Trichomonaden-Infektion (Trichomoniasis)

Die Trichomoniasis ist eine sexuell übertragbare Krankheit. Ursache sind einzellige Parasiten (Trichomonaden). Sie führen zu einer Entzündung der Geschlechtsorgane und Harnwege

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03.03.2014

Was ist eine Trichomonaden-Infektion?

Die Trichomoniasis ist eine sexuell übertragbare Krankheit. Hierzulande ist sie heute selten. Bei Frauen führt sie zu Entzündungen der Scheide und der Harnröhre, die oft als quälend empfunden werden. Bei Männern befallen die Erreger die Harnröhre, lösen bei ihnen aber meist keine oder nur geringe Beschwerden aus. So übertragen Männer die Krankheit oft weiter, ohne zu ahnen, dass sie selbst infiziert sind.

Trichomonas vaginalis, der Erreger der Trichomoniasis, ist ein Einzeller (Protozoon). Der Parasit ruft in der Scheide eine heftige Entzündung mit Brennen im Scheideneingangsbereich hervor und bewirkt eine Fehlbesiedlung der Scheide mit massenhaft Stuhlbakterien – eine sogenannte Aminvaginose. Das führt zu einem durchdringenden Amingeruch, wie nach verdorbenem Fisch.

Welche Symptome sind typisch?

An Trichomoniasis erkrankte Frauen haben oft eine gerötete und geschwollene Scheide (Vagina). Als sehr unangenehm und belastend empfinden die meisten den typischen schaumigen Ausfluss, der – wie oben beschrieben – scharf nach verdorbenem Fisch riecht. Zudem können Symptome wie Brennen beim Wasserlassen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr auftreten. Genaueres im Kapitel "Symptome".

Beim Mann führt eine Trichomonaden-Infektion meistens zu keinen deutlichen Krankheitszeichen. Manchmal verspüren infizierte Männer eine leichte Irritation an der Harnröhrenmündung, Brennen beim Wasserlassen oder während der Ejakulation. Sie können auch etwas Ausfluss haben.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Das Erscheinungsbild zusammen mit den Beschwerden der Patienten deutet meistens schon auf die Erkrankung hin. Des Weiteren entnimmt der Arzt einen Vaginalabstrich und betrachtet ihn unter dem Mikroskop. Die Trichomonaden sind im mikroskopischen Abstrich bei ausreichender Erregerzahl an ihrer zappelnden Bewegung erkennbar. Die Erregerzahl kann allerdings innerhalb weniger Tage stark schwanken, weil der Körper viele weiße Blutkörperchen (Leukozyten) zur Abwehr mobilisiert. Nicht selten wird eine Trichomoniasis von den betreuenden Gynäkologen mangels Erfahrung lange nicht erkannt. Dann kann sie über Jahre vorhanden sein. Denn das Immunsystem tut sich schwer damit, den Parasit zu beseitigen.

Welche Therapie gibt es?

Eine Trichomoniasis wird mit bestimmten Antibiotika-Tabletten zum Einnehmen therapiert. Der Partner muss stets mitbehandelt werden, da es sonst zu einer erneuten gegenseitigen Ansteckung kommt. Nach einer Woche sollte im mikroskopischen Abstrich überprüft werden, ob die Trichomonaden, die Aminvaginose und die Leukozyten verschwunden sind. Gegebenenfalls muss die Behandlung mehrmals bei der Patientin und ihrem Partner wiederholt werden. Genaueres zur Behandlung erfahren Sie im Kapitel "Therapie".

Kondome schützen vor einer Trichomonaden-Infektion. In Deutschland ist die Trichomoniasis nicht meldepflichtig.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann eine ärztliche Beratung nicht ersetzen. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine individuellen Fragen beantworten.

Was sind Trichomonaden?

