomen kommt es zudem unter anderen auch bei der Parkinson-Krankheit oder bei der Multiplen Sklerose. Manchmal stellen sich krampfartige Beschwerden nach Hirn- und Rückenmarksverletzungen sowie nach Gehirnblutungen und -entzündungen ein.

Wichtig: Auch bestimmte Medikamente gehören zu den möglichen Auslösern, etwa Parkinson-Medikamente, Antiepileptika oder Mittel gegen Psychosen (Neuroleptika).

Diagnose und Therapie: Das Beschwerdebild liefert erste Hinweise. Mit umfassenden Untersuchungen (siehe dazu auch Kapitel "Diagnose") sichert der Neurologe die Diagnose.

Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Bei primären fokalen und segmentalen Dystonien spritzen die Ärzte bevorzugt Botulinumtoxin in die erkrankten Muskelpartien. Den Einsatz von Medikamenten zum Einnehmen wägt der Arzt individuell ab. Besteht der Verdacht auf eine Medikamentennebenwirkung, wird der Arzt den Medikamentenplan sorgfältig überprüfen und die Therapie anpassen. Bei schweren Krankheitsbildern, die nicht auf unterschiedliche Therapieversuche ansprechen, ziehen Spezialisten manchmal auch eine Tiefenhirnstimulation in Betracht.

Myotonien, die Wadenkrämpfe verursachen können

Myotonie bedeutet, dass sich ein Muskel nach einer willkürlichen Anspannung nur zögerlich wieder entspannt. Bei den insgesamt eher selten auftretenden Muskelerkrankungen ist also die für harmonische Bewegungen notwendige rasche Abfolge von Zusammenziehen und Erschlaffen einzelner Muskeln gestört. Sichtbar wird das etwa bei der verzögerten Lockerung der Hand nach kräftigem Händedruck (Greifmyotonie) oder beim schleppenden Öffnen der Augen nach Lidschluss.

Die Ionenkanäle der Muskelzellen nehmen hier Nervenreize nur fehlerhaft auf und übertragen sie auch nicht mehr richtig. Daher sprechen Ärzte auch von Ionenkanalerkrankungen der Skelettmuskeln. Dabei unterscheiden sie sogenannte myotone Dystrophien und nicht dystrophe Myotonien. Dystrophie bedeutet, dass Struktur und Funktion von Muskeln beeinträchtigt sind, eine Art Verkümmern. Eine dritte Krankheitsgruppe umfasst periodisch auftretende Lähmungen bei Veränderungen des Kaliumgehalts im Blut (Fachbegriff: dyskaliämische periodische Lähmungen). Hier kommt es zu vorübergehender Nicht- beziehungsweise Untererregbarkeit der Muskelzellmembranen. Teilweise können bei diesen Erkrankungen auch Herzrhythmusstörungen auftreten.

Da es sich um erblich bedingte Störungen handelt, sind genetische Untersuchungen Teil des Diagnoseprogramms bei Myotonien. Das hat mitunter auch Konsequenzen für die Therapie, das heißt ob bestimmte Medikamente zum Einsatz kommen können. Nachfolgend ein Beispiel für nicht dystrophe Myotonien: die Myotonia congenita Thomsen.

Myotonia congenita Thomsen

Symptome: Erste Anzeichen sind oft schon bei kleinen Kindern zu erkennen. Sie können schlecht greifen oder Gegenstände halten, fallen leichter. Die Wadenmuskeln sind stark angespannt und werden steif. Der Fuß zeigt dabei spitz nach vorne. Dazu kommen Lähmungsattacken, Muskelsteifigkeit in unterschiedlichen Muskelpartien. Zusammengezogene Muskeln entspannen sich nur mühsam. Das behindert zahlreiche Aktivitäten. Wird eine Bewegung mehrmals wiederholt, funktioniert das Muskelspiel meist wieder ("Warm-up-Phänomen"). Auffallend ist oft ein muskulöser Körperbau.

Diagnose und Therapie: Wegweisend sind für den Neurologen neben der körperlichen Untersuchung und der Krankengeschichte Bluttests sowie die Elektromyografie. Zu den grundlegenden Untersuchungen kommen eventuell Magnetresonanztomografien, spezielle Gentests und die feingewebliche Untersuchung von Muskelgewebe (Biopsie) dazu.

Die Behandlung richtet sich nach den Beschwerden. Viele Betroffene benötigen nur in bestimmten Situationen und zeitlich begrenzt Medikamente, etwa muskelentspannende, krampflösende Mittel. Sie können häufig trotz ihrer Symptome ein weitgehend normales Leben führen.

Wadenkrämpfe bei metabolischen Myopathien (stoffwechselbedingte Muskelkrankheiten)

Herrscht in einem Muskel ein Ungleichgewicht zwischen Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr einerseits und Energieverbrauch andererseits, funktioniert der Muskel nicht mehr geregelt. Das heißt, er kann sich nicht mehr im notwendigen Maß zusammenziehen, dehnen oder entspannen. Störungen im Zucker- (Glykogen-) und Fettstoffwechsel beruhen meistens auf erblich bedingten Defekten wie Glykogenspeicherkrankheiten. Sie wirken sich auf unterschiedliche Weise aus. Je nach Krankheitsbild sind die Funktionen innerer Organe wie Herz, Leber, Nieren und die Atemwege betroffen.

An der Skelettmuskulatur kann es zu Muskelschwäche, Muskelschmerzen, Muskelabbau, Versteifungen und einer erhöhten Neigung zu Krämpfen kommen. Wadenkrämpfe sind in diesem Zusammenhang möglich, gehören aber nicht zu den vorherrschenden Symptomen. Die Beschwerden stellen sich vielfach unter körperlicher Belastung ein, so zum Beispiel beim sogenannten Phosphorylasemangel (McArdle-Syndrom), einer Erbkrankheit. Ruhe, aber auch gemäßigte Aktivität bringt häufig Erleichterung, Überanstrengung kann dagegen gefährliche Krankheitsschübe auslösen.

Krankhafte Wadenkrämpfe: Behandlung der Grunderkrankung

Nur selten sind Wadenkrämpfe Anzeichen für eine Erkrankung wie eine Stoffwechsel- oder Nervenstörung. Sie treten dann meist gehäuft auf, halten länger an und sind besonders schmerzhaft. Zudem fallen oft noch andere Symptome auf, wie Schmerzen in einem Bein oder beiden Beinen, Kribbeln und Taubheitsgefühle oder ein Schwächegefühl in den Muskeln, möglicherweise auch in anderen Körperbereichen.

Heftige, wiederkehrende Wadenkrämpfe muss immer der Arzt abklären. Erster Ansprechpartner wird der Hausarzt sein, der seinen Patienten je nach Verdacht an einen Internisten, einen Spezialisten für hormonelle Störungen (Endokrinologen), einen Facharzt für Nervenerkrankungen (Neurologen) oder einen Orthopäden überweist.

Mit der Behandlung der ursächlichen Erkrankung bessern sich in der Regel auch die Krämpfe. Physiotherapie (Krankengymnastik) mit den passenden Schwerpunkten, vor allem Dehnübungen, begleiten häufig die Therapie. Dehnübungen helfen zudem bei akuten Wadenkrämpfen (siehe auch Tipps unten).

Einige Muskel- beziehungsweise Muskel-Nerven-Erkrankungen wie die amyotrophe Lateralsklerose können die Fachärzte meist nur symptomatisch behandeln, das heißt mit Maßnahmen und Medikamenten, die die Beschwerden mildern und den Krankheitsverlauf hinauszögern.