Trichomonaden der Spezies Trichomonas vaginalis lösen eine Infektionskrankheit der Geschlechtsorgane und Harnwege aus, die Trichomoniasis. Die Krankheitserreger zählen zu den Geißeltierchen. Das sind winzig kleine Tierchen –  sogenannte Einzeller – mit peitschenartigen Auswüchsen, den Geißeln. Mithilfe dieser Geißeln können sich die Trichomonaden selbstständig fortbewegen. Trichomonaden bevorzugen eine möglichst feuchte Umgebung sowie einen mäßig sauren oder neutralen pH-Wert (Maßzahl für den Säuregrad). Aufgrund der Feuchtigkeit und des pH-Werts in der Scheide und der Harnröhre können die Trichomonaden dort über einen langen Zeitraum überleben. In Trockenheit außerhalb des Körpers gehen sie dagegen sehr schnell zugrunde.

Trichomonas vaginalis ruft besonders in der Scheide (Vagina), aber auch in der Harnröhre, eine heftige Entzündung mit eitrigem Ausfluss hervor. Bei Frauen führt dies durch die entzündungsbedingt dünne Haut im Scheideneingangsbereich zu heftigem Brennen beim Verkehr. Zu diesem Brennen kommt noch der unangenehm fischig riechende Ausfluss. Er ist auf die Fehlbesiedelung der Scheidenflora mit Erregern wie Gardnerella vaginalis und massenhaft Stuhlbakterien zurückzuführen, die meist eine Trichomadeninfektion begleitet. Genaueres zu den Beschwerden lesen Sie im Kapitel "Symptome".

Wie kommt es zu einer Infektion?

Bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit einem infizierten Partner werden die Trichomonaden über Vaginal-Flüssigkeit oder Sperma übertragen. In Deutschland ist die Infektion insgesamt selten. Betroffene Frauen haben sich häufig bei Urlaubsbekanntschaften im Ausland infiziert.

Eine Trichomonaden-Infektion (Trichomoniasis) kann Beschwerden auslösen, aber auch symptomlos bleiben. Unbehandelt verläuft die Krankheit über viele Jahre. Sie betrifft beide Geschlechter, führt aber in erster Linie bei Frauen zu charakteristischen Problemen.

Welche Symptome haben Frauen?

Etwa fünf bis 28 Tage nachdem sich eine Frau angesteckt hat, können sich erste Anzeichen einer Scheidenentzündung zeigen. Typisch für eine Trichomoniasis sind vor allem ein unangenehmer, schaumiger Ausfluss aus der Scheide, der einen scharfen Fischgeruch hat, sowie quälendes Brennen im Intimbereich. Die Scheide (Vagina) ist zudem manchmal rot und geschwollen. An den Vaginalwänden können rote Flecken auftreten – als Zeichen einer besonders heftigen Scheidenentzündung. Auch leichte Unterbauchschmerzen sind möglich.

Aufgrund der Entzündung empfinden viele betroffene Frauen den Geschlechtsverkehr als schmerzhaft, spüren heftiges Brennen beim Verkehr. Wenn die Trichomonaden auch die Harnröhre befallen, kommt es zu Problemen und einem unangenehmen Brennen beim Wasserlassen.

Trichomonaden führen bei vielen Patientinnen zu heftigen Beschwerden. Manche von ihnen sagen, dass sie "sich selbst nicht mehr riechen können". Etwa die Hälfte der infizierten Frauen merkt jedoch nichts oder nur zeitweise etwas von dem Trichomonadenbefall.

Haben auch Männer Beschwerden?

Mit Trichomonaden infizierte Männer spüren zumeist keine Symptome. Gelegentlich treten Beschwerden einer Harnröhrenentzündung auf, die mit leichtem Brennen beim Wasserlassen und beim Samenerguss sowie mit Ausfluss aus der Harnröhre einhergehen. Dieser eitrige Ausfluss, der sich aus der Harnröhrenmündung drücken lässt, wird von vielen betroffenen Männern ignoriert.

Welche Komplikationen gibt es?

Eine Trichomonaden-Infektion greift die genitalen Schleimhäute an. Dadurch können sich neben den Trichomonaden auch andere Bakterien ausbreiten, die zu weiteren Beschwerden wie übel riechendem Ausfluss führen.

Frauen mit Trichomonaden-Infektion haben ein erhöhtes Risiko, sich beim Verkehr mit einem HIV-Infizierten mit dem HI-Virus zu anzustecken. Auch die Gefahr, das HI-Virus an andere Partner weiterzugeben, steigt.