Wadenkrämpfe: Behandlung mit Medikamenten

Magnesium

Bei nachgewiesenem Magnesiummangel (siehe Kapitel "Ursachen: Gestörter Elektrolythaushalt") wird der Arzt eine passende Therapie mit Magnesium und gegebenenfalls weiteren Mineralstoff- und Vitaminpräparaten verordnen. Die Ärzte setzen Magnesium auch häufiger bei idiopathischen Wadenkrämpfen ohne eindeutige Ursache ein. Magnesiumpräparate können zudem Ungleichgewichte ausgleichen, die mit einer chronischen Erkrankung wie Diabetes zusammenhängen. Sie werden darüber hinaus oft in der Schwangerschaft (mehr dazu auf unserem Partnerportal https://www.baby-und-familie.de: Schwangerschaft) angewandt und können älteren Menschen, die verstärkt mit Wadenkrämpfen zu tun haben, Erleichterung bringen.

! Sie sollten Magnesiumpräparate aber immer nur in Absprache mit dem Arzt einnehmen, um Wechselwirkungen und ungünstige Effekte auf andere, gleichzeitig bestehende Krankheiten zu vermeiden.

Chininsulfat

Der Einsatz dieses Wirkstoffes bei wiederholten heftigen nächtlichen Wadenkrämpfen kann unter bestimmten Voraussetzungen zeitlich begrenzt infrage kommen. Dies sollten Sie aber grundsätzlich mit Ihrem Arzt besprechen. Auch in der Apotheke können Sie sich dazu weiter beraten lassen.

Nach Ansicht auch deutscher Experten sollte Chininsulfat wegen vereinzelt schwere Nebenwirkungen nur in besonderen Fällen und nur unter strenger ärztlicher Kontrolle zum Einsatz kommen.

Die Einnahme bestimmter Medikamente oder eine Schwangerschaft sind nicht mit einer Chininbehandlung vereinbar. Auch müssen vor einer Therapie mit Chininsulfat mögliche Grunderkrankungen, die gesondert behandelt werden können, vom Arzt ausgeschlossen und alle anderen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft worden sein, unter anderem eine Physiotherapie mit Dehnungsübungen.

Vielen Betroffenen, die unter nicht krankhaften Wadenkrämpfen leiden, hilft es in der Tat meist schon, wenn sie ihre Muskeln regelmäßig dehnen, sich ausreichend körperlich bewegen und sich ausgewogen ernähren (zu magnesiumreichen Nahrungsmitteln siehe Tipps unten).

Dehnungsübungen während eines akuten Krampfes und zur Vorbeugung sind die Grundlage der Therapie.

Was gegen Wadenkrämpfe bei sportlichen Aktivitäten hilft

Vorbeugen

Wer viel Sport treibt und dabei immer wieder einmal von Wadenkrämpfen gebremst wird, der sollte sein Trainingsverhalten unter die Lupe nehmen. Einen Gang runterschalten, Pausen einlegen, die Trainingsintensität nur langsam steigern, Ausgleichsübungen einbauen, die Waden gezielt dehnen – all das kann sinnvoll sein.

Vorsicht auch vor Temperaturreizen, wenn Sie etwa in kaltem Wasser schwimmen. Wadenkrämpfe können Sie dann in gefährliche Situationen bringen. Kühlen Sie Ihren Körper vorher sanft ab, zum Beispiel mit einer Dusche oder im seichten Wasser.

Bereiten Sie sich mit Gymnastik und Stretching auf einen Ausdauersport wie Schwimmen oder Joggen vor.

Beobachten Sie auch, ob Sie viel schwitzen, und kontrollieren Sie Ihre Trinkgewohnheiten. Die Flüssigkeit und damit die Mineralstoffe, die Sie während Ihrer sportlichen Aktivitäten verlieren, gilt es auszugleichen.

Trinken Sie mindestens einen Liter pro Sportstunde, einen Teil davon schon vor dem Training. Dann während Ihrer Aktivität in regelmäßigen Abständen etwa alle 15 bis 20 Minuten einen Achtel- bis einen Viertelliter. Und danach natürlich. Wenn es heiß ist, entsprechend mehr.

Am besten eignen sich stilles, natriumreiches Mineralwasser oder Saftschorlen mit etwa einem Drittel Saftanteil. Nicht ideal sind Getränke, die viel Zucker und Kohlensäure enthalten.