Trichomoniasis und Schwangerschaft

Während einer Schwangerschaft kann eine Infektion mit Trichomonaden zu vorzeitigen Wehen und zu einer Frühgeburt führen. Zudem besteht das Risiko, das Kind während der Geburt mit den Erregern zu infizieren. Deshalb ist es wichtig, Beschwerden frühzeitig vom Arzt abklären zu lassen und mit ihm die geeignete Therapie zu planen.

Die Symptome einer Trichomonaden-Infektion sind ein erster Hinweis auf die Erkrankung. Genaueres zu den Beschwerden lesen Sie im Kapitel "Symptome".

Um die Verdachtsdiagnose abzusichern, entnimmt der Arzt einen Abstrich vom Vaginalsekret, den er unter einem Mikroskop begutachtet. Entsprechend kann er auch einen Abstrich vom Harnröhrensekret (Urethralsekret) des Mannes untersuchen. Die Trichomonaden lassen sich im mikroskopischen Bild an ihrer birnenartigen Form, den langen, peitschenartigen Geißeln und ihrer torkelnden Bewegung erkennen.

Zusätzlich kann der Arzt im Abstrich auch den pH-Wert in der Scheide messen. Ein pH-Wert über 6,0 ist ebenfalls charakteristisch für eine Trichomoniasis.

Außerdem wird der Arzt weitere, möglicherweise gleichzeitig vorhandene Erreger bestimmen beziehungsweise andere Infektionsarten ausschließen, etwa einen Befall mit Chlamydien, Gonokokken oder Erregern der Syphilis.

Eine Trichomoniasis behandelt der Arzt normalerweise mit bestimmten Antibiotika zum Einnehmen. Eine örtliche, vaginale Therapie ist nicht ausreichend. Eine Trichomonaden-Infektion hat bei der richtigen Therapie eine gute Prognose. Bei den meisten Betroffenen schlägt das Medikament schnell und effektiv an. In manchen Fällen muss aber über einen längeren Zeitraum behandelt werden. Kontrolluntersuchungen sind von entscheidender Bedeutung, um mittels Scheidenabstrich den Therapieerfolg zu sichern.

In der Praxis hat sich das Antibiotikum Metronidazol durchgesetzt. Die Ärzte verabreichen bei Trichomonaden-Infektionen einmal oder mehrmals zwei Gramm in Tablettenform. Nach einer Woche sollte eine Kontrolluntersuchung stattfinden.

Für schwangere Patientinnen gilt: zur geeigneten Therapie individuell vom Arzt beraten lassen.

Warum ist eine Partnerbehandlung so wichtig?

Ganz wesentlich ist es, dass sich beide Partner therapieren lassen. Beim Mann verschwinden die Symptome manchmal auch ohne Behandlung. Trotzdem bleibt er ansteckend. Auch wenn ein Mann keine Beschwerden hat oder nie welche hatte, muss er sich gemeinsam mit seiner Partnerin einer Therapie unterziehen. Ohne Behandlung würde er sie sonst immer wieder von neuem anstecken (sogenannter Ping-Pong-Effekt).

Wie lässt sich einer Infektion vorbeugen?

Da Trichomonaden durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen werden, bleibt der Gebrauch von Kondomen der sicherste Schutz vor einer Infektion.

Sollten Beschwerden im Genitalbereich oder beim Wasserlassen auftreten, ist es wichtig, sich untersuchen zu lassen. Nach entsprechender Diagnose ist eine gemeinsame Therapie mit dem Sexualpartner oder der Partnerin unerlässlich. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und im Zweifelsfall gezielte Tests beim Frauenarzt oder Urologen bringen mehr Sicherheit.

Dr. med. Günter Raab ist Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe und Privatdozent an der TU München. Neben seiner Praxistätigkeit im Zentrum für Frauenmedizin im Schäfflerhof, München, arbeitet er als Belegarzt in der WolfartKlinik in Gräfelfing. Neben allgemeiner Gynäkologie sind seine Spezialgebiete die operative Gynäkologie und Brusterkrankungen.