Mehr Tipps, wie Sie sich als Sportler richtig ernähren, sodass Ihre Muskeln gut versorgt sind, finden Sie im Artikel "Die ideale Ernährung für Freizeitsportler". Hilfreiche Trainingsanleitungen gibt es in unserer Rubrik "Sport":

! Achtung: Wer Herzprobleme oder ein Nierenleiden hat, sollte mit seinem Arzt besprechen, wie viel er trinken darf und soll.

Wichtig für Sport(wieder)einsteiger

Wenn Sie über 35 Jahre alt sind und länger nicht mehr sportlich aktiv waren oder wenn Sie Probleme mit dem Herzen und den Gelenken haben, lassen Sie sich zuerst von Ihrem Arzt untersuchen. Er muss gesundheitliche Risiken ausschließen. Besprechen Sie mit ihm, welche Sportart für Sie geeignet ist.

Wenn ein Krampf beim Sport auftritt

  • Bleiben Sie stehen und dehnen Sie den Unterschenkel (siehe nebenstehende Übungen im Bild). Massieren Sie die Wade leicht, lockern Sie den Fuß.
  • Überprüfen Sie, ob Ihr Sportschuh gut sitzt, ob Sie Ihre Sportkleidung einengt.
  • Gehen Sie einige Schritte, trinken Sie etwas und legen Sie eine Trainingspause ein.
  • Wenn es zu kühl ist, ziehen Sie sich Strümpfe oder wärmende Hosen an.

Nächtliche Wadenkrämpfe mildern

Vorbeugen

Gehen Sie am Abend noch eine Runde spazieren und trinken Sie ausreichend (eineinhalb bis zwei Liter sollte ein gesunder Mensch täglich aufnehmen). Regelmäßige Gymnastik, Stretching und Ausdauersport wie Walking, Radfahren und Schwimmen halten allgemein Ihre Muskeln fit und beugen Krämpfen vor.

Spezielle Tipps:

  • Dehnen Sie Ihre Muskeln mit einfachen Dehnübungen vor dem Zubettgehen (siehe  Bilder im Text und das Video "Stretching").
  • Wenn Sie mit unten am Fußende eingeschlagenen Decken schlafen, lockern Sie diese, damit die Füße Bewegungsfreiheit haben. Vermeiden Sie schwere Decken, die nachts auf Ihren Füßen lasten und sie einengen.
  • Eventuell lohnt sich ein Versuch mit einem Kissen unter den Knien: Durch die leichte Beugestellung entspannen sich die Beinmuskeln 
  • Ein warmes Bad oder eine warme Dusche für Füße und Waden entspannen.

Wenn ein Krampf im Bett auftritt

Ziehen Sie im Liegen die Fußspitze nach oben in Richtung Knie, treten Sie mit der Ferse weg vom Körper (siehe Bilder). Vielen hilft es, die Wade dabei noch sanft zu massieren. Andere müssen aufstehen und einige Schritte gehen, damit der Krampf sich legt.

Oft tut dann Wärme gut, etwa eine kurze warme Fuß- und Wadendusche. Manchen von Krämpfen Geplagten helfen dagegen eher kalte Auflagen auf den harten Muskeln.

Gute Tipps gegen Wadenkrämpfe allgemein

  • Tragen Sie bequeme Schuhe, die Ihren Füßen guten Halt geben und nicht drücken.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig. Gezielte Dehnübungen, mehrmals in der Woche durchgeführt, halten die Muskeln fit und beugen Verkürzungen vor.
  • Wenn Sie längere Zeit körperlich nicht aktiv waren, beginnen Sie langsam, Ihre Muskelkraft wieder aufzubauen. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt und in Gesundheits- und Sportzentren beraten. Vielen Menschen in der zweiten Lebenshälfte hilft Krafttraining, die Muskeln bis ins hohe Alter aktiv zu halten.
  • Vermeiden Sie abrupte Wechsel von Warm zu Kalt. Vor allem im Sommer ist es nicht ratsam, sich überhitzt ins kalte Wasser zu stürzen.
  • Ernähren Sie sich ausgewogen, um Mangelerscheinungen zu vermeiden. Reich an Magnesium sind Obst, grünes Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte, zum Beispiel: Bananen (sie enthalten zudem viel Kalium und B-Vitamine), Haferflocken, Vollkornbrot, Spinat, Erbsen, Sojabohnen, Sesamsamen, Nüsse wie Cashew-Nüsse, Sonnenblumenkerne.
  • Und: Sparen Sie beim Verzehr von Salz: Zu viel davon kann ein Absinken des Kaliumspiegels begünstigen und so Wadenkrämpfen Vorschub leisten. Fertignahrungsmittel – Wurstwaren und Pizza sind nur zwei Beispiele – enthalten oft relativ viel Salz. Frische, selbst zubereitete Kost sollte die erste Wahl sein. Aber auch hier gilt natürlich: Vorsicht beim Würzen mit Speisesalz.

Fachliteratur für diesen Ratgeber

Herold G et al.: Innere Medizin, Köln Gerd Herold 2018

Battegay E (Hrsg.): Differenzialdiagnose Innerer Krankheiten. Vom Symptom zur Diagnose. 21., vollständig überarbeitete Auflage, Stuttgart Georg Thieme Verlag 2017

Klingelhöfer J, Berthele A: Klinikleitfaden Neurologie. 6. Auflage, München Elsevier Urban & Fischer 2017

Janni W, Hancke K, Fehm T, Scholz C, Rack B: Facharztwissen Gynäkologie. 2. Auflage, München Elsevier Urban & Fischer 2017

Mattle H, Mumenthaler M: Neurologie. 13. Auflage, Stuttgart Georg Thieme Verlag 2013

Klinke R, Pape H-C, Kurtz A, Silbernagl S (Hrsg): Physiologie. 6. Auflage, Stuttgart Georg Thieme Verlag 2010

Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN):
Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: https://www.dgn.org/leitlinien/inhalte-nach-kapiteln (Abgerufen am 12.11.2018, Auswahl):
- Crampi/Muskelkrampf: Lindemuth R et al., S1-Leitlinie Crampi/Muskelkrampf. Stand: 30.9.2016, AWMF-Register-Nr. 030/037
- Amyotrophe Lateralsklerose: Ludolph A C et al., S1-Leitlinie Amyotrophe Lateralsklerose (Motoneuronerkrankungen). Stand: 01.06.2014, AWMF-Register-Nr. 030/001

- Polyneuropathien: Heuß D et al., S1-Leitlinie Diagnostik bei Polyneuropathien. Stand: 30.09.2012, AWMF-Register-Nr. 030/067, in Überarbeitung

- Stiff-Man-Syndrom (auch: Stiff-Person-Syndrom): Meinck H-M et al., S1-Leitlinie Stiff-Man-Syndrom. Stand: 31.07.2017, AWMF-Register-Nr. 030/080

- Dystonie: Volkmann J et al., S1-Leitlinie Dystonien (Kapitel: Extrapyramidalmotorische Störungen). Stand: 30.09.2012, AWMF-Register-Nr. 030/039, in Überarbeitung

- Lumbale Radikulopathie: Glocker F et al.: S2k-Leitlinie Lumbale Radikulopathie. Stand: 11.1.2018, AWMF-Register-Nr. 030/058

- Diagnostik von Myopathien: Deschauer M et al., S1-Leitlinie Diagnostik von Myopathien. Stand: 15.03.2016, AWMF-Register-Nr. 030/115

- Myotone Dystrophien: Schneider-Gold C. et al., S1-Leitlinie Myotone Dystrophien, nicht dystrophe Myotonien und periodische Paralysen. Stand: 15.09.2015, AWMF-Register-Nr. 030/055

Fachredaktion: Dr. med. Claudia Osthoff